Buchhinweis

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 01. August 2008 20:04

Matthias Pöhlmann
Freimaurer: Wissen was stimmt
Herder Verlag
Kurzbeschreibung
Sind Freimaurer die heimlichen Drahtzieher des Weltgeschehens? Geht es ihnen um politische Macht und wirtschaftlichen Einfluss? Ein diffuser Verdacht prägt das Bild dieses obskur erscheinenden Geheimbundes. Was ist der Hintergrund solcher Vermutungen?
So etwa der Beschreibungstext bei Amazon.de

Nun habe ich das in Rede stehende Buch nicht selbst gelesen. Das aber auch wegen des Umstandes, zu meinen ausreichend über diese Thematik informiert zu sein. Jedenfalls hatte ich mir schon früher, aus dem Bestand wissenschaftlicher Bibliotheken, einiges thematische dazu angetan.
Jedenfalls halte ich es eher für unwahrscheinlich, dass Herr Pöhlmann in dieser Schrift Sachverhalte mitteilen würde, die auch mich „noch vom Hocker reissen würden."

Wenn dennoch empfehlend auch an diesem Ort darauf hingewiesen wird, dann hauptsächlich aus dem Grunde, dieweil ja gerade in Verschwörungstheoretisch orientierten Kreisen, und ihren Ablegern im Ex-ZJ-Bereich, gerade das Thema Freimaurerei ein solch „hochgekochtes" ist.

Ich würde diesen Leuten liebend gerne eines sagen.
Leute, macht euch doch erst mal seriös sachkundig. Irgendwelche (namentlich dem Englischsprachigem Raum entlehnte Internet-Sachen,) muss ich es absprechen seriös zu sein
Da ist man dann doch geneigt auszurufen.
Hätten sie doch geschwiegen, man hätte sie ja vielleicht für weise gehalten.
Sie haben aber nicht geschwiegen.

Christian Ruch leitet in der Zeitschrift „Materialdienst der EZW" eine Besprechung vorgenannter Schrift mit den Sätzen ein:
„In Zeiten weit verbreiteter Halbbildung und Halbwahrheiten ist zu „wissen, was stimmt" offenbar ein großes Bedürfnis".

Wenn es denn doch mal ein Bedürfnis wäre, würde ich Herrn Ruch gerne etwas abwandeln.
Sein Optimismus ins rechte Ohr. Hoffentlich „hören" es nicht nur „Taube"

Einen Kritik-Aspekt, den Herr Ruch an dieser Schrift auch bemängelt, würde ich mich sogar ungesehen anschließen.
Herr Ruch bemängelt auch:
„Die wechselvolle Geschichte der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Freimaurern hätte nach meinem Geschmack mehr Platz verdient."

Las ich erst kürzlich bei Infolink davon, dass da einige den Begriff „Synagoge des Satans" in den Mund nahmen, ohne über seine historische Belastung zu reflektieren, geschweige sie denn überhaupt zu kennen, erscheint ein solches Versäumnis wie es Ruch benennt, nur schwer entschuldbar.

Re: Buchhinweis

geschrieben von:  Drahbeck

Datum: 16. August 2008 19:32

"Sind die Freimaurer die heimlichen Drahtzieher des Weltgeschehens?" fragt der Klappentext des Buches von Herrn Pöhlman. Und im eigentliche Text resümiert er dann:

"Die Spekulationen und Fantastereien nehmen kein Ende", was man dann ja nur zu sehr bestätigen muss.

Hinweis: Auf eine Seitenverifizierung wird im nachfolgenden verzichtet. Wer die wünscht, dem sei anheimgestellt sich selbst für dieses Buch näher zu interessieren.

Weiter im Pöhlmann'schen Text:

"Freimaurer sind verschwiegene Männer. Sie schätzen die Tugend der Verschwiegenheit, die ihnen allerdings oft negativ ausgelegt wird. In den letzten Jahren (aber) haben die Logen ihre Öffentlichkeitsarbeit intensiviert" stellt er weiter fest.

Und zu seiner einleitenden Bestandsaufnahme gehört auch dies;

"Immer wieder wird offen oder versteckt die Befürchtung geäußert, Freimaurer würden politische Macht anstreben und deshalb gezielt Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft einnehmen. Die "geheimen Brüder" gelten in Verschwörungsszenarien als dämonische Macht, als allgegenwärtige Drahtzieher einer Weltverschwörung und Mitwirkende in einer Koalition der Bösen oder gar als antichristlicher Bund."

Nun ist Herr Pöhlmann aber selbst Christ. Zudem Mitarbeiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauuungsfragen.
Wird er also genanntes Vorurteil bestätigen.
Kurze aber klare Antwort: Nein.

Nun mögen ihm gewisse christliche Kreise, besonders die eng bornierten, das Christsein absprechen, weil ihnen Leute von der EZW prinzipiell zu "liberal" erscheinen.

Er weis also auch im voraus, nicht überall "gut gelitten" zu sein.
Wohl eher gezwungen, denn aus eigenem Antrieb, muss er diesen Gegnern gegenüber auch deutliche Worte finden. Etwa die:


"Neben diesen fiktionalen Stoffen taucht der antifreimaurerische Verschwörungsmythos in angeblich aufklärenden Sachbüchern oder in christlich-fundamentalistischen oder katholisch-traditionalistischen Traktaten auf. Am Rand der Esoterikszene finden sich Bücher, die auf den angeblich bedrohlichen wie geheimnisvollen Einfluss der Freimaurer auf das öffentliche Leben hinweisen wollen. Zu diesem Genre braun-esoterischer Literatur sind z. B. die Werke von Jan Udo Holey alias Jan van Helsing (»Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert«) und Jo Conrad zu rechnen. Auffällig ist, dass auf der Basis eigenwilliger Interpretationen viel behauptet und nichts bewiesen wird."

Und nichts bewiesen wird....
Genau dieser Satzteil erscheint auch mir der Wiederholung wert!

Als nächstes kommt er nicht umhin, die geschichtliche Entwicklung der Freimaurerei etwas zu skizzieren. Man geht aber nicht fehl in der Einschätzung. Das ist aber nicht sein eigentliches Anliegen, dass er dem Leser "rüberbringen" möchte.

Zu seinen Einschätzungen der Freimaurerei gehört auch die:


"In Abgrenzung zu allen Erscheinungsformen des heutigen Esoterik-Marktes bzw. des oberflächlichen Esoterik-Trends erblickt die Freimaurerei in der Esoterik "die wahre Erkenntnis des freimaurerischen Gedankens, als auch die auf das Ich gerichtete freimaurerische Selbstbeschau zum Zweck der Selbstveredelung". Ein okkultistisch-magisches Verständnis der Wirkung der Rituale wird abgelehnt. ... Der Freimaurerei gehe es nicht um Vermittlung eines Geheimwissens, sondern um Selbsterkenntnis, Brüderlichkeit und individuelles ethisches Wachstum - im geschützten Raum einer Loge."

In der geschichtlichen Darstellung erwähnt er auch Ludendorff, und der ist dabei in der Tat wichtig.
In den Worten Pöhlmann's:


"Im Inland sahen sich die Brüder einer Flut von Anschuldigungen und dem Vorwurf des Landesverrats ausgesetzt, der besonders durch die Verschwörungsmythen Erich Ludendorffs massenwirksam geschürt wurde. Besonders einflussreich war seine 1927 veröffentlichte Schrift »Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse«, die eine Gesamtauflage von 182.000 Exemplaren erzielte. Mit Kriegsende 1918 trat offen zutage, dass die deutsche Freimaurerei von jeher ein Eigenleben gepflegt hatte. Die Kriegsniederlage und die wirtschaftliche Notlage schürten in Deutschland eine Atmosphäre der Verdächtigungen und des Hasses. Dabei wurden auch die deutschen Freimaurer zur Zielscheibe böswilliger Unterstellungen und Verleumdungen."

Auch das gehört zur Geschichte der Freimaurer:
"Am 30. Januar 1933 schickten die Großloge von Sachsen und die drei Großmeister der altpreußischen Großlogen Ergebenheitsadressen an Hitler, in denen sie die »nationale Erhebung des deutschen Volkes« begrüßten und »treueste Gefolgschaft zum Wiederaufbau des geliebten Vaterlandes« gelobten. Die linksliberale Minderheit der freimaurerischen Organisationen sah hingegen im nationalsozialistischen Deutschland für sich keine Zukunft mehr."

Und in der Folge - wenn auch etwas später als bei den Zeugen Jehovas - sollte sie trotz alledem ein ähnliches Schicksal noch ereilen; namens "Auflösung" respektive Verbot; allen Anbiederungsversuchen zum Trotz.

Ausdrücklich der Zitierung wert erscheint mir auch seine Angabe:


"Die Behauptung, wonach sich auf der Rückseite Zeichen des US-Geldscheins geheimnisvolle Zeichen der Freimaurer oder der Illuminaten finden ließen, gehört zu den beliebtesten Motiven unterschiedlicher Verschwörungstheorien - offenbar deshalb, weil keiner die Symbolik auf der Dollarnote so recht zu entschlüsseln vermag.

Die Zeichen werden - irrtümlich - als Beweis für die heimlich vollzogene Weltherrschaft durch die Freimaurer herangezogen.
Auf der Rückseite des erstmals 1935 in Umlauf gebrachten 1-US-Dollar-Scheins ist in einem Kreis eine Pyramide zu sehen. In ihrem Fuß ist mit römischen Zahlen das Gründungsjahr der USA (1776) vermerkt. An der oberen Spitze der Pyramide befindet sich das Symbol des Allsehenden Auge Gottes. Umrahmt wird die Pyramide oberhalb mit der Inschrift »Annuit Coeptis«, unterhalb mit dem Schriftzug »Novus Ordo Seclorum«.
Diese Beobachtungen sind immer wieder Anlass für Spekulationen und Verschwörungsmythen. Demnach wird behauptet, die Jahreszahl beziehe sich in Wahrheit auf das Gründungsjahr der Illuminaten (1776), die Sockelinschrift bedeute entsprechend »eine neue Ordnung bzw. ein neuer Orden für die Zeit« oder »neue Weltordnung«. Die Überschrift an der Spitze wird mit »begonnen und gewährt« übersetzt.

Eine andere Spekulation geht von folgender Überlegung aus: Würde man ein Hexagramm, mit einem Zacken als Auge, in das Siegel einzeichnen, so ergäben die restlichen Zacken die Buchstaben A S N O M, woraus sich das Wort »Mason«, engl. (Frei-)Maurer, bilden ließe. Übersehen wird jedoch, dass sich aus den Buchstaben insgesamt 120 Kombinationen bilden ließen.

Zur Erklärung: Die Zahl 1776 steht für das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA. Von den 56 Unterzeichnern waren mindestens 15 erklärte Freimaurer, so z.B. Benjamin Franklin. Die 13 Stufen der Pyramide versinnbildlichen nicht 13 Stufen des Illuminatenordens, sondern stehen für die 13 US-amerikanischen Gründungskolonien. Die nach oben hin unvollendete Pyramide versinnbildlicht die Hoffnung, dass sich die USA noch weiter entwickeln würden. Der Schriftzug »Annuit coeptis«, eine Abwandlung eines Satzes aus Vergils Epos »Aeneis«, heißt wörtlich übersetzt:
»Er hat das Begonnene gesegnet.«
Dieser Schriftzug korrespondiert mit dem Symbol des Allsehenden Auges Gottes, das den dreieinigen Gott im Christentum versinnbildlicht. Demnach betrachten sich die 13 US-Kolonien als unter göttlichem Schutz stehend. »Novus ordo seclorum« (lat.) wird häufig falsch übersetzt und heißt wörtlich: »neue Ordnung der Zeitalter« - und meint nichts anderes als die Tatsache, dass mit der demokratischen Staatsgründung der USA eine Zäsur in der Abfolge der Jahrhunderte gegeben ist. Viele der europäischen Freimaurerlogen verwenden das Symbol des Allsehenden Auge Gottes als konfessions- und religionsübergreifendes Sinnbild für das Transzendente, für Gott."


Auch ausdrücklich der Betonung wert seine Aussage;
"Eine Weltzentrale der Freimaurer besteht nicht. Beim Bund der Freimaurer handelt es sich um eine international verbreitete, in den einzelnen Ländern in Logen organisierte Bewegung."

Vielleicht sollte man auch das noch zitieren:
"Immer wieder werden ganz unterschiedliche Lions Vereinigungen mit den Freimaurern verwechselt.International Rotary und Lions sind so genannte Service-Clubs, die erst im 20. Jahrhundert entstanden sind. ... Darüber hinaus gibt es Vereinigungen, die hinsichtlich ihrer humanitären Zielsetzung und ihres Aufbaus zwar Ähnlichkeiten mit dem Bund der Freimaurer aufweisen, aber in keiner organisatorischen Verbindung mit diesem zu sehen sind."

Bereits in einer Rezension dieses Buches im "Materialdienst" der EZW, meinte der Rezensent, in Pöhlmanns Darstellung sei das Verhältnis der katholischen Kirche zur Freimaurerei in Vergangenheit und Gegenwart, zu kurz geraten. Diesem Urteil würde ich mich nach eigner Lektüre der Pöhlmann-Schrift anschliessen.
Stellvertretend sei das Verhältnis Catholica zur Freimaurerei mal an einem, einem anderen Buch entnommenenen Bilde veranschaulicht.

Vielleicht scheute Pöhlmann auch die Konfrontation mit der Catholica. Der katholische Herder-Verlag mag ja insgesamt mehr der liberalen Ecke in selbiger zuzuordnen sein.

In Gesamtheit indes, ist die Catholica alles andere denn als "liberal". Sucht man nach extremen Sektierererscheinungen, wird man auch die dort vorfinden, und dass noch nicht mal "knapp".

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