Bauanleitung zum Töten einer Gottheit

geschrieben von:  . + (77.135.70.237)

Datum: 13. Juli 2008 19:51


Letzthin sah ich den Film 10000 v Ch.
Den Film muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber eine Szene war bemerkenswert.

Eingeborene wurden für den Bau einer Pyramide gefangen und entführt.
Dort wurden die Versklavten geschlagen…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia1.jpg

…mussten Zwangsarbeit verrichten…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia9.jpg

…waren angekettet…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia2.jpg

…und wurden willkürlich getötet…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia3.jpg

Der Wunsch nach Freiheit ließ sie rebellieren.
So rotten sich also 10.000de Sklaven vor dem Tempel der Gottheit zusammen.

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia4.jpg

Die Gottheit läst trompeten erschallen…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia5.jpg

…und tritt verschleiert vor den Tempel.



Die Zeremonie hat Erfolg.
Die Sklaven lassen sich wie schon seit Monaten, ehrfürchtig auf den Boden fallen.
In dem Film sieht das aus wie umfallende Dominosteine.

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia6.jpg

So sehr sie sich auch nach Freiheit sehnen fürchten sie doch seine göttliche Macht.

Und genau darum geht es mir.

Trotz aller Freiheitsliebe haben die versklavten Opfer noch die Gottheitenergebenheit in sich.
Bewusst spreche ich nicht von Gottergebenheit sondern einem Aberglauben an eine Gottheit.
Denn dieser Pharao war nicht Gott sondern nur eine selbsternannte leitende Körperschaft.



Die Versklavten reagieren wie dressiert.

Der Anführer bleibt stehen und will verhindern dass die Sklaven sich vor der Gottheit niederwerfen.



Der ganze Aufstand droht zu scheitern!

So nimmt unser Held seinen Speer und wirft ihn mit einer medaillenwürdigen Präzision…

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia7.jpg

…und trifft den Gott.

Dieser fällt hollywoodreif und blutüberströmt die Treppe herunter und verstirbt termingerecht.

picture: http://www.manfred-gebhard.de/Pfefferminzia8.jpg

Unser speerwerfender Rebell ruft auf den toten Gesalbten zeigend: „er ist kein Gott“



Die Rebellion ist gerettet.
Und wenn sie nicht gestorben sind leben sie heute noch in Freiheit.

Hier also meine Frage.

Wie tötet man eine Gottheit?

Ich meine jetzt nicht wie tötet man Gott.
Der Ägypter der durch den Speer starb war nicht Gott sondern nur eine Gottheit.
Wie schafft man es dass man trotz Freiheitswillen sich von seinen eigenen versklavenden Gottheiten trennt.

Was in Hollywood so einfach gelöst wird, ist in der Wirklichkeit viel komplizierter.

Die Wachtturm Gesellschaft macht sich ein Bedürfnis zu passe:
Der Mensch wird von Ängsten und Sehnsüchten geleitet und viele Menschen sind darüber hinaus sehr leicht beeinflussbar.

Wir glauben in aller Regel, geistig stark, unabhängig und selbst bestimmt zu sein.
Eine Selbstüberschätzung, die Sekten geschickt auszunützen wissen.

„Ich weiß wohl, o Jehova, daß nicht beim Erdenmenschen sein Weg steht.
Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten.“
(Jeremia 10:23)

Die Wachtturm Gesellschaft verdankt ihre Missionserfolge vor allem der Tatsache, dass viele Menschen immer noch sehr autoritätsgläubig sind.
Sie lassen sich von „charismatischen Persönlichkeiten", Emporkömmlingen, Großmäulern und deren überzogenen Versprechen blenden.
Oft reicht nur schon der Hinweis, ein Guru sei erleuchtet oder ein Prediger von Gott geführt, der Mitteilungskanal Gottes und schon erstarren die autoritätsgläubigen Zuhörer in Ehrfurcht und Verzückung.

Die Wachtturm Gesellschaft ist nur eine selbsternannte Gottheit.
Jahrzehntelang – für manche ein Leben lang, versklavt sie ihre Opfer.
So unglaublich es klingen mag, aber sogar die Ausgestiegenen werfen sich bei gewissen antrainierten Zeremonieabläufen dem Wachtturm Götzen ehrfurchtsvoll auf den Boden.
Fürchtend das sie der Zornesblitz Gottes trifft.

Mir erzählte mal jemand dass er es anfangs als Gotteslästerung empfand rauchend in der Bibel zu lesen etc.

Als Zeuge Jehovas kann man die ganze Verantwortung in allen Lebensbereichen abgeben.
Alle Entscheidungen werden einem abgenommen.
Und die Verhaltensregeln der Gurus, Sektenführer, Meister, leitenden Körperschaften, der treuen und verständigen Sklaven sind über alle Zweifel erhaben.
Und sie dienen angeblich gleich noch dazu, das ewige Leben zu erlangen, eine Fürstenkrone im Paradies zu bekommen, unsterblich (Millionen jetzt lebender werden nie sterben) oder erleuchtet zu werden, das geistige Paradies schon im diesseits zu erlangen etc. etc.

Die vermeintlich perfekte Lösung auf immer und ewig.
Und manchmal fehlt es auch an der Intelligenz, die offensichtlichen Widersprüche, die sich hinter dem Konstrukt von Sekten verbergen, zu erkennen.

Nicht ohne Grund wird gerade in der Wachtturm Gesellschaft eine höhere Schulbildung als Teufelswerk abgetan.

Entscheidend ist aber die Sehnsucht nach der heilen Welt und den paradiesischen Zuständen.
Die Unfähigkeit, sich mit der oft als schmerzlich empfundene Realität auseinanderzusetzen und sich mit ihr zu arrangieren, treibt viele Menschen in die Arme totalitärer Gruppen, die das absolute Heil versprechen.
Dahinter steckt oft die Flucht vor der Wirklichkeit.
Es ist denn auch keine Überraschung, dass gerade die Zeugen Jehovas ein Auffangbecken vieler psychisch belasteter Personen sind oder gezielt in diesem Klientel fischen.

Dabei nutzt der Orden des Wachtturms geschickt auch Wunsch und Wille altruistischer und enthusiastischer Personen, sich nützlich zu machen und sich für höhere Ziele einsetzen zu wollen.
Die Verbindung des Predigdienstes mit spirituellen oder religiösen Intensionen ist für sie viel versprechend.
Das erste dient dem Diesseits, das zweite der Ewigkeit.

Die Zeugen spielen bewusst die Klaviatur der Angst vor der Freiheit.
Freiheit ist für viele zwar ein Ideal, doch sie realisieren nicht, dass Freiheit immer wieder Angst macht und neu erkämpft werden muss.
Freiheit bedeutet vor allem, Ungewissheit auszuhalten.
Weil wir eben nicht wirklich wissen, was der Sinn des Lebens ist und was nach dem Tod sein wird.

„Sichere" Antworten auf solche Fragen kennt dann nur die Wachtturm Gesellschaft.
Und je „sicherer" die Antwort ist, desto größer ist der zu erwartende Profit in dem Spendenkästen.

Dabei sind die meisten bekehrten Anhänger der Zeugen Jehovas in einer Situation der Unsicherheit in die Fänge von Sekten geraten.
In einer Lebenskrise, nach dem Scheitern einer Beziehung, bei einer schweren Krankheit, nach dem Tod eines geliebten Menschen, Arbeitslosigkeit, Depression, Emigration in ein fremdes Land, Kriegsflüchtlinge usw.
Als sie sich schwach fühlten, brauchten sie Halt.
Und glaubten den Heilsverkündern es Wachtturms, dieser könne für alle diesseitigen und jenseitigen Probleme perfekte Lösungen anbieten.

Wie kann man sich also von diesem Käfig seines eigenen durch Ängste und Sehnsüchte gesteuerten Aberglaubens befreien?

Wie tötet man diese Gottheit in sich?

Die Fase des Sektenausstieges ist zumeist Schrittweise
Die erste freche Erwiderung gegenüber einem Ältesten ist vielleicht der erste Schritt.
Man erwartet postwendend die Strafe Gottes.
Man erwartet das Gott einen den Segen entzieht.

Ein Zeuge des Wachtturms würde jetzt erwidern das Gott einen nicht sofort strafen muss, weil er den Sünder in seinem Handeln überlässt.
Mit dem gleichen Atemzug äußert er aber auch seinem Aberglauben, dass Gott einen schon heute segnet, wenn man dies oder jenes für den Wachtturmgötzen tut.

Das Erkennen das die durch Aberglauben geschaffene Gottheit in einem sterblich ist, kann ein erster Schritt sein, aus seinem Käfig aus Angst und Sehnsucht auszusteigen.

Versklavt werden geht schnell und ist leicht.
Sich dann seine Freiheit wieder zurück zu erkämpfen ist schwer und sehr langwierig.

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,6907,9159#msg-9159
hugostamm.kaywa.ch/allgemeines/warum-ist-der-mensch-sektenanfaellig.html
 

ZurIndexseite