Russell als Krebs"heiler"

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 06. Juli 2008 16:24

Erstaunliches konnte man in der in Strehlen (Schlesien) bis 1937 erscheinenden Wochenzeitung „Der Volksbote“ vom 3. Januar 1914 lesen.
Dieses Blatt war eines der wenigen auf (damals) deutschem Boden, dass so ziemlich regelmäßig (gegen Money) Predigten des „Kanzelredners Charles T. Russell“ abdruckte.

In besagter Ausgabe vom 3. 1. 1914 entpuppte sich Herr Russell gar als verhinderter Arzt.
Sein Thema dabei ist die Schwindsucht (oder auch Tuberkulose).

Neben ein paar allgemein gehaltenen Gesundheitsratschlägen, gegen die man schwerlich etwas einwenden kann, befolgen sie doch alle das „Strickmuster“ Halte dich warm und lass es dir gut gehen ...“, hat er dann aber sogar noch ein spezifisches Rezept für die Betroffenen auf Lager-

In seinen eigenen Worten liest sich das dann so:
„Dies kann unterstützt werden durch einen Eßlöffel voll reinen Glyzerins dreimal täglich oder durch ein biochemisches Mittel, Calcarea phosharica.“

Über den Wert oder Unwert dieses Russell'schen Rezeptes will ich mir dann ja als Nichtmediziner kein Urteil erlauben. Gleichwohl kann ich mich des Gefühls nicht ganz erwehren. Da präsentiert sich ein Quacksalber „allerprächtigst“.

Weltreisender wie Herr Russell desweiteren bekanntermaßen auch war, berichtet er in dem gleichen Artikel, etwa zwei Jahre vorher auch in Indien gwesen zu sein. Und siehe da, man befand es für gut, Herrn Russell (den verhinderten Arzt) auch für Insassen eines dortigen Aussätzigenasyls referieren zu lassen.

Sonderlich angetan von seinen Ausführungen scheinen seine Ansprechpartner allerdings nicht gewesen zu sein, denn der Bericht im Volksboten geht weiter mit der Angabe:


„Als ich vor fast zwei Jahren in Indien war, wurde ich eingeladen, eine Ansprache an die Insassen des Aussätzigenasyls zu halten. Ich suchte ihnen die Liebe Gottes nahezulegen und die herrliche Vorkehrung, die getroffen worden ist für das ganze Menschengeschlecht durch den Tod Jesu, und zwar nicht nur für die Heilung des Aussatzes und aller Krankheiten, sondern für die Heilung und die Beseitigung der Sünde; und ich sagte ihnen, daß alles dieses vor der Tür stände, und daß es der Menschheit zuteil werden würde durch das Messianische Königreich.
Aber ach, diese Aermsten!
Ich konnte sehen, daß, obgleich sie die Worte des Dolmetschers verstanden, sie doch keine hörenden Ohren und sehende Augen des Herzens hatten.“


Nun, es ist ja menschlich verständlich, dass jeder nur Erfolge haben möchte. Das galt dann wohl auch für Herrn Russell im besonderen.
Nachdem er also über seinen Mißerfolg vor den Indern selbst berichtet hatte, hält er es nun für angebracht, noch im selben Artikel, auf die Krebskrankeit überzuleiten.

Zwar nicht in allen Fällen, aber doch in „einigen“, meint nun unser verhinderter Arzt Russell, auch da Hilfe anbieten zu können.

In seinen eigenen Worten liest sich das dann so:


„Im Interesse vieler, die an Krebs leiden, möchte ich hier erwähnen, daß ich erst kürzlich in den Besitz eines Krebsmittels gelangt bin. Es kann nur für Krebs auf der Oberfläche des Körpers angewendet werden, nicht aber für solche Fälle, von denen die inneren Organe befallen worden sind.

Es wird warm empfohlen seitens solcher, die es gebraucht haben. Wie wir hörten, wurde das Rezept seiner Zeit von einem Arzt für tausend Dollar gekauft. Dieser Arzt errichtete ein Sanatorium für die Behandlung von Krebs, in welchem das Mittel erfolgreich angewendet wird.
Durch den Tod des Arztes der das Heilmittel entdeckte, gelang es in die Hände eines Verwandten. Dieser Verwandte überließ es mir kostenfrei, und ich biete es kostenfrei allen denjenigen an, die es begehren.

Ich würde das Rezept veröffentlichen, aber die Erfahrung lehrt mich, daß es aus gewissen Gründen vorzuziehen ist, wenn die Interessenten deswegen schreiben. Jeder Leser dieser Predigt kann das Rezept erhalten und sich die Bestandteile für wenige Groschen in der Apotheke holen.
Man wende sich unter Beifügung des Rückportos entweder an das Brooklyn-Tabernacle zu Brooklyn, New York, oder an das Bibelhaus zu Barmen, Unterdörnerstraße 76“.


Nun man kennt ja schon das Engagement des Herrn Russell in Sachen Wunderweizen.
Seinem damaligen “Wunderweizen“ schaufelte indes schon der WTG-nahe Autor Marley Cole das eigenhändige Grab,
Russell's Krebsrezept dürfte da wohl nicht viel anders zu beurteilen sein!

Immerhin hat man mit diesem Beispiel auch einen frühen Beleg dafür, wie es dazu kam, dass die Heilpraktikerszene auch bei den Bibelforschern, eine besonders zahlungswillige Klientel fand! Mit Nachwirkungen bis in die Gegenwart!

Re: Russell als Krebs"heiler"

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 07. Juli 2008 17:12

Nachstehend dann noch zur eigenen Urteilsbildung die Zitierung des in Rede stehenden Textes:

Der Volksbote
Parteiunabhängige, volksfreundliche Zeitung für Politik und Unterhaltung
Die Zeitung wird gelesen von Beamten, Landwirten, Gewerbetreibenden, Handwerkern
11. Jg. 1914
Redaktion, Druck und Verlag
Maximilian Mevius, Strahlen i. Schlesien
Geschäftsstelle Weidenstraße 11a
Staatsbibliothek Berlin (Zeitungsabteilung) Signatur: Ztg 754b

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Nr. 1; 3. Januar 1914

Die Schwindsucht und das Evangelium oder das Verhältnis der Religion zur sogenannten weißen Plage
Nach einer Ansprache von C. T. Russell über den Text:
„Ich werde Schrecken über euch bestellen, Schwindsucht und Fieberglut, welche machen werden, daß die Augen verlöschen und Fieberglut, welche machen werden, daß die Augen verlöschen und die Seele verschmachtet." (3. Mose 26,16)

Wir alle wissen von der allgemeinen Bewegung, welche sich gegen die Schwindsucht, die weiße Plage, richtet, die jährlich mehr Menschenleben dahinrafft, als alle Kriege der Welt. Es ist wahr, daß wir den göttlichen Auftrag haben, das Evangelium zu verkündigen. Da jedoch das Evangelium die Botschaft Gottes darstellt, bezüglich der von Gott vorhergesehenen Wiederherstellung von der Sünde und dem Tode, so halten wir es durchaus für angebracht, die Aufmerksamkeit auf die Vorhersagen der Weißen Plage als auf einen Teil der Strafe für die Sünde zu lenken.

Nur den Israeliten gegenüber wurde die Schwindsucht in besonderer Weise erwähnt als eine Strafe für die Sünde, und nur den Israeliten wurde Befreiung von solcherlei Krankheiten unter der Bedingung verheißen, daß sie im Gehorsam gegen das göttliche Gesetz leben würden. Andern Völkern gegenüber hatte Gott eine solche Vorkehrung niemals getroffen. Sie sind alle Sünder, stehen alle unter dem Urteil des Todes, sterben alle gerechterweise ungeachtet dessen, ob sie eines allmählichen oder plötzlichen Todes sterben, sei es durch Hunger, Unglücksfälle, die Weiße Plage, die Schwarze Plage oder sonst eine Krankheit.

Aber, mag jemand fragen, sollten die Nachfolger Christi nicht erwarten, von alle diesem befreit zu werden? Wir antworten, Nein. Ganz das Gegenteil, sie treten in besondere Bundesbeziehungen des Opfers und der Selbstverleugnung ein. Leben, irdische Hoffnungen, irdische Freuden, und sie erwarten statt dessen die Verwirklichung himmlischer Hoffnungen, die Gott allen Nachfolgern Jesu verheißen hat. Nur diejenigen, die mit ihm Leiden, werden mit ihm herrschen. Nur diejenigen, die mit ihm dem irdischen Wesen sterben, werden mit ihm auf himmlischer Stufe leben und Könige und Priester und Miterben Christo an dem himmlischen Reiche sein, welches die Welt segnen und sie wiederherstellen wird zu menschlicher Vollkommenheit.

Die Belohnungen dieses Zeitalters, welche der Kirche dargeboten werden, sind himmlische, geistige, und werden von der erwählten Kirche völlig erlangt in der Verwandlung der Auferstehung. Nichtsdestoweniger genießen die getreuen Nachfolger Jesu gewisse besondere Segnungen in bezug auf das Gemüt und den Körper im gegenwärtigen Leben, wie beispielsweise „den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt", eine Ruhe von den beängstigenden Sorgen, die ein Gemeingut der übrigen Menschen sind. Hierdurch wird oft solchen ein gewisses Maß an Gesundheit zuteil, die früher unter allen möglichen schwierigen Lebensverhältnissen zu leiden hatten, jetzt aber befähigt sind, durch Glauben an Christum und Annahme der göttlichen Verheißung durch den heiligen Geist keine ängstliche Sorge in bezug auf die Zukunft zu hegen, wissend, daß ihr Vater für sie so sorgt, daß er verheißen hat, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken müssen, sei es Krankheit oder Armut oder sonst etwas.

Das Licht des Milleniummorgens, welches allmählich durch die Finsternis und durch die Unwissenheit und den Aberglauben der Vergangenheit bricht, zeigt uns eingehend, was Krankheit ist und wie sie zu bekämpfen ist.
So wie das Wort Gottes die reine Nahrung ist, welche uns geistigerweise auferbaut und uns stark macht in dem Herrn, so ist gute, reine Nahrung für unser physisches Leben, und das umsomehr, wenn es mit der weißen Plage, der Schwindsucht, behaftet ist, in einem Wort, Reinlichkeit, frische Luft, und eine gute Nahrung sind die wesentlichen Faktoren für die Bekämpfung dieser Plage.

Dies kann unterstützt werden durch einen Eßlöffel voll reinen Glyzerins dreimal täglich oder durch ein biochemisches Mittel, Calcarea phosharica.
Als ich vor fast zwei Jahren in Indien war, wurde ich eingeladen, eine Ansprache an die Insassen des Aussätzigenasyls zu halten. Ich suchte ihnen die Liebe Gottes nahezulegen und die herrliche Vorkehrung, die getroffen worden ist für das ganze Menschengeschlecht durch den Tod Jesu, und zwar nicht nur für die Heilung des Aussatzes und aller Krankheiten, sondern für die Heilung und die Beseitigung der Sünde; und ich sagte ihnen, daß alles dieses vor der Tür stände, und daß es der Menschheit zuteil werden würde durch das Messianische Königreich.
Aber ach, diese Aermsten!

Ich konnte sehen, daß, obgleich sie die Worte des Dolmetschers verstanden, sie doch keine hörenden Ohren und sehende Augen des Herzens hatten.

Eine weitere furchtbare Krankheit, die, weil man sie meist als unheilbar betrachtet, mit der Sünde verglichen wird, ist der Krebs. Die Schwindsucht, Tuberkulose, stellt eine infektiöse Erkrankung des Blutes dar, die mehr oder weniger jeden Teil des Körpers in Mitleidenschaft zieht. Der Krebs hingegen stellt ein schwammiges Gewächs dar, das von dem menschlichen Gewebe zehrt und auf Kosten derjenigen Körperteile lebt, die von ihm ergriffen worden sind. Nur eine ganz radikale Behandlungsweise vermag den Krebs zu beeinflussen. Allgemein wird behauptet, das nur das Messer des Arztes, welches den Krebs nach Wurzel und Zweigen ausrottet, erfolgreich sein könne.
Aber oft ist es auch dieses Unwirksam.
So ist es auch in der Behandlung des Lasters.
Wenn wir finden, daß es uns persönlich anklebt, oder unsrer Stadt, oder unsrem Dorf, so vermögen nur drastische Maßnahmen zu helfen.

Im Interesse vieler, die an Krebs leiden, möchte ich hier erwähnen, daß ich erst kürzlich in den Besitz eines Krebsmittels gelangt bin. Es kann nur für Krebs auf der Oberfläche des Körpers angewendet werden, nicht aber für solche Fälle, von denen die inneren Organe befallen worden sind.
Es wird warm empfohlen seitens solcher, die es gebraucht haben. Wie wir hörten, wurde das Rezept seiner Zeit von einem Arzt für tausend Dollar gekauft. Dieser Arzt errichtete ein Sanatorium für die Behandlung von Krebs, in welchem das Mittel erfolgreich angewendet wird.

Durch den Tod des Arztes der das Heilmittel entdeckte, gelang es in die Hände eines Verwandten. Dieser Verwandte überließ es mir kostenfrei, und ich biete es kostenfrei allen denjenigen an, die es begehren.

Ich würde das Rezept veröffentlichen, aber die Erfahrung lehrt mich, daß es aus gewissen Gründen vorzuziehen ist, wenn die Interessenten deswegen schreiben. Jeder Leser dieser Predigt kann das Rezept erhalten und sich die Bestandteile für wenige Groschen in der Apotheke holen.

Man wende sich unter Beifügung des Rückportos entweder an das Brooklyn-Tabernacle zu Brooklyn, New York, oder an das Bibelhaus zu Barmen, Unterdörnerstraße 76".

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