Kommentarserie (über Der Wachtturm" und Erwachet!") 1953 zusammengefasst
(ab November 1953)Geschrieben von Drahbeck am 08. November 2003 21:05:40:
In der "Erwachet!"-Ausgabe
vom 8. 11. 1953 gibt es auch einen Artikel mit der
Überschrift:
"Die Zeitschrift 'Life' verunglimpft christliche Missionare."
Offenbar hatte genannte Zeitschrift in ihrer Ausgabe vom 4. 5. 1953 einen Artikel über
die Zeugen Jehovas in Afrika publiziert, in dem sich auch der Satz vorfand, daß das
Evangelium der Zeugen Jehovas "weit davon entfernt (sei), die 'Zivilisation' zu
fördern, (und) die schlimmsten Utopien der Afrikaner unterstützt."
Daraufhin richtete namens der WTG deren Funktionär und persönlicher Sekretär von N. H.
Knorr, der Milton G. Henschel einen Protestbrief an "Life", mit der Bitte,
selbige möge diesen Brief dann auch veröffentlichen. Das aber lehnte "Life"
ab. Darum veröffentlichte die WTG ihrerseits in genannter Erwachet!-Ausgabe diese
Korrespondenz.
Bezugenehmend auf die Zeugen Jehovas in Nordrhodesien
rühmt Henschel:
"Diese Afrikaner Nordrhodesiens treiben keine Politik ... noch kämpfen sie für
eines der vielen Programme zur Erlangung der Autonomie."
Weiter Henschel:
"Mir ist nicht entgangen, daß sich in Afrika Gewitterwolken zusammenziehen, aber ich
weiß, daß die Regierungen nichts zu fürchten haben von den Zeugen Jehovas, denn Jehovas
Zeugen haben nichts zu tun mit der Mau-Mau-Bewegung oder ähnlichen
Terroristengruppen."
In ihrer Antwort an Henschel schrieb "Life"
dann:
"Der Kerngedanke unserer Ausführungen in Life dreht sich um die Tatsache, daß es im
afrikanischen Volk gärt, und daß ein gemeinsames Ziel notwendig sei, dem die
Verwaltungen und das Volk Afrikas tätig und auferbauend entgegenstreben müssen. In ihrem
Brief sagen Sie: 'Diese Afrikaner treiben keine Politik ... noch kämpfen sie für eines
der vielen Programme zur Erlangung der Autonomie...' Genau in diesem Punkt gehen unsere
Meinungen auseinander . ... Auch wir glauben wie die Zeugen Jehovas an die Lehren Jesu
Christi, aber nach unserer Meinung müssen diese Grundsätze in allem was unser Leben
betrifft, befolgt werden, wozu auch die Teilnahme an Politik gehört."
In ihrem Kommentar dazu äußert dann die WTG:
"Glaubt 'Life' im Ernst, daß die europäische Kolonialherrschaft oder
südafrikanische Regime Missionare ermuntern werde, bei den Afrikanern den Wunsch nach
Autonomie zu wecken? Wie lange dürften Missionare in Afrika bleiben, die das tun
würden?"
Dieser Disput macht deutlich, wo die WTG politisch steht. Auf Seiten der konservativen Kräfte. Man kann ihre Position mit der im Urchristentum vergleichen, wo auch die Parole ausgegeben würde, die Sklaven möglich gefälligst weiter Sklaven bleiben!
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Geschrieben von Drahbeck am 15. November 2003 08:46:10:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 08. November 2003 21:05:40:
WTG-Präsident N. H. Knorr beliebte am Samstag den 25. Juli 1953 im New Yorker Yankee-Stadion, anlässlich des Kongresses der Zeugen Jehovas, einen "ellenlangen" Vortrag zu halten. Damit jene die dabei eingeschlafen sein sollten (mit offenen Augen), die Chance bekämen das ganze noch einmal zu "verdauen", wurde dieser Vortrag, in zwei Teile aufgepsplittet, auch in der deutschen Wachtturm-Ausgabe vom 15. 11. 1953 nochmals nachgedruckt.
Im Prinzip ging es Mister Knorr eigentlich nur um eines.
Um die Anpreisung des auf diesem Kongress "freigegebenen" Buches "Neue
Himmel und eine neue Erde". Viele Worte wurden dabei geredet, wenig Substanz
enthaltend.
Der Völkerbund, dem durch Japans Austritt Anfang 1933, gefolgt von Hitlerdeutschland Ende
1933, der "Todesstoß" verpasst wurde, ist für Knorr, insbesondere in der Form
seines Nachfolgers, der UN, wieder der Buhmann. Dabei fühlt sich Knorr zum
"Propheten" berufen und verkündet vollmundig:
"Heute ist die Organisation der Vereinten Nationen,
als Nachfolgerin des Völkerbundes, die achte einer Reihe von Weltmächten".
Mehr noch, Knorr meint zu wissen:
"Das Zeichen des Herannahens der Schlacht von Harmagedon erhebt sich nun vor unseren
Augen ...Wenn das symbolische Tier und seine Hörner sich gegen die Hure, das System der
organisierten Religion wenden, so zeigt dies an, daß der "Krieg des großen Tages
Gottes, des Allmächtigen, begonnen hat."
Im Jahre 66 n. Chr. seien die Christen die in Jerusalem und Judäa wohnten, von dort weggezogen und entgingen so der Vernichtung durch die Römer. Und dabei lässt Knorr durchblicken die Warnung datiere von Jahre 33 n. Chr. an. Also 34 Jahre später. Diese "34 Jahre" wagt er zwar nicht direkt auf die Neuzeit zu übertragen. Aber indirekt schon lässt er dies der Tendenz nach, doch anklingen.
Was Knorr da als so nah herangereift wähnte, war so "nah", dass er darüber inzwischen verstorben
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Geschrieben von Drahbeck am 22. November 2003 06:50:52:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 15. November 2003 08:46:10:
Sind Jehovas Zeugen kommerzielle Hausierer? Diese Frage
stellte sich auch in der Schweiz, besonders in den Jahren von 1948 bis 1953. Zu insgesamt
elf Gerichtsfällen kam es in diesem Zeitraum aus jenem Grund, über die "Erwachet!" vom 22. 11. 1953
berichtet.
Offenbar handhabte die Schweiz Hausierergesetze von jeher etwas restriktiver als
andernorts. Das wird schon daran deutlich, dass man in der Schweiz genannten Zeitraumes,
beim "Predigtdienst" die Literatur "kostenlos" abgab; während in
anderen Ländern zur gleichen Zeit die Angabe eines festen Verkaufspreises üblich war.
Allerdings ganz "kostenlos" war es doch nicht. Man sagte dem Wohnungsinhaber
schon, wenn er es "wünsche" könne er selbstverständlich eine Spende nach
eigenem Ermessen für die WTG-Literatur geben. Und man zierte sich auch nicht, die dann
ohne viel Federlesen entgegenzunehmen. Also doch kommerziell, nur etwas geschickter
verklausuliert, argwöhnten daraufhin einige. Und in der Folge kam es zu diesen elf
Gerichtsprozessen.
Deren Ergebnis war ambivalent. "Erwachet!"
schreibt:
"Die Bilanz dieses fünfjährigen Rechtskampfes ergibt ... Von diesen elf Fällen
wurden acht von den Bezirksgerichten zugunsten der Zeugen Jehovas entschieden, drei zu
ihren Ungunsten ... Vier von diesen elf Fällen wurden an das Obergericht weitergeleitet,
wobei dieses Gericht in drei Fällen gegen, im vierten Falle zugunsten der Zeugen Jehovas
entschied."
Nun kam "Kommissar Zufall" den Zeugen Jehovas
zu Hilfe. Wie bereits ausgeführt, hatte das Obergericht in drei Fällen hintereinander
immer zu ungunsten der Zeugen Jehovas entschieden. Ein neuer, vierter Fall, war vor jenem
Gericht im Jahre 1953 anhängig.
"Und nun geschah das Unerwartete", schreibt "Erwachet!"
"Das Obergericht, in neuer Zusammensetzung der Richter, ... kam am 26. Januar 1953
zum Schluß, daß in der zur Frage stehenden Tätigkeit kein Hausieren erblickt werden
könne und daß der Prediger nicht mit einem kommerziellen Ziel gearbeitet habe. Der
Einspruch des Staatsanwaltes wurde also abgewiesen."
Dieser Sieg, nun wieder Geld für ihre Literatur kassieren zu dürfen, auch von denen, die sich nicht zu den Zeugen Jehovas zählen, ist es der WTG wert, ihn in einem eigens dazu geschriebenen "Erwachet!"-Artikel zu feiern. Wie man weiß, haben diese WTG-Artikel, eine weltweite, weit über die Schweiz hinausgehende Verbreitung. Damit macht die WTG einmal mehr deutlich, was ihr neuralgischer Nerv ist.
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Geschrieben von Drahbeck am 01. Dezember 2003 07:43:56:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 22. November 2003 06:50:52:
Anlässlich des Kongresses der Zeugen Jehovas in New York im Jahre 1953, gab es auch eine spezielle Veranstaltung nur für die Kreis- und Bezirksdiener (wie man damals noch sagte. Später wurden dann aus den Dienern "Aufseher". Vielleicht hat man nicht unbedingt an KZ-Aufseher gedacht. Aber die Wahl des Titels legt eine solche Gedankenassoziation durchaus nahe). Tenor der von N. H. Knorr geleiteten Zusammenkunft war, wie man am günstigsten Kontakte zu Pressevertretern herstellt, welche Fehler man dabei vermeiden sollte usw. Offenbar glaubte Knorr dabei auch einen ganz speziellen Fachmann mit zur Hand zu haben. Den laut "Wachtturm" vom 1. 12. 1953 waren es dem Marley Cole vorbehalte, anlässlich dieser Zusammenkunft über "die Methoden der Fühlungnahme mit Redaktionen" zu referieren.
Jener Kongress von 1953 erstrahlte wieder einmal mit "neuem Licht". Unter der Überschrift "Die Neue-Welt-Gesellschaft vom fernen Norden her angegriffen" liest man etwas zur Auslegung des biblischen Begriffes "Gog von Magog". Alsbald wurde den Zeugen Jehovas eingetrichtert. Nicht wie früher ein konkret benannter Gegner sei dieser Gog. Sondern einer der mehr nebulösen Art. Das 1958 in Deutsch erschienene WTG-Buch "Auch du kannst Harmagedon überleben und in Gottes neue Welt gelangen", greift diese Auslegung auf. Sinn der Verkündigung auf dem 1953er Kongress war es, die vorher personifizierten WTG-Auslegungen zu diesem Thema, zu den Akten zu legen. Über die Vorgeschichte dieser Doktrin berichtet die genannte "Wachtturm"-Ausgabe:
"Die Neue-Welt-Gesellschaft ist lange mit der Watch
Tower Bible and Tract Society verbunden gewesen, die sich seit Jahren für das Thema Gog
interessiert und es zu verstehen gesucht hat. Schon im Jahre 1897 veröffentlichte die
Watch Tower Society den vierten Band der 'Schriftstudien', der zuerst den Titel trug 'Der
Tag der Rache', der aber später in den Titel 'Der Krieg von Harmagedon' umgewandelt
wurde. Im 11. Kapitel dieses Buches wurde dargelegt, dass die im Lande Palästina
wiederhergestellte Nation Israel das Ziel des Angriffs Gogs sein werde, und auf Seite 554
(engl. Ausgabe) heisst es: 'Israel wird schliesslich von Heerscharen unbarmherziger
Plünderer belagert werden, die vom Propheten als die Horden von Gog und Magog (Hes. 38)
bezeichnet werden, und gross wird die Bedrängnis des wehrlosen Israel sein.' (deutsch
siehe S. 429).
Über dreissig Jahre später wurden die biblischen Prophezeiungen im Lichte der seit dem
Jahr 1914 eingetretenen Ereignisse weiter geprüft, wodurch enthüllt wurde, dass nicht
die Israeliten nach dem Fleische, sondern die Christen, die inwendig Israeliten, geistige
Israeliten sind, das Volk seien, das die Zielscheibe des Angriffs Gogs vom fernen Norden
her werden soll.
Im Jahre 1932 veröffentlichte die Watch Tower Society den 2. Band eines Werkes, betitelt
'Rechtfertigung'
brachte es über die Frage, wer Gog sei, auf Seite 311 folgende
Schlussfolgerung ihn betreffend:
'Gog ist einer der Fürsten der Organisation Satans; er ist natürlich für menschliche
Augen unsichtbar und hat möglicherweise die Macht, sich in Menschengestalt zu
verkörpern. Das Land Magog stellt bildlich das geistige oder unsichtbare Reich Satans dar
und schliesst Gog und alle sündigen Engel innerhalb seiner Abteilung in der
Satansorganisation ein, und diese 'herrschen über die ganze Erde.'"
Im Jahre 1996 schrieb dann die Zeitschrift Unser Königreichsdienst" dazu: Gog sei ein Symbol für die Regierungen dieser Welt. Eng verbunden damit die Auslegung über den König des Nordens", den man in der Nach-Hitler-Zeit, bis etwa 1990 mit der Sowjetunion identifizierte.
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Geschrieben von Drahbeck am 08. Dezember 2003 05:38:56:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 01. Dezember 2003 07:43:56:
"Erwachet!" vom 8. Dezember 1953 berichtet besonders über den "Neue-Welt-Kongress der Zeugen Jehovas" in New York des Jahres 1953. Auch deutschsprachig liegt dazu ein bemerkenswertes Dokument vor, dass Buch des Marley Cole, dessen Hauptinhalt ja der Lobgesang auf diesen Kongress ist. Der seinerzeit noch aktive Webseitenbetreiber Roland F. war davon noch so angetan, dass er gar das Cole-Buch für seine Webseite einscannte (inzwischen hat er es wieder gelöscht). Den kurzfristig existierenden "Corona-Verlag" (derzeit auch nicht mehr aktiv), muss man wohl im gleichen Atemzug nennen.
Nachdem die erste Auflage des Cole-Buches schon lange
nicht mehr lieferbar ist, veranstaltete Corona gar noch eine Reprint-Ausgabe davon. Wer
gehofft haben sollte, das zweite Cole-Buch "Triumphant Kingdom" (das nie ins
Deutsche übersetzt wurde), konnte in der Corona-Ausgabe zumindest teilweise Verwendung
finden, sah sich allerdings enttäuscht.
Corona bot Cole Nr. 1 unverändert an. Der einzigste Unterschied ist der, dass der Satz
nicht mit der ersten Auflage harmonisiert, sodass bestimmte Passagen, bei ihrer Zitierung,
sich jeweils auf unterschiedlichen Seiten befinden
"Erwachet!" rühmt dass beim Kongress maximal
165.289 Personen anwesend gewesen seien; davon rund 22.000 nichtamerikanische Zeugen aus
95 Ländern.
Eine solche Riesen-Mammut-Veranstaltung, anstatt vieler etwas kleinerer gestrickter,
erinnert doch sehr an die Praktiken gewisser Diktaturen, die da an Nationalfeiertagen
große Militärparaden vor sich defilieren lassen. Sie haben offenbar solcherart der
"Bestätigung" notwendig. Und wie man sieht, offenbar nicht nur diese
politischen Diktaturen!
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Geschrieben von Drahbeck am 15. Dezember 2003 07:37:36:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 08. Dezember 2003 05:38:56:
131.419 Kongressbesucher sollen laut "Wachtturm" vom 15. Dezember 1953
"andächtig" gelauscht haben, bezüglich dessen was der WTG-Vizepräsident F. W.
Franz meinte seiner Zuhörerschaft mitteilen zu sollen. Böse Zungen indes sind eher
geneigt kommentierend dazu zu sagen: "Der Berg kreiste - und gebar noch nicht mal ein
Mäuslein".
Das alles beeindruckt die WTG natürlich nicht.
Damit in ihrer Lesart noch mehr dem Franz'schen Wortschwall (ohne Substanz) die
andächtige Reverenz erweisen; druckte die deutsche "Wachtturm"-Ausgabe in
obiger Nummer, den Franz-Artikel noch einmal ab. Als "Studienartikel" versteht
sich. Wo käme denn die WTG hin, würden die Auslassungen nichtssagender Art, nicht
zugleich noch als "Studienartikel" verkauft werden.
Im Prinzip ging es Franz nur um eines. Wieder einmal auf
dem "Endzeitklavier" zu spielen. Als Einstieg für sein
"Katzenkonzert" bemühte er eine Bibelstelle aus Haggai 2:6,7:
"Denn so spricht Jehova der Heerscharen: Noch einmal, eine kleine Weile ist es, da
werde ich den Himmel erschüttern und die Erde und das Meer und das Trockene. Und ich
werde alle Nationen erschüttern; und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich
werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht Jehova der Heerscharen."
Man ahnt es schon. Franz wähnt die "kleine Weile" wieder einmal als "ganz nah". "Gut" mag man sagen. Das taten doch auch schon die ersten Christen. Das Hoffen und Harren, bis zum Sankt Nimmerleinstag ist doch ihr Metier. Ohne dieses Hoffen und Harren, gäbe es doch überhaupt kein Christentum mehr; weil seine endzeitliche Substanz sich als gegenstandslos erwiesen. Franz war nicht der erste, und sicherlich auch nicht der letzte, der das Hoffen und Harren kultiviert. Und nebulös genug hat er es doch 1953 noch gehandhabt. Von 1975 wollte er damals doch noch nichts wissen. Und was soll's heute. Auch heute will man nichts mehr von 1975 wissen. Heute hat man sich doch wieder auf die Nebelmasche des Hoffen und Harren zurückgezogen. Im übrigen steht man doch mit solchen Thesen nicht allein auf dem Religionsparkett.
Das ist wohl war. Hoffen und Harren-Verkäufer kann man auch andernorts zur Genüge begegnen. Im ausstellen ungedeckter Schecks übertrumpfen sie sich förmlich. Lässt man 1975 mal außer Betracht, ist die WTG doch auch nur einer dieser windigen "Glücks"verkäufer. Das alles ist wahr.
Dennoch einen Unterschied gilt es zu benennen. Franz
rühmt sich in seiner Ansprache auch noch des folgenden:
"Da Jehovas Zeugen unter dem Befehl stehen, diese Kriegsproklamation an alle Nationen
ergehen zu lassen, können und werden sie nicht mit irgendeiner Pazifistenorganisation
zusammen gehen, die die nationalen Regierungen anspornt, im Namen des Christentums vom
Kriege abzustehen. Jehovas Zeugen werden der Abrüstungsresolution die von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen am 8. April dieses Jahres unter der
trügerischen Behauptung gefaßt worden ist, sie wirke auf einen dauernden Frieden unter
den weltlichen Nationen hin, keine Unterstützung leihen. Dies zu tun wäre fürs erste
nutzlos, und fürs zweite stände es, was noch wichtiger ist, im Gegensatz zu Jehovas
Befehl an seine Zeugen."
Damit hat Franz die Politik der WTG offengelegt. Die Politik eines faktischen Kriegshetzers im Namen des Hoffen und Harrens!
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Geschrieben von Drahbeck am 22. Dezember 2003 04:33:12:
Als Antwort auf: geschrieben von Drahbeck am 15. Dezember 2003 07:37:36:
Fast Zeitsynchron zum Jahreswechsel, offeriert die "Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 12.
1953 einen auf das Weihnachtsfest bezüglichen Artikel. Man meint zu wissen, dieses
Fest wurzele im Heidentum und mittelalterlichen Sagen. Weiter:
"Wenn Gott gewünscht hätte, daß dieser Tag gefeiert würde, hätte er dies
aufzeichnen lassen; die Bibel spricht jedoch nur an zwei Stellen von Geburtstagsfeiern,
und jedesmal sind es solche von heidnischen Herrschern."
Ein besonderer Kronzeuge dabei ist für die WTG auch der Alexander Hislop (1807 - 1865),
mit seinem Buch (wie die WTG titelt ) "The two Babylons". Seit 1997 liegt es
auch in deutscher Übersetzung vor, mit einem Vorwort versehen, dass auf die tendenziöse
Verwertung des Hislop'schen Ausführungen durch die Zeugen Jehovas, nicht sonderlich gut
zu sprechen ist. Das Vorwort bescheinigt Hislop weiter, "dass der etymologische
(sprachgeschichtliche) Anteil seiner Beweisführung zum Teil weit hergeholt oder
konstruiert erscheint."
Eine Variante davon, neben der Buchausgabe aus dem CLV-Verlag, gibt es jetzt offenbar auch
im Internet.
In der Tat, ist Hislops Buch wohl in erster Linie eine
Kampfschrift gegen die katholische Kirche, die bekanntlich auch in freikirchlichen Kreisen
entsprechenden Widerspruch findet, und die meinten jenen Widerspruch bei Hislop schon
ausführlicher begründet, vorzufinden. Der Titel der deutschen Übersetzung lautet denn
auch, in Wiedergabe dieser Intention:
"Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion".
Ein Rezensent bei Amazon.de äusserte über dieses Buch:
Die Beweisführung in diesem Buch ist unhistorisch, nicht nachvollziehbar und in keinster
Weise mehr nachzuprüfen. Bei dem Versuch die Katholische Kirche als "Babylonische
Mysterienreligion" darzustellen, schießt Hislop manche Eigentore. So wird sogar das
Kreuz als heidnisch dargestellt. Bezeichnenderweise geben die Herausgeber im Vorwort zu,
daß das Werk von diversen Sekten mißbraucht worden ist (Zeugen Jehovas etc.).
Das Werk von Ralph Woodrow sollten diejenigen lesen, die meinen es bei Hislop mit einem
ernsthaften historischen Werk zu tun haben. Die "Beweisführung" Hislops wird
gründlich und systematisch widerlegt. Historische Wahrheit war und ist keine Stärke der
fundamentalistischen Sekten, die die Verbreitung dieses Werkes fördern. Hauptsache der
Papst ist der Antichrist!
Ein weiteres dortiges Urteil äußert:
Dieses Buch hat nur einen Zweck: Die römisch-katholische Kirche als heidnische Religion
mit babylonischen Wurzeln darzustellen. Ein sehr dickes Buch mit Behauptungen und
Fußnoten, die der Leser nicht nachvollziehen kann, sondern nur glauben muß. Das Buch
stammt aus dem 19. Jhd. aus England, wo eine extreme anti-katholische Stimmung geherrscht
hat. Eine populäre Form dieses Buches hat Ralph Woodrow geschrieben. Nach gründlicher
Recherche hat dieser Autor seine und auch die Ansichten Hislops als grundlegend falsch
angesehen und einen Widerruf ("The Babylon Connection?") geschrieben. Dies ist
umso erstaunlicher, da es sich um einen Fundamentalisten gehandelt hat, die ja nur selten
ihre Meinung ändern. Wer dieses Buch für bare Münze nimmt ist an echter Geschichte
nicht interessiert. Ein Buch zur Bestätigung von bestehenden und unhaltbaren Vorurteilen.
Wenn die WTG Hislop als Historiker verkauft, dann war wohl auch ein Martin Luther ein "Historiker". Tatsächliche Historiker bescheinigen beiden Persönlichkeiten indes, dass sie genau jenes eben nicht gewesen sind. Unbeschadet ihrer Verdienste auf anderen Feldern.
Nun kann allerdings die WTG zu Recht darauf verweisen, nicht nur Hislop hat behauptet, das Weihnachtsfest habe heidnische Wurzeln. Es wäre meines Erachtens auch müßig, dass im Detail bestreiten zu wollen. Es ist mittlerweile ein kultureller Brauch geworden. Genauso wie für die WTG die Verwendung des Jehova-Namen kultureller Brauch ist, und sie sich davor scheut, sich etwa in "Jahwes Zeugen" umzubenennen. Ebenso scheuen sich die Kirchen am Weihnachtsbrauch grundlegende Kritik zu üben. Im Prinzip haben somit beide Parteien, ihre jeweiligen (unterschiedlichen) "Leichen im Keller".
Dies wird auch deutlich durch die in der gleichen
"Erwachet!"-Ausgabe abgedruckte Polemik gegen den Karneval. Man liest da
beispielsweise:
"Beim letzten Karneval stauten sich auf den Straßen längs des Rheins mehr als drei
Millionen Menschen, um an dem Fest und Vergnügtsein teilzunehmen. Protestanten wie auch
Katholiken schlossen sich der wilden Lustbarkeit an. Die deutsche Strenge gab dem
ungestümen Gelächter, der Musik und dem Tanzen nach. Die ganze Atmosphäre erschien fast
wie hypnotisch, denn die Massen waren wie hingerissen und standen völlig unter dem
Fastnachtseinfluß
"
In beiden Fällen: Weihnachten und Karneval, wird man wohl sagen können. Da wirkt eine gehörige Portion Neid im Hintergrund mit. Beide "kulturellen Bräuche" vermögen Menschen durchaus in gewissem Umfang zu mobilisieren. Es ist sogar ein faktischer Posten der sich in Euro und Cent beziffern ließe. Diese Mobilisierung hätte die WTG natürlich gerne auf ihre Mühlen geleitet gesehen. Weil das so eben nicht klappt, deshalb diese Neidthesen.
http://www.eisbaerle.de/uebersetz.htm
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