M. James Penton
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Juli 2011 05:25
Der unermüdliche Übersetzer Herbert Raab, hat ein weiteres Buchprojekt erfolgreich abgeschlossen. Bereits seit 1985 gibt es von M. James Penton, Englischsprachig, dessen "Apokalypse Delayed". Eine zweite Auflage, ebenfalls Englischsprachig, erschien 1997.
Nun also gibt es von Herbert Raab übersetzt, diese Buch als "Endzeit ohne Ende. Die Geschichte der Zeugen Jehovas" als erste deutsche (Buch)auflage. Offenbar basierend auf der zweiten Englischsprachigen Auflage,
Verlegt von "Ausstieg e.V." in Karlsruhe 2011; diesmal ohne Miterwähnung des "Bruderdienst Missionsverlag" im Impressum, was auch insoweit nachvollziehbar ist, kann man letzteren doch eher der evangelikalen Ecke zuordnen.
Indes wollte man auch Penton eine solche Charakterisierung anheften, würde man ihm sicherlich Unrecht tun.
Ausgewiesen ist Penton, als jetzt Emeritierter Professor für Geschichte und Religiöse Studien, der Universität Lethbridge, Alberta, Kanada.
Penton, Jahrgang 1932, ist davor auch besonders durch sein im Jahre 2004 erschienenes
"Jehovah's Witnesses and the Third Reich. Sectarian Politics under Persecution" in Erscheinung getreten.
Es gab sogar mal eine Zeit, wo es Penton selbst der WTG angenehm angetan hatte.
Das war die Zeit um 1975 wo sein "Jehovah's Witnesses in Canada: Champions of Freedom of Speech and Worship (Jehovas Zeugen in Kanada: Verfechter der Meinungs- und Glaubensfreiheit )" erschienen war.
Im 1979er ZJ-Jahrbuch (Kanada-Bericht) fand die WTG, unter Berufung auf Penton, als für ihre Interpretationen nützlich zu erwähnen:

"Was wirklich geschah, geht aus einem amtlichen Bericht hervor (Polizeibericht der Stadt Hamilton [Ontario], 17. März 1913). Daraus ist ersichtlich, daß C. T. Russell keinen Meineid leistete. Das Kreuzverhör (durchgeführt von George Lynch-Staunton, K. C.) ging gemäß dem Buch Jehovah's Witnesses in Canada von M. James Penton wie folgt vor sich:
"Frage: ,Sie behaupten also nicht, in der lateinischen Sprache geschult zu sein?'
Antwort: ,Nein, Sir.'
Frage: ,Oder in der griechischen?'
Antwort: ,Nein, Sir.' "
Danach wurde Russell gefragt, ob er einzelne griechische Buchstaben kenne, und er antwortete darauf, er könne sich "bei einigen möglicherweise vertun". Gemäß dem oben zitierten Buch stellte Lynch-Staunton kurz danach Russell die Frage: " ‚Sind Sie mit der griechischen Sprache vertraut?' Russells Antwort war ein deutliches ,Nein'."
Es gab somit keinen Zweifel hinsichtlich dieser Angelegenheit. C. T. Russell hatte sich keines Meineids schuldig gemacht."

Auch im "Wachtturm" vom 1. 4. 1977 war der WTG Penton eine Zitierung wert, und zwar dieser:

"In einem Artikel, der am 4. Oktober 1976 im "Toronto Star" erschien, erwähnt Stuart Shaw das Buch "Jehovah's Witnesses in Canada: Champions of Freedom of Speech and Worship" (Jehovas Zeugen in Kanada: Verfechter der Rede- und Gottesdienstfreiheit), verfaßt von James Penton, einem außerordentlichen Professor für Geschichte an der Universität von Lethbridge. Shaw erklärt, das Buch handle von der heftigen Verfolgung der Zeugen Jehovas, die in jenem Land während der Jahre 1939 bis 1956 "zunächst auf Betreiben der Bundesregierung und dann auf Veranlassung der Regierung von Quebec" einsetzte. Über das Verbot der Zeugen Jehovas in Kanada am 4. Juli 1940 sagt er: "Die offizielle Erklärung des Premierministers Mackenzie King war ein Musterbeispiel schwülstigen Amtsstils; ihr ist lediglich der Hinweis zu entnehmen, daß die Sekte irgendwie die Kriegsanstrengungen behinderte."
Shaw bezieht sich auf das kürzlich erschienene Buch und beleuchtet die tiefer liegende Ursache, indem er sagt: "Penton argumentiert überzeugend, wobei er amtliche Briefe und Dokumente aus jener Zeit anführt, daß der eigentliche Grund ein ganz anderer war. Auf das Kabinett King wurde starker klerikaler Druck ausgeübt — besonders von seiten der römisch-katholischen Kirche, aber auch von einigen protestantischen Geistlichen —, diese ,Häretiker' zu verbieten."

Im Vorwort zur ersten Auflage seines "Apokalypse Delayed", teilt Penton über sich selbst mit. Aufgewachsen in einer Zeugenfamilie (schon die Eltern und Großeltern waren WTG-hörig)
Und weiter:

"Ich wuchs also in einem Zeugenhaushalt auf, und vieles, was ich in dem Buch 'Jehovah's Witnesses in Canada' und in der vorliegenden Untersuchung schildere, sind meine eigenen Erfahrungen.
Über die Jahre hinweg diente ich in vielen Stellungen in Versammlungen der Zeugen Jehovas in den Vereinigten Staaten, in Puerto Rico und in Kanada. Von 1973 bis 1979 war ich in Lethbridge, Alberta, wo ich heute lebe, Ältester. Es war also ganz normal, daß ich beschloß, über die Zeugen in Kanada, insbesondere ihren langen Kampf um Glaubensfreiheit unter dem kanadischen Gesetz, ein Buch zu schreiben."

Aber so teilt er in seinem Eigenbericht weiter mit:

"Nach der Veröffentlichung des Buches 'Jehovah' Witnesses in Canada' drängte mich Prof. Herbert Richardson vom St. Michael's College der Universität Toronto, eine Studie zu schreiben, die eine Übersicht über die Geschichte, das Lehrgebäude und die Gemeinschaft der Zeugen sein sollte. Doch als ich mich in die Geschichte der Bewegung in den Vereinigten Staaten zu vertiefen begann, wie ich es zuvor nie getan hatte, kamen mir immer mehr Zweifel am überkommenen Anspruch der Zeugen auf geistliche Autorität. Zusätzlich erhielt ich Kenntnis von den laufenden Nachforschungen einer Reihe von Gelehrten unter den Zeugen wie Richard Rawe aus Soap Lake im US-Bundesstaat Washington, Jerry Bergman aus Bowling Green, Ohio, und Carl Olof Jonsson aus Partille in Schweden, die allesamt Daten ans Licht brachten, die uns, die wir im Predigtdienst tätig waren, gewisse Aspekte in den Lehren der Zeugen unglaubwürdig erscheinen ließen."

Weiter in seinem Bericht aus der ersten (Englischsprachigen) Auflage:

"Dennoch widerstrebte sich alles in mir wie bei diesen Männern und vielen anderen -- praktisch alle sind seither ausgeschlossen worden oder haben sich von Jehovas Zeugen zurückgezogen --, die Gemeinschaft zu verlassen, in der ich groß geworden war. Auf lange Sicht sollte ich keine Alternative haben. Als ich durch Kanada und die Vereinigten Staaten reiste und meine Nachforschungen weiter betrieb, wurde mir immer deutlicher, wie sehr einzelne Zeugen überall von ihren Führern abgestraft wurden, wenn sie in einem beliebigen Punkt nicht mit der offiziellen Lehre und den Vorgehensweisen der Organisation einig gingen oder sogar mit jemandem in einer Machtstellung innerhalb der Organisation in Konflikt gerieten.

Daraufhin fuhr ich im Sommer 1979 in die Weltzentrale der Zeugen Jehovas in Brooklyn, New York, um sowohl meine Nachforschung weiter zu betreiben als auch meiner Sorge und Enttäuschung darüber Ausdruck zu geben, was innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen mit Raymond Franz geschah, damals Glied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas und ein Mann, den ich im Jahre 1959 kennen und respektieren gelernt hatte, als ich einen Lehrauftrag an der Universität von Puerto Rico hatte.
Meine Fahrt nach Brooklyn war recht ernüchternd. Jeder, den ich in der Zentrale in Brooklyn antraf, war zwar grundsätzlich gegenüber der Bewegung loyal, doch es gab viele, die wie ich selbst auch glaubten, es müsse bei Zeugen Jehovas eine Reformation oder doch wenigstens eine geistige Erneuerung geben. Dennoch schien die leitende Körperschaft nicht bereit zu sein, auf Rat von außen zu hören.

Raymond Franz räumte ein, daß ihm viele der ernsten Probleme, die ich schilderte, bekannt seien, aber er gab mir den dringenden Rat, mich in Geduld zu üben. Doch das war etwas, das ich nicht länger mit gutem Gewissen tun konnte. Als ich im August 1979 schließlich wieder zu Hause war, entschloß ich mich dazu, meine Sorge und Kritik an dem, was in der Zeugengemeinschaft allgemein vor sich ging, gegenüber der gesamten Führung der Zeugen schriftlich zu äußern -- ein Entschluß, der nach über ein Jahr dauernden großen Schwierigkeiten, die man mir machte, zu meinem öffentlich bekanntgegebenen Ausschluss oder der Exkommunikation von Jehovas Zeugen mit dem Vorwurf der Ketzerei führte."

Damit ist deutlich, also erst Anfang der 1980er Jahre datiert der von ihm nicht unbedingt "gewollte" Bruch mit der WTG (was ja auch in etlichen anderen Fällen ähnlich verlief).
Eine Aufarbeitung dieser Erfahrungen stellte dann eben auch sein "Apokalypse Delayed" dar.

Zum formalen der nun vorliegenden ersten deutschen Buchauflage noch der Hinweis, worauf der Übersetzer auch ausdrücklich hinweist. Es stand ihm (dem Übersetzer) keineswegs eine komplette Kollektion der Deutschsprachigen WTG-Literatur zur Verfügung. In diesen Fällen wurde in den Titelangaben der entsprechende englische Titel beibehalten, und der Text eben selbst übersetzt. Daraus mögen sich (vielleicht) kleine Variationen ableiten. Aus WTG-Schriften, die auch dem Übersetzer zur Verfügung standen, indes zitiert er unter Verwendung des Deutschsprachigen Titels. Ein Beispiel dafür:
Offenbar stand ihm auch nicht das frühe WTG-Standardwerk nach 1945, "Gott bleibt wahrhaftig" zur Verfügung, denn auch das wird nur (teilweise) mit dem Englischsprachigen Titel ausgewiesen.
Gleichwohl sehe ich die besondere Bedeutung der Studie von Penton auch darin, dass er etliche Quellen rezipiert (namentlich aus der Frühzeit), welche ohnehin nur Englischsprachig existent sind, und bei denen, was ihre heutige Erreichbarkeit anbelangt, für unsereins ohnehin nicht gering zu veranschlagende Hürden zu überwinden wären.
Insoweit besitzt die Studie für deutsche Verhältnisse, auch einen wertvollen Quellencharakter!

Bemerkenswert beispielsweise dieses Detail aus der Frühzeit (S. 39):

"Im Mai 1881 schrieb er Russell): "Was den Zeitpunkt unserer Verwandlung betrifft, so können wir nur sagen: Nach unserem Verständnis wird das irgendwann nach dem 2. Oktober 1881 sein; aber wir kennen keine Schriftbeweise, wann wir vom Fleisch in Geist, vom Sterblichen ins Unsterbliche verwandelt werden."  (WT 1881, Reprints S. 224).

Ergo waren Russells spätere 1914-Erwartungen schon mal ein Verschiebebahnhof.
Das war also noch bevor die "Schriftstudien" herauskamen, dessen erster Band dann 1886 erschien.
1894 kam es dann in der sich etablierenden Russell-Organisation, zu einem ersten Innerorganisatorischen Eklat. Vier Personen werden da namentlich als "Verschwörer" genannt (S. 49f.). Die Details kann man dem Buch entnehmen.
Von diesen vier sei an dieser Stelle einer separat herausgegriffen. Der Otto von Zech. Das deshalb, dieweil die erste frühe Ausgabe von "Tages-Anbruch Band I Der Plan der Zeitalter" die im wissenschaftlichen Bibliothekswesen in Deutschland noch auftreibbar ist (wohl das entsprechende Exemplar der Berliner Staatsbibliothek) in selbigem ausdrücklich den O. v. Zech als dessen Übersetzer ins Deutsche ausweist. Zech, nach eigener Angabe, vor seiner Russellzeit, mal 15 Jahre lang Pastor der evangelisch-lutherischen Kirche.
Auch das ZJ-Verkündiger-Buch kommt auf diese "Verschwörung" zu sprechen.
In letzterem liest man dazu:

"Die Bibelforscher in Allegheny (Pennsylvanien) wurden mit speziellen Briefen zu einer Zusammenkunft am 5. April 1894 eingeladen. Bruder und Schwester Russell wurden nicht eingeladen und kamen auch nicht, aber ungefähr 40 Personen waren anwesend. In dem von E. Bryan, S. D. Rogers, J. B. Adamson und O. von Zech unterzeichneten Brief hieß es, daß in der Zusammenkunft Dinge besprochen würden, die für ihr Wohl von höchster Wichtigkeit seien. ... Die Verschwörer brachten ... Ungereimtheiten in den Geschäften Bruder Russells zur Sprache ... behaupteten, Bruder Russell hätte zuviel Einfluß (den sie gern selbst gehabt hätten), und beschwerten sich darüber, daß er auf die Verbreitung des Evangeliums durch Druckschriften und auf Bibelklassenzusammenkünfte mehr Wert legte als auf das Halten von Vorträgen (in denen sie sich besser über ihre persönlichen Ansichten hätten auslassen können" (S. 627).

Über besagtem Zech notiert Penton seinerseits:

"Zech, der als Übersetzer und Herausgeber der deutschen Wachtturm-Publikationen gedient hatte, meinte, dass Russell mit ihm in geschäftlichen Dingen nicht fair gewesen war und dass Russell seine eigene Frau schlecht behandle. Ernest Henninges, der damals der Buchhalter der Watch Tower Society war, erklärte, dass Zech behauptet habe, 'Bruder Russell begehe schlimme Sünden; und wenn ihr das nicht hören wollt, habt ihr an seinen Sünden Anteil'."

Nun meint Penton zu diesem Fall werten zu können:

"Was Zech betrifft, so verstand dieser anscheinend wenig von geschäftlichen Dingen und hatte bei einer Investierung, die er machte, weil Russell zuvor in dasselbe Projekt investiert hatte, Geld verloren. Natürlich hatte auch Russell selbst, darauf wies dieser hin, Geld dabei verloren."

An anderer Stelle wurde die Substanz dieses Streites schon mal mit der Angabe untermauert:

"Bekanntlich hatte ja der Verkauf seiner Bekleidungsladenkette ihm (Russell) einiges eingebracht. Auch warfen ihm zeitgenössische Kritiker vor, mit Aktien zu spekulieren, und dabei bei einem seiner Anhänger namens Otto von Zech, nach "allen Regeln der Kunst" einen Anlagebetrug vorgenommen zu haben.
Zitat: "1894 hatte Russell an einen Otto von Zech wertlose Ölaktien verkauft, die für Zech einen Verlust von ca. 3 000 Dollar bedeuteten."

Siehe auch: der liebe Bruder

Relevant in der Zeugen Jehovas-Geschichte war sicherlich auch der Clayton Woodworth in seiner Eigenschaft als Herausgeber der Zeitschrift "The Golden Age".
In dieser Position kam er offenbar, dieweil er sich in Rutherfords Augen bei der Erstellung des berühmt-berüchtigen Bandes 7 der
"Schriftstudien" "verdient" gemacht hatte.
Nun hat man den Umstand zu registrieren, dass in dessen Deutschsprachigen Ableger "Das Goldene Zeitalter", selbst die in der Schweiz gedruckte und die in Deutschland erschienene Ausgabe, sich beide zwar "Das Goldene Zeitalter" nannten, inhaltlich aber nicht selten differierten. Noch relevanter ist der Umstand, dass Artikelübernahmen aus dem "The Golden Age" nur in Auswahl erfolgten.
Diesem Umstand ist es vielleicht zuzuschreiben, dass etwa die vehemente Impfgegnerschaft , oder die Polemik gegen Aluminiumgeschirr auch in die deutschen Ausgaben gelangten. Nicht jedoch die dubiose "Kalenderreform" des Woodworth.
Zu letzterer teilt Penton mit (S. 100):

"Vielleicht das extremste Beispiel Woodworths ist die Schaffung eines neuen Kalenders für die Zeugen Jehovas. In den Ausgaben der Zeitschrift 'The Golden Age' vom 13. März, 27. März und 10. April 1935 veröffentlichte er einen dreiteiligen Artikel mit der Überschrift "Der zweite Zeiger in Gottes Chronometer". In seinem üblichen Eifer goss er verbales Gift über die Geistlichkeit der römisch-katholischen Kirche und bezeichnete dann praktisch alle Kalender, die gegenwärtig in Gebrauch sind, als vom Teufel. Nach einer gewundenen Besprechung verschiedener Bibeltexte und astronomischer Berechnungen stellte er auf der Seite 381 von 'The Golden Age' vom 13. März seinen neuen "theokratischen" Kalender vor. Alle Monats- und Wochentagsnamen waren gegenüber den gebräuchlichen abgeändert. Zusätzlich sollte der Kalender mit der Kreuzigung anstelle der Geburt Christi beginnen, und neue Jahre sollten im Frühjahr anfangen. Und schließlich war auch die Anzahl der Tage in den neuen Monaten etwas geändert. Glücklicherweise war Richter Rutherford so vernünftig, nicht zuzulassen, dass Woodworths Kalender in Gebrauch kam."

Die von Penton genannte Kalenderseite aus dem "Golden Age" vom 13. 3. 1935

Bemerkenswert empfand ich auch den Satz auf Seite 103 in Pentons Buch. Der wird zwar nicht durch eine Quellengabe belegt. Gleichwohl fällt unsereins dabei sofort die "erschröckliche" Geschichte von Hank" ein.
Also bei Penton liest man auf der angegebenen Seite auch:

"Eine ältere Zeugin aus Kalifornien sagte dazu: "Wenn im 'Wachtturm' stehen würde, der Mond sei aus grünem Käse gemacht, so würde ich das glauben."

Namentlich der Disput zwischen Salter und Rutherford, über den Penton auch berichtet, gibt eine bemerkenswerte Charakteristik des J. F. Rutherford ab.
Über letzteren Aspekt liest man bei Penton (S. 107f.)

"Seit Jahren war Salter ein enger Freund und Vertrauter des Richters, aber im Jahre 1936 brach er wegen Lehrpunkten mit ihm und wurde ausgeschlossen. So veröffentlichte er am l. April 1937 den ... Brief, der eine vernichtende Anklage gegen Rutherford war und der wenigstens in groben Zügen recht genau ist. Darin behauptete Salter, er habe "für US-$ 60,00 pro Kiste Whisky" für den Wachtturm-Präsidenten gekauft, sowie Kisten mit Brandy und anderen Likören, nicht zu reden von ungezählten Kisten Bier", alles vom Geld der Gesellschaft. Damit niemand denken mochte, das Gekaufte sei für andere, stellte der ehemalige kanadische Zweigaufseher fest:
"Eine Flasche Likör oder so reichte nicht; es war für den Präsidenten, und nichts war für den Präsidenten zu gut."
Dann, nachdem er Rutherfords Pompösen Lebensstil beschrieben hatte, sagte Salter mit bitterer Ironie: "Und, 0 Herr, er [Rutherford] ist so mutig und sein Glaube an Dich ist so groß, dass er sich hinter vier Wände zurückzieht oder sich buchstäblich mit einer bewaffneten Leibwache umgibt und seine Träume herausbrüllt ... und schickt uns von Tür zu Tür, um dem Feind gegenüberzustehen, während er 'von Trunk zu Trunk' geht und uns erzählt, wenn wir nicht gingen, würden wir vernichtet."

Und weiter in diesem Bericht:

"Soweit es seine persönliche Unterkunft und das leibliche Wohl anbelangt, erzählt Salter, lebte Rutherford wie ein Fürst oder Industriebaron. In New York mietete er während der Weltwirtschaftskrise ein Appartement mit luxuriöser Möblierung, das Salter als mit Leichtigkeit auf US-$ 10.000 pro Jahr schätzte. Nebenher hatte der Wachtturm-Präsident noch eine "palastartige Residenz" auf Staten Island; "getarnt" als unentbehrlich für die Radiostation WBBR der Gesellschaft. Gleichfalls auf Staten Island unterhielt er eine kleine, abgeschlossene Residenz in den Wäldern, wo er sich selbst vor der Welt isolieren konnte. Dann wurden auch noch teure Quartiere in einer Anzahl weiterer Orte für ihn bereitgehalten, darunter London und, vor dem Aufstieg der Nazis, in Magdeburg. Als ob das noch nicht genug war, begann er im Jahre 1929 mit dem Bau von Beth Sarim, einem Landhaus in San Diego, das sein Aufenthaltsort für den Winter werden sollte....
Hatte er "demütig" die Besitzurkunde für sich selbst ausstellen lassen - als Treuhänder für David und die anderen "Fürsten", die schon bald einen angenehmen Wohnsitz brauchen würden. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, mit einem recht großen Gefolge von Anhängern darin zu leben - mit einem seiner zwei Sechzehnzylinder-Cadillacs, die er gemäß bekannter Zeugenüberlieferung von einem wohlhabenden Gläubigen aus Iowa als "größter Mann auf Erden" erhalten hatte."

Siehe auch: 19382Salter

Bezüglich des von Rutherford Nachfolger, N. H. Knorr eingeführten Umstandes, die WTG-Literatur nunmehr nur noch ohne Verfasserangaben herauszugeben, meint Penton werten zu können:

"Da er unfähig war, Nachforschungen anzustellen und die wichtigsten Veröffentlichungen der Gesellschaft zu schreiben, wusste er, dass er nicht in der Lage sein würde, das Prestige zu erlangen, das sowohl Russell als auch Rutherford erreicht hatten. So kann es gut sein, dass Nathan Knorr seine eigene Unfähigkeit verbergen wollte, indem er praktisch die gesamte Wachtturm-Literatur anonym herausgeben ließ." (S. 114)

Andererseits kam mit Knorr ein eiskalter Managertyp ans Ruder, welchen Cole mit dem verharmlosenden Worten umschreibt:

"Seine Mitarbeiter sprechen von ihm nicht als von einem Antreibertyp, sondern als von einem Mann, der Tüchtigkeit zu schätzen weiß."

Kritisch am Penton-Buch muss ich meinerseits erneut seine Reflektion des Falles Ditlieb Felderer bewerten. (Siehe S. 147).
Offenbar ist Ende des Erkenntnisstandes seitens Pentons in Sachen Felderer, etwa die Zeit um 1976. Entschuldigend für Penton, akzeptiere ich auch, dass er den nachfolgenden Weg des Felderers, in Europa, an seinem Wohnort in Kanada, dann nicht mehr weiter verfolgt hat.
Abgesehen von dieser Einlassung ist es jedoch nicht hinnehmbar, dass ein gerichtlich verurteilter Holocaust-Leugner, bei Penton nur eine relativ positive Bewertung erfährt. Wenn er ihn den partiell "positiv" werten will, muss die Forderung aufrecht erhalten bleiben, dann bitte schön auch noch dessen zweifelhafte "Karriere" als Holocaust-Leugner mit zu erwähnen. Genau das aber, ist bei Penton nicht geschehen. Es sei kein Vorsatz unterstellt. Es muss aber anderen gestattet sein, diese notwendige Kritik dann nachzuholen.
Siehe für weiteres. Ditlieb Felderer

Auf Seite 213 habe ich eine meines Erachtens falsche Quellenangabe in der zugehörigen Fußnote 14 registriert.
Im Text gibt es die an sich interessante Aussage:

"Kurz davor zwang eine katholische Boykottkampagne gegen das Warenhaus der Gimbel Brothers dieses Unternehmen, seine Förderung der Rundfunkübertragungen Richter Rutherfords zu stoppen."

Der Dissenz ist nun, wo ist das so belegt? Einmal belegt im "Goldenen Zeitalter" vom 1. 12. 1936, weiter in einigen "Bulletin"-Ausgaben. Da diese Quellen eher schwer erreichbar sind, dürfte die relevanteste Belegstelle das WTG-Vorhaben-Buch sein (S. 136f .)
Nur eben statt diesen Belegstellen gibt es bei Penton nur eine, welche in die Irre führt.
Wenn es das Buch "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" gibt, indes die Fußnote auf ein "Gottes Vorsatz" verweist, ist das insoweit irreführend, dieweil es auch ein letztgenanntes WTG-Buch gibt, das aber inhaltlich keineswegs gemeint ist.
Aber richtig ist, die Substanz der Aussage ist nachweisbar!
Insgesamt ist Penton bei seinen Wertungen um weitgehende Objektivität bemüht. Nur "mit Schaum vorm Maul"-emotionale Schmalspur-Argumentation, ist nicht sein Ding. Da pflichte ich ihm ausdrücklich bei.
Stellvertretend auch an seiner Wertung veranschaulicht:

"Während Frau (Barbara) Anderson versucht hat, in der Sache objektiv zu sein, obwohl sie ausgeschlossen wurde, weil sie sie aufgedeckt hat, ist ein ehemaliger Ältester namens Bill Bowen der Hauptsprecher einer Organisation mit Namen Silentlambs geworden; er argumentiert öffentlich, es gäbe mehr Pädophiliefälle bei den Zeugen Jehovas, als in jeder anderen Religion, etwas, das angesichts dessen, was bei Katholiken und fundamentalistischen Mormonen passiert ist, exotisch zu sein scheint. Zwar haben weder Bowen noch irgendeiner seiner Unterstützer vernünftige statistische Belege, diese Behauptung zu beweisen, doch das hat ihn nicht davon abgehalten, andere Exzeugen zu verurteilen, die es abgelehnt haben, seine Behauptungen zu unterstützen." (S. 205)

Siehe unter anderem Parsimony.3851
Insgesamt ist die Studie von Penton, anregend und empfehlbar!
In einer Kurzübersicht am Buchende vermerkt er, nebst Englischsprachigem, sei gleich danach kommend, Deutsch die Sprache, in welcher die meiste (nicht direkt von der WTG herausgebene) Literatur zum Zeugenthema erschien. Aufgrund dieser Sachlage, sucht er nun in einer zusammenfassenden Kurzübersicht, diese deutsche Literatur zu charakterisieren.
Nun wird man es einem im Englischsprachigen Raum lebenden Autor konzedieren müssen, dass er keineswegs alles an einschlägiger Deutschsprachiger Literatur im Blick hat.
Auch wenn die Zeiten, einer Neubuchlieferung vorbei sind, verwundert es mich doch, das ihm entgangen ist, dass es von William Schnells "Dreissig Jahre Sklave des Wachtturms", auch eine Deutschsprachige Ausgabe mal gab. Ebenfalls entgangen ist ihm unter anderem Josy Doyon "Hirten ohne Erbarmen".
Letzteres Buch hätte er beispielsweise in der von Jerry Bergman herausgebenen thematischen Bibliographie mit erwähnt finden können (S. 95, Ausgabe 1999)
"Jehovah's Witnesses A Comprehensive and Seletively Annotated Bibliography".
Zumindest ich, würde auch das Doyon-Buch den wichtigeren Büchern zuordnen.
Abgeschlossen wird das Buch dann noch mit einem kombinierten Personen- und Sachregister.

Sehe ich es richtig ist das Buch auch über den Buchhändler Amazon.de bestellbar. Dort aber wie auch in anderen Fällen von Büchern, welche die Buchgrossisten nicht listen, nur mit einem Aufschlag von 3 Euro.
Wer diesen Aufschlag vermeiden will, sollte die Bestelloption über eine von Bookbutler
vermittelte Buchhandlung nutzen, (Lehmanns) respektive direkt in Karlsruhe bestellen.

Exkurs: Und das Magdeburger "Goldene Zeitalter" schwieg
Namentlich seitdem das Garbe-Buch "Zwischen Widerstand und Martyrium" ab 2008 auch in einer Englischsprachigen Ausgabe vorliegt, "erfreut" sich Penton (worüber er in seinem eigenen Buch auch berichtet), wieder gewisser Animositäten seitens Garbe's.
Was ist dazu festzustellen. Wenn Garbe die Wertungen Pentons zur Nazizeit nicht passen, ist damit noch nicht der Beweis erbracht, er würde "falsches" dazu sagen.
Penton hat sich auch nicht als „wissenschaftlicher Hauptstar" eines WTG-Videos vereinnahmen lassen. Garbe im sogenannten "Standhaft"-Video, sehr wohl.

Garbes Rolle in diesem von der WTG hergestellten Videos ist die analoge eines Herrn Besier
Gestylte "Schönwetter-Christen"-Thesen der Öffentlichkeit zu verkaufen.
Mag ein Herr Besier
auch heutzutage bei einer Partei gelandet sein, welche in früheren Zeitepochen mal als SED bekannt war.
Macht nichts, zu Zeit seiner aktiven Vermarktung war er da ja noch nicht Mitglied.
Weniger was Garbe in diesem Video sagte (oder sagen durfte). Vielmehr das was er eben nicht sagte, wäre da hervorzuheben.
Etwa dass die Gestapo auch im Zeugen Jehovas-Bereich "Umgedrehte" hatte, die ihre eigenen Brüder, sei es in Deutschland oder auch in Österreich, ans Messer lieferten.
Zu letzterem Aspekt verbreitet sich ein Herr Garbe, weder in genanntem Video noch seinem Buch sonderlich. Da könnte ihn jetzt in der Neuzeit, etwa ein Herr Gerald Hacke , in dessen Dissertation, einigen notwendigen Nachhilfeunterricht erteilen.

Versteht sich, hätte Garbe das schon zum Zeitpunkt der Video-Erstellung mit erwähnen wollen, hätte er dort wohl kaum eine Chance dazu bekommen.
Und diesbezügliche Anstrengungen hat er dann wohl auch gar nicht erst unternommen.

Immerhin sei Garbe nicht prinzipiell ins "Unrecht" gesetzt.
In der deutschen Ausgabe seines "Zwischen Widerstand und Martyrium" räumt er beispielsweise (wenn auch nur in einer Fußnote) ein:

"Zu Recht hat James Penton nachdrücklich betont, daß sich nur über eine Analyse des Staatsverständnisses in der Glaubenslehre der Zeugen Jehovas die Tatsache erklären lasse, daß sie wie keine andere religiöse Gruppe im zwanzigsten Jahrhundert mit einer derartigen Intensität und Häufigkeit Verfolgungen ausgesetzt gewesen sind, und zwar sowohl unter faschistischen Regimes wie in kommunistischen Staaten, in zahlreichen Nationalstaaten der Dritten Welt (z. B. in Burundi, Malawi und Zaire) wie zeitweilig auch in demokratischen Staaten, beispielsweisem den USA und Großbritannien." (Garbe S. 50, Fußnote 31)

Mit dieser Einlassung von Garbe ist man der Wahrheit schon mal ziemlich nah.
Den eigentlichen Dissenz (Garbe - Penton) begegnet man bei Garbe wohl auf der Seite 105; wiederum in einer Fußnote (Fußnote 80).
In ihr verlautbart Garbe:

"Die gelegentlich in der Literatur zu findende Feststellung, die Zeugen Jehovas seien Vertreter eines "religiös motivierten" (Kater, Bibelforscher, S. 187) bzw. "klaren Antisemitismus" (Penton, ...) gewesen, verkennt allerdings den Charakter der Auseinandersetzung, die zwar nicht frei von Polemik und verbalen Entgleisungen war, sich aber deswegen gleichwohl nicht unter dem Rassenhass implizierenden Begriff "Antisemitismus" subsumieren läßt. Auf der Ebene der einfachen Glaubensangehörigen wirkte ohnehin noch die bis Anfang der dreißiger Jahre verkündete Wertschätzung der Juden nach."

Erst mal zu Kater. Ich hätte mir gewünscht, Garbe hätte Kater etwas umfänglicher zitiert. So beispielsweise dessen ergänzenden Satz:

"Intoleranz gegenüber Juden vertrug sich durchaus mit dem totalitären Weltbild der Bibelforscher."

Es ist in der Tat so, die Nazis waren primär Rassen-Antisemiten (ausgehend im Gefolge der Alldeutschen, von ihrer metaphysischen Überhöhung der "Arier", als "geborenes Herrenvolk". Gleichwohl gab es Antisemitismus schon vor den Nazis, und da war es eben der von kirchlichen Kreisen latent favorisierte religiöse Antisemitismus.
Noch zu Nazizeiten entblödete sich ein Herr Grundmann in Eisenach, ein betont kirchliches Antisemitismus-Institut auf die Beine zu stellen. Da spielten sich Nazis und Kirchen, gegenseitig die Bälle zu; obwohl jeweils andere Argumentationskriterien dominierend waren. Das man einen Herrn Grundmann nicht unter den ohnehin nicht vorhandenen Protestlern, gegen nazistische Judendeportationen vorfinden würde, ist fast überflüssig zu erwähnen.

Auch Garbe sind Himmlers Sandkastenspiele in einem Schreiben an Kaltenbrunner vom 20. 7. 1944 bekannt, in der Himmler seine Pazifizierungspläne gegenüber einem versklavten Rest-Russland entwickelte, und dabei als Mittel zum Zweck sich auch der Bibelforscher/Zeugen Jehovas wohlwollend erinnerte. Und da teilt er zur Detailbegründung seinem Kompagnion Kaltenbrunner auch noch jubilierend mit, dass die Bibelforscher ja auch schärfstens gegen Katholiken und Juden eingestellt seien, und wähnt in dieser geschichtlichen Stunde, nunmehr noch etliche für die Nazipolitik nützliche Komponenten bei den Bibelforschern wahrzunehmen.
Auch Garbe ist der in Buchform vorliegende Bericht des KZ-Kommandanten Höß bekannt, indem selbiger auch praktischen Antisemitismus bei den Bibelforschern beschreibt.

"Eigenartigerweise waren sie alle davon überzeugt, daß die Juden nun gerechterweise zu leiden und zu sterben hätten, weil ihre Vorväter einst Jehovah verrieten."

Insoweit ist es etwas zu billig, als Entlastung etwa auf die Unterstützung zu verweisen, die der Jude (und spätere Talkmaster) Hans Rosenthal durch von Zeugen Jehovas geprägte Mitmenschen erfuhr.
Eine Bewertung des heiklen Antisemitismus-Thema müsste also beinhalten.
Sowohl den von Rutherford vorgenommenen Ideologie-Schwenk in dessen "Rechtfertigung"-Büchern, als auch die Zeitzeugen-Voten von Himmler, Höß und Hans Rosenthal (als Beispiele).
Indessen auf dem Aspekt nur herumzureiten, die Zeugen Jehovas seien ja keine glühenden Rassen-Antisemiten im Stile der Nazis gewesen, trifft nicht den Kern.
Siehe auch die Auseinandersetzung zum Thema, in: Mysnip.3747

Das "Standhaft"-Video rühmt sich
Im Golden Age sei 1929 eine "mutige Erklärung" gegen den Nationalsozialismus erschienen (englisch GA 15. 10. 1929).
So so. Der "Mut" der deutschen Vertreter selbigen, sah dann wohl etwas anders aus.
Der Disput Garbe - Penton entzündete sich vordergründig bisher an gewissen Aussagen der Berlin-Wilmersdorfer Veranstaltung vom Juni 1933.
In der Anbiederungs-Datei wurde meinerseits mal ein Exkurs angefügt, welche das penetrante Schweigen der deutschen zeitgenössischen WTG, im Vergleich zu Aussagen, welche im Schweizer "Goldenen Zeitalter" nachweisbar (aber eben nur dort nachweisbar) sind, herausarbeitet.
Es hätte auch für die deutsche WTG bis Ende 1932 sehr wohl die Option bestanden, sich gegenüber den Nazis kritisch zu verlautbaren. Sie zog das Schweigen und nochmals Schweigen, vor.
Auch eine Form der Anbiederung.
Nachstehend nochmals einige Sätze aus diesem Exkurs.
Weiteres kann man der Anbiederungs-Datei entnehmen.

Die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1932 brachte die nachfolgende Presse-Zitierung. Zu ihr wäre zu sagen. Nicht das aufgespießte Zitat als solches ist besonders beachtlich. Wohl aber der Umstand, dass die Magdeburger Ausgabe des GZ jenen Beitrag nicht brachte. ...
In der Berner Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1932 waren die beiden nachfolgenden Meldungen zu lesen:
"Nationaler Götzen-Dienst
...
Ich meine, das GZ durchaus aufmerksam ausgewertet zu haben. Einen Nachweis indes, in der Magdeburger Ausgabe des GZ, die vorstehenden Meldungen, die Nazis betreffend, konnte ich nicht registrieren. Wer da meint, diesen Nachweis noch bringen zu können, ist herzlichst dazu eingeladen! Ich fürchte nur. Es findet sich kein Nachweis-Erbringer ...
Noch einige weitere Beispiele sind benennbar.
Zum Beispiel die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 9. 1932, die da berichtete:
"Vom deutschen Heiland
...
In der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" liest man folgende Meldung:
" Das Hakenkreuz als Notenzeichen?
...
Auch diese Meldung, ist in der Magdeburger Ausgabe des GZ nicht nachweisbar.
In der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 7. 1932 konnte man nachfolgendes lesen. Und wiederum ist festzustellen, nur dort. Die Magdeburger Ausgabe druckte das nicht mit ab!
"Feldgrau schafft Dividende
...
In der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 10. 1932 ist zu lesen (wiederum die Feststellung, nicht vom Magdeburger GZ mit abgedruckt)
"Die neue "arische Religion"
...
Fast überflüssig anzumerken, dass auch die nachfolgende Meldung nur in der Schweizer Ausgabe des GZ (15. 12. 1932), nicht aber in der Ausgabe Magdeburg nacheisbar ist:
"Erneuerte Christen"
...
Auch zu den nachfolgenden vier Meldungen, die allesamt der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 1. 1933 entnommen wurden, ist wider der Standardsatz hinzuzufügen. Nur dort abgedruckt. Nicht jedoch in der deutschen Ausgabe.
(Meldung
... GZ Bern 1. 1. 1933) ...
Überflüssig zu bemerken, dass auch die nachfolgende Meldung aus der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 2. 1933, von der Magdeburger Ausgabe des GZ nicht abgedruckt wurde:
"Alter schützt vor Torheit nicht!
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Die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 3. 1933 notierte (Wiederum nur diese. Keine Übernahme durch das Magdeburger GZ):
"Salonfähige Juden
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Adolf Hitler in seiner Rede am 7. IX. 32 in München.
(Wiederum für das Magdeburger GZ nicht zitierenswert).
Auch bezüglich der in der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1933 abgedruckten nachfolgenden Meldung, ist die Standardmeldung hinzuzufügen. Von der deutschen GZ-Ausgabe nicht abgedruckt: "Ein gewaltig tönendes Nichts"
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"Kommentar überflüssig" überschrieb die Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 4. 1933, ihre nachfolgende Meldung.
Und zu der muss man dann wohl noch anmerken. Ein Kommentar ist in der Tat auch dergestalt überflüssig, dass die Magdeburger Ausgabe des GZ, auch diese Meldung nicht mit übernahm.
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"Nazi-Pfarrer" ...
Das Verhältnis des deutschen "Goldenen Zeitalters" zum heraufziehenden Nazismus lässt sich treffend auch an der Magdeburger Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 5. 1932 veranschaulichen. Dort gab es in der Sammelrubrik "Revue" nachfolgende Kurzmeldung:
"10. 1. Ergebnisse der Reichspräsidentenwahl.
Hindenburg 19 350 642, Hitler 13 417 640, Thälmann 3 706 383 Stimmen. Hindenburg ist demnach auf sieben Jahre als Reichspräsident wiedergewählt."
Ende der Durchsage des GZ. Mehr dazu zu sagen, erschien ihm offenbar nicht opportun.
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Zu der nachfolgenden Meldung der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 5. 1932, muss man sagen. Sie tangierte sehr wohl das Rattenfänger-Gehabe der Nazis. Ihre Pseudo"wissenschaftlichkeit", die dann ja namentlich in bezug auf Juden, Sinti und Roma usw. noch dramatische Folgen annehmen sollte.
Insofern ist es zu begrüssen, dass auch das genannte GZ jene Meldung aufnahm und weitergab.
Aber auch bei ihr ist wiederum die ernüchternde Feststellung zu treffen. In der deutschen Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" eben nicht nachweisbar.
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"Germanen und ihre Merkmale ...
Auch zu der nachfolgenden, der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 9. 1932 entnommenen Meldung ist zu berichten.
Nur in der Schweizer Ausgabe nachweisbar; nicht jedoch in der Deutschen!
Genannte GZ-Ausgabe notierte:
"Das verstand Deutschland nicht
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Es gab in den nachfolgenden Ausgaben der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters", auch weiterhin Anti-Nazistische Meldungen. Im Kontext dieser Betrachtung indes, können sie nicht berücksichtigt werden. Allerspätestens seit März 1933 (wenn denn nicht schon früher) konnten selbst "Blinde mit dem Krückstock" sehen, was sich nun in Hitlerdeutschland abspielte. Es wäre unfair wollte man für den Zeitraum ab 1933, dengleichen Massstab anlegen, der für die Zeit davor, sehr wohl anwendbar ist.
Soweit es wenige Meldungen Anti-Nazistischer Art, auch in der Magdeburger Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" gab, betraf deren Inhalt primär religiöse Aspekte; nicht jedoch den Nazismus in seinem Wesensgefüge.
Ein solches Beispiel ist der Magdeburger Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 6. 1932 entnehmbar. Unter der Überschrift "Koalition mit dem Teufel" liest man da:
"In der Universitätsstadt Göttingen wächst ein guter Teil der jungen Blüte protestantischer Theologenschaft heran ...
Eine der seltenen Ausnahmen ist auch die Magdeburger Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1933, wo auch zu lesen ist:

"... Oder was soll man sagen zu der Todesanzeige, die wir den "Langensalzener neusten Nachrichten" vom 4. Dezember 1932 entnehmen: ...
Hier aber wiederum das Charakteristikum. Es wird ein Vertreter der religiösen Konkurrenz attackiert. Die Politik der Nazis insgesamt, ist aber für das Magdeburger GZ weiterhin Tabu, über die es nichts, oder nur marginales, kommentiert. ...
Die Liste von Beispielen, wo Anti-Nazistische Aussagen in der Schweizer Ausgabe des "Goldenen Zeitalters" nachweisbar sind (aber nicht in der Magdeburger Ausgabe) wird immer länger.
Auch in der Berner Ausgabe des GZ vom 15. 8. 1932, konnte man diesbezügliches lesen. So etwa das:
"Im Glauben an seinen Adolf sanft entschlafen."
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Und um das Maß vollzumachen, sei ausdrücklich auch hinzugefügt.
Auch der nachfolgende Artikel, der deutschen Presse entnommen, wurde nur von der Schweizer Ausgabe des GZ (15. 12. 1932) nachgedruckt. Nicht aber von der Ausgabe Magdeburg
Er führte aus:
"Kirche mit Hakenkreuz
...

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