Re: Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise -
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. November 2008 06:53
Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 11. 1923 (Ausgabe Bern schon am 1. 9. 1923) versucht sich in der Rolle eines Märchenerzählers. Eine detaillierte Quellenangabe dafür wird allerdings nicht mit geliefert. Lediglich im Untertitel mitgeteilt: „Aus dem Norwegischen übersetzt". So kann man nun rätseln. Ist das eine Art Eigenbericht? Oder lediglich eine Zitierung dessen, was andernorts bereits geschrieben steht?

Diese offene Frage soll allerdings nicht überbewertet werden. Will doch das GZ mit diesem Bericht etwas „über die Religion auf dem Monde" mitteilen. Da ist man dann doch baff. Religion auf dem Monde? Davon hat man doch andernorts bisher kaum bis nichts gehört. Also nimmt man es schon in einem gewissen Umfange interessiert zur Kenntnis, was das GZ da mitzuteilen weis. Und schon nach den ersten Sätzen ist es klar. Das ganze ist in die Form einer Geschichte gekleidet. Gäbe es da nicht die GZ-Angabe „aus dem norwegischen übersetzt", könnte man sogar rätseln. Vielleicht einem Freidenker-Journal entnommen. Warum sollte es ein solches nicht auch in Norwegen geben?

Wie auch immer, tauche man nachstehend mal selbst hinein, in die wundersame Geschichte von der „Religion auf dem Monde".


„Meine Mutter hatte eine religiöse Veranlagung und glaubte allen möglichen Priestern und Propheten. Mein Vater glaubte dagegen an gar nichts.
Meine Mutier wünschte, daß ich Religionsunterricht, erhalten und zur Kirche gehen sollte. Da stampfte mein Vater mit dem Fuß und sagte: „Nein!" So wuchs ich ohne Religion heran. Als ich jedoch älter wurde, rührte mich meiner Mutter Betrübnis über mein Heidentum, und ich fing an über Religion nachzusinnen. Doch als ich horte, daß es viele hundert verschiedene Religionen auf der Erde gibt, von denen man sich eine wählen kann, fragte ich meinen Vater, welches wohl die richtige sei.

Er antwortete entschieden, "alle miteinander sind Lügen!"
Nun kannte ich meinen Vater als einen ehrlichen, grundaufrichtigen Mann, an dessen Worten sonst nicht zu zweifeln war. Andererseits sagte ich mir aber auch, daß es doch etwas Gutes um eine Religion sein müsse; das bezeugte mir meine Mutter; die Frage war nur, wie man unter den vielen die richtige finden könnte.

So beschloß ich eines Tages, eine Reise in eine andere Sphäre zu unternehmen, in der Hoffnung, daß vielleicht die Bewohner eines anderen Planeten die richtige Religion haben möchten. Ich ging zu meinem Vater und bat diesen um Erlaubnis, eine Reise unternehmen zu dürfen.
"Wohin?" fragte er. "Nach dem Monde!" antwortete ich. Was willst du dort, mein Sohn?" "Ich möchte die wahre Religion suchen."
Er sagte: „Schön, aber ich gehe jede Wette ein, daß du genau so klug wiederkommst, wie du fortgehst. Immerhin, es kann nichts schaden, wenn du es versuchst." So machte ich mir einen Luftballon und flog davon.

Nach einigen Monaten sehr beschwerlicher Reise kam ich an die Grenzen des Mondes, in der Gegend, wo ich ankam, schien ein großer Tumult und Verwirrung zu sein. Die Luft war mit Rauch erfüllt. Als ich näher herankam sah ich, daß ein großer Krieg im Gange war. Blut floß auf den Straßen, Tausende von Toten lagen ringsumher zerstreut. Plötzlich floh die eine Partei mit einem gellenden Geschrei. Auf der anderen Seite wurde ein Jubel- und Siegesgesang angestimmt.

Da nun keine Gefahr mehr zu sein schien, ließ ich meinen Ballon auf einem hohen Berge niedergehen. Am Fuße des Berges warf sich die .ganze siegreiche Armee auf den Bauch und alle hielten den linken Daumen hoch.
Ich verließ meinen Ballon und stieg langsam den Abhang hinunter. Die Armee stimmte wieder einen Siegesgesang an. Bald war ich in ihrer Mitte.

Wiederum warf sich alles auf den Bauch und hob den linken Daumen gen Himmel.
Dann kam der Anführer auf mich zu und legte seine Hand auf meine Brust, während das Volk blaues Gras und Blätter auf meinen Weg streute, immer den linken Daumen dabei hoch haltend. Bisher halte ich noch nicht versucht, mit ihnen zu sprechen, da ich glaubte, sie würden mich nicht verstehen können. Doch, stellt euch meine Überraschung vor, als sie meine Muttersprache redeten.

Sie sagten mir, daß sie nur zu großem Danke verpflichtet seien, weil ich gerade in diesem Augenblick mit meinem Ballon angekommen sei. Sie waren nahe daran den Kampf aufzugeben, als sie mich plötzlich sahen. Ihre Freude war unbeschreiblich, weil sie dachten, ich sei ein Gott, der gekommen sei, ihre Sache zu führen. Darum stimmten sie den Siegesgesang an, wodurch der Feind in große Panik versetzt wurde und floh.

Ich fragte warum sie den Krieg geführt haben. Sie antworteten: "Wir kämpften für Gottes Sache. Unsere Feinde sind Kinder des Teufels und ungläubige Hunde, die nicht den wahren Glauben haben, sondern sich selbst eine Religion zurecht gemacht haben, die zweifelsohne Tod und Elend über alle Mondbewohner bringen wird."

Darauf fragte ich, wieviel Religionen es auf dem Monde gäbe. Sie antworteten: "Vierhundert" "Und welches ist die wahre?" erlaubte ich mir weiter zu forschen. Die Antwort war: "Natürlich die unsere. Wenn du einen anderen Glauben hast wirst du gewißlich verdammt werden!"

Ich bat sie, mir die Richtlinien ihres Glaubens zu erklären. Darauf stieß der Anführer viermal in seine Trompete. Sofort warf sich das Volk wieder auf den Bauch und hielt den linken Daumen hoch. Darauf erschien eine Prozession von Männern in grünen Gewändern aus einer Höhle des Berges. Einer dieser grün bekleideten Männer hatte eine merkwürdige, hohe Kopfbedeckung und über dem grünen Gewand ein kurzes, blaues Obergewand, worauf ein riesiger Daumen gestickt war. Dieser Mann schien eine Art Bischof oder Kardinal zu sein, eine hohe Persönlichkeit der Hierarchie.

Er erhob seinen Daumen und sagte mit lauter Stimme: „Die einzig wahre Religion ist diese: Gott muß geehrt werden, indem man sich auf den Bauch wirft und den linken Daumen in die Höhe hält, und jeder Gläubige muß viermal im Jahre Blaubeersaft trinken und Hafermehlkuchen essen. Wer daran glaubt und dieses tut, wird errettet werden, doch wer sich weigert daran zu glauben, wird gewißlich verdammt werden."

Ich muß gestehen, diese Religion kam mir sehr merkwürdig vor, darum war ich doch neugierig, zu erfahren, was es denn sonst noch für andere Religionen auf dem Monde gäbe. Der mit dem Kopfputz antwortete: "Es gibt vierhundert, aber alle außer der unsrigen sind falsch."

Noch neugieriger fragte ich: "Was glauben denn die Anderen?" Er antwortete: "Manche glauben, daß es nicht nötig ist, sich auf den Bauch zu werfen, sondern, daß es genügt, sich niederzulegen. Andere glauben, daß man den rechten Daumen hoch halten muß, anstatt den linken, während wieder andere glauben, daß es der Mittelfinger sein muß und noch andere den Ringfinger für richtiger halten. Dann glauben manche, daß es genügt, den Blaubeersaft und den Hafermehlkuchen nur zweimal im Jahr zu genießen, andere meinen, es müsse täglich geschehen, wieder andere sind überzeugt, daß beides alle Sonntage eingenommen werden muß, noch andere denken, es müsse monatlich geschehen, während andere glauben, einmal im Jahre sei genügend. Einige arme Ungläubige denken sogar, daß es genug ist, wenn sie Hafermehlkuchen allein essen, andere wieder verwerfen den Hafermehlkuchen und trinken nur Blaubeersaft. In der Tat, der falschen Lehren und Propheten sind unendlich viele", sagte der ehrwürdig aussehende Priesterfürst.

"Dabei versucht ein jeder, den andern davon zu überzeugen, daß seine Religion die wahre ist; darum haben wir ewigen Krieg. Der Kampf, der wütete, als du eben bei uns ankamst, richtete sich gegen eine Schar, welche den Irrtum vertritt, daß man den kleinen Finger in die Höhe halten müsse, und daß Blaubeersaft ohne Hafermehlkuchen selig machen könne. Wir haben schon viele Schlachten mit Ungläubigen ausgefochten, aber unsere Losung war immer "Gott mit uns" und auf irgendeine Weise haben wir stets gewonnen. Nun haben wir die größte Hoffnung, bald alle auf dem Monde zu besiegen, was zur Folge hätte, daß diese armen Sünder auch den rechten Glauben annehmen würden, wodurch sie von Verdammnis und ewiger Qual errettet würden."

Als er seine Rede beendet halle, warf er sich sofort mit Pomp und großer Fertigkeit auf den Bauch und reckte seinen linken Daumen in die Höhe. Alles Volk folgte natürlich unverzüglich seinem Beispiele. Nach dieser Zeremonie gingen sie daran, ihre Toten zu begraben, wohl 3000 an der Zahl oder mehr, und währenddem priesen sie Gott, daß er an einem Tage einen so glänzenden Sieg errungen habe.

Gegen Abend lud mich der Hohepriester in sein Haus ein. Als wir allein waren, fragte er mich ganz vertraulich über meine Religion, und als ich ihm freimütig sagte, ich habe keine, sah er mich erstaunt an und fragte, ob ich nicht ihren Glauben teilen und ihrer Kirche angehören wolle. Ich sagte ihm, daß ich nicht völlig überzeugt sei, daß dies die wahre Religion sei.

"Überzeugt," rief er, nun, das ist das letzte, was man auf dem Monde zu sein braucht. Das ist durchaus nicht nötig. Alles, was du zu tun hast, ist, daß du glaubst, was ich sage; und ich werde sofort eine heilige Handlung an dir vollziehen, dir einen Hafermehlkuchen zu essen und Blaubeersaft zu trinken geben und dich mit Milch salben. Dann wirst du ein Glied der wahren Kirche sein."

"Mit Milch salben?" fragte ich, "bitte, was soll das bedeuten?" Er antwortete: "O, das ist eine heilige Handlung, wodurch jemand in sofortige Gemeinschaft mit Gott aufgenommen wird. Ich gieße ein wenig Milch auf deinen Kopf und sofort bist du ein Glied der wahren Kirche.
Komm, laß es mich sofort tun!"

Nun war ich nicht gerade entzückt von dem Gedanken, daß Milch auf meinen Kopf gegossen werden sollte und so sagte ich, "ich glaube nicht, daß ich mich dieser Operation unterziehen werde," worauf sich folgendes Zwiegespräch entspann:

Er: "Was glaubst du denn eigentlich?"
Ich: "Ich habe keinen Glauben!"
Er: "Aber sicherlich glaubst du an Gott?"
Ich: "Ich weiß es nicht, ich habe ihn weder gesehen noch gehört."
Er: „Aber sicherlich glaubst du an ein Leben nach dem Tode?"
Ich; "Ich weiß es nicht, es ist noch niemand aus den Toten zurückgekommen und hat uns davon erzählt."
Er: "Da bist du also ein Freidenker oder schlimmer als das, ein Atheist?"
Ich: "Ja, das bin ich."
Er: "Sicherlich bist du der einzige auf der Erde, der an nichts glaubt!"
Ich: "O nein. in den letzten Jahren denken viele nach ihrer eigenen Meinung."
Er: "Und läßt man solche Leute leben?"
Ich: "Ja, in der heutigen Zeit. Aber in früheren Zeiten wurden sie verfolgt und in das Gefängnis geworfen. Doch jetzt kann ein jeder denken und glauben, was er will, und man muß nicht zu einer Kirche gehören, wenn man nicht will."
Er: "Ist das möglich!? Man darf nach seinem eigenen Gewissen denken und handeln?"
Ich: "Ja, wir dürfen auch ehrlich und vernünftig sein, wenn wir wollen."
Er: "Mit anderen Worten, du meinst, daß die, die blind glauben, was ihnen die Priester sagen, unehrlich sind oder unvernünftig?"
Ich: "Sicherlich!"
Er: "Ich vermute, du denkst dasselbe auch von mir?"
Ich: „Nun - - -"
Er: "Bitte, sprich dich aus!"
Ich: "Nun, eine direkte Frage ist eine direkte Antwort wert. Ich kann mir wirklich nicht denken, daß ein vernünftiger Mensch glauben kann, daß er dadurch errettet wird, indem er sich auf den Bauch wirft und den linken Daumen in die Höhe hält und Blaubeersaft trinkt und Hafermehlkuchen ißt. Und ich kann auch nicht glauben, daß du selbst davon überzeugt bist"

Als ich dieses gesagt hatte, legte er seine Hand auf meinen Mund und bat mich, nicht so laut zu reden; dann schloß er sorgfältig und fest die Türe zu. Nachdem er sich versichert hatte, daß wir ungestört waren, setzte er sich dicht zu mir und sagte:

"Höre, junger Mann, wir wollen von jetzt ab als zwei aufrichtige Männer miteinander reden. Du scheinst ein sehr vernünftiger, selbständig denkender, junger Mann zu sein, und es wird mir eine gewisse Erleichterung sein, mich dir gegenüber auszusprechen. Ich will dir ehrlich gestehen, daß ich durchaus keinen Glauben an die Daumenzeremonie und an das Seligwerden durch Blaubeersaft und Hafermehlkuchen habe; aber siehst du, meine Stellung verlangt es von mir, daß ich den Leuten diesen Unsinn predige, weil sie dafür bezahlen und mich verehren wie einen Gott.

Ich kann dir versichern, daß mich die Leute so sehr lieben, daß sie sofort bereit sind, den in Stücke zu zerreißen, der das nicht glaubt, was ich sie gelehrt habe. Darum, siehst du, ist es absolut notwendig, daß ich sie unter meinem Daumen halte, andernfalls würde ich meine Stellung, mein Gehalt, meine Ehre und schließlich all meine Gemeindemitglieder verlieren. Dann haben wir hier einen König, der in einem großen Palast, wohnt. Er hat einen Harem mit vielen Frauen, die alle mit goldgestickten Kleidern bekleidet sind. Der König hat auch eine große Armee und einen großen Hofstaat und viele Diener. Wir haben auch viele Großgrundbesitzer, die das ganze Land besitzen. Für alle diese Leute muß Sorge getragen werden.

Und ohne Religion würde bald Unordnung und Verwirrung sein. Das Volk würde den König; und seine vielen Frauen töten, sie würden sich weigern, im Heere zu dienen, und würden sich weigern, all die überflüssigen Hofleute und Diener zu erhalten. Und was noch schlimmer wäre, sie würden den Großgrundbesitzern das Land wegnehmen und unter sich verteilen. Wenn sie aber von den Kanzeln herab gelehrt werden, daß sie eine Belohnung im Himmel erhalten werden, wenn sie meinen Geboten folgen, während sie andernfalls in die Hölle kommen, geht alles in der guten, alten Ordnung weiter, von einem Jahrhundert zum andern und alle scheinen zufrieden zu sein.

Tatsächlich scheinen alle vollkommen glücklich zu sein, - die Aristokratie, weil sie ein gutes Leben hier auf dem Monde führt, und die übrige Menschheit, weil sie die Hoffnung hat, im Himmel tausendmal mehr zu besitzen als hier. Warum es also anders machen wollen, wenn alle glücklich sind? Was sagst du dazu?"

Meine Antwort war: „Alles", was ich sagen kann, ist das es überrascht mich, wie sehr die Zustände hier denen auf der Erde gleichen. Dort errafft auch die Minderheit des Lebens Güter und lebt in völliger Unabhängigkeit, während die große Mehrheit auf alle mögliche Weise unter Mangel und Entbehrung leidet. Die Ursache zu alledem ist, daß manche Prediger die Sinne der Menschen mit Unwahrheiten verdunkelt haben und sie veranlaßten, ihren Unsinn zu glauben."

Er: "Wie seltsam, daß es auf der Erde, die ein viel älterer und größerer Planet ist, auch so sein soll! Sehr seltsam, daß sie nicht weiter fortgeschritten sind als wir. Bist du auch sicher, daß kein Unterschied besteht?"

Ich; "Es besteht gar keiner, Ja."
Er: „Glauben sie auch an den Daumen und an den Blaubeersaft und Hafermehlkuchen und an die Milchsalbung?"
Ich: "Nicht gerade das, aber was sie glauben, ist dem Sinne nach diesen Dingen so sehr ähnlich, daß es füglich als dasselbe bezeichnet werden kann."
Er: "Bitte, erkläre mir das näher."
Ich: "Nun, anstatt den Daumen in die Höhe zu halten, falten sie die Hände. Die Priester tragen schwarze Gewänder, anstatt grüne. Anstatt, daß sich die Leute auf den Bauch werfen, knien sie nieder. Anstatt die Leute mit Milch zu salben, spritzen die Priester kleinen Kindern und auch manchmal Erwachsenen etwas Wasser auf den Kopf. Anstatt Blaubeersaft, trinken sie Wein, und anstatt Hafermehlkuchen, essen sie Weizenbrot.

Wie der Mond, ist auch die Erde mit Religionskriegen erfüllt. Um des Glaubens willen haben sich die Menschen zu Millionen getötet und die Geistlichkeit hat dabei gesessen und gelächelt, während die Welt immer wieder auf denselben alten Weg zurückgekommen ist, weil man nichts Besseres wußte. Es gibt in Afrika schwarze Heiden, die sagen, daß ein guter Geist die Welt gemacht habe, aber ein böser sie regiere."


Soweit also die vom GZ präsentierte Erzählung. Irgendwie wird man dabei auch an die spätere Erzählung von Hank erinnert.
Siehe dazu:
Die Geschichte von Hank

Ein eigenes redaktionelles Nachwort fügt die GZ-Redaktion dann auch noch an, in dem unter anderem zu lesen ist:


In dieser kleinen Erzählung "die Religion auf dem Monde" liegt manches Körnchen Wahrheit. Wir müssen zugeben, daß die verschiedenen Religionen wie Betäubungsmittel gewirkt haben, stärker als Opium. Sie haben den Verstand des Menschen eingeschläfert und tatsächlich das Menschengeschlecht gelähmt. Ich habe einmal ein Bild gesehen, woran ich bei dem lesen dieses Geschichtchens erinnert wurde, es hieß: "Der Pilger fragt nach dem Weg zum Himmel." Geistliche der verschiedensten Denominationen zeigten ihm die verschiedensten Richtungen und der arme Reisende stand erstaunt und ratlos da. ..."

Trotz dieser Einlassung kann es sich das GZ nicht verkneifen zu betonen, es gäbe eine wahre Religion. Unschwer zu erkennen auf sich selbst bezogen. Mir indes erscheint, diese vermeintlich wahre Religion hat inzwischen denselben Status erreicht, dem sie in der vorgenannten Erzählung dem Priester zubilligt:

„... Ich will dir ehrlich gestehen, daß ich durchaus keinen Glauben an die Daumenzeremonie und an das Seligwerden durch Blaubeersaft und Hafermehlkuchen habe; aber siehst du, meine Stellung verlangt es von mir, daß ich den Leuten diesen Unsinn predige, weil sie dafür bezahlen und mich verehren wie einen Gott. ..."

Im "Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise 1923

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