Dawkins und sein Widerpart
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 17. Februar 2008 17:17

Von den Zeugen Jehovas (etwa in ihrem Buch aus den 1950er Jahren) „Was hat die Religion der Menschheit" gebracht, kennt man es ja bereits. Und man kennt auch die Gegenreaktion.

Die Zeugen sagten: Auch der Kommunismus sei eine „Religion" (selbstredend eine falsche in ihrer Lesart). Ihr dermaßen angesprochener Widerpart indes, fühlte sich durch solcherlei Charakterisierungen keineswegs sachgerecht bewertet.

Mag die Staatsvergötzung (auch von den Kommunisten praktiziert) so gesehen Elemente der „Anbetung" darstellen (Anbetung der eigenen Macht), so greift eine solche Klassifizierung dennoch zu kurz. Wäre sie richtig könnte man auch sagen:

Auch die enthusistischen Besucher eines Fußballspiels, die da ihre Mannschaft mit Ovationen anfeuern, üben dergestalt „Religion" aus.
In gleicher Lesart würde das auch für Besucher einer Musikveranstaltung (deren Stilrichtung jetzt zweitrangig ist) gelten, welche da auch mit Ovationen nicht sparen.

Insofern ist die Verengung solch enthusiastischer Elemente, auf Bereiche außerhalb der „klassischen Religion", und ihre Bezeichnung als „Religion" wenig sachgerecht. Sie erfasst allenfalls marginale Merkmale. Nicht jedoch das Hauptwesen der so Stigmatisierten.

Ein Herr Dawkins schrieb ein Buch, dass er den „Gotteswahn" betitelte. Bis heute habe ich es noch nicht gelesen; werde selbiges auch in absehbarer Zeit kaum tun, da mir dafür die Zeit zu schade ist. Der Titel ist genauso „schief" schon, wie da jene Milchmädchenlogiker, welche alle Übel der Welt auf den Faktor Religion reduzieren.

Genannte Herrschaften, mit genannter These, vergessen es aber ziemlich regelmäßig, auch über die Herren Stalin, Hitler, Pol Pot und noch etliche andere mehr dieses Kalibers zu reflektieren. Indem sie so einseitig argumentieren, haben sie sich in meinen Augen desavouiert.

Nun hat wohl Herr Dawkins, was für Bücher dieses Genres eher ungewöhnlich, eine gewisse Breitenwirkung erreicht. Wobei man für letzteres wohl hauptsächlich den schreienden Titel verantwortlich machen kann. Verstehe ich es richtig, ist Herr Dawkins zugleich auch bekennender Fan der Evolutionstheorie.

Für eine Giordano Bruno-Stiftung mag es ja ausgemachte Sache sein, dass selbige unanfechtbar, über allen Zweifeln erhaben sei. Für mich existiert diese Art von Vollmündigkeit so nicht. In einen Disput in Sachen Evolutionstheorie werde ich mich nicht verwickeln. Wer die ablehnt, wird jedenfalls von mir keinen dezidierten Widerspruch erfahren.

Ich muss immer noch anerkennen. Ich war nicht bei einer „Evolution" oder auch ihrem Gegenpol dabei. Demzufolge kann es so oder auch anders gewesen sein.
Da ich da keine defintive Aussage verantworten kann, muss ich es auch entschieden ablehnen, mich da in Detailfragen dazu zu verheddern.

Mag für die Dawkins und Co sich die Kritik an der Religion an der Evolutionsfrage festmachen. Für mich jedenfalls nicht.

Mein Ansatzpunkt der Kritik an der Religion ist vielmehr der. Das sind Jenseitsverkäufer, die für jenes imaginäre Jenseits die Selbstaufgabe im diesseitigen Leben forcieren, wenn nicht gar verlangen. An der Frage entscheidet sich alles. Nicht an den wackligen Evolutionsthesen.

Nun vermerkt ein neuerer Bericht. Der Herr Dawkins habe Widerspruch in Buchform erfahren. Ebenfalls unter einem reißerischen Titel. Eben dem „Atheismuswahn". Solcherart „Spiegelgefechte" scheinen ja nun für solche, die es nötig haben, der vorletzte Rettungsanker zu sein. Eine Lesermeinung zu eben dem zuletzt genannten Buch meint, und die scheint mir wiederum beachtlich:
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„Scheinbar wird dieses Buch genauso polarisieren wie sein Gegenüber von Dawkins...
Man braucht sich nur mal die Kundenrezesionen auf Amazon ansehen: http://www.amazon.de/Atheismus-Wahn-Alister-McGrath/dp/customer-reviews/3865912893/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1&customer-reviews.start=1&qid=1203258337&sr=8-1#customerReviews

Möglich, dass dieses Buch manch einen Christen vor Zweifel bewahrt, aber einen Atheisten überzeugen? Ich glaube kaum.
Lasst uns vielmehr durch unser Leben überzeugen!"
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Da kann ich dann nur zu sagen, wie wahr gesprochen, und diese Äußerung vielleicht noch mit einer Aussage von Lessing illustrieren.

http://www.manfred-gebhard.de/Lessing.Nathan.jpg

Nackter Jesus mit Präservativ
geschrieben von: Gerd B.
Datum: 28. Februar 2008 17:16
Ist das die Vorstellung über "Liberation"?:

Zitat:

Nackter Jesus keine Beleidigung

Paris. Die französische Tageszeitung "Liberation" ist vom Vorwurf freigesprochen worden, Christen beleidigt zu haben. Das oberste französische Berufungsgericht bestätigte damit ein Urteil untergeordneter Instanzen.

Geklagt hatte die konservativ-katholische "Allianz gegen Rassismus und für den Respekt der französischen und christlichen Identität" (Agrif). Sie protestierte gegen eine Karikatur eines nackten, mit einem Präservativ versehenen Christus.

Der Kassationshof räumte ein, die Zeichnung könne einigen Christen verletzend erscheinen. Angesichts des behandelten Themas, nämlich der Notwendigkeit der Aids-Prävention vor allem in Afrika, seien die Grenzen der Meinungsfreiheit aber nicht überschritten.

http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/476/36731/

Dawkins & Co wird das Urteil bestimmt gefallen...
Re: Zirkelschluss-Unterstellung
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 28. Februar 2008
 
Ob das Herrn Dawkins gefällt weis ich nicht. Wie bereits ausgeführt, habe ich sein Buch bis heute nicht gelesen. Sollte er darin solche Passagen verarbeitet haben, wird um dokumentierten Nachweis gebeten.

Ich verstehe sein Kernanliegen keinesfalls in dem Sinne.

Seit der Papst-Enzyklika „Humane vitae" ist zumindest für säkulare Kräfte, die katholische Kirche, was das Stichwort „Familienplanung" anbelangt, in einem schiefen Licht. Wie diese Kritik sich dann artikuliert, ist die zweite Frage.
Im übrigen sind geschmackliche Entgleisungen sicherlich nicht nur das „Privilegium" einer weltanschaulichen Richtung.

Spätestens seit dem Karikaturenstreit zu Lasten des Islam, weis man um gewisse Empfindlichkeiten.

Empfindlich waren schon die Nazis und die Kirchen in gemeinsamer (seltener) Front, zu der auch von der WTG nachgedruckten Karikatur des (kommunistischen Malers) George Grosz.
Insofern kann man für Rechnungen - auch Gegenrechnungen, präsentieren.
http://www.manfred-gebhard.de/Grosz.jpg

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