Eunice Spry

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 07. Februar 2010 00:32

Den wesentlichen Sachverhalt, bringt dann wohl schon der Text auf dem Buchumschlag zum Ausdruck

Jener Text deutet es zwar schon an; es handelt sich um den "Erziehungserfolg" einer religiös geprägten Frau, spricht es aber noch nicht aus, von welcher Schattierung die denn sei.
Und das Land des Geschehens ist auch nicht Deutschland, sondern England.
Gleichwohl die vermeintlich "biblische Begründung" die da auch durchscheint, das weis man spätestens dann hat man das Buch auch selbst gelesen, ist die, welcher die "Sonntagsredner der Zeugen Jehovas, mit Vorliebe einen "Heiligenschein" verpassen.
Pech nur, entpuppt sich dann letzterer als nicht ganz so heilig.

Nun werden selbige darauf antworten: "Einzelfall". Dann ist dazu zu sagen, auch solch ein Einzelfall ist einer zuviel.
Ich stimme vielleicht darin überein; auch in anderen Kreisen, wird man solche Einzelfälle belegen können. Ein Blick in die Tageszeitung bestätigt das ja nur zu oft.
Indes die "Sonntagsredner" sind in meinen Augen derart total verlogen, dass sie ja für sich reklamieren möchten, in ihren Kreisen sei das alles grundsätzlich besser.
Auch das widerlegt, seit es Internet gibt, eine Reihe von Links mehr als drastisch.
Siehe dazu auch
Die Unheile Welt (auch) der Zeugen Jehovas

Rückblickend stellt Christopher Spry fest:
"Was die anderen Fragen angeht, zum Beispiel, warum ich nicht weggelaufen bin oder mich nicht gewehrt habe - nun daran arbeite ich noch. Die einfachste Antwort, die, die am leichtesten zu verdauen ist, heißt: Wir wussten einfach nicht, dass wir schlecht behandelt wurden. .... Doch im Grunde wussten wir durchaus, dass wir keine normale Familie waren ... Wie wussten schon, dass normale Mütter nicht aus der Bibel zitieren, wenn sie ihre Kinder schlagen ..." (S. 265)

Er bescheinigt seiner Stiefmutter auch eine gewisse Form von Gerissenheit, etwa durch häufige Umzüge, um sich der Bewertung durch für Jugendschutz zuständige Behörden, so weit als möglich zu entziehen. (S. 269)

Eine gewisse doppelte Aktualität hat der Fall auch dergestalt, als jener Fall auch den Aspekt mit aufweist, das Opfer war zugleich doppelt Opfer, nämlich des auch von gewissen Kreisen hochgelobten Homeschooling, wo sich bekanntlich ein US-Richter kürzlich dazu entblödete, solchen Fans auch noch "politisches Asyl" zuzusprechen.
Zum Thema Homeschooling siehe auch noch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,43871,46256#msg-46256

Ein charakteristischer Satz zum Thema Homeschooling:

"Lesen und Schreiben haben mir meine Schwestern beigebracht. Auch ein bisschen Rechnen haben sie mich gelehrt, aber damit habe ich heute noch Probleme. Den Großteil dessen, was ich heute weiß, habe ich mir durch das Lesen der 'Encyclopaedia Britanica' angeeignet, von der Mutter ... alle Bände besaß. Dieses Lexikon war sozusagen mein Lehrer." (S. 51)

Zitat im Buch-Klappentext:
"Mit anderen Menschen kommen sie nur bei Versammlungen der Zeugen Jehovas in Berührung, da Eunice die Kinder auch zu Hause unterrichtet."

Die Schwere des Falles macht dann wohl auch die Angabe deutlich, dass die Täterin Eunice Spry in Folge zu vierzehn Jahren Haft verurteilt wurde (S. 7).

"Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht!" schrie Mutter, indem sie eine Bibelstelle zitierte. "Wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben." (S. 9)
Ein makabrer "Trost", dieses "... nicht sterben".

"Der Richter sagte, es sei der schlimmste Fall von Kindesmisshandlung, der ihm jemals untergekommen sei" (S. 17).
Auch über diesen Detailsatz wäre noch weiter nachzudenken.
Jener Richter war sicherlich im Laufe der Zeit schon mit anderen Kindesmisshandlungsfällen konfrontiert.
Der Unterschied wesentlicher Art dürfte dann wohl darin liegen, dass jene anderen Fälle eben kaum eine einschlägige Bibelstelle für ihr Fehlverhalten mit bemühen.

In Gesamtheit ist der Fall des Christopher Spry dahingehend zu werten.
Er wuchs nun bei einer Pflegemutter auf (Details weshalb und wieso in seinem Buch).
Schon dieser Umstand an sich spricht dafür, dass Komplikationen wohl vorprogrammiert waren, selbst wenn diese Pflegemutter eben keine Zeugin Jehovas gewesen wäre.
Die Rahmenbedingungen waren nicht so, dass saturierte Bürgerlichkeit gegeben wäre. Eher das Gegenteil davon.

Meine These dazu. Unter anderen Konstellationen wäre (vielleicht) jener Christopher Spry in das Milieu Jugendkriminalität abgerutscht, da Umweltbedingungen eben auch wesentlich sind.
Er wurde nicht kriminell, im Gegenteil "hochangepasst". Unter anderem auch daran angepasst, weder Weihnachts- noch Geburtagsfeiern selbst zu erleben.

Es war also eine Deformierung zum anderen Pol hin.
Ja, wäre diese Pflegemutter vielleicht "auf Rosen gebettet" gewesen. Wer weis, vielleicht wäre es dann nicht so gekommen wie es ist.
Aber sie war eben "nicht auf Rosen gebettet" und als Zeugin Jehovas, ohnehin einem permanenten Überlastungsstress ausgesetzt.

Dieser Überlastungsstress kulminierte dann eben bis zu dem Punkt, dass der urteilende Richter sich zu dem Ausruf genötigt sah:
"es sei der schlimmste Fall von Kindesmisshandlung, der ihm jemals untergekommen sei".

Und zu dieser Potenzierung, der schon grundsätzlich angelegten Problemlage, trug eben wesentlich das Eingebundensein in die Zeugen Jehovas-Religion mit bei.
Haben deren örtliche "Alteste" nichts gesehen, was sich da anbahnt?
Höchst wahrscheinlich wollten die auch gar nichts sehen.
Was die sehen wollten war allenfalls den Berichtszettel über den absolvierten Predigtdienst.

Erinnere man sich an den Fall Vjekoslav Marinic. Der nahm ja ein anderes, ebenfalls hochtragisches Ende.
Auch da war der Fall gegeben, Eltern zu haben, die eben nicht "auf Rosen gebettet waren"; aber im Sog der Zeugen sich befanden.

Wohin das Pendel letztendlich bei solchen Fällen ausschlägt. In die Richtung Marinic oder in die Richtung Spry, ist letztendlich eher von unbedeutenden Details der Rahmenbedingungen abhängig.
Auf jeden Fall aber wird das Pendel in eine Richtung ausschlagen, welche die "Sonntagsredner" einmal mehr desavouiert, zumindest in den Augen jener, deren Brille nicht total WTG-verkleistert ist.

Eine Leseprobe noch (S. 150)
"Eines Tages konnte Lulu fliehen.
Lulu war immer diejenige von uns gewesen, die am wenigsten akzeptieren konnte, wie wir behandelt wurden. Für mich war Eunice meine Mutter, ich kannte nichts anderes, und Karen hatte eher einen unterwürfigen Charakter. Lulu hingegen stand niemals so ganz unter Mutters Fuchtel. Sie war schon immer die aufmüpfigste von uns gewesen ...
Vielleicht lag es daran, dass sie etwas später als wir anderen als Pflegekind zu Mutter gekommen war und davor ein anderes Leben kennengelernt hatte. Auch wenn sie sich nicht bewusst daran erinnern konnte, hatte sie ein instinktives Wissen, das ihr einflüsterte: So behandeln Mütter ihre Kinder nicht. Das kann nicht richtig sein."

Gelesen in:
Christopher Spry
"Ich war Kind C"

Man vergleiche thematisch auch:
birlenberg.com/presse/Pflegemutter%20der%20sadistischen%20Misshandlung%20schuldig.doc

www.kids-lev.de/presse/alloma%20gilbert.doc
www.silentlambs.org/Fostermother_de.htm
www.bild.de/BTO/news/2007/03/22/pflegemutter-england/misshandlung-kinder.html

Zum Fall Marinic
Bericht zum Fall Marinic

kids-lev.com zum Fall Marinic

www.kids-lev.com/presse/VJEKOSLAV%20MARINIC%20%20%20Muenchen%2021.03.00.doc

Noch ein sich ebenfalls in England abspielender Erlebnisbericht:
Der Fall Phelan

Richard Rudolph

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 20. März 2010 05:22

Nun, man kennt es ja bereits vom Fall Leopold Engleitner. Geht einer auf die Einhundert Lebensjahre zu, oder überschreitet diese gar, sind selbst für einem vormaligen Straßenarbeiter, einige Ordensverleihungen angesagt, nebst sonstiger Vermarktung. Wobei man durchaus unterstellen kann, einige der Ordensüberbringer, hätten ein paar Jahrzehnte früher, über den nun von ihnen mit Orden behängten, nur die Nase gerümpft.

Nun hat also auch Herr Richard Rudolph das stattliche Alter von derzeit 98 Lebensjahren erreicht. Leute die ihn zu früheren Zeitpunkten kennengelernt, beschreiben ihn als ein relativ von Kraft strotzender Mann. Jedenfalls soll nicht jedem Gesundheit im gleichem Umfange vergönnt sein. Insofern mag sein noch im Alter von 98 Lebensjahren beschriebenes Rüstigsein, schon irgendwie nachvollziehbar sein.
Und dies trotz des Umstandes, dass zu seiner Biographie auch insgesamt 19 Haftjahre in den beiden deutschen Diktaturen gehörten.

Über "mangelnde" Vermarktung seit Beginn der WTG-Standhaft-Kampagne, brauchte sich dann sicherlich auch nicht Herr Rudolph zu beklagen. Nebst Herrn Popenberg, in einem seiner Videos, kann man Herrn Rudolph noch in einigen anderen "Standhaft"-Videoaufzeichnungen unter anderem bewundern.

Etwas verwundert war indes unsereins, als er gelegentlich vernahm, ein Herr Malessa von den Zeugen Jehovas beabsichtige, dann wohl mal den Fall Richard Rudolph auch in einer Buchpublikation vorzustellen. Und nachdem diese Kunde das erste mal zu vernehmen war, sind in der Tat einige Buchberichte von Zeitzeugen aus dem Zeugen Jehovas-Bereich zur Nazizeit erschienen. Nur eben jenes den Richard Rudolph betreffende eben nicht.

Offenbar hat sich nun besagter Herr Malesa, nach dem verkünden seiner "heiße Luft"-Thesen, doch dazu durchgerungen, die "Stafette" in der Sache weiter zu reichen.

Und so vernimmt man in diesen Tagen, die Abiturientin Ann-Jacqueline Frieser, habe sich mit Unterstützung der Herren Malessa und Dirksen, dieses Themas angenommen; und offenbar auch erfolgreich angenommen.
Sie wurde dafür beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung Hamburg, mit einem dritten Preis als Bundessiegerin ausgezeichnet. Gratulation!

Und da ihr Text, im Gegensatz zu anderen Texten der genannten Körber-Stiftung auch im Internet zugänglich ist (oder war), sei zu ihm dann noch einige "Randbemerkungen" hinzugefügt.
mahnmal-koblenz.de/index.php/component/content/article/380.html?98a1dd32f231e7a361ab189a66ee83a4=fb5660ceb09af283883d5fa334a01080

(Gleich noch eine Anmerkung zu vorgenannter URL.
Beim Versuch selbige gestern nochmals aufzurufen, bekam ich die merkwürdige Fehlermeldung:
"Fehler 403 Zugriff verweigert!
Sie haben nicht genügend Rechte, um diese Seite einzusehen oder es ist keine Startseite (z.B. Index.htm) auf diesem Server vorhanden."

Einen Tag vorher indes, war die Seite noch erreichbar:

Ergo die Empfehlung für Interessenten; es mit Alternativ-Stichworten über Google zu versuchen. Etwa
Ann-Jacqueline Frieser
Oder auch mahnmal-koblenz
Dann hat man dort noch die Option die Google-Cache-Funktion zu nutzen.
Offenbar scheint die Seite "mahnmal-koblenz" derzeit komplett außer Betrieb zu sein, wie vorstehend beschrieben. Es kann ja sein, dass sich das wieder normalisiert. Gestern war es jedenfalls nicht der Fall.

Weiter im Text:
Da Herr Rudolph im Jahre 1911 geboren wurde in Schlesien. Einem (damals) deutschen Landstrich rückständiger Art (jedenfalls wäre das meine Wertung), braucht man sich auch nicht zu wundern, dass just in dieser Gegend, die damalige WTG-Religion mit ihre größten relativen Erfolge einfahren konnte (jedenfalls gewertet im Vergleich zu anderen deutschen Regionen damaliger Zeit).

Offenbar besonders beeindruckt zeigte sich Rudolph von der Rutherford-Broschüre "Wohlfahrt sicher". Er selbst hat dies dann auch auf diversen "Standhaft"-Veranstaltungen so bestätigt.
Man vergleiche thematisch auch:
Forumsarchiv 249

Und auch
Forumsarchiv 280

Das war also der Köder, auf den auch Herr Rudolph im besonderen angebissen hatte.


Unter Bezugnahme auf einige seiner auf Video verewigten "Standhaft"-Auftritte, hatte ich von selbigem schon mal nachfolgendes Statement zitiert:
Nochmals das entsprechende (Teil)Zitat:

"Bemerkenswerterweise ist eine solche Ehrung (Präsidiumsmitglied) dem Doppelverfolgten Rudolph indes nie zuteil geworden. Auch sind seine anvisierten Erinnerungen, bis heute, niemals in Buchform der Öffentlichkeit zugänglich geworden, obwohl sich diesbezügliche (unerfüllte) Vorankündigungen nachweisen lassen.

Der Grund wird meines Erachtens auch im Schlußstatement dieses Rudolph deutlich. Namentlich welche Deutung er dem 1989er DDR-Mauerfall zuschrieb. Er ist mit seiner diesbezüglichen Aussage ein durchaus typisch zu nennender Vertreter religiöser Einfalt.

In Abwandlung seiner abgesessenen zwei Jahrzehnte Haft in beiden Diktatursystemen, ist man fast provoziert zynisch zu kommentieren. "Zwanzig Jahre Haft - Und kein bisschen Weise".
Es sei aber eingeräumt, dass solch eine Aussage in der Tat Ausdruck von Zynismus wäre. Sie sei daher nicht überbetont. ...
Laut Transkription der Videoaufzeichnung erklärte Rudolph:
Nachdem er im Gespräch bestätigte dass ein anderer Zeuge Jehovas (Günther Liebetraut) unter den harten Haftbedingungen "durchdrehte" Verfolgungswahn bekam und in die Psychatrie eingewiesen werden musste, äußert dann Rudolph ...

Solche Sachen gibt es auch.
Bodo Schönwald (Berlin)
Wurde entlassen
Hast de mal was von dem gehört: Nee, nie.
Wir hätten uns auch nie träumen lassen, in Waldheim einen Königreichssaaal zu haben, 80 Zeugen Jehovas. Und das ist auch nur deshalb, weil Jehova die Mauer weggerissen und nicht Gorbatschow oder irgend jemand anders.
Die Zeit war gekommen, dass Jehova auch in diesem Lande seinem Volke die Freiheit gab, um noch einmal ein großes Zeugnis zu geben, bevor der 'große Knatsch' kommt".


Dann sei noch darauf verwiesen, bereits vor Anlaufen der "Standhaft"-Kampagne, hatte Garbe in seinem einschlägigen Buch auch ein paar Sätze über diesen Richard Rudolph verlautbart. Unter anderem auch den:

"Richard Rudolph, der im Januar 1939 ins KZ Sachsenhausen eingeliefert wurde, berichtet, daß die dortige ("gemäßigte") Bibelforschergemeinde Glaubensbrüdern abgeraten habe, eine rigorose Haltung einzunehmen. Man habe ihm, als er die Verweigerung erwog, erklärt, dieses sei nicht notwendig und auch biblisch nicht gefordert, man betreibe dadurch keinen Götzendienst. Ein solches Verhalten wäre eine überflüssige und unnötige Herausforderung der SS. Die Sachsenhausener Zeugen Jehovas verurteilten diejenigen Glaubensbrüder nicht, die sich - weil sie glaubten, dadurch am besten ihrem Gewissen zu folgen - so verhielten, aber ein solches Verhalten wurde als nicht nachahmenswert dargestellt." (S. 408 Anm. 356).

Wer nun erwarten sollte, dass Ann-Jacqueline Frieser in ihrer Ausarbeitung, auch jenes Zitat aus Garbe würde mit einfliessen lassen (und das Buch von Garbe hat sie ja sicherlich auch gelesen), der allerdings hat eine verkehrte Erwartung. Dies wiederum verwundert nicht, denn Frieser sagt ja von sich selbst:
"Da ich heute selbst eine getaufte Zeugin Jehovas bin, fühle ich mich mit meinen Glaubensbrüdern eng verbunden."

Ergo setzt sie in ihrer Ausarbeitung andere Akzente.
Dies bringt sie schon in ihrer einleitenden Anmerkung zum Ausdruck:
"Heute gibt es eine Vielzahl von Vorstellungen dessen, was ein Held ist. "Google" liefert unter dem Stichwort "Held" 388.000.000 Einträge."

Das Thema Held oder nicht, scheint sie dann im besonderen noch umgetrieben zu haben. Das kommt dann auch in ihren Schlussvoten zum Ausdruck.
Da liest man von ihr erneut den Satz:
"Aus meiner (Frieser's) Sicht erfüllt er alle Voraussetzungen, um als Held bezeichnet zu werden."

Ganz so vollmundig will sie dann diesen Satz dann doch nicht stehen lassen, und relativiert ihn noch mit der Aussage:
"Ich komme daher zu dem Schluss:
Richard Rudolf ist kein Held. Richard Rudolf ist ein Vorbild."


So so "Vorbild". Wenn er denn ein "Vorbild" sei dann ist er meines Erachtens auch ein exemplarisches Veranschaulichungsbeispiel für das Narrentum, unter Seinesgleichen.

Ich habe keinen Streit darüber, dass die beiden deutschen Diktaturen in ihrer Zeugen Jehovas-Politik maßlos überzogen haben, dass somit auch Rudolph Opfer beider Diktaturen ist.
Der Wertung indes, dieses Beispiel im Sinne des heldischen zu verklären, schließe ich mich nicht an.
Da ziehe ich es dann doch lieber vor, den bereits genannten Dr. Garbe noch einmal zu zitieren; und zwar mit dessen Aussage;


Auf den Aspekt, dass in allen früheren Ausführungen der Familienname als "Rudolph" geschrieben wurde, während Friese ihn offenbar in "Rudolf" umtauft, sei nicht weiter eingangen. Es sei nur als "Fußnote" mit erwähnt.

Dann seien doch mal ein paar Sätze aus der 1928 erstmals erschienenen Rutherford-Broschüre "Wohlfahrt sicher" zitiert, die es ja Herrn Rudolph im besonderen angetan hatte (gemäss eigenem Bekunden). Sicherlich bringt ja das Titelbild schon "einiges rüber". Die Russell'schen "Schriftstudien" hatte er ja schon gar nicht mehr verinnerlicht. Die befanden sich zu seiner Konvertierungszeit, bereits auf dem Abstellgleis.
Aber sicherlich kann man nachvollziehen, dass so mancher in jener Idylle leben möchte, welche da jenes Titelbild suggeriert.

Hat er persönlich dann diese Idylle bekommen? Mit seinen neunzehn Jahren Haft wohl kaum.
Aber einer hatte diese Idylle in der Tat nach bekommen. Jener Herr Rutherford, in seinem "Beth Sarim".
Und damit das alles so für Rutherford laufen konnte, war auch ein gewisser Preis vonnöten. Unter anderem der Preis von Kanonenfutter und Treppenterier.
Von beiden Aspekten dürfte dann auch Herr Rudolph seinen Teil mit kassiert haben.
Mag ihm auch ein ähnlich langes Leben wie dem Herrn Engleitner beschieden sein. Mag er im hohen Alter noch eine zweite Ehefrau aus dem Bereich der Zeugen Jehovas gefunden haben (nach dem Tode seiner ersten Frau). Mag man diesen Umstand für ihn als individuellen Glücksumstand werten (außerhalb der Zeugenkreise dürften wohl seine Chancen zu einer zweiten Eheschließung im hohen Alter, eher als bescheiden einstufbar sein).

So ändert das alles dennoch nichts an dem Umstand, dass auch er für die Rutherford'sche WTG nur letztendliches Kanonenfutter war.
Nun aber noch zu den Zitaten aus "Wohlfahrt sicher"; wobei insbesondere das "sicher" schon ein Hohn ist.

Auf Seite 13 belehrt Herr Rutherford da schon mal:
"Vor allem sind lange nicht alle Geistliche auch wirkliche Christen."

Derart Glaubensgewiß geht es dann weiter mit der These:
"Anstatt das Volk auf das einzige Rettungmittel, dass Gott beschafft hat, hinzulenken, reden sie den Leuten ein, wie eben erklärt, dass das Großgeschäft, die Politik und sie, die Geistlichen, des Volkes Wächter und Retter seien. Viele dieser Geistlichen nennen sich Modernisten. ..." (S. 14).

Als weitere "Weisheit" weis Herr Rutherford zu verkünden:
"Als Wahrheitsbeweis, wie sehr die politischen Machthaber, ihre Bundesgenossen, diese Prediger, wertschätzen, diene das Wort des Kriegssekretärs Lane: "Der Krieg hätte ohne die Kirche nicht geführt werden können." (S. 26)

Ob den die frühe WTG diesbezüglich "besser" war, darf man in objektiver Einschätzung der Sachlage, mehr als bezweifeln. Auch wenn Frau Friese da die einschlägigen Persilscheinthesen der WTG nachplappert. Einer objektiven Prüfung halten die nicht stand.

Dann spielt Rutherford auf dem Antikapitalistischen Klavier:
Zitat:
"Die Tatsachen zeigen aber, dass im Jahre 1927 in den Vereinigten Staaten 524 Banken weniger waren als im Jahre 1921. Die großen Kooperationen verschlingen auch die kleinen Banken.

Fünf große Kooperationen in Vereinigten Staaten haben innerhalb von fünf Jahren ihren Besitz um 55% vermehrt.

Selbst die Gerichte in verschiedenen Staaten sind durch das Großgeschäft verderbt worden. Wo immer das Geschäft im Kampf gegen das allgemeine Volk steht, findet das Volk kein Gehör in den Gerichten."

(S. 30, 33, 37)

Also Rutherford verkauft sich als "Wohltäter" des kleines Mannes. Seine Wohltaten in der Substanz indes, erweisen sich als hohle Phrasen.

Und einer der diese Hohlheiten eben mit inhaliert hat, war eben auch der Herr Rudolph.
Orientierungslose, zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise gab es viele. Und Rudolph seine Konvertierungszeit ist identisch mit diesem Zeitraum.
Man kann das alles auch so werten, das er wähnt im religiösen Opium, in einer schwierigen Zeit, Halt gefunden zu haben. Damit blieb ihm erspart, sich in dieser Zeit, für die Linken oder die Nazis zu entscheiden, wie es viele andere seiner Generation taten.
Er ersparte sich das eigene Denken, und ließ für sich die WTG-Gurus denken.
Solche Menschen als Vorbilder verkaufen zu wollen, ist wohl ziemlich gewagt.

Nach dem Abitur will die Autorin einige Monate im WTG-Büro Estland tätig werden, vernimmt man weiter.
Da ihr als Frau dort wohl kaum sonderliche Aufstiegschancen (wie generell bei der WTG) in Aussicht stehen; kann ich mir doch einen etwas zynischen Kommentar nicht ganz versagen:
Die "dümmsten Schweine" suchen sich ihren Metzger selbst!

Re: Ralf Isau

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 30. März 2010 04:24

In einem im Internet lesbaren Interview von ihm vernimmt man auch den Satz:

"Ich bin gläubiger Christ. Die Bibel ist für mich nach wie vor das bedeutendste Buch der Literaturgeschichte. Allerdings wurde im Namen der Religion, auch des christlichen Glaubens, immer wieder viel Unheil angerichtet. Das berührt mich zutiefst, weshalb auch in meinen Büchern immer wieder religiöse Fragen reflektiert werden. Einige Religionsvertreter schneiden in meinen Büchern nicht sonderlich gut ab, andere sind wahre Helden."
www.phantastik-couch.de/interview-mit-ralf-isau.html

Und weiter in diesem Interview auch; er habe es etwa seit 2002 geschafft, Roman-Schriftstellerei zu seiner Haupt-Berufs-Beschäftigung zu gestalten.
Ein Faktum das wohl nicht jeder von sich sagen kann, der sich auch mal auf diesem Sektor versucht.
Nun kann ich für mich persönlich nur sagen. Romane lesen ist nicht "mein Bier". Da müssen schon besondere Umstände vorliegen, um eine Ausnahme von dieser Regel zu machen.
Mancher Roman erinnert mich dann auch an "Seifenopern" im Fernsehen, welche ebenfalls nicht "mein Bier" sind.

Gleichwohl kann man ja nicht verallgemeinern.
Was einem persönlich nicht sonderlich zusagt, mögen andere ganz anders sehen.
Nun, zumindest einen Roman von dem noch zu benennenden Herrn, habe ich mir doch mal angesehen. Vielleicht auch nur mehr darin geblättert, denn gelesen, denn 460 Seiten dieses Genres, sind für mich auch ein "Graus". Kommt die Vokabel "Graus" in dem Interview zwar nicht mit vor, so äußert er etwa selbst befragt auf die "Harry Potter Romane", ob er die denn alle auch gelesen habe:
"Nein. Ich habe den ersten Band gelesen und das hat mir genügt."

A ja, dann darf ich das "Kompliment" gleich zurückgeben. Und mir hat sein "Jabbok"-Roman ebenfalls schon genügt.

Nun hat der zu besprechende Herr Ralf Isau, offenbar noch andere Kritiker seiner selbst gefunden.
Und einer dieser Kritiker (offenbar aus der katholischen Ecke) äußert auch:
"Ein entscheidender Schlüssel zum religiösen Hintergrund der Werke Isaus findet sich meines Erachtens bereits in seinem zweiten Werk, dem mittleren Band der Neshan-Trilogie. Dort heißt es vom sympathischen Hauslehrer des Jonathan Jabbok:

»Der Lehrer nickte und wandte sich dem guten Dutzend Bücher zu, indem er seine Hände auf die Knie stützte, um die Aufschriften auf den Buchrücken besser lesen zu können. Hier und da nahm er einen Band heraus und blätterte darin. Als er eine Abhandlung mit dem Titel Das vollendete Geheimnis aufschlug, lächelte er. "Ich kenne dieses Buch. Ich las es in Indien. Anfangs hat es mich nur interessiert, weil die Vereinigten Staaten und Kanada den Besitz des Buches im letzten Kriegsjahr vorübergehend verboten hatten. Als ich dann las, wie darin die Heuchelei der großen Kirchen und vor allem ihrer Führer verurteilt wurde, war ich wirklich begeistert"« (Neshan II, S. 159)
"Das vollendete Geheimnis" ist ein Buch der Zeugen Jehovas. Es wird in einem anderen Buch der Zeugen erwähnt, das einen ähnlichen Titel hat: "Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet". Dort heißt es:
"Im Juli 1917 wurde in Englisch das Buch "Das vollendete Geheimnis", der siebente Band der Schriftstudien, veröffentlicht... Der Kommentar dieses Buches stellt C. T. Russell als den 'siebenten Sendboten' dar." (C. T. Russell ist der Gründer der Zeugen Jehovas.)
www.k-l-j.de/Ralf_Isau.htm

Jenes eben gebrachte Zitat ist allerdings nicht in dem durchgeblätterten "Jabbok"-Roman, sondern in dem wohl Nachfolge-Roman "Das Geheimnis des siebten Richters" enthalten, den auch noch zu bewerten, mir die Zeit eigentlich zu schade ist.
Ich möchte mich da eher auf "Die Träume des Jonathan Jabbok. Ein phantastischer Roman" beschränken, und das auch nicht als "Gesamtbewertung", sondern nur als Detailnotiz.

Jene katholische Webseite benennt dann noch weitere Details für die Einordnung des Roman-Schriftstellers Isau in den weiteren Zeugen Jehovas-Kontext, die man da ja selbst nachlesen kann.

Offenbar schrieb Herr Isau noch mehr. So unter anderem einen mehrbändigen Roman-Wälzer mit dem Titel "Der Kreis der Dämmerung". Alle Bände von dem anzutun, ist mir die Zeit doch etwas zu schade. Ergo jetzt wiederum die Beschränkung auf einen dieser Bände, den zweiten, mit dem Untertitel "Der Wahrheitssucher". Und da ist für mich der Buchumfang (Taschenbuch-Ausgabe 827 Seiten Umfang, schon mal in den Bereich der Zumutung einsortiert. Wer das schafft zu "lesen" ist dann wohl ein Held. Ich befürchte eher, viele werden es ähnlich halten wie ich, und mehr oder weniger nur im Buch blättern; allenfalls dann einzelne Passagen noch etwas näher sichtend).

Eingebettet in die fiktive Geschichte eines Journalisten, der da zeitgenössisch so einige "Koryphäen" interviewt, begegnet man wieder mal einer klassischen Schwarz-weiss-Malerei. Und darf auch nicht verwundert sein, wenn in diesem Rahmen die zeitgenössischen Bibelforscher, sich auf der Seite der "Strahlemänner" befinden. Indes der religiösen Konkurrenz eher das gegenteilige Odium angeheftet wird.
Da erfährt man also bei Isau, das amerikanische "Brooklyn hatte viele Gesichter.
"Hier gediehen Gangster ebenso wie Heilige."
und zu Unterstreichung dieser These erfährt der Leser weiter, selbst der amerikanische Obergangster Al Capone, der dann später in Chicago zum mächtigsten Mann der Unterwelt aufgestiegen war; sei halt in Brooklyn aufgewachsen.

Um nun Brooklyn nicht zur "nur" Gangster-Enklave verkommen zu lassen, lässt es sich Isau angelegen sein, dem nun "strahlende Helden" gegenüber zustellen. Das liest sich dann bei Isau so. Der fiktive Journalist konnte von seinem Fenster aus "die Bibelforscher beobachten, wie sie geschniegelt und gestriegelt ihrer Cafeteria entgegenströmten. Gleich in der Nachbarschaft befand sich das Hauptbüro ihrer People's Pulpit Association. Wenn diese bibelfesten Männer und Frauen unter den goldgelben Blättern der Bäume entlangwanderten, lachten und scherzten sie, als hätte Gott längst alle Scarfaces von der Erde verbannt."

Da hat dann die religiöse Konkurrenz besagter Bibelforscher, erheblich weniger die Chance, auch in den Augen Isau's Gnade zu finden.
Da in einer Romanhandlung vielerlei möglich ist, eben auch das, dass besagter Journalist auch einige Koryphäen der katholischen Kirche interviewen konnte, darf man sich dann aber auch nicht wundern, dass besagter Journalist, besagten katholischen Koryphäen, ein paar insistierende Fragen unter die Nase reibt. Da ist vielleicht die Frage auf Seite 225 noch eine der "harmloseren" Art. Da werden besagte katholische Koryphäen von Isau mit dem Fragesatz "beglückt". Zitat:
"Mir ist zu Ohren gekommen - nur um ein Beispiel zu nennen -, daß der Vatikan Beteiligungen an Munitionsfabriken hält."

Das ist dann aber wohl nicht die einzigste insistierende Frage, welche sich katholische Kreise via des Sprachrohrs Isau und seinem fiktiven Journalisten gefallen lassen müssen.
Der lässt ein paar Seiten vorher (S. 199f.) seinem fiktiven Journalisten beispielsweise die Frage stellen, wie sich die Kirche zum Machtantritt der Nazis verhalten würde.
Und da meint Isau die Antwort zu vernehmen:
"In einer solchen Situation wären Vorsicht und ein kühler Kopf oberstes Gebot. Natürlich müsste sich der Heilige Stuhl mit den Nationalsozialisten auf die eine oder andere Weise arrangieren."

Und da Isau's Journalisten-Gesprächspartner kein geringerer als der spätere Papst Pius XII. ist, damals eben noch nicht Papst, hat er für diesen Herrn Pacelli auch noch ein paar ganz spezielle Fragen auf Lager. Und das gestaltete sich in der Lesart von Isau dann so. Er las dem Herrn Pacelli einiges aus dem 25. Punkte-Programm der NSDAP vor und ersucht um eine Stellungnahme dazu.

"Zum Beispiel hier, im Punkt vier heißt es: "Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein".

Und von besagten Herrn Pacelli wähnt Isau in seinem Roman, daraufhin die Antwort zu vernehmen:
"Die Kirche sollte sich nicht in die Angelegenheiten eines Staates einmischen. Außerdem sind wir nicht berechtigt für die Angehörigen des jüdischen Glaubens zu sprechen."

Da Isau's fiktiver Journalist, sich so schon mal in Rage geredet hat,hat er gleich noch ein paar Highlights zum "Nachlegen" mit auf Lager. Weiter im NSDAP-Programm zitierend liest man bei Isau (S. 201)

"Hier an achtzehnter Stelle ist das Programm ganz unmissverständlich: "Gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen, ohne Rücksicht auf Konfession und Rasse." Und so geht es immer weiter: In Punkt dreiundzwanzig wird die Presse ausgeschaltet. Nichtvolksgenossen sind aus den Zeitungsredaktionen zu entfernen, und in Punkt vierundzwanzig verpflichtet sich die Partei den "jüdisch-materialischen Geist zu bekämpfen" - was immer das heißen soll."

Und als Antwort auf Isau's insistierende Fragen, lässt er seinem fiktiven Journalisten die Reaktion des Pacelli darauf, wie folgt vernehmen:

"Monsieur!", warf Pacelli ein. "Es widerstrebt mir, Sie zu unterbrechen, aber meine Zeit ist zu kostbar, um mir ihre Tiraden gegen die Nationalsozialisten anzuhören ..."

Nun würde unsereins kommentierend dazu nur noch anmerken. Das alles geschilderte ist ja zeitlich auf die Zeit vor 1933 geortet. Sicherlich hat sich da die katholische Kirche (und andere), so wie es Isau darstellt, kaum mit Ruhm bekleckert. Da hätte - zumindest ich - keinen Dissenz mit Isau.

Nur, und das aber vergisst Isau in seiner Romanhandlung penetrant mit zu erwähnen. Zu denjenigen, die sich vor 1933 (und selbst noch im Jahre 1933) ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert haben, gehört auch die deutsche WTG.
Eine Auflistung diesbezüglich zu benennder Zitatstellen, etwa aus dem zeitgenössischen "Goldenen Zeitalter" der WTG, ist auch in der Datei
Anbiederung mit enthalten.
Dort weiter hinten der Detailabschnitt: "Exkurs: Und das Magdeburger "Goldene Zeitalter" schwieg".

Ausdrücklich kann Isau es sich indes nicht versagen, anläßlich des 1933er Zeugen Jehovas Verbot durch die Nazis, diesen (den Zeugen) dann noch den Glorienschein zu verpassen. Etwa nachlesabr auf den Seiten 459-461. Plakativ meint er da einen seiner Helden sagen zu lassen (S. 461):

"Nach der Schließung unseres Bethels in Magdeburg haben sie eine ganze Reihe von unseren Glaubensbrüdern verhaftet. Aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Wenn nötig, predigen wir im Untergrund weiter."

Auch bei dieser pauschalen Aussage, vermisse ich bei Isau notwendige Differenzierungen. Das 1933er Verbot von Mitte des Jahres, beinhaltete eben noch nicht umfangreiche Verhaftungswellen. Die stellten sich erst in der Folge der Mißachtung dieses Verbotes ein. Etwa nach der Wiederaufnahme, des zeitweilig selbst unterbrochenen sogenannten Predigtdienst der WTG. Und ein ganz besonderer motivierender Anlass für die Nazis, waren dann ihre 1933er November"wahlen". Und eben das bewusste registrieren der bei diesem "Volkszählungsanlaß" zu beobachtenden Nichtwähler.

Diese beiden Elemente. "Predigtdienst" und Nichtwählen, trugen wesentlich zur Eskalierung der Situation bei. Noch bis Anfang 1935 befanden sich hochrangige deutsche WTG-Funktionäre (Balzereit und Dollinger) noch unter den Nicht dauerhaft Verhafteten. Im Gegenteil, sie konnten noch vielfältig mit Nazibehörden zu verhandeln versuchen.

In seinem Roman "Das Museum der gestohlenen Erinnerungen", der vom Sujet her hin und her springt. Angefangen von einer polizeilichen Hausdurchsuchung in der Gegenwart, über Kandidaten für das Amt des Berliner Kultursenators, über die verschiedenen Museum's auf der Berliner Museumsinsel, bis zu historischen Rückblicken, etwa auf die faschistische Pogromveranstaltung "Reichskristalnacht" und anderes mehr, hält Her Isau es wieder mal für angebracht, auch das Zeugen Jehovas-Thema mit einzuflechten. Diesmal darf Max Liebster die Rolle der "Knetmasse" für Herrn Isau spielen.

Nun ist unsereins über den Fall Liebster schon vor Herrn Isau informiert gewesen, zumal es ja bereits zwei einschlägige Bücher (und auch Erwähnungen andernorts) dazu gibt.

Man kann sich aber erneut des Eindruckes nicht erwehren. Isau betreibt dabei wieder mal Rosenpickerei.
So lässt er in seinem Roman einen Juden, den er Simon Jisroel benennt, berichten. Er sei zusammen mit Liebster in demselben Transport gewesen, der ins KZ führte.
Das liest sich bei Isau dann so (S. 327f.)

"Auf meinem Transport nach Sachsenhausen lernte ich einen Mann kennen, dessen Leben mich mehr lehrte als meine eigenen Erfahrungen. Er hieß Max Liebster und war Jude wie ich. Anfangs sah ich ihn nicht, sondern hörte nur von ihm. Wir waren auf unserer vierzehntägigen Fahrt in Waggons zusammengepfercht, immer zwei Häftlinge in einem schmalen Verschlag. Max Liebster saß in dem Kabuff nebenan und bei ihm ein Bibelforscher."

Und weiter wähnt er zu wissen:
"In Sachsenhausen teilten Max Liebster und ich die gleiche Baracke."

Das Thema der Abschwörungserklärung, gegen deren Unterzeichnung ja theoretisch für Zeugen Jehovas eine Freilassung aus dem KZ möglich gewesen sein soll, verabsäumt Herr Isau auch nicht, noch "kunstvoll" in seinen Bericht mit einzubauen.

Nicht einbauenswert erachtet er indes dem Umstand, dass die wenigen, die jene ominöse Erklärung tatsächlich unterschrieben, keineswegs sofort freigelassen wurden, sondern davor noch einen "Spießrutenlauf" (symbolischer Art) zu absolvieren hatten.

Und soweit es sich um männliche Kandidaten handelte, war dann diese "Freilassung" in der Kriegszeit identisch, mit der Eingliederung in der Strafkompanien der Wehrmacht. Und selbige wurden von der Naziführung besonders dort eingesetzt, wo schon im voraus abschätzbar war. Die müssen einen besonders hohen Blutzoll zahlen.

Unter diesen Konstellationen reduzierte sich schon mal in beachtlichem Umfange der Teil jener, die eventuell bereit waren, die Abschwörungserklärung zu unterzeichnen.
Und die wenigen tatsächlichen Unterzeichner durften dann auch noch Spießruten laufen unter ihren Glaubensgenossen, indem die Nazis eben die sofortige Freilassung verweigerten.
Das hätte auch zu einem abrundenden Bild im Kontext Abschwörungserklärung dazugehört.
Indes das von Isau dargestellt zu bekommen, wäre und ist wieder einmal, zuviel erwartet.

Dann erwähnt Isau auch den Fakt, dass Liebster die Leiche seines eigenen Vaters, im KZ zum Krematorium bringen musste.
Das "würzt" er dann mit der verklärenden Aussage:
"Das hört sich an, als würden Sie von einem Heiligen sprechen.« »Er selbst hätte diese Bezeichnung bestimmt nicht gemocht. Und doch hat er nie seine Einstellung aufgegeben."

Da fehlt nur eine Differenzierung.
Liebster wurde als Jude ins KZ eingeliefert, und erlitt dort das Schicksal auch anderer Juden.
Er kam namentlich mit dem Zeugen Jehovas Ernst Wauer in seinem zweiten KZ, das war dann Neuengamme (aber eben noch nicht in Sachsenhausen) in dieser Phase seiner Biographie in Kontakt, und lies sich von dem auch im positiven Sinne anpredigen.

In Liebsters eigenen Worten, seinen Transport nach Sachsenhausen betreffend. Er habe dabei schon einen anderen Häftling, einen Zeugen Jehovas getroffen.

"Als ich zu mir kam (das heißt im Zug auf dem Transport zum KZ), sah ich einen friedlichen Mann, der geistige Freude in den Augen hatte. Er sagte mir, daß er Zeuge Jehovas ist und daß seine Frau im KZ Lager Ravensbrück umgekommen war. Die Kinder wurden ihm weggenommen und in eine Erziehungsanstalt der Nazis gebracht
Und dennoch zeigte er geistigen Frieden und innere Freude."


Also unfraglich war Liebster seit dieser Begegnung von diesem Kontakt beeindruckt.
Aber weiter geht es gemäß Liebsters eigener Aussage auch mit den Sätzen:

"Der Zeuge Jehovas, mit dem ich gereist bin von Pforzheim nach Sachsenhausen, den habe ich niemals wiedergesehen, er ist dort umgekommen. Ich habe bis heute seinen Namen nicht wiedergefunden.
Ich wurde in das jüdische Quartier gebracht, in einen anderen Bereich, dort waren schon tausende von Juden."

(Siehe bezüglich dieser Passage das Textbuch zum Poppenberg-Video "Fürchtet euch nicht ...")

Nun trat der Umstand ein nach der Überstellung nach Neuengamme, den Liebster mit den Worten beschreibt:
"Der Lagerführer sagte, die 30 Juden können wir in dieselbe Baracke tun wie Jehovas Zeugen, die glauben ja an denselben Gott."
Und da ergab sich insbesondere der Kontakt zu dem bereits genannten Zeugen Jehovas Ernst Wauer. Das war aber eben nicht jener Zeuge Jehovas, von dem er auch berichtete, ihn auf der Bahnfahrt schon kontaktiert zu haben.

Liebster kam noch in weitere KZ (nicht nur Sachsenhausen und Neuengamme). Auch dort kam er wiederum in Berührung mit Zeugen Jehovas. Aber am wesentlichen von allen Teilen seiner Odyssee dürfte der Kontakt zu Wauer während seiner Neuengamme-Zeit gewesen sein.
Auf jeden Fall kann gesagt werden. Zu der Zeit, wo Liebster, den heute Medienwirksamen Fakt erlebte, die Leiche seines eigenen Vaters zum Krematorium tragen zu müssen, war er immer noch "nur Jude".
In dem Liebster-Buch "Hoffnungsstrahl ..." liest man zu dem hier besonders interessierenden Aspekt:

"In Einzelfällen kam es auch zu Bekehrungen jüdischer Häftlinge. Max Liebster, der im Oktober 1942 in Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verlegt wurde, Selektionen und die mörderische Arbeit auf der IG Farben-Baustelle in Monowitz überlebte, ließ sich gemeinsam mit seinem Kameraden und jüdischen Leidensgefährten Fritz Heikorn noch in Buchenwald kurz nach der Befreiung aus der KZ-Haft taufen."

Also definitiv wurde er erst im Jahre 1945 als Zeuge Jehovas getauft.
Mit solchen Details hält sich aber Herr Isau nicht auf.
Er zeichnet nur ein "Strahlemann-Portrait" in dem sich der Fakt, Liebster musste seinen eigenen toten Vater zum KZ-Krematoriumofen befördern, dann besonders "wirkungsvoll" ausnimmt.

Das er sich den verklärenden KZ-Bericht von Kupfer-Koberwitz mit dem dort ebenfalls "Strahlemanngesicht" der Zeugen Jehovas, nicht entgehen lässt, sei am Rande mit vermerkt. Auch wenn Isau die Quelle Kupfer-Koberwitz nicht namentlich benennt, bedeutet das ja noch lange nicht, das andere Sachkenner nicht wüssten, was und wen er da bemüht.
Und zu einer Kritik vom Bericht des Kupfer-Koberwitz siehe auch

Edgar Kupfer-Koberwitz und Max Liebster

Mit einem gewissen Befremden nimmt man es dann zur Kenntnis, das besagter Herr Isau es offenbar nicht sonderlich schätzt, den Zeugen Jehovas-Kontext zugeordnet zu werden; und diesen Umstand sogar durch eine diesbezügliche Gerichtsverhandlung Nachdruck verlieh.
Siehe dazu:
www.buskeismus.de/berichte/bericht_080527_hansolg.htm

www.buskeismus.de/berichte/bericht_070824.htm#Isau_vs._van_Briel

Nun, ob denn Herr Isau je Zeuge Jehovas war oder ist, mag marginal sein.
Gleichwohl findet man einige denen nahestehende Thesen sehr wohl in seinem Schrifttum.
Von seinen ersten "Jabbok"-Romanen sei beispielsweise nochmals der Passus zitiert:

"Heute würde Mister Garson im Religionsunterricht die Jungen mit seinen Höllengeschichten ängstigen.
Es war Jonathan unbegreiflich, wie so viele Menschen an einen solchen Humbug glauben konnten. Konnte ein liebender Gott fähig sein, Menschen auf ewig den fürchterlichsten Qualen auszusetzen? Für ihn war diese Lehre nichts weiter als ein Trick der Kirche, sich das einfache Volk gefügig zu machen."
(S. 27)

"Es folgte eine Pause. Der Geistliche sammelte sich, rang nach Fassung machte Atemübungen. Dann erklärte er ruhig, aber drohend; "Es ist nicht das erste Mal, daß du mit frechen Bemerkungen den Unterrichtsfluß störst, Jonathan Jabbok. Maßt du dir etwa an, die Auslegung der Heiligen Schrift, wie sie über Jahrhunderte hinweg von den gelehrten und ehrwürdigen Kirchenvätern festgelegt wurde, neu zu schreiben?" Er vollzog eine umfassende Geste, als wolle er jeden seiner Schüler einladen, die Qualen der Hölle durch einen gläsernen Boden im Klassenzimmer selbst in Augenschein zu nehmen." (S. 42)

"Willst du etwa wagen, du grüner Knabe", explodierte er, "mir, der ich acht lange Jahre Theologie studiert habe, die Heilige Schrift zu erklären?" (S. 43)

Das dürften dann wohl Sätze sein, die auch von erklärten (und keineswegs nur verkappten) Zeugen Jehovas stammen könnten.

Um doch noch mal auf die von der katholischen Webseite zitierte Seite 159 von Band II der Isau-Jabbok-Triologie zurückzukommen. Mir scheint, da wird etwas zu kurz zitiert.
Bei Isau liest man da auch.
Zitat:
"Als er eine Abhandlung mit dem Titel 'Das vollendete Geheimnis' aufschlug lächelte er: 'Ich kenne dieses Buch. ... Anfangs hatte es mich nur interessiert, weil die Vereinigten Staaten und Kanada den Besitz des Buches im letzten Kriegsjahr vorübergehend verboten hatten. Als ich dann las, wie darin die Heuchelei der großen Kirchen und vor allem ihrer Führer verurteilt wurde, war ich wirklich begeistert."

Meines Erachtens wird mit dieser Passage ein schiefer Eindruck vermittelt (was bei Zeugen Jehovas generell, kein ungewöhnlicher Umstand ist).
Jedenfalls räumt die WTG selbst ein, sie habe ihr eigenes Buch dann noch einer Zensur unterworfen, indem namentlich die in der Erstfassung darin enthaltenen Kriegsgegnerischen Passagen entfernt wurden.

Was nun die deutschen Ausgaben dieses WTG-Buches anbelangt, muss man in der Tat unterscheiden zwischen der Ausgabe 1918 und den späteren Auflagen, etwa der Auflage von 1925.
Abgesehen von den unterschiedlichen Seitenzählungen, bedingt auch durch die unterschiedlichen Buchformate beider Auflagen, ist es bezeichnend, dass in der deutschen Ausgabe von 1918, sehr wohl noch jene Kriegsgegnerischen Passagen mit enthalten sind.
Indes in der Auflage 1925 die zensierte Fassung, ohne diese Kriegsgegnerischen Passagen, in der Deutschsprachigen Ausgabe Verwendung fand.

Dazu kann man auch vergleichen.
Band 7 Seite 331
Band 7 Seite 332

Seinem Roman "Das Museum der gestohlenen Erinnerungen", hängt Herr Isau (S. 668f) dann noch ein "Nachwort des Autors" an.
Dessen erster Satz lautet:
"Es gibt Autoren, die schreiben Bücher, wie andere Leute Holz hacken."


Nun geht besagtes Nachwort aber bis zur Seit 671 weiter. Ich verzichte aber auf dessen weitere Zitierung.
In seinem eigenen Selbstverständnis sieht sich dann wohl Herr Isau nicht unter den "Holzhackern". Für mein Empfinden jedoch, abgesehen von der Unmenge von bedrucktem Papier die zu bewältigen, schon den Rang einer Zumutung einnimmt, gehört auch Herr Isau zu diesen "Holzhackern".

In besagtem Nachwort, bedankt sich dann Herr Isau auch noch artig, bei Max Liebster, dass er dessen Geschichte "autorisierte" im Stile von Ralf Isau darzustellen,
Ob denn Herr Liebster, angesichts seines eigenes eher mageren Buchumfanges von 160 Seiten, da noch überhaupt realisierte, was er da "autorisierte", erscheint mir so ausgemacht dann doch nicht zu sein. Und diese 160 Seiten brachte Herr Liebster ja auch nur mit Unterstützung anderer zusammen.

Das soll überhaupt kein Vorwurf sein, solange man den Grundsatz gelten lassen würde, dass der "Schuster bei seinen Leisten bleibt".
Herr Liebster ist nicht Treiber der Geschichte, wohl aber Getriebener gewesen.
Gleichwohl, das bestreite ich nicht; besitzt auch seine Geschichte Quellenhistorischen Rang.

Mit Herrn Liebster hätte ich also weniger "ein Hühnchen zu rupfen".
Umso mehr dafür mit den "Holzhackern" im Stile eines Ralf Isau.

Eberhard Heiße

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 11. April 2010 02:47

Er brachte es zum Bezirksjugendwart im Bereich der Evangelischen Kirche der DDR.
Das wiederum war so nicht unbedingt schon von Anfang an voraussehbar, denn der 1933 im Erzgebirge geborene Eberhard Heiße, wie dieses Geburtsjahr schon verdeutlicht, hat die Indoktrinationen des Naziregimes miterlebt, begann dann nach 1945 wie die Zeit heran war, erst mal eine Lehre als Gärtner.

Aber mit religiösen Kreisen bekam er in dieser Zeit schon relativ früh Kontakt; obwohl seine Eltern wohl weniger als "streng religiös" eingestuft werden können.
Was für religiöse Kreise das dann waren, kann man vielleicht unschwer erraten. Wer darauf tippt, vielleicht die Zeugen Jehovas, hat dann richtig "getippt".

Wie bereits notiert, gelang es jenen aber nicht, den Herrn Heiße dauerhaft für sich zu gewinnen.
Offenbar schien da die Evang. Kirche mit ihrem Angebot einer Diakonenausbildung, auch für Leute, die bereits eine Berufsausbildung hinter sich haben, das "attraktivere" Angebot zu haben.

Nun spielte sich das alles in Ostdeutschen Gefilden ab.
Die Zeiten wo ein Herr Ulbricht zu plakatieren pflegte, dass "Marxisten und Christen einen gemeinsamen humanistischen Impetus" hätten, waren noch nicht erreicht, denn die These gab es erst nach 1961.
Davor gab es den ziemlich heiß-"kalten" Krieg des Ostdeutschen Regimes gegen die Kirche.

Die Ostdeutschen Apparatschicks wiederholten dabei lediglich das, was ihr ungekröntes "Vielleicht-Vorbild" Hitler auf dem Kirchenpolitik-Sektor mal in dem Bonmot zusammenfasste:
Die Alten mögen in die Kirche wanken - die Jugend indes gehört mir.

Und genau von diesem Impetus waren auch die Ostdeutschen Apparatschicks erfüllt.
Nun aber stand die beabsichtigte kirchliche Jugendarbeit im Widerspruch dazu, was wiederum für vielerlei Konfliktstoff sorgte, welcher sich bei den unterschiedlichsten Anlässen zu entladen pflegte.

Auch Herr Heiße sollte dann noch einige "Portionen" davon mit serviert bekommen.
Zum Beispiel erlebend (inzwischen verheiratet und Kinder habend), wie einige seiner erwachsenen Kinder mit dem Ostdeutschen Regime in Konflikt kamen, inklusive des "Events" wie Verhaftung und auch Ausweisung aus Ostdeutschland.

Insofern verwundert es wohl nicht, vernimmt man weiter, nachdem das Ostdeutsche Regime das "Zeitliche gesegnet hatte", und auch Herr Heiße nunmehr seine eigenen Stasiakten sichten konnte, dass er da einen Stapel von immerhin rund viertausend Blatt vorgelegt bekam.

Die Zeit nach 1989 bezeichnet Herr Heiße dann als die wichtigste seines Lebens.
Warum? Weil er nun "den Spieß umzudrehen" in der Lage war.
Seinen gewiß nicht unbedeutenden Anteil an der Klerikalisierung von Sachsen (vordem ja ein östlicher Landstrich) bringt er mit ein.
Und wen es "interessiert" kann dies ja in seinem Buch "Durchs Rote Meer" und andere Wüsten" nachlesen.

Seine Klerikalisierung-Kollegen halfen ihm dabei auch prächtig. Etwa indem sie dafür sorgten, dass er und seine Ehefrau dafür einen Orden von der Bundesrepublik Deutschland verpasst bekamen.
Die Biographie des Herrn Heiße ist eine, die mich persönlich nicht sonderlich "vom Hocker reißen würde".

In ihr interessiert unsereins insbesondere seine Zeugen Jehovas-Episode, die man in seinem Buch ab S. 14f. nachlesen kann.
Der Gärtnerlehrling Heiße wird also auch von den Zeugen Jehovas angeworben. Den Details seines Berichtes zufolge wohl schon zu DDR-Verbotszeiten.
Er lässt sich auch beeindrucken durch deren Berichte über das Martyrium zu Nazizeiten.

S. 16)
"Der Nebel verzieht sich. Leben ist nicht mehr Einsamsein. Brüder und Schwestern stehen mir zur Seite, geben Antwort auf meine Fragen, Geborgenheit und die ersten Aufträge, die Königsherrschaft Jehovas auszubreiten. Ich habe gesucht, was ich gefunden habe. Ich bin nicht mehr allein. Mein Leben hat einen Sinn. Ich bin Zeuge Jehovas und bin stolz darauf.
Es kommt zu ersten Auseinandersetzungen. Meine Eltern werden wütend: "Da gehst du nicht mehr hin".
Beim nächsten "Wachtturm-Studium" erzähle ich davon ...

Der nächste Krach kommt eine Woche später. Mein Lehrmeister ist Kirchenältester ..."

Pikanterweise bildet er auf der Seite wo der zitierte Passus steht, auch das Titelbild einer "Wachtturm"-Ausgabe ab, welche mit dem Fragesatz "glänzt".
"Müssen wir immer die Wahrheit sagen?"

Insider wissen, wenn auch Herr Heiße jene Frage so nicht beantwortet, dass die Zeugen da so ihre spezifische Art von Antwort haben, welche unter dem subsumierenden Begriff "theokratische Kriegslist" zusammenfassbar ist.

Um zum Fall Heiße zurückzukehren.
Unter Zeugen-Einfluss ist er kurz davor de jure auch aus der Kirche auszutreten.
Wer auch immer (möglicherweise sein genannter Lehrmeister) schickt ihn einen anderen Kirchenvertreter (offenbar ziemlich gleichaltrig), der ihn zu einer Veranstaltung der "Jungen Gemeinde" (innerhalb der Evang. Kirche) einlädt, die Heiße auch annimmt.
Dort lässt er dann - bereits ZJ-indoktriniert - die bekannten Anti-Kirchen-Thesen der Zeugen vom Stapel.

Auch wenn jener erste kirchliche Kontakt, für die kirchlichen Kreise eher wohl den Eindruck eines Eklates hinterlassen haben dürfte, lässt der eigentlich Ersteinladende sich davon nicht beirren, und sucht weiter den Kontakt zu Heiße.
Das wiederum blieb letztlich auch den Zeugen nicht verborgen, die nun registrieren mussten, ihr "Fisch an der Angel" droht ja in eine andere Richtung "wegzuschwimmen".

Im Gegensatz zu dem bereits genannten kirchlichen Mitarbeiter, der sich durch den Eklat den Heiße da auf einer Veranstaltung der "Jungen Gemeinde" verursachte, nicht beirren ließ, hatten die Zeugen diese Souveränität offenbar nicht.

Dafür steht dann auch der nachfolgende Abschnitt im Heiße-Bericht (S. 22f.)

"Der Novemberabend ist nebelig und ungemütlich. Es wird dunkel. Schnellen Schrittes gehe ich durch die Straßen der Stadt. Plötzlich steht vor mir ein Mann. Ein Leiter der Zeugen Jehovas. Es gibt kein Vorbei und es gibt auch kein Gespräch. Es gibt Worte, die mich tief treffen. Worte der Anklage und des Gerichts:
"Du hast dich von uns losgesagt. Das wird dir nie vergeben. Du bist verloren für alle Ewigkeit!"
Dann lässt er mich stehen ..."

Damit haben die Zeugen selbst dafür gesorgt, dass die zeitweilige Euphorisierungsphase des Heiße in ihrem Sinne, ein abruptes Ende fand.
Und der spätere Heiße berichtet weiter:

"Im Laufe meines Lebens gibt es immer wieder Kontakt mit den Zeugen Jehovas. Vielen jungen Christen, die durch sie in Unruhe und Angst gestürzt werden, darf ich helfen.

1989 und später gibt es wieder neue Erfahrungen.
Ehemalige und von der Richtigkeit ihrer Weltanschauung überzeugte und nun enttäuschte SED-Parteigenossen finden sich plötzlich bei den Zeugen Jehovas wieder.
Erst unvorstellbar und dann doch erklärbar. Der Weg von einer Partei, die zentral gesteuert wird und in der eigenes Denken und Handeln unerwünscht sind, zu den "Zeugen" ist ein kurzer ..."

Zadie Smith

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 12. April 2010 01:10

Ein Roman aus dem Jahre 2000 mit dem wohl kaum als "unbescheiden" zu nennenden Druckseitenumfang von 643 Seiten, muss dann wohl auch noch erwähnt werden.
Nun tue ich mich bei Bewertungen von Romanen generell "etwas schwer". In den allermeisten Fällen erschöpft sich meine Lektüre dann im "herumblättern" in jenem Buch; weniger im eigentlichen lesen.
Das trifft dann auch für den Roman der Zadie Smith mit dem Titel "Zähne zeigen" zu.
Verstehe ich es richtig sind sowohl die Karibik (Jamaika) als England Ort der Handlung.
Mutter und Tochter dabei, erst kurz (seit etwa 1969) in England anwesend.

Und in ihrem Elternhaus machte sich dann auch der Einfluss der Zeugen Jehovas-Religion bemerkbar. Offenbar bekam die Autorin von selbiger wohl auch einige "Scheiben" zum kosten mit ab. Spätestens etwa 1975 hat sie es dann aber doch wohl vorgezogen, dann die Zeugen Jehovas, Zeugen Jehovas sein zu lassen, ohne selbige mit ihrer Anwesenheit weiter zu beehren.

Täuscht nicht alles ist die im Roman vorkommende Person "Clara Bowden" sie selbst.
Und über besagte Clara vernimmt man auch den Satz:

"Im Februar 1975 hatte Clara die Zeugen Jehovas mitsamt ihrem buchstabengetreuen Bibelglauben ... verlassen."

Der "Spiegel" meint zwar in einer Buchbesprechung, besagte "Clara" wäre die Mutter. Gleichwohl pflegen Romane ja nicht Eins zu eins - Wirklichkeitsädaquat zu sein.
Lassen wir also die Frage unbeantwortet, wer den nun besagte "Clara" wirklich ist.

Rückblickend lässt sie da wohl auch einige Episoden aus der Zeugen Jehovas-Zeit mit einfliessen, denen man schon auf den ersten Seiten jenes Romanes begegnen kann (weniger im hinteren Teil).

Zum Beispiel der:

"So unbeliebt wie Ryan in St. Jude's (Schule) war nur noch Clara. An ihrem ersten Schultag hatte ihre Mutter ihr erklärt, dass sie nun Höhle des Teufels betrete, hatte ihre Schultasche mit zweihundert Exemplaren des 'Wachtturms' gefüllt und gesagt, sie solle ziehen und das Werk des Herrn verrichten. Woche für Woche schlurfte sie durch die Schule, den Kopf fast bis zum Boden gesenkt, verteilte Zeitungen, murmelte: »Nur Jehova bringt Heil«; in einer Schule, wo schon ein überreizter Eiterpickel zu ewiger Ächtung führen konnte, war eine über 1,80 gr. schwarze Missionarin in Kniestrümpfen, die versuchte, gleich hundert Katholiken zu Zeugen Jehovas zu machen, in etwa gleichbedeutend mit sozialer Lepra."

Da hatte sie also schon mal selbst eine kräftige Kostprobe der sozialen Auswirkungen der ZJ-Religion zu kosten bekommen!

Über ihre Mutter vernimmt man dann den Satz:

"Wenn Hortense Bowden ihre Tochter dabei erwischte, wie sie sehnsüchtig an dem vergitterten Fenster saß und dem verhallenden Geknatter eines Motors lauschte, während die Seiten der Neuen Bibel im Luftzug flatterten, verpasste sie ihr eine Kopfnuss und erinnerte sie daran, dass nur 144000 von den Zeugen Jehovas am Jüngsten Tag mit dem Herrn zu Gericht sitzen würden. Und dass es bei dieser gesalbten Schar keinen Platz für ungepflegte Burschen auf Motorrädern gebe."

Das war dann wohl der nächste "Denkzettel" den die Heranwachsende verpasst bekam.
Dazu liest man dann noch, um vorstehende Aussage besser zu verstehen:

"Jeden Tag um fünf Uhr, wenn Clara zu Hause saß und die Botschaft der Evangelien studierte oder ein Traktat schrieb, das die heidnische Praxis der Bluttransfusion verdammte, kam Ryan Topps auf dem Nachhauseweg an ihrem offenen Fenster vorbeigebraust."

Weiter vernimmt man die Detailbeschreibung, und das dürfte für das Milieu jener Familie, zur Gesamteinschätzung keineswegs unbeachtlich sein:

"Darcus Bowden, Claras Vater, war ein stinkender, todgeweihter, sabbernder, alter Mann, lebendig begraben in einem von Ungeziefer befallenen Sessel, aus dem er sich nie erhob, nicht mal, dank eines Katheters, um die Außentoilette aufzusuchen. Darcus war vierzehn Jahre zuvor nach England gekommen und hatte die ganze Zeit in der hinteren Ecke des Wohnzimmers verbracht, vor dem Fernseher.

Der ursprüngliche Plan war gewesen, dass er nach England gehen und genug Geld verdienen sollte, um Clara und Hortense nachholen zu können. Doch bei seiner Ankunft war Darcus Bowden von einer geheimnisvollen Krankheit geschwächt worden. Einer Krankheit, für die kein Arzt irgendwelche körperlichen Symptome feststellen konnte, die sich jedoch in einer unglaublichen Lethargie manifestierte und in Darcus - zugegebenermaßen nie ein sonderlich Energie sprühender Mann - eine lebenslange Zuneigung zum Arbeitslosengeld, zum Sessel und dem britischen Fernsehen weckte."

Offenbar ist es dann wohl namentlich die Mutter, die dem Einfluss der Zeugen erliegt, weniger der vorbeschriebene Vater.
Sie ist mit ihrer inzwischen 17jährigen Tochter, nach 14jähriger Trennung, dann von der Karibik nach England nachgereist.
Über die so wiedervereinigte Familie, vermag die Tochter als wache Beobachterin des Geschehens, auch einige charakteristische Episoden mitzuteilen. Unter anderem die, das der "Wachlappen" (pardon ihr Vater) sich dann eine etwa vierstündige Standpauke seiner Frau anzuhören hatte.

Dafür stehen dann auch die Sätze;

"Hmpf war das Einzige, was Darcus bei dieser Gelegenheit und für alle Zeit danach je von sich gab. Man kann Darcus fragen, was man mochte, man kann ihn zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit auf irgendein Thema ansprechen, ihn verhören, mit ihm plaudern, ihn anflehen, ihm ewige Liebe beteuern, ihn beschuldigen oder verteidigen, er wird immer nur eine einzige Antwort geben.
»Ich will wissen, ob ich Recht hab, Darcus?« »Hmpf.«

Der Zeugen Jehovas-Einfluss in dieser Familiengeschichte äußert sich dann auch in der Aussage:

"Man schrieb das Jahr 1974, und Hortense bereitete sich auf das Ende der Welt vor, das sie im Küchenkalender sorgfältig mit blauem Kugelschreiber markiert hatte: 1. Januar 1975. Dabei handelte es sich keineswegs um eine nur auf die Bowdens beschränkte Psychose. Gemeinsam mit ihr warteten acht Millionen Zeugen Jehovas. Hortense befand sich also in großer, wenngleich exzentrischer Gesellschaft."

Nachfolgende Episode mag man dann ja der Rubrik Romanhafter (Nicht-Wirklichkeits-adaquater) Ausschmückung zuordnen. Gleichwohl, da sie die Autorin erwähnt, sei sie auch hier zitiert.
Da liest man also:

"Ein persönliches Schreiben war Hortense (als Sekretärin des Lambeth-Zweiges der Königreichssäle) zugegangen, mit einer fotokopierten Unterschrift von William J. Rangeforth vom größten Königreichssaal in den USA, Brooklyn, das das Datum bestätigte. Das Ende der Welt war offiziell mit einem vergoldeten Briefkopf bestätigt worden, und Hortense hatte angemessen reagiert, indem sie das Schreiben in einen geschmackvollen Mahagonirahmen gefasst hatte. Es hatte einen Ehrenplatz auf einem Spitzendeckchen oben auf dem Fernseher, zwischen einer Glasfigurine von Cinderella auf dem Weg zum Ball und einem Teewärmer, bestickt mit den Zehn Geboten. Sie hatte Darcus gefragt, ob er das Arrangement schön fand. Er hatte seine Zustimmung gehmpft. Das Ende der Welt war nahe. Und diesmal handelte es sich nicht - so wurde dem Lambeth-Zweig der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas versichert - um einen Irrtum wie 1914 oder 1925."

Und weiter vernimmt man über die Mutter, und das scheint dafür zu sprechen, das die schon in der Karibik in Kontakt mit den Zeugen Jehovas war (also nicht erst in England):

"Sie warteten schon so lange auf die Ströme von Blut, die die Rinnsteine auf der Hauptstraße überfluten würden, und jetzt würde ihr Durst wirklich gestillt werden. Die Zeit war gekommen. Diesmal war es das richtige Datum, das einzige Datum, und alle anderen Daten, die man ihnen in der Vergangenheit angeboten hatte, waren lediglich das Ergebnis ungenauer Berechnungen:

Da hatte irgendwer vergessen, irgendwas aufzuaddieren, ein anderer hatte vergessen, irgendwas abzuziehen, und ein Dritter hatte die Eins im Sinn vergessen.

Doch jetzt war die Zeit da. Die einzig wahre, 1. Januar 1975. Hortense jedenfalls freute sich darauf.

Am ersten Morgen des Jahres 1925 hatte sie geweint wie ein Baby, als sie erwachte und feststellen musste, dass - an Stelle von Hagel und Schwefel und universeller Zerstörung - das alltägliche Leben weiterging, dass Busse und Züge fahrplanmäßig verkehrten. Dann war also alles umsonst gewesen, die unruhige Nacht zuvor, in der sie vor Aufregung nicht schlafen konnte, darauf wartete, dass jene Nachbarn, die ihre Warnungen in den Wind schlugen, in einem lodernden und grausigen Feuer versinken, das ihnen die Haut von den Knochen löst, ihnen die Augen in den Höhlen zerfrisst und die Babys verbrennt, die an der Mutterbrust saugen ... so viele von euren Nachbarn werden an diesem Tag sterben, dass ihre Leichname, legte man sie Seite an Seite, eine Strecke ergeben, die dreihundert Mal um die Erde reicht, und auf ihren verkohlten Überresten werden die wahren Zeugen des Herrn an seiner Seite schreiten. ...

Wie bitter sie doch enttäuscht worden war! Aber die Wunden von 1925 waren verheilt, und Hortense war erneut bereit, sich überzeugen zu lassen, dass die Apokalypse, genau wie der ehrbare, fromme Mr. Rangeforth erklärt hatte, unmittelbar bevorstand. Die Verheißung der 1914er Generation hatte noch immer Gültigkeit: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintritt. ... Diejenigen, die 1914 lebten, würden auch noch die Schlacht von Harmageddon erleben. So war es verheißen. Hortense, Jahrgang 1907, wurde langsam alt, sie wurde müde, und ihre Altersgenossen starben weg wie die Fliegen. 1975 schien ihre letzte Chance zu sein."

"Zähne zeigen" betitelte die Autorin also ihr Buch. Ein paar Kostproben, wie da "zugebissen" wurde, gab es dann ja vorstehend.

Re: Zadie Smith

geschrieben von: Frau von x

Datum: 15. April 2010 12:39

"Man schrieb das Jahr 1974, und Hortense bereitete sich auf das Ende der Welt vor, ... . Gemeinsam mit ihr warteten acht Millionen Zeugen Jehovas. Hortense befand sich also in großer, wenngleich exzentrischer Gesellschaft."

1975 waren es über zwei, heute gibt es etwas über 7 Millionen Zeugen Jehovas. Die Roman-Form wurde in dem Buch wahrscheinlich nicht umsonst gewählt.

Re: Zadie Smith

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 15. April 2010 13:36

Frau von x
1975 waren es über zwei, heute gibt es etwas über 7 Millionen Zeugen Jehovas. Die Roman-Form wurde in dem Buch wahrscheinlich nicht umsonst gewählt.

Ja, der Lapsus geht dann zu Lasten der Autorin (bzw. auch ihrer Lektoren im herausgebenden Verlag).
Ich habe jetzt nochmals nachgesehen, ob da nicht etwa ein Zahlendreher vorliegt. Da die Zahl aber Buchstabenmäßig ausgeschrieben ist, kann das verneint werden.
Gut wenn es aufmerksame Leser gibt!

Re: Sarah Ruth Pohl

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 24. Mai 2010 16:46

Anmerkungen zu einem neueren Buch:
"Externe und interne Beobachtungen und Aussagen zur Erziehung in einem geschlossenen religiösen System am Beispiel der Zeugen Jehovas"
von Sarah Ruth Pohl
Zugleich; Freiburg (Breisgau) Pädagogische Hochschule, Dissertation 2009.

Zu den von der Autorin mit ausgewerteten Publikationen, welche ihr von der WTG nach entsprechender Anfrage zur Verfügung gestellt wurden, gehört auch die Broschüre "Kindeswohl und Elternverantwortung. Wenn ein Elternteil Zeuge Jehovas ist." Auf Seite 206 ihres Buches, macht nun Frau P. die auch die Angabe:

Im Internet erhältlich, bzw. direkt in Selters beziehbar."

Im gleichem Atemzug nennt sie dann noch der WTG gehörende Internet-Seiten.
Dazu ist festzustellen.
Obwohl im Zeitraum nach 1970 erschienen, ist genannte Broschüre nicht mit auf der CD-ROM des WTG-Schrifttums enthalten.
Es gibt zwar im "Königreichsdienst" die Angabe, alle Versammlungsbibliotheken hätten wohl ein Exemplar davon erhalten. Das wiederum ist durchaus nicht mit freiem Zugang für All und Jeden identisch.
Auf den WTG-eigenen Internetseiten, ist genannte Broschüre derzeit für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Zu einem früheren Zeitpunkt meiner Erinnerung nach, daraus gewisse Auszüge.
Laut Webarchiv etwa der Jahre 2002/2003

Auszüge aus der 96-seitigen Broschüre Kindeswohl und Elternverantwortung Wenn ein Elternteil Zeuge Jehovas ist, die auch in dem Verfahren auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts verwandt wurde.

Also ausdrücklich, nur Auszüge.
Und dann fragt sich bei denen:
"Wer zieht was 'aus'".
Auch andere einstmals vorhandene Texte sind auf dieser Webseite nicht mehr zugänglich.
So zum Beispiel aus der "Frühzeit"

31.03.2000 Zeugen Jehovas und Körperschaftsstatus von Prof. Dr. Christoph Link, Erlangen (Abdruck mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht, 43. Band, 1. Heft, März 1998

und anderes mehr.
Selbstredend steht es jedem Webseitenbetreiber zu, sein Angebot zu verändern.
Zur Fairness würde dann gehören, wenn man Verweise macht, sich zu überzeugen, sind die noch vorhanden? Beziehungsweise zu welchem Zeitpunkt waren sie es?
Dann sei da mal zur weiteren Verdeutlichung dieses Kritikpunktes, ein Text von der kids e.V.-Webseite zitiert:

"28. Februar 2002
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bestätigen den Erhalt Ihres an den Vorstand der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland, e. V., gerichtetes Telefaxschreiben vom 26. 02. 2002, das an uns zur Bearbeitung weitergeleitet wurde, mit dem Sie um Übersendung von drei Exemplaren der oben genannten Broschüre gebeten haben.
Bei der Broschüre" Kindeswohl und Elternverantwortung - Wenn ein Elternteil Zeuge Jehovas ist handelt es sich um eine familienrechtliche Fachveröffentlichung, die wir Fachkräften und auf dem Gebiet des Familienrechts tätigen Einrichtungen, die sich in fachlicher und sachlicher Weise für die Förderung des Kindeswohls einsetzen, gern zur Verfügung stellen. Diese Voraussetzungen können wir bei Ihrem Verein bedauerlicherweise nicht erkennen.
Sicherlich haben Sie daher Verständnis dafür, dass wir Ihrer Anfrage nicht entsprechen können. Auf unserer Homepage im Internet unter www.JehovasZeugen.de können Sie sich jedoch einen Überblick über die Broschüre verschaffen, da wir Auszüge zu für die Öffentlichkeit besonders interessanten Themen dort bereit halten. Vorsorglich weisen wir Sie darauf hin, dass auch unsere Online-Publikationen den üblichen Copyright-Beschränkungen unterliegen.
Hochachtungsvoll
Uwe W. Herrmann
WTG"

www.kids-lev.com/presse/presse/081.html

Ergo, die WTG "siebt" durchaus, wem sie denn diese Broschüre zugänglich macht und wem nicht.
Jene Broschüre hat zwar nicht den Charakter des "geheimen" WTG-Buches "Gebt acht ..."- Buches auf welches der "kleine Zeuge" auch keinen offiziellen Zugriff hat. Aber sie kommt - etwas abgestuft - gleich danach.
Im Gegensatz zur Behauptung von Frau P..., ist genannte Broschüre (derzeit) im Internet nicht mehr zugänglich.
Im wissenschaftlichen Bibliothekswesen lassen sich zudem nur vier Exemplare (im Deutschsprachigem Raum) ermitteln.
In der Bibliothek des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe (von der schon mal unterstellt werden kann. Für die Öffentlichkeit nur ein eingeschränkter - wenn überhaupt - Zugang).
In der Hessischen Landesbibliothek Wíesbaden (auf Grund ihres Pflichtexemplarrechtes).
In der Deutschen Nationalbibliothek mit den Häusern in Leipzig und Frankfurt/M (ebenfalls auf Grund des Pflichtexemplarrechtes; wobei bei letzteren noch hinzuzufügen ist. Das sind Präsenzbibliotheken. Einsichtnahme fallweise nur in den dortigen Lesesälen an Ort und Stelle).
Wer nimmt schon - ohne Not - diesen Aufwand in Kauf?
Fakt ist jedenfalls weiter. Der "kleine Zeuge" kennt diese Broschüre in der Regel bis zum heutigen Tage, nicht aus eigener Anschauung, es sei denn, er ist mit einem Sorgerechtsverfahren oder ähnlichem tangiert.

Man vergleiche auch:
Parsimony.1031
Parsimony.1077
Parsimony.1926
Parsimony.2255
Zum Thema Kindeswohl-Broschüre

Frau P..., welche ja nun genannte Broschüre nach eigenem Bekunden auch einsehen konnte, ordnet selbige der Rubrik zu: WTG-Veröffentlichungen "Material für Außenstehende". Der Adressatenkreis ist zwar stimmig. Nur was denn genannte Außenstehende erleben können, interessieren sie sich tatsächlich für diese Schrift, wurde hier ja schon mal angedeutet. Darüber indes erfährt man bei Frau P... indes nichts.
Selbstredend ist nicht sie für jene WTG-Politik verantwortlich. Darüber besteht ja überhaupt kein Zweifel.
Gleichwohl ist das dann auch ein Veranschaulichungsbeispiel dafür, dass man wohl bei der von der Autorin als Thema erkorenen Sachlage, durchaus zu  unterschiedlichen Ergebnissen gelangen kann.

Dann wäre auch auf ihre Ausführungen zu dem Buch von Kurt-Helmuth Eimuth mit dem Titel "Die Sektenkinder" hinzuweisen.

Da sagt sie sicherlich nichts neues.
Sie wiederholt nur (in Referierungsform) altbekannte Voten von WTG-Apologeten.
Etwa der Art. Das Buch "sei ja nicht wissenschaftlich".
Oder Eimuth bemüht "uralte" Aussagen, die ja nicht mehr aktuell seien, und ähnliches in der Güte.
Namentlich meint man im Falle Eimuth sich auch darauf "einschießen" zu können, dass ältere WTG-Aussagen Rute und Zucht im buchstäblichem Sinne zur Anwendung zu bringen, in neueren WTG-Publikationen, besonders seit der Zeit, wo sie nach den KdöR-Status gierte, nicht mehr wörtlich wiederholt werden.
Ein Meilenstein auf dem diesbezüglichen "Wegerklärungsweg" der WTG ist sicherlich auch die genannte Broschüre "Kindeswohl und Elternverantwortung".
Gleichwohl gibt es immer wieder mal Berichte der Art:
Die Botschaft hört man wohl - Indes es fehlt der Glaube!

Kindererziehung ist unfraglich eine Kunst. Auch andernorts (außerhalb der Zeugen Jehovas), kann da "einiges aus dem Ruder laufen", was nicht zu bestreiten ist.
Indes im Falle der Zeugen sehe ich besonders noch den Aspekt, der vielfachen Überlastung, auch aufgrund des WTG-Forderungskataloges. Etwa möglichst viel Predigtdienst zu absolvieren und ähnliches.
Sind gutbürgerliche Rahmenbedingungen gegeben, mag das nicht unbedingt, in Konfikt-Dimensionen ausarten.
Auch bei den Zeugen indes, wird man solche vorfinden (in Hartz IV-Zeiten vielleicht sogar zunehmend), welche eben nicht von sich berichten können, mit Gutbürgerlichen Rahmenbedingungen gesegnet zu sein. Und eben dann auch genannte Folgewirkungen.

Der Überlastungsfaktor, den ich im Falle der Zeugen als das eigentliche Übel ausmache - eben mit Folgewirkungen - findet meiner Meinung nach, in den Reflektionen von Frau P... keinen relevanten Widerhall.
Ich unterstelle Frau P... keine Vorsätzlichkeit. Gleichwohl kann mich ihre Sicht der Dinge, keineswegs zufriedenstellen.

Nochmals auf Eimuth zurückkommmend:
Letzterer zitiert auch (S. 10)

"So heißt es etwa im Wachtturm vom 1.11. 1975 auf Seite 736: "Wieviele Jahre sollten Kinder christlicher Eltern ratsamerweise eine öffentliche Schule besuchen? ... Es wäre wohl kaum vernünftig, wenn ein Jugendlicher von sich aus eine längere Ausbildung anstreben würde, als es das Gesetz oder seine Eltern von ihm verlangen."

Das wäre dann ja in der Lesart von Frau P... auch so eine "uralte" Aussage. Und weil "uralt" will sie das dann eben nicht gelten lassen.
Nicht ganz so "uralt" ist dann wohl ein Auftritt des WTG-Funktionärs Lösch, der ja auch per Video dokumentiert ist.
Einen Hinweis darauf etwa in den Ausführungen von Frau P... zu suchen, kann man sich ersparen. Man wird ihn dort nicht vorfinden.
Siehe auch

http://www.youtube.com/watch?v=4PKbk_QmIfY

Auch bei diesem Aspekt unterstelle ich der WTG hochgradigen Egoismus.
Auf diesen Kernpunkt reduzieren sich alle Vorhalte.
Sie werden meiner Meinung, in den P...'schen Ausarbeitungen nicht ausreichend deutlich herausgearbeitet.
Ein aus meiner Sicht kritisch gewerteter Apologet, den die WTG da auf Eimuth ansetzen konnte ist auch der Herr Richard Singelenberg aus Holland, mit seinem auch durch die WTG vertriebenen "Eimuth-Zerriss".
Selbiger "glänzt" dann schon mal einleitenden mit der apodiktischen These:

"Die populäre Literatur zum Thema "Religiöse Bewegungen" (oder abschätzig "Sekten" oder "Kulte") ist voll von negativen Klischeevorstellungen und Stigmatisierungen".

Ernst zu nehmenden Verifizierungen dazu indes, außer einer geschraubten Schreibweise, die mehr bagatellisiert, denn sachgerecht berichtet, findet man wohl bei Singelenberg und nachplappernden Papagei's weniger.

Noch ein weiteres Zitat aus dem Text Singelenberg contra Eimuth:

"Als nächstes behandelt der Autor das Thema Züchtigung. In seiner sehr suggestiven einleitenden Aussage zitiert er aus einer RTL-Fernsehsendung (ich überlasse es dem einzelnen Leser, den journalistischen Ethos dieses bestimmten Kanals zu beurteilen), wonach eine Mutter, die Zeugin Jehovas ist, ihr Kind grob mißhandelt haben soll. Dieser bedauerliche Fall ist das Leitmotiv für die Schlußfolgerung des Autors, daß die Theologie der Bewegung die Anhänger zu körperlicher Bestrafung ihrer Kinder anhalte. Seine Ansicht über diesen Fall, in dem er einen unmittelbaren kausalen Zusammenhang zwischen der religiösen Überzeugung der Frau und ihrer bösen Handlungsweise annimmt, ist ein anschauliches Beispiel für die im ganzen vorherrschende Naivität des Autors. Alternative Erklärungen, daß beispielsweise die (geschiedene) Mutter aus bloßer Frustration, ungeachtet ihrer Glaubensansichten reagierte, werden ignoriert. Er unterläßt es auch, zu erwähnen, daß in diesem Fall die Mitgläubigen der Mutter ihr Verhalten scharf mißbilligen würden, wenn die grobe Mißhandlung bekannt werden würde."

Oder, von Frau P... zitiert, aus einer WTG-Presseerklärung der "Wegerklärungssatz" (S. 302):

"Die in der Heiligen Schrift erwähnten Begriffe "Zucht" und "Rute", die von Andersgläubigen gelegentlich mit Kindesmisshandlung in Verbindung gebracht werden, stehen in der Bibel und in den Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas als Synonym für liebevolle Erziehung (...). Das hebräische Wort für "Rute" bezeichnet einen Stab, den früher ein Hirte gebrauchte, um seine Schafe zu führen - nicht zu misshandeln. Deswegen wird in den christlichen Publikationen und Gottesdiensten von Jehovas Zeugen nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Erziehung ("Zucht") durch liebevolle Anleitung und Belehrung, nicht durch Schläge zum Ausdruck gebracht wird."

Dann sei als Beispiel aus der jüngeren Zeit, kommentierend, dazu nur auf das Buch
"Ich war Kind C" verwiesen.

Neben ihrem eigentlichen Hauptthema kommt Frau P... dann auch noch auf "Nebenaspekte" zu sprechen. Etwa, die geschichtliche Entwicklung der Zeugen Jehovas.
Und da zitiert sie dann auch schon mal Autoren, welche der WTG gegenüber kritisch eingestellt sind. Besondere "Bauchschmerzen" indes, würde mir da die Auch-Zitierung des Robin de Ruiter mit seinem 2006er Buch bereiten.
Zwar ist auch Frau P... von letzterem keineswegs sonderlich angetan, bemängelt insbesondere auch, das etliche seiner Thesen sich als nicht belegt erweisen. Gleichwohl ordnet sie doch den de Ruiter zwar zu den WTG-Kritikern mit ein (was sicherlich richtig ist), billigt ihm aber in gewisser Weise - mit Einschränkungen - zu "honorig" zu sein.
Das indes bei de Ruiter ein besonders übles Verschwörungstheoretiker-Exemplar vorliegt, davon erfährt man - jedenfalls bei Frau P... - nicht den Bruchteil einer Silbe. Das mag ja zugegebenermaßen nicht ihr Hauptthema gewesen sein. Indes kann (zumindest ich), mir dazu doch nicht den Kommentarsatz ersparen;
"Setzen - Schularbeiten nicht gemacht!"
Man vergleiche bespielsweise:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,44392,44392#msg-44392
Oder, umfänglich reitet de Ruiter auf einer seiner Lieblingsthesen, in diesem Buch herum. Den angeblichen unterschwelligen Dämonenbildern. Da weiß er beispielsweise auf Seite 148 mitzuteilen:

Man weiß, daß Satanisten sich untereinander mittels Handzeichen verständigen".

Wer dieser "man weiß" ist beschreibt er aber nicht weiter.
Solcherlei Thesen haben eine Frau P. offenbar nicht sonderlich gestört.
Oder wenn er auf Seite 42 verkündet:

"Auch der französische Erzbischof Leon Meurin bekräfttigt in seinem Buch 'Die Freimaurerei ... Synagoge Satans' das Faktum der unter Freimaurern üblichen Teufelsanbetung ..."

Auch diese These hat eine Frau P. offenbar nicht gestört.
Für meine Person kann ich dazu nur sagen. Mich allerdings stört sie sehr wohl. Und noch einiges mehr bei de Ruiter.
Und ich gehe noch weiter; ich unterstelle Leuten, die wie beim Fall de Ruiter nachgewiesen, in ihrer "Bewertungskunst" versagt haben, dass die in gleicher Weise Versager sind, etwa bei der Bewertung des WTG-Apologeten Besier und ähnliche "Kaliber".
Stellvertretend veranschaulicht an dem Reizthema "Rute und Zucht", dessen "Wegerklärung" die WTG-Apologeten sich heutzutage ja besonders angelegen sein lassen.
So meint WTG-Apologet Besier, unter Hinweis auf die Z J-Loseblattsammlung "'Schutz der Familie" die auch Leitlinien für das Familienleben enthält ausführen zu sollen:

"Von Prügelstrafen ist hier nicht die Rede"

Dazu wurde dann schon mal kommentierend festgestellt:
Eventuell aber andernorts?
Das interne Mitteilungsblatt der ZJ, UNSER KÖNIGREICHSDIENST vom Januar 2010 Seite 2:

"15 Min Fragekasten. Besprechung mit den Zuhörern. Lies und besprich die angegebenen Bibeltexte."

Eine Textpassage aus dem Fragekasten:

"(Sprüche 22:6, 15). Familien mit kleinen Kindern sollten normalerweise nicht in einem Nebenraum sitzen, denn die Kinder könnten denken, sie dürften dort lärmen. Müssen Elten ihre Kinder versorgen oder zurechtweisen, ist es in der Regel am besten, wenn sie den Hauptsaal verlassen und anschließend dorthin zurückkehren."

Besprochen wurde u.a. der Bibeltext aus Sprüche 22:6, 15.
Was lesen ZJ im Vers 15?

"Torheit ist an das Herz eines Knaben geküpft; die Rute der Zucht ist das, was sie von ihm entfernen wird."

Oder auch: Sprüche 23: 13, 14

Was lehrt die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas in ihrem "Bibellexikon"?
WTG-Buch 1992 EINSICHTEN ÜBER DIE HEILIGE SCHRIFT (Band II) S. 1012

"Elterliche Gewalt. Die "Rute" versinnbildet auch die elterliche Gewalt. Im Buch der Sprüche gibt es viele Hinweise auf diese Gewalt, und die Rute symbolisiert alle Formen der Zucht, auch das buchstäbliche Züchtigungsmittel [Hervorhebung nicht im Original]. Die Eltern sind Gott gegenüber verpflichtet, die Rute zu gebrauchen, indem sie das Kind in Zucht nehmen. Eltern, die das nicht tun, sind nicht nur verantwortlich dafür, wenn ihr Kind eine Beute des Verderbens und des Todes wird, sondern sie bringen auch Schande über sich und ziehen sich Gottes Mißbilligung zu ... "Torheit ist an das Herz eines Knaben geknüpft; die Rute der Zucht ist das, was sie von ihm entfernen wird." "Enthalte doch dem, der noch ein Knabe ist, die Zucht nicht vor. Falls du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Du sollst ihn mit der Rute schlagen ... " (Spr. 22:15; 23:13, 14)"

Zu den charakteristischen Sätzen der Autorin gehört dann wohl auch der:

"Anfänge der Zeugen Jehovas finden sich (in der der Autorin von der WTG zur Verfügung gestellten Literatur) dabei nur wenig (in der Literatur der WTG-Apologeten). In Darstellungen über die Anfänge der ZJ unter Russell wird in recht knapper und lediglich auf Daten bezogene Weise formuliert. Hingegen wird gerade die Anfangssituation unter Russell umso blühender in Werken der Antikultliteratur umschrieben. Dort werden auch zahlreiche Fakten angesprochen, die in der (von der WTG) erhaltenen "neutralen" Literatur nicht diskutiert werden. Aus diesem Grund muss hierzu im folgenden z. T. auch auf Aussteigerliteratur und Antikultliteratur zurückgegriffen werden..." (S. 67)

Und in einer Fußnote zu eben dieser Aussage räumt auch die Autorin ein:

"Die WTG zeigt mit der Auswahl der Veröffentlichungen, welche die kritischen Aspekt thematisieren, dass kein selbstkritischer Umgang mit der eigenen Geschichte, sondern die WTG solche Aspekte betont, welche sich positiv aufs Image auswirken."

Als Beispiel nennt sie dann:

"So vermisse ich beispielsweise eine Stellungsnahme zur Pyramidentheorie von Russell oder zum Umgang mit 1914."

Bezüglich der Pyramidentheorie rekapituliert sie:

"Bei Besier/Scheuch gibt es jedoch keine Hinweise auf die Russellsche Pyramidenlehre, hingegen wird dieser Aspekt von Autoren der Antikultszene immer wieder aufgegriffen. ... Auch Gebhard widmet der Pyramidentheorie Aufmerksamkeit ... Er zeigt anhand zahlreicher Originalpassagen wie Russell die Pyramidentheorie zur Unterstützung seiner Berechnungen einbrachte. Vor allem macht er jedoch auch deutlich, wie die die WTG im weiteren Geschichtsverlauf mit der Pyramidentheorie umgegangen ist....
Gerade Süsskind zeigt an verschiedenen Originalpassagen, welchen Stellenwert Russell der Cheopspyramide und deren Massen bei der Datierung der Endzeit einräumt. ...
Er zeigt zum Beispiel an Berechnungen der Cheopspyramide, dass Zahlen und Daten einfach ausgetauscht wurden. Daneben bringt er weitere Textbelege aus Vergleichen der Originalausgabe mit der Auflage unter Rutherford. Daraus zieht er den Schluss "nicht Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind die Leitprinzipien der WTG, sondern es geht ihr um Rechtbehalten um jeden Preis." 
(S. 73, 74)
Wenn es nun um die relevanten Wertungen im fraglichen Buche geht, dann wird man sicherlich ihrer Aussage auf Seite 273 zustimmen können:

"Jedoch sollte der Jugendliche nicht zu große Freude an Bildung haben, denn es steht in eindeutiger Konkurrenz zur Mitgliedschaft bei den ZJ, sich eine "höhere Bildung" anzueignen. Zusammenfassend könnte man sagen, die WTG befürwortet Bildung nur solange und in den Inhalten, wie diese den Interessen der eigenen Gemeinschaft dienen, bzw. nicht mit den Interessen der Gemeinschaft konkurrieren." (S. 272)
Auch Frau Pohl kommt nicht umhin, zumindest verbal, zu konstatieren:

These 2: "Die WTG betreibt in Deutschland gezielte Desinformation nach außen." (S. 198, 343)
Ob sie denn diese Selbsterkenntnis auch genügend in ihre Betrachtung mit einfließen lies, kann man wohl mit gemischten Gefühlen sehen.

Zustimmen würde ich allerdings ihrer Aussage auf S. 361f.

Diese zusammengefassten Ausführungen machen die Hauptkritikpunkte an der Erziehungskonzeption der WTG deutlich:

Die Erziehungskonzeptionen der WTG orientieren sich nicht in erster Linie am Wohl des Kindes, sondern stehen im Dienst der Glaubensübernahme
(Glaubensübernahme bedeutet primär die Einordnung in die Wachtturmhierarchie).
Wesentliche Erkenntnisse der Erziehungswissenschaft und Psychologie zu Erziehungsstil, Autorität, Gottesbild etc. werden nicht berücksichtigt.
Die WTG instrumentalisiert die Familie, indem sie ihre Gruppenstruktur auf diese überträgt.
Die WTG erzieht nicht zu Gesellschaftsfähigkeit, sondern fördert ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Gruppierung.
Die WTG fördert durch exklusivistische Denkstrukturen Intoleranz.
Die WTG fördert gesellschaftliche Isolation des Kindes durch ihren Monopolanspruch und möchte dem Kind die Erschließung anderer sozialer und geistiger Systeme vorenthalten.
Im Blick auf die Veröffentlichungen können wir zusammenfassend festhalten, dass es einen direkten Zusammenhang zu Auslassungen in Außendarstellungen und Konfliktpotential bei den ausgelassenen Inhalten gibt. Die WTG lässt in Außendarstellungen bestimmte kritische Themen aus und betreibt durch widersprüchliche Darstellungen gezielte Desinformation.

Auch dieses Zitat sei noch hinzugefügt (S. 420)

"www.sektenausstieg.de Falls man Aussteigerberichte zu lesen wünscht, ist diese Seite empfehlenswert. Objektivität und Neutralität sind aufgrund der persönlichen Betroffenheit der Aussteiger nicht vorhanden. Dennoch ist ein weites Spektrum interessanter und authentischer Einzelschicksale vertreten."

Und diese wie es so schön heißt "Einzelschicksale" werden dann im Rahmen einer vorgeblichen "Objektivität" zugleich als "bedeutungslos" klassifiziert.
Man kennt ja diese Art Argumentation schon aus dem KdöR-Prozess.
Das für die WTG unbequeme wären alles "Einzelfälle".
Ob sich die Ausarbeitung von Frau P... wirklich von dieser Linie "absetzt" ist doch sehr die Frage. Auch sie stellt sich offenbar auf den Standpunkt. Ein Eintritt in ihrer Ausarbeitung, etwa auf im Internet oder anderswo geschilderte "Einzelfälle" sei nicht vonnöten.
Sie werden also bewusst und vorsätzlich ignoriert. Auch Frau P... hat diese "Schallmauer" nicht durchbrochen, eher im Gegenteil mit zementiert.
Herr Slupina von der WTG (Ansprechpartner der Frau P...) der ihr einiges an Literatur (nicht nur solche direkt von der WTG), sondern auch andere, etwa das Buch von Roser und weiteres, zur Verfügung stellte, kann sich freuen. Seine "Investition" zeitigte ihre Früchte.
Über die P...'sche Kritik etwa in Sachen Pyramidenlehre, geht der doch ohnehin eiskalt zur Tagesordnung über.
Ob sie denn in gleichem Umfange auch Kontakt zur Kritikerszene gesucht hat, außer ein paar mageren Fragebogen, erscheint mir eher zweifelhaft. Das Ergebnis ist entsprechend.

Immerhin gibt es ja einiges an Konfiktpotential. Stellvertretend sei nur ihr eigener Bericht auf S. 426 genannt:

"Von mehreren Lehren erfuhr ich, dass die Kinder während der Geburtstagsfeierlichkeiten vor der Klassenzimmertüre stehen müssen. Dies halte ich für keine gute Lösung. Üblicherweise stellt der Aufenthalt vor der Türe eine Bestrafung für Kinder dar. Wenn das Kind während Geburtstagsfeiern vor der Türe stehen muss, ist anzunehmen, dass es sich mit dieser Lösung unwohl fühlt. Es ist dringend anzuraten, nach Alternativen zu suchen. ..."

Mein Kommentar zu letzterem Aspekt wäre der. Das Geburtstagsthema mag die Lehrerschaft, die da mit ihr im besonderen konfrontiert ist, besonders umtreiben.
Gleichwohl würde ich jenes Thema auf hintere Plätze einsortieren.
Unverzeihlich indes ist es, das Frau P... in ihrem Ignorantentum etwa aucb den Fall Vjekoslav Marinic völlig unberücksichtigt, völlig unkommentiert lies. Den hat es für sie offenbar überhaupt nie gegeben, obwohl er auch die Dimension erreichte, im Fernsehen reflektiert gewesen zu sein.
http://www.youtube.com/watch?v=jq6wjAkkefs

Ich muss da mein Urteil wiederholen:
"Wesentliche Schulaufgaben - nicht gemacht"! Wenn der Buchtitel von "Externen" und "Internen" Beobachtungen redet, dann ist, versteht man unter "intern" die WTG-Literatur und ihre thematische Bewertung, dieser Anspruch erfüllt. Ich anerkenne auch, dass die Autorin durchaus mit herausgearbeitet hat, dass die für die Öffentlichkeit bestimmte WTG-Literatur, in der Regel ein geschöntes Bild vermittelt.
Zum Bereich "Extern" indes würde ich auch die Kritikerszene rechnen. An welche Webseiten beispielsweise da zu denken ist, weis die Verfasserin ja selbst. Sie nennt ja in ihrem Literaturverzeichnis einige davon; und auch Bücher..
Indes eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Aussagen dieser Seiten gibt es nicht.
Die werden grundsätzlich und vorsätzlich ignoriert. Natürlich sind diese Kritikerseiten parteiisch. Das ist im Gegenzug gewertet dann auch die geschönte WTG-Literatur.
Jedenfalls hat die Verfasserin meiner Meinung nach, ihren im Titel mit genannten Anspruch, auch "externes" zu bewerten, nicht erfüllt.

Wessen "Geschäfte" unterstützt faktisch auch Frau P. ?
Veranschaulicht an einem anderen Beispiel aus dem Bereich der Neuapostolischen Kirche.
Eine Luise Kraft schrieb mal dazu ein Buch mit dem Titel "Unter Aposteln und Propheten".
Daraus mal ein paar charakteristische Sätze:

"Peter und ich waren frei geworden. Nun schwor man uns Rache und Verfolgung. Unsere Existenz sollte untergraben werden. Und doch hatten wir schon zuviel Not gelitten durch unsere Schwärmerei ...
Traurig war das Verhältnis zwischen uns und unsren Kindern. Diese Ärmsten - wie trugen sie Leid um ihre Eltern, besonders um die 'abgefallene' Mutter, die sie vom Herrn 'Papa' nur noch als eine vom Herrn verworfene, eine verlorene schildern hörten! Ihre liebe, gute Mutter jetzt ein Teufel? ...
Meine Töchter hatten sich beide mit Zustimmung des 'Apostels' verlobt. Wir Eltern standen bei dieser wichtigen Lebensfrage im Hintergrund. Nur 'Papa' war maßgebend. ...
Die Leute zeigten, daß sie nicht nur für geistliche Speisen empfänglich waren, sondern auch irdische zu vertilgen wussten. Es galt ja, die erste Hochzeit in der neuen Gemeinde feiern. ... Und wie lustig der 'Papa' war! ... Heute war ja eine Siegesfeier. Welch hochfahrenden Gedanken mögen sein Herz bewegt haben! Jetzt, Lisa, bist du niedergezwungen, jetzt habe ich euch erst recht gedemütigt, dich und deinen Peter; mein sind nun die Kinder, ihrem geistigen Vater, der sie gezeuget hat! ..."

Damit sind die unterschiedlichen Seiten der Barrikaden beschrieben. Und es dürfte wohl auch deutlich sein, auf welcher Seite da auch Frau P. steht.
Unterstellt ihr beruflicher Job beinhaltet - möglicherweise - auch Religionsunterricht an Schulen zu erteilen.
Dann ist offenbar auch ihr Credo.
Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus. Auch nicht der Krähe WTG-Religion.
Luise Kraft, Unter Apostel und Propheten

Zum Thema Menschenrechte wäre anzumerken, als dessen Nicht-Verteidiger in Gesamtwertung des Buches, hat sich auch (auch heißt es gibt noch weitere für die das gleichfalls zutrifft), sich auch Frau P.... erwiesen, siehe als eine Replik zu diesem Thema auch:

Mysnip.45477


Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas

Re:Henryk Dornik

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 07. Juni 2010 00:50

Im Frühjahr 1992 bei einem Besuch in Wien, wo er als Vortragsredner für die Zeugen Jehovas agierte, wurde er - nach eigener Angabe - auf einer öffentlichen U-Bahn-Station, von zwei Banditen Krankenhausreif zusammengeschlagen.

"Als ich auf dem Weg vom Dienst zu meiner Unterkunft bei Brüdern war, wurde ich von Banditen überfallen, wobei sie mich mit eisernen Schlagringen auf den Kopf und die Brust schlugen.
Ich schaffte es noch, laut auszurufen: 'Jehova!, Jehova!' und ich fiel auf den Boden. Ich wurde in einer Blutlache mit einer Gehirnerschütterung aufgefunden; Schlüsselbein, Nase und Gesichtsknochen waren gebrochen. Ich wurde in einer Wiener Klinik behandelt, danach kam ich zurück ins Bethel nach Nadarzyn (Polen), in dem ich bereits gearbeitet hatte.

Weitere Details dazu teilt er aber nicht mit. Unterstellt, es gab Zeugen jenes Vorfalles, fragt man sich doch. Und gab es noch eine justiziable Auswertung dieses Vorfalles?
Sollte es sie gegeben haben, hätte man sich doch ein paar nähere Erläuterungen dazu gewünscht.
Man kann sich schwerlich vorstellen.
Da wird einer in einer öffentlichen U-Bahn-Station Krankenhausreif zusammengeschlagen. Und die Justiz soll all das "nicht interessiert" haben???
Unfraglich war das ein weiteres traumatisches Erlebnis des am 25. 12. 1926 geborenen Henryk Dornik.
Davor gab es schon einige von ähnlicher "Güte"

Geboren in einer Geschichtsbewegten Gegend (Oberschlesien) von der nur drei Namen größerer Städte (deutsche Variante) genannt seien.
Kattowitz
Gleiwitz
Oppeln.
Die Wikipedia notiert dazu:

"Gaben 53% der Oberschlesier Polnisch als Erstsprache an."

Der erste Weltkrieg, und der im folgende Versailler Vertrag, hatte für jene Gegend auch Auswirkungen von geschichtlicher Dimension.
Dazu wieder die Wikipedia:

"Am Abstimmungstag, dem 20. März 1921, stimmten - bei einer Wahlbeteiligung von 97,5 Prozent, die das Ausmaß der Polarisierung in der Bevölkerung widerspiegelt - 707.045 Oberschlesier (59,4 Prozent) für Deutschland und 479.232 (40,6 Prozent) für Polen. ...
Aufgrund der angespannten Situation in Oberschlesien, sowie zwischen deutschem und polnischem Staat trug das Ergebnis zunächst mehr zur Verschärfung der Fronten als zur Klärung der Lage bei. Auf deutschsprachiger Seite wurde es zumeist propagandistisch als deutscher "Sieg" und "Rettung Oberschlesiens" gefeiert ...
Von polnischer Seite her kam es als Reaktion auf das als ungünstig erachtete Abstimmungsergebnis und auf den englisch-italienischen Teilungsvorschlag hin im Mai zum dritten Aufstand in Oberschlesien und damit zur militärischen Eroberung derjenigen Gebietsteile, die einen hohen Stimmenanteil für Polen aufzuweisen hatten."

Faktisch entwickelte sich damit eine Teilungssituation, in einer geschichtlich zusammen hängenden Gegend.
Etwa vergleichbar der Teilung zwischen Ostberlin und Westberlin zu kommunistischen Zeiten (als Beispiel).
Die nächste relevante Zäsur war dann der Einmarsch der Nazis ab September 1939.
Über deren Konsequenzen an dieser Stelle viel Worte zu verlieren, ist wohl müßig.
Dann sei noch kurz die Zeit nach 1945 gestreift, und dazu der Satz aus der Wikipedia:

"Die restliche zurückgebliebene Bevölkerung Oberschlesiens, sowohl die Deutsch- wie die Polnischsprachige, musste ab 1945 Diskriminierungen von Seiten des polnischen Staates erdulden. Der polnische Staat machte es sich zum Ziel die Oberschlesier, die er zu "germanisierten Polen" erklärte, zu "repolonisieren". So wurde der Gebrauch der deutschen Sprache sowohl im öffentlichen Leben, in Kirchen und Schulen, als auch im Privatleben verboten. ..."

Damit wäre wohl ausreichend die politische Gemengelage jener Gegend verdeutlicht, wo denn Herr Dornik geboren wurde.
In religiöser Beziehung war jene Gegend stark katholisch geprägt. Sie wird mit 95 % der Gesamtreligiösen Szene dort, beziffert.

Im Zuge der Politik "am amerikanischen Wesen soll die Welt genesen", erfolgte dann auch der "Einfall" der WTG-Missionare in jene Gegend.
Vor der Annexion durch Nazideutschland, hielten sich aber deren Erfolge in Grenzen.
Dafür mag die Zahl stehen:
Vor dem Krieg betrug ihre Zahl 1.039 (ohne die Freie Stadt Danzig).
Allerdings, stieg ihre Zahl dort, während der Naziherrschaft auf 2.880 noch an.
Und nach deren Ende, konnte die WTG dort im Jahre 1947 schon rund 7.700 Hörige für sich verzeichnen.

Im Januar 1937 erhielten nun die Eltern des Henry Dornik, erstmals missionarischen Besuch von seiten der Zeugen Jehovas. Und sie fanden offenbar einen relativ aufnahmebereiten Boden vor.

Als ein Schlaglicht diesbezüglich mag der Satz aus dem Dornik-Bericht gelten:

"Als ein schwer arbeitender Bergmann sah er (der Vater) mit Trauer, dass die Geistlichkeit mit den Kohlegrubenbesitzern zuungunsten der Bergleute zusammenarbeitete. Die Kohlegrubeneigner waren die größten Machthaber in Oberschlesien.

Die Geistlichen sammelten Informationen und beobachteten, wer die Kirche besuchte, wer zur Beichte ging und wer das nicht tat. Die 'Nicht-Linientreuen' ließen sie dann, auf Grund dieser Informationen, von der Arbeit entlassen. Es war eine harte Strafe für die Bergleute, denn es war sehr schwierig, Arbeit zu finden."

Dornik wirft diesen katholischen Geistlichen - nach der Naziinvasion - dann noch vor:

"Früher - vor dem Ausbruch des Krieges - hatten dieselben Priester für Polen und den Feldmarschall Rydz Smigly gebetet. Es wurden von ihnen auch die Gewehre geweiht, die von der polnischen Nation gespendet wurden. So taten es auch die Geistlichen der örtlichen Pfarrgemeinde."

Die Zeugen hatten Erfolg bei der Familie Dornik, denn der Vater lies sich schon 1938 taufen.
Seine Frau war zwar Anfangs entschieden gegnerisch eingestellt, gab dann aber in späteren Jahren auch diese Gegnerschaft noch auf.
Und auch ihre Kinder, unter ihnen eben der Berichterstattende Henryk, folgten im Jahre 1940 dann noch, indem sie sich ebenfalls taufen ließen.

Das wiederum sollte nicht folgenlos bleiben, wofür dann die Sätze stehen:

"Wir alle wurden einer Feuerprobe der Verfolgung unterzogen, die 1942 zunahm. Ich war damals etwas über 15 Jahre alt. Es fing damit an, dass meine Eltern das Angebot abschlugen, die Volksliste zu unterschreiben, was den Anfang der Verfolgung nach sich zog. Für die NS-Behörden waren meine Eltern deutschstämmig, denn beide hatten deutsche Schulen besucht und Schlesien war übrigens bis 1921 deutsch.
Sie wollten die Liste nicht unterschreiben, denn damit hing eine Loyalitätserklärung Hitler und dem Dritten Reich gegenüber zusammen

Diese Liste, obwohl für viele unzugänglich, war unter den Einwohnern Schlesiens sehr begehrt. Doch die Bemühungen, uns zum Unterzeichnen zu bewegen, blieben ohne Erfolg. Nationalsozialisten waren insbesondere an uns jungen Leuten interessiert."

Der Nazistaat fackelte dann auch nicht lange angesichts dieser Verweigerungshaltung:

"Ende 1943 wurde die Verfolgung zur frontalen Attacke. Von der Gestapo wurde ein Antrag gestellt, nach dem meinen Eltern das Sorgerecht entzogen werden sollte. In Folge dessen wurden ihnen alle Kinder weggenommen."

Einige Details der Torturen, die auch diese Familie erleiden musste, seien jetzt übersprungen. Sie sind ja nicht untypisch und lassen sich vielfach auch in anderen Zeugen Jehovas-Biographien aus dieser Zeit nachweisen.
Jedenfalls landete Henryk Dornik selbst, nach Zwischenstationen im Nazi-Konzentrationslager Groß-Rosen.
Dafür steht der Satz:

"Am 31. August 1944 griff die Gestapo Kattowitz steuernd in das Geschehen ein und forderte uns letztmalig zur Abkehr von unserem Glauben und zum Aufnahmeantrag in die "Deutsche Volksliste" auf. Wir lehnten das ausdrücklich ab, woraufhin die Gestapo die Einweisung nach Moringen verwarf - die Gründe sind aufgrund der Quellenlage nicht verifizierbar - und die Deportation in andere Konzentrationslager verfügte."

Auf das leidvolle Schicksal das solche ins KZ eingewiesene erwartete, muss nicht unbedingt im Detail eingegangen werden. Aber doch noch ein Zitat aus dem Dornik-Bericht:

"Ein paar Tage später, genau am 1. und 2. April 1945 bombardiert eine ganze Anzahl von Staffeln der Bombenflugzeuge der Alliierten die Kasernen der Waffen-SS und - zu unserem Schrecken - auch unsere Lager.
Ohne Antwort bleibt die Frage: Warum? Wie konnte es zu solch einem Missverständnis kommen, in Folge dessen über 90% der 16.000 Lagerhäftlinge ums Leben kamen? Wie konnte es zu solch eine Tragödie kommen und das durch die Hände der vermeintlichen Retter am Vortag der Befreiung? ..."

Dornik selbst - allen auch reichlich mit erlebten Widrigkeiten zum Trotz, hatte wohl noch Glück im Unglück, dass er nicht auch zu den genannten 90% mit gehörte.

Aber "ungeschoren" kam auch er sicherlich nicht davon. Dafür steht dann auch der Satz:

"Die Wucht der Explosion ließ mein Trommelfell platzen. Drei Monate lang blieb ich völlig taub. Die Welt, in der ich lebte, war vollkommen still, obwohl der Krieg weiter ging, denn es wurde geschossen, und fielen Bomben. In den Ohrgängen steckten viele scharfe Steinsplitter. Erst drei Monate später wurden sie im Krankenhaus entfernt. Noch Jahre danach litt ich an Ohrenentzündungen. Ich bin jedoch froh, das ich mich doch so gut erholte, was ich wahrscheinlich meinem damals jungen Alter verdanke. ...
Ich kurierte mich lange von den Wunden und Verletzungen aus. Meine Rippen waren gebrochen und ich trug innere Verletzungen davon. Der bestialische Überfall hatte sich erst vor wenigen Tagen zugetragen, und nach dem Typhus war ich sowieso geschwächt....
Endlich kam ich nach langem Kampf mit dem Tod langsam zu Kräften."

Das wäre also der Biographieteil die Nazizeit betreffend.
Selbige wurde noch von einer kommunistischen Phase abgelöst.
Im Sog der WTG war er allemal auch nach 1945.
Das hatte dann schon im Jahre 1948 erste Konsequenzen für ihn:
Dazu schreibt er:

"Ich war auch zwei Jahre lang, vom Januar 1948 bis Januar 1950, im Gefängnis, weil ich mich weigert, in die Armee einzutreten."

Damit war aber noch keineswegs das "Ende der Fahnenstange" auf seinem Leidensweg erreicht. Es folgte dann noch diese Episode:

"Im Januar 1952 wurde ich von der Sicherheitsbehörde in Kattowitz vernommen. Man klagte mich der Spionage zugunsten der Vereinigten Staaten an. Man schloss meinen Fall dem im Land berühmten Fall tatsächlicher Spione an, die in Polen ein Agentennetz aufbauten. Meine Lage war äußerst schwierig, denn an der Spitze dieses Netzes stand mein direkter Vorgesetzter der Firma, bei der ich soeben angefangen hatte zu arbeiten. Es zeigte sich, dass er amerikanischer Resident war, ein Offizier des Geheimdienstes."

Einen Satz aus dem Dornik-Bericht möchte ich dann meinerseits unkommentiert lassen. Würde ich ihn kommentieren wollen, könnte ich einfach nicht der Versuchung widerstehen, da in der Tendenz mit gnadenlosem Zynismus zu kommentieren.
Ich mag dem Mann das lieber ersparen. Ergo zitiere ich diesen Satz nur unkommentiert.

"Eine große Hilfe waren mir (Dornik) die Publikationen der Gesellschaft. Außer den Artikeln aus dem Wachtturm waren mir auch folgende Bücher eine Hilfe: Die Harfe Gottes, Die Regierung, Das Leben, Die Schöpfung, Die Rettung, Die Rechtfertigung (wir haben dieses Buch in deutscher Sprache bekommen); später auch das Buch Kinder...."

Auf einen direkten Kommentar verzichte ich ja. Auf einen indirekten allerdings nicht.
Und zwar den: Da fällt mir fast wieder jenes Bild ein:

Oder auch dieses:

Nun denn, die schweren Jahre sollten auch für Dornik mal ein Ende haben. Und so findet man in seinem mit diversen Bildern angereicherten Buch, auch eines, dass ihn zusammen mit seiner Frau, in Wien des Jahres 1981 zeigt (Besuch eines ZJ-Kongresses) (S. 119).
1981 war aber noch die kommunistische Phase in Polen.
Indes die erwähnte Reise zeigt, welche Liberalisierungen der Zeugen Jehovas-Politik dort zu jenem Zeitpunkt es schon gab (ein Umstand, von dem die Ostdeutschen Zeugen Jehovas zu der Zeit, bestenfalls nur träumen konnten).
Wie bereits erwähnt, verschlug es dann Herrn Dornik, nach der Legalisierung in Polen, noch in's dortige WTG-Zweigbüro.
Und betrachtet man sein Bildmaterial dann näher, kann man wohl auch sagen.
Über mangelndes herumreichen auf WTG-"Standhaft"-Veranstaltungen, brauchte er sich wohl auch nicht zu beklagen.
Selbstredend hat seine Biographie einen Marktwert für die WTG. Und das lässt sie sich auch schon mal was kosten, indem sie Herrn Dornik zum halben Weltreisenden auf der letzten Etappe seiner Lebensreise (auf WTG-Kosten) noch befördert.

Für meine Person indes kann ich dazu nur sagen.
Auf diese Art von Gnadenbrot gerne zu verzichten.
Herr Dornik gab seinem 2007 zuerst in Polnisch (und nun auch in deutscher Sprache vorliegendem Buch) den Titel: "Gerettet durch Gottes Gnade".
Für meine Person indes kann ich zum Abschluss doch nicht auf den zynischen Kommentar verzichten..
Diesen Buchtitel zu variieren.
Und zwar so.
Ein Einfaltspinsel berichtet wie er noch Glück im Unglück hatte!

Siehe zum Thema auch:
Parsimony.24379

Re: Anja Vellmer

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 05. Juli 2010 00:19

"Religiöse Kindererziehung und religiös begründete Konflikte in der Familie" so der Titel eines weiteren Buches (zugleich Juristische Dissertation an der Universität Göttingen) von Anja Vellmer.
Im öffentlichen Diskurs der letzten Jahre, haben da wohl insbesondere Meldungen über Schulverweigerungen aus religiöser Motivation Aufsehen erregt. Auch Konfliktlagen die da etwa mit islamistischen Religionsformen verbunden sind, dürften bekannt sein. Insofern braucht es nicht wunder zu nehmen, dass die mit den Zeugen Jehovas verbundenen Konfliktfelder, dieweil schon länger bestehend, für die nach "neuem" japsende Öffentlichkeit, nicht unbedingt auf der Tagespolitischen Aktualitätenliste auf vorderen Plätzen stehen.
Gleichwohl sind mit ihnen auch einige Konflikte verbunden.
So gesehen handelt es sich um ein Buch, wo die Zeugen Jehovas mit drin vorkommen. Gleichwohl werden noch andere Thematiken behandelt.

Unter anderem wie sich in den verschiedenen Geschichtsphasen von Deutschland, sich die Sachlage zu obigem Buchtitel darstellte.
Und man muss sich auch darüber im klaren sein. Eine juristische Dissertation pflegt in der Regel etwas von dem Schrifttum abzuweichen, das da der "Bildzeitungs-Leser" alltäglich konsumiert.

Zum Aspekt etwa der Schulverweigerungen verweist die Autorin unter Hinweis auf eine Gerichtsentscheidung des Oberlandesgerichts Hamm vom 25. 8. 2005 darauf hin:

"Dabei rechtfertigten weder das Elternrecht ... noch die Religionsfreiheit ... auf die sich die Eltern berufen, eine Befreiung von der Schulpflicht bei gleichzeitiger Akzeptanz von Heimunterricht." (S. 3)

Weiter urteilte genanntes Gericht:

"Daneben bestehe jedoch ein Erziehungsauftrag des Staates, der aus Art. 7 I G(rund)G(esetz) resultiere. Dieser Erziehungsauftrag des Staates sei eigenständig und dem Erziehungsrecht der Eltern gleichgeordnet. Keinem von beiden komme gegenüber dem anderen ein absoluter Vorrang zu, daher könne der Staat grundsätzlich unabhängig von den Eltern eigene Erziehungsziele verfolgen." (S. 4)

Vorgenannten Fall bewertet dann die Autorin selbst als "beispielhaft" und unterstreicht dies auch dadurch, gleich in der Einleitung zu ihrem Buch, den Fall zu erwähnen.

Die Argumentation der Befürworter des Hoomschuling fasst die Autorin dann in den Sätzen zusammen:

"Durch den Heimunterricht wollen die Eltern erreichen, dass die Kinder von dem öffentlichen Schulwesen ferngehalten werden. Einflüsse der pluralistischen Realität, die dem eigenen religiösen Empfinden zuwiderlaufen, sollen unterbunden werden. Über eine möglichst umfassende und lückenlose Kontrolle der Kontakte zur Umwelt wird versucht, dem eigenen Weltbild zum Durchbruch zu verhelfen. Damit stellt die Heimschule für die Anhänger religiös fundamentalistischer Strömungen eine sog. "Fluchtburg vor der Gegenwart" dar." (S. 216)

Demgegenüber steht die Gegenargumentation:

"Schule ist Gesellschaft; in ihr begegnen sich alle Teile der Gesellschaft. Um auf das spätere Leben und die notwendige Toleranz mit der Gesellschaft vorbereitet zu sein, ist es notwendig, die Kinder ab einem gewissen Alter durch die Begegnungen mit anderen Kindern in der Schule in die Gesellschaft einzufügen. Kontakte mit eben dieser Gesellschaft im Rahmen eines regelmäßigen Schulbesuchs sind notwendig, um den Umgang auch mit und die Toleranz gegenüber Andersdenkenden einzuüben, sowie Durchsetzungsvermögen und Selbstbehauptung zu stärken. ...
Ferner wird von der Rechtsprechung angeführt, dass die Allgemeinheit ein berechtigtes Interesse daran habe, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten "Parallelgesellschaften" vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken und Minderheiten zu integrieren."
(S. 224)

Auch wenn kein direkter Bezug zu den Zeugen Jehovas im Falle der Schulverweigerer gegeben ist, sagt man wohl nicht zuviel, stellt man fest:
Auch sie streifen den Rand jenes Kerns, der sich andernorts in Schulverweigerung/Hoomschuling-Tendenzen noch deutlicher manifestiert.
Man vergleiche etwa die juristische Dimensionen annehmende Reaktion aus Zeugen Jehovas-Kreisen, bezüglich der Behandlung des Romanes "Krabat" im Schulunterricht.

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,46538,46553#msg-46553

Ein etwas ungewöhnlicher Fall wird auf den Seiten 132/133 unter Bezugnahme auf eine Entscheidung des Landgerichts Lübeck vom 2. 12. 1963 erwähnt.
Vielfach ist es doch so, dass namentlich Konvertierungen zu den Zeugen Jehovas, auch solch einen Grad erreichen können, dass sie in Fällen die in der juristischen Literatur dargestellt werden, mit Erwähnung finden.
Hier aber, in diesem Fall war es umgekehrt. Da hatte eine den Zeugen Jehovas zugehörige Mutter zu registrieren, ihre 15jährige Tochter wolle von den Zeugen Jehovas zur Evangelischen Kirche konvertieren. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob jene 15jährige bereits als Zeuge Jehovas getauft war oder nicht.
Offenbar hatte die 15jährige schon einen Freund, welcher der evangelischen Kirche angehörte.

"Nach Ansicht des Gerichts diene der Tochter der Übertritt zur evangelischen Kirche hauptsächlich der Festigung ihres Verhältnisses zu ihrem Freund. Wenn die Mutter dieser Verbindung entgegenzutreten wünsche und sich die Umsetzung dieses Wunsches mittelbar auch auf den religiösen Bereich auswirke, so sei darin kein Sorgerechtsmissbrauch zu erkennen."

Also genannter Mutter, die jenen Übertritt wohl verhindern wollte, wurde zwar gerichtlich bescheinigt, sie habe mit ihrem Widerstand ihr Sorgerecht nicht missbraucht.
Gleichwohl wertete jenes Gericht auch:

"Dieses Recht der religiösen Einflussnahme werde jedoch begrenzt durch die Reife des Kindes, eigene religiöse Entscheidungen zu treffen. Im vorliegenden Fall sei die Entscheidung der Tochter jedoch mit besonderer Sorgfalt zu würdigen ... So habe sie bei ihrer Anhörung angegeben, später einmal einen evangelischen Mann heiraten zu wollen, zudem empfinde sie das evangelische Bekenntnis als das "bequemere".

Also endete der Fall mit dem "Status quo". Die Tochter konnte durchsetzen was sie wollte, und die Mutter hatte dazu in ihrer Sicht "gute Miene zum sauren Spiel" zu machen.
Das bemerkenswerte daran ist eben der Umstand, dass jener Fall vor den Schranken eines Gerichtes landete.
Man hätte sich ja das gleiche Endergebnis auch ohne Einschaltung eines Gerichtes vorstellen können!
Zu dem Fall der vom Landgerichts Lübeck am 2. 12. 1963 verhandelt wurde, kann man thematisch auch vergleichen die Dissertation von Cornela Gericke "Elterliches Erziehungsrecht und die Religion des Kindes" (in Buchform im Jahre 2001 erschienen), welche den gleichen Fall ebenfalls (mit) referiert. (bei Gerecke S. 146, 147).
Entzündet hatte sich der Fall wohl besonders an dem Umstand, dass die Mutter ein Umgangsverbots mit dem evangelischen Freund der Tochter durchsetzen wollte.
Zitat bei Gerecke:

"Sie (die Mutter) habe der Tochter nur den Umgang mit dem 23 Jahre alten Freund untersagt. Gegen die Person des Freundes bestünden zwar keine Bedenken, aber es widerspreche wohl europäischen Sitten, wenn eine minderjährige Schülerin ein derartiges Verhältnis pflege, bei dem sie die Eltern des Freundes als Eltern tituliert, sich von ihm einkleiden läßt, ihn heiraten möchte und sich heimlich mit ihm trifft ..."

Vorstehenden Fall erwähnt wie gesagt, auch Frau Vellmer noch mehr eingebettet in ihren "allgemeinen Ausführungen". Als Außenstehender Beobachter kann man dann ja dazu nur sagen. Die leibliche Mutter (Zeugin Jehovas) hatte dann ja das Gericht angerufen, dass der Fall, bei allen spezifischen Besonderheiten, wohl zugleich auch eine Bankrott-Erklärung der Zeugen Jehovas geprägten Erziehung darstellt, wenn sich das alles, so wie geschildert, entwickeln konnte.
Ab Seite 178f. Im Vellmer'schen Buch geht es dann spezifisch Zeugen Jehovas-bezogen weiter.
Und da wird man dann gleich in ein relevantes Konfliktpotential hineingestoßen mit den Sätzen (S. 180):

"Den Zeugen Jehovas wird oft vorgeworfen, ihre Kinder aus Erziehungszwecken zu züchtigen. Jüngst sind in der Zeitschrift "Religion; Staat; Gesellschaft" (2005) zwei Beiträge erschienen, die sich sehr kritisch zur obigen Beanstandung äußern. So führt Hessler an, dass insbesondere die Autoren Oelkers/Kraeft sich zur Untermauerung ihrer Aussage auf zum Teil veraltetes Material der Zeugen Jehovas gestützt haben, das noch aus einer Zeit stamme, in der körperliche Bestrafungen als Erziehungsmittel in der Gesellschaft allgemein anerkannt und durch das elterliche Züchtigungsrecht zudem gerechtfertigt waren. Er wirft Oelkers/Kraeft zudem vor, unwissenschaftlich zu arbeiten und unwahre Tatsachenbehauptungen aufzustellen, um ein vorurteilshafte Darstellung einer religiösen Minderheit zu verbreiten."

Was nun jenen Aufsatz von Harald Oelkers und Cindy Kraeft in der Zeitschrift "Familie und Recht" 1997 (S. 161 - 165) anbelangt, der sich auch im Internet nachweisen lies, ohne dass die Autorin der genannten Dissertation ihn verifiziert, sei ergänzend auf die von der Autorin selbst genannten Links verwiesen.

http://www.sekten-info-essen.de/texte/schule.htm

http://www.gimpelfang.de/jehovaszeugen/index.php?page=kindesmissbrauch.htm

Von der konventionellen Buchliteratur verweist sie auch auf das von Kaiser/Rausch (dort S. 30f.)
Zurückkehrend zu dem Aufsatz von Oelkers/Kraeft
In ihm findet man auch die Sätze:

"Das O(ber)L(andes)G(ericht) Frankfurt qualifizierte die Religionslehre der Zeugen Jehovas als fundamentalistisch und geeignet, langfristig psychische Schäden bei Kindern hervorzurufen. Sie würden durch die repressive, auf Angst einflößende Art der Erziehung langfristig in eine Außenseiterrolle gedrängt."

Wie also bereits vernommen, wird vorstehender Sachverhalt von bekannten WTG-Apologeten angefochten. An dem Umstand jener Anfechtung kann auch die Autorin nicht vorübergehen. Sie ist letztendlich genötigt, auch eine eigene Meinung dazu formulieren.
Wie fällt die nun aus?
Offenbar so:

"Den Ausführungen ... ist zunächst zuzugestehen, dass sich in den aktuellen Publikationen der Zeugen Jehovas tatsächlich die Aussage finden lässt, dass körperliche Misshandlungen von Kindern abgelehnt werden. Durchforstet man allerdings älteres Material der Glaubensgemeinschaft, so zeigt sich dort ein anderes Bild." (S. 181).

Als Beispiele für ihre These zitiert sie:

"So heißt es im Wachtturm vom 15.12.1973:
"Wie sollten Kinder erzogen werden? 
(Artikel dort S. 744 - 750)

Im Gegensatz zu der allgemein vorherrschenden Ansicht schätzen es die Kinder, wenn ihnen die Eltern vernünftige Richtlinien geben und vernünftige Einschränkungen auferlegen. Mitunter mögen sich Kinder zwar über die Züchtigung beklagen, aber solche Kinder lernen ihre Eltern lieben und achten, weil sie ein aufrichtiges Interesse am Wohl ihrer Kinder bekunden. Kinder, deren Eltern ihnen jedoch die nötige Zucht vorenthalten, entwickeln oft einen Groll gegen die Eltern.
Eine bekannte Zeitschrift berichtete vor einiger Zeit von einer Fünfzehnjährigen, die auf Abwege geraten war und sich selbst und ihre Familie dadurch in Verruf gebracht hatte. Über ihre Handlungsweise betrübt, sagte sie zu ihrem Vater: ,Papa, du hättest schon vor Jahren von mir verlangen müssen, dass ich mich anständig benehme, und wenn ich es nicht getan hätte, dann hättest du nicht bloß mit mir reden sollen, sondern hättest mir eine gehörige Tracht Prügel geben sollen."

Wenn man sich den Artikel selber ansieht, kann man etwa der Zwischenüberschrift

"DIE NOTWENDIGKEIT DER ZUCHT"

begegnen. Und da wiederum der vieldeutigen Floskel

"Zucht bedeutet aber noch mehr".

Und dieses "noch mehr" wird dann für Begriffsstutzige noch mit dem Detailsatz definiert:

"Wie die meisten Eltern wissen, läßt sich ein Kind oft nicht bloß durch Worte zurechtbringen. (Spr. 29:17, 19). Die richtige Erziehung erfordert daher manchmal auch eine Züchtigung oder Bestrafung, durch die das Kind zurechtgebracht wird. Schließt diese Art der Zucht aber auch Schläge ein? Entspricht das alte englische Sprichwort "Wer die Rute spart, verzieht sein Kind" der Wahrheit?"

Und seine selbst gestellte Frage beantwortet der WT dann noch mit den Sätzen:

"Weltliche Autoritäten auf dem Gebiet der Kindererziehung sagen immer wieder, das Kind dürfe nicht geschlagen werden; man dürfe seine Entwicklung nicht hemmen, indem man solche strengen Maßnahmen ergreife, um seine natürlichen Anlagen zu ändern."

Aber weis der WT weiter zu belehren:

"Gott ist der Schöpfer des Menschen. Es gibt keine höhere Autorität. Sein Wort läßt uns in dieser Hinsicht nicht im Zweifel. Es heißt darin: "Enthalte doch dem, der noch ein Knabe ist, die Zucht nicht vor. Falls du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Mit der Rute solltest du selbst ihn schlagen, damit du seine eigene Seele vom Scheol [vom Grab] selbst befreiest." (Spr. 23:13, 14)"

Das dürfte dann wohl selbst für die Begriffstutzigsten verständlich gewesen sein, "wohin der Haase zu laufen habe."
Und in den dazugehörigen Studienfragen zur Vertiefung des Stoffes wird dann gefragt:

"19. (a) Neigen Kinder von Natur aus dazu, das zu tun, was recht ist? Begründe deine Antwort. (b) Was schließt die Anwendung von Zucht alles ein?
20. Wie betrachten weltliche Autoritäten im allgemeinen die körperliche Züchtigung in Verbindung mit der Erziehung?
21. (a) Was sagt Gottes Wort über das Zurechtbringen eines mißratenen Kindes durch körperliche Züchtigung? (b) Wieso wissen wir, daß Gott selbst diese Methode der Züchtigung anwendet?"

Weiter verweist die Autorin auch auf den Wachtturm vom 1. 8. 1978. Da gibt es auf der Seite 32 eine sogenannte "Leserfrage". Die wiederum lautet:

"Was bedeutet der Spruch: "Den Spötter solltest du schlagen, damit der Unerfahrene klug werde, und man sollte den Verständigen zurechtweisen, damit er Erkenntnis verstehe."?

Und aus der entsprechenden WT-Antwort zitiert sie dann:

"Damit ein Kind lernt, eine falsche Handlungsweise zu meiden, bedarf es mitunter einer strengen Züchtigung (zum Beispiel Schläge), die es entweder bei anderen beobachtet oder die ihm selbst zuteil wird. Obwohl eine solche Züchtigung zunächst sowohl für das Kind als auch für die Eltern unerfreulich sein mag, wird es sich schließlich zeigen, dass sie sich gelohnt hat."

Die Autorin rekapituliert weiter:

"Hessler zufolge sei der in den Publikationen erfolgte Sinneswandel hinsichtlich der elterlichen körperlichen Züchtigung einhergegangen mit der allgemeinen, sich in der Gesellschaft immer mehr verbreitenden Auffassung von elterlicher Gewalt als ungeeignetem oder schädlichem Erziehungsmittel. Diesen Gedanken weiterführend hieße das, dass bei den Zeugen Jehovas nicht mehr oder weniger Züchtigungen statt gefunden haben als in den übrigen Familien auch, ihnen also eine extreme Züchtigungspraxis nicht vorgeworfen werden kann." (S. 182, 183)

Damit steht in dieser Streitfrage erst mal Aussage gegen Aussage.
Wohin aber neigt sich die Waage der Autorin bei der Bewertung dieser Streitfrage?
Offenbar dahingehend, wenn sie auch berichtet

"Demgegenüber stehen die zahlreichen Berichte von Aussteigern, die von erheblichen Züchtigungen der Eltern aufgrund der von den Zeugen Jehovas propagierten Erziehungslehre berichten. Insgesamt lässt sich sagen, dass sicherlich nicht alle den Zeugen Jehovas angehörenden Eltern ihre Kinder in großem Umfang körperlich gezüchtigt haben. Dennoch sollte stets genau zwischen äußerer Selbstdarstellung und den internen Geschehnissen differenziert werden." (S. 183)

Oder auch ihre Aussage:

"Hessler führt ... an, dass sich die Kritiker der Zeugen Jehovas fast ausschließlich auf den Beitrag von Oelkers/Kraeft stützen würden, denen er unwissenschaftliches Arbeiten vorwirft.
Hesslers Ausführungen vermitteln allerdings den Eindruck, als hätte sich nur der Aufsatz von Oelkers/Kraeft kritisch mit der Lehre der Zeugen Jehovas auseinandergesetzt. Da man diesen aufgrund fehlender Wissenschaftlichkeit nicht heranziehen dürfe, gebe es letztlich für einen kritischen Ansatz keine Grundlage.
Nicht erwähnt wird dabei allerdings die Fülle von nichtjuristischer Literatur, die ebenfalls die Lehre der Zeugen Jehovas dokumentiert und größtenteils zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie Oelkers/Kraeft."
(S. 252)

In der dazugehörigen Fußnote wird auch auf die Schriften verwiesen von Kaiser/Rausch, Eimuth, Gassmann, Pape ("Ich klage an"), Franz, Gewissenskonflikt.
Und weiter:

"Zur Kritik von Hessler, die Entscheidung (der von Oelkers/Kraeft zitierte Fall) stütze sich auf Vorurteile, die in den Publikationen der Zeugen Jehovas keine Grundlage fänden ... gilt, dass aus Publikationen der Gemeinschaft nicht automatisch auf die intern tatsächlich praktizierten Methoden geschlossen werden kann." (S. 254)

Zu dem weiteren Vorhalt der sozialen Isolation findet man bei der Autorin auch den Satz:

"Den Zeugen Jehovas ist die Gefahr einer sozialen Isolation nicht vollkommen unbekannt, sie gestehen in ihren Schriften sogar ein, dass Jugendliche, die Mitglieder ihrer Glaubensgemeinschaft sind, manchmal aufgrund ihrer Lebensweise gehänselt und ausgelacht werden." (S. 184)

Oder auch den Satz:

"Auch fällt den Zeugen Jehovas die Verbindung zwischen höherer Bildung und abnehmender Bindung an grundlegende religiöse Lehren unangenehm auf. Den jungen Menschen wird verweigert, eine Bildung nach ihren eigenen Bedürfnissen anzustreben, sie haben sich einzig und allein den Bedürfnissen der Gemeinschaft unterzuordnen.
Weiter leben sie in ständiger Erwartung der erlösenden "Schlacht von Harmagedon", die alle Nichtgläubigen vernichten wird. Es wird ihnen deshalb vorgeworfen, ihren Kindern durch diese Endzeiterwartung existentielle Ängste einzuflößen."
(S. 185)

Was nun die WTG-Apologeten anbelangt, bescheinigt sie diesen an einem Beispiel veranschaulicht:

"Tatsächlich ist in den Publikationen kein Hinweis darauf zu finden, dass die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas den Kindern die Teilnahme an Klassensprecherwahlen oder ähnlichem verbietet. Sie erklären, dass diese Entscheidung dem Gewissen des einzelnen Kindes unterliege. Ob das biblische Gewissen dem Kind nicht doch zu einer bestimmten Entscheidung rät, erfährt der Leser aber nicht" (S. 186).

Es ist also dieses gezielte arbeiten mit getürkten Halbwahrheiten, dass den WTG-Apologeten besonders vorzuhalten ist.
Ich halte es Frau Anja Vellmer besonders zugute, dass sie diese Aspekte mit herausgestellt hat. Sie unterscheidet sich damit wohltuend etwa von Frau S. R. Pohl; auf deren Arbeit hier ja auch schon eingegangen wurde.

Es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass auch das Thema Bluttransfusion mit zur Sprache kommt.
Dazu wird als einer der ersten Bundesrepublikanischen Justizbewertungen, auch auf das Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm vom 10.10.1967 verwiesen.
Der Fall Adolf Zierath, der hier auch schon dokumentiert wurde.
Siehe dazu unter anderem:
Parsimony.14288
Blutkult

Im weiteren Verlauf ihrer Referierung verweist Frau Vellmer auch darauf, wie auch diese Problemlage von den Zeugen angefochten wird.
Etwa indem in deren Argumentation dazu, eine zunehmende Akzentverschiebung zu beobachten ist.
Von einer ursprünglich nur dogmatisch begründeten These, zu einer These, die man meint mit tatsächlichen oder vorgeblichen wissenschaftlichen Argumenten stützen zu können.

Für die diesbezügliche Problemlage stehen auch die Sätze:

"Eine weitere Kernaussage von Hessler/Glockentin ist die, dass Ärzte, unterstützt von der Justiz, eher aus Konservatismus und Tradition denn aus medizinischem Fortschrittsdenken an der Bluttransfusion festhalten und sich darauf ausruhen. Denn Eltern, die eine Transfusion ablehnen, wird der Einfachheit halber religiöser Fanatismus unterstellt, als genauer zu überprüfen, ob die Weigerung nicht auf medizinische Bedenken zurückzuführen sein kann.
Dazu ist zu sagen, dass zunächst Juristen im Vergleich zu Medizinern nur ansatzweise die auf diesem Gebiet stattfindenden Entwicklungen und Fortschritte nach vollziehen können und dort auf entsprechende Fachliteratur angewiesen sind, die sie auch nur bedingt kritisch hinterfragen können. Soweit ersichtlich gibt es seitens der Medizin sowohl Befürworter als auch Kritiker von Bluttransfusionen."
(S. 209)

Credo der WTG indes ist, ihr Dogma unter allen Umständen durchzusetzen, egal welche "Strömung" da in der wissenschaftlichen Medizin gerade vorherrscht. Damit wird in WTG-Sicht letztendlich auch die Justiz zum Erfüllungsgehilfen ihrer Dogmatik deklariert. Und ihr Geschrei ist groß, sollte die Justiz im Einzelfall diese Willfährigkeit nicht erweisen.

Ein relevanter Satz der Studie von Frau Vellmer ist meines Erachtens auch der (und damit mag diese Betrachtung ihr Ende finden:

"Religiöse Konflikte können nicht nur bei den Zeugen Jehovas auftreten, sondern auch bei christlichen Freikirchen, wie der Fall der von den Baptisten oder anderen Christen vorgenommenen Schulverweigerung zeigt. Dies macht deutlich, dass hierbei unerheblich ist, ob es sich um eine Mehrheits- oder Minderheitenreligion handelt. Auch in diesem Punkt ist Hessler ... und Besier entgegen zu treten, die behaupten, die vorurteilsbelastete Diskriminierung der Zeugen Jehovas würde letztlich von den sich vor Konkurrenz fürchtenden Amtskirchen forciert." (S. 255)

Man vergleiche thematisch auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,44631,45204#msg-45204

Exkurs:
Ein Kommentar zum Thema WTG-Kindererziehung, entnommen dem Buch von Gerd Wunderlich: „Jehovas Zeugen Die Paradies-Verkäufer:

„Zur Kindererziehung hatte uns die WTG ebenfalls ein biblisches Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Es war das unter uns Zeugen Jehovas sehr beliebte Buch "Vom verlorenen Paradies zum wiedererlangten Paradies". Das Buch war reich illustriert und "leicht verständlich" geschrieben. Wir sollten es regelmäßig mit unseren Kindern betrachten, selbst wenn sie noch nicht lesen konnten, denn die Bilder sind gut geeignet, Gottes Handeln daran zu erklären. Besonders meine Frau gab sich die
größte Mühe, unsere Tochter von frühester Kindheit an mit der Bibel und den Wachtturmlehren vertraut zu machen.
Erst viel später begriffen wir, was wir unserem Kind zugemutet
hatten, wenn wir ihm z.B. anhand dieses Buches den Verlauf des Krieges Gottes "Harmagedon" erklärten. So wird unter anderem auf den Seiten 208-209 in dem Kapitel "Wie diese Welt enden wird" das Bild eines furchtbaren und nach Rache dürstenden Gottes gezeichnet, das den Kindern in der Regel eine tiefe Furcht vor dem "lieben" Gott vermittelt.
Der Zweck dieser barbarischen Erziehung ist, den Kindern beizubringen, daß sie nur dann vor der Vernichtung durch diesen "lieben" Gott sicher seien, wenn sie gehorsam alles täten, was "Jehova" durch seine Organisation und durch ihre Eltern von ihnen verlangt.
Glücklicherweise war ich schon immer im Sinne der WTG ein schlechter Erzieher, und so blieb unserer Tochter einiges in dieser Hinsicht erspart. Doch ganz ohne Schwierigkeiten ging es nicht für sie ab.

Es begann mit der Schulzeit. Bei einem Kind von Zeugen Jehovas wird darauf geachtet, daß der Umgang mit Kindern aus "der Welt" auf ein Minimum begrenzt bleibt.
Grundlage dafür ist die Bibelstelle aus l. Kor. 15,33: "Faßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten." (NW)
So wurde unsere Tochter sehr kontaktarm. Von Natur aus schon etwas schüchtern, konnte sie kaum erklären, warum sie an gewissen Festen, wie z. B. Weihnachten, Ostern, Geburtstagen oder Karneval, nicht teilnehmen durfte.
Mit diesem Problem stand sie allerdings nicht allein; alle Kinder von Zeugen Jehovas haben mehr oder weniger damit zu kämpfen.
Damit diese Kinder Auseinandersetzungen besser begegnen können, werden in den Versammlungen innerhalb der "Predigtdienst-Schule" Hilfen geboten. Durch Ausarbeiten und Vortragen kleiner Ansprachen wird ihre Redegewandtheit geschult. Man ist bemüht, diesen Ansprachen einen möglichst wirklichkeitsnahen Rahmen zu geben. Ich erinnere mich noch an eine Ansprache von zwei Mädchen zur Karnevalszeit, die damals 9 bzw. 12 Jahre alt waren.
Der Tenor dieser Ansprache war der dämonische Ursprung der Karnevalsbräuche. Von diesen heidnischen Bräuchen müsse man sich fernhalten, wenn man Jehova Gott gefallen und nicht von Dämonen belästigt werden wolle, gaben sie zu verstehen und beteuerten, daß sie nicht einmal einen bunten Klecks auf ihre Backen malen würden.
Auch andere Feste und Bräuche sind ein Tummelplatz für Dämonen. Da werden weder Weihnachtssterne gebastelt noch Ostereier gesucht.

 Besonders im Kindergarten und in den ersten Schuljahren stehen Kinder von Zeugen Jehovas oft abseits, wenn für solche Feiertage gebastelt wird.
Natürlich fällt es den Kindern nicht leicht, darauf zu verzichten, doch da ihnen von Eltern und Versammlung eingeschärft wird, daß Jehova so etwas verurteilt, fügen sie sich und hoffen
auf das "Neue System", in dem sie dann für alles reichlich entschädigt werden.
Doch für diese wunderbare Hoffnung muß man auch etwas tun. Umsonst gibt auch Jehova nichts, wird ihnen beigebracht; und das Beste, was wir für Jehova tun können, ist, "die gute
Botschaft zu verkünden". Je eher wir damit anfangen, desto besser.
Auch unsere Tochter sollte so früh wie möglich mit dieser Art des "Gottesdienstes" vertraut werden. Doch so sehr sich meine Frau auch bemühte, der rechte Erfolg wollte sich nicht einstellen. Unserer Tochter war das alles langweilig, nur die Vorstellung, im Paradies zu leben und mit wilden Tieren zu spielen, konnte ihr Interesse wecken.
Als Einzelkind hatte sie auch immer das Problem, einen Spielgefährten zu finden. Es verstand sich von selbst, daß nach Möglichkeit nur Kinder von "treuen" Zeugen Jehovas in Frage kamen. Deswegen machten wir trotz unserer knapp bemessenen Zeit Ausflüge mit Eltern von mehreren Kindern, besonders in den nahe gelegenen Taunus. Die Unterhaltung auf solchen Wanderungen wurde überwiegend von biblischen Themen beherrscht. Gehorsam wie wir waren, folgten wir hier einer Anregung der Gesellschaft und erhofften uns dadurch einen günstigen Einfluß auf unsere Tochter. Selbst die Gesellschaftsspiele waren biblisch orientiert, indem wir z. B. biblische Ratespiele machten. Dabei konnte es allerdings selbst für uns Zeugen Jehovas zu den merkwürdigsten Situationen kommen. ..."

Eine Sammlung von WTG-Zitaten zum Thema "Rute der Zucht" (exlern)

http://mitglied.multimania.de/ottonio/rutezucht.html

Re: Anja Vellmer

geschrieben von:  Frau von x

Datum: 05. Juli 2010 19:53

Drahbeck
Exkurs: Ein Kommentar zum Thema WTG-Kindererziehung, entnommen dem Buch von Gerd Wunderlich: Jehovas Zeugen Die Paradies-Verkäufer:

Zur Kindererziehung hatte uns die WTG ebenfalls ein biblisches Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Es war das unter uns Zeugen Jehovas sehr beliebte Buch "Vom verlorenen Paradies zum wiedererlangten Paradies". Das Buch war reich illustriert und "leicht verständlich" geschrieben. Wir sollten es regelmäßig mit unseren Kindern betrachten, selbst wenn sie noch nicht lesen konnten, denn die Bilder sind gut geeignet, Gottes Handeln daran zu erklären. ...

Erwachet! für JULI 2010 S.32:
"Wir möchten uns herzlich für all die Artikel bedanken, die ihr für uns Eltern herausbringt", schreibt ein Ehepaar aus New Hamshire (USA). "Unsere Sophia ist vier, und es kommt uns so vor, als hätten wir einen persönlichen Berater an der Seite, der uns hilft, ... ."
In dem Brief heißt es weiter: "Das Buch Lerne von dem großen Lehrer ist ein Schatzkästchen voll mit Lebenstipps - nicht nur für unsere Tochter, auch für uns. Und so schöne Bilder vom Paradies wie im letzten Kapitel haben wir noch nirgendwo gesehen. Unsere Kleine taucht förmlich immer wieder in die Bilder ein und saugt all das Schöne, was die Bibel verspricht, in sich auf."
"Du kannst in einer friedlichen neuen Welt leben!", so heißt das letzte Kapitel in dem Buch Lerne von dem großen Lehrer. Dort wird sehr schön illustriert, was Gott in der Bibel für die Zukunft verspricht.

Erst viel später begriffen wir, was wir unserem Kind zugemutet
hatten, wenn wir ihm z.B. anhand dieses Buches den Verlauf des Krieges Gottes "Harmagedon" erklärten. So wird unter anderem auf den Seiten 208-209 in dem Kapitel "Wie diese Welt enden wird" das Bild eines furchtbaren und nach Rache dürstenden Gottes gezeichnet, das den Kindern in der Regel eine tiefe Furcht vor dem "lieben" Gott vermittelt.
Der Zweck dieser barbarischen Erziehung ist, den Kindern beizubringen, daß sie nur dann vor der Vernichtung durch diesen "lieben" Gott sicher seien, wenn sie gehorsam alles täten, was "Jehova" durch seine Organisation und durch ihre Eltern von ihnen verlangt.

In dem bereits erwähnten Kinderbuch auch 'sehr schön illustriert' dargestellt: "Jesus Christus, Gottes auserwählter König, wird in Harmagedon die Welt vernichten". Das darauf folgende Kapitel ist überschrieben: WOHER WIR WISSEN, DASS HARMAGEDON NAH IST? Die Antwort: Wir wissen, dass Harmagedon nah ist. Deshalb sollten wir nicht damit warten, Gott unsere Liebe zu zeigen und ihm zu dienen.

... unsere Tochter ... . Von Natur aus schon etwas schüchtern, konnte sie kaum erklären, warum sie an gewissen Festen, wie z. B. Weihnachten, Ostern, Geburtstagen oder Karneval, nicht teilnehmen durfte.
Mit diesem Problem stand sie allerdings nicht allein; alle Kinder von Zeugen Jehovas haben mehr oder weniger damit zu kämpfen.

Kapitel 30: WAS UNS HILFT, WENN WIR ANGST HABEN
Nach einigen Ausführungen: Stell dir mal vor, du kommst in eine ähnliche Situation wie Petrus: Die Kinder in der Schule machen gemeine Bemerkungen über Leute, die nicht Weihnachten oder Geburtstag feiern. Ein Kind zeigt mit dem Finger auf dich und sagt: "Du gehörst auch zu denen! ... Hättest du jetzt Angst davor, die Wahrheit zu sagen? ...
Wir müssen unbedingt zu Jehova um Hilfe beten. ...
Wir müssen gut zuhören, was in den Zusammenkünften gesagt wird, ... Wenn wir das tun, wird er uns helfen, damit wir nicht mehr so viel Angst haben.

Damit diese Kinder Auseinandersetzungen besser begegnen können, werden in den Versammlungen innerhalb der "Predigtdienst-Schule" Hilfen geboten. Durch Ausarbeiten und Vortragen kleiner Ansprachen wird ihre Redegewandtheit geschult.

Der WACHTTURM vom 1.Juli 2010 fragt: Tun Jehovas Zeugen etwas für das Gemeinwohl? Antwort: Jehovas Zeugen geben Kurse, in denen Millionen Menschen lernen, verständlich und taktvoll zu kommunizieren - auch vor Publikum. Gemeint ist damit die Theokratische Predigtdienstschule in den wöchentlichen Zusammenkünften bei ZJ.

Natürlich fällt es den Kindern nicht leicht, darauf zu verzichten, doch da ihnen von Eltern und Versammlung eingeschärft wird, daß Jehova so etwas verurteilt, fügen sie sich und hoffen
auf das "Neue System", in dem sie dann für alles reichlich entschädigt werden.
Doch für diese wunderbare Hoffnung muß man auch etwas tun. Umsonst gibt auch Jehova nichts, wird ihnen beigebracht; und das Beste, was wir für Jehova tun können, ist, "die gute
Botschaft zu verkünden". Je eher wir damit anfangen, desto besser.

Der WACHTTURM vom 15.April 2010: In Prediger 12:1 heißt es: "Denk an deinen Schöpfer, solange du noch jung bist" ... . Wie alt musst du sein, um ..., Jehova zu dienen? In der Bibel steht nichts von einem bestimmten Alter. Denk also nicht du seist zu jung, um Jehovas Willen zu tun und ihm zu dienen. Ganz gleich wie alt du bist, ... - schieb es nicht auf!

UNSER KÖNIGREICHSDIENST für Juli 2010: Für Jesus stand der Predigtdienst ganz obenan. ...
Wir möchten die gleichen Prioritäten setzen wie Jesus, ...
Darum müssen wir uns permanent bewusst machen, was die "wichtigeren Dinge" sind, und unbedingt immer Zeit dafür einplanen, regelmäßig zu predigen ...
Wenn man nur wenig Zeit hat, tut man am besten das Wichtigste zuerst. ... Der Rest kann warten. Bald geht der Sturm von Harmagedon los. Bis dahin bleibt nicht mehr viel Zeit (...).
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