Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 17. Januar 2009 12:51

Einen „Klein"krieg der besonderen Art, kann man jetzt auch noch beobachten.

Schön, könnte sich jeder ehemalige Zeuge Jehovas, die für die WTG geopferten Stunden, noch nachträglich angemessen bezahlen lassen.
Lebt man im „Schlaraffenland" wo ja dem vernehmen nach „gebratene Tauben" durch die Luft schwirren sollen, mag das ja dort möglich sein.

Vieles indes haben ja wohl schon nach diesem „Schlaraffenland" gesucht.
Entweder habe ich da was übersehen?
Oder mir ist in der Tat noch keiner bekannt geworden, der jenes „Schlaraffenland" tatsächlich gefunden hätte.

Wie auch immer. Eine Organisation welche ihre vermeintliche „vorverlagerte Gewissensentscheidung" bei verschiedentlichen Anlässen von der Justizia eben nicht in Frage gestellt sah, wird über solch ein Ansinnen letztendlich nur lächeln.

Aber man kennt es ja schon von Don Quichott.
Man kann gewaltige Kämpfe inszenieren, die sich unterm Strich als Luftschläge erweisen!

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Werner_

Datum: 18. Januar 2009 20:16

Zitat:

Drahbeck
Einen „Klein"krieg der besonderen Art, kann man jetzt auch noch beobachten.

Schön, könnte sich jeder ehemalige Zeuge Jehovas, die für die WTG geopferten Stunden, noch nachträglich angemessen bezahlen lassen.

Dass R. die WTG verklagen will, um ein nachträgliches Entgelt für alle ihrer geleisteten "Predigtdienst"-Stunden durch die WTG zu erzwingen, habe ich auch gelesen.

Mag sein, dass die Idee, ein Grundsatzurteil darüber herbeizuführen, ob man als ZJ wirklich alles so "freiwillig" leistet, was die Gemeinschaft verlangt, gar nicht mal so verkehrt ist. Aber mal abgesehen davon, dass ich für eine Zulassung eines Gerichtsprozesses, geschweige denn eines für R. günstigen Urteil wenig Chancen sehe, fällt es mir immer schwerer, R. und ihre zahlreichen (um nicht zu sagen verzettelten) Projekte ernst zu nehmen. Ich kann mich als Beobachter nicht des Eindruckes verwehren, dass diese Frau so ziemlich jeden und alles, sogar »ihre eigene Tochter«,* anzeigt und vor den Kaddi zehrt, was nicht nicht bei drei auf den Bäumen ist. Solch ein kindisches Verhalten stärkt nicht gerade ihre Glaubwürdigkeit.

Auch ihr Ziel, durch diesen geplanten Prozess öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit, auch unter den ZJ zu erreichen, sehe ich sehr kritisch. Wenn der Durchschnittszeuge erfährt, dass eine Aussteigerin die WTG auf "Bezahlung" verklagen will, bestätigt ihn dass doch nur, dass die "bösen Abtrünnigen" "selbstsüchtig" seien und nur an materiellen Werten interessiert seien. Und da ein Sieg von R. sehr unwahrscheinlich ist, wird dies natürlich von den ZJ als "großartiger Sieg theokratischer Kriegslist" und den "Segen Jehovas auf sein Volk auf Erden" gefeiert. Die Öffentlichkeit außerhalb der Zeugen-"Gemeinschaft", wenn sie sich überhaupt dafür interessiert, wird durch ein wenig Rechereche eines interessierten Zeitungsredakteurs z. B. schnell hinter die notorische und teils absurde Klagewut von R. kommen, was wie gesagt nicht gerade auf eine seriöse Sektenaussteigerberatung schliessen lässt.

_______
* Siehe auch: www.melanierolf.de/

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 19. Januar 2009 02:47

In der Schweiz gab es 1936 den Fall Boris Toedtli.
Siehe zu selbigem auch;


Koryphäe Boris Toedtli

Parsimony.24911

Parsimony.24148

Parsimony.23036

Parsimony.23563

Der Fall Jonak

Das Buch „Geschichte der Zeugen Jehovas. Mit Schwerpunkt der deutschen Geschichte" S. 393f. (Kap. 18 „Anti-Bibelforscher"koryphäen" in Aktion")

Dem gelang es die WTG vor den Kadi zu ziehen.
Inspiriert und maßgeblich gestützt durch seine Hintermänner in Hitlerdeutschland (und auch Österreich: Jonak).
Bereits seit der Ausgabe vom 15. 9. 1936 bis einschließlich der Ausgabe vom 15. 11. 1936, erstreckte sich die Berichterstattung des "Goldenen Zeitalters" über die formal von dem Boris Toedtli gegen WTG-Funktionäre eingereichte Gerichsklage.
Nun in der GZ-Ausgabe vom 15. 11. 36 wird besonders herausgearbeitet, dass da Karikaturen innerhalb der WTG-Publikationen, als besonderer Aufhänger, zur formalen Begründung benutzt (oder wenn man so will mißbraucht) wurden.

Es ist keineswegs eine neue Erfahrung, dass gezielte Karikaturen, manchmal erheblich treffsicherer sein können, als etwa lange Texte zum gleichen Sachverhalt.
Es ist keineswegs eine neue Feststellung, dass die "Waffe" der Karikatur in demokratisch verfassten Staaten, auch von etlichen anderen verwandt wird (also keineswegs "nur" von Zeugen Jehovas).

Wer nun diesbezügliche eine besondere "Dunnhäutigkeit" offenbart, bei dem muss man schon zurückfragen dürfen, ob er es nötig hat, und oder ob das alles nur Vorwand für weitergehende Ambitionen - hin zur Diktatur ist.

Wenn also das GZ in der Ausgabe vom 15. 11. 36 jene formal von dem Toedtli inszenierte Bilderkritik zurückweist, dann besteht in der Tat einer der eher seltenen Ausnahmefälle, wo ich ausdrücklich mit dem "Goldenen Zeitalter" übereinstimme!

Zitat aus dem GZ-Kommentar:


"Es seien ferner noch erwähnt die Bilder und Karikaturen, die Lieder und Spottverse gegen Papst und Pfaffen (letzterer Ausdruck ist aus der Presse der in Deutschland erscheinenden Blatter entnommen), wie wir sie in den Blättern "Drehscheibe", "Flammenzeichen", "Das schwarze Korps", "Der Judenkenner" usw. vorfinden. Wenn man diese Bilder sieht und diese Spottverse liest, dann kann man schwer begreifen, warum sich Tödtli, der Agent Fleischhauers, so scheinbar christlich, so religiös gebärdet, und beide sich päpstlicher als der Papst hervortun.
Nein, ihre Angriffe sind zu durchsichtig, als daß sie in ihren wahren Zielen nicht erkannt werden könnten."


Dann noch die Anmerkung. Es gab dieses Gerichtsverfahren in zwei Instanzen. Die erste (1936) war noch günstig für die WTG ausgegangen. Die zweite (1937) dann nicht mehr.
Theoretisch hätte besagter Toedtli sich also auf seinem 1937er "Sieg" sonnen können.
Praktisch jedoch nicht.

Auch andere politische Kräfte haben sich dann mal diesen Toedtli etwas näher angesehen. Und unter anderem diverses, aus einer Hausdurchsuchung bei ihm gewonnenes Material veröffentlicht, dass ihn als das demaskierte, was er von Anfang an war.
Ein Naziagent der untersten Schublade.

Toedtli war anschließend ein politisch toter Mann, konnte sich nur durch zeitweilige Flucht ins "gelobte" Hitlerdeutschland, weiteren juristischen Konsequenzen für ihn entziehen (und das auch nur zeitweise, denn das „gelobte" Hitlerdeutschland entpuppte sich auch für ihn noch, als eben ein doch nicht ganz so „gelobtes" Land, wie er es sich wohl erträumt hatte).

Wer sich dazu berufen fühlt, die WTG in einer Art und Weise anzugehen, auf der Justizebene, der sollte sich meines Erachtens auch die Frage stellen, ob er wirklich sicher ist, im Fall der Fälle (eines theoretischen) "Erfolges" auch das "Echo" vertragen zu können.

Die Religion (als Verdummungsinstrumentarium) müsse (vor allem) dem Volke erhalten bleiben, postulierte schon Bismarck.
Und selbst bedeutende Parteien in diesem Lande, haben just dieses auch auf ihre Fahnen geschrieben, ohne es expressis verbi wie Bismarck auszusprechen. Aussprechen tun sie es zwar nicht, aber handeln tun sie danach.

Wer diese Gesamt-Gemengelage außer acht lässt, begibt sich auf ein Kampffeld, dass vielerlei Minen beinhalten kann, die zur gegebenen Zeit dann "hoch gehen."

Der WTG-KdöR-Status wird sich nicht deshalb ändern, weil Neunmalkluge wähnen, ihn durch gerichtliche Anstrengungen noch ändern zu können.
Dazu wäre ein grundsätzlich anderes Klima in Kirchenpolitischen Belangen vonnöten.
Wirkliche Trennung von Staat und Kirche,
Dieses Land ist mehr denn je, Lichtjahre davon entfernt!

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Werner_

Datum: 19. Januar 2009 14:23

Zitat:

Drahbeck
Wer sich dazu berufen fühlt, die WTG in einer Art und Weise anzugehen, auf der Justizebene, der sollte sich meines Erachtens auch die Frage stellen, ob er wirklich sicher ist, im Fall der Fälle (eines theoretischen) "Erfolges" auch das "Echo" vertragen zu können.


Richtig. Dieses Echo kann nämlich leicht dazu führen, dass die klagende Person (von Medien oder im Internet) etwas näher durchleuchtet wird. Und ob alles, was dann ans Licht kommt, im Sinne der klagenden Person ist, sondern vielleicht sogar nach hinten los geht (siehe Fall Toedtli) sollte vorher wohl überlegt sein.

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 20. Januar 2009 06:15

Zitat:
... mit Aufklärung hat das nichts zu tun"

Was ich dann ja meinerseits nur noch zusätzlich unterstreichen würde

www.zeugenjehovas-ausstieg.de/01-forum-zj/index.php?topic=1231.msg10932#msg10932

Hervorhebung von nichts meinerseits

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Stefan75

Datum: 20. Januar 2009 08:14

Da man ja alles "freiwillig" gemacht hat, sehe ich auch keinen Sinn, eine Organisation zu verklagen.
Wie viele ehrenamtliche Helfer könnten dann auf die Idee kommen, weil sie jetzt Geld brauchen oder nach 10 Jahren ihre Meinung geändert haben, z.b. das Rote kreuz oder den ASB zu verklagen.
Ich ärgere mich zwar auch über meine eingesetzte Zeit für die WTG, was auch nicht wenig war, aber da jetzt noch unnötig Geld und Zeit einsetzten, sehe ich als reine Verschwendung.

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von: Tertius Segundus III.

Datum: 20. Januar 2009 09:49

Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel reales, fundiertes "Fachwissen" über Sekten generell auf der von Herren Drahbeck hier verlinkten Web-Site zu finden ist

Zitat:

....bei den Mormonen gehen nur junge Männer los,......


Mitlerweile dürfte es eigentlich brecht bekannt sein, dass auch (junge) Frauen als mormonische Missionare im Auslandsdienst tätig sind.
Was von den Mormonen sogar öffentlich, für jeden nachlesbar, bestätigt wird:eek:
www.mormonen.de/learn/0,8672,1584-4,00.html
Ich glaube, jede weitergehende Aussage zu der von Herren Drahbeck verlinkten Site, in welcher die Begriffe Sorgfalt, Recherche, Seriosität vorkommen könnten, erübrigt sich somit.:cool:

Re: Fragwürdige Selbstdarstellungsformen

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 20. Januar 2009 10:11

Zitat
„Es gibt sogar Hirtenbesuche, die dazu auffordern die Spenden per Einzugsermächtigung vorzunehmen."

Ja und? Was besagt das?
In den Augen eines Gerichtes, fallweise, Nullkommanichts.

Würde besagter Hirte bei seinem Besuch, einem etwa mit Zwang versuchen die Unterschrift unter solche Einzugsermächtigung abzutrotzen, könnte man selbige immer noch innerhalb der Widerspruchsfrist, annulieren.
Zudem kann man jede unrechtmäßig auf der Basis Einzugsermächtigung vorgenommene Abbuchung, ebenfalls innerhalb der vorgesehen Fristen rückgängig machen. Das geht sogar verhältnismäßig unkompliziert.
Man braucht der Bank keineswegs einen „langen Vortrag" zu halten. Man braucht lediglich zum Ausdruck zu bringen, die nicht gewünschte Abbuchung wird nicht anerkannt.
Das war es dann auch schon.
Lässt man indes die Abbuchung Widerspruchslos durchgehen, kommt das einer Anerkennung gleich.
Dann kann man sich auch nicht zurecht beschweren.

Es gibt Selbstdarstellungsformen, die können produktiv sein.
Dann gibt es auch solche, für die das Wort kontraproduktiv wohl angemessener ist.


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