Ein Buchbericht

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 06. April 2009 03:34

Auf 21 Druckseiten, kann man in einem neueren Buch zur Zeugen Jehovas-Thematik von etwa 92 Seiten Gesamtumfang, einen Aufsatz lesen, betitelt: „Ist Jesus der allmächtige Gott?" Angereichert in den zugehörigen Anmerkungsnummern, auch durch einige Literaturbelege aus Englischsprachiger Literatur. Dem Verfasser reicht es offenbar nicht, darzustellen was Vertreter der Deutschsprachigen Theologenzunft dazu meinen zum "besten" geben zu können. Nein, er will seine "große Gelehrsamkeit" auch noch durch Rückgriffe auf Englischsprachiges unter Beweis stellen. Lediglich eines vergas der Verfasser denn wohl noch mitzuteilen, welchen "Elfenbeinturm" er denn so sein zu Hause nennt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Elfenbeinturm
An anderer Stelle entnehmbar. Der Verfasser des genannten Aufsatzes sei auch
„Dozent an der Wiedenester Bibelschule"
Zu deren Umfeld siehe auch:
http://wapedia.mobi/de/Bibelschule_Wiedenest

Nun kann ich selbstredend da nur für mich sprechen; nicht auch für andere.
Für meine Person stelle ich jedenfalls klar. Mich treibt diese Frage jedenfalls nicht um.

Wenn ich was an der WTG-Religion zu kritisieren habe, und das habe ja wohl auch ich, dann ist das jedenfalls eine Fragestellung deren Platz bei mir auf Platz 99a rangiert, kurz „vor Hintertupfingen vor dem Mond".

Nun ist das in Rede stehende Buch keine Monographie, eher ein Sammelband. Verschiedene Autoren, mit verschiedenen Thematiken sind darin vertreten.
Unter anderem kann man darin auch jenen Aufsatz wieder lesen aus der Zeitschrift „idea Spektrum" Nr. 40/2007, der da betitelt war: „Eine schrecklich nette Familie. Zu Besuch in der Deutschlandzentrale der Zeugen Jehovas in Selters".

Man vergleiche dazu etwa auch:
Parsimony.24254

Jener eben genannte Artikel las sich ja ganz interessant!

Offenbar sind in diesem Sammelband noch weitere Zeitschriftenaufsätze vereinigt, die wohl allesamt, vordem zuerst in der Zeitschrift „idea Spektrum" publiziert waren. Quasi eine „Doppelvermarktung" nun eben auch als Buch.

Zum Beispiel ein in „idea Spektrum" Heft 4/2001 erschienener Aufsatz von Monika Deppe (sicherlich keine „Unbekannte") mit dem Titel:
„Jehovas' erschlägt die Abtrünnigen".
Wenn das also Frau Deppe damals mit thematisiert hat, ist dagegen sicherlich nichts einzuwenden.

Oder ein weiterer Aufsatz aus „idea Spektrum" Nr. 10/2005 trägt die Titel „Wenn die Zeugen Jehovas klingeln".
Und just dieser Titel steht dann geringfügig variiert für den eigentlichen Buchtitel, der da lautet:
„Wenn die Zeugen Jehovas an der Haustür klingeln."

Noch einem Autorennamen begegnet man in diesem Buch, den des Wolfgang Kühne, der zusammen mit einer Astrid Jaehn, als Herausgeber dieser Schrift fungiert.
Zu Kühne kann man unter anderem vergleichen:

Parsimony.12582

Jener eben genannte Beitrag verwies auf einen Aufsatz von einem Klaus Rösler, eben wohl zum Kreis der genannten Zeitschrift gehörend.
Soweit es den Bericht von Kühne in diesem Buch anbelangt, ist er sicherlich nicht mit dem von Rösler identisch
(der übrigens auch in diesem Buch mit vertreten ist). Aber vieles ist, vergleicht man beide genannten Quellen, dann wohl eine variierte Wiederholung bereits gesagtem.

Man vergleiche thematisch auch im ForumsarchivA163
dort den Beitrag von User „Plus" vom 30. April 2006 11:58

„Plus" stellte darin unter anderem auch die Frage:

„Warum sollen die Sektierer aus Düren besser sein als die Sektierer aus Niederselters?"

Tja und dann erscheint es zumindest mir, die Frage ist weiterhin nicht beantwortet, wenn sie denn überhaupt jemals „beantwortet" wird.

Zur Motivation der in Rede stehenden Schrift, liest man darin auch den Satz:

„Nachdem es in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Diskussion recht ruhig um diese Sekte gewesen ist, ist das Interesse der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr merklich gestiegen - deutlich markiert von einem ausführlichen Spiegel-Artikel (29-07.2008: ZJ "Beten, bis die Welt untergeht") und einer großen Titelgeschichte im Magazin der Süddeutsche Zeitung (Heft 13-2008 "Zeugen Jehovas: Vom Regen in die Taufe").

Tja wie war das noch mal von dem Regen und der Traufe, wäre da so meine Rückfrage, die ich mir doch nicht ganz verkneifen kann.

Zur Biographie von Kühne und Ehefrau erfährt man: sie waren 37 (bzw. 42) Jahre bei den Zeugen. Es ist sicherlich bitter, dass muss man ja ohne Einschränkung einräumen, sieht sich einer nach so langer Zeit genötigt, eine Zäsur vorzunehmen.

Wie und warum nimmt er sie nun vor? Nun die Gründe dafür liegen ja „haufenweise" auf der Strasse, dass ist ja auch offenkundig.
Benötigt man unbedingt 37 Jahre um zu dieser späten Erkenntnis zu gelangen, wäre dann doch wohl noch so eine andere Frage.

Ich will mal versuchen letztere Frage mit einem Vergleich zu beantworten.
Die Zeugen Jehovas in Ostdeutschland waren dort nicht gut gelitten zu DDR-Zeiten. Das pfeifen ja alle Spatzen von den Dächern. Und sie hatten auch einen speziellen Widerpart, namens „Staatsicherheit", der sich ihrer in der bekannten unsensiblen Art annahm.

Einige der Karrieristen der Stasi besuchten denn ja auch mal Lehrgänge an einer betriebseigenen sogenannten „Juristischen Hochschule".
Und dort erstellten sie, wie das ja an Hochschulen gar nicht so selten zu sein pflegt, auch thematische Abschlussarbeiten.
Wer die Chance hatte, die nach dem Ende der DDR sich mal „zu Gemüte zu ziehen", und das nicht blos oberflächlich tut, der wird alsbald auf einen wesentlichen Differenzierungsgrundsatz der Stasi stoßen. Selbige pflegte bei ihrem IM-Heer zu differenzieren, zwischen „Herausgebrochenen" (wohl die Überzahl) und eventuellen „Überzeugungstätern".

Übrigens, um das nicht zu vergessen. Jene Differenzierung zwischen"Herausgebrochenen" und fallweise Überzeugungstätern, gehört auch zum grundlegenden Einmaleins anderer „Dienste" dieses Genres. Egal wie sich sich zu benennen pflegen. Ob beispielsweise BND, CIA oder wie auch immer.
Und wenn man die sogenannte Predigtdiensttätigkeit der Zeugen Jehovas nüchtern bewertet, ist auch die eine Form subtiler „Herausbrechungs"versuche.

Ohne Herrn Kühne zu nahe treten zu wollen, und unter völliger Anerkennung des Umstandes, dass in der alten BRD völlig andere Rahmenbedingungen herrschten, meine ich, auch er ist ein „Herausgebrochener".

Er wäre vielleicht heute noch in der WTG-Religion, wenn nicht eben die Umstände auch ihn noch auf einen anderen Lebensweg spät führten.

Unter anderem liest man in seinem Bericht auch den wohl charakteristischen Satz:

„Der Widerstand meiner Eltern gegen die ZJ wurde immer rabiater, führte bei mir aber nur zu einer Trotzreaktion. "Jetzt erst recht!", dachte ich."
Oder auch den:
„Im Herbst des Jahres 1967 lernte ich auf einem Kreiskongress in der Vestlandhalle in Recklinghausen meine Frau kennen. Sie war eine "Pionierin" ging also nur noch halbtags einer bezahlten Beschäftigung nach und war den restlichen Tag für die WTG im Haus-zu-Haus-Dienst aktiv."

Auch solche Rahmenbedingungen taten dann das ihrige.
Über seine Abnabelungsphase liest man unter anderem den Satz:

„Ich hatte bereits 2002 für Unruhe bei den ZJ gesorgt, als ich am Abendmahl teilnahm und damit zu den 144.000 gezählt wurde."

Man liest weiter, und erahnt schon die Folgewirkungen:
„Natürlich konnte mich auch nicht zurückhalten, über meine neue Erkenntnis mit meiner Tochter (damals 23 Jahre) und meinem Schwiegersohn (27 Jahre) zu sprechen, die beide ebenfalls Zeugen Jehovas und in besonderer Mission der WTG tätig sind."

„Tätig sind". Letzterer Satzteil bedarf dann wohl keine näheren Erläuterung, was für ein Drama dann damit eben verbunden ist.
Vielleicht eine Kostprobe nur:


„Unter Tränen sagten sie mir (Tochter und Schwiegersohn) dann, dass sie - wenn ich es nicht selbst täte - binnen 14 Tagen meine Denkweise der Ältestenschaft in Düren melden müssten. Diese Art des Denunziantentums ist von der WTG gewünscht."

Oder noch ein Zitat:
„Ebenso bat meine Tochter, dass ich sie ab sofort nicht mehr in der Apotheke, in der sie als PTA arbeitete, besuchen sollte. Sie sagte uns auch, sie würde nur noch einmal im Monat anrufen. Inzwischen ruft sie allerdings nur noch alle drei Monate an, um zu fragen, wie es uns geht. Wir wurden gebeten, nicht von uns aus bei ihr anzurufen."

Über seinen weiteren Weg liest man unter anderem auch den Satz:
„Wenn der "Mitternachtsruf" in unserer Nähe Vorträge hielt, fuhren wir hin, denn wir lechzten nach der neu gewonnen geistlichen Speise aus Gottes Wort. Anfahrten zum Veranstaltungsort bis zu 100 km Entfernung nahmen wir in Kauf."

Tja, als nicht Betroffener von den vorstehend geschilderten Umständen, kann man mir ja nun vorhalten: „Na der kann ja billig schwätzen" oder ähnliches.

Ich erkenne wohl, dass er als „Herausgebrochener" kaum eine andere reale Chance hatte. Gleichwohl kann ich aber aus meinem Herzen auch keine Mördergrube machen, lese ich da den Begriff „Mitternachtsruf".

Das ist eine Gruppierung, gegründet von einem Wim Malgo. Wie es in den 1950/60er Jahren noch religiöse Sendungen (kommerziell bezahlt) über Radio Luxemburg gab, war auch dort dieser Einfaltsverein massiv vertreten.

Er und der analoge Verein eines Herrn Heukelbach, waren dort massiv vertreten.

Ohne das hier jetzt zu vertiefen, sei das beispielsweise verwiesen auf:


Parsimony.24545
Parsimony.2428
Parsimony.4073

In seiner Sicht stellt sich sein jetziger Lebensweg wie folgt dar:
„Eine zusätzliche Aufgabe für uns ist, dass ich mit meiner Frau viele Gemeinden kennenlerne, weil wir oft eingeladen werden, um über die Zeugen Jehovas aufzuklären. Was mich in unserer Gemeinde besonders beeindruckt, ist, dass wir eine Bibelstunde haben, die sich wirklich Bibelstunde nennen darf."

Es sei ihm gegönnt, wenn er den meint so seinen Frieden jetzt gefunden zu haben.
Die Frage die ich meinerseits nur rüberbringen wollte wäre die, ob denn sein Weg „die" Alternative wäre.
Mir persönlich würde es mehr als schwer fallen, dass zu „bejahen".

Die Problematik kennt er dann ja wohl selbst, wenn er in seinem Bericht auch den Satz schreibt:

„Unser Sohn, der sich mit 18 Jahren von einem Glauben an Gott losgesagt hatte (er ist inzwischen 39 Jahre alt), fand es zwar nie gut, dass wir Zeugen Jehovas waren. Aber dass wir zu Jesus Christus fanden, passte ihm erst recht nicht. Er hat seitdem ebenfalls jeden Kontakt zu uns abgebrochen. Oft musste ich an die Worte in Matthäus 10,37 denken: "Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig."

www.bei-elke.at/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=159


forum.sektenausstieg.net/index.php?topic=18655.msg435175#msg435175

Nachtrag:
Täuscht mich nicht alles, ist die um 13.04 Uhr genommene Verlinkung (dortiger Username „Heinzi") gegen 16 Uhr schon nicht mehr erreichbar.
Angabe ohne Gewähr. Begründung. Mein subjektiver Eindruck.

Offenbar Linkmäßig verschoben nach

forum.sektenausstieg.net/index.php?topic=18750.msg410143;boardseen#new

Re: Ein Buchbericht

geschrieben von:  Frau von x

Datum: 06. April 2009 13:13

Zitat:

Drahbeck
Zur Biographie von Kühne und Ehefrau erfährt man: sie waren 37 (bzw. 42) Jahre bei den Zeugen. ...
Benötigt man unbedingt 37 Jahre um zu dieser späten Erkenntnis zu gelangen, ... .

Manche kommen nie zu dieser Erkenntnis, deshalb besser später als nie.

Zitat:

„Unter Tränen sagten sie mir (Tochter und Schwiegersohn) dann, dass sie - wenn ich es nicht selbst täte - binnen 14 Tagen meine Denkweise der Ältestenschaft in Düren melden müssten. Diese Art des Denunziantentums ist von der WTG gewünscht."

„Ebenso bat meine Tochter, dass ich sie ab sofort nicht mehr in der Apotheke, in der sie als PTA arbeitete, besuchen sollte. Sie sagte uns auch, sie würde nur noch einmal im Monat anrufen. Inzwischen ruft sie allerdings nur noch alle drei Monate an, um zu fragen, wie es uns geht. Wir wurden gebeten, nicht von uns aus bei ihr anzurufen."

Das Buch, welches derzeitig im wöchentlichen Versammlungsbibelstudium behandelt wird BEWAHRT EUCH IN GOTTES LIEBEbeinhaltet im Anhang das Kapitel

Wie man sich gegenüber
Ausgeschlossenen verhalten sollte


Auf den Seiten 207 - 209 heißt es dort:

... Die Bibel gibt uns eine klare Linie vor, wie wir uns in solchen Fällen verhalten sollten. Wie eng wir uns daran halten, kann ein Gradmesser für unsere Liebe zu Jehova und seine Herzenstreue sein. ...
... Wir reden mit Ausgeschlossenen nicht über unseren Glauben und haben keinen sozialen Kontakt mit ihnen. ...
Ist es wirklich nötig, den Kontakt völlig abzubrechen? Ja, aus mehreren Gründen. ...
Was, wenn ein Verwandter ausgeschlossen wird? ...
...
... In seltenen Fällen könnten es gewisse Familienangelegenheiten zwar erfordern, dass man mit dem Ausgeschlossenen begrenzten Kontakt hat, doch sollte dieser auf ein Minimum beschränkt werden. Wer Jehova treu sein möchte, sucht nicht nach Vorwänden für Kontakte mit einem ausgeschlossenen Verwandten, der eine eigene Wohnung hat. Aus Herzenstreue gegenüber Jehova und seiner Organisation wird er die biblische Regelung des Gemeinschaftsentzugs nicht unterlaufen. Seine konsequente Treue zeigt, dass er für den Ausgeschlossenen nur das Beste will, ... .

Bemerken möchte ich dazu, daß dieses Buch keinesfalls im Haus-zu Haus-Dienst angeboten werden soll. Studierenden darf es nur unter der Voraussetzung zugänglich werden, daß sie bereits Fortschritte gemacht haben, wie z.B. die Zusammenkünfte besuchen.

Re: Ein Buchbericht

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 06. April 2009 13:25

Siehe auch die jetzt noch eingefügte Verlinkung zu seinem Posting in Infolink.
Da darf man ja wohl gespannt sein (auch aufgrund durchaus ähnlich gelagerter Fälle), wie sich denn seine Akzeptanz dort noch so ausgestalten wird.

Selbstredend über einen längeren Zeitraum gewertet.
Nicht blos die Phase des ersten "Euphorielacks"

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