Zeugen Jehovas können einem sehr leid tun

Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Bauer am 17. Dezember 2004 17:50:19:

Ich zitiere einmal aus einem Buch:

Missbraucht, benutzt und weggeworfen
- im Namen Jehovas

von Margareta Huber

Und als ich nicht mehr unter den Drogen der Zeugen Jehovas stand, kamen langsam Erinnerungen wieder, die ungestört in mir geschlummert hatten. Jahrelang hatte ich sie verdrängst, doch nun fanden sie endlich einen Weg ins Bewußtsein und erwachten zum Leben.

Langsam erkannte ich, worauf das System der Zeugen Jehovas aufgebaut war: auf Verstellung und auf List. Die Gesamtheit System verstellt sich, und auch die Menschen, die in ihr leben, damit sie bestehen können

Heimlichkeit ist das besondere Kennzeichen dieser Glaubensgemeinschaft.

Je weiter man in das System eindringt und in ihm aufsteigt, desto mehr erfährt und verschweigt man.

Natürlich sind auch Lüge, Betrug, Ehebruch, Hurerei, Homosexualität und Inzest strengstens verboten, doch all diese Dinge sind mehr oder weniger an der Tagesordnung, nur eben heimlich. ... Da wird fast alles zugedeckt unter dem Mantel der Liebe und des Verzeihens, des Vergessens und des Schweigens. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Wie wahr. ... Auch der jüngere Bruder meines Mannes trieb Hurerei - des öfteren. Auch das wußte man, doch weshalb eingreifen? Schließlich störte es niemanden, außer vielleicht seine Frau, doch die äußerte sich nicht.

Nicht nur gegenseitig belügen sich diese Menschen, sie belügen auch ihr eigenes Gewissen. Sie machen vor allem sich selber etwas vor! Irgendwann glauben sie an die heile Welt, die sie sich da vorgaukeln.

Als ich begann, meinen unschuldigen Gottesglauben und die damit verbundenen Glaubenslehren zu überdenken, wurde mir vor Schreck schwindelig. Bei den Zeugen Jehovas bemüht sich niemand darum, die Wahrheit zu finden, wie beständig behauptet wird, im Gegenteil, man versucht sie wenn möglich, bewußt zu vertuschen.

Nicht nur das Verhalten des einzelnen, sondern das des ganzen Systems basiert auf perfekter Täuschung. Innerhalb der Organisation ist alles Fassade, und genau das muß es auch sein.

Wie sicher sie sich ihrer Überlegenheit sind, wie genau sie wissen, daß sie die Auserwählten sind, der Rest der Menschheit Abschaum! ... Alles kann da gesagt werden, denn schließlich spricht man über einen, de das Recht auf Leben verwirkt hat.

Aber was sage ich - leben diese Mensch nicht nur streng nach der Bibel? Das ist es doch, was sie tagtäglich auf der Straße behaupten. Alles was sie tun und sagen, tun sie im Namen Jehovas. Sie sind ja die einzigen wahren Christen, haben alleiniges Anrecht auf Gottes Wort. Darf man da etwas gegen sie vorbringen? In ihren Augen auf keinen Fall. Denn das käme einer Gotteslästerung gleich. Doch Vorsicht: häufig sind die Bibelstellen, die von Jehovas Zeugen zitiert werden, völlig aus ihrem Zusammenhang gerissen oder werden in einen neuen gesetzt. Dadurch verändert sich ihre Bedeutung grundlegend - nicht zu erkennen für jemanden, der sich in der Bibel nur mittelmäßig auskennt. Wer die Bibel derart auslegt, kann sie zur Zeugin für jede Aussage machen, sei sie der heiligen Schrift noch so fremd.

Das schlimmste an all dem ist die Kürze des Weges zwischen Opfer und Täter. Wer heute Täter ist, kann schon morgen Opfer sein. Wer sich als Opfer fühlt, kann gleichzeitig zum Täter werden. Das ist nicht schwer, wenn man den eigenen gesunden Menschenverstand ausgeschaltet hat.

Der einfachste Weg, Gläubige bei der Stange zu halten, ist, ihnen beständige Angst vor dem nahenden Ende einzujagen.

Die Doktrin wird dem Interessierten von Anfang an eingetrichtert. Unmerklich zuerst, doch dann wird systematisch daran gearbeitet, das freie, unabhängige Denken des Neulings zu untergraben. Studiert wird unter Anleitung eines bibelfesten Zeugen Jehovas, und allererstes Studienbuch - Nach jedem Abschnitt folgen Fragen zum Thema, mit denen geprüft werden kann, ob sich der Studierende die vorausgegangenen Inhalte auch gut eingeprägt hatte. Schon da wird ihm das selbständige Denken abgenommen. Nicht verstanden wird, sondern auswendig gelernt. Wenn der Studierende eine Frage hat, die über den Abschnitt hinausgeht, wird er sanft darauf hingewiesen, daß diese Frage nun zu weit führen würde, jedoch in einem späteren Abschnitt ausführlich behandelt werde. So entgehen auch die Bibelfesten der Gefahr, mit unerwarteten Einwänden konfrontiert zu werden, auf die sie eventuell keine Anwort wissen.

Wichtiger als alles andere ist für die meisten Männer die Macht innerhalb der Gemeinschaft. Da ist kein Platz für echte charakterstarke Menschen. Wer am eifrigsten strebt, intrigiert und plant, erhält auch den besten Platz. Auf Persönlichkeit kommt es nur zweitrangig an. Wichtig ist, bei den richtigen Leuten beliebt zu sein - oder, noch besser, von den richtigen Leuten gefürchtet zu werden. Also ist es erstes Ziel zu wissen. Dann wird Schweigen belohnt. Die, die ganz oben sitzen, sind immer diejenigen, die am meisten über die anderen und über die Organisation wissen.

Die Interessierten legen sich wirklich oft eine neue Persönlichkeit zu: aus Spontaneität wird Verdrängen der Gefühle, aus freiem Denken gutgläubige Abhängigkeit.

Was ich heute begriffen habe, wenn ich an die ,,Gerechtigkeit" bei den Zeugen Jehovas nachdenke: Die Härte des Urteils hängt nicht von der Schwere des Vergehens ab. Nicht der, der gegen die Lehren handelt, ist der Böse, sondern der, der dagegen argumentiert. Der, der anzweifelt, ist der Verräter. Denn nur, wenn jeder einzelne brav den Mund hält, können die Zeugen Jehovas Einheit demonstrieren. Das ist wichtiger als die Wahrheit, die sie angeblich so zielstrebig suchen.

Das permanente Gefühl von Schuld, das einem regelrecht eingeimpft wird, wirkt wie eine Droge. Meistens reicht das aus, um die Gläubigen bei der Stange zu halten. Und wenn es einmal nicht mehr genügt, gibt es auch noch andere Methoden: Verleumdung, Falschanklage, Intrige und Rufmord. Notfalls geht man so weit, daß man einen Menschen seiner Lebensperspektiven beraubt. Auch dann ist er keine Gefahr mehr, da entweder tot oder so krank in seiner Seele, daß keine Kraft zum Kämpfen mehr übrig ist. Die Kraft reicht ja kaum noch dazu aus, den arroganten Blick der ehemaligen Brüder zu ertragen, ohne daran zugrunde zu gehen!

Trotz des Lügen bei den Zeugen Jehovas hatte ich doch eine vordergründige Sicherheit gehabt. Ich war etwas besseres gewesen, hatte zu den ,,Auserwählten" gehört, zu einer besonderen Gruppe Menschen.

Je mehr ich mich freistrampelte, desto mehr wichen auch die Ängste. Ich begann endlich zu leben.

Bisher waren alle meine Entscheidungen von der Angst vor den Menschen, der Angst vor Gott, der Angst vor der Gesellschaft und vor der Meinung anderer gelenkt worden. Angst hatte mir meinen Weg gewiesen. Im Grunde genommen hatte ich mich wie eine Marionette bewegt,

Sind die Menschen schon gemein und hinterhältig genug, so haben sich die Zeugen Jehovas noch über das übliche Maß erhoben. Die schönsten Worte und die gräßlichsten Taten. Dieses ganze Theaterspiel um die angebliche Wahrheit, dieser ständige Selbstbetrug, ja, wir hatten uns immer selbst und gegenseitig belogen, bis hin zum Wahnsinn, bis wir krank wurden, bis hin zur Verleumdung unserer Eltern und zum Exzeß. Jetzt erst lernte ich zu leben.

Mit Schaudern dachte ich an die vielen Frauen und Kinder, die den Absprung nicht geschafft hatten. Parallelen zu den Juden, die den Holocaust überlebt hatten, drängten sich mir auf. Obwohl mit dem Leben davongekommen, konnten viele nie mehr im Leben Fuß fassen, die meisten brachten sich um. Denn wenn einmal die Seele tot ist, macht Leben keinen Sinn mehr.

Was mir am meisten zu schaffen machte war die Tatsache, daß die Zeugen Jehovas weiterhin überall unterwegs waren, um neue Anhänger zu werben, ,,Menschen fischen" nannten sie es, ohne daß ein Gesetzgeber dem einen Riegel vorschob. Dachte denn keiner an die seelischen Gefahren, denen von einer solchen Sekte abhängige Menschen ausgesetzt sind? Genießen die Menschen, die im Namen Jehovas hingerichtet werden, denn keinen rechtlichen Schutz? Wie weit muß es kommen, bevor die Politik eingreift? Sie haben schon so viele Menschen zerstört, und es hat kein Ende.

http://www.gimpelfang.de/huber/huberinh.htm

 

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