geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 09. September 2011 19:18
Im Zeitspiegel
Merkwürdige Dünnhäutigkeit gewisser kirchlicher Kreise

Der anvisierte Besuch des Herrn Papst in Deutschland, wirft seine etwas merkwürdigen Schatten voraus.
Da gibt es in der kirchlichen Presselandschaft auch eine Zeitschrift betitelt "chrismon".
Nachfolgezeitschrift des nicht mehr existenten "Deutschen Evangelischen Sonntagsblattes".
Und in dessen aktuellen Heft (September 2011), rührt dessen Chefredakteur auch die Werbetrommel für ein von ihm geschriebenes Buch, wozu ihn insbesondere der anstehende Papstbesuch inspirierte.

Auf dessen Titelbild sind ja einige Persönlichkeiten abgebildet, teilweise mit durchaus als profiliert zu bezeichnenden Positionen.
Fünf Köpfe sieht man dort abgebildet.

Und auf der Doppelseite 14/15 genannter Zeitschrift, die diesem Buch gewidmet, werden sie alle nochmals namentlich genannt, für diejenigen, welche sie als Bild, so nicht zu erkennen mögen.
Und diese fünf Namen sind:
Martin Luther
Dom Helder Camara
Dorothee Sölle
Rudolf Bultmann
Jan Hus.

Stellvertretend greife ich meinerseits nur die Namen Sölle und Bultmann daraus heraus.
Sölle machte unter anderem Furore mit der "Gott ist tot-Theologie".
Wobei man bei solcher Position allerdings rückfragen kann:
Und wieso soll das ausgerechnet noch "Theologie" sein?
Sie zumindest wähnte, es sei so. Andere wohl etwas, bis bedeutend weniger.

Bultmann machte auch Furore mit seiner These (sinngemäß). Man könne nicht elektrisches Licht nutzen und gleichzeitig einem vorwissenschaftlichen Weltbild verhaftet sein. Sein Begriff der Entmythologisierung, mit dem er wähnte, "trotzdem", nach wie vor Theologe zu sein, würde ich meinerseits mit einem ähnlichen Kommentar bedenken, wie im Falle Sölle.

Damit hat Brummer mit dieser Auswahl, den nicht wenigen Dogmatikern in seiner Kirche, die liebend gerne auch Zeugen Jehovas sein würden, unter der nicht gegebenen Voraussetzung, sie könnten auch dort einen besoldeten Posten (möglichst hoch dotiert) ergattern, schon mal den Fehdehandschuh hingeworfen.
Da das aber mit den besoldeten Posten so bei den Zeugen nicht klappt, bleiben sie schon mal in ihren angestammten Kirchen, solange sie dort "abkassieren" können,

es sei denn eines Tages erwischt sich auch das Schicksal eines Pfarrers Jatho.
Dann ist es vorbei, mit dem abkassieren.

Zum Fall Jatho siehe:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89649,109086#msg-109086
17. August 2011 17:28

Wenn also Dogmatikern so der Fehdehandschuh hingeworfen wird, braucht man sich eigentlich nicht zu wundern, dass die dann auch "zurückschlagen".
Ein Pressebericht kündet jetzt auch davon:

www.rp-online.de/panorama/deutschland/EKD-distanziert-sich-von-Katholiken-Kritik_aid_1022051.html

Aufschlußreich auch dieser Link

www.evangelisch.de/themen/religion/arnd-brummer-will-katholische-religionspraxis-nicht-kritisieren48097

Und vergleichsweise auch dieses Video

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=bXBZGlrsLPk

Da das ganze nun eigentlich mehr auf die katholische Kirche zugespitzt ist, mag dann noch aus dem genannten Heft von der Seite 19 die nachfolgende Passage zitiert werden, welche die Banalität dieses Streites in Kulturchristen-Kreisen vielleicht verdeutlichen kann.
Ich verwende bewusst den Begriff "Kulturchristen" ("Gott ist ein guter Mann" und das war es dann auch schon), denn von den Dogmatikern im Stile der Zeugen Jehovas, oder bornierter Evangelikaler, von den Papisten erst recht nicht zu reden, ist in der Tat Herr Brummer Lichtjahre entfernt!



--------------------- Signatur.Text --------------------
Hermann Samuel Reimarus (1694 – 1768) in:
"Apologie: oder, Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes"

Derselbe Autor:

Wie? Wenn sie (die Apostel) gesagt hätten: es kann noch wohl siebzehn, achtzehn und mehr Jahrhunderte wehren, ehe Jesus zu seinem Reiche aus den Wolken wiederkommt, und die Freude derselben angeht: würde man sich nicht mit solcher Verheissung ausgelacht haben?
Würde wohl ein einziger Mensch sich zur Entäusserung alles Vermögens entschlossen haben, um seine übrige Lebenszeit in Hunger und Kummer zuzubringen, und seine eigene Nothdurft nunmehr andern aus den Händen zu sehen? Ja, würde man nicht die an sich schlecht bewehrte Auferstehung Jesu desto mehr für eine Erfindung gehalten haben, weil die Bestätigung derselben durch die Wiederkunft von Himmel, über 40, 50 Generationen oder Menschenleben, ins unendliche hinausgesetzt würde.

Bultmann und Küng

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