Re: Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. Oktober 2009 07:07
Ein weiterer durchaus beachtlich zu nennender Beitrag der "Trost"-Ausgabe vom 15. 10. 1939, stellt auch das abgehandelte Thema sogenannter "Freimautrerbrief" dar, ein zeitgenössischer "Schlager" der Anti-Bibelforscher-Apologeten, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart. Vorab zum Einstieg erst mal eine Zusammenfassung dazu, wie sie schon seit geraumer Zeit vorliegt:

Jüdisch-freimaurerische Finanzierung?
Großes Aufsehen erregte in den zwanziger Jahren ein Prozess in dem es um die Behauptung ging, die Bibelforscher würden durch jüdisch-freimaurerische Gelder finanziert. Viele Gegner der Bibelforscher stürzten sich gierig auf diesen Punkt. Auch die Apologetische Centrale versuchte Klarheit in diesem Wust von Behauptungen zu bekommen. Veranlassung gab, dass sie gerade diesen Punkt betreffend immer wieder mit Anfragen bestürmt wurde. So antwortete sie beispielsweise einem Fragesteller am 18. 9. 1930:
"Da nicht eine ganz zuverlässige Quelle über die Finanzierung anzuführen ist, raten wir Ihnen zu großer Vorsicht in der Öffentlichkeit davon zu sprechen. Wir haben es selbst früher auch getan, sind aber von dieser Taktik abgegangen, weil man eben nicht bis zum letzten die Beweise herbei schaffen kann. Das wir aber trotzdem überzeugt sind, dass finanzielle Zusammenhänge zwischen dem jüdisch-kommunistischen Kapital und den Bibelforschern bestehen, möchten wir Ihnen noch sagen, aber es fehlen wie gesagt die tatsächlichen Unterlagen dafür." [68]

Ein anderer Anfrager wollte wissen, dass es von den Prozeßakten Vervielfältigungen geben sollte und bat um deren Einsichtnahme, sofern sie auch der Apologetischen Centrale vorlegen sollten. Man musste ihn abschlägig bescheiden fügte aber noch hinzu: Wir werden aber versuchen sie zu beschaffen und ihnen dann sobald wie möglich zuschicken. [69]

Was aus diesem Vorhaben wurde, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Dieses Antwortschreiben war vom 19. 5. 1931 datiert. Falls es der Apologetischen Centrale danach noch möglich gewesen wäre, neue Erkenntnisse zu gewinnen, hätte sie das sicherlich bekannt gegeben. Aber weder in den Akten noch in den Veröffentlichungen gibt es entsprechende Hinweise.

Die Stimmen, die differenziert und mit Skepsis der Unterstellung einer jüdisch-freimaurerischen Bibelforscherfinanzierung gegenüberstanden, waren in der Regel auf nichtkirchliche Kreise beschränkt. Seitens der proletarischen Freidenker etwa, erklärte Efferoth:

"Außerdem behaupten die Antisemiten - ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt -, dass das jüdische Bankhaus Hirsch in New York die Dollar-Millionen für die ungeheuerliche Propaganda der 'Bibelforscher' aufbringen, wobei man allerdings, wenn man nicht gerade ein blonder Rassenphantast und Zionistenriecher ist, nicht gerade den Grund einsieht, was einen modernen Bankier veranlassen sollte, in Religion zu spekulieren. Tatsache ist, dass die Traktätchen der 'Bibelforscher' entweder unentgeltlich oder doch weit unter dem Herstellungspreis an den Mann gebracht werden, so das die unbedingte Notwendigkeit besteht, anzunehmen, dass recht kapitalkräftige Kreise im Interesse der Sekte ziemlich tief in ihren Brustbeutel zu greifen pflegen." [70]

Der Name des "Jüdischen Bankhauses Hirsch in New York" taucht noch in etlichen Veröffentlichungen über die Bibelforscher auf. Beispielsweise behauptet Schlegel: "Diese Spur führt zum Jüdischen Bankhaus Hirsch in New York. Von diesem Bankhaus wird die ganze I.V.E.B. (Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher) mit den reichsten Geldmitteln versorgt." [71]

Wenn man dieser, so ohne jegliche Detailbegründung in den Raum gestellten Behauptung näher auf den Grund geht, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass die (nicht genannte) Quelle dafür in der 2. Auflage des Pamphletes des Antisemiten Fetz, "Der große Volks und Weltbetrug durch die 'Ernsten Bibelforscher'" zu sehen ist. Darin schreibt er: "Und noch geheimnisvoller wird die Frage, wenn man erfährt, dass durch das jüdische Bankhaus Hirsch in New York die ganze IVEB mit den reichsten Geldmitteln versorgt wird (Nornen Nr. 133)." [72]

Fetz, Mitglied des "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes", sollte noch etliche Nachbeter finden. So wird denn in einer anderen Schrift des gleichen Verbandes die Publizistik von Fetz über alle Maßen gelobt. [73] Es kam in der von Fetz aufgeworfenen Frage der Finanzierung der Bibelforscher noch zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Sie endeten aber aus vielerlei Gründen wie das sprichwörtliche "Hornberger Schießen".

In vollmundigen Thesen plakatierten die Antisemiten, der "Bibelforscherschwindel sei von der jüdischen Hochfinanz bezahlt." [74] Man redete aneinander vorbei, setzte unterschiedliche Schwerpunkte. Jedenfalls ist in keinem dieser Prozesse, sofern sie denn überhaupt bis zum Ende durchgeführt wurden, ein speziell die Finanzierungsfrage betreffendes greifbares Ergebnis nachweisbar. Darauf beriefen sich wieder die Bibelforschergegner, indem sie anführten, die Bibelforscher hätten letztendlich in entscheidenden Momenten gekniffen.

In ihrer Verteidigungsschrift "Wahr oder nicht wahr?" schrieben die Bibelforscher: "Die im 'Wachtturm' genannte 'Hilfe aus Amerika' war eine Unterstützung durch das Brooklyner Bibelhaus in der schlimmsten Zeit der Inflation Deutschlands, die den Kauf eines Grundstückes und einiger Maschinen zum Drucken ermöglichte." [75]

In einer weiteren Verteidigungsschrift namens "Kulturfragen" wird ausgeführt:
"Es sei hier noch mitgeteilt, dass der Abschluss des Jahres 1924 dem Bibelhaus (in Deutschland) als der Zentralstelle eine Unterbilanz von Mark 498 366,06 und des Jahres 1925 eine Unterbilanz von Mark 725 405,69 buchmäßig nachweisbar erbrachte. Diese durch die billige Literatur, Freiliteratur und Tausende veranstalteter religiösen Volksbelehrungsabende entstandenen Fehlbeträge wurden durch freiwillige Beiträge gedeckt." [76]

Somit wurde durch Bibelforscherangaben bestätigt, dass in Deutschland beispielsweise für die Jahre 1924/25 circa 1,2 Millionen Mark mehr von ihrer Organisation ausgegeben wurde, als durch reguläre Eingaben gedeckt wurde. Man versuchte den Eindruck zu erwecken, die zu jenem Zeitpunkt nicht einmal 10 000 deutschen Bibelforscher hätten das Defizit durch Spenden gedeckt. Man wird der Wahrheit näher kommen, wenn man unterstellt, dass der Mammutbetrag dabei von der US-Zentrale der Bibelforscher zugeschossen wurde. Die wiederum veröffentlichte keine Bilanzen ihrer tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben. Damit ist Raum für die Spekulation gegeben, dass es dabei auch Spender gegeben habe, deren Namen man in der Öffentlichkeit lieber nicht nennen wollte. [77]

Es ist aber auch festzuhalten, dass außerhalb der Gerichtlich-juristischen Ebene die Bibelforscher durchaus eindeutig diesen Unterstellungen wiedersprochen haben. Ein Beispiel wird von Stokes zitiert. Unter Bezugnahme auf die Anwürfe von Fetz hatten die Bibelforscher z. B. in etlichen Zeitungen verkündet: "Wir zahlen jedem, der den Beweis bringt, dass die V(ereinigung) E(ernster) B(ibelforscher) jemals Geld oder ähnliches von Juden empfangen hat, eine Belohnung von 10 000 Mark." [78]

Der ausgelobte Betrag wurde nicht eingefordert. Dennoch gab es keine Ruhe in dieser Angelegenheit. Das Lieblingsthemen der Antisemiten, die Behauptung der jüdisch-freimaurerischen Bibelforscherfinanzierung, stützte sich besonders auf den Brief eines amerikanischen Freimaurers der davon sprach, dass die Bibelforscher auf indirektem Wege größere Geldbeträge erhielten. Adressiert war das Schreiben an einen deutschen Freimaurer der seine "Erkenntnisse" in verschiedener Form vermarktet hat. Vollmundig verkündet dieser "Christian Kreuz" (alias Herbert von Bomsdorff-Bergen) seine Grundsatzauffassung: "Christliche Staaten können nur nach christlichen Grundsätzen regiert werden. Das unserem Wesen Fremde darf höchstens Gastrecht genießen, aber niemals bestimmenden Einfluss in den Volksorganismus gewinnen, wie z. B. das Judentum und die politische Weltfreimaurerei." [79]

Ausgehend von seiner These wusste er einen konkreten "Störenfried" zu benennen: "Alle Bewegungen die geeignet sind, den menschlichen Geist zu verwirren, Aberglauben zu verbreiten (siehe die 'Ernsten Bibelforscher') Unfrieden zu stiften werden - indirekt und absolut unauffällig von der Weltfreimaurerei unterstützt." Und er geht noch weiter und erklärt: "Ich konnte den Gedanken nicht los werden, dass hier das internationale Judentum seine unsauberen Hände im Spiel haben müsse. Meine Vermutungen wurden zur Gewissheit. Ich erhielt volle Bestätigung durch Briefe aus Amerika; bereits im Jahre 1911 wird von namhaften Unterstützungen gesprochen, die die 'Ernsten Bibelforscher' durch jüdische Freimaurer direkt oder indirekt erhalten."

Bomsdorff-Bergen zitiert dann den Brief eines amerikanischen Freimaurers vom 27. 12. 1922 der ihm aus Boston, Massachusetts schrieb. [80] Der amerikanische Freimaurer bezog sich auf eine Anfrage von Bomsdorff-Bergen auch bezüglich der Bibelforscher, um darauf zu antworten: "Gewiss sind uns diese Leute nützlich, sogar von sehr großem Nutzen. Wir geben ihnen viel Geld durch eine Anzahl Brüder (die sehr viel Geld gemacht haben, während des Krieges, es tut ihrem dicken Portefeuille nicht weh!) Sie gehören zu den Juden. Wir haben diese Leute sehr nötig. Sie müssen uns Pioniere sein! Was soll ich ihnen mehr sagen! Sie wissen ja selbst genügend!"

In seinen weiteren Ausführungen setzt sich Bomsdorff-Bergen dann mit den Bibelforschern in den Worten auseinander: "Die 'Ernsten Bibelforscher' halten in allen Städten Vorträge, ein beliebtes Thema ist: 'Satans Reich fällt!' Unter dem Satansreich verstehen sie die heutigen Staaten, die religiösen und wirtschaftlichen Zustände. Die Bibelforscher haben den allein richtigen Glauben, so lassen sie in ihrer rührenden Bescheidenheit durchblicken."
Weiter kommentiert er: "Natürlich wollen die frommen Leute im trüben fischen. Den Hauptfischzug macht aber jene Organisation, deren bewusste und unbewusste Pioniere sie sind. Damit ist nicht gesagt, dass es unter den 'Ernsten Bibelforschern' anständige und ehrliche Leute nicht geben kann."
[81]

Bevor Bomsdorff-Bergen seine Broschüre herausbrachte, hatte er den wesentlichen Sachverhalt schon in der in Olten (Schweiz) erscheinenden katholischen Tageszeitung "Der Morgen" publiziert. [82] Die dort gewählte Artikelüberschrift lautete: "Sind die Ernsten Bibelforscher wirklich so 'harmlos'?" In der redaktionellen Einleitung wird vermerkt: "Wir erhalten von einer durchaus eingeweihten Seite, die wir aber aus besonderen Gründen heute noch nicht nennen können, einen Artikel, der auf obige Frage eine ganz neue Antwort gibt."

Diese Antwort fiel denn auch entsprechend tendenziös aus. Unter Bezugnahme auf das Bibelforscherschlagwort von den "Millionen jetzt Lebender die niemals sterben würden" hieß es dann: "Gewiss, man hat nur vergessen, ein paar Worte einzuschieben: eines natürlichen Todes! Das ist richtig, denn die Machtgier gewisser Staaten und die heimlichen Wühlereien der Weltfreimaurerei, die doch die Triebfeder von allem Unheil sind, werden dafür sorgen, dass die Menschheit von den Kriegsschrecken nicht so bald erlöst wird."

Bomsdorff-Bergen äußert dann weiter: "Zufällig gelangten nun Originalbriefe aus Freimaurerkreisen in unsere Hände, die die 'Harmlosigkeit' der Ernsten Bibelforscher in einem völlig neuen Lichte zeigen. Sie werden darin von kompetenter Seite als die Pioniere der Weltmaurerei bezeichnet, die auch aufs reichlichste durch stets bereite Brüder mit Geldmitteln versorgt werden." Er zitiert dann einen solchen Brief vom 27. 12. 1922 [83] Einleitend heißt es darin: "Ihre zweite Anfrage, die betrifft die Internationale Gesellschaft der Ernsten Bibelforscher." Diese Formulierung verdeutlicht, dass Bomsdorff-Bergen selbst somit der Anstoßgeber der von ihm zitierten Äußerung war.

Er, der ehemalige Freimaurer, sucht sich nun nach dem Vorbilde von Leo Taxil ein katholisches Presseorgan aus, im Bewusstsein dessen, dass man dort für Antifreimaurerisches sicherlich ein offenes Ohr hat. Wenn es gar noch mit Anti-Bibelforscherischem vermengt ist, um so besser. So "streng katholisch", kann Bomsdorff-Bergen jedenfalls nicht gewesen sein; denn einige Jahre später beehrte sich auch eine andere Religionsgemeinschaft noch, einen Artikel aus der Feder von Herbert v. Bomsdorff-Bergen abzudrucken. Auch wenn der sich "Die Religion und der gesunde Menschenverstand" nennende Artikel nichts spezifisches enthält, was man als auf die Bahai-Religionsgemeinschaft zugeschnitten interpretieren muss, so ist es doch sehr die Frage, ob ein "gläubiger Katholik" sich unbedingt ein Presseorgan der Bahai aussucht. [84]

Aber es ist offensichtlich, dass Bomsdorff-Bergen meinte noch mehrere solcher Briefe zur Verfügung zu haben. In seiner Broschüre äußert er dazu: "Meine Vermutungen wurden zur Gewissheit, ich erhielt volle Bestätigung durch Briefe aus Amerika. Bereits im Jahre 1911 wird von namhaften Unterstützungen gesprochen, die die 'Ernsten Bibelforscher' durch jüdische Freimaurer direkt oder indirekt erhalten. Das die politische Weltmaurerei ebenfalls an der 'Arbeit' der 'Ernsten Bibelforscher' interessiert sein müsse, war mir von Anfang an klar.

So verschiedene Punkte, die dem Laien nicht auffallen, sprachen ganz entschieden dafür. Auch in dieser Hinsicht täusche ich mich nicht. Ich erfuhr noch mehr. Ich erhielt Nachricht, dass amerikanische Brüder im Verein mit den 'Ernsten Bibelforschern' vor Kriegsausbruch in Deutschland eine emsige Tätigkeit entfalteten, um das deutsche Volk, dass damals noch an keinen Krieg dachte, jedem Kriegsgedanken abhold zu machen; aber nicht um des Völkerfriedens willen, sondern um Deutschland bequem überrumpeln zu können. Das amerikanische Großkapital, in Sonderheit Freimaurerei und Judenschaft, wussten ganz genau, dass es in Kürze zu einem Krieg in Europa kommen müsse, an dem Amerika sich entscheiden so oder so beteiligen würde. Es kam so. Das Amerika in dem Augenblick eingreifen musste, als die Sache für Frankreich und England sich bedenklich gestaltete, war jedem verständlich, dem das Spiel der internationalen Politik, an dem die Weltfreimaurerei hervorragenden Anteil hat, nicht fremd ist. An der Art von Börsenspekulationen ist auch mancherlei zu erkennen. ... 1919 bestätigten mir Briefe aus England und Amerika, dass man in Freimaurerkreisen ein Interesse an der Arbeit der 'Ernsten Bibelforscher' habe. Ein großes sogar!"
[85]

Bestätigt sah sich Bomsdorff-Bergen auch durch jenen Passus in den Freimaurerbriefen wo man äußerte: "Im nächsten Frühjahr wird ein bedeutender Jurist ... nach Europa kommen. Er war schon mehrere Male in Europa. Mr. Rutherford, der wird Propaganda machen durch Vorträge. Ich habe Gelegenheit jetzt zu einer Bitte an Sie. ... Wollen Sie bitte bemüht sein, dass die Journale der Schweiz keine Artikel bringen, die gegen diese Vorträge gerichtet sind!" [86]

Der weitere Ablauf wird von ihm mit den Worten umrissen: "Anfang Juni erhielt die Redaktion des 'Morgen' einen Einschreibebrief von den Rechtsanwälten der sogenannten 'Ernsten Bibelforscher', der Autor des Artikels solle unter Klageandrohung Widerruf leisten. Sie klagten aber nicht. Auf Veranlassung des 'Morgen' brachte ich am 16. Juni 1923 einen Artikel, der alles andere als ein Widerruf und nur eine Bekräftigung der erhobenen Anklagen war." [87]

Darin schrieb er: "Ich habe nicht gesagt, dass die 'ernsten Bibelforscher' soweit die Schweizer Gesellschaft in Frage kommt, ein Bündnis mit der Weltfreimaurerei geschlossen hat, auch nicht, dass sie sich von diesem Geheimbund bezahlen lässt. - Es ist sogar möglich, dass die 'ernsten Bibelforscher' den Grund der Freigebigkeit mancher Freunde ihrer Tätigkeit nicht kennen, sie glauben, uneigennützige Freunde zu haben und verteidigen diese." [88]

Die Reaktion darauf wird mit den Worten beschrieben: "Die Bibelforscher schwiegen bis Mitte September, also volle drei Monate. Da erhielt ich wieder einen Einschreibebrief der Rechtsanwälte in welchem nochmals mit Klage gedroht wird. ... Wiederum ließ ich die Frist von acht Tagen, die mir für den Widerruf eingeräumt wurde, verstreichen, und brachte am 3. Oktober 1923 einen Zeitungsartikel, den jeder, selbst mit einem einfachen Denkvermögen Bedachte als eine direkte Herausforderung zur Klage ansehen muss. Man klagte nicht." [89]

In dem genannten Artikel schrieb er: "Am 21. September lassen die 'Ernsten Bibelforscher' die Redaktion des Morgen durch ihren Rechtsanwalt mitteilen, dass sie den in Frage kommenden Brief zu sehen wünschen, im Weigerungsfalle sie Ehrverletzungsklage anstrengen würden. Die Herrschaften haben die Kühnheit, zu behaupten, der Brief könne nicht echt sein. Wir weisen diese dreiste Behauptung mit der Bemerkung zurück, dass wir es gewissen anderen Leuten überlassen, mit unehrlichen Waffen zu kämpfen und sehen allen weiteren Schritten der 'ernsten Bibelforscher' mit der Ruhe entgegen, die ein ehrliches Gewissen als Fundament hat." [90]

Dieses eindeutige Auftreten ließ die Bibelforscherleitung zurückstecken. Sie wagte es nicht gegen Bomsdorff-Bergen gerichtliche Klage zu erheben. Wohl aber klagte sie gegen Kolporteure dieser Behauptungen, von denen sie annehmen konnte, dass sie nicht allzu tief mit der Materie vertraut sind. Immerhin unternahmen sie eine Klage gegen den Verleger der Broschüre, Keller-Zoller, die mit einem Vergleich endete.

Jonak, der diese Vorgänge ausführlich referiert hat, merkt an, dass der eingeschüchterte Keller-Zoller weder vor noch nach dem Vergleich seinen Autor Bomsdorff-Bergen darüber informiert hatte: "Diesen Vergleich schloss der gefügige E. Keller-Zoller, ohne hierzu die Ermächtigung des Verfassers Christian Kreuz (Bomsdorff-Bergen) eingeholt zu haben. Er verständigte Bomsdorff weder vor noch nach der Vergleichsverhandlung, so das dieser von dem Vergleich nichts wusste und erst nachträglich davon erfuhr. Man verhandelte hinter dem Rücken des Verfassers, um diesen nicht zu Wort kommen zu lassen." [91]

Eine weitere Bibelforscherklage wurde gegen den Arzt Dr. Fehrmann erhoben und erreichte nahezu sensationelles Aufsehen. Da auch bei dieser Klage Bomsdorff-Bergen nicht direkt tangiert ist, war auch in diesem Fall sein Auftreten vor Gericht nicht vorgesehen. Jonak kommentiert:

"Schon während des St. Gallener Prozesses war den Bibelforschern der Name Bomsdorff-Bergens bekannt. Es wäre das einzig richtige gewesen, dass sie ihn, der den Brief im 'Morgen' und in einer Broschüre veröffentlichte und die darin enthaltenen Behauptungen für wahr erklärt hatte, wegen Verleumdungen angeklagt hätten. Sie unterließen dies aber. Sie protestierten sogar gegen seine Vorladung als Zeuge. Und auch als Bomsdorff-Bergen den Brief in der 'Münchener Katholischen Kirchenzeitung' Nr. 19 vom 10. Mai 1925, mit der die Bibelforscher korrespondierten, neuerdings erscheinen ließ und dabei seinen Namen nannte, sahen sie von einem Vorgehen gegen ihn ab." [92]

Publizistisch nahm Bomsdorff-Bergen weiterhin jede sich bietende Gelegenheit wahr, seine These zu bestätigen. So auch in der von Fritz Schlegel herausgegebenen Zeitschrift "Abwehr". Schlegel selbst war ebenfalls als ein dezidierter Bibelforschergegner hervorgetreten, unter anderem durch zwei einschlägige Bücher. [93] In diesem Zusammenhang ist ein beiläufiger Satz in dem "Handbuch der Judenfrage" interessant der besagt: "Natürlich haben sie gelegentlich die Behauptung aufgestellt, der Freimaurerbrief sei eine Fälschung. Aber da trat nun der Empfänger (Herbert von Bomsdorff-Bergen aus Ludwigshafen am Bodensee) selber an die Öffentlichkeit und bewies die Echtheit in der 'Abwehr' Nr. 2 vom August 1925." [94]

Sieht man sich den von Jonak zitierten Artikel der "Münchner Katholischen Kirchenzeitung" näher an, dann kann man bestätigen, dass er in der Aussage eindeutig ist. Einige Passagen daraus: [95] "Der Adressat, Herbert von Bomsdorff-Bergen, ermächtigt uns, seinen Namen zu nennen. ... In dem Protokoll jener Vereinbarung ist die Stelle enthalten, dass ich (Keller-Zoller) zu dem Vergleich nur die Hand biete, weil durch Unterschlagung des sog. Freimaurerbriefes mir die Möglichkeit einer richtigen Beweisführung genommen ist, was für mich den Grund bildet zur Verständigung mit den Ernsten Bibelforschern. Die Ernsten Bibelforscher haben auch die Kosten des gegen mich eingeleiteten Verfahrens übernommen. Die Ernsten Bibelforscher, so konstatiert der Verleger weiter, machten nachher breitspurige Veröffentlichungen, ließen aber jene Protokollstelle mit Absicht stets unerwähnt." [96]

Über eines kann jedoch kein Zweifel sein. Bomsdorff-Bergen wollte zum Ausdruck bringen, dass amerikanische Freimaurerkreise den Bibelforschern beträchtliche Finanzspritzen zukommen ließen, dass die amerikanischen Freimaurer die Bibelforscher als "Zersetzungswerkzeug" dogmatischer Kirchen einschätzten und aus dieser Motivation heraus handelten. Zweierlei wird man dazu sagen können:
Diesen Vorwurf pauschal auf das gesamte amerikanische Freimaurertum zu erheben, dürfte unzulässig sein. Aber man wird auch feststellen können, dass historisch betrachtet, eine Situation der Feindschaft speziell zwischen der katholischen Kirche und der Freimaurerei bestand. So gesehen kann man die Vorwürfe Bomsdorff-Bergens, bezogen auf Teile des amerikanischen Freimaurertums, als durchaus berechtigt akzeptieren.

Zweitens, ist die relative Finanzstärke der frühen Bibelforscherbewegung nicht "nur" durch Mitgliedsbeiträge erklärbar. Dies wird auch dadurch erhärtet, dass die Bibelforscherführung bis in die Gegenwart hinein, keinerlei detaillierte Einblicke in ihren Finanzhaushalt gewährt. Wenn also unterstellt wird, amerikanische Freimaurerkreise, die finanziell dazu in der Lage waren, haben der Bibelforscherbewegung auf indirektem Wege namhafte Spendenbeträge zukommen lassen, dann wird man auch das - bis zum Beweis des Gegenteils - als Gegebenheit zu akzeptieren haben.

Damit ist nicht gesagt, dass es sich um eine "ständige" Subvention handelte. Aber als zumindest zeitweilig (speziell in der Phase der internationalen Ausdehnung der Bibelforscher), ist dieser Vorwurf als berechtigt zu registrieren.

Schon bei Bomsdorff-Bergen klingt es in "Zwischentönen" an. Man kann es aber noch gezielter auf den Punkt bringen. Es geht hierbei nicht um das Selbstverständnis der Bibelforscher. Wohl aber geht es darum, welche Zwecke, politischer Natur jene Förderer verfolgen, die für sich persönlich die Entscheidung getroffen haben, kein Bibelforscher zu werden, die aber andererseits dennoch diese Organisation finanziell förderten. Die Antwort auf diese Frage erhält man, wenn man das politische Gesamtumfeld dabei mit berücksichtigt. Es wurde mal mit den Worten umrissen:

"Auf das Konto der Vereinigten Staaten geht schließlich der erste imperialistische Krieg zur Neuaufteilung der Welt. 1898 nutzte die US-Regierung den Untergang eines ihrer Kriegsschiffe im Hafen von Havanna dazu, um der finanziell bankrotten und militärisch so gut wie wehrlosen spanischen Monarchie in wenigen Wochen die Reste ihres Kolonialreiches abzunehmen. Puerto Rico annektierte man einfach, die Philippinen wurden nach der blutigen Unterdrückung der nationalen Unabhängigkeitsbewegung in eine Kolonie verwandelt; Kuba wurde formell ein selbständiger Staat. ... 1898 erfolgte auch die Annexion von Hawaii. 1903 inszenierte die US-Regierung, um sich die ausschließliche Kontrolle des Verbindungsweges zwischen Atlantik und Pazifik zu sichern, in Kolumbien eine separatistische Bewegung. Der neuen Republik Panama wurde die Kanalzone buchstäblich abgepresst. Mit der Fertigstellung des Panama-Kanals 1914 verfügten die Vereinigten Staaten dann über eine hervorragende Ausgangsposition für die Expansion sowohl in westlicher (atlantischer) als auch in östlicher (pazifischer) Richtung."

Über die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg recherchierten die Autoren weiter: "Mit dem 1. Weltkrieg gelang den Vereinigten Staaten endgültig der Durchbruch zu einer Weltmachtposition. Während die europäischen Länder allesamt geschwächt aus dem Krieg hervorgingen, vergrößerte sich das nordamerikanische Machtpotential bedeutend. Nur wenig mehr als 1% der Kriegsverluste entfiel auf die USA, ihr Territorium blieb von allen Kriegshandlungen verschont. Ihr ökonomisches Potential wuchs aufgrund der Kriegskonjunktur gewaltig an." [97]

In diese Gesamtsituation ordnen sich auch die Expansionsbestrebungen der Russellorganisation ein. Hatten in früheren Jahrhunderten europäische Kolonisationsbestrebungen in den christlichen Missionen ihre Vorboten, so bestand nun eine ähnliche Situation unter US-amerikanischer Hegemonie. Der politische Gehalt ihrer Lehren, hat denn ja auch noch nachfolgend, einigen Regierungen, namentlich in Deutschland, einiges zu schaffen gemacht. Freie Konkurrenz bis aufs "Messer". Arbeiten zu Dumping"löhnen", dass sind so einige "Errungenschaften" der US-Kolonisatoren, wo die europäischen Konkurrenzkirchen in der Tat nicht "mithalten" können!

Die Vorwürfe von Bomsdorff-Bergen wurden in weitem Umfang kolportiert. Der Bibelforscherbewegung waren sie nicht "angenehm". Zeitweilig versuchte sie auf gerichtlichem Wege einen Stop zu erreichen. Allein es zeigte sich, dass sie in entscheidenden Momenten die Sache auf sich beruhen ließ, bzw. nicht konsequent genug handelte. Auch ein indirektes Eingeständnis.

Wer ist nun Herbert von Bomsdorff-Bergen? Es ist ein Autor, dem es primär nicht um die Bibelforscher geht, der sie eher am Rande behandelte. Den Anstoß für seine Aktivitäten fand er in der Korrespondenz, die er mit amerikanischen Freimaurern pflegte. Bomsdorff-Bergen hatte mit den Freimaurern gebrochen und wollte ihnen daher eins "auswischen". [98]

Neben einigen weiteren Schriften, nicht ganz so dubioser Art, kann man ihn dann 1935 noch als Autor in der Zeitschrift "Der Weltkampf" begegnen. Inzwischen war auch die Freimaurerei in Hitlerdeutschland verboten worden. Bomsdorff-Bergen war es vorbehalten dazu im "Weltkampf" einen Kommentar zu veröffentlichen. [99]

Der Antisemit Jonak, meinte noch ein weiteres "Mosaiksteinchen" zu der heiß diskutierten Finanzierungsfrage der Bibelforscher beitragen zu können. Unter Bezugnahme auf Rutherford's Buch "Trost für die Juden" kommentiert er es mit den Worten: "Besonders interessant ist, dass Rutherford in diesem Buch einen an ihn von Nathan Strauß gerichteten Brief vom 14. August 1925 veröffentlicht. ... Dieser Nathan Strauß ist ein in der Rheinpfalz geborener, nach Amerika ausgewanderter Jude, Teilhaber an großen Warenhäusern und war wiederholt Ehrenpräsident des American Jewish Congresses. Strauß spendet alljährlich größere Summen für zionistische, jüdische und philanthropische Zwecke. So schreibt das 'Jüdische Lexikon.' Er dürfte hernach wohl zu denjenigen zählen, die die Bibelforscher subventionieren, zu den Männern, 'die Gott und seine Sache lieben.'" [100]

St. Galler Bibelforscherprozess
Es wurde schon angedeutet, dass die Bibelforscher im Falle Bomsdorff-Bergen es nicht wagten konsequent zu handeln. Aber die von ihm angestoßene Diskussion lag ihnen nichts desto weniger "schwer im Magen." Bei "passender" Gelegenheit versuchten sie daher ihren Frust auf Nebenkriegsschauplätzen loszuwerden.

Die Sache fing damit an, dass am 21. 1. 1924 von dem Zürcher Theologieprofessor Ludwig Köhler ein öffentlicher Vortrag über die Bibelforscher gehalten wurde. Köhler hatte sich auch dadurch ausgewiesen, dass er gleichfalls im Jahre 1924 eine Schrift veröffentlicht hatte mit dem Titel: "Die Offenbarung des Johannes und ihre heutige Deutung." Auch wenn sie nicht primär im Hinblick auf die Bibelforscher konzipiert war, so konnte jedoch kein Zweifel darüber bestehen, dass er den Endzeitthesen der Bibelforscher - nicht zuletzt aufgrund seiner historischen Kenntnisse, dezidiert kritisch gegenüberstand.

Allerdings war dies eine sachliche Gegnerschaft. [101] Eine Gegnerschaft der Art "mit Schaum vorm Maul" gegen die Bibelforscher zu agitieren, war nicht seine Sache. Letzteres war jedoch für viele zeitgenössische Bibelforschergegner zutreffend. Zu ihnen ist ganz offensichtlich auch der Fritz Schlegel zuzurechnen.

Und so ereiferte sich denn auch Schlegel über Köhler mit den Worten:
"In diesem Vortrage hat der Herr Professor bewiesen, dass er die Bibelforscherlehre entweder nicht kennt oder nicht kennen will, sonst hätte er nicht die Behauptung über die Lippen bringen dürfen, die E(rnsten) B(ibelforscher) seien gar nicht so schlimm, wie sie oft mitunter hingestellt würden. Sonst hätte er den Gottesleugnern und Religionsfeinden als christlich-protestantischer Professor nicht in verschiedenen Dingen wieder Recht geben dürfen. Sonst hätte er es nicht als Verleumdung bezeichnen dürfen, dass man die E. B. mit jüdischem Einflüssen in Verbindung bringe.

Der nämliche Gelehrte hat auch in jenem Vortrag es für nötig gefunden, sich zu äußern, Russell könne nichts schlimmes nachgesagt werden, er sei ein 'rechter Mann' gewesen. Dann darf man also in Zukunft jemand, der öffentlich zum Kirchenaustritt auffordert, zum Kampfe gegen die Geistlichkeit aufreizt, die christlichen Regierungen verlacht nichts nachsagen. Dann ist ein solcher wie jeder untadelige Bürger ein Ehrenmann! Das verstehe, wer das wolle!"
[102]

In jener öffentlichen Veranstaltung trat im Anschluss daran als Diskussionsredner auch der Arzt Dr. Fehrmann auf, der danach auch noch in Leserbriefen an Zeitungsredaktionen Front gegen Köhler machte. Insbesondere erregte es ihn, dass Köhler faktisch dem antisemitischen Pamphlet "Protokolle der Weisen von Zion" und ihrer Ausdeutung auf die Bibelforscher, eine Absage erteilt hatte. Fehrmann, Schlegel und andere waren jedoch gläubige Anhänger jenes Elaborates. Fehrmann war die von Bomsdorff-Bergen angestoßene Finanzierungsdebatte bekannt, die er dann auch selbstredend in sein Statement mit einbaute.

So entstand nun in einer zwischenzeitlich für die Bibelforscherfrage sensibilisierten Öffentlichkeit erneut der Eindruck, es handele sich bei den Bibelforschern um ein (von Juden und Freimaurern) "fremdfinanziertes Gewächs". Die nicht zu übersehende Öffentlichkeitswirksamkeit dieser These lies der Bibelforscherleitung es angezeigt erscheinen, dagegen Stellung zu beziehen.

In einer dazu speziell entworfenen Flugschrift mit dem Titel "Die Antwort der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher auf tendenziöse Entstellung ihrer Botschaft und ihrer Absichten" [103] wurde die Unterstellung zurückgewiesen, dass die Bibelforscher von den Juden finanziert würden. Bemerkenswerterweise wird in jener Flugschrift aber nicht auch auf den Vorwurf eingegangen, dass amerikanische Freimaurer indirekt zur Bibelforscherfinanzierung beigetragen hätten! Gerade dies war jedoch die These von Bomsdorff-Bergen! Aber immerhin wird man konzedieren können, dass - soweit Juden der Bibelforscherfinanzierung bezichtigt wurden -, dies von der Bibelforscherleitung eindeutig zurückgewiesen wurde.

In jener Flugschrift konnte man lesen: "Unsere Aufmerksamkeit wurde auf ein im Februar 1922 veröffentlichtes und unter dem Namen Fritz Schlegel herausgegebenes Buch von 250 Seiten gelenkt, dass zahlreiche verleumderische Angaben über die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher enthält. Als Beweis seiner leichtfertigen Darlegungen zitieren wir folgende von Schlegel aufgestellte, leere Behauptung:
'Wo haben diese Leute (die Bibelforscher) die Millionensummen der Gelder her? Weil wir die Wahrheit lieben, sind wir der Sache ein klein wenig auf die Spur gegangen, und - wohin führte uns die Spur? Diese Spur führte zum jüdischen Bankhaus Hirsch in New York. Von da aus wird die gesamte I.V.E.B. (Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher) mit den reichsten Geldmitteln versehen.'"


Die Schweizer Bibelforscherleitung kommentierte dazu: "Entweder stützt sich Fritz Schlegel (und die übrigen Verbreiter dieser Verleumdung die deutschvölkischen Antisemitenführer Fritsch, Fetz, Lienhardt und Konsorten) bei dieser Behauptung auf falsche Informationen oder - er lügt mit Vorbedacht. Ist er aber im Besitz irgend eines diesbezüglichen Nachweises, so fordern wir ihn auf, denselben der Öffentlichkeit bekannt zu geben. Für jeden einzelnen Dollar, für den Herr Schlegel den Nachweis zu erbringen vermag, dass er der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher aus dem jüdischen Bankhaus Hirsch in New York oder irgend einer jüdischen Bank der Welt zugeflossen ist, zahlen wir irgend einer Wohltätigkeitsanstalt der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs oder Österreichs die Summe von je 1000 (tausend) Dollars.

Hier hat nun Fritz Schlegel Gelegenheit, vor aller Welt zu beweisen, dass seine sensationelle Behauptung auf Wahrheit beruht oder er muss durch sein Stillschweigen zugeben, dass er absichtlich verleumdet hat."


Diesen Vorgang kommentiert die Bibelforscherleitung mit den Worten: "Der Öffentlichkeit aber geben wir die Erklärung, dass der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher auf der ganzen Erde niemals Geld von Juden zugeflossen ist. Schlegel ist im letzten Jahre wiederholt in der Presse aufgefordert worden, der Öffentlichkeit den Wahrheitsbeweis für seine sensationelle Behauptung bekannt zu geben. Wir stellen hiermit fest, dass er bis heute auch nicht den Schatten eines Beweises hat erbringen können, sondern mit der heuchlerischen Ausflucht ausgekniffen ist: 'Wir Christen wollen kein Judasgeld!' Damit hat er sich selbst als gewöhnlicher Ehrabschneider gerichtet."

Abgeschlossen wurde diese Stellungnahme mit der Eidlichen Versicherung: "Ich William E. van Amburgh ... (Sekretär und Kassierer der Wachtturm-, Bibel- Traktat-Gesellschaft) erkläre unter Eid, dass, solange ich Kassierer genannter Wachtturm-, Bibel- Traktat-Gesellschaft war, dieser Korporation nicht ein einziger Dollar - weder direkt noch indirekt - von einem Juden, einer jüdischen Bank oder einem jüdischen Unternehmen zugeflossen ist." [104]

Es verdient Beachtung, dass jüdischerseits gleichfalls eindeutig, die Unterstellung einer jüdischen Finanzierung der Bibelforscher zurückgewiesen wurde. Der Rabbiner M. Salomonski schrieb dazu in der jüdischen C(entral) V(ereins) Zeitung: "Und nun setzt noch eine merkwürdige Kampfgemeinschaft gegen uns ein, zu der kirchliche und kirchenfeindliche deutsche Kreise deutschvölkischer Prägung sich treffen. Beiden ist anscheinend auffällig und unerwünscht, dass die Vereinigung Ernster Bibelforscher sich ziemlich abseits von dem großen Kesseltreiben gegen die Juden hält und auf ihre in Palästina schneller erhoffte Bekehrung zum Christentum vertraut. Darin wittern die sonderbaren Verbündeten eine große Gefahr." [105]

Weiter kommentiert er zu dieser Sachlage: "Es sei erwähnt, dass Hans Lienhardt in seiner Broschüre: 'Ein Riesenverbrechen usw.' auch den katholischen Jesuitenorden als ein von jüdischer Seite gespieltes Instrument bei der Durchführung der Bibelforscher-Ideen bezeichnet. Um so verwunderlicher wirkt dann, wenn der katholische Geistliche Fritz Schlegel für sein umfangreiches Buch 'Die Wahrheit über die Ernsten Bibelforscher' das Imprimatur erhalten hat. Denn auch er behauptet, dass wir Juden hinter den Bibelforschern stehen und enthüllt zwar keinerlei Wissenschaft, aber einen bösen Hass, dem die zum segnen berufene Hand das Siegel der Billigung aufdrückte.

'Nur tief erschrocken', um Schlegel zu zitieren, kann man diesen wütenden Hass betrachten, der nicht zu überbietenden Oberflächlichkeit, die ihm und allen anderen judenfeindlichen Gegnern dieser Sekte diktierte. Mit Entrüstung weisen wir Juden den verwerflichen Versuch zurück, unbequeme Irrlehren uns in die Schuhe zu schieben und ihre rein christlichen Verfechter uns aufzuhalsen."
[106]

Auch in Deutschland wurden analog der Schweizer Verteidigungsschrift "Antwort " ähnliche Verteidigungsschriften seitens der Bibelforscher verbreitet. Sie waren offenbar unabhängig von der Schweizer Schrift konzipiert. Auffallend ist, dass (im Vergleich zur Schweizer Verteidigungsschrift) erheblich zurückhaltender formuliert wird. Die Schlegel'schen Anwürfe werden nicht zitiert. Gleichfalls auch nicht die Eidesstattliche Erklärung des van Amburgh. Und selbst der ausgesetzte Preis für den Nachweis jüdischer Finanzierung, wurde erheblich reduziert. Ist in der Schweizer Erklärung noch davon die Rede, für jeden nachgewiesenen Dollar jüdischer Finanzierung 1000 Dollar zu zahlen, so beschränkt man in der deutschen Verteidigungsschrift dieses Angebot auf lediglich insgesamt 1000,- M.

In der diesbezüglichen Passage wird bei "Gehrhard" ausgeführt: "Noch heute stehen auf dem Amtsgericht in Magdeburg 1000,- M. die ausgesetzt sind als Belohnung für denjenigen, der irgend etwas zum Beweis für diese Verleumdung nachzuweisen vermöchte. Bis heute vermochte niemand, diesen Betrag sich zu verdienen." [107]

An anderer Stelle schreibt der gleiche Verfasser: "Immer wieder publiziert man die Lüge, wir würden von den Juden bezahlt, trotzdem wir immer wieder versicherten, dass dies absolute Unwahrheit ist, weil wir noch nie einen Pfennig vom Judentum erhielten. Wir sind zu jeder Zeit bereit, jeder deutschen zuständigen Behörde unsere dies beweisenden Bücher vorzulegen, wie auch hier auf dem Amtsgericht in Magdeburg von uns seit langer Zeit 1000 Goldmark deponiert und öffentlich ausgeboten sind, demjenigen zufallend, der auch nur ein Jota Beweismaterial bringt dafür, dass wir vom Judentum bezahlt werden. Niemand vermochte dies bis zur Stunde, dennoch verleumdet die kirchliche Presse aller Schattierungen ohne Ehrgefühl in derselben schamlosen Weise weiter." [108]

Es gab keine Ruhe in dieser Angelegenheit. Bomsdorff-Bergen wagte die Bibelforscherleitung nicht gerichtlich zu belangen. Ihr war sehr wohl bewusst, dass Bomsdorff-Bergen auf vorangegangene Einschüchterungsversuche stets eindeutig reagiert hatte, indem er von seinen Vorwürfen nichts zurück nahm, sie aber stets aufs neue bekräftigte. Die Bibelforscherleitung zog ihm gegenüber "den Schwanz ein" um es mal etwas drastisch zu formulieren.

Aber da war ja noch jener Arzt Dr. Fehrmann, der ebenfalls die Thesen des Bomsdorff-Bergen in seinem Streit mit dem Theologieprofessor Köhler wiederholte. Von einem Mediziner konnte man erwarten, dass er nicht sonderlich tief in der zur Diskussion stehenden Problematik verwurzelt war. Und so trat das ein was mit der drastischen Formulierung von Schlegel so formuliert wurde: "Juden und Bibelforscher waren empört, versteht sich. Letztere reichten Klage ein und 'verpassten' diesmal ausnahmsweise den Termin nicht. Die Gerichtsverhandlung dauerte 1 ½ Tage." [109]

Es fand also nun doch noch eine Gerichtsverhandlung in dieser sensiblen Sache statt. Wie nicht anders zu erwarten, stützten beide Seiten sich dabei auf die Ratschläge ihrer dazu engagierten Rechtsanwälte. Und deren Spezialität ist es, möglichst alle taktischen Möglichkeiten genau auszuloten und entsprechend zur Anwendung zu bringen. So mussten denn die Bibelforscher erfahren, dass ihre Klage von dem Anwalt des Beklagten zugleich auf die formaljuristische Ebene umdirigiert wurde.

Der Anwalt Dr. Duft argumentierte: "Die I.V.E.B. sei keine juristische Person nach geltendem Schweizerischen und St. Gallischem Rechte, da sie keine Mitgliederverzeichnisse führe, keine Beiträge erhebe, keine An- und Abmeldungspflicht kenne usw. Sie auch in unserem Handelsregister nicht eingetragen sei, obgleich sie mehr wirtschaftlichen als ideellen Interessen diene. Das Grundkapital der Vereinigung betrage nach der englischen Handelsregistereintragung ganze 100 Pfund Sterling, und jedes reguläre Mitglied der Vereinigung müsse mindestens einen dieser Anteilscheine besitzen. Es handelt sich demnach um einen ganz kleinen Mìtgliederkreis. Der Kreis der übrigen Angehörigen der I.V.E.B. bilde nicht eine regelrechte Mitgliedschaft, sondern sie werden lediglich als sog. 'Mitarbeiter' betrachtet, ohne Pflichten und Rechte." [110]

Damit waren die Bibelforscher erstmal auf der formaljuristischen Ebene ausmanövriert. Das Gericht war zwar bereit dem Bibelforscherklagevertreter Binkele zu konzedieren, dass er durch die Anwürfe auch persönlich betroffen sei und somit ein Klagerecht habe. Aber der Anwalt Dr. Duft lies nicht locker und argumentierte weiter:
"Das der Beklagte nichts anderes behauptet habe, als was zuvor von anderer Seite bereits Dutzendmal geschrieben wurde, ohne das die I.V.E.B. deshalb zum Kadi gelaufen wäre. Er mache sich nun aber anheischig, auch noch einen direkten Beweis anzutreten und durch einen in Konstanz lebenden Schriftsteller beweisen zu lassen, dass nicht bloß der im 'Morgen' abgedruckte Brief auch authentisch sei, sondern auch die darin enthaltenen Behauptungen der Wahrheit entsprechen." [111]

Die Berichterstattung der "Thurgauer Zeitung" schließt mit der Ausführung: "Das Gericht fand aber, dass der offerierte Zeuge gar nicht notwendig sei. Nachdem die I.V.E.B. jahrelang sich nicht habe dazu aufraffen können, die von Dr. Fehrmann gemachten Behauptungen vorher schon einer gerichtlichen Beurteilung zu unterstellen, obschon sie Binkele und Konsorten doch schon längst bekannt sein müssen, müsse der vom Beklagten anerbotene Beweis auch so als erbracht angenommen werden. Das Gericht wies deshalb die Klage unter Kostenfolge ab und sprach dem Beklagten zudem eine außerordentliche Entschädigung von 450 Fr. zu." [112] Zuzüglich der Gerichtskosten von 150 Franken. [113]

Im Nachgang des St. Galler Urteiles versuchten die Bibelforscher verschiedentlich den Eindruck zu erwecken, als hätten sie gegen dieses Urteil eine Revisionsklage eingereicht. Letztere ging aber für die Bibelforscher gleichfalls negativ aus. Dazu stellte der Rechtsanwalt Dr. Duft in einer Presseerklärung triumphierend fest:
"Nachdem in der bekannten Ehrverletzungsklage der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher ... das staatliche gallische Kantonsgericht am 13. März 1925 die Klage zurückgewiesen hatte, ließen sie durch ihre Agenten und die Presse in der Schweiz und fast ganz Europa verkünden, sie hätten diese Angelegenheit an das schweizerische Bundesgericht weiter gezogen. Diese Behauptung widerspricht der Wahrheit. Die Kanzlei des Schweizerischen Bundesgerichtes hat dem Unterzeichneten Anwalte auf Anfrage hin bestätigt, dass die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher das Bundesgericht innerhalb der gesetzlichen Frist nicht angerufen haben. St. Gallen, 13. Juni 1925. Dr. J. Duft, Advokat." [114]

Der St. Galler Bibelforscherprozeß vom November 1924 war so ein Anlass für die Antisemiten um ihren Frust loszuwerden. Charakteristisch dafür ist der Artikel in der "Deutschen Tageszeitung" vom 3. 11. 1924 mit dem Titel: "Die 'ernsten Bibelforscher' und das Judentum", denn die Zeitschrift "Studierstube" für so "bedeutungsvoll" hielt, ihn auch noch nachzudrucken. [115]

Darin konnte man lesen: "Die Propaganda dieser sogenannten 'ernsten Bibelforscher' richtet sich mit fanatischer Schärfe und in brutalster Weise gegen die christlichen Bekenntnisse. ... Dagegen kann sich die Propaganda der 'ernsthaften Bibelforscher' in der Verherrlichung des Judentums und des Zionismus nicht genug tun. Gleichzeitig wirkt die 'Internationale Vereinigung der ernsten Bibelforscher' im jüdisch-internationalem Sinne staatszerstörend und predigt, dass die heutigen Staaten verschwinden müssen, um einem alt-testamentarisch-paradiesischen 'Friedensreiche der tausend Jahre' Platz zu machen."

Die "Krone" setzt sich jedoch die "Deutsche Tageszeitung" mit den nachfolgenden Auslassungen auf: "Wir möchten dieses bemerkenswerte Urteil (Bibelforscherprozeß St. Gallen) welches hoffentlich dazu hilft, auch bei uns den 'ernsthaft biblischen' Verjudungsagenten endlich etwas mehr auf die hurtigen Finger zu sehen, mit einem notwendigen Hinweis versehen. In einem leider in christlichen Kreisen bisher nicht genügend beachteten jüdischen Buche: 'Die Stadt ohne Juden' von dem Wiener Schreibjuden Hugo Bettauer verfasst, finden sich sehr wertvolle Hinweise auf die Naturgeschichte der 'ernsthaften Bibelforscher.' Dieses Buch ist das wertvollste Zeugnis für die maßlos gewordene Überhebung des nachrevolutionären Judentums. In diesem Buche, der schamlosesten Beschimpfung des christlichen Europas, die sich das zur Vergeltung überreif gewordene Ostjudentum jemals herausgenommen hat."

Die "Deutsche Tageszeitung" behauptet dann: "So wird darin mit Hohngelächter geschildert, wie ein einziger Jude, der sich selbst mit der jüdischen Frechheit rühmt, ein ganzes christliches Land in Verwirrung und Selbstzerfleischung zu stürzen, indem er, nach dem Vorbilde der 'ernsthaften Bibelforscher' einen 'Bund der wahrhaften Christen' gründet, der in Wirklichkeit nur aus ihm, dem zerstörungslüsternen Juden, und einer Anzahl dummer Christen besteht." Soweit die "Deutsche Tageszeitung".

Wenn man sich jedoch den fraglichen Roman einmal selbst ansieht, dann gewinnt man einen ganz anderen Eindruck! [116] Bettauer schildert darin, wie die fiktive Entwicklung in Österreich nach einem faschistischen Sieg und der Ausweisung aller Juden aus Österreich weiter gehen würde:
152
"Um ein Uhr mittags verkündeten Sirenentöne, dass der letzte Zug mit Juden Wien verlassen, um sechs Uhr abends läuteten sämtliche Kirchenglocken zum Zeichen, dass in Österreich kein Jude mehr weilte. In diesem Augenblick begann Wien sein großes Befreiungsfest zu feiern. [117] Sehr bald zeigte es sich, dass alle diese Parteien, die Christlichsozialen wie die Nationalsozialisten, nur darauf aufgebaut waren, dass man den Massen die Juden als bösen Geist, als Wauwau und Prügelknaben darbot. Nun, wo es weder Juden noch Judenstämmlinge in Österreich gab, verfing das nicht mehr, wurde die Parteipolitik noch öder und langweiliger, als sie es vorher gewesen war. Elend, Teuerung, Arbeitslosigkeit wuchsen, und die Führer waren in Verlegenheit, weil sie nicht wussten, wem sie die Schuld daran geben sollten.

Die reichen Leute waren ja jetzt brave Christen, die Ausbeuter und Wucherer auch, dass heißt, man durfte von solchen Menschen gar nicht sprechen, weil man sonst hätte zugeben müssen, dass es christliche Wucherer und Ausbeuter genau so gibt wie jüdische. Früher hatten die Hakenkreuzler mit ihren Plakaten Aufsehen erregt, die Massen aufgehetzt. ... Die Plakate der Hakenkreuzler waren nun so sinnlos geworden, dass sie niemand mehr las."
[118]

Offensichtlich konnten die Antisemiten diese Demaskierung nicht verkraften; sodass sie dazu zu einem Rundumschlag ausholten. Auch wenn die "Deutsche Tageszeitung" eine Antwort auf die Frage, was das ganze denn nun mit den Bibelforschern zu tun hätte, in schlüssiger Weise schuldig geblieben ist. So offenbart es andererseits doch sehr viel über die Seelenverfassung jener, die sich da als "Christen" bezeichneten und nicht in der Lage waren, das Anliegen der Bibelforscher wirklich zu verstehen.

Auch Katholischerseits wurde die Zionsmusbegünstigung der Bibelforscher missdeutet. Ein mit kirchlicher Imprimatur vom 15. 1. 1925 erschienenes Flugblatt warf den Bibelforschern vor: "Nach Ausrottung der christlichen Religion, nach dem Sturz von Kirche und Staat bricht das tausendjährige Reich an, dass ist der Sieg des Judentums, die Herrschaft des Zionismus. Das ist das Ziel der E(rnsten) B(ibelforscher). Darum bezieht es von den Juden seine Gelder, unter anderem von dem jüdischen Bankhaus Hirsch in New York." [119]

Diese "Hirtenworte" beziehen sich des weiteren auf den Bibelforscherprozeß in St. Gallen um daran die These anzuhängen, dass dort der "Nachweis" erbracht worden sei, dass die Bibelforscher "schwere Geldunterstützung aus den Taschen des amerikanisch-freimaurerischen Judentums beziehen." Eine Behauptung, die in dieser kategorischen Form nicht haltbar ist.

Selbst der in seinem Urteil, im Vergleich zu anderen, als bedächtig und kenntnisreich einzuschätzende Dr. Algermissen, fiel auf die Propagandathesen des St. Galler Bibelforscherprozesses herein, da sie eine einfache (man muss aus heutiger Sicht sagen: zu einfache) Erklärung plausibel erscheinen ließen. Zudem fügten sich die "Ergebnisse" dieses Prozesses sehr harmonisch in das bereits seit Jahrzehnten bestehende katholische Weltbild, die Freimaurerei betreffend, ein.

Algermissen schrieb damals: "Die Europäische Zentrale (der Bibelforscher) erhält reichliche Unterstützung von Amerika, eigenartigerweise aber nicht nur von der dortigen Hauptstelle der 'Ernsten Bibelforscher', sondern auch von der jüdisch-amerikanischen Freimaurerei. Ein Prozess, der vor einigen Monaten in St. Gallen in der Schweiz sich abspielte, gab noch interessante Enthüllungen über die intimen Beziehungen zwischen diesen angeblich christlichen Bibelforschern und der widerchristlichen, jüdisch-amerikanischen Freimaurerei. Es stellte sich bei dem Prozess heraus, dass die sogenannten 'Ernsten Bibelforscher' in dem Dienste jüdisch-amerikanischen Freimaurertums stehen und von dort besoldet werden. Damit sollte für jeden denkenden Menschen diese Gesellschaft gerichtet sein, die vorgibt, das Christentum reinigen und veredeln zu wollen, in Wirklichkeit aber im Dienste des ungläubigen Freimaurertums, der stärksten Feindin des Christentums steht." [120]

Ein weiteres übles Beispiel, dieser an Oberflächlichkeiten hängenbleibenden katholischen Apologetik, liefert auch Karrer in seinem 1942 in der Schweiz erschienenen Buch über moderne Sekten. Karrer, der darin völlig unkritisch die Freimaurerbriefaffäre unter Hinweis auf das einschlägige Buch von Jonak wieder aufwärmt [121] versteigt sich dann zu der Behauptung:

"Das Interessanteste kommt erst, wenn wir die geheime politische Ideologie der Sekte ins Auge fassen. Das nun in Erscheinung tretende tausendjährige Reich heißt bei den Bibelforschern nicht zufällig 'Königreich Jehovas'; der altjüdische Name ist für die Sache bezeichnend. [122] Der Höhepunkt aber im Aufstieg der jüdischen Allherrschaft wird bezeichnet durch die große Schlacht von Harmagedon. Der Name bezeichnet in der altjüdischen Geschichte den Ort einer Niederlage; er hatte deshalb einst für die Juden eine unangenehme Bedeutung und dementsprechend ist er in der Geh. Offenbarung noch als Symbol für die versammelten dämonischen Mächte gebraucht (Geh. Offenbarung 16, 16).

Für die Zeugen Jehovas ist es umgekehrt: da bezeichnet Harmagedon die Vernichtungsschlacht der jüdischen Welt gegenüber der christlichen und den mit ihnen verbundenen Systemen. Unterdessen haben die Gläubigen der Sekte die moralische Vorbereitung auf die Schlacht von Harmagedon zu treffen, d. h. den Hass zu schüren. Im übrigen ist es aus dem Weltmachtsideal der Zeugen Jehovas nur selbstverständlich, dass gegen jede Staatsordnung ähnlich gehetzt wird wie gegen das Christentum."
[123]

Von den vorzitierten Text zugehörigen Anmerkungsnummern sei noch die [91] und die [96] noch zitiert:

[91] Vgl. Jonak, Zeugen S. 43.
Vgl. dazu auch "Der Morgen" (Olten) 16. 4. 1925. Artikel: "Eine skrupellose Unterstellung". In diesem Artikel bestätigt der Verlagsdirektor des "Morgen" den fraglichen Freimaurerbrief seinerzeit selbst in den Händen gehabt zu haben. Er verwahrt sich weiter gegen die Unterstellung, dieses Schreiben in seiner Aussage selbst lächerlich gemacht zu haben, wie dies die Bibelforscher und mit ihnen (in dieser Frage) liierte Presseorgane noch unterstellten. Charakteristisch dabei ist auch der folgende Satz: "Das im 'Morgen' veröffentlichte Schreiben des amerikanischen Freimaurers lag der Redaktion des 'Morgen' im Original vor. Es besteht nicht der geringste Zweifel in der Echtheit dieses handschriftlichen Dokuments. Dasselbe liegt heute nicht, wie der Leitartikler des 'Oltener Tageblattes' lächerlicherweise vermutet, auf der Nuntiatur in Bern, sondern es befindet sich bei den Prozeßakten in St. Gallen, wo die 'Ernsten Bibelforscher' vor kurzem einen Aufsehen erregenden Prozess verloren haben."

[96] Schwartz-Bostunitsch kommentiert unter Hinweis auf die Veröffentlichung von Jonak und der Nichtauffindbarkeit des Originalbriefes, mit der ohne Beweise vorgetragenen Behauptung: "Vermutlich haben sich die 'Ernsten Bibelforscher' auf Schleichwegen seiner doch bemächtigt, um die belastende Urkunde aus der Welt zu schaffen." Vgl.. Schwartz-Bostunitsch, Gregor "Jüdischer Imperialismus", Berlin 1939 S. 631.
Jonak hingegen zitiert Bomsdorff-Bergen mit der Vermutung, dass der Originalbrief den Bibelforschern in der Vergleichsverhandlung übergeben wurde.
Auch die Zeugen Jehovas argumentierten dabei mit Unterstellungen ohne Faktenbeweis. In der Ausgabe des "Trost" vom 15. 9. 1945 S. 15, nahmen sie (nach 1945) in dieser Angelegenheit nochmals Stellung. Ihre These, die Katholiken hätten diesen Brief selbst vernichtet.
Zu dem Vorwurf von Jonak, dass sie Bomsdorff-Bergen merkwürdig geschont haben und ihn nicht in eine direkte gerichtliche Auseinandersetzung verwickelten, nehmen sie bezeichnenderweise nicht Stellung. Dagegen zitieren sie einen Kommentar von Jonak als gleichzeitiges Alibi für ihre entscheidende Inaktivität. Das "Trost" schreibt: "Dagegen betont er (Jonak) nachdem er Gewißheit hat, dass der Originalbief nicht mehr existiert, dass es 'ein in der Rechtswissenschaft anerkannter Grundsatz ist, dass die Unechtheit einer Urkunde von ihrem Angreifer und nicht die Echtheit von ihrem Verteidiger zu beweisen ist."
Der Kommentar des "Trost" dazu betont, dass dieses Dokument sicherlich niemals ohne Quittung den Zeugen Jehovas ausgehändigt worden sei. Weil letzteres aber nicht der Fall ist, unterstellt man, die katholischen Kreise hätten jenen Freimaurerbrief selbst vernichtet. Die wehleidige Klage des "Trost": "Haben sie uns durch ihre Wegschaffung des Briefes die Möglichkeit genommen, nach dem oben von Jonak zitierten Rechtsgrundsatz die Unechtheit zu beweisen." Auch diese Argumentation gleicht dem werfen von Nebelbomben. Verleumdet (aus ihrer Sicht) wurden die Zeugen Jehovas primär durch Bomsdorff-Bergen als Urheber. Alle danach genannten Namen sind lediglich als "Kommentatoren" einzustufen. Aber gerade Bomsdorff-Bergen haben sie eben nicht vor Gericht gezogen!

Wie schon früher ausgeführt, war insbesondere nach dem in der Schweiz erfolgtem Verbot der Rutherford-Broschüre "Faschismus oder Freiheit", das Thema der SPK (die man mit als Drahtzieher outete) wieder für die WTG auf der Tagesordnung. Und so nahm selbige nach jahrelangem Schweigen, in der "Trost"-Ausgabe vom 15. 10. 1939 erstmals ausführlich zum Thema sogenannter Freimaurerbrief Stellung, weil man wähnte, das sei wohl so eine Art "Kassenschlager" der SPK, den es nun zu zerstören gälte.

In den diesbezüglichen "Trost"-Ausführungen liest man unter anderem:


"Im Jahre 1924 hatte dieser Brief in einem Prozeß vor dem Bezirksgericht Zürich beweisen sollen; daß das Werk der Bibelforscher vom Ausland her mit Geldern der Juden und Freimaurer ausgehalten werde. Als es dann an der Zeit gewesen wäre, den Beweis dafür vor Gericht anzutreten, hatten jene Gegner der Bibelforscher den Brief plötzlich "verloren" oder "verlegt".

Der Verlag L. Keller-Zoller, Zürich, der den Brief in einer Broschüre veröffentlicht hatte, mußte diese Veröffentlichung widerrufen.
Im seinerzeitigen Gerichtsprotokoll hieß es: "Dieser Widerruf und die Erklärung erfolgt mit der Begründung, weil Otto Walter, Direktor des gleichnamigen Verlages und des katholischen Zeitungsuntemehmens ,Der Morgen' in Olten, das Original des auf Seite 142-143 der genannten Broschüre publizierten ,Bibelforscher- oder Freimaurerbriefes' unterschlagen und nachher als unauffindbar verlegt angegeben hat, wodurch dem Verlag die Möglichkeit genommen ist, den im vorliegenden Prozesse erforderlichen Beweis antreten zu können."

Dir. Walter bestreitet die Unterschlagung und behauptet, den Brief an Frau L. Keller-Zoller zurückgeschickt zu haben, so daß dann sie ihn unterschlagen haben müßte (obwohl doch gerade sie ihn vor Gericht gebraucht hätte, um nicht in der Tinte zu sitzen!). Mögen sie ihren Streit untereinander ausmachen. Ihr schwindelhafter Freimaurerbrief blieb jedenfalls verschwunden bis auf den heutigen Tag.
Was in diesem Brief behauptet wird, trägt den Stempel der Lüge an sich selbst. Ob er überhaupt je existierte, oder ob er eine Fälschung war oder nicht, macht letzten Endes wenig aus. Auf jeden Fall dient das, was als sein Wortlaut abgedruckt wird, der Lügenverbreitung. Es wäre eine Kleinigkeit, einen Brief zu schreiben, um irgendwelche Märchen auszustreuen.

Angeblich haben sich Brown aus Boston, der als Briefschreiber figuriert und 1926 gestorben sein soll, und der "Briefempfänger" Bomsdorff-Bergen aus Konstanz vom Freimaurertum abgewendet und wohl zum Katholizismus bekehrt. So ähnlich lief schon früher einmal eine Affäre, und das Ende vom Lied war - der Taxilschwindel! Haben die römisch-katholischen Kleriker diese Blamage von 1897 schon vergessen?

Wenn diese Leute hoffen, Jehovas Zeugen würden Zeit, Kraft und Geld darauf verschwenden, sich mit diesem "Freimaurerbrief'-Mummenschanz herumzuschlagen, dann irren sie sich.

Die Tatsachen sind:
In den Kreisen der Zeugen Jehovas gibt es nirgendwo in der Welt Freimaurer.
Jehovas Zeugen bekommen weder von den Juden noch von den Freimaurern finanzielle Unterstützung, noch war dies je der Fall. ...

Obiger Sachverhalt wurde durch die von der Behörde angeordnete Bücherrevision des Herrn Kantonsbuchhalters Emil Jung, Bern, für das zentraleuropäische Büro dieser Gesellschaft in Bern am 13. Nov. 1922 eindeutig festgestellt.
Daß Juden und Freimaurer auch die "Wachtturm"- Zentrale in Brooklyn niemals finanziert haben, ist bei verschiedenen Gelegenheiten in eidesstattlichen Versicherungen des Schatzmeisters der Gesellschaft, W. E. Van Amburgh, niedergelegt worden.
Jeder vorurteilslose Betrachter dessen, was Jehovas Zeugen sagen und tun, weiß von selbst, daß ihr Werk auch keinerlei inneren Zusammenhang mit den Freimaurern hat. ...
Die Zeugen Jehovas machen keine Propaganda, weder für sich noch für die Juden, noch für die Freimaurer oder für sonstwen. ..."

Bomsdorf-Bergen und Weiteres

Die "Antwort der Internationalen Vereinigung ernster Bibelforscher ..."

Theorie der Verschwoerung

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