Weitres zu Friedrich Ritter von Lama

siehe auch: 19242Lama

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. November 2014 01:22
Im Zeitspiegel
Die in München erschienene „Allgemeine Rundschau.
Wochenschrift für Kultur und Politik" brachte in ihrer Ausgabe vom 20. 11. 1924, auch einen Artikel (eher bloß eine Notiz) des vorgenannten zum Bibelforscherprozess von St. Gallen.
Besagter Herr Lama meinte da mitteilen zu sollen, jener Prozeß
„leuchtete tief in das Treiben der sogenannten Ernsten Bibelforscher hinein und enthüllte diese neue Bewegung als eine Geldmache des jüdisch-amerikanischen Freimaurertums."

Und weiter Lama: „Dabei spielte besonders ein Brief eines Hochgradfreimaurers eine Rolle, der die interessanten Mitteilungen enthält:
„Wir geben ihnen (den Ernsten Bibelforscher) auf dem bekannten indirekten Wege viel Geld durch eine Anzahl Brüder, die während des Krieges sehr viel Geld gewonnen haben; es tut ihrer dicken Brieftasche nicht weh. Sie gehören zu den Juden ...
Die katholischen Dogmen sind unseren Plänen lästig, deshalb müssen wir alles tun, ihre Anhängerschaft zu vermindern und sie lächerlich zu machen."

Mister Binkele, der verantwortliche Leiter der E. B. in der Schweiz, vertreten durch jüdische Advokaten, wurde zu 600 Franken verurteilt, der von ihm wegen Verleumdung Beklagte (ein Protestant) freigesprochen."

Diese „Information" ist schon mal dahingehend als unzulänglich zu bezeichnen, als der Prozess, aus formaljuristischen Gründen, genannten Ausgang nahm.
Die „Aktivlegitimation" der Bibelforscher wurde schon mal in Zweifel gezogen (ein geschickter Schachzug der Anwälte des Angeklagten Dr. Fehrmann, ohne Zweifel).
Desweiteren interessierte sich das Gericht für den ominösen „Freimaurerbrief" keineswegs in aktiver Weise.
Es reichte dem Gericht aus, dass seitens der Bibelforscher, die gegen sie gerichteten Anwürfe, lange Zeit „klaglos" hingenommen wurden (jedenfalls auf der justiziablen Ebene). Wegen dieser Sachlage hielt das Gericht auch keinerlei Eintritt in die Frage vonnöten, den Wahrheitsbeweis oder dem Gegenteil davon, den Freimaurerbrief betreffend, nachzugehen.
Insoweit ist es eine Falschdarstellung, als hätten die Aussagen jenes Freimaurerbriefes das Gericht tatsächlich „beschäftigt", was eben nicht der Fall war.
Es wurde allein unter Verfahrenstechnischen Aspekten letztendlich ein Urteil gefällt.
Zum Verständnis der ganzen Angelegenheit wäre auch die Kenntnisnahme der Vor- und Nachgeschichte, welche sich besonders mit dem Namen des Herbert von Bomsdorff-Bergen verbindet, vonnöten.
Ohne diese Detailkenntnis, wird derjenige der sie nicht hat, weiter im Nebel herumirren.
Details zu Bomsdorff-Bergen
In der zeitgenössischen Publizistik (das ganze spielte sich überwiegend auf der Ebene von Artikeln in Tageszeitungen ab) ragt als eine Überdurchschnittlich relevante Quelle der Artikel im „St. Galler Tagblatt" vom 27.Oktober 1924
Abendlatt Nr. 253 heraus, der im nachfolgenden einmal etwas näher vorgestellt sei.
„Verleumdungsprozeß der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher"

war jener Artikel überschrieben.
In der Sache wird dann mitgeteilt:
„Anläßlich eines Vortrages von Prof. Dr. (Ludwig) Köhler über die Internationale Vereinigung ernster Bibelforscher in der Freien Protestantischen Vereinigung am 21. Januar (1924) hat in der Diskussion ein jüngerer Arzt, Dr. F(ehrmann), Vorstandsmitglied der Christenwehr, das Wort ergriffen und behauptet, das internationale Judentum wende der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher seine reichen Geldmittel zu, um durch sie Verwirrung in die westeuropäische Christenheit hineinzutragen. Dr. F(ehrmann) berief sich dabei namentlich auf einen in der Presse erschienenen Brief, der bis heute keine Widerlegung gefunden habe."

Die Story geht weiter mit dem Bericht:
„Im Anschluß an die Berichterstattung im "St. Galler Tagblatt" von einem jüdischen Einsender angegriffen, erwiderte Dr. F(ehrmann) mit einer Erklärung, in welcher er an seiner Überzeugung, daß das internationale Judentum die Bibelforscherbewegung finanzieren helfe, festhielt. Eine Aufforderung, die „Ehrverletzung" zurückzunehmen ist abschlägig beantwortet worden.
Am 14. April reichte sowohl die I.V.E.B. als deren verantwortlicher Leiter in Zürich gegen den St. Galler Arzt Klage ein, wegen Verleumdung und Beschimpfung durch die Druckerpresse mit dem Rechtsbegehren, diese als gerichtlich aufgehoben zu erklären, den Kritiker angemessen zu bestrafen und die Publikation des Strafurteils im "St. Galler Tageblatt" zu verfügen, alles unter Kostenfolge."

Über die eigentliche Gerichtsverhandlung vernimmt man dann:
„In den mündlichen Gerichtsverhandlungen, die anderthalb Tage in Anspruch nahmen, erhob der Beklagte fürs erste die Uneinläßlichkeitseinrede, da die I.V.E.B. angesichts des Fehlens wesentlicher Merkmale kein Verein im Sinne des schweizerischen Rechtes sei, habe sie in einer Flugschrift doch selber erklärt, sie sei weder Sekte noch geschlossener Verein, besitze weder Zaun noch Zwang, führe weder Mitgliederlisten noch habe sie Statuten, kenne keine Eintritts- noch Austrittsformalitäten und verlange auch sie Mitgliederbeiträge. Sie stelle auch nicht eine Religionsgesellschaft dar, die nach St. gallische Recht Rechtspersönlichkeit und Prozeßfähigkeit besitze."

[Einfügung. Dazu kann man beispielhaft eine Passage aus der 1919 publizierten WTG-Flugschrift „Der Fall Babylons" vergleichen

Ende der Einfügung]
„Das Bezirksgericht hat die Aktivlegitimation der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher verneint, dagegen diejenige des verantwortlichen Leiters in Zürich bejaht.
Der Präsident der Vereinigung in den Vereinigten Staaten habe übrigens öffentlich 1000 Dollars jedem versprochen, der den Beweis dafür erbringe, daß der Vereinigung aus einer jüdischen Bank jemals Geld zugeflossen sei - was auch in der Versammlung in St. Gallen bemerkt ist.
Die Behauptung von Zusammenhängen der Lehren der Bibelforscher und des Judentums sei falsch, ebenso beständen keine Beziehungen zur Freimaurerei und dem Bolschewismus.
Die Quellen des Beklagten seien antisemitische Hetzliteratur, was dieser bestritt."

Bemerkenswert auch diese Passage
„Im Hinblick auf den „bevorstehenden Weltuntergang" seien schon Versicherungspolicen zurückgekauft worden."

[Einfügung. Wer das bestreiten sollte der sei in der Neuzeit vielleicht an den Fall Erich Brüning erinnert, welcher in seiner Publizistik selbst von sich berichtet. Um seiner Betörung entsprechen zu können für die WTG in einem „Hilfe tut Not-Gebiet" zu wirken, habe er sich Teile seiner Rentenversicherung vorzeitig auszahlen lassen. Solcherlei Betörte, gab es mit Sicherheit schon in den zwanziger Jahren. Ende der Einfügung; weiter im Zitat]
„Der Kampf gegen sie (die Bibelforscher), deren das Christentum verlästernde aufdringliche Propaganda verschiedene Regierungen zu Maßnahmen veranlaßt habe, sei Heimatschutz gegen geistige Überfremdung, Verteidigung und Schutz der auf christlicher Grundlage aufgebauten Staatsordnung.
Von alten, in so manchen Schriften erhobenen und dem Beklagten wieder aufgenommenen Vorwurf hätten sie sich bisher nicht zu reinigen vermocht, so daß der Beklagte seine Äußerungen habe für wahr halten dürfen. Übrigens werde der Beweis anerboten, das Zeugnis des Verfassers eines Buches das einen Freimaurerbrief vom 27. Dezember 1922 an einen schweizerischen Freimaurer enthielt, der die Bibelforscher in allem unterstützen sollte, um so die Anhängerzahl der Feinde (Protestanten und Katholiken) zu vermindern. In diesem Brief, der auch vom "Morgen" in Olten publiziert worden ist, wobei der Anwalt der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher den Klagetermin verpaßt hat, soll stehen...
(Hier
muß beigefügt werden, daß der Verleger des Buches diese Veröffentlichung auf Verlangen der klagenden Bibelforscher wiederrief, mit der Begründung, daß das Original von einer Zeitungsredaktion unterschlagen worden sei. Der Verfasser besteht aber auf der Echtheit des Briefes.)"

Zur Substanz des Gerichtsurteiles überleitend:
„Das Bezirksgericht St. Gallen hat die Klage des Generalbevollmächtigten der Ernsten Bibelforscher abgewiesen und dem Kläger eine Gerichtsgebühr von 150 Fr. auferlegt. Der Kläger hat den Beklagten mit 450 Fr. außerrechtlich zu entschädigen.
Auf den offerierten Wahrheitsbeweis ist das Gericht nicht eingetreten. Die Abweisung der Klage erfolgte mangels objektiven Tatbestandes. Nach der Auffassung des Gerichtes ist der Vorwurf der Bestechung, in welchem die Ehrverletzung erblickt wurde, nicht erhoben Es war nicht gesagt, daß unsere Bibelforscher und der Kläger F. von derartigen Dingen Kenntnis haben müßten und Geld annähmen. Es wurde nur vom Zweck, den das Judentum mit seinen Zuwendungen verfolge, gesprochen. Daß die kritisierte Bewegung innerhalb der Christenheit Verwirrung anrichte, sei ganz natürlich. Nicht gesagt worden sei, daß die Bibelforscher von den Juden Geld erhielten, um sich kaufen zu lassen. In der Behauptung, daß die Juden Geld gäben, liege keine Ehrverletzung...."

Ebenfalls am 27. 10. 1924 brachte die gleichfalls in St. Gallen erscheinende Zeitung „Die Ostschweiz", einen ähnlichen Bericht zum Thema, welcher sich aber inhaltlich mit dem Bericht des „St. Galler Tagblatt" in etlichen Details, inhaltlich überschneidet. Auf der Suche nach dem, was im Bericht der „Ostschweiz" als vielleicht eigenständige Berichtselemente gewertet werden können, seien aus letzterem Bericht noch diese Details zitiert.
Aus der Sicht des Klägers, also Binkele,

„werde den Klägern Bestechung vorgeworfen und der Bewegung unlautere und materielle Interessen unterschoben. Alle seriösen Gegner der Vereinigung erblickten darin eine Verleumdung.
... Die Behauptung von Zusammenhängen der Lehren der Bibelforscher und des Judentums seien falsch, ebenso beständen keine Beziehungen zur Freimaurerei und dem Bolschwismus ... Als Gegenbeweis gegen den erhobenen Vorwurf produzierte Kläger eine eidesstattliche Erklärung des Generalkassiers der Gesellschaft ... und offerierte das Zeugnis eines Kantonsbuchhalters, der als Buchexperte fungiert hat. Die Mittel flössen alle als Gaben der Gläubigen."

Dann wird im weiteren auf das Plädoyer des Anwaltes des Beklagten eingegangen, welcher sich da in „längeren Ausführungen" produzierte. In selbigen auch die Passage:
„Deren leitende Personen (der Bibelforscher) schon für die Jahre 1843/44, dann wieder 1914,17,24 und 25 den Weltuntergang vorausgesagt hätten (was einem Zuhörer zur Bemerkung Veranlassung gab, was für einen Sinn denn diese Klage noch habe).

Unterstellt, die „Ostschweiz" habe richtig berichtet, wäre dann aber anzumerken, die Miterwähnung der adventistischen Daten 1843/44 mit gleichem Atemzug mit Daten der Bibelforscher, zeugt nicht gerade von sonderlicher Differenziertheit der Argumentation.
Da ja nun dieser Dr. Fehrmann sich in diesem Gerichtsverfahren in dem Status des Beklagten befand, ist sicherlich die Argumentation seines Anwaltes auch dahingehend interessant, wenn er dem Gericht gegenüber plädierte:
„Als unrichtig bezeichnete der Anwalt des Beklagten die Behauptung der Kläger, daß ihnen Bestechlichkeit, Käuflichkeit vorgeworfen worden sei. Übrigens treffe der hauptsächlichste Vorhalt der eingeklagten Bemerkungen die Juden. Den Bibelforschern werde - in guten Treuen - nur vorgehalten, daß sie von ihnen Geld empfingen, was keine Schande sei, wenn es einem guten Zweck
diene, wie die Bibelforscher doch behaupteten. So liege weder Verleumdung noch Beschimpfung vor, denn auch die Beleidigungsabsicht fehle. Redliche Motive und rechtlicher Endzweck seien dem Beklagten nicht abzusprechen. Er habe lediglich vom Recht maßvoller Kritik Gebrauch gemacht, gegenüber ausländischen Agitatoren, die unter Mißbrauch des schweizerischen Gastrechtes ihren Kampf mit ganz außergewöhnlichen Mitteln führten. Im Schutz der Klage würden die Bibelforscher einen Freibrief erblicken ..."

In Deutschland war es dann der katholische Publizist von Lama, welcher besonders in verschiedenen Publikationsorganen, das Thema des St. Galler Prozesses hochkochte. Etwa im "Miesbacher Anzeiger" vom 13. 11. 1924. Auch in „Neues Münchener Tageblatt" vom 11. 11. 1924. Letzteres Blatt bot dem Lama offenbar noch die umfänglichste Tribüne. Die anderen, wo er auch publizierte, haben seine Texte eher nur gekürzt offeriert.
So sei denn auf der Basis des „Neuen Münchener Tageblatt" noch etwas zitiert, was von Lama da so meinte „zum besten" geben zu können.
Einleitend tönt er schon mal vollmundig:
„Nun weiß man es, wer hinter den "Ernsten Bibelforschern " steht, die auch bei uns ihr Unwesen treiben, nämlich amerikanische Juden und Freimaurer. Die Entlarvung ist in diesen Tagen in der Schweiz vor dem Bezirksgericht St. Gallen erfolgt."

Er unterstellt also ein Prozeßergebnis, das wie die vorstehend zitierten Aussagen aus dem „St. Galler Tagblatt" belegen, so gar nicht gegeben war.
Die Causa Fehrmann liest sich dann bei ihm so:
„Darauf gingen die "Ernsten Bibelforscher" gegen Dr. Fehrmann zum Angriff vor, denen er mit folgender Erklärung im St. Gallener Tagblatt erwiderte:
"Die von mir in der Diskussion vertretene Ansicht halte ich im vollen Umfange aufrecht. Eingangs nämlich stellte Herr Prof. Köhler die Behauptung auf, daß es ihm ein Rätsel sei, woher die "Ernsten Bibelforscher" die reichen Geldmittel zu ihrer Propaganda beziehen. Im gleichen Atemzuge aber betonte er entschieden, daß nicht jüdisches Geld mitspiele. Gegen diese Ansicht vertrat ich meine Überzeugung, daß die Juden das größte Interesse an der möglichst raschen Ausbreitung der Lehre der "Ernsten Bibelforscher" haben und daß das internationale Judentum deswegen diese Bibelforscherbewegung finanzieren hilft, weil es hofft, durch Verwirrung
der Christenheit seine Ziele zu erreichen. Daß die Lehre der "Ernsten Bibelforscher" geistige Verwirrung hervorruft, hob auch der Referent wiederholt hervor."

Dann kann von Lama seine eigenen antisemitischen Ressentiments kaum verhüllen, wenn er auch die nachfolgende Formulierung verwendet:
„Die "Ernsten Bibelforscher" und Mister Binkele (jidisch Pinkeles, amerikanisch Bainggele), Bürger der Vereinigten Staaten, waren durch das jüdische Advokatenbüro Dr. Liebermann in Zürich vertreten, in dessen Auftrag der ehemals polnische Jude Dr. Adam Reichstein den Prozeß führte."

Als wenn denn die Frage wirklich relevant wäre, welcher Religion denn die engagierten Rechtsanwälte zugehörig sind.
Seine Formulierung „polnische Jude Dr. Adam Reichstein den Prozeß führte"

erfüllt schon mal den Tatbestand der unsachlichen Schmähkritik seitens des von Lama.
Über den Anwalt des Dr. Fehrmann und dessen agieren, meinte von Lama ausführen zu sollen:
„Nationalrat Duft, der Vertreter Dr. Fehrmann's, legte die Ziele und Wege der "Ernsten Bibelforscher" dar und deckte ihre Verbindungen auf, nämlich den engen Zusammenhang zwischen den "Ernsten Bibelforschern" und den Juden.
Dieser gehe hervor aus der Schrift Rutherford's: "Millionen jetzt Lebender werden nie sterben", welche eine Verherrlichung des Judentums, namentlich des Zionismus und seines Vaters Herzl's ist und die, da es sich um eine Schrift der "Ernsten Bibelforscher" handelt, zwingend auf die intime Verbindung mit dem internationalen Judentum schließen läßt. Überdies erklärten die "Ernsten Bibelforscher" anfangs, daß sie für jeden Dollar, der nachgewiesen werden könne, daß er jüdisches Geld sei, 1000 Dollar geben werden; dann schränkten sie ihr Angebot ein, indem sie 1000 Dollar demjenigen versprachen, der nachweisen könne, daß jüdisches Geld an die "Ernsten Bibelforscher" gehe, während jetzt im Prozesse selbst der jüdische Anwalt noch weiter zurückging und 1000 Dollar nur mehr versprach, daß eine jüdische Bank den "Ernsten Bibelforschern " Geld zugehen
habe lassen."

Eine Reihe anderer Presseorgane, berichtete mit Variationen in ähnlichem Sinne. Etwa die „Thurgauer Zeitung" (St. Gallen, Schweiz vom 27. 10. 1924); oder Deutschland die „Nationale Rundschau" Bremen vom 6. 11. 1924 und noch weitere. Diese Berichte überschneiden sich inhaltlich weitgehend mit den bereits vorgestellten. Eine wörtliche Zitierung brächte also keinerlei relevanten Erkenntnisgewinn.
Soweit es die gleichfalls tendenziöse Berichterstattung der "Münchner katholischen Kirchenzeitung" anbelangt, wurde auf die schon früher eingegangen.
Siehe dazu:

Mysnip.113818
Gleichwohl ist einzuräumen, dass die "Münchner katholische Kirchenzeitung" zusätzliche Aspekte, relevanter Art mit ansprach, welche andernorts so nicht dargestellt sind. Insoweit besitzen die Berichte der MKZ zum Thema, durchaus einen hohen Quellenwert.

Im Jahre 1933 ragte dann besonders die auf der Berlin-Wilmersdorfer WTG-Veranstaltung von der WTG publizierte „Erklärung" hervor, mit den dann später vom vormaligen WTG-Funktionär Wrobel wegzensierten Sätzen:
„Man möchte uns gestatten hier darauf aufmerksam zu machen, daß in Amerika, wo unsere Bücher geschrieben wurden, Katholiken als auch Juden sich miteinander verbunden haben in der Beschimpfung der nationalen Regierung in Deutschland und in dem Versuch, Deutschland zu boykottieren wegen der von der nationalsozialistischen Partei verkündigten Grundsätze."

Auch wenn Zensor Wrobel an diese Sätze nicht mehr so gerne erinnert werden möchte, ändert das ja nichts an dem Umstand, dass sie in den zeitgenössisch verbreiteten und auch bei Hesse/Harder in ihrer Publikation dokumentierten Textvarianten, enthalten waren.
Es gäbe zu jener „Erklärung" nebst Begleitschreiben unter anderem an Hitler, sicherlich noch
weiteres anzumerken, was aber früher bereits vielfältig geschehen ist.

Weitaus im Windschatten dagegen steht ein ebenfalls „Erklärung" überschriebener WTG-Text gleichfalls aus dem Jahre 1933.
Unter Zugrundelegung eines Exemplares selbiger, heute im Stadtarchiv Nürnberg vorfindlich, zeitgenössisch zur Kollektion des „Stürmer"-Archives gehörend, sei die auch einmal erwähnt.
Einleitend postuliert jener Text:
„Christen ... die sich auf einem Kongress in Wien und Bern versammelt haben, geben hiermit freudig die Erklärung ab
Feinde der Wahrheit haben falsche, verletzende und verleumderische Anklagen über uns ausgestreut."

Dann verwahrt man sich gegen eine Unterstellung man würde mit Kommunisten und Sozialisten zusammenarbeiten.
Auch in Österreich und der Schweiz, war solch eine These - ohne Zweifel - Rufschädigend.
Zwar folgten beide Länder zu der Zeit nicht dem nazistischen Zeugen Jehovas-Verbot. Allzuweit entfernt indes, waren sie sicherlich nicht, wie namentlich die Geschichte in Österreich noch zeigen sollte.
Dann gibt es in jener „Erklärung" auch noch den sicherlich nicht unerwarteten Satz:
„Es ist auch von unseren Feinden fälschlich behauptet worden, wir würden in unserer Tätigkeit von den Juden finanziell unterstützt. Dies ist absolut unwahr, bis zur gegenwärtigen Stunde."

Just dieses Argumentationselement gab es ja so in der Berlin-Wilmersdorfer „Erklärung" nicht. Indem es jedoch besagte „Erklärung für Österreich/Schweiz ausdrücklich wiederholt, offenbart sich die Langzeitwirkung dieser These.
Aber auch das muss gesagt werden. Rutherford hatte ja inzwischen, besonders in seinen Büchern „Rechtfertigung", die vormalige Zionismusbegünstigung gekippt, welche noch in den Büchern „Die nahe Wiederherstellung Israels" (Russell) oder „Trost für die Juden" (Rutherford) Triumphe gefeiert hatte. Jetzt war auch die WTG-These, im Chor der religiösen Antisemiten mitzuheulen.
Das liest sich in besagter „Erklärung" dann so:
„Die Juden dagegen verwerfen Jesus Christus völlig und leugnen hartnäckig, dass er der Erlöser der Menschen sei, der von Gott zum Nutzen des Menschen gesandt wurde. Schon allein diese Tatsache sollte genügender Beweis dafür sein, dass wir von den Juden nicht unterstützt werden und dass die Anschuldigungen gegen uns in böser Absicht vorgebracht worden und falsch sind."

Jene „Erklärung" endet dann mit den Sätzen:
„Es wird hierdurch beschlossen, je ein Exemplar dieser Erklärung den hohen Regierungsbeamten zu überreichen und dieselbe allgemein zu verbreiten, damit der Name Jehovas, des höchsten Herrschers im Universum, weiter bekannt gemacht werde."

Danach wird dann noch für die Rutherford-Broschüre "Zuflucht zum Königreich" Reklame gemacht, dies sei „der Titel von Richter Rutherfords neuester Broschüre". Und als Impressumsangabe gibt es dann den Satz:
„Für Österreich verantwortlicher Herausgeber;
Walter Voigt, Wien 7, Halbgasse 26"

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