Antwort an "German"

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 13. Oktober 2008 04:33

Der User "German" meint in einem Posting bei Infolink, nicht den wesentlichen Tatbestand in Sachen des "Hans Voss" ausgewiesen zu sehen.

http://forum.sektenausstieg.net/index.php?topic=16486.msg374073#msg374073

Was wiederum eine Frage seines Kenntnisstandes letztendlich wäre.
Bei Infolink antworte ich nicht.
Meine Antwort kann er hier lesen (oder es auch sein lassen).

Zitat aus dem Aktenbestand des vormaligen Staatssekretariats für Kirchenfragen der DDR
(die darin mit enthaltenen Adressdaten, werden hier nicht mit übernommen).

Gründungsprotokoll der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in der DDR

Die diese Urkunde unterzeichnenden 6 Personen haben sich heute, den 4. März 1990, um 17,00 Uhr als Initiativgruppe der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in der DDR versammelt.
Sie beschließen eine zu registrierende Religionsgemeinschaft zu gründen, die unter dem Namen Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in der DDR den Zwecken dienen soll, die in dem anliegenden Statut niedergelegt sind.
Das Statut wurde vorgelesen, besprochen und einstimmig angenommen.
Das von der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas mit der Leitung der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in der DDR betraute Komitee wird aus den Gliedern der Initiativgruppe gebildet und besteht aus folgenden Personen:

Der Koordinator des Komitees:
Herr Helmut Martin wohnhaft in ...
Die weiteren Glieder des Komitees sind:
Herr Rolf Hintermeyer wohnhaft in ...
Herr Hermann Laube wohnhaft in ...
Herr Wolfgang Meise wohnhaft in ...
Herr Egon Ringk wohnhaft in ...
Herr Horst Schleußner wohnhaft in ...


Der genannte Link zitiert in erster Linie HL bezüglich die seinerzeitigen vom WT unter seinem Namen getätigten Aussagen. Er (der Link) hat aber nicht die Absicht, ein "umfassendes Buch" zum Thema zu sein.
Es wird halt vorausgesetzt, wer sich für die Thematik interessiert, wird auch andere einschlägige Quellen mit heranziehen.
Zum Beispiel das Y...'sche "Visier"-Buch.
Dort "verpackt" in einer eher unscheinbaren Fußnote (Seite 228 Anmerkung Nr. 81):

"Anm. d. Hrsg.
[das ist Y.... Die Fußnote auf die der Text verweist, ist allerdings ein Text des Herrn W. H...]:

Bei dem IM "Hans Voß" handelt es sich um den am 27. Januar 1926 in Prag geborenen Hermann Laube aus Zittau. Laube war von 1966 bis zur Auflösung des MfS als IM aktiv. Siehe auch den Beitrag von Gerald Hacke, Anm. 11.

[Was den weiteren Verweis auf Hacke anbelangt, so konnte ich dort allerdings nichts HL-direkt bezügliches registrieren. Hacke refereriert eher allgemein die Sachlage, ohne nun HL im besonderen Blickfeld zu haben]

In dem zeitlich später herausgekommenenen Buch des Herrn H... aus dem Peter Lang Verlag, gibt es auf Seite 404 ebenfalls die eher in der Sache als "mager" zu bezeichnende Aussage:

"Einblick in die höchste Führungsebene hatte das MfS erhalten, da es gelungen war, zumindest einen der Bezirksaufseher in der DDR als IM anzuwerben. Hermann Laube ("Hans Voß") lieferte seit 1966 Informationen an das MfS und gab die Anweisungen und Verhaltensmuster
der WTG an seinen Führungsoffizier weiter."

Ende der Durchsage bei Hirch.

Dann sei noch ein Zitat aus dem alten Infolink gebracht (nicht dem jetzigen "verschlimm-verbesserten")

Zitat:

>> Gerhard B... belegt: WTG deckt Stasi-Spitzel! <<
Von: Günter
Datum: 29 Jun 1999
Uhrzeit: 19:53:47
> Kommentar <

Gerhard B... belegt: Die deutsche WTG-Führung stellt langjährigen Spitzeln und Verrätern einen Persilschein aus

Seit mehreren Monaten geht unter den ZJ - insbesondere im Gebiet der ehemaligen DDR - ein Gerücht um: Die WTG hat Kenntnis von mehreren Fällen, in denen ZJ mit dem berüchtigten "Ministerium für Staatssicherheit" (MfS, umgangssprachlich auch "Stasi" genannt) zusammengearbeitet hätten. Für den einfachen ZJ stellt sich natürlich die Frage, ob die WTG gegen diese MfS-Mitarbeiter (IM's) vorgegangen ist und welche disziplinarischen Maßnahmen eingeleitet wurden.

Bisher wurden von seiten der WTG noch keine offiziellen Erklärungen dazu abgegeben. Um hier nicht in den Bereich der Spekulation zu verfallen, beschränke ich mich auf ein belegbares Einzelbeispiel.
Prekärerweise dürfte es sich dabei allerdings um einen Fall handeln, der das perfide Spiel der deutschen WTG-Führung in Selters (vormals Wiesbaden) besonders deutlich zeigt: Die Akte HANS VOSS.

Interessanterweise hat sich mir die Bedeutung einiger bisher bereits veröffentlichen Dokumente erst im Laufe der Recherchen zu diesem Fall
aufgetan.

Schon im Jahr 1991 veröffentlichen Gerhard B... und Stephan Wolf das Buch "Pfarrer, Christen und Katholiken - Das Ministerium für Staatssicherherit der ehemaligen DDR und die Kirchen" (Neukirchener Verlag, ISBN 3-7887-1416-6). Diese Dokumentensammlung ist eine wahre Fundgrube für solche Zwecke. In einem Dokument von 1969 (Dok. 52, S. 284 ff.) geht es um den Stand der Bearbeitung von Spitzeln in den Kirchen und Religionsgemeinschaften der DDR. Dort wird bereits über die Aufgaben von "Hans Voß" berichtet:

= Referat III (...) 2. IMF "Hans Voß" Konzentrierung des Kuriermaterials der Zentrale der "Zeugen Jehovas" in Wiesbaden an die Leitung der Sekte in der DDR und Übergabe zur Einsichtnahme an das MfS =

"Hans Voß" gehörte in der DDR dem Führungsgremium der ZJ an. Die Vermutung lag nahe, daß "Hans Voß" daher auch nach dem Mauerfall in das sogenannte "Präsidium der Religionsgemeinschaft" übernommen wurde.
Dort waren nach Angaben der WTG folgende Personen tätig: H. Martin, R. Hintermeier, H. Schleusner, H. Laube, W. Meise und E. Rink. Es ist gar nicht so einfach, ein paar gesprächige ZJ zu finden, die sich dann auch noch mit der Materie auskennen. Aber bereits Mitte vorigen 1998 wußte ich, daß alle nach wie vor in diesem "Präsidium" sitzen - bis auf einen: H. Laube. Hartnäckiges Nachbohren brachte dann nach der anfänglichen Bemerkung
"Der hat aus Altersgründen sein Amt aufgegeben"
einen hervorragenden Tip: Laube stammt aus Zittau, einem verschlafenen Kleinstädtchen an der Grenze zu Polen und Tschechien. Dort müßte man etwas näheres über die Umstände seines "Rücktritts" erfahren können.
Aus den teilweise bruchstückhaften Erzählungen von dortigen ZJ ergibt sich in etwa folgendes Bild:

1997 entdeckte ein ZJ, der in seine Stasi-Akten Einsicht nahm, daß er von einem gewissen "Hans Voß" ans Messer geliefert worden war. In dem Fall muß es wohl um eine empfindliche Geldstrafe gegangen sein. Der Geschädigte verlangte nun bei der Gauck-Behörde die Offenlegung des Klarnamens. Das Ergebnis: "Hans Voß" war der Deckname für den in Prag
geborenen HERMANN LAUBE, wh. in Zittau-Eichgraben.
Die örtlichen ZJ- Funktionäre waren anscheinend zunächst geschockt, wollten aber den Verräter in ihren eigenen Reihen zur Verantwortung ziehen. Das wurde jedoch von der deutschen WTG-Zentrale vereitelt. Es fand eine sogenannte "Komitee-Sitzung" statt, an der Spitzenfunktionäre aus Selters teilnahmen, die extra dazu ins weit entfernte Zittau gereist waren. Ein Ergebnis dieser "Verhandlung" wurde wohl nie offiziell bekanntgegeben. Allerdings ist Laube seit diesem Zeitpunkt kein "Ältester" mehr und darf sich in den Versammlungen nicht mehr aktiv beteiligen. Ein ZJ-Funktionär aus der Nähe von Berlin erzählte allerdings seiner Ehefrau, daß man auf der jährlichen Hauptversammlung der Ost-ZJ (sogenannte "Ratsversammlung") den dort anwesenden "verantwortlichen Brüdern" mit keiner Silbe etwas von der Stasi- Spitzel-Geschichte ihres bisherigen Oberhirten verlauten ließ. Ihnen
wurde ein Brief vorgelesen, in dem Laube angeblich selbst "aus persönlichen" Gründen darum bat, von seinem Amt entbunden zu werden.

Soweit ist der Umgang mit dem Judas Ischkariot noch nachvollziehbar.
Aber Anfang 1999 traf viele ZJ ein harter Schlag: Die WTG veröffentlichte im "Jahrbuch 1999" einen Bericht über Deutschland.
Neben der allgemein unsachlichen und auch nachweislich falschen "Berichterstattung" (siehe S. 78, dort wird die Gründung der Bundesrepublik auf das Jahr 1955 verlegt! ZJ sind eben "nicht von dieser Welt".) erregten vor allem die Berichte über "Älteste ..., die Entscheidendes geleistet hatten, um die Herde in Ostdeutschland geistig stark zu erhalten. Jetzt schwelgten sie in der Vergangenheit."
(Jahrbuch der ZJ 1999, S. 119) - Und Laube schwelgte in Stasi-Märchen.
Aus S. 120 berichtet Laube, wie man auf wundersame Weise Papier für den illegalen Druck der WTG-Schriften erhielt. Nicht genug damit, auf Seite 82 findet man schon einen Bericht von Laube, wie er einen Polizisten zum ZJ umkrempelte. Es stellen sich die Fragen:

Warum leugnet die WTG, daß HERMANN LAUBE ein langjähriger (siehe Besier) Stasi-Mitarbeiter war?

Aus welchem Grund werden die ZJ im Osten Deutschlands über die wahren Hintergründe belogen?

Wieso wird der Verräter auch noch hofiert und weshalb werden seine Geschichten auch noch im "Jahrbuch" abgedruckt?

Wann wird der die Autobiografie von LAUBE (im WACHTTURM erschienen) widerrufen?

Aber es kommt noch besser: Anscheinend sind die Geschichten des verlogenen Stasi-Informanten auch noch frei erfunden und niemals so passiert. Und die WTG weiß das! Nach mehreren übereinstimmenden Berichten von aktiven ZJ aus der Heimat des LAUBE wurde in den dortigen Gruppen bekanntgegeben, daß die Berichte von LAUBE im "Jahrbuch" NICHT DER WAHRHEIT ENTSPRECHEN!

Wann wird die WTG ihr Schweigen brechen und eine Stellungnahme zur Stasi-Connection abgeben?

Welche Rolle spielt der "Ost-Verantwortliche" der WTG, WILLY K. POHL?

Wer dazu weitere Informationen hat, bitte hier ins Forum posten!

mfg Günter M ...

(Familienname im Infolink-Posting ausgeschrieben. Hier abgekürzt).

Ergänzend siehe auch:

Parsimony.8208

Parsimony.16379

Parsimony.1238

Post Skriptum:
Noch ein weiteres Zitat dieses Günter M ...

Von: Günter M ...
Datum: 14 Jul 1999
Uhrzeit: 23:55:53

> Kommentar <

Hier ein Artikel aus ERWACHET (8.1.95), beachte: Die Kirche ist
schlecht, weil einzelne Funktionäre mit Stasi und KGB kooperiert
haben! Wenn man das mal auf die WTG anwendet ...
________________
Kein Teil der Welt?

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN DEUTSCHLAND

"SIE sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin"
(Johannes 17:16). Mit diesen Worten beschrieb Jesus die absolute
Neutralität seiner Nachfolger in politischen Angelegenheiten.
Entsprechen diejenigen, die sich heute Christen nennen, diesem
Maßstab?

Man beachte die folgenden Pressekommentare über die Rolle der
Christenheit in der DDR, die bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1990 unter
kommunistischer Herrschaft stand.

. "Nachdem die Evangelischen Kirchen in der DDR für kurze Zeit im Ruhm
glänzten, die Mutter der friedlichen Revolution gewesen zu sein,
scheint ihr öffentlicher Kredit nun rapide zu verfallen. Vielen
erscheinen sie nun eher als eine Stütze des Regimes und als ein
Tummelplatz der Stasi" (Die Zeit, November 1991).

. "Betroffen über die Stasi-Verstrickungen von kirchlichen
Mitarbeitern und Angehörigen der Gemeinden haben sich verschiedene
Landeskirchen in den fünf neuen Ländern geäußert" (Evangelische
Kommentare, Januar 1991).

. "Die Kirchenleitungen hören Klagen, daß Pfarrer nicht mehr so wie
früher für ihre Leute sorgten, weil sie politisch engagiert sind"
(Süddeutsche Zeitung, Februar 1990).

. "[Bundespräsident] Weizsäcker sagte, in deutsch-deutscher Politik
habe die [evangelische] Kirche stets eine hilfreiche Rolle gespielt"
(Wetterauer Zeitung, Februar 1992).

Nicht nur die evangelischen Landeskirchen haben sich in die Politik
eingemischt. Die Zeitung The European berichtet: "Stasiagenten
unterwanderten so gut wie jede Kirche." Manfred Stolpe, der in dieser
Zeitung als "Hauptunterhändler zwischen der evangelischen Kirche und
den kommunistischen Machthabern" bezeichnet wird, sagte zu seiner
Verteidigung: "Ich hätte auch dem Teufel die Hand gereicht, wenn es
unserer Sache dienlich gewesen wäre."

Gemäß dem Londoner Guardian hat die Geistlichkeit in Italien ein gutes
Verhältnis zur Mafia. Die Zeitung berichtet: "Die Kirche und die Cosa
Nostra haben so lange Zeit friedlich koexistiert, daß man die Kirche
schon oft der Komplizenschaft bezichtigt hat."

Der Toronto Star veröffentlichte einen Artikel über die Zusammenarbeit
einer Reihe russisch-orthodoxer Priester mit dem ehemaligen KGB. In
dem Bericht heißt es: "Die Enthüllungen über die Zusammenarbeit der
Kirche mit dem kommunistischen Regime waren der härteste Schlag. . . .
Das Archivmaterial des KGB . . . läßt darauf schließen, daß
Kirchenobere nicht nur ihren eigenen Prinzipien untreu geworden sind,
sondern auch bereit waren, führende Geistliche im Ausland zu
gefährden."

Während sich die Kirchen der Christenheit weiterhin in die Politik
einmischen, halten sich wahre Christen an Jesu ausdrückliches Gebot,
kein Teil der Welt zu sein.


Exkurs:
Zitat aus dem einschlägigen Buch von D...; wobei man ausdrücklich hinzufügen muss. In seinem gesamten Buch lässt D... nicht eine Silbe darüber verlauten, wer der von ihm auch genannte "Hans Voß" sei; namentlich wie sein bürgerlicher Name lautet.
Wer sich also nur auf Dirksen diesbezüglich "verlässt" - der ist "verlassen" und das mit voller Absicht.

Nun aber das D...-Zitat noch:
"Der IM "Hans Voß" gelangte nach 1965 sogar in die Position eines Bezirksdieners und war damit der höchstrangige IM in der Konspiration der Organisation der Zeugen Jehovas in der DDR. Bis zum Ende der DDR berichtete er dem MfS über Planungen und Aktivitäten der Religionsgemeinschaft"

Noch ein D...-Zitat:
"Durch den Bezirksdiener "Hans Voß" und den Kreisdiener "Albert" war das MfS durchaus in der Lage, wichtige organisatorische Entscheidungen der Zeugen Jehovas zu erfahren."

Dirksen ergeht sich, namentlich in der zweiten, erweiterten Auflage seines Buches genüsslich darüber, wie das MfS, in Sachen Ostbüro der WTG, im Nebel herumstocherte; und wie von Laube dabei gelieferte Infos, sich als nicht stimmig erwiesen.
Das man dem Laube dabei allerdings "zugute" halten muss. Er lebte ja in der DDR. Nach den Westen ausreisen konnte er auch nicht. Er kann also nur das weitergeben, was er denn selber vom Hören-Sagen mitbekommen hat. Darüber reflektiert Dirksen allerdings nicht.

Aber die Tendenz bei Dirksen ist schon klar. Unausgesprochen möchte er rüberbringen: "Seht, was dass doch für ein Trottel" ist.

Das dieser "Trottel" durchaus auch relevante Infos weiterleitete. Dabei zieht D... es dann doch lieber vor nach dem Grundsatz zu handeln:
"Es schweigt des Sängers Höflichkeit!"

Re: Nochmals "Hans Voß"

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 13. Oktober 2008 16:01

Noch eine Meinung (meinerseits) dazu.
Das viele auf das DDR-Regime nicht gut zu sprechen waren und sind, ist nachvollziehbar. Auch für mich nachvollziehbar, dieweil, besonders im Zeitraum 1985-1989 ich auch die subtilen Zersetzungsmassnahmen, mit denen die Stasi ihre erklärten Gegner zu bedenken pflegte, auskosten durfte (nicht ganz freiwillig).

Und das Heer der Stasi-IM die da angesetzt wurden, fand sich an vielerlei Orten. Besonders auch im Berufskollegen-Umfeld, einschließlich dortiger Vorgesetzter.

Mit etwas Sensibilität könnte man da sehr schnell erkennen, wer da so alles von dieser „Firma" geführt wurde. Und das waren nicht wenige.
Da wirkten solcherlei Provokationen, wie der Diebstahl der PKW-Nummerschilder, am hellerlichten Tag, auf dem in der Nähe der Berliner Staatsbibliothek befindlichen Bebelplatz (damals noch als Parkfläche zugelassen. Heute nicht mehr).
Da wirkten solcherlei „Warnschüssse" noch als rückblickend „harmlos". Da gab es noch ganz andere Erfahrungen. Nicht unbedingt der angenehmen Art.

Selbstredend erging es anderen Gegnern des DDR-Regimes nicht „besser". Darüber kann es keinen Zweifel geben. Darüber gibt es auch diverse Berichte.
Das solcherlei traumatisierenden Erfahrungen nachwirken, ist auch offenkundig.

Insofern kann ich mich durchaus in diesbezügliche Befindlichkeiten hinein versetzen.

Das alles ändert aber nichts daran, vor einem fallweisen überschwappen von Emotionen zu warnen!
Es ist eine zu weit gehende Unterstellung, dass besagter „Hans Voss" denn irgend jemand von den Zeugen ins Gefängnis gebracht hätte.

Zur Begründung:
Im November 1965 fand seitens des östlichen Regimes (außerhalb der Ebene Wehrdienstproblematik), die letzte größere Verhaftungswelle in Sachen Zeugen Jehovas statt.
Gezielt ausgerichtet auf deren Führungskader, etwa Liebig in Dresden (den es damit zum zweiten Male traf). Das erste Mal schon 1950 mit damaliger Verurteilung zu lebenslänglichem Zuchthaus.

Noch etwas war an der 1965er Novemberaktion charakteristisch. Ich war damals für die WTG-Interessen als Kurier eingesetzt; und habe quasi so mitbekommen, ebenfalls sehr direkt, wie es einen Berliner WTG-Fürsten, den Herrn Schleusner, bei dieser Aktion traf.

Es traf ihn in der Form einer „professionell" durchgeführten Hausdurchsuchungsaktion zu Nachtschlafener Zeit. Und das war es im Fall Schleusner. Verhaftet wurde er jedenfalls nicht (im Gegensatz zu Liebig und anderen).

Rückblickend offenbart sich bei diesem Stasi-Agieren, durchaus ein gewisses System.
Furcht und Schrecken verbreiten für alle, schon mal klar, war eines dieser Ziele.
Trotzdem wurden nicht alle Betroffenen in Haft genommen.

Wie es den Herrn Laube bei dieser Aktion traf, weis ich nicht. Aber ich vermute mal: Ähnlich wie im Fall Schleusner.
Zur Stasitechnologie gehört auch das „Ausbrechen" aus den vermeintlich feindlichen Organisationen.

Ein Narr, der nicht wahrhaben will, dass auch westlichen Diensten, solcherlei „Technologien", sehr geläufig sind.
Denn die beiden anderen Varianten. Entweder überzeugte Gegner finden, oder „Einschleusen", sind rar, sehr langwierig, und keinesfalls mit einer „Erfolgsgarantie" für ihre Arrangeure verbunden.

In meiner Sicht ist besagter Herr Laube, der klassische Fall eines „Herausgebrochenen". In Kombination mit einer eventuell zeitweiligen Inhaftierung, massiv unter Druck gesetzt, mit den Stasipropagandathesen „eingedeckt". Und sicherlich von anderen Erpressungsmerkmalen, ist er zu ihrem Werkzeug der Kategorie „Herausgebrochener" geworden.

Wer nun unterstellt, Herr Laube habe irgend jemand ins Gefängnis befördert, der ist beweispflichtig. Ich fürchte für ihn. Er kann diesen Beweis nicht antreten; dieweil es nach der Novemberaktion 1965 (außerhalb des auszuklammernden Wehrdienstspektrums), keine Verhaftungen von Zeugen mehr gab.

In meiner Sicht war Laube besonders in dem Sinne für die Stasi interessant, ihn als zu „melkende Kuh" zu benutzen.
Durch ihn erfuhren sie die weitere Verästelung der Funktionärsstruktur.
Das war für die Stasi schon mal ein Wert an sich. Wussten sie, wer wer war, konnten und bauten sie ihre IM-Systeme um solche „Kandidaten" auf.

Nicht im Sinne eines kurzfristigen Agierens. Sehr wohl aber in dem Sinne. Sollte einer der so „Eingekesselten" der Stasi ganz besonders negativ auffallen. Dann Zersetzungsmassnahme marsch!

Das alles lässt sich sicherlich anhand des einschlägigen Aktenbestandes, fallweise nachweisen. Man kann also Laube letztendlich nur vorhalten, seinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass sich die ZJ-Organisation, allen Konspirations-Anstrengungen der WTG zum Trotz, für die Stasi als offenes Buch erschloss.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Re: Antwort an "German"

geschrieben von: German

Datum: 14. Oktober 2008 07:03

Bei Infolink antworte ich nicht.
Meine Antwort kann er hier lesen (oder es auch sein lassen).
Vielen Dank, sehr aufschlussreich. Aber warum so bissig?


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