Siehe! Ich bin das Licht der Welt - V - Bauern

geschrieben von:  . +

Datum: 18. August 2008 00:22

In der heidnischen Welt hatte die reine Flamme der göttlichen
Passion christlicher Liebe Tausende von Seelen entzündet -
Jahrhunderte vor Jesus.

Alvin Boyd Kühn, A Rebirth for Christianity
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Zunächst einmal gilt es ein Missverständnis auszuräumen.
Das Wort »heidnisch« ist heute ausschließlich negativ besetzt -eine Folge jahrhundertealter bewusst platzierter christlicher Vorurteile.

Dabei ist der lateinische Begriff für heidnisch, »paganus«, seinem Wortsinn nach absolut neutral.

»Pagus« nämlich war ein ländlicher Bezirk, ein Dorf, und ein Heide, ein »paganus«, war anfangs nichts weiter als ein Bauer.
Von den neu aufkommenden christlichen Autoritäten wurde der Begriff bald übernommen.
Sie belegten damit jeden, der kein Christ war.

Wir haben es also hier zuerst mit nichts Anderen zu tun, als dem Machtspiel des Klerus.
Und einem herrschenden Klerus der systematisch das einfache Volk bekämpfte und unterdrückte.

Augustinus behauptet in aller Deutlichkeit, die christliche Religion habe von »den Anfängen des Menschengeschlechts« an existiert.
Bestanden habe sie schon »bei den Alten«.

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Andernorts erklärt er, Sokrates
(der schließlich etwa fünfhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte)
sei als Christ genauso großartig gewesen wie Kirchenheilige oder Märtyrer.

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Ja, er meint sogar:
»Indem wir erklären,
dass der Logos, der erste gezeugte Herr, unser Herr Jesus Christus,
von einer jungfräulichen Mutter geboren wurde, ohne menschliches Zutun,
gekreuzigt wurde,
tot war und wieder auferstand
und zum Himmel auffuhr,
sagen wir nicht mehr als ihr von denen sagt, die ihr als die Söhne Jupiters bezeichnet.«

Die meisten Zeugnisse dieser Zeit wurde jedoch von der Kirche systematisch beseitigt.
Wenn die Christenheit ein Gespenst ist, das die Ketten ihrer Grausamkeit hinter sich herschleppt.
Dann sind die Zeugen Jehovas heute aufgrund ihrer Bemühungen die Wahrheit zu unterdrücken, noch nicht Tot.

Wie gehen sie dabei vor?
Die Zeugen des Wachtturms mit ihrer Lehre der abergläubischen Selbsterlösung, machen sich über Andersgläubige lächerlich.
Funktioniert das nicht legen sie dessen Handeln als Werk Satans aus.
Und ist das noch nicht schlüssig genug (z.B. bei den eigenen Glaubensbrüdern) greifen sie zur rohen Gewalt.
In Form von Gemeinschaftsentzug oder einer weltweiten millionenteuren Horde von Anwälten und Gerichtsverfahren.

Ähnlichkeiten zwischen christlichen Glaubensvorstellungen und früheren heidnischen Religionen werden im Wachtturm ignoriert oder als »Vorwegnahme« der Verkündigungen zur Person Jesu immer mit Handstreich übergangen.

Wie auch die verschiedenen »Prophezeiungen« und Vorläufer im Alten Testament wurden solche Ähnlichkeiten mit früheren Religionen dargestellt, als hätten sie sich erst in Jesus ganz »erfüllt«.

Kein Zeuge des Wachtturms würde zu denken wagen, dass das Gegenteil der Fall sein könnte: dass die Bibel im Allgemeinen und das Neue Testament im Besonderen Motive nachahmen oder wieder aufgreifen, die schon Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende zuvor entstanden sind.

Zwar kennt der eine oder andere Sigmund Freuds scharfzüngige Bemerkung, die Bibel sei ein »vollkommenes Plagiat« der Mythologien der Sumerer und Ägypter, tut dies aber als grobe Übertreibung ab, typisch für den Begründer der modernen Psychiatrie und seine Vorurteile gegenüber jeder Art von Religion.

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Wenn jemand behauptet das alte Testament sei komplett »ägyptischen Ursprungs«, wird das von einem Zeugen für einen ziemlich willkürlichen Unsinn gehalten.

Probleme bringt es nur für kirchliche und andere Machtinstitutionen, oder für die einfachen Kirchenmitglieder, die nichts so sehr fürchten wie Veränderung.

Das Ergebnis war damals das finstere Mittelalter.
Eine Zeit in der der Klerus die traditionellen »heidnischen« Philosophenschulen schloss, in der man die Anhänger der verschiedenen beliebten griechisch-römischen Mysterienreligionen verfolgte, Hunderttausende von Büchern verbrannte und den Bannfluch der Häresie verhängte, samt Exkommunikation über jeden, der die orthodoxe Parteilinie der Kirche in Frage stellte.

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Viele wurden umgebracht.

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Das heidnische Erbe wurde an allen Fronten verleugnet.

Ein Zeuge Jehovas glaubt heute dieses christliche Erbe ginge ihn nichts an?
Dabei legt die Wachtturm Gesellschaft heute das gleiche Verhalten an den Tag das die Kirchenväter vor 1000 Jahren Praktizierten.

Kelsos, ein berühmter heidnischer Philosoph, mit dem Origenes eine wohl bekannte Grundsatzdebatte führte, sagte:


»Die christliche Religion enthält nichts anderes als das, was die Christen mit den Heiden gemeinsam haben; nichts Neues.«

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Dies vermochte Origenes nicht zu widerlegen.

Und auch Ammonius Sakkas (Sohn christlicher Eltern, um 175-240), der bedeutende Begründer des Neuplatonismus und Lehrer von Origenes, behauptete steif und fest, Christentum und Heidentum unterschieden sich nicht in wesentlichen Punkten.

Heute gibt es keine Ausrede mehr, die historische Wahrheit zu ignorieren.
Die Geschichte liegt mittlerweile für jedermann offen zu Tage.

Nicht nur übernahmen die frühen Christen fast vollständig die Mythen und Lehren ihrer ägyptischen Meister, sondern sie taten auch alles, was in ihrer Macht stand, um die Beweise zu vernichten:
Fälschungen, Betrug, Bücherverbrennungen, Rufmord und Tötungen.

In diesem Prozess wurde die christliche Geschichte, die wahrscheinlich als eine Art spirituelles Drama begann, zu einer historischen Wahrheit umgemünzt:
durch Gleichsetzung des mythischen Christus mit einem Menschen aus Fleisch und Blut, Jesus (Yeshua beziehungsweise Joshua) von Nazareth.

In dieser literalistischen Verherrlichung »eines mutmaßlich galiläischen Vorbilds« wurde die ganze Kraft des Jahrtausende alten Christusmythos, die darin besteht, die ganze Menschheit zu verwandeln, praktisch zerstört.

Jahrhunderte der Finsternis sollten folgen.
Gerade aufgrund solcher Fundamentalisten wie es die amerikanischen Sekten darstellen wollen, ist das Kapitel noch nicht geschlossen.

Jenseits von Religion und Spiritualität sind wir immer noch
im nächtlichen Schatten des Mittelalters gefangen,
hypnotisiert und gepeinigt von einem Aberglauben
der unheimlichsten Art, wie Kanzel und Priesterseminar
ihn stolz verkünden.
Diese Düsternis wird so lange anhalten, wie wir nicht
den Scharfsinn besitzen, Mythos, Allegorie, Drama und Symbol
des Erhabenen vom Bodensatz der Geschichte zu trennen.

Alvin Boyd Kühn, Who Is This King of Glory?

“Wer nicht zu unterscheiden vermag, zitiert vielleicht
den Buchstaben der heiligen Schriften, verleugnet in Wirklichkeit aber ihre innere Wahrheit.“

Bhagavad-Gita

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Der spanische Konquistador Hernando Cortez (1485-1547)
klagte nach der Eroberung Mexikos (1519-21) in seinen Tagebüchern,
der Teufel habe die Mexikaner die gleichen Dinge gelehrt,
»die Gott die Christenheit lehrte«.

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Zeitgenössische Forschungsreisende, die Kontakt mit nordamerikanischen Eingeborenen hatten, machten ähnliche Erfahrungen.

Die erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen dem Christentum und anderen alten Weltreligionen sind gewaltig, detailliert, äußerst speziell und unglaublich weit verzweigt, reichen sie doch von der Weisheit der indischen Veden bis hin zu den nordischen Mythen Skandinaviens, den Legenden der Inkas und der ursprünglichen Spiritualität der Ureinwohner Nordamerikas.

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Ausnahmslos alle Elemente der angeblich »neuen«, auf einzigartige Weise offenbarten Religion existierten schon vor dem ersten christlichen Jahrhundert in den Traditionen, Praktiken und in der Literatur vieler anderer Länder und Völker.

Als der Abbe Huc als erster Christ ins Gebiet von Turkestan vordrang, musste er völlig konsterniert feststellen, dass die eingeborenen Tataren das Abendmahl mit Brot und Wein feierten.

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Bei den Azteken und Maya fand Francisco Pizarro zu seinem großen Erstaunen Riten und Glaubensformen vor,
die denen der römisch-katholischen Kirche ähnelten.

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Niemand, der alle Sinne beieinander hat, kann die Aberhunderte von Ähnlichkeiten zwischen den biblischen Stoffen und gewissen Passagen in vielen vorchristlichen Büchern und Schriftrollen zur Kenntnis nehmen
und meinen, das sei alles reiner Zufall.

Wie Kühn kurz und bündig feststellt:

»Niemand kann sich auf die Suche begeben und diese zahllosen Ähnlichkeiten entdecken,
ohne zu der Überzeugung zu gelangen,
dass die biblischen Schriften oft... entstellte Ab- oder Nachschriften einer älteren Weisheitsliteratur sind.«


Gerald Massey stellte einmal fest:

»Der menschliche Geist leidet seit langem unter Verfinsterung
und verkümmert im Schatten von Ideen, deren wahre Bedeutung den Heutigen entgeht.
Mythen und Allegorien, deren Bedeutung sich einst in den Mysterien enthüllte,
werden aus Unwissenheit übernommen,
und man tut so, als handele es sich um wahrhaftige Wahrheiten,
die der Menschheit zum ersten und einzigen Mal auf direktem, göttlichem Wege anvertraut wurden!
Die frühen Religionen ließen ihre Mythen noch deuten.
Wir missdeuten die unsrigen.
Und das, was uns als Gottes eigene wahre und alleinige Offenbarung vermittelt wird,
ist großenteils ein Haufen verdrehter Mythen.«


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Die berühmte Bergpredigt wurde Matthäusevangelium keineswegs zum ersten Mal wiedergeben.
Vielmehr findet man sie bei zahlreichen alten Geheimreligionen.
Für vieles darin gibt es beispielsweise eine Parallele in der jüdischen Mishnah, im Midrash oder im Talmud.

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Wie auch in den okkultistischen Bücher Ägyptens die zu den ältesten Schriften der Welt gehören.
Das Siebte Buch von Hermes trägt den Titel »Seine siebte Predigt auf dem Berg der Erneuerung«.

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Die Wahrheit ist, dass es sich bei den Aussprüchen, die den Meistern oder Göttern in den frühen Religionen zugeschrieben wurden, ursprünglich um mündliche Lehren der alten Mythen und Mysterienreligionen handelte, »Jahrhunderte bevor sie je niedergeschrieben wurden«.

Doch nicht nur die Aussprüche von Jesus lassen sich auf ältere Quellen zurückverfolgen.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich in den mythischen und dramatischen Darstellungen der heiligen Schriften dieser Welt bei dreißig bis fünfzig frühen Göttern beziehungsweise Christusgestalten »parallele Zyklen« allegorischer »Ereignisse« finden lassen.

Bekannt sind inzwischen die Entsprechungen zu Geburt und Leben von Krishna, dem Christus der Hindus.

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Der persische Gott Zoroaster (Zarathustra) wurde in Unschuld von einer Jungfrau und einem Strahl der göttlichen Vernunft (Logos) geboren.
Am Ende wurde er an Holz beziehungsweise »vom Baum« aufgehängt - das spätere Kreuz beziehungsweise der Baum auf dem Kalvarienberg.

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Es gibt auch die Geschichte von Salivahana, dem göttlichen Kind einer Jungfrau auf Ceylon (Sri Lanka). Salivahana war der Sohn von Tarshaca, einem Zimmermann.
Sein Leben wurde in früher Kindheit von einem Tyrannen bedroht, der später von ihm getötet wurde.
Diese Geschichte weist eine derartige Nähe zu der von Jesus auf, dass man eine gemeinsame Quelle wohl kaum leugnen kann.

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Viele andere Einzelheiten ähneln mit leichten Abwandlungen denen von Krishna.

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Die zentrale Lehre des Christentums war und ist die Inkarnation, also die Menschwerdung des Geistwesens des Sohnes Gottes oder, wie es im Johannesevangelium heißt:
»Und das Wort ward Fleisch.«

Um nichts anderes geht es letztlich im christlichen Glauben.
Die Präsenz eines Göttlichen Wesens im Menschen steht bei allen altertümlichen Glaubenssystemen im Mittelpunkt.

Und das ist letzten Endes auch der Kern des Christentums.

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Es galt bereits für Sumerer und Chaldäer, über die Jahrtausende für die ägyptischen Dynastien,
für die Verfasser des Alten Testaments (der Psalmist betete: »Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir«),
für Pythagoras und Platon
sowie für die verschiedenen Mysterienreligionen der griechisch-römischen Welt seit dem 5. Jahrhundert v. Chr.

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Es war der Kern nahezu aller heidnischen Religionen.

In Ägypten erfuhren die Griechen und die Völker im Nahen Osten von der Lehre über den Gott im Menschen - die Inkarnation.
Ungefähr 1425 v. Chr., tief im Innern eines Bergs, wohin die Sonne nie vordringt und ewige Finsternis herrscht, im Grab des Pharaos Tuthmosis III.,
ist ein komplexes Relief angelegt,
das eine Geschichte erzählt, die zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens tausend Jahre alt war.

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Dieses geheimnisvolle Wandgemälde in altägyptischer Hieroglyphenschrift wird Das Buch von dem, was in der Unterwelt ist (auch Amduat) genannt.

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Es ist in zwölf Bildtafeln eingeteilt, die die zwölf Stunden nach dem Untergang der Sonne darstellen.
http://www.egypten.varberg.dk/historie-livet-efter-doeden.asp

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Die komplexen Figuren zeigen jedoch, dass es sich bei der auf den Bildtafeln erzählten Geschichte im Grunde um die spirituelle Reise des Menschen vom physischen Mann oder der physischen Frau zum Erben Gottes handelt.

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Wichtig ist in unserem Zusammenhang, dass das eine oberste Wesen, Ra (oft als Sonnenscheibe, aber auch als Mensch dargestellt) im Innern eines Tabernakels beziehungsweise einer Kanope abgebildet ist.
Die Kanope symbolisierte für die alten Ägypter das Fleisch.

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Mit anderen Worten:
Die Wandzeichnung zeigt Gott, inkarniert im Fleisch - als Mensch, der für »jeden Menschen« steht.
Diese Vorstellung findet sich fünfzehnhundert Jahre später bei Paulus wieder:

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»Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?«

Es beruhen fast alle traditionellen Glaubensrichtungen auf der Geschichte vom Sohn eines himmlischen Königs, der sich in die dunkle untere Welt hinab begibt, leidet, stirbt und wieder aufersteht, bevor er in seine ursprüngliche obere Welt zurückkehrt.

In einem bewegenden, vielschichtigen dramatischen Ritual wird erzählt, wie dieser König/Gott seine Feinde besiegt, triumphiert und in der Höhe seinen Thron einnimmt.

Es sind dreißig bis fünfzig solcher Offenbarungen beziehungsweise Erlösergestalten bekannt, unter anderem Osiris, Horus, Krishna, Bacchus, Orpheus, Hermes, Baidur, Adonis, Herkules, Attis, Mithras, Tammuz in Syrien, Thor (Sohn von Odin), Beddru in Japan, Deva Tat in Siam und viele mehr.

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Dies führt mich zu folgenden Fazit:

• »Die Wachtturm Gesellschaft verdankt ihre Entwicklung und historische Form
nicht der Verbreitung neuen Lichts und vordem unbekannter Weisheiten,
sondern der Verfälschung einer existierenden Weisheit.«

• » Die Wachtturm Gesellschaft konnte die Massen der Anhänger nur gewinnen
und sich ihre Loyalität über Jahrzehnte hinweg sichern,
weil es ihr gelang, ihre Botschaft dem jeweils herrschenden Niveau allgemeiner Bildungslücken anzupassen.
Dabei mussten die zugrunde liegenden Wahrheiten zwangsläufig zur lächerlichen Karikatur verkommen
und üble Formen von Irrtum und Unwahrheit annehmen.«

Ausführlich beschäftigten wie uns hier schon mit Themen wie Elektroring, Impfverweigerung, Blutlehren, dem denkenden Herz usw.

Wenn ich jetzt auf die Artikelserie Verweise die ich unter die Überschrift setzte…

„Speise zur rechten Zeit“

…dann reiht sich die Wachtturm Gesellschaft nur nahtlos in die Tradition der Christenheit ein.

Das Vertuschen der eigenen Geschichte ist in der alten Tradition der Christenheit Gang und Gebe, weil ihre Mythen gezwungener Maßen in historische Fakten gepresst werden müssen.
Aber nicht nur das Wort der Bibel sondern natürlich auch ihrer neuzeitlichen Geschichte.

Man denke nur an die Geschichtsverdrehung rund um die Inhaftierung der leitenden Körperschaft um 1918.

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Das Ergebnis ist eine durchaus beabsichtigte Schurkerei.

• Am Anfang war die Christenheit eine Kultgemeinschaft, deren Ursprung überwiegend heidnischer Natur war;
»im 4. Jahrhundert hatte sie sich dann in aller Entschiedenheit vom Heidentum abgewandt und wies jeden Hinweis auf eine Verbindung damit von sich;
bis zum heutigen Tag bringt sie ihm nur Verachtung entgegen«.

• Innerhalb von weniger als zwei Jahrhunderten wurden Bücher,
die zu Beginn und auch noch einige Zeit später bei der Bewegung in hohem Ansehen gestanden hatten,
verdammt und gewaltsam unterdrückt.

• Lehren wie die von der Reinkarnation und der universellen Erlösung,
welche in der Anfangszeit großes Gewicht hatten, wurden später widerrufen.

• Schon vor dem 4. Jahrhundert wurden die meisten Köpfe der neuen Bewegung,
also ihre eigentlichen Pioniere und Anführer,
zu Ketzern erklärt und von den Leuten verunglimpft,
die sich quasi im Handstreich der Kirchenpolitik bemächtigten.
So wie vergleichsweise Rutherford nach dem Tod Russells über ihn herzog.

• An die Stelle der mystisch-allegorischen Auslegung der Heiligen Schrift,
die Paulus und bedeutende Gelehrte wie Clemens von Alexandria und Origenes pflegten,
trat eine vollkommen literalistisch-historische Methode der Interpretation.

Im 18. Jahrhundert bemerkte der deutsche Gelehrte Johann Lorenz von Mosheim in seinem kirchengeschichtlichen Werk „Institutiones historiae ecclesiasticae antiquae“ über das Evangelium des Hermas:

»Zu der Zeit, da er schrieb, (höchstwahrscheinlich) zwischen 140 und 155,
war es eine anerkannte Maxime bei vielen Christen, dass es verzeihlich war,
wenn ein Verteidiger der Religion von Betrug und Täuschung Gebrauch machte,
falls es wahrscheinlich war, dass sie zur Erlangung eines erheblichen Gutes führen könnten.
Jeder, der mit der christlichen Geschichte vertraut ist,
weiß um die Liste der törichten Bücher und Geschichten,
zu deren Entstehung diese irrige Vorstellung vom 2. bis zum 15. Jahrhundert führte.«



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Stichwort: Theokratische Kriegslist.

Gibbons meint schroff, solange die Legenden und Fälschungen nur zum Ruhm der Kirche beitrugen, seien sie von den Massen gelobt, von der Hierarchie begrüßt und durch zweifelhafte »Beweise« bestätigt worden.

Als typisches Beispiel zitiert er die Überschrift, die Anselm von Canterbury dem 32. Kapitel seines Buches Evangelical Preparation gab:

»Wie es rechtens und schicklich sein kann,
die Falschheit als Medizin und zum Nutzen aller einzusetzen,
die betrogen werden wollen.«


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Der bedeutendste Prediger der frühchristlichen Kirche,
Johannes Chrysostomus (»Goldmund«),
der von etwa 347 bis 407 lebte und Bischof von Konstantinopel und ein berühmter Doktor der Kirche war,
bemerkte in seinem Kommentar zu 1. Korinther, 9,19:

»Groß ist die Kraft der Täuschung,
vorausgesetzt, sie wird nicht von betrügerischer Absicht hervorgerufen.«


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Jahrhunderte später hat offenbar selbst ein so herausragender Kirchenmann wie Kardinal John Henry Newman in seiner „Apologia pro vita sua“
diese Art von Unaufrichtigkeit um der Herrlichkeit des Glaubens willen gebilligt, denn er schreibt:

»Die griechischen Kirchenväter meinten,
wenn die Sache gerecht sei (justa causa),
müsse eine Unwahrheit keine Lüge sein.«


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Mit einer derartigen Logik lässt sich fast alles rechtfertigen.

Mit ihrer „theokratische Kriegsführung“ folgt die Wachtturmgesellschaft also nur einer gängigen christlichen Tradition,
wenn sie wie die frühen Kirchenväter die »eindeutig die Behauptung« aufstellten,
fromme Betrügereien seien nicht nur zulässig, sondern sogar anerkennenswert.

Um ihren Anspruch auf die Ausschließlichkeit der Erlösung durchzusetzen,
befleckten sie die gesamte Kirchenliteratur mit dem »Makel der schamlosesten Verlogenheit«.

Da das »Heidentum« bekämpft werden musste, wurden Prophezeiungen über Christus gefälscht,
die von Orpheus und den Sybillen stammten, und »erlogene Wunder« wurden verbreitet.

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Ketzer mussten überführt werden können, also wurden gefälschte Einschübe und komplette Fälschungen erstellt.

Das wurde so lange betrieben, bis die Wahrheitsliebe »bei den Menschen ausgelöscht schien«

Sogar Origenes hatte festgestellt, dass es bereits zu seiner Zeit »große Unterschiede« zwischen den Abschriften der Evangelien gab,
und zwar teilweise aufgrund der »Nachlässigkeit« einzelner Verfasser, teilweise aber auch aufgrund der schlimmen Dreistigkeit von Schriftgelehrten,
die »bei der Korrektur hinzufügen oder weglassen, was ihnen gut scheint«.

Offensichtlich muss man jeder Gruppe oder Bewegung, so edel sie sich auch gibt, zutiefst misstrauen, die ihre Interessen durchzusetzen versucht, indem sie ihre Gegner zum Schweigen bringt, exkommuniziert oder ermordet.

Die meisten Christen haben jedoch nicht die geringste Ahnung, dass die Geschichte der Bibel auf eine ziemlich lange schreckliche Zeit zurückblickt, in der genau diese Taktiken angewendet wurden.

Mehr noch:
Die fanatische Wut, die sich im 3. und 4. Jahrhundert gegen Heiden, »Ketzer« und andere Nonkonformisten richtete, war nur ein kleiner skrupelloser Vorgeschmack auf die Zukunft.

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Der relativ moderne Kirchenhistoriker G. R. S. Mead führt zum Beispiel die Verbrennung von Manuskripten französischer Rabbis während der berüchtigten Inquisition an
sowie den Vandalismus fanatischer Kreuzritter, »die auf ihren blutigen und zerstörerischen Wegen schwelende Haufen hebräischer Schriftrollen hinterließen«.

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Kühn geht davon aus, dass die systematische Verbrennung hebräischer Schriften 1233 im französischen Montpellier begann,
als alle Werke von Maimonides (1135-1204),
dem berühmten jüdischen Philosophen und Theologen, den Flammen zum Opfer fielen.

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Im selben Jahr wurden in Paris rund zwölftausend Exemplare des Talmud verbrannt
und 1244 achtzehntausend andere Werke, berichtet Kühn.

Epiphanius (um 315-403), der erzkonservative Bischof von Salamis, schrieb in seiner Attacke gegen die »sabellischen Ketzer«:

»Ihre ganzen Irrlehren...
leiten sie aus dem ab, ...
was sich das Evangelium der Ägypter nennt.«


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„Es sei nicht nur vieles wahr, was man besser nicht
vor aller Ohren ausspreche, sondern es sei auch heilsam,
dass das Volk manches glaube, was doch falsch sei.“

Augustinus, Vom Gottesstaat

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Dazu Kühn:
»Genau dieses Evangelium der Ägypter hätte von unschätzbarem Wert sein können,
wäre es nicht der Zerstörungswut der Christen zum Opfer gefallen.«

Auch ein anderes unvergleichlich wertvolles Buch wurde verbrannt:
Wahres Wort von Celsos, einem der bedeutendsten heidnischen Philosophen des 2. Jahrhunderts.

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Der geniale gnostische Philosoph Basilides (um 135) lehrte in Alexandria im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts
und behauptete, eine geheime Überlieferung zu kennen, die von Petrus persönlich stamme.

Basilides stand sogar bei dem bedeutenden christlichen Theologen und Kirchenvater Clemens von Alexandria (um 150 - um 215) in hohem Ansehen.

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Doch Eusebius zufolge wurden die 24 großartigen Bände seiner unersetzlichen, weithin gerühmten Deutungen der Evangelien »auf Geheiß der Kirche« alle verbrannt.

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Auch die 36 Bücher, die Porphyrios (um 232 — 303), einer der gelehrtesten und geistreichsten Köpfe seiner Zeit, schrieb, wurden von den Kirchenvätern verbrannt.

Porphyrios, ein neuplatonischer Philosoph, der die Göttlichkeit Christi nicht akzeptieren konnte
und zahlreiche Unstimmigkeiten in den Evangelien aufdeckte,
hatte sich kurz dem offiziellen Christentum zugewandt, empfand es später aber als unzureichend.

Ein aus fünfzehn Büchern - alle verbrannt - bestehendes Werk von ihm trug den Titel Gegen die Christen.

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All diese Schriften werden von der Wissenschaft heute schmerzlich vermisst.

In seinem Buch Pagan and Christian Creeds erklärt Edward Carpenter, ein englischer Philosoph, unmissverständlich:

»Die christlichen Autoren... führten nicht nur neue Lehren, Legenden, Wunder und so fort ein,
die wir großenteils bis auf die älteren heidnischen Quellen zurückverfolgen können,
sondern gaben sich auch alle Mühe,
die heidnischen Aufzeichnungen zu vernichten
und damit die Beweise für ihre Unredlichkeit zu tilgen.«


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In seinem Buch Pagan Christ bestätigt J. M. Robertson Carpenters Erkenntnisse und führt als Beispiel die Abhandlung von Firmicus (um 350) an,
von der die Passage, in der er den Christen vorwirft,
sie würden den Praktiken des weithin beliebten Mithras-Kults huldigen, bewusst verstümmelt wurde.

Kühn berichtet nicht nur von Bücherverbrennungen als traurigem Beispiel für christliche Zerstörungswut,
sondern vor allem auch von der Vernichtung von Klöstern, Tempeln und ganzen Städten
- in Großbritannien, Irland, der Bretagne und in Gallien wurde praktisch die gesamte gälische Kultur zerstört.

389 u.Z. machte der christliche Mob die gallische Stadt Bibracte dem Erdboden gleich, Alesia war schon vorher vernichtet worden.

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Hier Bilder der Ausgrabung eines Tores in Bibracate.

Bibracte hatte eine heilige druidische Akademie mit 40 000 Studenten,
die Kurse in Philosophie, Literatur, Grammatik, Recht, Medizin, Astrologie, Architektur und esoterischer Religion anbot.

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Arelate (Arles), eine zweitausend Jahre v. Chr. gegründete Stätte der Gelehrsamkeit, wurde 270 von Christen geplündert.

Bei Ausschreitungen dieser Art kam es aller Wahrscheinlichkeit nach auch zur tragischen Vernichtung von Schriftrollen und Büchern,
die möglicherweise die Lösung des Rätsels der Felsmonumente in Stonehenge bargen.

Das vielleicht ungeheuerlichste Beispiel für den überwältigenden Hass auf jegliche Gelehrsamkeit und Bildung,
den das einfache Volk, das der neuen Religion in Scharen zuströmte, in seiner Mehrheit empfand,
stellt die völlige Zerstörung der 500000 bis 750000 Bücher und Schriftrollen der wunderbaren Bibliothek von Alexandria dar.

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Der riesige Wissensspeicher des Altertums wurde samt Museum und Serapeion (dem Tempel des Serapis) zwischen 300 und 290 v. Chr. von Ptolemäus L,
einem Jugendfreund und späteren Feldherrn Alexander des Großen errichtet.

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Hier die Ruinen des Tempels des Serapis.

Die Bibliothek enthielt unschätzbare Klassiker aller Sparten von der Medizin bis zur Theologie,
aber unter anderem auch die Werke der großen griechischen Dramatiker Euripides, Aischylos und Sophokles.

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Zum Teil bereits 47 v. Chr. bei einem Angriff Julius Caesars auf den Hafen abgebrannt, wurde sie im 3. Jahrhundert von Kaiser Aurelian (270-275) gezielt vernichtet.

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Im Jahr 400 wurde das Serapeion, in das die meisten Bücher ausgelagert worden waren, auf Befehl von Theophilus, dem Bischof von Alexandria, bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

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415 kam es während der Herrschaft von Kaiser Theodosius und mit Wissen oder Duldung von Bischof Kyrill, dem Nachfolger von Theophilus, unter Führung einer Gruppe christlicher Mönche zu Aufständen.

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Schließlich lag alles in Schutt und Asche: Bibliothek, Museum und Tempel.

Dieses ganze Chaos war ein bewusster Versuch, die Verbindungen zwischen dem christlichen Lehrsystem und seinen heidnischen Wurzeln zu kappen.

Die obersten Kirchenbehörden gaben sich nicht mit der ursprünglichen fadenscheinigen Behauptung zufrieden, hinter all den erstaunlichen Ähnlichkeiten stecke Satan - sie sprachen sogar von einem »vorweggenommenen Plagiat«, indem sie behaupteten, Jahrhunderte vor der Übernahme durch die Kirche habe der Teufel die Riten, Lehren und Dogmen gestohlen.

Daher unterdrückten sie nach Möglichkeit die gesamte heidnische Vorgeschichte, um die Beweise für ihre Unaufrichtigkeit zu tilgen.

Ganze Abhandlungen über den Mithras-Kult, eine starke Konkurrenz zum Frühchristentum, wurden vernichtet.

Die Bibliothek von Apollo in Rom wurde bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Der bedeutende humanistische Gelehrte Sir Gilbert Murray (1866-1957) hat dieses ganze schändliche Phänomen einmal mit den Worten kommentiert:

»Während die polemische Literatur des Christentums lautstark triumphierte,
wurden die Bücher der Heiden vernichtet!«


Der römische Kaiser Theodosius I, der von 379 bis 395 regierte, hatte eine Reihe von Häresien verboten, und das Heidentum wurde praktisch für widergesetzlich erklärt.

Sein Nachfolger Theodosius II. ließ in seinem Codex Theodosianus 36 spezielle Häresien verbieten und belegte Heidentum und Astrologen mit dem Kirchenbann.

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Im Jahr 529 ließ Kaiser Justinian schließlich im Namen des Christentums Platons berühmte Akademie in Athen schließen,
schlug die Philosophen in die Flucht und ließ alle, die nicht entkamen, zwangsweise taufen.

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Der christliche Apologet und Märtyrer Justin schilderte das Abendmahl des Herrn, wie die Evangelien darüber berichten, und erklärte dann, dass…

»die arglistigen Teufel es in den Mysterien des Mithras imitierten,
indem sie befahlen, die gleichen Dinge zu tun.
Denn dass Brot und ein Becher Wasser
mit gewissen Beschwörungsformeln
in den mystischen Riten für jemanden aufgetischt werden,
der eingeweiht werden soll, kann man entweder wissen oder erfahren«.


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Auch Tertullian (um 160 - nach 220), der aus Nordafrika stammte und als erster römischer Theologe auf Lateinisch schrieb, erklärte,
dass der Teufel »mit den Mysterien seiner Götzen« sogar den wichtigsten Teil der göttlichen [christlichen] »Mysterien« nachahme:

»Auch er tauft manche, nämlich seine Gläubigen und Anhänger:
Befreiung von den Sünden durch eine Taufe verheißt er;
und, wenn ich mich noch an Mithras erinnere,
versiegelt er dabei seine Soldaten mit einem Zeichen auf der Stirn.
Er feiert auch die Darbringung des Brotes
und führt ein Bild der Auferstehung vor,
und unter dem Schwert setzt er einen Kranz aufs Haupt.
Was soll man dazu sagen,
dass er für den Oberpriester eine nur einmalige Heirat festsetzt?
Er hat auch seine Jungfrauen, hat auch seine enthaltsam lebenden Leute.«


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Sobald die zentrale Gestalt im Jesusmythos historisiert und für bare Münze genommen wurde
und das, was als eine Reihe von Dramen begonnen hatte,
die auf einem symbolischen oder mythischen Erlöser beruhten,
in den vier Evangelien als konkrete Geschichten eines verkleideten Gottes fixiert wurde,
ergriffen die heidnischen Gegner und Kritiker des Christentums das Wort.

Ihr habt uns unsere Glaubensvorstellungen und Riten gestohlen, behaupteten sie,
und sie für euch vereinnahmt, indem ihr daraus konkrete, historische Ereignisse macht.
Was in euren Evangelien steht, haben die Weisen und Halbgötter, die wir verehren,
alles längst schon früher geschrieben.

Die so genannten Heiden hatten natürlich völlig Recht.

Man nehme nur die Erlösergestalt Horus die genau dieselben »Ich bin«-Aussagen trifft, die konservative Christen einzig und allein Jesus zuschreiben (wobei sie sich insbesondere auf das Johannesevangelium beziehen).

Horus (Das Ritual, im ägyptischen Totenbuch, 78. Kapitel) sagte:
»Ich bin Horus in Herrlichkeit«,
»Ich bin der Herr des Lichts«,
»Ich bin der Siegreiche ... Ich bin der Erbe der endlosen Zeit«,
»Ich, eben ich, bin der, der die Wege des Himmels kennt«.

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All diese Aussagen erinnern stark an Jesu Worte:
»Ich bin das Licht der Welt« und
»Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben«.

Aus den grausamen Reaktionen im 3. und 4. Jahrhundert lässt sich jedenfalls schließen, dass die kirchlichen Autoritäten diese Anschuldigungen als höchst unangenehm und bedrohlich empfanden.

Zunächst versuchten sie, die Unterstellung, sie hätten Anleihen bei den Heiden gemacht, der Lächerlichkeit preiszugeben.

Als das nicht funktionierte, verlegten sie sich auf die bizarre Taktik, der Teufel habe diese Ähnlichkeiten schon Jahrhunderte zuvor in die heidnischen Religionen eingeschmuggelt, um mögliche Konvertiten an der Nase herumzuführen.

Als auch das nicht fruchtete, griffen sie zu roher Gewalt.
Das alles deutet auf Furcht und schlechtes Gewissen hin.

Wie bereits erwähnt, stürmte, angestachelt von fanatischen Anführern, Ende des 4. Jahrhunderts der aufgebrachte »christliche« Mob die berühmte alte Bibliothek von Alexandria und brannte sie bis auf die Grundmauern ab.

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Dabei fielen bis zu 700 000 Schriftrollen beziehungsweise »Bücher« von unschätzbarem Wert den Flammen zum Opfer.

Die letzte Schule der »heidnischen« Philosophie wurde aufgrund eines kirchlichen Erlasses 529 in Athen geschlossen, das Ausschalten jeglicher Konkurrenz hatte jedoch schon mehr als zweihundert Jahre zuvor begonnen.

Auch seither brachte die Kirche nur selten Verständnis für abweichende oder gar provokante neue Ideen auf.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist Galileis erzwungener Widerruf seiner Erkenntnis, dass sich die Erde um die Sonne bewegt.

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Um den Riesenbetrug zu vertuschen, den die christlichen Fälscher im 3. Jahrhundert begingen,
indem sie zu Geschichte und angeblichen Fakten machten, was ursprünglich rein allegorisch und mythisch gemeint war,
verbrannten sie neben Hunderttausenden anderer Bücher leider auch die 24 Werke des gnostischen Theologen Basilides.

Diese so genannten Exegetica enthielten seine Bibelstudien, die allerersten Kommentare eines christlichen Denkers zu den Evangelien.
Da Basilides mit den Weisheiten des Altertums sehr vertraut war, könnte seine Auslegung der Evangelien heute von allergrößtem Wert sein.

Clemens von Alexandria nannte Basilides einen »Philosophen, der sich dem Nachdenken über göttliche Dinge verschrieben hatte«.

Wie auch die anderer christlicher Gnostiker, war seine Interpretation Christi spirituell, allegorisch, symbolisch
und beruhte ganz auf seinem Wissen um die griechischen, hebräischen und ägyptischen Weisheitslehren.

Als nächstes möchte ich mich deswegen noch einigen Schilderungen rund um die Erlebnisse der Person Jesu widmen.

Die meisten Persönlichkeiten sind zu Lebzeiten und unmittelbar danach vertraute Wesen und werden erst Jahrhunderte später romantisch verklärt.
Bei Jesus soll es dagegen genau umgekehrt gewesen sein?

Während des ersten Jahrhunderts soll er ein romantisch verklärtes körperloses, ätherisches Wesen gewesen sein
und kristallisierte er sich viele, viele Generationen später als ziemlich konkrete Persönlichkeit heraus?

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