(Antwort des Manfred Gebhard vom 02. 01. 1985

an Dieter Pape auf einen Neujahrsgruß des letzteren)

Werter Herr Pape,

die Freiheit zu solchen 'Höflichkeiten' von fragwürdigem Instinkt, oder deren Unterlassung ist Ihnen selbstverständlich unbenommen. Indes erlaube ich mir Sie in aller Form darauf hinzuweisen, dass die Kluft die uns trennt, sich zwischenzeitlich um einiges vertieft hat. Ich habe es an anderer Stelle schon zum Vortrag gebracht, dass mein Anteil am Uraniabuch hauptsächlich in der Herausgeberschaft besteht (was nicht mit Verfasserschaft identisch ist). Ich sage es Ihnen - den es nicht zuletzt angeht - geradezu heraus. Beim heutigen Erkenntnisstand würde ich meinen Namen dazu n i c h t mehr hergeben. Ich werfe Ihnen Geschichtsklitterung (wahrscheinlich aus Liebedienerei Ihren Vorgesetzten gegenüber) übelster Art vor.

Ich verweise als Beispiel dazu auf Uraniabuch S. 239 (Zitierung des "Erwachet!"-Artikels vom 22. Juli 1949). Sie sollten sich diesen Artikel im gesamten Zusammenhang einmal in Ruhe durchlesen, werter Herr, dann werden Sie feststellen, dass er das genaue Gegenteil von dem aussagt, als was er im Uraniabuch als "Kronargument" zitiert wird. (Als letzte Verteidigungslinie der Religion wurde von den westlichen Medien der Prozess um den Kardinal Mindszenty im Jahre 1949 dargestellt - darauf bezieht sich die Überschrift). Die Zeugen hingegen haben in relativ objektiver Weise darin über die Hintergründe dieses Prozesses berichtet. Der Leser des Uraniabuches erfährt von diesem Sinnzusammenhang nicht den Bruchteil einer Silbe. Das ist vielleicht das krasseste Beispiel. Auch Ihre sonstige Zitierweise in Sachen "Antikommunismus" ist mir sehr suspekt. Auf Seite 249 des Uraniabuch zitieren Sie die Überschrift des "Erwachet!"-Artikels vom 22. 10. 1950 "Russlands rote Religion", vermengen das mit einer Meldung aus der Rubrik "Wir beobachten die Welt", die im eigentlichen Artikel nicht vorkommt.

Schon solche Manipulationen sprechen für sich. Ich würde Ihnen empfehlen sich den Artikel "Russlands rote Religion" gleichfalls einmal in aller Ruhe nochmals durchzulesen.

Bezeichnenderweise wurde der eigentliche Inhalt dieses Artikels ebenfalls nicht zitiert. Wenn Sie die darin enthaltenen Angriffe auf den stalinistischen Personenkult als "geißlungswürdig" betrachten so ist das Ihr Problem. Für mich sind solche Etikettenaushänger, die sich als Kämpfer gegen Antikommunismus apostrophieren, jedoch zu den inhaltlichen Argumenten in keiner Weise Stellung nehmen, Phrasendrescher übelster Art.

Sie liegen mit Ihrer Antikommunismusargumentation in Kontinuität mit jenen, die die Zeugen in einer früheren Epoche bezichtigten Werkzeuge der angeblichen "jüdischen Weltverschwörer" zu sein. Ob Sie sich bei solcher geistigen Verwandtschaft wohl fühlen können? Ihnen fehlt die Fähigkeit in ausreichendem Maße zu differenzieren. Detailauseinandersetzungen ersetzen Sie durch Phrasendrescherei (Ihre Vorgesetzten stellen ja diesbezüglich wohl keine größeren Ansprüche) - dieweil ja eine Argumentation, die die Zeugen als " d i e religiösen Antikommunisten" hinstellt opportun ist. Lesen Sie die "Erwachet!"-Ausführungen über Mindszenty, dann werden Sie wissen, w e r die eigentlichen "religiösen Antikommunisten" sind bzw. waren. Die Zeugen sind nicht Verfechter eines irgendwie gearteten Anti … ismus, die Zeugen sind Kämpfer gegen Totalitäts- oder Vorherrschaftsansprüche - sie geraten in Konflikt mit jenen, die sich dem Zeugenbestreben in den Weg stellen, auf möglichst breiter Basis in der Öffentlichkeit agitatorisch wirken zu können. Indem Sie von Fiktionen ausgehen, ergeht es Ihnen wie weiland Don Quichotte - Sie erweisen sich als Kämpfer gegen Windmühlenflügel.

… Ich mache Sie aber nochmals darauf aufmerksam, dass ich an meiner Grundsatzkritik, Ihre "Christliche Verantwortung" sei ein für die Zeugen allzu durchsichtiges Instrumentarium des MfS, nichts zurückzunehmen habe.

Ihre "Christliche Verantwortung" ist das Gegenteil von dem was der Titel vorgibt. Ihre Versuche, die Zeugen mit Dreck zu besudeln, werfen ein Schlaglicht auf Ihre Initiatoren. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich meine Feststellung, in kritischer Distanz zum weltanschaulichen Grundgerüst der Zeugen zu stehen, nach wie vor aufrecht erhalte - jedoch Polizeistaatpraktiken fühle ich mich nicht verpflichtet. Damit dürften sich unsere Wege für immer getrennt haben.

Ihrem Blatt ist es nicht gelungen, sich von Ihrem Brötchengeber mit denen die Zeugen üble Erfahrungen verbinden, eindeutig abzusetzen. Es bewahrheitet sich bei Ihnen erneut: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.

Ich spreche diesen Leuten die Fähigkeit ab, sich in s i n n v o l l e r Weise mit den Zeugen auseinanderzusetzen. Wozu diese Leute fähig sind, das haben sie schon zur Genüge bewiesen. Auch wenn Sie meinen im Märchen vom Rotkäppchen ihr neuzeitliches 'Drehbuch' gefunden zu haben und sich dazu ihrer Lakaien bedienen, so sollten Sie sich dieses Märchen noch einmal genauer ansehen um zu erkennen, dass es eben doch noch ein paar entscheidende "Schönheitsfehler" gibt.

Ich komme zum Schluss. Meine Zeit ist knapp bemessen, um sie für Ihresgleichen zu verschwenden. Auf eine persönliche Rücksprache lege ich keinerlei Wert. Falls Sie das Bedürfnis haben sollten, einige Dinge dennoch klären zu müssen, steht es Ihnen frei dies zu tun. Ich kann Sie nicht daran hindern das zu tun, was Sie unter Umständen ohnehin nicht lassen können.

gez.: Manfred Gebhard

Auf seiner Webseite offeriert der Herr H. auch einige Auszüge bzw. Textpassagen aus seinen bisherigen Veröffentlichungen. Wie kaum anders zu erwarten, sind darin auch etliche der "Breitseiten" gegen das Uraniabuch, die von der WTG zutiefst gehasste DDR-Veröffentlichung.

Durchaus bemerkenswert ist aber auch, dass Herr H. beim Online stellen solcher Buchauszüge den nachfolgenden bewusst ausklammert. Und zwar den auf Seite 312 - 315 abgedruckten Abschnitt in seinem Buch aus dem Jahre 2003:

Bewertung der "Dokumentation" aus der Sicht des

offiziellen Herausgebers Manfred Gebhard

Der offizielle Herausgeber der Dokumentation, Manfred Gebhard, distanzierte sich in den folgenden Jahren sowohl von der "Christlichen Verantwortung" als auch von der Dokumentation über die Zeugen Jehovas. Es ist aufschlußreich, seine offene und kritische Meinung zu dieser Veröffentlichung zu lesen. Seine Kommentare, die in seinen Briefen an das Staatssekretariat für Kirchenfragen (StfK) nachzulesen sind, stellen einen weiteren Bewertungsmaßstab dieses Buches dar. Als Mitarbeiter der CV und Herausgeber des genannten Buches war Gebhard beim StfK bekannt. Er war mit der vom MfS betriebenen "Geschichtsklitterung" nicht einverstanden und war daran interessiert, eigene Studien über Jehovas Zeugen zu betreiben. Bedingt war ihm ermöglicht worden, in die Literatur über und von Jehovas Zeugen Einblick zu erhalten. Besonders den permanent geäußerten Vorwurf des expliziten Antikommunismus, wie er in der "Dokumentation" und auch in den CV-Schriften ständig wieder- holt wurde, wollte er nicht unkommentiert stehen lassen. Die Kritik in seinen Briefen verschafft ein deutlicheres Bild über die Zusammenhänge.

Am 31. Mai 1983 schrieb Gebhard an das StfK unter Bezugnahme auf die herausgegebene Dokumentation:

"Wie Sie wissen, zeichne ich als Herausgeber des 1970 im Urania-Verlag, Leipzig, und 1971 im (Freidenker-Verlag Hubert Freistühler, Schwerte/Ruhr, erschienenen Buches, Die Zeugen Jehovas. Eine Dokumentation über die Wachtturmgesellschaft'. Da ich selbst aus den Kreisen der Zeugen Jehovas' stamme, und meine Entwicklung (Jahrgang 1943) in der DDR-Verbotszeit dieser Organisation begann und ich des weiteren auch nicht auf irgendeinen 'Hochschulabschluß' verweisen kann, ist es naheliegend, daß ich zwar Herausgeber, nicht aber Hauptverfasser' des Urania-Buches bin. Es ergibt sich weiter daraus, daß ich aus heutiger Sicht diesem Buch gegenüber mit einem nicht unerheblichen Maße an innerer Distanz gegenüber stehe. Nun gibt es allerdings auch Leute, die diese Distanz nicht haben, die es womöglich noch als .optimal' betrachten[...]

Im gleichen Zusammenhang ist es auch mehr als aufschlußreich, daß ein über das Geheimdienstmilieu ausgewiesener bekannter Publizist aus der DDR in der Tageszeitung 'Neue Zeit' vom 21.5.1980 sich über das Urania-Buch in einer Art und Weise verbreitet, die wache Beobachter nur noch als zusätzliche Bestätigung bewerten können, aus wessen, Stall' das Ganze stammt. 851

[...] Symptomatisch ist auch folgendes. Einer der Rezensenten des Urania-Buches (Dr. Dietrich Hellmund, selbst Verfasser einer Dissertation über die Zeugen Jehovas) brachte in seiner Besprechung unter anderem die durchaus nicht unbegründete Vermutung zum Ausdruck, daß ein Teil der verwendeten Materialien des Urania-Buches aus den beschlagnahmten Beständen des Magdeburger Zweigbüros der Zeugen Jehovas stammen dürften. Weiter kritisierte er, teilweise berechtigt, 'daß die als Fotokopien vorgelegten Dokumente, soweit nachprüfbar, sich als faktische Fotomontagen erweisen, wobei Textauslassungen bei der Zitierung nicht immer deutlich gemacht wurden'.

Eine 'Krankheit', die ich auch an etlichen analogen Stellen in der Zeitschrift 'Christliche Verantwortung' nachweisen könnte. Weiter äußert Dr. Hellmund: 'Das gilt von der Mehrzahl der kontrollierten Belege, also von den bereits 'veröffentlichten Texten'. Dieser Mangel ist aber bei der anderen Textgruppe, den erstmals publizierten Dokumenten, noch schwerwiegender, weil der Sachzusammenhang der veröffentlichten Sätze nur bei Einsicht in die Originale geprüft werden kann. Das dürfte im Einzelfall gar nicht so einfach sein. Zumal unbekannt bleibt, wer diese Dokumente verwahrt.' (Zeitschrift Bruderdienst' 1971; Rezension unter dem Pseudonym Logu Dulos').

Es ist in diesem Zusammenhang mehr als bemerkenswert, daß ich zwar meinen Namen für das Urania-Buch hergeben darf, zugleich mir aber die Bitte um Einsichtnahme der in Potsdam verwahrten Dokumente faktisch verwehrt wird! Ganz zu schweigen davon, daß ich auch für die sonstigen fraglichen Dokumente (Beschlagnahmungen aus dem WTG-Büro und dergleichen) bis zum heutigen Tage keinerlei Möglichkeiten der Einsichtnahme der Originale erhalten habe. Die Intention gewisser Leute besteht also darin, nur einen 'Strohmann' für ihr Urania-Buch gesucht und gefunden zu haben." 852

Ein Zitat aus der Zeitschrift "Erwachet" vom 8. Dezember 1948, in dem es um eine Gesamteinschätzung der weltpolitischen Situation ging, wurde im Urania-Buch so entstellt, daß der Leser zu der Überzeugung kommen mußte, es würde tatsächlich nur in negativer Weise über den Kommunismus berichtet. Gebhard schrieb zu diesem Sachverhalt:

"Die Verfasser des Urania-Buches meinten die von ihnen ausgewählte Textpassage, die sich bei näherem Hinsehen als Halbwahrheit übelster Machart erweist, mit den Worten kommentieren zu können, es sei eine Hetztirade, 'diesmal ganz im Stil eines Joseph Goebbels' gehalten [...] Mir ist schon verständlich, wenn in der Folge davon sich die These herausbildete, dass die Zeugen Jehovas die 'religiösen Antikommunisten' seien. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß diese These bei objektiver Prüfung nicht haltbar ist, und das ganze in diesem Sinne veröffentlichte Schrifttum eigentlich reif für die Makulatur wäre." 853

In einem weiteren Brief vom Oktober 1983 äußerte sich Gebhard erneut zu der MfS-Dokumentation:

"Es hat sich in der Folge dann so ergeben, daß ich letztendlich Herausgeber des Urania-Buches dieser 'Studiengruppe' wurde [CV], wobei bezeichnenderweise die Leute, die das veranlaßten, mir faktisch fast keine Möglichkeit gaben, eigene Intentionen in das Manuskript einzubringen. Die tatsächliche Devise hieß unterm Strich gesehen 'Vogel friß oder stirb!' Da ich mich nicht zu den Leuten rechne, die auf dem Felde der Zeugenproblematik bedingungslos das 'nachbeten', was andere meinen vorplappern zu können oder sollen, hat sich ein erster größerer Bruch mit dieser sogenannten .Studiengruppe' 1972 ergeben." 854

Am 27. Juli 1983 schrieb er:

"Daß die 'Christliche Verantwortung' ein Demagogieorgan ist, habe ich schon deutlich früher indirekt, bzw. direkt ausgesprochen. Aber geändert hat sich nichts.

Meine Kritik am Urania-Buch ist bekannt - aber geändert hat sich nichts. Schon die Diktion im Urania-Buch spricht diesbezüglich für sich. Symptomatisch dafür sind auch solche Überschriften wie 'Politisches Verhalten im Spannungsjahr 1953'[S.253ff] 'Zeugen Jehovas als politische Flüchtlinge' [S.283ff.]; 'Das Ostbüro in Westberlin' [S. 256 ff.] und etliches mehr. Die Herren können eben ihre Kinderstube nicht verleugnen. Im Selbstbeweihräuchern waren sie schon immer 'erste Klasse'. Was interessiert es da noch, daß solche Phrasen bei den 'Zeugen' resonanzlos verpuffen!? Bedauerlich ist nur, daß sie es für nötig erachteten, dieses Kuckucksei anderen unterzuschieben. Mein Pech dabei war es, daß ich nach meinem Bruch mit den Zeugen' meinte, auch etwas zum Thema ,Zeugen' schreiben zu sollen. Das weitere Pech war, daß diese Herren zu mächtig sind, und ich in der damaligen Situation nicht stark genug war, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. (Sie sind ja ohnehin nur .katzbuckeln' gewöhnt). Wenn sie heute einen entschiedenen Kritiker vor sich haben, dann sage ich ihnen unverblümt ins Gesicht: DEN EINZIG GUTEN DIENST DEN IHR NOCH TUN KÖNNT IST: EUCH ZURÜCKZUZIEHEN UND EURE DRECKIGEN FINGER AUS DER ZEUGENSACHE HERAUSZUNEHMEN!'" 655 [Großbuchstaben im Original]

Vollends enthüllend schrieb Gebhard am 11. August 1985:

"Es wäre einmal nicht uninteressant zu erfahren, wieviel Geld diese Herren für ihre betriebseigene Firma 'Christliche Verantwortung' investiert haben (aber dabei dürfte ja dann wohl wieder das große Schweigen herrschen). Sicherlich dürften die rund 20.000 Mark, die seinerzeit das Uraniabuch diesen Herren einbrachte und die ihnen von mir vereinbarungsgemäß übergeben wurden (die 3.000 Mark, die sie mir bewilligten, habe ich dann von ihnen zurückbekommen und in gewisser Beziehung als Startgrundlage für meine Studien verwandt![...]) [...] nicht ausreichen für das Mobiliar des Büros der 'Christlichen Verantwortung" 856

Diese mit 20.000 Mark belohnte Auftragsarbeit sollte in der Tat nur den Zweck der politischen und religiösen Diffamierung erfüllen.

851 In einem weiteren Brief Gebhards heißt es hierzu: "Im Jahre 1980 hatte Pape [hier ist Dieter Pape gemeint] in ihrer 'Christlichen Verantwortung' Nr. 130 (S. 7) nichts Eiligeres zu tun, als dienstbeflissen ihrem Mitautor am Uraniabuch, Dr. Sc. Julius Mader, die Ehre anzutun, seine in der Tageszeitung 'Neue Zeit' (21. 5. 1980) abgedruckten Artikel 'Die CIA macht auch vor den Türen der Kirche nicht halt' in wirkungsvoller Fotomontage nachzudrucken." BArch Berlin, DO 4, Akten-Nr. 1179, Gebhard an StfK vom 2. Januar 1985.

852 BArch Berlin, DO 4, 1179, M. Gebhard an das StfK, S. 4ff. vom 31. 5. 1983.

853 BArch Berlin, DO 4, 1179, M. Gebhard an das StfK vom 21. 6. 1983.

854 Ebd., M. Gebhard an StfK, Hauptabteilungsleiter Heinrich, S. 2, 10/1983.

855 Ebd., S. 4, M. Gebhard an StfK vom 27. 7. 1985.

856 BArch Berlin, DO 4, 1179, Gebhard an StfK, S. 1, vom 11. 8. 1985.

 

Ergänzend noch ein Detail aus einer Auseinandersetzung mit Frau Y..., auch vorstehendem Kontext betreffend:

So liest man sowohl in Referat als auch Buch den Satz:

"Der vermeintliche Autor, Manfred Gebhard, hat sich einige Jahre später in einem jahrelangen Briefwechsel mit dem Staatssekretariat für Kirchenfragen - das er zutreffend eine 'Filiale der Staatssicherheit' nennt - immer wieder von diesem 'Machwerk' distanziert."

Weiter:

"1976 kam es dann offenbar zum Bruch mit dem zuständigen 'Staatssekretariat für Kirchenfragen', dem als Dienststelle des MfS die Kontrolle über Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR unterstand. Da Gebhard in den 80-er Jahren unzählige Beschwerdebriefe an den Hauptabteilungsleiter dieser Behörde richtete, die alle im Zusammenhang mit dem Urania-Buch stehen, andererseits Gesprächsvermerke dieser Dienststelle mit Gebhard in den Stasi-Akten vorhanden sind, ergibt sich daraus ein ziemlich klares Bild …"

Hier schon formuliert Y. und ihr Gewährsmann Waldemar H., unkorrekt.

Gebhard hat sich 1976 endgültig von der "Christlichen Verantwortung" getrennt. Einen Kontakt zum Staatssekretariat für Kirchenfragen hatte Gebhard zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der sollte sich erst aus einer anderen Notwendigkeit heraus ergeben. Und zwar folgender.

Gebhard hatte die "Frechheit", nach seinem Bruch mit der "Christlichen Verantwortung", die Bestände der Berliner Staatsbibliothek, die auch über etliches zum Thema Zeugen Jehovas verfügt, in seiner Freizeit, namentlich auch seinem jeweiligen Jahresurlaub, zu nutzen. Theoretisch handelt es sich hier um eine öffentliche Bibliothek. Praktisch hingegen gab es dort auch ein sehr ausgeklügeltes Zensursystem. Schon bald wurde dem Gebhard die unterschiedlichen Stufen dieser Zensur deutlich, an den entsprechenden Zusätzen zu den Signaturen.

So gab es Bücher die man ohne größere Probleme zur Einsichtnahme in den Lesesaal bestellen konnte. Dann gewisse Bücher mit dem Signaturzusatz "W". Nur für wissenschaftliche Zwecke. Noch kritischer hingegen waren die Bücher mit dem Signaturzusatz "ASF" (respektive einem Blaukreuz für Bestände vor 1945). Die konnte man nämlich auch nicht in den Lesesaal bekommen, sondern nur in einem ganz speziellen der ASF-Abteilung. Und unabdingbare Voraussetzung für letztere Kategorie war eine amtliche Bescheinigung.

Es sollte aber noch ganz anders kommen. Gebhard wagte sich als erstes an jene Bücher ohne die fraglichen inkriminierenden Zusätze. Da sich das ganze in seiner Urlaubszeit also konzentriert in einem relativ kurzen Zeitraum abspielte, wurde er schon dabei nach ganz kurzer Zeit "auffällig". Dabei handelte es sich zwar um Bücher vor 1945, aber ohne Einschränkungssignatur. Eines Tages bekam er anstelle der bestellten Bücher in der Buchausgabe nur eine mündliche Aufforderung, bei der stellvertretenden Leiterin der Benutzungsabteilung vorzusprechen. Da saß er nun in der Klemme: "Was tun sprach Zeus?" Ging er dort nicht hin, konnte er das Kapitel Stabi einmal schon "auffällig" geworden, wohl endgültig in den Rauch schreiben. Also ward der Canossagang angetreten.

Wie kaum anders zu erwarten, wurde Gebhard nun mit der Aufforderung konfrontiert, eine "amtliche Bescheinigung" vorzulegen. Die aber hatte er nicht. Es half ihm auch nichts, dass er sich darauf berief, diese Titel seien doch Signaturmäßig nicht eingeschränkt. Antwort. Wir sind eine wissenschaftliche Bibliothek und keine "Unterhaltungsbibliothek". Demzufolge auch solche Einschränkungen.

Der nächste Schritt von Gebhard: Anfertigung einer eigenen schriftlichen Erklärung, dass er sehr wohl wissenschaftlich daran interessiert sei mit Verweis unter anderem auch auf das Uraniabuch.

Mit saurer Miene, weil es immer noch keine amtliche Bescheinigung war, nahm besagte Frau Fizia das zur Kenntnis, und zog vorgenannte Restriktionen erst mal zurück.

Nach zwei, drei Jahren wurden die potentiellen Bestellmöglichkeiten der nicht "eingeschränkten" Literatur immer rarer. Immer brennender erwies sich das Problem: Wie komme ich an Titel heran wie z. B. das Buch von Franz Zürcher "Kreuzzug gegen das Christentum"? Eindeutig der ASF-Abteilung zugeordnet.

Mit dem Mut des "Tolkühnen" kreuzte Gebhard also eines Tages in besagter ASF-Abteilung auf und wollte dort entsprechende Bestellungen aufgeben. Wahrscheinlich haben die dort Bedientesten wohl nicht ganz zu unrecht das Gefühl gehabt, der "tickt wohl nicht ganz richtig"; ein solches Anliegen ohne gleichzeitige amtliche Bescheinigung vorzutragen.

Auch für sie hieß nun die Parole "Was tun Zeus?"

Ihr "Zeus" hieß amtlich "Direktor der Benutzungsabteilung", der musste ohnehin alle dort getätigten Bestellungen gegenzeichnen. Also wird Gebhard dorthin geschickt. In einem langen Disput wurden schließlich das Zürcher-Buch und noch ein paar andere adäquate Sachen für den nächsten Tag, ausnahmsweise ohne amtliche Bescheinigung genehmigt.

Der nächste Tag fing damit an auf der gesamten Fahrt von meiner Wohnung zur Staatsbibliothek in geradezu offen provokativer Form "Begleitung" durch Oberservationsfahrzeuge der Staatssicherheit zu erhalten. Das höhnische Grinsen eines der Observierer am Fahrtende ist mir bleibend im Gedächtnis geblieben.

Einige wenige ASF-Bücher hatte ich nun diesergestalt losgeeist. Gleichzeitig aber war ich auch auf den "Geschmack nach mehr gekommen". Und perspektivisch ergab sich daraus die Notwendigkeit unbedingt eine "amtliche Bescheinigung" doch noch zu erhalten. So erklärt sich der Beginn meiner Kontaktaufnahme zum Staatssekretariat für Kirchenfragen.

Rückblickend habe ich festzustellen.

Die gewünschten offiziellen Bescheinigungen habe ich von dort nie erhalten. Ich bin aber zugleich dort auch immer aufdringlicher geworden. Und habe mir dann die Freiheit genommen selbst Titellisten zusammenzustellen von ASF-Titeln, die ich einsehen wollte, habe die dann persönlich in der Benutzungsabteilung abgegeben, und mit saurer Miene des Direktors selbiger, auch genehmigt bekommen. Mit Sicherheit hätte ich diesen Schritt nicht gewagt, hätte ich nicht gewusst, zur gleichen Zeit, im Hintergrund, das Staatssekretariat für Kirchenfragen mit meinen Schreiben zu "bombardieren".

Y. führte weiter aus (adäquat auch in ihrem Buch):

"Ich zitiere jetzt ein paar Sachen daraus, die Gebhard als angeblicher Autor (an das Staatssekretariat für Kirchenfragen) geschrieben hat:

'Es ist bekannt, daß ich von Herkunft und Erziehung aus den Reihen der Zeugen Jehovas stamme. Ich halte meine Feststellung aufrecht, nach wie vor in kritischer Distanz zu dieser Organisation zu stehen - allerdings aus anderen Motiven, als es bei den besoldeten 'Berufsgegnern der Zeugen' in der DDR der Fall ist. (…) Die gesamte Verbotsproblematik bedarf einer grundsätzlichen Neudiskussion - das Urania-Buch verdient eingestampft zu werden.'

Das ist ein Brief den er am 26. Dezember 84 schrieb.

An einen der tatsächlichen Verfasser des Buches schrieb Gebhard und zwar ist das ein Brief an Dieter Pape vom 2. 1. 1985:

'Ich werfe Ihnen Geschichtsklitterung übelster Art vor. Ich verweise als Beispiel dazu auf das Urania-Buch S. 239 (Zitierung des 'Erwachet!'-Artikels vom 22. Juli 1949). Sie sollten sich diesen Artikel im gesamten Zusammenhang einmal in Ruhe durchlesen, dann werden Sie feststellen, daß er das genaue Gegenteil von dem aussagt, als was er im Urania-Buch als 'Kronargument' zitiert wird. Die Zeugen hingegen haben in relativ objektiver Weise darin über die Hintergründe dieses Prozesses berichtet. Der Leser des Urania-Buches erfährt von diesem Sinnzusammenhang nicht den Bruchteil einer Silbe.'"

Auch mit diesem Zitat ist Y. unkorrekt. Es ist von einem Prozess die Rede. Deren kann es viele geben. Auch die fragliche genannte Seite des Uraniabuches macht den bestehenden Sachzusammenhang keineswegs deutlich. Deshalb sei in Ergänzung aus dem fraglichen Schreiben noch der entsprechende Passus zitiert:

"Als letzte Verteidigungslinie der Religion wurde von den westlichen Medien der Prozess um den Kardinal Mindszenty im Jahre 1949 dargestellt - darauf bezieht sich die Überschrift. Die Zeugen hingegen, haben in relativ objektiver Weise darin über die Hintergründe dieses Prozesses berichtet. Der Leser des Uraniabuches erfährt von diesem Sinnzusammenhang nicht den Bruchteil einer Silbe."

Also, mit anderen Worten: Kritik an einer Passage die den vorgeblichen "Antikommunismus" der Zeugen Jehovas "beweisen" soll. Wer nur auf Y.'s Darstellung angewiesen ist, der mag in der Tat vielleicht an andere Prozesse, etwa solche gegen die Zeugen Jehovas denken. Dies jedoch ist irreführend. Y. ist somit zu bescheinigen; unsauber zu zitieren.

Weiter geht's bei Y. mit dem Satz:

"Und ein letztes Zitat. An den Hauptabteilungsleiter im Staatsekretariat für Kirchenfragen, schrieb er 1985 auch im August:

"Es wäre einmal nicht uninteressant zu erfahren, wieviel Geld diese Herren für ihre betriebseigene Firma 'Christliche Verantwortung' investiert haben. Sicherlich dürften die rund 20 000 Mark, die seinerzeit das Uraniabuch diesen Herren einbrachte und die ihnen von mir vereinbarungsgemäß übergeben wurden - (die 3 000 Mark, die sie mir bewilligten, habe ich dann von ihnen zurückbekommen …) nur ein Bruchteil gewesen sein."

Letzteres Zitat kommentiert Y´. dann noch in ihrem Referat mit dem Satz:

"Es kann also durchaus sein, dass Herr Gebhard nicht genügend Geld bekommen hat und sich darum von ihnen getrennt hat."

Als Direktbeteiligter ist es naturgemäß schwer gegen eine solche Unterstellung Widerspruch einzulegen. Dennoch meine ich mehr als genug Gründe zu haben um dies zu tun. Es seien deshalb einige Ergänzungen hinzugefügt. Ich überlasse es aber dem Leser, welches Urteil er dann ziehen will. Jedenfalls auch formaljuristisch, bestand durch die übernommene Herausgeberschaft des Buches durchaus ein honorarwürdiger Tatbestand. Auch Frau Y. pflegt in der Regel nicht ohne Honorar zu referieren.

Zum ersten macht dieses Y. zitat aus meinem Schreiben vom 11. 8. 1985 in keiner Weise den Zusammenhang und wie es entstanden ist, deutlich.

Im Jahre 1985 erhielt ich eines Tages unangemeldeten Besuch. Selbst anwesend war ich an dem Tage nicht. Ich befand mich zur fraglichen Zeit noch im Lesesaal der Deutschen Staatsbibliothek. Der Besucher (der Herr Herbrich von der Stasi) hinterließ für mich, indem er es meiner Mutter übergab, ein Buchmanuskript. Und zwar das Buch des sowjetischen Autors Konik über die Zeugen Jehovas, als deutsche Manuskriptübersetzung.

Schon vorher hatte Herbrich einige Male versucht, mit mir wieder Kontakt aufzunehmen, wurde aber in der Regel von mir kalt bis aggressiv ablehnend behandelt.

Nun also dieses Manuskript. Selbstredend habe ich es umgehend gelesen. Und eines war auch mir klar. Jetzt heißt es so oder so: Farbe zu bekennen. Wie schon ausgeführt stand ich schon seit geraumer Zeit in einseitigem (d. h. nur von mir getätigten) Schriftverkehr mit dem Staatssekretariat für Kirchenfragen. Ich hatte dabei mit Sicherheit kein Blatt vor dem Mund genommen. Aber jenes Konik-Manuskript bewirkte nun eine Initialzündung. Gab es von mir schon vorher scharfe Briefe, so sollten die sich nun im Nachhinein als geradezu "zahm" erweisen. Jetzt wurde ich besonders aggressiv und in auch quantitätsmäßig umfangreicher Form. Konik war der Aufhänger und an ihm wurde nunmehr eines herausgearbeitet. Der Totalitätscharakter des kommunistischen Systems. Selbstredend - das war auch mir klar - landete das auch postwendend auf den Stasi-Schreibtischen. Damit habe ich mich dann selbst endgültig zu den "feindlich-negativen Kräften", wie es im Stasijargon so heißt geortet. Und die Herbrich und Co zögerten denn auch nicht die sich daraus für sie ergebenden Konsequenzen zu ziehen. Als da sind, ihre berüchtigten Zersetzungsmaßnahmen, mit denen ich nun massiv "beglückt" wurde.

Noch eines gilt es hinzuzufügen. In der DDR herrschte permanente Mangelwirtschaft. Die hatte auch zur Folge, dass als ich mir Ende der 60-er Jahre eine Schreibmaschine zulegen wollte, ich eine solche nicht im regulären Handel bekommen konnte. Damals sprangen die Herbrich's und Co diesen Punkt betreffend helfend ein, was sich aber nun wiederum rächen sollte. Jedenfalls war das Thema Schreibmaschine dasjenige, dass nun Herbrich nutzte um sinngemäß die Annahme der Kriegserklärung zu verkünden. Darauf bezieht sich jenes Schreiben vom 11. 8. 85. Ich zitiere aus ihm mal auszugsweise noch einige weitere Passagen. Adressiert war das ganze an den Hauptabteilungsleiter Heinrich vom Staatssekretariat für Kirchenfragen:

"Besagter Herr (Herbrich) führte sich sinngemäß so ein, daß er den Auftrag habe, bei mir eine Schreibmaschine einzuziehen, die besagte Firma mir vor etlichen Jahren einmal leihweise zur Verfügung gestellt hatte. Ich habe diesem Ansinnen sofort auf der Stelle und ohne Wiederrede stattgegeben. Dies fiel mir auch deshalb nicht schwer, weil ich mir schon vor einigen Jahren eine eigene Schreibmaschine gekauft hatte und vorgenannte Schreibmaschine schon mittlerweile an einigen 'Altersgebrechen' litt.

Wenn diese Reaktion für diese Herren eine Art 'Blitzableiter' sein sollte - dann bitte sehr! Das phrasenhafte Gerede, daß ich dafür eine neue Schreibmaschine bekommen könnte - ich müßte das dann natürlich entsprechend sagen - habe ich zur Kenntnis genommen und auch nicht zur Kenntnis genommen.

Meine Differenzen mit diesen Herren sitzen tiefer, als daß sie durch solch plumpen Manöver 'ausgeräumt' werden könnten. Es wäre einmal nicht uninteressant zu erfahren, wie viel Geld diese Herren für ihre betriebseigene Firma 'Christliche Verantwortung' investiert haben (aber dabei dürfte dann ja wohl wieder das große Schweigen herrschen). Sicherlich dürften die rund 20 000 Mark, die seinerzeit das Uraniabuch diesen Herren einbrachte und die ihnen von mir vereinbarungsgemäß übergeben wurden (die 3 000 Mark die sie mir bewilligten, habe ich dann von ihnen zurückbekommen und in gewißer Beziehung als Startgrundlage für meine Studien verwandt - wobei wenn ich nicht in dieses 'Geschäft' eingetreten wäre - mich heute finanziell um e t l i c h e s besser stehen könnte, wenn ich so handeln würde wie meine Berufskollegen, nämlich auch nach Feierabend Fliesenarbeiten auszuführen - die Nachfrage ist bis zum heutigen Tage noch ausreichend groß genug)."

Weiter geht es in Y.'s Referat (nicht in ihrem Buch) mit dem Satz:

"Ich habe übrigens in zwei Angelegenheiten mit Herrn Gebhard ein Fax geschrieben und habe versucht ihn dazu zu überreden, ob er nicht selber mal über die Zusammenhänge einen ausführlichen Bericht machen würde. Das würde uns dann ja alle sehr helfen. Und er hat dann gesagt. Ja, er arbeitet daran. Aber ich habe den Eindruck, er kommt selber dabei zu schlecht weg, so das man darauf wohl nicht hoffen kann."

Auch hierbei sagt Frau Y. wieder nur die symbolische "Hälfte".

Ursächlich war. Gebhard hatte die Initiative ergriffen. Er hatte Y. per Fax seinen Aufsatz aus den "Beiträgen zur Geschichte der Arbeiterbewegung" über Hans Jonak v. Freyenwald zugesandt. Daraufhin antwortete Y. gleichfalls per Fax am 16. 3. 1998 indem sie sich für diese Zusendung bedankte und auch anmerkte: "Ich habe viel neues und interessantes daraus erfahren offenbar haben Sie sich seit langem sehr intensiv und gründlich mit dieser Thematik befaßt. Ich finde es beeindruckend, daß Sie trotz Ihrer ehemaligen Zugehörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft genügend kritische Distanz bewahrt haben und einen wichtigen historischen Beitrag zur Erforschung dieses bisher ziemlich vernachlässigten zeitgeschichtlichen Thema 'Jehovas Zeugen vor und während der NS-Zeit' geleistet haben."

Ihr Schreiben endet dann unter anderem mit dem Hinweis auf ihre Webseite namens "Numinos".

Rückblickend hat man festzustellen. Y. hat ihre Webseite wieder vom Netz genommen. Nicht zum Zeitpunkt dieses Schreibens, wohl aber seit dem zweiten Halbjahr 1999 ist hingegen Gebhard mit einer eigenen Webseite zum Thema im Internet präsent, und dort gibt es mit Sicherheit, auch quantitativ erheblich mehr Material zum Thema Zeugen Jehovas, nebst auch einem eigenen Buch dazu, als Y. je publiziert hat. Letztere ist zwar im Geschäft mit den Zeugen Jehovas involviert. Dies allein will unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten indes nichts besagen!

Davor schon, meinte Frau Y. auf einer "Standhaft"-Verananstaltung in Bautzen, Ende 1997 gleichfalls zwei "Trumpfe" präsentieren zu können. Einmal ein Gebhard-Schreiben an das Staatssekretariat für Kirchenfragen und zum zweiten, die 1950er Petition der Zeugen Jehovas an die DDR Regierung. Wie bei Trophäen üblich wurden sie stolz präsentiert. Auf dem Bild sieht man diese beiden "Trophäen", von Y. in einer durchsichtigen Plastikmappe mitgebracht. Vorderseite die 1950er Petition aus dem Wachtturm". Rückseite (sichtbar) das vorgenannte Gebhard Schreiben.

Laut Transkription erklärte Y. dazu, damals in Bautzen unter anderem zum Thema Gebhard:

Dieses Buch [Uraniabuch] wird heute noch von Gegnern der Zeugen Jehovas zitiert. Gegner sind z. B. die Sektenbeauftragten der Kirchen aber auch des Staates, die benutzen dieses Buch um das als eine authentische Quelle für Gefährlichkeit, sogar Antisemitismus und solcherlei Dinge zu sehen. Und ich habe von einem Forscher [H.], der jetzt eine Arbeit schreibt über diese Bewegung z. B. die "Christliche Verantwortung" in der DDR ein Schriftstück bekommen, das habe ich auch mitgebracht, ausdem hervorgeht, dass der Autor Manfred Gebhard gar nicht der Autor dieses Buches war. Es st nämlich ein Brief, und er hat von diesen Briefen sehr viele geschrieben, die hat man zum Teil auch in der Gauckbehörde und zum Teil in anderen Archiven gefunden, Manfred Gebhard hat 1985 in einem seiner vielen Schreiben an das Staatssekretariat für Kirchenfragen, Hauptabteilung unter anderem geschrieben und da lese ich einfach mal daraus vor, weil ich mir denke, dass ist für Sie alle interessant

Es wäre einmal nicht uninteressant zu wissen zu erfahren, wieviel Geld diese Herren für ihre betriebseigene Firma "Christliche Verantwortung" investiert haben, Sicherlich dürfte die rund 20.000 Mark, die seinerzeit das Uraniabuch diesen Herren einbrachte und die ihnen von mir, vereinbarungsgemäß übergeben wurden, in Klammern (die dreitausend Mark die sie mir bewilligten habe ich dann von ihnen zurückbekommen und in gewisser Beziehung als Startgrundlage für meine Studien verwandt) Und dann führt er weiter aus:

Ich will das nicht alles vorlesen, weil mein Thema sonst zu kurz kommt

Dass es ihm leid tut, dass er von vielen Positionen abgerückt ist und seinen Namen dafür eigentlich nie hergeben sollen. Darüber wird noch eine Forschungsarbeit später ausführlich berichten. Nur, damit Sie sehen, wieviel Mühe sich die DDR die ganze Zeit hindurch gegeben hat, sich auch immer wieder und weiter mit den Zeugen Jehovas zu beschäftigen, und sie zu diskreditieren. Unter anderem ist dieses Buch später auch im Westen, für einen "Spiegel"-Artikel 1961 zitierbare Quelle gewesen [Gleichfalls unkorrekt. Wie der "Spiegel"-Artikel 1961 über Erich Frost erschien, gab es das Uraniabuch überhaupt noch nicht].

Waldemar H...

Der Fall Y...

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