Wilhelm Kusserow

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 27. April 2010 02:56

Der "Südkurier" thematisiert jetzt das Schicksal des von den Nazis hingerichteten Wilhelm Kusserow.
www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/donaueschingen/Den-Glauben-mit-dem-Tod-bezahlt;art372512,4266667

Nicht erwähnenswert indes hält der "Südkurier" (bzw. sein nicht namentlich ausgewiesener Artikelverfasser) auch dieses Zitat:
Zitat aus dem Abschiedsbrief genannten Kusserows an seine Angehörigen:

"Hier im Gericht hat man sich die größte Mühe gegeben, mein Leben zu retten, auch im
letzten Moment noch. Doch hätte ich mich umgestellt, so wäre alles
verloren gewesen ..."

Dieses "alles umsonst" sei dann ja nicht weiter kommentiert.
Zitat aus dem Schreiben von Rechtsanwalt Dr. Rohr an die Mutter Hilda Kusserow vom
17. 4. 1940

Betreffs Wilhelm Kusserow
"Ich rate Ihnen dringend, möglichst sofort an Ihren Sohn oder an mich zu schreiben, dass er seine bisherige Haltung aufgeben und sich zum Militärdienst bereit erklären soll, nur so können Sie sein Leben retten, wozu Sie auch als Mutter verpflichtet sein dürften."

Die lapidare Antwort der Mutter darauf in einem Schreiben an genannten Rechtsanwalt vom
18. 4. 1940:

"Die große Wahrheit war und ist noch jetzt die Aufrichtung des Reiches Gottes. Durch diese Pflichterfüllung dem hohen Schöpfer, Gott Jehova gegenüber, sind die Zeugen für Jehova und sein Königreich in den größten Glaubenskampf aller Zeiten geraten. Wir sind nicht im Zweifel, dass das Königreich Gottes bald den Sieg davontragen und den denkbar größten Segen bringen wird. Dieses obige teile ich Ihnen mit, damit Sie, Herr Dr. Rohr, ein Verständnis haben für die Weigerung meines Sohnes und für mein Verhalten ihm gegenüber.

Steht mein Sohn im Dienste des Königreiches Gottes, so muss er seinen Gehorsam beweisen, selbst bis in den Tod. Nur dann wird er auferweckt zu seiner Zeit und kann die Segnungen des Reiches Gottes auf Erden empfangen. Stellt er sich in den Dienst einer irdischen Regierung, so geht er der Segnungen des Reiches Gottes verlustig. Es gibt für ihn auch keine Auferstehung, denn kein weltlicher Herrscher ist in der Lage, seine Treuen, die für ihn gestorben sind, wieder zu Leben zu bringen.

Im Gebete bin ich mit meinem Sohne verbunden und sein Leben wird der allgütige Gott Jehova in seine Hand nehmen und wir alle, die wir auch bis zum Ende treu bleiben, werden ihn bald Wiedersehen."

Noch ein Zitat der Mutter an genannten Rechtsanwalt, verfasst nach einem Gefängnisbesuch der Mutter bei ihrem Sohn:

"Er sagte, dass er das Testament, dass er in seiner Zelle hat, fast auswendig kann, und so versteht er recht die Worte des Apostels, dass wir Fremdlinge hier auf Erden sind, ohne Bürgerrecht, da unser Bürgertum dem Gottesreich gehört. ..."

Es steht mir nicht an, das weiter zu kommentieren. Nur der Hinweis darauf, wie denn ähnliche Konfliktlagen zu Zeiten des ersten Weltkrieges abliefen.

Zu Zeiten des ersten Weltkrieges

Re: Wilhelm Kusserow

geschrieben von: Frau von x

Datum: 27. April 2010 11:01

Drahbeck
Der "Südkurier" thematisiert jetzt das Schicksal des von den Nazis hingerichteten Wilhelm Kusserow.
www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/donaueschingen/Den-Glauben-mit-dem-Tod-bezahlt;art372512,4266667

"Weil sie sich kompromisslos weigerten, ... von den Nationalsozialisten gleichschalten zu lassen, wurden sie verboten und brutal verfolgt."

Meine Meinung: Sie waren schon von der WTG gleichgeschaltet, deshalb hatten die Nationalsozialisten keine Chance.

Die lapidare Antwort der Mutter darauf in einem Schreiben an genannten Rechtsanwalt vom
18. 4. 1940:
"Die große Wahrheit war und ist noch jetzt die Aufrichtung des Reiches Gottes. ... Wir sind nicht im Zweifel, dass das Königreich Gottes bald den Sieg davontragen und den denkbar größten Segen bringen wird. ...
...
... wir alle, die wir auch bis zum Ende treu bleiben, werden ihn bald Wiedersehen."

WT vom 1.APRIL 2010 S.10:

"... Demnach regiert Jesus jetzt schon als König. Und bald wird die Zeit kommen, wo unter seiner Regierung der Wille Gottes auch auf der Erde geschieht. *
...

* Wieso wir wissen, dass Gottes Königreich bald auf der Erde eingreift, wird in dem von Jehovas Zeugen herausgegebenen Buch Was lehrt die Bibel wirklich? ... genauer erklärt."

Re: Wilhelm Kusserow

geschrieben von:  indianer56

Datum: 28. April 2010 20:49

Frau von x

Drahbeck
Der "Südkurier" thematisiert jetzt das Schicksal des von den Nazis hingerichteten Wilhelm Kusserow.
www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/donaueschingen/Den-Glauben-mit-dem-Tod-bezahlt;art372512,4266667

"Weil sie sich kompromisslos weigerten, ... von den Nationalsozialisten gleichschalten zu lassen, wurden sie verboten und brutal verfolgt."

Re: Anton Uran

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 01. Mai 2010 13:20

Nun also thematisierte erneut ein Zeitungs-Artikel (diesmal mehr in der indirekten Form), das Schicksal eines von der Nazijustiz, im Kontext Wehrdienstverweigerung hingerichteten Zeugen Jehovas, des Österreicher Anton Uran.

www.kleinezeitung.at/kaernten/kaerntnerdestages/2344916/chronist-arbeiterbewegung.story

Zwar wird selbiger in einigen dem Umfeld der Zeugen Jehovas-Publizistik zuzuordnenden Büchern mit erwähnt. Aber sonderlich Aussagekräftig ist das, was man dort zu diesem Fall vorfindet, wohl eher nicht.
Gibt man etwa bei der WTG-CD-ROM den Begriff Uran ein (auf Doppelnamen, in diesem Falle eben Anton Uran, reagiert selbige schon mal nicht), dann bekommt man zwar einige Nachweise zum Thema des Mineral Uran; aber eben keine zu dem eigentlich Gesuchten.
Dies ist dann schon mal ein makabres Indiz, wieviel der WTG ihre Märtyrer letztendlich wert sind.

Da mir das System der WTG-CD-ROM generell zu mühselig ist, will ich nicht behaupten, die bis in die letzte Verästelung zum Thema gesichtet zu haben.
Insofern steht es ja jedem frei mir dann noch die übersehene Belegstelle auf selbiger zu benennen.
Ich fürchte nur, außer "heißer Luft" kommt da kein reales Ergebnis.

Nun hatte in der Tat im Jahre 1997, der in obigem Presseartikel genannte Vinzenz Jobst, in einem im Selbstverlag herausgegebenen Buche, das Schicksal jenes Anton Uran näher beschrieben.
Nachfolgend wird also auf die genannte Ausarbeitung von Jobst Bezug genommen.

Uran 1920 geboren, im Februar 1943 dann von den Nazis hingerichtet, erhielt dann wohl etwa Ende 1939 erstmals den Gestellungsbefehl zur Wehrmacht.
Etwa im Februar 1940 wurde er dann wohl abgeholt:

"Kaum jemand kommentierte das "Verschwinden" des jungen Arbeiters. Die Angst ging um. "Man durfte darüber nicht sprechen", formulierte eine noch lebende Nachbarin das Ereignis. Der junge Mann stürzte in tiefe Verzweiflung, wie sein erster Brief vom 23. Februar 1940 an seine Eltern beweist. Aus der Verzweiflung suchte er krampfhaft nach einer Rechtfertigung für seine Verhaftung. Er wußte, daß die Familie, die Bekannten, die Nachbarn, das Dorf, die Kollegen, seine Weigerung, der Einberufung zu folgen, verurteilen würden."

Was ist nun zu seinem familiären Umfeld zu berichten?
Wohl in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Der leibliche Vater verstarb wohl schon früh; die Mutter konnte sich erneut verheiraten und betrieb in dieser Gegend das wohl so ziemlich einzigste Gasthaus, auch in den Kriegsjahren.

Anton Uran begann seine berufliche Laufbahn als Holzfäller- und Bearbeiter.
Und namentlich seine Arbeitskollegen dort, waren es, die ihn für den Zeugen Jehovas-Glauben gewannen.

Wie war nun das Umfeld bestellt, indem Uran aufgewachsen war?
Dazu notiert Jobst:

"Zu jener Zeit, als Anton Uran ins Berufsleben eintrat und die ersten Grundlagen als Holzarbeiter und Behauer erlernte, waren von 1579 Gemeindebürgern 697 in der Land- und Forstwirtschaft erwerbstätig, 513 arbeiteten in Industrie und Gewerbe und 110 im Handel; 188 Personen waren ohne Beruf oder konnten keinen angeben."

Just um diese Zeit fand eben auch die Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland statt. Und kurz danach gab es dann dazu auch noch eine Volkszählung, genannt "Wahlen".
Über letztere nun berichtet Jobst:

"Von 876 Abstimmungsberechtigten (in jener Gegend) gaben 871 ihre Stimme ab. 869 Ja, l Nein, l Ungültig ..." Die Gemeinde wurde dafür im Oktober 1938 ausgezeichnet."

Und dann verwendet Jobst noch eine bemerkenswerte Einschätzung:

"Dennoch ließen übertriebener politischer Ehrgeiz und die Ausgrenzung Andersdenkender furchtbare Spannungen im bisher zwar nicht konfliktfreien, aber doch durch die Klammer "Armut" verbindenden Gemeinwesen aufkommen."

Er redet also von einer "Klammer Armut" die viele dort ansässige verband. Und vielleicht hofften ja einige von denen, der nun eingetretene politische Umsturz, könne vielleicht die "Klammer Armut" noch zum besseren wenden.
Offenbar aber hatte diese Hoffnung eben nicht jener Anton Uran, was er eben auch dadurch dokumentierte, dass er etwa im September 1938 von der katholischen Kirche zur neuen Glaubensgemeinschaft übertrat. Einschließlich zugehöriger Taufe in einem Forstsee.

Im September 1938 mag für ihn das Wehrdienstthema noch nicht akut gewesen sein. Ein reichliches Jahr später, sah das dann schon anders aus, wie bereits vernommen.

Indes in seiner eigentlichen Familie war und blieb er der einzigste, der je zu den Zeugen Jehovas übertrat.
Jobst meint:

"Obwohl beide Elternteile den Glaubenswechsel Antons mißbilligten, gingen sie mit dem Sohn überaus behutsam vor."

Behutsam oder nicht; besagter Anton Uran war ja inzwischen volljährig. Insofern konnten die Eltern da ohnehin nicht viel ändern, selbst wenn sie es den wollen sollten.
Und bezüglich der Eltern, vernimmt man via des Zeitzeugen Franz Wohlfahrt im Jobst-Bericht auch den Satz:

"Er (Wohlfahrt) schildert auch, daß die Eltern Anton Urans dem missionarisch vermittelten neuen Glaubensbild "sehr gegnerisch eingestellt" waren.

Auch der nachfolgende Satz ist im Jobst-Bericht mit enthalten; und mit seiner Zitierung mag dann ja dieser Bericht sein Ende finden:

"Zudem mußte berücksichtigt werden, daß Anton Urans Hinwendung zur Glaubenslehre der Internationalen Bibelforscher niemals die Zustimmung der anderen Familienangehörigen gefunden hatte. Die von den Eltern oftmals wiederholte Ablehnung des Glaubensbildes und der Glaubensorganisation der Bibelforscher vertiefte sich nach der Ermordung Antons sogar. Sein Bruder Erasmus verharrte auch lange Zeit in der Vorstellung, daß nicht das nationalsozialistische Blutgericht in Berlin, sondern daß das Werben der Bibelforscher ursächliche Schuld am Tode Antons trage."

Nachtrag:
Anmerkung zur 1998 erschienenen Broschüre
"Zeugen Jehovas. Vergessene Opfer des Nationalsozialismus".
In ihr eben auch ein Referat von dem ja nicht unbekannten Detlef Garbe.
Garbe erwähnt auch. Ganz so "unvorbereit" traf die zahlenmäßig damals eher geringe Zahl der Zeugen Jehovas, das Schicksal nach dem März 1938 (Einmarsch der deutschen Truppen) wohl nicht.
Bereits zu Zeiten des Austrofaschismus gab es ja für selbige einen Auflösungsbescheid.
Und auch noch ausreichend Zeit sich auf illegale Strukturen umzustellen.
Was zu erwarten sein würde, darüber konnte ja bei niemand, der auch mal einen Blick ins Nachbarland Deutschland tat, der geringste Zweifel bestehen.
Und nachweisbar war auch das "Zürcher"(Harbeck)-Buch "Kreuzzug gegen das Christentum" unter den Österreichischen ZJ verbreitet. Da konnten selbige schon mal "vorab" lesen, was dann auch sie zu gewärtigen hätten.
Und da erwähnt Garbe in dem Kontext auch:

" In den ersten Märztagen 1938 hatte die Watch Tower Society angesichts der zu erwartenden Ereignisse ihr Gebäude in der Wiener Pouthongasse 12, in dem seit 1923 das österreichische Zweigbüro untergebracht war, verkauft. Danach verließ der Leiter des österreichischen Zweiges - anscheinend auf Anweisung der Zentrale der Watch Tower Society - das Land in Richtung Schweiz.
Nach der Flucht des bisherigen Leiters übernahm ein Mitarbeiter des Wiener Zweigbüros, der 52 jährige Vertreter August Kraft, die Führung der in der Illegalität wirkenden österreichischen IBV-Sektion."

Böse Zungen sind dann geneigt zu kommentieren.
Einige der "Ratten" verließen dann wohl rechtzeitig noch das angeschlagene "Schiff".

Nur, diese Option stand halt nicht jedem offen. Erst recht auch nicht denjenigen, die bei den Zeugen Jehovas in der Kategorie "Fußvolk" rangieren.

Noch ein Zitat aus genanntem Garbe-Referrat:

"Zwei Monate nach der Verhaftungsaktion, um die Jahreswende 1939/1940, hatten Ernst Bojanowski , Anna Voll und Ludwig Cyranek Wien verlassen, um in Deutschland die Widerstandsaktivitäten der IBV zu koordinieren. Der seit einem halben Jahr mit der Leitung des österreichischen Werkes betraute Peter Gölles wurde im Rahmen einer vom Reichssicherheitshauptamt für den 12. Juni 1940 für die ganze damalige "Ostmark" angeordneten "staatspolizeilichen Aktion" zusammen mit 44 anderen Bibelforschern festgenommen.
Nach den beiden Verhaftungsaktionen vom Oktober 1939 und Juni 1940 war die Untergrundorganisation der österreichischen Zeugen Jehovas weitgehend zerschlagen. Wie zuvor in Deutschland bestanden jetzt lediglich noch kleine Zirkel, die nur noch gelegentlich zusammenfanden und keine größere Wirksamkeit mehr zu entfalten vermochten."

Re: Gleichgeschaltet?

geschrieben von:  X ~ mysnip

Datum: 01. Mai 2010 23:08

www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-neuberg/donaueschingen/Den-Glauben-mit-dem-Tod-bezahlt;art372512,4266667
SÜDKURIER 27.04.2010
,Im damaligen Hitler-Deutschland gab es circa 25 000 Zeugen Jehovas. ... Weil sie sich kompromisslos weigerten, ... von den Nationalsozialisten gleichschalten zu lassen, wurden sie verboten und brutal verfolgt."

WTG-Broschüre 1995 JEHOVAS ZEUGEN - MENSCHEN AUS DER NACHBARSCHAFT - WER SIND SIE? S. 13
,,Viele Menschen sind erstaunt, daß alle Zeugen Jehovas die gleichen religiösen Ansichten haben. Sie fragen sich vielleicht, wie das möglich ist, und begegnen der Sache mit Mißtrauen."

ERWACHET! Gehirnwäsche - Möglicher Schutz 22. April 1961 S. 12
,Der englische Psychiater William Sargant kommt bei seiner Untersuchung des Problems in seinem Buche Der Kampf um die Seele unter der Überschrift Die Verhütung von Konversion, Gehirnwäsche und Geständnissen zu folgender interessanten Feststellung: Es wird berichtet, daß es den Mitgliedern der Sekte der Zeugen Jehovas mit am besten gelang, in den deutschen Konzentrationslagern während des zweiten Weltkrieges ihren Glauben und ihre Grundsätze aufrechtzuerhalten. Diese pazifistisch-religiöse Gruppe vertritt vielerlei merkwürdige Überzeugungen, die ihnen aber durch ihre religiösen Führer mit soviel Kraft und Sicherheit eingeimpft worden sind, daß sie noch immer wirksam bleiben, wo körperliche Schwäche und seelische Degradierung die meisten andern Menschen von hohem Idealismus, aber ohne spezifische Loyalität, schon dahin gebracht haben, sich der niedrigsten individuellen und Gruppenmoral anzupassen."

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