Karo Acht

geschrieben von:  . +

Datum: 19. Juli 2008 10:12

Eine kleine Gruppe seltsamer Frommer,
zieht von Haus zu Haus und verbreiten ihre Botschaften aus der Geisterwelt.
Man sieht sie in den Fußgängerzonen stehen,
oder sie ziehen Sonntagmorgens klingelnd durch die Häuserschluchten.

Hinter den Türen flüstern die Eltern ihren Kindern zu, still zu sein,
sie verschließen ihre Eingänge und ziehen die Vorhänge zu.
Manch eigenartige Geschichten erzählt man sich von diesen Wachtturmzeugen.

Wir schreiben den 22.Juni 1918.
Noch vor dem ersten Morgengrauen hockt über dem Gerichtsgebäude in New York
der Wachtturmgott mit einem siegesgewissen Funkeln in seinen Augen.
„Heute werde ich meinen Namen Verherrlichen!“

Der Teufel selbst – überdrüssig seiner Lieblingsbeschäftigung: der Ernte auf den Schlachtfeldern - erschien auf dem Gerichtsgebäude in einem grellen Lichtblitz.
Verächtlich sagte er zum Wachtturmgott:
"Du weißt das dass, was Du hier tust ein zum Himmel schreiendes Unrecht ist?"
Doch der Wachtturmgott grinste nur und sagte:
"mag sein, doch ist das noch lang kein Grund hier herumzulamentieren.
Sie sind mein und ich werde nicht zulassen dass man meinen Augapfel antastet!"

Während dessen beteten die Betheliten an den Frühstückstischen um das befestigen des Namens ihres Gottes:
„Gott mit uns! Wir werden gewinnen!
Die Sonne geht unter und das Ende ist nahe!“
Und die Kreuzsoldaten des Wachtturmgottes flehten in den Schützengräben:
“Oh, Herr, schenke uns den Sieg.“

Doch der Teufel schwatzte dem Wachtturmgott ein Spiel auf.
Poker heißt das Spiel und der Sieg im Gerichtssaal ist der Einsatz!
Der Teufel mischte die Karten,
und er gab jeden Fünf auf die Hand.

Nun, der Teufel hatte drei Asse und einen König
und der Wachtturmgott versuchte eine Straße zu bekommen.
Er hatte die Piek Königin und den Buben, die Neun und die Zehn.
Alles was er jetzt noch benötigte war die Acht.

Der Wachtturmgott zog eine Karte,
und prompt zog er die Karo Acht!
Der Teufel konnte aber in die Karten des Wachtturmgottes sehen
und gewahrte das er ihn mit einer Straße schlagen würde,
so zückte er aus seinem Ärmel geschickt ein weiteres Ass.

Der Sieg vor Gericht war das Eröffnungsgebot,
und der Teufel erhöhte das Gebot auf nichts weniger als die Rechtfertigung in der Streitfrage!
Der Wachtturmgott - der nicht bemerkte dass der Teufel mogelte – sagte siegesgewiss:
"Das passt mir gut!
Erhöhen wir auf die Klärung der Streitfrage!
Ein für alle Mal! Hier und jetzt!"

Und der Teufel spie einen mächtigen Schrei aus:

"Meine Hand gewinnt!"

Und die Ordensbrüder rufen noch entsetzt:
„pass auf, Gott! - er wird gewinnen!
Die Sonne geht unter und das Ende ist nahe!“
Und die Kreuzsoldaten des Wachtturmgottes verzweifeln in den Schützengräben:
“Oh, Herr, denn Er wird schon wieder gewinnen.“

Nun ja, diese Wachtturmordensbrüder treibt immer noch ihr Unwesen
und Sonntagmorgens klingeln die Zeugen immer noch an den Türen
und die Eltern heißen ihren Kindern weiter hinter den zugezogenen Vorhängen still zu sein.
Und auf dem Dach des New Yorker Gerichtsgebäudes
spielt der Wachtturmgott und der Teufel weiter um die Seelen ihrer Schäfchen.
Der Teufel betrügt noch immer und gewinnt ein Spiel nach dem anderen.
Wie er 1914 gewann, 1918, 1925, 1975, 1995 und, und, und...

Und der Wachtturmgott?

Naja, er gibt sein Bestes.

Und ich rufe bestürzt:
„passt auf! Geht aus ihr hinaus!
Die Sonne geht unter und das Ende ist nahe!
Geht aus ihr hinaus, wenn ihr nicht an ihren Plagen teilhaben wollt!
Und oh, Herr, nur der Teufel wird gewinnen.“
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Wachtturm 15.September 2008

Seite 7 und 8

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Wachtturm Okt.Nov.Dez 1918

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Seite 107

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