Gedenkveranstaltung

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 06. Oktober 2008 08:40

In einer Verlautbarung zu einer Gedenk-Veranstaltung liest man auch die Sätze

„Es sprechen dazu Dr. Ute Hoffmann, Bernburg, und Johannes Wrobel, Selters.

Am 05.11.2008 findet eine Veranstaltung zur Verfolgung der Zeugen Jehovas in der DDR statt. Es sprechen Annegret und Dr. Hans-Hermann Dirksen, Selters. Außerdem steht der Zeitzeuge Helmut Schmidt aus Halle zur Verfügung. Diese Veranstaltung beginnt ebenfalls um 19 Uhr in der Gedenkstätte Bernburg."

www.halleforum.de/Halle-Nachrichten/Verfolgung-der-Zeugen-Jehovas-im-Nationalsozialismus/16560

Nun dürften Gedenk-Veranstaltungen immer selektiv sein. Sie wählen aus, was dem würdigen Rahmen gemäss zu sein scheint.
Ihr Ziel ist aber kaum, eine objektive Darstellung aller Facetten, die Relevanz besitzen. Selbiges ist ohnehin von den angezeigten Referenten micht zu erwarten.

Meinerseits hätreich da einige „Ergänzungen"

Unter anderem die in nachfolgenden Links ausgeführten:

Herr Wrobel, sind Sie der Fälscher? !

Anbiederung

Letzterer Link jetzt noch mit einigen Auswertungen aus dem „Goldenen Zeitalter" ergänzt.

Und zu Herrn und Frau Dirksen, unter anderem

Parsimony.2450

Re: Gedenkveranstaltung

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 05. November 2008 05:50

Am heutigen Tage findet bekanntlich in Bernburg eine Gedenkveranstaltung statt, auf der seitens der Zeugen Jehovas, auch die Herren Wrobel und Dirksen, als Referenten angekündigt sind.

Ohne die Details der angekündigten Referate zu kennen, unterstelle ich doch, dass in ihnen ein, auch als relevant anzusprechender Aspekt, nicht mit zur Sprache kommt.

Vorab jedoch erst mal eine Einleitung zur Thematik Bernburg.

In einem Text der Wikipedia etwa kann man auch lesen:


In einem abgetrennten Teil der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Bernburg (Saale) an der Saale (Sachsen-Anhalt) befand sich zwischen dem 21. November 1940 und dem 30. Juli 1943 eine Euthanasie-Anstalt der so genannten Aktion T4. Hier wurden 9.384 Kranke und Behinderte aus 33 Fürsorge- und Pflegeeinrichtungen sowie rund 5.000 Häftlinge aus sechs Konzentrationslagern mit Kohlenstoffmonoxid in einer Gasklammer ermordet.
Heute befindet sich an dieser Stelle die Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie" Bernburg

.http://de.wikipedia.org/wiki/NS-T%C3%B6tungsanstalt_Bernburg

Herr Andreas Maislinger zitiert auf einer seiner Webseiten unter anderem:
http://www.maislinger.net/links/nsopferbraunau.htm

Sax (Sachs) Anna:
Braunau/Mattighofen, Zeugin Jehovas, 1942 in Bernburg an der Saale vergast


Eine andere Quelle erwähnt:
Maria Schunko
1906 Graz – 1941 Bernburg an der Saale
... kam angeblich 1941 in der Haft in Bernburg ums Leben.

http://alltag.mur.at/lexikon/schunko-maria

Eine weitere Quelle notiert:
Anna Bassinger (Gera; geb. 1891), Mutter von zwei Kindern und verwitwet, kam nach mehrjähriger Gefängnishaft im September 1940 nach Ravensbrück. Sie verstarb am 8.5.1942 als Häftling 4018, angeblich "trotz aller ärztlicher Bemühungen", als "Euthanasie"-Opfer in Bernburg. (Auf der Sterbeurkunde wird sie, wie die anderen tief gläubigen Zeugen Jehovas, als "glaubenslos" bezeichnet.)

Hildegard Blumstengel (Langenleuba; geb. 1904) trug eine Prothese (Unterschenkelamputation) und überlebte die mörderische Haft in den KZ Moringen und Lichtenburg. Die Invalidin wurde am 16.6.1942 als Ravensbrück-Häftling in Bernburg vergast.

Elisabeth Emter (Freiburg; geb. 1908), Häftling 3591, war im Krankenbau des Lagers, als sie auf "Dunkeltransport" kam und am 21.7.1942 in Bernburg durch Gas ermordet wurde. Bürger der Stadt Freiburg hatten sich vergeblich um die Freilassung der sechsfachen Mutter bemüht.


http://www.ravensbrueck.de/mgr/deutsch/ausstellung/sonderausst/lilawinkel.htm

In einem Text von Hans Hesse kann man lesen:
„Über das Geschehen in Bernburg gibt es eine Schilderung, die auf Recherchen aus dem Jahre 1947 basiert:
"Die Vernichtungsaktion war ungefähr folgende:
Von auswärts kamen große Omnibusse, die die Kranken hierher brachten.
Soweit wir bis jetzt feststellen konnten, wurden die Omnibusse von der Kranken- Transport GmbH Berlin, Potsdamer Platz l gestellt. Die Omnibusse fuhren in eine Garage, dort stiegen die Kranken und z.T. auch Gesunden, d.h. Politische Gefangene, Angehörige anderer Rassen usw., auch Soldaten des Ersten Weltkrieges aus, benutzten einen dafür besonders eingerichteten Eingang, um durch verschiedene Büroräume zu gehen, wo sie registriert wurden, entkleidet, untersucht und mit einem Nummerstempel versehen. Sie mußten dann in die Kellerräume gehen, wo ein besonders eingerichteter Raum bestand, der wie eine Duschanlage aussah. Dieser Raum, in dem etwa 80 bis 100 Personen stehend Platz hatten, wurde dann fest verschlossen.
Die zum Tode Ausersehenen warteten vergebens auf das Wasser, statt dessen strömte Gas aus den Brausen. Nach wahrscheinlich qualvollem Kampfe trat der Tod ein. Die Leichen wurden sodann auf einer Schmalspurbahn in den Sezierraum gebracht, in dem 2 Seziertische aufgestellt waren, dann entnahm man den Leichen die gewünschten Teile, insbesondere Gehirne. Die entnommenen Leichenteile wurden in besonderen Gläsern verschickt. Danach kamen die Leichen dann in den Verbrennungsofen, wo sie auf offenem Rost verbrannt wurden."

Die Verwandten wurden durch Lügen über den wahren Tod bzw. Die Ermordung getäuscht. Der stellvertretende Lagerdirektor Koegel teilte z.B. Der Schwester der in Bernburg vergasten Zeugin Jehovas Elisabeth Emter in einem Schreiben vom 21. Juli 1942 mit, daß sie sich eine Woche zuvor krankgemeldet habe und deshalb ins Krankenrevier gekommen sei. "Trotz aller angewandter ärztlicher Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden. [...] Ich spreche Ihnen zu diesem Verlust mein Beileid aus. Ihre Schwester hat keine letzten Wünsche geäußert."


Vorstehende Zitate erheben keinen Anspruch auf „Vollständigkeit". Sie machen aber in etwa deutlich, was sich in Bernburg abgespielt hatte.
Und auch dass kann man sagen. Jene Zeugen Jehovas, die aus den KZ auf den Vernichtungstransport nach Bernburg geschickt wurden, gehörten nicht selten zu der Kategorie der im SS-Jargon so genannten „Extremen".

Exkurs:
Margarete Buber-Neumann über die sogenannten „Extremen" und ihr Schicksal

Ergänzend die Anmerkung.
Hans Hesse etwa meint, die dem SS-Jargon entstammende Klassifizierung, müsse nicht zwangsläufig für die gesamte KZ-Zeit der einzelnen Betroffenen gelten. Dem mag so sein oder auch nicht.
Dann noch dieses. Seitens der Zeugen Jehovas wird gerne Protest gegen die Vokabel „Extreme" angemeldet, dieweil das ja keine selbst gegebene Eigenbezeichnung sei.
Auch das kann meines Erachtens nicht überbewertet werden.
Erinnert sei eben auch daran, dass selbst im Bericht der Frau Buber-Neumann diese Vokabel Verwendung findet. Man könnte es etwa damit vergleichen. Die frühe Bibelforscherbewegung, wurde nicht selten von ihren Gegnern als „Russelliten" bezeichnet. Auch das war mit Sicherheit keine Selbstbezeichnung. Allenfalls eine Vokabel aus dem Umfeld. So muss letztendlich auch die Bezeichnung „Extreme" eingeordnet werden.

Und nun zu dem angekündigten Exkurs aus Buber-Neumann:


Eine junge Bibelforscherin, Ilse Unterdörfer, entdeckte im Alten Testament den Befehl Jehovas: »Lasset das Blut zur Erde fließen!« und erläuterte ihren Schwestern, daß man fortan das Essen der Blutwurst einstellen müsse.
Ungefähr fünfundzwanzig der »Extremen« beschlossen, von nun ab die Annahme der Blutwurst zu verweigern. -
Es gab unter den Bibelforschem drei »Fraktionen«, die »Extremen«, die »schwankende Mitte« und die »Gemäßigten«. Sie trugen regelrechte Fraktionskämpfe aus, bezichtigten einander des Verrats an den Glaubenssätzen, wozu sie Vergleiche aus der biblischen Geschichte heranzogen, und legten ihren Fraktionsgegnern Namen alttestamentarischer Verräter zu.

Als ich von dieser Weigerung hörte, nahm ich an, die Blutwurst schmecke meinen Bibelforschem schlecht, denn sie war wirklich nicht delikat. Darum machte ich ihnen den Vorschlag, soweit es durchführbar war, allen denen, die keine Blutwurst mochten. Leberwurst zu geben.

Aber da hatte ich nicht mit Jehovas Befehl gerechnet. Denn es ging ja gar nicht um die Blutwurst, es ging um eine Demonstration zu Ehren Jehovas. Die Extremen mußten von sich reden machen, sie wollten einen Angriff der SS provozieren, es gelüstete sie nach Leiden. Und so fertigten sie eine Liste mit den Namen aller derer an, die laut Jehovas Befehl von nun ab den Genuß der Blutwurst verweigerten. Die Liste wurde »nach vom« gebracht, und die SS lachte sich ins Fäustchen:
Wenn die keine Blutwurst fressen wollen, kriegen sie auch keine Margarine. Eine vorzügliche Sparmaßnahme.

Der ersten »Verweigerer-Liste« folgte eine zweite. Erbitterte Kämpfe zwischen den »Extremen« und »Gemäßigten« wurden auf dem Bibelforscherblock ausgetragen. Wie zu erwarten war, reagierte die Lagerleitung nicht nur mit dem Entzug der Margarine, sondern ersann drastischere Maßnahmen. Die Oberaufseherin Zimmer war die Initiatorin.
Der Bibelforscher-Block bekam hundert asoziale Zugänge, darunter alle »Schmuckstücke«, das bedeutete die »Lagertrottel«, die Bettnässer, Epileptiker, die Frauen mit Ticks in allen Schattierungen. Das war die Strafe.
Diese hundert sollten über die Bibelforscher wachen, das heißt, sie denunzieren, wenn sie sie beim »Auslegen der Bibel« oder bei religiösen Gesprächen erwischten. Das war ein schwerer Schlag für die »Zeugen Jehovas«, aber nicht minder für deren Blockälteste.
Denunziation, Diebstahl, Prügelei waren in unseren friedvollen Block eingebrochen wie die Wölfe in die Schafherde. -
Zur Ehre der Bibelforscher sei gesagt, daß sie mich in rührender Weise bei meinem schweren Amt unterstützt haben und daß ich mit ihrer Hilfe ein halbes Jahr - so lange währte diese Strafe - alle gefährlichen Klippen ohne eine Meldung umschiffen konnte und, was die höchste Leistung war, das alles, obwohl der Block 3 weiterhin Besichtigungsblock blieb. Die Bibelforscher verdoppelten ihre Anstrengungen und hielten ihren »Musterblock« auch mit den Asozialen in Ordnung.

Diese Strafmaßnahme endete in einer so grotesken Weise, daß ich darin fast die Hand Jehovas sah. In den ersten Wochen versuchte ich, den Bibelforschem wenigstens einige Positionen zu retten. Ich ließ sie an den hinteren Tischen beieinander sitzen, damit die Asozialen nicht jedes Gespräch überwachen konnten, und gab den Asozialen, die alle jung waren, im Schlafsaal die Betten des »dritten Stockwerks«. Zwar hatte das peinliche Folgen, es waren nämlich unter den »Schmuckstücken« viele Bettnässer, und die bepinkelten nun Nacht für Nacht die unter ihnen schlafenden Zeugen Jehovas.

Eines schönen Sonntags aber kam unsere Feindin, die Oberaufseherin Zimmer. Sie stellte sofort diese saubere Scheidung zwischen den Schafen und den Böcken fest und putzte mich herunter:
»Daß Sie die Bibelforscher unterstützen und verantwortlich sind für das ganze Theater auf dem Block, ist mir schon lange klar! Sofort werden Asoziale und Bibelwürmer durcheinandergesetzt! Daß ich nicht noch einmal hören muß, daß eine von den Trutschen mit der anderen über Jehovan quatscht! Verstanden!«
- »Jawohl, Frau Oberaufseherin«, hauchte ich, und sie watschelte davon. -
Nun war's geschehen! Aber welche Folgen hatte das? Die Bibelforscher nahmen sich liebevoll der »Schmuckstücke« an.
Sie fragten, ob sie vielleicht Hunger hätten und ihre »Nachkelle« haben möchten oder etwa eine Scheibe Brot? -
Und wie gern die das wollten! So peu ä peu sah ich abends oder sonntags freundschaftlich plaudernd nebeneinander auf der Lagerstraße je eine Bibelforscherin und eine Asoziale wandeln. Und der Gesprächsstoff? Es wurde »Zeugnis abgelegt«! Die Bibelforscher ergriff ein neuer Fanatismus. Nicht nur in meinem Block, nein, bei den Zigeunern und wo sich eine Gelegenheit bot, verbreiteten sie die Lehren Jehovas und bereiteten die »Erleuchtung neuer Zeugen« vor.

In kurzer Zeit häuften sich die Fälle: Asoziale, Zigeuner, eine Polin, eine Jüdin, Leichtpolitische meldeten sich »nach vom« und erklärten, von nun ab »Zeugen Jehovas« zu sein, und baten um einen lila Winkel und Verlegung in den Bibelforscher-Block. Die SS beschimpfte sie, schmiß sie raus und ergriff als erste hysterische Maßnahme die sofortige Verlegung der hundert Asozialen von unserem Block. Ich atmete tief und glücklich auf, die Bibelforscher dankten Jehova. ...

Im Herbst 1942 ging ein neuer Transport Frauen nach Auschwitz, unter ihnen auch alle »extremen« Bibelforscherinnen.
Noch immer wußten wir nichts Genaues über Auschwitz. Aber bald sollte ich die erste Aufklärung erhalten.

Wenn sich ein Häftling der Siemens-Kolonne krank fühlte, wurde er im Betrieb aufgeschrieben, von dort aus ins Revier geführt und vorzugsweise behandelt, das heißt, man brauchte nicht stundenlang anzustehen. Die Firma Siemens war daran interessiert, den »Arbeitsausfall« nach Möglichkeit zu verkürzen. Bei einem solchen Gang ins Revier bemerkte ich eine Kolonne Bibelforscher, die beim Zellenbau in der Ecke des Lagerplatzes stand. Ich konnte die Gesichter nicht genau unterscheiden, aber sie kamen mir bekannt vor. Unter dem Vorwand, etwas in der Baracke vergessen zu haben, schlich ich mich von hinten an den Zellenbau, und schon hatten sie mich erkannt.

Es waren zwölf oder fünfzehn von den Extremen, die vor kurzem erst nach Auschwitz gebracht und nun wieder zurücktransportiert worden waren.
Eine von ihnen, Rosi Hahn aus Ischl, rief: »Komm her, Grete!
Ich muß dir etwas Wichtiges erzählen! Man hat uns von Auschwitz zurückgebracht; wir werden bestimmt hingerichtet. Aber bevor wir sterben, muß ich dir sagen, was im Lager Auschwitz Entsetzliches geschieht! Da wirft man Menschen, lebende Kinder, ja, du kannst es mir glauben, jüdische Säuglinge wirft man ins Feuer.
Über dem ganzen Lager liegt Tag und Nacht der Gestank nach verbranntem Menschenfleisch. - Du glaubst es nicht? So wie ich hier stehe, ich spreche die Wahrheit, die reine Wahrheit!«

Ihr früher einmal schönes Gesicht war gelb, mit tiefen Furchen in den Wangen; die welken Lippen entblößten beim Sprechen gesunde weiße Zähne. Voller Leben waren nur die Augen und ihre eindringliche Stimme. Die anderen Bibelforscherinnen nickten stumm und sahen teilnahmslos auf mich. Ich glaubte kein Wort von allem, dachte nur, jetzt haben sie völlig den Verstand verloren.

Um irgend etwas zu sagen und wieder fortlaufen zu können, meinte ich: »Ihr kommt doch sicher gleich auf Block 17. Heute abend besuche ich euch, und wir sprechen weiter über Auschwitz.«
»Nein, uns bringt man in den Zellenbau und dann zum Erschießen.«
Mit einem Würgen in der Kehle lief ich davon. - Und noch am selben Tage lud man die Bibelforscherinnen in den Gefängniswagen, der zum Lagertor hinausfuhr. Kurz danach kamen ihre Häftlingskleider mit Winkel und Gefangenennummer zurück zur Kammer. Man hatte das Todesurteil wegen Arbeitsverweigerung an ihnen vollstreckt.


Soweit also die bereits bekannte Sachlage.

Ob auch die in nachfolgendem Link genannte Sachlage „bekannt" ist, wäre allerdings eine Frage, bei der ich so meine Zweifel hätte.
Und vor allem den, dass es auch nach 1945, seitens der WTG, dazu keine glaubwürdige Aufarbeitung eines Artikels aus dem „Goldenen Zeitalter" vom 15. 10. 1933 gibt!

Das „Goldene Zeitalter" als Verfechter der Euthanasie!


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