|
|
Kürzlich ist mir mal wieder ein Buch zwischen die Finger gekommen, dass ich mal vor längerer Zeit bei ebay erworben hatte. Da bei mir - aus Zeitgründen - noch vielerlei anderes unaufgearbeitet ist, schmorte dieser Schinken" also vor sich hin. Hinzu kam, dass ich selbiges früher schon mal unter hektischen Rahmenbedingungen der Lesesäle wissenschaftlicher Bibliotheken gelesen hatte. Nun also konnte ich den Schinken" von Exzellenz" Ludendorff mit
dem Titel Weltkrieg droht auf deutschem Boden" nicht mehr länger ignorieren. Aber etwas anderes ist bei selbiger der Fall. Im Bewusstsein, dass die eigenen Ausführungen, inzwischen auch bei den Kettenspielern" wohlwollende Resonanz gefunden haben, was (erinnere ich mich recht) durchaus bei den Kettenspielern" nicht immer der Fall war, hat nun das was man so langläufig als Feedback" bezeichnet, seine Wirkung getan. Sicherlich wird wohl kaum einer der Versuchung widerstehen können, bekommt er denn Feedback" das auch zu schätzen. Und da selbst Kettenspieler" sich dazu schon bereit gefunden, möchte jene Spezies" natürlich nicht den Ast absägen" auf dem sie da selbst so sitzt. Das alles ist ja irgendwie nachvollziehbar. Nun soll es schon so gewesen sein zwischen Exzellenz" Ludendorff und dem Braunauer Rattenfänger, dass sie zwar einige Zeit gemeinsam marschierten. Sichtbares Signal dafür auch der von beiden Herrschaften gemeinsam veranstaltete Münchener Putsch. Aber nachher trennten sich zusehends ihre Wege. Auch das vorgenannte Buch, der vorgenannten Exzellenz" kündet in besonderem davon. Liest man selbiges, nüchtern und unvoreingenommen, ist man eigentlich ganz Hin- und Hergerissen". Dieses Buch erschien ja noch vor 1933, und da war es auch halt für Exzellenz Ludendorff" kein Problem, deutliche Worte über den Braunauer zu verlieren. Und man muss wohl sagen. Er hat diese Chance auch wahrgenommen. Aber, und jetzt kommt das aber". Das der Braunauer unrühmlich in die
Geschichte eingegangen ist, das wissen ja (vielleicht) sogar die Kettenspieler"
(was dann ja fast schon einem Quantensprung gleichkommt). Weil das nun so ist, soll man
nun im Umkehrschluss besagte Exzellenz Ludendorff" als eigentlichen
Held" ansehen? Das er sich selbst so sah, darüber kann auch nicht der
allergeringste Zweifel bestehen. Etwas anderes aber kann man Ludendorff sehr wohl in die Schuhe schieben. Ich formuliere
es mal so. Ludendorff war der tatsächliche Hitler des ersten Weltkrieges! Symptomatisch ist sein Vorwurf an die Novemberverbrecher". Sie hätten seine (Ludendorffs) Forderung sabotiert. Auch die Frauen müssten im ersten Weltkrieg - ohne Abstriche - militärisch Dienstverpflichtet werden. Weil die vermeintlichen Novemberverbrecher" ihn aber in dieser seiner Forderung nicht Folge geleistet hätten, lastet er ihnen auch alle Schuld" am tatsächlichen Ausgang des Weltkrieges I. an. Am Rande vermerkt. Exzellenz Ludendorff" (in weitaus höherem Maße noch
seine Exzellezin Mathilde Ludendorff). Als Exzellenzin" bezeichnete sich
selbige ja nicht, Aber so agieren tat sie! Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wer also vorstehenden Erguss" mal gelesen hat (was zumindest ich mal getan). Dem fällt da eigentlich nur ein Urteil ein. Original Kettenspieler-"Niveau". Noch eine weitere Randbemerkung. Der langjährige WTG-Funktionär Willi P. (zu dessen fragwürdigen Verdiensten" unter
anderem eine Anleitung an die Ostdeutschen Zeugen Jehovas gehörte, wie sie sich denn auf
eine Verhaftung vorbereiten könnten). Wie man weiter sieht, ist diese Besprechung des Ludendorff-Elaborates mit einigen Abschweifungen vom Thema bestückt gewesen. Also bin ich nun doch wohl gezwungen, etwas mehr wieder zu Ludendorff zurück zukehren. Eine weitere Detail-Referierung seiner Schrift, erscheint mir allerdings, etwas zuviel der unverdiente Ehre. Lassen wir es bei einem Punkt bewenden. Besagter Ludendorff stellt in
besagter Schrift an Hitler auch die Gretchenfrage". |



Ludendorff war es, der im besonderen
(nebst auch anderen; etwa dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund";
selbiger als wesentliche Wurzel den „Alldeutschen Verband" zu Kaisers-Zeiten
aufweisend; und zugleich massgeblicher Kriegstreiberverband auf deutscher
Seite, im Vorfeld des ersten Weltkrieges. Der Anti-Bibelforscher-Apologet
August Fetz etwa ist diesen Kreisen zuortbar. Sein Parteichef machte den
prompt auch in den „Deutschvölkischen Blättern", und auch als
Separat-Schriften, massive Reklame für den Fetz'schen Anti-Bibelforscherguss.
Nicht zu vergessen der auf gleicher Wellenlänge liegende Karl Weinländer
(letzterer unter dem Pseudonym „Lienhardt" und noch ein paar mehr
Pseudonym-Namen agierend.
Wer sich mit diesen Ergüssen mal aus eigener Anschauung auseinandergesetzt
hat, kann über diese politisch Rechtsgerichteten Apologeten, nur ein total
vernichtendes Urteil aussprechen. "Rechtskreise" gab es damals viele; nicht
zuletzt auch in den Großkirchen. Die "Lienhardt" und Fetz hingegen können sich
"zugute" halten, den Ultrarechten "in die Schützengräben hineinpredigende"
zuortbar zu sein).
Sie alle inspirierte die
„Dolchstoßlegende" , welche in letzter Konsequenz zum Hitlerismus
führte.
Man komme auch nicht mit dem billigen - zu billigen - Argument; auch
Ludendorff habe sich dann ja noch mit Hitler überworfen.
Weshalb hat er sich denn mit diesem überworfen? Weil er Hitler noch „von
rechts" überholen wollte, weil Hitler im Vergleich zu ihm immerhin noch mehr
(zeitweiliger) Realpolitiker war.
Eigentlich wollte ja Ludendorff jene Rolle wahrnehmen, die dem Hitler
dann vergönnt war. Es klappte für ihn aber nicht.
Dann steht man bei der Bewertung vor dem Dilemma, was denn nun das kleinere
Übel sei:
Der Teufel oder der Beelzebub?
Ich kann keinem der beiden Protagonisten etwas „abgewinnen". Ausdrücklich auch
nicht dem Ludendorff.
Nun sei dem GZ zugebilligt, dass eine Aussage von ihm in ihr Konzept passte.
Vorab erst mal ein paar Auszüge aus der Wikipedia zum Thema Ludendorff.
[Ergänzend die Anmerkung: Texte der Wikipedia sind variabel. Die Zitierung
kann auch aus einer älteren Variante stammen. Eine Gewähr, dass sie auch den
derzeitigen Textbestand der Wikipedia entspricht, kann nicht übernommen
werden].
In der Weimarer Republik „spielte
Ludendorff eine führende Rolle in den republikfeindlichen und chauvinistischen
Kreisen der völkischen Bewegung und war sowohl am Kapp- als auch am
Hitlerputsch aktiv beteiligt. In dem auf den Hitlerputsch folgenden Prozess
wurde er aber trotz des schwerwiegenden Belastungsmaterials freigesprochen.
...
1925 ließ sich Ludendorff als Kandidat der Völkischen für die Wahl zum
Reichspräsidenten nominieren, da Hitler zu diesem Zeitpunkt noch in
Festungshaft saß. Im ersten Wahlgang errang er aber nur 1,1 Prozent der
Stimmen. Nachdem Hitler, auf dessen Unterstützung er gerechnet hatte, seine
Anhänger dazu aufgefordert hatte, für Hindenburg zu stimmen, trat Ludendorff
im zweiten Wahlgang nicht mehr an. ...
Das Scheitern seiner parteipolitischen Karriere erklärte er
verschwörungstheoretisch mit dem „Wirken überstaatlicher Mächte […]". Damit
waren der Jesuitenorden, die Freimaurerei, das Judentum und die kommunistische
Internationale gemeint, die sich, so wähnte der immer paranoider werdende
Ludendorff, zusammengetan hätten, um Deutschland zu demütigen und zu knechten.
Zu diesem Zweck hätten sie unter anderem schon 1914 die Morde von Sarajevo
inszeniert, die russische Revolution, den Kriegseintritt der USA, den Umsturz
vom 9. November 1918 und den Versailler Vertrag. Dass die einzelnen
Gruppierungen in dieser angeblichen Weltverschwörung einander zum Teil
spinnefeind waren, hielt Ludendorff nicht davon ab, immer mehr dergleichen
konspirationistisches Garn zu spinnen. ...
Unter dem Einfluss von Ludendorffs zweiter Frau Mathilde entwickelte sich der
Bund aber zu einer Gruppierung, in der zunehmend antichristliches Gedankengut
vertreten und in der an Stelle des Christentums die Philosophie Mathilde
Ludendorffs gestellt wurde. In den späteren Veröffentlichungen des
Tannnenbergbundes konstruierte Ludendorff nicht nur weitere
Verschwörungstheorien, sondern vermutete kabbalistische Hintergründe bei
bestimmten Geschichtsdaten:
Da die Ziffern 10 und 5 als kabbalistische Zahlwerte der ersten beiden
Buchstaben des Gottesnamens JHWH den Juden heilig sind, müsse der nächste
Weltkrieg, der von ihnen ausgelöst werden würde, am 1. Mai 1932 oder 1941
beginnen, denn die Zahlen 1932 und 1941 haben als Quersumme 15.
Die abstrusen Phantasmen des ehemaligen Kampfgenossen waren selbst den
Nationalsozialisten zu viel, die ansonsten Verschwörungstheorien wie den
Protokollen der Weisen von Zion nicht abgeneigt waren, und die ja selbst Krieg
führen wollten. Alfred Rosenberg vermutete, der ehemalige
Generalquartiermeister sei psychotisch geworden, während Goebbels in seinem
Tagebuch ätzte:
"Diese Frau ist sein böser Geist".
Bereits am 5. Februar 1927 war ein Rundschreiben an alle Gauleitungen der
NSDAP ergangen, das parteioffiziell feststellte:
"Exz. Ludendorff ist nicht Mitglied der NSDAP und hat deshalb auf diese
keinerlei Einfluss".
Und ergänzend gibt es in der Wikipedia noch ein passendes Bild.
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_102-16742,_Erich_Ludendorff_mit_Adolf_Hitler.jpg
Dieser Ludendorff nun mutiert auch zum Gewährsmann des „Goldenen
Zeitalters". Das muss man sich zweimal auf der Zunge zergehen lassen!
Auch die „Madame" Ludendorff sei dann nicht vergessen.
Sie war zwar auch eine Art "Religionskritikerin". Stellvertretend sei nur ihr
Pamphlet genannt

Es muss ausdrücklich wert auf die Feststellung gelegt werden.
Religionskritiker zu sein, ist an sich noch kein „Qualitätsbeweis". Unter
selbigen kann man auch Typen des Gossenniveaus namhaft machen. Sucht man nach
einem exemplarischen Beispiel einer Gossenschreiberin, wird man bei der
„Madame" Ludendorff garantiert fündig!
Die Motivation, welche das GZ zu diesem akrobatischen Schritt veranlasste sich
auf Ludendorff zu berufen, war offenbar eine antikatholische Attacke von
Ludendorff im Hitler-Prozess.
Es wurde schon beim Zitat aus der Wikipedia deutlich. Hitler und Ludendorff
konnten je länger je mehr nicht so recht miteinander. Eigentlich hätte sich ja
Ludendorff gerne in der Rolle gesehen, die dann Hitler tatsächlich ausübte.
Das ihm diese Gunst nicht zuteil wurde, hat er zeitlebens nicht mehr
verkraftet. Waren Hitler und Ludendorff im Hitlerputsch noch gemeinsam am
Werke, so änderte sich das schon kurze Zeit danach. Der Katalysatorpunkt dabei
war massiver Antiklerikalismus auf Seiten Ludendorffs, der selbst Hitler zu
weit ging.
Überliefert ist dazu die sinngemäße Aussage von Hitler, als er von Ludendorff
zur Rede gestellt wurde, weil er seinem Kurs nicht folge:
„Exzellenz können es sich leisten, ihren
Gegnern zu sagen, sie totzuschlagen. Ich aber (Hitler) benötige sowohl die
Protestanten und Katholiken Deutschlands zum Machterwerb".
Fortan waren beide Herrschaften geschiedene Leute. Das alles konnte einem
die politische Tagesszene genau Beobachtenden, schon damals bekannt sein.
Offenbar aber nicht dem GZ.
Man mag lediglich als Grund dafür anerkennen. Die Schweizer GZ-Redaktion war
eben mit den deutschen Verhältnissen nicht ausreichend genug vertraut.
(Diese „Entschuldigung" kann allerdings nur begrenzt gelten, denn auch das
deutsche „Goldene Zeitalter" druckte in seiner Ausgabe vom 15. 7. 1924,
diese Ludendorff-Meldung, unverändert nach. Man lies sich eben durch den
Umstand blenden, dass ihr eine antikatholische Aussage enthalten ist. Im
„Goldenen Zeitalter" liest dass sich dann so.
Unter der Überschrift: „Die Kirchenhimmel
werden zusammengerollt" eingeordnet in die Rubrik „Zeichen der Zeit", wird
ausgeführt:
„Was der Ministerpräsident Deutschlands, das sich als Hort des Protestantismus
betrachtet, an den päpstlichen Nuntius zu berichten weiss."
Und man fragt dazu:
„Wo ist da der Geist Luthers und wo der Protest der Protestanten hingekommen?
Man könnte glauben, sich im Mittelalter zu befinden!"
Und dann ziert man:
„(Wir entnehmen dem 'Expreß'):
Der preussische Ministerpräsident hat vor
einiger Zeit an den päpstlichen Nuntius Pacelli in Berlin ein Schreiben
gerichtet, das dem amtlichen preussischcn Pressedienst zufolge folgenden
Wortlaut hat;
Die von dem General der Infanterie a. D.
Ludendorff in seiner Verteidigungsrede vor dem Münchener Volksgericht gegen
Seine Heiligkeit, den Papst, gerichteten Angriffe geben mir Veranlassung,
Ihrer Exzellenz zum Ausdruck zu bringen, wie lebhaft die preussische Regierung
die Ausfälle des Generals gegen Seine Heiligkeit bedauert. Sie bedauert sie
umsomehr, als sie sich bewusst ist, wie unbegründet die Angriffe sind und
welchen warmen Dank sie dem Heiligen Stuhl für seine Bemühungen um den Frieden
und die Wohlfahrt des preussischen Volkes während und nach dem Kriege
schuldet. Wenn es sich auch bei General Ludendorff um eine rein private Person
handelt, die als Angeklagte bemüht ist, alles vorzubringen, was ihrer Ansicht
nach für sie von Nutzen sein könnte, so hält sich die preussische Regierung
bei den ausgezeichneten Beziehungen, deren sie sich zu dem Heiligen Stuhl zu
erfreuen hat, gleichwohl für verpflichtet, ihr tiefes Bedauern über das
Vorgehen des Herrn Ludendorff auszusprechen.
Ihrer Exzellenz wäre ich ganz besonders dankbar, wenn Seiner Heiligkeit die
Auffassung der preussischen Regierung über den Vorfall zu übermitteln Sie die
Güte hätten."
Das GZ registriert also, dass selbst der damaligen preussischen
Regierung, Ludendorff mit seinen Ausfällen unheimlich wurde, und dass sie
versucht, diplomatisch gegenzusteuern. Das alles will das GZ eigentlich nicht
wissen. Es starrt nur auf den Umstand, dass da ein Radikalinski
regierungsamtlich in die Schranken gewiesen wurde. Und genau jenen Aspekt
deutet es seinerseits als „faktischen Verrat an Luther".
Also für das GZ war es offensichtlich recht und billig, das der Teufel auch
mit dem Beelzebub ausgetrieben werden könne!
Die Unbedarftheit des „Goldenen Zeitalters" gegenüber Ludendorff, offenbart
sich auch in seiner unkritischen Reflektion der Ludendorff-Schrift „Weltkrieg
droht auf deutschem Boden".
Zurückkehrend zum „Goldenen Zeitalter". Ob denn selbiges die genannte
Ludendorff-Schrift tatsächlich auch mal gelesen hat, stelle ich mit
gewichtigen Gründen in Frage. Es wird wohl eher so sein. Das was das GZ in
Sachen Ludendorff mit aus Tageszeitungen aufgeschnappt hat, gibt es an seine
Leser weiter. Sich mit dem Fall Ludendorff indes im Detail
auseinanderzusetzen. Dazu waren die Politik-Idioten, in der GZ-Redaktion schon
wieder nicht fähig.
Jedenfalls konnte man in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom
1. 5. 1931 (Schweizer Ausgabe vom 15. 5. 1931) noch die
nachfolgende Kurzmeldung lesen:
„Ludendorffs düstere Prophezeiungen
General Ludendorff, der oft das Gehirn des deutsch-kaiserlichen Heeres genannt
wurde, sagt für das Jahr 1932 einen neuen Weltkrieg voraus. Er meint
Frankreich, Rumänien, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien würden gegen
England, Deutschland, Österreich und Ungarn gehen. Und Russland würde nach den
Knochen jagen, die von beiden übriggelassen würden. Er sagt, 45.000 Deutsche
würden in Russland im militärischen Kommunismus ausgebildet."
Dann in der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 3. 1932,
kam man erneut auf Ludendorff zu sprechen. Diesmal hatte man es wohl
(wenn auch spät) noch erfasst, um was für eine Koryphäe es sich bei
diesem Ludendorff handelt.
Die zuletzt genannte Ausgabe des GZ notierte zu ihm:
„Erich Ludendorff's "Krieg im Jahre 1932".
Die Veröffentlichung dieses Zukunftskriegsbuches hat Furore gemacht und je
nach Einstellung wurde es als Hirngespinst, Utopie, oder Evangelium bezw.
"Prophezeiung" angesprochen.
Was man auch vom Sujet denken kann, die Aktualität des behandelten Stoffes
"der Krieg im Jahre 1932", sowie die Kompetenz des Verfassers in kriegerischen
Dingen, sind nicht zu bestreiten. (General Ludendorff war bekanntlich während
des letzten Krieges Generalquarticrmeisler und Mitarbeiter von Hindenburg.)
Mit einer präzisen "Gabe des Voraussehcns" schildert General Ludendorff,
nachdem er in der Einleitung die Ursachen des neuen Weltbrandes erklärt hat,
wobei L. die sich bekriegenden Gegner in drei Systeme gruppiert (Moskau, Rom
und Paris), im Einzelnen die Phasen des Konfliktes, der zuerst Europa, dann
die ganze Welt verheeren soll und dessen Beginn er vielleicht nicht aufs
geratewohl auf den 1. Mai 1932 festlegt.
Der ganze Wagemut und die Phantasie, die dieser General im Verlaufe des
letzten Krieges auf verantwortungsvollstem Posten zeigte, findet man in dieser
Antizipation wieder. Er schildert Tag für Tag, nachdem „die Gewehre von allein
losgegangen sind", den Marsch der Truppen der drei Systeme, im Rahmen der sich
entwickelnden Ereignisse, berechnet die mobilisierten Streitkräfte der
Systeme, erläutert und kommentiert die Strategie und die Taktik der Führer und
schlägt, immer in der Zukunft, Riesenschlachten - zum Glück nur auf dem Papier
-.
Die zwischendurch gestreuten Schilderungen über Vernichtungen, Greueltaten und
Elend sind derart realistisch, dass man tief und nachhaltig erschüttert ist.
Ein lesenswertes Buch!
Doch wie jedes Werk, so hat auch Ludendorff's Schrift ein Ziel. Die
vaterländische Einstellung des Verfassers ist bekannt. Er versucht
nachzuweisen, dass die Reichswehr, die er im imaginären Konflikt mit ihrem
alleinigen Effektivbcstand von 100.000 Mann im "horizontalen System", an der
Seite der Engländer, Österreicher, Bulgaren, Italiener etc. gegen das
"vertikale System" der Franzosen, Belgier, Polen etc., aufmarschieren lasst,
unbedingt zu schwach ist, um nur die Grenzen zu beschützen, geschweige denn um
sie zu verteidigen. Eskamotiert sind z. B. die militärischen Formationen,
deren es im heutigen "abgerüsteten" Deutschland eine Unzahl gibt, kein
einziger Mann, kein Freiwilliger, nichts von der grosssen Kraftreserve
Deutschlands, das 60 Millionen Menschen zählt, werden in dieser Berechnung
eingesetzt. Allein die durch den Versailler Vertrag festgesetzten Ziffern der
Effektivstärken der Wehrmacht und der Rüstungsmittel sind in der Berechnung
eingesetzt und auf der andern Seite stehen die rüstungstrotzenden
Feindstaaten.
So moralisch wertvoll eine solche Schrift sein konnte im Interesse des
Friedens, so wertlos und aufstachelnd wirkt sie im gegenteiligen Sinn eben
durch diese ungeheuerliche Camoufflage der realsten Wirklichkeit zur
Stimmungsmache "für eine energische Aufrüstung Deutschlands" hei
gleichzeitiger Abrüstung für die ändern. Sachlich ist die Schrift nicht, nur
zu sehr einseitig.
Der französischen Ausgabe dieses Werkes, das überall zum Preise von 10 Fr. zu
haben ist, geht eine Einleitung von Co'lonel Jean Fabre, Depute, ehemaliger
Minister und Präsident der Armeekommission voraus, der in markigen Strichen
manchen Widerspruch aufdeckt und auf das oben angedeutete Endziel des Buches
Ludendorffs hinweist. Hoffen wir, noch zahlreiche Kommentare im Kreislauf der
Jahre erleben zu dürfen, ohne dass Ludcndorffs Prophezeiung vom „Krieg im
Jahre 1932" in Erfüllung geht.
Spät, im Jahre 1933, findet auch das Schweizer „Goldene Zeitalter" in
seiner Ausgabe vom 15. 1. 1933 deutlich-kritische Worte zu Ludendorff. Das
allerdings wird durch den Umstand entwertet. Zu spät. Diese kritischen Worte
posaunten zu der Zeit auch noch andere Publikationsorgane. Das GZ springt
somit lediglich auf einen zeitweilig fahrenden Zug mit auf.
In der zuletzt genannten GZ-Ausgabe war dann zu lesen:
„Immer noch der " Gott"
General Ludendorff hielt bei einer Gedächtnisfeier für den Sieg von Tannenberg
eine Rede, worin er die völkische Doktrin verteidigte und die Politik des
Judaismus und der römischen Kirche streng verurteilte. "will", sagte er, "die
Deutschen endlich erkennen, dass die jüdische Bibel ein Gesetzbuch ist, das
dazu dient das deutsche Volk m knechten; ich will, dass die Deutschen die
nötige Kraft aufbringen, eine solche Doktrin zu verwerfen und dass sie sich zu
jener Doktrin bekennen, die von Gott kommt und dem Instinkt der deutschen
Rasse entspricht jener Doktrin, welche erklärt, dass für den Menschen das
höchste Gut die Freiheit ist"
Frau Ludendorf hielt ebenfalls eine Rede, worin sie ähnliche Anschauungen
vertrat
Ludendorf will nichts mit dem Gott der "jüdischen Bibel" zu tun haben!
Begreiflich, denn dieser Gott verbietet das Töten. Der ehemalige deutsche
Generalstabschef scheint nur von diesem blutigen Handwerk leben zu können, und
so wünscht er, dass das arme deutsche Volk aufs neue zum deutsch-rassigen Gott
Zuflucht nehmen möchte, zu jenem, der es bereits im Weltkriege trotz aller
scheinheiligen Gebete im Stiche gelassen hat ..."
Exkurs:
Ernst Niekisch in seinem 1958 erschienenen Erinnerungsband mit dem Titel
„Gewagtes Leben" über die Ludendorff's (S. 176f.)
In meiner Dresdener Zeit hatte ich eine Begegnung mit dem General Ludendorff.
Er war in die sächsische Hauptstadt gekommen, um gemeinsam mit seiner Frau
Mathilde einen Vortragsabend zu veranstalten. Ihm lag offenbar daran, einen
Bericht im 'Volksstaat' zu erhalten, und er ließ mich bitten, ihn zu besuchen.
Er empfing mich in der Wohnung eines seiner Bekannten, der sich eine Ehre
daraus gemacht hatte, ihn als Gast aufzunehmen.
Ludendorff kannte, wie sich zeigte, meinen 'Widerstand'
[Einfügung: Zeitschrift dieses Namens].
Unverkennbar litt der General, der sich mit stolzem Selbstbewußtsein als
geborener Feldherr fühlte, unter die Niederlage, mit welcher der erste
Weltkrieg geendet hatte.
Es hätte sein Selbstbewußtsein beeinträchtigt, wenn er die Schuld an dem
Zusammenbruch bei sich gesucht hätte. Er war bestrebt, andere Schuldige zu
entdecken, und fand sie in den „Überstaatlichen Mächten."
Unter den „Überstaatlichen Mächten" verstand er die Jesuiten, die Juden und
die Freimaurer.
Die Jesuiten verkörperten nach seiner Auffassung einen intrasigenten, gegen
das protestantische Deutschland gerichteten katholischen Universalismus, die
Juden das fremdrassige Blut, das instinktiv die hochwertigen Germanen
rachsüchtig zu ruinieren trachtete, die Freimaurer die internationale
Geldmacht, das Bank- und Finanzkapital.
Seine Frau hatte diesen symbolischen Feindestrio einige mystische, religiös
gefärbte Elemente beigemischt; sie sprach von einer deutschen Gotterkenntnis
und ließ durchblicken, daß die Deutschen wertvoll genug seien, eines eigenen,
allein ihnen zugetanenen Gottes gewiß sein dürfen.
Hitler sollte ihn mit der Massenbasis versorgen. Hitler war es anfänglich
zufrieden, nur als Trommler des berühmten Feldherrn zu gelten.
Nach dem Münchner Novemberputsch 1923 wurde Ludendorff zwar freigesprochen,
war aber doch reichlich kompromitiert. Als Hitler, um wieder auf freien Fuß
gesetzt zu werden, den bayerischen Klerikalen das Versprechen gegeben hatte,
den Kampf gegen die Kirche einzustellen, rückte Ludendorff von Hitler ab.
Mit seiner neuen Lehre hoffte er, Massen an sich ziehen zu können; sein Erfolg
war, daß er in seinem „Tannenbergbund" kleinbürgerliche Rentner und
Rentnerinnen, verzweifelte Handwerker und unglückliche alleinstehende alte
Weiblein zusammenbrachte; zu ihnen gesellten sich noch zahlreiche entlassene
Offiziere, die Ludendorff als Soldaten bewunderten und die es gewohnt waren,
von ihrem Weltkriegsgeneral jedes Wort als letzte Weisheit entgegenzunehmen.
Ich zeigte etliches Widerstreben und einige Skepsis. Da ereignete sich etwas
höchst Seltsames. Die Gesichtszüge des Generals wie die seiner Frau
veränderten sich, die Augen glühten, in maskenhafter Starrheit saßen die
beiden vor mir, von dämonischer Besessenheit zeigten sie sich ergriffen. Der
Anblick fesselte mich so sehr, daß ich kaum auf ihre Worte hörte; endlos
wiederholten sie:
Jude, Freimaurer, Jesuit, überstaatliche Mächte.
Es war eine unheimliche Situation.
Ludendorff zog das Publikum an; er war noch eine Sensation. Viele waren auf
der Suche nach einem neuen Heiland gekommen.
Der General redete trocken, kühl und nüchtern; der Ton stand im Gegensatz zu
der Verworrenheit seiner Ideen.
Nach etwa fünfzig Minuten endete er. Dann trat seine Frau an das Rednerpult.
Sie sprach fanatisch, sektenpriesterlich und endlos. Sie mochte zweieinhalb
Stunden das Wort behauptet haben.
Es war ersichtlich, daß sie sich als die Hauptperson fühlte; ihr Mann hatte
ihr nur als Lockmittel gedient, die Menschen herbeizuschaffen.
Später schrieb ich im „Widerstand" einen Aufsatz über Ludendorff, in dem ich
ihn als germanischen Recken und Barbaren darstellte, der aus Urwelt- und
Urwaldunstinkten gegen Rom, gegen den Westen revoltierte.
Als ich dann aber in der „Entscheidung", einer Wochenschrift, Ludendorffs
Abhängigkeit von seiner Frau beklagte und das Bild gebrauchte, seine Frau
schleppe ihn wie einen Bären aus Germaniens Urwäldern am Nasenring von Ort zu
Ort, erklärten mir das Haus Ludendorff und der Tannenbergbund den Krieg. Ich
wurde zu den „überstaatlichen Mächten" gerechnet. ..
Noch ein Exkurs:
In Rudimenten gibt es ja heutzutage auch noch Ludendorfferianer. Wie auch
andere Gruppen, haben auch sie bei ihrer "Geschichtsschreibung" eine
bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, die eigene Geschichte "schönzuschreiben".
In diesem Kontext scheint ihnen auch zu passe zu kommen, dass es da
tatsächlich Differenzen zu den Hitlerianern gab.
Ein zeitgenössischer Text aus dem Jahre 1931 (also noch bevor die Hilterianer
die Macht usurpieren konnten), kündet (als Beispiel) auch davon.
Lawrence D. Stokes zitiert in seinem Buch
"Kleinstadt und Nationalsozialismus
Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918-1945" auch diese
Pressepolemik, in einer seinerzeitigen Tageszeitung veröffentlicht. Laut
Stokes gab es da im
"Anzeiger für das Fürstentum Lübeck" vom 14.10. 1931 den nachfolgenden Text.
Bei dem in Text genannten "Tannenbergbund" handelt es sich um eine (damalige)
Kernorganisation der Ludendorfferianer. Nun noch das entsprechende Zitat:
"Eingesandt der NSDAP-Ortsgruppe Eutin.
Am 9.10. 1931 fand in Eutin eine Versammlung des Tannenbergbundes statt. Zu
dem Vortrag des Redners Hans M. (aus Halberstadt) und über die Tapferkeit
dieses "Urdeutschen" Tannnenbergbundes kurz folgendes. Der Redner weist darauf
hin, dass keine Partei außer dem Tannenbergbund in ihrem Programm
entscheidende Maßnahmen für Entschädigung der Sparer, Maßnahmen gegen die
Bodenspekulation, Maßnahmen gegen jüdische Machenschaften usw. getroffen
hätten.
Es sei dem Tannbergbund an dieser Stelle einmal empfohlen, das Programm der
NSDAP (vom 24. Februar 1920) etwas eingehender zu betrachten. Sodann spricht
der Redner eingehend über die Freimaurerei, stellt aber seiner Ausführung so
hin, als hätte außer (General) Ludendorff noch kein Mensch dies alles
eingesehen und außerdem Tannenbergbund noch niemand entscheidende Maßnahmen
dagegen getroffen....
Wie aber die NSDAP gegen die internationale Freimaurerei kämpft, davon will
oder darf der Redner nichts wissen. Der Kampf Hitlers gegen das Zentrum, gegen
Freimaurer und Judenherrschaft sei nur ein Scheinkampf, die täglich
hingemordet SA- und SS-Leute die nach Tausenden zählenden verletzten der
NSDAP, sind alles nur Scheinmorde, es sei ein Listkampf. Eigenartig ist nur,
dass es heute noch kein Tannenbergler von der internationalen Mordbestie
angerührt wurde. Kein Wunder, denn die internationale Hochfinanz des Judentums
hat bisher ihren Kampf nur gegen wirkliche Kämpfer der Wahrheit geführt und
nicht gegen hohlköpfige Phrasendrescher.
Außerordentliche Kühnheiten wagte sich der Redner in seinen Ausführungen über
die Religion. Er lobte auf der einen Seite Martin Luther als Beispiel der
großen deutschen Religionsreformators, und nach der Pause, als man dem in der
Versammlung anwesenden Landespropst Kieckbusch ... verweigert hatte,
öffentlich dazu Stellung zu nehmen, und er darauf das Lokal verließ, dann erst
fällt der Redner über jede christliche Religion her....
Den Höhepunkt allen Irrsinns, hervorgerufen durch krankhafte Unlogik,
erreichte der Redner, als er folgendes behauptete:
"1931 wäre schon der große Weltkrieg ausgebrochen, das Völkermorden hätte
eingesetzt, doch dann kam der große Feldherr Ludendorff griff in das Getriebe
der Weltgeschichte ein und es ward wieder Ruhe."
Und wie kam das? Weil General Ludendorff den Gegnern der deutschen Volkes
hinter die Karten gesehen hatte!!! ... Der ganze Hitler ... besteht nur aus
Scheinkampf - und warum? Weil Hitler Christ ist. Die Logik ist folgende:
Christ sein heißt jüdische Weltanschauung haben, wenn man nicht jeden Priester
aufhängt heißt man romhörig.
Wenn man den Romhörigen Gegner nicht sofort auf illegalem Wege aus der Welt
schafft, ist man Freimaurer. Folgerung Hitler verrät das deutsche Volk. ...
immer mehr zersplittert und der Freimaurerei nur noch mehr ausliefert, dann
ist man nach dem Dafürhalten der Tannengergler urdeutsch. ... Überhaupt
urdeutsche Tugend und Tapferkeit über alles!
Leider nur in Worten. Den als ein Redner der NSDAP sich meldete und
öffentliche Diskussion verlangte (der Nationalsozialist ist aus München),
wurde ihm dies verweigert und er sogar mit den Worten beschimpft
"Die Süddeutschen täten besser zu Hause zu bleiben als hier in Norddeutschland
das Volk zu verseuchen"!!
Kurz vorher sprach der Redner noch von deutscher Einigkeit. Die Begründung,
warum die NSDAP zu keiner Diskussion zulassen wird, erklärte der deutschen
Herr M. folgendermaßen:
"Der Tannenbergbund schlägt sich mit geistigen Waffen und ist nicht gewohnt,
dass man bei Diskussion sich erst dann durchsetzt, wenn man erst die Joppe
ausziehen muss." ...
Den tapferen Urdeutschen Tannbergbund (Vulgo Kneifer) wird hiermit dringend
geraten, sich bei Gelegenheit mal einige Zentner Logik und auch einige Tonnen
Tapferkeit zu bestellen.
Im Tacitus aus dem der Herr Hans M. zum Schluss seiner Ausführungen vortrug,
steht auch geschrieben, dass die Germanen ein tapferes Volk waren, die sich
jederzeit zum Kampf stellten und noch keine Ahnung von dem Begriff "Kneifer"
hatten.
Am Rande vermerkt. Skurril wirkt es, wie Mlynek in einer Dokumentation
zitiert, wenn man im
"Lagebericht der Staatspolizeistelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt
Berlin für den Monat April 1935" vom 4. Mai 1935 auch die Sätze liest:
"Anlässlich des Geburtstages des Generals Ludendorffs (70. Geburtstag am 9.4.
1935) wurden an verschiedenen Orten des Bezirks Geburtstagsfeiern abgehalten,
die keine besonders zahlreiche Beteiligung aufzuweisen hatten. Neben Anhängern
des früheren Tannenbergbundes nahmen die Mitglieder der Partei und ihre
Gliederungen, aber auch frühere Mitglieder der KPD und SPD und Bibelforscher
teil."
Nun mag man über die Authentizität dieser Aussage streiten. Fest steht
auf jeden Fall:
Sie ist so authentisch in den Naziakten überliefert.
Der Religionskritische Drall des Ludendorff wurde ja bereits vermerkt. Es ist
allerdings nicht auszuschließen, dass bei jenen als "Bibelforscher"
bezeichneten, es sich um von der WTG abgesplitterte Kreise handelt (einiges
spricht für diese Interpretation).
Wie auch immer, "der Apfel fällt selten weit vom Stamm"!
Für die These, dass die Splittergruppen der WTG gemeint sind, spricht ein
weiterer bei Mlynek mit abgedruckter Lagebericht. Und zwar der von der
Staatspolizeitstelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin
abgefasste für den Monat Februar 1936 vom 4. 3. 36.
Und daselbst gibt es auch den Passus:
"Während die Anhänger der IBV (Zeugen Jehovas) als die radikalere Bewegung
ausnahmslos den deutschen Gruß ablehnen und sich auch weigern, Ehrenamtliche
Stellen als Luftschutzwart usw. anzunehmen, gibt es unter den ernsten
Bibelforscher hierüber verschiedene Ansichten."
Wem diese Replik vielleicht zu abenteuerlich erscheint, der sei noch auf
ein weiteres Dokument aus der Studie von Mlynek verwiesen. Und zwar auf den
Lagebericht der Staatspolizeistelle Hannover an das Geheime Staatspolizeiamt
Berlin für den Monat Oktober 1935 vom 4. November 1935.
Daselbst ist zu lesen:
"In der Berichtszeit ist eine zunehmende Werbetätigkeit der Ludendorffbewegung
in Erscheinung getreten. Eine Versammlung die in Marienhagen Krs. Alfeld,
geplant war und auf welcher der bekannte Agitationsredner des früheren
Tannenbergbundes (Paul) Neuhaus aus Elze reden sollte, ist verboten worden, da
die Gefahr bestand, dass unter dem Deckmantel der Religion reaktionäre Politik
betrieben werden sollte.
Als Neuhaus das Lokal für dieser Versammlung mieten wollte, sprach immerfort
von "Eurer Führer". Auf die Frage ob er nicht auch sein Führer sei erklärte
er: "Nein mein Führer ist das nicht".
Auf Vorhalt warum er den Gruß "Heil Hitler" nicht erwiderte, sagte er, der
Gruß käme für ihn nicht in Betracht." Zitatende.
Nun wie man weis, gibt es ja noch eine andere Gruppe, welche sich
(heutzutage) auch viel auf die Verweigerung des Hitlergrußes zugute hält.
Haben sich da also zeitgenössisch in der Frage "gleichgestimmte" Kräfte
gesucht und gefunden, wäre so ungewöhnlich, das auch nicht!
Man vergleiche etwa in der Gegenwart, den Umstand der Bestückung der
WTG-eigenen Bibliothek in Selters.
In einem (gewährten) Interview mit der evangelikalen Zeitschrift „idea" gibt
es auch darin die (beiläufige) Anmerkung.
Die Werke des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner, sind dort (zumindest einige
von ihm) vorhanden. Deschner ist ja nicht „irgendwer", sondern hat (unter
anderem) eine „Kriminalgeschichte des Christentums" verfasst.
Nicht hingegen (jedenfalls nicht öffentlich) sind dort die Bücher von Raymond
Franz, und andere WTG-Kritiker vorhanden.

Siehe auch
Parsimony.24254
Und zuletzt in gedruckter Form, ist der Artikel auch im Buch von Kühne
enthalten („Eine schrecklich nette Familie")
Analog kann man auch den Fall Ludendorff einordnen.
Man lässt sich von seiner militanten Kirchengegnerschaft blenden (ohne sich
wirklich mit ihm auseinanderzusetzen).
Und im Rahmen dieser Oberflächlichkeit, werden auch einige „Kröten" äußerst
bedenklicher Art, mit heruntergeschluckt!
Ein weiterer Exkurs zum Verständnis der Sachlage allgemein, noch:
Die „Freiburger Zeitung" vom 28. 9. 1927 vermeldete:

Nun muss man keineswegs dem (auch) kruden Gedankengängen der „Freimaurer" zugetan sein, um diesen „Kronzeugen" Ludendorff abzulehnen, und zwar entschieden abzulehnen.
Der erste Weltkrieg, soweit seine Alltagspolitik bestimmt wurde (bezogen auf Deutschland), wurde je länger, je mehr, maßgeblich von besagtem Ludendorff wesentlich mitbestimmt. Seine Maxime: Es könne für Deutschland nur einen „Siegfrieden" gaben. Genau den aber gab es eben nicht. Zur Erreichung dieses Zieles war ihm all und jedes Mittel recht, um aus der „Heimatfront" das letzte, dass allerletzte herauszupressen („Böse Zungen" sehen sich bei selbigem auch unwillkürlich an die WTG-Funktionäre erinnert).
Der Kieler Matrosenaufstand, als ein äußeres Fanal, setzte auch diesen Ludendorff`'schen Plänen, ein einstweiliges Ende. Die von ihm alles andere denn als „geliebt" zu bezeichnende Demokratie (Weimarer Republik) begann sich auf deutschem Boden zu etablieren.
Ludendorff wäre nicht Ludendorff, würde er sich damit „abfinden". Er fand sich damit in der Tat nicht ab; und alsbald fand er sogar einen Compagnon (der später noch weitaus mehr von sich reden machen würde), der in der Ablehnung der Weimarer Republik mit ihm eines Sinnes war. Besagter „Gefreite" inszenierte dann in München einen Putsch, und auch der General Ludendorff war sich nicht zu Schade, bei diesem Putsch von dem „Trommler" Hitler gebrauchen zu lassen.
Allerdings einen Denkfehler beging der General wohl schon. Er wähnte, der Hitler würde ja für ihn „trommeln", und er konnte dann quasi noch der deutsche „Ersatz-Kaiser" werden. Diese Rechnung indes ging nicht auf. Hitler gedachte durchaus eigene Geschäfte zu machen. Und da der Münchner Putsch für die Putschisten eben nicht „siegreich" endete, kamen anschließend, die vordem weitgehend unter den Teppich gekehrten Gegensätze, zwischen beiden Herrschaften, sehr wohl noch deutlich zum Vorschein.
Hitler und Ludendorffs Wege trennten sich je länger, je mehr. Quasi erst auf dem dem Ludendorff'schen Totenbett gab es dann noch eine formelle „Aussöhnung" zwischen den inzwischen zum Reichskanzler aufgestiegenen „Trommler" Hitler, und der verkrachten „Exzellenz Ludendorff". Soweit war es im Jahre 1927 in der Tat noch nicht. Da trieb die „Exzellenz Ludendorff", wie ihn Hitler in frühen Tagen devot anzureden pflegte, noch eine andere Frage um. Die Frage, warum es denn absolut nicht mit dem „einzig allein nur möglichen Siegfrieden" geklappt habe.
Es verstand sich für „Exzellenz Ludendorff", das dafür wohl ein Buhmann, dem man die Schuld in die Schuhe schieben könne, unabdingbar sei. Seine eigene „Spatzengehirn-Kapazität" dürfte bei der „Exzellenz Ludendorff" allerdings wohl nicht ausgereicht haben, selbigen Buhmann, kraft eigener Machtvollkommenheit, zu kreieren. Da mussten schon Anleihen getätigt werden. Und siehe da: Die katholische Kirche erwies sich da als ein potenter Ideengeber. Hatte selbige doch schon lange vor dem ersten Weltkrieg, die Freimaurer zu „den" Buhmann hochstilisiert.
Aha, befanden neben einigen anderen, auch „Exzellenz Ludendorff". Da brauchen wir uns ja nicht weiter die Köpfe zu zerbrechen (wozu sie denn auch kaum fähig gewesen sein dürften). Wir übernehmen einfach die These der Catholica, säkularisieren sie, und haben den eine „plausible" Dolchstoßtheorie bei der Hand.
Die Karriere des „Trommler" Hitler, war nach dem gescheiterten Müchener Putsch, in der Tat noch nicht beendet. Allenfalls hatte er eine zeitweilige „Delle" hinzunehmen. Da erwischte es aber die „Exzellenz Ludendorff" weit härter. Dem drohte tatsächlich das Schicksal, das kein „Hund von ihm noch eine Scheibe Brot nehmen würde".
Das wiederum könne nicht sein, befand „Exzellenz Ludendorff". Und so stürzte er sich denn wie kein zweiter (zeitgenössisch) in das Milieu abstruser Verschwörungstheorien. Selbige sollen - mit Variationen - bekanntlich bis heute weiterleben.
Wer das Ludendorf'sche Elaborat die Freimaurer betreffend einmal gelesen hat (ich habe es mir mal angetan), kann dazu eigentlich nur ein Urteil sprechen:
Außerhalb jeglicher wissenschaftlicher Diskursfähigkeit!
Noch ein weiterer Exkurs:
Vordergründig ist nicht Ludendorff sein Thema. Selbiger wird eher nur beiläufig mit erwähnt. Gleichwohl ist ein gewisser inhaltlicher Kontext, durchaus gegeben:
Zitat:
„Sofern man nícht überhaupt alle Völkerbunds- und Verständigungspolitik grundsätzlich ablehnt".
Genau das aber ist offenbar die Intention des Artikelschreibers und
der ihm eine Tribüne bietenden "Freiburger Zeitung".
1931 hatte auch der im Artikel attackierte Fritz Küster, offenbar vom
opportunistischen taktieren der SPD-Führung "die Nase voll". Bis dahin
SPD-Mitglied, trat er in jenem Jahre aus der SPD aus, und der im
Herbst 1931 gegründeten SAPD bei.
Übrigens auch der unter dem Namen Willy Brandt später noch bekannt
gewordene Politiker, ist ihr damals gleichfalls beigetreten.
Es waren nicht wenige - keineswegs "nur" die erklärten Nazis, welche
immer noch den verpatzten "Siegfrieden" nachtrauerten, welche ihrer
Meinung nach für das deutsche "Herrenvolk" die einzigst mögliche
Option des ersten Weltkrieges hätte sein können.
Da der namhafteteste Einpeitscher diesbezüglich, der Weltkriegsgeneral
Ludendorff mit seiner zeitgenössischen Forderung nicht durchkam, die
deutsche Armee durch Zusatzarmeen von "Flintenweibern" aufzustocken,
war das für ihn die billige, zu billige Entlastungsthese nach
Weltkriegsende, die Heimatfront habe der kämpfenden Front einen
Dolchstoß in den Rücken verpasst.
Kombiniert das ganze dann noch mit Judenhetze.
Etwa der tendenziösen Zitierung durch Ludendorff, nach Kriegsende, vor
einem Untersuchungsausschuss des Deutschen Reichstages.
Da griff er wie, nicht versäumt wurde hinzufügen, den "Juden", Walter
Rathenau namentlich an, dieweil der in seiner Publizistik zu
Weltkriegsbeginn mal die sinngemäße Bemerkung hatte mit einfließen
lassen:
Wenn der deutsche Kaiser mit seinen Paladinen dereinst mal als Sieger
durch das Brandenburger Tor stolzieren würde, dann hätte die
Weltgeschichte wohl ihren Sinn verloren.
Ludendorff ließ vorsätzlich außer Betracht, wie und in welchen Kontext
jene Aussage entstanden war, nämlich zu Kriegsbeginn, als Ausdruck des
Nichtbejubelns des Umstandes, dass Deutschland nun in den Krieg
eingetreten sei.
Damit wurde den rechtsnationalen Heißspornen, nach Kriegsende, dann
"der" Buhmann "auf silbernem Tablett" serviert. Die Tragik im Falle
Rathenau bestand dann darin, dass einige Heißsporne dann noch einen
Mordanschlag gegen selbigen planten und durchführten.
Der Hetzartikel hat zwar mit diesem Kontext der genannten
Dolchstoßlegende keinen formalen, wohl aber einen auch inneren
Kontext!
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=23a1&year=1931&month=09&project=3&anzahl=4
http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Küster
Die Entlassung Ludendorffs aus seiner amtlichen Funktion, durch
den deutschen Kaiser am 26. 10. 1918 ist Ausdruck dieser Divergenzen
in der deutschen Führungsspitze.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=01&day=28a&year=1918&month=10&project=3&anzahl=4
Weniger bis nicht in den zeitgenössischen Pressenotizen dazu
angesprochen. Ludendorffs abenteuerlichen Pläne zur Ausweitung des
Kriegsgeschehens, gingen selbst anderen - auch Hardlinern - zu weit.
Indem sich nach diesem Datum ohnehin die Geschehnisse überschlugen,
war das später für den "Hitler des ersten Weltkrieges", eben jenem
Herrn Ludendorff, der gekünstelt herangezogene Vorwand, sich selbst
die Unschuldsglorie umzuhängen.
Dazu gehört dann auch zusätzlich das suchen und finden von
"Sündenböcken", angefangen von den Juden, über vermeintlich
"künstliche Juden" (Freimaurer) bis in etwas späteren Zeiten dann auch
noch die Bibelforscher in dieses Raster mit eingepasst wurden.
Zurückkehrend zur Ausgangsnotiz, die "Deutsche Friedensgesellschaft"
betreffend.
Selbst die damalige SPD (die Nazis und verwandte Kreise werden es
wohlgefällig registriert haben), fühlt sich ihrerseits bemüßigt,
besagter "Deutschen Friedensgesellschaft" einen "SPD-Dolchstoß in den
Rücken" zu verpassen, wie einer Meldung desgleichen Blattes vom 24. 9.
1931 entnehmbar ist.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=24a1&year=1931&month=09&project=3&anzahl=4
Da ist man wohl nicht mehr weit entfernt, von jenem Umstand, wie die
Konkordate mit der katholischen Kirche auf der parlamentarischen
Tagesordnung waren.
Nur die KPD und die NSDAP zugleich, stimmten gegen sie. Nicht aber der
SPD-Verein, der zu besagten Konkordaten nur "Ja und Amen" zu sagen
wusste, nebst den übrigen damaligen parlamentarischen Parteien.
Katholischerseits beschwerte sich der Domdekan Anton Scharnagl in
seiner Schrift:
"Die nationalsozialistische Weltanschauung
Separat-Abdruck aus "Klerusblatt" 1931 Nr. 9, 11, 12 und 132" über
diesen Umstand.
Als Quellenbeleg dafür nennt Scharnagl:
"Preussischer. Landtag, 1. Juli 1929, Stenogr. Bericht S. 7610"
Oder als dann 1932 ein Verkehrsarbeiterstreik in Berlin ausgerufen
wurde, der wiederum die traute Gemeinsamkeit von KPD und NSDAP
"bewundern" lies.
Da hatte der SDP-Verein zwar seine Finger nicht mit im Spiel. Im
Konkordatsfall indes, sehr wohl!
Was den SPD-Dolchstoß in den Rücken der "Deutschen
Friedensgesellschaft" anbelangt, so kann man flankierend dazu noch
einen Artikel der "Freiburger Zeitung" vom 25. 9. 1931 betrachten.
Selbiger verwendet zwar eine vollmundige Artikel-Schlagzeile, wenn er
titelt:
"Die Spaltung der SPD vollzogen ..." Das nimmt dann wohl, obwohl so im
Detail nicht ausgeführt, auf die Gründung der SDAP im Herbst 1931
bezug.
Zu dieser Titelschlagzeile muss man dann wohl auch in Betracht ziehen.
Die "Freiburger Zeitung" gehörte mit Sicherheit nicht zu den
Sympathisanten linksgerichteter Strömungen, eher zum gegenteiligen
Spektrum. Aus dieser Motivation heraus kann sie sich dann im Fall der
Fälle, eine gewisse Häme auch nicht versagen.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=02&day=25b1&year=1931&month=09&project=3&anzahl=4
Zur Tendenz der "Freiburger Zeitung" vergleiche man auch deren Ausgabe
vom 27. 9. 1931, mit einem im Sinne der Alldeutschen verklärenden
Artikel, über die Geschehnisse der Waffenstillstandsverhandlungen, am
Ende des ersten Weltkrieges.
http://az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=06&day=27r3&year=1931&month=09&project=3&anzahl=8
Mit welcher Brechstangenrabiatgewalt da "argumentiert" wurde,
verdeutlich auch der Fall des Zentumspolitkers
Matthias Erzberger , welche die
Waffenstillstandsvereinbarung unterzeichnete.
Eine apologetische Schrift der Ludendorferianer von einem gewissen
Heinz Kunzendorf (etwa 1930 erschienen), stilisiert darin Erzberger
zum "Jesuiten" hoch. Auch wenn selbiger zwar einer katholischen Partei
angehörte, ist indes die Unterstellung er sei gleichzeitig "Jesuit"
durch nichts belegt.
So wie man es da mit der Wahrheit nicht so genau nahm, so auch auf
anderen Vergleichsfeldern.
Und was den tendenziösen Artikel der "Freiburger Zeitung" über die
Unterzeichnung der Waffenstillstandsvereinbarung durch Erzberger
anbelangt, ist es auch bezeichnend, dass man es nicht mit einer Zeile
für erwähnenswert erachtete (im Jahre 1931), mit zu erwähnen, das just
Erzberger dann im Jahre 1921 von nationalistischen Heißspornen,
kaltblütig ermordet wurde.