Re: Nun ist er also
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. Februar 2012 12:52

Der Witz des Tages
Andernorts gelesen

http://666kb.com/i/c1i2eu3itljv34jgd.jpg

Allerdings kann ich nich verhehlen, der Text ist etwas einseitig.
Im gleichem Maße zur Belustigung geeignet, wären sicherlich auch Bilder von Protagonisten der CSPD mit analogem Text.
Wem das nicht behagt, fallweise ohne sonderliche Schwierigkeiten wäre der Parteiname auch auswechselbar.
Besonders prädestiniert wären da beispielsweise, die sogenannten „Linken" allen voran der Landesverband Sachsen selbiger, mit ihrem „trojanischen Pferd ..."
Auch weiter geeignet (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, alphabetisch sortiert) noch
CSU
FDP

Etwas Nachhilfeunterricht für (unter anderem) Frau Andrea Nahles von der CSPD.

Nachhilfeunterricht in der Form der Zitierung aus einem 1928 erschienenen Buches. Sein Verfasser machte dann noch besonders auf der Basis des Antisemitismus zu Nazizeiten weitere Karriere.
Diese weitere Karriere kann und muss man sehr wohl kritisch bis sehr kritisch sehen.
Nur im Jahre 1928 war das Naziregime noch nicht Realität. Und das zitierte Buch basiert auf seiner Dissertation.
Und das Thema, das er sich auserkoren, so sollte man meinen, sollte (vielleicht) auch für eine CSPD eine gewisse Bedeutsamkeit haben, sofern man nicht völlig Geschichtslos durch die Weltgeschichte daherstolziert.

Noch eine weitere Vorbemerkumg ist wohl angebracht. Eine der handelnden Personen in dem fraglichen Text ist auch ein gewisser Johann Most.
Von dem gibt es unter anderem ein noch heute (auch im Internet) erreichbares Buch mit dem Titel "Die Gottespest".

Ein solcher Titel klingt schrill, darüber kann es keinen Zweifel geben. Und man muss auch weiter sehen, die schon damals verbürgerlichte SPD und die Wege des Herrn Most, trennten sich je länger, um so mehr.
Zum Zeitpunkt indes, von dem das noch zu bringende Zitat handelt, war vielleicht diese Trennungsphase noch nicht gegeben, vielleicht bestenfalls an ihrem Anfang.
Und zum Ort der Handlung wäre noch zu bemerken. Es war der Deutsche Reichstag. Von manchen auch als "Schwatzbude" bezeichnet.

Ein zweiter Akteur kommt in dem Text auch noch mit vor (vielleicht spielte der gar die tragische Hauptrolle). Der war in Personalunion zugleich Hof- und Domprediger in Berlin.
Und letzterer Herr Adolf Stoecker hielt in besagter "Schwatzbude" auch eine in die Geschichte eingegangene Rede.

Nun mag es genug der Vorrede sein, gehen wir zum eigentlichen Text über. Ein Zitat aus dem Buch von Walter Frank mit dem Titel: "Hofprediger Adolf Stoecker und die christlichsoziale Bewegung"
Auf einen weiteren Kommentar verzichte ich und lasse im nachfolgenden, besagten Herr Frank für sich sprechen:

Bei Stoecker stand es von vornherein fest, daß es nötig sei, nicht bloß zu reden, sondern der sozialdemokratischen Organisation eine andere entgegenzusetzen, in welche die gesunden Elemente aufgenommen und die zurückeroberten Sozialdemokraten hineingerettet werden konnten:

„Denn sie wählen weder konservativ noch liberal sondern sozialdemokratisch, wenn man ihnen keine andere Organisation schafft."

Nach dieser psychologisch meisterhaft berechneten Einführung wendet sich der Redner dem sozialdemokratischen Programm zu und entwickelt demgegenüber seine eigenen Ansichten über die Lösung der sozialen Frage: die Arbeiter sollten vom Staat. Der endlich das System des Laisser faire durchbrechen müsse, praktische Reformen fordern und deshalb nicht die Hand der Besitzenden, die ebenfalls für Reform seien, zurückstoßen. Aber „sie hassen Ihr Vaterland. Aus Ihrer Presse glüht dieser Haß schrecklich heraus. Und das ist schlecht; das Vaterland hassen, das ist, wie wenn einer seine Mutter haßt."

„Sie hassen auch das Christentum. Meine Herren, ich habe schon am Sterbebett vieler Arbeiter gestanden und habe den schweren Kampf mit dem Tode gesehen. Aber wenn ich die Heilige Schrift aufschlug, ihnen Gottes Wort vorlas und mit ihnen betete, dann wurde der Kampf leichter. Sie können mir glauben, das habe ich erfahren." Nur eine christliche und patriotische Arbeiterpartei habe eine Zukunft; die Arbeiterschaft müsse ihren Frieden machen mit dem bestehenden Staat und der Kirche.
Auch sei es Unrecht, wenn die Sozialdemokratie die Pastoren beschuldige, die seien Verbündete des Kapitals.
„Eins erbitte ich zum Schluß von Ihnen: Wenn Sie in Ihren Blättern wieder die schnöde Rede lesen von den Pfaffen, die das Volk nicht lieb haben, dann glauben Sie der Lüge nicht. Ich meine es treu, ehrlich und gut mit dem Arbeiterstande, so wahr mir Gott helfe!"

Der Bericht der „Kreuzzeitung" verzeichnet nach diesen Schlußworten „stürmisches Zischen und große Unruhe. Ironisches Bravo. Anhaltendes läuten der Präsidentenglocke."

Aber mit wildem Händeklatschen begrüßt, trat Johann Most an das Rednerpult. Wie Quacksalber - so schildert es der Bericht eines Augenzeugen - schnellte er von seinem Sitze auf und nahm, mit stürmischen Jubel von seinen Parteigenossen begrüßt, das Wort.

Hierauf rekapitulierte der wilde Most fast Satz für Satz der Rede des Hofpredigers, glossierte sie mit der ihm eigenen ätzenden Schärfe der Dialektik, und redete sich dabei nach und nach in eine förmliche Wut hinein gegen die bestehenden Gesellschaftseinrichtungen das Christentum und die Pfaffen.

Es sei zu bezweifeln (rief er), ob in den Kreisen, in welchen der Herr Hofprediger sich bewege, Verständnis für die Not des Volkes vorhanden sei.

Most war von einer furchtsamen Beredsamkeit und riß die Masse wie im Wirbelwind mit sich fort, so daß diese selbst kaum wußte, wie ihr geschah.

Selbst wenn das gesamte Pfaffentum die Sonne verfinstere und wie ein Heuschreckensturm heranstürmen sollte - rief er zum Schluß in förmlicher Ekstase - so würden sich die sozialdemokratischen Arbeiter nicht von ihren Wegen und Zielen abbringen lassen. Die Sozialdemokratie würde an die Stelle der heutigen rabenmütterlichen Gesellschaft eine neue setzen. Die Tage des Christentums seien gezählt und den Priestern könne man nur zurufen: Macht Eure Rechnung mit Eurem Himmel, Eure Uhr ist abgelaufen!

Stoecker (II)
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 27. Februar 2012 10:16

Drahbeck
Etwas Nachhilfeunterricht für (unter anderem) Frau Andrea Nahles von der CSPD.
Nachhilfeunterricht in der Form der Zitierung aus einem 1928 erschienenen Buches.

Wie ging es den so weiter mit dem Herrn Stoecker? Auch da ist einiges lehrreich.
Der 1835 geborene Stoecker, amtierte nach einem Intermezzo als Hauslehrer in adligen Familien, seit 1863 auf einer regulären Pfarrerstelle der Evangelischen Kirche.
In der indes bekam er schon 1871 einige Schwierigkeiten. Er hielt es für angebracht, den Mitgliedern seiner Gemeinde die Teilnahme an einer Tanzveranstaltung, zu untersagen. Die Gemeinde widersetzte sich. Der Konflikt nahm größere Ausmaße an. Ihn löste Stoecker dergestalt, das er sich um eine Stellung als Kanonenpastor bewarb, und die auch bekam. Ergo amtierte er seit 1871 als Divisionspfarrer in Metz (Lothringen).
Publizistisch war er auch aktiv, und schrieb einiges für die „Neue Evangelische Kirchenzeitung" namentlich im Königstreuen Sinne.
Damit wurde man am königlichen Hofe auf ihn aufmerksam und belohnte den Kanonenpastor mit der Berufung zum Domprediger nach Berlin.

„Der Kaiser hatte die Weihereden des Metzer Divisionspredigers auf den Elsaß-lothringischen Schlachtferdern gelesen und sein soldatisch-schlichtes Christentum hatte Gefallen daran gefunden."

So geschehen am 1. 10. 1874.
Kurz zuvor war das Bismarcksche Zivilstandsgesetz in Kraft getreten (im Rahmen des Kulturkampfes) welches etwa Eheschliessungen nicht mehr zwingend davon abhängig machte, dass nur ein Funktionär der Religionsindustrie sie zelebrieren dürfe.
Der Kulturkampf zielte zwar in erster Linie auf die katholische Kirche gleichwohl trafen seine Auswirkungen auch die Evangelische.

„Am selben Tag, dem Stoecker in das Amt eines königlichen Hof- und Dompredigers eintrat, am 1. Oktober 1874, trat der Zivilstand in Kraft. Der Kulturkampf erstieg noch einmal eine Höhepunkt und entzog der protestantische Kirche die bisherigen staatlichen Stützen des Zwangs zur Taufe und kirchlichen Trauung.
Die Folgen traten gerade in Berlin am greifbarsten vor die Augen; etwa 80 Prozent der Ehen blieben hier ohne kirchliche Trauung, etwa 40 Prozent der Kinder ohne Taufe. Es zeigte sich, wie wenig die protestantische Kirche, wenigstens in den großen Städten, noch im Volk verwurzelt war. Sie war auf dem Wege, eine Kirche ohne Volk zu werden."

Diese Problematikek trieben auch Stoecker mit um. Seine Antwort darauf war die, wenn das Volk nicht mehr zur Kirche gehe, müsse halt die Kirche zum Volke gehen.
Indes, das war leichter gesagt als getan.
Jedenfalls entschied sich Stoecker auch für den Weg der Gründung einer Partei im Jahre 1878, die sich „Christlichsoziale Arbeiterpartei" nannte. Indes die Resonanz auf sein Parteiangebot war mit Sicherheit nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Selbige sollte vor allem der (damaligen) Sozialdemokratie das Wasser abgraben, mit eher zweifelhaftem Erfolg, wovon auch der bereits zitierte Disput mit Johann Most kündet.
Im Bewusstsein, die Arbeiter eben nicht zu erreichen, wurde schon 1881 der Parteiname in „Christlich-Soziale Partei" umbenannt (das Arbeiter im Parteinamen also gestrichen).
Aufgrund seiner herausgehobenen Stellung als Domprediger, konnte sich Stöcker zwar einiges leisten, was anderen etwas weniger gut bekommen wäre. Indes in kirchlichen Kreisen stand er mit seiner Parteigründung weitgehend isoliert dar. Breite Unterstützung aus kirchlichen Kreisen erfuhr er jedenfalls nicht. Er wurde lediglich als Schützling des königlichen Hofes respektiert.

Mit der programmatischen Aufgabe der Arbeiter als Zielklasse wurde das Vakuum nunmehr durch Antisemitismus als neues Wesenselement ersetzt.
Seine Förderer am königlichen Hofe indes fragten sich zunehmend. Was hat denn nun der Stoecker von seinen ursprünglich angedachten Zielen erreicht. Und die nüchterne Bilanz lautete: wohl nicht viel.
Diese Ernüchterung fand dann im Jahre 1890 einen vorläufigen Abschluss:

„Am 6. November 1890 hatte die Hohenzollersche Monarchie das persönliche Band zerschnitten, das sie mit dem agitierenden Prediger verband. Am 2. Februar 1896 hatte die konservative Aristokratie, an deren Seite Stoecker in der Glanzzeit seines Tribunats gestritten hatte, den bürgerlichen Agitator fallen lassen. Am 10. Mai ächtete ihn und seine Sache der Monarch öffentlich."

Bemerkenswert auch noch dieses Zitat:

„Berlin, Schloß 28. Februar 1896.
Stoecker hat geendet, wie ich es vor Jahren vorausgesagt habe. Politische Pastoren sind ein Unding. Wer Christ ist, der ist auch sozial, christlichsozial ist Unsinn und führt zu Selbstüberhebung und Unduldsamkeit, beides dem Christentum schnurstracks zuwiderlaufend. Die Herren Pastoren sollen sich um die Seelen ihrer Gemeinden kümmern, die Nächstenliebe pflegen, aber die Politik aus dem Spiele lassen, dieweil sie das gar nichts angeht. Wilhlem I. R."

Es wurde bereits erwähnt, als Ersatz-Schlachtfeld tat sich für Stoecker zunehmend der Antisemitismus auf. Nur, er war halt nicht der einzigste, der auf diesem Felde zu grasen beliebte.
Charakteristisch dafür sind meines Erachtens auch noch die nachfolgenden Zitate:

„Der Einfluß der antisemitischen Bewegung machte sich in jenen Jahren mehr oder minder in allen politischen Parteien geltend. ...
Die antisemitischen Geister, welche er einst gerufen und welche eine Zeitlang der konservativen Partei gedient hatten, wandten sich nun gegen diese und gegen Stoecker. Mit der Parole: „Gegen Junker und Juden!" zog Ahlwardt (ein weiterer antisemitischer Agitator) im Triumphzug durch die pommerschen Lande; „Juden, Junker und Pfaffen gehören in einen Topf" ergänzte der Abgeordnete Werner.
Stoecker selbst schrieb am 7. Juli von der pommerschen Agitationsreise der Frau:

Der radikale Antisemitismus entpuppe sich immer mehr „als ländliche Sozialdemokratie unter nationaler Maske."

Auch die mittelständischen Massen der Städte fielen ihm zusehends in die Hände."

Oder auch dieses Zitat noch:

„Am 22. Juli 1993, hatte ... Stoecker persönlich eine Niederlage erlitten, welche die Verschiebung der Machtverhältnisse sehr deutlich vor Augen führte. Der Hofprediger a.D. hatte einen Vortrag über die Wahl in Neustettin angesagt. Stoecker wie der Vorsitzende waren machtlos gegenüber der rasenden Massenleidenschaft. Ahlwadts Wort: Die großen Güter müßten geteilt werden, das Stoecker als „nackten Kommunismus" bezeichnete, wurde aus der Versammlung mit: Sehr richtig! begrüßt. Die Erinnerung des Redners, daß er doch als „der Vater des Antisemitismus" gelte, erfuhr die Antwort: „Rabenvater!" Die Rede schloß unter Beifall auf der Einen, Hochrufe auf Ahlwardt und Förster auf der Seite."

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