Kommentarserie 1961 zusammengefasst

Einige Stichwort in diesem Jahrgang (in Auswahl)

"Katholische Kirche im 20. Jahrhundert", Chruschtschow, Erziehungsmethoden, Lloyd Barry, Ostdeutsche Amnestien, Bluttransfusion - Gemeinschaftsentzug, 5. Mose 18:20, Julius Wellhausen, Walter Küppers (alias Johannes Walther), Franz, Griese, Gehirnwäsche, Jeanne Dixon, Organisationsstrukturen der Frühzeit - heute, Todesstrafe, Südkora, "Kirche des Reiches Gottes", Erich Frost, Kuba, Tertullian, Lyndob B. Johnson, DDR-Mauerbau, Glasiten, Freidenkerszene, Otto Dibelius, Most "Gottespest", 9. 2. 1961 (Ostdeutschland), Axis Sally, Hedgefonds, Geburtstagsfeiern, "Fischer und Jäger", Hassprediger über den Tod hinaus, Martin Luther King,

"Reis-Christen" - Opium
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Januar 2011 03:22
Vor fünfzig Jahren
"Reis-Christen" - Opium
Ziemlich provokativ und polemisch zugleich, macht der "Wachtturm" vom 1. 1. 1961 mit der Vokabel "Reis-Christen" auf.

Solcherlei WTG-Polemik hat durchaus einen tieferen Sinn. Die Betonung des Opiatcharakters der Religion insgesamt, welchen die WTG andernorts verwässert sieht. Sie selbst indes meint, besonders starke Opiumdröhnungen den Betörten zu verpassen.
Reale Notsituationen interessieren die WTG nicht sonderlich. Die Betörten können dann ja ihr Elend mit Opium Made in WTG betäuben
Ironie der Geschichte. Gerade mit dem Fallbeispiel China verbindet sich auch der Begriff Opiumkrieg.
http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Opiumkrieg
Da hatten damalige imperialistische Mächte buchstäbliche Kriege vom Zaune gebrochen, für ihr vermeintliches "Recht" mit Opium, als Mittel zum Zweck, Geschäfte machen zu können. Im Falle der WTG ist dieses "buchstäbliche" Opium zwar durch geistiges ausgewechselt.
Indes der Anspruch damit Geschäfte machen zu wollen, wird von letzterer mit gleicher kriegerischer Entschlossenheit durchgesetzt!

Man vergleiche thematisch auch
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,81310,83781#msg-83781
01. November 2010 02:13
Auch noch
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,50342,66479#msg-66479
08. Juni 2010 06:19

Kanonenfutter
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Januar 2011 02:11
Vor fünfzig Jahren
Kanonnenfutter
Ein besonderes "Event" wähnte die WTG mit ihrer "Erwachet!"-Sonderausgabe vom 8. 1. 1961, mit dem Titel "Die katholische Kirche im 20. Jahrhundert" auf den Markt geworfen zu haben. Das war dann mal wieder "Motivationsfutter" zum Treppenterrierdasein, des kleinen Zeugen Jehovas, wäre mein Kommentar dazu.

Dann vielleicht noch eine Zwischenbemerkung.
Bekanntermaßen ist ja nicht selten, auf Plattformen wie etwa ebay, auch einiges an WTG-Literatur im Angebot. Bei der Sichtung meines Privatexemplares des 1961er "Erwachet!"-Jahrganges, fiel mir nun auf, wohl via ebay, aus einer Nachlasssammlung mal erworben. Jedenfalls scheint der Vorbesitzer dann gleich seine handschriftlichen "Predigten", auf Grundlage dieser "Erwachet!"-Ausgabe, dort mit eingeklebt zu haben.
Nachstehend mal ein paar "Kostproben" davon.

In Zeitgeschichtlicher Wertung ist meines Erachtens auch die Anbiederung an die USA-Falken in Form des Artikels "Die katholische Kirche und der Kommunismus" relevant.
Da verkauft sich die WTG als "die" strammen Antikommunisten, und bezichtigt die Konkurrenz der Catholica, diesbezüglich "lahme Kartuschen" zu sein. Sie sei halt eben auch auf diesem Felde "besser".

Der Beifall aus Washingtoner und Bonner Amtsstuben dürfte ihr dabei wieder mal sicher gewesen sein.
Die andere Seite der Medaille indes dürfte dann auch die gewesen sein - wieder einmal - ihre betörte Anhängerschaft in den Ostblockstaaten, als "Kanonenfutter" zum verheizen, freigegeben zu haben!

Erhobener Zeigefinger
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Januar 2011 00:22
Vor fünfzig Jahren
Erhobener Zeigefinger
Der große erhobene Zeigefinger des "Wachtturm's" vom 15. 1. 1961 teilt mit:

"Der Allgemeinheit im Namen Gottes Geld zu entlocken ist zu einem Geschäftsunternehmen geworden."

Unter Hinweis auf einen entsprechenden Pressebericht wird auch zitiert:

"Geschäftsexperten treiben die Kollekten in röm.-kath. Kirchen in die Höhe". Die Organisation Cathos Ltd., die in ganz Kanada und in den Vereinigten Staaten, in Australien und England Zweigbüros unterhält, spezialisiert sich ausschließlich auf die Erhöhung der Einkünfte der römisch-katholischen Kirche ...
Das angekündigte Ziel war, den Wert der jährlichen Kollekten in der Kirchengemeinde von 4.900 auf 10.080 Dollar hinaufzutreiben. (Der) Vorsitzende der Firma Cathos, bemerkte dazu: "Die Bevölkerung ... wird in einem Maße spenden, das sie etwas schmerzt. Das gehört mit zu der Remedur, nachdem wir die Sache übernommen haben."

Der große erhobene Zeigefinger der WTG, ist mit diesem Bericht wohl etwas einseitig. Wollte er dieses nicht sein, wäre wohl ein Hinweis auf die eigene Praxis, nicht unangemessen.
Nicht erst seit heute weis man, dass Zeit auch Geld ist. Und was die Nötigungstechnologie zum Verausgaben für den Moloch der jeweiligen Religion anbelangt, dürfte der tatsächliche Druck innerhalb der WTG-Organisation, lässt man die Wertung, dass Zeit auch Geld sei zu, zum verwechseln ähnlich sein.
Etwa zu ähnlicher Zeit, wie der zitierte WT-Artikel, publizierte Herr Twisselmann erstmalig sein Buch "Vom Zeugen Jehovas zum Zeugen Jesu Christi". Aus ihm sei nochmals jene Passage von der "Knüppel-Organisation" zitiert, die da verdeutlicht, wo da in WTG-Gefilden "der Hund begraben" liegt.
Und was rein materielle Mittel anbelangt, kann wohl so mancher vom WTG-Nötigungsdruck auch dann ein "Liedchen singen", steht etwa ein Königreichssaalbau auf der örtlichen Agenda.

Auch da können dann die WTG Funktionäre ziemlich direkt, nahezu erpresserisch sein; wobei dann anschließend - de jure - jener Saal ins Eigentum der WTG übergeht. Auch schon zu Zeiten, wo es noch die Konstruktion örtlicher e. V. gab, waren die Weichen dafür voreingestellt. Etwa dadurch, dass der Grundbucheintrag auf den Namen der WTG lautet. Und was örtliche e.V. anbelangt, sind die in heutigen KdöR-Zeiten, ohnehin zum Auslaufmodell verdammt.
Nur, das "vergass" eben der WT mit zu erwähnen!

Re: Erhobener Zeigefinger
geschrieben von:  Conzaliss
Datum: 15. Januar 2011 18:54
Ich habe als DAG erlebt, dass der VA der Versammlung W........
alle "Amtsinhaber" nötigte, Scheine auf den Tisch zu legen, um einem KA ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung zu stellen.

Der hatte seinen PKW selbstverschuldet zu Schrott gefahren...
Brooklyner Immobilien
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Januar 2011 00:23
Vor fünfzig Jahren
Brooklyner Immobilien

"Dies ist die Zeit der Ausdehnung",

mit diesem Detailsatz wird in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 1. 1961 der damalige WTG-Präsident Knorr zitiert, anlässlich der Einweihung eines Erweiterungsbaues der WTG-Immobilien in Brooklyn.
Zwar hätte eine "weltliche" Baufirma auch entsprechende Bauleistungen dafür ausgeführt. Das aber nur in unumgänglichen Umfange.
Stellvertretend steht dafür auch der Jubelsatz:

"Glieder der Bethelfamilie übernahmen abwechselnd Wächterpflichten und ersparten dadurch beträchtliche Auslagen, da an den Abenden jedes Arbeitstages und während der Nacht drei Wächter gebraucht wurden. Der Lohn eines Wächters allein hätte uns, wenn er von der Baufirma gestellt worden wäre, etwa 5000 Dollar im Jahr gekostet."

Aussagen von der "Güte" gibt es dann noch ein paar mehr in jenem Artikel.

Dann vergleiche man mal ein paar neuere Meldungen aus Europa, etwa die Meldungen über die Konzentration der WTG-Tätigkeit auf den Standort Selters, und analoger Schließung anderer, vordem auch genutzter Immobilien.
Diesen Umstand kann man dann wohl weitaus weniger dem Begriff "Ausdehnung" zuordnen; eher dem Gegenteil.
Wenn es nach den WTG-Managern gehen würde, wollten die selbstredend auch in der Gegenwart weitere Ausdehnungen.
Indes die "süssesten Früchte" pflegen zusehends höher zu hängen.
So wandeln sich manchmal die Zeiten!

Einheit um jeden Preis
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. Februar 2011 03:05
Vor fünfzig Jahren
Einheit um jeden Preis

"Eine Schaustellung der Einheit
in einer gespaltenen Welt",

meint der "Wachtturm" bezogen auf sich selbst, in der Ausgabe vom 1. 2. 1961 titeln zu sollen.



Und man wähnt, diesbezüglich sogar "besser" als die kommunistischen Regime zu sein, was sich in diesem Artikel auch so liest:

"Im Juni 1960 kamen die Vertreter der Sowjetblockstaaten in Bukarest, Rumänien, zusammen, und am 27. Juni gaben die zwölf herrschenden Kommunisten mit Einschluß Rotchinas, ein Kommunique heraus, das ihre Einheit in bezug auf ihre Ziele und Taten von neuem bestätigte."

Und weiter, sie würden besagte Einheit   "wie ihren Augapfel hüten".

Da der WT selbstredend nicht zu den Bejublern der kommunistischen Regime gehört, kann er es sich doch nicht verkneifen, dazu zu kommentieren:  "Die Tatsachen strafen die Behauptung lügen"

Und weiter es bestünde die Gefahr, sollte diese Art von "Einheit" gar der ganzen Menschheit aufgezwungen werden, käme dies eher einem Schreckenszenario als den einem "Idealzustand" gleich, womit der genannte WT aus der Sicht (des in diesem Falle Außenstehenden) sicherlich die Sachlage zutreffend kommentierte.

Aber wie vernommen, wähnt der WT, ja noch einen Zacken "besser" zu sein, als die da von ihm als Vergleich bemühten kommunistischen Regime.
Es wird zwar nicht expressis verbis ausgeführt, aber wenn da besagte kommunistische Regime im Jahre 1960 tagten, kann man ja vielleicht angesichts der betonten ostentativen "Einheit" mit unterstellen, dass zu dieser "Einheit" dann vielleicht auch die Vorab-Absegnung, des nur ein Jahr später realisierten Ostdeutschen Mauerbaus gehörte.
Jener Bankrotterklärung im Namen der Einheit.
Da die WTG aber "besser" sein will in Sachen künstlich aufoktroyierter Einheit, bleibt es dem geneigten Leser selbst überlassen, welche Sorte "Antifaschistischer Schutzwall" (so doch die offizielle Lesart des Ostens zum Mauerbau) denn die WTG so in ihren eigenen Gefilden zu praktizieren pflegt. Nicht wenigen wird da wohl auch der Aspekt der WTG-Gemeinschaftsentzugs-Praxis, an keineswegs untergeordneter Stelle, einfallen (als einem Beispiel).

Weiteres zu dem Thema solch künstlich produzierter "Einheit", könnte man dann noch in George Orwell's "1984" nachlesen, oder wer es lieber als Video mag, der sei auch auf das am unteren Ende dieser Forumsseite verlinkte Video mit dem passenden Spruch verwiesen:

"Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ist".

Chruschtschow Auftritt in New York
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. Februar 2011 00:43
Vor fünfzig Jahren
Chruschtschow Auftritt in New York

Der 15. UN-Vollversammlung widmet "Erwachet!" vom 8. 2. 1961 einen vier Druckseiten umfassenden Artikel. Ich würde sogar die These wagen, mit vielleicht ein paar Abwandlungen, hätte jener Artikel sogar die Chance gehabt, etwa in einem Politik-Journal vom Stile des "Spiegels" zeitgenössisch gedruckt worden zu sein. Jedenfalls sind - diesmal - keinerlei Anleihen etwa zu einschlägigen Bibelauslegungen in dem Artikel enthalten. Dafür etwas mehr auch Zitate aus anderen (dann aber westlich orientierten) Publikationen, wie die denn jenes Spektakulum bewerteten. Die westliche Orientierung jenes Berichtes ist offenkundig. Damit ist ja nicht gesagt, es würde prinzipiell falsches berichtet. Gesagt ist lediglich, er ist parteiisch - westlich parteiisch orientiert.

Auch der damalige Sowjetische Regierungschef Chruschtschow, bekam wohl in der Bewertung seines dortigen Auftrittes nichts zum lachen, sollte (eher unwahrscheinlich) jener Artikel mal zu seiner Kenntnis gelangt sein.
Kann man das auch zwar verneinen, darf dennoch bewertet werden; einige Chargen unter Chruschtschow, namentlich jene welche in den Hierarchiekreisen östlicher Geheimdienste ansässig waren (und bekanntlich waren die, die Federführer in der Zeugen Jehovas-Angelegenheit in diesem Zeitraum). Die haben jenen Artikel durchaus registriert.
Und für die war er dann wieder einmal eine zusätzliche Bestätigung ihrer These.
Die Zeugen Jehovas sind entgegen ihrer Behauptung, politisch eben nicht neutral, sondern betreiben die Geschäfte des Westens.

Diese Meinung hatten diese Geheimdienstkreise schon vordem, darüber kann ja kein Zweifel bestehen.
Die WTG lieferte ihnen damit wieder einmal zusätzliches Öl ins bereits brennende Feuer, dass sie in ihrer Auffassung bestärkte.
Ein Modus vivendi mit der WTG-Religion ist (im Gegensatz zu anderen Kirchen) weiterhin nicht möglich. Der WTG-Religion könne darauf nur östlicherseits mit der harten Hand, weiterhin geantwortet werden.
Dieser Artikel ist nur ein kleines Mosaiksteinchen in der Gesamtgemengelage, auch das ist richtig. Aber eben ein Mosaiksteinchen mehr zur Verfestigung der östlichen Politik der harten Hand gegenüber den Zeugen Jehovas.
Das Prinzip der "kommunizierenden Röhren", des sich gegenseitig "Hochschaukelns" ist auch in diesem Falle feststellbar.

Um einen Slogan von Stefan Heym in seinem Roman "Der König David Bericht" nochmals aufzunehmen:

"Benaja ben Jehojada trommelte mit den Fingern auf seinem Knie, und Josaphat ben Ahilud schluckte, als wäre ihm etwas Klebriges in der Kehle steckengeblieben; nur Zadok, der Priester, strahlte vor Zufriedenheit über das ganze ölige Gesicht. 'Nun', fragte der Prophet Nathan ein wenig unsicher, 'ist etwas zu bemängeln an dem Bericht?"

Aus westlicher Sicht war mit Sicherheit an dem "Erwachet!"-Bericht nichts zu bemängeln. Und die östlichen Apparatschick's werden es auch tunlichst vermieden haben, zu jenem Artikel vielleicht einen öffentlichen Disput vom Zaune zu brechen. Sie werden es also eher vorgezogen haben, "herunterzuschlucken".
Indes dieses "herunterschlucken" ist dann allenfalls als Zeitverschiebung zu werten.
Das "Rechnung präsentieren" würde dann noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen; nur eben noch nicht beim vorgenannten aktuellen Anlass.
Und genauso ist dann die tatsächliche Geschichte auch abgelaufen.
Das der genannte Chruschtschow in besagtem "Erwachet!"-Bericht sicherlich nichts zum lachen bekam, mag denn stellvertretend die nachstehend zitierte Wertung von "Erwachet!" verdeutlichen:

"Was hat Chruschtschow erreicht? Manche sagen, dieser Gewaltige der Weltpolitik sei durch seine Szenen - als er mit Fäusten und mit seinem Schuh auf sein Pult trommelte - in drei kurzen Wochen zur Karikatur geworden; anstatt Frieden zu stiften, habe er die Rolle eines bombastischen russischen Demagogen gespielt. Eins ist sicher: Er hat die Vereinten Nationen nicht beherrscht. Er verlor praktisch jede Abstimmung.
Es gelang ihm nicht, Hammarskjold aus seinem Amt zu entfernen. Es gelang ihm nicht, die Versammlung zu veranlassen, Rotchina in die UN aufzunehmen. Er verlor die Abstimmung über die Fortsetzung der Abrüstungsberatungen. Es gelang ihm nicht, eine Verurteilung der U-2-Flüge zu erlangen. Es gelang ihm nicht, die Versammlung zu veranlassen, die Angelegenheit der unterdrückten Länder Ungarn und Tibet ad acta zu legen. Es gelang ihm nicht, die kleinen Nationen und die neuen Mitglieder der UN einzuschüchtern, so daß sie sich der sowjetischen Führerschaft unterstellten. Die einzige Abstimmung, die er gewann, war jene über den "Kolonialismus". Durch sein "skandalöses" Benehmen bewirkte er lediglich, daß sich der Westen noch enger zusammenschloß - und das war bestimmt nicht seine Absicht."

Geschichtsberichte notieren dann im Jahre 1964 den eher "unerwarteten Sturz von Chruschtschow durch konservative Kräfte".

http://de.wikipedia.org/wiki/Neostalinismus

Sicherlich spielte der erwähnte UN-Auftritt dabei auch mit eine Rolle.

Kommentar zu einer Jahrbuch-Statistikzahl
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. Februar 2011 00:22
Vor fünfzig Jahren
Kommentar zu einer Jahrbuch-Statistikzahl

In ihrer alljährlichen Heerschau der Jahrbuchberichte (auch im "Wachtturm" referiert, diesmal in der Ausgabe vom 15. 2. 1961), teilt der WT jubelnd mit, es sei eine 6 % Mehrung an Verkündigern gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.
Eigentlich wollte die WTG ja eine 10 % Mehrung wieder haben, wie es selbige in den 1950er Jahren verschiedentlich gab. Und diese hohen Zuwachsraten darf man getrost noch den indirekten Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges zuordnen. Nun aber wurden es statt der 10 nur 6 %.
Und hat man die weiteren Jahre bis etwa 1967 mit im Blick, so flachte sich die Zuwachsratenkurve noch weiter ab.
Ab 1967 dann wiederum ein Ansteigen, namentlich in Folge der Aufputschung durch die 1975 These, welche ab jenem Jahre akut wurde.

Anfang der sechziger Jahre hatte sich die wirtschaftliche Situation der Bundesrepublik Deutschland, weitgehend konsolidiert. Und damit entfiel auch erst mal für breite Bevölkerungsschichten, das greifen nach Strohhalmen, eben auch in der Form religiöser Opiumsangebote, welche die WTG im besonderen offeriert.
Das Jahr 1961 ist dann auch als das Jahr in die Geschichte eingegangen, in welchem Ostdeutschland seinen "Laden dicht machte".
Das wiederum hatte auch auf die alte BRD dergestalt eine Auswirkung, als eine prosperierende Wirtschaft, die ihren steigenden Arbeitskräftebedarf, auch zu lasten Ostdeutschlands auffüllen konnte.
Das diese Option nunmehr weggefallen war.
Es musste nunmehr umdisponiert werden.
Infolge dieser Umdisponierung suchte man händeringend nach Arbeitskräften eben nunmehr andernorts.
Arbeitskräfte (am "besten" nur Kulis )
[Zeitgeschichte vor siebzig Jahren; 28. November 2009 03:30]
wollte man haben. Indessen es kamen Menschen.
Diese Diskrepanz zwischen nur Kulis haben wollen und dem was man tatsächlich bekam, ist dann ja in der Gegenwart ein beliebte Spielwiese solch populistischer Rattenfänger wie etwa dem Herrn Thilo S.. Und sieht man sich seine grandiosen Buchumsatzzahlen an, kann einigen, mit Verlaub gesagt schlecht werden.
Einigen deshalb nur, weil Herr Thilo S. da offenbar einen "Nerv" getroffen hat.

Unabhängig von diesem Umstand bleibt bestehen, dass zwischen Beschreibung eines Ist-Zustandes und daraus abgeleiteten Vorschlägen, im Falle Thilo S. festzustellen ist.
Konstruktiv sind sie jedenfalls nicht.
Und mit seiner Stimmungsmache, wäre Herr Sarazin, als Spätgeborener, sicherlich in einer früheren Geschichtsphase in der Partei eines Herrn Hitler mehr als gut aufgehoben.
Denn der schon präsentierte entsprechende Buhmann-Wauwaus.
Ob die nun den Namen Juden oder Islamisten, oder meinetwegen auch Freimaurer tragen, ist allenfalls ein gradueller, aber kein grundsätzlicher Unterschied.

Und angesichts der Bejubler des Herrn Thilo S., fällt mir nur ein Kommentar ein.
Das sind ja auch alles "Spätgeborene".
Wären es "Frühgeborene" wären auch sie die prädestinierten Bejubler des Herrn Hitler, welche bekanntlich an Zahl auch nicht "gering" waren.

Es gibt in einer Klassengesellschaft die "Herrenmenschen" und die verhinderten Möchtgern-auch-Herrenmenschen. Letzteren ist dann wohl die Aussage von bewertenden Journalisten "auf den Leib geschrieben":
Etwa die:  "Thilo S. ist in Wahrheit einer, der den Leuten die Lizenz zur Verachtung derer ganz unten erteilt, schrieb mal ein Journalist".

Oder auch die:  "Sie sind zwischen 30 und 60 Jahren alt ... Sie sehen nicht wie Verlierer aus. Die Verängstigung und Orientierungslosigkeit unter weißen bürgerlichen Männern mittleren Alters scheint groß zu sein, dass sie sich nach solchen Gestalten wie Wilders und auch Thilo S... sehnen."

Dann gibt es eben auch ein Absorbationsfeld am anderen Ende dieser Spirale.
Ihm kann man sicherlich in der WTG-Religion begegnen, wovon auch deren immer umfangreicher werdenden Fremdsprachigen Versammlungen innerhalb Deutschlands auch künden.
Zum weiterlesen zum Thema Thilo S. und Co siehe auch
Forumsarchiv 324
(Dort mehr in der zweiten Hälfte des Forumsarchivs zusammengefasst).

WTG-"Patentrezepte" in Erziehungsfragen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. Februar 2011 03:10
Unter der Überschrift

kann es sich die Zeugen Jehovas-Zeitschrift "Erwachet!" vom 22. 2. 1961 nicht versagen, wieder einmal eins der WTG-Standardrezepte zu verkünden.

Man kann zwar nicht sagen, dass "Erwachet!" "nur" für eine Prügelpädagogik plädiert, dass sicherlich nicht. Es erwähnt noch andere Empfehlungen, um ungehorsame Kinder "auf Linie" zu bringen. Gleichwohl wird der Aspekt einer Prügelpädagogik eben nicht grundsätzlich außer Betracht gelassen.
Ob den jenes WTG-Patentrezept wirklich die Bezeichnung "Bessere Erziehungsmethoden" verdient, darf wohl angezweifelt werden.
Was da als "bessere Erziehungsmethoden" verkauft werden soll, verdeutlichen dann wohl auch die hinzugefügten Illustrationen.
Da sieht man links im Text eine Mutter in einer durchaus aussagekräftigen Pose auf ihre Kinder schauend.

Und wie sich die WTG diese "besseren Erziehungsmethoden vorstellt, veranschaulicht wohl auch das Bild der Kinder

Noch so ein WTG-"Patentrezept"

Lloyd Barry
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 01. März 2011 01:17
Vor fünfzig Jahren
Lloyd Barry
Im Rahmen seiner Serie "Mein Lebensziel verfolgend" präsentiert der "Wachtturm" vom 1. 3. 1961 den des Lloyd Barry. Das ist jener 1916 in Neuseeland geborene Herr (1999 verstorben), der über die Zwischenstationen Australien und Japan, letztendlich bis zur sogenannten Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas aufstieg.
www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=38129290

Raymond Franz widmete ihm in seiner Publizistik auch ein paar Sätze.
Als zeitweilig in der WTG-Führung die faktische Alleinherrschaft des Duos N. H. Knorr und Fred W. Franz, zumindest in der Theorie, in die Diskussion geriet, begegnete man diesem Barry auf Seiten der Hardliner.
Raymond Franz notierte zu ihm:

"Lloyd Barry, Neuseelander und ebenfalls neu im Gremium, war vor seiner Tätigkeit in Brooklyn lange Jahre Zweigaufseher in Japan gewesen, wo die Zeugen ein erstaunliches Wachstum zu verzeichnen hatten. Er sprach sich ganz entschieden gegen die Empfehlungen aus, besonders weil sie die Zentralgewalt des Präsidenten schwächten.
In einem Brief vom 5. September 1975 bezeichnete er die vorgeschlagenen Änderungen als revolutionär".

Als weiterer Insiderbericht kann man bei Raymond Franz vernehmen:

"In einer der ersten Sitzungen des Fünferkomitees hatte er (Knorr) gesagt:
Eine Körperschaft ist nur ein Werkzeug, das vom Gesetz gefordert wird. Sie ist wie ein Kugelschreiber auf meinem Schreibtisch. Wenn ich ihn brauche, nehme ich ihn, und wenn ich fertig bin, lege ich ihn einfach wieder hin, bis ich ihn wieder benötige "
... Nach dem Tode Nathan Knorrs wurde in der leitenden Körperschaft über die Frage des Nachfolgers gesprochen. Als Kandidaten kamen vor allem Vizepräsident Franz und Milton Henschel in Frage, Knorrs enge Mitarbeiter in der Administration. Henschel stellte den Antrag, daß Fred Franz zum Präsidenten gewählt werden sollte, was einstimmig angenommen wurde.
Als es um die Nachfolge für Knorrs Posten als Koordinator im Verlagskomitee ging, schien konsequenterweise Henschel der Mann dafür, doch der frischgebackene Präsident Fred Franz sprach sich für Lloyd Barry aus.
Zwischen Knorr und Henschel hatte in den letzten Jahren kein sehr gutes Verhältnis bestanden und Knorr hatte bei einem Gespräch mit dem ersten Fünferkomitee angedeutet, seiner Meinung nach könne Barry seinen Posten (als Präsident) übernehmen, falls notwendig."

Also unter Berücksichtigung des tatsächlichen Geschichtsverlaufes ist feststellbar. Der Hardliner Barry stieg doch nicht in der Hierarchie so auf, wie es denn mal N. H. Knorr als Option angedacht hatte.
Was Barrys intellektuelle Fähigkeiten anbelangten bescheinigt ihm Raymond Franz:

"Die meisten (Mitglieder der Leitenden Körperschaft) schreiben selbst sehr wenig, manche gar nichts. Einzig Lloyd Barry hat Bücher verfaßt, und diese sind lediglich Wiederholungen von bereits Gesagtem, ohne daß Neues hinzugefugt wurde"

Als konkrete WTG-Bücher, welche er dem Lloyd Barry zuordnet, vermerkt R. Franz:

"Die Bücher "Die gute Botschaft die Menschen glücklich macht" (1976) und "Dein Königreich komme" (1981)".

Franz charakterisiert diesen Barry auch als Hardliner die WTG-1914-Lehre betreffend.
Noch in anderer Beziehung machte Barry in der Sicht von R. Franz von sich reden; und zwar so:

"Vier Wochen nach Antritt meines Erholungsurlaubs rief mich Ed Dunlap in Alabama an. Erst sprachen wir über allgemeines, und dann erzählte er mir, zwei Mitglieder der leitenden Körperschaft, nämlich Lloyd Barry und Jack Barr, seien in sein Büro gekommen und hätten ihn drei Stunden lang über seine persönlichen Ansichten ausgehorcht. Zwischendurch habe er sie gefragt:
"Und was soll dieses Verhör?"
Darauf hätten sie ihm versichert, es handle sich nicht um ein Verhör, sondern sie wollten nur einmal wissen, wie er über verschiedenes denke."

Ergänzend kann man da noch verweisen auf (bei Willi Bühler mit zitiert)

"Am 29. Mai 1980 fand in Brooklyn, New York, eine Zusammenkunft statt. Dort sprach auch Lloyd Barry, von der Leitenden Körperschaft. Mißbilligend sprach er sich darüber aus, daß einige sich zusammenfänden, um ein unabhängiges Bibelstudium zu betreiben. Er behauptete, manche täten dies sogar anstelle des gemeinsamen wöchentlichen Wachtturm-Studiums am Montagabend. Mit anderen Worten: Freies Bibellesen bitte nicht."

Sein größtes Sündenregister ist diesem Barry indes beim Thema der Ersatzdienstverweigerung zuzuschreiben. Die kam ja auch mal in der sogenannten Leitenden Körperschaft zur Sprache, und zu ihr berichtet Raymond Franz:

"Die neueste Änderung der Wachtturm-Lehre betrifft den Zivildienst. Im Wachtturm vom l. Mai 1996 wird den Zeugen jetzt gestattet, sich in dieser Angelegenheit von ihrem Gewissen leiten zu lassen. Natürlich ist das eine erfreuliche Änderung, doch man kann nicht umhin, an all die Tausenden von Männern zu denken, die seit den 1940er Jahren Zehntausende Lebensjahre im Gefängnis verbrachten, und daß Tausenden dieses Leiden nach 1978 hätte erspart bleiben können - hätte nicht Lloyd Barry es sich nach der Abstimmung anders überlegt, so daß die Zweidrittelmehrheit hinfällig wurde ...So aber blieb alles beim alten."

In seinem Buch "Auf der Suche nach christlicher Freiheit" berichtet
Raymond Franz auch über das Memorandum eines Hardliners in der Wehrdienstfrage. Dieser Lloyd Barry hatte seinerzeit eine Liberalisierung mit der Begründung abgelehnt:

"Wenn die leitende Körperschaft eine Änderung des Standpunktes befürwortete, wäre das sehr bestürzend für die Brüder in diesen Ländern, in denen sie lange für ihre kompromisslose Haltung gekämpft haben."

Man vergleiche kontrastierend auch:
www.spiegel.de/spiegel/print/d-8905293.html

Eine Bewertung von Barry anläßlich eines Auftrittes von ihm, im damaligen Westberlin kann man auch der CV 105 entnehmen. Auch diese Ausführungen bestätigen zusätzlich den Gesamteindruck eines Hardliners durch und durch.
Nun also zur eingangs genannten "Wachtturm"-Ausgabe zurückkehrend.
In Australien, einem Tätigkeitsfeld von Barry, spitzte sich die Sachlage dergestalt zu, dass dort im Jahre 1941 die WTG-Tätigkeit verboten wurde.
Vor der Verbotsaussprechung indes gab es noch eine Vorgeschichte. Zu der mag dann auch die nachfolgende Episode gehören, welche Barry in seinem WT-Artikel mit erwähnt:

"In dem Monat, in dem der zweite Weltkrieg ausbrach, diente ich gerade einer Reihe von Kongressen und wurde an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden in Pöbelaktionen bedrängt. In Maitland, ... wurde eine geplante Veranstaltung in der Stadthalle verboten, und ein anderer Bruder und ich gaben eine Meldung über diese Ungerechtigkeit von einem Tonwagen aus durch, den wir vor der Stadthalle geparkt hatten. Als ich aufhörte zu reden, nahte sich eine von einem Priester geführte Pöbelrotte und hob den Wagen, um ihn umzustürzen. Das erschien plötzlich ein Schutzmann, und die Meute zog sich für einen Augenblick zurück. Der Polizeibeamte steckte den Kopf durch das Wagenfenster und rief:
"Jungens, wenn euch das Leben lieb ist, so sucht das Weite!"
Irgendwie entstand vor dem Wagen eine Bresche - und fort waren wir!"

"Und fort waren wir ..."
Und dieser "geborene Held" ist dann im Verlauf der WTG-Geschichte, noch einer ihrer größten Hardliner in einflußreicher Position!

Ostdeutsche "Amnestien"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. März 2011 01:59
Vor fünfzig Jahren
Ostdeutsche "Amnestien"

In der Rubrik "Wir beobachten die Welt" des "Erwachet!" vom 8. 3. 1961, gibt es auch einen "Verfolgungen in Ostdeutschland" überschriebenen Beitrag.
Liest man in ihm unter anderem, noch im Jahre 1960 habe es Neu-Verurteilungen von Zeugen Jehovas gegeben, dann offenbarte des Ostdeutsche Regime damit nur seine Erbärmlichkeit. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und hat man den weiteren Geschichtsablauf mit im Blick, ist feststellbar, diese Erbärmlichkeit fand erst nach der letzten großen Verhaftungsaktion vom November 1965 ihr Ende.
Siehe zu letzterem unter anderem.
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89501,89990#msg-89990
09. Januar 2011 03:25
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89501,90572#msg-90572
16. Januar 2011 02:43
Das Ostdeutsche Regime ist nicht zu entschuldigen, darüber dürfte wohl weitgehende Einigkeit bestehen, auch bei denen, welche kein Fan der WTG-Religion sind.
Etwas anderes in diesem Bericht verdient vielleicht noch gesondert hervorgehoben zu werden. Zum Abschluss der "Erwachet!"-Ausführungen liest man auch die Sätze.

"Durch die in der Ostzone Ende September verkündete Amnestie sind 57 Zeugen Jehovas vorzeitig zur Entlassung gekommen, wie bisher bekanntgeworden ist. Ihnen wurde dadurch ein Straferlaß von durchschnittlich 1 Jahr und 2 Monaten gewährt. Die Amnestie ist am 30. November beendet worden."

Meines Erachtens ist es durchaus aufschlußreich, sich die Biographien dieser 57 etwas näher anzusehen. Sie werden ja weder in dieser "Erwachet!"-Ausgabe, noch andernorts mal zusammengefasst dargestellt. Es ist also bestenfalls nur möglich, vereinzelte - verstreute - Berichte zu diesen 57 mal etwas näher in Augenschein zu nehmen.
Ein Teil dieser 57 wurde wohl nach dem Westen abgeschoben, aber doch nicht alle.

Vorgenannte Amnestie war dann wohl die zweite mit Zeugen Jehovas bezüglichen Anteil.
Über die erste etwa notierte die (westliche) Zeitschrift "Kirche im Sozialismus" mal:

"1956 wurden im Zuge einer Amnestie über 800 Zeugen aus der Haft entlassen und zum Teil mit ihren Familien in den Westen abgeschoben."

Ob die Zahl der 800 tatsächlich authentisch ist, mag mit einem Fragezeichen versehen bleiben. Damit ist diese Angabe nicht prinzipiell bestritten. Andererseits wird auf die zugehörige Quellenangabe dafür im KuS Artikel hinzuweisen sein.
Und jene zugehörige Fußnote (35) weist dazu aus. "Mündliche Mitteilung des Katholischen Informationsbüros in Wolfegg Baden-Württtemberg"

Insider wissen, dass war zum Zeitpunkt der Publizierung des KuS-Artikels, Personengleich mit dem seit Anfang der 1950er Jahre im Westen lebenden Günther Pape.
Wenn der das mündlich meinte, dann ist das allerdings kein authentischer Beweis.
Dass es 1956 eine Amnestie gab, kann nicht strittig sein. Allenfalls ist zu fragen, in welchem Umfange denn auch Zeugen Jehovas von ihr profitierten.
Jedenfalls sind durchaus auch Fälle von geschockten Zeugen Jehovas ruchbar geworden, welche hofften, mit von Amnestien erfasst zu werden, es letztendlich aber doch nicht wurden.
Das Ostdeutsche Regime stellten für solche potentiell für eine Amnestie in Betracht kommenden, nämlich eine Bedingung.
Die Bedingung des politischen Wohlverhaltens im Sinne der östlichen Interessenlage.
Im Fall des 1952 mit verhafteten Dieter Pape, war ja dieses Wohlverhalten, nachweisbar gegeben.
In anderen Fällen eben nicht; und die mussten dann halt weiter ihre Gefängnisstrafe absitzen (ohne vorzeitige Amnestie).
Ewald Kaven etwa notierte in seinem Erfahrungsbericht auch:

"Der August verging, aber es wurde nichts daraus. Doch dann kam der September, der entscheidende Veränderungen für mich mit sich bringen sollte. Am 7. September 1960 starb Wilhelm Pieck, der Präsident der DDR, und es wurde eine Amnestie für alle Strafgefangenen, die Zweidrittel ihrer Strafe verbüßt hatten, in Aussicht gestellt. Auch ich wurde befragt. Dazu musste wieder ein Fragebogen ausgefüllt werden:
"Wie stehen Sie zu Ihrer Straftat?"
Eine verfängliche Frage.
Verurteilt wurde ich nach Artikel 6 der Verfassung der DDR, der Spionage, Sabotage, Kriegshetze und der Dinge mehr, wie der Staatsanwalt es so umfangreich ausgemalt hatte, beinhaltet. ... Also gab ich zur Antwort: "Ich glaube nach wie vor an Gott."
Nun musste ich abwarten, was wohl daraus werden würde. ...

Zum Arbeiten hatte ich nicht mehr viel Lust, denn meine Gedanken kreisten immer häufiger um die Entlassung. Auch gab es täglich neue Gerüchte, wer alles, wann der letzte, und wie viel es sind, die entlassen werden. Täglich gab es neue Informationen darüber. ...
Es gab einige, die jetzt schon vorzeitig entlassen wurden. Dadurch war die Spannung noch größer. Da ich meine Arbeit einschränkte, verlängerte sich die Zeit des Wartens, oft wollte der Tag überhaupt kein Ende nehmen.
Über alle möglichen Dinge habe ich nachgedacht, doch nichts war mir klar. Es war, als wenn ein dichter Nebel zwischen dem Zuchthaus und zu Hause war. Die Vorstellungen entschwanden, sie waren sehr undeutlich, und dennoch versuchte ich immer wieder, mir alles klar vorzustellen. Wie gesagt, der Monat September war ein nervenaufreibender Monat. ...
Weil im Oktober sich für mich noch nichts ereignet hatte, machte ich mit dem Warten Schluss. Ich gab mir einen Ruck und ging wie besessen an die Arbeit. ...
Ich hatte erfahren, dass alle Gefangenen, die unter die Amnestie fallen, bis zum 29. November entlassen sein sollten. Das würde bedeuten, noch vier Wochen, und ich würde es endgültig wissen, ob ich diesmal dabei bin. ...

Es war Anfang November, als an einem Vormittag der Wachtmeister zu mir in die Werkstatt kam und mich aufforderte, sofort mitzukommen. Er brachte mich ins Zellenhaus. Dort wurde ich vor dem ,Stem' in ein Zimmer geführt.
In diesem Zimmer war ein Offizier von der Stasi. Er forderte mich auf, Platz zu nehmen. Zur Einleitung des Gesprächs stellte er sich als ein Beamter des Innenministeriums vor, vom Dezernat der Zeugen Jehovas. ...
"Wie stehen Sie heute zu Ihrem Glauben?"

"Wenn ich über meinen Glauben weiter spreche, verstehen Sie ganz etwas anderes, als ich es verstehe."
"Nein, Sie können mit mir so sprechen, wie Sie mit einem Ihrer Glaubensbrüder sprechen würden. Ich lese alle Publikationen, die die Wachtturm-Gesellschaft veröffentlicht. Auch lese ich alle Briefe, darum kenne ich mich mehr aus als mancher Bruder von Ihnen. Ich weiß, dass Sie kein Spion oder Kriegshetzer sind. Das mussten wir der Öffentlichkeit so sagen. Sie haben eine Weltanschauung und wir haben eine Weltanschauung, doch da wir regieren, müssen Sie sitzen, aber das kann sich ja ändern.

Wir könnten doch auch nebeneinander bestehen. Doch dazu müssten auch die Veröffentlichungen von Ihnen objektiv sein."
Er legte einen Stapel von Zeitschriften, sowohl vom Wachtturm, als auch einige neuere Ausgaben der Zeitschrift Erwachet auf seinen Schreibtisch. Dann gab er mir eine Erwachet-Ausgabe und forderte mich auf, sie mal zu lesen. ...
Doch dann, als ich meine Gedanken beendet hatte, forderte er mich auf, den Artikel "Berlin eine geteilte Stadt" in der Erwachet-Ausgabe aufmerksam zu lesen ...
aber schon nach ein paar Minuten unterbrach er und erläuterte das Thema.
Sicher kannte er jede Passage auswendig.

Er sagte: "Ich muss zugeben, der Artikel stimmt, wenn gesagt wird: Im Westen der Stadt gibt es sehr viel Lichtreklame und die Schaufenster sind voll mit Angeboten, doch kommt der Besucher nach dem Ostteil der Stadt, dann sieht er leere Schaufenster, dafür aber viele Parolen auf Transparenten.
Alles ist soweit richtig, nur es ist nicht ganz objektiv. Im Artikel hätte auch stehen müssen, dass die Miete im Hansaviertel für eine zwei Zimmerwohnung 350 DM kostet, dagegen in der Stalinallee 75 Mark. Das wäre eine objektive Berichterstattung. Doch unter keinem Artikel steht der Name vom Verfasser, und da meine ich, wenn Sie nun nach West-Berlin entlassen werden, könnten Sie doch einmal mit den Glaubensbrüdern dort sprechen, dass solche Berichte auch objektiv verfasst werden.
Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns von Zeit zu Zeit treffen und durch ein freimütiges Gespräch diese Dinge erörtern. Was meinen Sie dazu?

Nun wusste ich es, warum er die ganze Zeit so freundlich zu mir war.
Aber nun war ich an der Reihe. Was sollte ich zu ihm sagen? ...
In spätestens drei Wochen könnte ich zu Hause sein, aber durch dieses Gespräch könnte es auch noch ein Jahr länger dauern, wenn ich nicht nach seinem Willen antworten würde. Das musste ich mit in Kauf nehmen. Dabei waren die Spannungen auch so schon groß genug und natürlich der Wunsch, bald mit der Familie vereint zu sein. All das bestimmte das Denken und Handeln. ....

Meines Erachtens ist der Kaven-Bericht durchaus exemplarisch.
Die näheren Angehörigen von Kaven waren in den Westen übergesiedelt. Daher war Kaven nicht zu einer Entlassung nach Ostdeutschland bereit.
Dieser Umstand an sich, war für das Ostdeutsche Regime kein prinzipieller Hinderungsgrund. Auch andere wurden in den Westen abgeschoben. Warum also nicht auch Kaven!?

Zum Metier keineswegs "nur" der Stasi (sondern auch westlicher Geheimdienste) gehört die Differenzierung zwischen Angeworbenen auf einer gewissen Überzeugungsbasis und "Herausgebrochenen". Meines Erachtens ist Kaven solch ein versuchter Fall des "Herausbrechens". Wie er denn tatsächlich handeln würde, befand er sich dann wieder in Westberlin, ist ja eine völlig andere Frage.
Jedenfalls unternahm die Stasi auch in seinem Fall, aktive Schritte ihn als IM zu rekrutierten. Darüber kann es keinen Zweifel geben.
Es wäre blauäugig zu wähnen, der Fall Kaven sei ein "Einzelfall" gewesen. Es gab mit Sicherheit noch ein paar mehr solcher "Einzelfälle" auch unter den genannten 57 von der 1960er Amnestie profitierenden!

Wer dieses "Spiel" so nicht mitspielte der konnte das erleben war etwa Günter Rosenbaum auf einer Veranstaltung in Bautzen des Jahres 1997 etwa mit den Worten beschrieb:

"Bautzen war für mich, obwohl ich arbeitsmäßig recht gut arbeiten konnte - ich war im Konstruktionsbüro - arbeitsmäßig nicht überlastet. Aber es war für mich die härteste Zeit. Nach 10 Jahren, fast 11 Jahren kriegen sie gesagt, amtlich gesagt,
"Sie gehen jetzt bei der Amnestie nach Hause, Sie sind dabei. Lassen Sie den Einkauf denen, die hier bleiben müssen."
Und an dem Tag, an dem die Amnestiezeit zu Ende war, hieß es am ersten Tag:
"Die jetzt noch hier sind, sind eine Entlassung nicht wert." Und das zweimal innerhalb eines Jahres. Und das war dann der Hammer für mich, da war ich einem Nervenzusammenbruch wirklich sehr nahe. Das war das Schlimmste, weil man sich das kaum vorstellen kann - für mich. ..."

Der Fall Rosenbaum ist auch noch in anderer Hinsicht exemplarisch.
Als Zeuge Jehovas ließ er sich erst nach 1945 taufen. Gleichwohl war seine Jugend schon Zeugen Jehovas spezifisch geprägt. Er musste es miterleben, dass sein Vater im Nazi-KZ ermordet wurde. Er der Junior wollte "schlauer" sein. Dieses "schlauer sein" äußerte sich dergestalt, dass er sich freiwillig zur Naziwehrmacht meldete (Marine). Sein Kalkül dann musse er dort ja erst mal ein paar Ausbildungskurse absolvieren und könne so "Zeit herausschinden".
Nachstehend zwei Details als Tonaufzeichnung (bezüglich unbefriedigender technischer Qualität wird um Nachsicht gebeten).

Rosenbaum Bautzen mp3

Rosenbaum Bautzen 2 mp3

Bluttransfusion = Gemeinschaftsentzug
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 15. März 2011 06:20
Vor fünfzig Jahren
Bluttransfusion = Gemeinschaftsentzug

In der Rubrik "Fragen von Lesern" des Wachtturms" vom 15. 3. 1961 gelesen;

"Würde sich ein Gott hingegebener, getaufter Empfänger einer Bluttransfusion, der sich also einer Übertretung des diesbezüglichen Gebotes der Heiligen Schrift schuldig macht, einem Gemeinschaftsentzug aussetzen, der von der Christenversammlung ausgesprochen wird, weil es eine so ernste Sache ist, durch Bluttransfusion Blut in den menschlichen Körper aufzunehmen?"

Und als Antwort darauf meint der WT tönen zu sollen: "Die  WTG-Oligarchie antwortet darauf mit einem Ja."

[Sorry vorstehendes Zitat wurde in der Wortwahl verfremdet. Im Original steht anstelle WTG-Oligarchie "inspirierte Heilige Schrift" was wohl dem Bereich maßvoller Selbstüberhöhung im Stile der schlimmsten Päpste, vergleichsweise gleichzusetzen ist].
Man vergleiche zum Thema auch
1961er Rückblick zur Zeugen Jehovas Geschichte , wo auf diesen WT bereits eingegangen wurde.

Markige Worte
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 22. März 2011 03:05
Vor fünfzig Jahren
Markige Worte

Markige Worte kann man in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 3. 1961 vernehmen:

"Jehovas Zeugen lassen sich auf keine Kompromisse ... ein".

Was die im Zitat ausgelassenen Wörter anbelangt, so bestehen selbige in einem Hinweis auf die vermeintliche "Wahrheit" der Zeugen Jehovas.
Indes drängt sich Kritikern doch der dominierende Eindruck auf, was denn Jehovas Zeugen in ihren "Sonntagsreden" als "Wahrheit" zu titulieren pflegen, ist in nicht seltenen Fällen, noch nicht einmal das Papier wert, auf dem sie denn gedruckt sein mögen. Und dann weis man ja nicht zuletzt seit George Orwell, wie denn vermeintliche "Wahrheit" in der Praxis aussehen kann:

Winston Smith. Dieser ist Mitglied der 'äußeren Partei' und arbeitet im Wahrheitsministerium, wo er damit beschäftigt ist, die Geschichte umzuschreiben. Aus innerer Unzufriedenheit beginnt er gegen die Disziplin zu verstoßen, schreibt oppositionelle Gedanken in ein Tagebuch, treibt ziellos in den Vierteln der Proles herum und beginnt schließlich ein Verhältnis mit dem Mädchen Julia. Beide erklären sich bereit, gegen die Partei und den 'großen Bruder' zu arbeiten und gelangen daraufhin sehr schnell in die Folterkammer der Gedankenpolizei. Dort erfolgt die geistige Umkremplung von Winston Smith zu dem Bekenntnis 2 + 2 sei 5, er liebe den 'großen Bruder' und würde alles für ihn tun."
Das Ministerium für Wahrheit - Miniwahr in Neusprech - unterschied sich verblüffend von allem, was man sonst sah. Es war ein riesiges, pyramidales Gebilde aus schimmernd weißem Beton, das, Terrasse auf Terrasse, dreihundert Meter hoch in die Luft stieg. Von Winstons Standort aus konnte man eben noch die von der weißen Front in eleganter Schrift farblich abgesetzten drei Parolen der Partei lesen:

KRIEG IST FRIEDEN
FREIHEIT IST SKLAVEREI
UNWISSENHEIT IST STAERKE


Das Ministerium für Wahrheit beherbergte, so erzählte man sich, dreitausend oberirdische Räume und eine entsprechende Anzahl unterirdischer Verästelungen. Über ganz New York verteilt

Neusprech war die Amtssprache in Brooklyn.

Gelegentlich, vielleicht zweimal die Woche, ging er (Winston Smith) in ein staubiges, vernachlässigt wirkendes Büro im Ministerium für Wahrheit und erledigte ein wenig Arbeit oder das, was so genannt wurde. Man hatte ihn in ein Unterkomitee eines Unterkomitees berufen, das einem der zahllosen Komitees entsprossen war, die sich mit den kleinen Problemen befaßten, die bei der Erstellung der elften Auflage des Neusprechwörterbuchs auftauchten. Sie waren mit der Abfassung eines sogenannten Zwischenberichts beschäftigt, doch worüber sie da eigentlich Bericht erstatteten, hatte er nie herausgefunden.
Es ging irgendwie um die Frage, ob Kommas innerhalb oder außerhalb der Klammern gesetzt werden sollten. Zum Komitee gehörten noch vier andere Mitglieder, die ihm ähnlich waren. Es gab Tage, da versammelten sie sich und zerstreuten sich dann gleich wieder, weil sie voreinander offen eingestanden, daß für sie eigentlich nichts zu tun war. Es gab jedoch andere Tage, da gingen sie beinahe mit Feuereifer an die Arbeit und machten viel Aufhebens davon, ihre Sitzungsprotokolle zu erstellen und lange Memoranden abzufassen, die sie nie zu Ende brachten - da wurde die Debatte darüber, worüber sie eigentlich debattierten, außerordentlich verwickelt und abstrus, mit subtilen Streitereien über Definitionen, ungeheuren Abschweifungen, Zänkereien, ja sogar mit Drohungen, sich an eine höhere Autorität zu wenden. Und ganz plötzlich wich dann alles Leben aus ihnen, und sie saßen um den Tisch und blickten einander mit erloschenen Augen an, wie Gespenster, die beim ersten Hahnenschrei verblassen. ..."

Zurückkehrend zum Zitat aus "Erwachet!":

"Sie (Jehovas Zeugen) verlangen keine Gnade im Kampf gegen den satanischen Irrtum; sie gewähren keine Gnade und wollen auch keine Gnade."

So so, das mit dem "wollen auch keine Gnade" hat sich dann wohl inzwischen dramatisch verändert, wovon auch der WTG-Kampf um die "süßen Früchte des KdöR-Himmels" vielfach kündet.
Was sich indes wohl in der Substanz (außer vielleicht in die Substanz vernebelnde "schöne" Worte) nicht verändert hat ist das Ziel der "Beraubung der Ägypter". Selbstredend kann sich die Verwendung biblischer Allegorien verändern.
Man sah es exemplarisch an den Auslegungen zum Thema "Nord- und Südkönig", welche in den verschiedenen Auslegungen, auch in verschiedenen Personifizierungen daher kamen, getreu dem Motto eines (wohl nicht nur "eines") anderen Herrn:

"Was ich interessiert mich mein Gewäsch von gestern?"

Nur das Motto eines anderen Herrn? Wohl kaum, wie denn die Praxis vielfältig belegt.
Insofern mag der Rückgriff auf Rutherfords These der
Beraubung der Ägypter , im formal-juristischem Sinne nicht mehr aktuell sein.
Das aber dann wirklich nur im formalen Sinne.
Einen aggressiven Geist atmet auch der in der gleichen Ausgabe angedruckte Artikel "Wie Gott seine Kinder züchtigt".
Er plädiert sehr wohl auch für die körperliche Züchtigung

Einem Geist der Aggressivität ist sicherlich auch die "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 1. 1961 über "Die katholische Kirche im 20. Jahrhundert" zuortbar.
Die Geschichte der Catholica bewerten mit Sicherheit noch ein paar andere, kritisch bis sehr kritisch.
Stellvertretend sei nur Karlheinz Deschner mit seinem "Mit Gott und den Faschisten" genannt.
Aber vielleicht macht auch bei diesem Themenkomplex der "Ton die Musik".
In "Erwachet!" vom 22. 3. 1961 gibt es dann dazu noch WTG-seitig einen Jubelbericht, wie sich das ganze auch als fulminantes Geschäft für die WTG entwickelte.

Man vergleiche voran gegangen auch die Jubelberichte dazu
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89437,89904#msg-89904
08. Januar 2011 02:
Auch noch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,90661,90661#msg-90661

Das Schreckgespenst "Materialismus"
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. April 2011 06:07
Vor fünzig Jahren
Das Schreckgespenst "Materialismus"
Nachdem das "Jahrbuch 1951" der Zeugen Jehovas die letzte deutschsprachige selbigen war, weil Mister Moneymaker (WTG-Präsident N. H. Knorr) befand, nun aber "rechnet" sich ein weiterer Druck einer deutschprachigen Ausgabe nicht mehr; dieweil durch das Ostdeutsche ZJ-Verbot, ein großer Teil vorheriger Käufer selbigen weggebrochen war. Erst 1962 wurde dann wieder der Druck einer deutschsprachigen Ausgabe aufgenommen.
Zwar kann ich das nicht weiter belegen, indes könnte ich mir vorstellen, dass anlässlich des Hamburger ZJ-Kongresses, eine Ankündigung über die Neuaufnahme des Druckes einer deutschsprachigen Jahrbuch-Ausgabe, wieder mal die obligaten Jubelstürme auslöste, welche bei solcherlei Ankündigungen, mit in die Regie solcher Kongressveranstaltungen, fest eingeplant zu sein pflegen.
Man höre sich doch noch mal das Tondokument an, welches es da bezüglich eines der anderen WTG-Bücher gibt.
Hurenmund.mp3
Dennoch gab es neben der weiter erscheinenden englischsprachigen Ausgabe, hin und wieder auch einige Auszüge daraus gedruckt, im deutschsprachigen "Wachtturm". So auch in dessen Ausgabe vom 1. 4. 1961, bezugnehmend auf das 1961er Jahrbuch.
Darin dann auch ein Bericht über die WTG-Tätigkeit in Westdeutschland.

Selbiger hat denn auch so einen markanten Klagesatz. Und zwar den:

"Auch der Materialismus - das in der ganzen Welt gepriesene "deutsche Wirtschaftswunder" - verschlingt wie ein unersättliches Raubtier seine Opfer."

Zu dieser Aussage gilt es dann wohl auch zu beachten, dass es mal eine Zeit gab, wo sich die WTG erdreistete, den einfachen Versammlungsverkündigern eine Quote von sechzig Stunden Predigtdienst pro Monat ("Pioniere" gar noch entsprechend mehr), als Richtwert vorzugeben.
Zwar war das zeitlich die Zeit des zweiten Weltkrieges, und umständehalber wohl mehr auf solche Länder wie die USA, England und auch die Schweiz ausgerichtet. Gleichwohl verdeutlicht diese Quote durchaus die unersättliche Gier der WTG.
Diese hohe Belastung lies sich nicht dauerhaft aufrecht erhalten, und so musste denn die WTG nach 1945 diesbezüglich zurückstecken. Aber der Antreibergeist der WTG blieb ungebrochen weiter wirksam.

Und in den ersten Jahren nach 1945 opferten in der Tat viele ZJ noch einen Zeiteinsatz, der sich wohl nur geringfügig von den Antreibersätzen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges unterschied.
Aber je länger die Nachkriegszeit nach 1945 währte, um so mehr ging auch der Zeiteinsatz pro Person zurück, was die WTG immer wieder mal mit entsprechenden Antreiberkampagnen ändern wollte, es letztendlich dauerhaft, dennoch nicht vermochte.
Der Frust der WTG-Funktionäre äußert sich dann eben auch in solchen Polemiken gegen den "Materialismus".
Konnte man genannte sechzig Stunden-Forderung auch nicht wieder aufnehmen, witterten die WTG-Funktionäre alsbald andere "fette Beute".

Namentlich Jugendliche, auch und nicht zuletzt Frauen, gerieten da in ihr Visier.
Haben Frauen in den Zeugen Jehovas-Versammlungen, ansonsten auch nicht sonderlich viel zu "melden". Bezüglich des von der WTG gewünschten "Predigtdienstes" indes sind sie ihnen sehr willkommen.

Und da wird durchaus eine psychologisches Anforderungsprofil aufgebaut etwa dergestalt, auf Halbtagsbeschäftigungen im Berufsleben zu orientieren, um so eben mehr Zeit für die WTG-Tätigkeit abzweigen zu können.
Zwar muss man sich in solchen Fällen, durchaus den Individualfall näher ansehen.
Sollte ein gutverdienender Ehemann vorhanden sein, kann der ja so auf indirektem Wege, die WTG-Tätigkeit mit "querfinanzieren".
Indes ist es wohl auch so, dass der WTG-Forderungskatalog, keineswegs das Kriterium eines gutverdienenden Ehepartners voraussetzt. Die wirtschaftliche Situation ist der WTG mehr als "schnurzpiepe". Was die WTG einzig und allein interessiert, ist ob sie Betörte finden kann.
Und sollten die als Preis dafür den Preis einer Hungerexistenz zu zahlen haben. Wen das zu allerletzt "interessieren" würde, das wäre die WTG.

Nun ist das leben nicht statisch, es gibt Veränderungen. Auch das Faktum von Ehescheidungen beispielsweise, macht im Einzelfall vor Zeugen Jehovas nicht halt. Was auch immer dann die tieferliegenden Ursachen dafür sein mögen.
Namentlich in solchen Fällen zeigt sich dann auch wieder einmal die WTG-Fratze der "Beraubung der Ägypter" .

Ehescheidungen können so oder auch anders ablaufen.
Der relative "Glücksfall" ("Glücksfall" in Anführungsstrichen) wäre wohl ein sachlicher Interessenausgleich möglichst unter Hintenanstellung von Emotionen.
Auch das ist die bittere Wahrheit. Solche relativen "Glücksfälle" sind wohl sehr, sehr rar gesät.
Dafür gibt es dann um so mehr die Fälle im Geiste der "Beraubung der Ägypter".
Die Räuber sind da dann ganz offenkundig, die vom WTG-Geiste infiszierten!

Kehren wir zum Bericht aus dem 1961er ZJ-Jahrbuch zurück. Was die WTG denn so gerne hätte, pflegt sie dann ja nicht selten in Form von "Demonstrationen" oder auch in der Form Jubelberichten, über von ihr Betörte, unters eigene Volk zu bringen.
Auch in der genannten WT-Ausgabe, die einerseits den ominösen "Materialismus" als Schreckgespenst aufbaut, gibt es solch einen im WT-Sinne Jubelbericht.
Und mit seiner kommentarlosen Zitierung, mag dann ja diese Betrachtung ihren Abschluss finden.

Vertrauensvorschuss - wofür?
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. April 2011 06:41
Vor fünfzig Jahren
Vertrauensvorschuss - wofür?

Markigen Worten begegnet man in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 4. 1961.
In der Sache, hat die WTG Aussagen der Art dann verschiedentlich wiederholt, offenbar, weil sie es nötig hat!
So unter anderem bekanntermaßen auch im "Unser Königreichsdienst" September 2007

Oder auch in diesem Tondokument
Aber davor eben auch schon in der genannten "Erwachet!"-Ausgabe

 

Die WTG erwartet als von den ihr Hörigen, einen nicht zu hinterfragenden Vertrauensvorschuss.
Sie möchte also sich nicht konfrontiert sehen mit dem, was schon in 5. Mose 18 lesbar ist

Nun soll zwischen "frommen Wünschen" und der Wirklichkeit, nicht selten eine Diskrepanz bestehen.
Um einen Vergleich zu wählen.
In demokratischen Ländern gibt es ja in der Regel, mehrere politische Parteien. Sicherlich sähe es jede dieser Parteien gerne, würde sie bei Wahlen möglichst viele Stimmen kassieren, und die Konkurrenz möglichst wenige. Sofern es sich nicht um faktische Diktaturen handelt, welche sich dann ja auch manchmal das Mäntelchen "demokratisch" umzuhängen, pflegen vorgenannte "fromme Wünsche" eben nicht in Erfüllung zu gehen.

Gleichwohl verfügen die jeweiligen Parteien - in der Regel - über einen gewissen Stammwähleranteil, welcher sich auch dann nicht sonderlich irritieren lässt, sollte einmal der betreffenden Partei, der Wind besonders stark ins Gesicht blasen.
Insofern ist es wohl vergebliche Liebesmühe, solchen Verbohrten, auf argumentativem Wege "beikommen" zu können. Deren "Damaskuserlebnis" mag vielleicht erst dann eintreten, häufen sich bei ihnen einige Individualerfahrungen an, die dann letztendlich zu einer Neuorientierung führen können.

Von außen an ihre Ohren gelangende Kritik, mag da in 98 Fällen, nichts sonderliches zu bewirken. Beim 99. Fall indes mag es schon etwas anders aussehen.
Auch für diesen "99.Fall" gilt dann. Es sind in erster Linie eigene angestaute Erfahrungen, die dann eine Neuorientierung bewirken können; nicht aber die von außen vernommene Kritik im "99. Fall". Die mag lediglich eine flankierende Rolle dergestalt wahrnehmen, das eigene angesammelte Unbehagen "aufzuarbeiten" und vielleicht auch die dem zugrunde liegenden Mechanismen, nunmehr besser zu begreifen.

Es wäre töricht, zu wähnen, es könnte im Falle der WTG anders sein. Es ist nicht anders.

Was denn solch ein Umdenken im "99. Fall" mit bewirken könnte (als einem Beispiel) dafür findet man in der genannten "Erwachet!"-Ausgabe selbst ein Veranschaulichungsbeispiel.
Da entblödet sich die WTG auch einen Artikel zu publizieren mit der Überschrift "Wie man eine Halbtagsarbeit sucht".

Der Aspekt Halbtagsarbeit wird von der WTG nicht deshalb abgehandelt, weil vielleicht familiäre Belastungen, eine solche Option angezeigt sein lassen, oder weil vielleicht gesundheitliche Einschränkungen das nahelegen. Diese möglichen Gründe interessieren die WTG einen "feuchten Kehricht".
Es geht ihr einzig und allein nur darum, die ihr Hörigen, für die WTG-Interessen zu motivieren, sich für selbige weiter zu verausgaben.
Und Praxisbeispiele dafür gibt es etliche.

Auch die meisten Industriesstaaten, pflegen kaum mit einem "Schlaraffenland" identisch zu sein. Im wirtschaftlichen Überlebenskampf wird mit harten Bandagen hantiert.
Entscheidet sich einer also vorsätzlich für eine Halbtagsbeschäftigung, bedeutet das in der Regel auch ein halbiertes Einkommen.
Und die Kriterien, nach denen sich wirtschaftliche Einkommens"höhen" zu staffeln pflegen, sind keineswegs am Individualbedarf orientiert, sondern nach knallharten Martwirtschaftlichen Aspekten.

Es ist vielfach auch nicht mit der "bloßen Halbierung" des Einkommens abgetan. Hinzu kommt nicht selten, dass für jenes Mini-Einkommen noch niedrigere Sätze zugrunde gelegt werden, als bei vergleichsweiser Vollbeschäftigung. Mag es vielleicht dünn gesäte Ausnahmen geben. Die Regel sind diese Ausnahmen dann nicht.

Häufig anvisiertes Ziel der WTG sind dann ja noch besonders jüngere Menschen.
Man kann nur im Eigeninteresse des 99. Fall hoffen, das deren "Damaskuserlebnis" nicht gar zu spät, dann aber wirklich zu spät einsetzt.
Eine Marktwirtschaftliche Struktur kennt kein Erbarmen.
Und sollte der Preis der späten Erkenntnis dann das eigene Verrecken sein, wird es sehr viele geben, die das Schicksal des zum verrecken Verurteilten, ebenfalls einen feuchten Kehricht schert!

Julius Wellhausen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. April 2011 00:55
Vor fünfzig Jahren
Julius Wellhausen

In der als Sonderausgabe aufgemachten "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 4. 1961, muss in der Form negativer Reverenz, die WTG einem Vertreter der Konkurrenz, selbige erweisen. Und zwar dem seinerzeitigen Theologen Julius Wellhausen.
Das ist schon mal dergestalt ungewöhnlich, als der 1844 geborene Wellhausen bereits 1918 verstorben ist. Dennoch meint der WT des Jahres 1961 (und sei es nur in Zitatform), seinen Lesern besagten Herrn Wellhausen als Buhmann kredenzen zu können.
Unter Berufung auf einen wohl englischsprachigen Autor namens W. F. Albright, zitiert der WT genüsslich dessen "Wellhausen-Zerriss".
Besagter Herr Albright wird vom WT mit der Aussage bemüht:

"Bibelkritiker haben unter der Führung von Wellhausen die geschichtliche Echtheit der Bibel von Anfang bis Ende angegriffen, aber Amerikas führender Archäologe spricht davon, daß "die Theorie Wellhausens unter der Wucht neuer Kenntnisse über das Altertum total zusammengebrochen sei."

Es wurde in vorstehendem Zitat schon mit genannt das Stichwort "Bibelkritiker". Ein solcher sei halt also auch der Herr Wellhausen gewesen, und bei dieser Spezies versteht der WT bekanntermaßen, keinen Spaß. Und man wähnt halt, dass auch amerikanische Archäologen, besagten Herrn Wellhausen widerlegt hätten.
Immerhin muss dieser Wellhausen dann doch wohl einiges zu Papier gebracht haben, dass er es schaffte, noch etliche Jahre nach seinem Tode, amerikanischen Archäologen die Wutfalten auf die Stirn zu zaubern.

In dem WTG-Buch "Die Bibel Gottes oder Menschenwort" kann man zu Wellhausen noch die weitere Erläuterung lesen:

"Ernsthaft wurde die höhere Kritik seit dem 18./19. Jahrhundert betrieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte der deutsche Bibelkritiker Julius Wellhausen die Theorie populär, die ersten sechs Bücher der Bibel bis einschließlich Josua seien im 5. Jahrhundert v. u. Z. geschrieben worden - also etwa tausend Jahre nach den geschilderten Ereignissen. Allerdings behauptete er, diesen Büchern lägen früher geschriebene Quellen zugrunde ...

Wellhausen und seine Anhänger betrachteten den gesamten geschichtlichen Aufschluß im ersten Teil der Hebräischen Schriften "nicht als wahrheitsgetreue Geschichte, sondern als populäre Überlieferungen aus der Vergangenheit". Die frühen Berichte hielten sie lediglich für eine Reflexion oder ein Spiegelbild der späteren Geschichte Israels.
Zum Beispiel behauptete man, die Feindschaft zwischen Jakob und Esau habe in Wirklichkeit nie bestanden, sondern die Geschichte darüber spiegle lediglich die in späteren Jahren herrschende Feindschaft zwischen den Nationen Israel und Edom wider. ...

"Die Wellhausen-Schule ging von der reinen Annahme aus (die sie selten zu belegen suchte), Israels Religion sei, wie jede andere, menschlichen Ursprungs und infolgedessen als Evolutionsprodukt zu werten."
Mit anderen Worten:
Wellhausen und seine Anhänger gingen von der Annahme aus, die Bibel sei bloß Menschenwort, und auf diese Ansicht gründeten sie ihre Argumentation.

Selbstredend kann ich zu archäologischen Kontroversen im strengeren Sinne - mangels eigener Kompetenz - nicht Stellung nehmen.
Nur, vergleiche ich die WTG-Aussagen über Wellhausen in ihrem vorgenannten Buch, mit der entsprechenden Aussage aus dem 1961er WT, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren.
Die Einführung des Begriffes Archäologie in die Wellhausen-Kontroverse, gleicht eher dem werfen von Nebelkerzen!
Bestreitet Wellhausen einen göttlichen Ursprung des Bibelberichtes, räumt aber andererseits ein, dem heutigen Bibelbericht lägen auch (frühere) Quellen zugrunde, welche man halt jetzt in überarbeiteter Form zur Kenntnis nehmen kann, was hat das denn nun mit Ärchäologie gemein?

Unter Archäologie würde ich eher zum Bespiel Ausgrabungen alter Baulichkeiten und ihre Definierung verstehen. Nicht jedoch die Grundsatzfrage, ob es denn "inspirierte" Bibelschreiber gab, oder nicht. Das sie mal was geschrieben haben, kann ja wohl nicht strittig sein und bestreitet auch Wellhausen nicht.
Ein heutiger Romanschreiber pflegt ja für sein Sujet auch gewisse Grundlagen zu nutzen. Dazu können auch ältere Berichte gehören, welche er in seinem Sinne be- und verarbeitet.
Genau darauf beschränkt sich der Punkt in der Wellhausen-Kontroverse.
Mit "Archäologie" im strengen Sinne hat das wohl kaum - bis nichts zu tun!

Man vergleiche auch die Charakterisierung, welche die erste Auflage des Lexikons "Die Religion in Geschichte und Gegenwart" diesem Wellhausen widmete.

Das die WTG mit Leuten vom Typus Wellhausen auf Kriegsfuss steht, ist ja durchaus nachvollziehbar.

WTG-Credo ist das künstliche Aufkochen von Eschatologie-Erwartungen. Im Bewusstsein, derart betörte lassen sich besonders gut ausbeuten, die opfern sogar fallweise für die WTG-Illusionen das eigene Leben, was man dann ja unter anderem im Naziregime oder auch beim Blutthema "bewundern" kann. Die künstliche Forcierung solcher Verblendung, wird die WTG wohl kaum freiwillig aufgeben. Im Bewusstsein dessen, wird sie aufgegeben, befindet sie sich in der vergleichsweisen Situation des "Simson" im Bibelbericht, der durch das Scheren seiner Haarpracht dann seine wundersame Kraft verloren haben soll.

Exemplarisch studierbar auch am Videoauftritt des WTG-Funktionär Lösch in Italien.
Mag man dem Gründer der WTG-Religion Russell noch "zugute halten", der war halt ein verblendeter Narr.
So gilt für die Lösch und Co. Das sind vorsätzliche Lügner, die wieder besseres Wissen agieren!
Geschäft sei halt Geschäft. Und der Geschäftsgrundsatz ist ja ohnehin in den USA höchstes Evangelium
Und solche Karrieristen wie Lösch die es dann auch in die USA verschlagen hat, haben eines vor allem gelernt.
Ihr "Gewissen" sofern sie denn je ein solches gehabt haben sollten, mit einem "Brenneisen gehärtet zu haben", zugunsten des Ami-Evangeliums. Das Geschäft über alles!

Ergo werden alle diejenigen, welche in der Lage sind, die WTG-Thesen zu relativieren, von dieser stigmatisiert, was dann ja auch für diesen Fall zutreffend ist.
Gesetz der Fall, Wellhausen hat mit mit seinen Thesen "überzogen" wäre schon die Frage des Detailnachweises begründeter Art zu stellen. Diese Beweisführung von der WTG indes zu erwarten, wäre zuviel erwartet.
Für selbige ist der Fall Wellhausen allenfalls als "Buhmann" interessant, wobei der Wahrhrheistgehalt solcher Stigmatisierung, für die WTG keinerlei relevante Rolle spielt.

Ist diese vermeintliche "Widerlegung" auf einem Spezialgebiet der "ultmative" Beleg, das die WTG auf allen anderen Gebieten im Recht wäre?
Zumindest mir würde es mehr als schwer fallen, das eventuell zu "bejahen".

Aber offenbar haben sich noch ein paar andere Typen und das schon etliche Jahre früher, auch mit besagtem Herrn Wellhausen auseinandergesetzt.
Einer für den das auch zutrifft ist der altkatholische Pfarrer Walter Küppers (welcher auch unter dem Pseudonym "Johannes Walther" publizierte.)
Und Küppers ist in hiesiger Sicht nicht "irgendwer", sondern einer welcher zeitgenössisch, schon etliche von Charles T. Russell bekannte These diesem klaute, mit dem Unterschied.
Küppers auch über einen Doktortitel verfügend, wollte "genauer" als Russell sein.
Sagte Russell (ohne Doktortitel) 1914 sei "es soweit"; so sagte der vermeintlich "genauere" Küppers (mit Doktortitel): Nein 1912 sei es "schon".
Indes im Rückblick haben sich die Thesen beider Herren - nochmals wiederholt beider, als Schrott erwiesen, egal ab der eine sich nun "Doktor" nannte und der andere eben nicht.
Und da mag es ja nicht uninteressant sein zu sehen, wie besagter Herr Küppers, sich nun seinerseits mit dem Herrn Wellhausen auseinandersetzte.

Ein relevante Schrift dazu ist sicherlich die im Jahre 1910 von Küppers (unter seinem eigentlichen bürgerlichen Namen) publizierte, mit dem etwas spröden Titel:
"Das Alte Testament und die neueste Forschung
Eine Übersicht über den Stand der Frage".
Da aber besagter Herr Wellhausen wohl auch und besonders das sogenannte Alte Testament im Visier hatte, kann man ja durchaus nachvollziehen, wenn ihm Küppers in vorgenannter Form "antwortete".
Seine wesentliche Grundthese bringt Küppers schon auf Seite 3 seiner Schrift zu Papier, wenn er darin schrieb:

Der "Verfasser hat selber lange Zeit im Banne dieser Geistesrichtung gestanden und ist darauf stolz gewesen, wie andere es heute noch sind. Erst ganz allmählich ist er durch Gottes Gnade zu der beglückenden Erkenntnis gekommen, daß nicht nur das Neue, sondern auch das Alte Testament uns zuverlässige historische Berichte bietet.
Hier sollte nur dem so verhängnisvollen Wahn, als sei das Buch der Sucher mehr oder weniger ein Märchenbuch, mit einem klaren Nein entgegengetreten werden."

Also auch Herr Küppers teilt mit, er selbst sei dann ja mal vom "Saulus zum Paulus" geworden.
Immerhin räumt er ein, zumindest zeitweise, mit im Bann der Wellhausen'schen Thesen gestanden zu haben.

Weiter meint Herr Küppers aus seiner Sicht als Insider berichten zu können:

"Es hat sehr lange gedauert, bis sich die Theologie zur vollen Erkenntnis dieses frommen Betruges, wie man sagt, hat durcharbeiten können. Doch als vor etwa dreißig Jahren Wellhausen frank und frei so lehrte, da stellte sich bald einer nach dem andern von den Professoren mehr oder weniger auf seinen Boden. Selbst die, die diese Lehre im großen und ganzen bekämpfen zu müssen glaubten, wagten so gut wie nie, an Mose und Josua, oder gar an Abraham, Isaak Jakob noch völlig festzuhalten."

Da kann ich mir dann doch die Zwischenbemerkung meinerseits nicht ersparen.
Bestreitet einer also die Existenz eines "Mose und Josua, oder gar an Abraham, Isaak Jakob", der andere hingegen sagt das Gegenteil.
Dann ist das eine Frage die mich jedenfalls, nicht sonderlich umtreiben kann. Jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass die zu heutigen Gegenwartsfragen, sonderliches betragen kann.
Denn auch besagte Herren haben keinerlei brauchbare Rezepte hinterlassen, wie man vielleicht den wie einige meinen, Sackgassenweg Atomenergie hätte vermeiden können.
Es sei denn man sieht deren damaliges Kienspanfeuer als "Alternative" an.

Dieser Streit um des Kaisers Bart, ob denn besagte Herren mal gelebt haben oder nicht, hat denn wohl dieselbe "Qualität", wie der, ob der Mond nun aus grünem Käse besteht, oder eben doch nicht.
Und weiter Küppers in seinem Statement:

"Begann unter Wellhausens Führung ein Ansturm auf das Alte Testament, wie ihn die Welt bis dahin nie erlebt hatte. Wer damals, also in den neunziger Jahren, Theologie studierte, mußte den Eindruck gewinnen, als sei das Alte Testament sofern es eine Sammlung von Geschichtsurkunden sein will, ein für allemal erledigt sei."

Küppers untermauert dann seine These auch noch mit der Aussage:

"Den klarsten Standpunkt gegen die Bibel hat Voltaire, der Vater der sog. Aufklärungsbewegung, eingenommen. Er sagt:

"Wenn sich vor meinen und zehntausend anderen Augen auf dem Marktplatz von Paris ein wirkliches Wunder vollzöge, so würde ich lieber an meinen und den zehntausend anderen Augen zweifeln, als an das Wunder glauben."

Solche Leute sind natürlich mit der Bibel fertig; Gründe brauchen sie dazu weiter keine."  (S. 6)

Aber Küppers wähnt doch noch einen Trostbonbon entdeckt zu haben, und zwar den:

"Ja, gerade Voltaires Haus in Paris hat man sich auserwählt, um es zu einem Mittelpunkt des internationalen Vertriebs von Bibeln umzugestalten!" (S. 7)

Ein weiterer Trostbonbon ist für Küppers dann noch die dem Russell geklaute Pyramidentheorie. Zwar gab er diesem Diebstahl nicht offiziell zu, de facto war es aber ein solcher.
Auch bei diesem Beispiel ist dann die Geschichte nicht stehen geblieben. In Sonderheit dergestalt, dass die WTG-Nachfolger des Russell von dem Pyramidengewäsch des Russell, heutzutage auch nichts mehr wissen wollen.
Unter Berufung auf andere Eschatolgie-Spinner, etwa Guiness leitet dann Küppers
zu sich selber über, indem er auf seine einschlägigen Aufsätze in der eschatologisch orientierten Zeitschrift "Das Prophetische Wort des Herrn Ströter" verweist, die er denn als "gehaltvoll" eingestuft wissen will. Deren besonderer "Gehalt" bestand dann wohl in der "Königsthese" des Wunderjahres 1912 (was Russell eben für 1914 wähnte).
Zur Publizistik von Küppers in "Das Prophetische Wort, siehe auch:
Forumsarchiv A 14

In der vorgenannten Küppers-Schrift äußert sich das dann schon mal in der weiteren These:

"Indes die Zeit ist nicht mehr fern, da man in dem verachteten Buche Daniel die Krone aller alttestamentlichen Offenbarung erkennen wird." (S. 31)

Es ist bekanntermaßen mit Jüngern vom Typus Küppers und Co, schwer zu disputieren.
Nachdem 1912 "ins Wasser fiel" war deren nächstes Strohalmjahr das Jahr 1933 , das sie aber schon im voraus ankündigten. Indes dass in jenem Jahre dann der Braunauer die politische Macht an sich reißen konnte, unter anderem deshalb, dieweil die Catholica wesentliche Steigbügelhalterdienste leistete, etwa durch die Selbstauflösung des Zentrums, womit der Weg für Hitler zur offenen Diktatur frei war.
Ob diese tatsächlichen Geschehnisse indes auch aus dem Buche Daniel schon herausgelesen werden konnten.
Darüber hüllen sich die Spinner vom Typus Küppers, und auch ihre heutigen Enkel, lieber in Schweigen.

Exkurs: Franz Griese
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. April 2011 01:14
Religionskritische Strömungen gibt es sicherlich nicht erst seit "heute".
Die Kirchen "jubelten" (jubelten sie wirklich) zu Nazizeiten, das selbiges dem organisierten Freidenkertum, namentlich wegen seiner Sozialdemokratischen Tendenz (und da dieses kein Monolithischer Block war) teilweise auch kommunistischer Tendenz. Das also das Naziregime dem organisatorischen Freidenkertum auch den Garaus beschert hatte.
Sollten sich Anfangs 1933 noch die Kirchen ob dieser Entwicklung gefreut haben, so verging ihnen aber alsbald dieses "Freudegefühl".

Politik der Nazi orientierten sogenannten "Deutschen Christen" zu damaliger Zeit war, auch eine "Einheitskirche" zu schaffen. So wie der "Führer" auf politischem Gebiete allen anderen Parteien den Garaus beschert hatte; diese Vision hatten besagte "Deutsche Christen" auch fürs evangelische Spektrum.
Nur noch eine "Reichskirche" unter einem strammen Nazibischof von Hitlers Gnaden.
Und zur Durchsetzung dieses Zieles war man auch nicht zimperlich. Da wurde schon mit massiver Verwendung der Staatsgewalt, den Widerstrebenden das fürchten gelehrt.
Auch wenn da mancher wirklich das fürchten gelehrt bekam, bedeutete das indes nicht, dass die "Deutschen Christen" auch ihr Ziel tatsächlich erreichten.
Namen wie Karl Barth und Martin Niemöller, stehen beispielhaft für das sich dem "Deutschen Christen" in den Weg stellen.

Eine Kundgebung der "Deutschen Christen" im Berliner Sportpalast, im November 1933, brachte dann das "Fass zum überlaufen". Genug Praxiserfahrung mit den "Deutschen Christen" hatte dann ja so mancher Kirchenmann bis dahin selbst gesammelt, auch diejenigen, die eigentlich den "Deutschen Christen" mal wohlwollend gegenüberstanden.

Auch im Naziregime galt. Nur der Erfolgreiche ist gefragt. Der "Erfolg" indes verließ zusehends die "Deutschen Christen". Und die Skandalisierung trat dann mit besagter Sportpalastkundgebung und den Folgewirkungen ein. War schon so mancher Kirchenmann, vor der "Sportpalastkundgebung" ziemlich hoch auf der "Wutpalme" hochgeklettert, bewirkte diese Kundgebung nun, das auch noch die allerhöchste Spitze der "Wutpalme" erklommen wurde.

Auch das Naziregime konnte nun - widerwillig - nicht länger mehr seine Augen vor diesem Umstand verschließen. Es musste notgedrungen, die vorherige staatliche Protektion der "Deutschen Christen" zurückfahren, da man auch Naziseitig einsehen musste:
Denen ist aber kein tatsächlicher Erfolg beschieden.
Symptom dieser veränderten Gemengelage, war dann Anfang 1934 die Einladung etlicher Kirchenführer zu einem Empfang bei Hitler.

Unter den Eingeladenen auch einer der Wortführer der Opposition gegenüber den "Deutschen Christen", der schon genannte Martin Niemöller. Mit dem allerdings spielten die Nazichargen dann noch ein spezielles "Spiel".
Bei besagtem Empfang verlas dann der mit anwesende Göring, ein abgehörtes Telefonat von Niemöller.
Ergebnis: Sämtliche anwesende Kirchenführer, "schissen sich nun vor Angst in die Hosen" (bildlich gesprochen). Keiner wagte es, sich bei diesem Anlass, mit dem dann doch wohl arg mitgespielt wordenden Niemöller, zu solidarisieren.
Mit diesem Eklat ging dann dieser Empfang zu Ende, und die theoretisch angedachte "Versöhnung" der feindlichen Gruppen rückte noch in weitere Ferne.
Damit war für das Naziregime der Punkt erreicht, vorherige Protektionen von Teilen der Religionsindustrie, nunmehr endgültig ad acta zu legen.

Noch Jahre danach, geisterte auch in Nazikreisen, beim Erinnerungsschwelgen jener Eklat umher.
Rosenberg etwa notierte unterm 19. 1. 1940 in seinem Tagebuch dazu:

"Der Führer schilderte dann den Empfang der Kirchenführer, auf dem die "Bekenntnistreuen" und die "deutschen Christen" sich vor seinen Augen fast wegen der Deputate geprügelt hätten. Er ahmte dann die salbungsvollen Redensarten Niemöllers nach, dessen vorheriges im Matrosenjargon (geführtes) Telefongespräch der Führer sogleich verlesen ließ: Folge peinliches Zusammensinken der Brüder.

Jetzt schlug die Stunde allerlei religionskritischer Strömungen, (außerhalb der sozialistisch orientierten Kreise), die nun Morgenluft wittern konnten.
Unter diesen Gruppierungen auch (und keineswegs an letzter Stelle), die Ludendorfferianer.
Waren die zwar nach dem mißglückten Hitlerputsch der 1920er Jahre auch in zunehmende Opposition zu den Nazis geraten, so basierte diese Opposition, eher in der unterschiedlichen Bewertung, wie die Tagespolitik auszusehen haben. Weitaus weniger indes in weltanschaulichen Belangen.

Beide: Nazis und Ludendorfferianer waren beispielsweise militante Antisemiten. Die Ludendorfferianer vielleicht sogar noch ein "Zacken schärfer" als die Nazis, und dass will schon einiges heißen.
In dieser Gemengelage, dass dem Naziregime der Kirchenkampf zusehends zu schaffen machte (namentlich seine Kommentierung im Ausland), bekamen auch die Ludendorfferianer wieder mehr Spielraum.

"Hohepriesterin" jener Truppe die famose Mathilde Ludendorff (geborene Spiess). Die strotze förmlich vor Selbstgefälligkeit über ihre "überragende Bedeutung", die man berechtigt, durchaus anders sehen kann.
Zu ihren Kindheits und Jugenderinnerungen gehörte dann auch die, das ihr Vater als Übersetzer der Schriften des Dreieinigkeitskritkers Michael Servet (er übersetzte noch weiteres, etwa von Calvin) in kirchliche Ungnade gefallen war.
War seine Calvin-Übersetzung in kirchlichen Kreisen auch hochgelobt, so schlug nunmehr das Pendel drastisch um, dieweil er dem Calvin-Gegner Servet, die gleiche Aufmerksamkeit widmete.

Betrafen diese Vorgänge die junge Mathilde Spiess auch noch nicht direkt, so hatten sie sicherlich auch eine indirekte Auswirkung bei ihr.
Es wurde schon erwähnt beim Thema "Freidenker", es gab da verschiedene Strömungen (keineswegs nur die sozialistisch orientierte).
Als sich nun (in Stichworten) im Gefolge der Linie Charles Darwin - Ernst Haeckel eine weitere Freidenkerströmung organisatorisch festigte (ohne sozialistische Tendenz), der sogenannte "Monistenbund", da gehört die junge Mathilde mit zu den ersten, die in diesen Verein eintraten. Und sie realisierte um diese Zeit auch, ihren eigenen Kirchenaustritt.

Später ist sie dann wieder aus dem Monistenbund ausgetreten, da wie sie wähnte, selbiger zunehmend eine "jüdische Führerschaft" bekam (eine These die durchaus angezweifelt werden kann, was aber hier jetzt nicht weiter referiert werden kann.)

Jedenfalls und das steht unfraglich fest, waren so etwa ab 1934, die Ludendorfferianer die vielleicht bedeutendste kirchenkritische Gruppierung, die sich außerhalb der geächteten Freidenker, auch weiter artikulieren konnten.
Um diesen Kreis sammelten sich einige weitere Persönlichkeiten, denen man eher unrecht tut, will man sie mit dem Ludendorffschen Antisemitismus pauschal stigmatisieren.

Unter denen auch ein vormaliger katholischer Priester namens Franz Griese. Dessen Biographie weiter zu beschreiben erspare ich mir. Ein Blick in die Wikipedia zu seinem Namen, kann da weiteres mitteilen.

Mir geht es hier und jetzt nur um eines. Um die Zitierung einer 1936 erschienenen Schrift des Herrn Griese. Auf Seitenangaben der Zitierung verzichte ich. Selbige sind fallweise durchaus nachweisbar. Ihr etwas geschraubter Titel:
"Der große Irrtum des Christentums:
nachgewiesen durch einen Priester".
Nun, dass er selbst mal katholischer Priester war, ist ja bereits notiert worden.
Ziemlich am Ende seiner Ausführungen liest man auch den Satz:

"Um jedem Einwurf zu begegnen, müßte diese Einzeldarstellung auf ein ganz ähnliches Ereignis hinweisen, das sich in unsern Tagen ereignet hat: ich meine die Prophezeiungen des Gründers und Leiters der "Ernsten Bibelforscher" Russell und Rutherford, die ebenfalls verschiedentlich das Weltgericht verhießen."

Damit kann deutlich werden, dass auch eine gewisse Relevanz für die hiesigen Thematiken gegeben ist.
Und er fügt daran noch den weiteren Satz mit an:

"daß Prophezeiungen, die das Weltgericht aufs Jahr festlegten, und sich natürlich nicht erfüllten, selbst in neuester Zeit möglich waren, ohne daß deshalb die Gläubigen den Propheten den Rücken gekehrt hätten.
Wieviel mehr mag solches zu einer Zeit möglich gewesen sein, wo die Erkenntnis noch in den Kinderschuhen stak."

Und genau dieser Zeit "der Kinderschuhe" widmet er in seinen Ausführungen das eigentliche Augenmerk.
Einleitend schon doziert er:

"Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß das ganze Christentum auf einer ungeheuren Täuschung aufgebaut ist, die, falls der Urheber sie als solche erkannt hätte, einen religiösen Betrug schlimmster Art darstellt; falls er aber unbewußt sie aussprach, als eine Selbsttäuschung bezeichnet werden muß, die die Person Christi in den Augen jedes unvoreingenommenen Menschen völlig unmöglich macht."

Und weiter sagt der Autor über sich selbst:

"Als ich mich von der Kirche trennte, blieb ich zunächst noch Christ. Da aber die andern bestehenden christlichen Kirchen mehr oder weniger ebenfalls sich im Irrtum befanden, wollte ich mir ein eignes Christentum bauen, und zwar auf Grund eines eingehenden Studiums der Person Christi und seiner Lehre. Dabei stieß ich nun zuerst auf die Frage von der Gottheit Christi, die ich einwandfrei beweisen wollte, zumal mich alle bisherige Lektüre darüber unbefriedigt gelassen hatte.
Damals war es als die Prophezeiung von seiner nahen Wiederkunft mich endgültig davon überzeugte, daß Christus nicht Gott war noch ist.
Es wird mir schwer, den ungeheuren Eindruck zu schildern, den diese Entdeckung auf mich gemacht hat. An dem Tage sagte ich dem ganzen Christentum Lebewohl, obwohl ich noch nichts an seine Stelle zu setzen hatte."

Und weiter Griese:

"Haben wir eine Tatsache, die uns in der einwandfreisten Weise bezeugt, daß Christus sich mit seiner immer und immer wiederholten Prophezeiung vom nahen Weltende so gründlich - gelinde gesagt - geirrt hat, daß jedweder Anspruch auf Gottgleichheit oder Gottähnlichkeit zu einem wahren Hohn und Spott wird. Je öfter ich heute das Neue Testament zur Hand nehme, um so mehr erkenne ich, daß das gesamte Lehrgebäude Christi sich auf diese seine Prophezeiung vom nahen Weltende gründet und daß hier die verborgene Triebkraft zu suchen und zu finden ist, wenn man sich erstaunt fragt, wie so die Lehre Christi eine so über Erwarten rasche Verbreitung fand. ... Es ist mir aber persönlich ganz und gar unmöglich, jemand auch nur als gottgesandten Religionsstifter anzuerkennen, der seine ganze Lehre auf eine Verheißung stützte, von der sich nachträglich erwiesen hat, daß sie sein größter Irrtum war."

Und weiter kommentiert er:

"Was die Millionen erster Christen, die damals im Glauben an Jesu baldige Wiederkunft und ihrer eigenen, damit verbundenen Auferstehung Gut und Blut unter den grausamsten Qualen gelassen haben, was diese Millionen sich heute zu der Nichterfüllung jener Verheißung sagen würden, entzieht sich meiner Kenntnis; ich selbst würde in gleicher Lage nur tiefste Entrüstung über eine derartige Handlungsweise empfinden können.

Man komme da nicht mit der Ausrede, daß die Märtyrer gleich nach ihrem Tode in den Himmel eingegangen wären und so den Lohn für ihre Leiden sogleich erhalten hätten. Das wäre erstens kein Entschuldigungsgrund für eine falsche Prophezeiung, und zweitens war es auch nicht die Anschauung der damaligen Zeit.
Vielmehr glaubten die ersten Christen, daß auch die Toten bis zur Wiederkunft Christi zu warten hätten und beim letzten Posaunenschall erst wiedererweckt werden müßten, um so mit Christus nach dem Weltgericht in das Reich einzugehen. Das geht aus allen diesbezüglichen Texten, vor allem bei Paulus unwidersprochen hervor."

Und weiter kommentiert er:

"Ja, meine lieben Ex-Konfrates, da kann einem der helle Schweiz vor Glaubenszweifeln aus der Stirne brechen, wenn man sieht, daß alles ganz anders ist, als die Theologie es einem hat glauben machen.
Vor allem aber sollte hier der ganze zweite Brief Petri herangezogen werden, von dem ich zu meiner größten Überraschung feststellen mußte, daß er einzig und allein dieses Thema behandelt, und zwar mit dem deutlich ausgesprochenen Zwecke, die Christen über das Ausbleiben ihres Meisters hinwegzutrösten und sie erneut seiner baldigen Ankunft zu versichern."

Auch noch dieser Kommentar von Griese:

"Am besten gefällt mir der gelehrte Bruder Paulus, der eigentlich am meisten Lärm über Christi Wiederkunft geschlagen hat und dessen Worte über diesen Gegenstand, obwohl sie klar wie Wasser sind, von Petrus als dunkel und schwerverständlich bezeichnet werden, woraus sich dann erklärt, daß ungelehrte und schwankende Menschen (ob hier wohl die Theologen gemeint sind?) sie zu ihrem Verderben mißbrauchen.
Wahrhaftig, wenn das die Leute sind denen man Glauben schenken soll, und die sich uns als Kronzeugen der Wahrheit der Wunder und der Lehren Christi verstehen, dann hat man allen Grund, an ihrem Evangelium zu verzweifeln."

Individualbiographien verlaufen selbstredend unterschiedlich. Zeit und Umstände spielen auch ihren nicht unwesentlichen Part dabei.
In gewisser Hinsicht erinnert mich der Fall Griese, an den Fall Albert Schweitzer, der auch meinte das Selbstbelügungsunternehmen Christentum, nur dadurch beherrschen zu können, das er als gestandener Doktor der Theologie, noch ein zweites Studium (der Medizin) absolvierte.

Und um überhaupt dann noch im kirchlichen Umfeld weiter tätig sein zu können; den Geschäfts-Christen das Versprechen abgeben musste, bezüglich seiner theologischen Erkenntnisse, "Stumm wie ein Karpfen sein zu wollen."

In der 1932 erschienenen Schrift von Kurt Hutten mit dem Titel: "Um Blut und Glauben. Evangelium oder völkische Religion?" definiertte selbiger beispielsweise:

"Denn der Tannenbergbund (einer der damaligen Namen für die Ludendorfferianer), der auch hier einer der lautesten Rufer im Streite ist, befindet sich selbst auf dem besten Weg zu einer dogmatischen Fixierung der Lehre Mathilde Ludendorrfs."

Diese Einschätzung wird man auch heute noch zustimmen müssen.
Gleichwohl "singt" Griese in den verwendeten Zitaten, keineswegs das Hohelied der Ludendorff. Insoweit ist unabhängig von der Ludendorff bewertbar. Desweiteren liegt er eher auf der Linie eines Albert Schweitzer, bei den hier thematisierten. Es gilt also das Anrüchige, durchaus vom substanziell sachlichen, zu unterscheiden.

Es ist nicht zu verkennen, dass solcherlei Thesen, wie auch die von Griese, ganze Divisionen von "Wegerklärern" mobilisiert hat. Auch Albert Schweitzer hatte als eine Kardinalbibelstelle jene aus Matthäus 10: 23 herausgestellt:

"Wahrlich sage ich euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Menschensohn kommt".

Ein Beispiel diesbezüglicher Wegerklärungskunst, kann man auch der 1916 erschienenen Schrift eines Herrn Karl Weiss mit dem Titel:
"Exegetisches zur Irrtumslosigkeit und Eschatologie Jesu" entnehmen.
Selber belehrt dann unter anderem:

"Man setzt voraus (es) wird von einem baldigen Kommen des Menschensohnes gesprochen; und da mit dem "Menschensohn" nur Jesus selbst gemeint ist, so kündete er damit an, er werde bald zum Weltgerichte wiederkommen. Dies ist aber offenbar bis auf den heutigen Tag noch nicht eingetroffen; also hat er geirrt."

Das aber meint Herr Weiss mit den Worten deuten zu sollen:

"Aber unsers Ermessens handelt es sich darum, zu untersuchen, ob Jesus mit diesem seinem "kommen" wirklich sein Kommen zum Weltgericht gemeint hat, oder ob er ein anderes "kommen" im Auge hatte." (S. 149)

Und man ahnt es schon, Herr Weiss plädiert für letzteres. Er meint zu wissen:

"Wir können demnach feststellen, daß Jesus den Terminus "kommen" und wiederkommen in bezug auf seine Person nicht bloß im eigentlichen, sondern im bildlichen Sinne gebraucht, sein "kommen" ist nur der plastische Ausdruck für die alle Zeiten und Menschen umfassende Bedeutung und Wirksamkeit Jesu.(S. 157)

Mit solchen Sophisten, welche sich ja "gekonnt" in die eigene Tasche lügen, weiter zu disputieren, ist wohl vergebliche Liebesmüh.

Auch wenn die Einscannung keineswegs "optimal" ist dann nochmals zu Vergleichszweckewn, einige der analogen Thesen von Albert Schweitzer.
Und was die nicht optimale Einscannung betrifft.
Leute welche meinen Albert Schweitzers Thesen ablehnen zu müssen, dieweil ihnen das gesagte "gegen den Strich geht", sind garantiert auch nicht durch eine bessere Einscannung "überzeugbar".

Die Story von der "kommunistischen Gehirnwäsche"
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. April 2011 04:16
Für fünfzig Jahren
Die Story von der "kommunistischen Gehirnwäsche"

Mit der als "Sonderausgabe" aufgemachten "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 4. 1961, verkauft die WTG ihre Story von der "kommunistischen Gehirnwäsche"

Der wesentliche Inhalt dieser Ausführungen wurde schon mal mit den Sätzen zusammengefasst:

In einer "Erwachet!"-Sonderausgabe vom 22. 4. 1961 wird unter der reißerischen Überschrift "Kommunistische Gehirnwäsche - Schreckgespenst oder Tatsache?" das hierzulande eher fern im Bewusstsein liegende China, zu Zeiten des Koreakrieges thematisiert. Und in jenem Krieg gab es eben auch Kriegsgefangene, zu lasten der USA. Jahre danach konnten jene Kriegsgefangenen doch wohl in ihre Heimat zurückkehren.
Und die USA-Falken wähnten nun, die sind ja nicht mehr ganz so falkisch gestimmt, wie sie es in der eigenen Lesart hätten sein sollen. Ergo hat bei denen wohl so eine Art "Erfahrung als Lehrmeisterin" letztendlich Wirkung getan.
Bemerkenswert insbesondere das Resümee welches "Erwachet!" aus diesen Geschehnissen glaubt ziehen zu können, wenn es da auch schreibt:
"Gehirnwäsche ist weder ein schlaues Propagandamätzchen der Kommunisten, das sie hinten herum verbreiten, um das Kaninchen gelähmt auf die Schlange starren zu lassen, noch die Erfindung der überhitzten Phantasie nervenschwacher Opfer der kommunistischen Zwangsjustiz."
"Erwachet!" will diese Vorgänge zwar als "ausgeklügelte Methode" verkaufen. Der Charakter als Schutzbehauptung dieser These, liegt indes zutage.
Ein Ausdruck dessen, ist in dem Satz zusammengefasst:
"Erfahrung als Lehrmeisterin", womit ja keineswegs in Abrede gestellt ist, dass man auch ohne eigene Erfahrungen noch, lernen kann und auch lernen sollte!

Was die USA-Falken denn als besondere Ankratzung des eigenen Ego ansahen, macht wohl auch die nachfolgende Detailangabe in diesem Artikel deutlich:

"Ein ähnlicher Fall wiederholte sich im Moskauer Schauprozeß gegen den amerikanischen U2-Piloten im Sommer des vergangenen Jahres. Wie am Schnürchen beantwortete der Angeklagte die 164 Fragen des russischen Anklägers, legte ein umfassendes Schuldgeständnis ab und bestätigte ausdrücklich die gute Behandlung nach seiner Gefangennahme, gerade so, als ob ihm das kleine Einmaleins abgefragt würde. Es fehlte auch nicht seine angebliche Äußerung gegenüber seinem russischen Verteidiger;
"Wenn ich nach Hause zurückkäme, wurde ich vor Gericht gestellt, aber ... Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß ich nach Hause gehe."

"Erwachet!" kann es sich nicht versagen, auch noch die eigene Klientel in dem Artikel mit zu erwähnen. Das liest sich dann so:

"Doch für gläubige Menschen sieht die Sache anders aus."

Dann wird auf einen tendenziösen Lobgesang des englischen Psychiater William Sargant verwiesen.
Herr Sargant vergleicht dann wohl Äpfel mit Birnen. Jemand der schon vor seiner KZ-Einlieferung das zugehörige Regime in vielerlei Hinsicht als buchstäbliches Unrechtsregime wahrnehmen musste. Diese Unrechtsbehandlung dann in der KZ-Zeit weiter mit erdulden musste. Den nun mit jemand zu vergleichen, der potentieller Kandidat eines "Gefrierfleischordens" ist, trifft wohl nicht den wirklichen Kern.
Dem vernehmen nach soll das Naziregime, bei seinen Durchhalteparolen im Kessel von Stalingrad auch schon mal - in der Jargonformulierung - "Gefrierfleischorden" verteilt haben. Nun erlebten also die USA ihr symbolisches Stalingrad, indem es den Russen gelang, in ihrer Sicht ein Spionageflugzeug abzuschießen. Vielleicht waren dann ja wohl jener Pilot auch als künftiger Kandidat eines "USA-Gefrierfleischordens" vorgesehen. Mit der faktischen Kapitulation hatte sich dann ja das Thema erledigt. Die Wut über die ihnen nicht passende Entwicklung, findet dann auch in diesen "Erwachet!"-Ausführungen seinen Niederschlag. Die Großmannssucht der USA erlitt halt in diesem Fall einen empfindlichen Dämpfer.

Noch besser indes wäre es gewesen, die Auftraggeber jenes abgeschossenen Piloten, hätten sich mit in jenem Flugzeug befunden. Sofern sie denn mit dem Leben davongekommen, wäre es wohl ein mehr als interessantes Schauspiel, welche Komödienrolle die dann wohl gespielt hätten?! Und falls noch genügend Platz in jenem Flugzeug gewesen wäre, hätte man auch noch gleich den Schreiber jenes zukünftigen "Erwachet!"-Artikels dort mitnehmen können.
Wie der dann wohl jene "Gehirnwäsche" überstanden hätte, wäre wohl von allen Fällen, der Fall allergrößter Belustigung gewesen. Und sollte jener "Erwachet!"-Artikelschreíber mal rückfragen, wieso man ihm solcherlei unterstellt, wäre ihm zu antworten:
Nun dann schauen Sie mal etwas in die Geschichte zurück, wie es ihrem damaligen Kompgagnon Hans Müller beispielsweise so erging, und welchen Part als "Umgedrehter" er dann noch so spielte.!

Interessant, als Quellenbeleg für eben jenes Zitat über den U2-Piloten, verweist "Erwachet!" auf einen Artikel der Tageszeitung "Die Welt". Auch andere Deutschsprachige Quellen werden noch mit als Quellenbeleg genannt.
Nun sind ja die WTG-Artikel grundsätzlich ohne Verfasserangaben. Ergo kann man allenfalls spekulieren. Spekuliert man beispielsweise, dass Grundgerüst wurde mit vom deutschen "Erwachet-Korrespondenten" geschaffen, in den USA dann vielleicht noch weiter überarbeitet, erhält der Hinweis auf besagtem Hans Müller, (oder meinetwegen auch auf den Ernst Bojanowski) noch zusätzliche Brisanz!
Die Wikipedia notiert zu jenem Piloten noch:

"Da er nicht, wie in einem solchen Fall vorgeschrieben, den Selbstzerstörungsmechanismus der U-2 aktivierte und das zum Suizid bestimmte Gift einnahm, sondern mit dem Fallschirm absprang, wurde er gefangengenommen und am 19. August 1960 zu drei Jahren Gefängnis sowie sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt."

Offenbar in der Form eines Agentenaustausches erfolgte dann doch noch seine Freilassung nach den USA:

"Durch Vermittlung des Rechtsanwalts Wolfgang Vogel wurde Powers gegen Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel, Spitzenspion der Sowjets in den USA, ausgetauscht. Am 10. Februar 1962 um 8:44 Uhr wurde Powers über die Glienicker Brücke in Potsdam zu den US-Amerikanern geführt; sechs Minuten später wurde Rudolf Abel den Sowjets überstellt."

Darüber indes, berichtete "Erwachet!" dann wohl nichts mehr.
Die Mohr-Geschichte der "Gehirnwäsche" hatte ihren Zweck erfüllt - Der "Mohr kann gehen"!

Formen von Korruption
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. Mai 2011 03:10
Vor fünfzig Jahren
Formen von Korruption

Die "dämonischen 'Himmel' Satans und seine durch korrupte Politiker und habsüchtige Diktatoren ausgeübte irdische Herrschaft"

fühlt sich der "Wachtturm" vom 1. 5. 1961 bemüßigt, wieder mal zu formulieren.
Auch an weiteren "markigen" Worten mangelt es nicht, in diesen WT-Auslassungen. Etwa die, dass die Konkurrenzreligionen, pauschal mit dem

Titel "Sektenreligionen" versehen werden.

Was den Aspekt mit angesprochener Korrumpierung anbelangt, ist man wohl geneigt, daran zu erinnern, wie es denn so mit der WTG-Religion weiter ging.
Korrumpierung kann sich auf vielerlei Weise äußern.
Noch hat es ja die WTG-Oligarchie nicht geschafft, etwa die Gehälter, der den Bischöfen vergleichbaren Personen, etwa wie in Bayern, sich aus der Staatskasse bezahlen zu lassen.
Noch hat sie es wohl nicht geschafft, den Wein bei ihrer Gedächtnismahlfeier, analog dem Messwein bei Konkurrenzreligionen, ebenfalls aus der Staatskasse erstattet zu bekommen, und anderes mehr in der Richtung.
Den Versuch gerichtlich zu erstreiten, den Besuch von WTG-Kongressveranstaltungen als bezahltem Urlaub gewährt zu bekommen, hat man ja auch bereits vernommen.
Da kann man dazu wohl nur noch sagen:
"Helm ab zum Gebet"!
Verwendet man für vorgenannte Ergebnisse den Begriff Korruption, die schon seit den Tagen eines Konstantin des Grossen bekannt ist, ist das wohl so unpassend nicht.
Der Weg den eigenen Neid, es noch nicht soweit ebenfalls gebracht zu haben, zu überwinden, dergestalt, verschärft analoge Forderungen zu stellen, hat indes auch die WTG schon beschritten.
Und dieser Weg pflegt in diesem Lande auf den Namen KdöR zu hören.
Noch gibt es ja gewisse Widerstände, aber auch üblen Opportunismus, was die Ambitionen der WTG anbelangt. Noch ...
Willkommen im Club der Korrupten mag man dazu nur sagen.
Solche früheren WTG-Verlautbarungen, die die nachfolgende, erweisen sich somit zusehends als "Gewäsch von gestern", welches ja auch andernorts so manchen, dann nicht mehr interessiert.

Man vergleiche als Veranschaulichungsbeispiel, auch die von der WTG-Führung herausgebene Anordnung zur Entfernung von WTG-Logos an Königreichssälen.
Namentlich die dahinter stehende Motivation, spricht Bände.
Eine Herrenklasse verklickert den ihnen Hörigen, was sie zu sein haben.
Sogenannt "theokratische Sklaven". Eine Formulierung, welche beispielsweise der "Wachtturm" vom 15. 3. 1953, wortwörtlich als Artikelüberschrift verwandte.

Da ist es wohl nicht mehr allzuweit, von jenen Zuständen entfernt, welchen in einem Kommentar in Sachen "Leistungsschutzrecht" näher beschrieben werden.
www.telemedicus.info/article/1992-Wirtschaftsgut-Gerichtsurteil.html

Oder auch - Beispielhaft - ein Pressebericht, wie ein Vizekanzler in spee dieses Lobbyistenstaates Bundesrepublik Deutschland, es wirkungsvoll versteht, Ansätze zu etwas weniger Lobbyismus, zugunsten seiner Lobbyisten-Klientel, zu blockieren.

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0423/seite1/0046/index.html
Was bei der betuchten Lobbyistenschicht zugesetzt wird, muss halt bei der Nicht-Lobbyistenschicht eingespart werden. Zum Beispiel so:
www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1612168/Ich-war-Tageloehner-bei-der-Berliner-Stadtreinigung.html

Dummheits-Geschäftemacher unter sich
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. Mai 2011 05:01
Vor fünfzig Jahren
Dummheits-Geschäftemacher unter sich

Auf die famose Geschäftemacherin Jeane Dixon in den USA, auf welche "Erwachet!" in seiner Ausgabe vom 8. 5. 1961 mit zu sprechen kam, wurde bereits in der Jahrgangsdatei 1961 mit eingegangen. (Dort am Textende).
Noch zwei ähnlich gelagerten Notizen kann man in dieser "Erwachet!"-Auagabe begegnen. Die eine berichtet davon:
In einem französischen Dorf habe ein Gastwirt die Geschichte in Umlauf gesetzt:

"Eine hölzerne Statue der Heiligen Anna, welche sich in seinem Besitz befand, geblutet habe, als ihr ein Finger abgebrochen sei."

Und acht Jahre lang "wallfahrten" etliche Katholiken dorthin, in ein ansonsten wohl eher verschlafenes Dorf. Unschwer dürfte der Geschäftsaspekt dieser Geschichte zu übersehen sein.
Diese Geschichte endete dann nach der Darstellung von "Erwachet!" mit der Angabe: "Bis sich die Polizei des Falles annahm."

Die weitere Story in dieser "Erwachet!"-Ausgabe besagt dann:
Vor dem Ende des zweiten Weltkrieges sei einem Bauernmädchen mehrmals die "Jungfrau Maria" erschienen.

"Die erste Erscheinung soll es am 12. Mai 1944 gehabt haben. In einer dieser Erscheinungen soll sie vorausgesagt haben, daß der Krieg Ende Juli des Jahres 1944 zu Ende sein werde."

Dazu merkt "Erwachet!" dann an: "Der Krieg ging erst (rund) ein Jahr später ... zu Ende."

Es sei mal darüber hinweggesehen, dass die deutschsprachige "Erwachet!"-Ausgabe als Datum des Kriegsende den 14. August 1945 benennt.
Das kann man dann wohl so deuten (obwohl "Erwachet!" das nicht ausführt), bezogen auf das Kriegsdetail USA gegen Japan.
Das in der Deutschsprachigen "Erwachet!"-Ausgabe jenes Detail nicht an die hiesigen Verhältnisse angepasst wurde, zeigt einmal mehr die USA-Lastigkeit der WTG-Publikationen.
Die zuletzt zitierte Episode ordnet dann "Erwachet!" in einem Artikel ein, welcher betitelt ist:
"Das 20. Jahrhundert in der biblischen Prophetie."
Und namentlich stellt "Erwachet!" dabei die eigenen Thesen als "wahr" hin. Über den "Wahrheitsgehalt" selbiger, mag dann ein verschiedentlich zitiertes WTG-Titelbild in einer kommentierten Form, weiteren Aufschluss vermitteln.



Die Frage, weshalb jenes Titelbild, in Deutschland auf einer "Erwachet!"-Ausgabe, in den USA dem "Wachtower" zugeordnet wird, kann ich allerdings nicht beantworten.


Organisations-Umbruch
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 15. Mai 2011 02:41
Vor fünfzig Jahren 
Organisations-Umbruch 
Seinem Lieblingswort "Organisation" geht der "Wachtturm" vom 15. 5. 1961 in einer Betrachtung wieder mal nach. 
Der Himmelfahrtsverein der Russelliten war ja anfangs nur ein "loser Haufen". Das indes sollte sich alsbald ändern. 
So erwähnt der genannte WT, schon im Jahre 1919, mit dem Beginn der von Rutherford eingeführten Publizierung des "The Golden Age" (deutschsprachig etwas zeitversetzt erst ab Ende 1922 in der Schweiz, bzw. 1923 auch in Deutschland, als "Das Goldene Zeitalter") wurden zugleich sogenannte "Erntewerksvorsteher" oder Dienstleiter in den örtlichen Versammlungen installiert. Noch bestand die Leitung der örtlichen Versammlungen aus selbst gewählten "Altesten". Indes jenen "Erntewerksvorstehern" wurde WTG-seitig eine immer größere Machtfülle zugeschanzt, dieweil die eben ihre Anleitung direkt von der WTG bekamen, während die gewählten "Altesten", sich doch vielfach der örtlichen Versammlung verpflichtet wussten, und erst in zweiter Linie der WTG. 
Die daraus resultierenden Konfliktlagen fanden einen vorläufigen Abschluss bis Oktober 1932, indem zu jenem Zeitpunkt wie der WT jubilierend formuliert "mit dem Wahlältesten-System aufgeräumt wurde". 
William Schnell etwa hat in seinem Buch "Dreissig Jahre Sklave des Wachtturms", diese Veränderungen selbst mit erlebt und beschreibt sie als Zeitzeuge dort, im Detail. 
Im Jahre 1938 war, wie der WT weiter anmerkt, dieser Umbruch dann vollendet. 
Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte die WTG-Oligarchie die totale Herrschaft über die örtlichen Versammlungen inne. Vormalige demokratische Elemente, waren nun WTG-seitig, endgültig auf dem Müllhaufen entsorgt worden. 
Aus dem nostalgischen Rückblick von W. J. Schnell: 




Ach ja, und so las man es beispielsweise "vor Tisch" 
"Wachhturm vom März 1913 

Re: Vor fünfzig Jahren / heute
geschrieben von:  Frau von x 
Datum: 27. Mai 2011 12:29

Drahbeck
Seinem Lieblingswort "Organisation" geht der "Wachtturm" vom 15. 5. 1961 in einer Betrachtung wieder mal nach.

Ebenso der WT vom 15.März 2011 mit den Studienartikeln für Mai, wenn S.17-20 getönt wird: 

Entdeckt die  Hauptursache unserer Freude 

Von der kleinsten lebenden Zelle bis zu den gigantischen Galaxien, die in Haufen und Superhaufen angeordnet sind, zeugt die ganze Schöpfung von Organisation. ... 

In Israel repräsentierte Jerusalem den irdischen Teil der Organisation Gottes, denn dort stand der Tempel und dort regierte ein von Gott eingesetzter König. Ein Israelit, ..., drückte seine Gefühle für die heilige Stadt so aus: "Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedächte, wenn ich Jerusalem nicht erheben würde über die Hauptursache meiner Freuden" (Ps. 17:6). 

Denkst du auch so über Gottes Organisation? Löst es in dir mehr Freude aus als alles andere, mit ihr zusammenzuarbeiten? Kennen deine Kinder die Geschichte und den Aufbau des irdischen Teils der Organisation Gottes? ... Wie könnt ihr als ganze Familie noch besser mit derOrganisation Jehovas vertraut werden? Vielleicht findet ihr hier ein paar wertvolle Anregungen für euren Studierabend. 
::: 
Jehova hat uns sogar Einblick in den himmlischen Teil seiner Organisation gewährt. ... Wenn Gott uns schon verrät, wie seine Organisation im Himmel arbeitet, muss ihm dann nicht auch viel daran liegen, dass wir verstehen, wie auf der Erde jeder einzelne Teil seine Aufgabe erfüllt? 
... 
Zu verstehen, wie Jehovas Volk organisiert ist, hat für uns ... Vorteile: ... Wir fühlen uns motiviert,die Organisation in allem zu unterstützen (...). ... 
::: 
Wie könnt ihr euren Kindern helfen, Jehovas Organisation mit "eigenen Augen" zu bestaunen? Falls es nicht allzu weit weg von euch ein Zweigbüro der Zeugen Jehovas gibt, solltet ihr unbedingt einmal vorbeischauen. Mandy und Bethany wohnten ungefähr 1 500 Kilometer vom nächsten Bethel entfernt. ... Sie erzählen: "... Davor kannten wir Jehovas Organisation nur aus unserer eigenen kleinen Welt, aber durch unsere Besuche im Bethel hat sich unser Horizont erweitert, ... ." Gottes Organisation aus nächster Nähe zu sehen hat bei Mandy und Bethany den Ausschlag dafür gegeben, dass sie Pionier wurden. ... 
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, Jehovas Organisation zu "sehen" - ... . Wir haben in den letzten Jahren mehrere Videos und DVDs bekommen, die uns Gottes Organisation aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen, ... . Wenn ihr euch zusammen anschaut, wie sich Bethelmitarbeiter, Katastrophenhelfer und Missionare einsetzen oder wie Kongresse vorbereitet und organisiert werden, wächst eure Dankbarkeit für die weltweite Bruderschaft noch mehr. 
... 

-------------------------------------------------------------------------------------------


Gottes Organisation 
Ein faszinierendes Studienprojekt 

Wir haben viele Möglichkeiten, die Geschichte der Organisation Jehovas besser kennenzulernen und zu erfahren, wie sie arbeitet. Hier ein paar Vorschläge: 
... 
Was war auf dem Kongress 1941 am "Tag der Kinder" so besonders? 
(Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 86, 88) 
... 


Natürlich wird in genanntem Geschichtsbuch nur über die begeisternde Freigabe berichtet. Diese Art der Darstellung wundert bei ZJ niemanden wirklich. Wer das Buch vergeblich in der Bibliothek im Saal sucht, um mehr über den Inhalt zu erfahren, dem wünsche ich hiermit beim Studierabend viel Spaß!

Re: Weiteres Einschwören auf die Organisation
geschrieben von:  Frau von x 
Datum: 03. Juni 2011 12:35
WT vom 1.JUNI 2011 S.14/15: 

HAT GOTT EINE  Organisation? 
... 
::: 
...Wie ist es heute? Manch einer hält vielleicht nicht viel davon, sich einer religiösen Organisation anzuschließen. Doch wie die Bibel zeigt, hat Gott immer eine Organisation - seine Organisation - benutzt, um seinen Willen auszuführen. Er hat das Volk Israel in alter Zeit und später die ersten Christen für die Anbetung organisiert. 

Wäre es da nicht logisch, anzunehmen, dass Jehova Gott sein Volk auch heute noch leitet? Bestimmt. ... Jehova benutzt heute seineOrganisation um sein Vorhaben mit den Menschen zu verwirklichen. Woran erkennt man diese Organisation? Hier einige Kriterien, die echte Christen erfüllen: 

Sie sind organisiert, um eine Aufgabe auszuführen (...). Jesus gab seinen Nachfolgern den Auftrag, ... zu predigen. Ohne eine internationale Organisation wäre das undenkbar. ... Wäre eine Mission, die über ethnische sowie über Sprach- und Landesgrenzen hinausgeht, ohne eine geeinte, harmonisch funktionierende Organisation möglich? Die Antwort liegt auf der Hand. 

Sie sind organisiert, damit sie sich gegenseitig unterstützen und aufbauen können. ... Wo könnte man etwas über Jehova lernen und ihn anbeten, wenn es keine organisierten Zusammenkünfte gäbe? (...). 

Sie sind organisiert, um Gott in Einheit zu dienen. ... "In Einheit beisammenwohnen" - das funktioniert nur, wenn alles geordnet abläuft, und Ordnung erfordert Organisation, ... . 

Echte Liebe zu Gott und zur biblischen Wahrheit hat Millionen Menschen zu einer Organisation geführt, die diese und andere biblische Kriterien erfüllt. ... 

WT vom 15.APRIL 2011 (mit den Studienartikeln für Juni) S.4/5: 
... 
::: 
...Ob uns Jehovas Führung viel bedeutet, erkennt man auch daran, dass wir uns etwas sagen lassen. Bei wichtigen Entscheidungen vertrauen wir nicht auf unsere eigenen Erfahrungen, sondern suchen bei Jehova und seiner Organisation nach Wegweisern. Und geradeso, wie ein Kind bei Sturm und Unwetter in die schützenden Arme seiner Eltern rennt, suchen wir bei allem, was heute so auf uns einstürmt, bei JehovasOrganisation Zuflucht. 

Natürlich ist keiner der Brüder, die innerhalb des irdischen Teils der Organisation Jehovas Verantwortung tragen, vollkommen - aber das war Moses auch nicht. ... 
... 
Hast du klar im Blick, wie Jehova uns führt und leitet? Durch seine Organisation. Mit ihr führt er uns - sein Volk - durch die Wüste der bösen Welt Satans, deren Tage gezählt sind. ... 

Re: Weiteres Einschwören auf die Organisation
geschrieben von:  X ~ mysnip 
Datum: 08. Juni 2011 23:01

WACHTTURM
Echte Liebe zu Gott und zur biblischen Wahrheit hat Millionen Menschen zu einer Organisation geführt ...

WACHTTURM - früher
Hütet euch vor ,,Organisation". Sie ist vollkommen unnötig.

 
Re: Weiteres Einschwören auf die Organisation
geschrieben von:  Drahbeck 
Datum: 09. Juni 2011 05:53

X ~ mysnip

WACHTTURM
Echte Liebe zu Gott und zur biblischen Wahrheit hat Millionen Menschen zu einer Organisation geführt ...

WACHTTURM - früher
Hütet euch vor ,,Organisation"... Sie ist vollkommen unnötig.

Mysnip 102720

Wunderheilungen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. Mai 2011 01:28
Vor fünfzig Jahren
Wunderheilungen

Da gibt es im Internet auch eine Blog-Seite mit angeschlossener Forumsfunktion.
Bemerkenswert empfand zumindest ich, deren Startseite, auf der sich zum Zeitpunkt meines Aufrufens jener Seite, ganz oben, via Verlinkung zu Amazon.de, auch die Bewerbung für ein Buch vorfand, mit dem bemerkenswerten Titel: "Spiritualität für Dummies"

.Ein Buch mit dem Titel "Katholizismus für Dummies" gibt es in dieser Reihe ja auch.
Nun habe ich besagte Bücher nicht selber gelesen. Ergo kann sie auch nicht beurteilen. Und eine Beurteilung kann - so oder auch anders ausfallen
Ergo muss dieses Thema jetzt unbeantwortet bleiben.
http://gesundheit-prävention.de/

Technischer Hinweis zur URL jener Seite.
Wenn es mit dem Direktaufrufen von dieser Seite aus nicht klappt, dann bitte die URL in die Browserzeile kopieren. Dann müsste es eigentlich gehen. Ich sehr das diesbezügliche Problem darin, dass jene URL auch einen Umlaut verwendet: ä
Gewisse Browser "verkraften" jedoch nach wie vor, keine Umlaute

Vielleicht etwas für hiesige Verhältnisse interessanter, könnte eine Frage im dortigen angeschlossenen Forum sein.
Und die lautet dann:

"Hallo. Es gibt doch einige ZJs hier?
Ich komme auf diese Frage, da auf der Internetseite der Wachtturmgesellschaft ein Artikel über den Umgang mit Sterbenskranken steht, der nichts von der in der Bibel erwähnten möglichen Heilung selbiger sagt, oder ich habe es übersehen, aber ich denke nicht."

http://gesundheit-prävention.de/krankheit-heilung/gibt-es-bei-zeugen-jehovas-auch-heilung-von-unheilbaren-krankheiten/

Die dazu eingetrudelten Antworten zeugen allerdings nicht von sonderlichem "Tiefgang".
Zumindest einer der Antwortschreiber meinte:

"Solange der Verein Bluttransfusionen oder Organtransplantationen verweigert, sind und bleiben bei diesem Verein viele Krankheiten "unheilbar", welche jedoch bei "Otto Normalverbraucher" längst geheilt werden können."

Ein anderer meinte:

"Die Aussagen der Zeugen kannst du getrost vergessen. Sie Missionieren mit Dingen, die Leichtgläubige leicht verführen könnten. Erst wenn sie sich ihrer Beute sicher sind, lassen sie die Katze allmählich aus dem Sack. Simple Sektenstrategie eben."

Die eigentlich sinnvollste Antwort dürfte wohl in der Aussage bestehen:

"Ja, weil das etwas ist, was in allen Religionen mal mehr, mal weniger vorkommt, und auf den "Placebo-Efekt" beruht."

Unter der Überschrift "Wunderheilungen von Gott?" griff "Erwachet!" vom 22. 5. 1961 jenes Thema auch auf. Schon das hinzugefügte ? verdeutlicht aber, wie denn jene "Erwachet!"-Antwort ausfiel.
Die hat in der Zeugen Jehovas-Geschichte bereits dergestalt Tradition, als sich besonders in deren Frühzeit, auch einige polemische Auseinandersetzungen etwa mit der Mary Baker Eddy-Religion nachweisen lassen, welche ja gewissermaßen ein Prototyp diesbezüglicher "Verkäufer ..." darstellt.
Siehe dazu auch Und da fliegen die Fetzen

Und es lässt sich durchaus eine gewisse Affinität von für die Zeugen Jehovas ansprechbare Kreise feststellen, welche da manchmal ganz "hin und hergerissen" sind. Sollen sie es nun mit den Zeugen Jehovas halten; oder doch lieber bei der Mary Baker Eddy-Religion ihr "Heil" versuchen, was beispielsweise auch der Fall All belegt.

Das "Erwachet!" jenes Thema erneut aufnahm, basiert sicherlich auch darauf, dass wie "Erwachet!" feststellte, in vielen christlichen Ländern "das Gesundbeten immer populärer wird." Dieweil man ja dieses "Marktsegment" selbst nicht aktiv bedient, aber eben auch deren Konkurrenzwirkung fürchten muss; deshalb eben auch von Zeit zu Zeit WTG-seitig, einige kritische Stellungnahmen, zu diesbezüglichen Geschäftemachern.

Da ja auch die Catholica mit zu jenen Verkäufern gehört, mag mit der kommentarlosen Zitierung einer "Erwachet"-Aussage dazu, diese Betrachtung beendet werden.
Da schrieb "Erwachet!" auch:

"Dr. D. J. West analysierte in seinem Buch 'Eleven Lourdes Miracles' (Elf Wunder von Lourdes) die jüngsten Fälle, die von der katholischen Kirche offiziell anerkannt worden sind. Fälle, die als unerklärlich und daher als Wunder gelten. Dr. West kam auf Grund seiner Untersuchungen zu folgendem Schluß:
'In keinem Fall sind die Beweise wirklich befriedigend, und für gewisse Fälle gibt es eine vollkommen natürliche Erklärung ..."

Kindererziehung
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. Juni 2011 05:45
Vor fünfzig Jahren
Kindererziehung

"Eltern, wie erzieht Ihr eure Kinder?" fragt der "Wachtturm" in seinem Studienartikel vom 1. 6. 1961. Und für Zeugen Jehovas-Verhältnisse keinesfalls ungewöhnlich, kann man darin wieder mal den Satz vernehmen:

"Es gibt Umstände, unter denen die buchstäbliche Rute angewandt werden muß."

Und zur Bekräftigung dessen gibt es dann gleich hinterher die dazu passende Bibelstelle:

"Die Schrift gibt den Rat: "Entziehe dem Knaben nicht die Züchtigung; wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Du schlägst ihn mit der Rute, und du errettest seine Seele von dem Scheol." (Spr. 22:15; 23: 13, 14)

Dann werden noch ein paar Honoratioren aus den USA zur Bekräftigung des zitierten herangezogen. So soll laut WT Hoover, Direktor des Bundeskriminalamtes der Vereinigten Staaten erklärt haben:

"Eine Züchtigung, die gerecht und konsequent erfolgt, erzeugt ein Gefühl des Stolzes ..."

So so, und verfolgt man einige Berichte derjenigen, die solcherart Zeugen Jehovas-Erziehung "genossen", soll es an an dieser Art vermeintlichem "Stolz" wohl nicht gemangelt haben.
Oberstes Kriterium für die WTG indes, ist eine Organisationskonforme Erziehung, eben die Heranziehung Linientreuer Zeugen Jehovas. Da muss man zwar den Einzelfall sehen. Lässt sich genanntes Ziel auch ohne buchstäbliche Zucht erreichen - auch gut. Aber eben als "Empfehlung" im Hintergrund, eben auch das.
Klappt es nicht auf gütlichem Wege, dann eben auf dem "ungütlichen".
Allen WTG-Kreidefressen zum trotz, hat sich daran bis heute, nichts wesentliches geändert!

Todesstrafe
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. Juni 2011 01:34
Vor fünfzig Jahren
Todesstrafe

Berücksichtigt man den Umstand, dass etwa im Naziregime, etliche WTG-Hörige Opfer der Todesstrafe wurden, könnte man ja vielleicht oberflächlicherweise meinen.
Heutzutage würde die WTG-Religion zu den Gegnern der Todesstrafe gehören.
Ein Fehlschluss muss als Antwort auf diese These festgestellt werden.
Mit dem Ende des Naziregimes hat sich das Thema Todesstrafe keineswegs erledigt. Die WTG Geschichte, Griechenland betreffend (via der Referierung durch Kohlhofer), weis für die Neuzeit auch beispielsweise zu berichten:

"Von 1940 bis Ende 1980 wurden insgesamt 2.269 Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen zu insgesamt mehr als 8.342 Jahren Haft verurteilt. 26 Betroffene wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, 42 zur Todesstrafe. Zwei Personen wurden tatsächlich hingerichtet. Vier Wehrdienstverweigerer starben unter der Folter während des Militärregimes."

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet im § 102 "Die Todesstrafe ist abgeschafft."

Dieser Umstand indes hindert die WTG nicht daran, sich als Befürworter der Todesstrafe zu outen.

Eine Zusammenfassung diesbezüglicher Aspekte gab es schon mal hier:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,16902,16986#msg-16986

Bei ihrer wohl regelmäßigen Presseschau begegnete der "Erwachet!"-Redaktion (Ausgabe vom 8. 6. 1961) auch eine Meldung zum Thema Todesstrafe, welche sie denn prompt auch für die Weitergabe an ihre eigene Anhängerschaft als geeignet ansah.
Und zwar besagt jene Meldung, Kuba habe die dort 1940 abgeschaffte Todesstrafe "für Terroristen" wieder eingeführt, und auch massiven Gebrauch davon gemacht, etwa im Jahre 1961.
Nun wird man dazu wohl anmerken müssen, der Begriff "Terrorist" erweist sich in solch aufgeheizter Stimmungslage als ziemlich beliebig. Dann waren wohl auch die vom Naziregime Hingerichteten, in deren Sicht "Terroristen". Angesichts dieser Umstände, hätte man sich schon WTG-seitige Zurückhaltung bei dem Thema vorstellen können, die aber in der Praxis eben nicht gegeben ist.
Ein in ihrer Sicht "Schmankerl" hat die WTG allerdings, bei dem Bericht aus Kuba entdeckt, und versäumt es denn auch nicht, diesen Umstand postwendend der eigenen Leserschaft mitzuteilen (sicherlich nicht ohne Hintergedanken).
Danach soll in Kuba etlichen zur Hinrichtung bestimmten

"vorher noch zwei Liter Blut entnommen (worden sein), worauf man sie zum Hinrichtungsplatz tragen mußte. Castros Radiokommentator Pardo Llada ... verteidigte die Blutentnahme vor der Hinrichtung mit den Worten, daß das Blut von schlechten Kubanern das Leben guter Kubaner durch die Blutbanken retten soll."

Trotz dieses doch wohl eher erschreckenden Details, publiziert "Erwachet!" in derselben Ausgabe unter der Überschrift "Todesstrafe - ja oder nein?" einen Artikel, welcher unter anderem mit der Aussage "glänzt":

"Die vielen Gegner der Todessstrafe sollten einmal erwägen, was Gottes Wort über diese Frage zu sagen hat, und dann urteilen, wobei sie sich nicht von Gefühlen, sondern vom Verstand leiten lassen sollten."

Diese also - nicht gefühlsmäßige Sicht der WTG, kommt dann wohl auch in solchen WTG-Artikelüberschriften zum Ausdruck, wie:

"Warum Jehovas Zeugen keine Pazifisten sind".

Siehe auch: http://forum.mysnip.de/read.php?27094,89501,95957#msg-95957
16. März 2011 05:53
Ihr blutrünstige Theologie ist eben auch auf das Feld der vorgenannten Fragestellung ausgeweitet.
Sicherlich hatte der Konfessionskundler Kurt Hutten recht, wenn er in seinem Standardwerk "Seher Grübler Enthusiasten", im Zeugen Jehovas bezüglichen Kapitel, thematisch dazu auch zusammenfasst:

Re: Todesstrafe - "Wer von euch ... "
geschrieben von: X ~ mysnip
Datum: 24. Juni 2011 23:16

Drahbeck
Bei ihrer wohl regelmäßigen Presseschau begegnete der "Erwachet!"-Redaktion (Ausgabe vom 8. 6. 1961) auch eine Meldung zum Thema Todesstrafe, welche sie denn prompt auch für die Weitergabe an ihre eigene Anhängerschaft als geeignet ansah ...
Überschrift
"Todesstrafe - ja oder nein?" einen Artikel, welcher unter anderem mit der Aussage "glänzt":

"Die vielen Gegner der Todessstrafe sollten einmal erwägen, was Gottes Wort über diese Frage zu sagen hat, und dann urteilen, wobei sie sich nicht von Gefühlen, sondern vom Verstand leiten lassen sollten."

,,Die vielen Gegner der Todesstrafe sollten einmal erwägen, was Gottes Wort über diese Frage zu sagen hat, und dann urteilen ...

Neue-Welt-Übersetzung der Heilgen Schrift - Johannes 8:7

,, ,Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein ... ' "
vgl.: J. Jeziorowski

... wobei sie sich nicht von Gefühlen, sondern vom Verstand leiten lassen sollten."

Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift - Sprüche 3:5

,,stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand."
vgl.: amnesty international

Sieben Jahre ...
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. Juni 2011 04:40
Vor fünfzig Jahren
Sieben Jahre ...
Das hält der „Wachtturm" vom 15. 6. 1961 auch für mitteilenswert:

"Ein französischer Zeuge predigte sieben Jahre lang seinen Arbeitskollegen - ohne Ergebnis. Schließlich aber konnte er mit einem von ihnen ein Bibelstudium einrichten."

Abgesehen davon, dass die Vokabel "Bibelstudium" keineswegs die tatsächliche Praxis beschreibt, denn es handelt sich allenfalls um das "Studium" eines der WTG-Bücher, so verdeutlicht dieses Beispiel doch, wie denn die Resonanz auf die WTG-Verkündigung nicht selten zu sein pflegt.
Es mag auch anders geartete Beispiele geben, etwa die Eltern des Vjekoslav Marinic , welche sich schon nach drei Monaten als Zeugen Jehovas taufen ließen. Das sind dann aber wirkliche Ausnahmen (zumindest in den Industrieländern).
Und wie "wirkungsvoll" diese Konvertierung zu den Zeugen Jehovas, im Falle Marinic dann war, unterstreicht dann wohl der Selbstmord ihres Sohnes, in den diese vermeintlich "liebevolle" Organisation, ihn letztendlich hineingetrieben hat. "Liebevoll" ist diese Organisation in der Tat nicht. Hochegoistisch mit "salbungsvollem Anstrich".
 

Südkorea
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. Juni 2011 00:50
Vor fünfzig Jahren
Südkorea

"Erwachet!" vom 22. 6. 1961 jubelt in einer kleineren Notiz:
"Vor zehn Jahren war Krieg in Korea. Damals gab es dort nur 61 Zeugen Jehovas".
Nunmehr im Jahre 1961 seien es in Südkorea 3844.
Diese Zahl verdeutlicht dann wohl die generelle Furchtbarkeit für die Zeugen Jehovas, in einem vom Kriege gebeutelten Lande.
Aber weiterhin gilt, nur für Südkorea zutreffend. Auch in den nachfolgenden Jahren hatten dort die Zeugen Jehovas beträchtliche Zuwachsraten. Nordkorea hingegen, wird in den ZJ-Jahrbuchstatistiken nicht separat ausgewiesen. Allenfalls (als Mutmaßung) mit in der Sammelrubrik der Verbotsländer.

Dennoch ist auch in Südkorea für die Zeugen Jehovas keinesfalls alles "eitel Sonnenschein".
Neueren Meldungen zufolge befinden sich dort 843 Zeugen Jehovas, im Kontext der dortigen restriktiven Politik, Wehrdienstverweigerungen betreffend, in Haft. Eine von der WTG selbst verbreitete Meldung notiert:

"Während der letzten 60 Jahre sind (dort) über 16 000 junge Zeugen Jehovas zu insgesamt über 30 000 Jahren Gefängnis verurteilt worden."

Diese noch abstrakte Zahl wird weiter durch die Angabe ergänzt, dies seien derzeit

"rund 90 Prozent aller inhaftierten Kriegsdienstverweigerer weltweit."

Namentlich muss man dann ja wohl die Auflösung des Ostblocks mit im Blick haben, der davor auch in der Frage der Wehrdienstverweigerung keinen Spass verstand. So konzentriert sich der diesbezügliche "Bodensatz" halt zunehmend auf Südkorea.

Auch das sei noch notiert.
Zum Umfeld der WTG gehört auch die Zeitschrift "Der Anzeiger des Reiches Gottes" des F. L. A. Freytag, sogenannte "Kirche des Reiches Gottes", welche heutzutage in Konfessionskundlichen Darstellungen kaum noch eine Rolle spielt. Ergo weitgehend der Rubrik bedeutungslos zuortbar ist. Gleichwohl namentlich in der Schweiz doch noch über spektakuläre Immobilien verfügt.
Siehe beispielsweise;
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,86938,86938#msg-86938

In genanntem Blatt konnte man in der Ausgabe Nr. 16/1950 unter der Überschrift:

"Was soll man von den Ereignissen in Korea denken?" lesen:

"Die Menschen und ihre Gruppierungen sind nur arme, unbewußte Spielzeuge in den Händen desjenigen, welcher der Gott dieser Welt genannt wird, Satan, von welchem gesagt ist, daß er von einem großen Zorn erfüllt sei und die Mehrzahl zerstören wird. Die Bibel zeigt, daß in diesem schrecklichen Schlag der Schlacht von Harmagedon, zwei Drittel der Erdenbewohner zerstört werden.
Wenn also die Ereignisse in Korea von jetzt an in einen Weltbrand ausarten sollen, will dies sagen, daß die letzten Jünger endgültig ihre Berufung festgemacht haben, ansonst wird noch eine kleine Frist gewährt sein, dank der Geduld Gottes."

Soweit ideologisch entfernt, von Thesen dieser Art, dürften wohl die eigentlichen Zeugen Jehovas auch nicht sein.
Noch was gilt es zu jenem Zitat mit anzumerken.
Der DDR-Staat existierte - de jure - erst ab 1949. Davor hatte in jenem Gebiete die Sowjetische Militäradminstration das sagen. Offenbar gelang es der Freytag-Bewegung nach 1945, von der SMAD eine faktische Zulassung abzutrotzen. Auch die Zeugen Jehovas wurden ja von der SMAD anfänglich zugelassen.
Als Beleg für jene These mag dienen.
Um jene Zeit publizierte diese Gruppierung auch eine Schrift mit dem Titel "Das Licht in der Finsternis".
Weniger deren Inhalt, um so mehr deren Impressum ist interessant.
Darin konnte man lesen:

"Kirche des Reiches Gottes: Berlin N 4, Zinnowitzerstr. 2-7
gedruckt: VEB Berliner Druckhaus, Berlin N 4
J.P.J. Mi V 9747/49"

Wer mit den geographischen Verhältnissen in Berlin vor 1989 vertraut ist, der kann wissen, besagte Zinnowitzerstr. gehörte zum Ostteil von Berlin.
Auch der Name der Druckerei spricht eindeutig für den Ostdeutschen Kontext
Mit der Etablierung der DDR dann, gingen die Hoheitsrechte etwa in Kirchenfragen, auch auf diese über. Nun kann man über die "Größenordnung" der Anhänger des F. L. A. Freytag im Ostdeutschen Bereich wohl nur mutmaßen. Übermäßig viele dürften es wohl nicht gewesen sein, und schon damals als weitgehend überaltert einschätzbar. Jedenfalls war die zitierte Ausgabe des "Anzeiger des Reiches Gottes" dann für die Ostdeutschen Apparatschicks der "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte".
Sprich der formale Anlass für die Entziehung der Zulassung.
Das muss nicht wie im Falle der Zeugen Jehovas, dann noch in Gerichtsverfahren ausgeartet sein. Aber auch so war damit das Ende der Freytag-Anhänger im Ostdeutschen Bereich besiegelt worden.

Um nochmals auf die Zahlenangabe der 90 % zurückzukommen.
Da müsste man wohl auch auf das früher mit zum Bereich der Sowjetunion gehörende Land (jetzt selbständig) Tadschikistan hinweisen. Namentlich seine Religionspolitik erinnert in etlicher Beziehung an restriktiv-kommunistische Zeiten.
In diesem Kontext gab es auch die Meldung, welche selbst bis in einen Artikel der Wikipedia, jenes Land betreffend Eingang fand, die Zeugen Jehovas seien dort de facto ab Oktober 2007 verboten worden.

Das Thema Wehrdienst bildete den vordergründigen Grund dafür; zumal jenes Land keine Gesetzgebung etwa im Stile der Wehrersatz-Gesetzgebung westlicher Länder hat.
Sicherlich muss man auch die Größenordnungen berücksichtigen. Laut WTG-Angaben für das Jahr 2006, nannte selbige eine Höchstzahl der ihr Hörigen dort von 544, was einem Verhältnis von 1 zu 13458 zur übrigen Bevölkerung entspreche.
Als dominierende Religion, wird der Islam bezeichnet, welcher wiederum in einer kürzlichen Meldung über die dortige restriktive Religionspolitik (auch) stöhnte.
Namentlich stört islamistische Kreise, die eingeschränkten Beeinflußungsmöglichkeiten auf Kinder und Jugendliche. Lediglich volljährige Erwachsene haben dort freie Religionsbetätigungsmöglichkeit, offenbar in Kontinuität zu früheren sowjetischen Zeiten.
Dann wiederum sollte man aber auch beachten, was selbst in den Angaben der Wikipedia eingegangen ist. Und zwar dieses: Es

"strebt die islamistische Opposition die Errichtung eines islamischen Gottesstaates an."

Also die Islamisten träumen von der islamischen Staatsreligion. Dem setzen laizistische Regierungskreise dort, eben Widerstand entgegen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Tadschikistan

www.ead.de/arbeitskreise/religionsfreiheit/nachrichten/einzelansicht/article/tadschikistan-zeugen-jehovas-verboten.html

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,17525,17525#msg-17525

Herr Erich Frost
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. Juli 2011 03:22
Vor fünfzig Jahren
Herr Erich Frost

Im "Wachtturm" vom 1. Juli 1961, publizierte Herr Erich Frost (damals noch verantwortlicher Redakteur der deutschen Ausgabe des "Wachtturms") seinen Artikel "Befreiung von totalitärer Inquisition durch Glauben an Gott."
Solcherlei Darstellungen in der Öffentlichkeit - im Vorfeld des Hamburger Kongresses 1961 - erzeugten vielerlei "Feedback" gewolltes und auch ungewolltes.
Zu letzterem gehörte dann sicherlich jene Antwort, welche Herr Frost und die Seinigen dann postwendend unter der Überschrift "Väterchen Frost" in einem bekannten Hamburger Politik-Journal zu lesen bekam.

Nun haben inzwischen "Ganz Schlaue" festgestellt, was da der "Spiegel" als Antwort schrieb, sei ihm zum größten Teil über Mittelsmänner von der östlichen Stasi zugänglich gemacht worden. Ist damit Herr Frost entlastet? Meiner Meinung nach, kaum.
Richtig ist, wer von den verantwortlichen Funktionären der Zeugen Jehovas zu Nazizeiten, in die Mangel der Gestapo geriet, hatte in dieser seiner Lebensphase garantiert nichts zu lachen.
Den Begriff Mangel kann man dann zwar symbolisch verstehen, indes von einer tatsächlichen Mangel, dürfte die Gestapo-Praxis sich kaum unterschieden haben.
Es kann aber auch so gewesen sein wie im Fall Georg Baer belegt.
Der vernehmende Gestapo-Beamte lässt seinem Opfer durchaus einige ausgewählte Aktenstücke lesen.

"Ja, ich konnte es kaum glauben, unsere ganze Untergrundorganisation war hier aufgeführt und lag ausgebreitet in den Händen der Gestapo. Wahrlich, ich brauchte eine Weile, bis ich die Situation begriffen hatte. … Ich hätte an der Echtheit des Berichtes noch gezweifelt, wenn nicht auch meine eigene Tätigkeit genau aufgezeichnet gewesen wäre. Der mich verhörende SS-Gestapo-Mann mit Namen Bauch aus Dresden ließ mir Zeit, meine Gedanken zu sammeln. Ich glaube, ich habe ein ziemlich dummes Gesicht gemacht, als ich mich wieder auf meinen Platz setzte. Dann sagte er zu mir: 'Nun hat es doch keinen Zweck mehr zu schweigen...."

Ob es es solch ein "Gentlemen-Agreement" auch im Falle Frost gab oder nicht, sei mal dahingestellt.
Gab es diese "einvernehmliche" Lösung nicht, zog sich das ganze eben etwas mehr in die Länge. Am Ende war die Gestapo eben doch an ihr Ziel gelangt.
Da knickten also "selbst Bären ein". Ob da ein Kaffeehaus-Musikus dagegen übermenschliche Kräfte gehabt haben soll, erscheint nicht sonderlich schlüssig.

Die Apologie interessierter Kreise ist zurückzuweisen, welche da besagt, die Gestapo habe mit den Frost-Vernehmungen belanglosen Zeitvertrieb getrieben, dieweil sie "alles schon vorher wusste". Selbstredend kamen auch bereits bekannte Fakten mit zur Sprache. Indes wurden Gestapo-seitig durchaus auch "ergänzendes" "herausgekitzelt". Es lag keineswegs im Machtbereich des Opfers, nur solche Aussagen zu tätigen, die dem Kriterium entsprechen würden, "dass wusste die Gestapo schon alles vorher."
Herr der Verfahren waren keineswegs die Opfer, sondern die Gestapo, was es denn eindeutig festzustellen gilt.
Herr Hirch meint in seinem Apologie-Aufsatz Frost betreffend, bezugnehmend auf den von der Stasi auf Frost angesetzten Agenten, auch verteidigend sagen zu können. Bei dem diesbezüglichen Gespräch wo der Stasi-Agent auch auf die Frost-Akten hinwies, habe Frost das Gespräch alsbald in andere Bahnen gelenkt. Das als Entlastung anzuführen, ist mehr als dürftig. Man kennt auch heutzutage die Strategie der Zeugen Jehovas zur genüge, sehen sie sich argumentativ eingeengt, möglichst vom Kernthema abzulenken.

Im Zürcher (Harbeck)-Buch "Kreuzzug gegen das Christentum" werden bezogen auf die Gestapo-Dienststelle Dortmund Beispiele genannt, wie solcherlei Opfer letztendlich in den Tod getrieben wurden. Da war die Gestapo mit Sicherheit nicht "fein".
Wer sich denn in ihren Klauen befand hatte nur die Chance zum überleben, durch das von der Gestapo geforderte "Singen" (wie es denn im einschlägigen Jargon so formuliert wird).
Und auch Herr Frost "sang", wie befohlen. Das heißt die Gestapo quetsche - erfolgreich - alle Informationen aus ihm heraus, welche sie denn im Zuge ihrer weiteren Ermittlungstätigkeit haben wollte.

Egal wen man da nennt, die "Umgedrehten" Hans Müller, Ernst Bajanowski und noch ein paar mehr, oder eben auch den Herrn Frost, welcher sich aufgrund seiner exponierten Position in der WTG-Organisation, weniger bis nicht zum "umdrehen" noch eignete (was auch die Gestapo so sah, und daher auch keine diesbezüglichen Versuche unternahm). Worauf sie aber - erfolgreich - keineswegs verzichtete, war die maximale Ausschöpfung seines Wissensfundus.
Die anschließende KZ-Phase auch für Herrn Frost, war so gesehen die, einer ausgequetschten Zitrone, eines Häufchen Elends.
Alternativen dazu hätte es nur in der Form gegeben, wie im Falle der Düsseldorfer Gestapo. Das Opfer in den Tod zu treiben. Es gab diese Alternative im Falle Frost nicht.

Oder dann sehe man sich mal den Fall des Herrn Konrad Franke an.

Den mag man ja in seinen "besten Jahren" als die man seine Verhaftungszeit einschätzen mag, als einen Mann bewerten, der von seiner physischen Kondition "Bäume auszureißen vermag". Würde der sich nun für die Gestapo als "besonders störrig" herausstellen?
Da würde ich als Antwort doch eher das ? betonen.
Soviel Menschenkenntnis muss man wohl auch der Gestapo zubilligen, dass sie einzuschätzen in der Lage war, wie sie denn ihre "Kundschaft" am sinnvollsten "behandelte". Im Falle Franke ließ sich die Gestapo das sogar den "Aufwand" kosten, Herrn Franke's Haft- und Vernehmungszeit, durch die Übermittlung von Post, wobei die Gestapo den Briefträger spielte, etwas aufzulockern. Das war doch für die Gestapo eine der leichtesten Übungen, wenn sie sich davon einen gewissen Erfolg für sich versprach.

Wer nun hatte denn das "dringende Bedürfnis" unbedingt Herrn Franke in seiner Haftzeit einen Brief zukommen zu lassen? Mutmaßt man, jemand, den Herrn Franke davor schon persönlich kannte, hat man richtig gemutmaßt. Und so bekam denn Herr Franke von seinem vormaligen WTG-Funktionärskollegen Fritz Winkler, via Gestapo als Briefträger, einen Brief zur "Auffrischung" des Vernehmungsalltages.
Das besagter Herr Fritz Winkler, sich schon vor Herrn Konrad Franke der "besonderen Aufmerksamkeit" der Gestapo erfreuen konnte-musste, war auch Herrn Franke vordem bereits bekannt. Nun also befanden sich beide Herrschaften in einer für sie eher mißlichen Lage, und pflegten so postalisch eine Art "Erfahrungsaustausch".

Welche der Methodiken (es gab sicher noch ein paar mehr), die im Falle Frost erfolgversprechendste war, mag dahingestellt sein. Vielleicht gab es auch ein "experimentieren" seitens der Gestapo, bis sie dann endlich die für ihren jeweiligen "Kunden" am besten passendste heraus gefunden hatte.
Ein "Jehova" spielte in all diesen Vorgängen die Rolle eines bedeutungslosen "Zaungastes".

Das alles sind wenig schöne Tatbestände - ohne Frage. Wenn solch ein Opfer dann in späteren besseren Tagen, sich dann gar noch einen Glorienschein zulegt, muss man schon fragen, ob er denn tatsächlich wusste, was er denn da tat? Spätestens als ein Stasi-Gesandter an Herrn Frost in Wiesbaden mit erpresserischer Absicht herantrat. Und für seinen Erpressungsversuch auch auf die Frost bezüglichen Gestapo-Akten verwies, hätte Herr Frost gewarnt sein können.
Die Stasi betrieb im Falle Frost noch einen flankierenden Briefversand, mit fiktiven Absendern. Gemäss Herrn Hirch landeten alle diese Briefe perspektivisch im Wiesbadener WTG-Büro. Damit konnte auch der WTG klar sein, eine Propaganda-Aktion des Ostens, der man nicht noch den Gefallen tun wollte, durch etwaiges Eingehen auf die Inhalte, den Osten einen Gefallen zu tun.
Gemäss Herrn Wrobel habe WTG-Präsident Konorr höchstpersönlich votiert, die Sache einfach zu den Akten zu legen.
Das kennt man ja auch aus anderen Kreisen, das "aussitzen".
Es sei mal dahingestellt, ob Frost mit seinem Lobhudelei-Artikel selbst die Initiative ergriff, oder ob innerorganisatorische Zwänge ihn dazu nötigten. Hilfreich für ihn, war diese Lobhudelei sicherlich nicht.
Nüchtern gilt es auch noch zu sehen.
Das Archiv - Zeugen Jehovas bezüglich - des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS, hat das Ende der Nazizeit überdauert.
Zwar erlebte es eine Odyssee. Erst in russischen Besitz gelangt, dann später der Ostdeutschen Stasi übereignet. Nur, die Stasi wahrte weitgehendes Stillschweigen über ihre Beute. Das wurde nur dann unterbrochen, wenn die Stasi durch Verwertung, ihres Fundus sich einen Vorteil versprach. Der Fall Frost war solch ein Fall.

www.spiegel.de/spiegel/print/d-43365083.html

Was sagte Erich Frost aus?

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,7398,7404#msg-7404
28. Juni 2008 11:05

Die Studie von Gursky

Dort weitere Verlinkungen

Kuba
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. Juli 2011 01:35
Kuba
Vor fünfzig Jahren

Und wieder irrte "God's own Country"

Zwei Meldungen, Kuba bezüglich aus der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 7. 1961 im nachfolgenden, kommentarlos.
Meldung Nummer 1:

"Mit der Erhebung Kubas zum sozialistischen Staat und der Abschaffung sämtlicher Wahlen setzte auch ein verschärfter Kampf gegen die katholische Kirche ein. Die Verstaatlichung aller Privatschulen trifft besonders die katholische Kirche, welche diese größtenteils unterhielt. Ebenso verliert sie ihre kubanischen Universitäten, darunter die Universität in Villa Nueva - die zweitgrößte Kubas -, die unter katholischer Leitung steht.
Castro, ein neuer Träger des sowjetischen Lenin-Friedenspreises erklärte, er werde den Aufenthalt ausländischer Priester auf Kuba gesetzlich verbieten, worauf Hunderte katholischer Priester und Nonnen - meist Spanier - das Land verließen. Er begründete diese Maßnahme damit, daß spanische Priester an der kürzlich gegen Kuba gerichteten Invasion teilgenommen hätten."

Meldung Nummer zwei

"Was dem amerikanischen Geheimdienst entging
Nach dem Scheitern der Kuba-Invasion erklärten Verteidiger Kennedys, der amerikanische Präsident habe nur deshalb der Invasion zugestimmt, weil ihn der amerikanische Geheimdienst mit falschem Optimismus zur Tat gedrängt habe. Schon Mitte 1960 hatte Präsident Eisenhower die Genehmigung zur Ausbildung und Ausrüstung einer Freiwilligenarmee erteilt, die sich aus kubanischen Emigranten zusammensetzen sollte, um später Kuba zurückzuerobern. Der Geheimdienst hielt nach dem Amtsantritt Kennedys die Zeit für die Eroberung Kubas gekommen. Die Meinung, Castros Armee sei von antikommunistischen Elementen unterwandert, so daß sie nach dem ersten Schlag auseinanderbrechen würde, erwies sich als irrig. Präsident Kennedy hatte befohlen, daß die Kubaner ohne jede Unterstützung durch amerikanische Streitkräfte zu operieren hätten. Der Geheimdiensr glaubte auch an den Erfolg der Invasion, da er meinte, daß die 200 aus Rußland importierten Bomber auf Kuba nicht einsatzbereit seien, solange die Piloten sich in der Tschechoslowakei zur Ausbildung befänden. Es war ihm jedoch entgangen, daß sich seit Oktober 1960 tschechische Piloten auf Kuba befanden, welche im Ernstfall die kubanischen Bomber bedienen konnten. Der amerikanische Präsident kündigte eine Überprüfung des amerikanischen Geheimdienstes an."

http://de.wikipedia.org/wiki/Kubakrise

Namentlich der letzte Satz nochmals zur Betrachtung. Wie man weis, wurde einige Zeit später, Kennedy Opfer eines Mordanschlages. Der tiefere Grund mag möglicherweise in dem agieren Kennedys gegenüber vorgenannter de-facto-Rgierung der USA (auch wenn sie sich denn so nicht nennt) zu sehen sein.

home.arcor.de/traumpaar99/Jack/artikel13.html

Dann vergleiche man mal die neueren Meldungen Afghanistan betreffend.
Schon die damalige Sowjetion fühlte sich bemüßigt, durch ihren Einmarsch in Afghanistan, ihren Politik-strategischen Vorstellungen Nachdruck zu verleihen. Sicherlich haben die Sowjets zum Zeitpunkt ihres Einmarsches, sich nicht vorgestellt, einmal - ohne ihre Ziele erreicht zu haben -, klammheimlich jenes Land wieder verlassen zu müssen. Das sowjetische Afghanistan-Abenteuer, bildete dann perspektivisch noch eine der vorbereitenden Wurzeln der Auflösung des Ostblocks.
Getreu der alten Prophezeiung:  "Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großen Reich zerstören."

Und schon zeitgenössisch gab es dazu den Ergänzungskommentar: "Wie konnte denn der König wissen, welches Reich das denn sein werde" (nämlich sein eigenes).

Im Falle Afghanistan gab es dann noch selbst ernannte Nachfolger der Sowjets dort. Beachtlich auch die Meldung aus diesem Kalenderjahr, die würden sich nun ebenso ruhmlos, wie die Sowjets, gleichfalls (spät) aus Afghanistan zurückziehen.

www.ftd.de/politik/international/obamas-entscheidung-us-abzug-aus-afghanistan-soll-rasch-beginnen/60067917.html

Onkel Sam mag aufgrund seiner Machtstellung vieles können. Aber es gibt auch "Früchte" die für ihn zu hoch hängen!

Tertullian
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. Juli 2011 00:17
Vor fünfzig Jahren
Tertullian

Alfred Adam bescheinigt in seinem "Lehrbuch der Dogmengeschichte":

"Der zweite große Theologe der frühkatholischen Zeit ist Tertullian."

Karlheinz Deschner meint in seinem "Und abermals krähte der Hahn" ebenfalls, er sei "der erste große lateinische Kirchenschriftsteller, der Schöpfer des institutionellen Kirchenbegriffs."

Und weiter Deschner, die Kirche sei "für ihn nicht mehr nur eine Heils-, sondern auch eine Gesetzesanstalt, eine Institution der Disziplin, ja "ein militärischer Verband".

Nicht mit Unrecht habe man daher Tertullian den "Begründer des Katholizismus genannt."

Aber: "zu den zahlreichen Paradoxien der Kirchengeschichte gehört es, daß Tertullian kein Katholik geblieben ist. Er erkannte die Gefahr der durch Ihn begründeten institutionellen Kirchenauffassung und schwor der Orthodoxie im Alter ab. Er ging ins Lager der Montanisten über, aus dem rabiaten Ketzerbekämpfer wurde ein begeisterter Ketzer, aus dem fanatischen Verteidiger kirchlicher Traditionen ein glühender Gegner derselben."

Zum ideologischen Umfeld des Übertritts zu den Montanisten, gehört dann wohl auch das, was Martin Robbe in seinem "Der Ursprung des Christentums" wie folgt zusammenfasst:

"Auch an anderen Orten lebte die Erwartung des baldigen Weltendes auf. In der Landschaft Pontus verkündete ein Bischof seiner Gemeinde die ihm zuteil gewordene Offenbarung, daß das Weltgericht innerhalb eines Jahres kommen werde, woraufhin alle ihr Hab und Gut verschleuderten, die Äcker brachliegen ließen und in Furcht und Zittern den jüngsten Tag erwarteten. In Syrien zog ein Bischof mit seiner Gemeinde in die Wüste, um den wiederkommenden Christus zu empfangen; sie verirrten sich, und nur eine Polizeistreife rettete sie vor dem Hungertode. Montanus und seine Gefährtinnen galten bei ihren Anhängern, deren Zahl trotz der Angriffe der offiziellen Kirche rasch wuchs, als die letzten und endgültigen Träger göttlicher Offenbarung. Sie sollten die Gläubigen unmittelbar in das neue Jerusalem führen, das als die Verwirklichung der himmlischen Ordnung verstanden wurde."

Und weiter Robbe:

"Die Montanisten setzten die Linie fort, die über die Essener zu den Begründern des Christentums geführt hatte. Aber bereits ihre Zeit und noch entschiedener die Nachwelt hat sie als Ketzer verurteilt, obgleich die offizielle Kirche den Montanisten entscheidende Grundzüge ihres Lehrgebäudes verdankt."

Also befand vor langen, langen Jahren Herr Tertullian (etwa 160 - 220 u. Z.):

dass die "wiedererweckten Heiligen auf dem Boden gesammelt würden, auf dem sie einst leiden mussten."

Diese seine Aussage wird etwa dem Jahre 207 zugeordnet, als er es vorzog dem Hauptstrom des Christentums, dem er als Offiziersohn seit etwa 190 zugehörig war, doch wieder den Laufpass zu geben, zugunsten einer radikaleren Gruppe, den Montanisten.
Über letztere notiert die Wikipedia unter anderem:

"In der phrygischen Ortschaft Pepuza würde das neue Jerusalem vom Himmel herabkommen, und hier sollte man auch gemeinsam den Anbruch des Tausendjährigen Reiches ...erwarten."

Diese These also hat es also auch Herrn Tertullian in seinen späteren Jahren angetan.
In seiner Schrift "Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker" hatte er selbst noch kräftigst, auch gegen Montanus gewettert, was aber nun, zum "Schnee von gestern" wurde.
In seiner Vor-Montanistischen Zeit, vertrat offenbar auch Tertullian andere Thesen.
Beleg dafür auch die Aussage in seiner Schrift
"Über die Auferstehung des Fleisches":

"Weil der Herr selbst in seinem Befehl, in der Stimme des Erzengels und in der Posaune Gottes herabsteigen wird vom Himmel und die in Christus Gestorbenen zuerst auferstehen werden. Dann werden wir, die wir noch leben, zugleich mit ihnen in die Wolken emporgehoben werden, Christus entgegen in die Luft, und so werden wir immerdar bei dem Herrn sein." ... Wo hat man sonst schon die Stimme eines Erzengels oder eine Posaune Gottes gehört, als nur in den Kammern der Häretiker?"

Pech für Herrn Tertullian, als Wanderer zwischen den Welten, dass sein "Nachruhm" dieserhalb etwas lädiert ist. Christliche Kreise rechnen Herrn Tertullian, namentlich auch wegen seiner Schrift "Apologeticum" als zu ihren frühen "Sternen" gehörend.
Allerdings dann wohl nicht "alle" christlichen Kreise.
Zitat Wikipedia:

"In der Orthodoxen Kirche wird Tertullian teilweise als Quelle einer unguten theologischen Tendenz angesehen, die sich in Augustinus von Hippo fortsetzte und 1054 schließlich zum Bruch zwischen West- und Ostkirche führte."

Neben verschiedenen anderen "Verdiensten" darf Herr Tertullian sich wiederum nach der Wikipedia zitiert, auch dieses "Verdienst" zurechnen:

"Seine Thesen hatten auch Einfluss auf das Verschwinden des Theaterspiels aus Westeuropa im Frühmittelalter."

Kann man vielleicht sogar verstehen. Die Religionsindustrie liefert ja selbst genug Theater. Das muss halt die Konkurrenz "weggebissen" werden.

In seiner Schrift "Über die Schauspiele" postulierte Tertullian beispielsweise:

"Wenn wir in das Taufwasser hineinsteigen und, die Worte seines Gesetzes nachsprechend, den christlichen Glauben bekennen, so beteuern wir mit unserm eigenen Munde, dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln entsagt zu haben."

Jenes von ihm postulierte Entsagen möchte er halt auf die Schauspiele mit angewendet wissen.
Mag man solcherart Argumentation auch als gewagt ansehen. Wie man sah fand er durchaus diesbezügliche Wiederkäuer.

Er meint zur Stützung seiner These auch noch anführen zu sollen:

"Das Theater ist eigentlich ein Heiligtum der Venus. In dieser Eigenschaft ist überhaupt erst diese Art von Bauwerken in die Welt eingeführt."

Und weiter in seiner kruden Philosophie:

"Aber Venus und Bacchus halten zusammen; sie sind ja beide böse Geister der Trunkenheit und Wollust, die miteinander in einer Verabredung und Verschwörung stehen. Daher ist das Theater der Venus auch ein Haus des Bacchus oder Liber."

Das alles will er dann auch noch auf den Sport übertragen wissen, und meint zu ihm:

"Ihrem Ursprunge nach sind sie (Wettkämpfe oder Sport) mit den Spielen verwandt."

Einen Kernsatz seiner Ausführungen kann man wohl in dem Satze sehen:

"Kein Schauspiel geht vor sich ohne starke geistige Erregung."

Genau, da dürfte "der Hund begraben liegen". Besagte "starke geistige Erregung", möchte er vorrangig für die eigene Aberglaubensform kanalisiert wissen. Ergo muss diesbezügliche Konkurrenz "weggebissen" werden, in seiner Sicht.
Gemessen an diesem Hauptargument rangiert der von ihm auch vorgebrachte Vorhalt, eher zu einem Nebenargument:

"Wird uns nicht ebenso befohlen, jegliche Schamlosigkeit fernzuhalten? Auch hierin liegt für uns ein Verbot des Theaters, welches die Heimat und der Tummelplatz der Schamlosigkeit ist."

Auch dieser Satz sei noch zitiert, was er denn so als Alternative wähnt anpreisen zu sollen:

"Deine Zirkusspiele seien: Betrachte den Lauf der Welt, zähle die flüchtig dahineilenden Stunden und Zeiten, erwarte den Wendepunkt der Vollendung, verteidige die kirchlichen Genossenschaften, erwache beim Signal Gottes, erhebe dich bei der Posaune des Engels, setze deinen Ruhm in die Palme des Martyriums! ...
Welches Schauspiel für uns ist demnächst die Wiederkunft des Herrn, an den man dann glauben wird, der dann erhöht ist und triumphiert!"

Die Märtyrer haben es ihm dann wohl im besonderen angetan. Eine eigens "An die Märtyrer" betitelte Schrift, beginnt dann schon mal mit der Einleitung:

"Mit der leiblichen Nahrung, welche Euch unsere Herrin und Mutter, die Kirche, aus ihrem Schoße sowie einzelne Eurer Mitbrüder aus ihren Privatmitteln in den Kerker bringen, empfanget, Gebenedeite, die Ihr zu Blutzeugen ausersehen seid, auch eine Gabe von mir zur Stärkung des Geistes."

Zu seiner von ihm postulierten "Geistesstärkung" sollen dann wohl auch nachfolgende Beispiele beitragen:

"Mucius verbrannte seine rechte Hand auf dem Opferaltar, damit diese seine Tat berühmt werde. Etwas Geringeres war es, was die Philosophen taten: Heraklit, der sich den Leib mit Kuhmist bestrich und sich verbrannte, ebenso Empedokles, der in die Flammen des Berges Ätna hinabsprang, und Peregrinus, der vor nicht langer Zeit sich dem Scheiterhaufen überlieferte, da ja auch schon Frauen die Feuerflammen verachtet haben, nämlich Dido, als sie, nachdem sie einen andern geliebt, zum Heiraten gezwungen wurde, und die Gattin des Hasdrubal, welche, als Karthago schon in Flammen stand, mit ihren Kindern in das Feuermeer ihrer brennenden Vaterstadt eilte, um nicht ihren Mann vor Scipio als einen um Gnade Flehenden sehen zu müssen, Regulus, der von den Karthagern gefangene römische Feldherr, wollte nicht, er als einzelner, gegen viele kriegsgefangene Karthager ausgetauscht werden, sondern zog es vor, sich den Feinden zurückgeben zu lassen, und erduldete, in eine Art Kasten gepreßt und von außen allseitig mit Nägeln durchbohrt, ebenso viele Kreuzesqualen. Was die wilden Tiere anlangt, so hat ein Weib sehr danach begehrt und noch nach schlimmeren als Stier und wilder Bär, nämlich Nattern, welche Kleopatra sich ansetzte, um nicht in die Hände ihres Feindes zu fallen. Indessen die Furcht vor dem Tode ist nicht so groß als die vor der Folter."

Sein Rigorismus kommt auch in seiner Schrift "Über das Fliehen in der Verfolgung" zum Ausdruck, welche er grundsätzlich verneint, als mit Gottes Zulassung deutet, und auch etwa Vermeidung, etwa via Bestechungsversuche, verneint.
Im Kontrast dazu läßt das Verhalten von Zeugen Jehovas, in der Wehrdienstfrage in Mexiko, dann wohl grüssen.

Herr Tertullian hatte auch noch eine ganze Reihe anderer "Events" auf Lager. Wie z. B. dieses:

"Sein Verbot der Wiederheirat nach dem Tod des Partners".

In seiner wohl der Montanischen Phase zuortbaren Schrift "Über die einmalige Ehe", meint er diese unter anderem wie folgt begründen zu sollen:

"Hat indes der Herr vorbereitende Aussprüche getan. Wenn er nämlich sagt: "Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es noch nicht tragen; wenn aber der Heilige Geist kommt, der wird euch in alle Wahrheit einführen", so gibt er hinlänglich zum voraus zu verstehen, daß derselbe manches bringen werde, was, weil früher noch nicht gesagt, für neu und manchmal als drückende Last - eben darum war es noch nicht bekannt gegeben - würde gelten können."

Vielleicht darf man auch diese These seinem vielgepriesenen Lobgesang auf das Märtyrertum, im weiteren Sinne zuordnen.

Letztendlich wohl auch dem Bereich der Endzeit-Naherwartung zuschlagbar, welche bei den Montanisten besonders hoch im Kurs stand. Dafür steht dann wohl auch sein Satz:

"Wenn wir aber an eine Auferstehung der Toten glauben, so bleiben wir sicher denen verpflichtet, mit welchen wir auferstehen werden, um gegenseitige Rechenschaft abzulegen."

In seiner Schrift "Über die Aufforderung zur Keuschheit" kann man von ihm auch die markigen Worte vernehmen:

"Es kommt auch vor, daß Christen, für die es doch kein Morgen gibt, auf Nachkommenschaft bedacht sind. Leibeserben sollte der Knecht Gottes sich wüschen, er, der sich selbst zum Enterbten vor der Welt gemacht hat!? ... Die Christen vor die Löwen! Solche Rufe sind es, welche die zu hören wünschen, die nach Kindern verlangen."

In "Die zwei Bücher an seine Frau" liest man dann:

"Ich (Tertullian) schreibe Dir (seiner Gattin) also vor, nach meinem Hinscheiden mit aller Enthaltsamkeit, deren Du fähig bist, jeder ehelichen Verbindung zu entsagen."

Angesichts solcher Thesen ist es dann in der Tat nicht mehr weit, zu der eines Herrn Rutherford, mit dem Heiraten bis "nach" Harmagedon zu warten.

Markant auch seine Forderung in:
"Über die Verschleierung der Jungfrauen"

"Will ich nun auch ... den Beweis führen, dass sich unsere Jungfrauen von dem Zeitpunkt an, wo sie die Grenze dieser ihrer Alterstufe überschritten haben, verschleiern müssen."

Und da fühlen sich mancherlei christliche Pharisäer der Neuzeit, auch dazu berufen, mit dem Finger auf islamistische Kreise hinzuzeigen.
Soll man über letzteres nun weinen? Oder doch lieber lachen?
Auch dieses Argument findet man bei ihm, wer denn vielleicht damit liebäugelt, seinen Rigorismus so nicht zu befolgen:

"Es werden Euch die heidnischen Frauen Arabiens beschämen, welche nicht bloss ihr Haupt, sondern auch das ganze Gesicht derart verhüllen, dass es ihnen genügt, wenn sie ein einziges Auge frei haben und die lieber das Licht nur halb geniessen, als ihr ganzes Antlitz prostituieren."

Der im Englischsprachigen Raum zum Thema Zeugen Jehovas publizierende James Beverly, meint jedenfalls ausrufen zu sollen;

"Lest in einer ruhigen Minute einmal nach, was er (Tertullian) "Über die Kleidung der Frauen" und "Bescheidenheit" schrieb und stellt dann fest, wie sehr manche unserer Redner ihm und nicht Jesus oder Paulus gleichen."

In seiner Schrift "Über den weiblichen Putz", kann man etwa den "argumentativem" Satz lesen:

"Konnte er (Gott) nicht auch purpurrote oder stahlblaue Schafe erschaffen? Wenn er es vermochte [und nicht tat], so hat er es eben nicht gewollt; was Gott aber nicht machen wollte, das darf man auch nicht machen."

Weiter meinte Herr Tertullian:

"Zur vollkommenen, d.h. christlichen Sittlichkeit, müßt Ihr wissen, gehört, daß man nicht nur niemals wünsche, ein Gegenstand des Verlangens zu werden, sondern dies sogar verabscheue."

Dann war er wohl selbst, in seiner Lesart, solch ein "vollkommenes" Exemplar. Jedenfalls Grund zum Abscheu lieferte er übergenug.
Alsbald weis er weiter zu belehren:

"Denn er ist es, gegen den diejenigen fehlen, welche sich die Haut mit Salben einreiben, die Wangen durch Schminke entstellen, die Augenbrauen durch Schwärze verlängern. Natürlich, ihnen mißfällt das Gebilde Gottes; natürlich, sie bekritteln sich damit selbst und tadeln den Schöpfer aller Dinge.
Die Mittel dazu entlehnen sie natürlich von einem rivalisierenden Künstler; der aber ist der Teufel."

Weiter fragt er: "Ist das die Unverweslichkeit, mit der wir fürs neue Haus des Herrn überkleidet werden sollen, welche durch die Dreieinigkeit uns verheißen ist?"

Hier also kommt sie mit vor, die These von der Dreieinigkeit, das nur so am Rande mit notiert.
Der Kirchenhistoriker Nigg bescheinigt ihm desweiteren:

"Während noch Tertullian die einschneidende Frage aufwarf, "was haben Jerusalem und Athen miteinander zu tun?", hielt Origenes das Studium der griechischen Philosophie "auch für sich selbst für sehr notwendig", so daß "er sich ständig mit Plato beschäftigte".

Bemerkenswert empfand ich in einem katholischen Zeitschriften-Aufsatz (Klerusblatt 1953, Aufsatz von einem Herrn Raimund Vatter) auch die Angabe:

"In ähnlicher Weise fertigen die Zeugen Jehovas die Schrifttexte ab, die von katholischer Seite zum Beweis des Dogmas von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit angeführt werden. Sie sind nach ihrer Meinung von den Religionisten in die Schrift eingeschmuggelt oder aber falsch ausgelegt worden.
Ein Religionist namens Tertullian und ein Geistlicher namens Theophilus haben die Lehre von der Dreieinigkeit erfunden."

Nun kann und möchte ich mich nicht in das Gebiet der Dreieinigkeitslehre - diesem theologischen Schrott aus dem verschimmelten Hinterhofkeller - verirren. Ich muss also schon die Verantwortung für die zitierte Aussage, den katholischen Herrschaften selbst überlassen.
Sollte sie indes zutreffend sein, hätte besagter Herr Tertullian wohl auch eine "Aktie" an der von den Zeugen Jehovas bekanntermaßen, nicht geliebten Dreieinigkeitslehre.
Möglicherweise muss man seine Schrift "Gegen Praxeas" als eine polemische namentlich zum Thema Dreieinigkeitslehre ansehen, etwa wenn darin einleitend die Sätze zum besten gegeben werden:

"Der Teufel hat die Wahrheit auf gar verschiedene Weise bekämpft. Er liebt es manchmal, sie durch Verteidigen zu schädigen. Er behauptet einen einzigen Herrgott, allmächtigen Schöpfer der Welt ---- um in betreff dieses einzigen eine Häresie hervorzurufen, und sagt, der Vater selbst sei in die Jungfrau herabgestiegen, aus ihr geboren, habe gelitten, mit einem Wort, er selbst sei Jesus Christus."

Oder auch den nebulösen Satz in selbiger Schrift:

"Wenn Dich in der Trinität noch immer die Mehrzahl ärgert, weil sie zur einfachen Einheit nicht passe, so frage ich, wie kann der Einzige und Einpersönliche in der Mehrheit sprechen: "Lasset uns den Menschen machen nach unserm Bilde und Gleichnisse", da er doch hätte sagen müssen: Ich will den Menschen machen nach meinem Bilde und Gleichnisse!?"

Weiter meint er postulieren zu sollen:

"Aber in der Weise an die Einheit Gottes zu glauben, dass man ihm keinen Sohn und dem Sohne keinen hl. Geist beigeben will, das entspricht dem Glauben der Juden. Was für einen Unterschied zwischen ihnen und uns gäbe es denn sonst noch, wenn nicht diesen?"

Ergo kann die Trinitätslehre in der Motivation ihrer ersten Macher, als Abgrenzungselement gegenüber dem Judentum gesehen werden.

Er redet desweiteren in dieser Schrift von "gewissen Häretikern" mit denen er sich halt auseinandersetzt, und nennt dabei auch ausdrücklich die Marcioniten.
Noch an einer weiteren von den Zeugen Jehovas nicht geliebten Lehre, hat er dann wohl einen Anteil.
In dem 1916 erschienenen Buch von Siegmund Linde, "Der vermeintliche Opfertod Jesu im Lichte der Evangelien." (S. 23, 24) liest man auch die Sätze:

"Im Orient und in Griechenland existieren die Worte Kreuz und Kreuzigung nicht; überall hieß es 'an den Pfahl hängen'. ... Der Erfinder des festgefügten Kreuzes mit Querbalken ist Tertullian, der absolut wollte, dass Jesus nicht wie die vielen Tausende seiner Leidensgenossen an den einfachen Baum oder Marterpfahl gebunden wurde, sondern auf besondere Art gekreuzigt sein müsse."

Auch und besonders, beim Thema Wehrdienst, ist Herr Tertullian dann in die Geschichte eingegangen, wofür auch die Einschätzung steht:

"Kein christlicher Schriftsteller des Altertums hat so scharf den Militarismus bekämpft, wie dieser temperamentvolle Apologet, der selbst Offizierssohn war."

Diese Position soll nach Meinhold dann aber erst in seiner Montanistischen Phase akut geworden sein. Zur Erinnerung nochmals. Das war jener weltfremde Verein, welcher da auf seine wundersame Entrückung in Pepuzia wartete. Und wenn sie dann nicht gestorben sind (was wohl inzwischen doch der Fall sein dürfte), dann warten sie noch heute.
Da passt dann wohl Herr Tertullian als verschärfender Ideenlieferant mit hinzu.
Zitat Peter Meinhold:

"Tertullian ... der in seiner katholischen Zeit zwar das Vorhandensein christlicher Soldaten im Heer zur Verteidigung des Christentums benutzt, aber nach seiner Trennung von der katholischen Kirche und in seiner montanistischen Zeit auf das schärfste den christlichen Soldaten verurteilt. Man kann, so spricht er in der Schrift "Vom Kranze des Soldaten" aus, überhaupt keinem ändern Herrn den Fahneneid leisten als Christus allein."

Sieht man sich seine genannte Schrift "Vom Kranze des Soldaten" näher an, bleibt ein eher zwiespältiger Eindruck zurück.
Einleitend meint er folgende Episode zum besten geben zu sollen, die auch zugleich das Hauptgerüst seiner Ausführungen darstellt:

"Kürzlich trug es sich zu, daß die von unsern erhabensten Kaisern bewilligte Geldspende im Lager zur Auszahlung kam. Die Soldaten traten mit Lorbeer bekränzt hinzu. Einer, mehr ein Soldat Gottes und standhafter als seine übrigen Kameraden, die sich vermaßen, zweien Herren dienen zu können, stach, als der einzige im bloßen Kopfe, den Kranz in der müßigen Hand, rühmlich von den andern ab, indem er schon in dieser Taktik den Christen kundgab."

Namentlich genannter Lorberkranz als ein für ihn "Stein des Anstoßes" hat es ihm besonders angetan.
Über selbigem schreibt er dann noch:

"Ich will zuerst über den Kranz selbst sprechen. Lorbeerkränze wie der in Rede stehende sind dem Apollo und dem Bacchus heilig".

Ergo ortet er das ganze dem von ihm verabscheuten "Götzendienst" zu.
Auch wenn er sich desweiteren zu der These durchringt, man könne und solle nicht zwei Herren dienen. Und als solch einen Konfliktfall den Soldatenstand bewertet, so hat er dennoch durch seine eigenen Ausführungen eingeräumt, das es sehr wohl Christen in der kaiserlichen Armee gab.
Er hätte es nun gerne, die würden alle ein ähnliches Spektakulum der Verweigerung des Anlegens von Lorberkränzen veranstalten.
Da es nun solch einen zu seiner Kenntnis gelangten Fall gab, fühlt er sich bemüßigt, diesen und dessen Folgewirkungen dann noch mit den Sätzen zu kommentieren:

"bekränzt durch die Anwartschaft des Martyriums, so erwartet er (sein Fallbeispiel) im Kerker die Spende Christi."

So so! Weiter sein Kommentar:

"Da werden denn nun Urteile über ihn laut - ich weiß nicht einmal, waren es solche von Christen; denn die der Heiden klangen nicht anders.
Wahrhaftig, es fehlt weiter nichts mehr, als daß sie noch darauf ausgehen, auch das Martyrium abzuschaffen."

Ergo Abschaffung des Märtyriums ist für ihn offenbar das eigentliche Schreckgespenst!

Nun hat also der "Wachtturm" vom 15. 7. 1961 in einem Artikel zum Thema Blut, erneut Herrn Tertullian entdeckt. Kaum verwunderlicherweise hat es dem WT auch angetan, dass Herr Tertullian sich auch wörtlich gegen das Essen von Blutwurst aussprach. Was Herr Terullian dann noch so "alles auf dem Kasten hat" wovon vorstehend einiges genannt wurde, darüber indes, redet der WT nicht.
Und was die Tertullian'sche Aussage, keine Blutwurst zu essen, anbelangt, hat sie Herbert Weber in seiner ZJ-Dissertation wohl zutreffend charakterisiert mit der Wertung:

"Die Grundlage der Praxis auf die sich Tertullian ... beruft, ist folgende: Blutopfer waren bei den Römern üblich. Blut hatte bei den Römern eine magische Bedeutung. Um sich von diesen abscheulichen Praktiken zu distanzieren, lehnten manche Christen jeden Blutgenuss ab. Interessant ist dabei, dass es sich nie auf ihre Heilige Schrift beriefen. Es gibt auch keine Hinweis, dass Christen wegen Blutgenuss vor ein Rechtskomitee zitiert wurden."

WTG-Kreise werden Weber vielleicht mit den bekannten Bibelstellen zum Thema Blut widersprechen. Gleichwohl hat Weber richtig festgestellt. Just auf jene Bibelstellen beruft Tertullian sich eben nicht.
Wie immer man sich in diesem Streit auch positioniert, bleibt desweiteren der Umstand bestehen, dass WTG-Kreise sich in Sachen Tertullian nur die vermeintlichen "Rosinen" herauspicken.
Zusammenfassend kann man sich bei diesem Thema auch der Wertung von Holbach anschließen:

"Dann höre man sich an, was die ersten Kirchenväter sagen, und man wird sehen, daß ihre Moral mit der Erhaltung und Macht eines Staates völlig unvereinbar ist.
Man wird erfahren, daß nach Lactantius kein Mensch Soldat sein darf, daß nach dem heiligen Justinus kein Mensch sich verheiraten darf, daß nach Tertullian kein Mensch Beamter sein darf, daß nach dem heiligen Chrysostomus niemand Handel treiben, daß vielen anderen zufolge niemand studieren soll. Vereinigt man schließlich diese Grundsätze mit denen des Welterlösers, so wird sich daraus ergeben, daß ein Christ, der nach Vollkommenheit strebt, wie er soll, das nutzloseste Glied seines Landes, seiner Familie und seiner ganzen Umgebung ist. Er ist ein müßiger Grübler, der nur ans Jenseits denkt, mit den Interessen dieser Erde nichts gemein hat und nichts inniger ersehnt, als sie schnell zu verlassen."

Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian

Exkurs
Die Aussagen des Tertullian zum Thema Blut in seiner "Apologetium"-Schrift in etwas größeren Kontext. Eindeutig nachweisbar. Auf dogmatische biblische Aussagen zum Thema Blut beruft er sich eher weniger bis nicht.

Hinsichtlich des Blutgenusses und dergleichen Fabeln der Tragödie leset nach, ob nicht irgendwo - ich meine, es ist bei Herodot - erzählt wird, daß gewisse Nationen zur Abschließung von Bündnissen den Armen entzogenes und gegenseitig verkostetes Blut verwenden? Unter Catilina hat man auch etwas Derartiges, ich weiß nicht recht was, verkostet. Wie man sagt, wird bei gewissen skythischen Völkerschaften jeder Verstorbene von den Seinigen verzehrt. Ich entferne mich etwas zu weit. Heutzutage gibt es hier bei uns blutig Geschnittene zu Ehren der Bellona. Das mit der hohlen Hand aufgefangene und zum Genusse gereichte Blut weiht ein. Wo sind diejenigen, welche gegen ein Stück Geld das frische Blut der in der Arena umgebrachten Verbrecher, wenn es aus der Kehle fließt, auffangen und es wie versessen auffangen, um damit die fallende Sucht zu heilen? Ebenso die, welche von den wilden Tieren aus der Arena sich eine Mahlzeit bereiten, die vom wilden Eber, vom Hirschen begehren? Und jener Eber hat im Kampfe den, welchen er blutig verletzt hat, abgewischt, und jener Hirsch hat im Blute des Gladiatoren gelegen. Sogar der Wanst des Bären, der noch mit Menschengedärmen vollgestopft ist, wird begehrt. Menschen haben das Aufstoßen von einem Fleische, das mit Menschenfleisch genährt wurde. Ihr, die ihr dergleichen esset, wie weit seid ihr denn von den "Mahlzeiten der Christen" entfernt?!

Ist es vielleicht etwas Geringeres, was jene tun, die in wilder Lust nach menschlichen Gliedern ihr Maul aufsperren, weil sie Lebendige verschlingen? Werden sie etwa weniger durch Menschenblut zur Unfläterei eingeweiht, weil sie etwas lecken, was Blut werden wird? Sie verschlingen fürwahr nicht Kinder, sondern vielmehr Erwachsene. Eure Verirrung möge schamrot werden vor uns Christen, die wir nicht einmal Tierblut unter unsern Speisegerichten haben und uns deshalb von Ersticktem und Krepiertem enthalten, damit wir auf keine Weise mit Blut befleckt werden, auch nicht einmal mit dem im Leibe verborgenen. Zur Quälerei der Christen bringt ihr ja auch noch Blutwürste herbei, sicherlich doch in der festen Überzeugung, daß gerade das bei ihnen verboten sei, wodurch ihr sie vom rechten Wege abbringen wollt. Wie soll ich es aber qualifizieren, wenn ihr glaubt, die, von denen ihr überzeugt seid, daß sie Tierblut verabscheuen, Seien nach Menschenblut begierig? Es müßte denn sein, daß ihr das letztere etwa selber schmackhafter befunden habt. Gerade Menschenblut und nichts anderes sollte man daher als Probiermittel bei den Christen anwenden in derselben Weise, wie das Brandaltärchen und die Schale mit Räucherwerk. Denn geradeso werden durch das Verlangen nach Menschenblut die Christen als Christen erwiesen werden, wie Sie als solche durch die Verweigerung des Opfers erwiesen, werden, und umgekehrt darf man sie nicht für solche halten, wenn sie es nicht verkosteten, wie man sie nicht für solche hält, wenn sie opferten. Sicher wird es euch beim Verhör und der Verurteilung der Eingekerkerten nicht an Menschenblut fehlen.


http://www.tertullian.org/articles/kempten_bkv/index.htm

Zum fallweisen weiterlesen "bei Bedarf" aus der Unmenge einschlägiger Texte, siehe unter anderem:

http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm

Das gefühlte und das tatsächliche Alter
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. Juli 2011 03:29
Vor fünfzig Jahren
Das gefühlte und das tatsächliche Alter

Zwei Meldungen aus der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 7. 1961, die deren Redaktion selbstredend nicht "schmecken", die sie daher unter diesem Gesichtspunkt vorführt.
Meldung Nummer 1:

"Hat es tatsächlich einen Garten Eden gegeben? Sind Adam und Eva wirklich die ersten Menschen gewesen, und sind sie von Gott erschaffen worden? Ist die Sünde wegen ihres Ungehorsams in die Welt gekommen?
"Nein, nein, nein!" antworten die modernistischen und liberalen Theologen, "das ist alles Erfindung!"
Bischof Pike von der Episkopalkirche nannte den Bibelbericht über den Ursprung der Menschen "das Märchen vom Garten Eden". Er sagte;
"Ich kenne kein einziges Glied der anglikanischen Kirchengemeinschaft - Bischof, Presbyter, Diakon oder Laien -, das diese Geschichte für buchstäblich nimmt."
Ein Geistlicher der Kongregationalisten namens Fifield erklärte:
"Diese Auffassung teilen auch die Kongregationalisten - das predige ich schon seit vierzig Jahren."
Ein bekannter Geistlicher der Baptisten in Los Angeles äußerte sich ähnlich."

Meldung Nummer 2:

"In der Psychotherapie gibt es gar keinen Platz für den Begriff Sünde, und diesen Begriff einzuführen ist verderblich."
So sprach ein bekannter Psychotherapeut in New York."

Mit der Zitierung dieser Wortmeldungen, möchte die WTG also ihre eigene Glaubensgewissheit demonstrieren.
Aber das es besagte Wortmeldungen doch gibt, verdeutlicht auch, dass nicht alle die gleiche vermeintliche Glaubensgewissheit haben, respektive einigen die sie denn mal hatten, inzwischen abhanden gekommen ist.
Zu letzteren dürften dann wohl einige derer gehören, welche sich mit den spezifischen WTG-Endzeitlehren näher beschäftigt haben, und dabei feststellen:

Ein Umdeuten und Hinhalten bis zum Sankt Nimmerleinstag.

Nun ist es ja so, wer im Berufsleben steht wird es bestätigen können.
Der Alltag setzt ganz andere Fragen an die Spitze der zu bewältigenden Aufgaben.
Allenfalls jenseitsnahe Greise (wobei das tatsächliche biologische Alter nicht zwangsläufig mit dem "gefühlten" Alter identisch sein muss), mögen das anders sehen.
Indes gilt oder sollte gelten, eben weil die Priorität der angerissenen Fragen auf hintere Plätze einzusortieren ist, was in der Legende schon einem Martin Luther zugedichtet wird.
Von einer Legende ist deshalb die Rede, weil es halt Forscher gibt, welche sich mit dem Lutherischen Schrifttum umfänglich beschäftigt haben, und der Meinung sind, die Apfelbaum-Aussage, in ihm nicht nachweisen zu können.
Wenn dem so ist, kann man die Apfelbaum-Aussage allenfalls, vielleicht als eine Art Volksweisheit bezeichnen, deren es ja noch mehrere gibt.
Dieser Umstand ändert indes nichts daran, dass auch Volksweisheiten wahr sein können!

Ludwig Feuerbach:

"Wer keine übernatürlichen Wünsche mehr hat, der hat auch keine übernatürlichen Wesen mehr."

"Das Abhängigkeitsgefühl des Menschen ist der Grund der Religion."

"Der Ursprung des Lebens ist unerklärlich und unbegreiflich; es sei, aber diese Unbegreiflichkeit berechtigt Dich nicht zu den abergläubischen Consequenzen, welche die Theologie aus den Lücken des menschlichen Wissens zieht, berechtigt Dich nicht, über das Gebiet der natürlichen Ursachen auszuschweifen, denn Du kannst nur sagen: ich kann nicht aus diesen mir bekannten natürlichen Erscheinungen und Ursachen oder aus ihnen, wie sie mir bis jetzt bekannt sind, das Leben erklären, aber nicht: es ist schlechterdings überhaupt nicht aus der Natur erklärbar, ohne Dir anzumaßen, den Clean der Natur bereits bis auf den letzten Tropfen erschöpft zu haben."

Maxim Gorki:
Ich kannte einen Menschen, der glaubte an das Land der Gerechten. Er war arm und es ging ihm schlecht und wies ihm schon gar zu schwer fiel, dass ihm nichts weiter übrigblieb, als sich hinzulegen und zu sterben - da verlor er noch immer nicht den Mut, sondern lächelte öfters vor sich hin und meinte:
Hat nichts zu sagen - ich trags! Noch ein Weilchen wart ich, dann werf ich dieses Leben ganz von mir und geh in das Land der Gerechten.
Seine einzige Freude war es - dieses "Land der Gerechten."
Diese Parabel findet ihre Fortsetzung in der Feststellung, dass ein Gelehrter
alle seine Bücher und Pläne durchforstet, aber nirgends das anvisierte "Reich der Gerechten" finden kann.
Die Geschichte geht weiter mit den Worten:
"Der Mensch - will ihm nicht glauben. Es muss drauf sein, sagt er. Such nur genauer! Sonst sind ja, sagt er, all deine Bücher und Pläne nen Pfifferling wert, wenn das Land der Gerechten nicht drin verzeichnet ist.
Mein Gelehrter fühlt sich beleidigt. Meine Pläne, sagt er, sind ganz richtig und ein Land der Gerechten gibts überhaupt nirgends. -
Na, da wurde nun der andere ganz wütend. Was? Sagt er -
da hab ich nun gelebt und gelebt, geduldet und geduldet und immer geglaubt, es gebe solch ein Land! Und nach deinen Plänen gibt es keins! Das ist Raub"
Die Geschichte endet damit, dass der Gläubige die Ernüchterung nicht verkraften konnte und seinen Frust in Aggressivität abreagierte und ein bitteres Ende fand.
Man kommt aber auch nicht umhin festzustellen. Auch die von der WTG favorisierte Art der "Gebetskunst" erweist sich als löchriger Schweizer Käse.

Detail-Exkurs aus:
M. James Penton "Endzeit ohne Ende"

"In Toronto, Ontario, hatte er (Fred W. Franz) im Frühjahr 1975 vor einer großen Zuhörerschaft aus Zeugen gesagt, er und seine Mitverbundenen "freuten sich zuversichtlich darauf, was der Herbst des Jahres bringen würde." Doch ein Jahr später stellte er vor einer ähnlichen Zuhörerschaft in derselben Stadt die rhetorische Frage: "Wisst ihr, warum 1975 nichts passierte?" Dann zeigte er auf die Zuhörer und rief: "Weil ihr erwartet habt, dass etwas geschehen sollte." Mit anderen Worten: Da Jesus vorausgesagt habe, dass niemand "Tag noch Stunde" wüsste, wann er komme, die Menschheit zu richten, hätten die Zeugen nicht glauben sollen, sie könnten wissen , dass dies 1975 geschehe. Es war unglaublich, aber Franz gab der Zeugengemeinde die Schuld für das ganze Fiasko, und er tat praktisch so, als trüge er an der ganzen Sache überhaupt keine Schuld. ...
Einige Kreisaufseher und Älteste sagten sogar, sie könnten "nicht verstehen, warum einige Leute so aufgebracht über die Tatsache seien, "dass Adam Geburtstag gehabt habe", und Harley Miller, ein leitender Funktionär in der Dienstabteilung der Gesellschaft in Brooklyn, ging noch viel weiter. In sarkastischem Ton bemerkte er auf einer besonders einberufenen Zusammenkunft auf dem Del Mär Race Track in San Diego, Kalifornien, irgendwann Anfang 1977, jene Zeugen, die "enttäuscht" oder "aufgebracht" wegen 1975 seien, sollten sich doch unter eine große Palme nahe dem Race Track Stadion setzen und heulen. Merkwürdigerweise schienen viele Zeugen, besonders solche in verantwortlichen Stellungen, an einer Art kollektiver Gedächtnislücke zu leiden, die sie handeln ließ, als habe das Jahr 1975 nie irgendeine besondere Bedeutung für sie gehabt."

Auf letzteres Buch komme ich voraussichtlich am 25. 7. nochmals zurück.

Siehe:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,107385,107385#msg-107385

Mückenseiher und Balkenverschlucker
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. August 2011 05:51
Vor fünfzig Jahren
Mückenseiher und Balkenverschlucker

Die Mückenseiher und Balkenverschlucker teilen in ihrem "Wachtturm", Ausgabe vom 1. 8. 1961 (Rubrik: Fragen von Lesern) mit:

"Wird von Schwestern verlangt, eine Kopfbedeckung zu tragen, wenn sie in der theokratischen Predigtdienstschule die dritte oder vierte Studienansprache halten ..."

Nein, die Antwort

"es ist nicht notwendig, daß Schwestern eine Kopfbedeckung tragen, wenn sie diese Ansprachen halten."

(Ach ja, welche "Großzügigkeit").

"Sie lehren nicht Gott hingegebene Männer, sondern geben nur Demonstrationen von ihrer eigenen Lehrtätigkeit, und dies zu dem Zwecke, Rat zu erhalten. Da durch diese Ansprachen dieser Zweck verfolgt wird und die Schule überdies unter männlicher Aufsicht steht, wird von Schwestern nicht verlangt eine Kopfbedeckung zu tragen. Aus ähnlichen Gründen wird nicht verlangt, daß sie eine Kopfbedeckung tragen, wenn sie an Demonstrationen in der Dienstversammlung teilnehmen."

Alles nunmehr klar ???

Man vergleiche dazu als Kontrast aus der Narrengeschichte des Christentums mal dessen Ober-Obernarren Tertullian, von dem seine "Wachtturm"-Nachfolger wohl nicht sonderlich weit entfernt sind, mit seiner Forderung:

"Will ich nun auch ... den Beweis führen, dass sich unsere Jungfrauen von dem Zeitpunkt an, wo sie die Grenze dieser ihrer Alterstufe überschritten haben, verschleiern müssen. ...
Es werden Euch die heidnischen Frauen Arabiens beschämen, welche nicht bloss ihr Haupt, sondern auch das ganze Gesicht derart verhüllen, dass es ihnen genügt, wenn sie ein einziges Auge frei haben und die lieber das Licht nur halb geniessen, als ihr ganzes Antlitz prostituieren."

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,105633,106741#msg-106741
15. Juli 2011 00:17

Da auch das WTG-Motto lautet. Wiederholung und nochmals Wiederholung, belehrt die gleiche "Wachtturm"-Ausgabe auf der Seite 467 erneut:

"Kann man einer Person, die eine Bluttransfusion annimmt, die Gemeinschaft entziehen?"

Und die Antwort darauf:

"Ja, wenn es eine willentliche Tat ist und der Betreffende diese Missetat nicht bereut und die Versammlung Gottes nicht um Vergebung bittet. Wenn es die erste Übertretung ist und der Übertreter seinen Fehler einsieht, ihn bereut und um Vergebung bittet, können ihm Bewährungsbedingungen auferlegt und kann ihm sorgfältige Unterweisung anhand der Schrift bezüglich der Sache erteilt werden."

Psychologische Kriegsführung
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. August 2011 03:06
Vor fünfzig Jahren
Psychologische Kriegsführung

Die Presseabteilung des Pentagon bietet zum kostenfreien Abdruck den ihr gewogenen Multpikatoren auch die Meldung an:

"Lyndon B. Johnson erklärte, als er noch Senator war:
'Die Beeinflussung des Wetters ist ein besseres Mittel zur Beherrschung der Erde als die Wasserstoffbombe"

.Oh sagt sich die Redaktion der Zeugen Jehovas-Zeitschrift "Erwachet!". Wenn das so ist, und der Johnson das gesagt hat, und man das kostenfrei nachdrucken kann, dann drucken wir das auch selbstredend nach.
Besagte Meldung ist zwar etwas kurz geraten. Macht nichts, dann geben wir halt unseren Senf noch dazu. Dann wird es schon was werden.
Und siehe da, es wurde sogar was, ein "Erwachet!"-Artikel von 4 Seiten Druckumfang, und somit einer der grösseren Artikel dieser Zeitschrift. "Bewunderbar" in dessen Ausgabe vom 8. 8. 1961.
Erinnert man sich recht, sollte dann ja jener Monat August 1961 auch noch ein weiteres weltgeschichtliches Ereignis zeitigen, namentlich in Europa, und da wiederum in dessen Deutschsprachigem Bereich.
Zwar hatte das Pentagon sein Ziel:
Und heute gehört uns die USA und morgen die ganze Welt, noch nicht ganz erreicht.
Aber aufgegeben hat es dieses Ziel nie!
Das macht es sich in Pentagon-Sicht wohl gut, wieder mal seine publizistischen Hilfstruppen zu mobilisieren.
Gesagt und getan!

Selbstredend bemüht sich die "Erwachet"-Redaktion, die Grundsätze der psychologischen Kriegsführung, ihrer speziellen Klientel angepasst, darzulegen.
Das liest sich in besagtem Artikel dann so:

"Lange bevor die Menschen an das Wetter als Waffe dachten, benützte Gott, der Schöpfer, eines der Elemente, um eine Welt zu vernichten. Jehova Gott, der als "Kriegsmann" bezeichnet wird."

Und wenn der ein Kriegsmann sei, dann wollen seine Jünger, egal ob das Pentagon in "Gods own country" oder dessen publizistische Erfüllungsgehilfen, halt nicht nachstehen.

Dieser publizistische Jünger, von dem hier die Rede ist, belehrt weiter:

"Daher fordern die Militärs der westlichen Länder, daß man der Entwicklung der Wetterlenkung jetzt die größte Aufmerksamkeit schenke."

Solcherlei Sandkastenspiele kosten dann in ihrer praktischen Umsetzung Geld, viel Geld. Und da müssen die eher unwilligen, zum Zahlemann bestimmten, halt moralisch "weichgeklopft" werden, auf das es dem Pentagon möglich sei, in Freudentränen auszubrechen, so wie vielleicht ein Kind, das seine erste Spielzeug-Eisenbahn geschenkt bekommt.
Aber dem Pentagon gefällig sein, ist offenbar auch in "Erwachet!"-Redaktionskreisen, eine selbstverständlich ernst gemommene "Elternpflicht". Schliesslich will man sich ja nicht als "Rabeneltern" titulieren lassen,
Natürlich wähnt das Pentagon handfeste Gründe für seine kostspieligen Wünsche benennen zu können.
Auch die kann man in besagtem Artikel nachlesen.

"Sie (die Militärs) bekräftigen ihre Forderung mit dem Argument, daß die Landkarte Europas heute anders aussähe, wenn Napoleon den russischen Winter hätte mildern können und das heute vielleicht die ganze Welt unter der Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes stehen würde, wenn es den Nazis möglich gewesen wäre, einen Sturm zu erzeugen, der die Invasionsstreitkräfte General Eisenhowers am 6. Juni 1944 an der Küste der Normandie zerschmettert hätte ..."

Was den Nazis also noch nicht möglich war, das bemühen sich nun die Einkäufer etlicher Nazi-Militärs, wie etwa einem Wernher von Braun, doch noch nachträglich zustande zu bringen.

Und für die eigenen Harmagedon-Theorien bemüht dann jener "Erwachet!"-Artikel just auch besonders die Wetteraspekte.
Es ist schon bemerkenswert, wie da "Erwachet!" seine Wetterfahne munter in Richtung Pentagon, flattern läßt!

Zwei eher konträre Themen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. August 2011 01:04
Vor fünfzig Jahren

Zwei eher konträre Themen aus der "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 8. 1961
Thema eins:

"Mütter, die kleine Kinder mitbringen, bekunden Rücksichtnahme auf andere dadurch, daß sie sich hinten und an den Seitengängen hinsetzen, um so wenige Anwesende wie möglich zu stören, wenn sie während der Zusammenkunft aufstehen und hinausgehen müßten."

Man beachte auch die Mimik der Mutter. Die Tochter zum stlle sein anhaltend. Und wenn solch "dezente" Hinweise im Guten nicht helfen. Was dann?
Indes bezieht man einige vorliegende Erfahrungsberichte mit ein, sollen da wohl namentlich Nebenräumlichkeiten von Königreichssälen einen bestimmten Ruf erlangt haben, als Züchtigungsstätten, um Kindern ihre Unruhe auszutreiben, auf das wie Marionetten regungslos dasitzen mögen.
Auch wenn die genannte WT-Ausgabe nicht so weit geht, dass auch in diesem Falle wörtlich auszusprechen, erschien es der WTG dennoch angebracht, ihre Aussage eigens durch eine bildliche Darstellung in dieser WT-Ausgabe zu unterstreichen.

Dem zweiten Thema begegnet man in der Rubrik "Fragen von Lesern". Und da wiederum einer, welcher der WTG anderthalb WT-Spalten zu deren Beantwortung wert ist.
Da wird also angefragt:

"Jesus sagte: "Laß die Toten ihre Toten begraben. Bedeutet dies, daß wir als Christen keine Zeit darauf verwenden sollten, Begräbnissen beizuwohnen?"

In eher gewundenen Worten vermeidet es die WTG jene Frage eindeutig zu beantworten. Um um den Aspekt des "zerredens" zur Geltung zu bringen, ist dem WT dies, wie gesagt, anderthalb WT-Spalten wert.
Aber der WT setzt auch eigene Akzente. Die kommen namentlich in den Sätzen zum Vorschein:

"Christen aber, die sich Gott hingegeben haben, treffen Vorkehrung, um bei einer Bestattung ein Zeugnis für die Wahrheit zu geben. Dadurch nehmen sie eine günstige Gelegenheit wahr ... Viele Zeugen Jehovas nutzen Begräbnisse auch heute zu diesem Zweck aus."

Der "Eitertanz" der Fragenbeantwortung der da veranstaltet wird, zeigt sich besonders auch im zweiten Teil der Fragenbeantwortung. Da wird nun reflektiert. Was aber ist, findet solch eine Begräbnisveranstaltung, geleitet etwa von einem Pfarrer, etwa in einem konventionellen Kirchengebäude statt.
Ein pauschales verneinendes Verdikt wagt der WT zwar nicht auszusprechen. Er räumt eher widerwillig ein, dass es Umstände geben mag, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Das aber kaum mit Begeisterung, denn die Option eine eigene Propagandaveranstaltung unter diesen Umständen zu zelebrieren, ist dort ja nicht gegeben. Darauf indes legt der WT, wie das weiter oben gebrachte Zitat zeigt, den eigentlichen Wert. Weitaus weniger Wert indes auf die Gefühle und Empfindungen, etwa von Angehörigen, bei einem solchen Trauerfall.
Und so endet denn diese Fragenbeantwortung, auch mit den eher als distanziert zu bewertetenden Sätzen, die aber zugleich in bemerkenswertem Kontext zu der eingangs formulierten Fragestellung stehen:

"Folglich haben wir nicht die Befugnis, jemandem zu kritisieren oder zu verurteilen, wenn wir auch die Anwesenheit bei solchen von Geistlichen geleiteten Begräbnissen nicht befürworten."

Und daran schließt sich noch der Satz, es möge Gott überlassen sein, zu beurteilen, wie er denn das Verhalten eines Zeugen Jehovas bewerten will

"der einer Feier, die unter Leitung von Geistlichen steht, beiwohnt."

Also eine "Erlaubnis dritter Klasse", um es mal so salopp zu sagen.
Siehe auch:
Parsimony.22970

Was "Erwachet!" alles so weis
geschrieben von: Drahbeck (
Datum: 22. August 2011 02:21
Hinweis:
Der für heute vorgesehene Beitrag wurde bereits am 13. 8. gepostet.
 

Vor fünfzig Jahren
Was "Erwachet!" alles so weis

Nun ist es wohl so, eine zweimal monatlich erscheinende Zeitschrift (damals) kann nicht auf die Ebene einer Tageszeitung gestellt werden, welcher schnelleres Reagieren möglich ist.
Insoweit ist davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 8. 1961, die Geschehnisse des 13. 8. 1961, noch nicht bekannt waren.
Allerdings setzt eine Aktion wie die des 13. 8. 61 ein größeres Maß an Logistik voraus. Die lässt sich nicht so einfach, nur aus einer Laune heraus, bewerkstelligen.
Auch wenn die Eingeweihten auf östlicher Seite zum Schweigen verdonnert waren, bedeutet dies ja nicht, dass sie es auch tatsächlich taten. Da sickerte im Vorfeld schon mal einiges durch.

Symptom dafür auch die Verleugnungs-Pressekonferenz von Ulbricht am 15. Juni 1961, wo er auf eine westliche Presse-Frage wörtlich bestritt, dass die Absicht des Mauerbaues bestehe.
Allein der Umstand, dass diese Frage so gestellt wurde, spricht dafür, dass da einiges im Vorfeld in den Westen durchgesickert war.

http://www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Start/Detail/id/593837/page/4

Wie es denn tatsächlich soweit war, zogen es allerdings einige "Stadtbekannte" Herrschaften vor, sich erst mal in ihr "Mausloch" zu verkriechen.
Wie einer dieser Sorte, wie es ihm in seinem "Mauseloch" wohl zu unbequem wurde, anschließend zu tönen beliebte, ist nur zu gut bekannt.

 

Der heutigen "Berliner Zeitung" ( 13. 8.) entnommen:
Egon Bahr im Interview mit genanntem Blatt:

Es gibt übrigens noch ein paar mehr Mauern.
Unter anderem eine in Nikosia (Zypern), auch eine in Israel.
Oder auch diese "Musterexemplare"´.

 

Namentlich zu der Mauer in Rumänien, werden dann ja möglicherweise die Thilo S. und Co, nebst zugehörigen Spektrum etwa der Partei "Die Freiheit" usw. denen die CDU nicht rechts genug ist, die deshalb ihren eigenen Laden aufmachen, vielleicht noch (derzeit) verhalten Beifall klatschen.
Eigentlich wären diese Herrschaften besonders gut in der NPD aufgehoben. Eigentlich ...

Da die NPD ihnen aber zu tump ist, und sie die Zusatzikone Pro-Israel und Pro USA., (dort den ultra-ultra Rechten Flügel), auf ihre Fahnen geschrieben haben, muss sich die NPD einstweilen damit abfinden, diese Herrschaften (noch) nicht für sich organisatorisch gewinnen zu können.
Sollte es indes dazu kommen, dass sowohl NPD als auch diese Kreise rechts der CDU, in nennenswertem Umfange in die Parlamente einziehen, wird der Michel mit der Schlafmützen noch lernen, was es mit dem Satz auf sich hat.
Getrennt marschieren - aber gemeinsam schlagen!

Demnächst also das Motto dieser Kreise
So wie in Rumänien müsse es gemacht werden!
Postulierte der Osten früher mal.
"Von der Sowjetunion lernen - heiße siegen lernen".
So könnten genannte Kreise - die Antisemiten der Gegenwart - nur das ihre "Juden" heutzutage auf den Namen Islamisten hören.
Da könnten besagte überwiegend Mittelstandskreise, die schon lange vergessen haben, wie es denen "da unten" gehen kann, demnächst den Slogan ausgeben.
"Von Rumänien lernen - heisse siegen lernen".
Im Nachbarland Bulgarien durften dortige Zeugen Jehovas schon mal die Folgewirkungen auskosten.
Teerten und federten (im Buchstäbliche Sinne) die USA-Antisemiten um den Ku Klux Klan, als Ausdruck des "Volkszornes", zu Zeiten des zweiten Weltkrieges (außerhalb des Gesetzes) die Zeugen Jehovas, so machte es der bulgarische Ku Klux Klan, kürzlich schon mal nach.
"Demonstrationen" mit anschließenden sehr handfesten Randalen und Tätlichkeiten.

Die neuzeitlichen Antisemiten sind keinesfalls ausgestorben.
Sie erhaben im Gegenteil immer frecher ihr Haupt!

http://www.youtube.com/watch?v=Nkn0CmrNPIs

Ein einfaches Weltbild ist ja immer eine prima Sache: "wir sind immer die Guten"

Hohle Phrasen aus noch hohleren Köpfen.

Große Brötchen
geschrieben von: Drahbeck (
Datum: 01. September 2011 05:00
Vor fünfzig Jahren
Große Brötchen

Als eher ungewöhnlich für "Wachtturm"-Verhältnisse muss ein Artikel in der Ausgabe vom 1. 9. 1961 angesehen werden, betitelt "Englands religiöse Minderheiten".
Er benennt da auch einige Gruppen, die auch ausgewiesenen Sachkennern eher unbekannt geblieben sind, mangels Masse. Und nicht selten liest man in der zugehörigen WT-Beschreibung dann auch Sätze wie die, bezogen auf eine Gruppe die als "Glasiten" bezeichnet wird:

"Da die Zahl der Glasiten beständig abnimmt, wird es für sie zufolge des Mangels an Ältesten immer schwieriger, ihre Kirchenangelegenheiten zu leiten. Was wird geschehen, wenn nur noch ein Ältester zurückbleibt. Niemand scheint das zu wissen."

Und nachdem der WT noch einige weitere Gruppen vorgestellt hat, wertet er dann:

"Mit nur wenig Ausnahmen nehmen die religiösen Minderheiten in England zahlenmäßig immer mehr ab. Viele sind nun am Erlöschen."

Und weiter in der Wertung des WT:

"Weshalb verlieren diese religiösen Minderheiten an Boden, kämpfen aber gegen ihr Erlöschen? Die Familientradition spielt dabei eine wichtige Rolle. Personen, die zu religiösen Minderheiten gehören, brüsten sich damit, anders zu sein als andere, und oft sind Glieder der eigenen Familie oder Verwandte Nachkommen des Gründers ihrer Bewegung.
Sie erzählen anfeuernde Berichte über die Standhaftigkeit ihres Urgroßvaters im neuen Glauben, und das an sich genügt ihnen schon, unerschütterlich dabei zu bleiben, Manche glauben aufrichtig, die Konfession des Vaters müsse auch die Konfession des Sohnes sein, ungeachtet, ob diese Anbetung die richtige ist oder nicht. Wenn Mitglieder solcher Sekten alt werden und sterben, werden sie gewöhnlich nicht durch Neubekehrte ersetzt, und oft beobachten die Führer selbstgefällig die erlöschenden Funken ihres geistigen Feuers und wärmen sich durch eine kurze Erweckungstätigkeit nur gelegentlich die Hände."

Für sich selber hat die WTG aus der Beschreibung dieser Sachlage die Konsequenz gezogen, zwei Stichworte seien für ihre Strategie wesensbestimmend.
Stichwort eins: Neubekehrte.
Stichwort zwei: starke Organisation.
Bereits William J. Schnell schätzte ein, etwa 75% der mit der WTG in Berührung gekommenen der Frühzeit, habe nach einer gewissen Zeit, wieder die Verbindung zu ihr (freiwillig oder auch unfreiwillig) gekappt.
Mag man zu der Schätzung von Schnell auch einwenden, diese Angabe sei aber nicht durch wissenschaftlich exakte Belege abgesichert. Schnell habe da eher seine "Bauchgefühl-Meinung" zu Papier gebracht, so drängt sich auch mir der Eindruck auf. So grundliegend "schief" liegt Schnell mit seinem Bauchgefühl dann wohl nicht.
Wie kaum eine andere Formation der Religionsindustrie, legt ja die WTG besonderen Wert auf die Konvertierung von Neubekehrten. Auch um den Preis, dass dafür ein Aufwand betrieben wird, der im Verhältnis zum Ertrag, unter Marktwirtschaftlichen Aspekten, dem Bereich des Wahnsinns zuortbar ist.
Im Hintergrund steht halt die Angst der WTG, es könne auch ihr einst so ergehen, wie den beschriebenen abnehmenden Gruppen in England.
Und diese Gefahr ist in der Tat real.

Wer kennt heutzutage noch näher die Gruppierung "Wahrheitsfreund" des Ewald Vorsteher im Deutschsprachigen Bereich?
Kaum einer, außer den sehr, sehr wenigen, die sich mit geschichtlichen Fragen näher und intensiv befassen.
Hätten zeitgenössische Konkurrenz-Kirchliche Kreise, besagten "Wahrheitsfreund" nicht über alle unverdiente Maße hochgejubelt, würde ja wohl auch unsereins nicht allzuviel über diesen Spinnerverein mehr wissen.
Wer kennt heute noch die Gruppen im Dresdner und Leipziger Raum, welche nach 1945 zum Auffangbecken für etliche mit der WTG Unzufriedene wurden? (Auch der ehemalige deutsche WTG-Fürst Balzereit landete dann ja in diesen Kreisen).
Nun kam sicherlich die unglückselige östliche Kirchenpolitik hinzu, die besagten Gruppen unter fadenscheinigen Vorwänden, ihre von der Sowjetischen Militäradministration erteilten Zulassungen wieder entzog.
Das aber muß auch in dem Kontext gesehen werden, der Probleme, welche um 1950 dem östlichen Regime die Zeugen Jehovas bereiteten.
Und alte und neue Kirchenpolitik-Nazis, egal ob nach 1933 oder nach 1945, kennen auf solcherlei Herausforderungen ja nur ein Patentrezept, und das heißt: Rasenmäher. Und der Rasenmäher mähte eben auch genannte Gruppen mit nieder.
Wer kennt heute noch - aus eigener Anschauung - etwa die von F.L.A. Freytag gegründete "Kirche des Reiches Gottes" ?
Sicherlich in der Schweiz - ihrem Stammland - besitzen sie wohl noch einige beachtliche Immobilien.
Aber welche Rolle spielen sie denn noch etwa in den Beobachtungsberichten von Konfessionskundlern, der Großkirchen? Was da relevant ist, wird von denen durchaus von Zeit zu Zeit mit erwähnt.
Die Freytag-Gruppe indes, haben auch diese Konfessionskundler schon lange, lange Zeit, auf dem Müllhaufen der Bedeutungslosigkeit einsortiert.
Wer kennt heute noch die Gruppierung um die "Christliche Warte" in Kirchlengern (Westfalen) aus eigener Anschauung?
Die ist ja ein Novum dergestalt, als in Schismen zur Rutherford-Zeit, es jener Gruppierung gelang, die materiellen Besitztümer zu behalten, und die WTG-Hörigen, in diesem einsamen Fall das Nachsehen hatten. Heute wäre eine Wiederholung dessen schon mal aus dem Grunde nicht möglich.
Gäbe es ein theoretisch denkbares Schisma, und 99 von Hundert würden dabei der WTG Ade sagen, so hätte der übriggebliebene Eine im Schulterschluss mit der WTG, weiter das Bestimmungsrecht über die Immobilie, welche jene Einhundert, in ihren gemeinsamen Tagen nutzten.
Schlichtweg der auf den WTG-Namen erfolgte Grundbuch-Eintrag, sorgt dafür.
Und nachdem die "Christliche Warte" nie die Kurve etwa ins Internet-Zeitalter gemeistert hat, und ihr Printorgan "Christliche Warte" (inhaltlich nie bedeutend), aber eben existierend ab 1949, eingeschlafen ist, dürfte auch in diesem Falle, das nicht mehr an sie erinnernde vorprogrammiert sein.
Nun hat es im Verfolg Bundesrepublikanischer Politik, auch die Zuwanderung von Personen, etwa aus Polen gegeben.
Hätte es diese Zuwanderung nicht gegeben, wäre wohl auch die Gruppe um den frühen WTG-Dissidenten Johnson, den Rutherford höchstpersönlich, aus dem WTG-Bethel herausschmiß, wohl auch hierzulande bereits unbekannt. Die "polnische Blutauffrischung" hat diese Tendenz allenfalls etwas hinausgezögert.
Ähnliches ist auch für die Stockkonservative Gruppe um den "Tagesanbruch" feststellbar.

A ja, da kommen dann noch die ganz Schlauen, welche registrieren, das mit der Fluktuation aus WTG-Gefilden geht aber weiter, auch in der Gegenwart.
Und Ober-Ober-Schlaue von diesen Ganz-Schlauen, wähnten dann.
Dann werden wir halt mal ein "Kettenspiel für Doofe" und ähnliche "Events" auf den Markt bringen, da der Markt doch sicherlich auf diese "Events" wartete. Vielleicht werden wir dann ja auch noch eine "starke" Organisation.
Nun ja, sagen wir es mal zurückhaltend mit dem Satz:
"Zuletzt stirbt wohl die Hoffnung".
Man kann selbstredend für sich die Hoffnung haben, geschichtliche Gesetzmäßigkeiten, doch noch aushebeln zu können.
Hoffen und Harren indes soll wohl so manchen schon zum N ... gehalten haben.
Der Traum einer "starken Organisation", es sei denn man wiederholt die WTG-Mechanismen, was wiederum zu Gegenkritik herausfordert, wird ein Traum bleiben.
Wer in dieser Gemengelage von "grossen Brötchen" träumt, die er unbedingt backen will, sollte sich schon mal fragen, ob er mit "kleinen Brötchen", nicht letztendlich besser bedient ist.

Exkurs:
Mögen diejenigen (Beispiele dafür wurden vorstehend genannt), die in konventioneller Art und Weise dem großen Zampano nachjapsen, der da alles "richten soll". In der Praxis indes nullkomma nichts bis nullnullkommakomma nichts "richtet" mittlerweile eher nicht mehr die vorrangig dominierenden sein.
Mögen statt dessen diejenigen im Aufwind sein, welche der Spruch eines Heinrich Heine weit bedeutungsvoller erscheint.

Ein neues Lied, ein besseres Lied, o Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich sein, und wollen nicht mehr darben.
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, was fleißige Hände erwarben.
Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder, auch Rosen und Myrthen, Schönheit und Lust, und Zuckererbsen nicht minder.
Ja Zuckererbsen für jedermann, sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen.

Parsimony.3427
So kann dieser grundsätzliche Dissenz über eines nicht hinwegtäuschen.
Letztere These kann man ja durchaus dem historischen Freidenkertum zuordnen.
Unter variierten Namen gibt es selbiges in organisierter Form auch in der Gegenwart.
Wer sich die diesbezügliche "Szene" indes mal näher ansieht, kann auch dort registrieren, wie da "händeringend" nach Mitgliedern gesucht wird, und der "Erfolg", sofern man diese Vokabel überhaupt berechtigt verwenden kann, alles andere als "berauschend" ist.
Es ist keineswegs damit abgetan, dass man feststellt. Die konventionellen Kirchen verlieren Mitglieder. Bei näherem Hinsehen gilt das auch für politische Parteien.
Und auch die Zahl der Nichtwähler an Wahltagen, spricht da wohl Bände.

Allerdings gibt es auch Kreise, welche da wohl keineswegs zu den Nichtwählern gerechnet werden können.
Etwa die Kreise um die NPD, etwa die Kreise um die "Partei Bibeltreuer Christen" und ähnliche Beispiele.
Das wiederum kann man sehr wohl auch mit gemischten Gefühlen sehen.
Wie auch immer, lamentieren mit dem erhobenen Zeigefinger dürfte da nicht sonderlich weiterhelfen.
Was die PBC anbelangt, scheint die zu den diesjährigen Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlen schon mal überhaupt nicht anzutreten. Die überwiegende Zahl der Berliner mag das ohnehin nicht als "Verlust" ansehen. Die 5% Klausel tut im übrigen ihren weiteren Teil dazu bei.
Ihre "Resonanz" in Berlin mag den eine Meldung auf ihrer Webseite, Landesverband Berlin verdeutlichen, die unter der Rubrik "Regelmäßige Veranstaltungen" verkündet:

"PBC-Gebet: jeden 3. Montag im Monat in Reinickendorf in privater Wohnung eines PBC-Mitgliedes ...Bitte vorher telefonisch ... melden."

In anderen Bunderländern indes mag es diesbezüglich noch anders aussehen.
Um auf die Freidenkerszene zurückzukommen. Dadurch das diejenigen nun auch nicht mehr viel bis nichts vom "großen Zampano" wissen wollen, bleiben diesen Kreisen keineswegs Konflikte erspart, die sie bei oberflächlicher Betrachtung, gerne den Kreisen des "großen Zampano" "nur" andichten möchten.
Die tatsächliche Wirklichkeit indes spricht eine andere Sprache.
Einige Beispiele nachfolgend.

Ein eher makabres Veranschaulichungsbeispiel, bietet auch der Blick auf die organisierte Freidenker-Szene zu Zeiten der Weimarer Republik.
Schon zu Kaisers Zeiten gab es ja solche Vereine. Die aber waren eher elitär ausgerichtet, etwa wie der Monistenbund (den heute auch kaum noch einer kennt). Vielfach sammelten sich in ihnen von Standesdünkel durchtränkte Persönlichkeiten, die da wähnten "was besseres" zu sein, und auf die sogenannten "Proleten" eher herablassend heruntersahen.
Damit erreichten sie schon mal, das sie "unter sich blieben". Eine Breitenwirkung verbauten sie sich schon mal damit vom Ansatz her.
Es soll nicht bestritten werden, dass auch der Monistenbund so manches "Steinchen" vor die Füße der Religionsindustrie warf, die, gäbe es nicht den flankierenden Schutz des kaiserlichen Staates für die Religionsindustrieen geeignet gewesen wären, zu "Stolpersteine" auszuarten.
Das "stolpern" indes verhinderte der kaiserliche Staat schon mal grundsätzlich, getreu dem Bismarck-Motto:
Die Religion müsse dem Volke erhalten bleiben. Zu allererst dem Volke.
Ein Grundsatz, welcher auch heutigen "Bismarck-Jüngern" noch in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Dann kam der erste Weltkrieg, und siehe da, auch diese elitären Kreise fand man vielfach auf Seiten der Alldeutschen wieder. Deren Dogma ja unter anderem.
Für das deutsche Herrenvolk sei nur ein Siegfrieden denkbar. Da waren sie sogar mit breiten kirchlichen Kreisen einer Meinung.
Kirchliche Kreise, unter ihnen ein Herr Dibelius, später noch als Bischof bekannt geworden, pflegten einem im Jahre 1917 in der "Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Kirchenzeitung" mit Ach und Krach abgedruckten Aufruf von fünf Berliner Pfarrern, welche für einen Verständigungsfrieden plädierten, auf ihre ganz spezielle Art und Weise zu kommentieren.
Jene Seite in der AELKZ, welchen diesen Aufruf erhielt, der zeilenmäßig mal sehr bescheiden war, ist damit ja noch nicht "ausgefüllt" gewesen. Und da hatte die Redaktion der AELKZ auch gleich die "richtige" Intention, was an Text auf jener Seite noch eingeräumt werden könnte.

Und da befand genannte Redaktion, der Geburtstag des Weltkriegsgenerals Hindenburg müsse doch angemessen gefeiert werden. Nicht nur in jenem Blatt, sondern eben auch in Natura. Letzteres geschehen in einer Kirche in Berlin-Schöneberg.
Und wie das mit Geburtsgskindern so nicht unüblich ist. Äußert das Geburtstagskind einen Wunsch bemüht man sich nach Kräften diesem nachzukommen.
Und siehe da auch Herr Hindenburg war um einen Geburtstagswunsch nicht verlegen.
Er wünschte sich, die Gottesdienstbesucher möchten doch im Anschluss an diese weihevolle Veranstaltung, Geld als Kriegsanleihe zeichnen.
Gesagt getan. Der Bericht der AELKZ kündet auch davon, unmittelbar nach Ende des Gottesdienstes eilten die Pfarrer jener Kirche (unter ihnen eben auch der Herr Dibelius) eilends in die Vorräume und präsentierten dort ihre vorbereiteten Listen zwecks Zeichnung von Kriegsanleihen. Und siehe da, das Gottesdienstbesucher-Publikum, lies sich auch nicht lumpen. Der Bericht redet davon, das da Beiträge zwischen zehn bis zehntausend Mark pro Zeichner, allein bei dieser Veranstaltung, eingetragen wurden.

http://books.google.de/books?ei=oTlNTvCCCYifOqj6wfEG&ct=result&id=HEQaAAAAMAAJ&dq=karl+hammer+kriegstheologie&q=Dibelius#search_anchor

Auch der nachfolgende "salbungsvolle" Erguss des Herrn Dibelius, ist noch dem Jahre 1917 zuortbar.

Da hatten jene anderen Pfarrer im Jahre 1917, welche zaghaft für einen Verständigungsfrieden plädierten, beim lesen der AELKZ, gleich die rechte Einstimmung, wie den die Amtskirche ihren zaghaften Versuch einstufte.
Der Fairness halber sei noch eingeräumt. Einen teilweisen Lernprozess absolvierte dann auch noch Herr Dibelius. Sein "Friede auf Erden" betiteltes Buch, zu Zeiten der Weimarer Republik erschienen, kündet davon.
Selbiges brachte dann noch zu Nazizeiten, den Obernazi Rosenberg dermaßen auf "die Palme", dass er in in einer apologetischen Schrift, wegen dieses Buches, Dibelius noch namentlich angriff. Was Rosenberg besonders ärgerte war der Umstand, dass in jenem Buche zaghaft angedeutet wurde, es könnte ja in einem weiteren Kriege, dann auch noch Wehrdienstverweigerer aus dem Bereich der Evangelischen Kirche geben (vielleicht, wenn Pfingsten, Ostern, Weihnachten auf einen Tag zusammenfallen).
Ergänzend wurde zum Fall Dibelius schon früher mal festgehalten:
"Der vermeintliche "Privatmann" Rosenberg verfügte über eine für die Kirchen bedrohliche Machtfülle. Das musste schon der damalige evangelische Generalsuperintendent Otto Dibelius, spätstens im Jahre 1937 erfahren.
Bereits als Detail-Vorabdruck aus der Rosenberg-Schrift "Protestantische Rompilger" (in der SS-Zeitschrift "Das Schwarze Korps"), fand sich darin Dibelius auch als namentlich Angegriffener wieder.
Der Nazi Rosenberg spießte darin besonders das Dibelius-Buch "Frieden auf Erden" (in Weimarer Republikzeiten erschienen) auf, worin Dibelius den Versuch unternahm, in der Wehrdienstfrage "Wasser nach beiden Seiten zu tragen".
Sowohl künftige Wehrdienstverweigerungen, als auch Militärdienst, hielt er nun für möglich.
Das war immerhin ein "Quantensprung" für seinesgleichen, denn die überwältigende Mehrheit seiner Funktionärskollegen zu Zeiten des ersten Weltkrieges, gehörten eher zu den auch in die "Schützengräben hineinpredigenden".
Das diese Traditionslinie nun durch Dibelius zumindest ansatzweise, zur Diskussion gestellt wurde, war für den Nazi Rosenberg offenbar "zuviel". Und so griff er diesbezüglich auch Dibelius in scharfen Wendungen, in seiner genannten Schrift mit an.
Dibelius seinerseits suchte sich mit einer gleichfalls 1937 erschienenen Schrift "Drei Randbemerkungen zu einem Kapitel Rosenberg" zu verteidigen.
Habe ich anderorts entlehnte Bemerkungen richtig verstanden, geriet diese Schrift dann wohl noch unter Naziverbot.
Gleichwohl erreichte zeitgenössisch, einige Exemplar davon das wissenschaftliche Bibliothekswesen; und auch im Antiquariats- Buchhandel, ist sie noch heute nachweisbar. Sie ist demzufolge nicht "total verschollen".
Da Dibelius ja bereits in seinem "Frieden auf Erden" das Prinzip "Wassertragen nach beiden Seiten" praktiziert hatte, war es ihm auch möglich zu belegen, dass er keinesfalls der Fürsprecher totaler Wehrdienstverweigerung sei, als der ihn Rosenberg hinstellen wollte.
Aber er setzt noch einen anderen Akzent in dieser Verteidigungsschrift.
Rosenberg bezichtigte die Kirchen auch, gegenüber dem "Bolschewismus" versagt zu haben, und der Nazismus sei eben der "Retter vor dem Bolschewismus".
Da verteidigt sich nun Dibelius dergestalt, dass er zwar keine Widerlegungs-Zitate aus "Frieden auf Erden" beibringen konnte. Wohl aber Hinweise darauf, wie auch er auf Kirchentagen etwa, bereits gegen den Bolschewismus Stellung genommen hatte."

Vorstehende Dibelius-Episode von 1917 spielte sich zwar in einer Kirche ab.
Indes kann behauptet werden, das handelnde Personal hätte sich ebenso gut aus dem Monistenbund zusammensetzen können.

Nun wurde das aber nichts mit dem in der Sicht dieser Kreise einzig möglichen "Siegfrieden".
Die Nach-Weltkriegszeit glich daher in vielerlei Hinsicht einem brodelnd revolutionären Kessel.
Eine Folgewirkung, Freidenkertum blieb nicht nur auf elitäre Kreise beschränkt. Auch die verachteten "Proleten" nahmen zusehend diesen Impetus auf.
Ein diesbezüglicher (nunmehr selbstständiger) Freidenkerverband soll 1920 schon 60.000 Mitglieder gehabt haben. Da konnten die elitären Herren vom Monistenbund, angesichts solcher Zahlen, schon mal vor Neid erblassen.

Ein Verband wirft auch Funktionärsposten ab. Darauf waren und sind ja einige Herrschaften sei eh und je besonders scharf.

Aber o weh, dass Missgeschick naht in Deutschland in Form der herannahenden Inflation. Letztere vernichtete ja erhebliche Werte.

Und auch die neuen Verbandsfunktionäre mussten hart mit dieser Sachlage kämpfen.
Da kam ihnen der rettende Einfall.
Ein zweites Standbein müsse her. Gesagt - getan. Ergo wurde aus dem Freidenkerverband nunmehr ein Verband für Freidenker und Feuerbestattung.
Solch einen Feuerbestattungsverein gab es zwar vordem schon, namentlich in Berlin (wohl seit 1905). Der indes dümpelte in der Bedeutngslosigkeit so vor sich hin.
Einen wesentlichen Schub erfuhr die Freidenkerszene durch die Einführung von Kirchensteuern, zum Anfang der Weimarer Republik. Als Aquivalent dass die Kirchen nun keine Staatskirchen mehr sein sollten, wurden ihnen diese Steuern zugebilligt. Das hat dann so manchen aufwachen lassen, der sich dann seine nicht mehr Kirchenfrommen Gedanken zu dieser neuen Steuer machte. Profitieren tat davon ohne Zweifel die Freidenkerszene. Und auch der Feuerbestattungsverein wurde damit vom Nischendasein, zusehends ins Rampenlicht katapultiert.
An unsterblichen Seelen glauben Freidenker ohnehin nicht; ergo haben sie auch keine prinzipiellen Berührungsängste gegenüber der Feuerbestattung.
Wie das so mit dem Ende ist, auch dem eigenen, daran denkt wohl niemand gern. Aber in der Sicht der großen Masse jenes Verbandes, lag die Einlösung diesbezüglicher Policen für den Bedarfsfall, ohnehin in einer späteren Zukunft. Und siehe da, bis dahin kamen erkleckliche Summen, nicht zuletzt via des genannten zweiten Standbeines zusammen.

Zitat aus einer thematischen Studie von Jochen-Christoph Kaiser:

"Der VFF verdankte seine stürmische Entwicklung bis 1930 nicht dem politischen Atheismus, sondern allein der Attraktiviät seiner Konkurrenzlos günstigen Versicherungsbedingungen."

http://books.google.de/books?ei=ditNToLxIPL74QTQ38TIBw&ct=result&id=6HGyAAAAIAAJ&dq=

jochen+christoph+kaiser&q=Konkurrenzlos+g%C3%BCnstigen+Versicherungsbedingungen

Aber wie gesagt, es gab auch die Inflation.Und in rückblickender Betrachtung konstatieren Kahl/Wernig in ihrer Freidenkerstudie. Jene Inflation vernichtete auch die bis dahin angesammelten Geldbeträge der Feuerbestattungskasse. Indes vergleicht man die Vermögenszahlen, welche da für jenen Verband zum Ende der Weimarer Republik genannt werden, hat man sich dann doch wohl finanziell prächtigst wieder erholt.

Die Kirchen konnten sich indirekt auch freuen. Jener Verband war ja so mit seiner Feuerbestattung beschäftigt, dass er für seine Ursprungsanliegen, der Religionskritik, kaum noch Muße und Zeit hatte, und diesbezüglich zum zahnlosen Tiger mutierte.
Namentlich eher kommunistisch orientierte Kreise spielten dieses Spiel dann allerdings, auf Dauer nicht mit. Sie separierten sich deshalb vom VFF. Aber das war schon eher zum Ende der Weimarer Republik, zeitlich eingeordnet.

Da ein Herr Hitler ja lauthals hinausposaunt hat, er vertrete "positives Christentum" das aber bewusst schwammig, so das sowohl ein Rosenberg, als auch die Nazi-"Deutsche Christen", diese Floskel ohne praktischen Wert, vor sich her tragen konnten.
Da also ein Herr Hitler, auch ansonsten als "Aufräumer" in die Geschichte eingegangen, das er von dieser Position aus, mit organisiertem Freidenkertum nichts am Hut haben konnte, lag ja wohl offen zutage. Und so ist es denn auch abgelaufen. Folgerichtig wurden auch die Freidenkerverbände nach 1933 eliminiert. Aufs eliminieren verstanden sich die Nazis ja ohnehin allerprächtigst.
Nur, mit dem VFF hatten sie dann eine Nuss zu knacken, die ihnen wohl auch einige Kopfschmerzen bereitete. Das war eben deren Hauptgeschäftszweig, die Feuerbestattung.

Die Nazis fanden eine salomonische Lösung. Die Berliner Freidenkerzentrale in der Gneisenaustr. blieb weiter bestehen. Allerdings mit der Maßgabe nurmehr für nur noch rein wirtschaftliche Aspekte, sprich die Feuerbestattung, zuständig zu sein. Untersagt war ihnen jedoch jegliche Begünstigung des vorherigen Freidenkertums, mit dem sie einstmals organisatorisch verbunden war.
Und so konnte die Welt das eher seltene Schauspiel bewundern, wie im Nazi-Eliminierungsstaat, ein potentieller Mit-Eliminierungskandidat, als zahnloser Tiger, sein Dasein weiter fristen durfte.

Insbesondere dem Freidenker-Funktionär Max Sievers, gelang es dann zu Beginn der Naziära zu emigrieren. Mehr noch, über beachtliche Vermögenswerte auch in der Emigrationszeit zu verfügen. Darüber waren die Nazis nun alles andere als "erfreut". Seine Emigration hätten sie ja vielleicht zähneknirschend noch hingenommen. Das er ihnen aber auch noch wesentliche Vermögennsbestandteile entzogen hatte, das verziehen sie nicht. Und in späteren Jahren gelang es den Nazis dann auch noch Sievers habhaft zu werden und zu ermorden. Was sie damit aber immer noch nicht erreicht hatten, war der Umstand, jene Vermögenswerte, die Sievers ins Ausland geschafft hatte, auch in ihre Gewalt zu bringen.
Und so nahm die Geschichte noch eine Fortsetzung nach 1945.

1956 verbot der BRD-Staat die KPD. Eine Folge auch, die finanziell staatlich subventionierten Westberliner Freidenker, machten sich organisatorisch selbstständig. Traditionell im SPD-Milieu angesiedelt, wollten sie nunmehr mit den Westdeutschen Freidenkern nichts mehr organisatorisch zu tun haben, da letztere im Geruch standen, KPD-nah zu sein.
Besonders nachdem Sievers Tochter Margarete Krause (geb. Sievers) 1991 verstorben war, gab es dann zwischen den Westberliner und Westdeutschen Verband noch ein Hickhack, wer denn nun der rechtmäßige Erbe sei. Und vor allem, wie man denn nun an diese Gelder "endlich" herankommen könne.
Einige Justizpossen künden dann noch von diesem Hickhack.
Zitat aus einem thematischen Vortrag, der allerdings nur die Oberfläche streift:

"Und bundesdeutsche Gerichte sprachen das von den Nazis enteignete Vermögen des DFV nicht dem wiedergegründeten Verband sondern jener Versicherung zu, die von der Enteignung profitiert hatte. ...
Nach dem Reichstagsbrand in "Schutzhaft" emigriert Sievers sofort nach seiner Freilassung, organisiert von Saarbrücken, nach dem Beitritt des Saarlands zum Reich dann aus Belgien Widerstand gegen das NS-Regime. Dabei hilfreich ist die Tatsache, dass er Teile des Verbandvermögens in weiser Voraussicht bereits vor dem Machtantritt der Nazis ins Ausland geschafft hatte."

www.hvd-berlin.de/aktuelles/max-sievers-großer-unbekannter

"Am 17. März (1933) stürmen SA-Horden die Zentrale des DFV in Berlin-Kreuzberg, Gneisenaustr. 41. Die Verwaltung des geraubten Verbandsvermögens wird unter Nazi-Treuhandschaft gestellt, die Mitarbeiter entlassen. Ab dem 20. Juli wird die Bestattungskasse als "Neue Deutsche Bestattungskasse" weitergeführt. ... Aus dem Saargebiet organisierte Sievers 1933-1935 die Herausgabe des "Freidenker" und dessen illegalen Vertrieb nach Deutschland. Die Herausgabe finanzierte er aus dem, vor den Nazis geretteten Teil des DFV-Verbandsvermögens. Das Verbandsvermögen belief sich 1933 auf ca. 5,5 Millionen RM, das von den Nazis geraubt wurde. Rund 700.000 RM konnten von Sievers gerettet werden und wurden in der Schweiz und den USA angelegt. ...
Die Tochter Margarethe: "1940 ist mein Vater aus dem Exil in den USA noch einmal nach Belgien zurückgekehrt. Seine Schwiegermutter lag im Sterben und seine Frau wollte sie noch einmal sehen. Und dann kamen sie nicht mehr zurück in die USA. Das war sein Schicksal. Dann marschierten die Deutschen in Belgien ein, .... Mein Vater musste nach Nordfrankreich fliehen. ...
Im Exil in Belgien hat meine Mutter Angorakaninchen gezüchtet, aus der Wolle hat sie Sachen gestickt, das haben sie verkauft und davon gelebt in Belgien, denn sie hatten ja kein Geld. An seine Konten konnte er ja nicht 'ran, er hat ja anonym gelebt.

Die beiden hielten sich mit landwirtschaftlichen Gelegenheitsarbeiten und Kaninchenzucht über Wasser. Über einen Verwandten versuchten sie Geld aus der Schweiz zu beschaffen. Doch der Bote wurde verhaftet und gezwungen seine Auftraggeber preiszugeben. So wurde Sievers am 3. Juni 1943 wurde enttarnt und verhaftet. ..."

jestrabek.homepage.t-online.de/sievers.htm

Der von Sievers vorgenommene Geldtransfer erfolgte aber meines Erachtens schon zu Zeiten der Weimarer Republik. Zur eigentlichen Nazizeit wäre er schon mal nicht mehr möglich gewesen.
Nun kann man spekulieren, was für ein "heller Kopf" der Sievers doch war, das er im voraus ahnte, und reagierte, wie das mit dem Naziregime wohl so kommen würde. Dann muss er aber eine bemerkenswerte Ausnahme von der Regel gewesen sein. Andere gaben sich noch der Illusion hin, das Hitlerregime werde ohnehin bald abgewirtschaftet haben, bzw. noch andere, sie könnten jenes Regime, in der Form als Koalitionsregierung, so "zähmen", dass sie die Strippenzieher seien und die Nazis die "Marionetten".
Die Wirklichkeit indes kündete von anderen Konstellationen.

War denn nun jener Geldtransfer zu Weimarer Republikzeiten, im größeren Verbandsrahmen abgesprochen? Das wäre dann die wohlwollende Interpretation.
Die Nicht wohlwollende indes besagt, da hat ein Funktionär in selbstherrlicher Weise Gelder beiseite geschafft. Nicht unbedingt im Einverständnis mit anderen aus seinem Verband, welche auch was zu sagen hatten (sofern sie denn was "zu sagen gehabt haben sollten", was eher dem Bereich des Unwahrscheinlichen zuortbar ist).

Kahl/Wernig meinen in ihrer Freidenkerstudie werten zu können

"Doch dem ersten Vorsitzenden des Verbandes, Max Sievers, gelang es immerhin, nachdem die Gestapo ihn verhaftet und dann nach drei Wochen überraschend wieder auf freien Fuß gesetzt hatte, zusammen mit dem Generalsekretär Hermann Graul, Ende April 1933 ins Ausland zu fliehen; dabei entzogen sie auf Beschluß des Vorstandes einen Teil des greifbaren Vermögens dem Zugriff der Nazis."

Das ordnet sich dann ein in den Kontext der wohlwollenden Interpretation. Belege indes, die jene wohlwollende Interpretation stützen würden, dass die Geldbeträge erst zu Nazizeiten beiseite geschafft wurden, werden nicht geliefert.

Was die einschlägige Szene, außerhalb des elitären Monistenverband anbelangt, fasste sie Heinz Pepperle in seiner Diss. mal wie folgt zusammen:

Es "gab K(onrad) Beißwanger seit 1905 die Zeitschrift "Der Atheist" heraus und (es) war 1908 in Eisenach der Zentralverband proletarischer Freidenker gegründet worden.
Anfangs war dieser Verband, mit vielen Schwächen behaftet, kaum 800 Mitglieder stark. Nach dem Ende des Krieges wuchs jedoch die Bewegung sprunghaft an, nicht zuletzt deshalb, weil nunmehr die Sozialdemokratie alle Prinzipien verraten hatte und durch die Koalitionspolitik mit dem klerikalen Zentrum auch bereits Massen nicht unbedingt kommunistisch eingestellter Arbeiter gegen sich aufbrachte.
1922 hatte "Der Atheist" schon eine Auflage von 40.000 und 1924 von 80.000 erreicht, während die Mitgliederzahl der "Gemeinschaft proletarischer Freidenker" nach dem Anschluß des "Vereins der Freidenker für Feuerbestattung" (dem die konsequenten Freidenker allerdings oft als bloßen "Begräbnisverein" bezeichneten) rund eine halbe Million betrug."

Funktionär besagten "Begräbnisvereins" war halt der Herr Sievers.
Die Vokabel "Begräbnisverein" kann dabei durchaus doppeldeutig interpretiert werden.
Eine "Begräbnisform" dabei auch die, einem "furchterregenden Tiger" sämtliche Zähne zu ziehen.
Aus der im Zeitungsformat seit 1925 erscheinenden Verbandszeitschrift "Der Freidenker" seien denn mal zwei spezielle Meldungen herausgepickt.
In der Ausgabe vom 1. Januar 1930 konnte man lesen:

"Am 19. Januar findet im Rahmen der Veranstaltungen der Berliner Funkstunde erstmalig eine Freidenker-Morgenfeier statt. Weitere Feiern dieser Art werden in gewissen Zeitabständen folgen. Am 30 Januar abends spricht Gen. Max Sievers über das Thema: "Weltanschauliche Betrachtungen eines Freidenkers."

Die Letzte Ausgabe besagten "Freidenkers" die erscheinen konnte (auf Grund der politischen Rahmenbedingungen) war wohl die vom 16. 3. 1933. Immerhin wird sie mit einer Auflagenzahl von 432.000 Exemplaren ausgewiesen.
Und vielleicht nicht ganz unpassend, lässt "Fürst" Sievers noch in der Ausgabe vom 1. 10. 1932 ein Bild von sich abdrucken.
Was nun jene Radiosendungen anbelangt, erinnert man sich. Auch den Bibelforscher/Zeugen Jehovas, gelang es - einmalig - eine Sendung mit ähnlichen Titel ("Eines Bibelforschers Weltanschauung") ausstrahlen zu lassen. Einmal - und danach nie wieder.
Es würde überhaupt nicht verwundern, sollte es im Falle des "Freidenker" ähnlich abgelaufen sein.
Die zweite Meldung in jenem Blatt, die nicht vorenthalten sei, konnte man in der Ausgabe vom 1. 9. 1931 lesen.
Da wurde berichtet:

"Da lebt in San Diego (Kalifornien, USA) ein Richter Joseph Frederick Rutherford, Präsident der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung und Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. Dieser Mann, wohlbemerkt ein Richter, vermachte im März vorigen Jahres sein Haus, zwei Automobile und die Garage . dem König der Juden David und anderen alttestamentlichen Gestalten wie Gideon, Samson usw.
Ich habe absichtlich Palmen- und Olivenbäume um das Haus gepflanzt, damit sich diese Himmelfürsten, wenn sie binnen kurzer Zeit wieder auf der Erde erscheinen, vollkommen zu Hause fühlen sollen", sagte der Richter ..."

http://www.tj-encyclopedie.org/Beth-Sarim
Die Beth-Sarim-Story auf französisch.
Die Google-Übersetzungsvariante:
http://translate.google.de/translate?js=n&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&layout=2&eotf=1&sl=fr&tl=de&u=http%3A%2F%2Fwww.tj-encyclopedie.org%2FBeth-Sarim

Nun ist allerdings nicht überliefert, welche Emotionen, den auch "Fürsten" Sievers, bei der Aufnahme jener Meldung in sein Blatt, bewegt haben. Sollte es Neid gewesen sein, es noch nicht ganz soweit gebracht zu haben ...
Die Frage soll und muss unbeantwortet bleiben.
Ausdrücklich eingeräumt sei auch, dass Sievers im Exil dann die Zeitung "Freies Deutschland" gründete. Nur, wie es dann tatsächlich gekommen ist, war wohl zu Weimarer Republikszeiten, so noch nicht voraussehbar.
Auch SPD-Kreise gründeten in Prag dann den "Neuen Vorwärts", woran wohl mehrere beteiligt waren. Im Falle Sievers war es dann wohl eher ein Einzel-Unternehmen.
Es ist sicherlich wahr, zwischen zeitgenössischen Sozialdemokraten (zu denen auch Sievers zählte) und zeitgenössischen kommunistischen Kreisen, klaffte ein abgrundtiefer Spalt.

Namentlich die kommunistische Demagogie, die Sozialdemokraten als "Sozialfaschisten" zu titulieren ging da zu weit, entschieden zu weit, und war letztendlich äußerst kontraproduktiv.
Es wurde schon angedeutet. Der Verband des Herrn Sievers blieb nicht der einzigste am "Markt". Die kommunistischen Kreise separierten sich. Da wiederum ist es nicht uninteressant mal einen Blick in die Konkurrenzorgane der Freidenker-Szene zu tun, welche unter kommunistischen Einfluss standen.

Eines dieser Organe nannte sich bis Anfang 1930 "Der proletarische Freidenker". Dann, ab März 1930 wurde jenes Blatt in "Proletarische Freidenkerstimme" umbenannt.
Was soll's mag man meinen. Namensveränderungen gibt es halt.
Ein etwas anderes Gesicht bekommt diese Sachlage indes, wenn man die Begründung zur Kenntnis nimmt, die jenes Blatt anführte, weshalb es sich denn nun umbenannt habe.
Und dazu kann man auf der Seite 1 der Märzausgabe 1930, den folgenden Text lesen:

"Beschlagnahmt und verboten
hat die sozialfaschistische Bürokratie des Sievers-Verbandes mit Hilfe der Klassenjustiz durch einstweilige Verfügung den Titel "Der proletarische Freidenker", um uns unseres Sprachrohrs an die Massen der revolutionären Freidenker zu berauben. Die Herren in der Gneisenaustraße schützen vor, daß unser Organ mit dem "Freidenker" sehr leicht zu verwechseln ist. Das ist eine Behauptung, die die Sievers wohl dem Klassengericht, niemals aber den Massen der Leser begreiflich machen können. Uns trennt eine Welt von dem "Freidenker" der Sozialfaschisten."

Noch ein Beispiel
Unter dem Titel:
"Internationale Proletarischer Freidenker. Internationales Bulletin" Hrsg. von der Exekutive der I(nternationale) P(roletarisches) F(reidenker)", kann man in deren 1. Jg. 1931 auf Seite 1 gleich die Sätze lesen:

"Nachdem auf dem IV. Kongreß am 15. November (1930) in Bodenbach aus der Internationale proletarischer Freidenker die Sozialfaschisten Sievers, Hartwig, Ronzal und Lebenhart ausgeschlossen worden sind und die Einheit auf revolutionärer Grundlage wieder hergestellt wurde, ist eine entscheidende Etappe der Entwicklung des IPF zu einem gewissen Abschluß gekommen."

Im gleichen Jahrgang jenes Blattes verbleibend, kann man dann unter anderem auch noch folgende Klage lesen:

"Der antiproletarische Charakter, den die Tätigkeit der IPF in letzter Zeit annahm, fand seinen besonders krassen Ausdruck während des Aufrufes des Papstes zum Kreuzzug gegen die UdSSR ... zieht es die Exekutive der IPF vor, eine abwartende Stellung zu nehmen ... Sonst nichts."

Also genannte Kreise beklagen auch zeitgenössisch die "Zahnlosigkeit" des Sievers-Verbandes. Der ist ja so mit der Kassierung seiner Beiträge für die Feuerbestattung beschäftigt, dass er sich da auch nicht noch um aktuelle Kirchenpolitische Kontroversen, sonderlich kümmern kann.
Genanntes Blatt führte auch in anderer Beziehung eine deutliche Sprache, die nicht nach dem Geschmack des Sievers-Clan war. Das hatte zur Folge, dass schon die März-Ausgabe 1932 dann die letzte Ausgabe war. Die berüchtigten "Notverordnungen" machten es möglich. Also nicht nur die Nazis "bissen" ihre Konkurrenz mit eher unlauteren Mitteln weg. Schon die Zeit davor ist ähnliches nachweisbar.
Und in dieser letzten Ausgabe kommentierte deren Redakteur Hans Meins:

"Hartwig und Sievers wollen keine Loslösung der christlichen Arbeiter vom ideologischen Einfluß der Kirche. Das verbietet ihnen die Koalitionspolitik der 2. Internationale mit den klerikalen Parteien. Sie wollen sich lediglich darauf beschränken, die "räudigen Schafe", die glaubenslosen Kirchenmitglieder, die nur aus Bequemlichkeit- oder Zweckmäßigkeitsgründen der Kirche angehören, zu organisierten Freidenkern zu machen. Sie wollen die Kirche von den "unbequemen Störenfrieden" befreien, wofür sie sogar noch von den Kirchen- und Staatsbehörden Dank erwarten ..."

Diesem Kontext ordnet sich auch ein, dass der "Begräbnisverein" schon zu Weimarer Republikzeiten, am 14. 3. 1928, den Antrag stellte "Körperschaft des öffentlichen Rechtes" analog den Kirchen werden zu wollen. Auch wenn damals daraus nichts wurde, wurde doch der dafür fällige Preis ("dem Tiger sämtliche Zähne zu ziehen") in vorauseilendem Gehorsam, postwendend bezahlt.
Zitat aus einer anderen Diss, (Hans Daute).

"Um die Erfolgschancen zu erhöhen, hatte die Verbandsleitung jede Stellungnahme und Aktion gegen die Konkordatsverhandlungen in den deutschen Ländern verhindert."

Mit vorstehenden Zitaten ist nicht gesagt, dass auch die kommunistische Position nicht kritisch hinterfragbar wäre.
Zu welchen Detailurteil man bei den diesbezüglichen Kontroversen auch immer kommen mag.
Der Sievers-Verband hatte sich in seiner Sicht "etabliert", er schätze ein bequemes "Beamtenleben", wenn es nach ihm ginge bis zum "jüngsten Tag". Das Geld floss ja via Feuerbestattungsbeiträge. Wozu sich da noch mit den Niederungen des Tagespolitik abmühen?!

Indes mit Auflösung bzw. Verbot der Freidenker, war deren Geschichte zu Nazizeiten noch nicht beendet.
Nachdem der Stern der Nazi-"Deutsche Christen" im Sinken begriffen war, gab es allerlei Neugründungen, altbekannter Kreise. Selbige erreichten zwar nie eine durchschlagende Dominanz; aber es gab sie halt, angepasst an den Nazi-Zeitgeist.
Unter ihnen auch die Strömung, welche schon vor der Nazizeit als "Freireligiöse" bekannt waren.
Ein bemerkenswertes Exemplar aus diese Szene, bezeichnete ein Kommentar mal mit dem Begriff:

"einen in der Wolle gefärbten "gemäßigten Nazi".

Nur peinlich genug, diese Wertung beschreibt das agieren des Beschriebenen nach 1945.
Siehe auch:
http://www.ibka.org/artikel/miz91/wurzeln.html

Lese ich in Herrn Bronders Buch "Bevor Hitler" kam, auch die Sätze

" Fest steht aber, daß der oder die Fälscher sehr genial waren: ist es ihnen doch vor weit über 50 Jahren gelungen, genau das zu "prophezeien" was später exakt eingetroffen ist"

wird mir mit Verlaub gesagt schlecht.
Oder auch jener Bronder'sche Verharmlosungssatz:

"Mit der jüdisch-zionistischen Kriegserklärung an Deutschland und nach dem Kriegseintritt der USA wird dann aus bisher nicht aufgehellten Umständen und Gründen heraus jene "Rache" an den Juden vollzogen."

Worin unterscheidet sich derlei Votum von der Aussage eines Hitler, dieweil die "Frankfurter Zeitung" stöhne, die Hetzschrift "Protokolle der Weisen von Zion" sei gefälscht, deshalb, so im Umkehrschluß Hitler seien sie doch echt.

Zum Thema der Hetzschrift "Protokolle ..."

Was wären die Verschwörungstheoretiker wohl ohne ihre Buhmänner? Wohl der sprichwörtliche Fisch ohne Wasser

Nochmals der Detailsatz aus dem IBKA-Kommentar:

"Es liegt auf der Hand, daß Verbände, deren Existenz so stark von öffentlichen Steuermitteln abhängt, schon aus purem Selbsterhaltungstrieb nicht ernsthaft an einer Trennung von Staat und Kirche interessiert sein können."

Eine Feststellung welche sich variiert auch auf andere Bereiche übertragen lässt
Der Disput zwischen denen, welche in straffen Organisationen ihr Heil sehen, und denen, welche (auch als gebrannte Kinder), dem so nicht mehr zu folgen vermögen, ist sicherlich nicht neu.
Schon in seinem weitgespannten Schrifttum (unter anderem auch das 1883 erstmals erschienen Buch "Die Gottespest", danach noch diverse Nachfolge-Ausgaben) formulierte Johann Most auch die Sätze:

"Eine kirchenartige Organisation, wie andere Arbeiterparteien haben die anarchistischen Kommunisten nicht. Sie halten jene Zentralisation mit Exekutive, Beamten, Steuern und sonstigen Imitationen des Staatswesens für verwerflich, weil die Einzelnen lähmend sie im selbstständigen Denken störend und das Ganze der Korruption und Versumpfung zuführend."

(Zitiert nach der erweiterten Nachdruck-Auflage IBDK-Verlag 1991 S. 46)

Ob Most mit dieser Wertung überzogen hat oder nicht, mag jetzt mal dahingestellt bleiben.
Zumindest benennt er einige Schattenseiten, die eintreten können, will man grundsätzlich andere Prioritäten diesbezüglich gesetzt sehen.
Der Vollständigkeithalber sei hinzugefügt.
Most vertrat weiter äußerst radikale Thesen, die so keineswegs übernommen werden können.
Stellvertretend sei als Beleg nur sein Auch-Satz zitiert. Nachdem er detailliert beschreibt, welcherlei Verwendungsformen von Kirchengebäuden er sich so alles noch vorstellen könne, lässt er diese Beschreibung mit dem Satz ausklingen:

"... Hängen die Pfaffen und Nonnen ins Glockenhaus, und können nicht begreifen: wieso es kam, dass nicht schon längst derartig verfahren wurde."

Mit diesem Satz gibt er eine Religionsfeindlichkeit zu Protokoll, die identisch mit der Propagierung des Bürgerkrieges ist. Insoweit muss auf diese Distanzierung, auch ausdrücklich bestanden werden.
Er wurde also nicht zitiert um alles was er denn mal sagte, als "Evangelium" zu erklären. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall.
Text der "Gottespest" bei Payer eruierbar
http://www.payer.de/religionskritik/most01.htm

Re: Die Angst der WTG?
geschrieben von: X ~ mysnip
Datum: 03. September 2011 12:40

"Da die Zahl der Glasiten beständig abnimmt, wird es für sie zufolge des Mangels an Ältesten immer schwieriger, ihre Kirchenangelegenheiten zu leiten. Was wird geschehen, wenn nur noch ein Ältester zurückbleibt. Niemand scheint das zu wissen."

Und nachdem der WT noch einige weitere Gruppen vorgestellt hat, wertet er dann:

"Mit nur wenig Ausnahmen nehmen die religiösen Minderheiten in England zahlenmäßig immer mehr ab. Viele sind nun am Erlöschen."

Und weiter in der Wertung des WT:

"Weshalb verlieren diese religiösen Minderheiten an Boden, kämpfen aber gegen ihr Erlöschen? Die Familientradition spielt dabei eine wichtige Rolle. Personen, die zu religiösen Minderheiten gehören, brüsten sich damit, anders zu sein als andere, und oft sind Glieder der eigenen Familie oder Verwandte Nachkommen des Gründers ihrer Bewegung.
Sie erzählen anfeuernde Berichte über die Standhaftigkeit ihres Urgroßvaters im neuen Glauben, und das an sich genügt ihnen schon, unerschütterlich dabei zu bleiben, Manche glauben aufrichtig, die Konfession des Vaters müsse auch die Konfession des Sohnes sein, ungeachtet, ob diese Anbetung die richtige ist oder nicht. Wenn Mitglieder solcher Sekten alt werden und sterben, werden sie gewöhnlich nicht durch Neubekehrte ersetzt, und oft beobachten die Führer selbstgefällig die erlöschenden Funken ihres geistigen Feuers und wärmen sich durch eine kurze Erweckungstätigkeit nur gelegentlich die Hände."

Für sich selber hat die WTG aus der Beschreibung dieser Sachlage die Konsequenz gezogen, zwei Stichworte seien für ihre Strategie wesensbestimmend.
Stichwort eins: Neubekehrte.

Denn die Mitgliedschaft bei Jehovas Zeugen bspw. in Deutschland beträgt zwar:

JEHOVAS ZEUGEN ALS KÖRPERSCHAFT DES ÖFFENTLICHEN RECHTS - Rechtsanwalt Armin Pikl und Gajus Glockentin, Betriebswirt (VWA)
://wachtturm.net/0/pdf/rec/ues/1998/1998-09-01.pdf Seite 10

im Durchschnitt 20 Jahre ...

Jedoch müssen diese Schwankungen der Mitgliederzahlen ausgeglichen werden.

Drahbeck
Stichwort zwei: starke Organisation.

WTG-Buch 2005 ORGANISIERT, JEHOVAS WILLEN ZU TUN S. 4
Neue müssen mit Jehovas Organisation vertraut werden und lernen, wie sie sich in der heutigen Zeit am Predigtwerk beteiligen können.

Drahbeck
Im Hintergrund steht halt die Angst der WTG, es könne auch ihr einst so ergehen, wie den beschriebenen abnehmenden Gruppen in England.
Und diese Gefahr ist in der Tat real.

9. Februar 1961
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. September 2011 03:49
Vor fünfzig Jahren
9. Februar 1961

Die Ostdeutsche Kirchenpolitik hat sicherlich unterschiedliche Phasen aufzuweisen.
Nach 1945 (im vergleich zu späteren Jahren) noch relativ "liberal". Um 1950 vom kalten Krieg geprägt. Auch in den nachfolgenden Jahren des 1950er Jahrzehnt vom kommunistischen Machtanspruch dominiert. Da hatten auch die Kirchen so ihre Probleme. Stichwort nur "Jugendweihe", weitgehend aufgezogen als Konkurrenz zur kirchlichen Konfirmation etwa, um so den Kirchen, namentlich im Bereich der Jugend, "das Wasser abzudrehen".
Weitere Details sind dazu auch in der 1960er Jahrgangsdatei enthalten.

Namentlich der 9. Februar 1961 war dann ein weiterer Markstein.
Die Ost-CDU bislang eher nur geduldet, als Aushängeschild ohne Bestimmungsfunktion, bekam nun erstmals "was zum sagen".
Vorangegangen war dem eine sogenannte Staatsratserklärung des SED-Funktionärs Walter Ulbrichts vom 4. Oktober 1960.
Sichtet man heutzutage, die von der Ost-CDU herausgegebenen thematischen Publikationen dazu, kann man sich allerdings des Eindruckes einer gewissen "Dürftigkeit" jener Erklärung vom 4. 10. 1960 nicht entziehen. Einen Volltext bietet auch der von der Ost-CDU herausgegebene Band "Auf dem Wege zur gemeinsamen humanistischen Verantwortung" nicht.
Jener Band zitiert lediglich (sehe ich es richtig; S. 572) den eher dürftigen Ulbricht-Satz:

"Die kirchlichen Amtsträger in der DDR überzeuzgen sich mehr und mehr von der Richtigkeit der von Friedensliebe und den Prinzipien wahrer Menschlichkeit geleiteten Politik unserer Regierung".

Ende der Durchsage, soweit es Kirchenpolitische Aspekte anbelangt.
Solche banalen Sätze, ohne Praxiswert, wird man sicherlich auch aus früheren SED-Verlautbarungen herauskristallisieren können.
Das Novum ist eher darin zu sehen, dass die Ost-CDU jene Erklärung von 1960 nun über alle Maßen künstlich hochjubelte.
Das entscheidende war aber, dass in diesem Fall auch die SED das Spiel mitspielte. In früheren Jahren davor war die SED-Position eher die, die Anbiederungen der Ost-CDU zu den Akten zu legen, und zur Tagesordnung überzugehen.
Nun in den Jahren 1960/61 war das anders. Da hielt es auch die SED (auch im Bewusstsein der eigenen Schwäche) für opportun, solcherlei Anbiederungen erstmals auch ihrerseits wohlgefällig, mit entsprechendem Rückecho zu bescheiden.
Aufgabe der handverlesenen Ost-CDU-Kreise war es nun, noch nachträglich alle Formen der Akklamation dazu zu zelebrieren.

Die diesbezügliche Weichenstellung, welche am 9. 2. 61 eingeleitet wurde, sollte dann bereits Mitte der 1960er Jahre praktische Konsequenzen zeitigen.
Eine davon, dass etwa das Projekt "Wissenschaftlicher Atheismus", als Teil des Ostdeutschen Universitätswesen, und als Kopierung sowjetischer Modelle, zunehmend abgeblasen wurde. Das sollte dann auch einer seiner Protagonisten, der an der Universität Jena (damals) tätige Professor Olof Klohr erfahren, als - eher klammheimlich - seine diesbezügliche Arbeitsgruppe aufgelöst, und er selbst "in die Wüste geschickt wurde". Die "Wüste" hörte im Falle Klohr auf den Namen "Ingenieurschule für Seefahrt" in Warnemunde-Wustrow (an der Ostsee). Dort konnte er zwar, unter weitgehenden Ausschluss der Öffentlichkeit, zukünftige Seefahrts-Offiziere, weiterhin zum Atheismus "bekehren" (sofern die das nicht ohnehin vordem schon waren). Aber seine Öffentlichkeitswirksamkeit war nunmehr weitgehend abgedrosselt. Die Ost-CDU konnte in diesem Falle einen echten Sieg feiern. Ihr Ultimatum (faktischer Art) hatte ja gelautet. "Der - oder wir".
Eher zähneknirschend, entschied sich die SED in diesem Falle für die Ost-CDU.

Und als einleitendes Signal dieser Weichenumstellung, fand in der Tat am 9. 2. 1961 in Ostdeutschland ein Spektakulum statt, wo Handverlesene CDU-Granden und der damalige SED-Chef Ulbricht, sich gegenseitig artig "Nettigkeiten" sagten.
Und noch jahrelang konnten sich die Ost-CDU-Blockflöten nicht genug daran tun, die "historische Bedeutung" jener Veranstaltung hervorzuheben.
Eine eigens dazu massenhaft auf den Markt geworfene Propagandaschrift darüber, betonte indes schon in ihrem Titel, den Koexistenz-Gedanken

Das mag in der Sicht kalter Krieger westlicher Prägung, wenig, zu wenig gewesen sein. Indes wer die Gesamt-Kirchenpolitik nach 1945 im Ostdeutschen Staat im Blick hat, und namentlich auch ihre unterschiedlichen Phasen, der muss auch heute noch besagtem 9. 2. 1961, den Charakter eines Weichenumstellungs-Datum der Ostdeutschen Kirchenpolitik zubilligen.
Nun tönte aber aus westlichen Gefilden dazu vielfach nur ein Kommentarsatz in Richtung Osten herüber. Und da gaben die westlichen "Suppenkaspars" nur wiederholt ihren Standardsatz zu Protokoll:
"Wir mögen aber die Suppe nicht, die da angerichtet ist."
Sicherlich, aus westlicher Sicht hatte man weitergehende Wünsche, welche weiterhin unerfüllt blieben.
Indes einige (nicht alle) in den östlichen Kirchenkreisen erkannten durchaus die neuen Chancen die sich ihnen da nun boten. Und deren Motto war dann halt, wenn wir schon nicht die ganze Hand bekommen können, dann nehmen wir doch lieber erstmal den dargebotenen kleinen Finger. Und ein solcher war halt ab jenem Datum im Angebot.
Wer sich darauf einließ sein Heil nicht nur in der Konfrontation und nochmals Konfrontation zu sehen, der konnte je länger, je mehr, für sich dann auch halbwegs verbesserte Rahmenbedingungen erwirtschaften.

Auch für die Zeugen Jehovas, wären sie geschmeidig genug gewesen, wären schon damals Verbesserungen möglich gewesen.
Beleg der Vergleichsfall Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Für letztere spielt analog zu den Zeugen Jehovas, das Schrifttum auch eine große Rolle. Die STA nahmen den angebotenen kleinen Finger an, und konnten fortan, mit Unterstürtzung der Ost-CDU ihr Schrifttums-Angebot kräftig aufstocken.

Nun werden auch in diesem Falle die westlichen Suppenkaspars bemängeln. Das Schrifttum der STA war dann aber nicht im Ostdeutschen regulären Buchhandel erhältlich. Das ist zwar richtig, ändert aber nichts an dem Umstand, dass es überhaupt erst mal produziert werden konnte. Und setzt man den Stalinismus als Norm an, ist in Stalinistischen Regimen, letzteres durchaus keine "Selbstverständlichkeit". Die STA konnten also ihr Schrifttum erweitert produzieren, und das der Verteilungsmechanismus dann halt nur über ihre Gemeindestrukturen erfolgen konnte, war ein Mangel, mit dem sie durchaus leben konnten.

Ein anderes Beispiel stellt die gleichfalls staatlich ausgehaltene Zeitschrift für den katholischen Bereich mit dem Titel "begegnung" dar. Letztere wie die im Zeugen Jehovas-Bereich bekannte Zeitschrift "Christliche Verantwortung" hing auch am staatlichen Finanzierungstropf.
Erstmals 1961 kam dieses Blatt auf den Markt.
Während ansonsten der katholischen Kirche nur magere Sonntagsblätter vom DDR-Staat zugestanden wurden, etwa das "St. Hedwigsblatt" oder auch der "Tag des Herrn", welche Interessenten allenfalls über den Postzeitungsvertrieb beziehen konnten, nie aber an öffentlichen Zeitungskiosken, konnte besagte "begegnung" schon mal damit "punkten" auch an Zeitungskiosken erhältlich zu sein.
Der Grund lag ziemlich offen zutage, sieht man sich den Untertitel jener Zeitschrift an (der zwar mehrmals wechselte), zeitweilig aber als "Zeitschrift progressiver Katholiken" firmierte. Damit wurde schon mal die Staatsfrommheit jenes Blattes, grundsätzlich dokumentiert. Eine Zeitlang habe ich ja jenes Blatt selber auch gelesen und meine werten zu können, die Stigmatisierung auf "nur staatsfromm" trifft nicht ganz den Kern. Ohne Zweifel war sie das, bemühte sich aber auch einen etwas weiter gespannten Gesichtsradius zu haben.
Wie auch immer man bei ihre Einschätzung tendiert, bleibt festzuhalten. Eine Zeitschrift mit katholischer Thematik - noch dazu im freien Kioskverkauf, gab es in Ostdeutschland eben erst ab 1961. Keinesfalls die Jahre zuvor.
Insoweit war das auch eine partielle Aufweichung des vorher eindeutig dominierenden Stalinismus, in der Ostdeutschen Kirchenpolitik.

Ganz anders die Reaktion der Zeugen Jehovas, auf die beschriebene neue Gemengelage.
Deren Kommentar dazu lautete weiter, so wie im "Wachtturm" vom 15. 9. 1961 zu lesen ist:

"In der Kraft Jehovas den Kommunismus besiegen".

Nun, wenn man sich dieses besiegen als Zielstellung setzt - weiterhin - dann darf man wohl wenig bis keine Hoffnung haben, von den vorbeschriebenen kleinen Schritten, vielleicht mit partizipieren zu können.

In der "Erwachet!"-Ausgabe vom 8. 9. 1961, unter Berufung auf einen Presseartikel der "Frankfurter Rundschau", wird in der Rubrik "Wir beobachten die Welt" auch auf das genannte Spektakulum vom 9. 2. 1961 Bezug genommen.
"Erwachet!" zitiert:

"Die "Frankfurter Rundschau" kommentiert, daß die geschmeidigere Taktik und der freundlichere Ton des SED-Staates gegenüber der Kirche darauf abzielen würden, eine dem Staat loyal gegenüberstehende Kirche zu gewinnen und ihren Wirkungsraum wie in der Sowjetunion, auf den reinen Kult zu beschränken."

Das wiederum ist den westlichen Suppenkaspars, und namentlich den Ober-Suppenkaspar in WTG-Gefilden, wieder mal zu wenig.
Folgerichtig setzt "Erwachet!" auch in dieser Ausgabe andere Akzente. Auch "bewunderbar" in einem Artikel mit der Überschrift "Warum läßt Gott Verfolgung zu?"
Letzterer wähnt dann wieder mal mit solchen Thesen glänzen zu sollen wie der:

"... Läßt Gott die Verfolgung seines Volkes zu, weil sein Volk daraus Nutzen zieht, denn es wird dadurch geläutert, vervollkommnet und erbringt den Beweis, daß es würdig ist, von ihm belohnt zu werden."

Diesen "salbungsvollen" Satz könnte man auch etwas anders formulieren.
Verfolgung deshalb, weil für USA-Politikziele auch Kanonenfutter vonnöten ist.
Wer keine Skrupel hat, Todesfälle in Sachen Bluttransfusions-Verweigerungen mit dem sinnigen Vergleich zu bedenken, ein Soldat der in den Krieg zieht, könne sich auch nicht darüber beschweren, dass er im Kriege umkommen könne.
Der agiert in gleicher Weise auch auf der politischen Ebene, auch im Fall Ostdeutschland!

Beleg für die relative "Liberalität" des Ostdeutschen Staates, die Zeit unmittelbar nach 1945, gegenüber Religionsfragen, ist auch der Umstand, dass im Interesse eines "Burgfriedens", seitens der SED sämtliche Versuche zurückgedrängt wurden, erneut ein organisiertes Freidenkertum aufzuziehen.
Gerhard Wolter etwa, arbeitet SED-seitig in seiner Diss. die diesbezüglichen Tendenzen heraus.
Wolter vermerkt beispielsweise, in den Anfangstagen gab es sogar Pfarrer als Mitglieder der SED. Selbige Aussage schränkt er dann schon mal gleich sicherheitshalber mit der Aussage ein:

"Das es aber keine Massenerscheinung wurde."

Und weiter Wolter:

"In dem Maße, indem sich in der CDU die fortschrittlichen Kräfte durchsetzten ...fiel freilich (das) weg."

Die "Nagelprobe" für die SED bestand eigentlich nur in zwei Aspekten.
Konfessionsschule? Dazu sagte sie entschieden und deutlich: Nein!
Der andere Aspekt, die Wirtschaftspolitischen Vorstellungen der SED. Etwa deren Verstaatlichungsprogramm.
Sofern es kirchlichen Kreisen denn möglich war, diese beiden SED-Dogmen hinzunehmen, ohne aktiv gegen sie zu agitieren, war zumindest aus SED-Sicht, ein Burgfrieden weiterhin möglich.
Bereits im Jahre 1948 (und da muß auch die politische Gesamtlage mit in die Betrachtung einbezogen werden: Zwei Stichworte nur: Zwei Währungen nunmehr in Deutschland, und auch die Berliner Blockade). Also 1948 herrschte auch Kirchenpolitisch - ein weitaus rauerer Wind.
Dazu sei nochmals Wolter zitiert (S. 332).
Nach dem er vermerkte (es gab zu der Zeit noch selbständige Länder im Bereich der SBZ, mit jeweils auch eigenen Verfassungen). Und da die SED ihre Verfassungsvorstellungen zu dem Zeitraum noch nicht für den gesamten Bereich Ostdeutschlands durchsetzen konnte, geht es weiter bei Wolter mit der Aussage:

"Der Verfassungsentwurf der SED vom November 1946 hatte darum - im Gegensatz zu einigen Landesverfassungen der Sowjetischen Besatzungszone von Anfang 1947, die einen solchen Passus nicht enthielten - das Verbot des Mißbrauchs der Kirche und des Glaubens für politische Zwecke gefordert. An dem sachlichen Gehalt hielt die SED ungeachtet verschiedener Beteuerungen, daß für eine derartige Festlegung kein Anlaß bestände oder - wie ein CDU-Vertreter kasuistisch nachzuweisen versuchte - es einem „Mißbrauch des Glaubens" gar nicht geben könne, unbeirrbar fest.
Die Praxis des Jahres 1948 vom Standpunkt des Verhaltens gewisser evangelischer und katholischer Kirchenführer her als auch - worauf Otto Grotewohl besonders hinwies - das von den USA her gesteuerte reaktionäre Treiben der Bibelforscher (Zeugen Jehovas) hatten die SED in der Notwendigkeit einer solchen Festlegung nur bestärken können."

Also der Verhalten der Zeugen, wurde schon zu diesem frühen Zeitpunkt seitens der SED als "reaktionär" eingestuft, wobei man in erster Linie auf den ZJ-Wahlverweigerungsaspekt verweisen muß, einschließlich eben auch der Verweigerung von Akklamationskundgebungen, welche eben SED-seitig ziemlich drastisch eingefordert wurden.
Nur, der eben genannte Wahlverweigerungsaspekt, galt so aber nicht für andere kirchliche Kreise, die sich daher auch die daraus resultierenden Konflikte ersparen konnten.
Auch Wolter muss einräumen, dass zeitgenössisch das 1938 in Strassburg erschiene Buch von Jan Jansen (Pseudonym, höchstwahrscheinlich für den früheren Freidenkerfunktionär Hans Mainz) mit dem Titel "Katholiken und Kommunisten im deutschen Freiheitskampf", zeitgenössisch keine erkennbaren Reaktionen auslöste (was wiederum den widrigen Zeitverhältnissen zuschreibbar ist).
Gleichwohl dient Wolter und anderen SED-Apparatschicks jenes Buch als willkommenes Alibi für den angestrebten Burgfrieden gegenüber der Religion.
Wenn jener Burgfrieden aber zusehends löchrig wurde, lag das nicht an erster Linie an der SED. Die regierte allenfalls auf hingeworfene Fehdehandschuhe.
Ohne diese bewusste Forcierung der Konfrontation westlicherseits, hätte es nicht soweit kommen müssen, wie es dann um 1950 noch tatsächlich kam.
Zu "Jansen" siehe auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,99616,101124#msg-101124
13. Mai 2011 05:57

Axis Sally
geschrieben von: Drahbeck (
Datum: 15. September 2011 02:42
Vor fünfzig Jahren
Axis Sally

Unter der Überschrift "Der verräterische "Böse Sklave" und seine Vorbilder" wähnt der "Wachtturm" vom 15. 9. 1961 auch den Fall einer gewissen "Axis Sally" aufnehmen zu sollen. Offenbar handelt es sich dabei um einen Pseudonym-Namen. Man vergleiche etwa den Eintrag der Wikipedia zu ihr.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mildred_Gillars

Offenbar gab es etwa zeitgleich, namentlich in der USA-Presse die Meldung wie der WT zitiert:
"Axis Sally soll im Juli auf Ehrenwort entlassen werden". So lautete eine Schlagzeile in der 'New York Times' vom 8. April 1961".
Das wiederum ist für den WT Anlass zu der Behauptung:
"Sie sang für Geld und war die höchstbezahlte Sängerin beim Nazi-Rundfunk".
Zumindest letztere Behauptung kann man aber so nicht aus dem genannten Beitrag der Wikipedia entnehmen (das mit der "Höchstbezahlten").
Zu den relativ "Höchstbezahlten" gehören dann wohl auch einige WTG-Funktionäre dergestalt, dass sie es schaffen als theoretische Taschengeldempfänger, etwa PKW der gehobenen Klasse ihr eigen zu nennen. Sei es per Individualspenden, sei es wie böse Zungen auch schon mal zu wissen glauben, teilweise per "gekonnter" Erbschleicherei.
Insoweit ging schon mal der damalige WTG-Funktionär N. H. Knorr bei der diesbezüglichen Simoniepraxis, mit fragwürdigem Beispiel voran, indem er sich von Anton Koerber, welcher offenbar "in Geld schwamm", so mir nichts dir nichts, mal einen PKW schenken lies.

Von Herrn Rutherford in seinem "Beth Sarim" erst gar nicht zu reden.
http://www.tj-encyclopedie.org/Beth-Sarim
Die Beth-Sarim-Story auf französisch.
Die Google-Übersetzungsvariante:
http://translate.google.de/translate?js=n&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&layout=2&eotf=1&sl=fr&tl=de&u=http%3A%2F%2Fwww.tj-encyclopedie.org%2FBeth-Sarim

Das wiederum hatte für Herrn Koerber den von ihm gewünschten Nebeneffekt, im Anschluss daran, in der WTG-Organisation, eine steile Karriere hinzulegen, unter anderem als WTG-Verbindungsmann zur amerikanischen Regierung .

Die Tendenz des WT-Artikels ist klar.
Wer Kritiker der WTG sei, könne nur eine symbolische " Axis Sally" sein.
Das es zu allen Zeiten Kritiker von erstarrten Formen gegeben hat und weiter geben wird, will der WT so nicht gelten lassen.
Ein Martin Luther, welcher der zeitgenössischen katholischen Kirche auch empfindlich nahe trat, ist in dieser Lesart auch nur eine "Axis Sally" gewesen.
Solcherlei Thesen mögen zwar als Schutzbehauptungen ihren fragwürdigen Zweck wahrnehmen, namentlich in den Kreisen der eigenen Betörten.
Indes der Blick auf die Details zeigt, dass sie vorne und hinten nicht stimmen, und sich als billige Stimmungsmache - zu billig - entpuppen!

Worum es den WTG-Apparatschicks letztendlich nur geht, ist die Ausbeutung der in ihrem Betörungswahn befindlichen.
Die Betörten sollen ihnen ein Herrenleben ermöglich, gemäß Lukas 17: 7-10.
Wer ihnen dabei in ihre Suppe spuckt, auf den sind sie selbstredend nicht gut zu sprechen.
Ihr einziges Glück ist, dass es noch zu wenig solcher ihnen "In die Ausbeuter-Suppe spuckende" gibt.
Es ist ein Irrtum zu wähnen, ein Herrenleben müsse immer und überall mit dem eines Bhagwans mit seiner sprichwörtlichen Rolls Royce-Flotte identisch sein.
Ein "Kleinunternehmer" kann sich vielleicht - noch nicht das leisten, was einem Großaktionär möglich ist. Hinarbeiten auf dieses Ziel wird er allerdings auch.
Und die (vormalige) evangelische Bischöfin Margot Käßmann, im salbungsvollen Sprücheklopfen wohl geübt, mit ihrem VW Phaeton-Dienstwagen, ist dann wohl auch nicht weit entfernt, von einem Herrn Rutherford bei den WTG-Hörigen mit seinen Cadilacs und anderem mehr - wie auch umgekehrt.
Das Maß an Luxus - im Vergleich zum "Fußvolk" ist selbstredend von Zeit und Umständen abhängig. Es lässt sich halt nur das herauspressen "was der Markt hergibt"
Aber das auch die WTG-Apparatschicks "die Zitronenpresse" kräftig betätigen, darüber kann es keinen Zweifel geben.

Das heutige Wirtschaftsleben bietet ja vielerlei Möglichkeiten "Geld arbeiten zu lassen". Auch solche die eher im Geruch stehen Risikobehaftet zu sein; was dann wohl fallweise mit höheren Renditen verbunden sein (kann). Namentlich sogenannte Hedgefonds stehen da wohl im Geruch eher im Bereich der "Risikofreudigen" angesiedelt zu sein.
Es ist schon bemerkenswert dass man in der Rubrik "Investor" auch den Namen der Watch Tower Society mit vorfindet, nebst einem Sammelsurium anderer Namen.

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,110788,110788#msg-110788

Um bei den Hedgefonds etwas zu verbleiben. Die sind ja auf die relativen Großanleger zugeschnitten (weitaus weniger indes auf den sogenannten "kleinen Mann").
Im Ostteil Deutschlands war zu DDR-Zeiten, das Wohnungswesen (Wohnblöcke, Großsiedlungen) weitgehend verstaatlicht. Mit dem Ende der DDR auch das Ende dieser Bestandssituation. Und da gab es durchaus Presseberichte darüber, wie beachtliche Teile vorgenannten Wohnungsbestandes an Investoren verscherbelt wurden, namentlich auch Hedgefonds, denen besonders aggressives auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Praxisverhalten nachgesagt wurde.
Es gab auch Berichte, dass gewisse Banken, ihre ausgereichten Immobilien-Kredite "weiterverscherbelten", an besagte Fonds, welche dann die "Daumenschrauben" anzogen, und nicht flüssig genügende Schuldner, vorsätzlich in die Insolvenz trieben.

Auch andere "Großkirchen" gehören zum Bereich der Großanleger. Indes liegt es im Ermessensspielraum des jeweiligen Finanzmanagments, in welche Bereiche sie den investieren. Einige von ihnen erlegen sich die Selbstverpflichtung auf, besonders anrüchige Bereiche zu meiden.
Namentlich der katholischen Kirche wurde in ihrer Geschichte schon einige Male nachgesagt, bei ihrer Anlagenpolitik nicht immer von besonderem Feingefühl geleitet zu sein. Eher dem Motto zu huldigen "Geld stinkt nicht".
Als im Jahre 2008 der Fall des Finanzjongleurs Bernard Madoff die einschlägige Szene erschütterte, zeigte es sich:
Auch kirchliche Kreise gehörten (teilweise) zu den Geschädigten.
Die haben zwar ihre Verluste noch halbwegs "wegstecken" können. Indes soll das so manchem anderen nicht so ohne weiteres möglich gewesen sein.

www.ftd.de/finanzen/alternativen/:fehlende-regulierung-hedge-fonds-schummeln-gern/50023091.html

In diesem Kontext gewinnt die Meldung, von WTG-Investments im Hedgefonds-Bereich einen eigentümlichen "Beigeschmack".

Zum vertiefenden weiterlesen empfohlen.
Der Fall Kuo
in Forumsarchiv A 36 Dort insbesondere den Teil seiner Biographie, wie Kuo "stolzer Immobilienbesitzer" wurde.

Post Skriptum
Was jene genannte Bibelstelle Lukas 17: 7-10 anbelangt, gehört die offenbar auch zum Standardrepertoire der besoldeten "Wegerklärer".
Wer denn Langeweile hat kann dann ja mal mittels Google dort den Textausschnitt als Suchauftrag eingeben.


Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen war

Man sollte es kaum für möglich halten, was für eine umfängliche Ergebnisliste einem dann dazu offeriert wird.
Und wenn man dann immer noch nicht "bedient" ist, kann man dann ja weitergehend, diese Ergebnisse sich im Detail ansehen. Wobei man allerdings dann mit der Frage zu kämpfen hat.
Soll man darüber nun lachen, oder doch lieber weinen!


Motto der WTG:

Siehe thematisch auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,100161,110508#msg-110508

Exkurs:
Kommentarlose Zitierung des Textes aus der Rundfunkansprache eines gewissen A. H. nach dem 20. Juli 1944.
Was lehrt der Text? Wohl auch dieses: Diktatoren sind prinzipiell lernunfähig.
Egal ob politische oder religiöse Diktatoren:

Es hat sich in einer Stunde, in der die deutschen Armeen in schwerstem Ringen stehen, ähnlich wie in Italien nun auch in Deutschland eine ganz kleine Gruppe gefunden, die nun glaubte, wie im Jahre 1918 den Dolchstoß in den Rücken führen zu können. Sie hat sich diesmal aber schwer getäuscht.
Ich darf besonders Sie, meine alten Kampfgefährten, noch einmal freudig begrüßen, daß es mir wieder vergönnt war, einem Schicksal zu entgehen, das nicht für mich Schreckliches in sich barg, sondern das den Schrecken für das deutsche Volk gebracht hätte.
Ich ersehe daraus auch einen Fingerzeig der Vorsehung, daß ich mein Werk weiterführen muß und daher weiter fortführen werde.

www.anwalt.de/rechtstipps/haus-u-wohnungseigentuemer-vollkommen-rechtlos-gegen-verkauf-des-immobiliendarlehens-an-hedge-fonds_001272.html

Re: Sklaverei heute
geschrieben von: Frau von x
Datum: 15. September 2011 12:02
Drahbeck
Aber das auch die WTG-Apparatschicks "die Zitronenpresse" kräftig betätigen, darüber kann es keinen Zweifel geben.
 

Ja, die WTG erwartet, daß sich ihre Mitglieder voll und ganz einsetzen. Und im Gegensatz zu diesen Wegwerfmenschen glauben manche es freiwillig zu tun.

Die Botschaft hört man wohl ...
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. September 2011 03:12
Vor fünfzig Jahren
Die Botschaft hört man wohl ...

Ein charakteristisches Bild aus der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 9. 1961. Es wurde schon gelegentlich dokumentiert,

 und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass namentlich die Verfechter der Prügelpeitsch-Pädagogik ihre helle Freude an ihm haben, und sich dabei auch auf die zeitgenössischen Zeugen Jehovas Mit-berufen können.

Die Verfechter solch rabiater Methoden müssen sich allerdings auch sagen lassen.
Sie mögen denn ja zeitweilige "Friedhofsruhe" zu erzwingen vermögen. Unterm Strich jedoch, sind sie letztendlich die Verlierer.
Im Extremfall führen solcherlei Überforderungssituationen, und nichts anderes ist die Prügelpädagogik, zu Weiterungen. Die Zeit die nicht genommen wird, um mittels sinnvollerer Erziehungselemente eine mißliche Ausgangslage beherrschbar zu machen, führt zu weiteren Komplikationen.
Sie mögen schlimmstenfalls, etwa im Fall Marinic geschildert, die abschüssige Bahn der davon betroffenen, befördern. Im Extremfall in Selbstmorden endend, in anderen Fällen eine klassische Kriminalitätslaufbahn vorprogrammierend.
Und auch das soll es geben. Derart Überforderte sehen dann keinen anderen Rat, als ihren - dann nicht mehr hoffnungsvollen - Nachwuchs, etwa in eine Heimerziehung (freiwillig oder unfreiwilliger Weise) zu geben.
Ein klassischen Beispiel der Fall des Leo Taxil , welchen es dann noch gelang, die zeitgenössische katholische Kirche "vorzuführen" als klassischer Aberglauben-Verein.
Namentlich eine wesentliche Wurzel bei den Zeugen Jehovas ist auch darin zu sehen, dass sie keine echten kindgemäßen , auf letztere zugeschnittene Programme betreiben.
Ihr "hoffnungsvoller" Nachwuchs soll schon sehr früh zu altklugen Erwachsenen getrimmt werden. Und da macht eben die kindliche Motorik, der es schwer fällt, Marathonsitzungen im Stillsitzen zu absolvieren, vielfach einen Strich durch die Rechnung.
Natürlich gibt es erstmal die Versuche, das stille sein mit humanen Mitteln zu erwirken, wie ja auch diese WTG-Zeichnung verdeutlicht.

Kritisch allerdings wird es dann, wenn dieses eben nicht hilft.
Die heutige WTG befürwortet - offiziell - zwar keine Prügelpädagogik mehr. Namentlich ihre skizzierte, unbefriedigende Kinder- und Jugendpädagogik gibt weiter Anlass zu dem bewertenden Satz:
"Die Botschaft hört man wohl - allein es fehlt der Glaube!"

Eine Zeit zum Krieg führen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. Oktober 2011 01:54

Die Rubrik "Fragen von Lesern" des "Wachtturms", vom 1. 10. 1961 schreibt wieder mal die WTG-These fest, keine Geburtstage zu feiern . Diesmal besonders auf Kinder und Jugendliche in den Schulen zugeschnitten.
Der Beitrag endet dann mit der These:

"Die Kinder können ... (das nicht Geburtstagsfeiern usw.) ihren Schullehrern selbst erklären. Sie geben so ein Zeugnis. ...
Wenn aber die Kinder dies nicht richtig tun können, sollte sie ihr Vater oder ihre Mutter auf jeden Fall dafür entschuldigen lassen, daß sie ... nicht mitmachen."

Ergo wird schon versucht, die Erziehung zum Außenseitertum, den Kindern selbst, als vermeintliche "eigene" Entscheidung aufzuoktroyieren.
Die gleiche WT-Ausgabe fühlt sich bemüßigt unter der Überschrift "Eine Zeit und ein Ort für alles" unter anderem zu belehren:

"Krieg zu führen und zu töten ist Gottes Dienern nicht etwas Fremdes. Sie haben gefunden, daß es hierfür eine Zeit gibt. Abraham führte Krieg, um seinen Neffen Lot den ruchlosen Räubern zu entreißen. David ... war mächtig im Streit und erschlug Zehntausende."

Ergo erteilt der WT prinzipiellem Pazifismus wieder mal eine grundsätzliche Absage .
Es käme halt auf den "rechten Zeitpunkt" an.
Bis zum kriegerischen Zuschlagen können die zu beraubenden Ägypter zwar mit "Redensarten" eingesäuselt werden.
Wenn indes die WTG-Führungsoligarchie den Zeitpunkt zum zuschlagen für gekommen wähnt, dann weht halt ein "anderer Wind".
Siehe unter anderem:
"Wachtturm" 15. 1. 1953
Sie wollen keine "Lispelheilige" sein

Siehe vergleichsweise, auch einige Passagen aus der „Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 11. 2011

"wahre", und alle anderen demzufolge die "falschen" Religionen
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. Oktober 2011 01:59
Vor fünfzig Jahren

fragt "Erwachet!" in seiner als Sonderausgabe aufgezogenen Ausgabe vom 8. 10. 1961.
Das sichten jener 32 Seiten Text kann man sich eigentlich ersparen, da als Quintessenz in der "Erwachet!"-Sicht nur ein (voraussehbares) Ergebnis am Ende herauskommt.
Man selbst sei die "wahre", und alle anderen demzufolge die "falschen" Religionen.
Eigentlich hat "Erwachet! bei seinem Rundumschlag nur einen Aspekt "vergessen" mit zu erwähnen.
Selbiger mag dann mal mit Karikaturen aus der beachtlichen Karikaturensammlung von Alois Payer verdeutlicht werden:

"Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir, Bertrand,
die Zeiten der Kommanditgesellschaft werden vergehn,
aber die Maulaffen werden nicht ausgehen.
Trachten wir nach dem, was ewig ist!
Wie wär's, gründen wir eine Religion, he?" —

"Teufel, Teufel! Eine Religion ist nicht leicht zu gründen" —

"Du bist immer dumm, Bertrand!
Man ernennt sich zum Papst,
man mietet eine Bude,
man leiht sich Stühle aus
und man predigt:
über den Tod Napoleons,
die Entdeckung Amerikas,
über Molière,
über irgend etwas!
Schon hat man eine neue Religion.
Das ist alles nicht so schwer, als man glaubt!"

"Früher fraß er besser — er wird doch nicht eingehen?". --

Geistige Erquickunde - Beim "Wachtturm"-"Studium"

"Du, Darwin, in Deinem Werk stimmt aber verschiedenes nicht!" —
"Ach, lieber Gott, in deinem auch nicht!".

Parsimony.17143
Ich halte es daher lieber mit der grundsätzlichen Einsicht:
Die Philosophen und Religionen haben die Welt nur unterschiedlich erklärt.
Diese Erklärungsversuche indes, sind angesichts der Fragen, die auf der "Tagesordnung" stehen, weitaus zu wenig.
Angesichts brennender Auschwitzöfen, deren stinkender Rauch, auch dem "großen Zampano" nicht aus seinem Dauerschlaf zu erwecken vermochte.
Um bei diesem Aspekt einen Moment noch zu verbleiben.
Warum sollte der "große Zampano" beim Gestank der brennenden Auswitzöfen aufwachen?
Er hat ja schon zu früheren Zeitpunkten seinen konsequenten Tiefschlaf ungebrochen praktiziert.
Etwa als seine selbsternannten Statthalter auf Erden es für angemessen erachteten, einen Jan Hus auf den Scheiterhaufen zu befördern.
Und um diesem Spektakel noch die "rechte Würze" zu geben, wurde unter dem Scheiterhaufen ein verwestes stinkendes Maultier mit platziert, damit es dann so richtig stinkt.
http://books.google.de/books?ei=5TWPTt2ZEsPysgbL7NmDDg&ct=result&id=8nIaAAAAMAAJ&dq=Hus+Jan+Maultier&q=grauenvoller+Gestank
Von einer Rehabilitation des Hus, seitens des Katholikenvereins, ist auch Jahrhunderte später, keinerlei Rede.
Warum auch?! Wenn der Katholikenverein auch nicht die Exkommunikation eines Hitlers für nötig erachtet, warum soll er da im Falle Hus ein "besseres" Bild abgeben.
Und solche Leute dürfen zu allem Überfluss, im Deutschen Bundestag, eine Selbstdarstellungs-Show inszenieren!
Auch das und noch einiges mehr, ließ den "großen Zampano" – wie gehabt, wieder mal völlig unberührt.
Angesichts solcher Milchmädchenthesen, wie etwa, die famosen Christen werden allesamt "wundersam entrückt" (wahrscheinlich in ihr Wolkenkuckucksheim, das aber dann nur für sie existent ist (worauf ich in einem für den 21. 10 vorgesehenen Beitrag nochmals zurückkommen werde).
Angesichts dieser und weiterer Beispiele, scheint mir die Frage etwa Evolution oder Schöpfung (wo ohnehin kein heutiger als "Augenzeuge" zugegegen war), ein trojanisches Pferd zu sein. Der Strohhalm um dem toten Gott (gemäß Nietzsche) doch noch "Leben" einzuhauchen.
Und nicht zuletzt um sie als "Geschäftsidee", zum abkassieren im Hier und Heute, für die Funktionäre der Religionsindustrie, mit ihren windigen Angeboten nutzbar gestalten zu können.
Wem der Religionszauber - das wussten schon die Medizinmänner bei den Indianern - nutzt, darüber kann wahrlich kein Zweifel bestehen.
Schon J. W. v. Goethe hat zu diesen und anderen Fragen die passende Antwort gegeben, wenn er feststellte:

Exkurs:
Ein Beispiel solcher überflüssigen (keineswegs als "lustig" bewertbaren Ersatz-Auslegungen im Stile der Zeugen Jehovas). Etwa die des "Tagesanbruch". Deren Macher entstammten ja allesamt auch einst dem ZJ-Milieu. Das sie nicht auf Dauer im WTG-Stall verblieben, ist wohl weniger ihnen anzulasten. Wäre die WTG vielleicht etwas "liberaler", wären sie mit Sicherheit dort verblieben. Es hat halt nicht sollen sein.
Indem sie nunmehr von der WTG Organisatorisch unabhängig wurden, bedeutet das keineswegs das sie nun auch geistig unabhängig wurden.
Und bei manchen aus der WTG-"Herausgeschüttelten" kann man sich wohl ernsthaft die Frage stellen, wer da wohl - unterm Strich - der größere bornierte mit Scheuklappen versehene Sektierer ist.
Das keineswegs nur bei historischen Beispielen, etwa dem Ewald Vorsteher mit seiner Eintagsfliege "Wahrheitsfreunden", sondern auch bei einigen "Prachtexemplaren", welche heute noch so von sich reden machen (in der Gegenwart).
Besagter "Tagesanbruch" wähnte mal in seiner "unendlichen" dem Kaffeegrund entnommenen "Weisheit", sich - nach 1945 noch - wie folgt auslassen zu sollen:

Die Zukunft Israels und der Welt
Tagesanbruch o. J. (um 1955)
S. 11

Diese Prophezeiung zeigt, dass, wenn die Zeit für die Israeliten kommt, in ihr Land zurückzukehren, Anstrengungen gemacht werden würden, sie zur Rückkehr zu veranlassen. Gott sagte, dass er zu "vielen Fischern senden" würde, um sie zu fischen. Dies mag sehr wohl durch die Zionisten-Organisation erfüllt worden sein, die im Jahre 1896 durch den verstorbenen Theodor Herzl gegründet wurde. Fischer gebrauchen Köder, um die Fische anzulocken, und viele Jahre hindurch war die Zionisten-Organisation darauf hin, warum die Juden nach Palästina gehen sollten, und auf die Vorteile, die ihnen daraus erwachsen würden.

S. 12

Aber die Prophezeiung sagt, dass Gott auch zu "vielen Jägern senden (würde), dass sie sie jagen."
Hier werden wirkungsvollere Methoden angedeutet. In diese könnte zweifellos die bittere Verfolgung durch Hitler mit eingeschlossen sein. Diese treibende Methode nahm an Heftigkeit zu, bis praktisch alle Juden Europas, die nicht getötet waren, sich nach ihrem Heimatland sehnten und darauf bedacht waren, dorthin zu gehen, wenn sich die Gelegenheit bot.

Tagesanbruch
Das auserwählte Volk
Erste Auflage 1952
S. 21

Man beachte die Prophezeiung hinsichtlich der "Fischer" und "Jäger", welche der Herr, wie er voraussagte, unter sein Volk sein Volk senden würde, um sie zu veranlassen, in ihr Land zurückzukehren. Die Methode des Fischens besteht in der Anwendung von Ködern von Lock oder Anreizmitteln. Die im Jahr 1897 organisierte Zionistenbewegung ist zweifellos vom Herrn als einer der hervorragenden Fischer gebraucht worden, um sein Volk zur Rückkehr in ihr eigenes Land anzureizen.
Aber die Methode des Fischens vollbrachte nicht alles, was Gott hinsichtlich der Anzahl von Juden, die nach Palästina gehen sollten, im Sinn hatte, darum wurde eine mehr gewaltsame Methode angewandt, die durch "Jäger". Dies ist eine Methode unbarmherzigen Treibens, sie entspricht treffend den bitteren Verfolgung, die über die Juden in ganz Europa kamen, kurz nachdem ihnen das Land der Verheißung durch den Völkerbund geöffnet wurde.

S. 22

Diese Methode des Jagens nahm ständig an Heftigkeit zu, bis praktisch alle Juden Europas, die nicht getötet wurden, Sehnsucht nach ihrem Heimatland bekamen und das Verlangen hatten, dort hin zu gehen, wenn die Gelegenheit sich bot.

Ergo - auch die brennenden Auschwitzöfen sei "Gottes Werkzeug".
Ein Gott der solcher "Werkzeuge" bedarf, auf den kann ich gut und gerne verzichten.
Siehe unter anderem auch:
Mysnip.4831

Man komme auch nicht mit dem Entlastungsargument, die heutige WTG habe ja dem Philosemitismus seit Anfang der 1930er Jahre abgeschworen. Das ist zwar einerseits richtig, indes kein Grund sich nun selbstgerecht zurücklehnen zu können.
Erst Recht kein Grund für selbiges, bei einigen aus der WTG "Herausgeschüttelten".
Siehe dazu auch die Auseinandersetzung mit einer famosen Dame

Re: "wahre", und alle anderen demzufolge die "falschen" Religionen
geschrieben von: Frau von x
Datum: 08. Oktober 2011 10:05
Drahbeck
Vor fünfzig Jahren

fragt "Erwachet!" in seiner als Sonderausgabe aufgezogenen Ausgabe vom 8. 10. 1961.
Das sichten jener 32 Seiten Text kann man sich eigentlich ersparen, da als Quintessenz in der "Erwachet!"-Sicht nur ein (voraussehbares) Ergebnis am Ende herauskommt.
Man selbst sei die "wahre", und alle anderen demzufolge die "falschen" Religionen

Heute ist es natürlich nicht anders. WT vom 1.August 2011 S.16/17:

"Wie weiß man, welche
Religion richtig ist?

1. Gibt es nur eine richtige Religion?
Jesus lehrte nicht, dass mehrere Religionen richtig sind, sondern nur eine. ...
...
...
4.Woran erkennt man echte Christen?
Echte Christen predigen das Reich Gottes. ... Wenn sie jemand auf Gottes Königreich anspricht, welcher Religion gehört der Betreffende wahrscheinlich an? ...

5. Was ist das Hauptmerkmal echter Christen?
Unter ihnen herrscht eine bemerkenswerte Liebe. ...
Welche Glaubensgemeinschaft stützt alle ihre Lehren auf Gottes Wort, ehrt Gottes Namen und verkündigt Gottes Königreich ...? ... lebt Nächstenliebe aus und unterstützt keinen Krieg? Diese Kriterien treffen auf Jehovas Zeugen zu (...)."

Beworben wird damit das "Goldklümpchen", da es ein aus diesem Buch (heraugegeben von Jehovas Zeugen) entnommenes Thema ist. Seit Januar begegnet man dieser Werbung jeden Monat. Von einem Buch- und Zeitschriftenverlag erwarte ich nichts anderes. Aber von der angeblich einzig wahren Religion?

Re: Gott könnte, will aber nicht
geschrieben von: Frau von x
Datum: 10. Oktober 2011 12:45

Drahbeck
... Warum sollte der "große Zampano" beim Gestank der brennenden Auswitzöfen aufwachen? Er hat ja schon zu früheren Zeitpunkten seinen konsequenten Tiefschlaf ungebrochen praktiziert.
Etwa als seine selbsternannten Statthalter auf Erden es für angemessen erachteten, einen Jan Hus auf den Scheiterhaufen zu befördern. ...
Auch das und noch einiges mehr, ließ den "großen Zampano" – wie gehabt, wieder mal völlig unberührt.

WT vom 1.OKTOBER 2011 S.4:
"Böses kommt nicht von Jehova Gott (...). Er könnte zwar alle Missstände jederzeit beenden, doch lässt er die sittlich verdorbene Gesellschaft von heute noch bestehen, damit moralische Fragen geklärt werden, die am Anfang der Menschheitsgeschichte aufkamen. Letztendlich wird er aber eingreifen und alle Schwierigkeiten aus der Welt schaffen, ... ." :confused:

Re: Gott könnte, will aber nicht
geschrieben von: . +
Datum: 10. Oktober 2011 13:18
Wenn Gott das Böse zu Prüfungszwecken zugelassen hat, dann hat die Wachtturm Gesellschaft aber Pech gehabt.
Wenn eine Religionsorganisation bei der Prüfung und Sichtung nachhaltig durchgefallen ist dann die Zeugen Jehovas.
Keine Religionsorganisation hat den Namen Gottes mehr in Verruf gebracht als die Zeugen Jehovas.
Keine Religionsorganisation schiebt ihre Fehler, Irrtümer und Falschlehren unverfrorener Gott in die Schuhe als die Wachtturm Bibel und Traktat Gesellschaft.

Sie haben sich geirrt, irren sich gegenwärtig und werden trotz aller Aufrichtigkeit weiter so falsch liegen wie eh und je.

Ruft mich an wenn die Zeugen Jehovas mal einen Wachtturmartikel heraus bringen, in dem sie ihr Nichtwissen, ihre Fehler und Irrtümer in ihrer Geschichte mal aufzählen – dafür die alleinige und volle Verantwortung übernehmen und geloben von diese in Zukunft abzulassen.
Ein Beweis ihrer aktiven Reue wäre, dass sie aufhören würden zu Richten insbesondere den Gemeinschaftsentzug wegen Kritik an der Wachtturm Gesellschaft abschaffen würden.
Ein weiterer Beweis ihrer aktiven Reue wäre wenn sie den anderen Religionen genauso das Recht auf neues Licht zugestehen würden und auf sich selber den richtenden Maßstab der unvergebbaren Sünde anwenden würden.

Das wäre doch mal was Neues.
Geschichtlicher Detailrückblick
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. Oktober 2011 02:50
Vor fünfzig Jahren
Geschichtlicher Detailrückblick

In der seinerzeitigen WTG-Artikelserie "Mein Lebensziel verfolgend", stellt der "Wachtturm" vom 15. 10. 1961 den eines A. E. Wicke vor.
Man kann wohl pauschal sagen. Ein hoher Prozentsatz jener Personen, welche in dieser Serie namentlich vorgestellt werden, haben dann irgendwann in ihrer Biographie auch mal die "höheren WTG-Weihen" erreicht, durch Absolvierung der WTG-"Gileadschule".
So offenbar auch im Fall des 1910 geborenen Wicke.
Selbigen verschlug es im WTG-Dienst dann noch in solche Gegenden wir Australien und Malaya, auch noch nach Singapur.
Offenbar kam er als etwa Zwanzigjähriger in Australien, erstmalig mit den Zeugen Jehovas in Berührung.
Die Details, wieso in Australien, lässt die WTG allerdings unbeantwortet.
Diese Frage muss man deshalb stellen, dieweil man in diesem Bericht auch die Sätze lesen kann:

"Ich interessierte mich jedoch vornehmlich noch für etwas anderes. Ich studierte Musik und wollte ein namhafter Komponist und Dirigent werden. Im Jahre 1931 hatte ich Gelegenheit, nach Deutschland, wo ich geboren wurde, zurückzukehren und in München meine Studien fortzusetzen. Dort widmete ich mit Leib und Seele meiner musikalischen Tätigkeit, versäumte es aber dennoch nicht, den Versammlungen der Zeugen Jehovas beizuwohnen und mit ihnen in den Felddienst zu gehen, wobei ich von dem tatkräftigen Versammlungsdiener, Johann Koelbl, manchen wertvollen Rat erhielt und von ihm gut geschult wurde."

Offenbar setzte sich der Sog in Richtung vermeintlicher WTG-Kariere in diesem Falle fort. Er ließ also zunehmend Musik Musik sein lassen, und ersetzte dieses Vakuum zunehmend durch WTG-Tätigkeit.
Diesen Aspekt betreffend liest man dann weiter:

"Einer Einladung zum Dienst im Zweigbüro der Watch Tower Society in Strathfield folgend, kehrte ich nach Australien zurück und entging so ... den furchtbaren Verfolgungen, die einige Monate später für unsere Brüder in Deutschland begannen. So trat ich im November 1932 die Laufbahn eines Vollzeitdieners in der Organisation Jehovas an."

Anfang der 1930er Jahre, wo sich jener Bericht abspielte, ist ja namentlich in Deutschland, noch durch den Begriff der Weltwirtschaftskrise gekennzeichnet. Eine Folge davon, bei vielen hierzulande, saß das eher nicht vorhandene Geld, keineswegs locker. Wenn es denn im Individualfall ums eigene Überleben geht, setzen Zwangsmechanismen ein. Wer mit einem äußerst mageren Budget zurechtkommen muss, überlegt es sich dreimal, wofür er seine knappen Finanzmittel den ausgeben kann. Ergo dürften dabei Ausgaben für Musik, eher auf hinteren Plätzen rangieren. Das wiederum bedeutet für einen kaum mehr als zwanzig Jahre alten Musikus, das seine Chancen, die Musik als Grundlage seines Lebensunterhaltes gestalten zu können, eher dem Bereich des bescheidenen bis trostlosen zuzuordnen sind.
Er nahm also die vermeintliche Alternative der WTG-Tätigkeit dafür nunmehr tatkräftig an.
An dieser Stelle mag die Blick auf die Biographie des Herrn Wicke beendet sein.

Er hatte aber in seinem Bericht auch noch einen Namen mitgenannt. Den des Johann Koelbl.
Nicht im Sinne des "erhobenen Zeigefingers", wohl aber im Sinne des Beschreibung, "dessen was gewesen ist". seien dann auch noch mal ein paar Details in Sachen Koelbl ergänzend mitgeteilt.

Aus dem Aktenbestand des Bayrischen Hauptstaatsarchivs (in Auswertung ZJ relevanter Bestände) zitiert: (MA 106688)

"Im Verlaufe der Aktion zur Aufdeckung des illegalen Aufbauapparates der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung wurden bis jetzt 35 Personen festgenommen, die mehr oder minder in besonderen Maße an der Fortführung der illegalen Internationalen Bibelforschervereinigung beteiligt waren. Neben dem Bezirksdienstleiter Otto Lehmann und seinem Nachfolger den Postschaffner Johann Kölbl, beide wohnhaft in München, konnten bis jetzt sämtliche Dienstleiter die im Bezirke des Lehmann tätig waren, ermittelt und in Haft genommen werden.

Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurden die auswärtigen Dienstleiter der Bayerischen Politischen Polizei überstellt um sie an Hand des Beweismaterials zu überführen und zu einem Geständnis zu veranlassen.
Diese Methode hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, um so mehr als dadurch noch eine ganze Reihe von Personen in München und im übrigen Bayern festgestellt werden konnten, die sich noch bis in die letzte Zeit illegal betätigt haben. ...

Als Haupttäter für den Vertrieb der illegalen Wachtturm-Abschriften wurde der Telegrafenleitungsaufseher Josef Zissler von München ermittelt, der die Abzüge in regelmäßigen Zeitabständen von 4-5 Wochen an die Dienstleiter für Südbayern versandte, bezw. persönlich überbrachte.
Bei den vorgenommenen Haussuchungen wurde zahlreiches Schriftenmaterial auch aus neuester Zeit beschlagnahmt. So konnte bei der Architektensehefrau Erna Zeh von München ein ganzes Lager von Druckschriften entdeckt werden, das der Dienstleiter für München, der Postschaffner Kölbl dort eingerichtet hatte. Auch Sprechapparate und Platten zur Wiedergabe religiöser Vorträge von Rutherford wurden beschlagnahmt.
Die Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen und werden sich noch längere Zeit hinausschieben, weil im Laufe der Ermittlungen immer neue Personengruppen bekannt werden, die in organisierter Weise verbotene Zusammenkünfte abhielten oder sich sonstwie für die illegale Internationale Bibelforschervereinigung betätigt  haben."

Demgleichen Archiv entnommen die nachfolgende Kurzmeldung

"(2613) Im Verlauf der Aktion zur Aufdeckung des illegalen Aufbauapparates der IBV werden 55 Personen festgenommen. Neben dem Bezirksdienstleiter Otto LEHMANN Und seinem Nachfolger, dem Postschaffner Johann KÖLBL, beide wohnhaft in München, werden sämtliche Dienstleiter, die im Bezirk Lehmanns tätig gewesen sind, ermittelt und in Haft genommen. Durch intensive Verhöre der nach München zur BPP überstellten Bibelforscher gelingt es, in München die Personen zu ermitteln, die die "Wachtturm"-Abzüge herstellten, und die illegale Druckerei auszuheben."

Hartmut Mehringer notiert in seiner 1997 erschienenen Studie mit dem Titel: "Widerstand und Emigration"

"Im Juni 1936 wurde ein »Sonderkommando« der Gestapo gegen die »geheime Bibelforscher-Vereinigung« aufgestellt; ihm gelang in den Monaten August und September 1936 die Verhaftung von Fritz Winkler und weiteren führenden Mitgliedern sowie zahlreicher regionaler Führungskräfte - u.a. des »Bezirksdieners« für Schleswig-Holstein, Georg Bär, von Johann Kölbl und Josef Zissler, die den bayerischen Bezirk leiteten, und des »Bezirksdieners« für Pfalz-Baden Konrad Franke.
Einer anschließenden Verhaftungswelle fielen über die Hälfte der »Bezirksdiener« und weit über l 000 Mitglieder zum Opfer.
Anlaß für den Schlag der Gestapo war ein für September 1936 in Luzern
vorbereiteter internationaler Kongreß, auf dem zahlreiche von den lokalen Leitern gesammelte Berichte über Glaubensunterdrückung, Verfolgung und Mißhandlungen zur Sprache kommen sollten, die über den Danziger IBV-Funktionär Wilhelm Ruhnau nach Luzern gelangt waren."

Marion Detjen schreibt in ihrer 1998 erschienenen Studie: "Zum Staatsfeind ernannt"

"Im Frühjahr und Sommer 1936 fanden in München - wie auch in anderen Städten - die ersten großen Verhaftungswellen statt. Auch Lehmann wurde gefaßt, vier Monate später sein Nachfolger Johann Kölbl .
Dutzende von Personen erhielten in verschiedenen Verfahren vor dem Sondergericht Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren. ...
Offenbar führten diese Verhaftungen innerhalb der Münchner Organisation wie auch in anderen Städten dennoch zu einer Krise. Der Untergruppenleiter rechts der Isar, der Justizangestellte Johann Karl Zimmermann, legte seine Funktion nieder und wandte sich von der IBV ab, weil er mit den manchmal scharf politisch formulierten, antinationalsozialistischen Aussagen in den Schriften der Zeugen Jehovas nicht mehr einverstanden war und weitere illegale Arbeit für aussichtslos hielt. ...
Auch andere Münchner Zeugen Jehovas kritisierten die antinationalsozialistische Richtung der IBV und wünschten eine Rückkehr zur reinen religiösen Betätigung."

www.jwhistory.net/text/wilker2005.html

Was der Herr Scharf so alles "wusste"
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. Oktober 2011 00:51
Vor fünfzig Jahren
Was der Herr Scharf so alles "wusste"

"Erwachet!" vom 22. 10. 1961 zitiert in seiner Rubrik:
"Wir beobachten die Welt":

"Auf der Abschlußkundgebung des gesamtdeutschen Kirchentages der Evangelischen Kirche Deutschlands im Berliner Olympia-Stadion im Juli erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Präses Scharf:

"Es ist Gottes Gericht über uns, daß wir seit 1945 ein geteiltes Volk sind."

Zu dieser Notiz kann "Erwachet!" es sich dann doch nicht versagen, die eigene redaktionelle Überschrift hinzuzufügen:

"Gottes Gericht über Deutschland'?"

mentlich das hinzugefügte ? bringt dann wohl die eigene Distanziertheit zu der zitierten These zum Ausdruck.
Nun mag man in der Tat feststellen. Da sind dem Herrn Scharf "wohl seine Pferde durchgegangen" und Thesen solcher Art, als überflüssig wie ein Kropf anzusehen, was denn auch meine Meinung dazu wäre.
Nur ist besagter Herr Scharf da ein Ausnahmefall in der Religionsindustrie?
Wohl kaum.
Die "lebt" doch förmlich davon ihre Chimäre Gott an allen Ecken und Enden unterzubringen, wo sie ebenfalls so überflüssig wie ein Kropf ist.
Weite Teile der Religionsindustrie sind doch nach wie vor von der Erkenntnis eines Herrn Bultmann (und der wollte ja in seinem Selbstverständnis auch Theologe sein) entfernt:
Man könne nicht elektrisches Licht nutzen, und zeitgleich einem vorwissenschaftlichen Weltbild verhaftet sein.
Nun bot es sich in diesem Fall an, das "Erwachet!" die Chance hatte, wieder mal auf andere zu zeigen.
Die WTG wäre gut beraten, ihre eigene Theorie und Praxis einer kritischen Durchleuchtung zu unterwerfen. Denn so weit "entfernt" von Milchmädchenthesen der vorzitierten Art, ist sie garantiert nicht!

Exkurs:
Dem "die Weisheit mit Löffel gefressen habenden" "göttlich inspirierten" ??? Herrn Scharf sei dann mal ein gegensätzliches Votum entgegengehalten.
Unter dem Titel: "Reich Gottes - Marxismus - Nationalsozialismus" wurde im Jahre 1931 seitens der religiösen Sozialisten, eine Publikation veröffentlicht, herausgegeben von Georg Wünsch.
In ihr wurde auch auf den heraufziehenden Nationalsozialismus Bezug genommen, und namentlich die Stellung der Kirchen zu letzterem, kritisch beurteilt.
Und da wurde unter anderem eingeschätzt:

"Man muß eben bedenken, welche Hoffnungen der "deutsch-evangelische Protestantismus" auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten für die Wiedergewinnung protestantischer Vormacht in Deutschland setzt. Uns religiösen Sozialisten scheint dieser "deutsch-evangelische Protestantismus" um das Linsengericht äußerer Macht willen das geistige Erstgeburtsrecht zu verkaufen. Er wird in einer nationalsozialistischen Diktatur noch rettungsloser als die alte evangelische Staatskirche in die Abhängigkeit vom absoluten Staat kommen. Sein Versuch, einen Rückversicherungsvertrag auf Gegenseitigkeit mit dem Faschismus zu schließen, wird dazu führen, daß nach einer etwaigen Epoche nationalsozialistischer Diktatur bei dem notwendig kommenden sozialistisch-kommunistischen Gegenstoß nur ein unabwendbares russisches Schicksal die deutschen evangelischen Kirchen treffen muß!" (S. 105)
Der dieses Votum formulierende Heinz Kappes sein Name.
Nun besteht ja heutzutage die Möglichkeit zu werten, was denn aus dieser Prognose in der Wirklichkeit wurde. Der Verkauf der Kirchen um ein symbolisches Linsengericht fand dann tatsächlich statt. Die Warnungen der religiösen Sozialisten wurden ja ohnehin prinzipiell mit Nichtbeachtung bestraft.
Wenn Kappes weiter formulierte, in der Folge würde die Kirchen "ein unabwendbares russisches Schicksal" ereilen, dann konnte er wohl nicht voraussehen, wie die tatsächliche Entwicklung ablaufen würde.
In der Praxis hatten die Linsengericht-Verkäufer dann schon mal so auch ihre Schwierigkeiten mit dem Nationalsozialismus zur Hitlerzeit.
Aber das "unabwendbare russische Schicksal" durfte dann zumindest im Ostteil Deutschlands, die dortigen kirchlichen Linsengericht-Verkäufer noch persönlich auskosten.
Wenn es denn darum geht zu werten, wessen Votum mehr Qualität hat. Das des Herrn Scharf oder das des Herrn Kappes, dann würde ich besagtem Herrn Scharf allerdings attestieren. Sein Votum hat die "Qualität" auf dem Schrottplatz der Geschichte, seinen rechtmäßigen Patz zu finden!

Wenn die Wikipedia über Herrn Scharf unter anderem notiert:
"Scharf gehörte zu den Vordenkern der Ostdenkschrift der EKD und ist für sein Eintreten für die Versöhnung mit Polen."
Dann sei das durchaus anerkannt. Es geht hier nicht um eine Gesamtbewertung seiner Persönlickeit.
Wollte man die vornehmen musste man seinen Vorgänger und Bischofskollegen Dibelius garantiert deutlich kritischer einschätzen.
Thema hier und jetzt ist einzig und allein, eine bestimmte Aussage von ihm, getan in der Öffentlichkeit, die für seinesgleichen wiederum, nicht untypisch ist. Und den Anlass dazu bildete, die Erwähnung seines Namens in einer Zeugen Jehovas-Zeitschrift. Nicht aber das Bestreben, unbedingt mit Kirchenvertretern zu polemisieren.
Für letzteres erachte ich dann doch einige andere Namen aus der weitgespannten Religionsindustrie, als deutlich "würdiger", einer kritischen Polemik ausgesetzt zu werden.
Der Name Scharf ist mit Sicherheit beliebig austauschbar, durch die Namen etlicher anderer Funktionäre der Religionsindustrie. Insoweit sei die Personalisierung in diesem Falle, deutlich eingeschränkt.

Hassprediger über den Tod hinaus
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. November 2011 03:20
Vor fünfzig Jahren
Hassprediger über den Tod hinaus

Die Wochenzeitung "Volksbote" seinerzeit in Strehlen (Schlesien) erscheinend, war das Blatt im Deutschsprachigem Raum, welches auf kommerzieller Basis auch die "Predigten" des "Kanzelredners" C. T. Russell abdruckte.
In der Ausgabe vom 25. 7. 1914, gab es in jenem Blatt auch eine redaktionelle Meldung, welche die Russell-Klientel sicherlich andächtig zur Kenntnis genommen haben dürfte. Wurde da doch das "Bedürfnis" bedient, wieder mal mit dem Finger auf andere zeigen zu können.
Genanntes Blatt berichtete:

"Kirchenstrafe auf Ketzerei.
In der "Kreuzburger Zeitung erlassen kirchliche Funktionäre der oberschlesischen Geistlichkeit folgendes Dekret.

"Warnung! Der Vertreter einer der gefährlichsten Sekten der christlichen Kirche, der Adventisten, hat hier ein Zelt an der Pitschener Chaussee aufgeschlagen, um durch seine irreführenden unchristlichen und unbiblischen Vorträge unsere Gemeindeglieder zu verwirren und ihrer Kirche abspenstig zu machen. Wir bitten unsere Gemeindeglieder auf keinen Fall, auch nicht aus Neugierde, diese Vorträge zu besuchen.
Wer dem Lockruf dieser falschen Propheten folgt und sich dieser Sekte anschließt, hört auf, ein Glied unserer Gemeinde zu sein und wird weder von uns Geistlichen, noch auf unseren Friedhof beerdigt.
Kreuzberg (O. S.), den 9. Juli 1914.
Die Geistlichkeit und der Gemeindekirchenrat
Hartnick, Pastor prim. Kosmala, Pastor, Langer, Pastor."

Dazu kommentierte besagte "Volksbote" redaktionell:

"Abgesehen von dem wohl im heiligen Eifer unterlaufenen Lapsus: die Adventisten als eine Sekte der christlichen Kirche zu bezeichnen, - was sie natürlich, außerhalb der Kirche stehend, nicht sind, - atmet dieser geistliche Ukas den bekannten gewaltsamen Ton, der den Vertretern der christlichen Liebe und Duldsamkeit so schon ansteht.
Kein Grab auf "unserem Friedhof!" Als wenn man nur durch "unseren Friedhof" in den Himmel kommen könnte. Aber - in Oberschlesien ist auch das möglich."

In Auswertung der "Wachtturm"-Ausgaben des Jahrganges 1961, ist auch in der Ausgabe vom 1. 11. 1961 auf eine parallele sogenannte Leserfrage hinzuweisen, auf welche schon früher einmal eingegangen wurde

Siehe auch:
Parsimony.22970

Man vergleiche ergänzend auch den Individualbericht in einem Buch

"Mein Vater ist letztes Jahr gestorben und ich sollte nicht kommen, nicht zum Essen zu meiner Mutter kommen. Auf der Beerdigung hat niemand mit mir gesprochen. Ich stand da, als würde ich - ja - nicht dazu gehören. Niemand hat mir kondoliert. Sie taten alle so, als wäre ich eine Fremde - als würde ich nicht dazugehören zu der Familie. Tue ich ja auch nicht mehr. Jedenfalls nicht zu deren Leben."

Parsimony.9469

Eine versklavende Religion
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. November 2011 05:40
Vor fünfzig Jahren
Eine versklavende Religion

Ihren prinzipiellem politischen Konservatismus schleudert die WTG wieder einmal in einem vierseitigen Artikel der "Erwachet!"-Ausgabe vom 1. 11. 1961 in die Welt hinaus. Diesmal hat man sich das Thema

"Gewaltloser Widerstand" auserkoren.
Jener Artikel resümiert in seinen Schlusssätzen:

"Der gewaltlose Widerstand mag in freiheitlichen Ländern einen gewissen Erfolg haben, als Mittel für eine Weltreform eignet er sich jedoch nicht."

Da mag man partiell noch zustimmen. Vieles im Leben ist halt von Zeit und Umständen abhängig. Zur Unzeit vorgenommenes Handeln, mag nicht unbedingt im Sinne der Handelnden ausgehen. Das ist nur zu wahr. Auch der Einschränkung auf freiheitliche Länder wäre noch zuzustimmen.
Aber weiter geht das WTG-Votum mit der Aussage:

"Ein Christ wäre sehr unweise, wenn er durch den Kampf ohne Gewalt die Mittel, die Gott gebraucht, die Politik und die sozialen Verhältnisse der Staaten der Welt zu ändern, aus den Augen verlöre."

So so, die vermeintlichen "göttlichen Mittel" sollen es also "bringen". Die können dann aber je nach selbsternannten "göttlichen" Aufseher (von "Dienern" pflegt diese Kaste ja heutzutage kaum noch zu reden) sehr variieren.

Da können je nach naiver Stimmung solcher Aufseher schon mal brennende Auschwitzöfen dazu gehören, dieweil solcherart angeblich eine "Prophezeiung" über "Jäger" erfüllt würde, die ein vermeintlich "göttliches Volk" zu jagen hätten.

Nun ist mit dieser Replik nicht gesagt, dass jene genannte These bei der heutigen WTG besonderen Urstand feiern würde. Indes in etwaigen "Enkeln" der WTG-Religion (aber eben nicht in deren "Hauptstamm") lässt sich sehr wohl nachweisen.
Und noch immer gilt: Der Apfel pflegt nicht allzuweit vom Stamme zu fallen. Oder wenn man die Sichtweise mehr auf die eigentlichen Zeugen Jehovas eingrenzen möchte, dann sei beispielhaft auf ein Papier aus dem Jahre 1955 verwiesen, im Aktenbestand des vormaligen Staatssekretariates für Kirchenfragen der DDR (heute im Bundesarchiv DO 4 - 140).

Da äußert sich einer der SED-Appartatschicks, mehr die gesamte östliche Kirchenpolitik zu jener Zeit skizzierend (also nicht bloß eine Gruppierung betreffend). Und dabei streift er eben (mit) auch die Zeugen Jehovas. Das ist selbstredend keine umfängliche und begründete Analyse. Sicherlich nicht. Immerhin meint er letztere in diesem Vortrag wie folgt charaktaterisieren zu sollen:

"Selbstverständlich ist - und das ist ein kompliziertes Problem - daß die meisten und stärksten dieser Sekten und kleinen Religionsgemeinschaften traditionell ihre Zentren in England und Amerika haben.
Gefährlich sind die Zeugen Jehovas in Verbindung mit der Propaganda des Atomkrieges durch die amerikanischen und Adenauerschen Kriegsaggressoren. Denn diese Leute verbreiten gerade jetzt sehr intensiv die Lehre, daß die Atombombe die endlich gefundene göttliche Waffe sei, die den von ihnen lang ersehnten Weltuntergang herbeiführt, bei dem nur sie übrig bleiben."


Das ist dann sicherlich eine etwas grobe Verballhornung der Zeugen Jehovas-Harmagedon-Lehre, und keinesfalls etwa durch konkrete Zitate belegt.
Immerhin ist es auch ein Beleg dafür, wie denn die Theorie und Praxis der Zeugen Jehovas, bei damaligen östlichen Politikern "ankam".

In einer Dissertation von Joachim Heise, wird jenes genannte Papier näher lokalisiert.
Bei Heise liest man dazu:
"Um Unklarheiten und Mißverständnisse auszuräumen, sprachen Kurt Hager und Paul Wandel am 15. Februar 1955 vor den 1. Sekretären der Bezirks- und Kreisleitungen der SED über Grundfragen der Kirchenpolitik der SED".
Also eine Vergatterung der regionalen SED-Fürsten in Angelegenheiten von Kirchenfragen, durch die obere Spitze der SED.

Ein wesentlicher Ertrag dieser Vergatterung. Bisher hatte der CDU-Funktionär Otto Nuschke (theoretisch) in Kirchenfragen auch noch was zu "sagen" (in der Praxis allerdings mehr als wenig). Jetzt wurden von Hager/Wandel die Weichen dahingehend gestellt, dass Nuschke's Kompetenzen die Verbindung zu den Kirchen aufrecht zu erhalten, rigoros beschnitten wurden. Der Gallionsfigur Nuschke wähnte die SED nicht länger zu bedürfen, und zog es vor die "Geschäfte" nunmehr in eigener Regie zu betreiben (durch die Installation eines Staatssekretariates für Kirchenfragen, das Nuschke zu beerben hatte. 1957 dann tatsächlich realisiert ).

Wie sich die SED das ganze vorstellte, wurde dann spätestens bei der Personalpolitik jenes Staatssekretariates für Kirchenfragen deutlich. Auf den dort einflussreichen Posten eines Hauptabteilungsleiters wurde ein Herr Hans Weise gehievt. Die hatte schon mal seine Qualifikation als Mitarbeiter der K5 erworben. (K5 eine Vorläuferorganisation der DDR-Stasi).

Und als Weise dann in späteren Jahren, Altersbdingt in den Ruhestand trat, bekam er als Nachfolger im Amt des Hauptabteilungsleiters, einen würdigen Nachfolger. (Peter H.) Quasi eine Art "Doppelverdiener". Das "zweite Gehalt" zahlte dann die DDR-Staatssicherheit, ihrem "Offizier im besonderen Einsatz" (OibE). Und damit es jenem Herrn in dieser Funktion nicht gar zu einsam wurde, bekam er "zunftgemäß" auch noch einen Adlatus zugesellt (Eckhard S.) (ebenfalls mit dem Status OibE). Darüber redeten genannte Herren zu DDR-Zeiten selbstredend nicht. Das brachte erst das Ende der DDR ans Tageslicht. Wer indes mal mit diesen Herren zu DDR-Zeiten in Kontakt kam, der ist dann über die Enthüllungen nach DDR-Ende, keineswegs "verwundert".

Und mit genannten Namen ist die Galerie der OibE im Staatssekretariat für Kirchenfragen keinesfalls "erschöpfend" aufgezählt. Und wenn im Einzelfall dieser Status nicht gegeben war, wie etwa wohl dem Dr. Hans W., konnte er sich doch immerhin zugute halten, auch mit dem Kirchenfunktionär Manfred Stolpe privat zu verkehren. Solcherlei privater Verkehr erschloss dann für die Herren von der Mielke-Firma, auch so einiges!

http://books.google.de/books?id=7i5Ac0Taty4C&pg=PA127&lpg=PA127&dq=hans+wilke+OibE&source=bl&ots=wZ7pOg2Hmi&sig=wjdirF_dZw_wUIsnVsZDY8RyrUQ&hl=de&ei=w9OxTrCEIdDEtAbA75XnAw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CB8Q6AEwAA#v=onepage&q=hans%20wilke%20OibE&f=false

Als Belegstelle den Eckhard S. betreffend, welcher in einer zuerst von der taz veröffentlichten OibE-Liste noch nicht mit enthalten war, sei verwiesen auf Clemens Vollnhals (Hrsg.)
"Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit" S. 96f.
Dort wiederum beruft sich Vollnhals auf den Aktenbestand des Bundesbauftragten für die Stasi-Unterlagen.
Eckhard S, betreffend: BStU, ZA, KS 5471/90

http://books.google.de/books?id=7i5Ac0Taty4C&printsec=frontcover&dq=Vollnhals+Die+Kirchenpolitik+von+SED+und+Staatssicherheit&hl=de&ei=szuyTuucG472sgbtmpB1&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CC4Q6AEwAA#v=snippet&q=zuletzt%20drei%20OibE&f=false

Auf Eckhard S. wird deshalb besonders verwiesen, dieweil er - namentich in den letzten DDR-Jahren - sofern das Thema Zeugen Jehovas im Staatssekretariat für Kirchenfragen mal anstand, insbesondere damit befasst war.

Zitat aus einem "Spiegel"-Artikel des Jahres 1990:
Der Hohenschönhausener PDS-Chef Eckhard S..., 37, nach eigenen Angaben früher Mitarbeiter im Staatssekretariat für Kirchenfragen, wird laut und hebt den Zeigefinger, wenn er für die Stasi-Kämpfer plädiert. Im Parteibüro, umrahmt von russischen Matrjoschkas auf einem Radio aus volkseigener Produktion, doziert der PDS-Kreis-Chef, "massenhaftes Türeneintreten" habe es durch Stasi-Leute nicht gegeben, "Entgleisungen" seien schließlich auch schon bei der westdeutschen Polizei vorgekommen, und überhaupt habe das MfS die "rechtsstaatlichen Grundsätze" und die Gesetze der DDR geachtet.
Wenn der Kreisvorsitzende der PDS von Hohenschönhausen von einer "Orientierung am Humanismus" redet, klingt das nach jenem "humanistischen Berufsethos", über das einst in Stasi-Dienstvorschriften schwadroniert wurde.

www.spiegel.de/spiegel/print/d-13503289.html

Was das bestrittene "Türeneintreten" betrifft, sei stellvertretend nur auf den Fall Vera Wollenberger ("Virus der Heuchler") verwiesen, welcher bekanntlich auch eine Zeugen Jehovas-Komponente beim Stasi-Zersetzungs-Vorgang hat.

Nur noch aus diesem konkreten Fall das Detailzitat (aus der diesbezüglichen Stasiplanung):
"In Abstimmung mit der Hauptabteilung XVIII/5/2 wird bei dem führenden Mitglied des "Friedenskreises" Jens Albrecht eine konspirative Wohnungsdurchsuchung durchgeführt, die als Einbruch verschleiert wird. Diese Maßnahme erfolgt mit dem Ziel, offiziell auswertbare Beweise über die feindlich negative Arbeit des Friedenskreises zu beschaffen."

Ergo, wer von der DDR-Stasi als "feindlich negativ" eingestuft wurde, der hatte sicherlich nichts zu lachen.
Herr Eckhard S, braucht da wohl bloß an seine eigene Aktenführung zu denken (im Staatsekretariat) (heute im Bundesarchiv vorfindlich DO 4 - 1179).
Unter anderem ein dort vorhandenes Schreiben, wo entweder sein Chef (oder er selbst) eine gewisse Passage anstrich ( in einem 23seitigen Brief vom 25. 7. 1985), im Sinne des Beleges.
Der Briefschreiber sei "feindlich-negativ".

(Nachtrag: In späteren Jahren wurde Hohenschönhausen wohl mit dem Berlin-Lichtenberger Kreisverband derselben Partei zusammengelgt. Insoweit verliert sich der Blick auf spätere Jahre. Vor jener Zusammenlegung wurde die Zahl der Parteimitglieder für Höhenschonhausen auf 900, die für Lichtenberg auf 2500 beziffert. Insoweit haben sich wohl auch die inneren Gewichte innerhalb dieser Partei, nach der Zusammenlegung verschoben),

Mit solcherart geschulten Personal, konnte ein Otto Nuschke, der schon zu Weimarer Republikzeiten eine gewisse Rolle spielte, selbstredend nicht mithalten.
Das war der Sinn der genannten Veranstaltung aus dem Jahre 1955. Das in ihr die Zeugen Jehovas mit erwähnt wurden, hat eher den Rang einer "Fußnote".

Zurückkehrend zum "Erwachet!"-Artikel
Nun hat die WTG in jenem Artikel aber ein anderes Beispiel sich auserkoren, und zwar das:

"Anstatt sich an politischen Demonstrationen und an Demonstrationen gegen die Rassentrennung zu beteiligen ..."

Just jene Rassentrennung
(ein innenpolitisches Problem der USA zu der Zeit dieses Artikels), wird dann noch einleitend anhand von Fallbeispielen belegt.
Die Botschaft der WTG dabei ist deutlich. Keinerlei Beteiligung an Aktionen dagegen.
Auch deutlich sind die WTG-Worte in diesem Artikel:

"Wir lesen nirgends, daß Jesus einen passiven Widerstand gegen die Römer organisiert habe, obschon diese die Juden mit eiserner Hand regierten. Er demonstrierte auch nicht gegen die Sklaverei, die in seinen Tagen noch allgemein üblich war."

Ergo habe das Christentum weiterhin eine Sklaven- eine versklavende Religion zu sein. Soweit es die WTG-Religion betrifft, ist diese Selbsteinschätzung erfüllt!

Exkurs:
Als Veranschaulichungsbeispiel der innenpolitischen Probleme der USA zum in Rede stehenden Zeitraum, sei auch auf das in deutscher Übersetzung vorliegende Buch von Martin Luther King. "Warum wir nicht warten können" verwiesen.
King war dann einer jener, welchen den gewaltlosen Widerstand eine organisierte Form zu geben vermochte.

Als Motto stellt er seinem Buch die Widmung voran:
"Meinen Kindern, für die ich erträume daß sie .bald nicht, mehr nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden."

Er zieht einer ernüchternde Bilanz, wenn er etwa bezugnehmend auf den amerikanischen Bürgerkrieg feststellt:
"Der Krieg war (zwar) gewonnen worden, aber ein gerechter Friede blieb aus. Die Gleichheit kam nie.

Und weiter King:
"Mit, der Aufhebung der körperlichen Sklaverei nach dem Bürgerkrieg fand man neue Mittel und Wege , um den Neger auf. dem Platz zu halten, "der ihm zukam" wie man sich auszudrücken beliebte.
Und weiter, es handele sich immerhin um ein Volk, das zwanzig Millionen Negern in seiner Mitte habe.

Aber, und jetzt kommt das aber:
"Sie leben innerhalb zweier konzentrischer Kreise der Segregation. Der eine hält sie wegen seiner Hautfarbe gefangen, während sie der andere in den Kerker der Armut verbannt."

Und letzteren Umstand umschreibt er dann noch mit der blumigen Floskel:
"Wenn er sich dann zu verbessern versucht, dann wird ihm praktisch geraten, er solle, sich an seinen eigenen Schuhriemen nach "oben ziehen," außer Acht lassend, überhaupt keine "Schuhriemen" zu haben.
Den Anteil arbeitsloser Neger zum Zeitpunkt seines Berichtes, beziffert er auf das etwa zweieinhalbfache, als die der übrigen Bevölkerungsteile.

Als weitere Veranschaulichungsbeispiele erwähnt er etwa die Praxis gewisser Kaufhäuser, dass dort Neger - mit Ach und Krach - zwar als Käufer gerade noch geduldet werden. Nicht jedoch als Kunden etwa an Imbissständen in jenen Kaufhäusern.

Der sowjetische Autor Kondratschow etwa, notierte in seinem Martin Luther King Buch auch:
"In Montgomery durften die Neger wie überall im Süden ihre Cents bezahlen und die Busse benutzen. Nur stieg der Neger vorn ein, bezahlte an den Fahrer. Um aber die Weißen nicht zu "belästigen" verließ er den Bus wieder und - wenn dieser nicht inzwischen abgefahren war, was auch vorkam - stieg dann durch die hintere Tür ein, wo er sich auf die hinteren freien Plätze setzen durfte. Diese Plätze mußte er aber frei machen, wenn die der Weißen. nicht ausreichten."

Für die etablierten Gewerkschaftsfunktionäre in den USA findet er nur bittere Worte. Keinerlei Unterstützung von denen.
Die ergehen sich eher in der Kumpanei mit jenen Kreisen, die er etwa mit den Worten beschreibt:

"In Brooklyn, New York, gäbe es mehrere Bauunternehmen gibt, die nur weiße
Arbeiter beschäftigen."


King auch kirchlich orientiert, bekam letztendlich nur von diesen Kreisen (teilweise) Unterstützung.
Selbstredend nicht von einer weltbekannten Religionsfirma mit langjährigen Hauptsitz in Brooklyn, deren "Rezepte" sich auch in dem Vergleich erschöpfen, sich fallweise an den eigenen "Schuhriemen hochzuziehen". Und wenn das, wie voraussehbar nicht klappt, dann alles so zu belassen wie es ist.

Allenfalls den Unterprivilegierten eine masssive Dröhnung von Opium (religiöser Art) anzudienen. Und wenn selbiges nicht genommen wird, dann den Betreffenden selbst noch einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.

"Passend" bescheinigt Kondratschow dem USA-Präsidenten Eisenhower, völlige Gleichgültigkeit gegenüber diesen Problemen. Jenem Eisenhower also, dem nachgesagt wird, auch in seiner Familie, habe denn ja mal die WTG-Religion eine gewisse Rolle gespielt. Dann aber wohl kaum bei Eisenhower selber.

Post Skriptum:
Bei Interesse lese man dann doch mal auch noch den Wikipedia-Artikel über Martin Luther King.
Da ich das nun getan habe, kann ich es mir doch nicht versagen, anzumerken:
Und da beachte man besonders wie die USA-staatlichen Stasi-Firmen in Sachen Martin Luther King zu agieren pflegten.
Da kann mein Resümees nur lauten
Egal ob USA-Stasi oder DDR-Stasi (Namen sind da ja "Schall und Rauch"). Auswechselbar sind beide. Und beide spielen ihr miserables Spiel, dass sich in den Details nur äußerst gering unterscheidet.

Sagte die DDR-Stasi: "Wer nicht für uns ist - der ist gegen uns", dann sagte die USA-Stasi: Wer die Rassentrennung in Frage stellt, der sei ein Aufwiegler.
Beiden Stasi-Firmen ist das Anlass genug, als Konsequenz daraus, ihre berüchtigten Zersetzungsmaßnahmen anzuwenden.

Einige Zitate mal daraus:
"King musste auch gegen fragwürdige Urteile der Justiz ankämpfen: So wurde er zu sechs Monaten Zwangsarbeit in Reidsville (Florida) verurteilt, weil er es unterlassen hatte, seinen Führerschein umzumelden, als er von Montgomery nach Atlanta umzog. In diesem Zeitraum wurde King von der New Yorker Universität eine Auszeichnung für seine Arbeit gegen die Rassentrennung verliehen. King wurde von Florida nach New York geflogen, nahm den Preis in Empfang und kehrte anschließend wieder ins Gefängnis nach Reidsville zurück.

Oder auch dieses:
"Nach dem Marsch auf Washington begann FBI-Chef Hoover intensiv, King und andere Bürgerrechtler zu bespitzeln."

Weiter
"Das FBI platzierte ... Abhörgeräte in ... Kings Zuhause sowie an deren Bürotelefonen und verwanzte auch die Hotelzimmer von King auf seinen Reisen durch die USA."

Entlarvend auch noch diese Sätze:
"Um King öffentlich als Kommunisten zu brandmarken, baute man auf dem Gefühl vieler Segregationisten auf, dass die Schwarzen eigentlich glücklich mit ihrem Los in der Gesellschaft seien, aber von Kommunisten oder anderen "Aufhetzern" zum Protest animiert würden. ...
Es wurden auch anonyme Briefe an King versendet, in denen gedroht wurde, dass private Informationen veröffentlicht würden, wenn er nicht seine bürgerrechtliche Arbeit einstelle."


Eigentlich hätten die USA über King eher froh sein können, denn letztendlich vertrat er eine eher gemäßigte Linie. Das indes sahen durchaus nicht alle so. Dafür steht auch der Satz:
"Da trotz aller Gesetze und Gerichtsurteile der Rassismus und die soziale Ungerechtigkeit in den Vereinigten Staaten weiter anhielt, bildete sich ein radikaler Flügel innerhalb der Bürgerrechtsbewegung. Er wurde vor allem durch die Black Muslims mit ihrem charismatischen Anführer Malcolm X und die Black Panther Party vertreten."

Gewissenlos
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. November 2011 02:35
Vor fünfzig Jahren
Gewissenlos

Der "Wachtturm" vom 15. 11. 1961 zitiert:

Nun wäre meine Meinung die, auch bei den WTG-Funktionären lässt sich eine ganz spezifische Form von Gewissenlosigkeit nachweisen.
Sie mag sich - zugegebenermaßen - nicht auf der gleichen Ebene, wie die zitierten Beispiele bewegen. Dennoch ist sie auch ein Ausdruck des hochegoistischen WTG-Gebarens an sich.
Der fragliche Tatbestand kommt auch in einschlägigen Zitaten zum Ausdruck

Der schon die Kriterien subtilen Terror erreichende innerorganisatorische Druck, wovon namentliche die WTG-Zeitschrift "Unser Königreichsdienst" (respektive Vorgängertitel kündet), kann einen Außenstehenden nur zu einem dann in zurückhaltenden Worten formulierten Urteil veranlassen: Erschreckend!

Wieder einmal begegnet man in der gleichen WT-Ausgabe einer sogenannten "Leserfrage".
Gesetzt der Fall, es war eine tatsächliche Leserfrage, darf doch wohl auch festgestellt werden.
Wohl nicht jede "Leserfrage" wird auch öffentlich beantwortet. Es gibt ja auch die Möglichkeit, etwa dem Fragesteller, per Briefpost oder ähnliches, eine Antwort zukommen zu lassen. Hier aber wurde der Weg eingeschlagen, eine öffentliche Antwort abzudrucken.
Das lässt dann wohl einige Spekulationen über die Motivation der dafür verantwortlichen WTG-Redakteure zu?!

"Von Pontius zu Pilatus"
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. November 2011 06:28
Vor fünfzig Jahren
"Von Pontius zu Pilatus geschickt"
mag man nur als Kommentar zu einem in "Erwachet!" vom 22. 11. 1961 geschilderten Fall sagen.
Es ging wieder mal um das Thema Blut.
Erwischt hatte es eine Zeugin Jehovas, vor der Geburt ihres Kindes stehend. Und dieweil "Erwachet!" diesen Fall offeriert findet man in ihm auch den Satz:

"Dass sie unter keinen Umständen eine Bluttransfusion haben wolle".

Nun trat das ein, was in den "Sonntagsreden" der Zeugen eigentlich nicht vorgesehen ist.
Mehrere Ärzte in jenem Krankenhaus sagten.
Es tut uns leid. Unter dieser Bedingung sehen wir uns nicht in der Lage ihnen zu helfen.
Wie ging es nun weiter?
Dafür steht dann wohl der Satz:

"Dann hörte ich (die Frau) von einem Geburtshelfer, der in einem anderen Krankenhaus praktiziert."

Das muss man sich mal vergegenwärtigen.
Vor der Geburt stehend, sieht jene Zeugin Jehovas sich gar noch genötigt, eine Sightseeing-Tour durch mehrere Krankenhäuser zu absolvieren.
Aber auch jener Arzt, der sich da schließlich bereit fand, den Auflagen der Zeugen Jehovas zu entsprechen, meinte sich absichern zu müssen.
Er bestand auf die Einschaltung eines Rechtsanwaltes, der jene Auflage (keine Bluttransfusion), ausdrücklich zu beurkunden hatte.

Letzteres war dann zwar für die Zeugen noch die kleinere Hürde, in dieser Geschichte.
Aber wie es der "Zufall" so will, auch jener Rechtsanwalt hatte eine "Privatmeinung".
Er tat zwar wie ihm geheißen (was vorauszusehen war), konnte es sich aber doch nicht ganz verkneifen, dem fraglichen Arzt gegenüber seine Privatmeinung zu verlautbaren.
Offenbar bekam auch die Patientin davon Kenntnis, sonst hätte jener Fall wohl nicht die Spalten von "Erwachet!" erreicht.

Laut "Erwachet!" soll jener Anwalt gegenüber dem Arzt geäußert haben:

"Wenn eine Bluttransfusion nötig werde, solle er der Patientin eben einfach eine Spritze geben, durch die sie betäubt werde. Dann könne er ihr das Blut geben, ohne daß sie jemals etwas davon erfahre."

Stolz vermerkt "Erwachet!". Der Arzt habe aber dieses Ansinnen nicht befolgt.
Und weiter noch der Satz:

"Berufskollegen (auch in diesem Krankenhaus) kritisierten ihn, weil er meinen Fall übernommen hatte, aber er ließ sich dadurch nicht erschüttern."

Damit wird zugleich deutlich, dass die WTG-Blutdoktrin in der Praxis zu vielerlei Komplikationen führen kann.
In heutigen Zeiten, mit den sogenannten Krankenhausverbindungskomitees, mag vielleicht der Aspekt, in den letzten Minuten noch eine Krankenhausreisetour unternehmen zu müssen, nicht unbedingt zwangsläufig gegeben sein.
Allerdings der Reiseaspekt, dürfte wohl kaum entfallen, dieweil jene Ärzte, welche unbesehen, sich den Dogmen der Zeugen zu beugen bereit sind, wohl weiterhin nicht die "Mehrheit" innerhalb der Ärzteschaft darstellen.

Wieder einmal: Herr Tertullian
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 01. Dezember 2011 01:29
Vor fünfzig Jahren
Wieder einmal: Herr Tertullian

In einem dogmatischen Artikel zum Thema Blut, beruft sich der "Wachtturm" vom 1. 12. 1961 wieder einmal auf den famosen Tertullian, welcher zu Anfang des dritten Jahrhunderts lebte.
Man darf aber feststellen:
Besagter Tertullian wird vom WT nur mit einer isolierten Passage vorgestellt. Im nachfolgenden Zitat-Text rot dargestellt. Ob den der Kontext der Tertullian'schen Aussage wirklich so überragend im WTG-Sinne spricht, erscheint eher fraglich.
Nachstehend die Aussagen des Tertullian zum Thema Blut in seiner "Apologetium"-Schrift in etwas größeren Kontext. Eindeutig nachweisbar. Auf dogmatische biblische Aussagen zum Thema Blut beruft er sich eher weniger bis nicht.

Hinsichtlich des Blutgenusses und dergleichen Fabeln der Tragödie leset nach, ob nicht irgendwo - ich meine, es ist bei Herodot - erzählt wird, daß gewisse Nationen zur Abschließung von Bündnissen den Armen entzogenes und gegenseitig verkostetes Blut verwenden? Unter Catilina hat man auch etwas Derartiges, ich weiß nicht recht was, verkostet. Wie man sagt, wird bei gewissen skythischen Völkerschaften jeder Verstorbene von den Seinigen verzehrt. Ich entferne mich etwas zu weit. Heutzutage gibt es hier bei uns blutig Geschnittene zu Ehren der Bellona. Das mit der hohlen Hand aufgefangene und zum Genusse gereichte Blut weiht ein. Wo sind diejenigen, welche gegen ein Stück Geld das frische Blut der in der Arena umgebrachten Verbrecher, wenn es aus der Kehle fließt, auffangen und es wie versessen auffangen, um damit die fallende Sucht zu heilen? Ebenso die, welche von den wilden Tieren aus der Arena sich eine Mahlzeit bereiten, die vom wilden Eber, vom Hirschen begehren? Und jener Eber hat im Kampfe den, welchen er blutig verletzt hat, abgewischt, und jener Hirsch hat im Blute des Gladiatoren gelegen. Sogar der Wanst des Bären, der noch mit Menschengedärmen vollgestopft ist, wird begehrt. Menschen haben das Aufstoßen von einem Fleische, das mit Menschenfleisch genährt wurde. Ihr, die ihr dergleichen esset, wie weit seid ihr denn von den "Mahlzeiten der Christen" entfernt?!

Ist es vielleicht etwas Geringeres, was jene tun, die in wilder Lust nach menschlichen Gliedern ihr Maul aufsperren, weil sie Lebendige verschlingen? Werden sie etwa weniger durch Menschenblut zur Unfläterei eingeweiht, weil sie etwas lecken, was Blut werden wird? Sie verschlingen fürwahr nicht Kinder, sondern vielmehr Erwachsene.

Eure Verirrung möge schamrot werden vor uns Christen, die wir nicht einmal Tierblut unter unsern Speisegerichten haben und uns deshalb von Ersticktem und Krepiertem enthalten, damit wir auf keine Weise mit Blut befleckt werden, auch nicht einmal mit dem im Leibe verborgenen. Zur Quälerei der Christen bringt ihr ja auch noch Blutwürste herbei, sicherlich doch in der festen Überzeugung, daß gerade das bei ihnen verboten sei, wodurch ihr sie vom rechten Wege abbringen wollt.

Wie soll ich es aber qualifizieren, wenn ihr glaubt, die, von denen ihr überzeugt seid, daß sie Tierblut verabscheuen, Seien nach Menschenblut begierig? Es müßte denn sein, daß ihr das letztere etwa selber schmackhafter befunden habt. Gerade Menschenblut und nichts anderes sollte man daher als Probiermittel bei den Christen anwenden in derselben Weise, wie das Brandaltärchen und die Schale mit Räucherwerk. Denn geradeso werden durch das Verlangen nach Menschenblut die Christen als Christen erwiesen werden, wie Sie als solche durch die Verweigerung des Opfers erwiesen, werden, und umgekehrt darf man sie nicht für solche halten, wenn sie es nicht verkosteten, wie man sie nicht für solche hält, wenn sie opferten. Sicher wird es euch beim Verhör und der Verurteilung der Eingekerkerten nicht an Menschenblut fehlen.

Weiteres über den Obernarren Tertullian

Die Geschäfte laufen zusehends schlechter
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 08. Dezember 2011 06:12
Gelesen in "Erwachet!" vom 8. 12. 1961:

"Sechs Theologiestudenten aus Bonn und Wuppertal begannen einen Feldzug gegen die bekannten Aussprüche, wie z. B.
"Tue recht und scheue niemand" hinter denen sich die Gleichgültigkeit der evangelischen Allgemeinheit gegenüber dem kirchlichen Geschehen verschanze. Nach wochenlangen Vorsprechen an evangelischen Haustüren in der Gemeinde Moers berichteten sie ihre Erfahrungen vor der Moerser Gemeindeversammlung. In vielen Fällen seien sie wie Sektierer und fliegende Händler abgewiesen worden. "Wir hatten gedacht, man würde uns mit offenen Armen empfangen. Statt dessen schlug man uns des öfteren die Türe vor der Nase zu", erklärte einer der Studenten. Bei 60% der Besuchten sei es ihnen gelungen über die Türschwelle zu kommen, doch nur etwa 20% hätten Interesse an einem Gespräch gehabt ..."

Als Kontrast dazu, ein Kommentar, den sich unter anderem ein etwas neuzeitlicherer "Geschäftsankurbler" einhandelte:

Wußten Sie das nicht? Es gibt seit Adam und Eva einen Kampf. Einen Kampf zwischen atheistischen und theistischen Überzeugungen. Neuerdings werden die Auseinandersetzungen oft von MSS und der GBS geführt. Beide sind auf der Seite des Widersachers Gottes. Das zeichnet sie schon mal klar ab von guten Menschen.

Ein guter Mensch glaubt an Gott. Wer nicht an Gott glaubt, ist ein böser Mensch. Warum glaubt dieser böse Mensch nicht an Gott? Nun, warum schon? Er will halt die Sau rauslassen und sein Leben der Lust weihen. Einen anderen Grund kann es ja gar nicht geben, darf es nicht geben. Und übrigens, ... kann nicht sein, was nicht sein darf, so schließt er messerscharf.

Da baut ein ... gemäß seinem Nick einen Popanz auf, ... um Menschen zu diffamieren, die von einer fundamentalistischen Weltsicht Abschied genommen haben, um ihnen zu attestieren, sie seien in die nächste Fundamentalistenfalle geraten, nämlich dem "fundamentalen Atheismus". Von Dummheit der Argumentation kaum zu überbieten. Einen fundamentalen Atheismus gibt es ebensowenig wie einen fundamentalen Diätenplan. Das ist einfach nur Unsinn. Wenn ich, als bekennender mit dem Vorgehalt des Agnostizismus, mich als Atheisten bezeichne, dann bin ich kein Fundamentalist, der sich auf ein Fundament, eine Lehre, die nicht hinterfragt werden darf, beruft.

Eine solche Einstellung hätte mich allerdings zuzeiten einer Isabella von Kastilien im spanischen 11. Jahrhundert in arge, lebensgefährliche Situation bringen können.

Diese Situation beschreibt Dostojewski in seiner Novelle "Der Großinquisitor" aus "Die Brüder Karamasow" ziemlich drastisch. Dort läßt er Jesus wiederkommen, ein eindeutiges Wunder vollbringen indem er ein totes Kind vor der Kathedrale zum Leben wiedererweckt. Der Großinquisitor, der am Tag zuvor über hundert Ketzer auf Scheiterhaufen verbrennen ließ, schreitet ein und verhaftet Jesus. Am nächsten Morgen findet ein Gespräch statt zwischen Jesus und dem Großinquisitor, bei dem Jesus kein Wort sagt, nur traurig zuhört.

Die Auslassungen ... erscheinen mir als eine zusammengeraffte, nicht mal selbstverarbeitete Polemik gegen "den organisierten Atheismus", ...
Eigentlich gibt es nur den Zweifel.

http://forum.sektenausstieg.net/showthread.php?13971-Atheistische-Verbindungslinien-am-Beispiel-der-Brights/page6

Erbsenzählerei
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 15. Dezember 2011 05:03
Vor fünfzig Jahren
Erbsenzählerei

Nachdem der "Wachtturm" vom 1. 12. 1951 sich kritisch mit der Tradition des Weihnachtsfestes auseinandergesetzt hatte.
Siehe dazu:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,112280,117295#msg-117295
02. Dezember 2011 01:37
Ist rund zehn Jahre später, in der "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 12. 1961 eine erneute kritische Auseinandersetzung mit der Tradition des Weihnachtsfestes zu beobachten. In begrenztem Umfange ergänzen sich diese Artikel, dieweil jeder von ihnen unterschiedliche Details in seiner Argumentation verwendet.
Gleichwohl bleibt auch dieser Artikel auf der Ebene dogmatischer Erbsenzählerei stecken.

Nicht reflektieren tut er den Umstand, dass Weihnachten - zumindest heutzutage - zunehmend verweltlicht ist. Diejenigen denen damit verbundene religiöse Elemente "wichtig" sind, dürften wohl eher in Richtung abnehmenden Zahl zu bewerten sein.
Zunehmend aber eher die; denen etwa der Charakter als Familienfest dasjenige ist, was sie anspricht. Und denen die Frage waren es nun 99 ½ Erbse oder vielleicht doch nur 98 ¾ Erbsen am Allerwertesten vorbeigehen.
Gleichwohl ist auch das Schwergewicht dieses Artikels, die dogmatische Erbenszählerei.
Zitiert wird etwa der Großkirchliche Theologe Oscar Cullmann, der die Meinung vertrat, ein Weihnachtsfest heutiger Prägung, sei den Christen der ersten drei Jahrhunderte unbekannt gewesen.

Zu den Details, welche der WT im Verfolg seiner thematischen Auseinandersetzung anführt, gehören dann auch die:
Es sei interessant zu beobachten, wähnt der WT,

"daß in jenen alten Tagen allgemein angenommen wurde, Jesus sei im Frühling geboren."

Als einen Kronzeugen bemüht der WT dann den katholischen Abt L. Duchesne, der da ausgeführt haben soll:

"Was den Monat und den Tag betrifft, spricht Klemens von Alexandria [der im dritten Jahrhundert lebte] von Berechnungen, nach denen man auf den 18. oder 19. April oder auf den 29. Mai kam, doch waren dies rein persönliche Berechnungen, die keine Beobachtung einer Feier festlegten. Das Buch betitelt 'De Pascha Computus', im Jahre 243 entweder in Afrika oder in Italien veröffentlicht, sagt, Unser Herr sei am 28. März geboren."

Im folgenden zitiert der WT, wie jene Berechnung aus dem Buch 'De Pascha Computus' zustande gekommen sein soll.
Jene "afrikanischen oder italienischen" Erbsenzähler befanden damals, Gott habe bei der

"Erschaffung der Welt zuerst das Licht von der Finsternis geschieden. Gott sei vollkommen, somit müsse auch die Scheidung gleichmäßig gewesen sein. Nacht und Tag seien nach dem römischen Kalender bei der Frühlings-Tagundnachtgleiche, am 25. März gleich. Die Sonne sei am vierten Tag erschaffen worden. Das wäre also am 28. März."

Der nächste Schritt dieses Spekulationsgerüstes bestand in der Behauptung:

"Daß Christus, der nach Maleachi 4:2 'die Sonne der Gerechtigkeit' sei, an dem Tage, an dem die Sonne erschaffen wurde, geboren sei also am 28. März!"

Zwar kann sich der WT angesichts dessen einer gewissen Häme nicht versagen. Nicht indes reflektieren die WT-Schreiber, dass etwa ihre eigenen 6000-Jahr-Theorien (bekanntermaßen Grundlage des famosen 1975-Datum), eine ähnlich windige Struktur aufweisen!

Zurückkehrend zum Weihnachtsthema.
Weiter führt der WT aus:

"Wenigstens ein Kirchenschriftsteller, nämlich Klemens von Alexandria, spottete über jene, die durch solche Mutmaßungen das Datum der Geburt Christi festzustellen suchten."

Allerdings, auch das muss der WT berichten:

"Er selbst war aber auch nicht ganz ohne Tadel, denn anderswo scheint er den 17. November zu befürworten.!"
Noch einmal zitiert der WT besagten Klemens von Alexandria. Nach der WT-Interpretation habe dieser "berichtet, daß die Jünger von Basilide die Taufe Jesu am 6. Oder 10 Januar feierten. Sie dachten, Christi 'Erscheinung' (griechisch: epiphaneia) falle auf die Zeit seiner Taufe, und sie nannten diese Feier Epiphania."

Ober o weh:

"Die Kirche betrachtete diese Lehre als Häresie und bekämpfte sie damit, daß sie der schon bestehenden Feier seiner Taufe eine Feier der Geburt Christi hinzufügte und diese an demselben Tag feierte."
In diesem "Hauen und Stechen" der unterschiedlichen Spekulanten der Frühzeit, kam dann noch die sogenannte "Konstantinische Wende" als Wesensbestimmendes Element hinzu. Auf seiner Basis avancierte ja der Narrenverein der Urchristen, allmählich zur Staatskirche.
Und in einer Staatskirche hat letzterer halt auch noch ein Wörtchen mitzureden.
Und die staatlichen Macher befanden halt, wenn die christlichen Narren sich untereinander schon mal, wie zitiert, nicht auf ein Datum einigen können, dann wird staatlicherseits auch der Aspekt der Staatsräson zur Geltung gebracht. Und besagte Staatsräson optierte dafür, etwa die Wintersonnenwende mit in das Geflecht einzubeziehen. Und siehe da, just war "Weihnachten geboren."

Besagten Konstantin, mit seiner "Verschmelzungspolitik der verschiedenen Religionen ("heidnische" und Christliche) sagt dann die WTG auch noch allerhand weiteres "schlimmes nach". Etwa dass unter seinem Einfluß der Aspekt zur Geltung kam

"dass die Kirchen der Christenheit so gebaut wurden, daß sie nach Osten wiesen"

oder auch  "die Verschmelzung des wöchentlichen Ruhetages der Christen mit dem Tag, der dem Sonnenkult geweiht war und in den germanischen Sprachen immer noch 'Sonntag' genannt wird."

Ergo war das ganze Theater um Weihnachten, letztendlich ein Verschmelzungsergebnis aus Staatspolitischer Räson.
Nun kann man die Verschmelzung des "Heidentum" mit dem Christentum als schön oder auch als das Gegenteil davon empfinden. An dem Umstand, dass sie als Fakt erst mal gegeben ist, ändert das wohl nicht allzuviel.

Dann sei noch auf einen weiteren Aspekt der zitierten "Wachtturm"-Ausgabe vom 15. 12. 1961 verwiesen. Diese enthält auch wieder eine Rubrik "Fragen von Lesern". Und eine der dort abgedruckten Fragen lautet:

"Welche Antwort kann Personen gegeben werden, die darauf hinweisen, daß gewisse von Ägyptologen angegebene Jahreszahlen der im 'Wachtturm' veröffentlichten Chronologie widersprechen?"

Und mit dieser Fragestellung wird ja letztendlich das eigene "Eingemachte" berührt. Bekanntermaßen basierte die eigene windige 1975-Berechnung auf der Basis der "Chronologie", die man sich ebenso windig zusammenbog, wie andere sich ihre Weihnachtstheorie zusammenbogen.
Und in dem "Eiertanz" von "Antwort" den der WT auf diese Fragestellung dann veranstaltete (viele Worte, aber das eigentliche Anliegen zerredend) ragt besonders jener Satz hervor:

"Eine solche Unstimmigkeit braucht nicht ernst genommen zu werden."

Ergo, ist es für die eigene Dogmatik nützlich schwarz zu weiss zu erklären, dann wäre auch die WTG der allerletzte, die da irgend welche Skrupel hätte!
Nun kann man darauf verweisen. Auch andere sind dann wohl nicht besser! Das mag zwar richtig sein, ändert nicht das geringste an dem Umstand, dass man sich selbst in das Heer der Verdreher und Zurechtbieger, aktiv mit eingereiht hat.
Ein Beispiel für das agieren "anderer", in der Substanz (sinngemäß) auch auf die WTG übertragbar, ist dann wohl auch noch das nachfolgende Zitat:

"So ist es für den, der von der Kirche belehrt wird, nicht notwendig, die Schrift zu kennen und zu lesen.
Ja die Kirche ist berechtigt, das Lesen der Bibel den Laien zu verbieten, sobald sie davon nachteilige Folgen für den alleinseligmachenden Kirchenglauben befürchtet."

G. A. Gumlich "Kurzgefasste Christliche Symbolik" 6. Aufl. 1910 S. 43)
Wie die Bilder unterschiedlicher
totalitärer Organisationen sich doch mächtig ähnlich gleichen!


Fragwürdige politische Vermarktung
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 22. Dezember 2011 03:26
Vor fünfzig Jahren
Fragwürdige politische Vermarktung

Nicht nur im "Erwachet!"-Jahrgang 1962, sondern auch schon davor in der "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 12. 1961, fühlt sich die WTG bemüßigt, in einem ganzseitigen Artikel, unter der Überschrift "Ein Ex-Kommunist kritisiert den Kommunismus" das Buch des Milovan Djilas "Die neue Klasse" zu vermarkten.
Das entspricht dann in der Substanz dem aktiven Mitmischen in der Politik.
Da ist man dann doch geneigt beispielsweise die Rückfrage zu stellen, ob die WTG denn auch einem ganzseitigen Artikel bezüglich des Raymond Franz-Buches "Der Gewissenskonflikt" zu bewilligen bereit wäre. Von letzterem kann wohl kaum die Rede sein.
Das Franz mit der WTG brach, war das WTG gerade mal eine magere Zwei-Zeilen-Meldung wert im "Unser Königreichsdienst" (Nr. 9/1980), eingebettet, damit sie nicht besonders auffalle, in andere eher Banalitäten-Meldungen.

"Hiermit geben wir bekannt, daß Raymond Victor Franz seit dem 22. Mai 1980 kein Glied der leitenden Körperschaft oder der Brooklyner Bethelfamilie mehr ist."

Ende der WTG-Durchsage.
Keine Silbe mehr, wusste sie zum Thema zu sagen.
Indes dass er auch ein Buch publizierte, das auch mitzuteilen, oder gar auf seinen Inhalt etwas näher einzugehen. Das war schon nicht mehr drin.
Insoweit erweist sich die Djilas-Vermarktung als ziemlich vordergründig.
Behandelt Herr Djilas in seinem Buch das Zeugen Jehovas-Thema mit?
Fehlanzeige. Im Gegenteil, Jugoslawien war von allen damaligen Ostblockländern dasjenige Land, welches in der Zeugen Jehovas-Angelegenheit noch am liberalsten agierte (zumindest in den 1960 Jahren - die frühen fünfziger Jahre mal ausklammernd).
Bezüglich der damals rund 1700 Zeugen Jehovas in Jugoslawien notierte "Erwachet!" vom 22. 7. 1958 einmal:

"Seit dem Jahre 1953 ist ein neues Gesetz m Kraft, welches allen Religionen Gleichberechtigung gewährt, und die christliche Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Jugoslawien übt seitdem ihren Predigtdienst frei aus."

Das waren doch Verhältnisse von denen zur gleichen Zeit, die Zeugen Jehovas in den anderen Ostblockstaaten nicht im entferntesten träumen konnten.
Bezüglich einer weiteren Bewertung der Vermarktung des Djilas durch die WTG siehe auch die 1962er Jahrgangsdatei, worin auch darauf eingegangen wird.
Dort im Detailabschnitt "Ein brennendes Feuer - weiter anheizen!" mit erwähnt.

Kommentarserie 1960

Kommentarserie 1962

1961

ZurIndexseite