Re: Vor fünfzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. August 2009 08:06
Der "Wachtturm" vom 15. 8. 1959 meint wieder einmal Grund zum Jubeln zu haben. "Die Standhaftigkeit der Zeugen hinter dem Eisernen Vorhang" hat es ihm, bzw. etwas genauer, schon der US-amerikanischen Tageszeitung "Washington Post" angetan.
Die wiederum beruft sich auf einen Artikel der sowjetischen "Prawda".

Seite 1 des zweiseitigen WT-Artikels.

Haben also die russischen Falken (symbolische) "Bauchschmerzen", und die hatten sie ja ohne Frage, ist das selbstredend Grund genug für die USA-Falken - egal ob in Washington oder Brooklyn - eine Ehrensache, sich das nicht entgehen zu lassen und das alles wirkungsvoll auch der eigenen Leserschaft zu zelebrieren.

Nun würde ich bezüglich des darin enthaltenen Vergleiches, dass dies ja dieselben "Bauchschmerzen" seien, welche schon die Nazis hatten, keineswegs streiten.
Ich gehe noch weiter und sage da einigen Politikern (zum Beispiel in Baden-Württemberg) auf den Kopf zu.

Passt mächtig auf meine Herren, dass ihr euch nicht im gleichen Bette wiederfindet, in dem vor euch schon die Nazis, der KGB, die Stasi lagen. Ihr seid auf dem "besten" "Wege dazu.

Was sich Jahrzehnte später mal in Baden-Württemberg oder auch Rheinland-Pfalz ereignen würde, konnte selbstredend bei der Abfassung jenes Artikels im Jahre 1959, noch niemand erahnen. Ergo sei es jetzt hier auch nicht weiter thematisiert.

Aber ein Detailaspekt aus dem 1959er Artikel sei doch noch gesondert zitiert.
Da liest man auch den Vorwurf der "Prawda":
"Die Organisatoren der Bewegung werden als 'ehemalige Kriegsverbrecher, faschistische Kolloborateure und Gestapospitzel' bezeichnet ..."

Nun kann man solch einem Vorhalt mit Sicherheit nicht den Status der Objektivität zuerkennen. Er ist parteiisch, hochparteiisch.
Aber die Frage stellt sich schon. Völlig aus der Luft gegriffen? Oder wie kam die "Prawda" dazu.

Meines Erachtens klärt sich die Frage dergestalt.
Das Zeugen Jehovas bezügliche Archiv des Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, geriet nach 1945 in sowjetischem Besitz. Es wurde erst Mitte der 1950er Jahre, zusammen mit anderen Akten (etwa denen des faschistischen Reichskirchenministeriums) an Ostdeutschland zurückgegeben.

Soweit es die Akten des Reichskirchenministeriums anbelangt, wurde es auch in westlichen Historikerkreisen ruchbar, wo die nun "gelandet" waren. Es lassen sich einige westliche Publikationen aus den 1970er Jahren nachweisen, welche beredte Klage darüber führen, dass Ostdeutschland westlichen Historikern den Zugang zu diesem Aktenbestand verweigerte.
Etwa in dem sechsbändigen, voluminösen Werk von Gerhard Schäfer "Die Evangelische Landeskirche in Württemberg und der Nationalsozialismus."
Dort beklagt der Autor im Vorwort zu Band IV (S. VIII):
"Leider war es nicht möglich, die Akten des Reichskirchenministeriums in den Archiven der Deutschen Demokratischen Republik einzusehen."

Mit dieser Klage steht er nicht allein da. Andere Historiker mussten ähnliches beklagen.
Erst wohl Mitte der 1980er Jahre entschärfte Ostdeutschland seine diesbezügliche Verweigerungspolitik.

Selbst Ostdeutsche Forscher bekamen kaum Zugang zu diesen Akten.
Ein Paradigmawechsel diesbezüglich war mit der Veröffentlichung des Ostdeutschen methodistischen Pfarrers Karl Zehrer zu beobachten, welcher für seine Dissertation mit dem Titel "Die Evangelische Freikirchen und das Dritte Reich" aus dem Jahre 1978,
so ziemlich als der erster Ostdeutscher Forscher anzusehen ist, welchem doch noch Zugang zu diesem Aktenbestand gewährt wurde.

Zu nennen ist auch Kurt Meier, welcher in Sonderheit das Thema der "Deutschen Christen" bearbeitete. Schon von der Thematik her, ergab sich die Zwangsläufigkeit, unbedingt an diesem Aktenbestand interessiert sein zu müssen. Dem konnten sich wohl auch die Ostdeutschen Verweigerer nicht entziehen.
Zudem ist auch Herr Meier, wie auch noch einige andere der Gilde Ostdeutscher Theologieprofessoren, dann nach 1989, noch als Stasi-IM geoutet worden. Darüber "überrascht" zu sein, besteht wohl wenig Anlass.

Aber bedeutsamer (zumindest für die hiesige Thematik) ist sicherlich der Fall Zehrer anzusehen.

Bemerkenswert auch noch; von der Zehrer'schen Dissertation gab es dann auch noch eine Buchausgabe. Die aber erschien erst 1986. Die Zensoren brauchten also einiges an Zeit zum "verdauen" und entschärfen. Hier wiederum ist das ausgeklügelte Ostdeutsche Zensursystem exemplarisch studierbar. Einiges was in der Dissertation noch lesbar war, fand sich in der Buchausgabe dann nicht mehr vor.

Das System das da zugrunde lag, hat ja Stefan Heym schon mal in seinem "König David Bericht" treffend charakterisiert. Die Sorge der Mächtigen ist halt das "denken unerlaubter Gedanken". Ergo werden jene Passagen die besonders geeignet sind diesen Tatbestand zu befördern, wegzensiert.

Und diese Gefahr besteht in der Sicht der Mächtigen vor allem dann, wenn sich dem Leser der Gedanke aufdrängt.
Was sich da zu Nazizeiten abspielte, wiederholt sich ja jetzt wieder in Ostdeutschland!
Und einige solcher Passagen gab es in der Tat in der Zehrer'schen Dissertation.
Ergo haben die Zensoren ("Gutachter" genannt) im Vorfeld der doch noch zugestandenen Buchpublikation, "ganze Arbeit" geleistet, und lieber etwas mehr als denn zu wenig gestrichen!

Dann, da ja auch westliche Forscher an der Thematik interessiert waren, sei nochmals daran erinnert, wer denn auf westlicher Seite da mit zuerst Zugang erhielt.
Zitat:
"Besier seinerseits hatte zu diesem frühen Zeitpunkt auch keine Skrupel, selbst (indirekt) die Dienste der DDR-Stasi in Anspruch zu nehmen. Sein Interesse bestand darin, den Aktenbestand des faschistischen Reichskirchenministeriums zu Forschungszwecken einsehen zu können. Der Haken an der ganzen Sache war dabei nur, dass diese Akten, von der Sowjetunion an die DDR zurückgegeben, nicht in regulären Archiven landeten; sondern dass die Stasi sie an sich zog und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorenthielt. Nur einige wenige, handverlesene (außer den eigentlichen Stasibedientesten) erhielten zu DDR-Zeiten Zugang dazu. In zwei externen Objekten (Berlin-Karlshorst, Stühlingstr. 3 und Berlin-Pankow, Majakowskiweg 4) waren sie zu DDR-Zeiten stationiert. Einer der wenigen der sie auch einsehen durfte, war Besier. Sicherlich waren diese genannten Objekte nicht mit dem Firmenschild "Stasi" versehen. Andererseits waren sie jedoch auch keine regulären Archivräumlichkeiten. (Man vergleiche: "Pfarrer, Christen, Katholiken", S. 653, 654)."

Also dass die Akten des Reichskirchenministeriums der Stasi zugänglich waren, wussten somit - zumindest einige Insider. Einige andere konnten es auch erahnen.

Was nun den Zeugen Jehovas bezüglichen Aktenbestand des Sicherheitsdienst des Reichsführers SS anbelangte, herrschte da vor 1989 so gut wie keine Kenntnis (in der Öffentlichkeit).
Allerdings, nach 1989 gelangte dann dieser Aktenbestand (vormaliges Stasiobjekt Freienwalderstr. in Berlin) auch in die Trägerschaft des Bundesarchivs; mit Auflösung des Objektes Freienwalderstr. dann auch voll in den Bestand des Bundesarchivs integriert.
Da ich selbst Anfang der 1990 Jahre auf Antrag hin, in der Freienwalderstr. Recherchieren konnte steht es fest.
Das die "Prawda" ihre (parteiischen) Thesen der Kollaboration nicht aus den Fingern gesogen hat.

Die Rolle jedenfalls welche die WTG-Apologetik - etwa im Falle Frost oder Franke - wahrnimmt, ist keine objektive.
Ergo zum Ausgangspunkt zurückzukehren.
Bis etwa 1957 hatten die Russen ja Zugriff auf diese Akten. Ob sie selbige wirklich intensiv auswerteten kann man sicherlich anzweifeln.
Indes ein oberflächlicher Blick reichte schon aus, um zu sehen, was da ablief.
Und genau von diesem oberflächlichen Blick berichtete ja die "Prawda".

Exkurs:
Dann mal noch die genannten Seiten (653 - 656) aus "Pfarrer, Christen und Katholiken" als Repro.
Zum einen ist aus ihm der wechselvolle Verlauf der Akten des Reichskirchenministeriums zu DDR-Zeiten erschichtlich. Zum anderen wird unter den Handverlesenen, die da zu DDR-Zeiten Zugang zu diesem Bestand erhielten, auch Herr Besier namentlich genannt. Erwähnt wird auch, dass seitens der DDR eine ganze Reihe von diesbezüglichen Benutzungsanträgen ablehnt wurden. (Wie belegt, auch im Fall Schäfer).

Exkurs Nr. 2
Mehrere Wochen schon lang, ist die Leserbriefseite der Wochenzeitung "Die Kirche" von einem Thema im besonderen dominiert. Der Rolle welche dem im Jahre 2004 verstorbenen Kirchenfunktionär Reinhard Richter zuzuschreiben sei.
Offenbar wurde das Thema erneut "ausgegraben" in einem Sinne, welcher kirchlichen Funktionären nicht behagt.
Bereits "Focus" nannte im Jahre 1996 (unter anderem) auch diesen Namen.
www.focus.de/politik/deutschland/brandenburg-stolpes-stasi-zeugen_aid_162087.html

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, die überwältigende Mehrheit der Leserbriefschreiber in der "Die Kirche" hat Ehrenerklärungen für Herrn Richter abgegeben.
Nicht selten etwa im Stil wie die nachfolgende:


In selbiger taucht ja darin auch der Name des Herrn Besier mit auf.
Ein Urteil in der Substanz - steht mir im Falle Richter nicht zu. Allerdings, sonderlich differenziert, und somit überzeugend, erscheint mir wohl vorstehendes (beispielhaftes) Zitat nicht zu sein.
Es scheint wieder das "alte Lied" gespielt zu werden, der parteiischen Stellungnahme der dem jeweiligen Nahestehenden.
Wie auch immer.

Da gibt es ja eine Partei. Einige Zungen (ob "böse" oder nicht) meinen wahrzunehmen, wenn irgendwo "Alt-Stalinisten" in besonderer Konzentration gesucht werden sollten, würde man in jener Partei besonders fündig werden können. Nicht so sehr bei deren Gallionsfiguren. Aber unterhalb jener Schwelle schon.
Und jener Partei ist ja nun auch der Herr Besier beigetreten.

Also fassen wir zusammen, gewisse kirchliche Leute sehen Herrn Besier als eine Art Nestbeschmutzer an, dieweil er eine andere Art von Image über diese kirchlichen Leute verbreitet hat, als wie sie es denn gerne selber hätten oder für angemessen sehen würden.
Solange Herr Besier selbst dem politischen Mainstream angehörte, wo das ohnehin gang und gäbe war (und ist), mag das nicht weiter überraschen.
Aber man kann wohl sagen, dass Herr Besier (inzwischen) einen Frontwechsel absolviert hat.

Allerdings, auch das sei gesagt. Immer wenn mit der Stasi-Totschlagkeule hantiert wird, gilt es genauer hinzusehen. Wer das nicht tut (nicht selten mit Vorsatz), steht vor der Geschichte ungerechtfertigt dar.
Also gilt es denn nun nachzusehen. "Was" hat den Besier über Herrn Richter so "diskriminierendes" geschrieben?
Meines Erachtens ergibt das Ergebnis einen "Sturm im Wasserglas".

Die "Neunmalklugen" westlicher Herkunft meinten (und meinen), gegenüber Ostdeutschland wäre kirchlicherseits nur eine Reaktion angemessen. Die "Konfrontation bis zum Messer". Möglichst dabei noch "mit Schaum vorm Maul". Je mehr, je "besser" in der Sicht der "Neunmalklugen".
"Glänzende" Beispiele in der Sicht der "Neunmalklugen" wären da zum Beispiel der sich selbst verbrennende Pfarrer Oskar Brüsewitz. Details nicht unbedeutender Art, halten dann aber die "Neunmalklugen" nicht für Mitteilenswert. Etwa das, wie aus einer Veröffentlichung der "Gauckbehörde" hervorgeht, dass Brüsewitz der baptistischen Elimgemeinde ziemlich nahestand. Seine Ehefrau war dort Mitglied.
Der 1929 geborene Brüsewitz, nach dem Scheitern seiner ersten Ehe in den Ostteil Deutschlands "geflüchtet". Dort eben ab etwa 1955 in Kontakt zu einer Familie geratend, welche zur Elimgemeinde gehörte. Seine zweite Frau entstammte dort.
Brüsewitz versuchte zwar erst mal "bürgerlich Fuss zu fassen". Mit dem Ergebnis: eher schlecht als recht. Gewissermaßen kann man seine Aufgabe des Schusterberufes und der Beginn einer kirchlichen Laufbahn, auch als eine Art "Flucht" interpretieren.

Aufgrund der kirchlichen Machtverhältnisse konnte er aber eine kirchliche Laufbahn, mit der Zielstellung, sie solle gleichzeitig als Broterwerb dienen, nur in der sogenannten Landeskirche antreten. Im Rahmen der Elimgemeinde hätte er dort jedenfalls, keine Option dazu bekommen. Da hätte er bestenfalls als einfaches Gemeindeglied, der seinen Lebensunterhalt auf bürgerliche Weise verdient, agieren können.

Diese Option war ihm offenbar zu wenig. Ergo entschied er sich doch für die Laufbahn in der Landeskirche, mit einer Frau aus der Elimgemeinde an seiner Seite.
Nun soll man sich ja nicht einbilden, das "Zauberwort" Mission wäre nur bei den Zeugen anzutreffen. Diese Blütenträume sind auch andernorts virulent, auch und besonders in Freikirchenkreisen. Seine Frau dürfte da auch auf ihn Einfluss ausgeübt haben, in nicht geringem Umfange. Hätte er eine andere Ehefrau "erwischt", und auch dann eine kirchliche Laufbahn beschritten. Ob es auch dann Zuspitzungen im Sinne fragwürdiger missionarischer Aktivitäten gegeben hätte, ist doch sehr die Frage.

Nun die Rahmenbedingungen in Ostdeutschland.
Kirchlich-missionarische Aktivitäten, die über das allgemein übliche Maß hinausgingen, waren da nicht gefragt. Die Zeugen können es bestätigen. Unter dem Einfluss seiner Ehefrau entschied er sich aber für Aktionen, welche eben über das allgemein übliche hinausgingen. Damit stolperte er letztendlich von Konflikt zu Konflikt, die dann noch in dem schrecklichen Endkonflikt ausarteten.

Brüsewitz wird heute noch von interessierten Kreisen als Gallionsfigur gegen den Atheismus, hoch im Kurs gehandelt. Anti-Atheismus ist letztendlich auch eine "Melkfrage". Wer kann den doofen Michel besser ausnehmen. Die da mit frommen Augenaufschlag, oder die erklärten Atheisten des Ostens?
Denn nur darum drehen sich diese Dispute in letzter Konsequenz.
Denen mit "frommen Augenaufschlag" hatte der Osten einige empfindliche Zügel angelegt, ohne Frage. Und Brüsewitz in seiner Unbedarfheit wollte sie durchbrechen, und ist letztendlich an dieser seiner eigentlichen Motivation gescheitert.

Wer heutzutage den "Held Brüsewitz" feiert, und das sind ja nicht wenige. Und den Aspekt religiösen Narrentums, in seinem Falle sich auch in seiner Ehefrau manifestierend, ausblendet, hat zwar seine eigenen Wunschvorstellungen ideologisch verbrämt, damit zu Protokoll gegeben. Erfasst hat er die wirkliche Sachlage indes nicht.

Da die "Neunmalklugen" ja nicht zur Elimgemeinde auch gehören, sagt ihnen dieser Name wenig. Denjenigen indes, die mit diesem Namen etwas mehr anzufangen vermögen, wissen, dass ist dann so eine Art Sektenausläufer, von denen es ja noch ein paar mehr geben soll. Zum Beispiel jene Zeugen Jehovas um 1950, in in Kommentierung ihres Gerichtsurteiles, welches da auf lebenslänglich lautete, meinten verlautbaren zu können: "Sie meinen wohl ein Jahr ...".
Das sind dann die "Helden" der "Neunmalklugen". Und einer der da mit in den Chor ihrer Lobsänger eingestiegen ist, war ohne Frage auch Herr Besier.

Wenn sich etwa in westlichen Gefilden, eine Nonne für die Sekte Ananda Marga, im Verein mit einem vormaligen Pfarrersohn, spektakulär vor der Westberliner "Gedächtniskirche" auch selbst verbrannte, dann hat das zwar ein Teil der Presse auch thematisiert. Nicht jedoch die "Gralswächter" die ja so alles besser wussten (im Westen) wie sich die Ostdeutschen zu verhalten hätten.
In letzter Konsequenz kann man sehr wohl auch den Fall der Todespiloten, die gegen das World Trade Center rasten; den Fall einer japanischen Sekte, welche Mordanschläge in der U-Bahn von Tokio ausübte, den Fall des Jim Jones (und noch ein paar andere mehr), diesem Kontext zuordnen. Auch sie wollten und übten aus religiöser Verblendung Taten aus, die nicht entschuldbar sind. Ergo ist die religiöse Verblendung die an erster Stelle benennbare Wurzel solch schockierender Vorgänge.

"Prima " ein etwas neuzeitlicheres Beispiel, über Freikirchen, welche ja formal keine Sekten sein wollen, brachte kürzlich das ZdF in seiner Sendereihe "Frontal 21".
"Sterben für Jesus" so der bezeichnende Titel. Und noch bezeichnender ist, es gibt sogar Indoktrinierte, welchen diesen Slogan fallweise, wörtlich verstehen.
Die Indoktrinierten können einem nur Leid tun. Für ihre Lehrer allerdings, hätte ich nur etwas andere Gefühle parat.

Etwaige Abweichungen von dieser Linie, die man "passenderweise" aber nur vom Hort des sicheren Westen zu Protokoll gab, bzw. nachdem die Geschichte gelaufen, und man pharisäerhaft billig schwätzen kann, gelten in den Augen dieser Gralswächter als Sakrileg hoch zehn.

Nun hat offenbar auch Herr Richter diesen Konfrontationskurs so nicht mitgemacht.
Namentlich in zwei Besier-Bänden, einmal in "Der SED-Staat und die Kirche. 1969 - 1990" und zum zweiten "Der SED-Staat und die Kirche. 1983 - 1991" kommt marginal auch der Herr Richter mit vor. Über die jeweiligen Sachregister leicht erschließbar.
Was wirft nun (dort) Herr Besier, dem Herrn Richter vor.
Offenbar die nachfolgenden Sachen. Jedenfalls einen aktiven Stasi-Bezug kann man schwerlich daraus herauslesen.
Aber bilde sich jeder seine eigene Meinung. Nachstehenden die Vorhalte von Besier an die Adresse des Herrn Richter in genannten Quellen.


Man beachte in diesen Auszügen auch besonders den Umstand, dass Richters Tochter, eine Studentin der Medizin, von einer genehmigten Reise nach Westdeutschland, nicht in den Osten zurückkkehrte.
Da sass nun auch Richter, als naher Angehöriger in der Klemme. Wie sollte er sich diesbezüglich den Ostbehörden gegenüber verhalten?

In der Sicht der "Neunmalklugen", die dann aber erst nach dem Ende der DDR "klug" wurden, habe er sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert.

Mein Kommentar zu diesen "Neunmalklugen" (auch in der Chefredaktion des "Focus" wo es ja wohl Neunmal-neunmal-neunmal-Kluge geben soll; jedenfalls in deren eigener Sicht) wäre dann der:

Ich könnte gar nicht soviel essen, wie ich dann am liebsten, vor diesen "Neunmalkugen" auskotzen möchte - stundenlang!

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