Siehe! Ich bin das Licht der Welt - VII - Lazarus

geschrieben von:  . +

Datum: 19. August 2008 22:09

Aus einer altehrwürdigen Kultur [Ägypten] stammt die Literatur,
die den ganzen Streit beendet, weil sie den unwiderlegbaren
Beweis dafür liefert, dass die Evangelien keine reale Geschichte
sind und dies auch nie waren. Wie mittlerweile erwiesen ist,
handelt es sich um verschlüsselte Dramen über die spirituelle
Entwicklung der Menschheit und der menschlichen Seele
in ihrem irdischen Tabernakel des Fleisches.

Alvin Boyd Kühn, Who Is This King of Glory?

Die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus ist weithin bekannt.

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Im Johannesevangelium ist es das letzte und krönende »Zeichen« in der Reihe von insgesamt sieben, die mit der Verwandlung von Wasser in Wein am Anfang des Evangeliums beginnt und den Leser davon überzeugen soll, dass Jesus tatsächlich der Messias und Sohn Gottes sei.

Hier wird auch die entscheidende Aussage getroffen:
Jesus ist die Auferstehung und das Leben.

Er kann die Toten wieder zum Leben erwecken.

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Erstens wird die Auferweckung des Lazarus im Evangelium so dargestellt, als sei sie der sprichwörtliche letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hätte.

Die jüdischen Hohen Priester und Pharisäer sind in dieser Geschichte so schockiert und haben solche Sorge, die ganze Welt könne davon überzeugt sein und an Jesus glauben (woraufhin sich die Römer zu Gewalt und Unterdrückung provozieren lassen würden), dass sie sofort den Plan fassen, sich Jesu ein für alle Mal zu entledigen.

Die Auferweckung des Lazarus wird somit als unmittelbare Ursache der Kreuzigung hingestellt.

Das aber widerspricht dem Bild, das die drei synoptischen Evangelien zeichnen.

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Dort heißt es nämlich schlicht, die Angst und der Zorn der Hohen Priester und Schriftgelehrten wegen der Tempelreinigung hätten zu Jesu Verhaftung, den Prozessen und zur Hinrichtung geführt.

Markus formuliert es so:
»Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten [die Reinigung des Tempels durch Jesus sowie seine Bemerkung, sie hätten eine Räuberhöhle daraus gemacht], und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten.
Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre.«

Beide Versionen schließen einander aus.

Interessanterweise findet die Tempelreinigung dem Johannesevangelium zufolge in den Anfängen des öffentlichen Auftretens Jesu als Priester statt, während sie von Matthäus, Markus und Lukas an deren Ende verlegt wird.

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Zweitens bleibt unerklärlich, warum diese spektakuläre Geschichte um Lazarus, wenn sie denn historisch verbürgt gewesen wäre, von den drei anderen Evangelisten und ihren »Schulen« übersehen worden sein sollte.

Sie taucht aber tatsächlich nur bei Johannes auf.

Ein derart bedeutsamer »Beweis« für übermenschliche, göttliche Kraft hätte sich doch nicht verheimlichen lassen.
Gerade weil dieser Vorfall so berühmt war, selbst bei den Feinden Jesu, soll er laut Johannes ja sogar zur Kreuzigung geführt haben.

Matthäus, Markus und Lukas berichten nur deshalb nicht über das Wunder, weil sie schlicht und ergreifend nichts davon wussten.

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Es gehörte nicht zur gängigen Überlieferung, weist aber das typische Flair von Allegorie und Mythos auf.

Drittens blieben auch die säkularen Zeugen auffallend stumm.

Wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass sich (was nur von Matthäus festgehalten wird) mit dem Tod Jesu angeblich die Gräber auftaten, und laut einiger Übersetzungen »viele Leiber der entschlafenen Heiligen aufstanden und aus den Gräbern nach seiner Auferstehung gingen und in die heilige Stadt kamen und erschienen vielen«, muss man doch unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass derartig öffentliche Wundertaten mit Sicherheit auch den zahlreichen weltlichen Chronisten, Historikern und anderen Zeitzeugen nicht entgangen wären.
Selbst wenn es nur ein Erdbeben gewesen sein sollte.

Entsprechende Hinweise oder Kommentare finden sich aber nirgends.

Die Rätsel lösten sich jedoch wenn man berücksichtigt dass Johannes ein uraltes Thema abgekupfert und es so bearbeitet hatte, dass es seinem Gesamtkonzept und seinen Zwecken entsprach.

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Deutet man die Geschichte über Lazarus so, wie sie in den ägyptischen Quellen erzählt wird, nämlich als Allegorie, stellt sie keinerlei Problem mehr dar.

Im ägyptischen Totenbuch war Anu — im Griechischen Heliopolis (»Stadt der Sonne«) genannt - der theologische Name einer real existierenden ägyptischen Stadt, in der alljährlich die Riten um Tod, Bestattung und Auferstehung von Osiris beziehungsweise Horus abgehalten wurden.

Das Wort Anu setzt sich aus Nu zusammen, der Bezeichnung für »Mutter Himmel« beziehungsweise den ursprünglichen, leeren Raum, den »Abgrund des Nichts«, und aus dem Alpha privativum.

Anu beziehungsweise »Nicht-Nichts« bezeichnet also eine Welt der konkreten Wirklichkeit, die Welt der substanziellen Manifestation.

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Mit anderen Worten: Anu war genau genommen der Ort, an den sich Einheiten des göttlichen Bewusstseins (Seelen) begaben, um ihren symbolischen »Tod« (Inkarnation) zu erleben und später zur Herrlichkeit aufzuerstehen.

Anu wurde auch Ort der »Vermehrung des Brotes« genannt.
Bezeichnenderweise heißt Bethlehem, der Geburtsort Jesu, wörtlich »das Haus des Brotes«.

Die Hebräer setzten ihre Vorsilbe für »Haus«, nämlich Beth, vor Anu und erhielten so Beth-Anu beziehungsweise das Haus von Anu.
Da u und i in alten Sprachen austauschbar waren, ergab sich das aus dem Neuen Testament bekannte Bethanien.

Wenn wir nun den ägyptischen Text lesen, erfahren wir, dass der ägyptische Christus, Horus, in Anu beziehungsweise Bethanien ein großes Wunder vollbrachte.

Er erweckte seinen Vater Osiris von den Toten, indem er ihn aufforderte, sich aus seiner Höhle »zu erheben und herauszukommen«.

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Wir können uns jetzt der Frage zuwenden, um wen es sich bei Lazarus ursprünglich eigentlich handelte.

Wie der bedeutende Ägyptologe Sir Wallis Budge und andere Fachleute meinen, ist Asar ein alter Name für Osiris.

Die Ägypter brachten ihre Verehrung in der Regel dadurch zum Ausdruck, dass sie vor die Namen des Gottes den bestimmten Artikel setzten.

Sie sagten also »der Osiris«, was gleichbedeutend war mit »Herr Osiris«.

Als die Hebräer den Namen des Osiris beziehungsweise des Herrn Asar übernahmen, benutzten sie das hebräische Wort für »Herr«, el: also El-Asar.
Die Römer hängten später an die meisten Männernamen die lateinische Endung -us an.
So ergab sich El-Asar-us.
Im Laufe der Zeit »schliff« sich bei den Mündlichen Überlieferungen der Anfangsbuchstabe E »ab«, und aus dem s in Asar wurde z.

Damit haben wir nun Lazarus, den Osiris aus der Beth-Anu-Geschichte.

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Massey, zieht daraus den überzeugenden Schluss, die Auferweckung des Lazarus in Bethanien durch Jesus sei »nichts weiter als eine Bearbeitung des altägyptischen dramatischen Mysteriums, in dem Horus, der Christus, seinen toten Vater Osiris aus dem Grab auferstehen ließ«.

Im Hieroglyphentext heißt es, dass Horus der göttlichen Meri an die Stelle folgte, an der Asar (Osiris) in seinem Grab lag, genau wie Jesus Maria folgte, die ihm auf dem Weg nach Bethanien entgegengekommen war.

Am entscheidendsten aber ist, dass die Schilderung schon um fünftausend Jahre v. Chr. in den ägyptischen Papyri zu lesen war.

Weitere Beweise für Übereinstimmungen zwischen dem Mythos und der biblischen Lazarusgeschichte liefern die Hinweise auf die Trauernden im Haus und am Grab von Lazarus.

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Wir erfahren, dass nicht nur Maria weinte, sondern auch die »Juden«, die da waren, um die Schwestern zu trösten.
Und dann lesen wir die ergreifenden, berühmten Worte:
»Und Jesus gingen die Augen über.«

Das ägyptische Bethanien beziehungsweise Beth-Anu hieß lange zuvor schon »Ort des Weinens«!

Dazu Kühn: »Isis und ihre göttliche Schwester Nephthys, Jesus und Horus, Maria und Martha - sie alle weinten über den leblosen Herrn, El-Asar-us.«

Auch diese beiden göttlichen Schwestern, Isis und Nephthys, sind von Bedeutung.

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In alten Quellen hieß Isis Meri, wie das lateinische Wort märe, »das Meer« (die Urquelle allen Lebens).

Der Plural von Meri lautete im Ägyptischen Merti.
In der lateinischen Form wurde daraus Mertae, im Hebräischen Martha.
Im altägyptischen Bericht sind also zwei Marien (beziehungsweise Maria und Martha) zugegen, beides Schwestern von Lazarus.

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Martha und Maria traten also schon vor etwa viertausend Jahren in einer Geschichte über El-Asars beziehungsweise Lazarus Auferstehung von den Toten in einem ägyptischen Bethanien auf.
Das im Johannesevangelium geschilderte »Wunder« war keineswegs ein historisches Ereignis, sondern ein immer wiederkehrendes, zutiefst archetypisches und weit verbreitetes Symbol für die Macht Gottes, die Toten wieder auferstehen zu lassen.

Ein letztes Detail:
In der Schilderung des Johannes stellt Jesus die verblüffende Behauptung auf, Lazarus sei nicht tot, er schlafe nur.

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Das Gleiche wurde viele Jahrhunderte früher in den alten Schriften über Osiris gesagt:
»Dies ist Osiris, der nicht tot ist, sondern in Anu schläft, dem Ort seiner Ruhe, wo er den Ruf erwartet, der ihn heißt, heute herauszukommen.«

Im Text des Har-Hetep, des Sprechers, der Horus im Drama personifiziert, ist er es, der kommt, um Asar (Osiris) aus seinem Schlaf zu wecken.

Was aber haben all diese Parallelen zu bedeuten?
Das ägyptische Ritual ist ohne jeden Zweifel mythisch zu verstehen - es lobpreist die Auferstehung des wahren Selbst, des inneren Christus, zu strahlender Herrlichkeit.
Auch der Verfasser/Bearbeiter des Johannesevangeliums hatte keineswegs die Absicht, seine Leser mit »falscher Geschichte« hinters Licht zu führen.

Der Zweck, den er verfolgte, war vielmehr genau der gleiche: im lebendigen Kontext einer fiktiven Geschichte die spirituelle Wahrheit vom ultimativen Sieg des Menschen über das Grab zu vermitteln, unsere Auferstehung.

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Der Umstand, dass etwas, das »historisch« einfach nur unglaubwürdig ist, wird so plötzlich umwerfend lebendig und spirituell höchste Bedeutend.

Die Ägypter glaubten seit Urzeiten an die Unsterblichkeit der Seele und an ihre endgültige glorreiche, spirituelle Auferstehung.
Doch nicht bloß ihr religiöses Denken wurde von der Geschichte um Osiris/Lazarus beherrscht, sondern auch das der gesamten vorchristlichen griechisch-römischen Welt.
Sie im Evangelium widergespiegelt zu sehen heißt beileibe nicht, das Neue Testament zu »entzaubern«.

Nein, die mythische, symbolische Bedeutung der Auferweckung des Lazarus dringt so weit zum Kern der Wahrheit vor, wie es keiner simplen »wahren Geschichte« gelingen könnte.

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Wie wir unter dem Themendach Mumie gesehen hatten glaubten die Ägypter nicht das sich eine Mumie wieder aus seinen Binden wickelt sondern an die Auferstehung des Körpers im Mystischen Sinn.
Also nicht das die Mumie wieder lebendig wird sondern sie glaubten der Seele im Jenseits zu helfen.
So schrieben die Ägypter auf die Mumien „Christus“ = der Gesalbte

Laut Aussage der Bibel wickelte sich der verstorbene Lazarus – nur von Jesus gerufen - selber aus seinen Binden und stieg selbstständig aus seiner Gruft.
Ist das Denkbar?

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Ein ägyptischer Jesus hatte einen ägyptischen Lazarus in Anwesenheit einer ägyptischen Maria und einer ägyptischen Martha in einem ägyptischen Bethanien von den Toten auferweckt - so die Schriften mindestens fünftausend Jahre v. Chr.

Die meisten Daten, vor allem im Matthäusevangelium, wurden offenbar nur eingesetzt, um den Anschein zu erwecken, die Prophetie des Alten Testaments habe sich erfüllt.
Daher auch die fast abgedroschen wirkende Formel, die in diesem Evangelium ständig wiederkehrt:
»damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja« oder einen anderen Propheten.

Der Kompilator war offenbar nicht gebildet genug, um zu wissen, dass diese Prophezeiungen den astronomischen Allegorien des alten Ägypten entstammten, dass sie sich daher nicht auf die Menschheitsgeschichte bezogen und sich auf der Ebene objektiver Ereignisse auch nicht erfüllen sollten.

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In seinem 1999 erschienenen Buch „The Fabrication of the Christ Myth“ geht der jüdische Gelehrte Joseph Leidner auch auf die bekannte Evangeliengeschichte von der Schweineherde bei Gadera ein, in die die bösen Geister fahren und die sich dann in den See von Genezareth stürzt.

Leidner weist darauf hin, dass Gadera in Wirklichkeit mehrere Kilometer vom See entfernt ist - der ganze Vorfall beweise also entweder die Unwissenheit des Verfassers oder aber, dass er sich absolut nicht für wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung interessiere.

Nach Matthäus…

„…in das Land der Gadar?ner…“
(Matthäus 8:28)

…und widersprüchlich in Markus und Lukas…

„…in das Land der Geras?ner…“
(Markus 5:1)

„Und sie legten am Ufer des Landes der Geras?ner an, das Galiläa gegenüberliegt.“
(Lukas 8:26)

…spielte sich dieses seltsame Schauspiel entweder im Land der Gadarener oder Gerasener ab.
An einem Berg von dem sich die Schweine ins Meer stürzten.

Dadurch das die Schweine laut Christenheit Gegenständlich von der Klippe ins Meer stürzen müssen, muss das Ganze in etwa so ausgesehen haben:


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Fliegende Schweine - aus einem einfachen Grund.
Mal abgesehen davon dass sich die Bibelbücher widersprechen, in dem bei dem einen das Ganze in Gadara und bei dem anderen in Gerasa stattgefunden hat ist in beiden Gegenden rundherum nichts als Wüste.

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Laut Einsichtenbuch wäre das kein Problem da es sich nur um eine recht wage Richtungsangabe handeln würde.

Seite 796 Gadarener

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Es könnte also am Meer gewesen sein.
Alles schön und gut.
Das Dumme ist nur - es gibt dort keine Klippen wie es im „größter Menschbuch“ dramatisch dargestellt wird.

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„…die ganze Herde stürmte über den Steilhang hinab ins Meer“
(Matthäus 8:32)

„Nun weidete dort am Berg eine große Herde Schweine…und die Herde stürmte über den Steilhang hinab in das Meer“
(Markus 5:11)

„…und die Herde stürmte über den Steilhang hinab in den See.“
(Lukas 8:33)

Entweder war es in Gadara oder in Gerasa dann mag es dort Steilhänge gegeben haben.
Oder war es am See dann gab es dort jedoch keine Steilhänge.


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http://maps.google.com/

Wer will kann sich selber jetzt sofort über Satellitenbilder davon Überzeugen.

Will man diese Geschichte also unbedingt auf historisch fundierte Füße stellen, klappt alles in sich zusammen.
An…

a) dem widersprüchlichen Ortsangaben zwischen Lukas, Markus und Matthäus
b) dem Fehlen jeglichen Wassers in beiden Gegenden
c) dem Fehlen der Steilhänge an dem in frage kommenden Seeufer

Begreift man es aber als Mythos bleibt es wertvoll und lebendig.
Auch ohne das der Erzähler Ortskenntnisse besaß oder das Anliegen hatte ein historisches Ereignis festzuhalten.

Leidners Schlussfolgerung aus diesem und anderen Beispielen:

»Aus dem Beweismaterial ... ergibt sich, dass die Evangelienschreiber die Geschichte und Gebräuche des Heiligen Landes und den Judaismus an sich einfach nicht kannten.
Sie arbeiteten mit Quellenmaterialien, die nichts mit historischen Daten irgendeiner Art zu tun haben.«

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Man ist geneigt zu glauben, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes hätten im 1. Jahrhundert n. Chr. eines Tages zur Feder gegriffen und von sich aus die Evangelien geschrieben.
So war es jedoch keineswegs.

Wie Kühn ausführt, hätten sich nie irgendwelche »Autoren« hingesetzt und die biblischen Bücher so verfasst wie etwa Karl May seine Romane.

Die Bücher der Bibel existierten schon lange vor ihrer schriftlichen Aufzeichnung.
Es waren die gesprochenen Verse beziehungsweise Aussprüche des großen spirituellen Dramas; es handelt sich um mündliche Überlieferungen, die viele Jahrtausende lang existierten, bevor sie irgendwann niedergeschrieben wurden.

Eines Tages, so Kühn, »vertrauten die Weisen sie schließlich der Schrift an, damit sie später nicht verloren gingen«.
Die Evangelisten brachten somit einfach mündliche Evangelien, die bereits eine zentrale Josua/ Jesus-Gestalt kannten und zuvor in den Kults der Essener und der Mysterien mündlich weiter getragen wurden, einem breiteren Publikum zur Kenntnis.

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Noch einmal: Ich sage nicht, dass die Menschen des
Altertums wahre Geschichten erzählt haben und wir
heutzutage klug genug sind, sie symbolisch zu verstehen.
Nein, ich sage, sie haben sie symbolisch erzählt und wir
sind heute dumm genug, sie wörtlich zu nehmen.

John Dominic Crossan, Der historische Jesus

Re: Siehe! Ich bin das Licht der Welt - VII - Lazarus

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 20. August 2008 12:26

Hatte ich es richtig verstanden, war die letzte Serie von „+" auf sieben Teile konzipiert.

Was also, soll man zusammengefasst zu ihr sagen?
Dann erst mal dieses.
Ihre Substanz ist durch die Meinungsfreiheit abgedeckt.
Zur Meinungsfreiheit gehört dann aber auch:

Nicht jeder ist mit dem Dargelegten „glücklich". Einer der auch Vorbehalte äussern würde (im Fall der Fälle), ist mit Sicherheit auch der Herr Russell.
Schon in den Vorworte seiner „Schriftstudien" begegnet man einem diesbezüglichen Beispiel, indem er gegen Thomas Paine und Robert Ingersoll polemisiert. Und er bringt den Kernpunkt seiner Kritik zusammengefasst in dem Begriff „Höhere Textkritik" zum Ausdruck, die er denn entschieden ablehnen würde.
Im berühmt-berüchtigten Band 7 (S. 464, Auflage 1925) begegnet man auch einer Karikatur, die just diesen Aspekt thematisiert.

Man kann weiter gehen und definitiv sagen.
Auch Rutherford stand auf Kriegsfuss mit der „höheren Textkritik". Darin unterschied er sich wahrlich nicht von Russell. Worin er sich von Russell dann unterschied, war in der Tat die konsequente Ausbauung der WTG zum „Klinkenputzersystem", zur „Geschäftsfirma".
Eine „Geschäftsfirma" ist auch dann gegeben, wenn ihre „Topmanager" keineswegs die Gehälter eines Direktors der Deutschen Bank, oder der Firma Porsche etwa, kassieren.

Die Konditionen der Manager von „Religionsfirmen" müssen sich halt auch an die allgemeine Marktlage anpassen. Auch dem Herrn Papst in Rom, kann man sicherlich nicht unterstellen, dass sein Gehalt sich auf der Ebene des mit genannten Porsche-Chefs bewegen würde.
Indes, am „Hungertuch" nagte sicherlich auch nicht Herr Rutherford, wofür denn seine „Beth Sarim" nebst „standesgemäßen Dienstwagen", auch wohl sprechen dürfte.



Und auch Herr Knorr pflegte bei seinen Europatrips, etwa anlässlich des Kongresses Nürnberg 1955, nicht auf den Massenquartieren zu schlafen, die da fürs Fußvolk zubereitet waren. Er zog es schon vor, zur gleichen Zeit in einem First Class Hotel zu nächtigen.

Damit dürfte einstweilen das Thema „Geschäftsfirma" ausreichend abgehakt sein.

Nun also wieder zur „höheren Textkrtik" und ihren Gegnern.
Es sei eingeräumt, dass manchen, dessen Trennungsgrund von der WTG, nur im „auskosten" ihres Totalitarismus, und der sich daraus ergebenden
„Eines Tages-Konsequenz" bestand:
„Jetzt ist Schluss mit lustig".

Das manchen diese Argumentation, die hier jetzt das Thema ist dann, sehr vorsichtig ausgedrückt, mehr als gewöhnungsbedürftig erscheint.
In ihrem Bildungsniveau sind selbige aber nach wie vor, stark WTG-geprägt.

Nun muss man der WTG noch einen geschickten Schachzug zugute halten.
Um dort einen „höheren" Posten zu bekleiden. Dazu bedarf es nicht viel.
Eigentlich nur eines: WTG-Linientreue.

Und dann kommt eines Tages das „Damaskuserlebnis", vielleicht auch für ein oder anderen dieser formals WTG-Linientreuen.
Dann stellt sich (neben anderen Fragen) auch die.
Vorher war er/sie „etwas" in WTG-Gefilden. Was ist er jetzt?

„Draussen" in der harten Welt, herrschen da andere „Spielregeln". Das WTG-"Wissen" erweist sich dort draussen, nicht selten „einen Pfifferling wert".

Das ist dann die zweite, zusätzliche Herausforderung.
Schafft er es, den „Marktwert" der WTG-Ideologie realistisch einzuschätzen, oder schafft er es nicht.
Man beobachtet da, gar nicht mal so selten Fälle jener, die es eben nicht schaffen.
Die weiter Gebetsmühlenartig vor sich hertragend den Satz kolportieren. Die „höhere Textkritik" sei Teufelszeug.

Zwar werden sie sich hüten, etwa ein neues 1975-Datum zu verkünden. Da sind sie in der Tat, inzwischen gebrannte Kinder.
Aber ihr ganzes übriger Wissenslevel bewegt sich eben nach wie vor, wenn nicht direkt, so doch indirekt, auf dem Umfeld des „1975-Level".

Und sollten sie auch der Suche nach Bühmännern sein.
Ich fürchte, in der Argumentation von „+" in vorgenannter Serie, haben sie ein Beispiel gefunden.

Dies ist eine Meinung.
Andere mögen eine andere haben. Auch das ist klar.
Für solche andere Meinungen stehen etwa Aussagen wie die:

„Du (das heisst „+") solltest ein Buch schreiben!
Fantastische Arbeit. Vielen Dank dafür!"

Ich würde mich persönlich auch nicht zu jenen rechnen, die sich Russells Ablehnung der „höheren Textkritik" anschliessen. Ganz im Gegenteil. So lese ich beispielsweise als Abonnement auch die vom „Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten" herausgegebene Zeitschrift MIZ (und das so ziemlich seit ihren Anfängen), womit meine Individual-Position ziemlich deutlich sein dürfte. Habe dort auch schon mal einen kleineren Artikel veröffentlichen können.

Gleichwohl bewahre ich dennoch eine gewisse Distanz. Auch dieser Verein darf mich nicht zu seinen Mitgliedern zählen; obwohl man auch dort handeringend nach solchen sucht.
Aber ich halte zumindest den Satz für Bedenkenswert den Friedrich Engels in seinem Aufsatz
„Bruno Bauer und das Urchristentum" mal so formulierte:

„Mit einer Religion, die das römische Weltreich sich unterworfen und den weitaus größten Teil der zivilisierten Menschheit 1.800 Jahre lang beherrscht hat, wird man nicht fertig, indem man sie einfach für von Betrügern zusammengestoppelten Unsinn erklärt. Man wird erst fertig mit ihr, sobald man ihren Ursprung und ihre Entwicklung aus den historischen Bedingungen zu erklären versteht, unter denen sie entstanden und zur Herrschaft gekommen ist. Und namentlich beim Christentum.
Es gilt eben die Frage zu lösen, wie es kam, daß die Volksmassen des römischen Reiches diesen noch dazu von Sklaven und Unterdrückten gepredigten Unsinn allen andern Religionen vorzogen, so daß endlich der ehrgeizige Konstantin in der Annahme dieser Unsinnsreligion das beste Mittel sah, sich zum Alleinherrscher der römischen Welt emporzuschwingen.


Thematisch vielleicht auch noch:

Parsimony.19267

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