In Sachen CV
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. August 2008 15:14
In einer Wortmeldung bei Infolink notiert

„Dass die Zeitschrift [„Christliche Veranwortung" abgekürzt CV] unter der Ägide der Stasi stand, dürfte wohl nicht umstritten sein."

Da komme ich dann nicht umhin, auch noch meinen „Senf" noch dazu zu geben.
Der Poster nahm bezug auf einen ihm eher wohl zufällig zu Gesicht gekommenen Artikel jener Zeitschrift (im fraglichen Zeitraum auch Online zugänglich), der es auch in den Artikelbestand von Infolink gebracht hatte.
Nur, eine Quellenangabe, etwa der Art. „Entnommen aus CV ..." habe ich jedenfalls dort nicht registriert.
Dieser Aspekt sei aber in der Tat nicht überbetont.
Ergo muss ja jenem Poster der Ursprung jenes Artikels aus einer anderen Quelle geläufig sein, die er aber nicht nennt ...

Dann noch zum „Kern" der Sache.
Es gibt vielerlei „Totschlagkeulen".
Eine namentlich von Alt-Bundesrepublikanern (weniger von solchen aus der vormaligen DDR) benutzte, und äußerst beliebte, ist ohne Frage die Stasi der DDR.

Da hätte ich doch mal eine zynische Rückfrage (diese Frage könnte sich übrigens auch der ZJ-Wikipedia Mitarbeiter „Osch" „hinterm Spiegel klemmen").
Ob er denn schon mal bei Einschmuggelversuch von WTG-Literatur in die vormalige DDR, eine Beschlagnahmung seines Privat-PKW erdulden musste, oder ähnliches.
Um Missverständnisse zu vermeiden. Solche Fälle gab es tatsächlich!

Wehn es in dieser Art als Westler persönlich hart getroffen haben sollte, für den habe ich vollstes Verständnis, sollte er noch heute Blut und Galle über die Stasi ausgießen.

Nur merkwürdig. Irgendwie hat es dann wohl Herr „Osch" versäumt, seine diesbezügliche Trauma-Erfahrung mal im Detail mitzuteilen. Ich habe sie jedenfalls bis heute noch nicht registriert.
Verständnis hätte ich auch für jene, die innerhalb der DDR die harte Hand der Stasi kennenlernten. Vielleicht in der Zeugen-Sache in DDR-Gefängnissen einsitzen müssten, die es dann später in den Westen verschlagen, und die heute „Abrechnung" halten. Auch für diese Bedauerswerten hätte ich durchaus Verständnis.

Sollte sich aber dieser Umstand des in DDR-Gefängnissen einsitzen müssens, auf der Basis Wehrdienst/Wehrersatzdienstverweigerung ergeben haben, könnte mein Bedauern nur jenen Anteil der erlittenenen Strafe umfassen, der über jenem liegt, den er zur gleichen Zeit, bei gleicher Verhaltensweise, auch unter Bundesrepublikanischen Verhältnissen hätte erdulden müssen.

Und dann gibt es dabei durchaus noch zwei wichtige Jahreszahlen zu benennen:
1965 und 1985.
1965 fand die letzte Verhaftungswelle von Zeugen Jehovas in der DDR, im Stile des seit 1950 bestehenden Verbotes statt.
Danach gab es das nicht mehr.
Was es in der Tat auch noch danach gab, waren Geldstrafen, zum Teil empfindlicher Art. Selbige sollen auch keineswegs verschwiegen oder bagatellisiert werden.

Indes erlaube ich mir mal die Anmerkung.
Der Altbundesrepublikanische Zeugen Jehovas Albert Grandath (darüber berichtet das Jahrbuch der Europäischen Menschenrechtskommission) führte seinen Wehrdienst-Ersatzdienstverweigerungsfall, bis vor jenem Strassburger Gerichtshof. Da konnte er nicht gleich „hinmarschieren". Davor waren erst mal alle Stufen der deutschen Justiz zu durchlaufen. Und ohne anwaltliche Unterstützung (ich glaube in dem Falle sogar solcher welche auch einen Professorentitel auf ihrer Visitenkarte anzugeben pflegen), lief da schon mal gar nichts.
Nun haben zwar Anwälte gewisse Kostenregelungen. Aber auch das pfeifen die „Spatzen von den Dächern". Ein Prof. Dr. jur wird es wohl kaum für'n Appel und einem Ei getan haben.
Nach meiner Einschätzung hat Herr Grandath, die so angefallenen nicht geringen Kosten, aus seiner eigenen privaten Tasche bezahlen müssen. Zudem blieb ein WTG-günstiger Präzendenzfall aus.

Herr Grandath mag diesbezüglich die Spitze des Eisberges darstellen. Indes die darunter liegende Pyramide, war keinesfalls „klein".

Ich erlaube mir dieses Beispiel durchaus in den Kontext zu jenen Geldstrafen zu setzen, welche die DDR verhängte.

Dann noch das Jahr 1985. Just in jenem Jahre, wurde mit Absegnung von Honecker, die Belangung von Zeugen Jehovas in der Wehrdienst-Angelegenheit, klammheimlich eingestellt. Sie wurden „einfach" „planmäßig" von den Wehrdienstbehörden nunmehr vergessen.

Und dann war übrigens 1965 auch das Gründungsjahr der CV.
Ich kann in dem Umstand, dass man nun vom Stalinistischen Terror auf eine Anti-Agitation umschaltete, im Prinzip nichts grundsätzlich Verwerfliches erkennen.

Das Anti-Agitation mag Schwächen aufweisen. Unbestritten. Das aber ist dann Angelegenheit einer konkreten Detail-Auseinandersetzung am konkreten Beispiel.

Und dann noch dieses.
Das Literatur- und Zeitschriftenwesen in der DDR war strengen Reglementierungen unterworfen. Das fing mit der „Lizensierung" an, setzte sich über Vorgegebene , oftmals streng limitierte Auflagen"höhen" fort.
Namentlich die Kirchen ächzten und stöhnten unter diesem Druck.
Außerhalb der engeren kirchlichen Publizistik, lies dass DDR-Regime zum Thema Religion nur 3 (in Worten drei) Zeitschriften zu.
Für den katholischen Bereich die „begegnung"
Für den evangelischen Bereich den „Standpunkt" (respektive seine zwei Vorläuferblätter „Glaube und Gewissen" und „Evangelisches Pfarrerblatt")
Beide eben genannten Zeitschriften waren öffentlich erhältlich. Sowohl über den Postzeitungsvertrieb als auch Zeitungskioske.

Das dritte (eben nicht öffentlich erhältliche) Blatt war die „Christliche Verantwortung" für den Zeugen Jehovas-Bereich.

Aufgrund des Aktenstudiums (etwa via ehemaliges Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR und andere Behörden). Akten die heute im Bundesarchiv verwahrt werden, steht einwandfrei fest. Alle drei genannten Blätter wurden vom DDR-Staat finanziell ausgehalten. Ihre erwirtschafteten Eigenmittel deckten keineswegs den tatsächlichen Kostenumfang.

Wer sich auf Grund des Umstandes, dass auch die CV vom DDR-Staat finanziell ausgehalten wurde, echauffiert, der möge das bitte im gleichem Umfange auch bezüglich der „begegnung" und des „Standpunktes" tun. Macht er jenes eben nicht, offenbart er zumindest seine Unobjektivität.

Und dann noch dieses. Die Stasi der DDR mag vieles auf dem „Kerbholz" haben. Darüber kann es keinen Zweifel geben.

Auch die CIA mit ihren Geheimgefägnissen und ihren Kindnäppigungen von vormaligen DDR-Bürgern, auf offener Strasse, und anderes mehr, ist alles andere als ein „Unschuldsengel" wer sich über die Stasi echauffiert und die CIA ungeschoren lässt in seinem Urteil, der offenbart zwar wie Propaganda wirken kann, auch bei ihm.

Sachgerecht ist er jedenfalls nicht!
Re: In Sachen CV
geschrieben von: Maxi
Datum: 20. August 2008 18:54
Pukt 1: Wer freiwillig Mitarbeiter bei CV war, ist einem gemeinem Stasi-Spitzel gleichzusetzten!
Punkt 2: Wehrdienstvereigerung in der DDR zu verharmlosen und mit Verweigerung in der BRD zu vergleichen ist unsachlich! Denn in der DDR wurden nicht nur die Verweigerer mit Gefängnis bestraft, sondern auch die Angehörigen
diskriminiert ( es gab genügend Fälle, wo die Frauen zur Scheidung aufgefordert wurden! Kein Häftling durfte sein Kind, wenn es in der Haftzeit geboren wurde sehen und andere natürlich auch nicht! Auch nach 20 Jahren sind das immer noch Fakten und sollten nicht verklärt werden.
Re: In Sachen CV
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. August 2008 19:50
Zu Punkt 2 erstmal
Sie unterstellen Dinge, die so nicht gesagt wurden.
Das Strafmaß in Wehrdienstangelegenheiten in der DDR war in der Tat rigoroser
Ich verlinke nochmal ein Tondokument

Ersatzdienst.1967.mp3

dessen Aussagen mal sachlich kommentiert, mich interessieren würden, was Sie dazu sagen.
Das sind Aussagen Bundesdeutscher Politiker

Zu Punkt1
Gemäß Ihrer Logik wäre dann auch Herr Wolf, Gründer von Infolink „einem Spitzel gleichzusetzen", da seine damalige Wirksamkeit auf ähnliches hinauslief, der WTG Abbruch zu tun. Der Unterschied bestände allenfalls in dem Umstand. Er tat das nicht im staatlichen Interesse.

Und was wissen Sie denn über die „Freiwilligkeit". Ein in ihrer Lesart „Freiwilliger" hat schon ab 1972 wieder die Segel gestrichen. Schön, ab 1967 dort, mit freiwilligem Halbzwang, zumindest Überrumpelung dort, und genügend mitbekommen um „bedient" zu sein...

Zwei andere muss man dann wohl auch noch nennen.
Den Herrn Dieter Pape. Der hatte in der Tat auch in der Zeugen Jehovas-Angelegenheit, DDR-Gefängnisse schon mal von innen kennen gelernt

Dann gab es da noch einen Herrn „Wolfgang Daum". Das war sein Zweitname schon. Der erste Name lautete auf Simdorn, und in solcher Eigenschaft ist er dann auch als Einbrecher ins Westberliner WTG-Bethel in die Geschichte eingegangen.
Über diese seine „Heldentat" sprach er jedenfalls bis 1972 nie

Und sie ist mir auch erst durch die Bücher von Dirksen usw. bekannt geworden.
Herr Dirksen aber, schrieb sein Buch erst nach dem Ende der DDR.
Das Daum eine verkrachte Existenz war, konnte damals schon ein Blinder mit dem Krückstock sehen. Insofern habe ich selbigen auch nicht zu verteidigen.
Allenfalls wäre in der Tat zu fragen, wie denn so wohl seine Motivation bezüglich seiner Westberliner „Heldentat" war

Insgesamt ist mir Ihr Urteil zu Holzschnittsartig.
Das Leben ist differenzierter und weist erheblich mehr Nuancen auf, die in ihrem Posting nicht zum Tragen kommen.

Kennen Sie die Broschüre von Herrn Gursky?
Ich würde ihnen deren Lektüre in diesem Kontext durchaus empfehlen

Gursky
 
Re: In Sachen CV
geschrieben von: Maxi
Datum: 21. August 2008 10:47
Danke für die Antwort, ( die mich benachteilgt in den zwei Diktaturen Wachtturmgesellschaft und DDR) natürlich nicht befriedigt! Bei aller individuellen
Lebenssituationsbetrachtung gab es für wahrheitsliebende Menschen keinen Grund mit der Stasi freiwillig zusammenzuarbeiten. Denn Zusammenarbeit hat immer die psychische und/oder physische Beeinträchtigung der Bespitzelten in Kauf genommen. Die Eigentliche Arbeit von CV bewerte ich nicht negativ, denn die Aufklärung über und gegen die Wachtturmorganisation war gut, nur die "Paten"
gefallen mir nicht! Danke auch für den Hinweis auf die Broschüre des Herrn Gursky
Re: In Sachen CV
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. August 2008 11:26
Also für meine Person kann ich dazu nur sagen.
Man erlebt es ja auch heute noch, wer denn sein „Damaskuserlebnis" mit der WTG hinter sich hat, steckt dass nur selten weg als „wäre nie etwas gewesen. Als könnte man so mir nichts dir nichts zur Tagesordnung übergehen".

Das war auch bei mir so.
Ich konnte mir den Staat nicht aussuchen, wo ich zu leben hatte.
Und meine Art der Bewältigung des WTG-Traumas war halt zu schreiben. Ein Buch,
Ich konnte auch an dem Umstand nichts ändern, dass eben das Verlagsangebot in der DDR klein war [80 Verlage insgesamt hatte jener Staat. Davon zwei konfessionell (Evangelische Verlagsanstalt und für die Katholiken der St. Benno Verlag)]

Zu meinen Entscheidungen gehörte auch.
Kirchlicher Anschlusss nunmehr? Nein danke! Ich verzichte; und das grundsätzlich.
Ergo blieb nur noch ein Verlag übrig der theoretisch in Betracht kam. Der Union-Verlag (der Ost-CDU). Dem hatte ich dann mein Manuskript eingereicht. Es wurde nicht angenommen, dass wäre auch noch hinzuzufügen.

Aber auf dem direkten Wege erfolgte die Zurückweisung nicht. Der Union-Verlag hüllte sich in permanentes Schweigen.
Er hatte seinerseits dieses Manuskript an die Zensurbehörde der DDR weitergeleitet. Die nannte sich zwar nicht so, war es aber.
Ihrer offizieller Name:
Ministerium für Kultur Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel.
Zu der erhielt ich dann eine Vorladung.
Und mündlich vorgetragen, wurde die Manuskriptablehnung mitgeteilt, inklusive Manuskript-Rückgabe.
Das war's dann.

„Aktenkundig" war ich auf jeden Fall erst mal. Und das dann eines Tages der Herr Dieter Pape bei mir auftauchte (den ich vorher nicht persönlich kannte) wunderte mich in dem Kontext eigentlich nicht. Der war schon etwas früher aufgetaucht, als besagter Ablehnungstermin.

Und der hat sich keinesfalls als hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter vorgestellt, sondern als Alibi bemüht, an der Humboldt-Universität zu studieren. Und damit sagte er noch nicht mal was falsches. Er sagte eben nur die halbe Wahrheit.
Pape erwarb sehr wohl an genannter Universität den Abschluss eines Diplom-Historikers.

Der gab mir dann unter anderem die bis dato erschienenen CV-Ausgaben, die ich vorher auch nicht kannte.
Und bei dem Ablehnungstermin im Ministerium für Kultur wurde eben auch zum Ausdruck gebracht.
Ein Erstlingswerk sei halt sehr selten schon Publikationsreif. Man würde mir doch dringend empfehlen, erst mal bei der „Christlichen Verantwortung" mitzuarbeiten ...

Tja und wie ist das heute? Da surft einer im Internet und entdeckt etwa Infolink. Trauma-Erfahrungen mit der WTG hat er vielleicht auch schon hinter sich. Ergo, meldet er sich halt im dortigen Forum an.

Und was war denn in meinem Fall (außer Zeit und Umständen) so wesentlich anderes?
Ich wüsste nicht was.
Die CV bestand schon seit Ende 1965.
Meine geschilderten Erfahrungen datieren auf 1967.
Ergo habe ich an der CV-Gründung als solches, keinerlei Aktie.
Auch wer sich heute etwa in genannten Foren anmeldet, hat an denen als solches auch keine Gründungsaktie.

Man sollte die Dinge durchaus nüchtern sehen. Dieses nüchtern sehen ist allerdings, nicht selten zu vermissen.
Re: In Sachen CV
geschrieben von:  Gerd B.
Datum: 24. August 2008 17:10
Ich hatte die CV-Blätter jahrelang bezogen, ich glaube, ich bekam sie kostenlos zugesandt, weil ich Mitarbeiter beim "Bruderdienst" bin.

Wie man auch heute noch in den Scans von Manfred ersehen kann, waren die Inhalte ziemlich objektiv. Ich kannte den Herausgeber vor der Pape-Zeit (Henry W.) persönlich. Er war früher in der Theaterszene tätig und da öffnete sich einmal versehentlich die Falltüre auf der Bühne und Henry stürzte hinab und war danach invalid, ein Pflegefall. Da wurde ihm angeboten sich mit der Herausgabe des "CV" zu befassen. Er gab mir gegenüber zu, dass ihn auch die religiöse Seite interessierte. Er war geborener Bremer, als sein Vater starb, ließen ihn die Behörden leicht ausreisen zum Begräbnis, bei dieser Gelegenheit fuhr er mit seinem Lada auch zu einer Ex-ZJ-Begegnung in den Schwarzwald, die ich damals organisierte.

Wir waren etwas mißtrauisch ihm gegenüber und waren dann ziemlich überrascht, dass er nicht nur die WTG-Szene genau kannte, sondern sich auch in der Bibel zurechtfand. Ich bat ihn auch einmal, ob er bereit wäre das Abschlußgebet zu sprechen. Er tat dies und überraschte nicht nur formulierungsmäßig sondern auch inhaltlich.

Bei diesem Treffen fragte ich ihn auch, warum im CV immer so "sozialistische Propagandasätze" eingebaut sind. Er sagte mir, das ist allgemeine DDR-Gepflogenheit, ohne solche Sätze bekämen sie kein Papier und Druckfarbe und eine Druckerei, die das auch druckte. Er musste auch immer alle Manuskripte vor dem Druck in Berlin einer bestimmten Behörde vorlegen.

Der Mitschreiber - ich glaube "IN" - besuchte oft unsere Begegnungen mit seiner Frau, gläubige Leute Reinhard I., er saß als ZJ etwa 10 Jahre lang im Gefängnis im sog. "Roten Ochsen" in Halle.

Soweit meine Eindrücke über CV.
Re: In Sachen CV
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. August 2008 18:04
Vielleicht eine kleine Detailkorrektur zum Votum von Gerd:
Nichts wesentliches, aber doch zur Vermeidung von Missverständnissen angeführt,

Zitat:
„Herausgeber vor der Pape-Zeit (Henry W.) Persönlich"

Von einer „Vor Pape-Zeit" kann man so nicht reden.
Liest man die bereits verlinkte Studie von Gursky genau, ist aus ihr auch entnehmbar. Pape war der eigentliche Inspirator, der dann aufgrund seiner Verbindungen auch durchsetzen konnte, dass das CV-Projekt gestartet wurde.

In der ersten Redaktionsphase unter Willy Müller, übte er schon entscheidenden Einfluss aus.
Das setzte sich in der zweiten Phase „Wolfgang Daum" alias Karlheinz Simdorn fort.
Zu beiden Vorgenannten Redaktionsphasen kann ich noch begrenzt mitreden, da ich sie teilweise miterlebte.

Offenbar wurde Daum dann auch eines Tages „kalt abserviert". Das habe ich nicht mehr selbst miterlebt. Entnehme aber diesbezügliche Details sowohl der CV als auch dem Buch von Hirch.

Und dann setzte die dritte von Gerd genannte Redaktionsphase ein. Die des Henry Werner Struck, der seinen Familiennnamen nie in der CV nannte und so den Eindruck erweckte, für diejenigen, die nicht eingeweiht waren. Er hiesse „Henry Werner".
Den habe ich nie kennen gelernt; habe auch meinerseits darauf keinen Wert gelegt. Die CV war zu der Zeit für mich schon „gestorben". In diese Phase fiel dann auch, dass man mich von der Versandliste der CV gestrichen hatte, weil ich in internen Schreiben an DDR-Behörden, durchaus deutliche Zerrisse der CV mit formuliert hatte.
Ich hatte sie mir zwar weiterhin angesehen. Konnte dies aber nur durch Direktanreisen zur Deutschen Bücherei Leipzig im dortigen Lesesaal realisieren.

Nun bin ich mit Sicherheit nicht „nur" wegen der CV nach Leipzig gefahren. Aber habe sie eben nebst anderem dort auch zur Einsichtnahme bestellt.

Zu dem „anderen" gehörten übrigens auch der WT und Erwachet!.
Das war die einzigste DDR-Bibliothek die ihn führte. Gesperrt war er nicht.
Gesperrte Literatur bekam man in der Deutschen Bücherei nur in einem separaten Lesesaal zur Einsichtnahme, sofern die Prozedur der vorangehenden Erlaubnisbewilligung positiv abgeschlossen sein sollte. Traf in Sonderheit für faschistische Literatur zu, Aber eben nicht „nur" diese.

Und da erinnere ich mich. Ich saß im Zeitschriftenlesesaal beim Lesen des WT und Erwachet. Und hinter mir ein anderer Leser. Der war nun ganz erstaunt was ich da so lese. Wollte auch unbedingt die Signatur selbigen wissen. Da Gespräche im Lesesaal um der Ruhe für die anderen willen, tabu sind, gab es auch keine weitere Unterhaltung diesbezüglich. Ob der die sich dann auch bestellt hat, kann ich nicht beantworten.

Zurückkehrend zur CV. Es ist richtig. In der DDR gab es faktische Zensur. Auch sämtliche CV-Ausgaben mussten vor Drucklegung, bei der Zensurstelle eingereicht werden (die sich zwar nicht so nannte - Ministerium für Kultur - es aber faktisch war).
Insofern setzte da schon mal im Vorfeld (und das keineswegs „nur" bei der CV) die selbstverordnete Selbstzensur der Redaktionen ein, um eventuellen Konfrontationen mit der Zensurbehörde schon mal aus dem Wege zu gehen.

Da ich zum Fall Henry Werner Struck nicht mehr sagen kann, als wie das, was in der einschlägigen Literatur lesbar, vielleicht noch der Hinweis. Im Internet gibt es eine Studie über die Zeugen Jehovas in Gera von Katja Eichler. Und selbiger kann man auch entnehmen, dass Frau Eichler Herrn Struck offenbar auch nach dem Ende der DDR nochmals in Sachen CV interviewt hat.

Dann noch der Hinweis. Derzeit ist die CV bis zur Nr. 237 eingescannt.
Ende nächsten Monats (aus Zeitgründen nicht eher), nehme ich mir dann die Nr. 238 vor.
Zu dieser Ausgabe, und das werde ich im Vorwort auch ausdrücklich festhalten, ist festzustellen, dass sie eine offensichtliche Falschmeldung publiziert hat bezüglich Herrn Kelsey. Diese CV-Ausgabe behauptete allen Ernstes, Kelsey hätte einen Gemeinschaftsentzug bekommen.
Wie man zu dieser Entenmeldung kam, ist für mich nicht nachvollziehbar. Offenbar wurde da irgendwelche unbegründete Gerüchte für bare Münze genommen.

Es gab noch weitere CV-Ausgaben. Meines Wissens hat sich die CV nie für ihre Falschmeldung entschuldigt und sie offiziell korrigiert. Die Verantwortung dafür trägt besagter Herr Struck.
Das ist nach meiner Einschätzung der gravierendste Fall in der gesamten CV-Geschichte. Eine Falschmeldung dieser fragwürdigen „Qualität" gab es nach meinem Überblick, weder davor, noch danach.

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