|
Geschrieben von Drahbeck am 13. Juni 2005 17:58:41: Als Antwort auf: Re: Worum es beim Fall Wolf-Ekkehard Lönnig auch noch geht geschrieben von Drahbeck am 02. Mai 2003 15:10:25: In den 1950er Jahren klingelten" die Kassen des Buchhandels bei einem Buch,
dessen Verfasser von sich selbst sagte, kein Theologe zu sein. Auch darf man wohl als
gesichert ansehen, dass auch die Zeugen Jehovas nicht unwesentlich zu diesem
buchhändlerischen Erfolg beigetragen haben. Vor allem aber war es die kluge Titelwahl,
die wohl als das" ausschlaggebende Moment dieses buchhändlerischen Erfolges
angesehen werden kann. Ob diese Siegesgewißheit auch noch bei der Detail-Lektüre fortbestand? Da kann man
schon eher einige Fragezeichen hinzufügen Zitiert nach der Ausgabe von 1955 konnte man
darin beispielsweise auch die folgenden Sätze lesen: Ob die Zeugen Jehovas des Jahres 1955 mit dieser Aussage wohl glücklich" gewesen sind? Oder ob sie es nicht einfach vorzogen, dass zu überlesen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, wäre jetzt die Frage. Auch zu einem seiner Hauptargumente, dem Thema Sintflut, wusste Herr Keller
relativierendes zu sagen. Etwa wenn er anführt: Auch mit den vollmundig vorgetragenen Thesen des Herrn Keller zum Thema Turiner Grabtuch" Worum es beim Thema Turiner Grabtuch geht, kann man auch gut an Hand eines
Gerichtsberichtes in der seinerzeitigen Zeitschrift Wochenpost" (27. 10. 1971)
verdeutlichen. Unter der Überschrift Das Wunder des Herrn Naber" liest man da
die folgende ergötzliche" Geschichte: Die Erscheinung, das Grunderlebnis des rundlichen Herrn Naber, hat ihm den Weg gezeigt,
wie man diese Wahrheit verbreiten und dabei noch zu Geld kommen kann. Schon das ist falsch, grundsätzlich falsch, poltert Herr Naber nun. Christi war nicht
tot, er hat gelebt, als er vom Kreuz genommen wurde, und Herr Naber entfaltet 4,38 m lang
und 1,10 m breit die Fotokopie des Turiner Linnens, und er legt los: Ich komme sofort zur
Fußblutung, hier hat das Blut getropft. Das ist nur möglich, wenn das Herz noch
geschlagen hat. Nun ist es für ein Stuttgarter Gericht, für eine Große Strafkammer, außerordentlich
schwer, an einer Fotokopie zu entscheiden, ob vor etwa zweitausend Jahren ein Gekreuzigter
noch nach der Kreuzabnahme gelebt hat. Schwer ist es für den Landgerichtsdirektor Fischer, zu entscheiden, unmöglich. Er hätte entscheiden müssen: Ist das Leinentuch echt, ist die Fotokopie echt und sind die Schlüsse des rundlichen Herrn Naber echt, real? Herr Naber hat Vorkenntnisse, nicht direkt mit Leinentüchern, aber mit Tischtüchern
und Servietten. Er hat nach eigenen Angaben schon im Ritzhotel in London die Tische
gedeckt. Er hat Vorkenntnisse in Anatomie, mehr allerdings in der Zerlegung von Hasen,
Rebhühnern und Rehen als in der Gerichtsmedizin. Und im Verfolge dieser Verpflichtung gründete er 1963 im Fürstentum Liechtenstein
eine Stiftung zur Förderung und Verbreitung der Linnenforschung. Später hat er diese
Finanzfirma in die Bankenmetropole Zürich verlegt. Den Aufsichtsrat der Firma will er
nicht mit Namen nennen. Ich werde genug verfolgt, ich muß meine Anhänger
schützen, sonst werden sie genau so zugrunde gerichtet wie ich." Und wovon leben Sie heute, da die Stiftung nicht zahlungsfähig ist, da auch der
Präsident schon lange kein Gehalt und keine Aufwandsentschädigung mehr bekommt?"
fragt der Vorsitzende der Großen Strafkammer. Darüber kann der beredte Herr Naber gar nichts sagen. Selig sind, die da arm sind an Worten. Aber ihn als Betrüger zu bezeichnen! Ich sei mit den Wassern des Betruges gewaschen; ich bin nur zahlungsunfähig geworden, weil mich die gerichtlichen Kreise mundtot gemacht haben. Eine unliebsame Entdeckung sollte erledigt werden. Würde meine Wahrheit allgemein bekannt, daß er nicht am Kreuz gestorben ist, sondern erst im Grabe, würde das ganze Lehrgebäude der beiden großen christlichen Kirchen ins Wanken geraten. Und deswegen haben diese Kreise einen Prozeß wegen Betrugs gegen mich angezettelt. Die Folgen meiner Entdeckung sind unabsehbar.' Herr Naber ist fest davon überzeugt, oder er tut so, als ob seine Entdeckung der Nabel
der Welt ist. Der Beweis auch die Voreingenommenheit des Gerichts. Aber Naber gibt nicht auf, nie. Und eines ist sicher: Wieder wird er Dumme finden, die
da glauben, daß mit einem alten Leinentuch alle Probleme der Welt zu lösen sind." SZENENWECHSEL Solcherart geehrt, stachelt das zu weiteren Höchstleistungen an. Und siehe da. Es bot sich das Thema Evolutionskritik an, auf dem auch Poppenberg sich engagierte, wie wohl kein zweiter Filmemacher vor ihm. Gern gesehenes Nebenergebnis dabei auch, dass sich damit die Poppenberg'sche Klientel beträchtlich erweiterte um die evangelikale Szene andernorts. Was aufgrund ansonsten unüberbrückbarer theologischer Gegensätze nicht möglich schien, hat somit Poppenberg vollbracht. Zwei an und für sich wie Hund und Katz gegenüberstehende, unter seinem, dem Poppenberg'schen Evolutionskritik-Hut zu vereinen. Eigentlich wäre das doch noch einen weiteren Orden von seiten der Zeugen Jehovas wert. Schade nur. Das ist aus dem Grunde nicht möglich, weil die dafür in frage kommende Webseite Spiessburger", nicht mehr Online ist. Schon in seinen beiden ersten Evolutionskritischen Videos traten bei Poppenberg zwei Stars" auf, die alle wesentlichen Thesen dominierten. Einmal der Herr Siegfried Scherer; zum anderen der Herr Wolf-Ekkehard Lönnig. Übrigens ließ es Poppenberg nicht bei diesen zwei Evolutionskritischen Videos bewenden. Nein inzwischen sind es deren gar vier im Poppenberg'schen Angebot. Eines davon, unter dem Titel Was Darwin nicht wissen konnte" bestreitet Herr Scherer gar als Alleinunterhalter. Wenn in einem Video nur ausschließlich eine Person zu Wort kommt, ohne jegliche Ko-Beiträge, dann ist das schon als ungewöhnlich zu bezeichnen und ansonsten keineswegs Video-typisch. Diese besondere Heraushebung kann dann wohl nur so interpretiert werden, dass der Veranstalter des Videos, den betreffenden Star" als unübertreffbar ansieht. Wie schon der Titel verdeutlicht (Was Darwin nicht wissen konnte")
argumentiert Scherer zurückhaltend. Er ist sogar bereit, im Laufe seiner Ausführungen,
Darwin verbale Lippenbekenntnisse zu erweisen, indem er ihn in Gesamtheit, als einen
durchaus großen Biologen charakterisiert. Wer also erwarten sollte, dass Scherer darin
auch in der Wortwahl, einen totalen Darwin-Zerriß abliefert, der sieht diese Erwartung
nicht bestätigt. An diesem Punkt stellt sich aber die Frage: Weshalb diese partielle Zurückhaltung. Weshalb poltert er nicht einfach darauf los, in der Form eines totalen Frontalangriffes? Da ist Herr Poppenberg inzwischen schon weiter. Der hat sich dieser Scherer'schen Skrupel inzwischen für seine Person entledigt. Deutlich wird dies besonders an dem letzten Poppenberg'schen Video aus dem Jahre 2004, unter dem Titel Der Fall des Affenmenschen", das man da wohl an erster Stelle nennen muss. Schon einleitend scheut Poppenberg und sein Team keine Mühe und keinen Aufwand. Sein Crew unternahm eigens dazu eine Expedition in ein afrikanisches Land, dass heute noch über ein ziemlich zerfallenes Pasteur-Institut verfügt. Errichtet zu einer Zeit, wo jenes Land noch französische Kolonie war. Dieser Besuch erfolgt nun keineswegs als langer Weile". Man will dort nach konkreten Beweisen suchen. Wofür? Offenbar ist Poppenberg zu Ohren gekommen. In den zwanziger Jahren suchte ein sowjetischer Forscher, weil es in diesem Land auch Menschenaffen gibt, persönlich an Ort und Stelle etwas zu erreichen. Die Kreuzung zwischen Menschen und Affen. Dem stellten sich in der Praxis aber einige nicht überwindbare Schwierigkeiten gegenüber. Und dieser Versuch ist denn wohl als auf ganzer Linie gescheitert, zu bewerten. Poppenberg sucht nun nach Spuren dafür, an Ort und Stelle. Und er trifft auf eine nicht überwindbare Mauer des Schweigens. Der Zugang zu einer wohl noch vorhandenen Bibliothek des Patsteur-Instituts, wird ihm auch unter fadenscheinigen Vorwänden verweigert. Auch Poppenbergs's Mission in jenem Lande ist somit auf der ganzen Linie gescheitert. Wieder zurück in Deutschland streckt er seine Fühler nach der ehemaligen Sowjetunion
aus. Über Mittelsmänner lässt er dort über diesen sowjetischen Wissenschaftler
recherchieren. Das Ergebnis eher dürftig. Handfestes fördern diese Recherchen auch nicht
zutage. Und so lässt er denn diesen Teil seines Filmes mit der Angabe ausklingen.
Weiteres relevantes über diesen Wissenschaftler befinde sich wohl in den Archiven des
KGB. Aber dazu gebe es keine Zugangsmöglichkeit. Nach diesem Aufhänger geht es zu den Kernthesen. Und siehe da: Was zu erwarten, trat
wieder ein. Beide Hauptstars Scherer und Lönnig kommen wieder wirkungsvoll zur Geltung
und können sich des lang und breit verbreiten. Rekapituliert man den Fall Lönnig, so stellt sich als dessen Widerpart besonders ein Herr Ulrich Kutschera heraus. Letzterer veröffentlichte nun im Jahre 2004 ein Buch (Streitpunkt Evolution. Darwinismus und Intelligentes Design), wobei er aus seiner Sicht auf diese Kontroversen eingeht. Um es vorweg zu sagen. Ein Publikumsrenner" etwa im Stile des Keller-Buches wird Kutschera 2004 nicht werden. Wer mit populärwissenschaftlich verständlichen Abhandlungen zum Thema bedient" werden möchte, ist bei Kutschera eher schlecht bedient. Der Inhalt des Kutschera'schen Buches erschließt sich wohl auch nur dem, der mit den Detail's der Lönnig Kontroverse schon im voraus vertraut ist. Wer zudem kein Biologie-Fachwissenschaftler ist, und von der Lönnig-Kontroverse auch noch nichts mitbekommen hat, der wird wohl eher in dieses Buch hineinschauen, wie der sprichwörtliche Affe ins Uhrwerk". Spätestens an diesem Punkt muss man Scherer mit seiner Aussage recht geben. Dass sowohl für die Evolutionstheorie wie auch für den Schöpfungsglauben - in beiden Fällen - Glauben notwendig ist. Im Kontrast dazu steht die Kutschera'sche These (S. 30) Das
Problem der fehlenden Übergangsformen - zu Darwins Zeit noch ein kontroverser Punkt -
kann heute als weitgehend gelöst angesehen werden." Kutschera mokiert sich auch darüber, dass die heutigen Anti-Evolutionisten sich vielfach als Vertreter des Intelligentes Design" (ID) bezeichnen, jedoch es vermeiden die Bezeichnung Kreationisten für sich gelten zu lassen. Letzteres trifft auch namentlich auf Herrn Lönnig zu. Der Hintergrund dessen erschießt sich auch aus dem Umstand, dass der Begriff Kreationisten vielfach auch auf solche Gläubige festgemacht wird, welche sechs Schöpfungstage buchstäblich verstehen. Sich auf eine Weltschöpfung am 26. Oktober um 9 Uhr Vormittags festnageln zu lassen, behagt wohl auch Herrn Lönnig nicht. Deshalb geht er diesem Dilemma durch Ablehnung der Vokabel Kreationist für seine Person aus dem Wege. Kutschera hingegen argwöhnt (wohl nicht zu unrecht). Das ist ja blos die alte Sauce in neuer Verpackung. Kutschera arbeitet weiter heraus, dass viele seiner Berufskollegen, in ihrem
Privatleben, mit der christlichen Religion nicht sonderlich viel mehr am Hut hätten.
Durch die Aktivitäten der Lönnig und Co sieht er sich einer neuen Art von
Zwangschristianisierung ausgesetzt. Und dagegen erhebt sich sein Protest auf der ganzen
Linie. Auch notiert er. Zitat (S. 105): Kutschera stellt es so dar, als habe er erst sehr, sehr spät mitbekommen, es bei
Lönnig mit einem Zeugen Jehovas zu tun zu haben. Nun muss man letzterem auch
bescheinigen, sein Zeuge Jehovas sein, nicht plakativ mit sich herumzutragen. Das
erschließt sich eher auf die indirekte Art. So war es auch bei Kutschera, der dazu
schreibt (S. 206f.): Bei Versuch eines abschließenden Satzes würde ich es auf den Punkt bringen. Kutschera stellt nicht zu unrecht fest. Die Vertreter des Intelligentes Design" sind in nicht seltenen Fällen verkappte Kreationisten, die dieses ihr Kreationisten-sein nur schamhaft verschweigen. Würden sie diese Kriegslist" nicht anwenden, könnte man sie viel eher auf den 26. Oktober 9 Uhr früh" festnageln, der mit zu ihrem eigentlichen Wesen gehört, getreu dem Motto: Wer A sagt muss auch B sagen. Wehret den Anfängen, offenbar auch das Kutschera'sche Motto. Sein
Verdienst ist es vielleicht, verkappte Kreationisten als solche enttarnt zu haben. Damit
hat er auf einem Nebenschlachtfeld einen Sieg errungen. Auf dem Hauptschlachtfeld indes,
blieb er sieglos. |