Miesmachen höherer Bildungsformen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 16. Mai 2012 03:12
Vor sechzig Jahren
Scheinheilig fragt der „Wachtturm" in seiner Ausgabe vom 15. 5. 1952:
„Sollen wir die Schule weiter besuchen oder nicht?"

Es ist offenkundig, dass damit nicht die Wahrnehmung der gesetzlichen Grundschulpflicht in Frage gestellt wird. Die wird respektiert. Die Fragestellung bezieht sich denn auf weiterführende Schulformen, die ein gewisses Maß an Selbstinitiative und Freiwilligkeit voraussetzen.
Die Diktion jenes Artikels läuft denn auch darauf hinaus, dass man - theoretisch - das Für und Wider beleuchten will. Allein aber schon das man das zu einer „zu klärenden Frage" erklärt, macht doch wohl deutlich, wohin die Sympathie der WTG, noch mehr in Beeinflussungsdruck, hingeht. Und so versäumt sie es denn auch nicht ausführlichst, jene Aspekte darzustellen, die aus WTG-Sicht gegen den Besuch höherer Schulformen sprechen. Und so findet man in diesem Artikel denn auch solche Sätze wie die:

„Oder wäre es besser gewesen, in den Vollzeitdienst, den Dienst für unsern Gott Jehovas einzutreten? Schaut, weil wir uns geweiht haben, den Willen Gottes zu tun, sind wir nicht wie die andern hier in der Schule, deren einziges Streben es ist, vorwärtszukommen, eine hohe soziale Stellung zu erlangen und einen Haufen Geld zu verdienen. Wir wissen, dass dieses alte System der Dinge in Harmagedon bald vernichtet wird; was für Gründe sprechen also dafür, eine höhere Schule zu besuchen, wenn wir im Felde sein könnten, um andere zu warnen? Und ausserdem besteht die grosse Gefahr, dass man in den Treibsand der Unsittlichkeit gerät oder wegen der gottlosen Zustände an heutigen Schulen seinen Glauben ganz verliert."

Weiter meint der „Wachtturm" zu wissen:

„Die Bildungssysteme sind sehr mangelhaft und der laufende Studiengang für einen Christen von wenig praktischem Wert. Die vor Harmagedon verbleibende kurze Zeit sollte so nutzbringend als möglich verbracht werden. Der Druck auf den Glauben und die Lauterkeit eines Schülers von jeder Seite des Schullebens her ist für den Schüler schwer. Von der einen Seite wird seinem Sinn fortwährend die Evolutionstheorie und der Unglaube aufgezwungen, und aus anderer Richtung suchen die Kräfte der Unsittlichkeit seine christliche Grundlage zu untergraben und zu zerstören. Wer offen Stellung nimmt für Gottes Königreich der Gerechtigkeit als des Menschen einzige Hoffnung wird oft boshaft verleumdet, lächerlich gemacht und von der Studentenschar wie von der Lehrerschaft verfolgt."

Und um weiter „nachzulegen" tönt der WT:

„alle Unterrichteten werden unbedenklich zugeben, dass in den gegenwärtigen Bildungssystemen manches verkehrt ist ..."

Kernsatz für den WT ist in der Sache aber wohl der:

„Es ist gut, wenn du deinen Sinn und auch dem Sinn anderer die Nähe Harmagedons einprägst ... Es wird somit offenbar, dass die oben erwähnten Gründe ... dafür sprechen, dass man nicht in eine höhere Schule gehe."

Das einzigste was der WT zubilligen will, sind Ausbildungselemente, die für den WTG-Predigtdienst nützlich sein könnten. Deren Wahrnehmung widerspricht er nicht, meint aber den sinnigen Vergleich dazu mit ins Argumentationsfeld einbringen zu sollen:

„Denkt daran; Jesus war ein Zimmermann und Paulus ein Zeltmacher, andere waren Fischer ... Es ist daher für Glieder der Organisation des Herrn, die ihr Leben dem Königreich geweiht haben, gut, wenn sie sich von einer Teilnahme an Schulsport oder Athletik und von gesellschaftlichen Anlässen der höheren Schulen zurückhalten. Indem sich jemand von den Dingen dieser Welt abgesondert hält, kann er sich zum Felddienste völliger mit des Herrn Volk verbinden."

Re: Miesmachen höherer Bildungsformen
geschrieben von:  sebe
Datum: 16. Mai 2012 08:33
Ja, ja die WTO unterstützt großzügig ihre Schäfchen und bezahlt dann auch die Renten ?! Aber der Staat bezahlt doch und gewährt denen noch die Anerkennung
als KdöR--super!!

Man vergleiche auch das "abrechnende" im Internet kursierende Video einer jungen Frau, deren Eltern die Unterbrechung ihrer WTG-Karriere, infolge des zwangsweisen verlassens der WTG-Zentrale, offenbar nicht positiv verarbeiten konnten. Die "liebevolle" Erziehung, die sie da ihren Kindern zuteil werden liessen, bewirkten im Falle Gaby L. den fluchtartigen Ausbruch aus dieser Familie bei sich bietender Gelegenheit.
http://s187.photobucket.com/user/wtcleanup/media/Zeugen%20Jehovas/07_swr_paradies_ketten.mp4.html?sort=4&o=3#/user/wtcleanup/media/Zeugen%20Jehovas/08_abgehauen.mp4.html?sort=4&o=5&_suid=139261794311903091487095108568

Kommentar der im Video gezeigten Akteurin, unter anderem in separaten Internet-Postings

Von Gaby L. am Mittwoch, den 30. April, 2003 - 13:00:
Heinz, mein Alter kann da ein Liedchen von singen. Er hat brav eine Ausbildung zum Mechaniker (Mechaniker, Dreher und Maschinenbauer waren damals wohl angeblich darin vereint) gemacht, ist danach ins Bethel, und war 7 Jahre lang dort. Immer wieder erzählte er, dass die "Neuen" prinzipiell erstmal zum Klos putzen angestellt wurden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er tatsächlich die 7 Jahre lag in seinem Beruf eingesetzt wurde. Er hat zwar an der "Emma", der alten Rota, gesessen, aber was hat das bitte mit seinem Lehrberuf zu tun? Als er dann heiratete, gingen die beiden sofort in Sonderdienst (ohne Krankenversicherung, nur ein winziges Taschengeld, die mussten quasi sparen, damit sie sich das Kranksein erlauben konnten…), auf den Tag genau ein Jahr später trudelte ich ein und "zerstörte" ihnen ihr ach so theokratisches Leben. Schließlich wurde man ja bestens von seinen Glaubensbrüdern versorgt…

Tja, und nu ging die Stellensuche los. Er fand einen Job, als Maschineneinsteller in einer Kuvertfabrik. Für nen Appel und 'n Ei. Er verdiente total wenig. So lange er den Job noch hatte, ging es bei uns zu Hause noch human zu. Spartanisch aber human. Dann wurde zuerst Kurzarbeit eingeführt (weniger arbeiten bei noch weniger Lohn), dann wurde die Firma von einer anderen übernommen und Schluss war mit lustig.

Zum Glück (und da hatte er echt mehr Glück als Verstand) hatte gerade eine Firma für hydraulische Aufzugsteuerungen aufgemacht, und die suchten noch einen Dreher. Wie durch ein Wunder bekam er die Stelle, und beim Vertragsabschluss legte der Chef von sich aus 50 Pf. die Stunde mehr drauf, als ursprünglich ausgemacht. Er bekam damals 16,50 DM die Stunde.

Wenn ich's richtig weiß, dann war Dreher damals schon ein eigener Lehrberuf, so dass er quasi als Dreher eingestellt wurde, obwohl er das offiziell gar nicht gelernt hatte. Was auch nochmal den Preis drückt.

Jedenfalls ist so der Lebenslauf versaut, und er kann von Glück reden, wenn er bis zur Rente in diesem Betrieb arbeiten kann.

Ich selber habe 4 Jahre Lücke im Lebenslauf, denn als ich heiratete, hatte ich brav einen auf Hausfrau zu machen und schön in den Dienst zu gehen. Erklär das mal einem zukünftigen Arbeitgeber. Entweder sie nehmen dich gleich gar nicht, wenn du die Wahrheit sagst, oder du lügst denen irgendwas von "habe kranke Oma gepflegt" oder sowas, und wirst so im Preis gedrückt.

An meiner Oma sehe ich jetzt, zu was es führen kann, wenn man eine Zeitlang nicht voll arbeiten kann. Sie musste, da ihr Mann sie verlassen hatte und keinen Unterhalt zahlte, 17 Jahre lang (!!!!) Teilzeit arbeiten. Nun fehlen ihr diese 17 Jahre an der Rente. Ganz toll.

Okay, letzteres hatte jetzt weniger mit ZJ zu tun, da sie denen zu dem Zeitpunkt schon den Rücken gekehrt hatte, aber ich wollte damit nur mal veranschaulichen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn du ne längere Lücke im Lebenslauf hast.

Gerade in der jetzigen Zeit suchen die Arbeitgeber doch nur wie die Bekloppten nach irgendeiner Möglichkeit, weniger zahlen zu können.

Da kriegst du dann zu hören, "Sie kriegen nur 8 EUR die Stunde, weil Sie 4 Jahre Lücke im Lebenslauf haben" oder "was wollen Sie denn, 8 EUR die Stunde reicht doch voll und ganz, immerhin sind sie arbeitslos, seien Sie froh, wenn Sie was bekommen" usw. Einfach grässlich, momentan."

Forumsarchiv A 38

 

Re: Miesmachen höherer Bildungsformen

geschrieben von:  Frau von x
Datum: 17. Mai 2012 14:06Drahbeck
Vor sechzig Jahren
„Wachtturm" Ausgabe vom 15. 5. 1952:
„Sollen wir die Schule weiter besuchen oder nicht?"

Wir wissen, dass dieses alte System der Dinge in Harmagedon bald vernichtet wird; was für Gründe sprechen also dafür, eine höhere Schule zu besuchen, wenn wir im Felde sein könnten, um andere zu warnen?.

„ Die Bildungssysteme sind sehr mangelhaft und der laufende Studiengang für einen Christen von wenig praktischem Wert. Die vor Harmagedon verbleibende kurze Zeit sollte so nutzbringend als möglich verbracht werden.

Es ist gut, wenn du deinen Sinn und auch dem Sinn anderer die Nähe Harmagedons einprägst ... Es wird somit offenbar, dass die oben erwähnten Gründe ... dafür sprechen, dass man nicht in eine höhere Schule gehe.

Weil es leider Menschen gab und immer noch gibt, die auf die Führung der WTG hören, passiert dann folgendes:
WT vom 15.MÄRZ 2012 S.27 Abs.11 und S.28 Abs.13/14:

Leider gibt es den einen oder anderen, der Opfer gebracht hat, sie im Rückblick aber als verpasste Gelegenheit betrachtet. Hattest du die Chance auf eine akademische Bildung eine angesehene Stellung oder finanzielle Sicherheit, hast sie aber ausgeschlagen? Viele Brüder und Schwestern haben gut bezahlte Stellungen in der Geschäftswelt, der Unterhaltungsbranche, im Bildungsbereich oder im Sport aufgegeben. Jetzt ist einige Zeit vergangen und das Ende ist noch nicht gekommen. Malst du dir eventuell aus, wie du wohl dastehen würdest, wenn du diese Opfer nicht gebracht hättest?

Wie können wir gegensteuern, wenn unsere Gedanken anfangen darum zu kreisen, was aus uns hätte werden können? ... Mach dir bewußt, ...
... was Jehova ... für die Zukunft versprochen hat?

Anschließend erwähnt Paulus etwas, was uns helfen wird, Jehova auch in Zukunft treu zu dienen. ... Paulus nennt also zwei Schritte, die beide notwendig sind: Erstens müssen wir vergessen, was wir hinter uns gelassen haben - dürfen also unsere kostbare Kraft und Zeit nicht damit vergeuden uns darum noch allzu viele Gedanken zu machen. Und zweitens ist es wichtig, uns wie ein Läufer kurz vor der Ziellinie dem entgegenzustrecken, was vor uns liegt, und darauf konzentriert zu bleiben.


Was hatte Jehova angeblich vor 60 Jahren für die Zukunft versprochen und wie weit vor der Ziellinie waren ZJ damals?

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