Re: Im Zeitspiegel - Der "Wehrdienstverweigerer" Karl Barth und der Herr B...
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 21. Oktober 2010 00:18
Eine der letzten Tagespolitischen Meldungen Herrn B... betreffend war wohl die:

www.bild.de/BILD/regional/leipzig/dpa/2010/04/27/linker-wirft-cdupolitiker-hassverhaeltnis.html

Eine kommentierende Rückblende:
Im Vorfeld der Premiere des Poppenberg-Videos "Folget mir nach", am 23. 10. 1999, welches das Thema Zeugen Jehovas und das DDR-Regime zur Grundlage hat, und das im jetzigem Kontext hier nicht weiter thematisiert werden soll. Sicherlich kann man die DDR-Zeugen Jehovas-Politik kritisch bis sehr kritisch werten. Darüber kann es kaum einen Zweifel geben. Im Vorfeld also jener Filmpremiere, publizierte der ja nicht unbekannte Herr B... in der Tageszeitung "Die Welt" vom 21. 10. 1999, einen für Herrn Poppenberg, sicherlich als wohlwollend einstufbaren Bericht.
Und sieht man sich Poppenbergs eigene Webseite näher an, findet man dort durchaus noch weitere B...-Statements, zu anderen Themen vor. Immer wohlwollend für Herrn Poppenberg in der Tendenz.
Genannte Herren schätzen sich also und spielen sich schon mal gegenseitig die Bälle zu.

Hier und jetzt soll eigentlich nur ein Detailsatz aus dem B...'schen Statement am angegebenen Orte, herausgestellt werden.
Herr B... meint darin auch den Satz mit einflechten zu sollen:

Zitat:

"Poppenbergs jüngste Dokumentation entlarvt den Zynismus einiger linksliberaler Intellektueller - darunter auch Theologen -, die nach 1990 das SED-Regime mit dem Satz verharmlosen wollten, der NS-Staat habe Leichenberge, die DDR aber nur Aktenberge hinterlassen."

www.welt.de/print-welt/article594119/Gedemuetigt_gefoltert_ermordet.html

Bestand nun eine sachlich-zwingende Notwendigkeit, just jenen vorzitierten Satz mit in diese Filmbesprechung einzubauen?
Nicht unbedingt, meiner Meinung nach. Sie sagt aber durchaus einiges über die Geisteshaltung jenes Rezensenten aus.
Und zum Treppenwitz der Geschichte mutierte es dann, dass jener Rezensent, in späteren Jahren dann noch zu einer Partei konvertierte, die sich derzeit "Die Linke" nennt.
Ob sie denn wirklich "links" ist oder nicht eher ein Gemisch von Altstalinisten mit Neukarrieristen, sei denn an dieser Stelle auch nicht weiter bewertet.

Wie auch immer. B... hat mit seiner zitierten Aussage durchaus einen neuralgischen Punkt angerissen, der noch etliche andere beflügelt, in Vergangenheit und Gegenwart.
Als Überschrift zu dieser Betrachtung wurde gewählt: "Der 'Wehrdienstverweigerer' Karl Barth und der Herr B...".

Nun ist Herr Barth sicherlich in die Kirchengeschichte eingegangen, unter anderem auch durch ein voluminöses theologisches Schrifttum. Noch größere Bedeutung aber erlangte er in Kirchengeschichtlicher Betrachtung, wohl durch den Umstand, den die Wikipedia etwa so beschreibt:

Zitat:

"Die versuchte ideologische und organisatorische Gleichschaltung (im Naziregime) der evangelischen Kirche stieß bald auf Widerstand einer protestantischen Minderheit. Barth wurde zum theologischen Lehrer der neu entstehenden Bekennenden Kirche (BK). Auf ihrer ersten Bekenntnissynode am 31. Mai 1934 verfasste er im Alleingang die berühmte Barmer Theologische Erklärung, die von 139 Vertretern aus 18 Landeskirchen einstimmig angenommen wurde. Sie wurde die theologische Basis eines kirchlichen Widerstands gegen staatliche Vereinnahmung, ansatzweise auch gegen die systematische Verletzung elementarer Menschenrechte."

Barth dergestalt zum Wortführer avanciert, musste alsbald auch lernen, seine Position zeitigte Konsequenzen. Dergestalt dass er sich genötigt sah, seine Bonner Theologieprofessur niederzulegen. Er hatte allerdings die Option sich dann in die Schweiz zurückziehen zu können.
Noch ein weiteres Detail aus der Biographie von Barth sei zitiert, wiederum nach der "Wikipedia":

Zitat:

"Angesichts der (von Hitlerdeutschland) bedrohten Tschechoslowakei forderte er im September 1938 in einem Brief an Josef Hromadka (18891969), Dekan der Prager evangelisch-theologischen Fakultät:
"Jeder tschechische Soldat, der dann streitet und leidet, wird es auch für uns und ich sage es heute ohne Vorbehalt: er wird es auch für die Kirche Jesu Christi tun, die in dem Dunstkreis der Hitler und Mussolini nur entweder der Lächerlichkeit oder der Ausrottung verfallen kann."
Dieser Brief wurde in der "Prager Presse" veröffentlicht und erregte viel Zorn in Deutschland, aber auch bei Europas Pazifisten."

Letztere Aussage mag dann ja als im Gegensatz zu der Überschrift stehend gesehen werden, die da Barth als "Wehrdienstverweigerer" bezeichnete.
"Wehrdienstverweigerer" im materiellen Sinne war er mit Sicherheit nicht. Täuscht mich meine Erinnerung nicht, gab es sogar zeitgenössische Fotos, etwa in der seinerzeitigen Zeitschrift "Das Evangelische Deutschland" (in Nazideutschland), die in Attacke auf besagtem Barth, selbigen sogar in martialischer Uniform der Schweizer Armee abbildete.
Wie denn die Bezeichnung "Barth als Wehrdienstverweigerer" zu verstehen ist, wird noch näher zu beschreiben sein.
Eine Detailbeschreibung dazu wurde meinerseits schon mal vorgenommen, im Kontext der Besprechung der Barth'schen Schrift "Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik"

Siehe dazu auch Die Jahrgangsdatei 1960
und auch:
Die Gursky-Studie

Noch deutlicher kommt meines Erachtens, jenes Barth'sche Credo in einer Streitschrift von ihm aus dem Jahre 1949 zum Ausdruck, die er den Titel gab: "Die Kirche zwischen Ost und West".
Auf sie sei dann im nachfolgenden noch besonders eingegangen.

Schon das Barth'sche Votum darin dürfte den kalten Kriegern Made in B..., die "Haare zu Berge stehen lassen", wenn Barth sich darin auch mit den Sätzen verbreitet (wie gesagt im Jahre 1949. Und das war bekanntlich mit die Hochzeit des kalten Krieges). Wenn Barth damals also schrieb:

Zitat:

"Rot wie Braun, ein Totalitarismus wie der andere - also! ruft man uns heute zu. Nun, zu diesem Ruf sind jedenfalls alle die zahlreichen Zeitgenossen und Mitchristen nicht berechtigt, die damals Braun gar nicht so ganz ungern sahen, weil Braun so heftig gegen Rot war. Alle die nicht, die damals am Nationalsozialismus jedenfalls das Gute fanden, daß er einen so starken Damm gegen den Bolschewismus zu bilden schien! Und alle die sind zu diesem Rat auch nicht berechtigt ... die heute die neu erwachten nationalsozialistischen Instinkte der Deutschen gegen die Russen auszuspielen für richtig halten! Alle die sind es auch nicht, die nichts dabei finden, daß der Westen dem spanischen Diktator Franco bis jetzt kein Haar gekrümt hat, sondern daß er diesen Totalitarismus, von dem z. B. die spanischen Protestanten etwas zu erzählen wissen, nicht ungern in die Planung seiner künftigen Ostfront einbezieht!"

Als nächstes attackiert Barth dann die Kolonialmacht Holland, bezüglich deren Politik in Indonesien. Und letztere Politik findet in Barth's Augen keine Gnade.
Nun macht es Barth seinen Kritikern aber dergestalt schwer, als er erahnt, er werde von denen in die Ecke der kommunistischen Sympathisanten gestellt. Diesen Anwürfen gegenüber sucht er sich mit den Worten zu verteidigen:

Zitat:

"Geht es wirklich gegen den Totalitarismus und seine Methoden, wenn es heute im Westen unter dieser Parole gegen den Osten geht? Wir stellen fest: Sollte das wirklich eine christliche Parole sein, dann müßte sie sich gegen jeden Totalitarismus wenden."

Die ja von vielen als Ausgeburt des Totalitarismus definierte Sowjetunion, meint er dann mit den Worten beschreiben zu sollen:

Zitat:

"Man kann gegen den Osten - auch gegen den Osten! - wegen seines Totalitarismus und dessen Methoden vieles auf dem Herzen haben und aussprechen. Was asiatische Despotie, Verschlagenheit und Rücksichtslosigkeit im nahen und fernen Osten und speziell in Rußland seit Menschengedenken gewesen ist und bedeutet hat, das ist uns in der Gestalt des vom heutigen Rußland vertretenen Kommunismus sicher sehr abscheu- und entsetzenerregend auf den Leib gerückt und zum Bewußtsein gebracht.
Wir haben wohl früher zu wenig davon Kenntnis genommen, daß es das - auch ohne Kommunismus - in jener Weltgegend immer gegeben hat."

Mehr noch, seine Relativierungslinie fortsetzend, weitet er diese Gedankenlinie dann zu der Aussage aus:

Zitat:

"Wir haben wohl auch die uns immerhin bekannteren Greuel der französischen Revolution (auf deren "Errungenschaften" übrigens unser ganzes westliches System begründet ist!); und wir haben die wahrhaftig auch bekannten Greuel der vorhergehenden, der vermeintlich christlichen Aera Europas (unter ihnen auch gewisse Untaten der alten Schweizer!) nicht mehr so lebhaft in Erinnerung. Sie sind keine Entschuldigung für die uns heute empörenden Methoden des Ostens. Diese empören uns gewiß mit Recht. Aber wenn wir im Blick auf die französische Revolution und im Blick auf unsere "christliche" Vorzeit zu unterscheiden wissen, ... wenn wir hoffentlich auch die asiatische Welt nicht nur unter dem Gesichtspunkt beurteilen, daß irgend eine Form von Despotie dort von jeher die Form des öffentlichen Lebens war und weiterhin noch ist, dann ist es am Platz, auch im Blick auf den Kommunismus von heute das Unterscheiden nicht zu unterlassen: das Unterscheiden zwischen seinen totalitären Greueln als solchen und dem, was dabei positiv gemeint und beabsichtigt ist."

Und dann meint Barth weiter, und das kann man ja dann wohl als seinen Kernsatz ansehen:

Zitat:

"Und dann kann man vom Kommunismus eben das nicht sagen, was man vom Nationalsozialismus vor 10 Jahren sagen mußte: Daß es sich bei dem, was er meint und beabsichtigt, um helle Unvernunft, um eine Ausgeburt des Wahnsinns und Verbrechens handle. Es entbehrte nun wirklich alles Sinnes, wenn man den Marxismus mit dem "Gedankengut" des Dritten Reiches, wenn man einen Mann von dem Format von Joseph Stalin mit solchen Scharlatanen wie Hitler, Göring, Heß, Goebbels, Himmler, Rippentrop, Rosenberg Streicher usw. es gewesen sind, auch nur einen Augenblick im gleichen Atem nennen wollte. Was in Sowjetrußland - sei es denn: mit sehr schmutzigen und blutigen Händen, in einer uns mit Recht empörenden Weise - angefaßt worden ist, das ist immerhin eine konstruktive Idee, immerhin die Lösung einer Frage, die auch für uns eine ernsthafte und brennende Frage ist und die wir mit unseren sauberen Händen nun doch noch lange nicht energisch genug angefaßt haben: der sozialen Frage. Ein christliches Nein könnte unser westliches Nein zur dortigen Lösung dieser Frage doch wohl nur dann sein, wenn wir hinsichtlich dessen, was wir mit unserer westlichen Freiheit meinen und beabsichtigen, gerade in dieser Hinsicht ein besseres Gewissen hätten, wenn wir in einer auf humanerem Wege versuchten, aber ebenso energischen Beantwortung dieser Frage begriffen wären."

Nun mag es einigen mehr als sauer aufstoßen, liest man in diesem Barth'schen Votum auch die Vokabel über Stalin "als einen Mann von Format".
Aber das ist dann doch wohl so zu verstehen, dass er eben die Nazigranden als weitaus schlimmere Exemplare wertet.
Und dann vergleiche man mal das eingangs gebrachte B...-Zitat. Ein Karl Barth würde wohl über den Karrieristen B...., auch nur ein vernichtendes Urteil aussprechen.

Barth ließ sich also nicht durch das blenden, was etwa die Zeitschrift "Das evangelische Deutschland" triumphierend in einer Ausgabe berichtete:
Das der Führer und Reichskanzler einer methodistischen Kirche in Schneidemühl, aus seinen "Privatmitteln" 10.000,- RM für eine Orgel gestiftet habe. ("Das Evanglische Deutschland", Ausgabe vom 24. 3. 1938, S. 148).
An anderer Stelle, etwa in der Dissertation von Karl Zehrer, wird das dann noch näher beschrieben. Das war ein politischer Belobigungspreis für die sogenannten "Freikirchen", dafür, dass sie eben bei der von Barth mit eingeleiteten "Bekennenden Kirche", nicht mitmachten, es vielmehr vorzogen, Nazistaat-fromm zu sein.
Und genannte Zeitschrift selbst, wurde dann ja vom Nazistaat noch dahingehend belohnt. Als viele Zeitschriften um 1940/41 im Zuge der Papiereinsparung, ihr Erscheinen einstellen mussten, nicht zuletzt die auf dem Religionssektor, da wurde das "Evangelische Deutschland" davon ausgenommen. Es durfte weiter bis 1945 noch vegetieren. (Die Ausgabe vom 18. 3. 1945 war offenbar die letzte. Der Eingangsstempel der Universitätsbibliothek der Berliner Humboldt-Universität, datiert auf ihr 4. April 1945. Und da lag das Naziregime schon in weitgehender Agonie).

Selbst die nachweisbare Kirchenfeindschaft des Ostens, meint Barth relativieren zu können.
Etwa mit seiner Aussage:

Zitat:

"Die Sache des russisch-kommunistischen Ostens ist zweifellos eine ausgesprochen gottlose Angelegenheit: die Sache eines falschen Glaubens, dem entsprechend das Christentum dort als eine aus pädagogisch-taktischen Gründen unbequeme Sache angesehen und behandelt wird: vorläufig geduldet, aber in der Erwartung, daß er im Zuge der Entwicklung, nämlich im Anbruch des großen Reichs der sozialistischen Gerechtigkeit von selbst verschwinden werde, wobei dann einige Nachhilfe gewiß nicht ausgeschlossen sein dürfte. Man beachte aber, daß der Kommunismus in seinem Verhältnis zum Christentum im Unterschied zum Nationalsozialismus eines nicht getan hat und seinem Wesen nach auch nicht tun kann: er hat nie den geringsten Versuch gemacht, das Christentum selbst umzudeuten, zu verfälschen, sich selbst in ein christliches Gewand zu hüllen. Er hat sich des eigentlichen Grundfrevels des Nationalsozialismus, der Beseitigung des wirklichen Christus durch einen nationalen Jesus, er hat sich des Antisemitismus nie schuldig gemacht. Er hat von falscher Prophetie nichts an sich. Er ist nicht antichristlich. Er ist kaltschnäuzig achristlich."

Barth ist also letztendlich davon überzeugt, das Christentum könne sich auch ohne staatliche Krücken behaupten. Ob dies eine berechtigte Annahme oder eben ein Trugschluß ist, kann man wohl durchaus kontrovers sehen.
Aber er verweist eben darauf dass er grundsätzlicher Gegner eines Bindestrich-Christentums ist.
Sei es Christentum gekoppelt mit Hitlerismus.
Sei es Christentum gekoppelt mit Manchesterkapitalismus.
Parteien wie CDU/CSU und FDP dürften in dieser Konsequenz wohl kaum die Befürwortung eines Karl Barth finden, der sie eben auch in die Kategorie der Bundestrich-Christentümer einordnen würde.

Herr B... mag dergestalt recht haben, dass er gewisse linksliberale Kräfte auch in kirchlichen Kreisen glaubt wahrzunehmen. Auf der Suche nach Beispielen dafür kommt man sicherlich nicht an dem Namen eines Karl Barth vorbei.
Indem es besagten Herrn B... nun in der Gegenwart in eine Partei verschlagen hat, stellt sich denn doch die Frage, was denn jene Partei, allem Wortgeklingel zum Trotz denn tatsächlich ist. Wenn dort die B...'s mit offenen Armen begrüßt werden, wäre es wohl sachgerechter, sie würde sich in verhinderte FDP umbenennen.
Das Personal dazu, hat sie ja mittlerweile schon rekrutiert!

In seinem Opus "Der SED-Staat und die Kirche. Der Weg in die Anpassung" kommt B... verschiedentlich auch auf besagtem Karl Barth zu sprechen. Von sonderlicher "Sympathie" sind seine dortigen Voten allerdings kaum gezeichnet. Eher von dem Gegenteil. Stellvertretend sei da nur sein Votum auf Seite 43 zitiert:

Zitat:

"Schon ein Jahr nach dem 'Darmstädter Wort' trat Hromadka zusammen mit Karl Barth und Martin Niemoeller auf der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam den Versuchen John Foster Dulles und anderer entgegen, im Zeichen des 'Kalten Krieges' Entsprechungen zwischen dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus vorzunehmen."

Letztendlich stellte sich Herr B... in diesen Kontroversen auf die Seite des genannten John Foster Dulles.
Das mag ihm ja unbenommen sein.
Ein Zeichen hochgradiger Blindheit indes ist es wohl für jene Partei, die da skrupellos einen Skrupellosen mit offenen Armen in ihre Reihen aufgenommen hat.
Und wenn denn Herr B... meinen sollte, so seine früheren Thesen heute nicht mehr zu vertreten, dann wäre auch ein deutlich vernehmbares Votum dazu vonnöten. Das aber gibt es weit und breit nicht, und ist auch nicht zu erwarten.

Vorgenannte Barth-Schrift wird von B... eher weniger bis nicht im Detail rezipiert. Dagegen kommt er relativ ausführlich auch auf den Barth'schen "Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik" zu sprechen.
Nun ist es ja nicht so, dass das DDR-Regime von letzterer Barth'schen Schrift sonderlich angetan gewesen wäre. Ich habe mir jetzt nochmal meine Notizen dazu herausgesucht, und registriert. Ausgeliehen (seinerzeit) in der Universitätsbibliothek der Berliner Humboldt-Universität, mit einer Benutzungeingeschränkten Signatur.
Die UB der Humboldt-Uni hatte aber, was benutzungseingeschränkte Literatur anbelangte, ein besonders "heimtückisches" System (zu DDR-Zeit). Bei der im gleichen Gebäudekomplex auch ansässigen Ostberliner Staatsbibliothek, konnte man schon im Katalog ersehen, was die denn als Benutzungseingeschränkt einstuft (in verschiedenen Abstufungen, und was nicht).
Nicht so in der Humbodt-Uni-UB. Da gab es im Katalog keine Hinweise. Die Tücke offenbarte sich dann dergestalt. Sämtliche Bestellungen mussten vom Personal der Benutzungsabteilung der UB gegengezeichnet werden, bevor man das Bestellte bekam. Registrierten die nun. Aha, da hat wieder einer war Benutzungseingeschränktes bestellt, konnte es passieren (und ist mir mehrmals passiert), dass man ausdrücklich in die Benutzungsabteilung beordert wurde zu einem "Unter vier Augen Gespräch", und dort ausführlich begründen musste, weshalb man den "ausgerechnet" jenes Buch bestellt habe.
War man halt schon etwas länger dort bekannt, konnte das glimpflich ablaufen, oder auch nicht.

Dann sei vielleicht noch eine Reminszenz zu vorgenannten Aspekt mit eingeblendet.
Aufgrund von Kriegszerstörungen im zweiten Weltkrieg, befand sich die Bibliothek der Humboldt-Uni in räumlich beengten Zustand. Eine Folge, es gab dort nur einen verhältnismäßig kleinen Lesesaal. Infolge dieser Situation war ihre Praxis nun die, was Außer-Haus-Ausleihen betraf, weitaus großzügiger als andere Bibliotheken zu sein. Konnte ich also bestimmte Bücher sowohl in der Stabi wie in der UB ermitteln, galt letzterer der Vorzug. Es gab ohnehin mehr als genug, was ich nur im Lesessal der Stabi einsehen konnte. Da war man halt für jede mögliche Entlastung dankbar.
Sogar Bücher vor 1945 gab die UB außer Haus, sofern nicht Papierkonservatoriscbe, oder ideologische Gründe dem Entgegenstanden. Das hingegen ist für etliche andere Bibliotheken ehernes Gesetz. Was vor 1945 erschien, gibt es wenn überhaupt, nur für den Lesesaal an Ort und Stelle.
Im Bewußtsein dessen, wurden dann eines Tages auch die beiden Rutherford-Bücher "Licht" bestellt. Und jetzt trat wieder mal die Situation des berüchtigten Vier-Augen-Gespräches dabei ein.
Diesmal konnte ich die Direktorin der Benutzungsabteilung kaum umstimmen. Die blätterte nun in diesen Büchern herum, und empörte sich namentlich über die darin enthaltenen Bilder.
Da half kein Zureden, ihre Empörung blieb bestehen. Am liebsten hätte sie die Ausleihe wohl grundsätzlich verweigert. Mit Ach und Krach, gelang es dann wenigstens noch die Freigabe für besagten Mini-Lesesaal zu erreichen. Papierkonservatorische Gründe waren jedenfalls in dem Falle, nicht relevant.
Beispiele aus den beiden Bänden "Licht"

Zurückkehrend zur genannten Schrift von Karl Barth. Wie gesagt auch jene Barth'sche Schrift war diesem Prozedere unterworfen.
Kehren wir zu Herrn B... zurück. Zwar referiert auch B... umfänglich die Barth'sche Schrift von 1958. Aber noch etwas ausführlicher referiert er vor allem die nicht wenigen Barth-Kritiker. Wo seine Sympathie liegt (auf Seiten der Barth-Kritiker) ist ziemlich offenkundig.
Zitat (zum Beispiel):

Zitat:

"In die Phase tiefer resignativer Enttäuschung einer kirchlichen Mehrheit über die an Vertragsbruch grenzende Haltung des SED-Regimes nach der »Gemeinsamen Erklärung« platzte Karl Barths »Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik« vom Oktober 1958. Er beinhaltete Formulierungen, die sich - aus dem Zusammenhang gerissen - auch von SED-hörigen Theologen trefflich nutzen ließen und für Verwirrung in den östlichen Kirchen sorgten. Insbesondere ein Artikel von Herbert Trebs in der »Neuen Zeit« löste in Ost und West eine breite Kontroverse über die Barthschen Äußerungen aus ... Erwin Wilkens, Oberkirchenrat im Hannoverschen Lutherischen Kirchenamt, antwortete Walter Zimmermann vom lutherischen Kirchenamt Berlin, der Trebs extreme Einseitigkeit bei seiner theopolitischen Rezeption des Barthschen Briefes gerügt hatte:

»Es ist richtig, daß Trebs sich für seinen Artikel ausgerechnet die ärgerlichsten Zitate herausgepickt hat. Es ist auch richtig, daß die ganze Schrift Karl Barths nicht nur aus solchen unbegreiflich extremen Äußerungen besteht. Natürlich bringt er auch an einigen Stellen zum Ausdruck, daß auch er den Kommunismus für eine schreckliche Angelegenheit hält. Hatten Sie eigentlich anderes erwartet? Ist jemand von uns eigentlich der irrsinnigen Auffassung, Leute wie Barth, Niemöller, Iwand usw. seien begeisterte Anhänger des Bolschewismus? Aber die von Trebs ausgesuchten Zitate sind auch keine Fremdkörper in der Schrift Karl Barths, sie stellen lediglich die Tiefpunkte des gesamten Gefälles dar. ..."

Ergo zusammengefasst, in der Sicht der nicht wenigen Barth-Kritiker (einschließlich B...) ist Barth der eigentliche "Haupt-Übeltäter". Die Trebs und Co seien da lediglich üble Trittbrettfahrer.

Das muss man sich also nochmals vergegenwärtigen, und kann nur sein Staunen über jene Partei bekunden, die da diesen zeitgenössischen Protagonisten des kalten Krieges, die weitere Karriere ermöglicht!

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