Notizen aus „Unser Königreichsdienst" 1963

Königreichsdienst 1963
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. Januar 2013 01:46
Auf ein Auto - verzichten
Die WTG-Statistiker haben in ihrem Verkaufsförderungs-Blatt namens „Königreichsdienst", Ausgabe Januar 1963, wieder mal mächtig zugeschlagen.
Was so ein Zahlenverliebter Statistiker ist, welcher sich an seinen Tabellen ergötzt, der will natürlich alles ganz genau wissen.
Ergo ermittelten die WTG-Statistiker erstmal die Altersstruktur ihrer „Verkündiger" in Westdeutschland.
Und dabei stellten sie fest:
33 % von denen seien im Alter zwischen 31 bis 50 Jahre, gefolgt von
30 % im Alter zwischen 51 bis 70 Jahre, und dann noch
20 % im Alter von 16 bis 30 Jahren.
Die fehlenden nicht ausgewiesenen 17 Prozent verteilen sich demnach auf Verkündiger „bis 15" beziehungsweise „über 70" Jahre.
In der Mai-Ausgabe 1963 lassen sich besagte 17 % noch weiter eingrenzen.
Danach seien in Westdeutschland 9 % aller „Verkündiger" unter 15 Jahren alt.
Demzufolge kann die Gruppe der über 70jährigen „Verkündiger" mit 8 % veranschlagt werden.
So ist halt wieder mal die Statistik-Welt „in Ordnung".
Allenfalls wäre zu fragen, wie genannte Altersstruktur im Vergleich zur übrigen Bevölkerung zu werten ist.
Offenbar aber schielen die WTG-Statistiker dann wohl auch besonders, auf die Gruppe der 51 bis 70 jährigen" (also jenen 30 Prozent) und haben für die auch gleich einen „praktischen Ratschlag" zur Hand,
Und der lautet dann;

„In vielen Fällen kann ein ,Auto zu einer finanziellen Last werden, die jemand daran hindert, seinen Pionierdienst fortzuführen."

A ja, nun weis man schon, worum es der WTG geht. Um besagten Pionierdienst. Auch dafür haben unsere WTG-Statistiker gleich die „passenden Zahlen" zur Hand, indem sie rekapitulieren, in Westdeutschland jenes Jahres gäbe es nur
783 allgemeine Pioniere,
355 Sonderpioniere und
577 (zeitweilige) Ferienpioniere.
Sind das nun für die WTG „berauschende" oder weniger berauschende Zahlen? Offenbar tendiert sie selbst zu letzterer Variante, und sucht nun gegenzusteuern.
Eines ihrer Ratschläge dabei wie bereits vernommen. Ein Auto müsse nicht sein. Letztere These untermauert sie dann noch durch den mitgeteilten „Erfahrungsbericht":

„glaubt die Gesellschaft, daß man nicht unbedingt ein Auto braucht. Ein Pionier von 73 Jahren wohnt, in einer ländlichen Gegend und hat während vieler Jahre zu Fuß einen sehr wirkungsvollen Dienst geleistet. Es gibt noch viele Pioniere, alt an Jahren, die in ähnlichen Situationen oft ohne den regelmäßigen Gebrauch eines Wagens freudig im Pionierdienst verbleiben."

Noch was stellten die WTG-Statistiker fest:

„Aus den Berichten ist zu ersehen, daß einige Verkündiger viel Literatur abgeben, aber keine Studien durchführen.
Nur 36.3 Prozent der Verkündiger Westdeutschlands nehmen am Bibelstudienwerk teil."

Was die WTG da als „Bibelstudienwerk" bezeichnet, ist da facto, wie man weis, das „Studium" eines der WTG-Bücher.
Und wie man vernahm wünscht sich dabei die WTG ein „Mehr" und hat dabei besonders ihre „Vielverkäufer" im Blick, die sie weiter „motivieren" möchte.
Wie? Wurde schon gesagt.
Unter anderem mit der „Empfehlung" auf ein Auto zu verzichten!

Zieht euch warm an!
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Februar 2013 01:21
Königreichsdienst 1963
Laut im „Königreichsdienst" Ausgabe Februar 1963 abgedruckten Zeitplan, sind 23 Minuten für einen „Vergatterungs-Vortrag" vorgesehen mit dem Motto:

„Auf die 20 % Zunahme hinwirken".

Besagte 20 % sollen dann wohl besonders im Monat April erreicht werden, jener Monat also, in welchem für 1963 das jährliche Gedächtnismahl terminlich liegt.
Als konkrete Quote nennt die WTG in dieser KD-Ausgabe für Westdeutschland noch;

„Unsere 20%-Quote für April beträgt 84 795 Verkündiger".

Da für besagtes Gedächtnismahl die Verwendung von Einladungszetteln als sinnvoll erachtet wurde, wird im KD nicht vergessen mit hinzuzufügen

„Einladungszettel für das Gedächtnismahl können bei der Gesellschaft bestellt werden. Verwendet dabei den regulären Bestellschein für Handzettel. Der Preis beträgt für 1000 Stück 1,25 DM, für 500 0,75 DM und für 250 0,50 DM."

Also selbst für solch banale Einladungszettel kassierte die WTG von ihren Verkündigern einen Beitrag, den letztere dann wohl schwerlich an die Einzuladenen weiter geben konnten.
Mögen die genannten Preis gering erscheinen, so gilt wohl, das auch „Kleinvieh Mist macht".
Eine 20 % Mehrung ist unfraglich ein hochgestecktes Ziel. Wie aber sah die Wirklichkeit aus?
Auch darüber berichtet jene KD-Ausgabe, wenn sie denn weiter verlautbart:

„Eine Analyse unseres Dezember-Berichts zeigt, daß wir statt unseres Zieles von 10% eine Zunahme von 3% erreichten. Nach den vorliegenden Unterlagen ist die Zahl der Verkündiger-Dienstkarten so hoch, daß wir eine Mehrung von 8,7 % erreicht hätten, wenn all diese Verkündiger im Dezember tätig gewesen wären."

Und weiter:

"Im letzten Jahr erreichten wir eine Mehrung von 4,2%; unser Ziel war jedoch 10 %."

Wenn, wenn ...
Die WTG wäre nicht die WTG, würde sie nicht versuchen gegenzusteuern. Dafür steht dann auch der Satz:

„Wenn ein Aufseher bemerkt, daß jemand das Zehn-Stunden-Ziel noch nicht erreicht, kann er mit solchen Verkündigern einen Zeitplan ausarbeiten".

Salbungsvolle Worte dieses „Zeitplan ausarbeiten". In der Praxis dürfte es eher einem massiven Nötigungsversuch, wiederum in „salbungsvollen Worten" verpackt, gleichkommen.

Für den vorangegangenen Monat Dezember wird seitens des KD notiert:

„Unser Zeiteinsatz entspricht mit 8,8 Stunden pro Verkündiger etwa dem Ergebnis des letzten Dezember-Berichts. Damals erreichten wir 8,9 Stunden pro Verkündiger. Dieser Durchschnitt von 8,8 Stunden ist im Verhältnis zu den übrigen Monaten des gegenwärtigen Dienstjahres ziemlich niedrig. Wir müssen jedoch dabei berücksichtigen, daß es während des ganzen Monats Dezember in unserem Land sehr kalt war."

Auch da hat die WTG wiederum einen „passenden" Ratschlag zur Hand, und der lautet banal:

„So zieht euch warm an ..."

Blinde Schwester, ungläubiger Ehemann, vier Kinder
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 06. März 2013 00:32
Königreichsdienst 1963
Penetrant schallt einem im „Königreichsdienst" Ausgabe März 1963 (symbolisch gesprochen) „in jeder 5 Zeile" der Begriff 20% Mehrung entgegen.
Diesem Ziel dienen dann auch etwa die verordneten „Erfahrungsberichte" aus dem Jahrbuch, welche den „Verkündigern" unter die Nase gerieben werden. Etwa die aus Südrhodesien wo eine fünfköpfige Familie, laut WTG-Angaben

„einen Weg von 85 Kilometern über unwegsame Bergpässe und gefährliche Flüsse zurückzulegen hatte, um sich auf einem Kongreß taufen lassen zu können.
Darunter war eine Frau, die ihr kleines Kind auf dem Rücken mittrug"

Oder

„ein Ehepaar mit sieben Kindern, das auf den Philippinen in einer Bergprovinz wohnt, die im Laufe der vergangenen 10 Jahre keine Zusammenkunft versäumt hätten, obwohl sie, um zum Königreichssaal zu gelangen, vier Stunden unter schwierigen Verhältnissen zu Fuß gehen müssten."

Und mehr auf deutsche Verhältnisse bezogen, wird der Sketch geboten:

„Eine Schwester erzählt, daß ihr Mann gleichgültig sei und nicht mit ihr zusammenarbeite, weshalb sie am Wochenende nicht von Hause weggehen könne. Sie ist entmutigt. Der Studienleiter erzählt ihr von einer blinden Schwester aus Malaya. die neben ungläubigen Ehemann auch vier kleine Kinder zu versorgen hat."

Soll man über solcherlei Aufpeitschungs-Erfahrungen nun lachen oder doch lieber weinen?
Weiter belehrt diese KD-Ausgabe

„Solche, die ans Haus gebunden können in ihrem Heim Predigtdienst verrichten indem sie Briefe schreiben und Besuchern Zeitschriften anbieten. Helft älteren Brüdern, die schlecht zu Fuß sind, indem ihr ihnen, passendes. Gebiet, zuteilt. Händigt ihnen Nachbesuchszettel oder Abonnement-Ablaufzettel aus und helft ihnen in ihr Gebiet zu gelangen."

Dazu gibt es dann noch die Vergatterungs-Anweisung-"Empfehlung".

„Die Felddienstzusammenkünfte am Sonntagmorgen sollten pünktlich beginnen. Achtet darauf, daß sie nicht länger als 15 Minuten dauern, damit die Gruppe rechtzeitig mit dem Felddienst beginnen kann. Wir schlagen vor, daß alle Verkündiger zwei Stunden von Haus zu Haus arbeiten und wenn möglich noch in einer Stunde Nachbesuche oder Bibelstudien durchführen."

Auch das vergißt diese KD-Ausgabe nicht anzumerken:

„Welche Aufgabe fällt den Aufsehern zu? Sie sollten die Kartei der Verkündiger-Dienstkarten durchgehen, um zu überprüfen, was unternommen werden kann, um einige Untätige und unregelmäßige Verkündiger schon im März zur Tätigkeit anzuspornen."

Und auch diese Anweisungs-"Empfehlung" gibt es:

„Wenn ihr als Verkündiger bis jetzt ein Abonnement (für den „Wachtturm" und oder auch „Erwachet!"), als Pioniere zehn und als Sonderpioniere fünfzehn Abonnements erreicht habt, haltet ihr Schritt mit unseren Zielen, die wir uns gesteckt haben."

Bei der Lektüre dieses Vergatterungsblattes, kann einem in der Tat speiübel werden!

Re: Königreichsdienst
geschrieben von:  X ~ mysnip
Datum: 07. März 2013 17:29

Drahbeck
Penetrant schallt einem im „Königreichsdienst" Ausgabe März 1963 (symbolisch gesprochen) „in jeder 5 Zeile" der Begriff 20% Mehrung entgegen.
Diesem Ziel dienen dann auch etwa die verordneten „Erfahrungsberichte" aus dem Jahrbuch, welche den „Verkündigern" unter die Nase gerieben werden. Etwa die aus Südrhodesien wo eine fünfköpfige Familie, laut WTG-Angaben

„einen Weg von 85 Kilometern über unwegsame Bergpässe und gefährliche Flüsse zurückzulegen hatte, um sich auf einem Kongreß taufen lassen zu können.
Darunter war eine Frau, die ihr kleines Kind auf dem Rücken mittrug"

Ob auch Krokodile in den Flüssen waren?

UNSER KÖNIGREICHSDIENST Januar 1994 S. 1
Der Besuch der Zusammenkünfte - eine ernste Verantwortung ...
Einige unserer Brüder laufen stundenlang über staubige Wege und überqueren Flüsse voller Krokodile, um den Zusammenkünften beizuwohnen.

Re: Königreichsdienst

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 08. März 2013 02:59

X ~ mysnip
Ob auch Krokodile in den Flüssen waren?

UNSER KÖNIGREICHSDIENST Januar 1994 S. 1
Der Besuch der Zusammenkünfte - eine ernste Verantwortung ...
Einige unserer Brüder laufen stundenlang über staubige Wege und überqueren Flüsse voller Krokodile, um den Zusammenkünften beizuwohnen.

Das mit den Krokodilen hatte schon Josy Doyon
(12. 5. 1932 - 24. 8. 2011) in ihrem Buch "Hirten ohne Erbarmen" auf makabre Art "beeindruckt". Der entsprechende Passus bei ihr mal in einem etwas größeren Kontext:

Man hatte mir schon in London bedeutet, dass die Gesellschaft keinen Widerspruch dulde. Sie sehe es auch nicht gern, wenn Brüder gewisse Dinge selbst zum voraus wissen wollten. Man solle sich gedulden. Die Gesellschaft werde schon zur rechten Zeit neue Wahrheiten ans Licht bringen. Man solle mit der Wahrheit nicht vorauseilen wollen, das gebe nur Unordnung, und das dulde Jehova in seiner Organisation nicht. Man hatte also an sämtliche Rechenresultate zu glauben, auch wenn es einem schwer fiel, und man sie im geheimen immer wieder anzweifelte.
In der Versammlung durfte man natürlich solche Zweifel nicht äussern. Dort wurde anhand von Demonstrationen ja auch gezeigt, dass ein Zeuge keine Lebensversicherung abschliessen solle, da das im Angesicht Harmagedons überflüssig und nutzlos sei. Auch Sparbücher für die Kinder müsse man nicht anlegen, diese würden sie ja gar nicht mehr brauchen. Überhaupt solle ein rechter Zeuge sein Geld nicht auf die Bank legen, sondern damit die Königreichsinteressen fördern, da ihm das Lohn in der neuen Welt einbringe.
Es gebe Zeugen, die tatsächlich ihre Häuser verkauften, nur um an einem Weltkongress teilnehmen zu können.
Das sei die richtige Wertschätzung. Andere kündigten ihre Stellen, weil sie zur Zeit eines Kongresses keine Ferien bekommen konnten. Das sei wahres Gottvertrauen. Es wurde von Zeugen berichtet, die jede Woche viele Stunden marschierten, gefährliche Flüsse, in denen Krokodile hausten, samt ihren Kindern durchschwammen, nur um die Versammlung besuchen zu können. Angesichts solcher Wertschätzung müsse man doch zugeben, dass es für einen Zeugen überhaupt keinen stichhaltigen Grund gebe, auch nur eine Versammlung zu versäumen. Müde sei jeder einmal, aber Müdigkeit könne man überwinden und wer ans Bett gefesselt sei, der könne sich ein Telefon in seiner Wohnung einrichten lassen.

Mir schwindelte oft über diesen heldenhaften Beispielen.

Josy Doyon

Aus dem Forumsarchiv A238 noch dieses Zitat:

Witzbolde haben denn auch schon mal jene WTG-Krodil-Storys, etwa der Art:

"Die vielleicht ungewöhnlichste Taufe wurde jedoch im Luapula-Fluß in Kashiba (Nordrhodesien) veranstaltet. Der Fluß wimmelt von Krokodilen, und daher bildeten eine Anzahl Brüder mit ihren Booten (es handelte sich um ausgehöhlte Baumstämme) auf dem Fluß um die Taufstelle einen Kreis. Die Krokodile blieben fern, und die Taufe von 580 Brüdern ging reibungslos vonstatten."

Witzbolde haben denn solcherlei Storys schon mal auf ihre eigene Art gedeutet; etwa so:
"Wisst Ihr,- wie Krokodile gefangen werden?
Es wird ein Klappstuhl, ein Seil und ein Erwachet benötigt.
Damit geht der Fänger der Krokodile an den Nil. Klappt den Klappstuhl auf, legt das Seil daneben, und fängt an im Erwachet zu lesen. Diese Lektüre ist so langweilig, daß der Fänger einschläft. Dann kommt das Krokodil angekrochen. Beim Einschlafen des Fängers viel das 'Erwachet!' zur Seite neben den Klappstuhl, daß Krokodil kriecht heran, fängt im Erwachet an zu lesen, weil es interessiert ist.
Da dieses so langweilig ist, schläft das Krokodil ein.
Nun da der Fänger eher einschlief, als das Krokodil, wacht dieser eher auf, nimmt das Seil und fesselt das schlafende Krokodil. Das kann solange fortgesetzt werden, solange die WTG noch Erwachet druckt.

Zum Hintergrund:

Ein Sammelsurium unterschiedlicher Meldungen, kann man der "Erwachet!"- Ausgabe vom 22. 12. 1957 entnehmen. Zum Beispiel jene aus Sambia (Afrika), welches damals noch den Namen Nordrhodesien trug.

Ihr zufolge hätten sich einige Afrikaner eine zwei- bis dreiwöchige Fußreise auf sich genommen, um eine der Zeugen Jehovas Kongress-Veranstaltungen zu besuchen.
Ein anderer, sechzig Jahre alt, habe zu diesem Zweck mit dem Fahrrad eine Strecke von 800 km zurückgelegt. usw."

Re: Aus dem Jahrbuch 2013 - Zwei kamen huckepack
geschrieben von:  Frau von x
Datum: 09. März 2013 12:26

X~mysnip
UNSER KÖNIGREICHSDIENST Januar 1994 S. 1

Der Besuch der Zusammenkünfte - eine ernste Verantwortung ...
Einige unserer Brüder laufen stundenlang über staubige Wege und überqueren Flüsse voller Krokodile, um den Zusammenkünften beizuwohnen.

S.113: Wollte die Versammlung Matupi den 270 Kilometer entfernten Kongress in Hakha besuchen, bedeutete das einen sechs- bis achttägigen Fußmarsch hin und wieder zurück. Auf solchen Gewalttouren waren die Brüder nicht nur dem rauen Wetter ... ausgeliefert, sondern auch Moskitoschwärmen und allen möglichen anderen Plagegeistern, besonders in der Regenzeit. ...
Doch Blutegel sind nicht das Einzige, was einem auf den Touren ... über den Weg laufen kann. Da gibt es Wildschweine, Bären, Leoparden, Tiger, und manche sagen, Myanmar hätte mehr Giftschlangen als irgendein anderes Land der Erde.

Drahbeck
Ein Sammelsurium unterschiedlicher Meldungen, kann man der "Erwachet!"- Ausgabe vom 22. 12. 1957 entnehmen. Zum Beispiel jene aus Sambia (Afrika), welches damals noch den Namen Nordrhodesien trug.

Ihr zufolge hätten sich einige Afrikaner eine zwei- bis dreiwöchige Fußreise auf sich genommen, um eine der Zeugen Jehovas Kongress-Veranstaltungen zu besuchen.
Ein anderer, sechzig Jahre alt, habe zu diesem Zweck mit dem Fahrrad eine Strecke von 800 km zurückgelegt. usw."

Und hier setzt die WTG noch einen drauf (Vorsicht Wortspiel).

S.168: ... machten sich Tausende Delegierte aus ganz Myanmar und dem Ausland auf den Weg nach Rangun. ... Zwei von einer Gruppe aus den Naga- Bergen, die 6 Tage unterwegs gewesen war, kamen huckepack an, weil ihre selbst gebauten Rollstühle schon früh kaputtgegangen waren.
:joke:

Münchens „Theresienweise"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 06. April 2013 04:38
Königreichsdienst 1963
Münchens „Theresienweise" auch als Oktoberfest-Gelände bekannt, soll nun im Jahre 1963 auch als Kongressgelände für die Zeugen Jehovas herhalten. Versteht sich ohne Bierausschank und ähnliches. Dafür halt das Zeugentypische Geseiere, welches wie Kritiker meinen, ja auch den Zweck erfüllt, seine Konsumenten „besoffen zu machen".
Nur mit den Unterkunftsmöglichkeiten für von auswärts Anreisende, sieht es in jener Gegend nicht so sonderlich rosig aus.
Zwar wird die Bundesbahn es erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass sie mit den Zeugen Jehovas, die Bereitstellung einiger Sonderzüge für jenes Spektakulum vereinbaren konnte. Indes ist damit die eigentliche Unterkunftsfrage ja noch nicht vom Tisch.
Und so belehrt die „Königreichsdienst"-Ausgabe für April 1963, die wenigen aquierierbaren Hotelunterkünfte sollten vorzugsweise ausländischen Gästen vorbehalten bleiben.
Ob die denn wie die KD-Ausgabe für Juni 1963 belehrt, darüber „erfreut" sein werden, dass auch in Hotels Zeugentypisch gepredigt werden soll, mag mal dahingestellt sein.
Auch die aus Deutschland außerhalb des Großraum München Anreisenden, sollten sich nicht der Illusion hingeben, in der Nähe der Theresienwiese einquartiert werden zu können. Sie müssten also auch an den Kongresstagen, mit umfänglichen Anfahrtszeiten zum Kongressgelände rechnen.
Sicherlich werden die Hersteller von Luftmatrazen erfreut gewesen sein, das sie via WTG wohl wieder mal das Geschäft des Jahres verbuchen konnten.
Und so belehrt denn genannte KD-Ausgabe:

„Die Versammlungsdiener können, von den Verkündigern Bestellungen für Luftmatratzen entgegennehmen. Das Stück kostet etwa 20 DM."

Und laut Juni-Ausgabe 1963 hätten es die Behörden, welche Schulen und ähnliches für Massenunterkünfte zur Verfügung stellen, zur Bedingung gemacht, dass jeder dort Einquartierte, mit einer Luftmatraze ausgestattet sein müsse.
Und weiter;

„Wir sind darauf angewiesen, auch dieses Mal wieder Massenunterkünfte einzurichten. Wer sich dazu in der Lage fühlt und entsprechend ausgerüstet ist, sollte die Möglichkeit, in eine Massenunterkunft zu gehen, unbedingt in Erwägung ziehen."

A ja „vornehm" formuliert. Was jene betrifft, die sich dazu „nicht in der Lage sehen", darüber hält sich der KD nicht weiter auf, denn der Fall ist ja eigentlich in „Jehovas Organisation" nicht vorgesehen - in der Theorie ...

Wie alle Jahre so auch 1963, gibt es wieder sogenannte „Sonderausgaben" des „Wachtturm" und „Erwachet!" namentlich auch im Hinblick auf die penetrant davor schon angekündigte „20 % Zunahme" konzipiert.
Ob diese hochgesteckten Ziele wohl Wirklichkeit werden? Leise Zweifel wollen einfach nicht weichen, wohl selbst bei der Redaktion des KD nicht, wenn sie sich auch zu der Angabe genötigt sieht:

„Wenn wir die Zwanzig-Prozent-Zunahme erreichen möchten, müssen zunächst einmal alle Verkündiger im Dienst stehen und zusätzlich etwa 7000 neue Verkündiger in den Dienst eingeführt werden."

Für diese Zielstellung muss wieder mal, das „letzte Aufgebot mobilisiert" werden, und daher teilt der KD auch noch mit:

„Verkündigern, die am 8. April noch nicht im Dienst waren und noch nicht berichteten, sollte liebevolle Hilfe und Aufmerksamkeit zuteil werden. Der Hilfsversammlungsdiener wird jedem Studienletter die Namen derer angeben, die noch nicht im Dienst waren. Jeder Studienleiter sollte sich zum Ziel setzen, daß alle Verkündiger, die zu seiner Gruppe gehören, im Dienst stehen."

Nicht genug mit diesem ersten Ultimatums-Datum. Es gibt noch ein zweites für die „besonders störrischen" Fälle

„Wenn ein Verkündiger bis zum 21. April noch nicht im Dienst war, mag der Studienleiter den Wunsch haben, im Anschluß an die Felddienstzusammenkunft bei ihm vorzusprechen, um ihn noch für diesen Vormittag zum Felddienst einzuladen."

Es versteht sich dass WTG-seitig selbst Schulkinder für ihre Verkaufsaktionen bemüht werden. Und die Quoten für besagte „Sonderausgaben" sind ja nicht niedrig angesetzt.
Laut KD für die
Verkündiger 30 Stück
Allgemeine und Ferienpioniere bei 120 Stück
Und Sonderpioniere 180 Stück.
Da auch Kleinvieh Mist macht, soll auf diese Weise offenbar die WTG-Kasse weiter aufgefüllt werden.
Nun fühlt sich vielleicht nicht jeder „vom letzten Aufgebot" dazu in der Lage, beim Treppenterrierdienst für besagte Verkaufsaktion, den Leuten eine „qualifizierte Predigt" zu halten, was ja für das Verkaufsziel auch nicht unbedingt zwingend nötig ist. Man kann ja den Leuten in heiliger Einfalt - wie diese KD-Ausgabe auch belehrt einfach sagen:

„Hier sei die „Sonderausgabe der Zeitschrift „Der Wachtturm", die sie zusammen mit der neuesten Ausgabe von „Erwachet!" für 50 Pfennig entgegennehmen können."

Und da auch Kinder solche „einfachen Predigten" verwenden können - sollen, kann man sich sogar vorstellen, dass namentlich bei den Kinderverkäufern, dann das Geschäft sogar klappte ...
In der nächstfolgenden KD-Ausgabe für Mai 1963 wird erneut auf die USA verwiesen, wo 23% aller Verkündiger unter 15 Jahre alt seien
In Westdeutschland hingegen betrage dieser Prozentsatz für die gleiche Gruppe „nur" 9 %.
Die „Königreichsdienst"-Ausgabe für Oktober 1963 beziffert weiter:

„In Westdeutschland gibt es über 7000 Verkündiger, die fünfzehn Jahre oder noch jünger sind."

Deren weitere Animierung Ziel der WTG.
Dazu müssen wieder mal die berüchtigten Demonstrationen für diese Zielstellung herhalten, Und dazu heisst es dann in der Mai-Ausgabe 1963 des „Königreichsdienstes"

„Zum Schluß erwähnt der Vorsitzende ... Er weist alle Eltern auf das Vorrecht hin, ihre Kinder zu tatkräftigen Verkündigern des Königreiches heranzuschulen."

Möglichst gar als „Ferienpioniere" sollen sie dann agieren. Dazu die berüchtigte „Empfehlung" seitens des „Königreichsdienstes"

„Jüngere Glieder der Versammlung werden die Zeit ihrer Sommerferien als sehr günstig betrachten".

Vergammelte Zeitschriften
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. Mai 2013 03:55
Königreichsdienst 1963
Vergammelte Zeitschriften
„Was ist mit der Zeitschriftenabgabe geschehen?" fragt die „Königreichsdienst"-Ausgabe für Mai 1963.
Und dazu wird dann noch eine Statistik des Zeitschriften-Umsatzes für die Jahre 1957 - 1962 mitgeliefert.
Untergliedert in Versammlungsverkündiger, Allgemeine Pioniere und Sonderpioniere.
Sieht man die sich indes näher an, ist festzustellen, der Umsatz via Versammlungsverkündiger ist in den genannten Jahren verhältnismäßig stabil geblieben. Relevante Einbrüche bei den Umsatzzahlen sind eigentlich nur bei den Allgemeinen Pionieren und Sonderpionieren zu beobachten.
Die Allgemeinen Pioniere sackten zwischen 1957 und 1962 von 101,9 auf 97,2 abgesetzten Exemlaren ab. Meines Erachtens ist der genannte Rückgang aber immer noch im Bereich einer doch wohl zuzubilligenden Toleranzgrenze.
Etwas anders indes sieht es bei den Sonderpionieren aus.
Die setzten 1957 noch pro Nase 132,6 Exemplare monatlich ab. Hingegen 1962 nur noch 95, 6 Exemplare.
Eine Erklärung für diesen Umstand liefert die WTG dann noch selbst in dieser KD-Ausgabe, wenn sie auch schreibt;
„Sie (die Sonderpioniere) verdienen aber auch ein Lob, denn durch sie war es möglich, auch den letzten Fleck nichtzugeteilten Gebietes mit eifrigen Lobpreisern Jehovas zu besetzen."
Ergo werden diese dann von der WTG in den für sie besonders „steinigen Gebieten" vorrangig eingesetzt. Wenn dort die Umsatzzahlen nicht so wie gewünscht florieren, sind die Gründe dafür doch durchaus erkennbar.
Weshalb dann dieser aufpeitschende Artikel mit der Überschrift: „Was ist mit der Zeitschriftenabgabe geschehen?"
Der „begrabene Hund" kommt dann wohl eher in einer anderen Angabe in dieser KD-Ausgabe zum Vorschein. Und zwar der:

„Die Berichte zeigen, daß zwischen der Zahl der Zeitschriften, die von den Verkündigern und Pionieren als abgegeben berichtet werden, und der Zahl der Zeitschriften, die die Gesellschaft versendet, oft eine Differenz von Tausenden besteht."

Da nun fühlt sich die WTG bemüßigt zu kommentieren:

„Sammeln sich bei dir Zeitschriften an und werden sie alt? Falls ja, hast du schon erwogen, sie zu Krankenhäusern, Gefängnissen, Altersheimen, Erholungsheimen, Herbergen und dergleichen mitzunehmen, um sie dort den Insassen gegen einen freiwilligen Beitrag oder auch frei zu überlassen? Dies wird dem Anhäufen von Zeitschriften entgegenwirken."

Nicht hingegen wird hinzugefügt, wie die tatsächliche Praxis aussah.
Sicherlich nicht gering dimensionierte (aufgenötigte) Bestellungen für diese Zeitschriften, hat der kleine Verkündiger durchzuführen. Bei Auslieferung ist dann Vorkasse angesagt. Ob er die dann tatsächlich noch los wird, oder eben nicht. Die Kasse der WTG stimmte so schon mal immer. Die Kasse des kleinen Betörten, eher nicht.

Noch eine Notiz aus dieser KD-Ausgabe sei erwähnt. Der 13. August 1961 begann sich nunmehr in einer Beziehung, auch in Westdeutschland auszuwirken. Die Zeiten, wo eine florierende Wirtschaft ihren steigenden Arbeitskräftebedarf aus dem Ostdeutschen Reservoir mit decken konnte, gehörten nunmehr weitgehend der Vergangenheit an. Neue Wege musste diese Wirtschaft nunmehr einschlagen, in den Geschichtsbüchern unter dem Begriff sogenannter „Gastarbeiter" eingegangen.
Auch die WTG-Organisation passte sich durchaus dieser neuen Gemengelage an. Beleg dafür auch ihre nachstehende „Empfehlung", die man auch in dieser KD-Ausgabe lesen konnte. Bezugnehmend auf fremdsprachige nunmehr Mitbewohner empfiehlt die WTG:

„Selbst wenn ein Wohnungsinhaber die Broschüre oder das
Buch nur in seiner Muttersprache lesen kann, so mag es sein, daß er doch so viel Deutsch spricht, daß der Verkündiger ein Heimbibelstudium durchführen kann. In solchen Fallen liest der Verkündiger den Stoff in Deutsch, und der Wohnungsinhaber verfolgt denselben Stoff in seiner Sprache."

12 000 Ungetaufte
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Juni 2013 02:25
Königreichsdienst 1963
Erinnert man sich recht, war die WTG-Vorgabe, im Monat April 1963 (Monat des Gedächtnismahles) eine 20% Verkündiger-Zunahme haben zu wollen.
Und was wurde nun aus diesem hehren Ziel?
Darüber gibt dann die „Königreichsdienst"-Ausgabe für Juni 1963 Auskunft.
Zwar fand tatsächlich dann eine Mobilisierung des „letzten Aufgebotes" statt. Nur eben nicht in der anvisierten Größenordnung.
Erneut erwähnt der KD, im Dezember 1962 habe es „nur" eine Mehrung von 3 % gegeben. Ausgehend von diesem „Sockelbetrag" war die im April 1963 erreichte Mehrung von 10,4 % an Verkündigern, sicherlich beachtlich. Nur eben doch nicht identisch mit dem Mondziel der 20 %.
Aber das ahnt der KD auch; jene April-Mehrung wird wohl alsbald wieder von einer „Delle" eingeholt werden. Dafür steht dann seine Klage:

„In den Monaten Juni, Juli und August (des Vorjahres) waren pro Monat durchschnittlich 3411 Verkündiger weniger tätig als im April. Auch im Zeiteinsatz, Nachbesuchs- und Heimbibelstudiendienst ist in diesen Monaten ein großer Rückgang festzustellen."

Auch die in dieser KD-Ausgabe mit erwähnte Klage, in Westdeutschland seien 12.000 Verkündiger Ungetaufte, ist wohl auch nicht zu übersehen. Wenn man also im April 63 dort rund 78.000 Verkündiger erreicht haben will, und davon seien 12.000 Ungetaufte, dann ist das zwar einerseits ein Zeichen für die Mobilisierung des „letzten Aufgebotes". Andererseits ist dieser Anteil der Ungetauften, sicherlich nicht gering!
Da nicht sein kann, was nicht sein soll, wird als Antwort wieder mal auf „anfeuernde" Jahrbuch-Berichte verwiesen.
Etwa von der „Güte":
In Afrika seien einige
„drei Tage zu Fuß gegangen, um einen Kongreß zu besuchen, andere legten einen Fußweg von 500 km zurück, wieder andere fuhren 600 km weit mit dem Fahrrad"

Und weiter; „Eltern mit sieben Kindern haben (dort) während zehn Jahren keine Zusammenkunft versäumt, obwohl es für sie eine vierstündige Fußwanderung erfordert, um von ihrer Wohnung zum Königreichssaal zu gelangen."

Wem das immer noch nicht reicht, der wird weiter belehrt:

„Andere haben ihre Arbeitsstellen aufgegeben, um zugegen zu sein, während noch andere ihr Geld zusammengelegt haben, um den Mittellosen zu helfen, so daß sie mit ihnen zugegen sein konnten."

Da kann man dann wohl als Kommentar nur noch anmerken. Hoffentlich gibt es dann für besagte „Andere" nicht noch ein eiskaltes Erwachen, wenn sie denn mal ihren Rausch ausgeschlafen haben!

Re: Vergammelte Zeitschriften
geschrieben von:  der einzig wahre Bauer
Datum: 15. Juni 2013 12:19
Für den "einfachen" Verkündiger war es eben schon immer eine Anstregung, Zeitschriften zu verkaufen. Damals wurden die Zeitschriften ja verkauft. Gleichzeitig waren die Verkaufsberichte auch ein Beweis dafür, dass die Verkündiger aktiv waren.

Die Zeitschriften an sich bewirken sicherlich nicht, dass jemand ein Zeuge Jehovas wird. Dafür sind Gespräche notwendig. Die zeitschriften sind quasi ein Türöffner für die weitere Missionierung.

Sonderpioniere benötigen solche Türöffner nicht. Sie sind besser geschult und können direkter auf Interessierte eingehen und geschickter ein Interesse erwecken. Somit ist das Lob sehr richtig und auch ehrlich. Das Ziel der Sonderpioniere muss nicht die Masse abgegebener Literatur sein (was es für Verkündiger sehr wohl sein sollte). Das Ziel der Sonderpioniere muss das 2beackern" des feldes sein. Und "Spezialkräfte" sind eben nicht an der abgegebenen Literatur zu bewerten.

Und heute geht der Einsatz der Sonderpioniere ja auch zurück. Man benötigt mehr Zugpferde und das können Pioniere in den Versammlungen sein. Die reisenden Diener sind da heute schon viel wichtiger. Sie haben mehr die Aufgabe Controller zu sein. Also auch keine Zeitschriften und Literaturverteiler.
Arbeitskittel mitbringen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 13. Juli 2013 03:25
Königreichsdienst 1963

„Bei dem Kongreß in Hamburg vor zwei Jahren seien bei 88 000 Besuchern bis zu 20 000 freiwillige Helfer benötigt worden"

teilt der „Königreichsdienst" für Juli 1963 mit. Er belässt es nicht bei dieser die Vergangenheit beschreibenden Notiz, sondern fügt noch hinzu, dass für den Kongreß in München des Jahres 1963 sich bis jetzt rund 10 000 Personen als freiwillige Helfer gemeldet hätten, was

„bedeutet, daß noch etwa 60 % der benötigten Helfer fehlen".

Und just dieser Aspekt wird dann noch lang und breit in dieser KD-Ausgabe thematisiert. Insbesondere werden auch von auswärts Anreisende dazu animiert, ihren Kongreßbesuch dann vorrangig als freiwilliger Helfer auszugestalten. Es werden als Demonstrations-Beispiele dann fiktive Fälle solcher geschildert, die klagen, in ihrem sonstigen Alltag schon mit vielerlei Überlastungssituationen zu kämpfen zu haben. Macht nichts, so die WTG-Botschaft. Dann können sie das gleich auch nochmals in München wiederholen.
Etwaige Anreisende, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, es dort mal „ruhig angehen zu lassen", vielleicht Stadtbesichtigungen und ähnliches einzuplanen, werden von der WTG mit dem Buhmann-Finger „vorgeführt". Nein, auch dort sollen sie bitte schön, zu erst und vor allem, sich für die WTG verausgaben.

Auch dieses muss diese KD-Ausgabe dann noch mitteilen.

„Trotz wiederholten Durcharbeitens der Stadt konnten bei weitem nicht genügend Unterkünfte in der Stadt selbst beschafft werden. Aus diesem Grunde müssen viele Brüder in den Nachbarstädten untergebracht werden. Wir bitten euch deshalb, die euch zugeteilten Unterkünfte bereitwillig anzunehmen, auch dann, wenn sie nicht in der Nähe der Theresienwiese oder gar nicht in München selbst sind."

Hingewiesen wird wiederum auf die akquirierten Massenunterkünfte, und das wer für solch eine vorgesehen sei, bitte schon seine Luftmatraze und Decken mitzubringen habe, nebst Arbeitskittel für die, welche sich da für die „freiwilligen Dienste" gemeldet hätten.

Über den Nutzen-Kosten-Faktor eines solchen Massen-Spektakulums reflektiert der KD lieber nicht. Und ob ein paar Nummern kleiner angesiedelt, nicht für alle erträglicher wäre"!

Der Zuwachsmarkt
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. August 2013 00:04
Königreichsdienst 1963
Erneut belehrt der "Königreichsdienst" für August 1963

„Personen, die nicht Deutsch sprechen, Zeugnis geben".

Es hatte sich ja gezeigt, dass in diesem Sektor für die WTG mit die (relativ) größten Zuwachsraten einfahrbar sind. Schon frühzeitig wurde das WTG-seitig erkannt und dazu entsprechende Anstrengungen unternommen. Etwa auch in der Form einer mehrsprachigen Broschüre mit „Kurzpredigten" und ähnliches mehr

Auch den Kinder-Verkündigern widmet diese KD-Ausgabe wieder mal ihr besonderes Augenmerk.
Da wird dann belehrt
:

„Was wird hinsichtlich der vielen Kinder in den Dienstzentren unternommen? Ist es vernünftig, wenn auch sie einen Zeitplan haben? Ja. Der Hilfsversammlungsdiener wird sie ermuntern und eng mit den Eltern zusammenarbeiten, damit den Kindern geholfen wird, einen praktischen Zeitplan zu haben. Es kann damit begonnen werden, die Kinder zunächst jede Woche regelmäßig am Zeitschriftendienst teilnehmen zu lassen. Zur gegebenen Zeit kann die Schulung dann auf die Tätigkeit mit den vereinfachten Predigten ausgedehnt werden."

In der KD-Ausgabe für Dezember 1963 wird dieser Aspekt dann noch weiter präzisiert.
Motto unter anderem, der 25 Dezember sei als „Sonderzeitschriftentag" in der WTG-Planung vorgesehen. Dabei sollen dann besonders auch „Untätige" mit motiviert werden. Und zu den Motivierungsanstrengungen gehört laut Dezember 63 KD-Ausgabe auch die:

„Der Hilfsversammlungsdiener nimmt sich vor, zwei Familien zu besuchen, um den Eltern zu helfen, ihren Kindern das Dienstvorrecht zu eröffnen."

Und weiter geht jener Text mit der Angabe:
„Ein schulpflichtiges Kind kommt hinzu und begrüßt den Hilfsversammlungsdiener. Er läßt es Prediger 12:1 lesen und erklären. Eine vereinfachte Predigt wird besprochen und von dem Kind gehalten, Vereinbarungen für den Dienst werden getroffen."

Und in dergleichen KD-Ausgabe wird dann noch solch eine vereinfachte Predigt für Kinder, mit dem Ziel des Verkaufes der NW-Übersetzung der WTG offeriert. Das liest sich dann so:

„Meine Eltern geben sich Mühe, mich über Gott und sein Königreich zu belehren. All dies interessiert mich sehr, und ich möchte Sie deshalb gern auf die 'Neue-Welt-Übersetzung' hinweisen. (Wenn das Kind lesen kann, möchte es Offenbarung 11:15 aufschlagen und lesen. Im anderen Fall wird nur die 'Neue-Welt-Übersetzung' gezeigt.) Diese Bibelübersetzung ist in einem verständlichen Deutsch geschrieben worden. Sie werden sich freuen, mehr über Gott und sein Königreich daraus kennenzulernen. Diese Bibelübersetzung verbreiten wir für 2,50 DM ..."

Der pure Organisationsegoismus, der aus diesen Anweisungen spricht!

Manöverkritik
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 17. September 2013 01:41
Königreichsdienst 1963
Gibt es für die gierige WTG eigentlich auch mal ein „genug"? Wohl Kaum.
Eigentlich sollte man ja meinen, die Höchstzahl von 107.164 Anwesende, beim öffentlichen Vortrag auf dem 1963er ZJ-Kongreß in München, wäre solch eine Zahl, um sich nunmehr „entspannt zurückzulehnen".
Sieht man sich indes
die „Manöverkritik" in der „Königreichsdienst"-Ausgabe vom September 1963 näher an, begegnet man nur einem: Klagen über Klagen.
Der KD jammert:

„Der Zeiteinsatz ging (für den Predigtdienst ging) im Juli auf 7,4 Stunden zurück."

Ergo zählt für die WTG nicht der Reiseaufwand für dieses Spektakulum, den ja viele unfraglich hatten.
Am liebsten hätte sie es gesehen, und hat dies im Vorfeld auch schon gefordert, das ihre Hörigen, vor dem Kongressbesuch im Juli noch besonders viel mehr Predigtdienst machen würden. Nun aber wurden es „nur" 7,4 Stunden, obwohl die WTG-Parole weiter lautete. Mindestens 10 Stunden pro Nase an Predigtdienst im Monat.
Die WTG-Statistiker glauben weiteren Grund zum klagen zu haben.
Im Vorfeld des Gedächtnismahl-Monats April war ja ihre penetrante Forderung eine 20 % Mehrung.
Tatsächlich konnte die WTG dann im April 1963 78.043 Verkündiger registrieren.
Im Juni 1963 waren es dann 74.855 und im Juli 1963 (dem Kongreßmonat)
71.959 Verkündiger.
Großer Jammer bei der WTG dieserhalb.
Das jemand der schon mit 180 als „Standardtempo" durch die Gegend rast, dann vielleicht mal einen Gang zurückschaltet, will sie einfach nicht wahrhaben. Am liebsten sähe sie eine Temposteigerung von 180 auf 220.
Sich keine Rechenschaft darüber ablegend was das auch bedeuten kann. Nämlich in der nächsten Kurve gegen einen Baum zu rasen, und dann wäre Schluss - endgültig Schluss!

Wieder mal in Euphorie schwelgen
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 14. Oktober 2013 00:08
Königreichsdienst 1963
Nun wurde auf den 1963er ZJ-Kongressen, auch erstmals die WTG-eigene NW-Bibelübersetzung (noch begrenzt auf das Neue Testament, auch wenn sie WTG letzere Bezeichnung nicht verwendet) in auch in einer Deutschsprachigen Ausgabe offeriert.
Die „Königreichsdienst".Ausgabe für Oktober 1963, wähnt daher wieder mal Grund für Euphorie zu haben.
Das liest sich in der genannten KD-Ausgabe dann so:

„Daß bei der richtigen inneren Einstellung und Begeisterung gute Ergebnisse erzielt werden können, wurde deutlich, als in Deutschland zum erstenmal das „Paradies"-Buch angeboten wurde. Alle Verkündiger gingen mit einem unvergleichlichen Optimismus ans Werk. Das Ergebnis war, daß 66.283 Verkündiger im Dezember 1959 77.103 Bücher in die Hände gutgesinnter Menschen legten."

Das nun möchte die WTG mittels dieser neueren Publikation nun im Dezember wiederholt oder gar übertroffen sehen.
Zur Vorbereitung auf diese hehre Ziel gehört dann wohl auch die Angabe in dieser KD-Ausgabe:

„Der Hilfsversammlungsdiener wird eine Liste aller untätiggewordenen Verkündigen, sowie jener, die nicht regelmäßig im Predigtdienst stehen, aufstellen. Der Versammlungs- und der Hilfsversammlungsdiener werden in diesem, Monat (Oktober), bei all diesen Verkündigern vorsprechen."

A ja mag man dazu sagen, solche vermeintlichen „Hirtengespräche" sind aber nur dann angesagt, wenn es gilt das Fußvolk wieder mal zum sich total für die WTG verausgaben, zu animieren, und namentlich den „unsicheren Kantonisten", dabei ein moralisches Feuerchen unter dem „Allerwertetsten anzuzünden."

Liberia
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. November 2013 12:00
Königreichsdienst 1963
Wie gehabt verkündet der „Königreichsdienst" für November 1963:

„Die weltlichen Feiertage geben uns eine Möglichkeit, die gelegene Zeit weise auszukaufen, vermehrt Dienst zu tun
Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Monat Dezember, einem Monat, den wir mit einer
10%-Zunahme gekrönt sehen möchten.
Alle Versammlungen werden am 25. Dezember einen besonderen Zeitschriftentag planen und durchführen. Bitte bestellt die gewünschte Anzahl zusätzlicher Exemplare umgehend, damit sie euch noch rechtzeitig zugestellt werden können."

Die Ausgabe für Dezember 1963 des „Königreichsdienstes" vermag dann zu vermelden:
„Im September stieg die Zahl der Versammlungen in der Stadt New York auf 144. Das bedeutet, daß in den letzten beiden Jahren 34 neue Versammlungen gegründet und zwei neue Kreise eingerichtet wurden."

Solcherlei Meldungen beflügeln dann die WTG im besonderen. Indes, mit Ausnahme von Dritte-Welt-Ländern, dürfte in anderen Industriestaaten, ähnliche Ergebnisse eher Seltenheitswert haben.

Dort kann es eher passieren, dass der WTG ein etwas rauerer Wind ins Gesicht bläst, wie die gleichfalls in der Dezemberausgabe 1963 enthaltene Angabe, Griechenland betreffend, deutlich macht.
Auch dort wollte die WTG ihr 1963er Kongressspektakel, möglichst Öffentlichkeitswirksam zelebrieren. Sich zunehmend in Griechenland formierender Widerstand gegen die WTG, bewirkte, was einem öffentlichen Massenwirksamen Kongress anbelangt, dass die diesbezüglichen Pläne, dort zur Makulatur wurden.
Man mag dieserhalb bezüglich der Drahtzieher der Griechisch-orthodoxen Kirche, keine sonderlich gute Meinung haben. Unbestritten. Andererseits war es dort eine Machtprobe, die zu jenem Zeitpunkt eben nicht zugunsten der WTG ausging.
Und prompt fordert der „Königreichsdienst" für Dezember 1963 zu massenhaften Protestschreiben auf, adressiert an griechische Behörden, aber auch an den damaligen griechischen Botschafter in Deutschland, mit Sitz in Bonn. Inwieweit deutsche Bürger das Recht haben, in dieser Form griechische Innenpolitische Entscheidungen zu kommentieren, darüber indes, blieb der KD eine Antwort schuldig.

Über das afrikanische Land Liberia wurde früher schon mal notiert:

„Ein Beispiel dafür ist das gleichfalls afrikanische Land Liberia.
Dort war es im Jahre 1963, anlässlich eines Kongresses der Zeugen Jehovas, zu einem Eklat in der Fahnengrussfrage gekommen. Erst unter brutaler Gewalt - nicht freiwillig - sahen sich ein Teil der dortigen Zeugen Jehovas genötigt, die Landesfahne zu grüßen, worauf übereifrige dortige Behörden bestanden hatten.

Nach einigen Jahren der Spannung, lenkte Liberias Präsident Tubmann in der Fahnengrussfrage gegenüber den Zeugen Jehovas ein. Grundlage für dieses "Gentleman-Agreement" war auf Seiten der Wachtturmgesellschaft auch der Hinweis:
"Das die biblische Bildung", so wie sie von den Zeugen Jehovas verkündet wird, "die beste Verteidigung gegen den atheistischen Kommunismus sei." Es heißt zu diesen Ausführungen weiter:
"Mr. Tubmann hörte (dem) eine halbe Stunde lang interessiert zu." [36]

Nun also im Jahre 1963 war der Liberia-Konflikt akut
Seitens des Herrn Tubman gab es damals die These:

"Die Zeugen Jehovas sind als Sekte in unserem Land willkommen, aber sie müssen sich an das Gesetz halten, das jedermann verpflichtet, die Fahne zu grüßen, wenn sie bei einer Zeremonie in seiner Gegenwart aufgezogen oder eingeholt wird, oder dann müssen sie solchen Zeremonien fernbleiben."

Wie bereits festgestellt war damit bei diesem Konflikt noch nicht das letzte Wort gesprochen.
Das dabei WTG-seitig auch ein massiver Druck aufgebaut wurde, macht dann wohl auch die Angabe im „Königreichsdienst" November 1963 deutlich:

„Alle Brüder möchten sich vergewissern, daß Briefe an die Regierung in Liberia wegen der Verfolgung der Zeugen Jehovas in diesem Lande gesandt werden, sofern es noch nicht geschehen ist.
Versammlungsdiener können bestimmte Brüder ansprechen und sie darum bitten, solche Briefe zu schreiben. Alle werden das Vorrecht, sich daran beteiligen zu können, sehr schätzen und es als eine wichtige Aufgabe betrachten."

Die CV Nr. 110 kommentierte seinerzeit zum Liberiakonflikt:
„Milton G. Henschel, Brooklyn, 1963 in Liberia
Als 1963 Milton Henschel vom Bethel Brooklyn, USA, als Sekretär von WTG-Präsident
K n o r r nach Liberia kam, zeigte sich wieder die heuchlerische, gespaltene Zunge der WTG. Hunderte afrikanische Zeugen und Milton Henschel wurden wegen der "Fahnengruß-Frage" verhaftet, schikaniert und verprügelt. Am 12. 3. 63 wurde Milton Henschel jedoch mit 26 "Ausländern" freigelassen.

Warum, weil sie durch einen afrikanischen Oberstleutnant hei der Regierung Tubman reklamieren ließen, "sie seien ja immerhin USA- Staatsbürger". Das geschah, während sie wußten und als Augenzeugen zusahen, wie die "einheimischen Zeugen Jehovas", ohne USA-Paßport, Männer und Frauen, wegen Nichtleistung des "Fahnengrußes" weiterhin verprügelt wurden.
"Treubleiben", genau mit diesem Wort hatte man sich öffentlich gebrüstet, demütig mitleiden mit seinen schwarzen Brüdern - für Milton Henschel war sein USA-Rock näher als seine theokratische Weste.
27 andere Zeugen hatten den "himmlischen Bürger" zugunsten des "weltlichen Bürgers" mit "USA- oder nigerianischem Paß", wie einen alten Rock einfach eingetauscht, derweil wegen der Fahne ruhig weiter geprügelt wurde.
Anschließend wurden die Versammlungen von "untreuen, schwarzen Brüdern" durch Ausschlußverfahren "gesäubert", damit alles in der rechten Ordnung bleibe, zum Lobpreis Gottes - so verordneten es jedenfalls die "Ausländer" später.

Man vergleiche auch den zeitlich später einzuordnenden Kommentar
Parsimony.6983

Geschäft ist Geschäft
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 16. Dezember 2013 00:04
Der „Königreichsdienst" für Dezember 1963 teilt mit:

„Preise für die „Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften": Pioniere DM 1,25; Verkündiger DM 2,25; Öffentlichkeit DM 2,50."

Und da schon mal die Finanzen angesprochen werden, vielleicht noch eine weitere Angabe aus dieser KD-Ausgabe. Jovial teilt sie mit:

„Alle Pioniere, die vor dem 1. Juli 1963 im Pionierdienst standen, erhalten ein „Jahrbuch" gratis. Die Bestellung dafür erfolgt über die Versammlung, die dann um eine Gutschrift bitten kann."

Also nichts da mit „einfach verschenken". Nein, eigens ein bürokratischer Weg muss dazu eingehalten werden, indem die Versammlung „dann um eine Gutschrift bitten kann".
Solcherlei „Geschenke" erwecken dann eher den Eindruck von „vergifteten Geschenken".
Noch eine Angabe aus dieser KD-Angabe.
Über das 1963er Kongressspektakel habe die WTG, zwar nur Englischsprachig eine 192seitige Publikation, angereichert mit diversen Bildern, publiziert. Das es die nur Englischsprachig gab, ist für die WTG kein Hinderungsgrund, sie auch in Deutschland, für Interessenten für 1,75 DM, bestellbar über örtliche Versammlungen, zu verkaufen. Und sollte ein Zeugen Jehovas-Verkündiger der Meinung sein, die auch in seinem Predigtdiensr absetzen zu können, hat die WTG auch in diesem Falle nichts dagegen. Zwar wird keine ausdrückliche Absatzkampagne dazu durchgeführt, was sich aber wohl lediglich aus dem Umstand erklärt. Eben nur Englischsprachig erhältlich.
Jetzt kommt es aber. Sicherlich interessierte sich der eine oder andere der WTG-Pioniere dann auch für diese Publikation. Die indes werden belehrt:

„Es ist ein Bericht, der euch, von großem Nutzen sein wird, und gewiß werdet ihr ihn auch bei Menschen guten Willens zurücklassen wollen. Er ist für 1.75 DM erhältlich. Pioniere zahlen denselben Preis."
Geschäft ist also Geschäft. Nichts da mit einem eventuellen Rabbat für die Pioniere!

Koenigrechsdienst 1962

ZurIndexseite