Gelesen in:
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. Dezember 2013 01:30
http://www.ihrseidmeinezeugen.de/forum/index.php?PHPSESSID=3f90cc787505eecb4282cbfc97ca7b78&action=recent

„Der Wachtturm hat damals gegen die NS-Regierung agitiert. Gab es von Seiten der WTG auch Proteste gegen die Judenvernichtung, gegen den Holocaust?
FG Christel"


In diesem exklusiven Forum können nach meinen Eindruck nur diejenigen Schreiben, die bereits vor einem kürzlich vorgenommenen Webseiten-Relanch dort bereits registriert waren.
An anderer Stelle liest man dort auch noch:
„Die Registrierungsfunktion ist deaktiviert. Um Spams abzublocken und zur Erhöhung der Sicherheit auch der Mitglieder, erfolgen Anmeldungen nur noch über ein bereits bestehendes Konto in einem bevorzugten sozialen Netzwerk (sogenanntes social networks) wie z. B. Facebook."

A ja höre ich schon mal den Namen Facebook (wo ich auch nicht angemeldet bin, und auch nicht die Absicht dazu habe), dann sage ich dazu schon mal
„Daaanke - und das war es dann".

Internet-Angebote die nicht öffentlich lesbar sind (wie eben auch Facebook) sind für mich undiskutabel.
Nun habe ich ohnehin nicht die Absicht mich im eingangs genannten Forum dort als Schreiber zu betätigen.
Als Versuchsballon bezüglich einer Anmeldung bekam ich jetzt die Mitteilung zu lesen:
„Die Registrierung ist momentan deaktiviert."

Damit hat sich das Thema dann für mich weitgehend erledigt. Immerhin wollte ich die dort gestellte Frage nicht unbeantwortet lassen. Daher meine Antwort dazu an dieser Stelle:

Generell zur Nazizeit wäre auch auf die Linksammlung hinzuweisen:
Hitlerzeit2
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 14. Dezember 2013 08:59
Es gab im Gefolge der vorgenannten Anfrage, auch den Hinweis auf den Text der Berlin-Wilmersdorfer „Erklärung" vom Juni 1933.
Weiter wird gefragt, wo man denn jenen Text vorfinden könne.
Nun, an verschiedenen Stellen im Internet zum Beispiel.
Wer es lieber in einem in einem seriösen Verlag erschienenen Buche halten möchte, sei beispielhaft auf dieses verwiesen:

Hans Hesse / Jürgen Harder
„... und wenn ich lebenslang in eimem KZ bleiben müßte ..." Essen, Klartext Verlag 2001.
Dort beispielsweise auf den Seiten 421f wo man besagte „Erklärung" Original in der Ausführung gedruckt in Frakturschrift, nachlesen kann (als Volltext).
Wer sich indes auch mit einem Internet-Hinweis zufrieden gibt, sei ebenfalls - beispielhaft - verwiesen auf:
Parsimony.18256
„Herr Wrobel, sind Sie der Fälscher?!"
Es gibt aber im Internet noch weitaus mehr Belegstellen, was ausdrücklich noch hinzuzufügen wäre.
Siehe weiter beispielhaft:

Das Thema Anbiederung wo darauf mit eingegangen wird, einschließlich der Volltext-Rezeption

Im Widerspruch zu einer vagen Andeutung des Users Gerd der da meinte:
„um das Jahr 1929 herum, als Judge Rutherford seine Organisation zum "geistigen Israel" proklamierte", ist diese Veränderung erst dem Jahre 1932 zuzuordnen.
Und zwar in Band III des Rutherford-Buches „Rechtfertigung" welches als Erscheinungsjahr eben das Jahr 1932 ausweist.
Jenes Buch gibt es (derzeit) aber (deutschsprachig) nicht im Internet als Volltext.

Auf
http://wtarchive.svhelden.info/deutsch/deutsch-diverse-verffentlichungen/
ist deutschprachig davon nur der Band 1 im Angebot. Gesucht werden müsste in dem Falle aber besonders der Band 3
Wer sich mit der Englischsprachigen Variante davon zurfrieden gaben kann, kann die sehr wohl im Internet vorfinden
https://archive.org/details/VindicationVolume3ByJudgeRutherford
Auch in
http://wtarchive.svhelden.info/archive/en/publications/1932_JR_Vindication_3.pdf
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Dezember 2013 02:48
Erneut wird die Frage gestellt:

„Schrieb denn der Wachtturm als die Juden in Europa systematisch ermordet wurden gar nichts zur Verteidigung der Juden. Kritisierten sie dieses Verhalten der Nazis wirklich nie?"

Es ist nicht damit abgetan, lediglich einen Fragesatz in den Raum zu stellen. Tatsächliche Belege für diese Zweifel müssen dann schon mal mit Quellenangabe genannt werden.

Und wo sind die? Es ist nicht damit abgetan in die Fanfare derjenigen mit einzustimmen, die der Milchmädchenlogik huldigen (wie jene Postingschreiberin, schon bei anderen Anlässen dokumentiert hat), ihrer Meinung nach, seien religiöse Menschen und das pauschal, vom Prinzip her „bessere" Menschen.

Zu ihrem Hintergrund auch beachtlich; engagiert in einer katholischen Laienbewegung. Zieht man ihre sonstige Aktivitäten mit in Betracht. Eine Art Ökumenismusverschnitt, aber unter katholischen Vorzeichen. Nicht-Religiöse haben in deren Wertung schon mal "schlechte Karten".

Ein de facto abgewandelter "Herrenmenschenverschnitt", unter dem Vorzeichen, nur die Religiösen sind die Guten. Wer das nicht ist, kann demzufolge in der Sicht jenes "Herrenmenschenclubs" keine Gnade erwarten. Und auch kaum eine objektive Bewertung.

Und da die Zeugen auch zur Rubrik der „religiösen" gehören, musste dass dann auch für sie gelten. Aber jeglichen Beweis, letztendlich schuldig zu bleiben.
Auch den ZJ (siehe die KdöR-Angelegenheit) ist das fallweise Mitheulen mit den Wölfen nicht fremd. Allenfalls reduzierend wäre einzuräumen, es kommt auf den Grad der dabei erreicht wird an. Andere können das „Mitheulen mit den Wölfen" vielleicht noch ein paar Zacken „besser".

Mitte 1940 musste der deutschsprachige „Wachtturm" in der Schweiz sein weiteres offizielles Erscheinen einstellen (die Ausgabe vom 1. Juli 1940, war die letzte die dort gedruckt, erschien) dieweil man sich der Behördlicherseits angeordneten Vorzensur für ein weiteres Erscheinen des WT nicht beugen wollte.


Schon auf die Broschüre der WTG „Faschismus oder Freiheit" (Erscheinungsjahr 1939) reagierten die Schweizer Behörden scharf, mittels Beschlagnahmung. Die konnte zwar gerade mal noch gedruckt werden, und eine gewisse Karrenszeit bis zur Beschlagnahmung bestand wohl auch, so dass eine eingeschränkte Verbreitung noch gegeben war. Dann aber war „Schluss mit lustig".
19402Faschismus
Der Beschlagnahmung verfiel auch das davor erschienene, den Terror in Hitlerdeutschland beschreibende „Zürcher" (Harbeck) Buch „Kreuzzug gegen das Christentum". Letzteres erst nach dem Oktober 1944, zeitgleich mit dem Wiederbeginn des Druckens des deutschen „Wachtturms", wieder freigegeben.
Blieb lediglich die WTG-Zeitschrift „Trost" (Vorläufer des heutigen „Erwachet!") um diese Zeit in der Schweiz noch übrig. Wer die mal ausgewertet hat (was ich getan habe), der kann wissen. Auch sie blieb nicht vor den berüchtigten leeren Textstellen (Zensureingriffe) verschont.

Selbst im ersten Weltkrieg indes, blieb das dem deutschsprachigen „Wachtturm" erspart. Andere hatten da etwas weniger Glück, und mussten im ersten Weltkrieg, auf Grund von Aussagen, welche die Zensur meinte bemängeln zu können, sogar zeitweilige Erscheinungsverbote hinnehmen. So beispielhaft auch die Wochenzeitung „Der Volksbote" in Schlesien erscheinend (mit ihren dort kommerziell gedruckten dortigen Russell-Predigten). Indes bei der Redaktion des deutschen „Wachtturms" wirkte die vorauseilende „Schere im Kopf" genügend, um solchen Misshelligkkeiten aus dem Wege zu gehen (im ersten Weltkrieg).

Im zweiten Weltkrieg indes, gab es dann für den bis dahin in der Schweiz agierenden WTG-Fürsten Harbeck, eine Rückfahrt zu einem Kongressbesuch in die USA. Jene Rückfahrt war für Harbeck dann eine Rückfahrt ohne Wiederkehr in die Schweiz, da wie Schweizer Zeitungen dann kommentierten, ihm der „Schweizer Wüstensand" inzwischen zu heiß unter den Füssen geworden waren.

Die Nachfolger von Harbeck, übten sich dann im „Trost" im Wohlverhalten. Etwa in der Form der Schweizer Wehrdiensterklärung von Anfang 1943, mit ihrer markigen Mitteilung. „Hunderte Glaubensgenossen" würden doch im der Schweiz ihren Wehrdienst absolvieren.

Die jetzt in der Schweizer WTG am Ruder saßen, suchten zunehmend, ihre „Schere im Kopf" wirkungsvoller zu gestalten, um der Zensur so wenig Angriffspunkte wie möglich zu geben. Jene Nachfolger beherzigten sehr wohl die Anweisung des damals neuen WTG-Präsidenten Knorr an sie, alles zu tun, damit es nicht auch noch in der Schweiz zu einem Totalverbot käme.

Wie angespannt die Sachlage war, wussten sie nur zu genau. Dann auch noch das eigene Dogma der vermeintlichen Politiklosigkeit. Es hätte der Politiklosigkeit widersprochen, hätte man ansatzweise Stellungnahmen zu den politischen Verhältnissen in Hitlerdeutschland (und ein solcher Fall war auch die dortige geheime Verschlussache Judenverfolgung) abgegeben. Wie die Schweizer Behörden darauf reagieren würden, wusste man schon zu gut seit der Beschlagnahmung von „Faschismus oder Freiheit". Aus heutiger Sicht sind die dort gegen das Naziregime enthaltenen Textpassagen, doch eher unterkühlt, und man fragt sich ernsthaft, wieso die denn für eine Beschlagnahmung herhalten müssten.
Aber die Nerven der Schweizer Behörden waren halt auch schon stark strapaziert.


Ergo, der Holocaust war für die zeitgenössische WTG mitnichten ein „Thema". Sie hielt es lieber mit jenem Bonmot von Niemöller, als die Juden verfolgt wurden, interessierte das nicht, dieweil man ja selber kein Jude war.
Im übrigen muss nochmals darauf verwiesen werden, ab 1932 segelte auch die WTG in den Bahnen des religiösen Antisemitismus.
Zitat aus dem deutschsprachigen „Wachtturm" vom 15. 12. 1939

viele von ihnen (den Juden) „sind nun in das buchstäbliche Land Palästina zurückgekehrt, ... aber aus Selbsterhaltungstrieb veranlasst worden, dort hinzugehen. ... Das Großgeschäft und andere Flügel der Organisation Satans reihen nun die natürlichen Juden Seite an Seite mit den Nichtjuden oder „Heiden" ein, so wie Katholiken, Protestanten und Juden zusammenwirken, um die Religion zu verteidigen. Ferner sollte die Tatsache nicht übersehen werden, dass die Angelegenheiten des Reiches Gottes in Verbindung mit den Dingen auf der Erde von weit größerer Wichtigkeit sind als die Rehabilitierung eines kleinen Streifens Landes an der Ostküste das Mittelländischen Meeres" (S. 271f),

Stellt man sich so einen flammenden Protest gegen den Holocaust vor? Zumindest ich hätte dafür andere Vorstellungen. Das war doch nicht weniger als das den Juden zusätzliche Messer in den Rücken rammen, dieses „aber aus Selbsterhaltungstrieb" ohne weitere Detailbeschreibung des wieso und warum.

Oder wenn „Trost" am 1. 7. 1938 rekapitulierte:

„... Wegen dieser schändlichen Handlungsweise des jüdischen Volkes wurde von allen heiligen Propheten Gottes dessen gänzliche Vernichtung vorausgesagt. ..."



Dann kann mit dieser Aussage die SS-Scherge Rudolf Höss sich nur zusätzlich bestätigt sehen, der den Zeugen Jehovas auch attestierte, sie seien der Meinung, die Juden müssten zurecht leiden.
„Eigenartigerweise waren sie alle davon überzeugt, daß die Juden nun gerechterweise zu leiden und zu sterben hätten, weil ihr Vorväter einst Jehova verrieten."

Was die These anbelangt, die religiös gestimmten, seien von Hause aus, und prinzipiell die „besseren" Menschen, so halte ich es da lieber mit dem Schriftsteller Friedrich Gerstäcker, der in seinen Romansujets auch mit herausarbeite (letztere spielte sich im Milieu der „Methodisten" ab, einer Strömung, heutzutage allgemein den Freikirchen zugeordnet).
Am Ende erwies sich, die größten Schurken, entpuppten sich am Ende als die Prediger der Methodisten
(in den Romansujets von Gerstäcker). Parsimony.4366.htm

Wenn Daniel Heinz von den Siebenten-Tags-Adventisten, in seinem lesenswerten Buche „Freikirchen und Juden im 'Dritten Reich. Instrumentalisierte Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld" zu dem Ergebnis gelangte:
„Die angeführten Einzelbeispiele sind in ihrer Tragik kaum zu überbieten und stellen aus moralischer Sicht die größte Glaubwürdigkeitskrise in der Geschichte des deutschen Adventismus dar. Es gab kein einziges adventistisches Dokument des Protestes gegen die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus."

http://books.google.de/books?id=_wLJDGfq7xsC&pg=PA281&dq=Daniel+Heinz&hl=de&sa=X&ei=DT6tUryiEMzQsga85IHgAQ&ved=0CDUQ6AEwAA#v=onepage&q=Tragik&f=false
Oder in derselben Studie auch der Ausruf:
„Wo blieben Mitmenschlichkeit, christliche Solidarität und tätige Hilfe? Im Dilemma der „Güterabwägung" gingen sie leider nur allzu oft verloren."

http://books.google.de/books?id=_wLJDGfq7xsC&pg=PA281&dq=Daniel+Heinz&hl=de&sa=X&ei=DT6tUryiEMzQsga85IHgAQ&ved=0CDUQ6AEwAA#v=snippet&q=G%C3%BCterabw%C3%A4gung&f=false

Und nun, warum sollen ausgerechnet die Zeugen Jehovas besser gewesen sein, als wie diese adventistische Selbstkritik im Nachhinein es beschreibt?
Sie waren nicht besser.
Die vorgenannte „Sonntagsrednerin" sollte bevor sie den Mund weiter zum Thema auftut, erst einmal auch mit dieser genannten Studie von Heinz auseinander setzen. Tut sie das nicht, hat sie ihre Schulaufgaben nicht gemacht, und darf sich ebenfalls in den Kreis der von Heinz genannten Glaubwürdigkeitskrise mit einordnen!

Bezeichnend auch das salbungsvolle Gewäsch des Kurt Hutten in Band I des „Calwer Kirchenlexikon" (dortselbst ab S. 980). Auf sechs Druckseiten, im großfortigem Folioformat, verbreitete sich selbiger in diesem 1937 erschienenen Buche dort über die „Judenfrage".
Hätte man einen zeitgenössischen Nazi um einen Kommentar dazu gebeten, hätte dessen Antwort allenfalls gelautet: Zu weitschweifig ausgeführt. In der Sache indes ist daran nichts zu bemängeln. Die Nazis praktizierten zwar Antisemitismus, mit theoretischen Begründungen dafür indes, hielten sie sich weniger auf. In diese Marktlücke ist dann Hutten eingestiegen.
Nach 1945 ist besagter Hutten dann zum langjährigen Sektenexperten der Evang. Kirche aufgestiegen. Nun muss man auch Hutten noch einen Lernprozess zubilligen. Würde man das nicht tun, könnte man im Hinblick auf dessen Publizistik zu Nazizeiten, etwa auch die berüchtigte über den famosen „Kulturbolschewismus", die auch zu Hutten's Repertoire gehörte, und mit dem sich in Sonderheit auch die Zeugen Jehovas, als Vorhalt konfrontiert sahen.
Angesichts dieser Sachlage könnte man dann nur kommentieren.
Da ist also der Bock noch zum Gärtner aufgestiegen (immer unter der unfairen Voraussetzung, nicht auch Hutten noch einen Lernprozeß zuzubilligen).
Übrigens gibt es besagtes „Calwer Kirchenlexikon" auch heutzutage im Internet.

https://archive.org/details/CalwerKirchenlexikon_AbisK

Im übrigen gilt es bei dieser Thematik auch die katholische Kirche keinesfalls zu vergessen.
Ein „Holzhacker-Schriftsteller" den ich in Gesamtheit mehr als kritisch bewerten muss. Unabhängig von dieser Sachlage hat auch er in einzelnen Sentenzen, einiges bemerkenswertes herausgearbeitet, wenn auch zu zugespitzt.
So etwa wenn er in seinen Romansujet's auch dieses mit einfliessen lässt:

Ein Zitat aus der Referierung bezüglich des eben genannten Herrn:

Da werden besagte katholische Koryphäen von Isau mit dem Fragesatz "beglückt"
"Mir ist zu Ohren gekommen - nur um ein Beispiel zu nennen -, daß der Vatikan Beteiligungen an Munitionsfabriken hält."

Das ist dann aber wohl nicht die einzigste insistierende Frage, welche sich katholische Kreise via des Sprachrohrs Isau und seinem fiktiven Journalisten gefallen lassen müssen.
Der lässt ein paar Seiten vorher (S. 199f.) seinem fiktiven Journalisten beispielsweise die Frage stellen, wie sich die Kirche zum Machtantritt der Nazis verhalten würde.
Und da meint Isau die Antwort zu vernehmen:

"In einer solchen Situation wären Vorsicht und ein kühler Kopf oberstes Gebot. Natürlich müsste sich der Heilige Stuhl mit den Nationalsozialisten auf die eine oder andere Weise arrangieren."

Und da Isau's Journalisten-Gesprächspartner kein geringerer als der spätere Papst Pius XII. ist, damals eben noch nicht Papst, hat er für diesen Herrn Pacelli auch noch ein paar ganz spezielle Fragen auf Lager. Und das gestaltete sich in der Lesart von Isau dann so. Er las dem Herrn Pacelli einiges aus dem 25. Punkte-Programm der NSDAP vor und ersucht um eine Stellungnahme dazu.

"Zum Beispiel hier, im Punkt vier heißt es: "Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein".

Und von besagten Herrn Pacelli wähnt Isau in seinem Roman, daraufhin die Antwort zu vernehmen:

"Die Kirche sollte sich nicht in die Angelegenheiten eines Staates einmischen. Außerdem sind wir nicht berechtigt für die Angehörigen des jüdischen Glaubens zu sprechen."

Da Isau's fiktiver Journalist, sich so schon mal in Rage geredet hat, hat er gleich noch ein paar Highlights zum "Nachlegen" mit auf Lager. Weiter im NSDAP-Programm zitierend liest man bei Isau (S. 201)

"Hier an achtzehnter Stelle ist das Programm ganz unmissverständlich: "Gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen, ohne Rücksicht auf Konfession und Rasse." Und so geht es immer weiter: In Punkt dreiundzwanzig wird die Presse ausgeschaltet. Nichtvolksgenossen sind aus den Zeitungsredaktionen zu entfernen, und in Punkt vierundzwanzig verpflichtet sich die Partei den "jüdisch-materialischen Geist zu bekämpfen" - was immer das heißen soll."

Und als Antwort auf Isau's insistierende Fragen, lässt er seinem fiktiven Journalisten die Reaktion des Pacelli darauf, wie folgt vernehmen:

"Monsieur!", warf Pacelli ein. "Es widerstrebt mir, Sie zu unterbrechen, aber meine Zeit ist zu kostbar, um mir ihre Tiraden gegen die Nationalsozialisten anzuhören ..."
Ein „holzhackender" Schriftsteller
 

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Dezember 2013 22:49

Nun gibt es also noch die Zusatzbelehrung:
„Wer Vorurteile hegt, seien sie religiös, weltanschaulich, rassistisch…oder wie auch immer begründet, ist noch lange nicht bereit seine Mitmenschen umzubringen.
Kritik an den Juden seitens der WTG besagt nicht, dass sie nicht auch deren massenhafte Vernichtung kritisiert hätten."

Um letzteren Satzteil zu erst zu beantworten.
Das agieren der WTG bestand (wie auch in anderen Kreisen) im weitgehenden Schweigen.
Wurde nach 1932 jenes Schweigen mal durchbrochen, zog man sich auf die Linie des religiösen Antisemitismus zurück, so wie es als Zeitzeuge auch KZ-Kommandant Rudolf Höss in den Satz zusammenfasste:

„Eigenartigerweise waren sie alle davon überzeugt, daß die Juden nun gerechterweise zu leiden und zu sterben hätten, weil ihr Vorväter einst Jehova verrieten."

Der Nur-Begriff „Antisemitismus" erfasst die Sachlage keinesfalls ausreichend. Ein Aspekt den ich namentlich auch schon bei Dr. Detlef Garbe zu kritisieren hatte.
Garbe „schmeckte" es nicht, dass einer seiner Vorgänger Michael Kater in einem Aufsatz in den „Vierteljahresheften für Zeitgeschichte" auch Voten aus Zeugen Jehovas Kreisen nach 1932 zitierte.
Zitat Kater:

„Ein Freund und Mentor Rosenbergs, der völkische Dichter Dietrich Eckart, gab wenig später in seiner Broschüre "Der Bolschewismus von Moses bis Lenin" einen Ausspruch des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler zum besten, in der Sekte der Ernsten Bibelforscher säße "der jüdische Wurm" [28]. "Wer aus der Bibelforscherlehre die Judenfrage nimmt, der nimmt ihr die Seele", behauptete 1925 der antisemitische Schriftsteller August Fetz in seinem Buch Weltvernichtung durch Bibelforscher und Juden, in dem beide Gruppen als unlösbar miteinander verbunden erscheinen [29].

Das sind wie gesagt Feststellungen die Zeit vor 1932 betreffend.
Und weiter im Zitat von Kater:

„Reichsführer-SS Himmler gab 1944 sogar vor zu wissen, die Zeugen Jehovas seien "schärfstens gegen die Juden" eingestellt [35], und auch Rudolf Höß will in Auschwitz beobachtet haben, daß Ernste Bibelforscher die Juden leiden und sterben ließen, "weil ihre Vorväter einst Jehova verrieten [36]. Tatsächlich kommt die Bemerkung Höß' der Wahrheit ziemlich nahe: die Zeugen Jehovas waren niemals Antisemiten aus rassischen Gründen, doch haben sie einen religiös motivierten Antisemitismus stets vertreten, wie aus ihren Schriften klar hervorgeht [37]. Intoleranz gegenüber Juden vertrug sich durchaus mit dem totalitären Weltbild der Bibelforscher."

Katers genannte Anmerkungsnummer 37 sei auch noch zitiert:

„[37] Vgl. "Declaration of Facts", 1934 Yearbook of Jehovah's Witnesses, Brooklyn, N. Y. 1933, S. 131-145; Zürcher, a. a. 0., S. 18. Der Psychoanalytiker Prof. Dr. Bruno Bettelheim (Chicago), der 1938/39 als KL-Häftling in den Lagern Dachau und Buchenwald verbrachte, schrieb dem Verf. am 20. 6. 67 über den von den Zeugen Jehovas in den KL's zur Schau getragenen Antisemitismus: "Their anti-Semitism . . . was a mild one and took the form that they resented that the Jews denied the Godship of Christ" (Fotokopie in IZM).

Kater muss dahingehend korrigiert und kritisiert werden, wenn er auch formulierte, sie hätten

„einen religiös motivierten Antisemitismus stets vertreten."

Dieses „stets" ist grundsätzlich falsch. Ich habe bei Kater nirgends auch nur andeutungsweise zur Kenntnis nehmen können, ob er die Russell-Schrift „Die nahe Wiederherstellung Israels" oder die Rutherford-Schrift „Trost für die Juden", je vor der Veröffentlichung seines Aufsatzes auch mal selbst gelesen hätte. Sie werden in seinen Anmerkungsnummern auch nirgends genannt. Hätte er das getan, hätte seine Formulierung nicht so ausfallen können, wie es tatsächlich der Fall ist. Ich unterstelle Kater somit, dass es vorgenannte WTG-Schriften auch gab, gelangte nicht mal in den Kenntnisstand von Kater. Wenn Kater aus dem WTG-Schrifttum zitierte, dann zudem überwiegend noch aus den Englischsprachigen Varianten davon.

Warum? Weil Katers Hauptquelle offenbar das National-Archiv in Washington ist. Nicht aber das tatsächliche WTG-Schrifttum. Was Kater an tatsächlichen WTG-Schrifttum denn mal gelesen hat, dürfte (abgesehen vom Buch „Kreuzzug gegen das Christentum" und ein paar Englischsprachige Sachen), zwar nicht gegen Null tendieren, aber mehr als zehn Prozent seiner Quellen wohl auch nicht ausmachen.

Was den Washingtoner Aktenbestand anbelangt, so hat der allerdings schon lange seine Exklusivität verloren, dieweil es auch einen Austausch mit dem deutschen Bundesarchiv gab. Vielfach ist die Sachlage so, Washington hat sich Verfilmungen der Akten zugelegt, und den materiellen Aktenbestand, der in der Zeit um 1945 von den Amerikanern aufgegabelt wurde, dann an das deutsche Bundesarchiv wieder zurückgegeben.

Das gilt auch für den Sonderfall „Berlin Document Center" in Berlin-Dahlem. Das war eine Aktensammlung in der Verwaltung der USA in Westberlin. Jahrzehntelang wurde etlichen deutschen Forschern, der Zugang zu diesen Akten verweigert, bis auf ein paar handverlesene Ausnahmen. Mit dem Ende der DDR endete auch diese restriktive USA-Politik. Ich habe selbst im „Berlin Document Center", als es noch in USA-Trägerschaft war, einmal Studien durchführen können (zeitlich wie gesagt nach dem Ende der DDR). Mein beantragtes Studienthema betraf den Dr. Hans Jonak von Freyenwald, Verfasser eines 1936 zum ZJ-Thema erschienenen Buches.

Bleibend in Erinnerung ist mir bei diesem Studienbesuch noch die Filzung, der ich da auch unterworfen wurde. Vor betreten des dortigen Lesesaales hatte ich lediglich einen Kugelschreiber und einen Schreibblock mit hinein genommen. Nachdem ich dann den Lesesaal wieder verlassen hatte, musste ich besagten Schreibblock in extrem penetranter Weise aufblättern, ob da nicht vielleicht irgendwas aus dem Aktenlesesaal „herausgeschmuggelt" wurde. Ich habe auch in anderen Archiven - zum Teil wochenlange - Studien durchgeführt. Solch eine Filzung indes ist mir in keinem anderen Archiv - nur bei den Amerikanern - eben, je untergekommen.

Das nur als Zwischenbemerkung. Inzwischen ist das Archivwesen des Bundesarchivs reorganisiert. Nachweisbar sind auch die Bestände des vormaligen „Berlin Document Center", heutzutage im Bestand des deutschen Bundesarchives.
Zurückehrend zu Kater. Auch Garbe registrierte, dass Kater nicht mitbekommen hat, den Ideologieschwenk der zeitlich dem Jahre 1932 zuzuordnen ist. Daher protestierte Garbe gegen Kater, dass man aus dessen Ausführungen herauslesen konnte, antisemitische Positionen hätte es bereits „von Anfang an" gegeben. Falsch, das hat Garbe richtig festgestellt. Die gab es erst in der Zeit nach 1932.

Garbe ist allerdings dann der Versuchung erlegen, jene antisemitischen Aussagen nach 1932 als „bedeutungslos" herunter zu spielen. Mitnichten sind sie das.
Die Nazis waren bei ihrem antisemitischen Handeln Rassenantisemitisch orientiert. Die „Arier" als vermeintliche „Herrenmenschen" und ihr Gegenpol die „Untermenschen".
Solch eine Position gibt und gab es in weiten Bereichen der Religionsindustrie nie. Wenn dort in das antisemitische Fahrwasser eingeleitet wurde, dann unter dem Aspekt, der „Juden als Christusmörder" wie eben Höss das auch registrierte.

Mit Sicherheit war die WTG keineswegs je „Rassenantisemitisch", aber zeitweilig eben doch „Religiös-Antisemitisch". Ich meine diese Differenzierung schon verschiedentlich deutlich zum Ausdruck gebracht zu haben.
Die Wischi-waschi-Formulierung „Antisemitssmus" ist dabei allerdings nicht sonderlich hilfreich, als sie in der Sicht der Vereinfacher keineswegs deutlich genug macht, dass zwischen Rassenantisemitismus und religiösen Antisemitismus zu unterscheiden ist.

Hingewiesen sei auch auf die Form des Rassismus welche in den USA selbst grassierte. Der machte auch vor den Haustüren der Zeugen Jehovas nicht halt. Und wie reagierten letztere darauf? Unterstützten sie etwa einen Martin Luther King in seinen diesbezüglichen Kamp? Mitnichten taten sie das. Was sie taten war lediglich sich dem Mainstream anzupassen, und ihrerseits die Ghettosierung zu praktizieren. Auch die europäischen Formen des Antisemitismus fingen erst mal mit Ghettos an, und fallweise steigerten sich dann noch die damit verbundenen Exzesse.

Unter Berufung auf die USA-Ausgabe des „Informator" teilt die „Magdeburger" Ausgabe selbigen in der Oktober-Ausgabe 1948 mit, in den USA werde „ein vollständiger spanischer Kreis gebildet der die spanischsprechenden Gruppen von Jehovas Zeugen in Texas Nachbarschaft umfaßt."  Kreis in dem Kontext, umfasst also mehrere Zeugen Jehovas-Versammlungen, also nicht nur „eine".

Weiter geht diese Meldung mit der Auch-Angabe, ebenfalls in den USA werde „ein neuer Bezirk geschaffen, der aus 12 Kreisen besteht, in denen es nur farbige (schwarze) Geschwister gibt."

Mag man im Falle der Spanischsprechenden Versammlungen, auf den Sprachunterschied hinweisen, so trifft das im Falle der Versammlungen „schwarzer Geschwister" nicht zu. Damit passte sich die WTG lediglich dem zeitgenössischen USA-Rassismus an, und setzte ihn in ihren eigenen Gefilden, widerstandslos mit durch!

Zu diesem Thema kann man auch vergleichen: Parsimony.22761 und auch 19492Rassentrennung

Exkurs:

Und dann vielleicht noch eine Kurznotiz aus dem Jahre 2004 (und wohl nicht nur für jenes Jahr zutreffend)

"Die Angst vor dem Islam hat die Partei bibeltreuer Christen (PBC) zu einem zentralen Thema ihres Wahlkampfes für die Europawahl ... gemacht"

(Materialdienst der EZW 2004 S. 272).
Ein Wikipedia-Eintrag zu dieser Partei definiert auch:

"Einführung regelmäßiger Bibelunterweisung und der Schöpfungslehre für alle Schüler an deutschen Schulen an. Gebet und Verbindlichkeit der biblischen Anweisungen ... sollen der Sicherung des Friedens und der Abwehr eventueller Gefahren für Deutschland – worunter sie auch die "Überfremdung" zählt – dienen. Des Weiteren wendet sie sich betont gegen Okkultismus und den Islam."

Dazu habe ich dann auch eine Meinung, die nicht unbedingt "günstig" für jene Partei ausfällt.
Und ich fürchte, sollten Zeugen Jehovas je ihre Linie offiziell aufgeben, nicht an politischen Wahlen teilnehmen zu wollen, wäre genannte Partei im besonderen der Nutznießer eines solchen Schwenks. Und da habe ich schon früher gesagt. Dann ist mir das Nicht-Wählen der Zeugen allemal lieber!
Auch dass ist dann wohl noch hinzuzufügen.
Man muss keineswegs "Mitglied" jener Partei sein, um dennoch in ihrem Sinne ebenfalls reaktionär zu agieren.
Einige Beispiele dafür gibt es.
Wer die metaphysische Überhöhung eines Volkes (als herausgehoben von anderen Völkern) als "Gottes Augapfel" propagiert, der betreibt Rassismus.
Rassismus war auch Wesensmerkmal der Nazis!
Man lese etwa mal die Schrift eines Wilhelm Marr aus dem Jahre 1879 "Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum", welches diese Ressentiments schon im Titel zum Ausdruck bringt, und man hat ein frühes Beispiel der "kommunizierenden Röhren", wie man sich da gegenseitig "hochschaukelt".
Walter Mohrmann etwa definiert in seiner Studie über Antisemitismus, bezugnehmend auf Marr, er habe den bis dahin überwiegend religiösen Rassismus auf die "rassische Ebene" verschoben.

http://books.google.com/books?ei=Z_EdTJSqG4SC_QaG2PHKDQ&ct=result&hl=de&id=ky68AAAAIAAJ&dq=walter+mohrmann&q=Wilhelm+Marr

Weiter Mohrman, selbst russische Antisemiten hätten begierig das Marr'sche Elaborat aufgegriffen und ins Russische übersetzt. Und sieht man sich die Geschichte des Antisemitismus näher an, spielen in der zu zaristischen Zeiten, jene russischen Kreise eine besondere, unrühmliche Rolle.
Weiter verweist Mohrmann etwa auf den protestantischen Theologen Stöcker, der gleichfalls jenes "Pferd" ritt. "Der Sack wurde geschlagen" (sprich die Juden) und getroffen werden sollten alle politisch links orientierten Strömungen, auf das es beim Adel und seine "göttlichen" Vorrechten, ewig und immerdar so bleiben sollte.
Da war der Antisemitismus das "Vehikel" zur Transformation für Verschwörungungstheoretisch orientierte Kreise, die es schon damals - nicht zu knapp gab -.
Oder wie es Gerhart Hauptmann in seinem "Der Narr in Christo Emanuel Quint" auf den Punkt bringt, wenn er einen dort agierenden Pfarrer auch sagen lässt:

"Jetzt erhob sich der Pfarrer in seiner ganzen Länge und Breite vom Stuhl, auf dem er gesessen hatte, sah Emanuel scharf an und sagte mit Ernst und Gewicht: "Bete und arbeite, heißt es, mein lieber Sohn. Gott hat die Menschen in Stände geteilt. Er hat einem jeden Stand seine Last und einem jeden Stand sein Gutes gegeben. Er hat einen jeden Menschen nach seinem Stand und seinem Bildungsgrad in ein Amt gesetzt. Das meinige ist, ein berufener Diener Gottes zu sein.
Nun, als ein berufener Diener Gottes sage ich dir, daß du verführt und auf Irrwegen bist."

Davon träumen sie weiter wie in früheren Jahrzehnten, die "Ostelbischen". Auch wenn denn deren Parteischild in der Gegenwart, eher auf den Namen Westerwelle-Partei hören mag. ...
Pronociert etwa zitiert Wilfried Daim in seinem Buche "Der Mann, der Hitler die Ideen gab", diese Herrenrassenmentalität, wenn dort der Lanz v. Liebenfels etwa auch mit dem Votum zitiert wird:

"Wir sind absolut nicht so intolerant wie die Tschandalen, Juden, Freimaurer, die der ganzen Welt ihren sozialistisch-republikanischen-demokratischen Mist mit Feuer, Schwert, Krieg, Revolution, blutigem Terror, Valutazertrümmerung, Hungerblockaden, Farbigen-Einfällen usw. aufzwingen wollten. Wir Gegenrevolutionäre gestehen den Tschandalen, Juden und Freimaurern in großmütiger Weise das Recht eigener Staatengründung in Palästina am Nord- und Südpol, in der Wüsti Gobi, auf Kerguelen und wo immer zu. Aber wir können ihnen diese blutigen Revolutionsspäße nicht in den Ländern erlauben, wo wir die Kultur geschaffen haben ...
Wollen sie an der von uns allein geschaffenen Kultur teilnehmen, so müssen sie uns den Kulturzins zahlen ...
Wollen die Tschandalen das nicht, dann weg mit den "Steinen", dann hinaus mit ihnen in die Schakalwüste und hinein in den Affenwald, wo Gorilla und Mandrill sie als "Genossen" und Rassenverwandte begrüßen werden. Dort können sie ihre ... Staatsutopien mit vollkommen gleichem, geheimen, allgemeinen Wahlrecht, meinetwegen auch mit allen Finessen des Listen- und Proportionalsystems in Wirklichkeit umsetzen. Mit Fug und Recht können aber, wenn die Kahns, Lewys, Deutsch usw. Wahlrecht haben, auch die Gorillas und Mandrills Wahlrecht beanspruchen."

Mag das auch eine schroffe Formulierung sein, lässt sie sich auch anderweitig belegen, etwa in der Form eines Interview-Buches (vor 1933) mit Hitler, dass da titelte:
"Der Bolschewismus von Moses bis Lenin". Mag man auch mehr als in Zweifel ziehen, dass Mose je "Bolschewismus" praktizierte, ist die Tendenz die jener Buchtitel rüberbrachte eindeutig. Was den "Herrenrassen" zuwiderläuft, wird generell und pauschal als "Bolschewismus" tituliert. Das indes jenes linke Politik-Spektrum, sich keineswegs nur auf den Begriff "Bolschewismus", etwa Sowjetrussischer Prägung verengen lässt, wird vorsätzlich ignoriert.
Der Buhmann der Sowjets muss dann halt für alles herhalten.

Noch ein früherer Exkurs:

Vielleicht habe ich da was „in die verkehrte Kehle" bekommen. Das will ich ja nicht grundsätzlich ausschließen, aus dem Grunde, weil mir etliche Postings in „Infolink" ohnehin zu „seicht" sind. In der Folge dessen besteht die dortige Lektüre mehr oder weniger nur in einem Überfliegen. Weniger im eigentlichen lesen.

Jedenfalls meinte ich registriert zu haben.
Die dortige Userin „Christel", bekanntermaßen und erklärtermaßen katholischer Konfession, meinte sich auch auf den Herrn Gregor Gysi per Link berufen zu können.
Ihrem Link bin ich allerdings nicht gefolgt, da ich ihre Meinungen, in nicht seltenen Fällen, nicht teile.

Tenor ihrer Verlinkung war aber doch wohl.
Selbst Herr Gysi würde ja die Fahne der Religion hochhalten.
Tut er das so wirklich?

Es ist bekannt, mir im besonderen auch, dass sein Vater in der DDR, nach vormaligen Botschafterposten in Italien, davor gar für Kultur zuständig, dann Staatssekretär für Kirchenfragen wurde.
Wenn also Gysi Senior, wie im nachfolgend verlinkten Video, dem Gysi Junior auch mal sagte. Er werde es in Tausend Jahren noch nicht erleben, dass Religion „ausgestorben" sei. Dann kann auch ich solch einem Votum nur zustimmen.

Damit ist aber der konkreten Ausgestaltung der Religion an sich, noch kein Freibrief erteilt.
Manches kann „man so oder auch anders machen".

Der Kampf kann sich also nicht zum Ziel die „Ausrottung" der Religion setzen. Ein völlig aussichtsloses Unterfangen. Wohl aber das bemühen, notwendige Korrekturen anzumahnen.

Ich vermute mal, besagte „Christel" wird in diesem Forum ohnehin nicht lesen.
Sollte wieder erwarten das dennoch der Fall sein, würde ich ihr die nachstehende Verlinkung in Sachen Gysi anempfehlen.
Ich glaube kaum, dass die sich mit ihrer Interpretation deckt.

http://www.youtube.com/watch?v=6A9m4CtFVug
Re: Gysi
geschrieben von: Gerd B.
Datum: 21. April 2009 19:39
Habe Christel - sie heißt wirklich so - diesen Link per Mail gesandt.

Abendgrüße!

PS. zum Beitrag:
Auch ich lese Infolink nur mehr schnell quer. Da gibt es Leute wie GSO & Co, die laufend christliche Phantome attackieren, obwohl diese ehemaligen User zu manchen Themen nichts mehr schreiben. Sie sind längst auf Bonsaigröße geschrumpft worden. Manche psychisch Belastete wollen so ihr Überdruckventil entlasten, ein zuständiger Psychologe würde ja was kosten, dort geht es kostenlos, aber auf Kosten der nur mehr rudimentären christlichen Bekenner, die sich prompt vertschüssen. :rp:
Aufklärung?
Re: Gysi
geschrieben von: Christel gmx
Datum: 25. April 2009 11:01
Hallo Drahbeck, ich bin die „Christel“, die Du erwähnst.

Also, hier liegt eindeutig ein Mißverständnis vor. Dieses ist sicher entstanden, weil Du den Diskussionsverlauf nicht genau verfolgt hast.

Gregor Gysis Biografie ist mir bekannt, gerade deshalb habe ich ihn zitiert.

Der in „Infolink“ zuweilen vertretene „Atheismus“ ist nämlich radikaler als der von Gregor Gysi.
Gysi spricht im Gegensatz zu diesen, den Christen nicht jegliche Moral ab.
Daher stellte ich folgendes in „Infolink“ ein:

Gregor Gysi: „Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft“.

forum.politik.de/forum/showthread.php?t=210672#result

„Glauben muss man einfach respektieren“, so Gysi. Eine gottlose Gesellschaft heute
sei eine wertelose Gesellschaft, findet Gysi.

www.augustinus.de/bwo/dcms/sites/bistum/pfarreien/homegages/pfr/kleinostheim/Lesenswert-LuetzGott.pdf

Auch Dein eingestellter Link auf youtube bestätigt das. Gysi ist Atheist, aber nicht solch radikaler Natur, dass er Christen grundsätzlich die Moral abspricht.

Gysis Argument „Pflichtfach Religion = Zwang“ ist falsch. Angestrebt wird eine Wahlfreiheit zwischen einem Pflichtfach „Religion“ und einen „Pflichtfach Ethik“. Angestrebt wird also eine größere Freiheit!

Gysi vertritt einen Zwang zum Pflichtfach „Ethik“.
Wird dieses Fach „Ethik“ vom „Humanistischer Verband“ unterrichtet, dann kann man kaum von einem neutralen Unterricht sprechen.

Hinzu kommt, dass Werte, die Gleichheit aller Menschen sowie die Beschreibung anderer Religionen sehr wohl auch im Religionsunterricht behandelt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Christel

Re: Gysi
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 25. April 2009 12:16
Ja dann danke ich erst mal für die Rückmeldung.
Folge ich dem Link aus dem Politikforum, beruft man sich dort wohl auf die Zeitschrift „Cicero" deren Pro-Religion-Orientierung, mir schon mehrmals (unangenehm) aufgefallen ist, ohne dieses Blatt selbst zu lesen (was ich auch künftig nicht tun werde).
Gemäss „Cicero" soll also Gysi auch erklärt haben (wann, wo, in welchem Kontext?)
„Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft".

Nun in dem verlinkten Film von Gysi, ist eine Aussage dieser Radikalität nicht vorhanden. Das gilt es auch ganz klar festzustellen.

Ich persönlich würde das „Pferd etwas anders aufzäumen".
Mit Gysi und anderen stimme ich dahingehend überein. Auch unter Christen gibt es hochmoralische Leute. (In einem Nebensatz räumt er dann aber auch ein. Auch das Gegenteil davon sei ihm bekannt). Auch dabei Übereinstimmung meinerseits.

In meiner Sicht stellen breite Teile heutigen Christentums „Kulturchristentum" dar. Weniger Bibelchristentum Made in Urchristentum. Will man nämlich tatsächliches Urchristentum praktizieren, gelangt man sehr schnell auf dem Level des Narrentums mit konkreten Endzeitdaten, Mit Erklärung des Holocaust als „Gottes Willen", da gemäß Jeremia 16, 16 ja die Juden auch von „Jägern" ins vermeintlich „Heilige Land" zurückgetrieben werden sollen und anderes mehr.

Und diese Narren entblöden sich auch im Splittergruppen-Bereich der WTG-Religion, Hitler dabei als „Gottes Werkzeug" zu interpretieren.
Mit diesen Narren,´ich wiederhole die Vokabel nochmals zum „Mitschreiben" - Narren - gibt es für mich keine Übereinstimmung.

Anders werte ich schon mal „Kulturchristen". Nur, wie gesagt den spreche ich es aber auch ab „Bibelchristen im Sinne des Urchristentums" zu sein.

Nun erlebt man es ja auch im ZJ-Bereich im besonderen, dass da mancher der da aus seinen „Träumen" freiwillig oder unfreiwillig herausgerissen wird, schlimmstenfalls in der Gosse, nebst ärgeren landen kann. Diese Gefahr sehe ich auch wohl. Nur bin ich allerdings nicht bereit, wegen dieser Gefahr nun dem Narrentum einen „Freibrief" zu bewilligen.

Interpretiert mal Gysi's Cicero-Aussage in der Richtung, dann kann man sie auch anders formulieren.

Da werden Menschen aus ihrer vermeintlichen Bürgerlichkeit herausgerissen, bedürfen aus dem Grunde nicht selten Ratschläge professioneller Psychologen, die es wenn es um Individualberatung geht, leider eben nicht kostenlos gibt.
Dieses Dilemma sehe ich auch.

Trotzdem bleibe ich bei meiner These. Das alles kann ich nicht als Freibrief fürs Narrentum akzeptieren.

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,25328,26199#msg-26199
25. April 2009 08:14
Das was da meinerseits zitiert wird (aus genanntem Blatt) entspricht weitgehend auch meiner Einschätzung, und ist damit wiederum, konträr zur Meinung von Christel.

Vertiefen wir letzteres jetzt nicht unbedingt.
Am kommenden Montag, werden höchstwahrscheinlich viele (einschließlich meiner Person) in der Sache schlauer sein.

Irgendwie erinnert mich ja dieser Disput auch an die heißen Diskussionen, und auch politischen Widerstand, der der Einführung des Faches LER in Brandenburg (Lebenskunde Ethik Religion) vorausging. Unterm Strich haben kirchliche Kreise zumindest in Brandenburg, ihre konträren Vorstellungen ein Alleinmonopol diesbezüglich haben zu wollen, nicht durchsetzen können.

Da ich kein Prophet bin, weis ich selbstredend nicht, wie das diesbezügliche Ringen in Berlin ausgeht.
Schaun' war also mal, wenn es soweit ist!
Re: Gysi
geschrieben von: Christel gmx
Datum: 29. April 2009 18:06
Das Zitat war nicht mein Ausgangspunkt.
Es ist schon geraume Zeit her, da äußerten sich mir gegenüber Christen aus Berlin (keine Linken), die Gregor Gysi persönlich kennen, in dieser Richtung. Daher war das für mich glaubwürdig.
Ich erinnerte mich daran und suchte ein passendes Zitat.
„Wann, wo, in welchem Kontext sich Gysi äußerte wäre eine Rechercheaufgabe. Ich weiß es nicht.

Dass Splittergruppen im Bereich der WTG-Religion, Hitler als „Gottes Werkzeug" zu interpretieren ist mir neu. Wo kann ich das finden?

Sogenannte „Bibelchristen“ nehmen für sich in Anspruch „Urchristen“ zu sein. Das spreche ich denen ab.
Mal abgesehen davon, dass damals eine ganz andere Zeit und Kultur herrschte, in die niemand zurück kann, unterscheiden sich „Bibelchristen“ doch sehr von den ersten Christen.
Unterscheide:
- Die ersten Christen hatten keine Bibel, die Bibel steht im Zentrum des Denkens und Handelns der „Bibelchristen“.
- Paulus verkündete ein gesetzesfreies Evangelium, Bibelchristen betrachten die ganze Bibel wie ein Gesetzbuch.

Der Rabbiner Jacob Neusner erklärt in seinem Buch „Ein Rabbi spricht mit Jesus“ (Freiburg : Herder, 2008. - ISBN: 978-3-451-29583-6 - € 16,90) treffend den Unterschied zwischen Judentum und Christentum, den ich bei „Bibelchristen“ so nicht mehr finde.

Ich denke nicht, dass Gregor Gysi’s Aussage, wie immer sie gemeint sein mag, irgendein fundamentalistisches Christentum das Wort reden will.

Die Abstimmung „Pro Reli“ führte nicht zum Erfolg der Initiative.
Nun hat weiterhin „LER“ das Monopol. Es gibt keine Wahlfreiheit, oder?
Re: Jeremia 16 : 16
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 29. April 2009 19:13

Christel gmx
Dass Splittergruppen im Bereich der WTG-Religion, Hitler als „Gottes Werkzeug" zu interpretieren ist mir neu. Wo kann ich das finden?

Zum Thema Auslegung Jeremia 16: 16.
Namentlich bei der Gruppierung „Tagesanbruch" nachweisbar.
Etwa in der Deutschsprachigen, 1943 in den USA gedruckten Schrift dieser Gruppe „Gott und Vernunft".

Auch in der gleichfalls dem „Tagesanbruch" zuzuordnenden Schrift von Wilhelm Burmester
„Die Harfe Gottes von 10 Saiten"
In letzterer die Aussage:
„Der Feigenbaum ist die jüdische Nation, welche bereits seit Jahrzehnten in Palästina gesammelt wird: zuerst durch Fischer (den Zionismus), sodann durch Jäger (antisemitische Verfolgungen) gemäß Jer. 16:16 .."

Namentlich den Holocaust nennt man nicht unbedingt wörtlich, aber man distanziert sich auch nicht ausreichend. Und die relevanteste antisemitische Verfolgung die in dieser Lesart „von Gott beauftragte Jäger" darstellen sollen ist eben das.

Egal wen man aus dieser Szene weiter sichtet, etwa Werner Hodler mit seinen Pro-Israel-Schriften (40er und 50er Jahre in der Schweiz publiziert). Sie alle können es sich nicht verkneifen, auf die dubiosen „Jäger" als vermeintliche „Werkzeuge Gottes" hinzuweisen.

Selbst bei der unterlegenen Vizepräsidentschafts-Kandidatin in den USA, Sarah Palin, gab es eine ähnliche Tendenz,

Siehe
sueddeutsche.de/politik/537/309473/text/

Das sie denn Pro Israel eingestellt ist bestreitet ja niemand. Der Knackpunkt liegt eben in dem Dunstkreis in dem sie sich bewegt.

Nochmals das Detailzitat

„ , dass die terroristischen Angriffe auf Israel "Gottes Urteil" für Juden war, die nicht den christlichen Glauben annehmen wollen ..."

Da ist in der Neuzeit also nicht mehr vom Holocaust (direkt oder indirekt) die Rede, Den Platz nehmen jetzt also „terroristischen Angriffe auf Israel" wahr, die in der Lesart jener Pfingstlerischen Gruppen, der die Palin zuortbar ist, „Werkzeuge Gottes" darstellen.
Greift nun die Tagespresse solche Ausrutscher auf, ist es schon nachvollziehbar, in ihrer Position, dass ihr dann etwas unheimlich wird, und formale Dementis erfolgen.

Über die "Glaubwürdigkeit" solcher Dementis kann man allerdings durchaus anderer Meinung als besagte Palin sein.

Genau auf ähnlicher Wellenlange schwamm eben früher auch der „Tagesanbruch".

Früher deshalb, dieweil er in der Gegenwart der Rubrik Bedeutungslos zuortbar ist.

Man vergleiche thematisch auch:
19582Zionismus

Re: Jeremia 16 : 16
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 30. April 2009 02:14
„Markenzeichen" der Rutherford-Hörigen, dann in der Nazizeit besonders zur Wirksamkeit kommend (später auch noch in Ostdeutschland), war ihre 1929 eingeführte Obrigkeitslehre.
Da bestimmten also Rutherford und Co, wen und was sie als Obrigkeit anerkannten, und wen und was eben nicht. Eine „ideale" Ausgangsbasis für Konflikte.

Dem Bereich der Splittergruppen mit WTG-Background ist auch die Zeitschrift „Botschafter für den Haushalt des Glaubens" zuortbar. Ihr Herausgeber, Friedrich Bösenberg, einst auch WTG-Höriger, machte dann zur Zeit des ersten Weltkrieges, seinen „eigenen Laden" auf.
Wie nun 1933 die Verbotswelle die Zeugen ereilte, war auch sein Unternehmen davon mitbetroffen.
Aber, es gelang ihm in Verhandlungen mit den Behörden (regionaler Bereich heutiges „Baden Württemberg") sein „Schiff" wieder „flott zu bekommen". Das will heißen, nach einer Unterbrechung aus vorgenannten Gründen, könnte er sein Blatt in der Nazizeit weiter herausgeben.

Es verstand sich, als grundlegende Vorbedingung, dass er selbstredend in der Obrigkeitsfrage eine andere Position bezog als die Rutherford-Hörigen.
Und über diesen Umstand lies er auch, soweit es an ihm lag, nie einen Zweifel aufkommen.

In der Ausgabe des „Botschafter für den Haushalt des Glaubens" vom November/Dezember 1935
entblödete nun auch er sich zu der Aussage, unter der Überschrift „Gott und die Juden" (S. 181f.):

„Gott hat an diesem Volke seine Drohung wahrgemacht:
Euch allein habe ich erwählt aus allen Geschlechtern der Erde; darum will ich eich für alle eure Verschuldungen büßen lassen" (Amos 3,2). Und des Volkes schwerste Verschuldung war der Unglaube, der auch den Sohn Gottes verwarf und ausrief: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" -
Furchtbar müssen noch immer die Juden büßen für ihren Unglauben, ihren Ungehorsam, ihre Halsstarrigkeit und Untreue. ...
Wie Gott es durch den Propheten Jeremia vorhergesagt hat, sendet Er jetzt „Fischer", um die Juden herauszurufen aus den anderen Völkern, worunter wie sicher zunächst die zionistische Bewegung verstehen dürfen; und da sie sich von diesen „Fischern" nicht wollen fangen lassen, sendet Gott in der weltweiten antijüdischen Bewegung auch die „Jäger", daß sie sie jagen von jedem Berge und vor jedem Hügel und aus den Felsenklüften (Jes. 16, 16). Zwiefach hat Gott ihnen vergolten alle ihre Ungerechtigkeiten ..."


In der Ausgabe vom Mai/Juni 1936 legte er dann noch mit der Aussage nach:

Nehmen wir dazu das Treiben der Juden, welches nicht nur in unserm Volke, sondern fast in der ganzen Welt zu einer immer stärker werdenden Judengegnerschaft geführt hat! In diesen und ähnlichen Erscheinungen können wir nur mit tiefem Schmerze die weltweite Erfüllung des Gotteswortes in Hes. 36,19ff. erblicken: „Ich zerstreute sie also unter die Völker und sie wurden in die Länder zersprengt; nach ihrem Wandel und ihrem ganzen Tun ging ich mit ihnen ins Gericht. ... Wahrlich, wohin wir auch sehen, durch das unwürdige Verhalten des jüdischen Volkes wie auch sog. Christen ist es dahin gekommen, daß der heilige Name Gottes entweiht, entheiligt worden ist! Kann es etwas Schrecklicheres geben? ..."

Nun, Bösenberg musste wohl wissen, was sich zu der Zeit in Sachen Judenpolitik in Hitlerdeutschland abspielte.
Sein Kommentar war da wohl auch eine Art „Begleitmusik" der makabren Art.

Noch eine „Blüte" sei nicht vorenthalten.

In der Ausgabe vom September/Oktober 1936 meint er jubeln zu können:
„Wir sollen und wollen uns freudig und tätig in diese Gemeinschaft einfügen in dem Bewußtsein, daß wir durch die göttliche Ordnung mit dem Schicksal unseres deutschen Volkes verbunden sind, dem Gott, als Retter in der drohenden Not des gottesleugnerischen und gottfeindlichen Bolschewismus, als Führer Adolf Hitler gab."

Mit diesem Beispiel ist wieder mal einmal mehr verdeutlicht, dass der Dissenz in der Obrigkeitsfrage gemäß Römer 13, grundsätzliche Bedeutung hat.
Was hier von Bösenberg zitiert wurde, lässt sich in ungezählten Mengen auch aus kirchlichen Verlautbarungen jener Zeit verifizieren. Bösenberg war da keine Ausnahme, weder im positiven noch negativen Sinne.

Spätestens nach 1962 ist auch die WTG-Religion in den Chorus jener zuückgekehrt, die fallweise mit den Wölfen heulen.

Ein besonderes Wolfsgeheul kann man heuzutage auch unter dem Etikett „KdöR" vernehmen.

Der Fall Kuhn

Zum Thema Kurt Hutten und sein "Kulturbolschewismus" einschließlich seiner zeitgenössischen Antisemitischen Eskapaden als gestandener Kirchenmann, siehe auch die Ausführungen in: Zeitspiegel 5

Tendenziöse Talmud-Interpretationen der WTG

Die "Fischer-Jäger"-These

Auch andernorts gab es religiösen Antisemitismus

Rolf Hochhuth's Stück "Der Stellvertreter" in der Diskussion

Karrer - Jonak und der Schwenk vom Philosemitsmus zum religiösen Antisemitismus

Das Votum von Daniel Heinz

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