Kommentarserie "Trost" 1943 zusammengefasst

Einige Stichworte in diesem Jahrgang (in Auswahl):

"Ostschweiz" (Zeitung), Panin, Ivan; "Freidenker", Mäder, Arche Noah, Father Divine, Bernoulli, Gewerkschaften, Vegetarismus

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. Januar 2013 01:57
Neujahr 1943
„Zum neuen Jahr" titelt „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 1. 1943, seinen ersten einleitenden Artikel. Und in selbigem auch ein Abschnitt „Ein Blick in die Zukunft".
Und wie würde selbige aussehen? Die Frage die „Trost" und seine Leserschaft, auch in diesem Artikel, umtreibt, ist doch die:

„Werden wir nun die Aufrichtung der gerechten, neuen Welt erleben dürfen?"

Und der eigenen Konkurrenz auf dem Markt der Leichtgläubigen, meint man im nächsten Satz bescheinigen zu sollen:

„Von Wahrsagern in Anmaßung geäußerte Prophezeiungen, wie etwa Horoskope, sind völlig wertlos."

So so, wäre da wohl blos erst mal zu sagen. Und was ist mit den „Wahrsagern" in den eigenen Reihen? Etwa dem damals langjährigem „Ober-Wahrsager" Rutherford. Hatte der denn nicht noch jüngst in dem Buch Kinder, dass zu der Zeit, auf Geheiß der WTG, sich die Zeugen immer noch mühten, es in klingende Münze umzusetzen. Hatte der nicht in dem Buch noch getönt, mit dem „Heiraten bis nach Harmagedon" zu warten?!

Warum, weil es doch nur noch eine „kurze" Zeitspanne bis dahin sei.
Nun wenn Wahrsager etwas verkünden, muss man sich allerdings, auf allerlei Taschenspielertricks gefasst machen. Das gilt dann auch und besonders für den „Oberwahrsager" Rutherford.

Was ist in dessen Lesart, eine „kurze" Zeitspanne?
Wollte er nicht eigentlich selbst noch Nutznießer selbiger sein?
Sicherlich, in seinem „Beth Sarim" lebte es sich sicherlich angenehmer, als etwa in einer „Mönchsklause" in Brooklyn. Insofern ist er ja wohl keineswegs „zu kurz" gekommen.

Aber nun erlitt auch Herr Rutherford, das Schicksal aller „Wahrsager". Eines Tages ist Schluss.

Aber sein Gummiband von der „kurzen Zeitspanne" geisterte weiter umher. Warum? Weil es halt immer wieder welche gibt, die ihr Wunschdenken mit der Realität verwechseln, und gleich den dem Narren in Gorkis „Nachtasyl" sich auf den Standpunkt stellen.
Wenn Gelehrte sagen, das erhoffte „Reich der Gerechtigkeit, für das man gedarbt, gedarbt und nochmals gedarbt habe, gebe es eigentlich nicht, dann sei das „Raub". Und „Raub" wolle man sich halt nicht gefallen lassen. Also darbt man weiter.

Es ist eine große Tragik menschlicher Natur, die sich da offenbart, ohne Zweifel. Wer sich nicht dazu durchringen kann, „den Himmel den Spatzen zu überlassen", der wird wohl immer wieder neu-alten „Wahrsagern" auf den Leim krauchen. Und auch die WTG könnte ihr Geschäft nicht betreiben, fände sie nicht eine aufnahmebereite Klientel vor.

Darüber waren sich aber die „Wahrsager"-Nachfolger des Herrn Rutherford sehr wohl im klaren. Jetzt heisst es wohl erst mal „die Kurve zu bekommen".
Gummibänder sind zwar gut und schön, jetzt ist es aber mal angesagt, diese Gummibänder in eine etwas andere Richtung zu zerren
.
Und selbiger kann man auch in diesem „Trost"-Artikel begegnen, wenn es denn weiter heißt:

„Was ist zu erwarten? Wird der gegenwärtige Krieg die alte Welt beenden und beginnt unmittelbar danach die neue Welt der Gerechtigkeit? Die ... Antwort lautet: "Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Sehet zu, erschrecket nicht; denn dies alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende." ... Ehe Harmagedon kommt, wird sich l. Thessalonicher 5: 3 erfüllen müssen: "Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, . . . und sie werden nicht entfliehen." Dieses Ende der Macht des Widersachers zeigt Daniel ...
"Aber Gerüchte von Osten und Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Grimme, um viele zu vernichten und zu vertilgen. ... Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen."
Diese Gerüchte von Norden und Osten, die den "König des Nordens" erschrecken, beziehen sich offenbar auf die Botschaft, die nach Friedensschluß in Gottes Auftrag verkündet wird."

Und mit diesem „Verkündigen" ist man ja nach wie vor beschäftigt. Und wenn sie denn nicht gestorben sind, verfolgen auch sie ihren Narrenlauf, bis zum Sankt Nimmerleinstag!

„Voreilige Erwartungen"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. Januar 2013 01:19
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren

„Die voreiligen Erwartungen der Urkirche und vieler Gläubigen in frühern Zeiten vor uns sind kein Beweis dafür, daß das Reich des Christus immer wieder „verschoben" wird. Einmal muß es mit großer Macht erscheinen. Und eine Überfülle von Prophezeiungen zeigt, daß wir in dieser wichtigen Zeit leben" , meint „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 1. 1943.
Ein solches Votum ist zwar einerseits aus der zeitgenössischen Befindlichkeit - mitten im zweiten Weltkrieg - verständlich.
Andererseits gilt es aber auch klar zu sagen:
Wunschdenken und Realität, sind „zwei linke Schuh", die vorne und hinten nicht zusammen passen.
Das wiederum ficht die vom Wunschdenken durchtränkten, nicht im mindesten an, was man ja keineswegs „erst" seit Maxim Gorkis „Nachtasyl" zur Genüge kennt.

Ein besonderes „Schmankerl" indes meint diese „Trost"-Ausgabe dennoch noch zu haben. Beginnend mit dieser Ausgabe, sich fortsetzend bis zum 15. 3., offeriert sie ihren Lesern den Fall Ivan Panin. Zwar verwies auf den schon im Jahre 1907, die sich ab diesem Zeitpunkt in zunehmender Opposition zur WTG befindliche „Aussicht" darauf. Siehe dazu 19072Pilati Aber die offizielle WTG scheint jenes Thema eben bis zu den „Trost"-Ausgaben des Jahres 1943, dann wohl nicht mehr aufgenommen zu haben.

Eine Zusammenfassung der Panin-Ausführungen des „Trost" in

Parsimony.3832

Der „Stein des Anstoßes"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. Februar 2013 13:49
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Das in St. Gallen erscheinende katholisch orientierte Blatt „Die Ostschweiz", veröffentlichte in seiner Ausgabe vom 11. 12. 1941 auch einen „Das System der 'Zeugen Jehovas'" überschriebenen Artikel.
Als redaktionelle Einführung konnte man in selbigem auch die Sätze lesen:

„Die 'Zeugen Jehovas', die sich früher 'Ernste Bibelforscher' nannten, unternehmen derzeit eine neue Offensive in der Schweiz. In den größeren Städten, wie in Zürich, Basel usw. berufen sie Massenkundgebungen ein. In St. Gallen wurde die geplante Veranstaltung noch rechtzeitig verboten. Der nachfolgende Artikel gibt einen aufschlußreichen Einblick in das System der 'Zeugen'".

Und im nachfolgenden lies dann dieser katholische Artikelschreiber seinen Aversionen freien Lauf, u. a. mit den Sätzen:

„Behandeln wir erst den zweiten Punkt ihres Programms: Kampf gegen das sog. Christentum. Dies muß notwendigerweise in der Leugnung der christlichen, vor allem der katholischen Glaubenswahrheiten bestehen.
Ihre diesbezüglichen Vorwürfe lassen sich wie folgt aus ihrem Schrifttum zusammenstellen:
Die Unsterblichkeit der Seele ist eine Lüge Satans.
Das Dogma von der Dreifaltigkeit Gottes ist eine Gott entehrende Lehre, ist ein trinitarischer Unsinn.
Fegfeuer und Hölle bestehen nicht, die katholische Lehre darüber ist gotteslästerlich.
Das Sakrament der Taufe wird von der katholischen Kirche unrichtig gespendet, denn es sollte durch Untertauchen vollzogen werden, und zudem dürfen nur Erwachsene getauft werden. Die hl. Messe ist eine ungereimte Theorie, ein Scheinopfer, eine Grundirrlehre.

Weiter im Text:

Der 1914 ausgebrochene Weltkrieg hat die Haltlosigkeit solcher Lehren bewiesen und erspart uns eine Widerlegung. Übrigens geben die Zeugen Jehovas selbst zu, daß sie sich darin geirrt haben.
Jetzt aber ist der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi trotzdem gekommen, wie sie gerade in Zürich wieder verkündigt haben. Nun soll das falsche Christentum endgültig vernichtet werden in der großen Gottesschlacht, von ihnen genannt die Schlacht von Harmagedon.
Aber einige Fragen richten wir an diese Leute zur Beantwortung.

Zum Beispiel diese:

Wie überbrückt ihr diesen Zeitraum vom Tode des letzten Apostels bis zu Russell?
Wie wollt ihr schließlich beweisen, daß Gottes Zorn, den Ihr den christlichen Religionen androht, Euch nicht treffen wird, wo doch in der Geheimen Offenbarung (22, 18-19) gedroht wird:
„Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen, von denen in diesem Buche geschrieben steht. Wer von den Worten eines prophetischen Buches wegnimmt, dem wird Gott wegnehmen seinen Anteil am Baume des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buche geschrieben ist."

Da hatten also die Zeugen, via der „Ostschweiz", ihr „Fett weg". Waren sie davon „beeindruckt" Wohl kaum. Das hätte man aber auch vorher wissen können. Nur, wer das eben nicht wußte (oder besser gesagt: nicht wissen wollte), war besagte „Ostschweiz".

Wie bereits in Kommentierung zur „Trost"-Ausgabe vom 1. 2. 1942 festgestellt wurde,

http://27093.foren.mysnip.de/read.php?27094,122282,125333#msg-125333
war letztendlich dieser „Ostschweiz"-Artikel für die WTG ein gefundenes Fressen. Ein „Fressen", das sie sich nicht entgehen lässt. Hatte doch der katholische Schreiber darin auch formuliert, den Zeugen Fragen zu stellen. Und wenn denn „Fragen" gestellt werden, ist ja ein billiges Alibi gegeben, darauf auch zu antworten.

Das wann immer von katholischer Seite etwa Begriffe wie „Hölle", „Fegfeuer", „Trinität" mit in den Anti-Zeugen-Diskurs eingebracht werden, kann man dann fast darauf warten kann, dass diese Reizworte auch prompt von den Zeugen aufgenommen, und des lang und breit darüber disputiert wird, trat auch in diesem Fall ein. Und genau so, ist es dann auch abgelaufen.

Bereits in der „Trost"-Ausgabe vom 1. 2. 1942 offerierte also die WTG ihre Form der „Antwort" darauf. Und genauso, wie der Ausgangs-Artikel der „Ostschweiz" wohl in erster Linie im Sinne katholischer Selbstbestätigung verfasst war. Kaum aber in dem Sinne den Gegner zu überzeugen. Genauso verlief es nun auch in umgekehrter Richtung. An der Fähigkeit beider Seiten, prächtig aneinander vorbei zureden, mangelte es sicherlich nicht.

Und weil die WTG sich nun schon auf „Euphorie-Wolke sieben" in dem Disput wähnte, beschloss man den vermeintlichen Triumph dann noch weiter auszubauen. Dergestalt, dass man dass was man bereits in „Trost" vom 1. 2. 1942 geschrieben hatte, gleich noch als Separat-Flugblatt unter dem Titel „Katholiken fragen Zeugen Jehovas" herausbrachte.

Sollten also katholische Kreise je geglaubt haben, mit jenen „Ostschweiz"-Artikel den Zeugen eins „ausgewischt" zu haben, erfuhren sie nun was schon Goethe in seinem Zauberlehrling reflektierte.
Die Geister die man rief, wird man nicht mehr los!

O, sagte sich da wohl die Catholica. Da müssen wir doch jetzt mal die Notbremse betätigen. O sagte sich der wohl katholisch orientierte „Statthalter der Ortschaft Sursee" im Kanton Luzern (beiläufige Frage: Wer außerhalb des Kantons Luzern kennt Sursee?)

Wie auch immer, nun wollte auch der „Statthalter von Sursee" in treuer Gefolgschaft für Catholica, mal „große Geschichte schreiben". Ergo, was tat er?
Er schickte der aber im Kanton Bern ansässigen WTG, die Polizei auf den Hals, mit der Maßgabe, alle noch greifbaren Exemplare des Flugblattes „Katholiken fragen Zeugen Jehovas" beschlagnahmen zu lassen. Und siehe da, 6400 Exemplare davon konnten so noch konfisziert werden.

Das die WTG darüber nicht „erfreut" sein würde, hätte eigentlich auch der „Statthalter von Sursee" im voraus wissen können. Sein vorauseilender Gehorsam gegenüber der Catholica indes, hat wohl diesen Aspekt verdrängt.


Nun aber musste sich der „Statthalter von Sursee" als erstes in der Folge mal belehren lassen. Er sei doch im Kanton Luzern angesiedelt. Die WTG indes im Kanton Bern. Ergo habe er eigentlich schon damit seine Machtkompetenzen überschritten.
Wie man unschwer erraten kann, fand nun diese Komödie auf der Ebene der Justiz ihre Fortsetzung.
Ach ja. Da waren dann noch zwei WTG-Funktionäre.
Alfred Rütimann und Maurice Fleury mit Namen. Selbiger „beehrte" dann der Statthalter von Sursee noch mit einer „amtlichen Anzeige".
Und weil diese Groteske für die WTG-Interessen letztendlich gut auslief, versäumt es „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 2. 1943 nicht, diese amtliche Anzeige, unübersehbar, im DIN A4-Format mit abzubilden.

Selbige „Trost"-Ausgabe weis dann auch zu berichten, dass die WTG in allen wesentlichen Punkten, dann noch einen gerichtlichen Freispruch erkämpfte.

Das hätte man eigentlich auch im voraus in „Schildburghausen" wissen können.
Pardon: Es war ja nicht von „Schldburghausen" die Rede sondern nur von „Sursee" alias Catholica. Was wiederum wohl kein „großer" Unterschied in der Praxis sein dürfte!

Ivan Panin
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. Februar 2013 00:16
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Etwa zwei Druckseiten ist „Trost" (in Fortsetzung) sein Jubelbericht über den Ivan Panin, in der Ausgabe vom 1. 2. 1943 wert, was schon ein gewisses Indiz dafür ist, welchem Stellenwert man ihm denn beimisst. Bereits in der vorangegangenen „Trost"-Ausgabe, begann ja dieser Panin-Bericht.
Siehe auch:

Parsimony.3832
Im alten Infolink-Forum meinte am 23. 2. 1999 der User „LuckyX" einmal, dass die WTG in den 20er mit dem Ivan Panin (laut „Trost" vom 1, 2. 1943 selbiger in Toronto, Kanada) zusammenarbeiten wollte, ihn dann jedoch fallen ließ, als Johnson, in London in Ungnade fiel.
Am 14. 4. 1999 schrieb selbiger User nochmals in Sachen Panin:

„Weniger zu Ihrer (der ZJ) Freude aber meinte er, die Worte am Kreuz zum Schächer seien infolge der zusammenhängende Zahlenblöcke eindeutig :
Wahrlich, ich sage Dir, heute wirst Du mit mir im Paradiese sein (und nicht wie ZJ behaupten: Heute sage ich Dir, Du wirst .. (in einer fernen Zukunft) mit mir im Paradiese sein).

Und weiter:

„Die WTG hatte mit ihm in den Zwanziger Jahren zusammengearbeitet, Kontaktmann war der Londoner Zweigdiener Johnson. Als dieser in Ungnade fiel (man hatte ihm später Unregelmäßigkeiten nachgesagt, ein altes und probates WT-Mittel, unliebsame Ex-Mitarbeiter zu verunglimpfen), endete auch diese Zusammenarbeit. Man findet einige Hinweise auf Panin unter folgender URL :

cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/panin.html
(Offenbar noch heute aufrufbar).
Vorstehende Webseite kommentierte genannter User dann noch mit den Worten:

„Allerdings ist der Autor dieser Page ein recht heller Kopf, ein Mathematiker an einer australischen Universität und macht keinen Hehl aus seiner Meinung, wonach das letztlich großer Humbug sei.
Ein Link auf seiner Page verweist auf einen amüsante Satire (Anmerkungen von Besucher 6006), man kann da schon schmunzeln.

cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/vis6006.html

Schließlich weist er nach, daß ähnliche Muster sich auch aus anderem Schrifttum destillieren lassen, z.B. den Schriften von Edgar Allen Poe, der ja eher dem Absurden und Okkulten zugetan war.

cs.anu.edu.au/people/Brendan.McKay/dilugim/poe.html

Ein Verlag "Die Fundgrube" hatte in den Sechziger Jahren Panins Schriften vertrieben und sie wurden von ZJ sehr geschätzt, wenn es darum ging, anderen zu "beweisen", daß die Bibel Gottes Wort sei. Man hatte sogar aufgrund der Zahlenstrukturen eine "korrigierte" Bibel rekonstruiert, dergestalt daß die Zahlenstrukturen auch dort auftauchten, wo sie nicht vorhanden waren (d.h. verloren gegangen sein mußten). Der Name Jhwh hatte dabei allerdings keinen Platz im neuen Testament.
Aber so etwas konnte man ja verdrängen, brauchbar war der Panin ja trotzdem. Und wo er der WTG Lehre widersprach, hatte diese ja sowieso und ganz automatisch recht, aufgrund höherer Einsichten sozusagen."

Soweit es Deutschsprachige Quellen betrifft, sind mir für diese Aussagen dort kein näheren Quellenbelege bekannt.
Die Haupt"wirksamkeit" des Panin lag wohl im Englischsprachigem Raum.
Fest steht jedoch, dass eben „Trost" im Jahre 1943 diesen Panin im besonderen herausstellte, und sich damals auch dessen Thesen zu eigen machte.

Was den mit genannten „Verlag Fundgrube" anbelangt, selbiger in Deutschland in einer Ortschaft mit dem sinnigen Namen „Post Warngau" angesiedelt, so veröffentlichte selbiger mal von diesem Panin eine Schrift mit dem Bandwurmtitel:
„Die entscheidende Entdeckung aller Zeiten der unwiderleglich exakt wissenschaftlich-mathematische Beweis der Existenz Gottes und des Urtextes seiner Schriften durch die Feststellung, daß Gott jeden Buchstaben des Urtextes mit einer Zahl versiegelt hat."

Offenbar hat man zeitgenössisch solcherart „entscheidende Entdeckung" eben nur in „Post Warngau" zu würdigen gewusst; respektive - auch - bei den Zeugen Jehovas.
In genannter Schrift kann man z. B. die markigen Sätze lesen:

„Der Ivan Panin, der diese Entdeckung der Zahlenversiegelung der Bibel machen durfte, war früher selbst ein Gottesleugner, weshalb sein Werk um so großartiger ist" (S. 3)

Und damit auch alle sonstigen Kaffesatzleser, Astrologen und was es da sonst noch alles so an einschlägigen Dummheits-Verkäufer gibt, ehrfurchtsvoll vor diesem Panin in die Kniee gehen mögen, heißt es weiter in dieser Schrift:

Zum Schlusse findet sich noch eine übernatürliche Bekräftigung der Richtigkeit der Zahlenwerte des hebr. und griech. Alphabets in den beiden Tatsachen:
Der Zahlenwerte des Alt-hebräischen Alphabets, in dem das A. T. geschrieben ist - 1455 - ist gleich der Anzahl der Jahre, die das israelische Volk 'unter dem Gesetz' verbrachte - d. i. vom Auszug aus Ägypten im Jahre 2537 bis zur Kreuzigung Christi im Jahre 4037;
Der Zahlenwert des Koine griechischen Alphabets, in den das N.T. geschrieben ist - 3999 - ist gleich der Anzahl der Jahre, die seit Erschaffung des ersten Menschen bis zur Geburt Jesu Christi, des Menschensohnes, vergangen sind. 'Wer Ohren hat zu hören, der höre!'"
(S. 13).

Na ja, wer denn einstmals aus den Maßen der Pyramide zu Gizeh, unter Verwendung eines eigens kreierten „Pyramidenzolls" die erstaunlichsten Dinge herauslas;´wobei sich dann noch die Maße jenes „Pyramidenzolls" in die unterschiedlichen Auflagen von Band 3 „Schriftstudien" veränderten Über den braucht man sich dann wohl nicht mehr zu wundern, ordnet er auch einen Panin mit in seine Ahnengalerie ein.

1925
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. März 2013 00:55
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
In lapidaren Worten, begegnet man in der Rubrik „Fragenbeantwortung" des „Trost" vom 1. 3. 1943 auch dieser:

„Was hat es eigentlich mit 1925 auf sich?"

Zwar wird erwähnt, dass von Rutherford in „Millionen jetzt lebender werden nie sterben", jenes Datum mal auf den „Ententeich" gesetzt wurde. Damit ist dann aber auch für „Trost" schon das Ende der „Fahnenstange" erreicht.
Jenes Datum sei zwar „verfrüht". Das wiederum ficht „Trost" nicht weiter an.
Und man meint sich auch noch mit dem Taschenspielerkünststück herausreden zu können, dass gemäß auch der eigenen Auffassung „die Erde nicht untergehen wird."

Wenn also andernorts - unter Hinweis auf Rutherford - vielleicht die Vokabel „Weltuntergang" oder ähnliches Verwendung findet, wähnt man sich die Hände in Unschuld waschen zu können.

Die „Antwort" die da „Trost" offeriert erweist sich somit identisch mit einem ziemlich löchrigen „Schweizer Käse". Vor allem die „Löcher" dabei, „imponieren" im besonderen!

Fragwürdige „Verbündete"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 31. März 2013 04:17
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
So so, mag man da nur als erstes mal sagen.
Wie war das eigentlich, als einige Tageszeitungen in der Schweiz, den Tod Rutherford's zum Anlass nahmen, einen Artikel über die Zeugen Jehovas zu publizieren, der auf WTG-Seite nur eines vor allem bewirkte. Helle Empörung (ob zu recht oder nicht, ist jetzt eine ganz andere Frage).
Mysnip.121950

Wie reagierte da die WTG?
Die in Rede stehenden Zeitungsredaktionen wurden mit „Berichtigungs"-Verlangen (ob zu Recht oder nicht, ist wiederum eine andere Frage), überschüttet. Noch nach 1945, als die Schweizer Zeitschrift „Die Woche", jenen (für die WTG) missliebigen Artikel nachdruckte, gab es von ihrer Seite nur eines vor allem. Die Forderung nach einer „Berichtigung".

Wie waren denn die Wurzeln jenes Artikels, welche die WTG so in Rage brachte? Geht man dieser Frage, stellt man vor allem eines fest. Noch bevor irgendeine Tageszeitung jenen Artikel nachdruckte, war es der Schweizer „Freidenker" der ihn zu allererst brachte. Sein Verfasser ist somit eindeutig einer bestimmten Richtung zuzuordnen.
Man vergleiche dazu auch:
Die Kommentare zu „Trost vom 1. 1. 1942 und „Trost" vom 3. 1. 1942

Kommentarserie 1942
sowie auch:
http://forum.mysnip.de/read.php?27094,610,2383#msg-2383

Hat man das alles schon nach relativ kurzer Zeit bei der „Trost"-Redaktion/Zeugen Jehovas wieder vergessen?
Oder dominierte selbige auch der Grundsatz, dass der Zweck die Mittel heilige?!

Es ist schon fast eine Lachnummer zu registrieren, welchen vermeintlichen „Verbündeter" sich da „Trost" in ihrem Bemühen der religiösen Konkurrenz eins auszuwischen, bedient. In der „Trost"-Ausgabe vom 1. 3. 1943, sogar den „Freidenker". Da hatte „Trost" einen Pressebericht entdeckt und fühlt sich prompt dazu veranlasst, seinerseits entsprechenden „Senf" hinzuzugeben. Aber bilde sich jeder seine eigene Meinung über diese „Trost"-Kommentierung.

Unter der Überschrift „Unberechtigte Angriffe?" schreibt also „Trost" zur Information für seine Leserschaft:

"Der Beobachter" (Nr. 2, 1943) beklagt sich über "das Sprachrohr derer, die an keinen Gott und an keine Religion glauben und die stolz darauf sind."

Gemeint ist die Monatsschrift "Der Freidenker", die nach Aussagen des "Beobachters" andauernd  "gegen eine Religion hetzt, die immerhin seit 650 Jahren die Grundlage unseres Staates gewesen ist."

Die Aussage, daß das Christentum die Grundlage der Schweiz seit 650 Jahren gewesen sei, wird zwar heute häufig wiederholt, aber wer die Schweiz und ihre Geschichte kennt und aus der Bibel einen Begriff hat von wahrem Christentum, wird seine Bedenken gegen jene fromme Behauptung nicht so schnell los.

Was sonst noch sachlich über die Schweiz im "Beobachter" berichtet wird, (über Steuerhinterziehungen, Mentalität vieler Arbeitgeber, Strafrecht, Volontärinnen im Fremdsprachgebiet als billige Arbeitskräfte ausgenützt, Verstöße gegen Treu und Glauben, Erfahrungen beim Einsammeln des Wochenbatzens für kriegsgeschädigte Kinder, usw.) bestärkt noch die berechtigten Zweifel an der "christlichen Grundlage" der Schweiz.
"An ihren Früchten sollt ihr es erkennen", nicht an der frommen Propaganda.
Pestalozzi war ehrlich, als er schrieb, daß es bis zu seiner Zeit keinen christlichen Staat gegeben habe.
Interessant ist noch der Nachweis "gehässiger Angriffe gegen die Kirche", den ein Zitat erbringen soll. "Der Beobachter" schreibt:

Aber es erscheint kaum eine Nummer des "Freidenkers", die nicht die gehässigsten Angriffe gegen die Kirche richtet, die vielen Schweizern ebenso heilig ist wie den organisierten Gottlosen ihre Gottlosigkeit.
So setzt sich der "Freidenker" vom l. Januar mit dem Aberglauben der Horoskopstellerei auseinander und schreibt dazu:

"Wo liegt die Grenze zwischen Aberglaube und Glaube? Ist, wer an die Kirche glaubt, weniger ein Irregeführter und um sein Geld und seinen freien Willen Betrogener? Uns scheint Hans was Heinrich. Wer andern Horoskope stellt, ist ein Unwissender. Wer andern den Glauben predigt, ist kein Unwissender, sondern eben ein - Theologe ! ... Was das Christentum ... von der Astrologie hält, das halten wir auch vom Christentum.
Beides ist Spekulation, die erst verschwindet, wenn sich daraus keine Münze mehr schlagen läßt."

Wir finden, daß der Kampf gegen Horoskopstellerei und allen Aberglauben Unterstützung und Anerkennung verdient. Ob es kirchlichen Aberglauben gibt oder nicht, ist leicht zu entscheiden. Ebenso ist sicher, daß aller Aberglaube vom geistigen Fürst der Finsternis herrührt, und daß es Menschen gibt, die den Aberglauben der Mitmenschen ausnützen.

Von jeher sind die Nutznießer des Aberglaubens Gegner der Aufklärung gewesen, aus durchsichtigen Gründen. Die verschiedenen Konfessionen sind uneins darüber, welches der rechte Glaube sei. Es ist ganz klar, daß die vielen Sätze, darin sie sich gegenseitig widersprechen, nicht zugleich wahr sein können. Folglich muß zugegeben werden, daß viele falsche "heilige" Sätze geglaubt werden. Und warum soll man dies nicht Aberglauben nennen? So glauben viele "Kirchen" an die Hölle und an das Fegfeuer. Manche "Gläubige" (wir halten es für Aberglauben) meinen im Ernst, daß sie durch Vermittlung der Kirche und durch fromme Spenden an die Kirche den armen Sündern in der Feuerqual Linderung verschaffen können.
Ähnlich nehmen Horoskopsteller Geld ein für ihre geistige "Hilfe", die sie angeblich leisten können.
Darf man da den Gedanken an Mißbrauch der Gutgläubigkeit vieler Menschen nicht haben? Zeigt nicht die Bibel zur Genüge, daß selbstsüchtige Männer Jünger hinter sich her ziehen, um des Gewinnes willen. ...
Welche religiösen Führer können sich rühmen, niemand abzuhalten, die Wahrheit kennen zu lernen?
Wenn jemand sieht, wie seine Mitmenschen in ihrer Gutgläubigkeit ausgenützt werden unter irgend einem Vorwand, so verdient er Lob, wenn er es wagt, auf die unlautere Schädigung aufmerksam zu machen. Wenn nun bei diesem Bestreben, vor Aberglauben zu warnen, die Freidenker außer den falschen Kirchenlehren auch noch Gott oder den Glauben an Gott antasten, so gehen sie gewiß zu weit. Aber wie Gideons Vater glauben wir nicht, daß Gott sich nicht wehren kann: "Wenn er Gott ist, so rechte er für sich selbst," ... sagte der kluge Joas. Wer wirklich an Gott glaubt, der wird nicht religiös verletzt werden, falls "Der Freidenker" den wahren Glauben mit Aberglauben verwechselt. Gottes Sache und das Interesse der vielerlei Kirchen sind nicht dasselbe. Wenn die Angriffe gegen die "Kirche" (es steht nicht einmal welche: gibt es denn für den "Beobachter" nur eine ?) ganz unberechtigt wären, dann würde ja kein Schäflein der Kirche daran glauben, und also der Angriff keinen Schaden stiften. Wenn sie aber berechtigt sind, und Aberglaube in "der" Kirche vorkommt, so wäre es edler, am rechten Platz abzuhelfen, statt die Ungläubigen zurechtzuweisen. Tragen denn die Mißstände der Kirchen keine Schuld am Unglauben der "Freidenker"?

Auch der Unglaube ist ein Aberglaube. Ist, wer glaubt, daß die Welt keinen persönlichen Schöpfer habe, etwa nicht irregeführt? Auch der Gottesleugner erliegt einer Spekulation, die so unbegründet oder kopflos ist wie die Astrologie oder mancher religiöse Aberglaube. Aber den Nachweis dafür kann man nicht durch Anklagen und polizeiliche Verbote erbringen, sondern durch stichhaltige Begründung. Doch das ist gerade nicht die starke Seite der "Kirchen".
Das wissen jene, die es wagen, anderer Auffassung zu sein als die anerkannten, sich zudem widersprechenden Kirchen.

Die Frage im "Freidenker": Wo liegt die Grenze zwischen Aberglaube und Glaube? ist es wert, sachlich beantwortet zu werden."

Nochmals: Herr Mäder
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. April 2013 05:35
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 4. 1943, ist bezüglich seines zeitgenössischen katholischen „Lieblingsfeindes" wieder einmal fündig geworden. Ehrensache für „Trost", dass es sich diese Chance dem dann ein „auszuwischen", nicht entgehen ließ. Lag doch „Trost" noch sein „Dynamit unterm Schweizerhaus", „schwer im Magen". Sah man sich doch darin selbst als verachtetes „Dynamit" dargestellt.
Siehe dazu auch den Kommentar zur 
„Trost"-Ausgabe vom 15. 9. 1941.
Nun also hatte „Trost" eine bereits 1917 erschienene Schrift dieses seines Gegners, entdeckt. Der „Trost"-Kommentar zu selbiger sei im Nachfolgenden noch kommentarlos vorgestellt. Nicht die Kritik an diesem katholischen Gegner kann hierbei der relevante Aspekt sein. Der relevante Aspekt besteht allenfalls in der Frage. Inwieweit ist denn nun „Trost" „besser"?

Sicherlich, vieles im Leben ist von Zeit und Umständen abhängig. So auch in diesem Fall. Und die Freiheitskämpfer von gestern, entpuppen sich nicht selten als die Diktatoren von Morgen, wenn sie denn die Chance dazu bekommen. Das gilt es auch dabei zu sehen. Genug des Kommentars. Nachstehend noch das, was „Trost" in der genannten Ausgabe ausführte:

„Intolerante Leute haben immer wieder unter allerlei Vorwänden einen Weg gesucht, des Herrn Gebot zu umgehen. Die Interessen ihrer "Kirche" lagen ihnen so sehr am Herzen, daß sie lieber in ihrem Eifer den Weizen mit ausrotteten, als Christi Anweisung, zu warten, befolgten.
Zu diesem Thema schreibt ein katholisches Büchlein ("Wenn Paulus wiederkäme . .." Gedanken über die katholische Sprache von R. Mäder, Pfarrer, 1917):

"Die Kirche soll die Erde zum Garten Gottes machen. Man kann nicht Gärtner sein, ohne das Recht, das Unkraut ausreißen zu dürfen.
Was jeder Lehrer, jeder Arzt, und jeder Gärtner darf, das darf auch die Kirche. Das war ihre Sorge von Anfang an, das ihr anvertraute Wahrheitsgut rein und unbefleckt zu bewahren. Kein Jota dazu, keins davon!

Nie kannte Rom das, was jetzt Achtung vor fremder Überzeugung genannt wird ...
Deswegen hat die Kirche, vom Recht der Zensur Gebrauch machend, die Bücher auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft und gegebenenfalls verboten. Sie hat im Index ein Verzeichnis der verbotenen Schriften zusammengestellt und das Lesen einiger derselben sogar mit der Exkommunikation bestraft." (Seite 7 und 8)"

Dazu kommentiert „Trost":

„Dieser Auszug ist sehr gehaltreich. Kein Jota wollen sie dem Wort Gottes hinzufügen und keines wegnehmen. Aber das Gute, das sie wollten, taten sie nicht: Sie fügten eine umfangreiche Erblehre dem Wort Gottes hinzu, mehr als ein Jota! Und das Wort vom "zusammen wachsen lassen" haben sie nicht aus ihrer Bibel gestrichen, nur handeln sie nicht danach:
Das Böse, das sie nicht wollten, das tun sie. Und sie rühmen sich dessen!
Noch ein Abschnitt über Index und Zensur von R. Mäder:

"Wer folgerichtig denken kann, wird nun im Zeitalter der Militärzensur (1917) auch den kirchlichen Index verstehen. Jede Religion hat eine gute Literatur. d. h. eine solche, die ihren Grundsätzen en: spricht, und eine schlechte Literatur, d. h. eine solche, die ihren Lehren widerspricht und vor der sie ihre Anhänger warnt.
Jede Religion hat ihren Index, gedruckt oder ungedruckt, das ist gleichgültig. Jede handhabt die Kontrolle über ihre Gegner und verurteilt, was sie sagen und was sie schreiben. Es ist ihre Indexkongregition.
Das Indizierungsverfahren ist nicht nur katholisch, es ist international. Keine Religion, keine Philosophie, keine Partei, keine Regierung ohne Index.
Gut! Lassen wir Rom den Seinigen. Er ist älter. dünner, vernünftiger, gerechter als alle andern ..."
(Seite 9)

Hier darf man vielleicht beifügen, daß diesmal das Alter den Index nicht ehrenwerter oder vernünftiger macht. Das Verbot wissenschaftlicher Bücher, etwa Galileis, hat nichts mit Vernunft zu tun gehabt, auch nicht mit Gerechtigkeit. Auch ist ein Unterschied zwischen einer Warnung und einem Verbot. Obwohl es wahr ist, daß heute nicht nur die römische Kirche, sondern auch Regierungen gewisse Bücher verbieten, so ist doch jeder denkende Mensch überzeugt, daß man heute kaum ein Buch wegen seines Unwahrheitsgehaltes verbietet, sondern wegen den darin aufgedeckten Tatsachen. Unwahrheit könnte man widerlegen, Wahrheit kann man nicht widerlegen, sondern nur verbieten. Und mit Recht fürchtet die Finsternis, daß das Licht der Wahrheit manches offenbar machen könnte, was den Kindern der Finsternis nicht genehm ist. Wer einen Index nötig hat, beweist also nicht etwa sein gutes Gewissen!
R. Mäder ist anderer Meinung. Er schreibt:

"Das kirchliche Schriftwort leistet in Wirklichkeit mehr für den Fortschritt der Wissenschaft durch seine Warnungssignale als ganze Universitätsbibliotheken." (Seite 10)"

selbst prüfen, ...was menschliche Erwartung "
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 30. April 2013 02:14
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Da windet man sich wieder einmal wie ein Aal, mag man nur als Kommentar zu der im „Trost" vom 15. 4. 1943 abgedruckten Fragenbeantwortung sagen.

Und noch etwas. Zum Zeitpunkt dieser Fragenbeantwortung. Kurze Zeit später (zumindest in der Schweiz), war dann auch das damals neue WTG-Buch „Die Wahrheit wird euch frei machen" greifbar. Insbesondere die darin vorgenommene Chronologie-Verschiebung um hundert Jahre ist beachtlich.

So wie aber die superblöde WTG-Horde solcherlei dogmatische Zäsuren zeitgenössisch nicht sonderlich registrierte (ganz im Sinne der WTG). Und wenn es sein muss schwarz für weiß erklärt und umgekehrt; so ist es auch in diesem Fall.
Nachstehend also die Frage und ihre WTG-Beantwortung, wobei wie gesagt, das kurze Zeit später im WTG-Ententeich auftauchende WTG-Buch „Die Wahrheit wird euch frei machen", noch nicht mit eingeflossen ist.
In genannter „Trost"-Ausgabe wird also angefragt:

„In den Schriftstudien von Pastor Russell wird gezeigt, daß die 6000 Jahre seit der Erschaffung Adams im Jahre 1872 endeten, daß aber erst zwei Jahre später, also 1874, das große Jubeljahr der Erde nach den biblischen Vorbildern begann (und Christus unsichtbar gegenwärtig, wiedergekommen sei); woher mag nun diese Lücke von zwei Jahren rühren?"

Als Antwort darauf wird dazu verlautbart:

„Pastor Russells Erklärung oder Vermutung war die, daß die 6000 Jahre von der Erschaffung Adams an zählen, daß aber die "parallelen Zeitordnungen" erst vom Sündenfall an gerechnet seien. Er nahm darum als wahrscheinlich an, daß der Sündenfall zwei Jahre nach der Erschaffung stattfand. Und daher rührt die Lücke von zwei Jahren, nach welchen hier gefragt ist.
Es ist übrigens gut, zu beachten, daß die biblischen Zahlen, etwa das Ende der sechs Jahrtausende um 1872, zuverlässig aus der Schrift entnommen sind, aber die an die "parallelen Heilszeitordnungen" geknüpften Erwartungen waren oft übertrieben.
Die Rückkehr der Gunst Gottes zum jüdischen Volk, das Ende (Verherrlichung) der Kirche auf Erden, der Tag der Schlacht von Harmagedon und andere Ereignisse waren in den Schriftstudien voreilig festgesetzt oder völlig verfehlt angenommen.
Im Vorwort der Ausgaben von 1916 oder später wurde auf diese unberechtigten Erwartungen besonders hingewiesen.
Jeder Leser muß heute selbst prüfen, wieviel von jener Zeitrechnung rein biblisch und was menschliche Erwartung, Zutat oder falsche Auslegung ist. Die Zahlen der Bibel sind von Gott eingegeben, aber es ist nicht ganz leicht (und vor der rechten Zeit unmöglich), die richtigen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen, weil man aus den Vorbildern oder Schatten nicht "vor der Zeit" ganz sicher auf die Zeitperioden des Gegenbildes schließen kann. Der Regierungsantritt Christi im Jahre 1914 (im Sinne von Offenbarung 11:17 bis 12:17) ist jedoch unzweifelhaft."

Schopenhauer
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 27. Mai 2013 03:22
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Etwas verfrüht", meinte „Trost" kommentierend in seiner Ausgabe vom 1. 5. 1943.
„Was" ist verfrüht?
Nun, liest man weiter wird man belehrt, ein Ausspruch Schopenhauers sei verfrüht.
So, so, mag man da wohl nur sagen. Seit wann ist auch Schopenhauer für „Trost" eine Autorität?
In Gesamtheit ist er es doch wohl nicht. Allenfalls in der Form einer selektiv herausgepickten Aussage selbigen.
Nun, das mit dem „herauspicken" soll wohl eine Eigenschaft sein, die man nicht nur „Trost" anlasten kann. Man kann sie auch andernorts registrieren. Ergo sei auch „Trost" zugebilligt, sich auf Schopenhauer zu berufen, auch wenn dies auf den ersten Blick etwas skurril wirken mag.

Jene von „Trost" bemühte Schopenhauer'sche Aussage, sei denn hier auch nicht weiter kommentiert. Lediglich die eine Frage sei doch wohl gestattet. „Trost" zitiert ja den Schopenhauer, weil es sich von dessen Kritik nicht selbst tangiert wähnt.
Das aber, scheint mir der eigentliche Trugschluss zu sein.
Nachstehend dann noch kommentarlos das, was „Trost" seiner Leserschaft denn als Schopenhauersche's Zitat präsentierte:

„Etwas verfrüht sah Schopenhauer das Ende der Religion vorher. Er schrieb:

"In frühem Jahrhunderten war die Religion ein Wald, hinter welchem Heere halten und sich decken konnten. Aber nach so vielen Fällungen ist sie nur noch ein Buschwerk, hinter welchem gelegentlich Gauner sich verstecken. Man hat dieserhalb sich vor denen zu hüten, die sie in alles hineinziehen möchten, und begegne ihnen mit dem (spanischen) Sprichwort: detras de la cruz estä el diablo" (hinter dem Kreuz steckt der Teufel). - Parerga ... 2. Bd., § 182.

Statistik-Sandkastenspiele
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. Mai 2013 01:11
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren

„ ... in der kurzen Zeit, die uns noch von Harmagedon trennt, mit der Eile von Tauben dem Eingang des Zufluchtsortes der Sicherheit zufliegen."

Diesen markigen Satz, kann man wieder einmal, in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 5. 1943 lesen. Und ein geeignetes Instrumentarium dazu wäre eben auch - in der WTG-Lesart - der Besuch ihrer Kongreß-Veranstaltungen. Auch für das Jahr 1943 gelang es in der Schweiz, eine solche zu organisieren (25. + 26. 4. 1943). Und wie auch in anderen Ländern, beflügelten die Kriegerischen Umwelt-Verhältnisse auch dort, die WTG-Tätigkeit.

Genannte „Trost"-Ausgabe wartet dann auch mit einer Aufstellung der Kongress-Besucherzahlen in der Schweiz auf.
Danach gab es 1939 1100 Anwesende.
1940 dann 1400.
und 1941 1700.
Aber schon 1942 brachte einen relativen „Quantensprung" auf 3000; und nun 1943 meint man gar 4400 gezählt zu haben.
Die WTG wäre allerdings nicht die WTG, würde sie diesen Umstand nicht gleich auch noch für weitere „Anfeuerungen" ausnutzen. Statistikbesessen wie man ist, weis man weiter mitzuteilen:

„Von den 4 Millionen Einwohnern besuchen nur etwa 3200 die Versammlungen der Zeugen Jehovas, also noch nicht l von 1000.
Da nur etwa 1100 regelmäßige Verkündiger die gute Botschaft von Haus zu Haus verbreiten, kommen auf jeden Verkündiger also durchschnittlich etwa 4000 Zuhörer oder 1000 Familien. Es ist demnach dringend nötig, daß weitere Verkündiger in den Dienst treten."

Damit ist das Statistik-Sandkastenspiel der WTG aber noch nicht beendet. Sie weis desweiteren zu belehren:

„In welchem Verhältnis steht der Durchschnittswert von 13 Stunden monatlicher Dienstzeit eines Verkündigers zur übrigen Zeit?
Jeder Monat hat 720 Stunden.
Als Ziel des Durchschnittswertes gilt unter heutigen Verhältnissen ein Anteil von 8% oder 60 Stunden monatlich, das sind 2 Stunden täglich."

Und damit das alles auch so, wie von der WTG geplant klappt, muss man dem blöden Esel natürlich eine „Mohrrübe" vor die Nase halten. Sie wurde eingangs schon zitiert, indem man von einer vermeintlich „kurzen Zeit" fabuliert. ...

„Trost" kommentiert ein Gerichtsurteil
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. Juni 2013 00:06
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Als „Wasser auf die eigenen Mühlen", sah „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 6. 1943 offenbar einen zeitgenössischen Pressebericht an, welcher in der Sicht von „Trost" der verhaßten katholischen Konkurrenzkirche eins „auswischte". Solche Chancen lässt „Trost" sich selbstredend nicht entgehen; und so zitiert es denn diesen Pressebericht genüßlich.
Er sei im nachfolgenden kommentarlos vorgestellt, so, wie „Trost" über den Fall berichtete:

„Ein konfessioneller Hetzer verurteilt
Folgender Bericht stand in der „Nationalzeitung"
(Nr. 172, 1943):

"Anfang Januar vergangenen Jahres erhielten vier Redaktionen von einem angeblichen Anton Kälin ein Pamphlet, das von Schmähungen gegen den Protestantismus strotzte. Hinter der Maske dieses Anton Kälin verbarg sich, wie man später feststellte, der katholische Geistliche von Dübendorf, Pfarrer Oskar Aebi.
Er wurde eingeklagt. Gegen das im vergangenen Jahr gegen ihn wegen Störung der Glaubensfreiheit gefällte Urteil, das ihn mit 300 Franken büßte, appellierte er ans Zürcher Obergericht.
Er sei durch die Stellungnahme verschiedener Blätter gegen die Neujahrsrede von Bundesrat Etter in Hämisch gebracht worden. Doch habe er nicht etwa die Absicht der Veröffentlichung seines Schreibens verfolgt, ließ er vor Obergericht geltend machen.

Steht er noch heute zu seinen Schmähungen? Gemeinheit für Gemeinheit seiner Hetzschrift hält ihm der Gerichtspräsident vor. Halten Sie daran fest:
"Der Protestantismus ist ein Werk des Teufels, allerdings durch Gottes Zulassung eine wohlverdiente Zuchtrute für die Katholiken", fragt der Gerichtspräsident?
Und erhält eine bejahende Antwort Halten Sie am Ausspruch fest:
"Könnte man etwa Z w i n g l i einen Landesvater nennen? Nein, einen Hurenbuben, einen Landesverräter, einen Revolutionär..."
Auch daran hält Pfarrer Aebi fest.
Der Präsident wirft ihm den Satz vor:
"Man kann im Schweizerlande nichts besseres tun als beten, daß die Pest des antichristlichen Protestantismus, der unser Volk zerriß, recht bald verschwindet"
Die Antwort des Pfarrherrn:
Das ist die Lehre der Kirche. Ich muß daran festhalten.
Hingegen bequemt er sich, den Satz zurückzunehmen:
"Mit allen erlaubten Mitteln den blöden Protestantismus zu bekämpfen, ist heilige Pflicht jedes Eidgenossen."
Dem Hetzer wird sein Ausspruch zum Vorwurf gemacht:
"Nieder mit Zwingli, dem Vater der Zwietracht und des Bürgerkrieges: Mit dem Schwert in der Hand hat er gegen die Wahrheit gekämpft, Gott hat ihn gerichtet, der Teufel hat ihn geholt.."
Auch daran hält Aebi fest und verbrämt seine ausweichende Erklärung mit der Bemerkung, er könne nicht beweisen, wo Zwingli sei: "gestorben ist er."
Weitere klare Fragen des Präsidenten sucht er mit Ausflüchten zu beantworten. Wenn er seinerzeit geschrieben habe, "der Zürcher Protestant ist wesentlich falsch, freundlich ins Gesicht, aber hintenherum gegen alles Katholische voll Gift und Galle und Haß ..." so habe er nicht den einzelnen Protestanten gemeint, sondern nur die Redaktoren und Bücherschreiber.
Der Inhalt seines Pamphletes, wagt der Seelsorger vor Gericht zu behaupten, ist die Meinung aller katholischen Geistlichen, doch dürften sie es nicht öffentlich sagen.
Diese Beschimpfungen, erklärte der referierende Oberrichter, zeugen von einer Niedrigkeit der Gesinnung und sind außerordentlich schwerer Art. Ihr Zweck war, das religiöse Empfinden anderer in gemeiner Weise zu verletzen, und das Schriftstück war geeignet, den inneren Frieden des Landes zu gefährden.
Nach eingehenden rechtlichen Erörterungen fand das Zürcher Obergericht einstimmig, daß hier eine Störung der Glaubensfreiheit im Sinne von Artikel 261 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vorliege. Dieses sieht Buße oder Gefängnis bis zu sechs Monaten vor. Obwohl die Richter ein schweres Verschulden des Angeklagten annehmen, gelangten sie, um ja nicht in den Verdacht konfessioneller Urteilsfällung und kulturkämpferischer Stimmung zu gelangen, zur Bestätigung der milden vorinstanzlichen Strafe, so daß der konfessionelle Hetzer mit der minimen Buße von 300 Franken wegkommt.
F.B.

Anmerkungen: Der erwähnte Artikel 261 lautet:
"(Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit)
Wer öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet oder Gegenstände religiöser Verehrung verunehrt, wer eine verfassungsmäßig gewährleistete Kultushandlung böswillig verhindert, stört oder öffentlich verspottet, wer einen Ort oder einen Gegenstand, die für einen verfassungsmäßig gewährleisteten Kultus oder für eine solche Kultushandlung bestimmt sind, böswillig verunehrt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Buße bestraft."

Die Erläuterungen (von Thormann und von Overbeck) dazu lauten:

"In gemeiner Weise erfolgt die Beschimpfung oder Verspottung namentlich dann, wenn die Äußerung nach Form oder Inhalt so beschaffen ist, daß sie vom Standpunkt eines anständig denkenden Menschen aus als sittlich verwerflich oder verächtlich erscheint ... Den Gegensatz zu den gemeinen bilden solche Äußerungen, die selbst bei einer gewissen Schärfe der Kritik oder der Satire die Grenzen einer anständigen und sachlichen Behandlung der erörterten Fragen nicht überschreiten und auch nicht durch die Umstände zu anstößigen oder verwerflichen gestempelt werden. Indem solche Äußerungen der Strafbarkeit nach Art. 261 entzogen sind, wird die freie Aussprache im Sinne der Glaubens- und Gewissensfreiheit in der Preßfreiheit gesichert."

Dazu kommentiert „Trost" seinerseits noch:

„Das Geschimpfe des Pfarrers verdient kaum weitere Aufmerksamkeit. "Wer zu schimpfen anfängt, hat Unrecht" gilt gewiß auch hier. Beachtenswert hingegen ist die Aussage des Pfarrers vor Obergericht, daß gewisse Auffassungen "die Lehre der Kirche" sind, woran er festhalten muß, z. B. über die Pest des antichristlichen Protestantismus. Wenn Aebi zu behaupten wagt, und zwar vor Obergericht, der Kern seiner Schmähschrift sei die Meinung der Kirche oder "aller katholischer Geistlichen, doch dürften sie es nicht öffentlich sagen", so ist das vermutlich etwas übertrieben. Aber in der Hauptsache kommt es dem wirklichen Sachverhalt vielleicht doch näher, als den Protestanten lieb ist. Pfarrer Aebi, der seine Kirche wohl noch besser kennt als wir, muß wohl wissen, was allen Kennern bekannt ist: daß die römische Kirche jedes Bekenntnis (jede Konfession) als antichristlich oder teuflisch erachtet, das von ihrem eigenen abweicht. Diese katholische Überzeugung wirkt auch dann nicht freundlich auf Andersgläubige, wenn sie weniger massiv vorgetragen wird, als es Aebi tat. Die intolerante Auffassung, die keinen "Ketzer" duldet, gehört aber offenbar zu den Lehren der Kirche. Hat darum Pfarrer Aebi vielleicht nur die unduldsame Gesinnung seiner Kirche unvorsichtigerweise in allzu anstößiger Form veröffentlicht? So muß seine Behauptung doch wohl aufgefaßt werden, daß auch alle (?) übrigen Geistlichen so denken wie er. Soweit uns bekannt, hat die katholische Presse der Schweiz zwar die Beschimpfungen als gesetzwidrig anerkannt, aber sie hat nicht bestritten, was Aebi über die Lehren der Kirche und über die Meinung der andern Geistlichen aussagte. Und wir haben auch keinen Grund, anzunehmen, daß Aebi mit seiner Behauptung das Obergericht täuschte oder täuschen wollte.

Duldsamkeit und Achtung vor fremder Meinung ist seit Jahrtausenden nie die Tugend der "Kirchen" gewesen. Man verlange auch von keinem aufrechten Menschen, daß er Achtung habe vor Irrtum und religiösem Aberglauben! Aber man sei tolerant, wenn jemand sich bemüht, öffentlich für göttliche, biblische Wahrheit einzustehen und gegen das Unrecht aufzutreten! Man nenne die Bloßstellung von Heuchelei, wie Jesus sie durchführte zu seiner Zeit, nicht Gotteslästerung ! Und die Kirche, die selbst nicht duldsam und schonend mit "Ketzern" verfährt, hat keinen guten Grund sich zu beklagen, falls Wahrheitszeugen eine göttliche, scharfe Botschaft verkünden, wie die Schrift es vorschreibt."

Und damit glaubte „Trost" dann sich selbst bequem zurücklehnen zu können, und ein willkommenes Alibi für die eigene Aggressivität in Theorie und Praxis zu haben.

Die Arche Noah Story
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. Juni 2013 03:51
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Bereits das frühe WTG-Buch „Beröer Handbuch zum Bibelunterricht" verbreitete die Meldung:

Die "Chicago-Tribüne" vom 13. August 1883 brachte ein Telegramm von London, aus Konstantinopel sei der Bericht gekommen, daß eine türkische Kommission auf dem Berge Ararat die Arche entdeckt habe - mit Gletschereis bedeckt. Das Innere der Arche sei in Kammern von 15 Fuß Höhe eingeteilt."

Jene Meldung greift nun „Trost" in seiner Ausgabe vom 15. 6. 1943 unter der Überschrift „Die Entdeckung der Arche Noahs" erneut auf:

„Vor 60 Jahren brachte die "Chicago-Tribüne" (vom 13. August 1883) ein Telegramm von London, aus Konstantinopel sei der Bericht gekommen, daß eine türkische Kommission auf dem Berge Ararat die Arche entdeckt habe - mit Gletschereis bedeckt. Das Innere der Arche sei in Kammern von 4,5 m Höhe eingeteilt."

Offenbarer Neu-Anlass für das aufwärmen jener Meldung war nun eine Meldung in der Schweizer Presse, die auch zur Kenntnis der WTG gelangte. „Trost" schreibt da:

„Vor wenigen Jahren berichtete auch eine illustrierte, schweizerische Zeitschrift von der Entdeckung der Arche. Einen neuen, interessanten Bericht eines Augenzeugen veröffentlichte das "Wynentaler-Blatt" (20. Februar 1943). Es handelt sich um russische Flieger, die kurz vor dem Sturz der Zarenregierung etwa 40 km nordwestlich des Araratgebirges stationiert waren. Der Berichterstatter erhielt damals den Auftrag, gewisse Versuche mit neuen Instrumenten bei Flügen in beträchtlicher Höhe durchzuführen. Dabei umkreiste er den schneebedeckten Ararat in einer Höhe von etwa 5000 m.
Als er auf einen wunderbar schön gelegenen Gebirgssee zusteuerte, wurde er durch den Anblick eines Schiffes aufs äußerste überrascht:

"Ein Unterseeboot! rief ich aus. Nein, das war es nicht; denn es hatte kurze Masten und das Dach war abgerundet. Welch sonderbar aussehendes Fahrzeug, es war so gebaut, als ob der es geplant und gebaut hatte erwartet hätte, daß die Wogen darüber hinweg rollen sollten ...
Wir flogen abwärts und so nahe heran, wie wir es ungefährdet tun konnten, und umkreisten die Stelle mehrmals. Zu unserm Erstaunen bemerkten wir, daß der hölzerne Bau, den wir sahen, sehr groß war, von der Größe eines modernen Kriegsschiffes. Dieses Wrack befand sich am Ufer des erwähnten Gebirgsees und war ungefähr ein Viertel unter Wasser. Auf der einen Vorderseite war es teilweise abgerissen, und auf der ändern Seite war eine große Öffnung, ungefähr 6 m im Quadrat, aber die Türe fehlte. Dies schien außerordentlich, da man heute selbst auf den größten Schiffen kaum halb so große Eingänge macht..."

Obwohl man den Fliegern nach der Rückkehr zum Landungsplatz nicht glauben wollte, unternahm es der Kapitän trotzdem, sich im Flugzeug nochmals hinfahren zu lassen. Er erfaßte den geschichtlichen Zusammenhang wohl richtig, indem er den Begleitern (und dem Berichterstatter) folgendes erklärte:

"Dieses befremdend aussehende Ding, wie Sie es nennen, ist die Arche Noahs. Nahezu fünftausend Jahre hat sie dort geruht. Da es dort neun oder zehn Monate im Jahr nicht auftaut, sondern fest gefroren bleibt, ist das Holz nicht verfault. Sie war sozusagen in einem Kühlraume die ganze Zeit hindurch aufbewahrt. Sie haben die wunderbarste Entdeckung unseres Zeitalters gemacht."

´"Der Kapitän sandte seinen Bericht an die Regierung, und dort wurde ihm großes Interesse entgegengebracht. Der Zar von Rußland sandte zwei Abteilungen Soldaten, den Berg zu ersteigen.... Es wurden Messungen vorgenommen und Zeichnungen gemacht sowie Photographien.
Alles dies wurde dem Zar von Rußland zugeschickt.

Weil wenige Tage später die damalige russische Regierung gestürzt wurde und die Bolschewisten zur Herrschaft kamen, wurde nichts von den gemachten Entdeckungen veröffentlicht.

Der Berichterstatter kam nach Amerika. Für ihn galt das, was er auf dem Ararat gesehen hatte, als überzeugender Beweis von der Wahrheit der Bibel und des biblischen Berichtes von der Flut zur Zeit Noahs.

Die Übereinstimmung des Tatsachenberichtes dieses Augenzeugen mit den biblischen Angaben ist durchaus befriedigend. Er schreibt noch:

"Wir fanden, daß die Arche hunderte von kleinen Räumen enthielt, und einige Räume waren groß. Die größten Räume hatten Abteilungen von starken Balken, die auch die größten und stärksten Tiere sicher gefangen halten würden. In andern Räumen sah man Reihen von Käfigen, ähnlich wie man sie heute auf Geflügelausstellungen sehen kann. Alles war von einer wachsähnlichen Farbe überzogen, und die ganze Arbeit wies auf große Geschicklichkeit hin. Das beim Bau der Arche gebrauchte Holz war Oleanderholz, das der Fäulnis besonders lange widersteht. Dies zusammen mit der bedeckenden Farbe und dem meistenteils gefrorenen Zustande erklärt das gute Erhaltensein des alten Baues.
Auch fand man auf einer Anhöhe in der Nähe die angebrannten Reste des an dem Schiffe fehlenden Holzes. Es scheint, daß das Holz dahin geschafft worden war und gebraucht wurde, um ein kleines Heiligtum zu errichten, indem man einen Altar fand, wie die alten Hebräer ihn zur Darbringung der Opfer gebrauchten ..."

An diesem Bericht fällt schon mal der Satz auf, an dem allerlei Verschwörungstheoretiker ihre helle Freude hätten:

„Weil wenige Tage später die damalige russische Regierung gestürzt wurde und die Bolschewisten zur Herrschaft kamen, wurde nichts von den gemachten Entdeckungen veröffentlicht."

A ja. Der Sturz der alten russischen Regierung, setzte also prompt zum „passenden" Zeitpunkt ein.
Unabhängig davon, dass ein wissenschaftlich ernst zu nehmender und stichhaltiger Beweis, auch in späteren Jahrzehnten, in denen sich die politischen Rahmenbedingungen, und auch die technischen Möglichkeiten für Expeditionen, noch mehrmals änderten. Unabhängig davon, dass ein so stichhaltiger Beweis eben bis heute nicht erbracht ist, was wiederum die so Gläubigen, zu keiner Zeit angefochten hat.

Erinnert sei daran, dass sich auch das „Goldene Zeitalter" selbst als Multiplikator ähnlicher Meldungen schon betätigt hatte. Wenn auch ohne Kommentar, schrieb z. B. die Berner Ausgabe des „Goldenen Zeitalter" in seiner Ausgabe vom 15. 4. 1929:

„ Die Arche Noah soll gesucht werden
Wie der „Manchester Guardian" meldet, beabsichtigt die Stadt Chicago allen Ernstes, eine Expedition nach dem Berge Ararat auszusenden, um dort die Arche Noahs zu suchen. Man scheint in Chicago fest davon überzeugt zu sein, die Arche des Stammvaters der Menschheit zu finden, "denn", so wird von den Befürwortern der Expedition wörtlich erklärt, "sollte Noah nach der Sintflut wirklich auf dem Berge Ararat gelandet sein, so ist die Arche auch noch sicher dort vorhanden, zumal da auf dem Berge Ararat die Luft so dünn ist, daß die Arche trotz der inzwischen verflossenen Jahrtausende unmöglich verwittert sein kann. Man hofft die Arche bis zum Jahre 1933 gefunden und nach Chicago gebracht zu haben, wo sie eine Hauptattraktion der dann dort stattfindenden Weltausstellung bilden soll."

Unabhängig davon, wurde selbst der späteren WTG, diese These allmählich unheimlich.

Beleg dafür ist auch ein WTG-Artikel in „Erwachet!" vom 22. 12. 1975, der dieses Thema erneut aufnahm. In selbigem findet man auch den Satz:

„Wirkliche Beweise schwer festzustellen.
Viele sind davon überzeugt, daß das, was diese Augenzeugen erzählt haben, der Wahrheit entspricht. Denn - so sagen sie - aus welchem Grund würden diese Leute eine solche Geschichte erfinden? Eine ehrliche Prüfung dagegen zeigt, daß es bisher nicht möglich gewesen ist, mit Sicherheit nachzuweisen, daß sich die Arche heute noch auf dem Ararat befindet."

Oder auch der Satz:

„Eine Organisation namens Holy Ground Mission Changing Center von Palestine (Texas) hat einige übertriebene Behauptungen über die Stelle, wo sich Noahs Arche befinden soll, veröffentlicht. Tom Crotzer, der Sprecher dieser Organisation, behauptet, daß Angehörige dieser Organisation die Arche aus einer Entfernung von etwa 850 Metern gesehen und fotografiert hätten; da es ihnen aber an der richtigen Bergsteigerausrüstung gefehlt habe, hätten sie darauf verzichten müssen, näher an die Arche heranzugehen.
Diese Organisation hat der Awake!-Redaktion ein 20 × 25 cm großes Schwarzweißfoto von der Arche überlassen. Bei diesem Bild handelt es sich um eine Vergrößerung. Ist es ein überzeugender Beweis?
Die Vergrößerung wurde von sieben Berufsfotografen untersucht. Fünf von ihnen sagten, daß das verschwommene Bild nicht vom Originalnegativ, sondern von einem Abzug davon stamme, der offensichtlich retuschiert worden sei. Das sei vor allem geschehen, um den Eindruck hervorzurufen oder zu vers
tärken, die Seiten des Gegenstandes bestünden aus Brettern. Die anderen beiden Fotografen sagten, das Bild sei so schlecht, daß es irgend etwas sein könne."

Und weiter:

„Keine der Gruppen, die im vergangenen Sommer den Ararat bestiegen haben, kann etwas aufweisen, was als überzeugender Beweis dafür angesehen werden könnte, daß sich die Arche Noah noch dort oben befindet. Es sind alles nur Indizien."

Also wie man sieht, ist selbst der späteren WTG das Thema langsam leid und sie vermeidet es, sich von anderen religiösen Narren, in der Sache zu sehr vereinnahmen zu lassen!
Siehe auch
Mysnip.164311

Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Juli 2013 01:10

Father Divine
Bereits in der Ausgabe vom
15. 11. 1937 hielt das „Goldene Zeitalter" es für angemessen, den Fall der Sekte um „Father Divine" zu kommentieren. Und dies trotz des Umstandes, dass dessen Anhängerschaft in Deutschsprachigen Gefilden eher als bescheiden einzuschätzen ist.

Gleichwohl nimmt „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 7. 1943 das Thema erneut auf. Einfach zur Tagesordnung übergehen, und den „Father Divine", einen „Father Divine" sein lassen, erschien der „Trost"-Redaktion dann doch wohl nicht angemessen.
Damit wird deutlich, bei aller Kritik, die auch „Trost" an dieser Bewegung artikuliert, dass da offenbar sich eines zeigt. Derselbe „Humus", auf dem offenbar beide Bewegungen „gedeihen". Und da „Trost" diesen „Father Divine" auch als relative Konkurrenz für sich erkannt hat, ist es für selbige Ehrensache, die dann madig zu machen, wenn sich die Chance dazu bietet. Und die Chance dazu ist dann gegeben, registriert man andernorts vielleicht einen entsprechenden Pressebericht. Den lässt man sich nicht entgehen, und zitiert ihn dann auch genüsslich. So wieder geschehen in der „Trost"-Ausgabe vom 1. 7. 1943. Dort liest man dazu:

„Folgendes Gespräch mit dem sogenannten Negergott "Father Divine" (göttlicher Vater) war in der schweizerischen Zeitschrift "der Neue Tag" (Nr. 6, 1943) zu lesen. Es bringt Bedenken zum Ausdruck, die jedem aufsteigen, der von diesem Religionsführer hört. Man beachte die geschickte Weise des "Göttlichen Vaters", die Bedenken zu zerstreuen!


"FATHER DIVINE gewährt Fräulein Angeline Riley von Detroit, Michigan, ein Interview.
FATHER: Friede!
Frl. Riley: Friede, lieber VATER!
FATHER: Nehmen Sie bitte Platz. Ihr Name, bitte ?
Frl. R.: Oh, diese Frage habe ich von Ihnen nicht erwartet. Ich dachte, Sie wüßten es ja schon, denn wenn Sie GOTT sind, so dachte ich, würden Sie meine Gedanken lesen können, so gut wie ich glaube, die Ihrigen lesen zu können.
FATHER: Was sagten Sie?
Frl. R.: Ich habe mich Ihnen gegenüber vielleicht nicht richtig ausgesprochen.
FATHER: Ja, sehen Sie, Sie tun als ob GOTT nicht als Person mit Ihnen sprechen könnte, wo Sie doch als Person mit Ihm zu sprechen wünschen.
Frl. R.: Das wollte ich ja gerade. Ich habe zu Ihm als Person gesprochen. Wie anders müßte ich es denn tun?
FATHER: Nun denn; aus diesem Grunde fragte Ich Sie um Ihren Namen. Wie sagten Sie, daß Ihr Name sei?
Frl. R.: Mein Name ist Angeline Riley.
FATHER: Nun, Ich frug Sie dies gerade so, wie Ich damals Adam frug: "Wo bist du?", und gerade so, wie Ich zu Maria und Martha sagte: "Zeigt Mir, wo ihr Ihn hingelegt habt." Damit ist nicht gemeint, daß Ich es nicht gewußt hätte, sondern in Meiner Herablassung sprach ich mit den Menschenkindern nach ihrem Glauben, damit sie es verstehen können und wissen, daß Ich wußte, wovon sie sprachen und wovon Ich sprach.
Frl. R.: Weshalb ist es so; ist es eine Form der Rede? Mit ändern Worten, ist es nur eine Redensart?
FATHER: Ganz bestimmt. Es wäre folglich gar nicht nötig, etwas zu sagen, sehen Sie. Natürlich weiß GOTT um alle verborgenen Dinge des Herzens, und der Geist in Ihnen weiß alles, soweit es dies betrifft, oder in jeder Person weiß der Geist alle Dinge. Um aber der Person entgegenzukommen und um der Person willen spreche Ich sehr oft durch meine Herablassung zu ihnen.
Was ist es nun, das Sie zu Mir führte, Fräulein Riley.
Frl. R.: Ich möchte letzten Endes wissen, ob ich mich in bezug auf die guten Dinge in der rechten Richtung entfalte; darauf hätte ich gerne eine Antwort. Ich möchte mich gerne so verhalten, wie Sie sagten, daß ich es sollte, um den Geist Jesu zu erreichen.
FATHER: Nun, auf welche Weise würden Sie es wissen, wenn Sie den Geist Jesu erreichen.
Frl. R.: Das weiß ich nicht. Ich glaube, Sie sollten mir dies sagen.
FATHER: Der Geist Jesu ist die Gesinnung, die im Evangelium beschrieben ist.
Frl. R.: Ja, ich würde aber den Sinn nicht erfassen.
FATHER: Sie sollten es aber wissen, wenn Sie das Wort lesen.
Frl. R.: Meinen Sie, meiner Auffassung entsprechend ist dies richtig?
FATHER: Dem Wort entsprechend."

Dazu kommentiert „Trost" dann noch seinerseits.
So trefflich dieser Schluß, so lästerlich der Anfang. Wie in den bekannten "christlichen" Religionen ist auch hier etwas Wahrheit mit kräftigen Irrtümern gemischt. Und zwar lehrt dieser Mann, der sich "Father Divine" nennen läßt, manche Wahrheit, die auf eine beträchtliche geistige Höhe schließen läßt. Kein Wunder, daß er selbst in der Schweiz Anhänger hat, also in einem Land mit ordentlicher Schulbildung des Volkes. So sagte er in jenem Zwiegespräch zu Frl. Riley, die früher katholisch war: "Ich mache die Wahrnehmung, daß Sie eine ganze Menge von Tradition und Orthodoxentum ihr eigen nennen ...
Eine Person sollte aber nicht von voreingenommenen Ideen oder von abergläubischen Anschauungen beherrscht werden. Man sollte etwas anderes suchen. Ich meine etwas Größeres, Besseres als die Beweisführungen abergläubischer Anschauungen, die von Tradition und Orthodoxentum herrühren, denn diese sind irrig und führen auf falsche Fährte . . . Das Evangelium, die Wahrheit, ist logisch . . ." Und zu einem Liedervers (Wenn ihr wünscht Freude, Fried' und Glück, preist dauernd seinen Heil'gen Namen!) gibt er folgende Erklärung: "Wenn ihr innehalten und darüber nachdenken wolltet, was dies in Wirklichkeit zu bedeuten hat, so würdet ihr all' euer Kriechertum, all' euer Grämen, Weinen, Seufzen und Nörgeln in Lobpreisungen verwandeln."
Wie ein Mensch bei soviel Einsicht in göttliche Wahrheit dennoch zu so lästerlichen Methoden greifen kann, um sich selbst Gott gleich zu machen, ist verwunderlich.
Beim Zitat von Johannes 11: 34 ("Wo habt ihr ihn hingelegt?") macht sich dieser "Father Divine" zum Sohn, Jesus; aber im Zwiegespräch selbst sagt er, Jesus sei intelligent genug gewesen, um zu wissen, daß er sich nicht Gott gleichstellen sollte.
Die Begebenheit, da Frl. Riley erwartete, der "Göttliche Vater" müsse als Gott doch ihren Namen wissen, ist zunächst recht ergötzlich. Scheingötter lieben es nämlich nicht, an einer verwundbaren Stelle getroffen zu werden. Doch bezeugt die Antwort über die "Herablassung" des "Father" viel Geschick und schlangenhafte Wendigkeit. Das entspricht dem Geist seines Vaters, der alten Schlange."

Ein „Sinnspruch" #
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 31. Juli 2013 07:32
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
„Trost" vom 15. 7. 1943 meint Grund zum feiern zu haben. Dies sei seit 1922 (Schweizer Ausgabe des GZ/Trost) deren 500. Ausgabe. Und zur „Feier des Tages" bekommen dann auch alle „Trost"-Abonnenten, statt einer, gleich zwei Ausgaben dieser Folge ausgehändigt. Sicherlich ein geschickter Markeeting-Trick.

Wer allerdings gehofft haben sollte; das wäre doch ein geeigneter Anlass, mal die eigene Geschichte etwas im Detail näher zu referieren, der sieht sich erneut enttäuscht.
Auch diese Ausgabe, wie auch alle vorangegangenen, liefert keinerlei nähere Auskunft darüber, was denn aus dem ersten Redakteur der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" so wurde.
Da verschwand über Nacht, aus dem GZ-Impressum. Ohne Erläuterung, ohne etwaige „Würdigung" seiner Redaktionsphase.

Er wurde zur „Unperson", über die man in ZJ-Kreisen nicht mehr sprach. Tja, auch die Zeugen sind nicht davor gefeit, was denn eine Volksweisheit in die Worte zusammenfasst:
„Gestern noch auf hohen Rossen. Heute eine Kugel durch die Brust geschossen."

Wenn auch „Trost" sich ziemlich einsilbig bezüglich dieses Herrn Ernst Zaugg zeigt. So kann man das von der Schweizer Tagespresse so nicht sagen. Selbige wusste sogar einen konkreten Grund für sein Verschwinden in der Versenkung zu benennen.
Siehe dazu auch:
19252Schweizer

Auch diese „Trost"-Ausgabe ist wieder mit Bildmaterial angereichert. Und wie nicht unüblich, bekommen solche Bilder nicht selten eine Ergänzung in Form eines Kurztextes (Sinnspruch). Auch in dieser Ausgabe zu beobachten. Kein geringerer als ein J.F.R. (sprich Rutherford höchstpersönlich) darf da als Autor eines solchen Sinnspruches glänzen.

Man muss es ja wohl auch sehen. Wenn die Abonnenten gleich die doppelte Menge an „Trost"-Ausgaben als sonst erhielten, dann ist damit sicherlich auch auf eine breitere Öffentlichkeit, außerhalb der Stammleserschaft des „Trost" hingezielt. Und diese Öffentlichkeit bekam schon mal in der Form des Rutherford'schen Sinnspruches, einen durchaus zutreffenden Eindruck, was sie denn in dieser Organisation zu prinzipiell erwartet. Herr Rutherford meint also, via seines Sprachrohres „Trost", auch die breitere Öffentlichkeit über nachfolgendes belehren zu sollen:

"Heute gibt es unter Geweihten, die Kinder haben, solche, die ihre Kinder nicht zur Arbeit anhalten, ja sie nicht einmal dazu ermuntern.
Sie gehen von der Theorie aus, man müßte die Kinder ihrem eigenen Wunsche nach Müßiggang und Spiel überlassen. Hierin fügen die Eltern den Kindern und sich selbst
großen Schaden zu." (J. F. R.)"

Und „passenderweise" gibt es diese Aussage im Original, in dem Rutherford-Buch mit dem Titel „Kinder" (S. 348,349)
Zu selbigem gab es dann auch noch eine separate Broschüre mit „Studienfragen" dazu. Diese „Studienfragen" haben ja erklärtermaßen die Zielstellung, gewisse „Kerngedanken" noch besonders einzuprägen. Und dieser Aspekt ist auch in dieser „Studienfragen"-Broschüre ausdrücklich thematisiert, wenn die Frage zur Seite 348 dort lautet:

„Warum ist die Theorie, daß Kinder spielen und keine Arbeit tun sollten, verkehrt, und was sollten Eltern ihre Kinder lehren, wenn sie sie wirklich lieben?"
Nun soll diese Aussage nicht an sich weiter kommentiert werden. Es gilt aber auch den Kontext zu sehen. Da gab es mal eine WTG-Zeitschrift namens „Jehovas Jugend", welche eben eine spezifische Form von Jugendgruppen ect. praktizieren wollte. Die wurde aber auf Geheiß jenes Rutherford, wieder eingestellt. Und auch der Zeitpunkt der Einstellung ist beachtlich.
Nicht übermäßig lange Zeit danach, setzte jener Rutherford seine These auf den „Ententeich", mit dem Heiraten, bitte schön, doch bis „nach Harmagedon" zu warten. In diesem Kontext muss man auch vorgebrachtes Rutherford-Zitat sehen.

Somit bekam die breitere Öffentlichkeit mit dieser Werbenummer, einen durchaus zutreffenden Einblick!

Pfarrer Bernoulli
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. August 2013 08:05
Vor siebzig Jahren
Im Lager ihrer gewiss nicht wenigen Gegner, meint die zeitgenössische WTG in den Jahren 1943-44 auch einen Pfarrer namens Bernoulli entdeckt zu haben.
Soweit es um die Auseinandersetzungen des Jahres 1944 geht, wurde schon früher darauf eingegangen.
Siehe dazu auch
: 19442.Bernoulli
Aber schon im Jahre 1943 hatte dieser Pfarrer offenbar das Nervenkostüm der WTG arg strapaziert. Schon 1943 hatte sie jene Presseorgane, worin er publiziert hatte, mit „Berichtigungs"-Verlangen (erfolglos) traktiert. Und dieweil nun erfolglos, lässt „Trost" seinen Frust darüber in seiner Ausgabe vom 1. 8. 1943 freien Lauf.

„Dreißig Entstellungen und Unwahrheiten über die Zeugen Jehovas"

meinte „Trost" in der Bernoulli'schen Publizistik wahrgenommen zu haben. Zu den Dingen die da Trost" (nach seiner eigenen Berichterstattung) offenbar „auf die Palme" brachte, gehören z. B. solche Aussagen (Originalton „Trost").

„... Ebenso verwerflich ist die Behauptung, daß J. F. Rutherford in der "Harfe Gottes" "als Beweis der Gegenwart des Herrn seit 1874" nichts Besseres vorbringen könne als "Additionsmaschinen, Aluminium, drahtlose Telegraphie, dunkelstes Afrika, Dynamit"' usw."
Dazu meint „Trost":

„Er (Rutherford) hat später seine frühere Auffassung verworfen, aber seine Kritiker übersehen dies...."

Nun mag man diesem Pfarrer vorhalten, nicht ausreichend zu differenzieren, was wann und in welchem Kontext, gesagt wurde.

Bemerkenswert ist jedoch. „Trost" dokumentiert umfänglich, seine erfolglosen Versuche, „Berichtigungen" durchzudrücken. Jedoch den „Stein des Anstoßes", die Darstellung eines Bernoulli'schen Textes, im Detail, gibt es auch im „Trost" nicht.

Nun, so mag denn an dieser Stelle, dieses absichtliche Versäumnis von „Trost" etwas ausgeglichen werden. Es steht dann jedem frei, sich eine eigene Meinung zu dem Bernoulli'schen Text zu bilden.

In der Januar-Ausgabe 1943 der Zeitschrift „Evangelischer Kirchenbote für den Kanton Thurgau" schrieb dieser Pfarrer über die Zeugen Jehovas unter anderem:

„... Wer trotzdem den Versuch unternimmt, den Zeitpunkt der Weltenwende zu berechnen, mißachtet das Wort des Herrn und mißbraucht die Bibel. Ernste Bibelforschung und Berechnung der Wiederkunft Christi schließen einander aus wie Feuer und Wasser. ...
Der gegenseitige Austausch hatte zur Folge, daß Russell den Zeitpunkt dieser Wiederkunft erfuhr und Barbour sich nicht mehr enttäuscht fühlen mußte. Die Freundschaft ging zwar schon zwei Jahre später in die Brüche, aber das Jahr 1874 blieb für Russell das endgültige Datum und der Angelpunkt seiner seltsamen Rechenkünste.
Russell hat nachträglich zugegeben: 'Es war ein Fehler, daß ich die Heiligen des Herrn glauben machte, daß vor Oktober 1914 die Kirche in Herrlichkeit vereint sein würde.'
Sein Nachfolger Rutherford wagte auf Seite 70 seiner Schrift 'Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben' die kühne Behauptung:
'Daher können wir vertrauensvoll erwarten, daß mit 1925 die Rückkehr Abrahams, Isaaks, Jakobs und der glaubenstreuen Propheten des Alten Bundes eintreten wird.'

Seit die geschichtliche Wirklichkeit auch diese Weissagung Lügen strafte, mußte Rutherford Vorsicht lernen und nennt deshalb in seiner Schrift über 'die Hölle' keinen nachprüfbaren Zeitpunkt mehr:
'Alle Dinge erfüllen sich in unseren Tagen und bezeugen, daß der Herr Jesus gegenwärtig und sein Reich herbeigekommen ist. Die Auferstehung wird bald beginnen. Mit dem Worte 'bald' meinen wir nicht das nächste Jahr; aber wir glauben zuversichtlich, daß es geschehen wird, ehe ein weiteres Jahrhundert vergeht.' ...

Die Weltzentrale befindet sich zu Brooklyn im Staate New York in einem Gebäude von acht Stockwerken mit 80 Räumen und 200 hauptamtlich tätigen Mitarbeitern.
Die Zeugen Jehovas besitzen in den Vereinigten Staaten 2, in Kanada 4 eigene Sender und haben sich durch Verträge mit mindestens 14 weitern Stationen Amerikas und Afrikas die Durchgabe ihrer Vorträge gesichert.
Am meisten kennzeichnen sich jedoch die Zeugen Jehovas durch ihre maßlose Hetze gegen Kirche und Staat. Sie nennen die Geistlichen Bibelverdreher, Kriegshetzer, Teufelsanbeter, Verbreiter gotteslästerlicher Lehren und wissenschaftliche Lügner. Die katholische Kirche gilt als Hauptvertreter Satans auf Erden und Mutter der Huren.
'Der Protestantismus soll von der ganzen Erde verachtet und verspottet werden.'
Von der Militärorganisation sagt Rutherford auf Seite 273 der 'Prophezeiung', daß ihr Satan voranreitet als ihr mächtiger Gott.
Der 1938 im Europa-Verlag unter dem Titel 'Kreuzzug gegen das Christentum' erschienene Bericht über die furchtbaren Leiden der Zeugen Jehovas im Dritten Reich erbringt einem wirklich aufmerksamen Leser den Beweis, daß im Grunde jede politische Mitarbeit gegenüber jedem Staat verweigert wird.
'Schon von jeher haben Jehovas Zeugen Wahlenthaltung geübt' (Seite 126, ebenso 97, 117 und 129).
Es wundert uns deshalb nicht, daß die Hetze gegen Kirche und Staat und der Kampf gegen den Militärdienst auch Schweizer Gerichte zur Fällung von Strafen nötigt.
Der Sekretär der Zweigniederlassung Bern und Verfasser des erwähnten Buches, Franz Zürcher, mußte am 26. November 1942 vom Territorialgericht 2a wegen Untergrabung der militärischen Disziplin, wegen Verleitung zur Dienstverweigerung und wegen Zuwiderhandlung gegen das Verbot staatsgefährlicher Propaganda zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfähigkeit verurteilt werden."

Noch einmal nahm derselbe Pfarrer in der November-Ausgabe 1943 derselben Zeitschrift zu den inzwischen eingetretenen Entwicklungen Stellung. Seiner zweiten Replik gab er die Überschrift:

„Ein kurzes Nachwort zu den Artikeln über die Sekten"

Darin liest man:

„Von seiten der Christlichen Wissenschaft und der Zeugen Jehovas sind zwei Zuschriften bei der Redaktion des 'Kirchenboten' eingelaufen, welche die Darstellung ihrer Bewegung und Lehren beanstanden.
Das Sekretariat der Vereinigung 'Jehovas Zeugen der Schweiz' erklärt, unsere Darstellung enthalte etwa 30 Entstellungen und Unwahrheiten. Wir wollen den Lesern des Kirchenboten zur Kenntnis geben, daß die Zeugen Jehovas beteuern, sowohl Richter Rutherford, ihr verstorbener Präsident, sei 1918 in Nordamerika unschuldig verurteilt worden, als auch F. Zürcher, der Sekretär der Zweigniederlassung in Bern. Wir müssen den Zeugen Jehovas die Verantwortung für ihre Behauptung überlassen.
Wir bringen allerdings der Gerechtigkeit unserer Schweizerischen Militärgerichte mehr Vertrauen entgegen als der Wahrheitsliebe der Zeugen Jehovas.
Sie erklären, der Vorwurf maßloser Hetze gegen Kirche und Staat erfolge zu Unrecht.
Wir erinnern sie deshalb daran, daß die 2. Strafkammer des Berner Obergerichtes M. C. Harbeck, damals Geschäftsführer der Zweigniederlassung Bern der Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, und den bereits erwähnten Franz Zürcher wegen Herabwürdigung der Religion verurteilt hat. Die Urteilsbegründung spricht von 'abscheulicher Besudelung und Verspottung der Religion der christlichen Kirchen.'
Wir müssen es als Hetze bezeichnen, wenn Rutherford in der Broschüre 'Freiheit für die Völker' (Seite 24) schreibt:

'Die Könige und Präsidenten der Nationen sind nicht die wirklichen Herrscher. Sie sind gewöhnliche Menschen, die ihre Plätze ausfüllen und lediglich das Symbol der Herrschermacht darstellen. Die herrschende Macht hinter dem Sitze der Autorität ist Satan, der Teufel.'

Dasselbe 'Mundstück Gottes', wie Rutherford von seinen Verehrern genannt wird, wirft in 'Licht' (Band I, Seite 332) allen Herrschern der Erde vor, daß sie den Teufel anbeten.
Deshalb wundert es uns nicht, daß Herr Harbeck 1936 insgeheim nach Moskau gereist ist und nach dem Zeugnis eines ehemaligen Mitarbeiters von Seiten der bolschewistischen Machthaber moralische und finanzielle Hilfe zugesichert erhielt für seine Bewegung, die vorzüglich geeignet sei für die Arbeit in 'religiös denkenden und fühlenden Ländern'!

[Redaktionelle Einfügung: Mit dieser Unterstellung geht Bernoulli in der Tat zu weit. Eine „Unterstützungszusage" hatte Harbeck in Moskau eben nicht erhalten. Er hätte sie zwar gerne gehabt. Aber er bekam sie nicht. Siehe dazu auch „Also doch".
Indem Bernoulli auch diesen Aspekt mit in seinem Statement einbaut, offenbart sich andererseits aber auch, wie tief die Gräben waren, die da bestehen. Ende der Einfügung]

Mein Hinweis auf die Überschwemmung der Welt mit Schriften wird für unzutreffend erklärt. Weshalb steht aber in ihren 'Schriftstudien' (Band VII, Seite 510).
„Eine solche Überflutung der Welt mit Flugschriften, die Tausende von Millionen Druckseiten in sich bargen, ist niemals zuvor bekannt gewesen, war bis dahin eine völlig unmögliche Sache'!
Nicht zurückgewiesen wird dagegen von Jehovas Zeugen der schwerste Vorwurf, den wir gegen sie erhoben, die Leugnung der Gottheit Christi. In Rutherfords Schrift 'Rechtfertigung' findet sich in Band III auf Seite 87 mit der Unterschrift 'Erschlagt die Teufelsanbeter' ein Bild, das die Anbetung des dreieinigen Gottes als Götzendienst verspottet und mit der Verehrung des Mammons auf eine Stufe stellt. So steht es mit Jehovas Zeugen. So weit ist diese Sekte des Verderbens von der biblischen Wahrheit abgefallen."

System „positives Denken"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 31. August 2013 00:06
Vor siebzig Jahren
Eine Leserfrage und ihre Beantwortung aus dem „Trost" vom 15. 8. 1943, sei im folgenden kommentarlos vorgestellt. Allenfalls mag ein Kommentar in der Feststellung bestehen (unabhängig von zeitbedingten Elementen, die man ja „ausblenden" kann), was denn so für Fragen die Stammleserschaft des „Trost" umtrieben. Und indirekt ist das dann auch ein Kommentar zu den relativ vielen WTG-Verlautbarungen, in Sachen der Konkurrenzreligion „Christliche Wissenschaft".
Wäre da nicht eine gegenseitige Affinität gegeben, würde die WTG bezüglich dieser Konkurrenzreligion eher schweigend zur Tagesordnung übergehen. Das dem eben so nicht ist, bestätigt den gleichen „Humus", auf denn den beide „Blüten" zu gedeihen pflegen.
Nun also zur Frage und ihrer Beantwortung.
Angefragt wurde da:

„Was halten Sie vom System Coue, das mittels Autosuggestion auf die Einbildungskraft (das Unterbewußtsein) wirken will, da der Wille, wenn im Widerstreit mit der Einbildung, jedesmal versage. Die empfohlenen Suggestionen ("Es geht mir von Tag zu Tag in jeder Hinsicht besser und besser") sollen am wirksamsten .sein, wenn sie etwa 20mal litaneiartig, ohne zu denken, mit verschlossenen Augen hergemurmelt werden. Erfolge, teils glänzende, sind nicht zu leugnen.
Es fragt sich nun, ob gegen göttliches Gebot verstoßen wird, bei Anwendung solcher Suggestionen (beim Appellieren an sein eigenes Unterbewußtsein oder seine eigene Lebenskraft, wie es Coue nennt) ?
Haben die Dämonen nichts damit zu tun? Dies ist für mich die Hauptfrage."

Und als Antwort dazu schreibt „Trost":

„Aus obiger Beschreibung, die sehr kurz gehalten ist, geht vorläufig nicht hervor, daß es sich bei Heilungen um dämonische Wirkungen handelt. Verdächtig ist nur die Berufung auf das "Unterbewußtsein"; denn dieses ist häufig die scheinwissenschaftliche Bezeichnung für Zustände, Wirkungen oder Vorgänge, die nach der Bibel in der Sprache der Evangelien mit "Besessenheit" zusammenhängen.
Wenn starke Einbildungen von krankhafter Heftigkeit Störungen der Gesundheit und auch wunderbare Heilungen verursachen, dann ist
k a u m anzunehmen, daß die Mächte der Finsternis nicht dabei beteiligt seien.
Bei Menschen von gesundem Geist wird wahrscheinlich die heilende Wirkung der litaneienmäßigen Suggestionen gering sein oder ganz fehlen. Bei eingebildeten Leiden dagegen wird die Heilwirkung gelegentlich überraschend sein. Ein froher Geist oder ein heiteres Gemüt fördert aber gewiß die Gesundheit mehr als die mechanische Wiederholung von "Zauberformeln". Selbstverständlich ist es berechtigt, alle Kräfte des menschlichen Geistes und Körpers anzuwenden, um die Gesundheit zu gewinnen oder zu bewahren. Auch die Einbildungskraft mag dabei mitwirken."

 

Gewerkschaften 
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 27. September 2013 02:34
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Einer verschiedentlich schon zitierten - schwammigen - WTG-Stellungnahme in Sachen Gewerkschaftsmitgliedschaft, ja oder nein, kann man in der Rubrik Fragenbeantwortung des „Trost" vom 1. 9. 1943 begegnen. Das ganze ist so formuliert, dass jeder das herauslesen kann, was er denn gerne möchte.
Davor gab es schon einmal eine Stellungnahme des „Goldenen Zeitalters" in Sachen Gewerkschaft, und zwar in der Magdeburger Ausgabe vom 1. 4. 1929 (Schweizer Ausgabe dito am 15. 4. 1929). In der 1929er Stellungnahme wurde ausgeführt:

„Darf ein Christ gewerkschaftlich organisiert sein?
Wir beantworten diese Frage jedes Bedenken prinzipiell mit einem entschiedenen „Ja". Wir sind der Überzeugung, dass die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der gegenwärtigen Zeit auf absolut ungerechten und auch unbiblischer Grundlage ruhen, indem sie in die Hände einiger weniger Menschen große Reichtümer und in das Leben der Masse des Volkes noch große Armut und Entbehrung legen. Die Bibel tadelt diese Zustände häufig und deutlich, und drückt ebenso klar ihre Missbilligung hierüber aus, siehe Jakobus 5: 1-5 und anderes. Wenn also irgendein Mensch etwas tut, um sich auf gesetzlichen Wege gegen ungerechte Übervorteilung beim Verkauf seiner Arbeitskraft zu sichern, so ist es einfach als eine Handlung der Vernunft und Einsicht zu bezeichnen. Es wenden zwar einige ein, man sollte Gott vertrauen, auch ohne menschliche Organisation. Das ist ohne Zweifel richtig, aber Gott vertrauen heißt nicht, ihn versuchen.
Wie ein für die Wohlfahrt der Seinen besorgter Familienvater einer Krankenversicherung beitritt, so ist es genauso vernünftig, wenn ein bedrängte Arbeiter einer seiner Interessen schützenden Organisation beitritt. Bedingung sollte nur sein, dass diese Organisation keinerlei kirchlichen Einfluss unterworfen ist"

Sieht man sich die genannte „Trost"-Ausgabe näher an, welche da - theoretisch - Gewerkschaftsmitgliedschaft erlaubt, ist schon der Schlussatz in der dortigen Stellungnahme beachtlich:

„Darum harren wir auf die wahre Befreiung. Inzwischen darf sich jeder ehrliche Mensch gerechterweise gegen Ausbeutung wehren, wenn er dabei niemand unrecht tut. Unsere Regel ist: Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes!"

Letztendlich zieht man sich auch wieder auf die alte Russell-Linie zurück. Die Arbeiter hätten nur von einer Seite Hilfe zu erwarten „von Gott" - am Sankt Nimmerleinstag, wie man durchaus relevant, noch hinzufügen muss.
Bis dahin predigt auch die WTG nur eines:
Konservatismus, Konservatismus und nochmals Konservatismus.
Wer auf der „Sonnenseite" konservativer Gesellschaftsstrukturen sich befindet, mag das ja gut finden. Für wen das nicht zutrifft, hat die WTG nur eines parat. Ihm Fesseln (moralischer Art) anzulegen!
Pape, der das 1943er WTG-Statement auch zitierte, kommentierte dazu:

„Diese Antwort der Wachtturm-Gesellschaft aus dem Zweigbüro in Bern ist ein wahres Idyll von Widersprüchen! Wer das gründlich durchliest, weiß überhaupt nicht mehr, was richtig sein soll.
Er kann Unrecht leiden, soll also lieber Ungerechtigkeit hinnehmen, als selber Unrecht tun. Tut der, welcher sich gegen Unrecht wehrt, unrecht? Sicherlich soll das ein christlicher Rat sein, Unrecht geduldig zu ertragen. Jeder ehrliche Mensch darf sich aber auch gegen Ausbeutung wehren, wenn er dabei nicht Unrecht tut. Wann trifft das zu?
Diese ganze Fragenbeantwortung der Zeugen ist typisch.
Und dann, nur nebenbei bemerkt, scheinen die Gewerkschaften in den Augen der Zeugen ein Unrecht zu sein!
Heute kann ich nur den Kopf darüber schütteln, daß ich nicht noch früher diese Ungereimtheiten erkannte.
Jemand sagte einmal, daß die Zeugen für jeden Topf einen passenden Deckel haben. Ja, es ist so, denken wir doch an Rutherford, der mit der Bibel alles beweisen will."

Einige Apologeten der Zeugen Jehovas, belieben ja diese schwammigen Formulierungen, als billiges Alibi vorzuschützen. So liest man etwa in einem Text der Herren Pikl und Glockenthin auch den Passus:
„Es gibt viele Zeugen Jehovas, die Gewerkschaften, Vereinen oder Verbänden angehören, seien es Verbände für Ärzte, Juristen, Unternehmer oder Handwerks-, Industrie- und Handelskammern usw." „Diese Antwort der Wachtturm-Gesellschaft aus dem Zweigbüro in Bern ist ein wahres Idyll von Widersprüchen! Wer das gründlich durchliest, weiß überhaupt nicht mehr, was richtig sein soll.
Er kann Unrecht leiden, soll also lieber Ungerechtigkeit hinnehmen, als selber Unrecht tun. Tut der, welcher sich gegen Unrecht wehrt, unrecht? Sicherlich soll das ein christlicher Rat sein, Unrecht geduldig zu ertragen. Jeder ehrliche Mensch darf sich aber auch gegen Ausbeutung wehren, wenn er dabei nicht Unrecht tut. Wann trifft das zu?
Diese ganze Fragenbeantwortung der Zeugen ist typisch.
Und dann, nur nebenbei bemerkt, scheinen die Gewerkschaften in den Augen der Zeugen ein Unrecht zu sein!
Heute kann ich nur den Kopf darüber schütteln, daß ich nicht noch früher diese Ungereimtheiten erkannte.
Jemand sagte einmal, daß die Zeugen für jeden Topf einen passenden Deckel haben. Ja, es ist so, denken wir doch an Rutherford, der mit der Bibel alles beweisen will."

Ein anderer dieser Sorte der WTG-Apologeten, der Herr Noll, beschreibt auch apologetisch - wenngleich etwas weniger schönredend - den Sachverhalt schon so:
„Die Ablehnung des aktiven oder passiven Wahlrechts in der staatlichen Willensbildung bedeutet jedoch nicht ein völlige Ablehnung von Gemeinschaftsverantwortung. So gibt es viele Zeugen Jehovas, die Gewerkschaften, Vereinen oder Verbänden angehören. Auch an Wahlen für Betriebsräte, Klassensprechern oder Eltemvertreter können Zeugen Jehovas sowohl aktiv als auch passiv teilnehmen. Die Wahlfreiheit umfasst aber auch die Möglichkeit, von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen. Selbst falls eine Wahlpflicht normiert werden sollte, bedeutet dies lediglich die Pflicht zum Erscheinen im Wahllokal. Ob dann eine gültige Stimme abgegeben wird oder nicht, entzieht sich jeder Kontrolle.
Die Stimmenthaltung muss genauso rechtmäßig sein wie die Stimmrechtsausübung.
Bei der Besprechung dieses Problemkreises darf man nicht übersehen, dass es sich bei den Zeugen Jehovas um eine zahlenmäßig verschwindende Minorität handelt, deren Wahlverhalten für die Funktionsfähigkeit des demokratischen Prinzips nicht ausschlaggebend ist."

Das wäre die eine Seite, der WTG-Apologeten. Die andere Seite ist dann die, wie solcherlei Thesen - namentlich bei den „kleinem" Zeugen ankommen.
Ein Veranschaulichungsbespiel dafür liefert Valerie Tomsett in ihrem Buch-Bericht „Befreit vom Wachtturm", wenn sie darin auch schrieb:

„Wir waren auch sehr stolz auf die Tatsache, daß die Zeugen Jehovas die Gewerkschaften nicht unterstützten, die - nach unserer Ansicht - in den meisten Fällen von den Kommunisten gelenkt wurden. Wie Paulus betont, konnten wir keinem irdischen Herrn gute Diener sein, um dann zu versuchen, ihn durch eine Gewerkschaft zu unterwandern, selbst wenn wir dabei der zusätzlichen Vorteile verlustig gehen sollten, die die Gewerkschaften durch Agitation und Streiks erreichen können.

Der durchschnittliche Zeuge Jehovas ist nicht vom Kommunismus angekränkelt. Er ist aber der Gehirnwäsche dermaßen ausgesetzt, daß auch der intelligenteste Mensch bald zu einem mechanisch gesteuerten, willenlosen Geschöpf werden kann, das gehorsam alles aufnimmt, was ihm im Namen Jehovas dargeboten wird. So wäre es schon möglich, ihm eine kommunistische oder fast jede andere Lehre ohne weiteres einzutrichtern.
Ich hatte keinen Grund, an der Integrität der Zeugen als Angestellte zu zweifeln, bis ich sie in späteren Jahren als meine Kollegen bei der Arbeit kennenlernte und auch Bekannte hatte, die mit ihnen zusammen arbeiteten. Oft sind sie faul; aber in ihrem Eifer für die «Wahrheit» sind sie den ganzen Tag damit beschäftigt, um andere zu überzeugen und bringen damit Unruhe unter das Personal der Firmen."

Eine Prestigefrage
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. September 2013 06:52
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Auf einen unter der Überschrift „Toleranzrekord" erschienenen Artikel in der Schweizer Presse, auf den sich auch „Trost in seiner Ausgabe vom 15. 9. 1943 beruft, wurde schon früher eingegangen.
Siehe dazu 
19432Toleranzrekord

Nachdem Rutherford die Umbenennung von „Bibelforscher" in „Zeugen Jehovas" durchgedrückt hatte, aus zwei Hauptmotivationen heraus.
Einmal um sich schon im Namen von den Schismatischen Gruppen der eigenen Geschichtslinie abzusetzen. Zum anderen ist der Begriff „Zeuge" für eine auf Treppenterrierdasein getrimmte Organisation, sicherlich motivierender, als ein sonstiger, eher neutraler Name.

Das wiederum änderte nicht viel an dem Umstand, dass man sich über die Herkunft des Namens „Jehova" dabei keinerlei sonderliche Rechenschaft ablegte. „Wissenschaftliches" Forschen, war ja noch nie - weder in Vergangenheit noch Gegenwart - eine besondere Domäne dieser Organisation.

Man schwamm also auch in der Jehova-Namenfrage, weitgehend im Kielwasser gewisser Traditionen, die schon vorher bestanden.
Erinnert sei daran, dass die frühen Ausgaben der Elberfelder Bibelübersetzung, welche völlig unabhängig von der WTG in Deutschland entstanden, dieweil selbige, zu dem Zeitpunkt, hierzulande noch keinerlei relevante Rolle spielte. Das just jene Elberfelder Bibelübersetzung schon den Namen Jehova verwandte.

Indem selbiger Name nun aber von der Rutherford-Organisation für sich vereinnahmt wurde, bekam diesbezügliche Quellenkritik ein weitaus höheres Gewicht. Damit war nun auch die WTG gezwungen, sich mit dieser Sachlage auseinanderzusetzen.

Nur, inzwischen hatte das ganze den Rang einer Prestigefrage erreicht. Etwa in der Konsequenz diesbezüglicher Einsichten, sich etwa in „Jahwes Zeugen„ erneut umzubenennen. Davor scheute man sich jetzt in der Tat. Und so wird denn von der WTG alles begierig aufgegriffen, was sie denn als „Alibi" anführen kann, um zu erläutern, weshalb sie denn ihren Namen nicht erneut umbenennen will.

Eine erste solche Alibi-Argumentation der WTG vor 1945, ist meines Erachtens in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 9. 1943 enthalten. Sie sei im nachfolgenden, kommentarlos vorgestellt.
Genanntes „Trost" schrieb zum Thema:

Jehova oder Jahve?
Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Aussprache "Jehova" allgemein als die richtige. In neuerer Zeit ist unter den Sprachgelehrten und Theologen die Aussprache "Jahve" gebräuchlich geworden, und die frühere Bezeichnung wird verpönt. Ob mit Recht?
Da das jüdische Volk aus heiliger Scheu den Namen gewöhnlich nicht aussprach, (sondern durch Wörter umschrieb, die etwa Herr oder Gott bedeuteten), ist es begreiflich, daß Unsicherheit über die richtige Aussprache entstand. In der hebräischen Schrift wurden nur die vier Konsonanten JHVH geschrieben, die zugehörigen Vokale wurden in dieser Sprache nur durch mündlichen Gebrauch einigermaßen festgehalten. Daher rühren die vielen Vokalvertauschungen bei der Aussprache biblischer Namen.
Man denke an Beispiele wie Noah, Noeh, Simson, Samson, Isebel, Jesebel, Jesabel, Bileam, Balaam, Megiddo, (Har)-magedon.

Unter der angeblich "richtigen" Aussprache muß
man in allen Sprachen immer nur die durch Gewohnheit zufällig übliche Aussprache verstehen. Denn wer will oder kann entscheiden, welchen Namen die Menschen irgendeinem Ding geben müssen und wie der Name "richtig" auszusprechen sei? Wir lesen, daß Adam Gelegenheit hatte, den Tieren nach Gutdünken Namen zu geben; "und wie irgend der Mensch ein lebendiges Wesen nennen würde, das sollte sein Name sein." (l. Mose 2:19) Damit ist der Name als eine willkürliche Sache nachgewiesen. Wenn dem Höchsten besonders daran gelegen wäre, daß wir den hebräischen Namen JHVH so oder anders aussprechen, so wären bei der Eingebung des Neuen Testamentes viele Gelegenheiten gewesen, die "richtige" Aussprache in den Zitaten aus dem Alten Testament schriftlich niederlegen zu lassen; denn in griechischer Schrift werden ja die Vokale nicht weggelassen. Nach dem Evangelium hat Jesus, der sagen konnte: "Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen ..." (Johannes 17:6), den buchstäblichen Namen nicht ausgesprochen. Offenbar war dem Herrn nur daran gelegen, die Bedeutung des Namens Gottes (die Tugenden Gottes, nennt es ein Apostel) den Jüngern bekanntzugeben. Über die "richtige" Aussprache des Namens Gottes gab er keine Belehrung. Darüber streiten und spotten bloß manche unserer Gegner.
Nach dem "Kirchlichen Handlexikon" (Dr. Ph. Carl Meusel) sind die Sprachgelehrten sehr uneins über die ursprüngliche Aussprache des Namens Gottes. Die jetzt fast allgemein anerkannte Lesart Jahve ist danach immer noch strittig. Folgender Abschnitt mag darum manchen unserer Leser interessieren:

"Die Aussprache Jehovah hat, nach manchen Älteren und nach J. D. Michaelis, der diese Form wenigstens für viel älter als die masorethische Vokalisation hält, neuerdings besonders in Hölemann (Bibelstudien I: die Aussprache von JHVH) einen geistvollen Anwalt gefunden. Er findet in der Benennung Gottes, Offenbarung Johannes l: 4,8 nicht nur eine Umschreibung, gleichsam Übersetzung des Jhvh, sondern auch die dort ausgedrückte Dreiteilung der Zeit und des Seins hier in die Form des Einen nomen indeclinabile unübertrefflich zusammengefaßt, sodaß Je (==Jehi) das Futurum; ho (==hove, Partizip.) das Präsens; vah (==havah) das Präteritum (Vergangenheit) ausdrücken.... Bezeichnet Öhler eine solche Wortbildung im Hebräischen als abnorm, so hält Hölemann gerade die hebräische Sprache zu solcher Konformation für geeignet und die allerdings einzige und spezifische Zusammensetzung des Namens Jehovah als der spezifischen Einzigkeit des damit zu bezeichnenden allerhöchsten Wesens entsprechend. Aus der Tatsache, daß jenes trichotomische Verständnis des heiligen Namens eine altrabbinische Annahme, schließt Hölemann, daß die jüdischen Gelehrten aller Zeiten Jehovah für die richtige und einzig mögliche Aussprache des Schem (Namens) angesehen haben...." (S. 538)"

Bei welchen das anziehen der „Daumenschrauben" „hilft" - und bei welchen nicht
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. Oktober 2013 05:25
Vor siebzig Jahren
Was nunmehr die „Glocke" für die WTG in der Schweiz geschlagen hatte, konnte selbige auch an der Polemik ablesen, welche sie mit dem Schweizer Pfarrer Bernoulli geführt hatte, und worauf (unter anderem) im Bericht bezüglich der „Trost"-Ausgabe vom 1. 8. 1943 schon mit eingegangen wurde.
Siehe auch 
19442.Bernoulli

Es war ja keineswegs so, dass nur jene katholischen Kreise um die „Gesellschaft für Kirche und Papst" (Stichwort der Herr Metzler und Vorgänger), aktiv - unter Inanspruchnahme, auch Hitlerdeutscher Schützenhilfe, auf ein Verbot der WTG in der Schweiz hinarbeiteten.

Auch wenn der Herr Pfarrer die Vokabel „Verbot der WTG" als solches nicht in den Mund nahm (dazu betrachtete er sich wohl als zu „vornehm"). Man kann aber durchaus unterstellen. Auch er hätte gegen ein solches nicht viel einzuwenden gehabt. Vielleicht hätte er nicht ganz so plump wie die Metzler's und Co agiert. Aber wäre es zum Verbot gekommen.

Nun, Augurenlächeln soll der Pfarrerschaft ja generell nicht unbekannt sein. Man muss nicht immer lauthals in alle Welt „Verbot" hinausschreien. Man kann auch einfach seinerseits mit darauf hinarbeiten. Und sollte es dann tatsächlich eintreten, zur Tagesordnung übergehen, und der WTG mit Sicherheit, keine Träne nachweinen. So ist wohl auch der Herr Pfarrer Bernoulli einzuschätzen, wenn man in seinem Votum auch die „markigen" Sätze las:

„Wir wollen den Lesern des Kirchenboten zur Kenntnis geben, daß die Zeugen Jehovas beteuern, sowohl Richter Rutherford, ihr verstorbener Präsident, sei 1918 in Nordamerika unschuldig verurteilt worden, als auch F. Zürcher, der Sekretär der Zweigniederlassung in Bern. Wir müssen den Zeugen Jehovas die Verantwortung für ihre Behauptung überlassen.
Wir bringen allerdings der Gerechtigkeit unserer Schweizerischen Militärgerichte mehr Vertrauen entgegen als der Wahrheitsliebe der Zeugen Jehovas."

Das war nun auch der WTG überdeutlich geworden, und in diesem Kontext muss sehr wohl die Schweizer Wehrdiensterklärung eingeordnet werden, welche „Trost" in seiner Ausgabe vom 1. 10 und noch einmal in der Ausgabe vom 15. 10. 1943 abdruckte.
Es erwies sich also auch im Falle der WTG-Funktionäre, dass ihnen im Ernstfall das „Hemd näher ist als der Rock". Das sie im Ernstfall - wie andere auch - die hehrsten Grundsätze verleugnen. Allenfalls stellt sich die Frage, wieweit die „Daumenschrauben" angezogen werden müssen, bis es soweit ist.

An den Grundsätzen halten dann im wesentlichen nur zwei Gruppen noch fest. Die, welche ohnehin nichts mehr zu verlieren haben (so oder so - siehe der Fall Zeugen Jehovas in Hitlerdeutschland)
oder die zweite Gruppe der Naivlinge.

Indes die Schweizer WTG-Funktionäre hatten was zu verlieren noch, und sie waren sich nicht zu Schade dazu den Spagat zu machen, dass ihnen mögliche zu tun, dieses drohende Unheil abzuwenden. Und der Preis, der dafür - auch in der Schweiz - zu zahlen war, bestand eben in der berüchtigten Schweizer Wehrdiensterklärung der WTG!

In Sachen Vegetarismus
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 29. Oktober 2013 00:18
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Gelegentlich tauchten sie in Form von Leserbriefen, auch in der „Trost"-Redaktion auf. Die Verfechter des Vegetarismus. Indes zu ihrem Leidwesen, wollte sich „Trost" ihre Position nicht in dieser Radikalität zu eigen machen. Nolens volens billigte auch „Trost" das Fleisch-Essen zu. Damit wiederum hatte es bei den Verfechtern des strengen Vegetarismus, nun überhaupt kein „Stein im Brett" gewonnen.
Einem solchen Disput kann man auch in der „Trost"-Ausgabe vom 15. 10. 1943 begegnen. Da beschwerte sich ein Leserbriefschreiber über den Umstand, dass „Trost" ja das Fleischessen als erlaubt erklärt hatte. In der diesbezüglichen von „Trost" abgedruckten Leserfrage liest man auch die Sätze:

„Was Sie ... über den Fleischgenuß sagen, scheint mir nicht im mindesten gerecht zu sein. Leider sind die Tiere unter die Herrschaft der Menschen gestellt, und daß Jesus so gar nichts für die stummen Geschwister tat und lehrte, ist sicher nichts Rühmenswertes und man kommt der Vermutung nahe, daß die Bibel eben auch nur von ganz unvollkommenen Menschen geschrieben wurde. Warum soll man sich nur auf die Bibel stützen ? Wenn Gott die Tiere zum Genuß der Menschen schuf, also allein zu einer ewigen Qual, dann hätte er sie gefühllos erschaffen müssen wie die Pflanzen. ..."

Da hatte „Trost" nun sein „Fett weg". Da aber nicht sein kann, was nicht sein soll, wurde letztendlich auch dieser Fragesteller nur mit Worthülsen „abgefertigt" zum Beispiel der:

„Wer in dieser Weise mit dem Schöpfer rechtet, zeigt wie Hiob, daß er Dinge beurteilt, die er nicht versteht ...."
So ist das also. Der Fragesteller „versteht nicht". Warum „versteht er wohl nicht"? Weil seine Gedankengänge eben nicht in das Dogmensystem von „Trost" hineinpassen. Und dieser Umstand wird dann beschönigend als „nicht verstehen" bezeichnet!
Aber „Trost" meint noch ein „Trostpflaster" für den Fragesteller parat zu haben:

„Daraus ergibt sich, daß die Zeit kommen wird, wo die Menschen kein Fleisch mehr essen werden. Nur der Schöpfer hat das Recht, den Genuß des Fleisches von Tieren zu gestatten oder zu verbieten. Es ist darum unrecht, jenen Vorwürfe zu machen, die mit Danksagung Fleisch essen."

Nur eines vergaß „Trost" noch mit hinzuzufügen.
„Einlösbar" am Sankt Nimmerleinstag!

Tragweite nicht erfasst?
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. November 2013 00:28
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Eine seltsame (partielle) Übereinstimmung zwischen dem Publikationsorgan der Himmler-Schergen in Nazideutschland, mit Namen „Das Schwarze Korps" und der Zeugen Jehovas-Zeitschrift „Trost", kann man in der Ausgabe des letzteren, vom 1. 11. 1943 beobachten.

Wie war denn die Ausgangslage? Die Ausgangslage war die, dass eine Schweizer Zeitung, just jenes „Schwarze Korps" zitierte. Deren Zitierung erfolgte keineswegs im „zustimmendem" Sinne. Eher in dem Sinne, jenes „Schwarze Korps" „vorzuführen", als abschreckendes Beispiel, was dessen Lesern in Hitlerdeutschland alles so zugemutet wurde.

Das „Schwarze Korps" seinerseits, hatte einen vermeintlichen „Sturm der Entrüstung" in Szene gesetzt, bezüglich einer anderen Aussage, die es in der ansonsten weitgehend gleichgeschalteten Nazipresse entdeckt hatte. Diese Gleichschaltung hatte offenbar aber noch nicht - auch - bezahlte Todesanzeigen in der Nazipresse erfasst. Und an solch einem Inserat-Text nahm nun das „Schwarze Korps" Anstoß und entfaltete dazu eine aggressive Polemik.
Und das ganze fiel - wie gesagt - auch einer Schweizer Zeitung ins Auge, welche dann ihre Leserschaft darüber informierte.

Zu deren Leserschaft wiederum gehörte offenbar auch die „Trost"-Redaktion, die prompt den Fall aufgriff, und auch an ihre Leserschaft weiterreichte. Nicht ohne es zu versäumen, auch seinerseits einen Kommentar hinzuzufügen.

Es wäre wohl zu weitgehend, von einer „Kumpanei" zwischen dem „Schwarzen Korps" und „Trost" zu sprechen. Da gab es in der Tat - und das ist unbestreitbar - auf anderen relevanten Feldern, deutliche, ja erhebliche Differenzen.

Aber dennoch muss „Trost" sich schon sagen lassen. Eine sachlich begründete aktuelle Notwendigkeit, sich zum Multiplikator jener ursprünglich dem „Schwarzen Korps" entnommenen Meldung, zu machen bestand sicherlich nicht. Und wenn diese Ausgangsmeldung dann gar noch dazu benutzt wird, den „eigenen Senf" dazu hinzuzugeben, dann bleibt da ein merkwürdig fader Beigeschmack mit zurück.

Es sei „Trost" zugebilligt, dass es zeitgenössisch die Tragweite dessen vielleicht doch nicht erfasst hat. „Gut" das wäre eine Erklärung. „Besser" wird die Sache indes auch durch diese Erklärung nicht.

Nachstehend dann noch kommentarlos, was denn die „Trost"-Leserschaft in der Sache damals zu lesen bekam:

Das "Berner Tagblatt" (Nr. 213, Sept 1943) schreibt:

"Nach einem Bombenangriff auf eine deutsche Stadt, bei dem ein 16jähriger Sohn ums Leben kam, stand in der Lokalzeitung folgende Todesanzeige:

"Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, Freitagmorgen durch den feindlichen Bombenangriff unseren heißgeliebten, einzigen, guten Sohn im Alter von 16 Jahren in die Ewigkeit abzuberufen. In tiefem Schmerz ..."Gegen diese Todesanzeige wendet sich "Das Schwarze Korps", das Blatt Himmlers und seiner SS, in scharfer Weise.
An einem Freitagmorgen seien, so meint "Das Schwarze Korps", "gedungene und bezahlte Mörder" über die Stadt g
ekommen, "unter ihnen whiskytrunkene Holzfäller aus Kanada, Neger aus Sambesi", die Mord und Brand ausstreuten, wobei der Junge getötet wurde.

"Und das sollte nach Gottes Fügung, nach seinem Plan und seiner Billigung geschehen sein? Wir Deutsche sind nicht eines Glaubens. Aber so verschieden können unsere Gottesbegriffe nicht sein, daß einige von uns an einen wirklichen Gott glauben, der ihnen Mut und Kraft für den Kampf geben kann, andere aber an einen widerwärtigen Fetisch, an ein gefräßiges Scheusal, das darauf lauert, uns Schmerz und Unrecht zuzufügen, an einen kinderfressenden Moloch. Wenn ein Deutscher im Kampf fällt, so mag es seinen Lieben zum Trost gereichen, daß er nach Gottes Willen fallen mußte. Wo aber läge der höhere Sinn eines göttlichen Ratschlusses, der gläubigen frommen Eltern das einzige Kind ermorden läßt?
Wo ist der göttliche Zweck, dem damit gedient würde?
Wie muß der Gott aussehen, der die Hand dieses Mörders lenkte?
Wie muß der Gott aussehen, der in den Geist seiner Auftraggeber fuhr?
Es müßte ein britischer Gott sein, ein Bluthund von einem Gott, der Gott des Erzbischofs von Canterbury, der mit dem Bolschewismus das Prinzip satanischer Zerstörung segnet. Ein Gott der Puritaner."

Und dazu kommentiert „Trost" dann seinerseits:

„Jene Todesanzeige beschreibt tatsächlich nicht den wirklichen Sachverhalt: Sicher gefällt es Gott, dem Allmächtigen, gar nicht, daß Kinder durch Bombenangriffe getötet werden. Wenn Gottes Wille auf Erden geschähe, kämen solche Tötungen nicht vor.
Nach der Bibel darf man nicht schreiben: Es gefiel Gott, unser Kind durch einen Bombenangriff in die Ewigkeit abzuberufen. Nicht alles, was Gott geschehen läßt, gefällt ihm auch. Er hat nicht einmal Gefallen am Tod des Sünders (sondern daran, daß der Gesetzlose umkehre und lebe. - Hesekiel 18: 21), geschweige an Bosheit, Unrecht und Gewalttat, und doch läßt er sie geschehen.
Es gibt ja in der unsichtbaren Welt vielerlei Gewalten, die auch den "Christen" unbekannt sind: "... wie es ja viele Götter und viele Herren gibt", (l. Korinther 8:6) Aber diese Götter und ihr böswilliger Fürst sind nicht allmächtig. Doch passen auf den "Gott dieser Welt", Satan, die Namen Scheusal, Moloch und Menschenmörder, die auch in jener Kritik der Todesanzeige vorkommen."

 

„Christliche Wissenschaft" - zum xten Mal
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 26. November 2013 02:20
Zeitgeschichte vor siebzig Jahren
Wieder mal - nun wahrlich nicht zum „ersten" Male - begegnet man in „Trost" vom 15. 11. 1943 einer polemischen Auseinandersetzung selbigen, mit der sogenannten „Christlichen Wissenschaft" Und zur rechten Einstimmung der eigenen Leserschaft, bekam dieser Artikel, der dem „Trost" erneut 1,5 seiner Druckseiten „wert" war, die Überschrift:
„Philosophie und eitler Betrug".

Die Häufigkeit mit der „Trost" dieses Thema aufgreift, und der für seine Verhältnisse nicht geringe Umfang, der ihm jeweils gewidmet wird, zeigt einmal mehr die Befürchtung der „Trost"-Redaktion, dass besagte „Christliche Wissenschaft" ja auch im eigenen Revier „wildern" könnte. Man wird der Mary Baker Eddy-Religion nun nicht unterstellen können, dass sie in der Richtung gezielte Anstrengungen unternahm. Das wohl eher weniger. Aber „Trost" hat wohl nicht zu unrecht erfasst, dass die eigene Klientel, eben eine besondere Anfälligkeit auch für deren Thesen - fallweise - zeitigen würde. Und dem sucht man nun entgegenzusteuern.

Es ist wohl auch offenkundig, dass eine Religion, die von „Trost" schon in der Überschrift als „eitler Betrug" gebrandmarkt wird, über just diesen Umstand alles andere denn als „erfreut" ist. Und so wurde denn „Trost" auch prompt mit Gegendarstellungen seitens der Mary Baker-Eddy-Religion eingedeckt. „Trost" kam auch nicht umhin, ein paar Sätze aus diesen Gegendarstellungen zu zitieren. Lässt aber keinen Zweifel darüber aufkommen, wie es dazu steht.
Als gewievte Profis verpackt „Trost" das ganze in eine agressive Polemik, von der schon die Artikel-Überschrift kündet.

Nicht ungeschickt, leitet jener Artikel mit der Ausführung ein:

„Da die Welt voller Geheimnisse und Rätsel ist, versuchen alle natürlichen Menschen, sogar schon im frühen Kindesalter, sich in der Überfülle der Erscheinungen zurechtzufinden. Man möchte wissen, warum man des Nachts Sterne sieht, weshalb der Mond zu- und abnimmt, warum das Wasser zu hartem Eis werden kann, woraus der Blitz oder die Sonne besteht, wieso aus Samen Blumen und Bäume hervorwachsen, worauf die Vererbung von Tugenden und Fehlern von Geschlecht zu Geschlecht beruht, warum Menschen sterben müssen, ob es ein Weiterleben nach dem Tode gibt, wie das Böse in die ursprünglich vollkommene Welt kommen konnte, ob es von Anfang neben Gott einen Teufel gab, und was man tun kann, um dem allgemeinen Verderben zu entrinnen. Auf solche und viele ähnliche Fragen geben kaum zwei selbständig denkende Menschen ganz die gleiche Antwort; denn wir erkennen nur stückweise. So entsteht dann die Frage: Welche Auffassung entspricht nun
der Wirklichkeit? Was ist Wahrheit?"

Aber damit ist der „höfliche Teil" der „Trost"-Replik schon mal beendet. Im folgenden macht man dann aus dem eigenen Herzen keineswegs eine Mördergrube.
So belehrt dann „Trost":
„Nach dieser "eitlen" Grundlehre ist also Sünde, Krankheit und Tod nicht wirklich vorhanden. An anderer Stelle leugnet die "Christliche Wissenschaft" überdies auch die Wirklichkeit der materiellen Schöpfung. Nach dieser "Weltweisheit" oder Philosophie ist es nicht wahr, daß Adam aus Staub war, daß er eine wirkliche Sünde getan hat und wirklich den Tod dafür erntete. Wenn es nach dieser eitlen Lehre keine wirkliche Krankheit gibt, dann braucht man die Kranken auch nicht zu heilen."

Und als weiteres „Highlight" darf sich die Mary Baker-Eddy-Religion, via „Trost" dann noch ins „Stammbuch" schreiben lassen:
„Wer die vernünftigen Lehren der Bibel verwirft, gerät in die Schlingen des Fürsten der Finsternis. Paulus schreibt: "Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft [oder Wirksamkeit] des Irrtums, daß sie der Lüge glauben."

Auch über den „Trost"-Satz, dürfte die Mary Baker Eddy-Religion wohl kaum erfreut gewesen sein:

„Tatsächlich ist uns noch kein Gläubiger dieser unnüchternen Lehre begegnet, der im Ernst das selber wirklich glaubt, was er nach dem Lehrbuch der Gründerin seiner Gemeinschaft anerkennen sollte. Mit jedem Atemzug leben auch sie in völliger Abhängigkeit von dem, was sie unwirklich nennen."

Und ausklingen tut die „Trost"-Replik dann noch mit den Worten:
„Aber Jesus heilte ... Nicht durch Belehrung über Philosophie und eitlen Betrug. Und dadurch unterscheiden sich Jesu Heilungen gründlich von allen religiösen Heilungsnachahmungen."

Und da fliegen die Fetzen

Emil Brunner
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 27. Dezember 2013 02:17
Vor siebzig Jahren
Über „Glaube und Forschung" sprach, nach dem Bericht des „Trost" vom 1. 12. 1943, der Rektor der Universität Zürich, Emil Brunner, in einer Festrede, anläßlich des 110. Stiftungstages jener Universität.
Bezüglich einer früheren Erwähnung jenes Emil Brunner, siehe auch die Kommentarserie 1942 Dort der Eintrag vom 30. Mai 2012 01:10.
Wenn das Presseorgan auf das „Trost" sich diesbezüglich beruft, zwar sich „Schweizerische Bauzeitung" nennt, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass selbiger mit Bauwesen am allerwenigstens je zu tun hatte. Von seiner Biographie her, eher ein „gestandener Theologe", denn es dann auch noch auf den Rektor-Posten verschlug.

Stellvertretend sei als Beleg nur auf eine 1966 im Zwingli-Verlag erschienene Publikation verwiesen, in der dieser Aspekt schon im Buchtitel zum Ausdruck kam:
„Dank an Emil Brunner, Prof. Dr. theol. et jur.DD"

Nun also bringt es dieser Theologe wieder auch zur Erwähnung im „Trost". Ungewöhnlich genug an sich. Und seine der Presse entnommenen Äußerungen, kommentiert „Trost" seinerseits mit den Sätzen:

„Wird die Verwerfung kirchlicher Glaubenssätze die Sittlichkeit oder das Rechttun der Menschen gefährden? Und die Verwerfung des Gottesglaubens?
Es ist bekannt, daß Freidenker, die das Dasein Gottes leugnen, durchaus nicht anerkennen, daß die Nächstenliebe aufhöre, wenn der Glaube an Gott weggetan wird.
Sie sagen uns, man könne gerechter Gesinnung sein, ohne an den Schöpfer der Welt zu glauben, und daß die Musterbilder kirchlicher Gottesgläubigkeit häufig keine Hemmungen haben, Unmenschlichkeit, Bedrückung oder Krieg gutzuheißen und theoretisch mit Gottes Willen in Übereinstimmung zu bringen.
Teilweise ist ihre Auffassung wohl richtig."

Und ein weiterer „Trost"-Kommentar zu dieser Rede lautet:

„Während in jener Rede Prof. E. Brunner das Gebiet des Glaubens so sehr beschneidet, daß es mit der Naturwissenschaft nicht in Konflikt gerät, ziehen wir vor, an die Verheißungen der Bibel zu glauben und von falsch verstandener Wissenschaft zu reden, wenn die "Forschung" das Wort der Wahrheit Lügen strafen will. Keine wirkliche Forschung kann nämlich dartun, daß Tod und Krankheit ewig bleiben."

„Trost" möchte also diese Rede gleichzeitig dazu benutzen, seine Variation als Jenseitsverkäufer als die rechte zu interpretieren.
Und sogar ein umfängliches Stück aus jener Rede zitiert „Trost" wörtlich:
"Die Forschung mußte sich aus der Bindung an das kirchliche Dogma befreien, ja zu ihm in Gegensatz treten, wenn sie nicht ihrem eigenen Wahrheitsstreben Gewalt antun und sich verkümmern lassen wollte. ... Der Name Galileis wird uns überdies an die betrübliche Tatsache erinnern, daß die Kirche sich nicht damit begnügte, diesen Kampf mit geistigen Waffen auszufechten, sondern ihn durch den Gebrauch staatlicher Machtmittel verschärfte und vergiftete und dadurch auf Seiten der Forschung ein Ressentiment schuf, das bis heute nachwirkt. Die für die freie Forschung begeisterte Welt hat es der Kirche nie vergessen, daß sie durch ihren Dogmatismus und durch ihren Bund mit dem Staat dem wissenschaftlichen Fortschritt während Jahrhunderten schwere Hindernisse in den Weg legte.
Diese Auseinandersetzungen zwischen Glaube und Forschung sind um so bedauerlicher, als sie keineswegs in der Sache begründet waren, sondern aus einer Reihe von Mißverständnissen entsprangen . . .
Das erste dieser Mißverständnisse war die Verquickung des christlichen Glaubens mit dem Weltbild der Antike, das zugleich das Weltbild der Bibel ist. Es bedarf einer ebenso mutigen als geduldigen Erziehungsarbeit, bis die Masse der Gläubigen versteht, was die großen Geister - ein Kopernikus so gut wie ein Kepler oder Newton - von Anfang an wußten, daß nämlich der christliche Glaube als solcher mit der Frage nach der Größe des Weltraumes oder nach den räumlichen Beziehungen von Sonne und Erde, nach dem Alter der Welt und des Menschengeschlechtes oder nach den Einzelheiten der biblischen Geschichtserzählung überhaupt nichts zu tun hat ..."

Und dazu kommentiert „Trost" dann seinerseits:

„Wir denken über diese Dinge etwas anders:"
Letzteres wusste man eigentlich auch so, schon vorher.
Insofern bleibt als Gesamteindruck, der der Rosinenpickerei übrig. Ob „Trost" damit eine Legitimation hat, sich sachlich begründet, auf just jenen Professor zu berufen, erscheint mehr als fraglich.
„Trost" nutzt lediglich einen bekannten Namen, um ihn vor den eigenen Karren zu spannen.
Aber auch dieser Name vermag nicht, den Karren des „Trost", aus dem Dreck engstirniger Borniertheit, zu ziehen!

Ein weihnachtlicher „Spagat"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 28. Dezember 2013 03:12
Vor siebzig Jahren
Terminlich einigermaßen passend, greift die letzte Ausgabe des 1943er Jahrganges des „Trost" (15. 12. 1943), das Thema Weihnachten erneut auf. Zwar lehnte man dessen feiern schon einige Jahre vorher ab. Aber man ist sich auch bewusst, dass breite christliche Kreise andernorts, dem so nicht zu folgen vermögen (wollen).

Im Gegensatz zu der bei den Zeugen Jehovas nicht selten zu beobachtenden Aggressivität, auch dieses Thema betreffend, sucht dieser Artikel den „Spagat" zu vollbringen.
Einerseits das Weihnachtsfest abzulehnen. Zum anderen aber dabei - in der Wortwahl - nicht übermäßig aggressiv zu sein. Diese für Zeugen Jehovas-Verhältnisse - relativ - milde Wortwahl, ist das eigentlich ungewöhnliche an diesem Artikel.
Nachstehend, einige Auszüge aus ihm:

„Zeichnet sich der 25. Dezember vor den übrigen Tagen irgendwie besonders aus, etwa wie der Frühlingsanfang oder der Tag der größten Sonnennähe?
- Jawohl, lieber Freund, es ist - versteh mich nicht falsch! - der längste Tag. Du siehst mich fragend an.
Es gibt freilich in der Sternkunde allerlei Unerwartetes, das der Unkundige gläubig annimmt, obwohl er es nicht selbständig durchschaut: so etwa, daß die Erde im Januar der Sonne näher ist als im Juli, oder daß das Sommerhalbjahr fast 6 Tage länger ist als das Winterhalbjahr.
Aber wie soll es gemeint sein, daß der 25. Dezember länger ist als andere Tage ? Sind denn nicht alle Tage genau 24 Stunden lang?
- Nein, genau gleich sind sie nicht. Da die jährliche Erdbahn nicht ganz kreisförmig ist und eben deswegen die Sonnenentfernung zwischen 147 und 152 Millionen km schwankt, und weil überdies die Erdachse schräg in der Ebene der jährlichen Bahn steht, darum ist die Dauer von einem Mittag (als Zeitpunkt) bis zum nächsten Mittag etwas veränderlich.

Um "Weihnachten" beträgt die wahre Tageslänge 24 Std. 30 Sek. In der Mitte des Septembers sind
die Sonnentage am kürzesten, nämlich nur 23 Std.
59 Min. 39 Sek.
Wer hätte das gedacht! Man lernt nie aus, aber es wäre doch einfacher, wenn alle Tage gleich lang wären und gerade 24 Stunden dauern würden. Muß denn immer alles so kompliziert sein? So ist ja auch der Anfang der "christlichen Zeitrechnung" in eine schier undurchdringliche Berechnung "verwickelt":
Die Geburt Christi soll auf den 25. Dezember fallen, aber die Jahre nach Christi Geburt zählt man doch nicht von diesem Datum, sondern vom l. Januar an.
Welches ist nun recht? - Keines von beiden. Jesus
wurde weder am ersten Januar des Jahres eins noch am 25. Dezember des gleichen oder des vorangehenden Jahres geboren.
Ist denn das richtige Datum weder in der Bibel noch in der Weltgeschichte verzeichnet? - Nur annäherungsweise. Gut begründet ist die Berechnung, die Jesu Geburtsdatum auf den Anfang des Oktobers des Jahres 2 vor Christus verlegt. Die '"christliche Zeitrechnung" beginnt also mit ihrem l. Januar des Jahres l um l ½ Jahre zu spät. Die Verwirrung wird übrigens noch etwas größer durch die Tatsache, daß der Dezember früher der zehnte Monat war, der Oktober der achte. Heute ist es anders.
Wenn die Geburt Christi so wichtig war, daß ausnahmsweise eine Menge der himmlischen Heerscharen sichtbar erschien, ist dann der Brauch nicht berechtigt, dieses Ereignis jährlich zu feiern ? -
Wenn es Gottes Wille wäre, den Geburtstag Jesu feiern zu lassen, hätte er in seinem Wort darüber wohl eine Anweisung gegeben und auch den passenden Tag bezeichnet, wie etwa beim Passah oder Gedächtnismahl. Das Festfeiern ist meist ein menschliches Vergnügen ungeistiger Art und darum wirklich kein Gottesdienst. ...

Ich begreife jetzt deine Abneigung gegen Feste. Aber denkst du, daß die Beweggründe jener Leute, die Weihnacht feiern und einander Geschenke machen, durchaus schlecht sind? - Nein, nicht durchaus!
Aber unsere Beweggründe, alle scheinheiligen Übungen oder Festfeiern zu meiden sind besser als die Beweggründe religiöser Festteilnehmer. Gut und schlecht sind hier im biblischen Sinn zu verstehen.

Wie ist das gemeint? - Es bedeutet, daß nur Gottes Wort uns zeigen kann, was als guter oder schlechter Beweggrund zu gelten hat. Einzelpersonen können "in guten Treuen" etwas tun, das zwar in Gottes Augen ein Greuel ist, aber sie wissen es noch nicht. Man darf ihnen darum vorläufig keinen schlechten Beweggrund unterschieben, obwohl der tiefere Grund, der den Leuten oft unbekannt ist, schlecht ist. Menschen, die nicht in der Schrift nachprüfen, ob ihr Handeln recht oder unrecht sei, werden ausnahmslos getäuscht durch den Einfluß der unsichtbaren Mächte der Finsternis. Jesus kam, um die Menschen guten Willens vom Einfluß der Dämonen, also von der Finsternis zu befreien. ...

Ich habe gelesen, daß bei den Römern etwa am 25. Dezember ein Fest als "Tag der unbesiegten Sonne" gefeiert wurde und daß man darum den Geburtstag des "Lichtes der Welt", Christi, auf dieses Datum verlegte. Ist das Grund genug, Weihnachten dieser heidnischen Herkunft wegen abzulehnen? -

Das wäre ein Grund von geringer Bedeutung, da ja heute kein vernünftiger Mensch an Weihnachten die Sonne verehrt oder anbetet. Was die alten Heiden am 25. Dezember dachten und trieben, ist gewiß nicht für uns ein Grund, scheinheilige Feste abzulehnen. Daß die Römer aßen und tranken und sich beschenkten, bedeutet nicht, daß wir nun nichts essen, trinken oder schenken dürfen. Aber wir verabscheuen den von finstern Mächten herrührenden "heiligen" Schein der religiösen Festfeiern. Wer die Wahrheit liebt oder das Licht, haßt Scheinheiligkeiten in jeder Form, auch wenn sie mit "guten Taten" verquickt sind."

Kommentarserie 1942

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