Sadhu Sundar Singh

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 27. November 2008 15:18

Nun, immerhin hat er es zu einem auf seinen Namen bezüglichen Eintrag, etwa in der Wikipdia gebracht.
Die Rede soll sein von einem "Sadhu Sundar Singh".

http://de.wikipedia.org/wiki/Sadhu_Sundar_Singh

Nun ja, wer denn alles was da mal auf der Weltanschauungszene auftauchte, nicht selten auch wieder verschwand, "sichten" wollte, der müsste wohl ein "biblisches Alter" erreichen, möglichst bei jugendlicher Gesundheit, und unbelastet von den Problemen des Alltags. Auch dann würde die dafür gewonnene Zeit, immer noch nicht ausreichen.

Man wird wohl kaum sagen können, dass besagter "Sadhu" im Zeugen Jehovas-Kontext, je eine relevante Rolle gespielt hätte. Gleichwohl ist dieser Name ja gelegentlich andernorts schon mal aufgetaucht. Also mag es je nicht ganz grundverkehrt sein, auch mal dazu ein paar Worte zu verlieren.

Und siehe da, bei näherem Hinsehen (lang ist es aber schon her) tauchte auch dieser Name in den Annalen der WTG-Geschichte auf. In einem Kontext aber, welcher nicht von besonderer "Wertschätzung" jener kündete, die ihn da auch mal erwähnten.

Der Kontext war der. Da hatten die Bibelforscher in den 1920er Jahren einen dezidierten Gegner. Von "einen" kann man eigentlich nicht reden. Es waren in der Tat mehrere solcher. Nun ist Gegner nicht gleich Gegner. Da gab es welche, die ihre Eintagsfliegen zum besten gaben. Wenn man die heutzutage vergessen hat, ist das wahrlich keine Bildungslücke. Und dann gab es welche (die aber waren schon erheblicher rarer an Zahl), die nicht nur zum Bibelforscherthema publiziert hatten, sondern eben auch zu anderen.

Einer dieser wenigen Exemplare, war ein gewisser Paul Braeunlich. Selbigem hatte ich schon mal das Bonmot gewidmet, "Von Bräunlich zu Braun" . Das dann aber auf die politische Farbskala bezogen. Und wofür in selbiger "Braun" steht, dürfte als bekannt vorausgesetzt werden.

Nun hatte Herr Bräunlich allerdings schon zu einem Zeitpunkt publizistisch von sich reden gemacht, wo an die landläufigen "politischen Braunen" noch nicht so recht zu denken war. Und von seiner Herkunft, der evangelischen Kirche zugehörig, dort besonders dem "Evangelischen Bund" zugetan, und in dieser Eigenschaft auch etliche Breitseiten gegen die Catholica abfeuernd, wäre es wohl etwas ungerecht, wollte man Bräunlich pauschal den politisch Braunen zuordnen. Organisatorisch dürfte er ihnen ohnehin nicht zugehörig gewesen sein.

Aber er vertrat ja bestimmte dezidierte Thesen. Und genau diese Thesen führten letztendlich ins braune Milieu, womit allerdings Bräunlich keineswegs allein dastand. Wer Deutschnational bis auf die Knochen ist, selbst ein Martin Niemoeller war das vor 1933, für den ist der Wechsel von den Deutschnationalen zu den etwas später aufgekommenen klassischen "Braunen" des Herrn Hitler, eigentlich kein allzu großer.

Und "Deutschnational bis auf die Knochen", waren nach 1918 große Teile der evangelischen Pfarrerschaft, keineswegs "nur" Herr Bräunlich.

Von der Deutschnationalen Ausgangsbasis betrachtet, ergaben sich zwangsläufig gewisse Feindbilder. Allen voran die "Roten". Die Besonderheit im Falle Bräunlich bestand nun darin. Es gab da die Gleichung: "Deutschnational und Antisemiten" = gleich eine "Suppe".
Hier setzt nun die "Eigenständigkeit" von Bräunlich ein. So übernahm er das für sich nicht. Deutschnational - auch er ohne Frage. Aber bei den Milchmädchenthesen gegenüber Juden und Freimaurern (auch so ein spezielles Markenzeichen der Braunen). Da wollte er so nicht mitspielen.

Eine gewisse Geschichtskenntnis kann man Bräunlich sicherlich nicht absprechen. Und so hat er sich neben der Catholica insbesondere mit dem Fall Taxil auseinandersetzt. Zu letzterem sogar ein drei Bände umfassendes Werk (in den 1920er Jahren) vorgelegt. Worüber andere allenfalls eine Broschüre volumenmäßig zu füllen vermochten, da brachte er es zustande sogar drei Bücher voll damit zu füllen. Wirklich außergewöhnlich. Um diese Reverenz kommt man nicht umhin, will man eine objektive Wertung versuchen.

Was war nun das besondere am Fall Taxil? Das besondere war wohl dies. Da mimte einer den Frommen, den Superfrommen. Und im Rückblick erwies sich das als ein grandios aufgezogenes Theaterstück. Selbst Päpste gelang es Taxil an der Nase herum zu führen.
Und in diesem Kontext musste sich Bräunlich auch mit dem Umstand auseinander setzen, dass die Catholica und die Freimaurer ein "besonderes Paar" dergestalt sind. Gegenseitig von der Hassliebe erfüllt. Taxil erkannte zeitgenössisch klar, spielt er den zur Catholica konvertierten Freimaurer, kann er die Catholica, nicht zuletzt auch finanziell, ausnehmen. Das was die Catholica über die vermeintliche "Synagoge des Satan" hören wollte. Taxil las ihre Wünsche von ihren Lippen ab, und bediente seine Klientel mit dem was sie denn so gerne hören wollte.

Das alles endete dann aber, wie es mal ein jesuitischer Verfasser formulierte, mit "Betrug als Ende eines Betruges". Nun befand sich Bräunlich in der Position des Außenstehenden Beobachters. Er registrierte genau, wie da die Catholica via Taxil, kräftig auf die Nase gefallen war. Selbst war er ja nicht katholisch. Ergo konnte er nüchtern und sachlich werten. Aber er musste sich auch zugestehen. Dass der Catholica dieses Mißgeschick widerfahren, und nicht seiner evangelischen Kirche, war eher ein Glücksumstand für die Evangelischen. Nicht aber, weil die Evangelischen in ihrer auch "heiligen Einfalt", denn prinzipiell "besser" gewesen wären.

Als gestandener Funktionär der Religionsindustrie, sagte sich Bräunlich weiter. Auch uns kann dasgleiche Mißgeschick widerfahren, kommt eines Tages der "Richtige" und fasst es "richtig" an. Und in dieser seiner Erkenntnis drohte sich ihm der eigene Magen umzudrehen, und bereitete ihm das alles „schlaflose Nächte".

Sie wurden noch schlafloser, als dann nach 1918 die Bibelforscher auf der Szene der religiösen Tagesordnung, eine immer bedeutenderen Part spielten.

Nun sah aber Bräunlich, wie denn andere aus dem Deutschnationalen Milieu, ihre Aversion gegen die Bibelforscher mit der Aversion gegen die Freimaurer koppelten. Damit war dann für ihn die Schmerzgrenze überschritten. Den Lienhardt's und Co warf er ein entschiedenes "So nicht" entgegen.

Leider hatte auch Bräunlich das Pech, dass er nicht das Gehör fand, dass er sich wünschte, und das aus seiner Sicht vonnöten war. Er verblieb weithin ein „einsamer Rufer in der Wüste".
Aber sein relatives Verdienst ist es schon, dass er den dominierenden Freimaurerriechern widersprach, und entschieden widersprach. In seiner Grundhaltung war er einer der ihrigen, eben Deutschnational. Er sagte aber den Seinigen. Nicht die Freimaurer seien die Bösen. Die Bösen seien die "Roten", auf die sollten sie sich mal gefälligst "einschießen".

Und er ging in seiner Sicht mit "gutem Beispiel" voran, indem er den Fall Taxil ausführlichst referierte und als "Nutzanwendung" daraus ableitete, die Bibelforscher seien halt "neuzeitliche Taxils". Wer auf ihren "Leim" krieche, lande letztendlich früher oder später in jenem Milieu, wo für die Funktionäre der Religionsindustrie nichts mehr zu verdienen ist. Dieses Schreckenszenario beseelte auch Bräunlich. Und ihm suchte er gegenzusteuern.

Nun registrierten auch die WTG-Funktionäre, was für eine Meinung denn dieser Bräunlich so von ihnen hatte. Das dies nicht ihre Meinung war, ist ebenso klar. Und so suchten sie denn nach "Kräften" jenen Bräunlich zu widerlegen. Allen voran tat sich dabei ein gewisser Ingenieur Curt Bran im "Goldenen Zeitalter hervor, der da diesen Bräunlich mit "Offenen Briefen" zu attackieren suchte.

Diesen Bran kann man mit etlichen Gefälligkeits-Apologeten, wie etwa den Herren/Damen B.../Y... in der der Gegenwart, durchaus gleichsetzen. Denn theoretisch wollte ja auch Herr Bran kein Bibelforscher sein. Er wollte „nur" ihr Hoheslied singen.

Und in seiner Polemik gegen Bräunlich interessierte er sich nun auch dafür. Was hat der Mann denn noch so alles geschrieben. Und dabei stieß er auch auf eine Bräunlich'sche Schrift mit dem Titel:
"Sundar Singh in seiner wahren Gestalt". Selbige erschien im Jahre 1927.

Nun hatte genannte Schrift sicherlich nicht "nur" Herr Bran gelesen.
Die katholische Zeitschrift "Theologie und Glaube" widmete ihr im Jahre 1928 sogar eine eigene Buchbesprechung (S. 417f.)
In ihr wurde ausgeführt:


B(räunlich) drückt die Sorge um seine Kirche die Feder in die Hand. Er fürchtet, durch den Betrüger im Gewande des Sadhu werde eine innere Krise des Protestantismus herbeigeführt, zum mindesten aber werde die äußere Mission schwer geschädigt. So erklären sich die teilweise starken Ausdrücke, die er gegen den Hindu gebraucht, der seit 1905 durch Indien und Europa zog, hüben von vielen als Bahnbrecher einer neuen Zeit angesehen und drüben von manchen seiner indischen Volksgenossen als avatara, als Inkarnation der Heilandsgestalt verehrt und mit dem göttlichen Ehrennamen Mahatman bezeichnet wurde.
Der protestantische Verfasser erkennt es dankbar an, daß die Jesuiten Hosten und Hierp unter die ersten und besten Kämpfer gegen den Schwindler und Betrüger Sundar Singh zu zählen sind, während er es nicht verstehen kann, daß Heiler von Anfang an, aber auch heute noch sich sehr stark für ihn einsetzt. Er, und seine Freunde sehen in Sundar Singh's "Bekehrung" eine Mystifikation, die im Plane der Vorsehung ihre Bedeutung hat, zumal dann, wenn die vielen Freunde und Anhänger einer Verschmelzung der indischen Religion mit christlichen Gedanken zur Vorsicht gegenüber solchem ´"Licht aus dem Osten" sich mahnen lassen.
Das Buch gibt eine gute Orientierung über den Stand der Sundarfrage, vielleicht sogar mehr."

Und aus der eigentlichen Bräunlich-Schrift über Sundar Singh sei noch nachfolgendes zitiert:

"Mit andern Worten: Der politische Umsturz ist durch Zerstörung des Glaubenslebens im Volke vorzubereiten." (S. 7)

"Als Religionsverächter sich der Führung von Sekten bemächtigen, wohl gar selber solche gründen! Das beschwört in der Tat für die Kirche größere Gefahren herauf, als sich schamlos entbößende Gottlosigkeit." (S. 11)

"Da bieten sich Möglichkeiten, Einfluß sogar über Teile des Kirchenvolkes zu gewinnen, sie - ihnen selber unbewußt - schrittweise ins Lager des völligen Unglaubens und radikalster politischer Umsturzbewegung zu locken. Wer ein solches Beispiel kennen lernen will, der vertiefe sich in unser kürzlich erschienenes Schriftchen: "Die Ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Religionsspötter."
Auch das Wort von der "Verbindung von Apokalypse und Weltrevolution" wird ihm dann klarer werden." (S. 12)

"Was machen doch Menschen, der mehr auf den Buchstaben als auf die Seele der Heiligen Schrift zu sehen gewohnt ist, die biblischen Wundererzählungen für sauere Mühe!
Und nun trat einer auf, der war so kindlich und ursprünglich in seinem Gemüt, daß er gar nicht verstand, wie einen gerade hierin auch nur die geringsten Schwierigkeiten empfinden könne! Und nicht blos das! Nein! Er selber erlebte Wunder. Wunder in einer Massenhaftigkeit, daß man das Gefühl hatte, er übertreffe hierin alle, von denen Altes und Neues Testament zusammen berichten. Und groß waren dieselben!
So groß, daß im Vergleich zu ihnen biblische Wunder zuweilen geradezu den Eindruck der Ärmlichkeit machen. Viele bedrängte Gemüter, die äußere Stützen brauchten, um ihres Christentums ganz froh werden zu können, hörten jubelnd die Kunde vom Auftreten dieses asiatischen "Retters der biblischen Wunderberichte" des unvergleichlichen -- Sadhu Sundar Singh!" (S. 19)

"Es dürfte vielen Lesern bereits ausreichen, um zu erkennen, daß Leo Taxil und Sundar Singh zwei Schößlinge aus einer Wurzel sind." (S. 32)

"Die Bedienung von angesehenen Kirchenmännern und kirchlichen Blättern mit sadhuistischer Propagandanachrichten ist jedenfalls in einer Weise großzügig organisiert, daß es heute genau so gefährlich ist, in der evangelischen Welt gegen Sundar Singh anzukämpfen, wie einst in der katholischen gegen Taxil und Miß Vaughan." (S. 131)
"Als der Gründer des "Ernsten Bibelforschertums" Russell, besonders fromm gestimmte christliche Kreise von den christlichen Kirchen losreißen und sie politisch revolutionärer Denkweise zuführen wollte, da bot er ihnen seine scheinbar erzchristlichen "Schriftstudien" dar. Darin hat er in Augenblicken des Übermutes sich und die Seinen mit "Schlupfwespen" verglichen. Denn diese Tiere, so sagt er, "legen ihre Eier auf den Rücken anderer, feindlich gesinnter Insekten, deren Körperwärme sie ausbrütet."
Seien sie aber erst einmal ausgekrochen, so machten sie sich alsbald daran, den Leib ihrer Pfleger zu zerfressen." (S. 157)

Das waren also die Sorgen, die Bräunlich umtrieben.
Und, er setzt sowohl die Bibelforscher als auch den Sadhu Sundar Singh, auf die gleiche Betrüger-Ebene.
Ob zu Recht oder nicht, wäre eine Frage, die mit dieser Betrachtung nicht entschieden sei.

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