Das grosse Schweigen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 21. Mai 2011 00:21
Im Zeitspiegel
Das grosse Schweigen

Heute vor einem Jahr, wurde in der Serie
Im Zeitspiegel
notiert:

Zitat:

Wieder mal eine Sekte mehr, die auf dem verstimmten Klavier Jaultöne hervorzaubert

www.ebiblefellowship.com/de/may21_de.html

Es dürfte sich dann wohl empfehlen, genau ein Jahr später (2011) sich diese Webseite dann nochmals anzusehen."

Siehe auch das entsprechende Bildschirmfoto

Und nun, was vernimmt man auf der zitierten Webseite in der Sache dazu jetzt???
Wie es aussieht, dass grosse Schweigen!

Markige Worte kann man auf deren fraglichen Seite lesen. Unter anderem die:

Zitat:

"Es wird am 21. Mai sein, dass Gott alle Toten von ihren Gräbern erheben wird, die jemals gestorben sind. Erdbeben werden die ganze Welt verwüsten, weil die Erde ihre Toten (Jesaja 26,21) nicht mehr verbergen wird. Leute, die als gerettete Personen starben, werden das Wiederaufleben ihrer Körper erfahren und sofort diese Welt verlassen, um für immer mit dem Herrn zu sein."

Nun sehen uns besagte Hirngespinst-Webseite dann nochmals am 21. Oktober an.
Die Dummheits-Verkäufer sterben halt nicht aus. Wohl besonders konzentriert vorfindbar in
"God's own country"

Ein Pressebericht notiert zu diesem götlichen Einfaltspinsel noch, sein Urheber sei ein 89ähriger US-Evangelikaler aus Oakland (US-Bundesstaat Kalifornien)-
www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13365410/US-Prediger-sagt-Weltuntergang-fuer-21-Mai-voraus.html
Und auch diese Detailangabe gibt es noch über diesen geeichten Supernarren:

Zitat:

"1992 prophezeite er, Jesus werde 1994 wiederkehren. Das sei ein Rechenfehler gewesen, räumte er hinterher ein. Diesmal werde das nicht passieren."

Bemerkenswert, er weis sogar eine Uhrzeit zu benennen, wann das alles passieren soll "Um 18 Uhr".
Wahrscheinlich hat er wohl blos noch vergessen hinzuzufügen, nach der Sommerzeit berechnet?
Oder nach "israelitischem Mondkalender"?
www.ksta.de/html/artikel/1305797041044.shtml
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,763552,00.html

Dann gibt es da auch noch die bemerkenswerte Bände sprechzende Angabe:

Zitat:

"Der Konzern (dieser Narren) habe in den vergangenen sieben Jahren mehr als 100 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Vor allem in letzten Monaten seien viele Spenden eingetroffen,"

Zitat:

"Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir, Bertrand, die Zeiten der Kommanditgesellschaft werden vergehn, aber die Maulaffen werden nicht ausgehen. Trachten wir nach dem, was ewig ist! Wie wär's, gründen wir eine Religion, he?" — "Teufel, Teufel! Eine Religion ist nicht leicht zu gründen" — "Du bist immer dumm, Bertrand! Man ernennt sich zum Papst, man mietet eine Bude, man leiht sich Stühle aus und man predigt: über den Tod Napoleons, die Entdeckung Amerikas, über Molière, über irgend etwas! Schon hat man eine neue Religion. Das ist alles nicht so schwer, als man glaubt!"

Siehe thematisch auch den kommentierten Bericht anlässlich des Einhundersten Geburtstages des "Weltunterganges vom 19. Mai".
Übrigens, man sehe sich doch mal das kommerzielle Inserat in der "Freiburger Zeitung" vom 29. Mai 1931 an.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=29a2&year=1931&month=05&project=3&anzahl=6
Dort auf der unteren Hälfte der Seite, die letzte Spalte.
Was sich auf dem ersten Blick als nicht sonderlich schlüssig erweist, entpuppt sich ein paar Ausgaben später, als Filmreklame für einem Film dieses Titels

So macht jeder sein Geschäft. Beide zugleich indes kreieren als wesentlichen Inhalt den Dummheitsverkauf!

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=30r2&year=1931&month=05&project=3&anzahl=17

Re: Das grosse Schweigen
geschrieben von: X ~ mysnip
Datum: 21. Mai 2011 23:11

Zitat:

Aber vorher Party!

Re: Das grosse Schweigen
geschrieben von: Conorr
Datum: 22. Mai 2011 14:58
Es wird immer verwirrender.

Anstelle der diesjährigen Bezirkskongresse der Zeugen-Gemeinde sollte sich
deren Führung besser dazu entscheiden, sich mit Kollegen anderer Sektenzweige
bei einem internationalen Planungs-Kongress endlich für einen einheitlichen
Weltuntergangs-Termin zu einigen.


Man blickt nicht mehr durch, keiner weiß mehr genau wann er denn jetzt
sein gesamtes Vermögen verjubeln soll.
Wie lange kann man es noch "krachen" lassen ?
Die Kunst liegt im,.....nicht zu früh,...aber auch nicht zu spät,......

Es bietet sich ein neues Versicherungs-Modell an :

-Schadensersatz bei nicht eingetretenen Weltuntergängen-

Vielleicht als erweiterter Modus bei einer Unfallversicherung.
Oder als Geschäftsidee im Rahmen einer internationalen Lotterie.

Pferdewetten sind "out",......Traumhaus-Gewinne im "neuen System" sind "in",
für die Verlierer bleibt der Trost :........"Mensch,...ärgere dich nicht" !!

Re: Im Zeitspiegel

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. Mai 2010 03:48

Zitat:

Mit Gasmasken, Flaschen mit Atemluft, ja sogar mit Kometenpillen verdiente so mancher 1910 richtig Geld ...

ultimateheroswelt.blog.de/2007/05/19/19_mai_1910_hallyscher_komet_erscheint_u~2299388/

Siehe auch:

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=15a1&year=1910&month=04&project=3&anzahl=4
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=18a2&year=1910&month=05&project=3&anzahl=4

"Die Aussicht" Juni 1910:

Zitat:

"Ein alter Wanderer im unermeßlichen Weltall schickt sich an, wieder dem Gesichtskreis dieser Erde, deren abergläubische Bewohner wohl zum letzten Male seinetwegen aufgeregt worden sind, zu entschwinden, denn wenn er nach 75 Jahren wiederkommen wird, der sogenannte Halley'sche Komet, von dem aber schon die Verfasser des Talmud wußten, wird er - so hoffen wir - einen neuen Himmel und eine neue Erde, regiert von dem König der Könige, dem Herrn aller Herren, dem weisen Lenker aller Gestirne, dem Heilande aller Nationen, antreffen."

Kommentar:
Und mit ihrer "Hoffnung" hat sich auch "Die Aussicht" (nebst einigen anderen) als Narrenverein geoutet.

Eine Internetseite über die "Chronik der verpassten Weltuntergänge" kommentierte:

Zitat:

"Im Mai 1910 näherte sich der Halleysche Komet zum 27. Male seit seiner ersten Beobachtung der Erde.Eine wahre Hysterie brach aus: Tausende von Menschen in Europa versammelten sich in Kirchen und beichteten ihre Sünden, Hunderte begingen Selbstmord. Andere wiederum verschenkten Haus und Habe oder gaben sich einem Vergnügungstaumel hin.
In Oklahoma mußte die Polizei sogar ein Mädchen vom Altar der 'Select Followers' retten, die den Allmächtigen mit einem Menschenopfer zu besänftigen versuchten.Doch die ganze Aufregung war umsonst, der Halleysche Komet flog vorüber und die Erde drehte sich weiter..."

www.unmoralische.de/weltuntergang.htm

Sogar die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 11. 1923 (Ausgabe Magdeburg vom 15. 12. 1923) meinte (aus der rückblickenden Sicht, wo man ja bekanntlich besonders gut schwätzen kann) kommentieren zu sollen:

Zitat:

"Als im Jahre 1456 der Halley'sche Komet auf seinem Wege um die Sonne in die Nähe der Erde kam, war er so gross und verursachte solchen Schrecken, dass der Nachfolger St. Petri seine Heiligkeit der Papst selbst Angst bekam und besondere Gebete anordnete, die zum Schütze der Bevölkerung gegen das furchtbar drohende Übel hergesagt werden mussten.
Als derselbe Halley'sche Komet im Jahre 1910 zurückkehrte, war er von so geringer Grosse, dass selbst die ängstlichsten Gemüter sich nicht mehr vor ihm fürchteten."


Siehe auch noch:

www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2010_20_31_01.htm

www.heute.de/ZDFheute/inhalt/26/0,3672,8073050,00.html

www.ksta.de/html/artikel/1273441037694.shtml

einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a9081/l1/l0/F.html#featuredEntry

Eine Bilderserie dazu:
einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/9081/der_tag_an_dem_die_welt_durchdrehte.html

www.faz.net/s/Rub6E2D1F09C983403B8EC7549AB44FA0EF/Doc~E7B88878858F348B7B5DB460B8F468D1B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article7680422/Der-Tag-an-dem-die-Erde-untergehen-sollte.html

Wieder mal eine Sekte mehr, die auf dem verstimmten Klavier Jaultöne hervorzaubert

www.ebiblefellowship.com/de/may21_de.html

Es dürfte sich dann wohl empfehlen, genau ein Jahr später (2011) sich diese Webseite dann nochmals anzusehen.

Gelesen auf der fraglichen Seite:

Zitat:

„Es wird am 21. Mai sein, dass Gott alle Toten von ihren Gräbern erheben wird, die jemals gestorben sind. Erdbeben werden die ganze Welt verwüsten, weil die Erde ihre Toten (Jesaja 26,21) nicht mehr verbergen wird. Leute, die als gerettete Personen starben, werden das Wiederaufleben ihrer Körper erfahren und sofort diese Welt verlassen, um für immer mit dem Herrn zu sein."
Re: Im Zeitspiegel
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. Mai 2010 00:38
Als geschichtlicher Rückblick ein Zitat aus dem Buch von Mario Zanot
"Die Welt ging dreimal unter"

Zitat:

"Wir schreiben den 20. Mai 1910, l Uhr morgens. Die hervorragendsten Gelehrten der Welt sind sich einig: die Erde hat nur noch wenige Stunden zu leben. "Um 4 Uhr 25 morgens", heißt es, "wird unser Planet von einer tödlichen Wolke aus Giftgasen und kosmischem Staub eingehüllt werden, die den Schweif des Halleyschen Kometen bildet. Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Zyanwasserstoff, Kaliumzyanid, werden den Globus in eine ungeheure Gaskammer verwandeln. Es wird niemandem gelingen, sich zu retten, oder höchstens einigen wenigen Glücklichen in den um die Polkappen liegenden Gebieten, die voraussichtlich nicht direkt von dem aus dem Weltall kommenden Unheil betroffen sein werden."
Seit Monaten finden die Menschen in New York, Tokio, London, Paris, Mailand, keinen Schlaf mehr. Und jetzt sind sie alle auf den Straßen, richten schweigend den Blick zum Himmel und warten auf das unausbleibliche Ende.

Diese Angstpsychose war am 11. September 1909 von Heidelberg ausgegangen. Der deutsche Astronom Max Wolf stellte in seinem Studierzimmer zum x-ten-mal die letzte "technische Verbesserung" seiner Anlage zur fotografischen Erfassung der Asteroiden ein. Dank seiner Erfindung war die Zahl der bekannten "Miniplaneten" von ungefähr dreihundert im Jahre 1890 auf Tausende im Jahre 1909 angestiegen. ...
Edmond Halley hatte diesen — später nach ihm benannten — Kometen im Jahr 1682 entdeckt ...

Zu diesem Zeitpunkt wurde er überall auf der Welt mit überaus berechtigter Sorge und Aufmerksamkeit beobachtet; in den Kometen sah man von altersher immer Vorboten von Unheil, Krieg und Pestilenz, und das galt ganz besonders für diesen, später als "Halley-scher Komet" bezeichneten Schweifstern. Es genügt, in den Chroniken der Vergangenheit zu blättern, um sich darüber klarzuwerden.

Was würde diesmal geschehen?
Das fragte sich auch Max Wolf, der diesen Himmelskörper von seinem ersten Erscheinen am Himmel an nicht mehr aus den Augen gelassen hatte. Natürlich glaubte der Gelehrte an keine der Legenden, sein Interesse war rein wissenschaftlich.

Und eines Nachts, nachdem er eine Reihe komplizierter Gleichungen aufgestellt hatte, kam ihm eine schreckliche Erkenntnis: am 20. Mai 1910 würde unser Planet mit dem Schweif des "Halley" zusammentreffen! Wolf wiederholte seine Berechnungen in der Hoffnung, einen Fehler zu finden, aber das Ergebnis blieb unverändert. Er zögerte einige Tage, dann beschloß er, die Welt zu alarmieren.

"Um 4 Uhr 25 am 20. Mai 1910 wird die Erde den Schweif des Kometen durchqueren", verkündete Wolf. "Er ist durch die Störungsaktionen von Jupiter und Saturn von seiner Bahn abgelenkt worden." Was für Auswirkungen würde das haben? Die unwahrscheinlichsten Hypothesen wurden laut. "Die Erdachse wird sich verschieben", vermuteten einige. "Die Wassermassen der Ozeane werden ihr Bett verlassen und über die Kontinente hereinbrechen; hunderttausende Menschen werden bei dieser neuen Sintflut ein schreckliches Ende finden, alle Spuren unserer Zivilisation werden in einer einzigen Nacht vernichtet werden."

Aber niemand achtete auf die Hinweise der "Optimisten", um so mehr, als eine neue, noch schrecklichere Nachricht bekannt wurde: der Schweif des "Halley" enthielt nicht nur Wasserstoff, Kohlenstoff und Stickstoff, sondern auch Zyankali und Blausäure, fürchterliche Gifte. Die ganze Menschheit würde also ersticken; aber zuerst würde es durch die Vermischung dieser Gase mit der Erdatmosphäre zu einer ungeheuren Explosion kommen, die in ihrer Stärke einem Bombardement mit Tausenden von Bomben entspräche.

Die Zeit verging, und die Angst wuchs ständig. Infolge der Panikwelle, die die ganze Welt ergriffen hatte, kam es zu Wahnsinnsszenen: 16 Selbstmorde in Deutschland, 35 in England, 21 in Spanien, 225 in den Vereinigten Staaten, 48 in Frankreich, 11 in Italien.

Die Reichen begannen nach Japan, China und Sibirien auszuwandern, Gebieten, die — namhaften Gelehrten zufolge — von der kosmischen Katastrophe weniger betroffen sein würden. Aber es wurden auch Schutzvorkehrungen erfunden. Ein New Yorker Geschäftsmann ließ eine Stahlkammer konstruieren, in der er Sauerstoffflaschen stapelte; ein französischer Millionär verkroch sich mit seiner Familie in einem aufgelassenen Bergwerk im Elsaß; ein Industrieller aus Biel ließ in einem Berg eine Höhle graben und sie durch doppelte Stahltüren sichern; ein Engländer konstruierte einen Spezial-Tauchanzug, um sich beim ersten Anzeichen von Gefahr unter Wasser in Sicherheit zu bringen; nach dem Muster Noahs erbauten Gruppen auf Berggipfeln "Archen", um der neuen Großen Sintflut zu entgehen.

Die schicksalhafte Nacht brach an. Ein Chronist jener Zeit beschreibt das Ereignis wie folgt: "Der Wind ist sehr warm, Trinkstuben und Plätze sind voller Menschen, die Kirchen haben den Gläubigen ihre Tore geöffnet, unübersehbare Menschenmassen warten, die Augen auf den Himmel gerichtet. Minuten werden zu Ewigkeiten. Zwei Uhr früh. Drei Uhr. Vier Uhr. Die Welt erwartet schweigend ihr Ende. Plötzlich beginnt der Himmel zu phosphoreszieren, die Sterne verblassen, ein grünlicher Lichtschein umgibt den Mond. Nur der große, schreckliche Halleysche Komet erhellt jetzt das Himmelsgewölbe. Es ist vier Uhr achtzehn, neunzehn, zwanzig; viele knien nieder, bedecken ihre Augen mit den Händen und beten schweigend. Vier Uhr fünfundzwanzig: das Ende.

Einen Augenblick lang erzittert die Erde, der Hof um den Mond wird strahlend blau, das seltsame Leuchten des Himmels wird intensiver und Tausende von Meteoren stürzen in einem erschreckenden Feuerwerk herab, einen Augenblick lang geht eine fürchterliche Hitzewelle über die Erde hinweg. Dann endlich das Morgengrauen. Die Blicke wenden sich wieder dem Himmel zu. Die Sonne geht auf. Der Komet, der eine Geschwindigkeit von 54 Kilometer in der Sekunde hat, ist schon weit entfernt. Überall auf der Welt atmen die Menschen erleichtert auf."

Und wie ist es unserem Planeten gelungen, in dem kosmischen Duell mit dem Kometen Sieger zu bleiben? Der deutsche Astronom Archenchold erläutert den Vorgang: "Der Teil des Schweifes, mit dem wir zusammengetroffen sind, war weit vom Kern dieses Himmelskörpers entfernt. Daher waren die Gase in ihm stark verdünnt und die Erdatmosphäre hat wie ein Schirm gewirkt und sie abgewehrt. Natürlich kann sich keiner von uns vorstellen, was geschehen wäre, wenn die Gase in die Lufthülle eingedrungen wären. Wer weiß, was in ferner Zukunft geschehen wird, etwa wenn der Halleysche Komet 1986 wiederkommt..."

Ein geschichtlicher Rückblick:
Pierre Bayle: Verschiedene einem Doktor der Sorbonne mitgeteilte Gedanken über den Kometen, der im Monat Dezember 1680 erschienen ist
Aus ihm nachfolgend einige charakteristische Aussagen:

Zitat:

Da ich öffentlicher Lehrer der ... war, so wurde ich bei Gelegenheit desjenigen Kometen, der im Monat Dezember des 1680. Jahres erschien, von vielen neugierigen oder bestürzten Personen beständig mit hundert Fragen geplagt. Ich suchte, soviel möglich, denjenigen Mut zuzusprechen, die sich über dieses sogenannte Unglückszeichen ängstigten, allein durch alle meine philosophischen Schlüsse gewann ich sehr wenig bei ihnen. Man antwortete mir allezeit: Gott zeigte uns diese großen Luftzeichen, um den Sündern Raum zu geben, dasjenige Unglück abzuwenden, was über ihrem Haupt schwebte. ...

So will ich noch eine Anmerkung hersetzen, die mir sehr geschickt zu sein scheint, den gemeinen Wahn in Hinsicht auf die Kometen zu widerlegen.
Der Krieg, welcher im Okzident vom Jahre 1688 bis ins Jahr 1697 gewährt hat, ist einer der heftigsten und kläglichsten gewesen, die man jemals gesehen. Gleichwohl ist weder kurz vorher noch während seiner Dauer irgendein Komet erschienen, vielmehr hat man im Monat September 1698 einen Kometen gesehen, als Europa schon vom Krieg befreit und im Begriff war, den Frieden zwischen den Türken und Christen wiederhergestellt zu sehen ...

Ich höre alle Tage viele Leute von der Beschaffenheit der Kometen sprechen ... aber muß ich Ihnen, mein Herr, gestehen, daß mir darin nichts begründet vorkommt, als was sie dem irrigen Wahn des Pöbels entgegensetzen, der mit Gewalt haben will, daß die Kometen der Welt unzähliges Unglück androhen sollen. ...

Ich sage ... Da alles, was von den Vorbedeutungen der Kometen vorgegeben wird, auf die erdichteten Sätze der Astrologie hinausläuft, so kann es nicht anders als sehr lächerlich herauskommen. Denn nichts ist abgeschmackter, nichts ist einem Hirngespinst ähnlicher als die Sterndeuterkunst, nichts ist menschlicher Natur schimpflicher als dieselbe. Den Menschen zur Schande muß man es in alle Ewigkeit nachsagen, daß es solche Betrüger gegeben hat, die andere unter dem Vorwand, sie verstünden sich auf himmlische Sachen, schändlich hintergingen, und daß es allemal Narren gegeben hat, die auf jene ein so großes Vertrauen gesetzt, daß sie die Astrologie als eine Ehrenstelle zu vergeben angefangen haben und sich nicht getraut haben, ein neues Kleid anzulegen oder einen Baum zu pflanzen, wenn es der Herr Sterngucker nicht für gut befunden. ...

Die Menschen lassen sich gern betrügen, daher vergessen sie gar bald, wenn der Sterndeuter schändlich gelogen hat, und erinnern sich nur derjenigen Gelegenheiten, da seine Wahrsagungen für richtig angesehen worden sind. ...

Wenn es auch wahr wäre, daß allemal auf die Erscheinung der Kometen unzählige Unglücksfälle erfolgt sind, so kann doch der Grund davon nirgends anders als einzig und allein in der Beschaffenheit irdischer Dinge zu finden sein, vermöge welcher alle Sachen in der Welt unzähligen Veränderungen unter worfen sind. Man könnte daher mit gleichem Recht von allen nur beliebigen Dingen, z.B. von der Vermählung eines Königs oder Geburt eines Prinzen, behaupten, daß sie einen solchen Einfluß hätten, weil es ganz gewiß ist, daß niemals eine königliche Vermählung geschlossen oder ein Prinz geboren wurde, da sich nicht irgendwo in der Welt unglückliche Begebenheiten sollten ereignet haben.

Mit einem Wort: Es ist ebenso wahrscheinlich, wenn man den ordentlichen Lauf der Welt voraussetzt, daß in einem Jahr, welches man nur will, große Drangsale in der Welt, wenn nicht an diesem, so doch an einem andern Ort erfolgen werden; wie es wahrscheinlich ist, daß ein Bürger von Paris, er mag den Tag über zum Fenster auf die St.-Michaelis-Brücke heraussehen, wann er will, Leute auf der Gasse vorbeigehen sehen wird. Indessen hat das Heraussehen dieses Bürgers nicht den geringsten Einfluß auf die Vorbeigehenden ...

Man führe hier nicht die Londoner Pest von 1665 an, die Feuersbrunst in ebenderselben Stadt das Jahr darauf, das Erdbeben, welches 1667 die Republik Ragusa verschlang, die Entzündung des Berges Ätna 1669 und andere solche Zufälle; denn das sind wohl in der Tat traurige Begebenheiten für diejenigen, die darunter leiden müssen. So außerordentlich aber und von so allgemeinen Folgerungen sind sie nicht gewesen , und man könnte leicht zeigen, daß zu andern Zeiten Unglücksfälle von gleicher Art sich zugetragen haben, die noch weit betrüblicher gewesen, z.B. die Feuersbrunst in Moskau, der Hauptstadt in Rußland, welche von den Tataren 1571 gänzlich in die Asche gelegt worden ist, das Erdbeben, das in einer Nacht zwölf große Städte in Asien unter der Regierung des Tiberius verschlungen, ein anderes, das zwanzigtausend Einwohner in Lazedämon ums Leben gebracht und die ganze Stadt unter dem Haufen eines Stückes vom Berg Taïgetos, 469 Jahre vor Christi Geburt, verschüttete, und noch ein anderes in Kanada 1663 und in Peru 1604, welches dreihundert Meilen Weges in die Länge und siebzig in die Breite entsetzliche Verheerungen In weniger Zeit als einer Stunde verursacht hat, die Entzündung des Vesuvs 1631, die Pest, die kurz darauf in Wien regiert hat, die den Kaiser bis nach Prag, wohin er geflüchtet war, verfolgte und sich darauf in verschiedene Provinzen mit einer entsetzlichen Verheerung ausbreitete. Und ferner – können wohl jene drei oder vier traurigen Begebenheiten demjenigen Glück die Waage halten, welches durch so viele Friedensschlüsse verursacht worden ist? ...

Die Sonnenfinsternis, welche den 12. August 1654 geschah, sollte ihrem Vorgeben nach das Oberste zuunterst kehren. Einige setzten, es würde eine Sintflut kommen wie zu des Noah Zeiten oder vielmehr eine Feuerflut, die das Ende der Welt bringen würde. Andere begnügten sich mit einer wichtigen Umkehrung in der Welt und mit dem gänzlichen Untergang der Stadt Rom. Man hatte die Leute in eine solche Furcht gejagt, daß diejenigen, welche sich nur in die Keller verkrochen hatten oder die in wohlverschlossenen Zimmern steckten, darinnen man eingeheizt und stark geräuchert hatte, damit man, auf Befehl der Ärzte, für die üblen Einflüsse wohl verwahrt wäre, völlig glaubten, sie wären berechtigt, jene furchtsamen Geister auszulachen, und man würde sie ganz gewiß für recht starke Geister ansehen. Und in der Tat, in Vergleichung so vieler anderer, die sich das Ende der Welt einbildeten, zeugte dieses noch von einer ziemlichen Stärke des Geistes. Der Schrecken war so groß, daß ein Priester auf dem Lande, da er mit dem Beichthören aller seiner Kirchkinder, die nicht anders glaubten, als sie würden davon sterben müssen, nicht fertig werden konnte, gezwungen ward, von der Kanzel abzukündigen, sie sollten doch nicht so eilen: die Sonnenfinsternis wäre vierzehn Tage aufgeschoben worden. ...

Ich finde in einer Schrift Agobards, Bischof zu Lyon, welche im Jahr 833 verfertigt worden ist, eine Stelle, die so trefflich für mich redet, daß ich mich nicht enthalten kann, dieselbe anzuführen. Dieser gelehrte Prälat verfertigte dieses Buch in der Absicht, einer Menge von Leuten den irrigen Wahn zu benehmen, da sie zu seiner Zeit glaubten, es gäbe Zauberer, deren Gewalt sich so weit erstreckte, daß sie Hagel, Sturm und Ungewitter erwecken könnten, sooft es ihnen gefällig wäre, die Landfrüchte zu verderben, und welche mit dieser Kunst mit den Einwohnern eines gewissen Landes, das Magonia heißt, handelten; die alle Jahre auf Luftschiffen ankämen, um das Getreide einzuladen, welches das Ungewitter verdorben, wofür sie alsdann den Zauberern den Wert bezahlten. Man glaubte alles dieses so gewiß, daß dieser Bischof einstmals sich ungemein viel Mühe geben mußte, drei Männer und eine Frau aus den Händen des Pöbels zu erretten, die sie steinigen wollten, in Meinung, daß sie aus diesen Schiffen herausgefallen wären. Dies ist die gemeldete Stelle, wie sie zu Ende der Abhandlung steht: Eine so große Torheit hat sich schon der armen Welt bemächtigt, daß die Christen dergleichen ungereimtes Zeug für wahr halten, welches man vordem den Heiden nicht hätte einreden können. Ich mag nicht untersuchen, ob es wahr ist, wie er schreibt, daß man zur selben Zeit leichtgläubiger gewesen als zur Zeit des Heidentums, mir ist genug, wenn ich weiß, daß man es sehr gewesen. ...

Der Aberglaube ist es, der die Gottesleugnung in die Welt gebracht hat und der ihr noch alle Tage Mittel in die Hand gibt, sich zu rechtfertigen und zu verteidigen, wenn nicht rechtmäßigerweise, so doch wenigstens mit viel Schein und Vorwand. Denn die allerersten, welche die Atheisterei ergriffen, haben es nicht deswegen getan, weil sie an dem Himmel was auszusetzen gefunden oder an den Sternen oder an den Jahreszeiten oder an den Umdrehungen der Sonne, die durch ihre Bewegung Tag und Nacht macht; auch nicht deswegen, weil sie einige Unordnung oder irgendeinen Mangel in der Nahrung der Tiere oder in dem Wachstum derselben angemerkt, keineswegs. Der Aberglaube war schuld daran. Seine wunderlichen Handlungen, seine lächerlichen Neigungen, seine Worte, seine Bewegungen, seine Hexereien, seine Bezauberungen, seine Streiche und Gegenstreiche, seine unreinen und abscheulichen Reinigungen, seine Dreifüße, seine unkeusche und garstige Eingezogenheit, seine unmenschlichen Peinigungen und der Überlast, den er sich selber in den Tempeln verursacht hat; alles dieses sind die schönen Dinge, welche einige veranlaßt haben zu sagen, es wäre weit besser, die Menschen hätten gar keine Götter, als daß sie solche haben müßten, welche dergleichen Dinge guthießen ...

Hierher gehören noch die wunderlichen Begriffe vieler abergläubischer Menschen, welche sich die Gottheit als unversöhnlich vorstellen, sofern man nicht hundert lächerliche Kleinigkeiten beobachte, oder aber, sofern man nicht ihr zu Ehren Verbrechen begehe, wie z.B. die Karthaginenser ... welche ihre leiblichen Kinder aufopferten, bei welcher Gelegenheit ein gewisser Autor sehr wohl ausruft: Ihr armen Sterblichen! Eure Unwissenheit von der Natur der Götter ist die erste Ursache eurer Verbrechen. ...

Es war leicht, im Jahr 1618 einen großen Krieg in Europa vorherzusehen
Bloß nach politischen Weissagungen war es leicht, im Jahr 1618 vorherzusehen, daß Europa auf eine erschreckliche Art würde erschüttert werden. Der Komet, welcher zu dieser Zeit sich sehen ließ, war das einzige, was man als eine Prophezeiung ansah. Allein das war nicht ein Umstand, darauf man die Augen hätte richten sollen. Es konnte nach den elenden Regeln der Astrologie, ... ebensoleicht erwiesen werden, daß er was Glückliches vorbedeutete, als daß er Unglück prophezeien sollte. Worauf hätte man also sehen müssen? ...

www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&manu_id=515&tag=19&monat=5&year=1989&dayisset=1&lang=de

Siehe auch:
ultimateheroswelt.blog.de/2007/05/19/19_mai_1910_hallyscher_komet_erscheint_u~2299388/

Pierre Bayle: Verschiedene einem Doktor der Sorbonne mitgeteilte Gedanken über den Kometen, der im Monat Dezember 1680 erschienen ist

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Bayle,+Pierre/Verschiedene+Gedanken+%C3%BCber+einen+Kometen

"Schon wieder Weltuntergang"
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 12. Juni 2011 02:24
Im Zeitspiegel
"Schon wieder Weltuntergang" betitelt die Freiburger Zeitung" vom 12. Juni 1931 einen Artikel
In ihm unter anderem die Sätze:
"Ebenso wie Amerika bildet England einen sicheren Nährboden für wüsten Aberglauben ...
Die nächste (Weltuntergangsmassensuggestion ist 1934 zu erwarten."

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=12b2&year=1931&month=06&project=3&anzahl=4

Übrigens:
Auch der Wochenzeitung „Die Kirche" (Nr. 23/2011) war jener Geschäftemacher der Verdummungsindustrie, eine Notiz wert.

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