Re: Gelesen bei Infolink


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von D. am 06. September 2005 08:30:22:

Als Antwort auf: Re: Welche Bücher schrieb Raymond Franz "bei" den Zeugen Jehovas geschrieben von Drahbeck am 03. August 2005 07:18:49:

Interessantes Votum:
Stephan E.
http://www.sektenausstieg.net/smf/index.php?topic=4221.msg103103#msg103103
Zitat:
"Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, manche haben die eine Führungsfigur (tuvS) durch eine andere Führungsfigur (Mr. Franz) ersetzt, die sie jetzt verehren und nahezu vergöttern."

Das ist mehr als ein Eindruck, Micha. Es ist in den USA durchaus eine Art religiös geprägte Bewegung unter exZeugen entstanden, die auch nach ihrem Ausstieg viele Elemente ihres einstigen Zeugen-Daseins weiter pflegen. Dazu gehören zum Beispiel jährliche Kongresse, auf denen Ray Franz als eine Art Kultfigur gehandelt wird. Hier fühlen sich ehemalige "Brüder" und "Schwestern" im Kreise ihresgleichen wohl und haben sich ein neues Weltbild zurecht gelegt, das nicht allzu weit von der vertrauten "Wahrheit" entfernt ist. Mit dem Unterschied vielleicht, dass jetzt die Marke "Jehova" durch die Marke "Jesus" ersetzt wurde und man kein ewiges Leben auf Erden mehr erwartet, sondern hofft, nach dem Tod an den Ort zu kommen, den man als "Himmel" bezeichnet.

Ray Franz ist sicher eine zentrale Figur für die meisten Aussteiger. Die meisten nennen nach wie vor sein Buch "Der Gewissenskonflikt" als das Schlüsselerlebnis, das sie letztendlich veranlasst hat, die "Wahrheit" zu verlassen. Aber Franz hat sich nach seinem eigenen Ausstieg eigentlich geistig nicht weiter entwickelt. Er ist nach wie vor der gläubige Amerikaner geblieben, der in der Vorstellung lebt, jetzt die "Wahrheit" gefunden zu haben, die noch ein Stück wahrer ist als diejenige, die er aufgegeben hat.

Ich hatte einst persönlichen Kontakt mit Raymund Franz, aber ich werde ganz bewusst nicht zu seiner Buchvorstellung gehen. ... Ich habe einfach ein ungutes Gefühl bei einer Veranstaltung in einer evangelischen Akademie, bei der sich kirchliche Weltanschauungsbeauftragte auf der Bühne abwechseln. Ich möchte mittlerweile nicht mehr mit einer Initiative in Verbindung gebracht werden, deren Nähe zur evangelischen Kirche unübersehbar ist. Auch vom Bruderdienst Verlag, mit dem ich einst recht gut zusammengearbeitet habe, habe ich mich ausdrücklich distanziert. Außerdem verspüre ich keine Lust, dem Vortrag eines Informatikers zuzuhören, der einst das Forum von Infolink hackte und dafür von Ausstieg e.V. begeisterten Beifall erhielt.


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