Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Luise Mandau

Man hat den Eindruck, da schreibt eine geviewte Frauenzeitschriften-Journalistin über das Thema Religion. Schon mal festzuhalten, theologisches Geplänkel ist nicht "ihr Bier". Weiter. Gewisse Formulierungen sind vielleicht nicht differenziert genug. Etwa wenn sie bezüglich der Zeugen Jehovas verschiedentlich die Vokabel "Verbote" verwendet. Oder wenn sie davon redet, Jehovas Zeugen "müssten" 17 - 29 Prozent ihres Einkommens an die WTG abführen. Das ist in dieser kategorischen Form natürlich nicht der Fall. "De jure" muss bei Jehovas Zeugen niemand etwas. De facto gibt es allerdings eingeschliffene Mechanismen, die den von Luise Mandau kritisierten Sachen ziemlich nahe kommen.

De jure gibt es kaum Verbote bei den Zeugen Jehovas. De facto indes sehr viel was man so in der Sache, wenn auch nicht in der Wortwahl, so bewerten kann.

Die Rede ist also von Luise Mandau, die in den Jahren 1995/96 zwei einschlägige Bücher veröffentlichte. Das eine betitelte sie: "Tödlicher Sektenwahn. Die teuflischen Tricks der Seelenfänger" und das andre: "Sehen so Götter aus? Die Psychotricks der Seelenfänger".

In beiden Büchern sind die Zeugen Jehovas nur eine von vielen darin abgehandelten Gruppen.

Also keine spezifische "nur" Zeugen Jehovas-Bücher. Da Frau Mandau ersichtlicherweise ihren Rahmen weit gespannt hat, kann und sollte man über die eingangs angedeuteten Unkorrektheiten hinwegsehen. Beschränkt man sich nicht auf Wortklauberei, sondern geht der Frage nach, was teilt Frau Mandau in der Substanz mit, wird man ihr durchaus einen scharfen Blick bezüglich der Sektenszene bescheinigen können. Auch bezüglich der Zeugen Jehovas. Sie bringt diesbezüglich einige wichtige Aspekte sehr wohl auf den Punkt.

Ein Vergleich ihrer Ausführungen über die Zeugen Jehovas in beiden Büchern zeigt, dass gewisse Sachen "doppelt" dargestellt sind. Andere hingegen nicht. Es kann jetzt hier nicht darum gehen nachzuweisen, was schrieb Frau Mandau, auf welcher Seite in welchem Buch. Wer diese Frage beantwortet haben möchte, der wird nicht umhin kommen, beide Bücher sich selbst zu beschaffen (sofern noch beschaffbar). Auch Ihre Ausführungen über andere Religionsgemeinschaften, außerhalb der Zeugen Jehovas sollen jetzt völlig außer Betracht bleiben. Obwohl sich auch da einiges interessantes vorfindet.

Es soll jetzt lediglich mal der Versuch unternommen werden, in Zusammenfassung beider Bücher, einige interessante Aspekte zu dokumentieren, die sie meinte bezüglich der Zeugen Jehovas ausführen zu sollen. Reine Geschichtsdarstellungen bleiben unberücksichtigt. Das gewisse Unkorrektheiten dabei nicht überbewertet werden sollten, wurde eingangs schon gesagt. Es geht primär darum, was führt sie als Hauptgedanken zum in Rede stehendem Thema aus.

Sie ziehen lächelnd von Haus zu Haus und werben neue Jünger. Sie stehen stundenlang an Straßenecken und halten den Vorübergehenden stumm werbend den »Wachtturm« entgegen. Haben sie ein neues Mitglied gewonnen, wird nicht mehr gelächelt. Das neue Mitglied wird schnell erfahren, daß es ein »Rund-um-die-Uhr-Mitglied« geworden ist. Jetzt gibt es keine Geheimnisse mehr.

In Deutschland gibt es ca. 166.500 Zeugen Jehova. Ca. 35.000 Anhänger hat diese Sekte allein in den neuen Bundesländern.

Jeder von ihnen ist Mitglied einer Versammlung. In einer Versammlung werden durchschnittlich 60 bis 70 Personen zusammengefaßt. Dadurch behalten die Ältesten den genauen Überblick. Jede Versammlung hat selber den Königreichssaal in Ordnung zu halten und für die laufenden Kosten aufzukommen. Deshalb steht in jeder Versammlung ein Spendenkasten. Der Älteste leitet die Versammlung. Weitere Ämter sind die des Aufsehers, des Sekretärs und des Dienstaufsehers. Es gibt einen Wachtturm-Studienleiter und den Versammlungsbuchstudienleiter. In Versammlung werden Dienstamtsgehilfen ernannt. Es gibt Stadt- und Kreisaufseher. Sonderdienste bilden den der Hilfspionierdienst, der allgemeine Pionierdienst und der Sonderpionierdienst. Ein Hilfspionier predigt monatlich mindestens 60 Stunden. Ein allgemeiner Pionier predigt jährlich 1.000 Stunden, sind monatlich 90 bis 100 Stunden. Ein Pionier muß mindestens seit sechs Monaten getauft und ein vorbildlicher Prediger sein.

1987 wurden in Bethel Schulen zur dienstamtlichen Weiterbildung eingerichtet. In der Gileadschule werden Missionare und Missionarinnen ausgebildet. Bewerber müssen zwischen 21 und 40 Jahre alt sein und sich bester Gesundheit erfreuen. Die Leute sollen schließlich durch Verkauf ihrer Schriften Geld bringen. Kranke oder Schwache passen nicht in ihr Konzept. ...

Jeder Zeuge Jehovas übernimmt bei der Taufe nicht nur die Verpflichtung, nach den Lehren Wachtturmgesellschaft zu leben, sondern auch für die Gemeinschaft von Haus zu Haus zu gehen, um ihre Lehre zu verbreiten. In der Regel soll jeder Zeuge Jehovas etwa zehn Stunden monatlich predigen. Die Wachtturmgesellschaft verlangt schriftliche Berichte über die Predigttätigkeit. Wer keine schriftlichen Belege vorlegen kann, gilt als unzuverlässig. Älteste die keine Berichte vorlegen, können ihr Amt verlieren und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

Jeder Zeuge Jehovas ist in ein genau geordnetes System eingebettet. Solange er sich unterordnet ist er darin geborgen. Einem tüchtigen Prediger können viele Ämter übertragen werden.

»Als getaufte Jünger Christi haben wir das Vorrrecht, einen Anteil an der Verwirklichung seine Prophezeiung zu haben, die ihre größte Erfüllung während des gegenwärtigen Abschlusses des der Dinge findet, nämlich: 'Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde predigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.' (Matth. 24:3,14) Welch eine Freude wird es sein, nachdem wir uns in dieser Zeitperiode ganzherzig für dieses Werk eingesetzt haben, in das ewige Leben einzugehen und Jehova in seiner gerechten neuen Ordnung für zu dienen!« (aus: Organisiert, unseren Dienst zuführen, 1983).

Von der Gleichberechtigung halten die Zeugen Jehovas nichts. Die Frau ist dazu da, für ihre Familie zu sorgen. Natürlich darf und soll sie die Botschaft der Wachtturmgesellschaft verbreiten und ihren Mann unterstützen, wenn er ein Amt in der Versammlung hat. Selbstverständlich ist es ihre Pflicht, am Predigtdienst teilzunehmen, aber aktiv werden darf sie nicht.

Die Zeugen Jehovas zahlen keine Kirchensteuern, im Gegenteil, sie kritisieren den Reichtum der Kirchen und die Erhebung von Kirchensteuern aufs schärfste. Bei ihnen gibt es nur freiwillige Spenden. Doch diese sind beträchtlich. Jeder Zeuge Jehovas zahlt freiwillig zwischen 17 bis 29 Prozent seines Einkommens als erwartete Spende an die Wachtturmgesellschaft. Die Literatur, die die Prediger dieser Sekte an den Haustüren verschenken, haben sie vorher von der Wachtturmgesellschaft in Form eines Spendenbeitrags gekauft. ...

Das Vermögen der Wachtturmgesellschaft ist unbekannt. Es gibt darüber keinerlei Veröffentlichungen, obwohl die Organisation alles andere sehr gern veröffentlicht und publiziert. Aber anhand des ständig wachsenden Vermögens an Grundstücken, Druckereien und Verwaltungsgebäuden darf man schließen, daß die Wachtturmgesellschaft über erhebliches Vermögen verfügt.

Das Leben der Zeugen Jehovas ist genau geregelt. Auch das Privatleben - sofern man bei den Anhängern dieser Sekte noch davon sprechen kann. Es ist erwünscht, daß neben den vielen Bibelforschungen im Kreis der Versammlung diese als Familienbibelstudium fortgesetzt werden. Ferner sollen die Mitglieder nach Möglichkeit nur mit Menschen verkehren, die sich aufrichtig bemühen, nach der Bibel zu leben. Gemeint ist damit natürlich nicht die Bibel der Katholiken und Protestanten. Diese Bibel gilt nicht.

Verboten ist den Zeugen Jehovas die Teilnahme an politischen und kulturellen Veranstaltungen. Ein Zeuge Jehovas hat sich nur für die Interessen der Zeugen Jehovas zu interessieren.

Schon Kleinkinder werden auf das Leben eines Zeugen Jehovas vorbereitet. Der eigene Geburtstag darf nicht gefeiert werden. Aber auch die Teilnahme an Geburtstagen anderer Kinder, beispielsweise im Kindergarten, ist nicht erlaubt. Weihnachten, Ostern und Muttertag stehen ebenfalls auf der Verbotsliste. Da es sich um heidnische Feste handelt, werden sie bei den Zeugen Jehovas nicht gefeiert. Schulpflichtigen Zeugen Jehova-Kindern ist es als »unsittlich" und »unmoralisch" verboten, an »außerplanmäßigen Aktivitäten, die von der Schule gefördert werden", teilzunehmen. Beim Kongreß 1983 wurde eine 32seitige Broschüre mit dem Titel »Jehovas Zeugen und die Schule« herausgegeben, die Lehrern und Eltern Verhaltensregeln vorschreibt. Die Kinder der Zeugen Jehovas werden dazu erzogen, die Schule ausschließlich zum Lernen zu benutzen. Vom sonstigen schulischen Leben, von der Klassengemeinschaft und den sozialen Einrichtungen, sollen sie sich distanzieren.

Diese Kinder sollen sich deutlich von der übrigen Welt trennen, die in der Macht des Bösen steht und ohnehin eine verderbliche Moral hat.

Diese Kinder dürfen der staatlichen Ordnung keine Ehrerbietung erweisen. Sie dürfen keine Flagge grüßen, bei der Nationalhymne nicht mitsingen und auch nicht aufstehen. Sie dürfen nicht an staatlichen Zeremonien, beispielsweise dem Nationalfeiertag, teilnehmen. Sie dürfen auch das Schulgebet nicht mitsprechen. Überhaupt hat die gesamte religiöse Betätigung ausschließlich in den eigenen Reihen zu geschehen.

Diese Kinder dürfen keine Klassensprecher werden, nicht in der Schülermitverwaltung tätig sein und sich an entsprechenden Wahlen nicht beteiligen.

Diese Kinder werden gezwungen, neutral zu bleiben, und dürfen sich nicht in die Schulpolitik einmischen.

Sie müssen sich vom Werkunterricht abmelden und dürfen sich an keiner Ausbildung beteiligen, die sie dazu befähigt, »mit anderen zu kämpfen". Also kommen weder Judo noch Ringen für sie in Frage.

Die Kinder dürfen weder an Schülerbällen noch an Partys teilnehmen. "Wer an solchen Bällen teilnimmt, gerät fast unvermeidlich in schlechte Gesellschaft... Gewöhnlich wird dabei geraucht und übermäßig viel getrunken, und es kommt sogar zu Drogenmißbrauch und skandalösem sexuellen Verhalten."

Die Kinder dürfen erst dann einem Schulverein beitreten, wenn die Eltern diesen genauestens überprüft haben, denn »es ist beobachtet worden, daß die Beteiligung an ihnen oft zu unmoralischem Benehmen führt«.

Die Kinder sollten möglichst nicht in einem Schülerorchester mitspielen. Es bestehe dann immer die Möglichkeit, daß dieses Orchester bei religiösen und politischen Anlässen zu spielen habe. Und das würde zur Verunreinigung führen. Außerdem "ist der Zeitaufwand zu berücksichtigen und ob es Überschneidungen mit christlichen Zusammenkünften und Familienaktivitäten gibt". Die Kinder sollen ihre gesamte Zeit bei den Zeugen Jehovas verbringen.

Natürlich wird den Eltern klargemacht, daß sie »eine Anzahl von Faktoren berücksichtigen müssen, bevor sie ihren Kindern erlauben, bei einem Theaterstück in der Schule mitzuwirken". Ein wichtiger Faktor: »Befindet sich das, was in dem Stück dargestellt wird, in Übereinstimmung mit biblischen Grundsätzen? Jugendliche Zeugen Jehovas werden nicht in einem Stück mitwirken, in dem Sittenmaßstäbe gutgeheißen werden, die die Bibel verurteilt. Außerdem erfordert das Proben viel Zeit und ist unter Umständen mit schlechter Gesellschaft verbunden."

Den Lehrern wird in dieser Broschüre eindringlich klargemacht, daß die Eltern das Erziehungsrecht über ihre Kinder haben. Deshalb werden die Eltern dazu aufgefordert, den Unterricht genau zu überprüfen und sofort zu revoltieren, wenn er den biblischen Grundsätzen zuwiderläuft. Das betrifft vor allem den Naturkundeunterricht, in dem »die Evolutionslehre oft als wissenschaftliche Tatsache hingestellt wird". Es wird erwartet, daß die Lehrer die biblische Überzeugung der kleinen Zeugen Jehovas respektieren. Und danach gibt es die Menschheit erst seit 6000 Jahren.

Fragwürdig in den Augen der Zeugen Jehovas ist auch der Sexualkundeunterricht in den Schulen. Hierzu heißt es: »Zeugen Jehovas sind bemüht, sich an die moralischen Grundsätze der Bibel zu halten und sie ihren Kindern einzuprägen. Daher wünschen sie nicht, daß ihre Kinder Sexualkundeunterricht von Personen erhalten, die diese Grundsätze nicht respektieren"... Sollte dies nicht geschehen, »werden sie darum bitten, daß ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht befreit werden, oder ihre gesetzlichen Rechte in Anspruch nehmen"... Das bedeutet, daß sie darauf drängen werden, daß »Ihre eigenen Vorstellungen, den Schülern vermittelt werden.

Die Broschüre, »Jehovas Zeugen und die Schule", 1983, aus der die vorstehenden Zitate entnommen sind, verdeutlicht das Absonderungsprinzip in bezug auf jugendliche Zeugen Jehovas mit aller Deutlichkeit.

In der neuen Broschüre Jehovas Zeugen und Schulbildung erklärt die Wachtturmgesellschaft: "Ferner gebietet die Bibel, die Staatsgesetze einzuhalten. Wenn daher ein Mindestschulbesuch gesetzlich vorgeschrieben ist, halten sich Zeugen Jehovas daran." Wohlbemerkt, sie meinen einen Mindestschulbesuch - was klar beweist, daß Abitur und Studium unerwünscht sind. Die jungen Zeugen Jehovas sollen gefälligst so schnell es geht die Schule verlassen und dann neue Schäfchen für Jehova missionieren.

Die Kinder der Zeugen Jehovas dürfen nichts, sie werden aus der Klassengemeinschaft herausgelöst und zu Einzelgängern gemacht. Eins allerdings dürfen sie: Sie dürfen geschlagen werden. Denn "Gott züchtigt seine Söhne!"

Es sage niemand, die Zeugen Jehovas-Sekte sei harmlos. So lehnt sie beispielsweise konsequent Bluttransfusionen ab, da diese unbiblisch und somit verboten seien. »Der Spiegel" 45/94 berichtet über zwei Kinder, 12 und 15 Jahre alt, die im September 1993 in Neufundland und Kalifornien an Leukämie starben, weil sie Blutübertragungen verweigert hatten. Sie wurden von dem Sektenmagazin »Erwachet" gepriesen als »Jugendliche, die Gott den Vorrang gaben". Im September 1994 starben zwei Kinder in Spanien an Hirnhautentzündung und Leukämie, weil ihre Eltern Bluttransfusionen abgelehnt hatten. Bei Operationen wählen Zeugen Jehovas Krankenhäuser aus, die chirurgische Eingriffe ohne Bluttransfusion durchführen. Selbst bei Unglücksfällen gilt das natürlich auch für Kinder. Obwohl diese streng nach dem Glauben der Sekte noch gar keine Zeugen Jehovas sein können. Denn in der Wachtturmgesellschaft gibt es die Erwachsenentaufe. Alle Anhänger dieser, Sekte tragen ein »Dokument zur ärztlichen Versorgung« bei sich, in dem es heißt: »Ich will auf keinen Fall, daß mir Bluttransfusionen (von Vollblut, Konzentrat aus roten Blutkörperchen, von Plasma, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen gegeben werden, selbst wenn Ärzte das zur Erhaltung meines Lebens oder meiner Gesundheit für erforderlich halten.« Die Kinder der Sekte tragen einen solchen Kinderausweis bei sich.

Damit sich die Schäfchen an die Regeln halten, werden kranke Mitglieder gelegentlich überwacht. Es könnte ja sein, daß der todkranke Patient schwach wird oder von Ärzten gegen seinen Willen mit Blut versorgt wird. So sei es in Einzelfällen »erforderlich, daß rund um die Uhr jemand Wache hält«, heißt es in einem Schulungsbuch für Sektenfunktionäre. Der Titel dieses Buches:. »Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde«. Dem »Spiegel« zufolge schreibt dieses Büchlein auch vor, wie sich die Anhänger und Anhängerinnen der Zeugen Jehovas im Bett zu benehmen haben. So gilt es als »zügelloser Wandel«, wenn man "vorsätzliches und gewohnheitsmäßiges leidenschaftliches Petting sowie vorsätzliches und gewohnheitsmäßiges Streicheln der Brüste« betreibt. Natürlich ist Hurerei noch schlimmer, wozu nach den herrschenden Regeln »Homosexualität und Lesbianismus zählen, aber auch oraler und analer Geschlechtsverkehr oder gegenseitige Masturbation unter Personen, die nicht miteinander verheiratet sind«.

Es ist bezeichnend, daß nicht viele Zeugen Jehovas eine eigene Karriere anstreben. Ihnen wurde und wird ständig gepredigt, daß die Welt mit Riesenschritten ihrem Ende entgegengeht. Die Vernichtungsschlacht »Harmagedon« wird bald stattfinden. Warum soll jemand, der an keine Zukunft glaubt, noch etwas lernen?

Wann immer man auf Zeugen Jehovas trifft, ist man erstaunt über so viel Frieden, Freude und Einigkeit. Gibt es in dieser Sekte denn überhaupt niemanden, der zweifelt? Wer es tut, wird verwarnt. Reicht daß nicht, wird er ausgeschlossen. Natürlich gibt es auch welche, die freiwillig die Zeugen Jehovas verlassen. Die Folgen sind für die Betreffenden verheerend. Denn sie haben beim Eintritt in die Sekte ihre alten Bindungen aufgegeben und stehen nun vor dem Nichts. Die treuen Zeugen Jehovas vermeiden jeden Kontakt zu den Abtrünnigen. Sie bedrohen sie nicht, verfolgen sie nicht. Sie kennen sie einfach nicht mehr. Zurück bleiben einsame Ex-Zeugen. Rutherford, einer der Präsidenten der Wachtturmgesellschaft, erklärte: »Die, die zu uns gehörten, sich aber von uns getrennt haben, können wir nicht töten, weil die Gesetze es nicht erlauben. Aber wenn wir jetzt schon die totale Herrschaft ausüben könnten, würden wir sie auf der Stelle töten.«

Der Gruppenzwang ist also groß. Es gibt eine Menge Zeugen, die in der Sekte bleiben, weil sie Angst vor den Folgen ihres Austritts haben. Psychiater in Schweden, der Schweiz und den USA haben herausgefunden, daß besonders viele Zeugen Jehovas psychisch erkranken. Die typischen Diagnosen: Depressionen und Verfolgungswahn. Eine australische Studie kommt zu dem Ergebnis, daß Schizophrenie bei den Sektenanhängern dreimal so häufig vorkommt wie unter Nichtmitgliedern. Im Wachtturm vom 15. Oktober 1988 geben die Zeugen Jehovas zu, daß ihre Mitglieder krank werden können. Unter dem Motto: Der Wachtturm gesteht: »Manche Zeugen werden >von Dämonen< geplagt«, wird von einer Anhängerin berichtet, die seit über 20 Jahren treu im Dienst steht und nun »von lauten, aufdringlichen Stimmen gequält wird ... die Stimme, die zu mir sagt: Bring dich um! Immer wieder hört man diese Stimme, bis man es nicht mehr ertragen kann.« Dieser klassische Fall von Verfolgungswahn wird von den Zeugen so erklärt: »Einige Opfer psychischer Krankheiten befürchten, den Angriffen von Dämonen ausgesetzt zu sein und behaupten, manchmal Stimmen zu hören. Es stimmt, von den Dämonen ist bekannt, daß sie gesunde Menschen veranlassen können, vernunftwidrig zu handeln ... «

Ein Abtrünniger schrieb über seine Zeit bei den Zeugen das Buch Der Gewissenskonflikt. Das sorgte offensichtlich für Aufregung in den Reihen der treuen Anhänger. In der Mitteilung der Wachtturmgesellschaft an die Ältestenschaften vom 25. Oktober 1990 heißt es: »In einem Schreiben vom 17. Oktober 1990 teilte uns ein Rechtskomitee der Versammlung ... mit, daß in einigen ... Versammlungen Verkündiger das Buch Der Gewissenskonflikt des Abtrünnigen Franz lesen ... wir bitten Euch, uns mitzuteilen, ob Ihr inzwischen in Erfahrung bringen konntet, welche Brüder dieses Buch besitzen. Es ist notwendig, daß jeweils zwei Älteste ernste und eindringliche Gespräche mit diesen Brüdern führen und vor der Gefahr der Abtrünnigkeit warnen ... Teilt uns bitte auch mit, ob die betreffenden Verkündiger auf Euren Rat gehört haben und ob sie bereit gewesen sind, die Literatur der Abgefallenen zu vernichten ... «

Damit die Gläubigen nur ja nicht ins Wanken geraten, werden sie durch ein weltweites Aufsichtssystem streng kontrolliert. So soll beispielsweise für Ärzte, Rechtsanwälte, Krankenschwestern etc. die Schweigepflicht nicht gelten. Es herrscht die festgelegte Regel: »Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als dem Menschen." So müssen die Mitglieder gemäß den internen Sektenrichtlinien ernste Sünden melden.

Die Sünden der Mitglieder werden protokolliert, Erkenntnisse über Abtrünnige gesammelt.

Die 1881 gegründete »Watchtower Bible and Tract Society of Pennsylvania" gilt als das Machtzentrum. Die Zentrale in New York betreibt einen riesigen Aufwand. 30 Hochhäuser gehören zur Schaltstelle der Sekte. Außerdem besitzt sie Hotels, große Computeranlagen ... Und eine sekteneigene Farm mit 688 Land. Die »Watchtower Bible and Tract Society of New York Inc.", eine Aktiengesellschaft, verwaltet das Vermögen. Die Bank »Watchtower Treasures" steuert die Finanzen - ein Großteil der Spenden geht an die »International Bible Students Association" -, und die Firma »Watchtower Properties« verwaltet die Immobilien Insgesamt - so schätzen Sektenkenner - setzt die Wachtturmgesellschaft jährlich weltweit vier Milliarden Mark um. Ihre Bilanzen jedoch bleiben geheim. »Gott liebt einen fröhlichen Geber«, sagen sie und behaupten, sich ausschließlich durch Spenden zu finanzieren. Daß die Manager der Zeugen Jehovas clevere Geschäftsleute sind, beweisen einige ihrer Geschäfte Sie haben das selbstentwickelte Computerprogranm das es ihnen gestattet, den Wachtturm simultan in 66 Sprachen zu übersetzen, an IBM verkauft. In Kanada waren sie besonders erfolgreich bei Investmentgeschäften. Aber sie sind auch geschickte Finanziers. Sie nutzen ihr weltweites Filialnetz für Finanztransfers. So schafften sie es, den Gewinn in der Schweiz 1993 mit null Franken zu deklarieren. Dort müssen sie nämlich Steuern zahlen. In Luxemburg - da sind sie von jeder Steuerzahlung befreit - lag der Gewinn im gleichen Jahr bei 6,1 Millionen Franc. Doch der einfache Zeuge glaubt immer noch an die Armut aller - auch die der leitenden Körperschaft. Er ist sogar davon überzeugt, daß die Wachtturmgesellschaft keinen Gewinn machen darf. Das ist falsch. Die Wachtturmgesellschaft erklärt zwar in ihrer deutschen Satzung von 1971, daß sie keinen Gewinn erwirtschaften will, wenn sie es aber tat, ist es auch nicht verboten!

Die Wachtturmgesellschaft ist in Deutschland als gemeinnütziger Verein anerkannt. Und jeder gemeinnützige Verein kann beispielsweise über Spenden oder kaufmännische Aktivitäten wie Buch- oder Zeitschriftenverkauf Gewinn machen. Das ist erlaubt. In der Eintragung der Wachtturmgesellschaft heißt es: "Sie ist befugt, Gaben und Beiträge in Geld und Gut, Vermächtnisse usw. zur Verfolgung der statuarischen Zwecke entgegenzunehmen, zu besitzen und darüber zu verfügen." Und das tut die Wachtturmgesellschaft auch. Bis zum September 1991 verkaufte sie ihre Zeitschriften und Bücher sogar an die eigenen Mitglieder. Denn bis zu diesem Zeitpunkt mußten die Zeugen diese Produkte zu festen Preisen abkaufen und auf eigenes Risiko an der Haustür wiederverkaufen. Seit September 1991 wird die in Selters produzierte Literatur gegen Spenden abgegeben, weil der Bürgermeister von Selters, Herr Zabel, die Zeugen dazu verdonnert hat, in einigen Bereichen Steuern zu zahlen. Die Wachtturmgesellschaft macht mit ihrer Literatur riesige Gewinne. Natürlich kommen auch noch Spenden dazu...

Die einfachen Mitglieder der Zeugen Jehovas sind ebenfalls sehr nützlich: als miserabel bezahlte Werktätige. So bekommen die Beschäftigten, die in der Deutschlandzentrale im hessischen Selters für die Wachtturmgesellschaft arbeiten, nur ein geringes Taschengeld im Monat. Dabei wird der Wert des Anwesens auf mehrere Millionen Mark geschätzt. In da dort befindlichen Druckerei werden pro Jahr Millionen Zeitschriftenexemplare für 58 Länder gedruckt Die Sektenzentrale wurde von ehrenamtlichen Ferienarbeitern erbaut. Der Betrieb zahlt bisher Steuern und in der Regel für seine »Arbeitnehmer" weder Sozialabgaben noch Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Dies könnte sich aufgrund des ergangenen Urteils des Bundesarbeitsgerichts in Sachen Scientology auch hier ändern.

Der einfache Jehova-Gläubige gibt und dient vollem Herzen. Da der »Harmagedon«, also das Ende der Welt, jetzt endgültig bevorsteht, brauchen Sektenmitglieder keine irdischen Güter mehr.

Wer am »neuen paradiesischen Leben« teilhaben möchte, muß nach Jehovas Willen leben und gehorchen. Nur Zeuge Jehovas zu sein reicht nicht aus, um den »Krieg der Kriege« zu überleben. Nur wer den Willen Jehovas - das heißt den der Wachtturmgesellschaft - erfüllt, kann gerettet werden. Die leitende Körperschaft in Brooklyn sagt schon, wo es langzugehen hat. Seit 1920 wird bei den Zeugen Jehovas kein Ostern, Pfingsten oder Weihnachten gefeiert. Geburtstagsfeiern, Muttertag oder Familienfeste werden abgelehnt. Und auch was die Freizeit betrifft, sind die Regeln streng: Es gibt Mannschaftssportarten, die verboten sind, Lieder, die nicht gesungen werden dürfen, und Bastelarbeiten, die an »heidnische« Bräuche erinnern, passen nicht ins Programm. Die Zeugen Jehovas lehnen die Blutspende ab. Lieber sterben sie bei Operationen oder nach Unfällen weil es Brooklyn so angeordnet hat. Anständigen Zeugen Jehovas ist der Eintritt in Verbände, Gewerkschaften, Vereine oder Parteien untersagt. Sie dürfen auch nicht für die »alte Welt« arbeiten, das heißt, beispielsweise nicht für das Rote Kreuz oder die Feuerwehr. Und natürlich geht kein männlicher Zeuge zur Bundeswehr. Der Dienst an der Waffe ist streng verboten. Dafür "dürfen" sie predigen. ...

Zweimal im Jahr finden Kongresse statt. Die dort herrschende gute Stimmung wird ausgenutzt, um beispielsweise neue Mitarbeiter für Bethel zu werben. Die Druckerei in Selters/Taunus gehört zu den modernsten Europas. ...

Die etwa 1600 Mitarbeiter arbeiten 44 Stunden in der Woche und bekommen dafür 100 Mark Taschengeld, für sie wird keine Arbeitslosenversicherung gezahlt und bis vor kurzem auch keine Rentenversicherung. Die Sekte zahlt auch keine Steuern oder Sozialabgaben. Dafür dürfen die Mitarbeiter in Bethel leben. Beim Eintritt in Bethel legen die Zeugen ein Bethelfamiliengelübde ab:

»Vor Jehova Gott erkläre ich feierlich meinen Wunsch, als Glied der Bethelfamilie ein Angehöriger der ordensähnlichen Gemeinschaft der Sondervollzeitdiener zu werden.

Ich gelobe folgendes:

1. entsprechend der üblichen Lebensweise der Familie zu leben, wie sie traditionell in Bethel gepflegt wird;

2. freiwillig meine Dienste für jede Aufgabe zur Verfügung zu stellen, die mir zugewiesen wird;

3. mich der theokratischen Einrichtungen in Bethel unterzuordnen;

4. meine vollen Anstrengungen den Bethelzuteilungen zu widmen;

5. auf jegliche Erwerbstätigkeit zu verzichten;

6. für den Zeitraum, in dem ich ein Glied der Bethelfamilie bin, auf jegliche Ansprüche zu verzichten, die über den üblichen Unterhalt hinausgehen;

7. Mahlzeiten, Unterkunft und Zuwendungen in gleicher Weise, wie sie alle anderen Glieder der Bethelfamilie erhalten, anzunehmen, ungeachtet des Grades meiner Verantwortung oder wie wertvoll meine Dienste sein mögen;

8. mich an die Grundsätze zu halten, wie sie in den Anweisungen der Broschüre In Einheit beisammenwohnen, die von Zeit zu Zeit ergänzt werden mögen, zum Ausdruck kommen.

Um dem Obigen nachzukommen, ist es vielleicht notwendig, daß du deine Denk- und Handlungsweise von Zeit zu Zeit änderst. Einige Glieder der Bethelfamilie sind jung und haben noch nicht so viel Erfahrung wie andere, die schon eine beträchtliche Anzahl von Jahren in Bethel dienen. Sie müssen vielleicht frühere Gewohnheiten ablegen, um ausgeglichen zu sein und sich dem Bethelleben und seinen hohen Maßstäben anzupassen (Eph. 4:22-24. 1. Pet. 4:3-5).

Es gibt noch einen weiteren Punkt zu beachten, um ausgeglichen zu sein. Zum Beispiel besteht die Gefahr, daß unser Betheldienst leidet, wenn wir mit anderen zuviel gesellig beisammen sind. Es ist zwar angebracht, die Wochenenden und Abende mit Versammlungsaktivitäten und vielleicht mit etwas Entspannung auszufüllen, doch wir müssen bei allem, was wir tun, vernünftig sein, damit wir genügend Schlaf bekommen, um am nächsten Morgen in der Lage zu sein, an unsere Arbeit zu gehen. Wir sollten aufgrund unserer Tätigkeiten am Wochenende nicht erschöpft sein, sondern vielmehr erfrischt und ausgeruht. damit wir uns am Montagmorgen an der morgendlichen Anbetung beteiligen und pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen können...«

Völlig klar: In Bethel soll gearbeitet werden - und das ausschließlich. Alle Kraft und Energie für den Guru bzw. die Aktionäre.

In In Einheit zusammenwohnen ist nun alles reglementiert. Die Leute bekommen sogar Urlaub. 12 Tage im Jahr können sie bekommen - aber erst dann, wenn sie »es verdient« haben. Der Urlaubsanspruch kann gesteigert werden. Wer 24 Jahre Volldienst geleistet hat, kann dann 24 Tage Urlaub machen - immer vorausgesetzt, er hat es »verdient«. Es wird genau vorgeschrieben, wie man sein Zimmer einzurichten hat, wann man sich waschen sollte und wie man sich kleiden und benehmen muß. Und es wird dazu aufgefordert, jeden "Missetäter" beim Komitee zu denunzieren. ...

Was alles verboten ist - und warum

Aus: Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas von Jerry R. Bergman

Verpönte und verbotene Tätigkeiten

1. Grüßen der Flagge, der Königin oder anderer nationaler Svmbole, weil das Götzendienst wäre. Gott ist die einzige Autorität.

2. Tragen oder Besitzen religiöser oder fast aller anderen Symbole, weil das falsche Anbetung wäre.

3. Fähnchenschwenken oder Teilnahme an jeglicher nationalistischer Feier, weil das geistige Hurerei wäre.

4. Jegliche Verbindung zu oder Beteiligung an anderen Religionen oder religiös gelenkten Organisationen, einschließlich Gottesdiensten und Beerdigungen, weil auch das geistige Hurerei wäre.

5. Geburtstage, weil das Götzendienst und Selbstverherrlichung wäre.

6. Osterfeier, weil der religiöse Hintergrund fehlt.

7. Trinksprüche bei Hochzeiten und sonstigen Feiern, weil das falsche Anbetung wäre.

8. Teilnahme an Wahlen, weil das die Vermischung mit der Welt bedeuten würde.

9. Arbeit im Rüstungssektor würde die Unterstützung weltlicher Kriege bedeuten.

10. Jegliche Verbindung zu Produkten und Verkauf von verpönten Gegenständen, von religiösen bis zu pornografischen, weil das falsche Anbetung und Götzendienst wäre.

11. Feiern von Weihnachten, Ostern und aller anderen Feste, weil da heidnischer Brauch dahintersteckt.

12. Bluttransfusion und Spenden von Blut, weil das Blutgenuß wäre und deshalb falsch wäre.

13. Bücher anderer Religionen lesen, weil das den Sinn verschmutzt.

14. Masturbation, weil das Selbstvergötzung wäre und außerdem zuviel Interesse an Sex bewiese.

15. Mitmachen in Jugendvereinen, weil das Zeitvergeudung wäre.

16. Fettleibigkeit, weil das Mißbrauch des Körpers, des Tempels Gottes, wäre.

17. Glücksspiele, sogar das Werfen einer Münze um das Ausgeben von einem Glas Bier, weil das satanistisch wäre.

18. Jede Beteiligung an Politik, Bewerben um Wahlämter aller Art, weil man unbefleckt von der Welt bleiben muß.

19. Jagen und Fischen, weil das keine Achtung vor dem Leben bezeugt.

20. Seichte Filme ansehen, weil das einen sündigen Einfluß bedeuten könne und die Zeit des Predigens fehlt.

21. Lachen über schmutzige Witze, weil das unmoralisch ist.

22. Sich zum Klassensprecher wählen lassen, weil man unbefleckt von der Welt bleiben muß.

23. Zu den Pfadfindern gehen, weil man neutral bleiben muß.

24. Tragen von Trauerkleidung, weil das ein heidnischer Brauch ist.

25. Sich zu rechtfertigen suchen, weil das ein Mangel an Demut ist.

26. Gewerkschaftsfunktionär sein oder sich an Kampfmaßnahmen aktiv beteiligen, weil das den Bruch der Neutralität bedeutet.

27. Verehrung und Nachahmung von Pop- und Filmstars, weil das Götzendienst ist.

28. Berühmten Persönlichkeiten nachfolgen oder ihren Philosophien, weil das Menschenverehrung und somit unbiblische Werte sind.

29. Sich als Jugendlicher mit Freundin ohne Begleitung treffen, weil das sexuelle Versuchung ist.

30. Reis bei einer Hochzeit werfen, weil das ein heidnischer Brauch ist.

31. Zuneigung öffentlich zeigen, weil das sexuelle Versuchung ist.

32. Spenden für das Rote Kreuz oder andere Hilfsorganisationen, weil das die Unterstützung einer religiösen Organisation wäre.

33. Teilnahme an Gebet, das nicht von einem untadeligen, getauften männlichen Zeugen Jehovas geleitet wird, weil nur die Zeugen wahre Christen sind.

34. Beim Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner seiner Leidenschaft ungezügelt Lauf lassen, weil das unmoralisch ist.

35. Fluchen oder Verwendung verpönter Ausdrücke, weil das unter die Rubrik obszöne Rede fällt.

36. Teilnahme an Tänzen, die von Ältesten als anzüglich bezeichnet werden, oder Tanzen mit jemand anderem als dem eigenen Partner, weil das sexuelle Versuchung wäre.

37. Beteiligung an außerschulischen Aktivitäten, weil die Zeit dann für das Predigen fehlen würde.

38. Rauchen, weil das den Körper schädigt.

39. Drogen nehmen bedeutet ebenfalls die Schädigung des Körpers.

40. Feiern von Kriegsveteranen, weil man Personen verherrlicht, die sich an Kriegen beteiligt haben.

41. Lesen alter Wachtturm-Literatur und aller nicht von Zeugen Jehovas stammender Bücher, weil das zur Gemeinschaft mit dem Bösen und den Weltmenschen führen würde.

42. Tätigkeit als Geschworener bei Gericht, man wäre nicht mehr neutral.

43. Tätigkeit bei Militär und Zivilschutz, weil es sich um weltliche Kriege handeln könnte.

44. Üben von Selbstverteidigungstechniken haben einen militärischen Ursprung.

45. Verkauf von Weihnachts- und Neujahrsgegenständen, weil das heidnischer Brauch ist.

46. Versäumen von Zusammenkünften und Predigtdienst, weil das Ungehorsam gegen Gott bedeutet.

47. Gebrauch von Wörtern wie Glück, 0 Gott, helfe, denn die Worte werden vom Satan oder falschen Göttern und den Weltmenschen benutzt.

48. Aufsuchen eines Psychiaters/Psychologen, weil das in die Irre führen kann.

49. Besuch von Hochschulen (sehr verpönt, bestimmte Fächer sind verboten), weil die Zeit für den Dienst fehlt und man sich in weltlicher Gesellschaft befindet.

50. Beteiligung an Sozialreformen/Selbsthilfegruppen, weil das Zeitvergeudung ist.

51. Zweifeln an der Wachtturmgesellschaft, weil das sich gegen Gott richtet.

52. Schach, Dame, Karten und ähnliche Spiele, weil sie militärischen Charakter haben.

53. Überstunden machen, weil dann die Zeit zum Predigen fehlt.

54. Rockkonzerte besuchen, weil das ein sündiger Einfluß ist.

55. Flirten ohne Heiratsabsichten ist unmoralisch.

56. Anfreunden mit Nachbarn, keine weltlichen Einflüsse bitte.

57. Als Frau bei Zusammenkunft Hosen tragen, weil das eine unangemessene Kleidung bedeutet, die dem Mann zu ähnlich ist.

58. Auffällige Frisur oder Kleidung tragen, weil das die Aufmerksamkeit auf den einzelnen zieht.

59. Gut über einen politischen oder religiösen Führer sprechen - auch wenn dieser bereits gestorben ist, weil das weltliche Dinge sind.

Es gibt nicht wenige, die meinen, bei den Zeugen Jehovas handele es sich um eine Gruppe harmloser Spinner. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zeugen Jehovas sind nicht harmlos. Sie sind gefährlich. Sie nehmen sogar den Tod ihrer Kinder in Kauf, weil sie konsequent die Bluttransfusion ablehnen, da diese unbiblisch und somit verboten sei. ...

Die Wachtturmgesellschaft ist ein weltweit operierender Riesenkonzern. Und sie will keine Steuern zahlen. Aus diesem Grund haben die Zeugen Jehovas 1994 vor dem Berliner Verwaltungsgericht um die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts gekämpft. Das Berliner Verwaltungsgericht hat einen »Rechtsanspruch« der Zeugen Jehovas auf Gleichstellung mit anderen Kirchen in Deutschland festgestellt. Der Berliner Senat wehrte sich dagegen und legte beim Oberlandesgericht Berufung ein. Die Zeugen Jehovas, so begründete der Senats-Justitiar Dietrich Reupke den Widerstand der Landesregierung, »wiesen Merkmale einer totalitären Sekte auf«. Am 30. November 1995 fand die erneute Beurteilung statt. Das Oberlandesgericht erkannte die Sekte als Kirche an. Der Senat will weiterkämpfen.

Auch in anderen Ländern haben die Zeugen Schwierigkeiten. In Ungarn gilt die Sekte als destruktiv. Deshalb verweigerte ihr die Regierung 1993 jede finanzielle Unterstützung. In Frankreich wurde vom Staatsrat die Adoption eines Kindes durch Zeugen Jehovas untersagt, weil das Leben des Kindes gefährdet sei, sollte es bei einer Operation beispielsweise eine Bluttransfusion benötigen. Aber auch deutsche Gerichte entscheiden immer häufiger gegen die Sekte. Im Mai 1994 hat das Amtsgericht Hagen einer Zeugin Jehovas das Sorgerecht für ihren vierjährigen Sohn entzogen, und im Dezember 1993 entschied das Amtsgericht Passau, daß eine Mutter grob gegen die Erziehungspflicht verstoßen habe, weil sie ihren inzwischen neunjährigen Sohn streng nach der Sektenmaxime "Gott züchtigt seine Söhne" mit einem Kochlöffel "wiederholt schwer mißhandelt" und durch Zwangsunterricht in der Sekten-Ideologie gequält habe. Die Richter waren der Meinung, daß dem Jungen "lebenslanger Dauerschaden" drohe, wenn er weiterhin bei seiner Mutter bleibe.

(Bericht der Jutta Birlenberg).

Meine Tochter hatte einen Mann geheiratet, dessen Mutter eine Zeugin Jehovas war. Das wog damals nicht schwer. Keiner versuchte, meine Tochter zu missionieren, es lief alles ganz normal. Im November vor 14 Jahren wurde meine jüngste Enkelin geboren, die sich später durch einen Unfall einen Schädelbasisbruch zuzog. Bis zu dem Zeitpunkt dachte ich, daß es sich bei den Zeugen Jehovas um Anhänger eines verfälschten christlichen Glaubens handele, und ich konnte die Leute, die zu dieser Gemeinschaft gehörten, einfach nicht ernst nehmen. Das war ein folgenschwerer Irrtum, wie ich viele Jahre später erkennen mußte. Damals wußte ich nicht, daß die hinter den Zeugen stehende Wachtturmgesellschaft ihre Leute darauf trimmt, in der Öffentlichkeit völlig harmlos zu wirken. So lassen sich die Hintergründe besser verschleiern. Natürlich gab es bis zu dem Unfall meiner Enkelin hin und wieder Berührungspunkte, aber es gab überhaupt nichts, was mir Sorgen bereitet hätte.

Der Unfall meiner Enkeltochter war der Zeitpunkt, an dem die Zeugen Jehovas zugriffen und nie mehr losließen. Da ich berufstätig war, halfen die Zeugen Jehovas meiner Tochter bei der Bewältigung der Krankenhauspflege und im Haushalt, da noch zwei Kinder und ein Ehemann zu versorgen waren. Auch ich freute mich damals über die Hilfsbereitschaft dieser Menschen und hatte keinen blassen Schimmer, was hinter der Organisation steckte, kannte weder Hintergründe noch Machenschaften.

Ich bemerkte auch nicht, wie tief meine Tochter schon in die Fänge dieser Sekte geraten war. Ich wußte zwar, daß sie zu den Bibelstunden ging und auch für die Gruppe missionierte. Meine Tochter ärgerte sich auch, weil ich mich nicht missionieren ließ, sie wurde mir gegenüber häufiger aggressiv und ausfallend. Ich konnte mich mit dieser Gruppe schon deshalb nicht anfreunden, weil ich mich an der Blutfrage störte. Das war aber auch schon alles, was ich von den Zeugen Jehovas wußte. Mich störte auch das ständige Bibellesen, das ging an meinem Realitätsverständnis vorbei.

Nicht nur meine Tochter, ihre ganze Familie veränderte sich. Mein ältester Enkel wurde sechs und kam in die Schule. Christian, ein sehr aufgewecktes Kerlchen, weigerte sich, das Abc zu lernen und zu begreifen. Heute weiß ich, daß dies ein Hilferuf war, damals verstand ich es nicht. Die Jahre vergingen und Christians Lernschwierigkeiten nahmen zu. Er machte auch sonst Schwierigkeiten, log und stahl. Mein Schuldgefühl meinen Enkelkindern gegenüber wird nie aufhören. Ich habe Christians Hilfeschreie damals einfach nicht verstanden. Dieses Kind hatte in meiner Welt gelebt, hatte sie ganz bewußt erlebt. Christian konnte sich mit den Zwängen, die ihm die Zeugen auferlegten, nicht identifizieren. Die beiden Enkeltöchter waren leichter zu beeinflussen, sie waren jünger als ihr Bruder. Doch das alles wußte ich damals noch nicht, ich verstand einfach nicht, was da um mich herum geschah. Ich wunderte mich nur, warum meine früher so fröhlichen Enkelkinder nicht mehr lachten. Sie schienen es verlernt zu haben. Meine Tochter kam mich zwar mit den Kindern besuchen, doch es war nicht mehr wie früher. Irgendwie wurde ich ausgegrenzt. Oder meine Tochter grenzte sich ab. Und ich war immer noch ahnungslos. Die Zeugen Jehovas wirkten auf mich noch immer harmlos wie lieb und brav sie doch in der City stehen und ihr Blättchen anbieten.

Im Februar 1991 eskalierte die Situation. Ich fragte meine mittlere Enkelin - ein damals 14jähriges süßes Mäuschen: »Was tust du, wenn du 20 Jahre alt bist und eine Bluttransfusion brauchst?« Das Kind antwortete wie aus der Pistole geschossen: »Dann sterbe ich eben.« Ich werde diese Worte nie vergessen. Mir sträubten sich die Nackenhaare, und ich fragte sie: »Weißt du überhaupt, was sterben heißt?« »Nein«, sagte das Kind.

Bei den Zeugen Jehovas gibt es die totale Kontrolle und Überprüfung auch in der Familie. Folgerichtig lief Christian sofort zu seinen Eltern und erzählte ihnen, was passiert war. Daraufhin wurde ich angerufen und man machte mit mir einen Termin für ein Treffen aus.

Der Tag kam. Meine Tochter und ihre Kinder erschienen. Sie ließen mich erst gar nicht zu Wort kommen. Meine Tochter sagte mir: »Du verdammtes Biest du bist nicht mehr meine Mutter.« Sie drehte sich im, nahm ihre Kinder und ging.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Tochter und meinen Enkelkindern. Wir wohnen zwar in der gleichen Stadt und wenn wir uns begegnen, bleibe ich stehen und sage: »Hallo, wie geht es?«, doch meine Tochter würdigt mich keines Blickes. Sie geht an mir vorüber wie an einer Fremden.

Ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch. Ich suchte und bekam Hilfe von der EL in Leverkusen. Sie half mir über die schwersten Stunden meines Lebens hinweg. Doch dann nahm ich den Kampf auf. Ich konnte doch nicht zulassen, daß eine Sekte mir meine Kinder und Enkelkinder wegnahm. Ich wurde ungeheuer wütend. Erst jetzt informierte ich mich richtig über die Sekte und erfuhr, welch ein geldhungriger Machtapparat hinter den Zeugen Jehovas steckt.

Ich möchte allen Eltern und Großeltern empfehlen, sich über Sekten zu informieren, damit keiner mehr so blauäugig wie ich in eine solche Situation hineintappt. Außerdem bitte ich alle Eltern und Großeltern: Wenn Sie mit einer Sekte konfrontiert werden, lassen Sie es sich nicht gefallen, daß man versucht, Ihre Familie zu spalten. Informieren Sie sich über die jeweilige Sekte und teilen Sie alles, was Sie herausgefunden haben, der Bundesregierung mit.

Kinder, die in Sekten aufwachsen, werden zu seelisch und körperlich kranken Menschen. Diesen Kindern wird nicht erlaubt, ein Kind zu sein. Sie dürfen keine Entwicklung durchlaufen, die sie später zu einer lebenstüchtigen eigenen Persönlichkeit werden lassen. Diese Kinder wachsen mit Angst vor dem Satan, vor Dämonen und vor dem nahen Ende der Welt auf. Demokratie, ebenfalls ein Lernprozeß, gibt es in Sekten nicht. Kinder, die in Sekten aufwachsen, werden nie Demokratie praktizieren können. Sie haben sie nie kennengelernt.

Es steht außer Zweifel, daß die psychologischen Schäden, die die Zeugen Jehovas am Individium, an der Familie und an der Gesellschaft anrichten, eine große Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen. Sich den Luxus zu erlauben, das Problem zu ignorieren, ist meines Erachtens nach sträflicher Leichtsinn - auch des Staates. Wir müssen den Politikern begreiflich machen, daß Jugendämter und Richter für das Sektenproblem sensibilisiert werden und bei Sorgerechtsstreitigkeiten Entscheidungen zum Wohle der Kinder fällen müssen und nicht zulassen dürfen, daß der Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Religionsfreiheit gewährleistet, im Gerichtssaal im Vordergrund steht. Ich kenne den Fall einer an den Zeugen zerbrochenen Familie, in dem der Richter dem Vater, der Zeuge Jehovas ist, das Sorgerecht zugesprochen hat. Der Richter ist ebenfalls Zeuge Jehovas.

Ich möchte klar zum Ausdruck bringen, daß ich weiter um meine Tochter und meine Enkelkinder kämpfen werde. Sie sollen wissen, daß ich da bin, um sie aufzufangen, wenn sie aussteigen wollen. Ich liebe sie alle von Herzen. Ich werde sie nie aufgeben.

Heute kämpfe ich für die Kinderseelen, die sich nicht wehren können. Kinderseelen, die schweren Schaden in einer Sekte genommen haben.

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Nachtrag. Aus gegebenem Anlass noch folgende Ergänzung. Frau Mandau äussert in ihrem Text auch:

"Die treuen Zeugen Jehovas vermeiden jeden Kontakt zu den Abtrünnigen. Sie bedrohen sie nicht, verfolgen sie nicht. Sie kennen sie einfach nicht mehr. Zurück bleiben einsame Ex-Zeugen. Rutherford, einer der Präsidenten der Wachtturmgesellschaft, erklärte: »Die, die zu uns gehörten, sich aber von uns getrennt haben, können wir nicht töten, weil die Gesetze es nicht erlauben. Aber wenn wir jetzt schon die totale Herrschaft ausüben könnten, würden wir sie auf der Stelle töten.«

Diese Aussage wird also Rutherford zugeordnet, ohne zugleich eine nachprüfbare Quelle dafür zu benennen. Dazu meinerseits die Anmerkung. Eine Quellennachweis aus dem Rutherford-Schrifttum, in der Form eines wörtlichen Zitates, der mit obigem Zitat wörtlich übereinstimmt, ist mir derzeit so auch nicht bekannt. Dies betrifft insbesondere die Detailstelle "auf der Stelle töten". Offenbar bezieht sich das eher auf eine entsprechende Passage im "Wachtturm" vom 15. 1. 1953, der aber nicht mehr Rutherford zuzuordnen ist.

Gleichwohl ist die Substanz dieser Aussage, die Aspekte des Gemeinschaftsentzuges betreffend, richtig dargestellt. Und sie lässt sich auch andernorts im WTG-Schrifttum nachweisen. Man vergleiche beispielsweise

Der Wachtturm Ausgabe vom 15. 1. 1953

Kalte Krieger in Sachen Gemeinschaftsentzug

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