Eintausendneunhundertvierzehn Sakrilege – Tür 9 – Weltall – Planeten - Sterne


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von anonym am 09. Dezember 2005 00:46:16:

GROSSVATER war schon über achtzig Jahre alt.
Er war groß und hatte sanfte blaue Augen und einen buschigen weißen Bart.
Er hatte ein wunderbares Gesicht.
Es zeigte eine Aura großer Würde und Gefasstheit.
Er war unser Freund und Vertrauter.
In einem vertraulichen Ton begann dann Großpapa, von der Zeit zu berichten, als er um ein Mädchen warb:
„Ich war noch ziemlich jung, als ich mich in ein Mädchen verliebte.
Als ich mit ihr ging, gingen wir oft zusammen in einen Park.
Wir konnten in irgendeinen Park gehen, ohne irgendwelche Befürchtungen zu hegen, selbst in Parks in den Randzonen einer Stadt.
Ich hörte nie etwas davon, dass dort jemand belästigt worden wäre.
Dort war kein Polizist zu sehen. Man brauchte sie dort nicht. Verbrechen und Unmoral, wie wir sie heute haben, waren fast unbekannt, ja sehr, sehr selten.
Ich erinnere mich noch daran, dass mir einer meiner Freunde erzählte, ein Mädchen sei vergewaltigt worden, und wir waren entsetzt, ja schockiert.
Was für ein Unmensch wird das wohl sein, der so etwas tut?' fragten wir uns.
Damals herrschte eine gerechte Entrüstung unter den Menschen.
Heute gibt es viele, die jeden Tag von solchen Dingen lesen, ohne davon berührt zu sein.
Diese zunehmende Gesetzlosigkeit ist ein weiterer gewaltiger Wechsel, von dem die Bibel spricht und der seit dem Ersten Weltkrieg über die Erde gekommen ist. [Matth. 24:12]
Für viele wirken Verbrechen nicht mehr schockierend.
Verbrecher werden heute von den Gerichten und auch von den Menschen im Allgemeinen mit Samthandschuhen angefasst und in Schutz genommen.
In meiner Jugendzeit hätte es so etwas nicht gegeben."
Sie wohnten in einem alten, ganz aus Holz gebauten Bauernhaus, das sieben Räume und einen Dachboden hatte.
Der Dachboden war für Gerd und mich ein Museum, und wir verbrachten viele Stunden, um in den alten Sachen herumzukramen.
Eines Tages sagten wir aus Spaß zu Großpapa, wir wollten den Dachboden durchwühlen, um ,,zu sehen, wie sehr sich die Welt verändert hat".
Er empfand den Sarkasmus in unseren Worten.
„Ihr glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass sich die Zeiten geändert haben, nicht wahr?"
Ohne auf eine Antwort zu warten, ging er die Treppe hinauf, steuerte direkt auf eine alte Truhe zu, öffnete sie und zog einige vergilbte Zeitungen heraus…


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Einsichten Band 1 S. 483-484 Chronologie ***
Ein Laie, der sich mit Geschichte befaßt, mag fälschlicherweise denken, die Keilschrifttafeln (wie sie auch Berossos verwendet haben mag) seien stets um die Zeit der darauf verzeichneten Ereignisse oder kurz danach geschrieben worden. Doch abgesehen von den vielen keilschriftlichen Geschäftsurkunden, die wirklich zeitgenössisch waren, stammen die babylonischen Geschichtstexte und sogar zahlreiche astronomische Texte erwiesenermaßen oft aus einer viel späteren Epoche. Gemäß dem Assyriologen D. J. Wiseman ist der Teil der sogenannten Babylonischen Chronik, der den Zeitraum von der Regierung Nabu-nasirs bis zur Herrschaft Schamasch-schum-u-kins umfaßt (den profane Geschichtsschreiber von 747 bis 648 v. u. Z. angeben), „eine Abschrift, die im zweiundzwanzigsten Jahr des Darius [die Fußnote lautet: I.e. 500/499 v. Chr., falls Darius I.] von einem älteren, beschädigten Text gemacht wurde“ (Chronicles of Chaldaean Kings, London 1956, S. 1). Demnach wurde diese Urkunde nicht nur erst 150 bis 250 Jahre nach den verzeichneten Ereignissen geschrieben, sondern sie wurde auch noch von einer beschädigten früheren Urkunde abgeschrieben, vielleicht einem Original, vielleicht auch nicht. Über die Texte der Neubabylonischen Chronik, die sich auf die Zeit von Nabupolassar bis Nabonid beziehen, sagt derselbe Autor folgendes: „Die Texte der Neubabylonischen Chronik sind in einer kleinen Schrift geschrieben, die keine genaue Datierung zuläßt, die aber anzudeuten scheint, daß die Texte irgendwann zwischen der Zeit, in der sich die Ereignisse abspielten, und dem Ende der Achämenidenherrschaft geschrieben wurden“ (S. 4). Möglicherweise wurden sie erst geschrieben, als das Persische Reich unterging, was sich im Jahre 331 v. u. Z. ereignete, also rund 200 Jahre nach dem Sturz Babylons. Wie wir bereits gesehen haben, kann es leicht passieren, daß Daten, einschließlich Zahlen, innerhalb von nur ein paar Jahrhunderten abgeändert oder sogar von heidnischen Schreibern gefälscht werden. Angesichts all dessen ist es sicherlich nicht weise, darauf zu bestehen, die überlieferten Zahlen für die Regierungszeiten der neubabylonischen Könige seien absolut zuverlässig.
Da keine zeitgenössischen geschichtlichen Aufzeichnungen vorliegen und Zeitangaben leicht geändert werden konnten, ist es durchaus möglich, daß der eine oder andere neubabylonische Herrscher länger regierte, als die überlieferten Zahlen zeigen. Die Tatsache, daß keine Tafeln entdeckt worden sind, die über die späteren Regierungsjahre Aufschluß geben würden, kann man nicht unbedingt als stichhaltiges Gegenargument anführen. Es gibt Fälle, in denen Könige viel später regierten und man keine Tafeln gefunden hat, die dies bestätigen würden. Zum Beispiel gibt es weder für Artaxerxes III. (Ochos) (von dem Historiker sagen, er habe 21 Jahre lang geherrscht [358 bis 338 v. u. Z.]) noch für Arses (von dem man annimmt, daß er 2 Jahre regiert hat [337 bis 336 v. u. Z.]) bekannte zeitgenössische keilschriftliche Beweise, aus denen hervorgehen würde, wie lange sie geherrscht haben.
In Wirklichkeit wissen Historiker nicht, wo sie bestimmte babylonische Könige, von denen tatsächlich Berichte existieren, einordnen sollen. Professor A. W. Ahl (Outline of Persian History, 1922, S. 84) stellt folgendes fest: „Auf den Vertragstafeln, die man in Borsippa entdeckt hat, erscheinen die Namen babylonischer Könige, die sonst nirgendwo auftauchen. Höchstwahrscheinlich sind sie zwischen den letzten Tagen Darius’ I. und den ersten Tagen Xerxes’ I. einzuordnen, wie Ungnad vermutet.“ Doch dies bleibt immer noch eine Vermutung.

Einsichten Band-1 S. 484-485 Chronologie ***
Astronomische Berechnungen. Martin Noth stellt in seinem Buch Die Welt des Alten Testaments folgende Behauptung auf: „Die Umsetzung der . . . relativen Chronologie [die lediglich die Reihenfolge von Ereignissen aufzählt] . . . in eine absolute Chronologie, d. h. in ein mit unserer Jahreszählung fest verbundenes Zahlensystem, ist möglich durch das Mittel astronomischer Feststellungen“ (Berlin 1962, S. 245). Selbstverständlich sollten die vom Schöpfer ins Dasein gebrachten Himmelskörper den Menschen als Zeitmesser dienen, doch die Übereinstimmung astronomischer Angaben mit Ereignissen in der Menschheitsgeschichte ist menschlicher Auslegung und anderen Faktoren unterworfen, die Fehler verursachen können.
Viele der sogenannten Synchronisierungen astronomischer Angaben mit Ereignissen oder Daten der Geschichte des Altertums gründen sich auf Sonnen- oder Mondfinsternisse. Allerdings „treten für irgendeine Stadt durchschnittlich etwa 40 Mondfinsternisse und 20 partielle Sonnenfinsternisse in 50 Jahren ein, [doch] nur eine einzige totale Sonnenfinsternis in 400 Jahren“ (Encyclopædia Britannica, 1971, Bd. 7, S. 907). Also nur, wenn es ausdrücklich erwähnt ist, daß eine in einem bestimmten Gebiet sichtbare totale Sonnenfinsternis eingetreten ist, bestünde wenig Grund, diese Methode bei der Festlegung eines bestimmten Geschichtsdatums anzuzweifeln. Doch in vielen Fällen liefert das Material aus alten Keilschrifttexten (oder anderen Quellen) über Finsternisse keine solchen speziellen Angaben.
Ein Beispiel ist die Sonnenfinsternis, auf die sich Historiker stützen, um die assyrische Chronologie mit der biblischen Chronologie in Übereinstimmung zu bringen. Gemäß den assyrischen Eponymenlisten soll sie im dritten Monat (vom Frühjahr an gerechnet) während des Eponymats von Bur-Sagale stattgefunden haben. Laut Berechnungen heutiger Chronologen soll es sich um die Finsternis gehandelt haben, die sich am 15. Juni 763 v. u. Z. ereignet hat. Wenn sie von diesem Datum aus 90 Jahre (oder 90 Namen auf den Eponymenlisten) zurückrechnen, kommen sie auf das Jahr 853 v. u. Z. als den Zeitpunkt für die Schlacht von Karkar im sechsten Jahr Salmanassars III. Sie behaupten, Salmanassar führe König Ahab von Israel als Verbündeten der Feinde Assyriens in jener Schlacht auf und zwölf Jahre später (im 18. Jahr Salmanassars) erwähne der assyrische König, daß ihm König Jehu von Israel tributpflichtig sei. Dann folgern sie, das Jahr 853 v. u. Z. kennzeichne das letzte Jahr Ahabs und 841 v. u. Z. sei der Beginn der Regierungszeit Jehus. Sind diese Berechnungen stichhaltig?
Erstens nimmt man an, daß es sich bei der Sonnenfinsternis um eine totale Sonnenfinsternis handelte, obgleich dies aus der Eponymenliste nicht hervorgeht. Und zweitens haben nicht alle Gelehrte diese Bezugnahme auf die Finsternis von 763 v. u. Z. angewandt, obwohl die meisten Historiker dies heute tun; einige ziehen das Jahr 809 v. u. Z. vor, in dem sich eine Finsternis ereignete, die zumindest teilweise in Assyrien sichtbar war (wie es auch 857 und 817 v. u. Z. usw. der Fall war) (Th. Oppolzer, Canon der Finsternisse, Tafel 17, 19, 21). Zwar weigern sich heutige Geschichtsforscher, von dem Jahr 763 v. u. Z. für die Sonnenfinsternis abzugehen, weil dadurch angeblich die assyrische Geschichte verworren würde, doch wir haben bereits gesehen, daß die Assyrer selbst beträchtliche Verwirrung in ihrer eigenen Geschichte gestiftet haben.
Darüber hinaus ist es sehr unwahrscheinlich, daß König Ahab an der Schlacht von Karkar teilnahm. Selbst wenn die Regierungszeiten Ahasjas und Jorams (die zwischen den Regierungszeiten Ahabs und Jehus lagen) auf nur 12 Jahre herabgesetzt werden könnten (vgl. 1Kö 22:40, 51; 2Kö 1:2, 17; 3:1), sprechen die Beweise dagegen, daß Ahab an der Schlacht von Karkar teilnahm. Daß Salmanassar Jehu erwähnt, heißt nicht notwendigerweise, daß er sich auf dessen erstes Regierungsjahr bezieht. Die Anschuldigung, daß die Assyrer gern die Jahresangaben für ihre Feldzüge fälschten und sogar vorgaben, daß Personen, die schon lange tot waren, Tribut an ihre Könige entrichteten, mag den vermeintlichen Wert der Synchronisierung sogar noch mehr herabsetzen. Aus der zu diesem Artikel gehörenden graphischen Darstellung „Herausragende Daten während der Zeit der Könige von Juda und von Israel“ geht hervor, daß Ahab um das Jahr 920 v. u. Z. starb und daß Jehus Herrschaft als König um das Jahr 904 v. u. Z. begann.

Einsichten Band 1 S. 485-487 Chronologie ***
Mondfinsternisse. Mondfinsternisse sind verwendet worden, um die für bestimmte Jahre der neubabylonischen Könige gewöhnlich angegebenen Daten zu bestätigen, die man aufgrund des Kanons des Ptolemäus und keilschriftlicher Aufzeichnungen ermittelt hat. Aber selbst wenn Ptolemäus die Zeitpunkte gewisser früherer Finsternisse genau berechnet oder aufgezeichnet hat (ein neuzeitlicher Astronom hat herausgefunden, daß drei Fünftel der Angaben des Ptolemäus korrekt sind), beweist das nicht, daß seine Übermittlung geschichtlicher Angaben richtig ist, d. h., die Beziehungen, die er zwischen Finsternissen und der Regierungszeit gewisser Könige herstellt, mögen nicht immer auf Tatsachen beruhen.
Die Bestimmung des Todesdatums von Herodes dem Großen zeigt, welche Probleme beim Festlegen von Daten mit Hilfe von Mondfinsternissen auftauchen können. Josephus’ Aufzeichnungen (Jüdische Altertümer, 17. Buch, Kap. 6, Abs. 4; Kap. 8, Abs. 1 bis Kap. 9, Abs. 3) besagen, daß Herodes kurz nach einer Mondfinsternis und nicht lange vor Beginn der Passahzeit starb. Viele Gelehrte setzen das Jahr 4 v. u. Z. als das Todesjahr des Herodes fest und führen als Beweis die Mondfinsternis vom 11. März (13. März gemäß dem Julianischen Kalender) jenes Jahres an. Aufgrund dieser Berechnung datieren viele heutige Chronologen die Geburt Jesu schon auf das Jahr 5 v. u. Z.
Doch die Finsternis im Jahre 4 v. u. Z. war nur eine 36%ige Finsternis und hätte, da sie sich frühmorgens ereignete, die Aufmerksamkeit sehr weniger Menschen erregt. Zwei weitere Finsternisse, die 1 v. u. Z. stattfanden, könnten in Frage kommen, da sie sich beide kurz vor dem Passahfest ereigneten. Die partielle Mondfinsternis vom 27. Dezember (29. Dezember gemäß dem Julianischen Kalender) jenes Jahres war vielleicht in Jerusalem sichtbar, aber wahrscheinlich handelte es sich nicht um ein aufsehenerregendes Ereignis. Gemäß den Berechnungen, die sich auf Oppolzers Canon der Finsternisse (S. 343) stützen, trat der Mond aus dem Schatten der Erde, als es in Jerusalem dämmerte, und sobald es dunkel war, konnte man den Mond wieder ganz sehen. Außerdem ist diese Mondfinsternis nicht in der umfassenden Liste von Manfred Kudlek und Erich Mickler aufgeführt. Inwieweit diese Finsternis also in Jerusalem sichtbar war oder ob man sie überhaupt beobachten konnte, ist zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte ungewiß. Eindrucksvoller als die beiden obenerwähnten Finsternisse war die Mondfinsternis, die spätnachts in den ersten Stunden des 8. Januar des Jahres 1 v. u. Z. (10. Januar gemäß dem Julianischen Kalender) eintrat. Dabei handelte es sich um eine totale Finsternis, bei der der Mond 1 Stunde und 41 Minuten nicht zu sehen war. Selbst bei bedecktem Himmel hätte sie jeder, der wach war, bemerken müssen. Demnach ereignete sich während der hier besprochenen Jahre mehr als eine Finsternis kurz vor einem Passahfest. Vom Standpunkt der heute verfügbaren Informationen aus betrachtet, scheint es, daß die Finsternis vom 8. Januar des Jahres 1 v. u. Z. die auffallendste war (M. Kudlek und E. H. Mickler, Solar and Lunar Eclipses of the Ancient Near East from 3000 B.C. to 0 With Maps, Neukirchen-Vluyn, 1971, Bd. I, S. 156).
Allerdings stützen sich nicht alle Texte, die Historiker verwenden, um Ereignisse und Zeitabschnitte der Geschichte des Altertums zu datieren, auf Finsternisse. Man hat astronomische Kalender gefunden, die die Stellung des Mondes (in Beziehung zu bestimmten Sternen und Sternbildern) bei seinem Aufgang und bei seinem Untergang an einem bestimmten Tag in Babylon (zum Beispiel: „Der Mond stand eine Elle vor dem Hinterfuß des Löwen“) und auch die Stellung gewisser Planeten zu denselben Zeiten angeben. Neuzeitliche Chronologen weisen darauf hin, daß sich eine solche Kombination astronomischer Stellungen in Tausenden von Jahren nicht wiederhole. Diese astronomischen Kalender enthalten auch Hinweise auf die Regierung gewisser Könige und scheinen mit den Zahlen, die im Kanon des Ptolemäus angegeben sind, übereinzustimmen. So unbestreitbar solche Beweise manchen auch erscheinen, gibt es dennoch Faktoren, die ihre Stichhaltigkeit sehr beeinträchtigen.
Erstens können die in Babylon gemachten Beobachtungen Fehler enthalten haben. Die Astronomen Babylons waren sehr an Himmelserscheinungen interessiert, die sich in der Nähe des Horizonts, beim Aufgang oder beim Untergang des Mondes oder der Sonne, ereigneten. Der Horizont, den man von Babylon aus sieht, ist jedoch oft durch Sandstürme verdunkelt. In einem Kommentar darüber erklärt Professor O. Neugebauer, daß Ptolemäus selbst über den „Mangel an zuverlässigen Beobachtungen der Planeten [vom alten Babylon aus] geklagt habe. Er [Ptolemäus] erwähnt, daß die früheren Beobachtungen recht unzulänglich seien, da sie sich mit dem Erscheinen und dem Verschwinden und mit feststehenden Punkten befaßt hätten, was schon an sich schwer zu beobachten sei“ (The Exact Sciences in Antiquity, 1957, S. 98).
Zweitens wurden die meisten der entdeckten astronomischen Kalender nicht etwa zur Zeit des Neubabylonischen Reiches oder des Persischen Reiches geschrieben, sondern in der Seleukidenzeit (312—65 v. u. Z.), obgleich sie Angaben enthalten, die sich auf jene früheren Zeitabschnitte beziehen. Historiker nehmen an, daß es sich um Abschriften älterer Urkunden handelt. Tatsächlich besteht ein bedenklicher Mangel an zeitgenössischen astronomischen Texten, mit deren Hilfe man die vollständige Chronologie der neubabylonischen und der persischen Zeit (Ende des 7. Jahrhunderts bis Ende des 4. Jahrhunderts) festsetzen könnte.
Selbst wenn, wie im Fall des Ptolemäus, die astronomischen Angaben in den zur Verfügung stehenden Texten (wie sie jetzt ausgelegt und verstanden werden) im großen und ganzen genau sind, beweist dies nicht, daß die dazugehörenden historischen Angaben genau sind. So wie Ptolemäus die (von ihm angenommenen) Regierungszeiten gewisser Könige des Altertums einfach als Rahmen gebrauchte, in den er seine astronomischen Angaben einfügte, mögen auch die Verfasser (oder Abschreiber) der astronomischen Texte der Seleukidenzeit in ihre astronomischen Texte einfach die allgemein anerkannte oder volkstümliche Chronologie ihrer Zeit eingefügt haben. Diese allgemein anerkannte oder volkstümliche Chronologie kann an den zuvor in diesem Artikel besprochenen kritischen Punkten ohne weiteres Fehler enthalten haben. Zum Beispiel mag ein Astronom (oder Schreiber) des Altertums erklärt haben, ein gewisses Himmelsphänomen habe sich in dem Jahr ereignet, das gemäß unserem Kalender dem Jahr 465 v. u. Z. entspräche, und diese Erklärung mag sich als richtig erweisen, wenn sie durch genaue Berechnungen bestätigt wird. Aber er mag ebenfalls erklärt haben, das Jahr, in dem sich das betreffende Himmelsphänomen ereignet habe (465 v. u. Z.), sei das 21. Jahr des Königs Xerxes gewesen, und dabei völlig unrecht haben. Einfach ausgedrückt, die Genauigkeit in der Astronomie beweist nicht die Genauigkeit in der Geschichte.

WT 1978 15. 3. S. 10 Nachrichten und ihre tiefere Bedeutung ***
Claudius Ptolemäus — ein Schwindler
• Wie zuverlässig ist die bis heute anerkannte Chronologie des alten babylonischen Weltreichs? Viele Jahre haben sich Chronologen hauptsächlich auf die Königsliste des Claudius Ptolemäus gestützt, eines griechischen Naturforschers, der im zweiten Jahrhundert lebte und für viele als der größte Astronom des Altertums galt.
Robert R. Newton, ein Physiker der Johns-Hopkins-Universität, unterbreitet jedoch in seinem neuen Buch „The Crime of Claudius Ptolemy“ (Das Verbrechen des Claudius Ptolemäus) Beweise dafür, daß Ptolemäus viele seiner astronomischen Beobachtungen „bewußt fälschte“, damit sie mit seinen vorgefaßten Theorien übereinstimmten und „er behaupten konnte, die Beobachtungen seien ein Beweis für die Stichhaltigkeit seiner Theorien“.
Die Zeitschrift „Scientific American“ bemerkt zu Newtons Buch: „Die Fälschung des Ptolemäus mag so weit gehen, daß er auch die Länge der Herrschaft babylonischer Könige frei erfunden hat. Da die heutige Rekonstruktion der babylonischen Chronologie größtenteils auf einer Königsliste beruht, nach der Ptolemäus die Daten seiner angeblichen babylonischen Beobachtungen festlegte, muß man, wie Newton ausführt, ,die gesamte relevante Chronologie heute neu überprüfen und die [Königs-]Liste des Ptolemäus als Stütze vollständig fallenlassen‘ “ (Oktober 1977, S. 80).
Diese Entdeckungen zeigen, weshalb man sich auf Geschichtsberichte und chronologische Berechnungen, die im Widerspruch zur Bibel stehen, nicht verlassen kann. Im Gegensatz zu weltlichen Historikern konnten sich die Schreiber der Bibel durch eine Falschdarstellung von Tatsachen keine Vorteile verschaffen. Außerdem wurden ihre Aufzeichnungen in die „ganze Schrift“ aufgenommen, die „von Gott inspiriert“ ist (2. Tim. 3:16).
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Interview mit Abraham Sachs bei Nachforschungen, in Verbindung mit Vorarbeiten für das Bibellexikon der Wachtturm-Gesellschaft Aid to Bible Understanding (deutsche Ausgabe: Hilfe zum Verständnis der Bibel).
Zu diesen Nachforschungen gehörte auch ein Interview mit Abraham J. Sachs, das dieser ihnen gewährte, während er noch Professor für die Geschichte der Mathematik an der Brown University in Providence, Rhode Island, USA, war.
Das Gespräch fand am 15. Juni 1968.

Als erstes interessiert uns, wie Dr. Sachs über das astronomische
Tagebuch VAT 4956 dachte. Ist die Authentizität dieses Textes eventuell
dadurch beeinträchtigt, dass er eine Abschrift eines älteren Textes darstellt?
Wäre es möglich, dass die in dem Text berichteten Beobachtungen später
berechnet und dann dem 37. Jahr Nebukadnezars zugeordnet wurden?

SACHS: Die Tafel ist abgeschrieben worden; darüber besteht kein
Zweifel. Die darauf enthaltenen astronomischen Angaben sind aber von
einer Art, dass niemand im Altertum sie hätte rückwirkend fälschen
können. Wir müssen also dasselbe annehmen, was wir auch in allen
anderen Fällen tun, dass wir die Tafel nämlich als korrekt einstufen,
wenn sie für sich allein geprüft wurde und die Angaben darauf sich als
korrekt erwiesen haben (Seite 5).
SACHS: Das ist ohne Zweifel eine Kopie. Andererseits ist das astronomische Material von solcher Art, dass es nicht rückwirkend vorgetäuscht worden sein kann. Wir müssen es also so nehmen, als ob es ein Original wäre (Seite 10).
FRANZ: Und über diese Art von Material besteht bei allen Astronomen absolute Einmütigkeit, es bestehen nirgendwo Differenzen? SACHS: Voll und ganz. Das ist nie angezweifelt worden (Seiten 10, 11).
Nach dem Gespräch über VAT 4956 geht Dr. Sachs auf die Mondfinstemistexte (die Saros-Texte) ein. Er gibt eine kurze Einführung und betont, dass sie mit der allgemein akzeptierten Chronologie der neubabylonischen Epoche vollständig übereinstimmen.
FRANZ: Aber davon ist noch kein Text veröffentlicht worden? SACHS: Nein, nein. Aber sie stimmen alle. Ich meine, falls sie nicht in das Bild passen würden, dann wäre das Anlass genug, es sofort zu veröffentlichen. Ich meine, wenn man das Ganze fallenlassen und sagen müsste, dass das alles Schrott ist und dass da irgendwas nicht stimmt. Aber sie stimmen (Seite 12).
Die Mondfinsternistexte sind häufig Kopien von Originaltexten. Könnte es sein, dass wenigstens einzelne Mondfinsternisse von späteren Kopisten berechnet und der neubabylonischen Zeit untergeschoben wurden? PLOEGER: Und dieselbe Situation finden wir in allen Texten vor, in diesen astronomischen Texten, wie Sie sagen, überall finden wir eine Serie von astronomischen Daten vor?
SACHS: Richtig. Sie wurden natürlich in vielen Fällen von den Originaltexten abgeschrieben, können aber nicht gefälscht worden sein, denn damals kannte man nicht genug Astronomie, um dies rückwirkend zu tun.
FRANZ: Und die astronomischen Daten sind zuverlässig, sie stimmen jedes Mal auf den Tag genau? Es kann immer nur genau diese Abfolge von Tagen gewesen sein? SACHS: Genau (Seite 14).
Es wurde auch über LBART 1419 gesprochen, einen der Mondfinsternistexte, der - wie weiter oben bereits ausgeführt - datierte Finsternisse in 18-Jahres-Abschnitten angibt, die von Nabopolassars 17. Jahr (609/608 v.u.Z.) bis zu Artaxerxes' 18. Jahr (447/446 v.u.Z.) reichen. Dazu erklärte Sachs, dass alle Beschreibungen von Finsternissen "damit anfangen, daß sie die Jahreszahl und den Namen der Könige nennen" (Seite 16). Danach kommen die Angaben über die Finsternisse, die hinreichend detailliert sind, so dass Astronomen heute keine Mühe haben, sie zu identifizieren. Das trifft auf sämtliche Finsternistexte zu:
SACHS: Ich habe, wie gesagt, eine große Anzahl von Fragmenten aus dieser Serie der Finsternistexte, die sich sehr einfach datieren lassen. Wenn ich ein Bruchstück davon habe, dann brauche ich nichts als eine Jahreszahl und schon habe ich es datiert (Seite 28). Wenn man aber bedenkt, dass sich die Mondfinsternisse in Abständen von 18 Jahren nach demselben Muster wiederholen, wäre es dann nicht möglich, dass man eine angegebene Finsternis mit einer anderen verwechselt, die 18 Jahre eher stattfand?
FRANZ: Und bei den Saros-Perioden sind die einzelnen Finsternisse der einen Periode also keine genauen Duplikate der entsprechenden Finsternis 18 Jahre später?
SACHS: Auf gar keinen Fall! Die Finsternisse entsprechen einander nur, identisch sind sie aber ganz und gar nicht. Und allmählich verändern sie sich auch im Ausmaß, wissen Sie, im Grad (Seite 29). Sachs erklärte dann, dass sich die Finsternisse nicht am selben Kalendertag wiederholen, da der Abstand der Perioden nicht genau 18 Jahre beträgt, sondern 18 Jahre, 10 Tage und mehrere Stunden. Das Muster der Finsternisse wandert mit jedem 18-Jahr-Zyklus ein Stück voran im Kalenderjahr. So ist es unmöglich, sie zu verwechseln. Am Schluss des Interviews betonte Sachs noch einmal, dass die neubabylonische Chronologie dank der astronomischen Texte "sich selbst trägt", ohne der Hilfe späterer Quellen zu bedürfen.

Es gibt kein Ausweichen vor dem Beweismaterial der babylonischen Texte zur Astronomie. Aus ihnen ergibt sich die Chronologie der neubabylonischen Epoche, ohne dass daran zu rütteln wäre. Dies wird bestätigt durch Abraham J. Sachs, bis zu seinem Tod im Jahr 1983 die führende Autorität auf dem Gebiet der babylonischen Astronomie.


Astronomische Tagebücher sind vor allem deswegen so wertvoll weil sie unabhängig und gleichgültig an welchem Kalender sie angelegt werden, rückwirkend Datiert werden können.

(a) Das astronomische Tagebuch VAT 4956 enthält etwa 30 vollständig verifizierte astronomische Beobachtungen aus Nebukadnezars 37. Jahr.
Diese Kombination astronomischer Beobachtungen kommt in Tausenden von Jahren nicht wieder vor.
Daher gibt es nur ein einziges Jahr, für das sie passen: 568/567 v.u.Z.
War dies Nebukadnezars 37. Regierungsjahr, wie es auf der Tafel zweimal gesagt wird, dann muss 587/586 v.u.Z. das 18. Jahr seiner Herrschaft gewesen sein, in dem er Jerusalem verwüstete.

(b) B. M. 32312 als ältestes erhalten gebliebenes astronomisches Tagebuch verzeichnet astronomische Beobachtungen, die es den Forschern ermöglichen, diese Tafel auf das Jahr 652/651 v.u.Z. zu datieren.
Aus einer geschichtlichen Angabe in diesem Text, die in der babylonischen Chronik B. M. 86379 (der "Akitu-Chronik") wiederholt wird, lässt sich ermitteln, dass dies das 16. Jahr von Schamasch-schuma-ukin war.
Damit kann man dessen Herrschaft anhand dieses Tagebuchs auf 667-648 v.u.Z. datieren, die 22 Jahre der Herrschaft Kandalanus auf 647-626 v.u.Z., Nabopolassars 21 Jahre auf 625-605 und Nebukadnezars 43 Jahre auf 604-562 v.u.Z.

Auch dies ergibt wiederum das Jahr 587/586 v.u.Z. für sein 18. Jahr und somit für das Jahr der Zerstörung Jerusalems.

Genau genommen hätten diese beiden astronomischen Tagebücher als zwei separate Beweislinien gelten können.
Da aber zwischen B. M. 32312 und der neubabylonischen Epoche die Herrschaftzeiten von zwei Königen liegen (Schamsch-schuma-ukin und Kandalanu), kann man diese Tafel als Stütze für VAT 4956 gesehen, deren Echtheit damit umso klarer hervortritt.


In unserem Buch Einsichten Band 1 Seite 483 wird darauf Bezug genommen:

Eine babylonische Tontafel ist eine Hilfe, um die babylonische Chronologie mit der biblischen Chronologie in Verbindung zu bringen. Diese Tafel enthält die folgenden astronomischen Informationen über das siebte Regierungsjahr Kambyses’ II., des Sohnes Cyrus’ II.: „Jahr VII Duzu nachts 14 12/3 Doppelstunden (3h 20m) nach Einbruch der Nacht eine Mondfinsternis; dem ganzen Verlauf nach sichtbar; sie erstreckte sich über die halbe nördliche (Mond)scheibe. Tebitu nachts 14 21/2 Doppelstunden (5h) nachts gegen Morgen (im letzten Teile der Nacht) die Scheibe des Mondes war verfinstert; der ganze Verlauf sichtbar; über den südlichen und nördlichen Teil die Finsternis erstreckte sich“ (J. N. Strassmaier, Inschriften von Cambyses, König von Babylon, Leipzig 1890, Nr. 400, Zeile 45—48; F. X. Kugler, Sternkunde und Sterndienst in Babel, Münster 1907, Bd. I, S. 70, 71). Diese beiden Mondfinsternisse können mit den Mondfinsternissen identifiziert werden, die in Babylon am 16. Juli 523 v. u. Z. und am 10. Januar 522 v. u. Z. zu sehen waren (Theodor v. Oppolzer, Canon der Finsternisse, 1887, S. 335). Folglich geht aus dieser Tafel hervor, dass das siebte Jahr Kambyses’ II. im Frühjahr 523 v. u. Z. begann. Dies ist ein astronomisch bestätigtes Datum.

Diese Astronomische Beobachtung stützen unsere Jahreszahlen nach 537 v.u.Z.

Seite 484-485 werden dagegen die gleichen Astronomischen Beobachtungen diskreditiert weil sie unseren Jahreszahlen von 607 widerlegen:

Viele der so genannten Synchronisierungen astronomischer Angaben mit Ereignissen oder Daten der Geschichte des Altertums gründen sich auf Sonnen- oder Mondfinsternisse. Allerdings „treten für irgendeine Stadt durchschnittlich etwa 40 Mondfinsternisse und 20 partielle Sonnenfinsternisse in 50 Jahren ein, [doch] nur eine einzige totale Sonnenfinsternis in 400 Jahren“ (Encyclopædia Britannica, 1971, Bd. 7, S. 907). Also nur, wenn es ausdrücklich erwähnt ist, dass eine in einem bestimmten Gebiet sichtbare totale Sonnenfinsternis eingetreten ist, bestünde wenig Grund, diese Methode bei der Festlegung eines bestimmten Geschichtsdatums anzuzweifeln. Doch in vielen Fällen liefert das Material aus alten Keilschrifttexten (oder anderen Quellen) über Finsternisse keine solchen speziellen Angaben.

Gäbe es nur ein oder zwei Aufzeichnungen über Mondfinsternisse wäre diese Kritik zutreffend.
Nun haben aber die Babylonier jede der Mond- und Sonnenfinsternisse und Teilfinsternisse dokumentiert.

Die Mondfinsternistexte (18-Jahr-Texte) enthalten weiteres, sehr beweiskräftiges unabhängiges Material gegen das Datum 607 v.u.Z.

Die Mondfinsternistexte verzeichnen Beobachtungen aufeinander folgender Mondfinsternisse, angeordnet in 18-Jahr-Gruppen.
Dem liegt die seit etwa Ende der babylonischen Zeit bekannte Tatsache zugrunde, dass sich die beobachteten Monderscheinungen in Abständen von 18 Jahren und knapp 11 Tagen nach demselben Muster wiederholen.

Später bezeichnte man dies als den Saros-Zyklus.
Einige dieser Saros-Texte geben Mondfinsternisse schon aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert wieder, andere aus dem 7., 6., 5. und 4. Jahrhundert v.u.Z..

Vierzehn dieser Texte wurden von Dr. Abraham Sachs in seinem Katalog Late Babylonian Astronomical and Related Texts (LBART) (Providence, Rhode Island 1955, S. xxxi, xxxii) kurz beschrieben.
Die Mondfinsternisangaben überspannen einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren, vom ersten Regierungsjahr Nabonas-sars (747 v.u.Z.) bis ins 4. Jahrhundert v.u.Z. und liefern damit zahlreiche absolute Daten.

Auch diese, oft mit sehr detaillierten Angaben versehenen Beschreibungen von Mondfinsternissen sind ein voll ausreichender Ersatz für die von Ptolemäus in seinem Abnagest wiedergegebenen Finsternisse des Altertums.

Sie enthalten bereits für sich allein genügend Informationen, um die absolute Chronologie dieses Zeitabschnitts aufzustellen.

Für das achte vorchristliche Jahrhundert verzeichnen die Saros-Texte eingehende Beschreibungen von Mondfinsternissen aus sechs verschiedenen Jahren (748/747, 747/746, 731/730, 713/712, 703/702, 702/701 v.u.Z.).

Für das siebente Jahrhundert gibt es in diesen Texten - meistens detaillierte - Beobachtungen von Mondfinsternissen aus etwa 25 verschiedenen Jahren, und für das sechste Jahrhundert liegen wahrscheinlich ebenso viele vor.

Aus der neubabylonischen Epoche liegen die Mondfinstemistexte LBART 1418, 1419, 1420 und 1421 (nach Sachs' Katalog) vor.
Davon enthalten wenigstens drei detaillierte Beschreibungen von Mondfinsternissen.
Da die Beobachtungen mit Datum versehen sind und den Namen des Königs und seines Regierungsjahres angeben, erhält man durch sie die folgenden absoluten Daten:
Nabopolassar:
15. Jahr = 611/610 v.u.Z.
17. Jahr = 609/608 v.u.Z.
Nebukadnezar:
1. Jahr = 604/603 v.u.Z.
12. Jahr = 593/592 v.u.Z. .
13. Jahr = 592/591 v.u.Z.
14. Jahr = 591/590 v.u.Z.
15. Jahr = 590/589 v.u.Z.
30. Jahr = 575/574 v.u.Z.
31. Jahr = 574/573 v.u.Z.
32. Jahr = 573/572 v.u.Z.
41. Jahr = 564/563 v.u.Z.
42. Jahr = 563/562 v.u.Z.
Nabonid:
1. Jahr = 555/554 v.u.Z.

Text LBART 1419 umspannt die gesamte Zeit vom 17. Jahr Nabopolas-sars (609/608 v.u.Z.) bis zum 18. Jahr Artaxerxes' (447/446 v.u.Z.).
Dieser Text enthält detaillierte Beschreibungen aufeinander folgender Mondfinsternisse in regelmäßigen, ununterbrochenen Abschnitten zu je 18 Jahren, durchgehend vom Anfang bis zum Ende.

Die Beobachtungen sind mit Datumsangabe versehen und nennen das Regierungsjahr und den Namen des jeweiligen Königs.

Diese Tafel alleine bietet ein Netzwerk absoluter Daten, legt die Länge der neubabylonischen Epoche fest und macht die Chronologie dieses Zeitabschnitts zu einer absoluten Chronologie.

In dem Text sind folgende absolute Daten in 18-Jahres-Abständen enthalten:
Nabopolassars 17. Jahr = 609/608 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Nebukadnezars 14. Jahr = 591/590 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Nebukadnezars 32. Jahr = 573/572 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Nabonids 1. Jahr = 555/554 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Kyros 2. Jahr = 537/536 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Darius 3. Jahr = 519/518 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Darius 21. Jahr = 501/500 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Xerxes 3. Jahr = 483/483 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Xerxes 21. Jahr = 465/464 v.u.Z.
+ 18 Jahre = Artaxerxes 18. Jahr = 447/446 v.u.Z.

Hierbei handelt es sich um beobachtete Mondfinsternisse, dieselbe Art von Beobachtungen, die auch Ptolemäus in seinem Almagest verzeichnet.
Wenn wir uns die Handvoll Angaben ansehen, die Ptolemäus für die drei Jahrhunderte angibt, und sie mit der Fülle von Beobachtungen vergleichen, die uns aus den Keilschrifttafeln aus derselben Zeit zur Verfügung stehen, wie den Tagebüchern und den Saros-Texten, so wird deutlich, dass die absolute Chronologie dieser Epoche auch ohne die Beobachtungen des Ptolemäus feststeht.

Jede der vier Tafeln liefert absolute Daten aus der Herrschaftszeit Nebukadnezars und ist eine Bestätigung dafür, dass Nebukadnezars 18. Jahr, in dem Jerusalem verwüstet wurde, auf das Jahr 587/586 v.u.Z. fiel, nicht auf das Jahr 607.

Trotz der überwältigenden Fülle von Beobachtungen, die auf den Keilschrifttexten aus Babylon erhalten geblieben sind, verweist unserer Literatur weiterhin auf Ptolemäus und seine astronomischen Angaben; sie tun dies in dem Bemühen, das Vertrauen in die allgemein akzeptierte Chronologie der neubabylonischen Zeit zu unterminieren.

Dadurch wird der falsche Eindruck erweckt, dass diese Chronologie sich noch immer auf die von Ptolemäus aufgezeichneten Beobachtungen gründet, und zitierte den bekannten Gelehrten Prof. Otto Neugebauer, der gesagt hat: "Die Angaben aus dem Almagest machen das Rückgrat für jegliche neuzeitliche Chronologie des Altertums aus".

Dabei wird aber verschwiegen, dass Neugebauer mit "neuzeitlich" die Zeit vom 16. Jahrhundert an meinte.
Nur zwei Seiten weiter aber weist er darauf hin, dass die astronomischen Angaben des Ptolemäus inzwischen von den astronomischen Keilschrifttafeln abgelöst worden sind, auf denen "gesicherte chronologische Angaben zu Beobachtungen aus dem Altertum" enthalten sind.

Neugebauer fährt fort:
"Die unerschöpfliche Fülle astronomischer Aufzeichnungen, die während der letzten drei bis vier vorchristlichen Jahrhunderte in Babylon gesammelt wurden, werden neuen Forschungsansätzen als Prüfstein dienen, ganz ähnlich, wie es die Daten des Ptolemäus für eine frühere Phase der modernen Astronomie waren".

Eine Textgruppe, die astronomische Beobachtungen von Astronomen Babyloniens wiedergibt, ist von Prof. A. Sachs "astronomische Tagebücher" genannt worden.
Ein solches "Tagebuch" umfasst gewöhnlich sechs oder sieben Monate der ersten oder zweiten Hälfte eines bestimmten babylonischen Jahres und nennt die Stellung des Mondes bei seiner ersten und letzten Sichtbarkeit an einem bestimmten Tag, dazu die Positionen der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Hinzugefügt werden viele weitere Informationen, wie meteorologische Beobachtungen, Erdbeben, Marktpreise usw.

Über 1200 Fragmente astronomischer Tagebücher verschiedener Größe sind entdeckt worden, doch nur etwa ein Drittel von ihnen kann datiert werden, der Rest ist zu bruchstückhaft.

Die meisten dieser Texte sind in den 1870er und 1880er Jahren entdeckt worden und befinden sich fast alle im Britischen Museum.

Zur Mehrzahl umfassen sie die Zeit von 385 bis 60 v.u.Z. und enthalten astronomische Beobachtungen aus etwa 180 dieser 325 Jahre, womit die Chronologie dieses Zeitabschnitts auf eine solide Grundlage gestellt wird.
Ein halbes Dutzend Tagebücher stammt aus dem 5., 6. und 7. Jahrhundert v.u.Z.
Der für unsere Zwecke wichtigste Text trägt die Bezeichnung VAT 4956 und befindet sich in der Vorderasiatischen Abteilung des Museums in [Ost-]Berlin.

Dieses Tagebuch. ist datiert vom 1. Nisan des 37. Regierungsjahres Nebukadnezars bis zum 1. Nisan seines 38. Jahres. P. V. Neugebauer und E. F. Weidner haben 1915 eine Übersetzung und sorgfältige Untersuchung des Textes veröffentlicht.

Von den vielen Beobachtungen, die VAT 4956 enthält, sind etwa 30 so genau, dass neuzeitliche Astronomen leicht den exakten Tag feststellen können, an dem sie gemacht wurden.

Auf diese Weise ließ sich zeigen, dass diese Beobachtungen (des Mondes und der fünf Planeten) sämtlich im Jahr 568/67 v.u.Z. angestellt worden sein müssen. (In astronomischen Berechnungen, die zwischen l v.u.Z. und l u.Z. ein Jahr Null einschieben, wird das Datum als - 567/566 angegeben.)

Wenn Nebukadnezars Regierungsjahr das Jahr 568/567 v.u.Z. war, dann muss sein erstes Jahr 604/603 v.u.Z. gewesen sein und sein 18. Jahr, in dem er Jerusalem verwüstete, war 587/586 v.u.Z.

Hätten diese Beobachtungen alle auch 20 Jahre früher gemacht werden können, im Jahr 588/587 v.u.Z., das gemäß der im Buch Hilfe zum Verständnis der Bibel enthaltenen Chronologie dem Regierungsjahr Nebukadnezars entsprach?

Neuzeitliche Erforscher der Zeitrechnung weisen darauf hin, dass es eine derartige Kombination astronomischer Positionen in Tausenden von Jahren nicht wieder geben würde.

Nehmen wir ein Beispiel.
Laut Angaben in diesem "Tagebuch" war der Planet Saturn am 1. Nisan und 1. Airu "gegenüber dem südlichen Fische des Tierkreises (d.h. südlich des Sternbilds Wassermann)" sichtbar.
Da der Saturn eine Umlaufzeit von 29,5 Jahren hat, wandert er in 29,5 Jahren einmal durch den ganzen Tierkreis.
In jedem der zwölf Sternzeichen hält er sich also etwa zweieinhalb Jahre auf.
Das heißt, dass man ihn gegenüber dem südlichen Teil des Sternbilds Fische 29,5 Jahre vor dem Jahr 568/567 v.u.Z. gesehen haben konnte, also im Jahr 597/596, aber mit Sicherheit nicht 20 Jahre zuvor, im Jahr 588/587!

Berücksichtigt man außerdem die unterschiedlichen Umlaufzeiten der anderen vier in dem Text erwähnten Planeten, dazu noch die Positionen des Mondes, so leuchtet unmittelbar ein, weshalb eine derartige Kombination von Beobachtungen in Tausenden von Jahren nicht wieder vorkommt. Die auf der Tafel VAT 4956 angegebenen Beobachtungen müssen im Jahr 568/567 v.u.Z. angestellt worden sein, denn sie passen zu keiner anderen Konstellation, die es Tausende von Jahren vorher oder nachher gegeben hat!
Damit stützt VAT 4956 die Chronologie der neubabylonischen Ära, so wie sie von den Historikern aufgestellt wurde, in ganz besonderem Maße.

Und dennoch spricht das Buch Hilfe zum Verständnis der Bibel unter dem Begriff Chronologie:
(a) Die Beobachtungen in Babylon können fehlerhaft gewesen sein. Die Astronomen Babylons waren besonders an Himmelsereignissen kurz über dem Horizont interessiert, beim Auf- und Untergang des Mondes und der Sonne. Der von Babylon aus sichtbare Horizont ist jedoch häufig durch Sandstürme verdunkelt.

Danach wird Prof. Neugebauer mit den Worten zitiert, Ptolemäus klage über "den Mangel an verlässlichen Planetenbeobachtungen (aus dem alten Babylon)".

Die Beschreibung der meteorologischen Situation in Babylon ist zwar sicher richtig, doch ist damit nicht gesagt, dass die Planetenbeobachtungen im allgemeinen unzuverlässig waren.

Der von Babylon aus sichtbare Horizont war nicht an jedem Tag durch Sandstürme verdunkelt, und etliche Planetenstellungen konnten viele Tage hintereinander beobachtet werden, wie z.B. die Position des Saturn, die gemäß unserem Keilschrifttext "gegenüber dem südlichen Fische des Tierkreises" zu sehen war.

Wie bereits erwähnt, kann .man den Saturn gegenüber jedem der zwölf Tierkreiszeichen im Durchschnitt zweieinhalb Jahre lang beobachten.
Seine Position im südlichen Bereich der Fische war also mehrere Monate lang sichtbar, so dass die Astronomen Babylons unmöglich einen Fehler bezüglich der Stellung dieses Planeten im 37 Regierungsjahr Nebukadnezars machen konnten, selbst wenn es viele Sandstürme gegeben hätte!

Darüber hinaus beobachteten die babylonischen Astronomen den Mond und die Planeten regelmäßig und systematisch;
Tag für Tag verfolgten sie deren Lauf durch den Tierkreis.
Bereits in der neubabylonischen Zeit hatten sie Berechnungsmethoden
entwickelt, um damit astronomische Ereignisse vorauszusagen.

Einige "Beobachtungen" aus den Tagebüchern waren gar keine eigentlichen Beobachtungen, sondern vorausberechnete Himmelsereignisse.

Bei Nachprüfung durch neuzeitliche Astronomen stellten sich diese Berechnungen gewöhnlich als korrekt heraus.

So wird auf VAT 4956 eine Mondfinsternisbeobachtung für den 15. Sivan angegeben.
Der oder die Astronomen hatten diese Finsternis mit Hilfe einer bekannten Finsternisperiode berechnet und sie deshalb in dem Text als atalu Sin bezeichnet, was "vorausberechnete Mondfinsternis" bedeutet.
Darauf folgten wahrscheinlich die Worte (der Text weist hier Schäden auf) sä etelik (LU), "welche ausfiel", d.h. in Babylon nicht sichtbar war.

Neuere Berechnungen haben das bestätigt.
Die Finsternis ereignete sich am 4. Juli 568 v.u.Z. (Julianischer Kalender), war aber, da sie nachmittags begann, in Babylon nicht sichtbar.
Dass die Beobachtungen, die auf der Tafel VAT 4956 angegeben sind, im wesentlichen stimmen, erkennt man aus der Tatsache, dass sie alle (mit ein oder zwei Ausnahmen, bei denen Abschreibfehler vorliegen) zum selben Jahr passen.
Bei fehlerhafter Beobachtung wäre das nicht möglich gewesen.

Prof. Otto Neugebauer, scheint übrigens den Informationen aus den Tagebüchern kein Misstrauen entgegenzubringen.

(b) Zweitens ist es eine Tatsache, dass die allermeisten astronomischen Tagebücher, die gefunden wurden, nicht in der Zeit des neubabylonischen oder persischen Reiches, sondern in der Seleukidenzeit (312-64 v.u.Z.) geschrieben wurden, obwohl sie Angaben über diese früheren Epochen enthalten. Historiker vermuten, dass sie Abschriften älterer Dokumente sind.

Doch die Historiker "vermuten" nicht nur, dass es sich um Kopien älterer Texte handelt.
In den am weitesten zurückliegend datierten Tagebüchern wird die Mühe deutlich, die die Abschreiber hatten, die ihnen vorliegenden alten Urkunden, die sie gerade kopierten, zu verstehen.
Manche waren zerbrochen oder sonst wie beschädigt, und häufig wurde in ihnen eine Terminologie gebraucht, die die Abschreiber zu "modernisieren" suchten.
Auch bei der Tafel VAT 4956 wird das ganz offenkundig.
Zweimal im Text fügte der Schreiber die Bemerkung "abgebrochen, verlöscht" hinzu, um anzudeuten, dass er ein Wort in der Vorlage nicht lesen konnte.
Der Schreiber ist ersichtlich bemüht gewesen, die altertümliche Terminologie zu ändern. Hat er aber auch etwas am Inhalt der Tafel geändert?
In dieser Frage kommen Weidner und Neugebauer zu dem Schluss:
"Inhaltlich bietet unser Exemplar aber natürlich ein getreues Abbild der Urschrift".

Angenommen, spätere Abschreiber hätten einige der 30 vollständig erhaltenen Beobachtungen von VAT 4956 verfälscht.
Welche Wahrscheinlichkeit besteht dann, dass alle diese "verfälschten" Beobachtungen in ein und dasselbe Jahr passen, genau das Jahr, das auch die Königsinschriften, die Geschäftsurkunden, die Chroniken, Berossos und der Ptolemäische Kanon bestätigen, nämlich Nebukadnezars 37. Regierungsjahr?

Zufällige Fehler dieser Art "passen" nicht in einem solchen Ausmaß zusammen.
Darum gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln, dass auf der uns erhaltenen Tafel die ursprünglichen Beobachtungen bewahrt wurden.

(c) Und schließlich beweist die Tatsache, dass die astronomischen Angaben (so wie sie heute gedeutet und verstanden werden) auf den entdeckten Tafeln im wesentlichen stimmen - wie das bei Ptolemäus der Fall ist -, noch nicht, dass die damit verbundenen geschichtlichen Angaben ebenfalls korrekt sind.
So wie Ptolemäus die Regierungszeiten der alten Könige (wie er sie annahm) einfach als einen Rahmenbau verwendete, in den er seine astronomischen Daten einsetzte, so können auch die Verfasser (oder Abschreiber) der
astronomischen Texte aus der Seleukidenzeit in ihre astronomischen Texte einfach das eingesetzt haben, was damals die anerkannte oder 'gängige' Chronologie war.

Hier wird unterstellt, die Abschreiber aus späterer Zeit hätten die Urkunden beim Kopieren gefälscht, damit sie mit ihren eigenen Vorstellungen über die Chronologie des alten Babylon und Persien übereinstimmten.
So heißt es einmal in der Zeitschrift Erwachet! Vom 8.8.1972 Seite 28 der Kopist könnte in dem Tagebuch VAT 4956 "das 'siebenunddreißigste Jahr Nebukadnezars' eingefügt haben".

Ist diese Theorie plausibel?
Wie schon gesagt, ist die Tafel VAT 4956 auf die Zeit vom 1. Nisan des 37. Jahrs Nebukadnezars bis 1. Nisan seines 38. Jahres datiert.
Darüber hinaus sind beinahe alle Ereignisse, die erwähnt werden, mit Datum -Monat, Tag und Tageszeit - versehen.
Im ganzen Text erscheinen vierzig solche Daten, wenn auch das Jahr natürlich nicht an allen Stellen noch einmal genannt wird.
Auf diese Weise sind alle bekannten Tagebücher datiert.
Hätten die Abschreiber die Jahresangaben in den Texten fälschen wollen, so hätten sie den Namen des regierenden Königs ändern müssen, denn wenn das 37. Jahr Nebukadnezars auf 588/587 v.u.Z. fiel, wie es im Erwachet behauptet wird, dann müsste er im Jahr 568/567, als die Beobachtungen von VAT 4956 gemacht wurden, schon viele Jahre tot gewesen sein.

Ist es wirklich wahrscheinlich, dass die Abschreiber aus der Seleukidenzeit derartig groß angelegte Fälschungen unternahmen?

Was wissen wir über die zu ihrer Zeit "gängige" Chronologie, die angeblich das Motiv für diesen bewussten Betrug gewesen sein sollte?

Die Chronologie des Berossos für das neubabylonische Reich stammt aus der Seleukidenzeit und stellt augenscheinlich das zeitgenössische, "gängige" Konzept der neubabylonischen Chronologie dar.

Die Angaben von Berossos über die Herrschaftszeiten der neubabylonischen Könige sehen für Nebukadnezars 37. Jahr das Jahr 568/567 v.u.Z. vor, genau wie VAT 4956.

Und was vor allem zählt:
Die neubabylonische Chronologie des Berossos befindet sich, in vollständiger Übereinstimmung mit der Chronologie, die man den vielen zeitgenössischen Texten aus der neubabylonischen Zeit selbst entnehmen kann, wie den Chroniken, Königsinschriften, Handelsurkunden und mit ägyptischen Quellen aus derselben Zeit!

Die "gängige" neubabylonische Chronologie in der Seleukidenzeit war demnach die wahre, korrekte Chronologie, und die Kopisten hatten keinen Grund, die alten Urkunden zu ändern, um sie ihr anzupassen.

Der Theorie, sie hätten diese Urkunden gefälscht, ist damit vollständig die Grundlage entzogen. Zudem wird sie durch ein weiteres, noch unveröffentlichtes Tagebuch vollständig widerlegt.

Prof. Abraham J. Sachs, der als die führende Autorität auf dem Gebiet der astronomischen Tagebücher gilt, beschrieb sie kurz in einem Artikel aus dem Jahr 1974.
Er sagt, das älteste datierbare Tagebuch enthalte Beobachtungen aus dem Jahr 652 v.u.Z., und erklärt, wie er dieses Datum ermitteln konnte:
"Die astronomischen Angaben reichten nur ganz knapp aus, um dieses Datum ganz sicher anzugeben. Ich war sehr erleichtert, als ich das Datum durch die Übereinstimmung einer auf der Tafel enthaltenen historischen Angabe mit einer entsprechenden Angabe für -651 in einer Gutdatierten historischen Chronik bestätigen konnte'.

Die astronomischen Angaben in dem Tagebuch legen klar das Jahr 652/651 v.u.Z. als das Jahr der Beobachtung fest.

Sachs schreibt: "Die erhaltenen astronomischen Ereignisse (letzte Sichtbarkeit von Merkur hinter den Fischen, letzte Sichtbarkeit von Saturn hinter den Fischen, beides um den 14. Tag des 1. Monats; Stillstand des Mars im Skorpion am 17. Tag des ersten Monats; erste Sichtbarkeit des Merkurs in dem Fischen am 6. Tag des 12. Monats) legen das Datum eindeutig fest"

Hervorhebenswert ist, dass dieses Tagebuch nicht von späteren Abschreibern umdatiert worden sein kann, da Name des Königs, Regierungsjahr und Monatsnamen abgebrochen sind.

Diese Angaben lassen sich aber ermitteln auf Grund der Nennung eines historischen Ereignisses in dem Tagebuch.
Unter Monat 12, Tag 27 heißt es darin, der König von Babylon sei in eine Schlacht bei einem Ort namens Hirit verwickelt.
Es trifft sich gut, dass diese Schlacht auch in einer bekannten babylonischen Chronik erwähnt wird.
Dabei handelt es sich um die so genannte "Akitu-Chronik" (B. M. 86379), die einen Teil der Herrschaft Schamasch-schumukins behandelt, vor allem seine letzten fünf Jahre (das 16. bis 20.). Das Datum der Schlacht bei Hirit wird für sein 16. Jahr wie folgt datiert:
Das 16. Jahr von Schamasch-schuma-ukin ... Am 27. Adar (dem 12. Monat!) kämpften die Heere Assyriens und Akkads in Hirit. Die Truppen Akkads zogen sich vom Schlachtfeld zurück und erlitten eine große Niederlage.

Die astronomischen Ereignisse, die im Tagebuch erwähnt werden, legen die Schlacht bei Hirit auf den 27. Adar des Jahres 651 v.u.Z. fest".
Gemäß der "Akitu-Chronik" fand diese Schlacht an diesem Ort an diesem Tag im 16. Jahr Schamasch-schumukins statt.
Damit fiel Schamasch-schumukins 16. Jahr auf das Jahr 652/651 v.u.Z. und seine 20jährige Herrschaft umfasste die Zeit von 667 bis 648 v.u.Z.
Genau diese Zeit geben die Historiker schon seit langem für die Herrschaft von Schamasch-schumukin an.
Darum schließt Prof. Sachs auch mit folgenden Worten:
"Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass es niemals einen Zweifel bezüglich der absoluten Chronologie der Regierungszeit Schamasch-schuma-ukins gegeben hat.
Durch dieses Tagebuch wird sie nur einmal mehr bestätigt".

Die Herrschaftszeit Schamasch-schumukins ist beispielsweise aus dem Ptolemäischen Kanon bekannt, der ihm 20 Jahre zuweist und seinem Nachfolger Kandalanu 22 Jahre.
Danach bestieg Nabopolassar, der Vater Nebukadnezars, den Thron.
Diese Zahlen stimmen mit den alten Keilschriftquellen völlig überein.
Sowohl Handelsurkunden wie auch die "Akitu-Chronik" und die "Königsliste von Uruk" zeigen übereinstimmend, daß Schamasch-schumukin 20 Jahre regierte und dass vom 1. Jahr Kandalanus bis zum 1. Jahr Nabopolassars 22 Jahre verstrichen.

So erhärtet das Tagebuch B. M. 32312 wiederum die schon gezeigte Chronologie der neubabylonischen Ära:
Schamasch-schumukin 20 Jahre 667-648 v.u.Z.
Kandalanu 22 Jahre 647-626 v.u.Z.
Nabopolassar 21 Jahre 625-605 v.u.Z.
Nebukadnezar 43 Jahre 604-562 v.aZ.
usw.

Durch dieses Tagebuch wird erneut die Königsliste im Ptolemäischen Kanon bestätigt und die Zahl der Beweise, die gegen das Jahr 607 v.u.Z. sprechen, weiter vermehrt.

Eine Verschiebung des 18. Jahrs Nebukadnezars von 587 auf 607 v.u.Z. würde auch das 16. Jahr Schamasch-schumukins von 652 auf 672 v.u.Z. verschieben.

Auf Grund der Angaben im Tagebuch B. M. 32312 wird eine solche Verschiebung aber unmöglich gemacht.

Und wie schon gesagt, kann niemand behaupten, spätere Kopisten hätten in diesem Tagebuch die Worte "das 16. Jahr von Schamasch-schumukin" eingefügt, denn an dieser Stelle ist die Tafel zerbrochen und es steht dort überhaupt nichts mehr!

Die einzigartige historische Angabe in diesem Text, die in der "Akitu-Chronik" wiederholt wird, bindet das Tagebuch an Schamasch-schumukins 16. Jahr.
Man kann diese Quelle daher als unabhängiges Zeugnis ansehen, das die Authentizität der Daten aus VAT 4956 und anderen Tagebüchern bekräftigt.

Die beiden ältesten Tagebücher, BM 32312 und VAT 4956, liefern absolute Daten, auf die sich die assyrisch-babylonische Chronologie gründen lässt.

Aus der Tafel BM 32312 geht - in Kombination mit der Akitu-Chronik - hervor, dass das 16. Jahr von Schamaschschumu-kin auf die Jahre 652/651 v.u.Z. fiel.

Und aus VAT 4956 ergibt sich über jeden vernünftigen Zweifel erhaben, dass Nebukadnezars 37. Regierungsjahr das Jahr 568/567 v.u.Z. war.

Hervorzuheben ist, dass jedes der Tagebücher eine Vielzahl von Beobachtungen enthält.
So stehen auf VAT 4956 zum Beispiel etwa 30 detaillierte Beobachtungen aus ein und demselben Jahr.
Es gibt also viel mehr Beobachtungen als Tagebücher.

Es ist einsichtig, dass mit diesen Beobachtungen die Aufzeichnungen des Claudius Ptolemäus vollständig überflüssig werden.

Im astronomischen Tagebuch VAT 4956 wird das 37. Jahr Nebukadnezars auf 568/567 v.u.Z. datiert.
Damit ergibt sich 587/586 v.u.Z. für sein 18. Jahr (anstelle von 607/606 v.u.Z.), und das ist auch der Grund dafür, dass die Wachtturm-Gesellschaft versucht, die Zuverlässigkeit der Tagebücher und anderer astronomischer Texte zu untergraben.

Für sie liegt das Problem darin, dass die Quellen, die sie verwirft, weil sie das Jahr 587 v.u.Z. stützen, von derselben Art sind wie diejenigen, die sie braucht, um den Sturz Babylons auf 539 v.u.Z. zu datieren; und dieses Datum muss sie zwangsläufig anerkennen, um überhaupt zu einer Chronologie zu kommen.

Um das Jahr 539 v.u.Z. festzulegen, zieht die Wachtturm-Gesellschaft in dem Einsichtenbuch einen astronomischen Text hinzu, der in das siebente Jahr des Kambyses datiert wird.

Dem Leser wird allerdings nicht mitgeteilt, dass es sich bei diesem Text, der als Strm. Kambys. 400 bekannt ist, ebenfalls um eine Art astronomisches Tagebuch handelt.
Die Gesellschaft bezieht sich auf zwei in diesem Text erwähnte Mondfinsternisse und zieht dann den Schluss:

"So lässt sich mit Hilfe dieses Textes der Beginn des siebenten Jahres von Kambyses II. auf den Frühling 523 v.u.Z. festlegen.
Hierbei handelt es sich um ein astronomisch belegtes Datum".

Um aber zum Jahr 539 v.u.Z. zu gelangen, muss man auch wissen, wie lange der Amtsvorgänger von Kambyses, Kyros, regiert hat.
Hierfür ist die Gesellschaft gezwungen, die Informationen einer weiteren Sorte Keilschrifttexte anzukennen, der Vertragstäfelchen:
"Das letzte in die Herrschaftszeit von Kyros II. datierte Täfelchen stammt aus dem 23. Tag im fünften Monat seines neunten Jahres ... sein erstes Jahr war nach dieser Rechnung 538 v.u.Z. und sein Antrittsjahr war 539 v.u.Z.".

Zur Festlegung des Datums 539 v.u.Z. benötigt die Wachtturm-Gesellschaft nicht weniger als drei Quellen:
a) astronomisches Tagebuch
b) Mondfinsternis
c) Vertagstäfelchen.
Und doch weist sie auf den folgenden Seiten desselben Artikels (S. 454-456) ähnliche Quellen dieser Art zurück, weil sie das Jahr 587 v.u.Z. für den Sturz Jerusalems stützen.

Träfe die Kritik der Wachtturm-Gesellschaft an den astronomischen Tagebüchern zu, so würde sie auch für Strm. Kambys. 400 gelten.

Diese Tafel ist wie VAT 4956 die Kopie eines älteren Originals.
Man kann sie sogar kaum als eine Kopie bezeichnen.
F. X. Kugler, der herausragende Fachmann für astronomische Texte, wies bereits 1903 darauf hin, dass diese Tafel nur ein Teil einer Kopie ist.

Dem Abschreiber lag offensichtlich ein bruchstückhaftes Vorbild vor und er versuchte, die Lücken im Text durch eigene Berechnungen zu füllen.

Darum enthält nur ein Teil von Strm. Kambys. 400 echte Beobachtungen.
Bei den übrigen handelt es sich um Zusätze eines nicht sehr fähigen Abschreibers aus sehr viel späterer Zeit.

Kugler sagt dazu: "Nicht einer der mir bekannten astronomischen Texte bietet so viele Widersprüche und ungelöste Rätsel wie Strm. Kambys. 400".

Im Gegensatz dazu zählt die Tafel VAT 4956 zu den besterhaltenen astronomischen Tagebüchern. Obwohl sie ebenfalls eine spätere Kopie ist, handelt es sich nach Expertenmeinung um eine getreue Reproduktion des Originals.
Zur Festlegung des Datums der Eroberung Babylons ist es viel sicherer, von der Herrschaft Nebukadnezars auszugehen und von dort aus voranzuschreiten, als bei der Regierung des Kambyses zu beginnen und rückwärts zu rechnen.
Das Jahr 539 v.u.Z. als Jahr des Sturzes von Babylon wurde ursprünglich unter Hinzuziehung der Herrschaft Nebukadnezars errechnet, die in der Tafel VAT 4956 und anderen astronomischen Texten datiert wird:
Das Jahr 539 als Jahr des Sturzes Babylons wurde errechnet... indem man vom Jahr des Endes der Herrschaft Nabopolassars, 605 v.Chr., weiterzählte, und zwar für Nebukadnezar 43, Amel-Marduk 2, Nergal-shar-usur 4, Labschi-Marduk nur das Antrittsjahr, Nabonid 17 Jahre = 66 Jahre.

Die Wachtturm-Gesellschaft akzeptiert nur das Endergebnis dieser Rechnung, lehnt jedoch die Rechnung selbst und deren Ausgangspunkt ab, weil sie dem Jahr 607 v.u.Z. widersprechen.

Die astronomischen Tagebücher werden pauschal abgelehnt, insbesondere VAT 4956, andererseits ist man gezwungen, das problematischste Tagebuch von allen zu akzeptieren - Strm. Kambys. 400.

Man hätte sicher Mühe, ein schlagenderes Beispiel für wissenschaftliche Unehrlichkeit zu finden.

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Als wir vom Dachboden hinuntergingen, hielten wir uns ganz fest an Großpapas Hand, um ihm zu zeigen, wie sehr wir seine Weisheit und Leitung schätzten.

Es wurde Abend es wurde morgen der neunte Tag.


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