Re: Dialektik ist offenbar nicht jedermanns Sache


Rund ums Thema Zeugen Jehovas

Geschrieben von Drahbeck am 23. Oktober 2004 18:03:01:

Als Antwort auf: Duden und Bibel- Pisa u Rechtschreibreform geschrieben von S am 23. Oktober 2004 17:06:47:

Nazichefideologe Alfred Rosenberg, schon früh von Hitler mit der wichtigen Position des Chefredakteurs des „Völkischen Beobachters" betraut, besuchte im Jahre 1922 eine Bibelforscher-Veranstaltung mit J. F. Rutherford als Redner, im München. Im Anschluss daran publizierte er einen scharfen Kommentar im „Völkischen Beobachter" dazu. Zwar war er 1922 noch nicht dessen Chefredakteur; gleichwohl war er schon damals dort der „kommende Mann" für diese Aufgabe.

In seinem Kommentar zu dieser Rutherford-Veranstaltung schrieb er unter anderem:
Der Richter begann seine Salbadereien mit Jehovas Verheißung an 'Abrahams Samen' … Bis hierher hielt ich den Unsinn aus, dann wurde mir übel. Am Eingang vom Zirkus besorgte ich mir den gedruckten Vortrag. Darin tritt nun die jüdische Mache geradezu faustdick hervor. Nicht dann tritt das Messiasreich ein, wenn allen Nationen das Christentum gepredigt worden ist, wie die Pfarrer meinen, sondern nur, wenn aus den Völkern ein Volk auserkoren sein wird. Welches Volk das ist, darüber wird kein Zweifel gelassen: 'Glückselig ein Volk, dessen Gott Jehova ist'.

Mit Disraeli-Beaconsfield kam die Gnade Gottes zu den Juden zurück, d. h. mit dem Berliner Kongress 1878, welches Jahr die heiligen Propheten ebenso geweissagt hätten, wie das Jahr 1918, in dem durch das 'Zunehmen der Gnade Gottes' die Juden einen 'besonderen Höhepunkt' erreichen würden! Gott erwecke aus 'seinem Volk' immer zur rechten Zeit die Männer! Dann folgt eine Verherrlichung des Zionismus, die ganze Balfour-Deklaration wird abgedruckt und als Ziel des Zionismus ausdrücklich festgestellt: 'Die Beschaffung solcher Regierungsgesetze, wie sie zur Erlangung der Ziele des Zionismus notwendig sind'. Die Regelung der Weltpolitik nach dem Willen des Samens Abrahams wird also ganz frech verkündet! Die Erklärung Dr. Ruppins 1920 über die Gründung einer Häuserbaugesellschaft in Palästina wird als Erfüllung von Jesaja 65 (21-23) gedeutet, da der 'Same der Gesegneten Jehovas' Häuser bauen würde …
In dieser Weise geht es weiter, und so ein frecher Schwindel halbverrückter Amerikaner, eingespannt für Weiterverbreitung der jüdischen Zersetzungsarbeit und des jüdischen Wahnsinns wird anstandslos auf das Volk losgelassen. …
Narren, Schwätzer und Halunken haben heute das Wort: Die Pestillenz kommt, sagt der Vortragende. Sie ist schon da; in seiner Person.
Wann wird das deutsche Volk ihn und seinesgleichen hinausfegen aus den deutschen Landen und sich rein baden in völkischer Erneuerung?"

Hat Rosenberg die Bibelforscher richtig verstanden? Da bleiben bei der Beantwortung dieser Frage doch wohl einige unaufgelöste Fragezeichen zurück. Er nahm Anstoß an der Zionismuspropaganda. „Gut", die wurde nach 1931 dann auch noch gekippt. 1922 war man da noch nicht soweit. Aber das Begebenheiten auch aus dem Alten Testament, verklärt als „Vorbild - Gegenbild" Verwendung fanden, ist nicht nur bei den Zeugen Jehovas so üblich, sondern auch in anderen Religionsgemeinschaften. Wer es intellektuell nicht „verkraftet", dass nun hinzunehmen, der kann einem eigentlich leid tun. Würde man das Alte Testament „aussortieren" müsste man auch die Story von Adam und Eva und vieles mehr, beiseite legen. Eine solche Selbstamputation verkraftet wohl keine Kirche (Religionsgemeinschaft). Deshalb auch ihre klare Entscheidung. Aussortierung des Alten Testaments stehe nicht zur Disposition

Gerade die Rutherford'schen Zeugen Jehovas lebten förmlich vom Alten Testament. Alle anderen Gruppierungen, die nicht mit ihnen konform gehen, wurden da in allerlei „biblische Vorbilder" einsortiert. Egal ob man da von Edomitern, Moabitern, oder auch etwas positiver besetzt Jonadaben redete. Das ist nun mal Religion. Die braucht diese Märchenelemente um sich „darzustellen". Wer schon allein deswegen an ihr Anstoß nimmt, der beweist nur eines. Das er unfähig ist, das Wesen von Religion zu verstehen.

Auch Thomas Müntzer im großen deutschen Bauernkrieg bediente sich solcher Metaphern, zur Klassifizierung der gegnerischen Kräfte. Und etliche andere noch mehr. Diese biblische Allegorie-Verwendung ist an sich noch „neutral". Entscheidend ist das tatsächliche Verhalten.

„Wer wird denn gleich in die Luft gehen - rauche doch lieber erst mal eine HB" sagte vor etlichen Jahren ein geflügelter Werbespruch. Den hätte man schon dem Rosenberg damals ins Stammbuch schreiben können, hätte es damals schon diesen Spruch gegeben. Rosenberg ist offenbar nie über eine einfach gestrickte Denkungsart hinausgekommen. Wohl nicht „nur" Rosenberg!


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