Ziebold
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 16. April 2008 07:57
(Ergänzung zu einer Pressemeldung)

In einer neueren Pressemeldung liest man auch den Satz:
„Rudolf Ziebold ... der 1940 auf persönlichen Befehl Himmlers erschossen wurde, weil er sich als Zeuge Jehovas geweigert hatte, bei einem Inspektionsbesuch vor dem Reichsführer-SS stramm zu stehen.“

www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11184203/63369/In_der_Gedenkstaette_Sachsenhausen_wird_die_elfte_Dauerausstellung.html

Irgendwie meinte ich den Familiennamen Ziebold schon mal gehört zu haben. Die Frage löst sich dergestalt, dass es im Rahmen eines Schülerwettbewerbes Deutsche Geschichte des Bundespräsidenten, im Jahre 1982 eine Maschinenschriftliche Ausführung von einer Irma Ziebold (und andere) mit dem Thema gab:
"Das Schicksal der Freiburger Zeugen Jehovas während der NS-Zeit".

Selbige soll sich wohl im Bestand der Hamburger „Koerber-Stiftung“ befinden. Es ist ja nicht auszuschließen, dass da verwandtschaftliche Beziehungen gegeben sind.

Kehren wir zu dem Eingangs genannten Herrn Ziebold und seinem Schicksal zurück.
In den Ausführungen von Hans Hesse etwa, wird auch er mit erwähnt. Hesse verwendet allerdings einen anderen Vornamen. Er redet von einem Robert Ziebold.

Wer da nun den Vornamen falsch schrieb, kann ich nicht beurteilen. Ich tippe mal. Eher jener eingangs zitierte Pressebericht.

Wie entwickelte sich nun die Eskalation der Dinge?
Offenbar so.

Man muss das wohl so interpretieren, dass alles spielte sich bei einer Himmler-Inspektion ab. Wie bei solch hohen Herrschaften üblich, kam der mit Gefolge. Zu dem wiederum gehörte der berüchtigte KZ-Kommandant Baranowski.

Wie auch nicht selten zu beobachten, ist das „Gefolge“ noch der Schlimmste von allen. So auch in diesem Fall.

Laut Hesse sei Auslösendes Moment für eine Zellenbau-Einweisung eines 50jährigen Maurers , mit Namen Franz Welz vermutlich sadistische Übergriffe des Lagerkommandanten Baranowski gewesen. Eine schwere aus dem ersten Weltkrieg stammende Verletzung beider Beine gestattete ihm eine Bewegung nur noch mit Hilfe von Krücken.
Baranowski entzog ihm die Krücken und verlangte, daß Welz sich ohne diese bewegen solle, da er ja als Zeuge Jehovas auf die Hilfe seines Gottes vertrauen könne. Welz kam von diesem Moment an der Grußpflicht nicht mehr nach. Überliefert ist nicht, ob ihm aufgrund der körperlichen Behinderung der vorschriftsmäßige Gruß überhaupt möglich gewesen wäre.“

In dieser Situation schloß sich der 35jährige Kraftfahrer Ziebold solidarisch dem Welz an, verweigerte ebenfalls den Gruß.

„Beide“ so Hesse, ließen es „aus der Sicht Himmlers an der nötigen Ehrerbietung fehlen und setzten ungestört das zuvor begonnene Gebet fort.“

Die Folgen für beide:
„Zunächst wurden beide wegen der Brüskierung Himmlers vom Zellenbau in die »Isolierung« - wahrscheinlich in den Block 36 - gebracht und erhielten dort 25 Stockschläge auf dem Bock. Funktionshäftlinge des Zellenbaus, Zeugen Jehovas, teilten die kurze Zeit später erfolgte Erschießung beider im Industriehof mit, was durch den Leiter des Zellenbaus, Eccarius, im Sachsenhausen-Prozeß bestätigt wurde.“

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