Kommentarserie 1964 zur Zeugen Jehovas-Geschichte

Einige Stichworte in diesem Jahrgang (in Auswahl)

Weltreise, Vietnamkrieg, Kennedy-Mord, Bluttransfusion, Mark Twain, Wie die Russen Christen wurden, Erich Frost, Bakterien, Hochhuth „Stellvertreter", Portugal, Walter Kolarz, Trimmung von Kindern, Chiropraktik, Acta Pilati, Wehrdienst (USA)

Vor fünfzig Jahren

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 01. Januar 2014 05:17

583 „Geldsäcke" (pardon für diese vielleicht etwas zu saloppe Vokabel) konnten es sich im Jahre 1963 leisten - auf eigene Kosten - eine Weltreise zu machen. Organisiert war das alles von der WTG, die da offenbar eine illustre Fangemeinde als Kulisse ihrer 1963er Kongresserie haben wollte. Der „Wachtturm" vom 1. 1. 1964 der darüber berichtet, jubelt, 200 Hotels für die Übernachtungen wurden gechartert. 42.000 Kilometer betrug die Gesamtreisedauer. Etwa 24 Großstädte waren Ziel der Reise.
Start in den USA; Ende der Route wiederum in den USA, womit schon mal deutlich sein dürfte, wer den zu jenem illustren Club überwiegend gehörte. Vor Geld „stinkende" Amis.
Nun soll es im säkularen Bereich ja auch welche geben, die ihr Geld etwa auf Kreuzfahrtschiffen und ähnlichem verprassen. Letzteres kann man schwerlich bestreiten.
Wenn die WTG also ausreichend Betörte fand, die es unter ihrem Auspizien ähnlich taten. Was soll's.
Der Unterschied dürfte wohl darin bestanden haben. Haben die genannten „Geldsäcke" das alles aus eigener Tasche zu bezahlen gehabt, so galt das wohl für einige WTG-Apparatschicks vom Kaliber N.H. Knorr und F.W. Franz so nicht. Das war dann für genannte Herrschaften eine Dienstreise, bezahlbar von der WTG, zusammengekratzt von den Spendengeldern der Betörten.
Es besteht ja heutzutage nicht selten die Versuchung mit dem Finger auf J. F. Rutherford und seinem Beth Sarim zu zeigen. Man täte gut, diesen Fingerzeig auch auf genannte WTG-Apparatschicks zu erweitern.
Ein Prasserleben kann in vielerlei Formen daherkommen. Das Jahr 1963 lieferte in der WTG-Geschichte, auch Veranschaulichungsbeispiele dafür!

Einschwörung auf den American way of Life

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 15. Januar 2014 00:49

Vor fünfzig Jahren

http://de.wikipedia.org/wiki/American_Way_of_Life

http://www.youtube.com/watch?v=Nkn0CmrNPIs

Religion pflegt zugleich auch ein politischer Faktor zu sein. Man muss dabei keineswegs nur auf den Islam verweisen, bei dem dieser Faktor vielfach überdeutlich, hervortritt. Auch für das Christentum gilt ähnliches. Schon die Bismarck-These, die Religion müsse dem Volke - vor allem dem Volke - erhalten bleiben, die auch heute noch so manchen beseelt, einschließlich ihrer Schleppenträger in der CSPD ist Beleg dafür.
Auch vermeintlich „unpolitische" Religionen, erfüllen diesen Tatbestand. Man muss dabei keineswegs im Falle der Zeugen Jehovas, auf die Fallbeispiele Hitlerregime, Ostdeutschland, Malawi verweisen, die in Reaktion auf den ZJ-Grundsatz des Nicht-Wählens, auf die allerhöchsten „Wutpalmen" kletterten. Damit ist der Totalitarismus der vorgenannten Regime, keineswegs „entschuldigt". Die hätten durchaus gemäßigter reagieren können, haben es aber nicht getan. „Entschuldigt" ist damit sicherlich nichts. Aber sehr wohl die Folgen von Ursachen und Wirkungen, andeutungsweise beschrieben.
Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass die nach Bestechung gierenden WTG-Funktionäre, um ihre eigene Korrumpierung noch zu beschleunigen, den „Bismarck-Jüngern" entsprechende Steilvorlagen liefern.
Über ein solches Fallbeispiel berichtete auch der „Wachtturm" vom 15. 1. 1964, unter der Überschrift „Warum wir alle eine Resolution fassen sollten".

Aufgehängt das ganze an einem Bericht über das 1963er WTG-Kongreßspektakel, wo das alles Medienwirksam zelebriert wurde. In der Sache wurde da die Anhängerschaft auf den „American way of Life" eingeschworen.
Allem Pseudotheologischen Wortgeklingel offenbarte sich deren Substanz dann auch in solchen Sätzen wie denen:

„Das radikale Regierungen geschaffen worden sind ... Und jetzt wie das ruhelose Meer an die älteren traditionellen Regierungsformen branden".

Die Zeugen hingegen würden sich „nicht an solchen radikalen Bewegungen beteiligen"

tönt der genannte WT weiter, da angeblich Gott „diese radikalen politischen Institutionen bereits gerichtet und sie als tot, totbringend erklärt"

habe. Und man legt bei dieser These dann noch nach mit dem ergänzenden Teilsatz „so tot wie das vergossene Blut eines Toten"

um den eigenen Abscheu, durch Wortgeklingel, noch zu steigern.
Es ist dergestalt sicherlich richtig, man kann an menschlichen Regierungsformen einiges kritisieren. Man kann in ihnen auch gravierende Fehlentscheidungen nachweisem. Dies alles ändert überhaupt nichts an dem Umstand, dass die von der WTG da zu verkaufende These einer angeblichen Gottesherrschaft, unterm Strich, nur die Begünstigung des American way of Life ist.
Und über die praktischen Auswirkungen dieser vermeintlichen
„Gottesherrschaft" lies wohl schon Russell keinen Zweifel aufkommen, wenn er laut „Schriftstudien" Band 7 auch tönte:


Man vergleiche auch:
Die Unheile Welt (auch) der Zeugen Jehovas

Die Schattenseiten des American way of Life beschreibt ein Bericht in der heutigen Tagespresse ("Berliner Zeitung"; auch "Frankfurter Rundschau") über die amerikanische Stadt Detroit.
Eine Stadt derzeit mit den höchsten Kriminalitätsraten, eine zunehmende ghettosierte Stadt. Wer es sich leisten kann zieht aus ihr weg. Der verbliebene Bevölkerungsanteil überwiegend Afro-Amerikaner.
Das alles von einer Stadt, von der es einstmals hieß:
"Detroit stand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts symbolisch für den amerikanischen Traum."
Inzwischen wurde ein Alptraum daraus. Da der Glaubenssatz des American way of Life auch lautet, wer sich nicht selbst zu helfen vermag, ist zum Untergang verurteilt. Die Arivierten, denen es besser geht, interessiert das nicht. Da kann man jenes Untergangs-Szenario in den moralisch schon lange verfaulten USA, derzeit besonders in Detroit "bewundern".

www.berliner-zeitung.de/politik/detroit-motor-city-liegt-im-sterben,10808018,25882744.html

www.fr-online.de/panorama/usa-detroit-detroits-letzte-chance,1472782,25880460.html

Egoismus in Reinkultur

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 22. Januar 2014 00:12

Vor fünfzig Jahren
Der erhobene Zeigefinger von „Erwachet!" (Ausgabe vom 22. 1. 1964) belehrt erneut:

„Die wenigen Fälle, in denen ein ungläubiger Ehepartner die Wahrheit annahm, sind kein Beweis dafür, daß Gott eine solche Handlungsweise gutheißt, noch rechtfertigen sie eine Ausnahme. Diese Personen dürfen nicht sagen: 'In unserem Fall war es recht'. Nein, es war nicht recht. Nur trat der seltene Fall ein, daß der Ungläubige für die Wahrheit empfänglich war, worüber wir uns natürlich freuen. Aber Gottes Wort warnt alle Gläubigen, die heiraten möchten, davor, dieses Risiko auf sich zu nehmen, indem es gebietet, 'nur im Herrn' zu heiraten."

Die WTG dokumentiert damit erneut. Ihr eigener Organisations-Egoismus, ist ihr das wichtigste. Situationen, welche diese egoistische Zielstellung tangieren könnten, will sie grundsätzlich nicht gelten lassen.
Es ist auch bemerkenswert, welche weiteren Veranschaulichungsbeispiele jener „Erwachet!"-Artikel dann noch so bemüht.
Etwa den einer Witwe mit Kindern, welche aber in Zeugen Jehovas-Kreisen keinen passenden Partner findet, daher ihren Orientierungshorizont weiter spannt.
Auch diesen Fällen gegenüber fühlt sich die WTG „ermächtigt" ihr vorgenanntes Verdikt aufzudrücken.
Sie muss zwar einräumen, ihr Fallbeispiel besagter Witwe, könnte für diese eine Lösung einer schwierigen Situation sein. Erhebt trotzdem ihr Veto dagegen.
Die Interessen ihrer Betörten, sind somit der WTG schnurzpiepe. Es geht ihr nur um die Durchsetzung ihres eigenen Egoismus in Reinkultur!

Ein unvollständiger WTG-Vergleich

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 01. Februar 2014 03:33

Vor fünfzig Jahren
„Wie kommt deine Kirche zu Geld?" fragt ein Artikel im „Wachtturm" vom 1. 2. 1964.
Unter den da aus WTG-Sicht als „abschreckend" vorgestellten Beispielen, unter anderem das Rasenmäherprinzip der Zehntenzahlung ohne Gnade, egal ob der Betreffende ein hohes oder eben ein niedriges Einkommen hat. In beiden Fällen bleibt dieses Dogma starr, nimmt keinerlei Rücksicht auf die individuellen Umstände.
Oder ein anderes Beispiel, die Versendung von Bettelbriefen, mit dem sinnigen Schlußsatz:
„Der Priester in der Mission ist gezwungen ein Bettler für Christus zu sein." Und noch einige andere abschreckende Beispiele mehr.
Jener Artikel endet dann mit der WTG-bezogenen Aussage:
„Wo wahrer christlicher Geist vorhanden ist, erübrigen sich die vorgenannten Finanzierungsmethoden."
Und vieldeutig wird hinzugefügt:
„Die Menschen müssen nur richtig belehrt" werden, dann würde das Geld im Spendenkasten schon klimpern.

Zwei Finanzierungsquellen indirekter Art, indes erwähnt der WT vorsätzlich nicht.
Einmal die Königreichssaal-Baukommandos, welche für Null over arbeiten, deren Arbeitsergebnis jedoch in den Gesamtvermögensfundus der WTG übergeht.
Zum anderen die nicht selten zu beobachtende Tendenz, was eine reguläre Berufstätigkeit anbelangt, dass Teile einer (intakten) Familie, diese nicht ausüben bzw. nur verkürzt arbeiten. Das so gewonnene Zeitkontigent würde dann vorrangig für die Organisations-Interessen der WTG eingesetzt, wobei in der Tat auch Zeit, Geld zu sein pflegt.
Würde man diese zwar unterschiedlichen Finanzierungsmethoden, objektiv mit einander vergleichen, könnte es sich erweisen, dass der gebeutelte Zehntenzahler und ähnliches, immer noch glimpflicher davon wegkommt, als wie die von der WTG Geschorenen!

Das (auch) WTG-Menetekel - Koreakrieg

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 08. Februar 2014 00:33

Vor fünfzig Jahren
Wieder einmal bemüht „Erwachet!" vom 8. 2. 1964 das Schreckgespenst der „kommunistischen Gehirnwäsche".
Eigentlich lag der Koreakrieg (1950-53) nunmehr schon einige Jahre zurück. Die geschürte Aufregung über ihn indes, hielt in den USA weiter an. Es war ja so, dass die USA aus ihm keineswegs als „strahlender Sieger" hervorgingen.
http://www.youtube.com/watch?v=Nkn0CmrNPIs
21 Amerikaner die ihm Verlauf jenes Krieges in Koreanisch/chinesische Kriegsgefangenschaft gerieten, sollen es laut vorgenannten Artikel abgelehnt haben, nach Kriegsende in die USA zurückzukehren. Namentlich dieser Umstand kratzte dann wohl das Ego der USA über Gebühr an.
Man stellt allerlei Spekulationen an, wie denn dieses Ergebnis möglich gewesen sei. Unter anderem meint man. Na ja, die entsprechenden hätten vor dem Krieg ein Wohlstandsleben gehabt. Ergo seien sie „verweichlicht" nicht widerstandsfähig genug, und was derlei in die eigene Tasche-lügen Thesen noch mehr sind.
Sich selbst indes stellt die WTG wieder mal als „Musterexemplar" heraus, dem solcherlei „Kollaboration" fremd gewesen sei.
Wirklich?
Wer die geschönten „Standhaft trotz ..." Thesen kennt, weis zwar, auf diesem verstimmten „Klavier" wird mächtig herumgehauen.
Indes so „standhaft" in Drucksituationen sind keinesfalls alle. Man braucht nur an die Beispiele Hans Mueller /Ernst Bojanowski in der Nazizeit, oder Hermann Laube (alias „Hans Voss") Wolfgang Kirchhof
in der Ostdeutschen Geschichte erinnern und andere mehr, um sagen zu können.
Die Selbstsicherheit, welche die WTG da verkaufen will, äußere Umstände könnten ihr nichts anhaben, ist wohl mehr als brüchig

Etwas Salz in die WTG-Jubelsuppe gestreut

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 15. Februar 2014 01:44

Vor fünfzig Jahren
Laut „Wachtturm" vom 15. 2. 1964, erfolgte im Jahre 1943 die WTG-Verkündigung in 54 Ländern.
1963 waren es dann 194 Länder.
Runde Zahlen jetzt benutzend gab es 1943 etwa 126.000 WTG-Verkündiger und 1963 dann etwa 1 Million.
Nur auf die Steigerung von 126.000 auf 1 Million in diesen 20 Jahren schielend, ergibt wohl eher ein schiefes Bild.
Die Hauptposition dieser Steigerung ist wohl auch der genannten Länderausweitung zuzuschreiben.
Große Teile etwa von Südamerika, wurden von der WTG erstmalig in relevantem Umfange, nach 1945 erfasst. Die „Delle" des Naziregimes konnte in Deutschland erst nach 1945 wieder wettgemacht werden. Indes zur gleichen Zeit das Wachstum der WTG in anderen Westeuropäischen Staaten eher gemäßigt verlief.
Beispiel die Schweiz.
Die erreichte in dem Jahrzehnt von 1938 bis 1948 einerseits eine Verdopplung von 800 auf 1.600, war dann 1963 bei 5.700 angelangt.
Eher gemäßigt auch das Wachstum in Großbritannien. Dort hatte die WTG analog der Schweiz, schon früh einen Fuß in der Tür (1918 etwa 2700) 1963 indes rund 50.000. Gemessen an dem langen dort möglichen Wachstumszeitraum, auch ein gemäßigtes Wachstum. Keineswegs identisch mit jenem im Weltmaßstab für den zitierten Zeitraum 1943 - 1963.
Demgegenüber die heutzutage Spitzenzahlen aufweisenden Länder wie Brasilien. 1938 dort gerade mal 100 WTG-Hansels, die sich bis 2013 auf rund 767.000 steigern konnten.
Ebenfalls nennen kann man Mexiko.
1938 dort etwa 300 WTG-Hansels gegenüber rund 806.000 im Jahre 2013.
Unfraglich erreicht die Dampfwalzenpolitik der WTG relevantes Wachstum, jedoch regional sehr unterschiedlich.

Vietnam

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 22. Februar 2014 01:29

Vor fünfzig Jahren
Ein Satz aus einem Wikipedia-Beitrag in Sachen Vietnam:

„Der Vietnamkrieg war ein so genannter Stellvertreterkrieg im Kontext des Kalten Krieges."

http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg
Und weiter:

„Schon der Sieg der Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg galt vielen als unverzeihlicher Unfall. ... Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gab es für US-Präsident Lyndon B. Johnson keine Zweifel darüber, dass eine harte Haltung notwendig sei. Johnson wollte unbedingt verhindern, dass „Vietnam den gleichen Weg nimmt wie China".

Nun also wollten die USA wieder einmal, die Weltgeschichte diktieren.
Der Diktator USA wurde zunehmend ab 1965 aktiv ins Kriegsgeschehen in Vietnam involviert. Ein Krieg der schon seine Wurzeln unmittelbar nach 1945 hatte.

Weiter im Wikipedia-Artikel:

„Das von Korruption, Kriminalität und Vetternwirtschaft gezeichnete Saigoner Regime musste nun eine wirtschaftliche Krise verkraften, die durch den Abgang des wichtigsten Arbeitgebers, der US Army, und der Ölkrise von 1973 verursacht wurde. .... Der durch die Watergate-Affäre angeschlagene und schließlich zum Rücktritt gezwungene Nixon konnte ... nicht mehr die versprochene Hilfe zuteil werden lassen. In den Städten herrschte eine Arbeitslosigkeit von fast 40 %, und die Oberschicht schaffte allmählich ihren Besitz außer Landes. ... Die Moral innerhalb der US-Armee wurde mit zunehmender Dauer des Krieges immer schlechter. Viele Soldaten sahen keinen Sinn darin, in Vietnam ihr Leben zu riskieren, zumal die Beziehungen zu den Vietnamesen schweren Spannungen unterlagen und ein Sieg in immer weitere Ferne rückte."

Das USA-"Weltgenesungsprogramm" ging also letztendlich daneben.
Das DDR Uraniabuch warf den Zeugen Jehovas in Sachen Vietnam vor:

"Ein Höhepunkt der politisch verantwortungslosen WTG-Verkündigung im Jahre 1965 war eine Rechtfertigung und Verteidigung des verbrecherischen Krieges der USA gegen das vietnamesische Volk. Unter der Überschrift »Vietnam, ein gefährliches Pulverfass« nahm die WTG in »Erwachet« vom 22. September 1965 in ihrer bewährten »neutralen« Art zu den Gründen der USA-Intervention Stellung:
...Wo steht die WTG-Führung in diesem Krieg? Zwar ist sie militärisch unbeteiligt, aber politisch hat sie eindeutig Partei ergriffen. ...
Damit steht sie ebenfalls mit der USA-Regierung auf dem gleichen Standpunkt. Schließlich wären es doch die USA-Truppen in Südvietnam, die es der WTG durch einen militärischen Sieg ermöglichen würden, dort weiter ihre antikommunistische Verkündigung zu betreiben.
Die WTG-Anhänger in Südvietnam müssten es demgemäß geradezu als eine »Überwaltung« oder als »Befreiungsakt« Jehovas betrachten, dass die USA entschlossen sind, ihre Truppen in Vietnam zu belassen."

Einem WTG-bezogenen Vorläufer der skizzierten Entwicklung konnte man auch in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 2. 1964 begegnen. Berichtet wird; der starr agierende Südvietnamesische und zugleich katholische Präsident Diem, sei durch einen neuen Präsidenten, diesmal Buddhistischer Herkunft, abgelöst worden. Zu dem von diesem bewirkten Politikwechsel gehörte auch die Begünstigung von Sekten, etwa des Cao Dai. Zugleich sei durch diesen Regierungsumschwung auch die Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Südvietnan  „laut neuesten Berichten ... erleichtert worden."

Sieht man sich die ZJ-Jahrbuchstatistken näher an, ist dort offenbar der letzte Separat-Nachweis bezüglich Vietnam für cirka das Jahr 1974 zu registrieren. Von einer Verkündiger-Höchstzahl von etwa 90, war damals die Rede.
Danach wurden die Separatzahlen für Vietnam, in der WTG-Statistik eingestellt, und wohl pauschal der Rubrik Verbotsländer zugeordnet.
Die beiden Kolonisatoren; der politische Kolonisator USA und der religiöse Kolonisator WTG haben dort also ihr Waterloo erlebt, bis heute.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Waterloo

http://www.dailymotion.com/video/x1bw7lg_verkaufen_creation

Tönernes Blech

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 01. März 2014 01:07

Vor fünfzig Jahren
Also tönte Herr Fred W. Franz, damaliger WTG-Vizepräsident, anlässlich der „Abschlussfeier der 38. Klasse der Giledadschule" („Wachtturm" 1. 3. 1964):

Er „sprach über das Zeitalter der Gewalttat, in dem wir leben und das darin gipfelt, daß Jehova Gott gegen seine Feinde vorgeht ... Bei Babylon der Großen, dem Weltreich der falschen Religion wird er beginnen. Wer glaube, nach der Vernichtung Babylons der Großen und vor dem Beginn der Schlacht von Harmagedon werde noch eine Zwischenzeit eingeschaltet, in der sich die Menschen noch für Gott entscheiden könnten, gebe sich einem Trugschluß hin."

Wer sich da einem Trugschluß hingab, wäre wohl eine Frage, über die trefflich zu streiten wäre.
Franz das WTG-Orakel in Stile des Delphischen Orakels.
http://de.wikipedia.org/wiki/Orakel_von_Delphi
Er konnte immerhin seine Dummheits-Ergüsse, just in jenem Jahre 1964 in einem auch für damalige WTG-Verhältnisse dicken WTG-Buch von über 700 Druckseiten wiedergespiegelt sehen („Babylon die Grosse ist gefallen - Gottes Königreich herrscht" Englisch 1963, Deutsch 1965). Die wenigsten indes, dürften jenen Schinken auch tatsächlich gelesen haben. Inhaltlich ohnehin tönernes Blech.

Kennedy-Mord

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 08. März 2014 02:58

Vor fünfzig Jahren
„Erwachet!" vom 8. 3. 1964 titelt:
„Präsidentenmord (in den USA) löst Sorgen um die Zukunft aus".
Bezug genommen wird dabei auf die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy am 22. 11. 1963.

Der Mord an Kennedy wurde als historische Zäsur empfunden. Nach 1963 begannen sich die negativen Seiten der amerikanischen Politik immer deutlicher zu zeigen, beginnend mit den Rassenunruhen über die Morde an Martin Luther King und Robert Kennedy, den Vietnamkrieg bis hin zur Watergate-Affäre. In kontrafaktischer Spekulation wurde vielfach der Schluss gezogen, dass diese unerfreulichen Entwicklungen hätten vermieden werden können, wenn Kennedy nicht ermordet worden wäre. http://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_auf_John_F._Kennedy

Nur wenige Jahre später, traf ein weiteres Mitglied der Kennedy-Familie, Robert Kennedy, gleichfalls ein Mordanschlag (6. 6. 1968).
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_F._Kennedy

Als Täter wurde der palästinensische Einwanderer Sirhan Bishara Sirhan noch am Tatort, der Kaltküche des Hotels, verhaftet.

Nicht im Sinne einer inhaltlichen Bewertung, nur in dem Sinne der Beschreibung was war, sei auf die Thesen noch hingewiesen, die da beim zweiten Kennedy-Mord kursierten, und eine entfernte Bezüglichkeit zu den Zeugen Jehovas herzustellen versuchten.
Eine diesbezügliche Zusammenfassung gab es in der CV 23. Dort war dazu zu lesen:

„Zeitungsberichte in Sachen Kennedy
Es ist zu beachten, daß dieser Bericht nicht aus sensationellen Gründen gebracht wird, sondern um den Brüdern und Schwestern ein Bild über die Sachlage zu geben, da auf Grund von westlichen Pressenachrichten mancherlei Behauptungen im Umlauf sind. ...
WTG-Hauptbüro in Brooklyn dementiert, daß der Mörder von Senator Robert F. Kennedy, USA, Präsidentschaftsbewerber, durch die Zeugen-Organisation in die USA gebracht worden sei.
Eine Darstellung bisheriger Veröffentlichungen.
Am 5. Juni 1968 wurde der USA-Senator und USA-Präsidentschaftsbewerber, Rob. F. Kennedy, Bruder des 1963 ermordeten USA-Präsidenten John F. Kennedy, nach einer erfolgreichen Wahlkampagne in Los Angeles, Kalifornien, USA, mit einem Revolver niedergeschossen. Der Senator erlag am nächsten Tag diesem Mordanschlag. Der Mörder war der 24-jährige Jordanier Sirhan Bishara Sirhan aus Jerusalem. Der Generalstaatsanwalt von New Orleans, USA, Jim Garrison, der seit Jahren Hintergründe der Ermordung des USA-Präsidenten John F. Kennedy untersucht, stellte fest, daß Robert F. Kennedy auch das Opfer einer Verschwörung wurde. Alle wichtigen Beweismaterialien über den Mord an John F. Kennedy wurden jedoch auf Weisung des USA-Präsidenten Lyndon B. Johnson für 70 Jahre unter Verschluß gelegt und können erst veröffentlicht werden, wenn alle zur Zeit der Ermordung von Präsident Kennedy lebenden Personen tot sind. Es muß damit gerechnet werden, daß auch die Hintergründe der Ermordung von Robert F. Kennedy kaum restlos aufgeklärt werden.
Kurz nach der Ermordung von Robert F. Kennedy ging durch die amerikanische und internationale Presse die Meldung, der Mörder, Sirhan Bishara Sirhan, komme aus einer Familie der Zeugen Jehovas und die Wachtturm-Organisation habe die Einreise der Familie des Mörders nach den USA finanziell unterstütz. Dieser Bericht bringt eine Darstellung dieser Meldungen und auch der Stellungnahme des Hauptbüros der WTG in Brooklyn, soweit es bisher ermittelt werden konnte.
Unter der Überschrift "Kennedys jordanischer Mörder und seine Familie" berichtete der Reporter Shraga Har-Gil am 14. Juni. 1968 in der Zeitung "Christ und Welt", Stuttgart:

"Als der Name des Attentäters bekannt wurde, begann man nach den verschiedenen Familien mit dem Namen Sirhan zu forschen. In Jerusalem und Umgebung gibt es einige Dutzend solcher Familien. In dem kleinen Dorf Taibe bewohnt Bishara Salameh Sirhan, der 52 Jahre alte Vater, ein zweistöckiges Zehn-Zimmer-Haus. "Mein Junge war immer brav, zurückhaltend und sehr ruhig, der lieber Bücher las, als mit Kameraden auf der Straße zu spielen", sagte er, als wir auf dem Diwan seines Gästezimmers saßen. Erst als man ihm ein Bild seines Sohnes zeigte, betrachtete er es, tastete es ab, als ob er es untersuchen wollte, und erklärte dann: "Ja er ist es", und fügte hinzu: "Lange habe ich nichts von ihm gehört. Wir gaben unseren Kindern weder Spielgewehre noch andere militärische Spielsachen. Woher hat er das nur?"
Vater Sirhan betonte, daß sein Sohn ein guter Christ war, und regelmäßig die griechisch-orthodoxe Kirche besuchte und dort auch konfirmiert worden war. In eine lutherische Schule ging er nur, weil diese eine gute Schule war und sich ganz in der Nachbarschaft seiner Wohnung befand. Nach Taibe ist Sirhan erst nach, Rückkehr aus den USA im Jahre 1963 gezogen.
Bishara Salameh Sirhan arbeitete in den 30-er Jahren in den Steinbrüchen bei Jerusalem. Er hatte Erfolg bei seiner Arbeit und wurde Vorarbeiter und festangestellter Beamter der Abteilung für öffentliche Arbeiten der britischen Mandatsregierung. Der Bürgermeister von Taibe, Salim Muaddi, erzählte, daß die Familie Bishara Salameh Sirhan schon in den 30-er Jahren Verbindung mit der christlichen Sekte "Die Zeugen Jehovas" aufgenommen hatte. Diese Sekte wurde im Jahre 1959 in Jordanien verboten, doch man behauptete, daß der Vater des Mörders auch nach seiner Rückkehr aus Amerika weiter dieser Sekte die Treue hielt.
Im Jahre 1957 wurde der Familienvater arbeitslos. Nach langen Überlegungen wurde beschlossen, nach Amerika auszuwandern, wo Sirhan Freunde unter den "Zeugen Jehovas" hatte. Erst fuhr die Mutter mit den vier Söhnen und ihrer Tochter nach Pasadena, und einige Monate später folgte ihnen der Familienvater. Sirhan sen. siedelte sich in New Jersey an, konnte dort aber nicht Fuß fassen und kehrte nach fünfjähriger Abwesenheit nach Palästina zurück, während die Mutter mit den Kindern in Pasadena verblieb. In Taibe bearbeitete Familienvater Sirhan einige Hektar Boden mit Hilfe von Lohnarbeitern. Woher hatte er das Geld für den Ankauf des Bodens und den Bau des Hauses? "Die Söhne haben es geschickt", meinte er vielsagend Der Bürgermeister von Taibe hingegen glaubte, daß die "Zeugen Jehovas" dazu beigetragen hätten.
Wir verabschiedeten uns von dem Vater des Mörders, der zum Abschied Kapitel 3 Vers 13 aus dem Buche "Exodus" zitierte: "Moses sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name? Was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Moses: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: Du sollst zu den Kindern Israel sagen: Ich werde sein, der hat mich zu euch gesandt."

In der gleichen Stuttgarter Zeitung berichtet der Reporter Norbert Muehlen jedoch über die Kindheit des Mörders:

"Sein Vater war ein prügelnder Haustyrann, seine verbitterte Mutter kühl gegenüber ihren Kindern, die sie in religiösem Eifer zu starrem Gehorsam erzog. Ihr Sohn war verschlossen, enthaltsam, ein stilles Wasser, niemandem zur Last - bis er am 4. Juni seine Mordwaffe auf Kennedy richtete."

Der Bericht im Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vom 10. Juni 1968 besagt andererseits, daß der Mörder das Musterkind von Vater Sirhan gewesen sei.
Verständlicherweise hatte vor allem die Organisation und Leitung der Zeugen Jehovas in den USA nach diesen Veröffentlichungen keine Ruhe mehr. Das Hauptbüro in Brooklyn, New York, war gezwungen, Nachforschungen anzustellen und öffentlich Stellung zu nehmen, ob der Mörder aus einer Familie der Zeugen Jehovas kommt und mit Hilfe der Organisation der Zeugen nach den USA gebracht wurde.
Die amerikanische Zeitung "Los Angeles Times" vom 3. September 1968 berichtete über die Situation der Zeugen-Organisation und über die Stellungnahme des Hauptbüros der WTG in Brooklyn unter der Überschrift "Sirhans Förderer":

"Jehovas Zeugen erhalten immer noch Telefon-Anrufe und unterschriftliche Zeitschriften-Widerrufe über einen irrigen Bericht vom Juni, daß Sirhan B. Sirhans Familie durch die Zeugen-Organisation nach den USA gebracht wurde. Der Bericht zitiert den Bürgermeister im Israel-okupierten Jordanien, der sagt, daß der Vater des angeklagten Mörders von Senator Robert F. Kennedy finanzielle Unterstützung von den Zeugen Jehovas erhielt und der Familie geholfen wurde, Jordanien zu verlassen.
Die Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft der Zeugen veröffentlichte ihre eigenen Nachforschungen, die fanden, daß keine Mitglieder ihrer Organisation der Familie zu irgendeiner Zeit irgendeine finanzielle Unterstützung gaben. Früher hatte die "Times" berichtet, daß die große Sirhan-Familie in zwei Ausreisen nach den Vereinigten Staaten gebracht wurde - eine gefördert durch zwei Mitglieder der Ersten Nazarener Kirche von Pasadena und die andere gefördert durch die Erste Baptistenkirche von Pasadena.
Aus diesem Bericht geht hervor, daß die Leitung in Brooklyn wohl eine finanzielle Unterstützung der Einreise der Familie des Mörders in die USA dementiert, aber nicht die Zugehörigkeit.

Dann werden besonders in der westdeutschen Presse Untersuchungen darüber veröffentlicht, wer alles einen Nutzen aus dem Mord an Robert F. Kennedy zieht.

"Kennedy der Ältere zeigte sich entschlossen, die politische Macht, die ihm sein Amt (als Präsident) kraft Gesetzes verlieh, zur Beseitigung der Armut anzuwenden. Kennedy der jüngere strebte diese Macht an, um das Werk des Bruders fortzusetzen." (Junge Stimme, Stuttgart, 6. 7. 1968).

Robert F. Kennedy war wie sein Bruder John F. Kennedy Sucher nach einer besseren, friedlicheren und gerechteren Innen- und Außenpolitik der USA. Was die religiösen Aspekte dieser Politik betrifft so gehöre dazu, sagte Präsident Kennedy, daß der Mensch der heutigen Zeit lerne,

"sich in der Sprache des Friedens und des Fortschritts über die Grenzen einzelner Sekten und Glaubensbekenntnisse hinweg zu verständigen" (KNA, Bonn, 23. 4. 1963).

Bekanntlich gehört die WTG-Organisation zu denen, die sich am entschiedensten jeder Verständigung mit anderen Glaubensbekenntnissen widersetzen. Ein Bericht nach dem Mord an Robert F. Kennedy, der auch die religiösen Ziele seines Bruders weiterverfolgte, besagt über die Situation in den USA:

"Große Bevölkerungsschichten sind so völlig vor den Kopf geschlagen, daß sie sich danach aus dem öffentlichen Leben zurückzogen. Vielen, besonders den Schwarzen, die Kennedy als wahrhaftigen Bruder ansahen, ist der Mut genommen, da Hoffnung auf Anfang dieser Gesellschaft nicht mehr möglich und erstrebenswert erscheint." (Junge Stimme, Stuttgart, 22. 6. 1968).

Je weniger glauben, daß es menschlich möglich ist, bessere Verhältnisse zu schaffen, desto mehr Menschen hofft bekanntlich auch die WTG zu gewinnen.
"Wer mag die Leute zahlen, die in Amerika über die Dezimierung der Kennedys innerlich jubeln und sich vom Tode des Senators die Rettung und Sicherung ihres Status, ihrer Habe und Güter, ihrer geliebten Lebensführung versprechen, auch wenn sie tausendmal auf Kosten ihrer Mitbürger existieren,"

lautet der Kommentar von Eberhard Erne in der "Jungen Stimme", Stuttgart, 6. 7. 1968 zu dieser Frage.
Am 4. September 1968 erschien dazu in der Abendzeitung, München, offensichtlich im Auftrag des Zweigbüros der Wachtturmgesellschaft in Wiesbaden, folgende Meldung:

Sirhan - kein Zeuge Jehovas.
Nach dem Tode von Senator Robert F. Kennedy wurde in Pressemeldungen aus Taiyeba (der von Iraelis besetzte Teil Jordaniens) weltweit verbreitet, daß Bishara Sirhan, der Vater des angeblichen Mörders, ein Zeuge Jehovas sei.
Auf Grund dieser Meldung haben die Versammlungen der Zeugen Jehovas und das Zweigbüro der Wachtturm-, Bibel und Traktat-Gesellschaft viele Briefe und Telefonanrufe erhalten.
Die Sirhan-Familie ist der Wachtturm-Gesellschaft nicht bekannt Die Watch Tower Society in New York, Brooklyn, hat sich die Mühe gemacht, die Tatsachen aus mehreren Ländern zu ermitteln. Jetzt ist aus allem Zweifel ermittelt worden, daß niemand aus der Sirhan-Familie ein Zeuge Jehovas ist. Die Zeitung Los Angeles Times vom 8. Juni berichtet, daß Mitglieder der First Nazarene Church in Pasadena, Kalifornien, die Familie bei der Auswanderung in die Vereinigten Staaten unterstützte, aber Frau Sirhan besucht jetzt die presbyterianische Kirche. Die beiden Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" bestätigen dies. Bishara Sirhan, der wiederholt die Berichte, wonach er mit Zeugen Jehovas Verbindung habe, zurückgewiesen hat, besteht darauf, das er der griechisch-orthodoxen Kirche angehört.
Helmut Knöller
8 München 13
Schwindstraße 7

H. Knöller ist Mitarbeiter des Zweigbüros in Wiesbaden und war u. a. 1951 Kongreßdiener des WTG-Kongresses "Reine Anbetung" in Frankfurt/Main. Es ist bemerkenswert, daß er diesen Bericht in der Münchener Abendzeitung vom 4. September 1968 mit vollem Namen und Adresse unterzeichnet Diese Frage ist ohne Zweifel ernst genug. Denn wenn der Mörder aus einer Familie der Zeugen Jehovas kommen wurde, so wäre die Organisation unlöslich in die geistige Vorgeschichte eines weltpolitischen Kapitalverbrechens verstrickt.
In der amerikanischen Zeitung "Los Angeles Times" vom 3. September 1968 war hierzu veröffentlicht worden:

"Die Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas veröffentlichte ihre eigenen Nachforschungen, die fanden, daß keine Mitglieder ihrer Organisation der Familie zu irgendeiner Zeit finanzielle Unterstützung gaben."

Damit war die erklärte Verbindung des Vaters des Mörders zur Zeugen-Organisation allerdings nicht bestritten Doch der Bericht von H. Knöller soll dies jetzt auch bestreiten.
Aber Vater Sirhans Erklärungen, er hätte seinem Sohn nie militärische Spielsachen gegeben und die Zitierung von 2. Mose 3:13 mit dem exakten Sinn des Namens Jehova verraten deutlich eine Verbindung mit dem Glauben der Zeugen Jehovas. Nach der Knöller-Stellungnahme zu urteilen, haben Vater Sirhan, der Bürgermeister von Taibe und die genannten Reporter nun auf einmal alle die Unwahrheit gesagt oder geschrieben oder ihre früheren Aussagen aus bestimmten Gründen geändert
Eine Erklärung hierfür mag jedoch folgendes aus einer Meldung des "Evening Standard", London, vom 13. Juni 1968 (nach "Morgenpost", Berlin, vom 27. Sept. 1968) geben:

"Aufsehenerregendes neues Material betreffend die Identität des Mannes, der des Mordes an Robert Kennedy beschuldigt wird, ist von einer arabischen Regierung ans Licht gebracht worden.
Die betreffende arabische Regierung ist davon überzeugt, daß ihre Unterlagen zutreffend sind und hat beschlossen, diese nach Washington zu schicken. Unter den vorhandenen Zeugen macht sich jedoch eine offensichtliche und immer stärker werdende Abneigung gegen weitere Aussagen bemerkbar, und diejenigen, die zuerst Erklärungen abgegeben hatten - wie z. B. der Vater Sirhans - sind jetzt dazu übergegangen, diese zu berichtigen.
"Der Druck, der jetzt auf Leute, die von 1964 bis 1966 im Nahen Osten mit Sirhan zusammengekommen sind, ausgeübt wird, um sie zum Schweigen zu bringen oder zur Abänderung ihrer früheren Aussagen zu bestimmen, spricht Bände'."

Die Sache mit dem Weihwasser

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 15. März 2014 00:17

Der „Wachtturm" vom 15. 3. 1964 berichtet, bei einem schwerkranken Patienten, der im Krankenhaus bereits einige Tage im Koma gelegen hatte, stellten sich für die Ärzte unerklärlich, zusätzliche infektiöse Komplikationen ein. Das Rätsel löste sich aber noch, und damit war dann laut WT das „Happyend" angesagt.
Einer der behandelnden Ärzte beobachtete, wie die Mutter des Patienten, bei ihren Besuchen, diesen mit Weihwasser besprengte, in der irrigen Meinung, das könne „helfen". Damit war für die Ärzteschaft der entscheidende Hinweis gegeben. Sie ließen besagtes Weihwasser untersuchen, und stellten fest, das sei aber mit Bazillen verseucht, mit den genannten Folgewirkungen dann. Darüber soll die amerikanische Zeitschrift „Life" in ihrer Ausgabe vom 27. 9. 1963 berichtet haben.
Dem erhobenen Zeigefinger der WTG, hat es in dieser Story, in Sonderheit das Weihwasser angetan, da selbiges nicht zu ihren Praxisbräuchen, wohl aber denen von einigen Teilen der religiösen Konkurrenz gehört.
Die Belehrung der WTG aus diesem Fall lautet dann. Gutgläubigkeit an sich, reiche keinesfalls aus.
Da mag man ja überhaupt nicht widersprechen, sondern lediglich kommentierend sinngemäß einen Bibelspruch hinzufügen.
Alles was sie sagen das tuet, richtet euch aber nicht nach ihren Taten!

Wieder ein Meer von WTG-Krokodilstränen

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 22. März 2014 02:05

Vor fünfzig Jahren
Auf vier Druckseiten, fühlt „Erwachet!" vom 22. 3. 1963 sich bemüßigt, über einen - de facto - verhinderten „Selbstmord" zu lamentieren. Ort der Handlung die USA. Die Ärzte eines Krankenhauses, welche eine schwer kranke 23jährige Frau zu behandeln hatten, urteilten, ohne Bluttransfusion ginge es nicht. Dem stand eine im Sinne der Zeugen Jehovas formulierte Patientenverfügung entgegen.
In dieser Konfliktsituation beschloss jenes Krankenhaus, eine richterliche Verfügung zu erwirken, die Patientenverfügung als nicht für sie bindend ansehen zu können. Allerdings, der erste damit befasste Richter, stimmte diesem Ansinnen nicht zu.
Darauf legten die Anwälte des Krankenhauses Berufung ein, und in jener Berufsentscheidung wurde im Sinne ihrer Sicht der Dinge entschieden. Offenbar erhielt die Patientin dann auch besagte Bluttransfusion.
Zeter und Mordio-Geschrei der WTG dieserhalb.
Es ist zwar im konkreten Fall Spekulation, welche Folgen eingetreten wären, wenn es nicht zur praktizierten Bluttransfusion gekommen wäre.
Gleichwohl kann auf Grund anderer Fälle gesagt werden. Der Tod der Patientin hätte eine mögliche Folge sein können. Fakt ist jedenfalls, die besagte 23jährige hat diese Krankenhaus-Behandlung, lebend überstanden.
Wiederwillig muss auch „Erwachet!" einräumen: „Die Ärzte und die Richter, die diesen ... Entscheid fällten, meinten es ohne Zweifel gut".

Das wiederum will die WTG nicht gelten lassen und lamentiert des langen und breiten darüber, was bei einer medizinischen Entscheidung, trotzdem alles „schief laufen könnte". Indes den Beweis, das trotz erhaltener Bluttransfusion jene Patientin verstorben wäre, kann die WTG nicht antreten, und tritt sie nicht im konkreten Falle an.
Allem WTG-Gewäsch zum trotz ist festzustellen. Der WTG geht es nur um die Durchsetzung ihres Dogmas. Ob diese Durchsetzung im Einzelfall dann tödliche Folgen hat, darüber will sie nichts hören und sagen.

Letztendlich reduziert sich das alles auf den Machtanspruch der WTG. Sie alleine will bestimmen. Wenn es die Umstände so fügen, fallweise auch über Leben und Tod.








Ein anderes Beispiel über den Machtanspruch von Vertretern der Religionsindustrie, hat auch Luise Kraft in ihrem Buch geliefert.
Der dort geschilderte Fall mag prinzipiell „harmloser" sein, spielt zudem in dem Milieu einer völlig anderen Religionsgemeinschaft (der Neuapostolischen Kirche).
Indes durchaus charakteristisch auch die Sätze von Frau Kraft, bei der Darstellung ihres Sujets.

„Peter und ich waren frei geworden. Nun schwor man uns Rache und Verfolgung ... Traurig war das Verhältnis zwischen uns und unsren Kindern. Diese Ärmsten - wie trugen sie Leid um ihre Eltern, besonders um die 'abgefallene' Mutter, die sie vom Herrn 'Papa' nur noch als eine vom Herrn verworfene, eine verlorene schildern hörten! ... Wilhelm gab sich alle Mühe, den Kinder den Rest ihrer Zuneigung zur Mutter zu nehmen ... Jetzt, Lisa, bist du niedergezwungen, jetzt habe ich euch erst recht gedemütigt, dich und deinen Peter; mein sind nun die Kinder, ihrem geistigen Vater, der sie gezeuget hat!"

In der Rolle des die einzelnen versklavenden, findet sich dann auch die WTG wieder!

Vor fünfzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. April 2014 03:31

Vergiftetes Lob
In der Form eines externen Zitates von dem die WTG wohl wähnt, es sei „positiv" für sie liest man in der WT-Ausgabe vom 1. 4. 1964:
„Richard Mathison schreibt in seinem Buch 'God is a Millionaire' ... über Jehovas Zeugen folgendes:

„Im Koreakrieg haben viele, die aus dem bequemen Protestantismus aus unseren Militärschulen und höheren Schulen hervorgegangen sind kläglich versagt ... Eine Untersuchung des Pentagons führte zu folgender beschämenden Feststellung:
Die wenigen Zeugen Jehovas, die in Kriegsgefangenschaft kamen ... hielten den ausgeklügelten psychologischen Methoden, die man anwandte, um sie zum Kommunismus zu bekehren, durchweg besser stand als viele patriotische West-Point-Absolventen."

Wenn also das amerikanische Kriegsministerium (Pentagon), via dieses Zitates, die Zeugen Jehovas, als in seinem Sinne „positives" Beispiel herausstellt, dann bleiben da durchaus einige Fragen offen. Man erinnert sich beispielhaft an die WTG-Doktrin, Jehovas Zeugen würden dann kämpfen, wenn „Jehova" es befiehlt.

Demnach hat es also in den USA zu Zeiten des Koreakrieges durchaus solch einen „Stellvertreter" gegeben, der für „einige" der Zeugen Jehovas, den Rang eines „Jehova" einnahm.
Das muss man sich dann wohl besonders auf „der Zunge zergehen lassen"!

Siehe auch die CV 18, welche diese Notiz gleichfalls aufgriff. Allerdings auf der Basis einer anderen WT-Ausgabe welche das gleiche Zitat ebenfalls bemühte.

Wieder mal: Mark Twain
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. April 2014 02:46
Vor fünfzig Jahren
Erneut kommt „Erwachet!" vom 8. 4. 1964 auf den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain zu sprechen. Man merkt, die WTG ist bezüglich ihn - „ganz hin und hergerissen". Einerseits muss sie zugeben, er sei ein Humorist von Weltruhm; andererseits stört sie sich daran, dass er nicht viel von einer „göttlichen Vorsehung" hält.
Am besten man lässt Twain diesbezüglich für sich selber sprechen.
Einen guten Einstieg dazu, kann man auf der Kreudenstein-Webseite vorfinden.
http://www.kreudenstein-online.de/Querdenker/MarkTwain/Die_Schoepfung.htm
Wenn man auf der Kreudenstein-Webseite die linksseitig angeorneten Links nutzt und dort bis nach ganz unten heruntersrollt, findet man von Mark Twain auch noch eine ganze Kollektion von "Briefen des Satan" (Brief 1 - 11) nach vorgenannter "Schöpfungsgeschichte" angeordnet.

http://www.kreudenstein-online.de/Querdenker/Querdenker.htm

Ergänzend (dort aber mehr Englischsprachiges) auch:
http://www.payer.de/religionskritik/MarkTwain.htm
Gelesen in „Die Schöpfung":
„Nach langer Zeit und vielen Fragen sagte Satan: "Die Spinne tötet die Fliege und isst sie; der Vogel tötet die Spinne und isst sie; die Wildkatze tötet die Gans; also, sie töten sich alle gegenseitig. Das ist Mord auf der ganzen Linie. Hier sind unzählige Varianten von Kreaturen und sie alle töten, töten, töten, sie sind alle Mörder. Und sie begehen kein Verbrechen, Eure Heiligkeit?"
"Sie begehen kein Verbrechen. Es ist das Gesetz ihrer Natur. ..."

Oder auch dieses in „Satans zweiter Brief":
„Von allen Menschen in einer Kirche an einem Sonntag sind zwei Drittel müde, wenn der Gottesdienst halb vorbei ist, und der Rest ist es, wenn der Gottesdienst vorbei ist."

Da kannte er wohl noch nicht das „Wachtturm"-Studium der Zeugen Jehovas sonst hätte er wohl noch etwas schärfer formuliert!

„Satans dritter Brief"
„Es sind (in ihr der Bibel) jede Menge Verse darin und einige schlaue Fabeln, viel Blut durchtränkte Historie, ein wenig gute Moral, ein Schatz von Obszönitäten und mehr als tausend Lügen."

„Satans vierter Brief":
Und „wuchs und wuchs die Bevölkerung, bis es einige Millionen waren. Aber sie waren eine Enttäuschung für Gott. Er war mit ihrer Moral, die in einigen Teilen nicht besser war, als seine, unzufrieden. Tatsächlich waren sie ein so gutes Abbild seiner selbst, ... Sie waren sehr böse Leute und da er keine Ahnung hatte, wie er sie bessern könne, beschloss er weise, sie wegzufegen."

„Satans sechster Brief"
„Vorsehung. Das ist es. Denn die Fliege wurde nicht zufällig zurückgelassen. Nein, es war die Vorsehung die dabei mitmischte. Es gibt keine Zufälle. Alles was passiert hat seinen Zweck. Es ist von Anbeginn der Zeiten so vorgesehen und so gewollt. Am Beginn der Schöpfung sah der Herr, dass Noah verwirrt und alarmiert durch die Invasion der fossilen Ungeheuer früh in See stechen würde, ohne eine bestimmte unschätzbare Krankheit mitzunehmen. Er würde alle anderen Krankheiten mit sich führen und sie unter den weltweit wieder auflebenden neuen Rassen verteilen, ... Es ist äußerst schwer die Absichten des Bibel-Gottes zu verstehen, er ist so ein Durcheinander an Widersprüchen, an weichlichem Wankelmut und eisenharter Unnachgiebigkeit, an kindlich guter Moral im Wort und tatsächlicher höllischer in der Tat, von überfließender Freundlichkeit geäußert durch dauernde Bösartigkeit."

„Satans elfter Brief":
„Die menschliche Geschichte ist zu allen Zeiten rot von Blut, bitter von Hass und befleckt von Grausamkeit, aber erst seit biblischen Zeiten gab es dabei überhaupt keine Grenze mehr. Sogar die Kirche, der man zugesteht, seit dem Beginn ihrer Vorherrschaft mehr unschuldiges Blut vergossen zu haben, als alle politischen Kriege zusammen, ... Er (Gott) unterscheidet nicht zwischen schuldig und unschuldig. Die Kleinkinder waren unschuldig, die Tiere waren unschuldig, viele der Männer, der Frauen und der Knaben und der Mädchen waren unschuldig, trotzdem mussten sie zusammen mit den Schuldigen leiden. Was der übergeschnappte Vater wollte waren Blut und Elend, es war im egal, wen es traf."

Hingewiesen sei auch auf die Schrift
Skepticus
„Arbeiter und Sekte
Kritische Gänge durch den Irrgarten der Vernunft"
Verlag: Bezirksvorstand der SPD für den Bezirk Zwickau (um 1930), dort S. 16f.
„Der weltberühmte amerikanische Schriftsteller Mark Twain hat in einem Buche seinen Landsleuten vorgehalten, wie dumm sie sein müßen, daß sie einer Liebestollen, und geldgierigen Schwindlerin ins Garn gingen, nur weil diese den Schwindel geheimnisvoll darzustellen wußte. Heute, wo die Christian Science sich wie die Pest über den Erdball verbreitet hat, wollen wir noch einmal hervorholen, welche Titel sich die alte Schwindlerin beigelegt hat. Mark Twain zählt sie auf:
Die Stellvertreterin Gottes und seines Sohnes auf Erden.
Der Pastor Emeritus, - der einzig existierende Ehrenpastor.
Die Präsidentin des Mass. Metaphysical College.
Haupt des Direktorenrates der Erziehungsbehörde der Kirchenverwaltung,
Der Redner und Heiler,
Eigentümerin der Druckereien und Magazine (Zeitschriften)
Schatzmeisterin aller Einkünfte
Tatsächliche Eigentümerin aller Lehrer-, Heiler-, Leser- und Missionarstellen
Diktatorin des Kirchendienstes
Eigentümerin der gesetzlich geschützten Glaubensbekenntnisses.
Besitzerin der Bostoner Mutterkirche und aller aus dieser hervorgegangenen Zweigkirchen.
Unfehlbare Autorität in allem, was gelehrt und geglaubt werden darf.
Die einzige Gewalt, die in allen Kirchen Beamte ein- und absetzen kann
Die universale und ewige Seelsorgerin für alle Gläubigen für diese und die andere Welt.
Muß sich ein denkfähiger Mensch nicht schämen, einer solchen Gaunerin und der von ihr ins Leben gerufenen Geschäftsgemeinschaft, die unter der Flagge einer religiösen Sekte segelt, anzuhängen? Aber vielleicht hat Mark Twain recht, was er in Beziehung auf Mutter Eddy und ihre Gläubigen sagte:

"Der menschlichen Rasse scheint es ein riesiges Vergnügen zu machen, von einer Eselhaftigkeit in die andere zu tappen, wie sie es immer tut, wenn sich Gelegenheit dafür bot. Meinen Spaß habe ich an der schamlosen alten Schwindlerin, der Mutter Eddy, vor der sie in Demut die Knie beugen und das alte Geschöpf anbeten. Aber sie werden einst Blut schwitzen müssen dafür und für die Jahrhunderte hinaus. Aber so viel ich weiß, die Menschen haben's nie anders gemocht, nie einen beachtenswerten Grund der Vernunft in ihren Angelegenheiten gezeigt.
Vernunft in der menschlichen Gesellschaft? Ha, es ist zum Lachen!"

Ja, man könnte lachen, wenn die Anhänger solchen Schwindels nicht immer hauptsächlich die Ärmsten wären, die sich ihre Hungergroschen aus den Taschen ziehen lassen, statt sie für Aufklärung auszugeben, damit sie endlich einmal menschenwürdig auf d i e s e r Erde leben können.

Zum Thema „Christian Science" siehe auch
Da fliegen die Fetzen
Siehe auch

Parsimony.23404.

Parsimony.23405

Die Welt wird nicht zu Christus bekehrt
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. April 2014 01:38
Vor fünfzig Jahren
Als sogenannte Sonderausgabe kommt der „Wachtturm" vom 15. 4. 1964 daher. In ihm wieder mal unter Berufung auf statistische Jahrbücher die Klage, zwar habe die Weltbevölkerung jährliche Zuwächse zu verzeichnen, indes:
„Eine nähere Prüfung der Zahlen der vergangenen Jahre zeigt auch, daß die nichtchristliche Bevölkerung schneller wächst als die sogenannt christliche Bevölkerung. Die Welt wird also nicht zu Christus bekehrt; im Gegenteil, die Christenheit nimmt ab im Vergleich zur Weltbevölkerung. Sie schließt heute nur noch knapp ein Drittel der Menschheit ein."
Nicht beantwortete Fragen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. April 2014 06:21
Vor fünfzig Jahren
Die als Sonderausgabe firmierende „Erwachet!"-Ausgabe, vom 22. 4. spielt wieder mal auf der alten Fidel, des Staunens über die Wunder der Schöpfung.
Das ist dann für die WTG (nicht nur für sie) bekanntermaßen das Trojanische Pferd, um auf dieser Basis die Grundsatzthese einer „göttlichen Vorsehung"

den Unbedarften unter zu jubeln.
Reflektionen darüber was ein Nietzsche etwa mal in dem sinngemäßen Satz zusammenfasste.
Was wäre zu schaffen, gäbe es Götter fragt Nietzsche weiter sinngemäß.
Nichts, was nicht auch ohne Götter schaffbar wäre! 
werden nicht angestellt.
Das „Staunen über die Schöpfung" soll das alles überlagern.
Auch damit setzt man sich nicht auseinander was der amerikanische Schriftsteller Mark Twain mal in der These zusammenfasste:
"Die Spinne tötet die Fliege und isst sie; der Vogel tötet die Spinne und isst sie; die Wildkatze tötet die Gans; also, sie töten sich alle gegenseitig. Das ist Mord auf der ganzen Linie. Hier sind unzählige Varianten von Kreaturen und und sie allen töten, töten, töten, sie sind alle Mörder. Und sie begehen kein Verbrechen, Eure Heiligkeit?"
"Sie begehen kein Verbrechen. Es ist das Gesetz ihrer Natur. ..."

Tiefergehende Reflektionen, als wie die faule These der vermeintlichen
„göttlichen Vorsehung werden nicht angestellt

Das WTG-"Eingemachte" in Gefahr
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Mai 2014 05:33
Vor fünfzig Jahren
Da sieht die WTG wieder mal ihr „Eingemachtes" in Gefahr. Unter Berufung auf eine Meldung der „New York Times" vom 7. 5. 1962 (zitiert in einem WT-Artikel) fühlt sie sich bemüßigt ihren Lesern mitzuteilen:
„Der sowjetische Astronaut Major German S. Titow bekannte sich heute zum Atheismus. Er sagte, er habe während seiner siebzehn Umkreisungen des Erdballs 'weder Gott noch Engel' gesehen. 'Bei unserem ersten Raumflug, den Jurij Gagarin unternahm, hat uns kein Gott geholfen, die Rakete zu bauen', erklärte er weiter. 'Die Rakete wurde von unseren Leuten konstruiert. Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube an den Menschen, an seine Kraft, seine Möglichkeiten und seinen Verstand.' Major Titow äußerte sich über seinen materialistischen Glauben, nachdem er und seine Frau an einer knapp zwei Stunden dauernden Besichtigung des wissenschaftlichen Sektors der USA auf der Weltausstellung in Seattle teilgenommen hatten."

Weniger in vorgenanntem WT-Artikel, aber durchaus in anderen Voten aus dem Umfeld der WTG wird deutlich, wie gereizt WTG-Kreise auf solcherlei Aussagen denn so zu reagieren pflegen.
Siehe zum Beispiel
Wie der Herr Kretschmer so „tickte"

Es wäre wohl eine Fehlinterpretation, würde man mutmaßen, von der WTG Betörte ließen sich durch vorzitierte atheistische Voten sonderlich verunsichern. Aber gereizt reagieren sie schon. Auch das WTG-Buch „Dein Wille geschehe" liegt letztendlich auf dieser Wellenlänge.
Der Sputnik-Schock

Auch anderen Zweigen der Religionsindustrie sind solcherlei Rückzugsgefechte mehr als geläufig. Man vergleiche etwa die Aussage von
Uta Ranke-Heinemann
Es gibt nämlich keinen Berufsstand, der derartig siegreich - mindestens in seinen eigenen Augen - aus allen Widerlegungen hervorschreitet wie der Theologenstand. Einen Theologen kann man praktisch nie widerlegen. Wenn man doch einmal glaubt, es sei einem gelungen, wenn man also alle Argumente der Logik und des historischen Beweises auf seiner Seite versammelt hat, dann wird es nur Sekunden dauern, bis der Theologe mit den Worten »gerade deshalb...« oder »gerade daran zeigt sich« oder ähnlich wie ein Phönix aus der Asche sich erhebt und die Niederlage in seinen totalen Sieg umzuwandeln beginnt, »wie denn noch jeder große Theologe aus dem Mangel einen Reichtum... zu machen verstanden hat«

Egal wie der Einzelne darauf reagiert, bleibt dennoch der wesentliche Tatbestand bestehen, welche die Musikgruppe „Karat" mal in einem griffigen Text zusammenfasste:

http://www.youtube.com/watch?v=tmzDAz6ZvFQ

„Wer seine Rute spart ..."
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Mai 2014 03:30
Vor fünfzig Jahren
Da ist die WTG-Zeitschrift „Erwachet!" (Ausgabe vom 8. 5. 1964) wieder mal voll in ihrem Element. Beim lesen der Zeitung „New York Times" entdeckten sie eine Meldung, die voll auf ihrer eigenen Prügelpädagogik-Linie lag. Ehrensache für die WTG, die sich nicht entgehen zu lassen, und postwendend auch der eigenen Anhängerschaft zu kredenzen.
Nun muss man zwar einräumen, wähnen die Verfechter der Prügelpädagogik, selbige anzuwenden, dass dann sicherlich gewisse äußere Anlässe vorhanden sind. Allerdings kann man ihnen dann auch bescheinigen, kommt es soweit, stellen sie sich selber einen Offenbarungseid, bezüglich ihrer missratenen Erziehungs"künste" aus.
Die Ursachen können diesbezüglich vielfältig sein. Nicht selten spielt ein Vernachlässigungsaspekt eine Rolle. Im Falle der Zeugen Jehovas kann man den dann noch dahingehend quantifizieren.
Da rennen die Eltern im WTG-Sog von Haus zu Haus. Und als „Nebeneffekt" der
objektiven Überlastungssituation, tritt die Vernachlässigung der eigenen Kinder ein.
Just über diese wesentliche Sachlage indes, reflektiert „Erwachet!" dann nicht.
Nachstehend dann noch das Zitat, das die WTG wieder mal zur Belehrung ihrer Betörten, zum „besten" gab:
Es „ermahnt die Bibel, die göttliche Weisheit enthält, die Väter, ihre Kinder, wenn es nötig wird, zu züchtigen:
'Wer seine Rute spart, haßt seinen Sohn; aber wer ihn lieb hat, sucht ihn früh heim mit Züchtigung.' 'Züchtige deinen Sohn, so wird er dir Ruhe verschaffen und Wonne gewährend deiner Seele.' - Spr. 13:24; 29:17.
Eine Zeitlang war, besonders in Amerika und England, die Rute der Zucht oder die Anwendung körperlicher Züchtigung bei der Kindererziehung verpönt, denn man huldigte der sogenannten nachsichtigen Erziehungsmethode oder 'Erziehung zur Freiheit'. Die Verfechter dieser Methode behaupten, ein Kind körperlich zu züchtigen beweise, daß man es hasse."

Jubilierend notiert „Erwachet!" aber weiter:
„Jetzt beginnt man jedoch, wie folgende Meldung zeigt, in gewissen Kreisen über diesen Punkt anders zu denken:
'Die 'nachsichtige Erziehungsmethode', die immer mehr aus der Mode kommt, hat eine weitere Runde verloren. Untersuchungen ... haben gezeigt, daß Kinder unter der verhältnismäßig strengen Aufsicht ihrer Mütter mehr leisteten, als sie normalerweise in der Schule leisten.' - 'New York Times', 1. September 1963.
Noch eindeutiger ist die Verfahrensweise eines amerikanischen Richters mit jugendlichen Rechtsbrechern, die sich vor ihm verantworten müssen.

[Redaktionelle Einfügung. Man beachte die Aussage jenes Richters ist offenbar aber nicht mit in der Notiz der 'New York Times' enthalten, auf welche sich die WTG beruft. Die hat sie offenbar andernorts entlehnt, ohne jedoch die Quelle nachzuweisen. Die WTG nutzt also eine Notiz der 'New York Times' um diese inhaltlich noch zu verschärfen! Weiter im Zitat]
„Als er einem dieser Jugendlichen eine Frage stellte, gab dieser eine so freche Antwort, daß seine Mutter, der das sehr peinlich war, ihn zurechtwies. Darauf brüllte der Junge sie an: 'Halt dein Maul!'. Das veranlaßte den Richter, den Vater zu fragen, wann er dem Jungen das letzte Mal die Hosen straffgezogen habe. Der Vater gestand, den Jungen nie verdroschen zu haben, worauf der Richter anordnete, daß der Junge sofort mit fünfzehn Schlägen gezüchtigt werde. Diese Strafe hatte die gewünschte Wirkung."

Da feiert sich die WTG selbst! mp3

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Mai 2014 01:19

Zu dieser „Wachtturm"-Belehrung (WT 15. 5. 1964) mag man dann wohl als Kommentar dazu nur noch sagen: Tut alles was sie euch sagen, richtet euch aber nicht nach ihren Taten!
Ob denn jener Herr mit Zeugen Jehovas-Sozialisation, der sich im weiteren Verlauf seiner Biographie noch eine 28jährige Gefängnisstrafe einhandelte (sicherlich nicht „grundlos")
http://www.youtube.com/watch?v=DuWpCQgVZss
oder etwa der Vjekoslav Marinic, ebenfalls den Drill der WTG-Erziehung erlebend, je solche geschönten Bilderbuch-Verhältnisse, tatsächlich erlebt hat, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Und es ist keinesfalls damit abgetan, die Schuld an vorgenannten Fällen, nur auf die involvierten Eltern abzuwälzen. Eine durchaus zutreffende Erkenntnis besagt:
„Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken". Und der Kopf hört in diesem Falle auf den Namen WTG!

In derselben WT-Ausgabe wird noch ein anderes Beispiel bemüht.
Danach habe ein zehnjähriger sich solche Qualifikation als Orchesterdirigent angeeignet, die selbst vordem skeptische bis herablassend urteilende Berufsmusiker, in seinem Fall in höchstes Erstaunen versetzten.
Auch im Falle jenes Zehnjährigen, dürften seine Eltern, eine wesentliche Mit-Aktie an diesem Ergebnis gehabt haben, was sicherlich nicht zu bestreiten wäre. Es erfolgte also eine gezielte Förderung. Auch im Zeugen Jehovas-Bereich kann man sicherlich gewisse „Förderungsergebnisse" bewundern. Die sind dann aber in der Regel auf WTG-Organisationsegoistische Ziele hin ausgerichtet. Weitaus weniger auf die individuellen Talente und Fähigkeiten.

Und das Korsett das die WTG da anzulegen beliebt, ist sehr eng zugeschnitten. Im Vordergrund steht nur ihr eigener Organisations-Egoismus. Nicht jedoch das Wohl der so „beglückten" Kinder.

Mysnip.90196

Wie die Russen „Christen" wurden
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Mai 2014 03:39
Vor fünfzig Jahren
Wenn man in der Zeugen Jehovas-Zeitschrift „Erwachet!" vom 22. 5. 1964 auch etwas darüber lesen kann, wie geschichtlich die Russen zu „Christen" wurden, dann muss man wohl dazu auch sagen.
Lediglich der Umstand, dass diese Ausführungen in einer Zeugen Jehovas-Zeitschrift abgedruckt wurden, ohne wissenschaftlichen Quellennachweis, berechtigt noch nicht ein „abwertendes" oder im anderen Fall ein „zustimmendes" Votum zu diesen Ausführungen zu machen.
Vergleicht man etwa, was die Wikipedia, zu demselben Thema zu sagen hat, drängt sich schon der Eindruck auf, die Wikipedia geht in diesem Falle den neuralgischen Punkten aus dem Wege.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_I
Ich sagte bereits, wissenschaftliche Quellenbelege werden in „Erwachet!" nicht genannt. Ohne nun in Anspruch nehmen zu wollen, mit diesem Detail der Kirchengeschichte sonderlich vertraut zu sein, ist jedoch mein subjektiver Eindruck der. Da hat „Erwachet!" einiges gezielter auf den Punkt gebracht, als die sonstigen Wegerklärer und Zensoren, es beim selbigem Thema zu praktizieren pflegen.
Bilde sich aber jeder seine eigene Meinung dazu.
Und auch das wundert mich dann nicht mehr, abgesehen von politisch-neustalinistischen Tendenzen im heutigen Russland und anderen Ländern der vormaligen Sowjetunion. Abgesehen von diesen Tendenzen politischer Art mit der Russisch-orthodoxen Kirche als Ohrenbläser. Gäbe es vorgenannte neustalinistisch-russsisch-orthodoxe Tendenzen so nicht. Würde also wirklich freie Marktbedingungen herrschen, hätten die Zeugen Jehovas in Russland, ihr mögliches Zuwachspotential, keinesfalls schon ausgeschöpft. In eher westlichen Ländern, beispielhaft in der Schweiz, „dümpelten" die Zeugen Jehovas jahrzehntelang so vor sich hin. Dieses „vor sich hindümpeln" dürfte ihnen, in diesem neustalinistischen Staat wohl weitgehend erspart bleiben!

Nachstehend wird dann nur noch kommentarlos zitiert.
„Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts - die christlichen Missionare hatten bis dahin wenig Erfolg unter der russischen Bevölkerung zu verzeichnen - begann der Großfürst Wladimir, ein sehr kriegerischer Herrscher, der viele Frauen und achthundert Konkubinen hatte, sich für die Frage zu interessieren, welche Religion seine Untertanen haben sollten. Er erkundigte sich über die Religion der Mohammedaner.
Als man ihm sagte, daß diese die Beschneidung hätten, kein Schweinefleisch essen und keinen Alkohol trinken dürften, wollte er nichts von dieser Religion wissen. Er war der Meinung, daß die Russen nicht ohne Alkohol leben könnten.
Dann fragte er die Juden über ihren Glauben. Nachdem Wladimir ihre Geschichte gehört und erfahren hatte, wie es ihnen gegenwärtig erging, antwortete er:
'Würde Gott euch und euer Gesetz lieben, so hätte er euch nie unter alle Völker zerstreut; wollt ihr etwa, daß es uns auch so ergehe?'
Wladimir war aber auch nicht beeindruckt von der Beschreibung, die die Vertreter der römisch-katholischen Kirche von ihrem Glauben gaben."

Dann geht es weiter mit der Episode:
„Da er nicht wußte, welche Religion er wählen sollte, rief er seine Räte zusammen, die ihm empfahlen, Vertrauensleute zu beauftragen, die verschiedenen Religionen zu prüfen und ihm darüber Bericht zu erstatten. Nachdem die von ihm ausgesandten Männer das mohammedanische, das jüdische, das römisch-katholische und das griechisch-katholische Bekenntnis kennengelernt hatten, kehrten sie zurück. Am stärksten hatte sie der Gottesdienst der griechisch-orthodoxen Kirche beeindruckt.

Und zur Begründung dazu wird ausgeführt:
„Wir gingen nach Griechenland, und die Griechen führten uns in ein Gebäude, in dem sie ihren Gott anbeteten, und wir wußten nicht, ob wir im Himmel oder auf Erden waren. Denn auf der Erde gibt es keinen solchen Prunk oder eine solche Pracht. Wir können das Gesehene und Gehörte mit Worten nicht beschreiben. Wir wissen nur, daß Gott dort unter den Menschen wohnt und daß ihr Gottesdienst schöner ist als die Zeremonien der anderen Völker. Denn wir können jene Schönheit nicht vergessen. Kein Mensch ist bereit, nachdem er etwas Süßes geschmeckt hat, etwas Bitteres anzunehmen."

„Erwachet!" führt aber auch aus:
„Wladimir ließ sich jedoch nicht nur von dem glänzenden Ritual und dem Prunk dieses Ritus beeinflussen. Offenbar haben auch politische Gründe mitgespielt sowie der Einfluß seiner Großmutter, die sich hatte bekehren lassen, und derjenige der griechischen Prinzessin, die er etwa um jene Zeit heiratete. Nachdem er selbst das griechische Bekenntnis angenommen hatte, gab er bekannt, daß jeder, der seine neue Religion nicht annehme, nicht sein Freund sei. Damals wurden seine Untertanen in Kiew, der bedeutendsten russischen Stadt jener Zeit, und des umliegenden Landes zu Tausenden getauft. Einer seiner Söhne, Jaroslaw, verfolgte die gleiche Politik wie sein Vater, und schon nach wenigen Jahrzehnten waren sozusagen alle Russen „Christen" geworden; nicht weil Missionare unter ihnen gepredigt hätten, sondern weil sie den Befehlen ihrer Herrscher gehorcht hatten, und diese waren nicht aus Überzeugung, sondern aus politischen Erwägungen heraus erteilt worden."

Man vergleiche auch

Mysnip.110330

Dort mehr am Textende
(Bericht über das Höhlenkloster in Kiew)
http://www.metacafe.com/watch/5264146/in_die_finsternis/

Christian Science
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Juni 2014 01:59
Vor fünfzig Jahren
6,5 Druckseiten ist der WTG in der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 6. 1964 ein weiterer Artikel über die Konkurrenz-Religion der Mary Baker Eddy, der sogenannten „Christlichen Wissenschaft" wert. Bereits zu früheren Zeitpunkten wurde WTG-seitig, dieses Thema umfänglich aufgegriffen.
Siehe etwa
Da fliegen die Fetzen

Und nun im Jahre 1964 erneut.
„Die inspirierende Kraft hinter der Christlichen Wissenschaft" titelt der WT diesmal.
Die wesentliche These in diesen WT-Ausführungen kann man in der Feststellung sehen. Zwar bestritt die Mary Baker Eddy etwas mit Spiritismus zu tun zu haben. Jedoch sei genau dieser, eines ihrer Hauptwesensmerkmale.
Die Polemik der WTG gegenüber dem Spiritismus generell basiert auf der Konkurrenzsituation. Beide WTG und Spiritisten, grasen dasselbe Feld der Leichtgläubigen ab. Und da gilt für die WTG halt das Motto: Die oder wir!
Herausgearbeitet wird auch der straffe Zentralismus innerhalb dieser Strömung. Auch da lassen sich sehr wohl Vergleiche zur WTG-Religion herstellen.
Eine gewisse Bedeutung erlangte diese Gruppe auch durch ihr (Englischsprachiges) Blatt
„The Christian Science Monitor".
Siehe auch den Wikipedia-Eintrag über ihn.

http://de.wikipedia.org/wiki/The_Christian_Science_Monitor

Im Gegensatz zum ansonsten straffen Zentralismus, hat sich dessen Redaktion eine gewisse Unabhängigkeit erkämpfen können. Man kann es mit dem „Prinzip lange Leine" vergleichen. Also ein gewissen Spielraum hat jene Redaktion schon, und ist nicht vordergründig allzu sehr auf die Dogmatik der „Christlichen Wissenschaft" festgenagelt. Gleichwohl forderte das Internetzeitalter auch in diesem Falle seinen Tribut. Die konventionell gedruckte Ausgabe wurde mittlerweile weitgehend aufgegeben. Vorrangige Publizierung erfolgt nur noch über das Internet. Zumal ist seine Beschränkung auf den Englischsprachigen Bereich, ohnehin mit der WTG nicht vergleichbar, welche ihren dogmatischen Schrott, in vielerlei Sprachen publiziert.

Wenn man so will war „Das Goldene Zeitalter"/"Trost"/"Erwachet!" eine Magerversion, einer Publizistik, die nicht nur auf dogmatischen Schrott ausgerichtet ist. Letztere erfuhr im WTG-Bereich allerdings ein zunehmendes Zurückfahren.
Der „Christian Science Monitor" steht für die entgegengesetzte Tendenz, des Ausbaus einer thematischen „Öffnung zur Welt".
Scheinheilig
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Juni 2014 00:23
Vor fünfzig Jahren
Scheinheilig fühlt sich „Erwachet!" vom 8. 6. 1964 dazu berufen, mit erhobenem Zeigefinger zu dozieren:
„Selbst in Friedenszeiten achten die Kirchen sorgfältig darauf, in Harmonie mit der öffentlichen Meinung zu sein. ... In Gegenden zum Beispiel, in denen die Bevölkerung für die Rassentrennung ist, wird sie meistens auch von den Kirchen befürwortet; viele Geistliche verteidigen die Rassentrennung sogar in ihren Predigten. In Gegenden, in denen die Bevölkerung gegen die Rassentrennung ist, wird sie auch von den Kirchen als unbiblisch verurteilt."

„Erwachet!" unterschlägt allerdings den wesentlichen Tatbestand, dass genau dies auch die eigene WTG-Praxis war.
Für weiteres siehe auch
19492Rassentrennung

Altbackenes Outfit
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Juni 2014 07:20
Vor fünfzig Jahren
„Bis zum Jahr 1926 trugen alle weiblichen Glieder der Versammlung, die den Zusammenkünften beiwohnten, eine Kopfbedeckung" meint der „Wachtturm" vom 15. 6. 1964 ausführen zu sollen.
Über die Gründe weshalb dann nach 1926 nicht mehr, werden WTG-seitig keine Ausführungen gemacht.
Offenbar will sie das nun wieder einführen, und fühlt sich ermächtigt des langen und breiten darüber zu referieren „Wann eine christliche Frau eine Kopfbedeckung tragen sollte."
Bezeichnenderweise macht der WT aber selbst eine Ausnahme, indem er ausführt:
„Bei einer Predigttätigkeit von Haus zu Haus ist keine Kopfbedeckung nötig."
Warum wohl? Vielleicht wohl auch deshalb, dass den WTG-Strategen deuchtet, kommt eine in altbackenem Outfit daher, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass den Angesprochenen deutlich wird, womit man es bei der WTG-Religion zu tun habe.
Mit einer Religion auf dem Niveau von vorgestern!

Post Skriptum
Zu denjenigen die heutzutage an diese Altbackenen Strömungen, bewusst anknüpfen, gehört auch der Herr Lothar Gassmann, wie dieses Bild entnommen der Video-Aufzeichnung einer seiner Veranstaltungen zeigt.

Der Unterschied mag lediglich darin bestehen, dass die WTG-Veranstaltungen trockene Indokktrinations-Veranstaltungen sind (in Vergangenheit und Gegenwart). Also nichts da mit eventueller musikalischer Umrahmung.
Man vergleiche zu Gassmann auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,210302,210302#msg-210302

Bakterien
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Juni 2014 04:09
Vor fünfzig Jahren
Über Bakterien als nützliche Helfer des Menschen meint „Erwachet!" vom 22. 6. 1964 auf vier Druckseiten reflektieren zu sollen. Ein Kernsatz dabei vielleicht der:
„Die Antibiotika, mit denen man Krankheitserreger bekämpft, haben die unangenehme Nebenwirkung, daß sie auch die nützlichen Bakterien töten."

Nun sei an dieser Stelle nicht unbedingt dazu Stellung genommen. Die Gesamttendenz des „Erwachet!"-Artikels ist wohl eher die, dass der Leser über auch dieses „Wunder der Schöpfung" vor Ehrfurcht erstarren soll.
Einer der sich aus dieser Starre indes befreit hat, meinte mal das ganze etwas anders sehen zu können. Etwa so (Zitierung hier etwas gekürzt)

Zitat
... Und wenn der Wachtturm vom 15. Juli 1971 schreibt, dass „alle Lebewesen Zeugnis ablegen von einer intelligenten Planung", muss man zweifellos nicht nur wilde Tiere, etwa Löwen und Krokodile, sondern auch Bakterien, Parasiten und andere Krankheitserreger mit einschließen (Seite 430). Auch diese Organismen zeugen von einem intelligenten Schöpfer, der sie liebevoll geplant und konstruiert hat. ...
Gott schuf mindestens 9000 verschiedene Bakterien „nach ihren Arten" (1. Mose 1:24). Prof. Dr. Franz Daschner, ehemaliger Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg, sagte dazu in einem Vortrag am 30. November 2007: „Bakterien sind unglaublich intelligent und einfallsreich, wenn sie sich vorgenommen haben, uns Menschen krank zu machen." Das wird beispielsweise bei Helicobacter pylori deutlich. Während andere Bakterien von der Magensäure abgetötet werden, bohrt sich dieses Geschöpf in die Magenschleimhaut, wozu es durch seine spezielle Form in der Lage ist. Dort spaltet es mit einem Enzym, das ihm der Schöpfer mit auf den Weg gegeben hat, den Harnstoff aus der Magensäure in Ammoniak und Hydrogencarbonat.
Dieser „Ammoniakmantel" schützt es dann vor der Magensäure, und so kann es ungestört seiner Aufgabe nachgehen, die darin besteht, Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre und Magenschleim-hautentzündungen zu verursachen. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr einige Tausend Menschen an den Folgen dieser Krankheiten. ...
Staphylococcus epidermidis hat eine fanatische und fantastische Liebe zu Fremdkörpern. … Er vermehrt sich auf den Fremdkörpern, bildet kleine Kolonien und gleichzeitig eine Hülle über die Kolonie aus Biofilm, so dass ihm weder die weißen Blutkörperchen noch die im Blutserum vorhandenen Antikörper noch die meisten Antibiotika etwas anhaben können." Ja, wie die Tiere, so ist auch dieses Bakterium „instinktiv weise" ...
Das Verhalten der Bakterien ist auch ein eindrucksvoller Beweis gegen die Evolution. Zum einen, weil die Weisheit, die sie offenbaren, niemals von selbst entstehen konnte.
... hätten die Bakterien diese Mechanismen in wenigen Jahrzehnten entwickeln müssen! Das ist absolut unvorstellbar. Die einzig logische Schlussfolgerung ist, dass der Schöpfer diesen Lebewesen die Abwehrmaßnahmen von Anfang an einprogrammiert hat. ...
Zum anderen widerlegen die Bakterien die Evolution durch die Art und Weise, wie sie sich gegenüber Bakterien anderer Arten verhalten. Gemäß der Evolutionstheorie müssten sie ausschließlich am eigenen Überleben und am Fortbestand ihrer Art interessiert sein. Das Schicksal anderer Spezies dürfte sie nicht interessieren; vielmehr müssten sie versuchen, sich gegenüber anderen Bakterienarten einen Vorteil zu verschaffen. ...

Daher gibt es immer mehr Bakterien, die gegen alle vorhandenen Antibiotika resistent sind, wodurch allein im Jahr 2005 etwa 50.000 Menschen in Europa starben. Durch diesen genialen Mechanismus hat der Schöpfer dafür gesorgt, dass alle menschlichen Bemühungen, Infektionskrankheiten auszurotten, von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. ...
Nicht nur Bakterien sind „wunderbar gemacht", sondern auch Parasiten. Wie die Erwachet!-Ausgabe vom 22. Mai 1999 schrieb, „ist ein Parasit ein Lebewesen, das in oder an einem anderen Lebewesen, seinem Wirt, lebt und daraus einen gewissen Nutzen zieht." Diese Geschöpfe Gottes gehen äußerst wirkungsvoll vor; gemäß der bereits zitierten Erwachet!-Ausgabe „sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, ein angeschwollener Bauch und Müdigkeit sowie chronische Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Verstopfung" häufig Symptome eines Parasitenbefalls im Darm, genauso wie „Gewichtsverlust, unruhiger Schlaf, Juckreiz, keuchendes Atmen und Fieber" (Seite 14).


Doch es gibt Parasiten, die Gott mit wesentlich wirkungsvolleren Eigenschaften ausgestattet hat. Der Fadenwurm Onchocerca volvulus beispielsweise verursacht die sogenannte Flussblindheit. Über ihn schreibt die Zeitschrift Erwachet! in ihrer Ausgabe vom 8. Oktober 1995: „Die Parasiten quälen ihre menschlichen Opfer. Mit den Jahren wird die Haut von Infizierten dick und schuppig. … Die Betroffenen bekommen mit der Zeit das, was bildhaft als Krokodil-, Eidechsen- oder Leopardenhaut beschrieben wird. Der Juckreiz ist sehr stark, so stark, daß er einige zum Selbstmord getrieben haben soll. Wenn die jungen Würmer in die Augen eindringen, läßt das Sehvermögen mit der Zeit nach, und der Betroffene erblindet völlig. …

Bakterien, Parasiten und Insekten – alles Geschöpfe Gottes – arbeiten perfekt zusammen, wenn es darum geht, die Menschen krank zu machen. Wie es in der Erwachet!-Ausgabe vom 22. Mai 2003 heißt, „haben … durch Insekten übertragene Krankheiten ‚vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert mehr Krankheits- und Todesfälle verursacht als alle anderen Ursachen zusammengenommen'. … Gegenwärtig ist ungefähr jeder 6. Mensch mit einer durch Insekten übertragenen Krankheit infiziert" (Seite 3). ...

Einige Menschen können sich nicht vorstellen, dass krankmachende Bakterien und Parasiten von Gott geschaffen wurden. Sie glauben, nicht Gott, sondern der Teufel hätte diese Lebewesen ins Dasein gebracht. Doch der Teufel ist kein Schöpfer. In Wirklichkeit mangelt es diesen Menschen an einem genauen Verständnis des Vorsatzes Jehovas. ...

Krankheiten spielen eine zentrale Rolle in Gottes Vorsatz. Seinem Volk drohte er: „Jehova wird dir die @#$%& anhaften lassen. … Jehova wird dich mit Tuberkulose und hitzigem Fieber und Entzündung und Fieberhitze … schlagen. … Jehova wird dich mit den entzündeten Beulen Ägyptens schlagen und mit Hämorrhoiden und Ekzem und Hautausschlag. … Jehova wird dich mit Wahnsinn und Erblindung und Verwirrung des Herzens schlagen. … Jehova wird dich mit bösartigen entzündeten Beulen an beiden Knien und beiden Schenkeln schlagen, von denen du nicht geheilt werden kannst" ...
Da Naturkatastrophen alleine nicht mehr ausreichen, um alle Menschen zu töten, benutzt Jehova u. a. auch Bakterien, Parasiten und wilde Tiere. „Jehova ist es, der tötet" (1. Samuel 2:6).

Aufgrund der Unvollkommenheit führen nicht alle Krankheiten zum Tod. Oft erholen wir uns nach einiger Zeit wieder von unseren Krankheiten. Aber auch, wenn wir nicht daran sterben, sollten wir „nicht glauben, daß … unsere Krankheiten und Leiden vom Teufel kommen" (Der Wachtturm, 1. November 1973, S. 667). Nein, nicht Satan verursacht Krankheiten, sondern Jehova selbst versprach: „Ich meinerseits werde dich bestimmt krank machen" (Micha 6:13). Daher erschuf er eine Fülle von Krankheitserregern, die treu seinen Willen ausführen. ...

Schon im Jahre 1982 wurde geschätzt, dass „bis jetzt 14 bis 20 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt" hatten (Der Wachtturm, 1. Juli 1982, S. 20). ...
Daher hat Jehova in seiner Weisheit Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass all diese Menschen seine Gebote halten und er sie am Leben lassen muss. Durch den Wachtturm und andere religiöse Schriften „läßt Gott ihnen eine Wirksamkeit des Irrtums zugehen, damit sie der Lüge glauben, so daß sie alle gerichtet werden" (2. Thessalonicher 2:11, 12). Aber er gebraucht auch Bakterien und Parasiten, um Menschen zum Sündigen zu verleiten. „Berichten zufolge steigert der Erreger der ‚Lustseuche' Syphilis, ein Bakterium, die sexuelle Aktivität infizierter Menschen", berichtete Spiegel online am 4. April 2009. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie unmoralisch handeln, so dass Gott dann Grund hat, sie zu vernichten.


Einen ähnlichen Zweck hat wahrscheinlich der Parasit Toxoplasma gondii. Der tschechische Biologe Jaroslav Flegr stellte fest, dass dieser Einzeller das Verhalten befallener Menschen verändert – sie werden unsicherer und zweifeln mehr; befallene Männer sind misstrauischer und halten sich weniger an gesellschaftliche Normen. Das kann dazu führen, dass sie auch die Äußerung von Gottes Mitteilungskanal anzweifeln, was Gott wiederum Grund gibt, sie zu vernichten. Auf diese Weise sorgt er dafür, dass es für die wenigen Überlebenden von Harmagedon genügend Platz gibt. ...

„Die ganze Schöpfung preist Jehova", stellte der Wachtturm vom 15. Dezember 1988 fest (Seite 11). Dazu gehören zweifellos auch Bakterien, Parasiten und andere Schöpfungswerke, die Jehova „nach ihren Arten" geschaffen hat (1. Mose 1:24). Jedes einzelne dieser faszinierenden Geschöpfe trägt auf seine Weise zur Verwirklichung des Vorsatzes des Schöpfers bei. Sind wir nicht von tiefer Ehrfurcht ergriffen, wenn wir über großartige Weisheit nachdenken, die Jehova bei der Erschaffung dieser Lebewesen geäußert hat? Wenn uns das nächste Mal die Ehre zuteil wird, eines dieser Geschöpfe in unserem Körper zu beherbergen, werden wir sicher voller Dankbarkeit unseren Gott preisen ...

http://www.svhelden.info/erbrechet/2012/01/bakterien-und-parasiten-preisen-jehova/

Vor fünfzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Juli 2014 00:18
Erich Frost wird abgehalftert

Im Impressum der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 7. 1964 liest man weiter die Angabe (wie in den vorangegangenen Ausgaben)
„Verlag und Druck: Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft
Deutscher Zweig e. V., Wiesbaden
Verantwortliche Redaktion: Erich Frost, Wiesbaden".

Schon eine Ausgabe weiter, also die Ausgabe vom 15. Juli 1964 hat sich diese Inpressums-Angabe verändert.
Nunmehr wird erstmals der Name genannt: „Verantwortliche Redaktion: Günter Künz, Wiesbaden".

Eine nähere Erläuterung zu diesem Personalwechsel gibt es nicht.
Erst recht gibt es keine würdige Verabschiedung des Frost.
Der ist nunmehr sang- und klanglos verschwunden.
Böse Zungen indes sind geneigt, dieses „sang- und klanglose" Verschwinden, durchaus noch etwas anders zu sehen. Und verweisen da auf einen Kommentar in der genannten „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. Juli 1964, den man durchaus auch auf Frost zugeschnitten ansehen kann.
Genannte WT-Ausgabe führte auch aus (S. 397):
„Angenommen, es ginge ein Gerücht um, daß ein Bruder, der für seinen starken Glauben bekannt war, sich als Verräter entpuppt habe und von der Geheimpolizei als Spitzel gebraucht worden sei."

Der WT führt weiter aus: „Die hier beschriebenen Verhältnisse sind nicht nur eine Annahme oder ein Phantasiegebilde, sondern Wirklichkeit."

Der WT sucht dann aber erst mal zu beschwichtigen. Seiner Meinung könne es sich auch um eine Trick der Geheimpolizei dabei handeln. Ganz wohl indes, ist dem WT-Schreiber bei der Trick-These nicht.
Eher widerwillig muss er auch zugeben, es gäbe auch Fälle die sich nicht auf den Faktor „Trick" reduzieren lassen. Davon sollten sich aber die WTG-Hörigen dann nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen, so die weitere Belehrung.
Im Falle Frost bedeutete dass dann wohl, das der frühere „Persilschein" des WTG-Präsidenten N. H. Knorr, nach der Publizierung von Materialien über Frost, im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel", nunmehr nicht mehr länger Gültigkeit hatte.
Knorr hatte ja, wie die genannte „Spiegel"-Publizistik noch Tagesaktuell war, dazu kommentieren lassen:
„Ich (Frost) hatte über diese Anschuldigungen Bruder Knorr befragt, ob ich vielleicht etwas tun sollte. Doch er sagte mir: 'Nein, lass das sein, Bruder Frost! Was glaubst du, wie viele Anschuldigungen gegen mich gemacht werden. Wir schenken solchen keine Aufmerksamkeit. We put them in the file, d. h. wir legen sie ab, aber haben keine Zeit sie zu lesen."

Nun etwas später, hatte man offenbar doch noch sich die Zeit genommen, besagte Anwürfe zu lesen.

Frost mit Geburtsdatum 22. 12. 1900, hatte also zum Zeitpunkt seiner Abhalfterung noch nicht einmal sein 65. Lebensjahr vollendet, welches andernorts vielfach als magisches Datum des Rentnerbeginns gehandelt wird. Es sind indes genügend Fälle im WTG-Bereich bekannt, wo dieses Datum in WTG-Kreisen keine Beachtung findet, die betreffenden über dieses Datum hinaus, ihren vorherigen Job weiter ausüben. Und die klammheimliche Realisation, mitten im WT-Jahrgang, nicht zum Jahreswechsel etwa, spricht nicht dafür, dass Frost etwa um diese Entscheidung „gebeten" hätte. Da entschieden andere für und über ihn.
Die CV 20 kommentierte über den nachfolgenden Wohnort des Frost (Tuttlingen an der Donau):
"Aus der Versammlung wird berichtet, daß er dort eine Etagenwohnung gemietet hatte und sich kaum noch öffentlich sehen ließ. Meist fuhr er nur in seinem VW aus. In der Versammlung galt er als erledigt, tat kaum den Mund auf und hatte keine Freunde. Alle wunderten sich, daß dieser einst so glänzende Redner sich so in ein Mauseloch verkroch."

Zum thematischen Weiterlesen unter anderem:
Was sagte Erich Frost aus?
Hans Müller und weitere „Gebetskünstler"
Stasi

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43365083.html

Nachschlag zum Fall Erich Frost
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Juli 2014 06:16
Vor fünfzig Jahren
„Wie man sich auf eine Verhaftung vorbereitet" so der Titel einer jener unseligen Texte, der namentlich auch den Zeugen Jehovas zu den Verbotszeiten in der vormaligen DDR, WTG-seitig eingetrichtert wurde.
Der Verhaftungstext

An jenen unseligen Text wird man in der „Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 7. 1964 wieder erinnert.
Der dortige Text nennt drei damalige Verbotsländer beim direkten Namen:
Rumänien, Ungarn und Rußland.
Da gab es vor einigen Jahren einen Streit über die These, auch seitens kommunistischer Geheimdienstkreise sollen gefälschte (sprich inhaltlich abgeänderte) „Wachttürme" in Umlauf gesetzt worden sein. Was etwa diesbezüglich in Rumänien, Polen, Sowjetunion abgelaufen sein mag, vermag ich nicht im Detail zu beurteilen. Jedenfalls findet man vorgenannte These in der genannten WT-Ausgabe auf der Seite 455 wieder.
Eine Stellungnahme zu jener These von den „gefälschten Wachttürmen" auch in
Parsimony.19561

Aber auch das kann gesagt werden. Was immer denn die Ostdeutsche Stasi so auf dem Kerbholz gehabt haben mag, das mit den gefälschten (abgeänderten) WT-Ausgaben gehörte wohl nicht zu ihrem Metier. Die zog es vor eher mit offenem Visier anzutreten, mit dem Briefversand des Willy Müller, welcher der Gründung der CV im Oktober 1965 vorausging

In der Studie von Andere Gursky (S. 96) ist ja ein solch bemerkenswertes Schreiben bezogen auf den wie in Kommentierung der vorigen WT-Ausgabe bereits festgestellt, nunmehr WTG-seitig abgehalfterten Erich Frost abgebildet.

Allerdings tendiere ich dazu jenes bei Gursky abgebildete Schreiben, erfolgte nicht über den Müller-Briefversand, sondern separat.
Wie auch immer scheint mir aber, die in diesem Text enthaltenen Anwürfe, sind in der Substanz, keineswegs entkräftet.
Wenn vorgenannte WT-Ausgabe auf Seite 434 auch den Satz formuliert:
„In einem kommunistischen Land versandte die Geheimpolizei an verschiedene Brüder vervielfältigte Rundschreiben, in denen veranwortliche Personen in der Organisation der Zeugen Jehovas heftig angegriffen wurden. Man beschuldigte sie der Trunkenheit, des Ehebruchs und der Verrats."

Abgesehen von dem Vorhalt „Trunkenheit" der mir dann doch wohl etwas zu pauschal erscheint, wurde es mich keineswegs wundern, nähme die genannte WT-Ausgabe auf jenes bei Gursky abgebildete Dokument mit oder auch nur, Bezug!
Es ist auch keinesfalls als „unbeachtlich" zu bezeichnen, dass die WT-Angabe, in einem kommunistischen Land seien Briefe verschickt worden, welche führende WTG-"Leuchten" in ein schiefes Licht stellten. Und auch die indirekte Einräumung, substanziell sei an diesen Vorhalten was dran.
In der letzten WT-Ausgabe der Redaktionsphase Frost (1964 S. 397f.) war unter der Artikelüberschrift „Stärke dich für künftige Tätigkeit" in mehr nebulösen Wendungen eingeräumt worden, an solchen Vorhalten, auch wenn sie denn über Geheimdienstkreise lanciert wurden, könne was dran sein. Die „Spiegel"-Veröffentlichung von 1961 lag nun zeitlich schon etwas zurück. Es wäre wohl zuviel erwartet, dass schon sie unmittelbar im Anschluss daran, genannte Personalveränderung bewirkt hätte. Die Frist „zum Gesicht wahren" war indes nun abgelaufen.
Jene Personalveränderung zum Jahresanfang realisiert, hätte sicherlich mehr Beachtung gefunden, als wie eine mitten im Jahrgang realisierte Personalveränderung. Wer liest schon ständig die Impressumsangaben einer periodischen Zeitschrift? Wohl kaum einer.
Aber auch die erste WT-Ausgabe der Redaktionsphase Künz enthält durchaus eindeutige Andeutungen. Titel jenes WT-Artikels „Die Einheit bewahren in schweren Zeiten" (S. 431f.). Das dies die Zielstellung der WTG in der Sache war, ist ja durchaus nachvollziehbar. Indem dort erneut auf das agieren der Verbotsländer Bezug genommen wurde, ist das faktisch eine thematische Fortsetzung der in der vorangegangenen WT-Ausgabe enthaltenen Einräumung, an den über Geheimdienstkreise lancierten Vorhalten „könnte etwas dran sein". Erneut wird notiert (S. 434):

Das diese Ausführungen ausgerechnet in jener WT-Ausgabe erschienen, welche die erste der Redaktionsphase des Günter Künz darstellte (15. 7. 1964) ist auch bezeichnend. Sollte wieder Erwarten Frost bezüglich seiner Absetzung noch irgendwelche Fragen gehabt haben, so konnten ihm die eingeweihten WTG-Technokraten antworten.
Hey Frost, das mit dem Briefversand durch die kommunistische Geheimpolizei, nimmt auf Deinen Fall Bezug!
Weiter wusste Frost, in bezug auf seine Gestapoakten, gab es schon einige Jahre vorher den Versuch, ihn über einen Mittelsmann zu erpressen. Damals spielte sich das alles noch ohne weitergehende Öffentlichkeit ab. Diese Schallmauer (keine Öffentlichkeit) war seit der „Spiegel"-Veröffentlichung durchbrochen. Die Gefahr für die WTG, würde sie den Frost an seiner in der Öffentlichkeit herausgehobenen Stellung weiter belassen, könnte es zum erneuten Aufkochen der Thematik in der Öffentlichkeit kommen. Das diese Gefahr real war, wusste die WTG nur zu gut.
Seit etwa 1959 datierte der Briefversand des Willy Müller, indem das Thema Frost auch mit vorkam. Als jener Briefversand ab Oktober 1965 dann in die Zeitschrift „Christliche Verantwortung" umgewandelt wurde, fand auch dort das Thema seine Fortsetzung. Was den Müller'schen Briefversand anbelangt, konnte die WTG sich zwar einstweilen noch damit trösten, der erreicht ja kaum relevante Empfänger. Die Umwandlung des Briefversandes in eine Zeitschrift zeigte dann indes, dieser Zustand musste kein Dauerzustand bleiben. Handelte die WTG nicht rechtzeitig, bestand für sie die Gefahr, andere werden ihr das Gesetz des Handelns abnehmen. Auch Frost selber dürfte klug genug gewesen sein, die bestehende Situation realistisch einzuschätzen.
Offenkundig zog er es in dieser Gemengelage vor, dann „keine weiteren Fragen mehr zu haben"!

Rolf Hochhuth's Stück „Der Stellvertreter" in der Diskussion

geschrieben von: Drahbeck

Datum: 08. Januar 2014 03:08

Vor fünfzig Jahren
In der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 7. 1964 wurde auch WTG-seitig, massiv die Werbetrommel für das Hochhuth-Stück „Der Stellvertreter" gerührt.
Zum allgemeinen Hintergrund dazu, siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Stellvertreter

In einer eher kleinen Notiz in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 1. 1964, wurde diese Thematik auch schon mal angesprochen.
In letzterer verlautbarte sich der WTG-Bericht auch mit den Sätzen:

„'Der Stellvertreter' löste in Berlin, wo das Stück zuerst aufgeführt wurde ... großen Widerstand katholischer Kreise aus. ... Während es bei Albert Schweitzer, Kirchenpräsident Niemöller und vielen anderen Anklang fand, wurde es von Bischof Dibelius und Papst Paul VI. entschieden abgelehnt. ... Hochhuth ist der Überzeugung, daß der Papst mit Willen zu den Judenmorden geschwiegen hat. Das habe, sagt er, ein genaues Studium der öffentlich greifbaren Akten und Dokumente aus den Jahren 1942/44 (Herbst) ergeben."

Hochhuth „Der Stellvertreter"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Juli 2014 01:35
Vor fünfzig Jahren
Etwa zehn Druckseiten ist „Erwachet!" vom 8. 7. 1964 eine Referierung des Hochhuth-Stückes „Der Stellvertreter" wert. Daran sich anschließend noch ein etwa dreiseitiger Artikel über das Konkordat zwischen Hitlerdeutschland und dem Vatikan.
Zu den nicht wenigen Kritikern der Ausführungen von Hochhuth gehört auch der nicht unbekannte Herr und Verkünder von „blühenden Landschaften", mit Namen Helmut Kohl. Allerdings zum Zeitpunkt der Hochhuth'schen Thematisierung, hatte er seinen „Geschichtsmantel" noch nicht ergattern können. Das war für ihn erst möglich, als der Ausverkäufer der Sowjetunion namens Gorbatschow, auch auf der Bühne der Weltpolitik erschien.
Auf eine weitere Kommentierung der vorgenannten Aspekte sei denn verzichtet. Als Ausnahme von der Regel sei jener „Erwachet!"-Artikel mal komplett vorgestellt.
Im Allgemeinen haben Zeugen Jehovas zwar die Gepflogenheit ihr Buntstift-Arsenal, fallweise eben auch nur einen Kugelschreiber, in ihren Exemplaren der „Wachtturm"-Ausgaben, herumwüten zu lassen. Böse Zungen sind da geneigt zu kommentieren. Je mehr da angestrichen wird, um so weniger hat der/die Macher, inhaltliches „verstanden". Wobei man rückfragen kann, gibt es bei WT-Geseiere eigentlich viel zu „verstehen"?
Wie auch immer, die vorliegende „Erwachet!"-Ausgabe des Jahrganges 1964 war, vor meiner antquarischen Erwerbung, offenbar eine, im Zeugen Jehovas-Besitz. Und der Betreffende fühlte sich dazu berufen, auch in diesem Artikel die Anstreich-Orgie zu praktizieren, was an und für sich bei der Zeitschrift „Erwachet!" in Zeugen Jehovas-Kreisen nicht so sehr üblich ist.


Siehe auch, Parsimony.12528

wie der „Königreichsdienst" der Zeugen Jehovas in seiner Ausgabe vom Juni 1964 bei dem Thema agierte.
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,192452,219229#msg-219229

Portugal
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Juli 2014 07:26
Vor fünfzig Jahren
Über das Portugal Anfang der 1960er Jahre vernimmt man auch den Satz:
„Die ab 1961 aufflammenden Kolonialkriege führten schließlich zum Ende der Salazar-Diktatur. Führende Militärs, ... drängten auf das Ende der Kampfhandlungen, denn (man) hatte erkannt, dass die Kriege in Afrika nicht zu gewinnen waren."

Weiter wird festgestellt:

„Salazar verkündete den Estado Novo, den „Neuen Staat", eine konservativ-autoritäre Diktatur. Seine Machtposition basierte auf wirtschaftlicher Stabilität und politischer Repression. Die bereits 1926 eingeführte Pressezensur verhinderte eine freie Meinungsäußerung, Streikverbot und Einschränkung der Versammlungsfreiheit verhinderten eine wirkungsvolle Opposition. Politische Parteien wurden – sofern sie sich ... nicht selbst aufgelöst hatten – verboten. Dissidenten wurden von der Geheimpolizei PIDE ... ins Exil getrieben, ins Gefängnisse gebracht, ermordet oder mundtot gemacht. Der Salazarismus wird in der historischen Forschung meist nicht als reiner Faschismus bezeichnet, sondern als konservativ-autoritäre Diktatur mit durchaus einigen klerikal-faschistischen Zügen."

http://de.wikipedia.org/wiki/António_de_Oliveira_Salazar

Diese wie festgestellt klerikal-faschistische Gemenge-Lage, in Kombination mit zunehmend verlustreichen Kolonialkriegen sorgten dafür, dass auch für die WTG die „süßen Trauben" in zunehmend unerreichbare Höhen verschwanden.
In einem neun Druckseiten umfassenden Artikel, beschwert sich „Erwachet!" vom 22. 7. 1964 darüber. Der Artikel gipfelt in der Aufforderung an die eigene Leserschaft, nunmehr Protestbriefe nach Portugal zu versenden.
Herausgearbeitet werden auch solche Details, wie das agieren der portugiesischen Geheimpolizei, nach dem Motto wirklich „geheim" vorzugehen, aber trotzdem die Repression auf die Spitze zu treiben.
Immerhin muss man dann dabei wohl auch die Zahlenrelationen in Betracht ziehen.
Für das Jahr 1938 wurde die Verkündigerzahl der Zeugen Jehovas in Portugal auf zwei (!) beziffert. 1948 war man bei zehn angelangt. Schließlich im Jahre 1960 bei 780.
Wohl kaum übermäßig große Zahlen.
Wieder zeigt sich die US-amerikanische „Dampfwalze" der Zeugen Jehovas, wollte es auch in Portugal „wissen".
Der Salazar-Diktatur endete dann Ende der 1960er Jahre, und ab diesem Zeitpunk war es wohl etwas freiheitlicher in dem Lande.
Besteht nun für ein - wie vorbeschrieben - eher kleines Häuflein, ein Anspruch darauf, ihre Interessen mit Gewalt durchsetzen zu wollen. Nichts anderes beinhaltet doch die vorbeschriebene WTG-Kampagne.
Das kann man dann wohl auch etwas anders sehen.

Die Kolonisatoren in Brooklyn und Washington werden es zur Kenntnis zu nehmen haben. Sie sind keineswegs der Nabel der Welt, auch wenn sie sich als solcher aufführen. Die Missachtung dieser nüchternen Erkenntnis provoziert dann auch viel Leid, dass die Kolonisatoren in den USA zwar nicht direkt treffen mag, dafür dann um so mehr die örtlichen in ihrem Betörungsrausch befindlichen.

Portugal (II)
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. November 2014 07:20
Vor fünfzig Jahren
(Teil I: http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,228910,275372#msg-275372
22. Juli 2014 07:26 )
Nachdem „Erwachet!" vom 22. 7. 1964 bereits eine großangelegte Propaganda-Kampagne gegen Portugal in die Wege geleitet hatte, welche in der Aufforderung gipfelte, seitens der Zeugen Jehovas jenes Regime mit Protestbriefen zu überfluten, setzt sich diese Kampagne in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 11. 1964 fort.
Adressat der Aktion war unter anderem die Portugiesische Botschaft in den USA. Selbige reagierte nun mit einem Antwortbrief, der auch den Satz enthielt:
„Die Gesandtschaft wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie diesen Brief in Ihrer Zeitschrift veröffentlichten".

Wohl eher mit ungutem Gefühl, wurde WTG-seitig dann auch dieser Forderung entsprochen. Wie wohl kaum anders zu erwarten, flankiert mit einer ellenlangen WTG-Gegenantwort.
Es wurde bereits notiert, das Portugal jener Jahre war in der Tat klerikal-faschistisch ausgerichtet. Insoweit war vorauszusehen. Es gibt keinen „Konsens" bei diesem Schlagabtausch. Die eher marginale Gruppe der Zeugen Jehovas in Portugal jener Jahre, die aber nicht nur ein stilles Leben führen sollte (gemäß den Brooklyner Anweisungen) sondern nahezu schrill-provokativ von sich reden machte. Das waren halt zwei „kommunizierende Röhren", die sich in der Konsequenz dann gegenseitig „hochschaukelten".
Einige bemerkenswerte Sätze aus dem Antwortschreiben der Portugiesischen Gesandschaft in den USA dann noch:
Als „organisierten Haßfeldzug"

bezeichnet jene Gesandtschaft dann die WTG-Aktion, und verweist dabei auch auf den Umstand:
„Wir haben Hunderte von Briefen erhalten - Dutzende davon sind gleichlautend, und einige sind sogar im verkehrten Umschlag angekommen."

Inhaltlich werden diese Schreiben wie folgt bezeichnet:
Sie „sind größtenteils beleidigend, unhöflich und öfters zur Veröffentlichung geradezu ungeeignet."

Zu dem Gegenangriff der Portugiesischen Gesandtschaft gehörte dann auch die Aussage:
„Bei ihrer Propagandatätigkeit in verschiedenen Wohnvierteln Lissabons sowie anderer Städte haben 'Jehovas Zeugen' Hausfriedensbruch begangen, indem sie unter den Leuten ihr Propagandamaterial aufdrängten, wobei sie es öfters an Drohungen und Beschimpfungen nicht fehlen ließen. In mehreren Fällen haben die 'Zeugen Jehovas' mit Gewalt die Türen offengehalten, wenn die erschreckten Wohnungsinhaber sie zu schließen suchten, um nicht weiter gestört zu werden. Das ist eine krasse Verletzung der Rechte der portugiesischen Bürger."

Angesichts dieses Vorhaltes wird man unwillkürlich an die Verhältnisse in Hitlerdeutschland erinnert.
Auch da wurden, wie sich die heraufziehende Verbotssituation abzeichnete, umfängliche geheime Bücherlager mit WTG-Büchern und Broschüren angelegt.
In den WTG-Jahrbuchberichten (nach 1933), wurde dann auch minutios Buch darüber geführt, wieviele dieser Bücher und Broschüren (allesamt mit Erst-Erscheinungsdatum vor 1933), dann in Hitlerdeutschland zur Verbreitung gelangten, durch die Zeugen Jehovas.
Als wenn in der eingetretenen Verbotssituation die Weiterverbreitung des WTG-Schrifttums an solche Leute, die es vordem noch nicht hatten, so überaus „wichtig" wäre.
Die Gestapo die das auch registrierte, für die war das auch ein Motivationsschub für ihre Gegenmaßnahmen.
Auch ein Beispiel von „kommunzierenden Röhren" die sich da gegenseitig hochschaukelten.
Der Unterschied im Falle Portugal ist halt der; ein formales Verbot, trotz alle Querelen gab es nicht. Hätte man sich still und ruhig verhalten, hätte man auch die katholisch-faschistische Phase in Portugal, einigermaßen heil überstehen können. Immer daran denkend, der Krug kann nur solange zu Boden gehen, bis er bricht. Und die Option das noch mal andere Zeiten kommen können, gilt es auch zu sehen.
Trotzdem wurden zur Unzeit, seitens der Zeugen Jehovas, betont aggressive Propagandamethoden praktiziert. Über die Ergebnisse dieser WTG-Strategie, braucht man dann wohl auch nicht verwundert zu sein!

Exkurs:
Einige Zahlen über den Umsatz an WTG-Schriften ab 1933 in Hitlerdeutschland laut den WTG-Jahrbuchberichten.
1933: 490.333 Bücher und 4.661.583 Broschüren.
Für 1934 gibt es bezogen auf das eigentliche Deutschland keinen Zahlennachweis. Das auch, weil auf Anraten der USA-Botschaft in Deutschland, die mittlerweile mit eingeschaltet war, ein Stillhalten angeraten wurde, einstweilen. Indes aus Danzig wird berichtet: 1739 Bücher und 56.269 Broschüren.
Aus dem Saargebiet 2010 Bücher und 38.567 Broschüren.
Auch für 1935 ist zu vermelden. Mit Unterstützung der USA-Botschaft in Deutschland, konnte die WTG eine Vermögensfreigabe erreichen. Die Balzereit-Administration suchte in dieser Sachlage eher zu lavieren. Insoweit gibt es für das eigentliche Deutschland keine Zahlenangaben. Aber wiederum die für Danzig:
2856 Bücher und 85.437 Broschüren.
Saargebiet: 2465 Bücher und 26.941 Broschüren.
Indes für 1936 gibt es wieder eine Zahl für Deutschland.
452.840 WTG-Bücher und Broschüren will man in jenem Jahre umgesetzt haben (aus den Beständen der geheimen WTG-Bücherlager).
Zuzüglich in Danzig 56 Bücher und 225 Broschüren.
Saargebiet 225 Bücher und 2281 Broschüren.
Für 1937 wird dann wieder keine Zahl nachgewiesen, wohl aber die für Österreich, welches sich mittlerweile auch unter den Verbotsländern mit befand.
3.622 Bücher und 48.137 Broschüren.
Für Deutschland des Jahres 1938 wird dann nochmals eine Umsatzzahl genannt:
14.289 Bücher und Broschüren.
Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Gestapo schon mächtige Verwüstungen in der Zeugen Jehovas-Infrastruktur angerichtet hatte, und die „Zeichen der Zeit" generell auf Sturm standen.

Einimpfung antidemokratischer Grundsätze
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. August 2014 06:17
Vor fünfzig Jahren
„In manchen Schulen werden Schüler zu bestimmten Ämtern oder Stellungen erwählt, so zum Beispiel zum Vertrauensschüler oder Klassensprechen ..."

(und ähnliche Beispiele) weis der WT vom 15. 8. 1964 mitzuteilen. Und weiter die WTG-Doktrin zu diesem Thema:
„Ein Zeuge Jehovas (würde) eine Stellung, zu der er durch politische Methoden im kleinen Stil ernannt würde, ablehnen. Eine Ernennung durch den Lehrer würde er dagegen als etwas anderes betrachten."

Mit dieser Doktrin impft die WTG ihren Hörigen wieder mal antidemokratische Grundsätze ein. Daher muss erneut die Feststellung von Michael H. Kater betont werden:

In späteren Jahren versuchten beispielsweise die Herren Uwe W. Hermann / Wolfgang Fahlpahl
In einem Aufsatz in der Zeitschrift "Religion Staat Gesellschaft", (Heft 2/2005) diese Sachlage mit den Worten zu bagatellisieren:
" Wie aktuelle Publikationen der Religionsgemeinschaft erkennen lassen, ist die Teilnahme an Klassensprecherwahlen, genauso wie die Wahl der Schul- und Ausbildungsform, bei Jehovas Zeugen ebenso einer individuellen Entscheidung überlassen wie die Teilnahme an außerlehrplanmäßigen Klassenfahrten."

Die eigentliche Sorge vorgenannter Wegerklärungs-Herren offenbart sich dann in den weiteren Votum in jenem Aufsatz:
„Zu weit geht es aber, wenn das O(ber)L(andes)G(ericht) Frankfurt bereits aus der Tatsache, daß die Kinder nicht an Klassensprecherwahlen und Ähnlichem teilnehmen dürfen, eine Gefährdung des Kindeswohls herleitet."

Da ist dann das WTG-Motto offenbar. Kreide muss her, zum Zentnerweisen Fressen.
Die Frage ist damit keineswegs beantwortet, welchen Praxiswert dieses Votum des WTG Herrn Uwe W. Hermann hat.
Man geht nicht fehl in dem Urteil, dem des geduldigen Papiers, das noch nicht mal den Preis wert ist, der für seinen Erwerb zu entrichten ist!
Seine eigene Antidemokratische Gesinnung, hat der genannte Herr U. W. Hermann, beispielhaft dann auch in einem von ihm unterzeichneten Schreiben vom 28. 02. 2002 an kids e. V. zu Protokoll gegeben.
Mit zitiert in:
Mysnip.61417
Ein besonders makabres Beispiel seiner schleimig-fiesen Wegerklärungskünste lieferte besagter Herr Herrmann auch im Jahre 1993 ab. Da war die Verweigerung auch des Ersatzdienstes durch die WTG-Hörigen noch aktuell. Über diesen 1993 Vorgang wurde an anderer Stelle auch notiert:
„ Auf Ältestenschulungsveranstaltungen, zum Beispiel der in Berlin im Oktober 1993, wurde durch einen Sprecher ihrer Rechtsabteilung, Uwe Herrmann, verkündet: "Die Wahrung der christlichen Neutralität ist eine Angelegenheit, die jeden Zeugen Jehovas persönlich mit seinem biblisch geschulten Gewissen berührt", speziell im Hinblick auf die Entscheidung des einzelnen in der Zivildienstfrage. Deswegen hätten in der Vergangenheit "andere Diener Gottes, ebenso wie die [Wachtturm- Gesellschaft] sich jeder Stellungnahme enthalten".

http://www.ekd.de/ezw/dateien/EZW_Texte_145_Internet.pdf

Wer denn mal eine Tonaufzeichung der vorgenannten Tagung (Hauptthema Königreichssaalbau, aber eben nicht nur, wie auch der dortige Beitrag des Hermann verdeutlicht). Wer denn mal eine Tonaufzeichnung jener Tagung anhören konnte (was für mich zutreffend ist), kann als subjektive Meinung zu dem Beitrag des Hermann dabei „nur" kommentieren. Ein fieseres Gewäsch ist kaum denkbar. Alles wird dem einzelnen überbürdet. Die WTG indes will ihre wahrlich dreckigen Hände in „Unschuld" waschen.
Siehe auch
Das Thema Zivildienst
Ein Herr Michael Kuras meinte etwa zu diesem Thema in seinem Buch „Erlebte Höhen und Tiefen eines Zeugen Jehovas"
"Kommt mir gerade die Wahl eines Klassensprechers in den Sinn. In der Schule einen Klassensprecher zu bestimmen wird oft durch eine Schülerwahl beschlossen. Kinder von Zeugen Jehovas nehmen in der Regel daran nicht teil, weil ihnen gesagt wurde, dies sei politisch.
Auch mir wurde dies so als Kind erklärt und ich hielt mich von Klassensprecherwahlen fern.
Heute betrachtet, sehe ich in dieser Angelegenheit nichts politisches, kein Schüler wird gewählt, weil er einer Partei angehört. Es geht hier um eine organisatorische Vereinfachung, Schüler und Lehrer, und Lehrer und Schüler können über diese Mittelsperson einfacher kommunizieren."

Siehe auch:
Wie war das noch mal mit den Klassensprecherwahlen?

„Bauchschmerzen"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. September 2014 07:17
Vor fünfzig Jahren
Den „Bauchschmerzen" welche die verschiedenen Zweige der Religionsindustrie zunehmend plagen, kann man auch in der Form eines Zitates, in der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 9. 1964 begegnen.
Der WT zitiert:
„Die Zeitschrift 'Ave Maria' brachte ... folgende Äußerung Kardinal Richard Cushings:
„Zum erstenmal in der Geschichte ist der Atheismus auf dem Vormarsch und die Kirche steht diesem Vormarsch des Antichrists hilflos gegenüber."
Die Ansicht, es gebe keinen Gott breitet sich tatsächlich immer mehr aus. Sie hat nicht nur einen großen Teil der über eine Milliarde zählenden Bevölkerung der kommunistischen Länder erfaßt, sondern beeinflußt heute auch in erstaunlichem Maß das Denken vieler Menschen in nichtkommunistischen Ländern."

Zu den WTG-spezifischen Abwehrmitteln gehört dann auch ein Bild auf der Seite 520 dieser WT-Ausgabe.
Dort sieht man unter der Überschrift „Weg mit allen Überbleibseln der falschen Religion!" eine Hausfrau auf einer Leiter stehend, die ein Bild von der Wand abhängt.
Man kann auch auf das berüchtigte „Sparlock"- Video der WTG verwiesen, wo es auch die Szene gibt, ein an und für sich harmloses Kinderspielzeug wird in eine Mülltonne befördert, unter dem Einfluß der WTG-Indokrination.

Wer auf diesem Level angelangt ist, der hat dann eine Fremdbestimmung über sich zugelassen. Quasi den Teufel ausgetrieben, um den Beelzebub bei sich Einzug halten zu lassen. Wirken diese Indoktrinationsmechanismen schon seit frühester Kindheit, dann um so schlimmer!


Um seine Doktrin zu unterstreichen, „schmückt" der „Wachtturm" vom 1. 9. 1964, diese dann wieder mal mit einem in seiner Lesart „passenden" Bild.

Solcherlei Kulturkämpferische Aspekte, feiern bei den Zeugen Jehovas dann auch noch in anderen Bereichen, fröhlichsten Urstand. Etwa im Bereich Musik, wo sich etliche WTG-Hörige schon mal gerühmt haben, gigantische Entsorgungsaktionen vorgenommen zu haben. Manche von ihnen soll dann wohl später noch ein Licht aufgegangen sein, wozu Dogmatismus führt, wobei letzteres allerdings keinesweg verallgemeinbar ist.
Das „Goldene Zeitalalter" vom 1. 3. 1937 formulierte schon beispielhaft mal den „kernigen" Satz:
„Johann Sebastian Bach hatte ein feines Gefühl für dämonische Musik und haßte diese."

Bei solcherlei Thesen stellt sich dann doch die Frage: Wer definiert?
Und nicht selten ist bei den Definierern, die purste Willkür auf der Tagesordnung.
Ein User berichtete mal rückblickend:
„Zeitnah kam meine Berufung ins Bethel.
Dies in der Summe hatte zur Folge dass ich jede Musik abschaffte.

Es wurde mir unmissverständlich verdeutlicht das sich dämonische Musik
und Betheldienst nicht vereinbaren lassen.

Ich weiß nicht ob sich jemand vorstellen kann was es bedeutet keine
Musik zu hören. Kein Radio, kein Fernsehen, kein Kino - nichts."

Derselbe User weiter:
„Ja doch - eines.
Und dass in vollem Ernst.
Wer Dämonische Symbole auf meinen Schallplatten sucht oder Musik rückwärts abspielt um den Unterbewusstseinseinfluss Satans zu "beweisen", der darf sich nicht beschweren wenn man seine Literatur auch nach Subliminalen Bildern scannt.

Ein Verschwörungstheoretiker enthüllt mit seinen Subliminalen Bildern in Wirklichkeit sein eigenes Unterbewusstsein."

Stefanie Müller berichtet in ihrem Text mit dem Titel:
„„Einfach anders als die anderen" - Eine Weltenwechslerin berichtet"
http://edoc.hu-berlin.de/miscellanies/menschenrechte-27763/145/PDF/145.pdf
Auch die Passage:
„Parallel zu diesen ersten emanzipatorischen Entwicklungen in Annas Biographie wurde vor allem der familiäre Druck immer stärker. Annas Mutter, die bemerkte, daß sie sich von der Zeugen-Gemeinschaft distanzierte begann ihre Briefe und Tagebücher zu lesen. Sie konfiszierte sogenannte „dämonische" Musik, Kleidungsstücke und Bücher. Dazu zählten vor allem Dinge aus der linken Szene, in der Anna sich durch einige Schulfreunde bewegte. Auch Schallplatten von Musikbands, wie AC/DC und Die Toten Hosen warf ihre Mutter weg."

Ein berüchtigtes Beispiel aus der neueren Zeit auch das WTG-Video „Sparlock" welches auch damit glämzt in einer Szene, wie die Mülltöne vollgefüllt wird mit an sich harmlosen Dingen, die aber in der Lesart der Betörten nicht harmlos seien.

https://www.youtube.com/watch?v=ZZZu2G8XZ1I

https://www.youtube.com/watch?v=GgkTbQc63G0

http://rutube.ru/video/0b7ae62b8b68ede14f39feadd8d46628/

Religion in der Sowjetunion 
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. August 2014 03:03
Vor fünfzig Jahren
„Rußlands Kreuzzug gegen die Religion" ist ein „Erwachet!"-Artikel in der Ausgabe vom 22. 8. 1964 betitelt. Mit als Motivation jenes Artikels kann man wohl auch das 1961 erstmals in Englisch (1963 dann auch in Deutsch) erschienene Buch von Walter Kolarz „Die Religion in der Sowjetunion" ansehen. Von der Tendenz her, kommen die Zeugen Jehovas in jenem Buch nicht „schlecht" weg. Insoweit verwundert es nicht, dass die WTG sich das nicht entgehen ließ.
Der Artikel arbeitet mit heraus, es gab in der Sowjetunion verschiedene Antireligiöse Wellen. Ich habe eigentlich, zu wesentlichen Teilen jenes „Erwachet!"-Artikels, keinen relevanten Dissenz.
Zum Beispiel würde ich auch den Satz bestätigen:
„Das kommunistische Rußland ist nicht überall und immer gleich heftig gegen die Religion vorgegangen, denn es richtet sich dabei ganz nach dem, was unter gewissen Verhältnissen die beste Politik ist."

Ein weiterer Kardinalsatz ist meines Erachtens der:
„Weil es den Kommunisten nicht gelang, eine gerechte Ordnung der Dinge zu schaffen"

, sei als Folgewirkung auch ihre Antireligiösen Kampagnen, weitgehend erfolglos gewesen. Just diesen Aspekt, arbeitet auch Kolarz in seinem Buche mit heraus.
Noch ein anderer Aspekt scheint mir relevant. Wie sind die Funktionäre, die sich auch bei den Antireligiösen herausbildeten, zu bewerten?
Wohl eher so. Es gelang ihnen (direkt oder indirekt), auch die staatliche Futterkrippe zu melken. In dem Moment, wo diese für sie wesentliche Voraussetzung mal wegfällt, sieht es düster aus. Dafür gibt es auch noch andere Beispiele.
Ein solches Beispiel, der kurz vor Toresschluß von der DDR kreierte Freidenkerverband, hochgradig von der staatlichen Futterkrippe lebend. Mit dem Ende der DDR fiel diese wesentliche Quelle weg, und man konnte den Zerfall jenes Verbandes „fast im Minutentakt" beobachten.
Ein weiteres Beispiel.
Am 10. 3. 1989 brachte die damalige Westberliner Zeitung „Volksblatt" einen Artikel, betitelt „Jugendweihe statt Konfirmation." Letzterer berichtete über diesbezügliche Aktivitäten der Westberliner Freidenker, und nennt auch bemerkenswerte Zahlen.
Ende der 1940er Jahre habe es etwa 3.000 jährliche Teilnehmer an diesen Jugendweihen gegeben. Die seien dann bis 1989 auf etwa 700 in jenem Jahre abgesackt. Ergo ohne die Staatskrücken, respektive in der Gegenwart die Krücken einiger vermögender Mäzene, sieht es für diese Kreise eher düster aus. Das mögen die von den Mäzenen profitierenden nicht so sonderlich gerne hören. Es ist aber so.
Es ist also weiterhin so, dass religiöse Kreise die größeren „Melkergebnisse" bei ihren Betörten einfahren, egal wo man hinsieht.
Mit dieser Feststellung ist allerdings noch keinerlei Aussage über die ideologischen Komponenten, von Religion oder Religionskritik getätigt. Treibt es die Religion „zu bunt" ist das letztendlich auch Munition für die Religionskritik, was ebenso nüchtern festzustellen wäre.
Zwei weitere Aspekte seien noch aus jenem „Erwachet!"-Artikel herausgestellt.
Erwähnt wird mit das Scheitern, einer fließenden Arbeitswoche, in der Sowjetunion. Die Motivation zu deren Einführung lag nicht zuletzt auch darin, der Religionsindustrie eines dergestalt „auszuwischen", dass nunmehr kein regulärer Sonntag für den Kirchenbesuch mehr zur Verfügung stand, da die jeweiligen Freizeittage, eben bedeutend schwankten. Da hatten Ideologen zwar ein „Ei gelegt" mit dieser Einführung. Indes selbst sowjetische Ökonomen befanden, das ist wohl eher ein Kuckucksei, welches es schleunigst wieder zu vergessen gälte. Damit war diese Kreation letztendlich gestorben.
Bemerkenswerterweise, gab es just zu dieser Zeit, auch im Zeugen Jehovas-Bereich ähnliche Bemühungen um eine Kalenderreform, ebenfalls primär aus Oppositionsgründen, gegenüber der angestammten Religionsindustrie, die letztendlich in ähnlicher Weise scheiterte.
Weiteres dazu im Buch von
M. James Penton „Endzeit ohne Ende"
Ein weiterer Aspekt, in jenem Artikel erscheint mir auch die Aussage. Da wird ein wohl Russischsprachiges Buch mit dem Titel zitiert:
„Die Jehovisten-Sekte und ihr reaktionärer Charakter".
Dort soll es auch die Passage geben:
„Jehovas Zeugen waren immer treue Diener des Erdölkönigs und Millionärs Rockefeller. Rockefeller hat diesen 'Dienern Gottes' mehrmals Dutzende, ja sogar Hunderte von Millionen Dollar gegeben, um ihre reaktionäre Propaganda gegen die UdSSR betreiben zu können."

Als Kommentar zu dieser Aussage fügt „Erwachet!" hinzu: „Wenn die Propaganda dermaßen übertrieben wird, verfehlt sie ihren Zweck."
Nun ist es in der Tat so, einfach mit einer Pauschalbehauptung, ist es nicht abgetan. Da sind dann wahrlich mehr Details vonnöten. Weiter muss auch durchaus die Frage im Fokus stehen. Eine „dauerhafte" oder nur eine zeitweilige Bezuschussung. Votiert man für letztere Variante, und berücksichtigt etwa Rutherfords kostspielige Radioambitionen, so hat die Rockefeller-These durchaus einigen Wahrscheinlichkeitsgehalt.

Walter Kolarz
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. September 2014 01:54
Vor fünfzig Jahren
Siehe auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,228910,336842#msg-336842
22. August 2014 03:03

Erneut lässt die WTG sich in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 9. 1964, durch das Buch von Walter Kolarz („Die Religion in der Sowjetunion") zu einem weiteren Artikel, welcher sich in wesentlichen Aussagen auf Kolarz stützt, inspirieren.
Titel des „Erwachet!"-Artikel diesmal:
„Darf die christliche Kirche dem Staat dienstbar sein?"
Nun fordert in der Tat die seinerzeitige sowjetische Kirchenpolitik, sehr handgreiflich, zur Kritik heraus. Es ist auch unfraglich, dass Kolarz, dabei durchaus sachlich, den wesentlichen Faktenbestand zusammengetragen hat.
Die WTG indes will mehr. Dieses „mehr" zeigt sich beispielhaft dann in dem „Erwachet!"-Satz:
„Für die Vergünstigung, vom Staat anerkannt zu sein, müssen sie (die Kirchen) die sowjetrussische Propaganda unterstützen, wie zum Beispiel, daß es keine religiöse Verfolgung in Rußland gebe und daß das Sowjetregime aufrichtig für den Weltfrieden sei.
Diese Kirchen sind offenbar der gleichen Meinung wie der verstorbene orthodoxe Patriarch Sergej, der sagte, daß nur Weltfremde versuchen würden, in Rußland zu bestehen, ohne sich mit dem Sowjetregime zu einigen."

Demgegenüber wirft sich die WTG in die Brust, und betont, dieses „Spiel" nicht mitzuspielen.
Das solcherlei vom Mainstream abweichende Position, sich namentlich in den USA, als politische Münze anbieten und verkaufen ließ, liegt auch offen zutage.
Bevor auf weitere Einzelheiten eingegangen wird, sei erst mal das eigentliche Kolarz-Buch herangezogen.
Auch Kolarz beschreibt die Antireligiösen Wellen, die es seit Bestehen der Sowjetunion gab. Mal stärkere, mal schwächere Ausmaße aufweisend.
Ein charakteristischer Satz bei Kolarz ist sicherlich auch der:
„Dies war die Zeit, als gewisse russische Kommunisten glaubten, der Verband (der kämpfenden Gottlosen) könne eine Art Gegenkirche werden. An die Stelle theologischer Bildung sollte eine ausgedehnte antireligiöse Ausbildung treten. 1933, als den Kirchen kein einziges Seminar mehr erlaubt war, besaß der Verband der kämpfenden Gottlosen sechs höhere Ausbildungsanstalten, 26 antireligiöse Arbeiteruniversitäten, eine antireligiöse Universität für Rotarmisten und ein antireligiöses Fernunterrichtsinstitut mit sechs Unterabteilungen. Dazu gab es verschiedene antireligiöse Arbeitsgruppen und Seminare auf niedrigerer Ebene."

Aber diese Blütenträume sollten Träume bleiben. Jener Verband dümpelte (in einer Gesamtbewertung) eher so vor sich hin.
Aber auch Kolarz meint:
„Ohne den Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges hätte der Verband der kämpfenden Gottlosen für unbestimmte Zeit weitermachen können, aber die Invasion Rußlands schuf eine neue Lage und forderte eine Neubewertung der kommunistischen antireligiösen Politik." Und weiter Kolarz:
"Als der Krieg zu Ende war, hätte die Sowjetregierung den Verband leicht wieder ins Leben rufen können, aber sie verzichtete darauf. Dieser Verzicht war in sich eine Bestätigung für die Unwirksamkeit des Verbandes, wofür er in den 16 Jahren seines Bestehens genügend Beweise geliefert hatte."

Trotzdem bedeutete die nunmehrige Eliminierung der organisierten Religionskritik in der Sowjetunion, noch nicht das Ende der Religionskritik als solcher. Den Traum breite Volksmassen auf dieser Basis organisieren zu können, mussten die Sowjets in der Tat begraben. Aber es gab nunmehr Neuformierungen.
Dazu der vorgenannte Autor:
„Der Wendepunkt kam im Juni 1947 mit der Gründung der "All-Unions-Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher und politischer Kenntnisse". Anders als der Gottlosenverband ist die Gesellschaft keine Massenorganisation; sie besteht aus der kommunistischen Elite: Professoren, Lehrern, Doktoren, Agronomen und andern Mitgliedern der Intelligenz."

Und weiter:
„Ein weiteres Symptom der wachsenden antireligiösen Offensive nach 18 Jahren Unterbrechung war die Veröffentlichung von Zeitschriften, die sich auf atheistische Propaganda spezialisierten. 1959 veröffentlichte die Gesellschaft in Moskau die Monatsschrift 'Nauka i Religija' (Wissenschaft und Religion)."

Trotzdem meint Kolarz auch dieser neuen Gemengelage bescheinigen zu können:
Auf die Dauer erwies sich der rein akademische Kampf der Gesellschaft - gegen die Religion vom kommunistischen Standpunkt aus als genauso enttäuschend wie die robusteren Methoden ... des Verbandes der kämpfenden Gottlosen vor dem zweiten Weltkrieg."

Nun kommt der Verfasser nicht umhin, sich so seine Gedanken über diese relative Erfolglosigkeit zu machen. Und dabei fallen bei ihm die wertenden Sätze:
Natürlich gibt es in Rußland wie auch anderswo viele Leute, die materiellen Komfort begehren und deren Götter das Auto oder der Fernsehapparat sind oder sein würden, wenn diese Annehmlichkeiten in der Sowjetunion weiter verbreitet wären. Solche Menschen sind für die Kommunistische Partei ebensowenig brauchbar wie für die Religion. Nach einem bekannten russischen Sprichwort sind sie weder eine Kerze für Gott noch eine Mistgabel für den Teufel".

Und weiter:
In Rußland wie in der kapitalistischen Welt werfen viele Menschen die Religion ab, nicht weil sie sich einer nichtreligiösen philosophischen Auffassung verschreiben, sondern aus kleinlichem persönlichem Egoismus. Dieser Sowjetegoismus unterscheidet sich vom kapitalistischen nur darin, daß seine materiellen Ziele weniger spektakulär sind."

Damit ist die Frage der Motivation der sich von der Religion abwendenden erst mal beantwortet.

Ideologische Gründe spielen nur eine untergeordnete Rolle. Der Traum aller von starken Organisationen träumenden, ist ja der, die dann gefundenen Betörten, mögen sich in gleicher Weise aufopfern, wie vordem für die Religion. Genau dieses Kalkül geht letztendlich nicht auf.

Wer nun trällert „den Himmel überlassen wir den Spatzen", fragt schon, und was kommt jetzt?
Ergo außer ein paar Nutznießern, welche „starke Organisationen" prinzipiell zu produzieren vermögen, ändert sich für die Betörten, egal wo sie sich denn nun befinden mögen, im Prinzip wenig bis nichts. Lediglich die „Geschäftsführer" wechseln, die Mechanismen des Geschäfts indes, bleiben ähnlich.
Das ist letztendlich der tiefere Grund des Scheiterns der sowjetischen Antireligiösen Ambitionen.
Wenn man diese Sachlage erkennt, täte man gut daran, keine überzogenen Erwartungen zu frönen. Namentlich die These von „starken" Atheistenorganisationen, ist mit Sicherheit solch eine überzogene Erwartung.
Siehe zu diesem Komplex auch ergänzend:
Mysnip.179286
Jetzt zu den Zeugen Jehovas überleitend, ist meines Erachtens auch der Satz von Kolarz relevant:
Rußland ist fruchtbarer Boden für die Zeugen Jehovas, nicht nur, weil sie so gut in das ganze historische Muster des russischen Sektentums passen, sondern auch, weil sie in den vom Sowjetregime geschaffenen düsteren Verhältnissen gedeihen, besonders in den neugewonnenen Gebieten der Sowjetunion."

Auch darin ist dem Verfasser zuzustimmen:
Jedoch betraten die Zeugen Jehovas Rußland auch auf einem andern Weg: durch die von der Sowjetunion 1939/40 annektierten Gebiete, wo sie kleine, aber sehr aktive Gruppen hatten, die dem Sowjetregime später große Schwierigkeiten bereiten sollten."

Und weiter:
Die Sowjetregierung konnte nichts Besseres für die Aussaat ihres Glaubens tun, als sie (in die Verbannung) zu verschicken. Aus ihrer dörflichen Einsamkeit wurden die Zeugen in eine weitere Welt gebracht, selbst wenn dies die schreckliche Welt der Konzentrations- und Sklavenarbeitslager war. Dort trafen sie eine Menge von enttäuschten und mißhandelten Menschen an, und viele waren vorbereitet, dem Versprechen eines totalen Wandels in der politischen Struktur der Welt zu Lebzeiten der gegenwärtigen Generation zu glauben."

Auf eine etwa 1957 gestartete sowjetische Anti-Zeugen Jehovas-Kampagne, kommt auch „Erwachet!" unter Berufung auf Kolarz zu sprechen. Dazu werden von ihm die Sätze zitiert:
Wahrheit und Verdrehung sind in den sowjetischen Anschuldigungen vermengt, aber eine ist ausgesprochen lächerlich, daß nämlich die Jehovisten Anhänger der Nazilehre einer Herrenrasse seien."

Erfreut registriert also auch „Erwachet!"; auch der Kolarz widerspricht dieser unsachlichen Propagandathese.
„Erwachet!" unterschlägt aber, welchen ergänzenden Detailkommentar dann noch Kolarz dieser seiner These zuteil werden lässt. Und zwar den:
Diese Anschuldigung beruht auf einer verzerrten Deutung der Ergebenheit der Zeugen Jehovas gegenüber dem biblischen Israel, das eine ungebildete Sowjetpresse mit dem heutigen jüdischen Staat gleichsetzt. Wenn sie Israel als auserwähltes Gottesvolk ansahen, machten sich die Zeugen eines "wütenden Zionismus" schuldig und rechtfertigten die barbarische Aggression der israelitischen Truppen gegen das freiheitsliebende ägyptische Volk".

Hier allerdings muss man - auch Kolarz - eine relevante Fehlinterpretation vorhalten.

Ihm ist der wesentliche Umstand entgangen, dass ab etwa 1932, die frühere massive Zionismusbegünstigung durch die WTG-Organisation gekippt und in ihr Gegenteil verwandelt wurde. Wenn auch den sowjetischen Apologeten dergleiche Vorhalt zu machen ist, kann man bei denen immerhin noch „entschuldigend" einräumen, die sahen ohnehin nicht klar.

Wer das Ostdeutsche Sperrliteratursystem kennt (mit dem ich auch so meine eigenen eher trüben Erfahrungen sammeln musste). Gesperrte Literatur in Ostdeutschland war nur in zwei wissenschaftlichen Bibliotheken, fallweise „erreichbar"; der Deutschen Bücherei in Leipzig und der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin.
Letztere Bibliothek hatte Kriegsbedingt, auch größere Verluste von Literatur, welche ursprünglich (vor dem zweiten Weltkrieg) auch in ihrem Bestand befindlich war. Teilweise konnten diese Verluste kompensiert werden, teilweise aber auch nicht. Und so gab es in ihrer berüchtigten „Abteilung für spezielle Forschungsliteratur" auch einen (nicht öffentlichen) Katalog von „Fremdbestandsliteratur" über welchen die ASF-Abteilung nun verfügte. Auf Grund vorgenannten Lücken, hatte ich mir auch die Konzession erkämpft, bezüglich Lücken von ASF-Literatur, die ich einsehen wollte, auch partiell in jenem Fremdbestandsliteratur-Katalog suchen zu „dürfen". Und einiges auch dort gefunden.

Bemerkenswert indes waren da die vormaligen Besitzangaben. Da war offenbar aus ganz Ostdeutschland gesperrte Literatur (mit Ausnahme der Deutschen Bücherei) nach Berlin gelangt, und wurden nun dort „verwaltet".
Dieses berüchtigte System gab es auch in der Sowjetunion. Auch dort war aussortierte, mißliebige Literatur, nur in den Sondermagazinen ganz weniger Bibliotheken, etwa in Leningrad, konzentriert. Ein Forscher, der nicht gerade in Leningrad wohnte, hatte somit real kaum die Chance, an die dort auch gesperrte WTG-Literatur, in größerem Umfange heranzukommen. Insoweit hätte ich für die sowjetischen Publizisten ein gewisses Maß an Verständnis für ihre Fehlinterpretation. Dieser „Bonus" kann allerdings keinesfalls auch Kolarz gegeben werden.

Noch zwei relevante Aspekte seien aus der Studie von Kolarz zitiert.
Etwa seine Aussage:
Nach Schätzungen antireligiöser Propagandisten stellen die Frauen wenigstens 70 % aller
Gläubigen der UdSSR, und in einigen religiösen Sekten machen die Frauen 80 bis 90 % aller
Mitglieder aus."

Da gilt es erneut an den Spruch zu erinnern:

Die zweite Aussage betrifft die „historischen Jehovisten". Über letztere schreibt Kolarz:
"Man kann sogar noch weitergehen und sagen, daß Rußland wahrscheinlich das einzige Land ist, in dem die Zeugen Jehovas geistige Vorläufer hatten. Tatsächlich bestand in Rußland lange vor der amerikanischen Sekte der Zeugen eine russische Sekte der Jehovisten. Sie war in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts von dem zaristischen Artillerieoffizier Nikolaj Sosontovitsch Iljin gegründet worden. Ihre merkwürdige Theologie setzte sich aus jüdischen, christlichen und heidnischen Elementen zusammen. Wie die Zeugen gebrauchten auch die Jünger Iljins das Wort Jehova häufig, wandten es aber auf Christus an, nicht auf Gott Vater. Wie die Zeugen betrachteten auch die ursprünglichen russischen Jehovisten die Beherrscher dieser Welt als satanische Kräfte. Die Sekte verbreitete sich im Nordkaukasus, im Wolgagebiet und im Ural, wo sie Anhänger unter der Arbeiterbevölkerung hatte. Überreste von Iljins Sekte der Jehovisten lebten bis in die Sowjetzeit fort, und es verursachte bei den kommunistischen antireligiösen Experten einige Verwirrung, als eine amerikanische Sekte gleichen Namens erschien."

Abschließend, und diese Aussage ist in der Tat kardinal, noch das Zitat.
"Eine negative Haltung gegenüber der bestehenden Welt und der bestehenden Regierung einnehmend ... geraten (sie) häufig in Konflikt mit der weltlichen Gewalt. In demokratischen Ländern werden sie nicht ernst genommen, aber autoritäre Staaten betrachten sie als gefährliche politische Verbrecher."

Damit ist die verfehlte sowjetische Kirchenpolitik nicht entschuldigt. Die variierten Jenseitsverkäufer, namens Jehovas Zeugen aber auch nicht.

Die Sache mit dem Regenbogen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. September 2014 03:25
Vor fünfzig Jahren
Ein Herr Lloyd Burtch, wird im „Wachtturm" vom 15. 9 1964 vorgestellt. Wohl auch deshalb dieweil er die WTG-Phasen, Russell, Rutherford, Knorr, allesamt persönlich miterlebte. Seine spezielle „Karriere" sah dann so aus. Ursprünglich in der Landwirtschaft tätig, dann für die WTG als Druckereiarbeiter „aufgestiegen."
Den Stafettenwechsel von Russell zu Rutherford, erlebte er dann auch hautnah.
Nachdem er schildert, wie Rutherford, namentlich in Band 7 der „Schriftstudien", scharfe Attacken auf die religiöse Konkurrenz abfeuerte, in einer Schärfe, wie es sie zu Russells Zeit so nicht gab. Russell suchte bei allen inhaltlichen Divergenzen, in der Tonlage doch eher „konziliant" zu säuseln. Da war Rutherford in der Tat aus anderem Holze geschnitzt, und lies mit Band 7 als seinem „Einstandsvotum" schon mal diese neue Tonlage deutlich werden. Durchaus nachvollziehbar, das die religiöse Konkurrenz, ob der schrill-verschärften Töne, die da nun aus Brooklyn herüberhallten, kaum erfreut war.
Als eine persönlich miterlebte Episode, die diesen Paradigmawechsel veranschaulicht, schildert jener Herr Burtch auch die:
„Im Jahre 1927 hörte ich Bruder Rutherford auf einem Kongreß in Toronto, Kanada, über das Thema „Freiheit für die Völker" sprechen. In diesem Vortrag setzte er der falschen Religion schwer zu. Der Ansager der nationalen Rundfunkgesellschaft, der auf der Bühne saß, erwartete jeden Augenblick einen Telephonanruf, der ihn davon unterrichten würde, daß die Übertragung des Vortrages abgebrochen worden sei ..."

Zeitlich davor, noch zu Zeiten des ersten Weltkrieges, liegt seine Schilderung:
„Als ob die Verfolgung noch nicht genug Schwierigkeiten verursacht hätte, begann der Teufel noch innerhalb des Volkes Gottes Spaltungen und Zwietracht hervorzurufen, um die Organisation von innen heraus zu zersetzen. Einige ehrgeizige Personen in der Organisation suchten die Leitung an sich zu reißen. Sie behaupteten, die Brüder in der Zentrale der Organisation, dem sogenannten Bibelhaus, hätten Zugeständnisse gemacht und seien zu großzügig. Sie nannten sie deshalb die 'Großzügigen' ... Einige Brüder, die in den Versammlungen eine führende Stellung als Aufseher einnahmen, verließen die Organisation. Sie nannten sich die 'Feststehenden' ... Die Feststehenden hatten aber bald Streit unter sich."

Vorstehende Schismatische Tendenzen blieben in der Tat auf die USA lokalisiert. Indes auch in Europa lässt sich analoges nachweisen. Etwa jene Kreise um die Zeitschrift „Die Aussicht" oder auch die Zeitschriften „Botschafter für den Haushalt des Glaubens" (Bösenberg), oder auch „Beiträge zum Schriftverständnis" (Kunkel). Sowohl Bösenberg als auch Kunkel hatte eine zeitweilige WTG-Phase in ihren jeweiligen Biographien aufzuweisen.
Auch wenn der Berichterstattende Herr, wie andere seines gleichens, nur Taschengeldempfänger als Lohn war, so reichte dieses Taschengeld offenbar aus, um auch Sightseeing-Touren nach Europa unternehmen zu können. Etwa zum WTG-Kongress Nürnberg 1955, wo die große Masse der Betörten in Zeltlagern kampierten; Mister Knorr hingegen in einem First Class Hotel. Dessen Kosten fallen dann unter die Rubrik WTG-Betriebsausgaben. „Praktischweise" wurden dann diese Betriebsausgaben dann gleich noch für ein paar Brooklyner Druckereiarbeiter erweitert, eben auch für jenen Herrn Burtch, um ihren ansonsten eher tristen Alltag, mal etwas „aufzuhübschen". Welche Unterkunftsform ihm dann in Deutschland zuteil wurde, darüber hüllt sich der Berichterstattende Herr allerdings in Schweigen. Vieles spricht dafür, wohl kaum die Unterkunftsform Zeltlager, die für das Fußvolk bestimmt war.
Von seinem Nürnberg-Trip fühlt er sich bemüßigt auch diese Episode zu berichten:
„In Nürnberg erlebte ich ein Schauspiel, das ich nie vergessen werde. Als am Sonntag, dem 14. August, der Kongreß zu Ende war, hörte der Regen, der im Laufe des Tages eingesetzt hatte, plötzlich auf, und ein herrlicher Regenbogen erschien am Himmel, als die untergehende Sonne durch die Wolken drang. Während dieses herrlichen Schauspiels begann die etwa 100.000köpfige Menge Bruder Knorr und anderen Vertretern des Hauptbüros der Gesellschaft zum Abschied mit ihren Taschentüchern zu winken, und das Orchester spielte das Lied 'Gott mir dir, bis wir uns wiedersehn.' Diese Kundgebung ... war so eindrucksvoll, daß vielen von uns die Tränen kamen."

Jene Regenborgen-Story ist in der Tat auch anderweitig belegt. Etwa bei Josy Doyon in ihrem Buch „Hirten ohne Erbarmen". Der wesentliche Unterschied ist schon mal der. Frau Doyon, mit zu jenem Kongress mittels moralischem Druck geschleift, konnte dort nicht, wie Mister Knorr in einem First Class Hotel sich einquartieren. Auch ihr war das Zeltlager zugedacht.
Und noch etwas fällt auf. Frau Doyon erwähnt noch einen anderen Aspekt, der bei jener Szene zutage trat, der aber im Bericht des Herrn Burtch, „dezent" verschwiegen wird.
Im Bericht von Josy Doyon kann man dazu lesen:
„Besonders die Schlussansprache des Präsidenten hatte allen einen tiefen Eindruck gemacht:
Nach einem gewaltigen Platzregen, der viele von uns unter Bänke und Tische getrieben hatte, erstrahlte in der Feme ein prächtiger Regenbogen. Präsident Knorr wies darauf hin und sagte, dass es vielleicht das letztemal sei, dass wir einander so sehen dürften, denn Harmagedon stehe vor der Türe.
Dann zog er sein weisses Taschentuch und winkte uns zu. Sein Gefolge bei der Tribüne winkte ebenfalls, die ganze Menschenmenge winkte mit den Taschentüchern und viele weinten. Es war wirklich ein überwältigender Augenblick und wir alle gingen mit dem Bewusstsein auseinander, dass das Ende sehr nahe sei.
Wir nahmen uns in dieser Stunde vor, während der kurzen Zeitspanne, die noch bis Harmagedon verbliebe, unsere ganzen Kräfte einzusetzen für das Predigtwerk.
Nur die Schneiderin schien von dem tränenfeuchten Abschied in Nürnberg nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Sie sass ganz zusammengekauert in der Ecke der Bank, warf hie und da einen bitterbösen Blick auf die laute, zappelnde Gesellschaft, die nochmals durch die
Wagen rannte, obwohl es schon Nacht war.
Lona reklamierte auch bald, ob «this terrible people» sich eigentlich nie still verhalten könne, sie möchte nun endlich ein bisschen schlafen. Sie zog ihre langen Beine hoch, ringelte sich in der Ecke ein wie eine Wildkatze, warf den Vorübergehenden etliche giftige Blicke zu und versuchte zu schlafen.
Ich aber musste denken und denken. Doch mein Hirn schien ein wirrer Urwald zu sein, durch den immer wieder dieselben Worte hallten: «Es ist doch die Wahrheit, es steht ja alles in der Bibel geschrieben, und niemand kann die Wahrheit widerlegen.»
Nachträglich versuchte ich herauszufinden, worin nun das Wunderbare dieses Kongresses gelegen hatte:
Die Musik hatte prächtig gespielt, die vielen Zelte hatten sich sehr romantisch ausgenommen, die bunten Seidenkleider der Afrikaner und Inderinnen waren ebenfalls romantisch, die Fahnen aus ungefähr 64 Nationen flatterten weihevoll und majestätisch, obwohl sie laut
Lehren der Gesellschaft bedenklich nach Götzendienst rochen.
Sogar die vielen Wienerwürstchen, welche ich verschlungen hatte, weil das Essen auf dem Kongressgelände für mein kleines Budget zu teuer gewesen war,
hatte ich genossen. Und doch, für meine Begriffe war in all dem noch nichts Wunderbares. ..."

Die WTG-Mückenseiher haben wieder was entdeckt
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. September 2014 07:04
Vor fünfzig Jahren
„Erwachet!" vom 22. 9. 1964 hat wieder einen in WTG-Sicht zu kredenzenden Buhmann entdeckt. Diesmal muss das Osterfest dafür herhalten.
Siehe beispielsweise die Details aus dem entsprechenden Artikel

Aus dieser Dogmatik leitet dann „Erwachet" gar ab, auch sogenannte Kreuzbrötchen oder Kreuzsemmeln mit einem Stigma zu belegen.

Getreu dem Pharisäermotto:

Siehe zum Thema auch:
Parsimony.19928

Auch eine Form von Missbrauch
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Oktober 2014 01:19
Vor fünfzig Jahren
Unter Berufung auf die Londoner Zeitung 'The Sunday Express' vom 26. 4. 1964, fühlt sich die WTG bemüßigt, zu einer Art Gegenangriff überzugehen. In ihr hatten Pfarrer welcher der Anglikanischen Kirche angehören, ihre Meinung zu den Zeugen Jehovas kundgetan. Unter anderem ein Pfarrer Peter Hayward.
„Hayward beschwerte sich über das zwölfjährige Mädchen, das bei ihm vorgesprochen hatte, mit folgenden Worten:
'Sie sagte Bibelsprüche her, wie wenn sie in der Schule ein Gedicht aufsagen würde. Man konnte ohne weiteres sehen, daß sie nicht verstand, was sie sagte."

Das aber will der WTG letztendlich nicht gelten lassen, und belehrt weiter:
„Kinder vermochten durch ihre einfache Sprache und Aufrichtigkeit schon oft Erwachsene zu einer bestimmten Tat anzuspornen."

Und weiter:  „Ein Kind kann auch Warnungs- oder Gerichtsbotschaften Gottes übermitteln."

Nun sind die Trimmkurse, welche die WTG auch den Kindern in ihrem Machtbereich zuteil werden lässt, zur Genüge bekannt.

Dennoch bleibt im Gegensatz zu der von der WTG versuchten Meinungsinterpretation ein ungutes Gefühl zurück. Kinderarbeit pflegt in Kulturländern heutzutage, weitgehend verpönt zu sein. Indes die WTG praktiziert für ihre Organisationsegoistischen Ziele dabei die „Rolle rückwärts"!

Wo denn einer endete, der als Kind zwar lieber Fußball gespielt hätte, statt dessen jedoch der WTG-Indoktrination ausgesetzt war, und der selbige - später mit dem Satz kommentierte. „Es gab keine Liebe, es gab die Bibel und Hiebe, das war meine Jugend."

Siehe dazu auch:
Forumsarchiv256

http://www.youtube.com/watch?v=DuWpCQgVZss">http://www.youtube.com/watch?v=DuWpCQgVZss

Re: Auch eine Form von Missbrauch
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 08. Oktober 2014 08:14
Ganz sicher werden die Kinder benutzt

Werbung mit Kindern
Aber auch das wird auf den Bildern gut sichtbar.

Kinder predigen Kindern.
dabei muss man beachten, dass Kinder auf das was andere Kinder sagen nicht kritisch reagieren.
Also wenn Kinder anderen Kindern predigen, dann kommt das an.

Beispiel das der Eine oder Andere schon mal erlebt hat:

Erwachsene schimpfen und verbieten einen bestimmten Bereich nicht zu betreten.
Kinder tun es dennoch.
ABER
Aber sagt ein Kind einem anderen:
da darfst du nicht hin, das ist verboten..
dann wird das gehört und beachtet.

Und genau so funktioniert die Beeinflussung auch, wenn Kinder anderen Kindern vom Paradies und Harmagedon erzählen.
Re: Auch eine Form von Missbrauch
geschrieben von:  Gerd B.
Datum: 08. Oktober 2014 15:41

Zitat
der einzig wahre Bauer
Und genau so funktioniert die Beeinflussung auch, wenn Kinder anderen Kindern vom Paradies und Harmagedon erzählen.

Das passt:

Gestern in der Uni bei der Sitzung der "Ges. gg.Sekten- und Kultgefahren", da meldeten sich telefonisch vor einigen Tagen Eltern aus Wien, sind ECHTE Wiener, auch namentlich, nicht religiös, auch nicht moslemisch - nun kommts:
die 17-jährige Tochter fing plötzlich an sich bedeckt zu bekleiden und kündigte an sich nach Syrien zur IS begeben zu wollen - sie hat Freundinnen aus diesem Umfeld, das genügte völlig...

Zuerst mussten die 2 Psychologen der GSK die Eltern behandeln, weil die sich das nicht erklären können, wie das nur möglich sein kann.

Eine führende Psychologin erklärte mir auf meine Frage, dass solche Mädels (Kinder) doch kämpfen und umbringen müssen, w i e die das nur als normale Handlung hinkriegen.
Antwort: diese Extremisten werden mit Überzeugungskraft konditioniert und auch das Kopfabschneiden wird zu einer frommen Handlung.

Es soll so sein, wie Siegmund Freud es als "Ersparter Hemmungsaufwand" bezeichnete. Ging bei den KZ-Aufsehern genau so...

Neuerdings soll unser Verein (GSK) künftig auch für obige Fälle zur Verfügung stehen.

Übrigens, wer in Wien oder in der Nähe wohnt:

Es wird bei der nächsten Sitzung am kommenden Samstag, 11. Oktober von Univ. Prof. Brigitte Rollett dieses aktuelle Thema behandelt, mit einem Referat zur
"Ursache der Radikalität"

Ort: Obere Augartenstraße 26-28, 1020 Wien, ab 14 Uhr

Ausblick am gleichen Ort zur gleichen Zeit, ich wurde heute informiert:

"Liebe GSK-Vorstandsmitglieder,

Amer Albayati ist bereit, zu unserer Mitgliederversammlung am Samstag dem 22. November zu kommen und einiges über die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher zu sagen.

Hier ein Gastkommentar von ihm: www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/624373_Jihadisten-made-in-Austria.html . Dort auch ein Link zu seiner "Initiative liberaler Muslime"."

Der Genannte gehört zu diesen liberalen Muslims

Das alles fiel mir zu Bauers zitiertem Satz ein: "Wenn Kinder anderen Kindern was erzählen" :angry:

Ich sende ersparte Hemmungsaufwandsgrüße!

Gerd :cool:
 
Re: Auch eine Form von Missbrauch 
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 08. Oktober 2014 23:18
Hallo, lieber Gerd, freue mich sehr von dir zu lesen :)

Die Kinder fühlen sich miteinander verbunden.
Dann sind sie für Gerechtigkeit.
Und wenn ihnen nun noch eine Mär aufgetischt wird die sie empört, dann wollen sie ihrem Gerechtigkeitssinn folgen.

Es fehlt den Kindern an Kritikfähigkeit, nicht grundsätzlich, was Lehrer und Eltern sagen das beurteilen sie sehr wohl kritisch.

Nur sie sind neutralisiert, wenn andere Kinder denen sie vertrauen etwas sagen.

das ist ein Grundprinzip.
Gauner und Betrüger erschleichen sich zunächst auch das Vertrauen - die Kritikfähigkeit wird ausgeschaltet und dann wird man reingelegt, weil man unkritisch glaubt was einem gesagt wird...

na, macht es KLICK?

JA, Jehovas Zeugen erschleichen sich auch erst das Verrauen, sind lieb und nett, dann setzen sie ihr Gift ab und die GUTE BOTSCHAFT (ach hört sich das schön an GUTE BOTSCHAFT) fängt an zu wirken.

Aber egal ob Jehovas Zeugen, IS, Religionen und politische Parteien und alle Ismusse - es ist ein Kampf um die Köpfe und es werden die unterschiedlichsten "Knöpfe" mal mehr oder weniger gedrückt.
Es gibt eben gewisse Muster die den Mensch auf bestimmte Weise handeln und reagieren lassen..
Vor fünfzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Oktober 2014 01:09

Tönern

„In Dänemark gehören mehr als 97 Prozent der Bevölkerung der Staatskirche an, doch gehen nicht einmal 3 Prozent in die Kirche"

weis „Erwachet!" vom 8. 10. 1964 mitzuteilen.
Oder auch dieser Satz:

„Viele Menschen gehören nur aus Rücksicht auf ihre Eltern oder weil diese einen Druck ausüben einer Kirche an."

Weiter soll nach dieser „Erwachet1"-Ausgabe die da als Sonderausgabe aufgemacht ist, ein ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen auf einer Tagung erklärt haben:

„Es gehöre heute zum guten Ton, Mitglied einer Kirche zu sein; die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes sei innerlich säkularisiert."

Die WTG indes wähnt sich in die Brust werfen zu können, dies gelte aber so nicht für sie.
Wirklich?
Vieles ist im Leben eine Frage von Zeit und Umständen.
Und

„gestern noch auf hohen Rossen - morgen schon die Kugel durch die Brust geschossen!"

Re:Keine Pazifisten
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Oktober 2014 04:59

Vor fünfzig Jahren
Der „Wachtturm" vom 15. 10. 1964 zitiert sich selber mit dem Satz:

„Jehovas Zeugen sind keine Pazifisten. Sie kämpfen oder demonstrieren nicht gegen die von vielen Regierungen festgelegte Wehrpflicht ..."

Etwas unvollständig ist aber dieses Zitat schon. Und des weiteren wird auch keine Quelle genannt, wo der WT das so formuliert, schon mal geschrieben hat.
In der Tat, ist diese Quelle aber bekannt. Und zwar der „Wachtturm" (deutsche Ausgabe) vom 15. 3. 1951. Dortige Artikelüberschrift unter anderem,

„Warum Jehovas Zeugen keine Pazifisten sind".

Noch durchaus bemerkenswerter ist indes das Interview dass der damalige WTG-Funktionär (und Sekretär des WTG-Präsidenten N. H. Knorr) der amerikanischen Zeitschrift „Look" einmal gab. Nun war Henschel sicherlich nicht irgendwer. Bekanntermaßen brachte er es in späteren Jahren selbst noch zum WTG-Präsidenten.
Und in besagtem „Look"-Interview liest man auch die eher erstaunlichen Sätze

„kämpfen die Zeugen Jehovas nur, wenn Gott es ihnen befiehlt."

Henschel im „Look"-Interview

Zurückkehrend zur „Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 10. 1964. Das war die Zeit, in der die USA zunehmend in ihr Vietnamkrieg-Abenteuer Abenteuer verstrickt wurden.
Offenbar hat aber Jehova nicht den Zeugen Jehovas befohlen, sich daran mit zu beteiligen. Das indes, empfand die Militär-Bürokratie in den USA, weniger lustig. Und sie reagierte auch entsprechend gereizt.
Und so liest man in dieser WT-Ausgabe weiter, von der Verurteilung eines Zeugen Jehovas in den USA, zu fünf Jahren Gefängnis, wegen Wehrdienstverweigerung.
Auch andere Staaten verstehen bei diesem Thema, bekanntermaßen keinerlei Spaß. Begrenzt man die Bewertung auf die Zeit nach 1945, kann man aber sagen. So drastische Urteile, wie das da in den USA ausgesprochene, sind ansonsten nur noch aus Griechenland bekannt; in der Gegenwart vielleicht noch, auch aus Südkorea. Gleich danach kommen also die USA, dieser angebliche „Hort der Freiheit".

Spanien
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Oktober 2014 06:27
Vor fünfzig Jahren
Auf etwa 7 Druckseiten jubelt „Erwachet!" vom 22. 10. 1964:
„Spanische Gerichte entscheiden gegen religiöse Unduldsamkeit".
Über einen Herrn Jose Orzaez Ramires und seinen Clinch mit der katholisch dominierten Bürokratie in Spanien, berichtet jener Artikel im besonderen. Danach hätten sich am 24. 12. 1960 13 Personen in seiner Wohnung im Sinne der Zeugen Jehovas zu einem sogenannten „Bibelstudium" versammelt, und wurden dieserhalb verhaftet (für etwa einen Tag).

Nun sind solcherlei Praktiken für freiheitliche Länder westlicher Prägung, sicherlich unüblich. Und Spanien zu jener Zeit machte eine unrühmliche Ausnahme von dieser Regel.
Die Frage indes bleibt unbeantwortet. Wieso wusste die Polizei, dass ausgerechnet am 24. 12. sich 13 Personen in der Wohnung des genannten versammelten? Irgendein äußerer Anlass muss doch wohl gegeben sein. Es hätte ja ebenso eine rein familiäre Zusammenkunft mit 13 Personen, an jenem Tage sein können.
Es werden zwar noch weitere ähnlich gelagerte Fälle geschildert. Indes stutzig macht eine weitere Angabe in jenem Artikel
Danach habe eine Gruppe von Zeugen Jehovas aus dem Dorf Petra auf der Insel Mallorca, eine ihrer Predigtdiensttouren, organisierter Art, just an einem 25. Dezember veranstaltet.
Es wird zwar nicht erwähnt in welchem Jahre. Indes berücksichtigt man etwa Aussagen im deutschen „Unser Königreichsdienst", kann unterstellt werden. Ausgerechnet ein 25. Dezember als Tag, wo Jehovas Zeugen wildfremde Menschen in ihren Wohnungen ansprechen. Solcherlei Praktiken haben durchaus System. Es kann unterstellt werden, das dürfte dann in Spanien in ähnlicher Weise abgelaufen sein.
Siehe auch:
http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,121412,138823#msg-138823
14. Oktober 2012 00:45
Zitat aus der entsprechenden KD-Ausgabe:
"Da der 25. und 26. Dezember gesetzliche Feiertage sind, können die Versammlungen besondere Zeitschriftentage planen und entsprechende Sonderbestellungen einsenden".

Und das ist dann wohl auch dem Bereich der vorsätzlichen Provokation zuzuordnen.
Im Falle Spanien dann eben auch durch eine Gruppierung, welche dort noch keinerlei gesetzliche Eintragung erreicht hatte.
Aufs Provozieren indes, verstanden sich die WTG-geführten Zeugen Jehovas von jeher, und das keineswegs „nur" in Spanien!
Der Artikel endet auch mit der Angabe:
„Der Oberste Gerichtshof von Spanien wird sich noch mit 30 weiteren Fällen von Zeugen Jehovas befassen müssen"

, was denn ein weiterer Beleg für die Vorsätzlichkeit des Handelns der WTG-Geführtern ist

Erziehung zum Außenseitertum
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. November 2014 04:43

Vor fünfzig Jahren
Adressiert an die Jugendlichen widmet sich ein sechs Druckseiten umfassender Artikel im „Wachtturm" vom 1. 11. 1964 wieder mal der WTG-typischen Erziehung zum Außenseitertum.
Gelegentlich ist von WTG-Kritikern auch schon mal die Vokabel verwandt worden, was denn so alles bei den Zeugen Jehovas verboten sei.
Nun ist es in der Tat so, de jure Verbote im strengen Wortsinne, lassen sich nicht nachweisen. Aber unterhalb dieser Schwelle, gibt es durchaus etliche von der WTG forcierte Mechanismen, welche in der Endwirkung, durchaus mit Verboten vergleichbar sind. Auch der genannte WT-Artikel strotzt förmlich davon.
Zu den Mechanismen unterhalb von de jure-Verboten, welche die WTG nutzt, gehört auch das Miesmachen von Verhaltensweisen. Genau dieser Technologie begegnet man in diesem Artikel.
Dazu gehören dann auch solche Sätze im WT-Artikel wie:

„Selbstverständlich könnt ihr nicht vollständig vermeiden, mit Ungläubigen in Berührung zu kommen ... Sobald aber die Glocke ertönt, die euch das Ende des täglichen Unterrichts ankündigt, braucht ihr euch nicht noch lange in dieser Gesellschaft aufzuhalten, als ob ihr euch in ihr wohlfühltet."

Nicht unerwartet wird auch etwa das Weihnachtsfest, sofern es im Schul-Stundenplan Eingang gefunden hat, mies gemacht und nahegelegt, alle Anstrengungen zu unternehmen, sich davon dispensieren zu lassen.
Auch das Thema Geburtstage, ist dann für den WT solch ein heikles Thema. Auch da wird nahelegt:

„Ein Zeuge Jehovas würde um Befreiung ersuchen. Würde seinem Gesuch nicht entsprochen, so könnte er während der Feier einfach ruhig dasitzen, ohne sich zu beteiligen."

Sportliche Aktivitäten werden mit einem ähnlichen Stigma belegt. Ein Minimum das im regulären Stundenplan enthalten ist, wird zwar hingenommen, aber schon wenn es den Grad erreichen sollte, etwa von Schülermannschaften, erhebt die WTG den ablehnenden Finger.
Die WT-Belehrung dazu lautet dann unter anderm:

„Denke daran, daß der Apostel Paulus dem jungen Timotheus schrieb: 'Die Leibesübung ist zu wenigem nützlich ... Da ein 'wenig' Leibesübung im Schulplan eingeschlossen ist und dein Lebensziel nicht darin besteht, eine Sportgröße zu werden ..."

Und weiter die WT-Belehrung:

„Demnach solltest du bei Sport und Spiel außerhalb der Schule nicht mit weltlichen Jugendlichen zusammen sein."

Arbeitsgemeinschaften und Schülerclubs erhalten ebenfalls eine eher abwertende Bewertung seitens der WTG.
Insonderheit sollte sein Hauptmerkmal die Pflege von Geselligkeit sein.
Dazu auch die WT-Belehrung:

„Selbst wenn es sich um einen Hobby-Klub handeln würde, müßte man sich fragen, ob es ratsam wäre ein Hobby in Verbindung mit Weltmenschen zu pflegen."

Schülerbälle etwa erhalten eine prinzipielle Negativbewertung. Dazu meint der WT zu wissen:

„Viele Schulbälle sind schon zu einem öffentlichen Ärgernis geworden."

Daher die WT-Konsequenz:

„Jehovas Zeugen nehmen daher an Schulbällen nicht teil."

Auch Musikangebote, insonderheit Schulorchester finden das Mißfallen der WTG, denn dort könnte ja - beispielsweise - etwa Nationalhymnen oder ähnliches, in Erscheinung treten.
Weitaus relevanter in diesem Kontext ist indes die Sorge der WTG, welche sie in dem Satz zusammenfaßt:

Müßtet ihr vielleicht wegen der Proben die Zusammenkünfte versäumen oder hättet ihr vielleicht weniger Zeit für den Predigtdienst ..."

Ergo die WTG will nur ihre eigenen egoistischen Interessen gewahrt sehen und sonst nichts!

H. H. Riemer
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. November 2014 02:59
Vor fünfzig Jahren
Über einen Herrn Hugo Henry Riemer, wird im Rahmen der geschönten Lebensberichte, welche der „Wachtturm" da auch so von Zeit zu Zeit vorzustellen beliebt, auch ein solcher im „Wachtturm" vom 15. 11. 1964 kredenzt.
Der Name ist insoweit bereits bekannt, als er auch in den Namen jener sieben, sich selbst ergänzenden Herrschaften mit auftaucht, welche die Impressums-Angaben der WTG of Pennsylvania beinhaltet:

WATCH TOWER BIBLE AND TRACT SOCIETY OF PENNSYLVANIA
N. H. Knorr, Präsident
F. W. Franz, Vizepräsident
Grant Suiter, Sekretär-Kassier
H. H. Riemer, stellvertretender Sekretär-Kassier
T. J. Sullivan, Direktionsmitglied
L. A. Swingle, Direktionsmitglied
M. G. Henschel, Direktionsmitglied"

Schon als die WTG ihre Olin Moyle-Krise hatte, und sich Rutherford zu einer lendenlahmen Verteidigung genötigt sah, durfte als Mitunterzeichner eben auch besagter Herr Riemer fungieren:
Moyle ist vier Jahre lang mit den vertraulichen Angelegenheiten der Gesellschaft betraut gewesen, und darauf greift er ohne Entschuldigungsgrund diejenigen an, die ihm vertraut haben, und verleumdet sie. ... Da ihr nun gewarnt seid, muss ein jeder selbst wählen, ob er sich dem 'bösen Knecht' anschließen und die Folgen auf sich nehmen will ...
(gez): Fred W. Franz, N. H. Knorr; Grant Suiter; T. J. Sullivan, W. P. Heath jr., H. H. Riemer, W. E. van Amburgh, A. R. Goux, C. A. Wise. C. J. Woodworth.
Gut zur Veröffentlichung: J. F. Rutherford, Präsident."

Siehe auch:
19392Moyle

Bereits im Jahre 1883 kam die Familie Riemer mit WTG-Hörigen in Kontakt. Sein Vater damals Superintendent der Methodistenkirche, soll dann zu den Bibelforschern konvertiert sein. Riemer Junior soll dann etwa ab 1896 als Achtzehnjähriger diesem Trend ebenfalls gefolgt sein.
Namentlich erlebte er die WTG-Krise im ersten Weltkrieg (Verurteilung von Rutherford und Zubehör) zu je 20 Jahre Zuchthaus hautnah mit. Eine Folge dessen auch die zeitweilige Aufgabe des New Yorker WTG-Büros und Rückzug nach Pittsburgh.
Zitat Riemer:
„Der Haß gegen uns nahm in New York dermaßen überhand, daß man uns keine Kohlen liefern wollte, obwohl der Winter nahte."

Und eben die Folgewirkung, Rückzug nach Pennsylvania.
Später sollte sich die Lage für die WTG wieder entspannen, und sie konnte nach New York zurückkehren. Riemer's Part beim Rück-Umzug dann in Pittsburgh, als „letzter dort das Licht auszumachen".
Derart einschlägige Erfahrungen bereits gesammelt habend, war ihm in der Folge die Position eines Chef-Einkäufers für die WTG zugeteilt.
Einkäufer ist dann wohl in erster Linie ein Kaufmännischer Geschäftsjob. Er mag diesen sicherlich auch im Sinne des Wohlgefallens seines Chefs N. H. Knorr gehändelt haben. Nochmals auf die Namen der im Impressum der Pennsylvanischen WTG genannten sieben Namen zurückkommend. Die repräsentierte zumindest in der Sicht des betörten Fußvolkes, so etwas wie die geistliche Leitung ihrer Religionsgemeinschaft.
Ob in den geistlichen Leitungen anderer Religionsgemeinschaften, auch ausgesprochene Geschäfts-Technokraten an so herausgehobener Stelle genannt werden, ist doch sehr die Frage. Immerhin auch ein Indiz, womit man es bei der WTG zu tun hat. Mit einem florierenden Geschäftsunternehmen.

Weltraumfahrt
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. November 2014 04:36
Vor fünfzig Jahren
„Gibt es Leben im Weltraum?" fragt „Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 22. 11. 1964 in einem Artikel.
Zu den mit erwähnten Details gehört auch das.
Eine geplante Rakete mit der ungeheuren Geschwindigkeit von 160 km in der Sekunde würde bei dieser Geschwindigkeit den nächsten Nachbar im Weltraum, Alpha Centauri, erst in 8000 Jahren erreichen, meint zumindest „Erwacht!". Ob das so stimmt oder nicht, vermag ich indes nicht zu beurteilen.
Demgegenüber steht etwa die Aussage der Wikipedia:
„Am Abend des 20. Juli 1969 setzte der Lander des Raumschiffes Apollo 11 auf der Mondoberfläche auf. Neil Armstrong verließ um 3:56 Uhr UTC die Landefähre und betrat als erster Mensch den Mond"

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Raumfahrt#Die_Aufholjagd_der_USA_und_die_Reise_zum_Mond
Sicherlich hat diese Mondlandung keine „8000jährige Reisedauer" beansprucht.
Dieses Beispiel zeigt dann wohl, dass „Erwachet!" letztendlich auch nur im Nebel herumstochert, und nur Nebel als „Ergebnis" zu präsentieren vermag.
Dennoch nutzt „Erwachet!" die angesprochene Thematik, um sein vorwissenschaftliches Weltbild, als der „Weisheit" letzter Schluss zu verkaufen.
So wie es einst Leute gab, die mit aller Gewalt an ihrer Vorstellung, die Erde sei eine Scheibe, festhalten wollten, verhält es sich auch hierbei.
Als Laie täte man sicherlich gut daran, diese Frage den damit befassten Wissenschaftlern zu überlassen.
Als Laie täte man weiter gut daran, einzuräumen, es gibt wohl weiter unbeantwortete Fragen.
Die Vollmundigkeit, für ein Vorwissenschaftliches Weltbild, die da „Erwachet!" verkaufen will, ist wohl mehr als daneben!

Dreissig Stunden fehlten
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Dezember 2014 04:13
Vor fünfzig Jahren
„Harrst du aus, oder bist du müde geworden?" titelt ein Beitrag in der „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 12. 1964. Sinn solcherlei Belehrung sich für die WTG weiter aufzuopfern.

Und um diesem Aspekt zu unterstreichen, ist diese WT-Ausgabe dann wieder mal - zusätzlich - mit der Schilderung von Beispielen aus der WTG-Betörtenszene bestückt. Zum Beispiel dieses:
„Ein Zeuge Jehovas, der bei einer Baufirma im Westen der Vereinigten Staaten schon längere Zeit als Bauingenieur arbeitet, ist gleichzeitig leitender Prediger einer Versammlung der Zeugen Jehovas. ... Letztes Jahr machten die Inhaber der Firma ihm das verlockende Angebot, Betriebsaufseher zu werden. Man bot ihm ein höheres Gehalt und noch verschiedene andere sogenannte Vorteile an."

Die Story endet damit, er lehnte ab, wegen des voraussehbaren höheren Zeiteinsatzes, welche diese Stellung wohl erforderlich machen würde.
Oder auch diese Story:
Einem Jugendlichen mit guten schulischen und sportlichen Leistungen,

„wurde von einem Fußballclub ein Stipendium zum Besuch eines Colleges angeboten".

Auch in diesem Falle hebt die WTG die Ablehnung dieses Angebotes als „positiv" hervor.
Und um das Maß voll zu machen, schildert sie noch einen Fall aus ihrem Betörtenmilieu.
Einem Sonderpionier hätten demnach wegen Krankheit noch dreißig Stunden an seiner monatlichen Quote gefehlt.
„Es fehlten ihm noch dreißig Stunden zu seiner Monatsquote, die ihn zum Bezug der Entschädigung berechtigt hätte. Da er die Entschädigung damals besonders nötig hatte, setzte er auf seinem Bericht die volle Stundenzahl ein."

Aber o weh „Die Schwierigkeiten nahmen kein Ende".

Als Happyend dieser Story teilt die WTG mit, man habe ihm „großzügigerweise" erlaubt die dreißig Stunden im kommenden Sommer in seinen Ferien nachzuholen

„und forderte die Entschädigung nicht zurück"

Wenn da von einer „Entschädigung" die Rede ist, weis man ohnehin nicht, ob man nun weinen oder lachen soll.
Aber sicherlich ist es wohl auch war, dass einige aus dieser Szene mittlerweile ein besonderes Talent entwickelt haben, sich bei anderen Betörten „durchzufressen" nebst anderen Praktiken, die schon verdächtig den Grad der Simonie, der Bestechlichkeit erreichen.

Nochmals: Chiropraktik
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Dezember 2014 04:21
Vor fünfzig Jahren
Bereits Gerhard Hetzer notierte in seine Abhandlung über die „Ernsten Bibelforscher in Augsburg"
„Bezeichnend (sei) der Einfluß von Naturheilkundigen in Augsburger Bibelforscherkreisen vor 1933. Zur Tarnung von Zirkeln als »Heilinstitute für Chiropraktik und Osteopathie« errichtet."

In den zugehörigen Fußnoten wird letztendlich auf den Großraum München verwiesen, wo das so zu beobachten war.

Da ist in der Tat auf ein Rundschreiben der Bayrischen Politischen Polizei vom 21. April 1936 hinzuweisen, dass auch ausführte:
„Nach einer Mitteilung der Staatspolizeistelle Magdeburg sollen ehemalige Mitglieder und Anhänger dar verbotenen Internationalen Bibelforschervereinigung zur Tarnung illegaler Aufbaubestrebungen Vorbereitungen treffen und zu diesem Zweck Heilinstitute für Chiropraktik und Osteopathie eröffnen.
Wie hier festgestellt wurde, hat ein früherer Anhänger der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher aus Magdeburg tatsächlich in München ein derartiges Institut errichtet...."

Auch Herr Johannes Wrobel berichtet in einer Abhandlung über den im Jahre 1900 geborenen Zeugen Jehovas Wilhelm Emil Schumann:
„1933 und 1934 war Schumann für die Watch Tower Society in Bern (Schweiz) tätig ... und ließ sich gleichzeitig durch Schweizer Ärzte in der Chiropraktik (Handheilverfahren durch Wirbeladjustierung) ausbilden. Nach der Rückkehr folgte 1935 seine Zulassung als Chiropraktor in Magdeburg. Schumann ... entwickelte erfolgreiche chiropraktische Adjustierungsgriffe und gehörte bald zu den bekanntesten Vertretern der Chiropraktik Deutschlands. ... Er wurde zusammen mit seinem Vertrauten Johannes Schindler ... am 17.10.1944 zum Tode verurteilt, doch beide entgingen dem Fallbeil in Brandenburg. ... 1945/46 war Schumanns Chiropraxis in der Otto-von-Guericke-Straße 50 in Magdeburg behelfsmäßiges Büro der Wachtturm-Gesellschaft. ... Kurz nach dem DDR-Verbot der Zeugen Jehovas am 30.08.1950 brachte sich Schuman in den Westteil Berlins in Sicherheit. Er setzte bis zu seinem Tod die Tätigkeit als ... Chiropraktor in Wiesbaden fort."

Diese Zitate belegen, wie besagte Chiropraktik in der Heilpraktikerszene ihren Konjunkturfrühling hatte, fand sie auch beachtliche Resonanz in Bibelforscherkreisen.
Man vergleiche zum Thema auch
Mysnip.128884

Dort zu zweiten Texthälfte heruntersrollen, der Abschnitt „Anmerkungen zu Chiropraktik"

Und dort wiederum gibt es in Zitierung eines besagte Chiropraktik begünstigenden „Erwachet!"-Artikel, auch die nicht bewiesene Behauptung:
„Er (der Chiropraktiker) wird seine Patienten an andere Spezialisten überweisen, wenn ihr Leiden nicht durch chiropraktische Behandlung zu beheben oder wenn seine Untersuchungen ergebnislos verlaufen."

Die Praxis indes - da es sich hierzulande vielfach um eine Selbstzahler-Behandlungsform handelt (deren Kosten etliche Krankenkassen eben nicht übernehmen).
Die Praxis indes dürfte eher so aussehen, dass weiterleiten an andere Ärzte ist doch wohl dem Bereich der Legende zuzuordnen.
Die Begünstigung der Chiropraktik durch die WTG liegt durchaus offen zutage.
Eher als wiederwillig aufgenommen, muss daher ein Bericht in der „Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 12. 1964 angesehen werden, der da mit notierte;
„Vor einiger Zeit starb in Kalifornien die reizende achtjährige Linda Epping, die von einem Chiropraktor behandelt worden war, der behauptet hatte, er könne ihr von Krebs befallenes Auge durch Arzneimittel und chiropraktische Behandlungen heilen. 'Ich kann Ihr Kind heilen ohne operativen Eingriff', soll der Chiropraktor, wie Herr und Frau Epping berichteten, erklärt haben. Er verlangte ein Honorar von insgesamt 700 Dollar; Linda litt furchtbare Schmerzen und starb etwa einen Monat später."
Exkurs:
Wenn schon mal die Namen Schumann und Schindler mit genannt wurden, gehört noch ein dritter Name mit dazu. Der des Franz Fritsche
(in anderer Schreibweise auch Fritzsche).
Alle drei wurden vom Naziregime zum Tode verurteilt, überlebten aber letztendlich.
Im Falle des Fritsche ist auch auf das Buch des Horst Schmidt („Der Tod kam immer Montags") hinzuweisen, der da auch schildert, wie nach der Agonie des Naziregimes, Fritsche es war, der die ersten Schritte in der Freiheit organisierte. Zum organisieren war der schwer traumatisierte Horst Schmidt zu damaliger Zeit indes nicht fähig. Er brauchte einen, der ihn „an die Hand nahm", und das war eben Fritsche.
„Franz hatte eine Laube in (Berlin) Reinickendorf. Das war nun unser Ziel. Es wurde jedoch ein weiter Weg. Um Berlin wurde noch gekämpft, Reinickendorf aber war schon russisch. Auf allerlei Umwegen erreichten wir die Laube aber doch, welche unversehrt war und von uns nun bezogen wurde."

Was das „wundersame" überleben von Fritsche anbelangt erklärt sich das so.
Dass die Gestapo ihn als Belastungszeugen in weiteren Zeugen Jehovas-Prozessen einzusetzen gedachte und nur das "Pech" hatte, dass inzwischen der Mai 1945 herangekommen war, und damit alle ihre Pläne zur Makulatur sich verflüchtigten.
Alle drei genannten Todeskandidaten lastete das Naziregime die Herstellung bzw. Verfielfältigung von WTG-Schrifttum an.
Schindlers Part war dabei der eines Kuriers, zweck Weiterleitung dieses Schrifttums auch an andere Zeugen Jehovas Kreise außerhalb Magdeburgs.
Keinesfalls mit „Häme" die sicherlich unangebracht ist, sei dann nochmals das Gnadengesuch des Schindlers, nach seiner Verurteilung zum Tode zitiert:
„»An den III. Senat des Volksgerichtshofes
betr. Gnadengesuch

Ich bin am 17. 10. 44 vom III. Senat des Volksgerichtshofes wegen weiterleitens verbotener Bibelforscherschriften zum Tode verurteilt worden. Ich möchte den hohen Gerichtshof bitten ...
Als 1939 der Krieg ausbrach, meldete ich mich sofort freiwillig der Rüstungsindustrie und ich wurde am 12. September 1939 als Mobilmachungsersatz in eines der kriegswichtigsten Abteilung der Fa. S. u. B. Magdeburgs verpflichtet.
Ich schälte mich im Laufe der Zeit als Oberkontrolleur heraus und hatte nur noch die Schlußkontrolle über Einzelteile, die für automatische Regelung an Flugzeugmotoren die überaus genau funktionieren mussten. Meine Untergebenen, die für diese Teile Vorkontrollen ausführten, spornte ich tägl. zur Gewissenhaftigkeit an, indem ich immer zu verstehen gab, an jeden Fehler, den wir übersehen, hängen Menschenleben ab. Durch mein Pflichtbewusstsein und meine außerordentliche Gewissenhaftigkeit entstand ein hoher Prozentsatz Ausschuss, aber die Guten waren einwandfrei, was der Firma Anerkennung vom Luftfahrtministerium einbrachte. Nun kam ich 1942 mit Schumann zusammen und es war wiederum ein Akt meiner Gutmütigkeit, dass ich das Tragen der gedruckten Schriften nach Berlin übernahm. Wie ich schon immer zum Ausdruck gebracht habe, habe ich nur Interesse an rein bibl. oder christlichen Abhandlungen. Ich bekenne, dass ich mich innerlich völlig von der IBV gelöst habe und habe die mit politischem Inhalt durchsetzten Schriften verworfen.
Johannes Schindler«

Wie die DDR Verbotssituation hereinbrach, konnte Schumann sich noch nach Westberlin absetzen (von dort dann nach Wiesbaden).
Schindler hatte weniger Glück und wurde zum Doppelverfolgten, in den 1960er Jahren dann in den Westen abgeschoben.

Kaffeesatz-Auslegern vergleichbar
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Dezember 2014 07:38
Vor fünfzig Jahren
Wieder mal reitet der WT vom 15. 12. 1964 auf dem Thema Evolution herum, wähnt sich dieser Theorie „haushoch" überlegen.
Muss aber zugleich widerwillig auch mit einräumen, dass Skeptiker sich von der (auch) von der WTG forcierten Sicht, nicht überzeugen ließen.
Warum indes lassen sich letztere nicht überzeugen? Doch wohl deshalb weil die Religionsindustrie zugleich „Kaffeesatz-Auslegung" mit ihrer Sicht der Dinge koppelt.
Und die genaue Analyse jener Kaffeesatz-Auslegungen, die man besonders konzentriert auch bei den WTG-Hörigen beobachten kann, zeigt. Vorne und hinten nicht stimmig.
Ihr Rezept basiert darauf:
„Gibt es nichts mehr auszulegen - wird halt etwas untergelegt."
Es mag ja Zeiten gegeben haben, wo Menschen guten Glaubens wähnten, die Erde sei eine Scheibe. Just diese These wird heute (in der Regel) nicht mehr verfochten. Auch da hat sich die Religionsindustrie letztendlich korrigieren müssen, wenn es auch sehr lange Zeit in Anspruch nahm. Sicherlich wird es weiter ungelöste Fragen geben. Zu denen kann man Theorien und gegenteilige Theorien entwickeln. Solange diese Fragen weiterhin ungelöst sind, täte man gut daran, diesen Umstand als den eigentlich wesentlichen anzuerkennen.
„An ihren Früchten kann man sie erkennen" weis ein Weisheitsspruch zu belehren.
Und diese Früchte sind nach wie vor, nicht stimmige Kaffeesatz-Auslegungen, als Hauptwesensbestandteil der Religionsindustrie.
Ist der Hauptbestandteil morsch, ist es unangemessen, anderen Elementen eine Bedeutung zuzuschreiben, die sie eben nicht haben.
Die Zeit mag weitere Erkenntnisse mit sich bringen. Das vorwissenschaftliche Weltbild der Religionsindustrie ist dabei allerdings so überflüssig wie ein Kropf!

„Heilige" Einfalt
Bekanntermaßen wurde in San Diego im sonnigen Kalifornien, mal ein „standesgemäßes Haus" unter dem Namen „Beth Sarim" errichtet, in welches dann die wundersam auferstehenden „alttestamentlichen Überwinder" eine erste Heimstatt finden sollten, bevor sie dann danach nach Jerusalem weiterziehen würden, um von dort aus unter Nutzung des Radios, die Menschheit zu regieren.
Da besagte „alttestamentliche Überwinder" partout nicht erschienen, weder 1925 noch in einem anderen Jahr, zog es ein anderer Fürst namens Rutherford vor, sich „einstweilen" in besagtem „Beth Sarim" häuslich niederzulassen.
Nun kann man als nicht mehr WTG-Höriger, über die heilige Einfalt, die sich da in solcherlei Thesen offenbart, gelinde gesagt, nur mit dem Kopf schütteln. Es gab aber diese heilige Einfalt, was wohl nicht zu bestreiten wäre.
Ein anderes Beispiel jener heiligen Einfalt war etwa die Vermarktung einer einst im Mittelalter Konjunktur habenden Schrift mit dem Titel „Acta Pilati" ebenfalls durch Kreise aus dem Umfeld der frühen Bibelforscherbewegung.
Im Jahre 1901 publizierte in der Zeitschrift „Neue kirchliche Zeitschrift" mal ein Herr Ludwig Couard einen instruktiven Aufsatz, den er betitelte
„Altchristliche Sagen über das Leben Jesu".
Darin referiert er umfänglich aus besagten „Acta Pilati" oder Pilatusakten".
Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nikodemusevangelium
Der Reiz der Darstellung von Couard liegt meines Erachtens darin. Er zitiert nicht unbedingt den wörtlichen Text, bietet aber eine Beschreibung des Inhaltes in eigenen Worten, die sich gleichwohl auf den Ursprungstext stützt.
Er geht auch der Entstehungsgeschichte jener Schrift nach, bemerkt, sie bestehe eigentlich aus zwei Teilen, die dann erst von Tischendorf wieder getrennt wurden.
Diese eher wissenschaftlichen Details mögen an dieser Stelle übersprungen werden.
Aber namentlich seine Referierung des zweiten Teils (welcher die Kapitel 18 bis Kapitel 26) enthält, sei an dieser Stelle einmal näher vorgestellt.
Er ist ein Schlaglicht über die Geistes-Naivität (oder meinetwegen auch blühende Fantasie), bei der die Gebrüder Grimm noch vor Neid erblassen können, welche das Christentum zu früheren Zeiten (und nicht „nur" zu früheren Zeiten) beseelt.
Diese völlig unwissenschaftliche Weltbild ist dem Christentum wesenseigen. Sich da nur die Rosinen etwa beim Disput in Sachen Evolution herauszupicken. Über die Naivität des christlichen Weltbildes in Gesamtheit nicht zu reden, ist eine Einstellung der widersprochen werden muss.
Vorhang auf für die Detailzitierung vorgenannten Aufsatzes, namentlich die zweite Hälfte aus den „Pilatusakten" betreffend (an dieser Stelle geringfügig gekürzt):
„Der dunkle Hades wird plötzlich von einem hellen Licht durchleuchtet. Da erheben Adam und alle Patriarchen und Propheten ihre Stimmen und geben ihre Freude über das göttliche Licht Ausdruck, welches ihnen in der Finsternis aufgegangen ist. Jesaias tritt auf und erinnert an seine Weissagungen von diesem Licht; Simeon erzählt, wie er das Jesuskind auf den Armen getragen habe, Johannes berichtet über Jesu Taufe im Jordan, und Seth verkündigt auf Adams Befehl, wie er an den Pforten des Paradieses für seinen kranken Vater zu Gott um Öl vom Baume der Barmherzigkeit gefleht und vom Erzengel Michael den Bescheid erhalten habe, daß erst nach 5500 Jahren, wenn der Sohn Gottes auf die Erde gekommen und im Jordan getauft sein würde, dieser mit dem Öle der Barmherzigkeit alle Gläubigen salben werde.
Während nun alle diese Frommen frohlocken, tritt der Teufel auf und sucht den

„alles verzehrenden und unersättlichen"

Fürsten des Totenreiches gegen den kommenden Erlöser aufzureizen.
Er teilt ihm mit, daß ein gewisser Jesus von jüdischer Herkunft der sich Gottes Sohn nenne, aber ein Mensch sei, der den Tod fürchte, ihm in der oberen Welt viel Böses gethan habe.

„Er verfolge meine Diener, und die Menschen, welche ich krumm, blind, lahm, aussätzig oder sonst krank gemacht hatte, heilte er durch sein bloßes Wort, und viele, welche ich schon für das Begräbnis vorbereitet hatte, machte er durch sein Wort wieder lebendig."

Der Hadesfürst entgegnet ihm,

einem so Mächtigen könne doch niemand wiederstehn, und wenn er gehört habe, daß Jesus den Tod fürchte, so hätte dieser das sicherlich nur gesagt, um ihn zu verlachen und zu verhöhnen und ihn mit seiner mächtigen Hand gefangen zu nehmen.

Doch der Teufel erwidert ihm,

er fürchte Jesum nicht, er habe die Juden gegen ihn aufgestachelt, und diese hätten ihn gekreuzigt und mit Essig und Galle getränkt; er solle sich nur bereit halten, um Jesum, wenn er zu ihm käme, gefangen zu nehmen.

Diese letztere Möglichkeit bezweifelt jedoch der Hadesfürst;

Jesus habe ihm schon viele entrissen, die der Teufel ins Grab gebracht - wie sollte er ihn denn nun wohl bewältigen können?
Erst jüngst habe er einen gewissen Toten mit Namen Lazarus, heruntergeführt, aber kurze Zeit darauf habe ihn ein anderer durch die Kraft seines bloßen Wortes wieder aus seinem Reiche entrissen, und er glaube, er sei dieser andere derselbe, von dem er spreche.

Er trägt daher Bedenken ihn bei sich aufzunehmen, damit er nicht alle Toten verliere, und beschwört deshalb den Teufel, Jesum nun ja nicht zu ihm zu führen.
Während der Teufel so mit dem Hadesfürsten redet, erschallt es draußen wie mit Donnerstimme:

„Machet" die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!"

Da gebietet der Hadesfürst dem Teufel: „Geht heraus, wenn du mächtig bist und stelle dich ihm entgegen",

und seinen Geistern gibt er den Befehl:

„Machtet fest und stark die ehernen Thore und legt an die eisernen Riegel und meine Schlösser und steht alle auf der Wacht; denn wenn er hier hereinkommt, wehe, dann nimmt er uns gefangen."

Doch seine eigenen Unterthanen lehnen sich gegen ihn auf.  „Öffne" rufen ihm die Patriarchen zu, „daß der König der Ehren einziehe!"

Und David und Jesaias treten auf und erinnern an ihre Weissagungen, David an den Adventsplan, in dem er diese Stunde vorher verkündigt habe, und Jesaias an sein nun erfülltes Wort: „Er wird den Tod verschlingen ewiglich".

Da tönt es abermals von draußen: „Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!"

Erzitternd fragt das Totenreich: „Wer ist derselbe König der Ehren?"

Und von draußen her antwortet jubelnd der Lobgesang der Engelchen: „Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr mächtig im Streit."

Da zerbrechen die ehernen Thore und die eisernen Riegel zerspringen, da fallen allen Toten die Fesseln ab, und triumphierend tritt der Menschensohn in der durch sein Erscheinen hell erleuchteten Hades ein. Der Fürst des Totenreiches erklärt sich für besiegt, und der König der Ehren läßt den Satan und den Hadesfürsten von seinen Engeln in Fesseln legen.
Obwohl selbst gebunden, verhöhnt der Hadesfürst den gefesselten Satan, der den Herrn der Herrlichkeit zu töten meinte und nun selber vernichtet ist.
Christus aber führt den Adam und alle Gläubigen des Alten Bundes zu sich, und alle Kniee beugen sich ihm, ja, sie alle stimmen ein neues herrliches Lied zum Preise des Herrn an, bis dieser sie im Triumph an die Pforte des Paradieses führt.
Dort begegnen ihnen zwei alte Männer. Gefragt, wer sie seien, da sie den Tod nicht gesehen hätten und nicht in die Unterwelt gekommen seien, erwidert ihnen der eine:

„Ich bin Henoch, der Gott gefiel, und dieser ist Elias, der Thisbiter. Bis an das Ende der Zeiten werden wir leben und alsdann von Gott abgesandt werden, um dem Antichrist zu widerstehen. Wir werden zwar von ihm getötet werden, aber nach dreien Tagen wieder auferstehen und in den Wolken dem wiederkommenden Herrn entgegengeführt werden."

Während diese noch reden, erscheint ein gebeugter Mann mit einem Kreuz auf der Schulter.
Auf die Frage, wer denn er sei, gesteht er, daß er der Schächer am Kreuze sei, dem der Heiland auf seine Bitte hin das Paradies verheißen habe. Die Verheißung wird ihm erfüllt und unter Jubel und Frohlocken ziehen nun die Erlösten in das Paradies ein.

Aspekte zum Thema Wehrdienst in den USA 
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 22. Dezember 2014 00:30
Vor fünfzig Jahren
In den Jahren 1940 bis 1973, war in den USA beim Thema Wehrpflicht eine äußerst rigide Praxis üblich.
Unter Berufung auf einen Gerichtsentscheid des Obersten Gerichtshofes der USA, berichtet „Erwachet!" vom 22. 12. 1964 über eine Ausnahme von der Regel, von der in Sonderheit die WTG profitierte. „Kannst du beweisen dass du die Pflichten eines Dieners der Religion erfüllst?" titelt jener Artikel. Als Beispiele werden genannt.
Sogenannte Pioniere, die zugleich auch Älteste einer örtlichen Versammlung seien, hätten die Chance, von einer Wehrdienstbefreiung zu profitieren, auch wenn sie zwecks Lebensunterhalt, zusätzlich noch eine weltliche Beschäftigung ausübten.
Nicht hingegen gelte das für einfache Versammlungsverkündiger, die auch Zeugen-üblichen Predigtdienst ausübten.

Indes in der Bundesrepublik Deutschland versuchten in Musterprozessen, auch schon mal Pioniere und Sonderpioniere der WTG, eine analoge Befreiung zu erreichen. Sie erreichten ihr Ziel nicht.
Die Höchstrichterlichen Entscheidungen in Deutschland, bemängelten das „Ausbildungsverfahren" der Zeugen Jehovas, und betonten, andere Zweige der Religionsindustrie denen gesetzliche Freistellung vom Wehrdienst gewährt werde (etwa für Pfarrer und ähnliche), haben eine langjährige - vielfach universitäre Ausbildung - bevor sie ihren Beruf ausüben könnten. Diesem gehobenem Ausbildungsniveau entsprechen auch Pioniere und Sonderpioniere der WTG nicht. Daher hätten sie auch keinen Anspruch auf jene Privilegien, die besagten Religionsdienern der „gehobenen Art" gewährt werden.

Angesichts der Rigorosität, etwa zu Zeiten des Vietnamkrieges in den USA, stellt jener Gerichtsentscheid von dem Eingangs die Rede war, eine Privilegierung der WTG-Praktiken durch die USA dar, die so von anderen Staaten, nicht gewährt werden.
Beispielhaft sei auf einen Bericht der „Neuen Juristischen Wochenschrift" vom 16. November 1967 verwiesen.

Eine Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Köln vom 21. 7. 1967. Primär drehte sich der zwar um die Auch-Verweigerung des Wehrersatzdienstes, gleichwohl gibt es in der Urteilsbegründung auch einen Hinweis auf die USA-Verhältnisse.
Es handelte sich dabei um einen sogenannten Sonderpionier.

„In dieser Eigenschaft übte er keinen anderen Beruf mehr aus, erhielt von der Gemeinschaft monatlich 141 DM nicht übersteigende Barbezüge und lebte vorwiegend von der Gastfreundschaft seiner Glaubensbrüder in den Bezirken, in denen er als solcher tätig war. Nach seiner Bestellung zum "Sonderpionier" durch die Leitung seiner Gemeinschaft erhielt er eine einmonatige Schulung durch einen Unterweiser, der vorher "Bezirksdiener gewesen war."

Weiter im Bericht:
Einer„Einberufung zu einer Ersatzdienstgruppe (leistete er) nicht Folge und blieb bei seiner Weigerung auch, nachdem das von ihm gegen die Einberufung angestrengte Verwaltungsgerichtsverfahren nicht durchdrang. Als Begründung gab er an, er könne den Ersatzdienst aus Gewissensgründen nicht leisten, sei als "Sonderpionier" nach § 11 Abs. 1 Nr. 3 WehrpflG ohnehin nicht wehr- und damit auch nicht ersatzdienstpflichtig und habe sich darüber jedenfalls in einem rechtlich beachtlichen Irrtum befunden."

Was nun den „rechtlich beachtlichen Irrtum" anbelangt, liest man in diesem Bericht weiter:
„Inzwischen hat auch der Ministerausschuß des Europarates dahin erkannt, daß bei Zeugen Jehovas die Verurteilung zu Gefängnis wegen Ersatzdienstverweigerung nicht gegen die MenschRKonv. verstößt.
Die aus der Gesetzgebung und der Verfassungsrechtsprechung in den USA von der Revision gezogenen Schlußfolgerungen erscheinen dem Senat deshalb nicht stichhaltig, weil die USA einen "zivilen Ersatzdienst" nicht kennen, sondern es dort allein um die Freistellung von Religionsdienern vom Wehrdienst geht, bei dem es in den USA ein für jedermann bestehendes Recht zur Verweigerung aus Gewissensgründen nicht gibt."

Damit ist verdeutlicht, in den USA besteht eine völlig andere Ausgangslage (kein Recht auf einen zivilen Ersatzdienst). Und wegen dieser anderen Ausgangslage erkennen deutsche (und wohl auch andere europäische) Gerichte, den Versuch die USA-Gesetzgebung hierzulande, auch für sich zu reklamieren, nicht an.

1964

Kommentarserie1963

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