Menschenrechte

geschrieben von:  Alphabethus

Datum: 27. Januar 2010 08:36

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Ich bin kein Jurist. Ich kann die Geschehnisse deshalb auch nicht juristisch bewerten. Aber ich bin ein Mensch und habe als Betroffene mit allen Sinnen gefühlt, wie sich die Ordensregeln der Wachtturm Organisation auf mein Leben ausgewirkt haben.
Mit der Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen.
Artikel 1
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“
Ich schaue auf mein Leben zurück und frage mich:
Wurde mein Gewissen respektiert?
Artikel 2
„Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.
Desweitern darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.“
Artikel 7
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und hab en ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleich Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.“
Jehovas Zeugen behaupten, diejenigen, denen die Gemeinschaft entzogen wurde sind fortan Kinder des Teufels. Diese Behauptung empfinde ich als Diskriminierung und üble Nachrede. Der Wachtturm als offizielles Organ der Zeugen Jehovas erscheint angeblich weltweit mit gleichem Inhalt. Dann wird nach meinem Verständnis weltweit zur Diskriminierung dieser Minderheit der ehemaligen Glaubensbrüder aufgehetzt und millionen Zeugen Jehovas handeln nach dieser Vorgabe.
Zitat aus
Wachtturm vom 15.04.2009, Seite 6, Absatz 15
Studien Artikel zu Hiob
„Satan war das erste Geschöpf, das abtrünnig wurde. […] oder gegenüber der leitenden Körperschaft. Manche von ihnen setzen sich vehement gegen den Gebrauch des Namens Jehova ein. Es liegt ihnen nichts daran, Jehova besser kennenzulernen oder ihm zu dienen. Wie ihr Vater, der Teufel, bekämpfen sie Menschen, die Jehova ergeben sind. (Joh. 8:44) Da ist es nur natürlich, dass Diener Jehovas nicht das Geringste mit ihnen zu tun haben wollen! (2. Joh. 10, 11).“
Artikel 10
„Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.“
Die Verhandlung des Rechtskomitees der Zeugen Jehovas ist nicht öffentlich. Der Angeklagte bekommt keine schriftliche Erklärung weswegen er vorgeladen wird. Es gibt keinen unabhängigen, neutralen Verteidiger. Das Rechtskomitee ist Ankläger und Richter gleichzeitig. Es gibt keine schriftliche Urteilsbegründung.
So kann ich über die Gründe meines Gemeinschaftsentzuges nur vermuten.
Hatten die Väter der Erklärung der Menschenrechte ein Vorgehen dieser Art im Sinn?
Artikel 12
„Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.“
Laut Anweisung der Wachtturm Organisation dürfen selbst meine Familienangehörigen keinen Kontakt mit mir haben:
Zitat:
Aus dem Buch „Bewahrt euch in Gottes Liebe“:
Auf Seite 207 heißt es: „Ist es wirklich nötig, den Kontakt völlig abzubrechen? Ja, aus mehreren Gründen…“. Auf die Frage „Was, wenn ein Verwandter ausgeschlossen wird?“ (Seite 208) wird unter anderem auf Seite 209 gesagt: „In seltenen Fällen könnten es gewisse Familienangelegenheiten zwar erfordern, dass man mit dem Ausgeschlossenen begrenzt Kontakt hat, doch sollte dieser auf ein Minimum beschränkt werden. Wer Jehova treu sein möchte, sucht nicht nach Vorwänden für Kontakte mit einem ausgeschlossenen Verwandten, …“
Meine Familie sieht dies als Anweisung, nicht mehr mit mir zu reden. Ich empfinde dies als massiven Eingriff auf mein Privatleben und als Beeinträchtigung meiner Ehre und meines Rufes, da man mir unterstellt, dass ich dem Teufel als Vater gehöre.
Für mich, juristischem Laien, sind auch noch weitere Menschenrechte durch die Ordensregeln dieser Wachtturm Organisation eingeschränkt.
Das Berufungsgericht von Lüttich hat am 6. Februar 2006 in seinem Urteil im Falle Jacques Lejeune entschieden, dass die besonderen Instruktionen der Zeugen Jehovas gegen jene, die sie ausgeschlossen haben, gegen die Religionsfreiheit verstoßen.
http://griess.st1.at/gsk/fecris/deutsch%20Lejeune.htm
Jehovas Zeugen berufen sich auf ihr Recht auf Religionsfreiheit und auf das Recht auf innerorganisatorische, disziplinarische Maßnahmen. Das sei ihnen auch nicht genommen.
Doch ich frage: Wollten die Väter der Charta der Menschenrechte soweit gehen, dass unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Persönlichkeitsrechte einzelner außer Kraft gesetzt werden?
Kann man es mit Religionsfreiheit entschuldigen, wenn in die intimsten und privaten Angelegenheiten der Mitglieder und Ex-Mitglieder hinein reglementiert wird?
Artikel 30
„Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, dass sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.“
Als Betroffene kann ich nur sagen: Nach meinem Gefühl ist die Bestimmung des Artikel 30 nicht respektiert worden.

Re: Menschenrechte

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 27. Januar 2010 09:32

Man vergleiche thematisch (unter anderem) auch
Mysnip.3726
(Alternativ auch im Forumsarchiv 252

Re: Menschenrechte

geschrieben von:  Alphabethus

Datum: 27. Januar 2010 10:06

Genau darin liegt die uns sattsam bekannte Problematik. So lange es nicht möglich ist am Beispiel direkt Betroffener den Schaden durch die Diskriminierung zu "beweisen", können sie immer weiter Regeln aufstellen, deren Einhaltung scheinbar der freien Gewissensentscheidung einzelner unterliegen. Auf meinen Beitrag im myspace Forum bekam ich den Vorschlag, mich an Amnesty international zu wenden.

Re: Menschenrechte

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 27. Januar 2010 12:03

Ein Rückblick.
Nun also war Kurt Hutten, seit 1. April 1960, auch als Leiter der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen", von seinem Kirchenverbund, für dieses Amt offiziell etabliert.
Ausgewiesen dafür war er ja schon seit der Zeit nach 1945, durch eine umfängliche thematische Publizistik, unter der besonders sein langjähriges Standardwerk "Seher Grübler Enthusiasten" herausragt.

In Heft 1/1961 der Zeitschrift "Das missionarische Wort" hält Hutten dazu, unter der Überschrift "Die Wende an der "weltanschaulichen Front", selbst einmal einen Rückblick.
Die von ihm bezeichnete Wende kann man in der Tat auch bei ihm selbst feststellen.
Der junge Hutten gehörte um 1933 mal (kurzzeitig) den Hitler orientierten "Deutschen Christen" an.

Deren Stern sank aber, spätestes im November 1933 mit der Sportpalastkundgebung ihres Funktionärs Krause, und namentlich der nachfolgenden Polarisierung, mächtig ab.
Selbst die Nazis fuhren ihre Protektion für diese Strömung in der Folge zurück, und wollten nunmehr in Religionsfragen eher "neutral" sein (ob sie es denn waren ist eine ganz andere, zu verneinende Frage).

Jedenfalls stießen in dieses nun offenbar sichtbare Vakuum, zunehmende jene weltanschaulichen "Distanzierungskräfte" vor (deren bekanntester vielleicht Alfred Rosenberg mit seinem "Mythus des XX. Jahrhundert" war), die da keine Hemmschwelle mehr hatten, und unverblümt bereit waren, zu erklären, das konventionelle Christentum habe zu "verschwinden", auf das "man seiner nicht mehr gedächte".
Nicht verschwinden indes sollte irrationale Religiosität, nur eben anders ausgerichtet werden. Namentlich aufs "Heldische" (auf Vorbereitung) für die eigene militärische Aggressionspolitik.

Das alles schreckte vielerlei Kirchenvertreter auch auf. Die "Bekennende Kirche" ohnehin, aber selbst Teilen der noch vorhandenen "Deutschen Christen", war bei dem Gedanken an ihre zunehmende Konkurrenz der "Deutschgläubigen", zusehends unwohler.
Und auch Hutten befand, unter diesen Konstellationen, könne seines Verbleibens bei den "Deutschen Christen" nicht länger sein.

Als Pressepfarrer in der Württembergischen Ev. Kirche, wird man allerdings, auch nach 1933, noch einiges publizierte von Hutten vorfinden.
Nicht zuletzt fand er seine Thematik eben auch in der Auseinandersetzung mit dem Deutschglauben.
Man vergleiche auch
Kurt Hutten. Eine pdf-Datei
---
Im Bewusstsein nach 1945 habe nun eine neue Ära begonnen, "sattelte" auch Hutten um.
Das Thema der Deutschgläubigen hat sich ja nun vorerst erledigt. Dafür wird ein neues Thema, die Sektenlandschaft, zunehmende Bedeutung gewinnen. Und diese Erkenntnis lässt dann auch Hutten in seinem genannten Aufsatz mit einfließen. Etwa wenn er darin auch ausführt:

"Bis 1933 traten mindestens 2,5 Millionen Menschen aus der Kirche aus und die Mitgliederzahl der Freidenkerorganisationen stieg auf 800.000 an. Später gesellte sich, von der wachsenden völkischen und nationalsozialistischen Bewegung emporgetragen, eine arteigene Deutschgläubigkeit zu den Gegnern der Kirche. Sie stand zwar von Anfang an im Zeichen einer heillosen Zersplitterung, aber einzelne Kreise, etwa die Ludendorffer, erzielten eine beträchtliche Reichweite und erfaßten Schichten, die dem Freidenkertum verschlossen waren.

Als 1933 der braune Staat errichtet wurde, schien die Hoffnung deutschgläubiger Führer nicht unbegründet zu sein, daß der politischen auch eine völkisch-religiöse Massenbewegung zur Seite gehen werde, um das "artfremde" Christentum auszutilgen und die Seele des Volkes zu erobern. Wieder stiegen ab 1934 die Zahlen der Kirchenaustritte; insgesamt trennten sich bis 1945 rund 1,4 Millionen Menschen von der evangelischen Kirche.

Das alles ist heute ganz anders geworden. Die großen antichristlichen Bewegungen von damals sind erlahmt. Ihre Restbestände haben sich in ein paar kümmerlichen Tümpeln gesammelt.
Der Deutsche Freidenkerverband, nach 1945 wieder ins Leben gerufen, hat es zu rund 7000 Mitgliedern in der Bundesrepublik und einer bedeutungslosen Zeitschrift gebracht. Die Monisten bilden einen kleinen Verein. Der Ludendorffsche "Bund für Gotteserkenntnis" zählt nur noch einen Bruchteil seines einstigen Bestandes. Die sonstigen deutsch- und gottgläubigen Vereine sind erloschen oder kraftlose Winkelgemeinschaften geworden. Am besten haben noch die verschiedenen freireligiösen Organisationen überstanden, weil sie eine festgefügte Mitgliedschaft und Ordnung besaßen. Jedoch haben auch sie den Höhepunkt ihrer Geschichte längst hinter sich."


Einige Jahrzehnte später, mag eine Bilanz dann wohl auch so unangebracht nicht sein.
Hutten's "Seher Grübler Enthusiasten" gilt zwar noch als geschichtliches, nicht aber mehr als aktuelles Standardwerk.
Dem folgten noch paar andere andere, weitaus kurzlebigere.
Exemplarisch ist dieser Paradigmawechsel auch ablesbar an den Ausführungen zu dem Buch
"Panorama der neuen Religiosität" .

Huttens intensiv bearbeitete Sektenthematik, ist da schon mal zu einer Marginale zusammengeschmolzen.

So richtig "bewegen" tut heutzutage die Sektenthematik (außer direkt oder indirekt Tangierten) kaum noch größere Kreise.
Die verstehen allenfalls "Bahnhof ..." dann ist ihr Verständnisvermögen auch schon beendet.
Ablesbar auch an den Gerichtsprotokollen im ZJ-KdöR-Prozess.
Von der urteilenden Richterschaft (in allen Instanzen) kann auch unterstellt werden. Die haben auch nur "Bahnhof ..." verstanden.
Einen Richter mit eigener vormaliger, eigener ZJ-Sozialisation gibt es nicht (jedenfalls ist mir keiner in Deutschland bekannt). Deren "Weisheit" erschöpft sich dann vielfach in dem Allerweltsausspruch.
Na wenn es euch da nicht gefällt - tretet doch aus!

Über die psychische Befindlichkeit, solcher dann Ausgetretenen könnte besagter Richterschaft ja mal (beispielsweise) ein Herr Rohmann ein Gutachten verfassen, da bei der Richterschaft ohnehin nur Gutachten zählen.
Die aber darf dann nicht "all und jeder erstellen". Da ist dann schon mal ein gewisses Vorsortieren angesagt. Und ob denn Herr Rohmann in den Augen der Richterschaft die notwendige Gnade fände, erscheint mir so ausgemacht auch nicht zu sein.

Ergo bleibt alles wie es ist. Die Richterschaft besteht auf ihre Gutachten (selbstredend nur die zugelassenen).
Die Gegen-Gutachter, beispielsweise ein Herr Besier, suchen kräftig ihre Konkurrenz (in diesem Beispiel eben Rohmann), madig zu machen.
Schlussergebnis. Da keiner die Forderungen der saturierten Richterschaft erfüllt, bleibt alles so wie es ist. bzw. Sieger ist der, der am meisten in willfährige Gutachter vom Stiele Besier investiert.

Um noch einen Moment beim Namen Besier zu verbleiben.
Das der nun ausgerechnet, bei einer Partei die sich "Linke" nennt, seine Karriere fortsetzen kann, ist dann ja für unsereins die Verhöhnung hoch zehn.
Aber weshalb ist das so - weil man in besagter Partei bei dem in Rede stehenden Thema, auch nur immer "Bahnhof ..." versteht, und da kann man sich dann ja mit der saturierten Richterschaft die Hände reichen zum Gegenseitigen gratulieren!

Um zu Hutten zurückzukehren.
Hat die Sektenproblematik insgesamt auch abgenommen, ist der Hinweis von Hutten auf die entgegengesetzten Polen, so unrichtig auch nicht.
Am Beispiel der von Hutten mit genannten Monisten, auch veranschaulichbar.

Vor dem ersten Weltkrieg, ein Haufen bürgerlich Saturierter.
Nachdem der Weltkrieg dann auch einigen vormals Saturierten, ihr Saturiertsein beendet hatte, zur unbedeutenden "Randnotiz" der Geschichte zusammengeschmolzen.
Stichwort "Freidenker". Hätten die sich nicht relativ früh den Geschäftszweig Feuerbestattungsversicherungskasse zugelegt, wäre deren Abstieg wohl kaum erst nach 1945 erfolgt (von ihrer Stigmatisierung im Naziregime jetzt nicht zu reden).

Hutten nannte weiter das Beispiel der "Freireligiösen".
Wer denn eine superstarke Lupe hat, mag denn ja auch heutzutage noch Reste davon vorfinden.
Wer diese Lupe nicht hat, wird eben nichts mehr vorfinden.
Das zeigte sich schon bei einem ihrer Vorgänger den Deutschkatholiken (von Ronge gegründet). Deren Blütezeit währte nicht übermäßig lange.

Zusammengefasst. Dem stärksten Abtrieb verschaffen auch den Sekten bürgerlich saturierte Umweltbedingungen.
In Zeiten von Hartz IV soll es für diese Umweltbedingungen auch nicht mehr zum allerbesten stehen.

Dennoch kann die Verletzung von Menschenrechte durch die religiöse Szene insgesamt, nicht kommentarlos hingenommen werden.
Es wäre in der Tat - als Minimum - Aufgabe des Staates, eine einseitige Protegierung zu Gunsten der Religionsindustrie zu reduzieren, besser noch zu beenden.

Würde diese einseitige Protegierung so nicht mehr fortbestehen, hätten ja auch Kräfte im Stile der Monisten oder anderer, mehr die Chance sich darzustellen, und aus ihrer Sicht die Finger auf jene Wunden zu legen, damit den immer nur "Bahnhof versteher", dann endlich mal ihr "Ohropax" aus der Ohrmuschel herausgenommen wird, damit sie etwas besser "verstehen".

Um noch einmal auf Hutten zurückzukommen.
In der genannten Zeitschrift (Jahrgang 1961 des "Missionarischen Wortes" S. 293f.) gibt es da noch eine weitere Hutten bezügliche Notiz:

Zitat:
"Die "Zeugen Jehovas" seien keine christliche Bewegung, keine Bußbewegung, sondern eine "happy-end-Gesellschaft", erklärte Kirchenrat D. Dr. Kurt Hutten ... kürzlich in Hamburg. Der Leiter der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sprach auf Einladung der Hamburgischen Kirche, um im Blick auf den in der Hansestadt stattfindenden norddeutschen Kongreß der Zeugen Jehovas ... Die Hamburger Bevölkerung über den Charakter der Sekte aufzuklären.
Die Führer der Sekte in der Zentralleitung in Amerika bezeichnete er als skrupellose Verführer, die selbst wahrscheinlich gar nicht einmal an die von ihnen propagierte Lehre glaubten, sondern mit der theokratischen Organisation der "Wachtturmgesellschaft" und einer militanten Armee versklavter Sektenanhänger "auf die fromme Tour" die Diktatur über Völker und Staaten anstrebten.
"Denn die Zeugen Jehovas kennen keine Gastgeber, sondern nur Objekte ihrer Propaganda."

Zitatende.

Offenbar auch unter dem Einfluss jenes Hutten'schen Votums, gab es dann im Vorfeld des 1961er ZJ-Kongress in Hamburg, auch von dem damaligen Bischof Witte der Evang. Kirche, eine Verlautbarung dergestalt an die eigenen Kirchenmitglieder.
Den Zeugen Jehovas seien keine Privatunterkünfte zur Verfügung zu stellen.
Letztendlich mussten die dann, in Hamburg, auch als Folge vorgenannten, in größtem Umfange auf Massenquartiere, etwa in Schulen usw. orientieren.

Der spätere Hutten mag in späteren Jahren, dann seine Position zu diesen Fragen noch verändert haben. 1961 war er aber noch nicht "der spätere Hutten."

Auch das ist ein Beispiel dafür, dass die Tendenz, die Religionsindustrie möge ihre Probleme unter sich alleine ausmachen. Der saturierte Bürger in seinem Heierbettchen möchte möglichst wenig davon wissen, nicht gutgeheissen werden kann.


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