Re: Anderthalb Monate später wurde er beerdigt


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 12. September 2005 04:12:19:

Als Antwort auf: Re: Eine AP-Meldung geschrieben von Drahbeck am 11. September 2005 08:08:49:

Ein 26 Jahre alter Zeuge Jehovas, intelligent und einen Universitätsabschluß in Mathematik anstrebend, lehnte die Gabe von Bluttransfusionen als Behandlung seiner Leukämie ab. Seine Ärztin empfand seine Ablehnung als dumm und auf einer falschen Interpretation der Bibel basierend. Als ihre langen Gespräche mit diesem jungen Mann keine Veränderung seiner Einstellung bewirkten, drohte sie, eine richterliche Verfügung zu erwirken. Der junge Mann sagte seiner Ärztin, daß sie seine tiefsten Glaubensvorstellungen verletzen würde und daß sie falsch handle, wenn sie dies versuche. Sie antwortete, daß er nicht das Recht habe, Leben abzuweisen und aufgrund einer nicht aufgeklärten religiösen Überzeugung auf den Friedhof zu gehen.

Ein älterer Arzt griff in die Diskussion ein und stellte klar, daß ein Universitätsabschluß keine Ermächtigung darstellt, um zu beurteilen, wessen Glaubensvorstellungen nicht aufgeklärt und wessen Glaubensvorstellungen intelligent sind. Der ältere Arzt sagte, daß es unsere Aufgabe sei, festzustellen, ob der junge Mann aus seiner eigenen religiösen Überzeugung heraus handle oder aufgrund der Glaubensvorstellungen seiner Eltern oder anderer Menschen. Eine sorgfältige Prüfung bewies, daß der junge Mann keiner Gehirnwäsche unterzogen worden war und nicht von anderen Menschen kontrolliert wurde. Er war so autonom, wie es jemand mit Glaubensvorstellungen jeder Art nur sein kann. Auf dieser Grundlage und nach dem Prinzip, daß Freiheit zu gewissen Zeiten ein höheres Gut als Leben oder Gesundheit darstellt, wurde seine Ablehnung nach weiteren Versuchen, ihn zur Änderung seiner Haltung zu bewegen, respektiert. Er wurde anderthalb Monate später beerdigt.
Gelesen in: Lehrbuch der Palliativmedizin von Eberhard Aulbert, Detlev Zech, Stuttgart 2000


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