Der unbotmäßige Hund
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. September 2012 00:13
Im Zeitspiegel
Wie war das noch mal mit dem Hund, welcher den Hasen nicht gekriegt hat?
Der Legende nach soll der Hund ein gewisses Bedürfnis getätigt haben. Und wegen diesem "Zeitverlust" habe er dann eben den Hasen nicht mehr erwischt, wie er es doch so sein sollte.
Für die Legendenbastler der Dolchstoß-Legende im Nachgang des ersten Weltkrieg, ist ihr "Wissensfundus" ebenso unerschütterlich wie für diejenigen die da im voraus prophezeiten: Der Hund wird den Hasen bekommen, wenn ...
Ja wenn. Letztendlich hat aber besagter Hund den Hasen eben nicht bekommen.

Diesen Status nimmt dann für die Legendenbastler der Dolchstoßlegende die "Marneschlacht 1914" ein. Ein vermeintlich "sicherer Sieg" war analog dem aufmüpfigen Hund, dann doch nicht ganz so sicher.

Wer sich mal in die entsprechende Legendenliteratur (etwa die von dem
Obermärchen-Erzähler General Ludendorff
etwas näher eingelesen hat, demjenigen wird da alsbald ein "Buhmann-Name" besonders in die Augen stechen. Ein gewisser Oberstleutnant Hentsch, und sein Vorgesetzter Generalobertst v. Moltke.
Beide haben dann die einschlägigen Märchenerzähler als die besonderen Übeltäter der verlorenen Marneschlacht ausgemacht. Ich kann und will das militärische in der Bewertung nicht selbst bewerten.
Ich stelle nur fest, es gibt offenbar verschiedene Arten von (nachträglichen) Märchenerzählern dazu.
Zwar hört der Hauptmärchen-Erzähler auf den Namen Ludendorff, was für Sachkenner kaum strittig sein kann (zumindest heutzutage nicht strittig sein kann).
Gleichwohl versuchten sich noch ein paar mehr mit ihren "Erklärungsversuchen".
So auch einer in der "Freiburger Zeitung" vom 11. 9. 1932, welcher sich dort in einem Artikel verbreitete, welchem er den Titel gab:
"Ein Ausgangspunkt unserer Not.
Betrachtung zum französischen 'Marnewunder' 1914"
Da streiten sich also die Auguren, welcher "Hundebesitzer" der zünftigste ist ...

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=11r2&year=1932&month=09&project=3&anzahl=10

Man vergleiche auch das Dementi in der "Freiburger Zeitung" vom 12. 4. 1934, dort unter der Überschrift: "Die Vorgänge um die Marneschlacht".
Auch wenn er denn in diesem Artikel nicht namentlich genannt wird, kann es für mit der Sachlage sich befasst habende, keinen Zweifel unterliegen, dass damit vor allem und zuerst, die Thesen des Obermärchenerzählers Ludendorff, zurück gewiesen werden.
Ludendorff hätte ja nur zu gerne den Posten von Hitler innegehabt. Das war ihm aber nicht vergönnt.
Ergo bestand für das Reichswehrministerium auch keinerlei Veranlassung mehr, jetzt wo Hitler am Ruder saß, auf die Empfindlichkeiten der Mimose Ludendorff, sonderliche Rücksicht zu nehmen.

http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=12a&year=1934&month=04&project=3&anzahl=8
 

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