Daniel Heinz

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 28. April 2005 23:05:06:

Das kennt man ja bereits von den Großkirchen und auch von den Zeugen Jehovas: Die nachträgliche Verklärung ihrer Rolle im NS-Regime.
Da mag wohl auch Herr Daniel Heinz, von den Adventisten. laut "Adventistischen Pressedienst" nicht länger mehr zurückstehen.
Dem unbedarften Publikum lässt er nun verkünden:

"Keine christliche Religionsgemeinschaft, mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, sei zu Beginn des Dritten Reiches derart massiv bedroht worden, wie die Siebenten-Tags-Adventisten, stellte der Leiter des Historischen Archivs der Freikirche, Dr. Daniel Heinz (Friedensau bei Magdeburg), in seinem Artikel "Adventisten und Nationalsozialismus" in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Adventecho" fest."

So, so, mag man da nur rückfragen. Dass die Siebenten-Tags-Adventisten, etwa die Position der von ihnen seit den Tagen des ersten Weltkrieges, getrennten "Reformationsbewegung" übernommen hätten, und so echten Anlass für das Naziregime mit ihnen kurzen Prozess zu machen boten, wagt auch Herr Heinz nicht zu behaupten.

Dennoch stellt er sich bewusst naiv. Das liest sich dann laut apd so:

"Die genauen Gründe, die zum Verbot von 1933 führten, seien jedoch, so Heinz, bis heute ungeklärt."

Ungeklärt ist wohl eher das Verhältnis des Herrn Heinz zu den historischen Fakten. Auch er muss zugeben, dass die STA auf der ganzen Linie, nach dem Novemberverbot 1933 seiner Religionsgemeinschaft, voll einknickten.

In der Heinz'schen Diktion wird das mit den Worten umschrieben:
"So finden sich ab 1934 in adventistischen Zeitschriften auch Aussagen, die sehr deutlich nazistisches und antisemitisches Gedankengut reflektieren."

Offenbar kennt (oder will) Herr Heinz nicht die eigene Zeitschrift "Adventecho" kennen. Würde er sie ernsthaft reflektieren, so würde er auch dort eine Antwort auf seine selbstgestellte Frage nach dem Novemberververbot 33 vorfinden.

Beispielsweise konnte ihn sein Glaubens- und Funktionärskollege Johannes Hartlapp in der Novemberausgabe 1994 des "Adventecho's" in Sachen Novemberverbot (10 Tage) 1933 wie folgt belehren:

"Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die 'Ernsten Bibelforscher' (Zeugen Jehovas landesweit verboten worden. Aus Sorge, die Ähnlichkeiten zu den Bibelforschern könnten den Bestand der Gemeinschaft bedrohen, richtete der Süddeutsche Verband eine Erklärung an verschiedene staatliche Organe. Daraufhin nahm die Bayrische Politische Polizei zu dieser Erklärung Stellung und beurteilte die Adventisten als 'ständigen Unruheherd für die Bevölkerung und damit eine Gefahr für den Staat', weil die Lehren und die Betätigung der Sekte 'gemessen an der religiösen Grundhaltung des deutschen Volkes als artfremd anzusprechen sind.'
Daher ist es nicht verwunderlich, daß verschiedene Polizeidienststellen das Verbot der Zeugen Jehovas, auch gleich auf Baptisten, Adventisten und Mormonen und andere anwenden wollten. Für Klarheit sorgte erst ein Rundschreiben der Gestapo Berlin vom 11. November 1933. ...

Am häufigsten wird vermutet, die Behörden hätten die Siebenten-Tags-Adventisten mit adventistischen Splittergruppen verwechselt, die im Gegensatz zur 'Großen Gemeinde' der Volksabstimmung vom 12. November 1933 ferngeblieben waren, weil sie prinzipiell jede Wahl ablehnten. Von dieser Annahme ging auch Emil Gugel aus, der noch vor Aufhebung des Verbotes Mitte Dezember 1933 verschiedenen Ministerien eine Denkschrift überreichte. ..."

Da eben auch der Name Emil Gugel genannt wurde; siehe auch ein auf ihn bezüglichen Link:

Forumsarchiv A98

 
www.stanet.ch/APD/news/713.html


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