Notizen aus "Unser Königreichsdienst" 1960

"Königreichsdienst" 1960
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 06. Januar 2010 00:06
Seine zum WTG-Standard gehörende Vertreterschulung setzt der "Königreichsdienst für Westdeutschland" auch in der Ausgabe für Januar 1960 fort. An Superlativen herrscht wiederum kein Mangel. Etwa die:
"Der diesjährige 'Wachtturm'-Feldzug, sollte der bisher größte Feldzug werden."

Getreu dem Motto: Groß, größer am größten!
Die Firmen welche mit Abfallpapier ihr Geschäft betreiben, werden sicherlich diese WTG-Aktivitäten zu schätzen gewusst haben.
Versammlungsverkündiger sollen, man ahnt es schon, mindestens zwei Abonnements den Leuten aufschwatzen. Pioniere deren 20 und Sonderpioniere gar dreißig.
Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 05. Februar 2010 03:18
Soll man nun lachen, oder soll man lieber weinen über jenen Satz, welchen der "Königreichsdienst für Westdeutschland", für "gut" befand, um in seiner andächtig zuhörenden Schafherde zu kredenzen?!
Zitat:

"Ohne Zweifel bietet uns die Winterkälte während des Monats Februar eine gute Gelegenheit, unsere Willigkeit unter Beweis zu stellen ... Die Verkündigung ... darf nicht vom guten Wetter abhängig gemacht werden ..."

Ach ja, und um seine Witze auf die Spitze zu treiben, meint genannte KD-Ausgabe dann noch "jovial" empfehlen zu sollen:

"Es dürfte in diesem Monat bei kaltem Wetter ratsam sein, eure Haus-zu-Haus-Tätigkeit mit einigen Nachbesuchen zu verbinden, so daß ihr euch von Zeit zu Zeit wieder durchwärmen und dadurch länger im Dienst arbeiten könnt."

Dann vielleicht noch eine weitere Kurznotiz aus dieser KD-Ausgabe, in der Rubrik "Neue-Welt-Nachrichten".

Ort der Handlung. Die Salomoinseln. Die dortigen 63 Versammlungsverkündiger erzielten einen Predigtdienststunden-Durchschnitt von 27 Stunden. Aber jetzt kommt's. Der KD weis auch mitzuteilen:
"Die Bewohner ganzer Dörfer wollen Zeugen Jehovas werden."

Jene Erfolgsmeldung wird dann wohl noch übertroffen durch die Meldung im KD für April 1960, der wiederum bezüglich der Salomoinseln notiert:
"Im Dezember erstatteten 117 Verkündiger Bericht - eine Zunahme von 350 %."

Nun ist man ja namentlich in Bereichen der sogenannten Dritten Welt, einige Erfolgsmeldungen der Zeugen Jehovas gewöhnt.

Mit an der Spitze solcher Erfolgsmeldungen steht wohl eine "Insel am Ende der Welt" namens St. Helena, mit einer Verhältniszahl der Zeugen von 1 zu 30 zur übrigen Bevölkerung.

Siehe dazu auch
Parsimony.6747
Forumsarchiv282. Eintrag vom 13. November 2008 03:33 (dort am unteren Textende)

Vernimmt man jene die Salomoinseln bezüglichen Meldungen. dann fragt man sich in gewissem Umfang interessiert.
Und wie hat sich nun dort die Zeugenpopulation in den nachfolgenden Jahren entwickelt?

Nun, im Jahre 2007 betrug dort diese Verhältniszahl 1 zu 281.
Sicherlich auch eine der besseren Zahlen für die WTG - unstreitig.
Aber wenn man im Jahre 1960 schon mal mitteilte, "ganze Dörfer" dort, wollen Zeugen Jehovas werden, kann man sich doch wohl nicht ganz des Eindruckes erwehren, als haben einige aus diesen "ganzen Dörfern" es sich vielleicht doch wieder etwas anders überlegt.
Wer weiß?

Die religiöse Konkurrenz wird dort ja auch nicht gerade untätig sein.
Und da stellt sich schon die Frage, wie denn deren Erfolgszahlen so aussehen?

Einer Wikipedia-Angabe zufolge soll die religiöse Landschaft dort so aussehen:
32,8 % der Salomoner sind Anglikaner Church of Melanesia, 19 % sind Katholiken 17 % gehören der South Seas Evangelical Church an, 11,2 % sind Methodisten 10,3 % Adventisten und 9,7 % gehören sonstigen Religionen an.

Offenbar werden dort die Zeugen Jehovas pauschal nach wie vor den "sonstigen Religionen" zugeordnet. Dieser Angabe zufolge, lägen also auch die Adventisten noch um Längen vor den Zeugen Jehovas.

Auch wenn die sogenannte Dritte Welt nach wie vor, auch für die Zeugen Jehovas ihr Haupt-Erfolgsgebiet ist, lohnt es sich durchaus näher hinzusehen.
Und vor allem wird dann klar. Auch die religiöse Konkurrenz vermag sich dort zu behaupten, und nicht selten die Zeugen "auf die Plätze" zu verweisen.

Dies wiederum ist ein Zeichen dafür, dass der gigantische, auf die USA-Interessen ausgerichtete Egoistenverein WTG, nicht überall "gut gelitten" ist, trotz all seiner Anstrengungen!
Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von: prozessor
Datum: 20. Februar 2010 19:34

Zitat:

Drahbeck
"Es dürfte in diesem Monat bei kaltem Wetter ratsam sein, eure Haus-zu-Haus-Tätigkeit mit einigen Nachbesuchen zu verbinden, so daß ihr euch von Zeit zu Zeit wieder durchwärmen und dadurch länger im Dienst arbeiten könnt."

Solche Ratschläge gibt es heute ja immer noch ...

Zitat:

km 1/96 S. 2
Bei unfreundlichem Wetter Zeugnis geben. In den Wintermonaten müssen viele mit strenger Kälte, heftigen Schneefällen oder Regen fertig werden. Eine Gruppe von drei oder vier Verkündigern bespricht, wie sie sich trotz schlechten Wetters gut am Dienst beteiligen können. Viele Versammlungen bearbeiten in den Sommermonaten Landgebiete und konzentrieren sich im Winter auf Stadtgebiete. Weiter treffen sie Vorkehrungen dafür, daß die Treffpunkte für den Dienst im Gebiet stattfinden, und vermeiden so lange Wegstrecken. Einige sparen sich Mehrfamilienhäuser für Tage mit schlechtem Wetter auf. Haltet die Autogruppen klein, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Unterbrecht den Haus-zu-Haus-Dienst mit einigen Rückbesuchen. Tragt passende Kleidung, die euch warm und trocken hält. Gebraucht das Telefon, doch nur bei Personen, die euch zuvor ihre Zustimmung gegeben haben, oder schreibt Briefe, wenn es nicht vernünftig ist, hinauszugehen.
 
Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von: Drahbeck
Datum: 06. März 2010 01:22
Der "Königreichsdienst für Deutschland" Ausgabe für März 1960 (davorliegende Ausgabe trugen den Untertitel "für Westdeutschland". Nun offenbar umgeändert in "für Deutschland").
Genannte Ausgabe jubelt:
"Im vergangenen Jahr waren in unserem Land bei der Gedächtnismahlfeier 87.736 Personen anwesend."

Und weiter; Wunsch der WTG sei es nun, es mögen 1960 dann "100.000" werden.

A ja und wer es noch nicht selbst erahnte, wird weiter belehrt:
"Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, daß außer allen Verkündigern in jeder Versammlung gemessen an der Verkündigerzahl, noch 30 bis 40 Prozent Freunde der Wahrheit zugegen sind."

Also wie man sieht, an astronomischen Vorgaben herrscht bei der WTG kein Mangel!
Re: "Königreichsdienst" 1960 / heute
geschrieben von: Frau von x
Datum: 08. März 2010 11:58

Zitat:

Drahbeck
Der "Königreichsdienst für Deutschland" Ausgabe für März 1960 ...
"Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, daß außer allen Verkündigern in jeder Versammlung gemessen an der Verkündigerzahl, noch 30 bis 40 Prozent Freunde der Wahrheit zugegen sind."

UNSER KÖNIGREICHSDIENST März 2010:

Dankbarkeit für
das größte Geschenk von Gott

___________________________


1 ... Vor dem Gedächtnismahl nehmen wir uns besonders Zeit, um über dieses wertvolle Geschenk nachzudenken.
2 ...
3 Dankbarkeit zeigen: Unsere Wertschätzung für das Lösegeld motiviert uns, mit anderen über Jehova und die große Liebe zu sprechen, die er uns dadurch gezeigt hat, dass er seinen Sohn sandte (...). Manche Familien planen deshalb so, dass mindestens einer von ihnen in den Monaten März, April oder Mai Hilfspionier sein kann. Geht das nicht, ist es vielleicht möglich, seine Zeit so einzuteilen, dass man vermehrt im Dienst stehen kann (...). Aus Dankbarkeit werden wir auch anderen helfen, beim Gedächtnismahl dabei zu sein (...). Schreiben wir erst einmal auf, wen wir einladen möchten - Verwandte, Nachbarn, Arbeitskollegen, Personen, mit denen wir die Bibel studieren, und andere, die wir regelmäßig besuchen -, und setzen wir uns dann bei der Einladungsaktion zum Gedächtnismahl voll ein.
4 ...

Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 05. April 2010 00:47
Der "Königreichsdienst für Deutschland", Ausgabe April 1960 vermeldet:
"In den Vereinigten Staaten wurden im Januar 121.032 Abonnements erlangt - das beste Ergebnis, das jemals in einem Monat erzielt wurde. Letztes Jahr wurden im Januar 105.721 gemeldet."

Auch das muss die Statistik-Versessene WTG registrieren. Im Weltmaßstab geht es wohl nicht überall so fort.
Dafür steht dann wohl auch die verklausulierte Klage in dergleichen KD-Ausgabe.

"Im kalten Dezember 1959 verkündigten (weltweit) 862.721 Prediger die ... Botschaft. ... Diese Zahl liegt nur um 9016 unter der letztjährigen Verkündigerhöchstzahl."

A ja nochmals wiederholt. Also 9016 weniger als ein Jahr zuvor. Das aber kann in WTG-Sicht nicht sein. Ergo heissst deren Parole nun, im April des laufenden Jahres, solle, müsse es eine "20% Mehrung" geben.
Und das wird dann unter anderem auch noch für Deutschland als Spezialzahl spezifiziert. Die deutschen Leser des KD werden dann also belehrt, wenn es denn im April eine 20% Mehrung sein solle, dann "müßten" (wörtliche Vokabel) "müßten in unserem Lande 74.871 Verkündiger Bericht erstatten" (im April).

Das alle Hebel WTG-seitig in Bewegung gesetzt wurden, werden, dieses Ziel zu erreichen, kann wohl als gesichert unterstellt werden.
Allein die vorsichtige Vokabel "müssten" macht wohl auch deutlich. Auch das dämmerte einigen, zumindest im deutschen WTG-Büro. Ob das was Brooklyn da fordert, wirklich erreichbar ist, ist wohl eine Frage, deren Antwort dann auf "einem anderen Blatt steht."
Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 04. Mai 2010 03:27
Auch Vertreter lernen immer noch dazu.
Einen neuen Trick wusste der "Königreichsdienst für Deutschland", Ausgabe Mai 1960, freudestrahlend zu berichten.
Nachdem er mitteilt, vorrangige Aufgabe sei es das WTG-Buch "Vom verlorenen Paradies zum wiedererlangten Paradies", den Leuten aufzudrängen, mit der Zielstellung, ein "Heimbibelstudium" (besser formuliert wäre wohl WTG-Buchstudium) daran anzuhängen, kommt jetzt der "Clou". Die neue Innovation, die sofort via KD weiter gegeben wird. Das liest sich dann so:

Zitat:

"Ihr könnt das 'Paradies'-Buch, kurz nachdem ihr mit der Predigt begonnen habt, schon herausnehmen und dem Wohnungsinhaber in die Hand geben, statt damit bis zum Schluß zu warten. Brüder, die beauftragt wurden, die neue Predigt und diese neue Methode auszuprobieren, berichten, daß sie damit gute Erfahrungen gemacht haben."

Aber, damit ja nun keine Mißverständnisse aufkommen können, versäumt der KD es nicht, mit hinzuzufügen, dass der Abgabepreis für dieses Buch weiterhin 3,75 DM betragen würde.

Sollte also der so überrumpelte Wohnungsinhaber das eventuell mißverstehen, nach dem Motto "die wollen mir was schenken?", wäre es also Aufgabe der WTG-Betörten, den Betreffenden wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen. Nichts da, mit "schenken".

Weil wohl dieses Risiko besteht, dass ganze könne aber auch als "Geschenk" mißverstanden werden, ist der KD bereit, auch auf dieses Risiko einzugehen. Und so liest man dann in seinen jovialen Worten weiter:

Zitat:

"Wenn ihr jedoch nach einem Versuch das Empfinden habt, daß es euch besser liegt, die Literatur erst am Schluß anzubieten, dann tut dieses ruhig."

Allein im Dezember 1959, weis der KD weiter zu berichten, haben die WTG Treppenterrier auf diese Art und Weise 70.000 Exemplare jenes Buches umsetzen können.

Noch eine kleine Notiz in dieser KD-Ausgabe in der Rubrik "Bekanntmachungen". Danach wird als "Jetzt erhältliche Veröffentlichungen" auch bezeichnet:
"Fragebroschüre für die Bücher:
'Die Wahrheit wird euch frei machen'
In Deutsch und in Polnisch, und dito
"Das Königreich ist herbeigekommen" in Deutsch.

Beide genannte Bücher repräsentieren ja den Übergang von der Rutherford zur Knorr-Administration.
Rutherford lies alle Schriften mit seinem Namen versehen. Genannte Bücher waren die ersten WTG-Bücher, eben ohne Namenskennzeichnung.

Praktisch "gelesen" haben die allerwenigsten Zeugen sie. Unmittelbar nach 1945 war das WTG-Buch "Gott bleibt wahrhaftig", "dass" dominierende WTG-Buch fürs "Buchstudium", welches alles andere in die Bedeutungslosigkeit verdrängte. Auch als "Gott bleibt wahrhaftig" dann durch andere WTG-Bücher abgelöst wurde, blieben beide genannte Titel, weiterhin in der Versenkung.

Da fragt man sich, was soll denn nun das ganze? Und noch dazu erst im Jahre 1960?!
Die Übersetzerarbeit für diese Fragebroschüren wurde ja mal geleistet. Und so ergibt sich der nicht zu verwischende Eindruck. Sie sollte halt eben noch in klingende Münze umgesetzt werden. Dazu bestimmt, in den Bücherregalen der Zeugen zu verstauben!

Re: "Königreichsdienst" 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Juni 2010 03:00
Gelesen im "Königreichsdienst für Deutschland", Ausgabe für Juni 1960:

Zitat:

"Wie die Gesellschaft erfährt, nutzen einige Brüder ihre Verbindung mit der Neuen-Welt-Gesellschaft dazu aus, den Brüdern und Menschen guten Willens ihre Produkte zu verkaufen. Wie im 'Wachtturm' darauf hingewiesen wurde, geht es nicht an, daß Versammlungsglieder, Pioniere oder Verkündiger im Königreichssaal, in den Buchstudien oder auf größeren Versammlungen Verbindungen anknüpfen, um etwas zu verkaufen. Niemand sollte seine Stellung als Diener, Pionier oder Verkündiger dazu benutzen, um andere Brüder oder Menschen guten Willens aufzusuchen und ihnen seine Produkte zu verkaufen. ...
Mit dieser Mitteilung hoffen wir die VIELEN [Hervorhebung nicht im Original] Anfragen zu beantworten, die bei der Gesellschaft diesbezüglich eingegangen sind ..."

A ja, da haben nun die Betreffenden ihr "Donnerwetter" also weg.
Und was bewirkt's?
Vielleicht agieren einige nun zeitweise etwas vorsichtiger, bis der "Staub sich wieder etwas gelegt hat".
Den so oft publizierte die WTG Warnungen dieser Art in ihrem Schrifttum wohl kaum.
Weitaus öfter hingegen sind solche Praktiken bei den Zeugen Jehovas (sicherlich nicht "nur" bei ihnen) gang und gäbe.
Und dann denke man doch mal insbesondere an das Heer der von der WTG für den "Pionierdienst" Betörten. In materieller Hinsicht sind die doch in der Regel, kaum "auf Rosen gebettet".
Eine intensive Vertreterschulung erhalten sie ja allwöchentlich von der WTG.
Da auch für diese die Zwangsläufigkeit besteht, dass "der Schornstein von irgend etwas rauchen müsse", braucht man sich eigentlich nicht zu wundern, namentlich in diesen Kreisen (aber eben nicht nur dort) besonderen "Blüten" im Sinne des Vorgenannten zu begegnen.

Und dann geben wohl auch ansonsten die hauptamtlichen WTG-"Bettelmönche", die eine besondere Schnorrermentalität, nicht selten in nahezu beängstigend-perfekter Weise entwickelt haben, wohl kaum das "rechte" Vorbild für die da Attackierten, sofern es sich um "kleine Pioniere" handelt

Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. Juli 2010 00:53
Bezüglich der jährlichen Kongressveranstaltungen belehrt der "Königreichsdienst für Deutschland", Ausgabe Juli 1960, dass offenbar auch Privatquatiere dafür besorgt wurden (zu der Zeit. Also keine Hotelunterkünfte).
Und das lief dann so ab, dass örtliche Zeugen Jehovas sich bemühten, bei wildfremden Menschen Unterkünfte für die Kongressveranstaltung zu aquirieren. Die Unterkunftsadressen wurden dann auf dem WTG-"Dienstweg" den Betreffenden zugeleitet.

Nun besteht die KD-Belehrung darin, man möge schon im Vorfeld den Gastgebern, einen betont freundlichen Brief zusenden (mit symbolischen "Schmalz" darin nicht sparen).
Und auch nach der Kongressveranstaltung selbiges noch einmal.
Nun wird man sicherlich nichts dagegen einwenden können.
Es wird also alles in Bewegung gesetzt, um einen "möglichst guten Eindruck" zu hinterlassen.
Allenfalls wäre die Frage noch zu stellen, ob die Fassade des so erzeugten "Sonntagsgesichtes" denn wirklichkeitsädaquat sei.

Noch eine weitere Belehrung hält diese KD-Ausgabe für angemessen. Und zwar eingepackt unter der Überschrift: "Wenn man uns fragt: 'Sind Sie ein Zeuge Jehovas!'"

Der KD ahnt schon richtig, jene Fragesteller stellen diese Frage, um dann in der Regel "kurzen Prozess" zu machen. Mit anderen Worten. Die Tür geht zu.
Die Frage wird eben nicht im "einladenden" sondern im abwehrendem Sinne gestellt.
Nun wendet der KD alle seine Sophistik auf, um beispielsweise mittels Gegenfragen, dem so abwehrenden doch noch möglichst zu überlisten, und doch noch möglichst die einstudierte WTG-Predigt zur Anwendung zu bringen. Das geht dann fallweise soweit, gar in sophistischen Worten, sich selbst zu verleugnen.

Krieglist der WTG auch auf diesem Gebiet!
Josy Doyon (ihr Buch "Hirten ohne Erbarmen") etwa, berichtet über ihre eigene seinerzeitige Anwerbung durch die Zeugen Jehovas:

Zitat:

"Immerhin schien mir der Name «Bibelstudenten» noch einigermassen verheissungsvoll. Ich überlegte, dass diese Leute vielleicht so etwas ähnliches seien wie Theologiestudenten, die sich auf der Universität mit tiefschürfender Bibelforschung beschäftigten. Jedenfalls hatte ich den Namen noch nie unter den verschiedenen Sektenbezeichnungen gehört. Es war also anzunehmen, dass diese Bibelstudenten irgend einem Zweig der Kirche angehörten, wie die freie evangelische Gemeinde auch, die sich als lebendiger Zweig der halbtoten Kirche betrachtete. Es soll ja vorkommen, dass an halbverdorrten Baumstämmen noch muntere Zweiglein grünen. Und doch müsste man bei näherer Überlegung zugeben, dass noch Lebenssaft im Stamm sein muss, wie hätte denn sonst aus ihm noch ein Zweiglein sprossen können?"

Also das wäre dann so ein Veranschaulichungsbeispiel wie das in der Praxis ablief.

Als sie dann selbst schon fest an der "Angel" der Zeugen Jehovas hing, berichtet sie dann weiter an anderer Stelle etwa die Episode:

Zitat:

"Am nächsten Tag nahm mich der Kreisdiener wieder mit zum Predigtdienst. ... Wir gelangten schliesslich vor eine Haustür, wo uns eine ältere Frau öffnete. Sie blickte uns misstrauisch an und fragte nach des Kreisdieners Predigt, ob wir etwa Bibelforscher seien. Er verneinte es seelenruhig, und gab ihr die Literatur in die Hand, bevor sie sie zurückweisen konnte.
«Die Bibelforscher sind nämlich eine ganz schlimme Sekte, mit denen möchte ich nichts zu tun haben», fuhr die Frau fort.
Der Kreisdiener schüttelte den Kopf und sagte:
«Nein, die Sekte ist mir nicht bekannt.»
Ich stand wie auf Nadeln und meinte, sie müsse doch merken, dass Bibelforscher und Zeuge Jehovas ein und dasselbe sei. Aber sie merkte nichts und wurde zusehends freundlicher. Wir verabschiedeten uns und ich kniff mich in den Arm um zu sehen, ob ich das alles nicht geträumt habe. Aber da ging ich und neben mir der Kreisdiener, als wäre nichts geschehen.
«Warum hast du zu der Frau gesagt, die Bibelforscher seien dir nicht bekannt? Das ist doch nicht wahr!»
«Ja siehst du, wenn ich der guten Frau zugegeben hätte, dass wir Bibelforscher sind, dann hätte sie weder die Literatur angenommen, noch auf uns gehört. Also handelte ich in ihrem eigenen Interesse, wenn ich das tat. ..."
Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von: Alphabethus
Datum: 12. Juli 2010 09:16
Eine ähnliche "Erfahrung" ist mir in Erinnerung. Ich ging mit einem Kreisaufseher in einem Villenviertel am Ammersee von Haus zu Haus. Die Wohnungsinhaber riefen uns aus den weit im Garten liegenden Hauseingängen etwas zu. Wir standen am Zaun und der Kreisaufseher hatte keine Lust auf eine laute Konversation. Deshalb erklärte er "Guten Morgen, wir kommen in einer Erbschaftsangelegenheit". Daraufhin spurtete der Herr erwartungsvoll zum Gartentor. Der Kreisaufseher hatte inzwischen seelenruhig seine Bibel aufgeschlagen und las dem ziemlich peinlich berührten, verhinderten Erben den Text vor: "Kommet her gesegnete meines Vaters und ererbet das Reich"... Es ergab sich danach trotzdem kein längeres Gespräch über dieses Erbe...
Re: Erbe
geschrieben von:  . +
Datum: 12. Juli 2010 16:13
Hallo Alphabethus, 

Was will man schon von Menschen erwarten die Sonntag morgens an der Tür klingeln und behaupten das das Ende der Welt nahe wäre.
Je cleverer und unverblümter man lügt als umso geschickter galt man im Predigdienst.

Eine Standart Lüge ist zum Beispiel auf den Einwand des Wohnungsinhabers – „Ich habe meinen Glauben“ oder „Ich bin katholisch und wechsle meinen Glauben nicht“ einzugehen mit der Aussage: „Wir sind nicht gekommen um ihnen ihren Glauben wegzunehmen“ „wir bringen ihnen das Wort Gottes und suchen keine Neumitglieder“ etc.

Das erinnert mich spontan an eine Erfahrung die ein Bruder, - es muss wohl so um das Jahr 2006 oder 2007 gewesen sein, - auf einem Kreiskongress in Büchenbach auf der Bühne erzählte.
Er erzählte das er mit jemanden über Zeugen Jehovas ins Gespräch kam.
Ich glaube es war im Zusammenhang mit seiner Arbeit.
Er tat so, als wäre er kein Zeuge Jehovas, redete aber lobend von ihnen und verteidigte sie.
Die Cleverness des Bruders, das er gegenüber dem anderen verhehlte wer er ist, wurde von den 1000 Anwesenden aus den Versammlungen Regensburg und Straubing lachend beklatscht.

Ich glaube mich übrigens auch zu erinnern das ich als Kind – ich war vielleicht 10 Jahre alt – mal mit meiner Mutter auf einem Kongress auf der Bühne saß.
Wir demonstrierten als Vorzeigefamilie den Anwesenden wie vorbildlich wir regelmäßig das Familienstudium durchführten.
Das war auch gelogen.
Ich erinnere mich nicht nur an die Tischdecke des Tisches auf der Bühne sondern auch das ich meiner Mutter damals sagte das wir doch gar kein Familienstudium durchführten.

Wir mögen damals fanatische Sektierer gewesen sein, aber das Familienstudium fand in unserer Familie so in der zur Schau gestellten Form nie statt.
Ich erinnere mich in meiner ganzen Jugend an vielleicht höchstens 10 quälend trockene und todlangweilige „Familienstudienzwangssitzungen“.
Was meinen Vater aber nicht davon abhielt in Vorträgen in steter Regelmäßigkeit so zu tun, als fände bei uns ein Familienstudium statt oder von meinen Eltern bei Antworten in den jeweiligen Zusammenkünften entsprechend ermunternde Erfahrungen zum besten gegeben wurden, die den Eindruck erweckten es fänden bei uns Familienstudien regelmäßig statt.
Mag sein das die Eltern sich darum bemühten aber ich war nach solchen Aussagen der Eltern immer Froh das es nicht den Tatsachen entsprach. 

Apropos Kongress.

Wir haben dieses Jahr über 30 Grad im Schatten.
Wie jedes Jahr, werden auch dieses Jahr wieder bei den Kongressen der Zeugen Jehovas, in den offenen Sportstadien, wegen Hitzschlag Sektenmitglieder ihr Leben verlieren.

In München war das für gewöhnlich jedes Jahr so.
Re: Erbe
geschrieben von:  Conorr
Datum: 12. Juli 2010 17:56
Hallo "+" ;

Zitat:

Die Cleverness des Bruders, das er gegenüber dem anderen verhehlte wer er ist, wurde von den 1000 Anwesenden aus den Versammlungen Regensburg und Straubing lachend beklatscht.

Genauso kenne ich es !

Wie ich auch neulich geschrieben habe :
Wie oft hörte ich bei Versammlungen, dass wenn Menschen aus der "Welt" etwas passiert ist, egal in welcher Form, was die Zeugen in ihrer Ansicht bestätigt :
Das -Geschmunzele und Gelächter und wohlwolliges Grunzen - , man muss wirklich sagen, in erster Linie wohlwolliges Grunzen.
Dann, wenn wieder jemand übers Ohr gehauen wurde.
Am kommenden Wochenende ist ja in München Kongress, wie auch sonst
überall, bin ja gespannt !
Conorr

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Frau von x
Datum: 12. Juli 2010 19:15

Zitat:

Drahbeck

Josy Doyon (ihr Buch "Hirten ohne Erbarmen") etwa, berichtet über ihre eigene seinerzeitige Anwerbung durch die Zeugen Jehovas:
Immerhin schien mir der Name «Bibelstudenten» noch einigermassen verheissungsvoll. Ich überlegte, dass diese Leute vielleicht so etwas ähnliches seien wie Theologiestudenten, die sich auf der Universität mit tiefschürfender Bibelforschung beschäftigten. Jedenfalls hatte ich den Namen noch nie unter den verschiedenen Sektenbezeichnungen gehört. Es war also anzunehmen, dass diese Bibelstudenten irgend einem Zweig der Kirche angehörten, ...

Erwachet! für JULI 2010 S.26/27:
... Jehovas Zeugen organisieren jedes Jahr auf der ganzen Erde Kongresse, um die Gemeinschaft mit ihren Glaubensbrüdern zu genießen und sich besser mit der bibel vertraut zu machen. ...
Zu der Zeit, als der Kongress in Prag stattfand, nahmen dort etwa 30 Gehörlose bei Jehovas Zeugen Bibelunterricht. ...

Erwachet! für JUNI 2010 S.24/25:
... Lorena gab mir eine Bibel und versprach mir, ihren Bibellehrer, einen Zeugen Jehovas vorbeizuschicken. ...
Der WACHTTURM für JULI 2010 S.21:
...
:::
Auch Sie, lieber Leser, können beim Bibellesen noch mehr profitieren, wenn Sie sich Unterstützung suchen. Erkundigen Sie sich doch bei einem Zeugen Jehovas nach einem kostenlosen Bibelkurs, der bei Ihnen zu Hause stattfinden kann.


Margaret Thaler Singer meint in ihrem Buch 'Sekten':
Nicht alle, aber viele dieser Gruppen täuschen in der Anwerbungsphase falsche Tatsachen vor. Und samt und sonders verbergen sie alle das eigentliche Ziel.
Dem kann ich nur zustimmen. Oder wissen Menschen, die sich auf so einen Bibelkurs einlassen, daß gar nicht die Bibel, sondern ein Buch, herausgegeben von der Wachtturm-Bibel-und Traktatgesellschaft Hauptlehrbuch bei diesem Kurs ist und die Bibel nur schmückendes Beiwerk? Oder, daß das Ziel darin besteht, sie zu ZJ zu machen, die später ebenfalls andere werben?

(Wissen ZJ eigentlich, daß bei dem Versammlungsbibelstudium, welches sie wöchentlich besuchen, gar nicht die Bibel "studiert" wird?)
 

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 14. August 2010 01:30
Herausragend, ob allerdings im positiven Sinne, erscheint eher zweifelhaft, dürfte in der KD-Ausgabe vom August 1960, der darin enthaltene Artikel "Organisierte Geselligkeit" sein. Auf ihn wurde schon früher eingegangen.
Siehe
Auf Kriegsfuss mit der Geselligkeit

Die WTG muss halt immer wieder ihren Charakter als Antreiber- und Organisationsegoistischer Verein unterstreichen, was denn wohl auch dieser Artikel "eindrucksvoll" dokumentiert.
Ach ja, die Welt ist sicherlich nicht so, wie sie denn sein sollte. Pflegen aus diesem Grunde andere etwa "Suppenküchen" und ähnliches zu unterhalten, machen diesbezügliche Probleme, sicherlich auch um die Zeugen Jehovas keinen Bogen.
Und welche Art von Antwort versuchen letztere darauf zu geben?
Auch eindrucksvoll jene in dieser KD-Ausgabe.
Man fragt sich nur, nach deren Herkunft.
Etwa aus der Redaktion der seinerzeitigen Fernsehserie "Aktenbzeichen XYZ ungelöst"? Wohl kaum. Auf solche Fremdhilfe ist die WTG doch nicht angewiesen. Die kann dass doch selber viel besser!
In dieser Konsequenz liest man denn in dieser KD-Ausgabe in der Rubrik "Bekanntmachungen" auch die nachfolgende Warnung:

Zitat:

"In der letzten Zeit kam es wiederholt vor, daß sich Personen an Glieder der Neuen-Welt-Gesellschaft wandten, um von ihnen Geld zu erhalten. In verschiedenen Fällen gelang es ihnen, sich mehrere hundert DM zu erschwindeln. Diese Personen erzählen meist, daß sie unter schwierigen Verhältnissen leben oder aus der Ostzone kommen, um Mitleid zu erregen. Einige sind im Besitz von "Wachtturm"-, "Königreichsdienst"-Ausgaben usw. Und nennen auch die Namen bekannter Brüder, um auf diese Weise vorzutäuschen, daß sie Zeugen Jehovas sind. Die Gesellschaft warnt vor solchen Personen, da es sich hierbei nicht um Zeugen Jehovas handelt."

Solcherlei Warnungen haben ja bei der WTG bereits Tradition.
So konnte man bereits im "Informator" (Vorläufer des "Königreichsdienstes") vom Januar 1954 lesen:

Zitat:

"Es gehen immer wieder Berichte ein, wonach sich gewisse Leute als "Verfolgte aus dem Osten ausgeben" und dabei mit mehr oder weniger, großen Kenntnissen über die Organisation oder bekannte Brüder Geld für die Reise oder andere Zwecke erbitten. In allen bekannten Fällen handelt es sich nicht um Zeugen Jehovas. Diese Bekanntmachung ergeht damit Brüder vor solchen Personen auf der Hut sein möchten."

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. September 2010 02:16
Der "Königreichsdienst für Deutschland", Ausgabe September 1960, weis unter der Überschrift "Eine neue Hilfe für den Dienst", auch zu vermelden:

Zitat:

"Anläßlich der diesjährigen Bezirksversammlungen erfolgte die Freigabe der Broschüre "In Frieden und Einheit predigen und lehren" in Deutsch.

Selbige enthalte etwas modifiziert, die grundlegenden Richtlinien, die es analog schon in einer ähnlichen Broschüre aus dem Jahre 1956 gab.
Und weiter:

Zitat:

"Der Versammlungsdiener

[Ja richtig gelesen, damals nannte sich die "Aufseher", "Koordinator"-Kaste noch "Diener". Weiter im Zitat]

Zitat:

sollte darauf achten, daß jede getaufte Person

[Ja ebenfalls richtig gelesen. Von "Geschwistern" ect. ist nicht die Rede. Die WTG-Hierarchie kennt also nur "Personen". Weiter im Zitat]

Zitat:

ihr Exemplar erhält. Name und Adresse des betreffenden Verkündigers sollten in die dafür vorgesehene Spalte geschrieben werden, und der Versammlungsdiener wird die Broschüre mit seiner Unterschrift versehen, bevor er sie dem Verkündiger aushändigt. ..."

Irgendwie erscheint mir dieser geschraubte Titel dieser WTG-Schrift als etwas vernebelnd. In meiner Sicht wäre ein kürzerer Titel bestehend aus nur einem Wort, angemessener. Und dieser Titel würde lauten:
"Pflichtenheft".
Von Pflichten ist viel darin die Rede. Von "Rechten" wohl eher nicht.
Beispiel:

Zitat:

"Eltern können ihre Kinder in den Felddienst mitnehmen, doch wenn die Kinder am Predigen der Botschaft kein Interesse haben, sondern einfach mitgehen, weil sie müssen, sollte man sie nicht als Verkündiger melden."

Die Vokabel "müssen" ist zwar in normaler, nicht hervorgehobener Schrift gedruckt. Indes scheint mir. Auch das ist eine maßlose Untertreibung. Sie in riesengroßen Lettern zu drucken, wäre wohl angesichts der Alltagspraxis, um einiges sachgerechter. Und ob die Einlassung, deren Berichtszahlen nicht zu zählen, wohl eine sonderliche "Wohltat" ist, erscheint auch eher zweifelhaft.

Den "Pionieren" wird weiter ins "Stammbuch" geschrieben. (Das sind ja jene Betörten, die für ihren eigenen Lebensunterhalt selbst aufzukommen haben. Gleichwohl einen wesentlichen Teil ihres Zeitvolumens der WTG zu opfern haben. Glück für sie, sollten sie etwa unterstützende Angehörige haben. Pech für sie, sind diese Voraussetzungen nicht gegeben. Das sind dann wohl eher die klassischen "Hungerkünstler-Kandidaten". Denen bescheinigt die WTG):

Zitat:

"Wenn ein Pionier wegen Krankheit oder anderer unvermeidlicher Umstände die Pionier-Mindestquote in einem Monat nicht erreichen konnte, sollte er den Grund für die fehlende Stundenzahl unten auf der Pionierberichtskarte angeben. Er sollte bestrebt sein, die verlorene Zeit nachzuholen, um im Jahr auf mindestens 1200 Stunden oder einen Monatsdurchschnitt von 100 Stunden zu kommen. Ein Pionier muß jeden Monat Bericht erstatten, ungeachtet der Zahl der im Felddienste verbrachten Stunden. Er sollte seine Wochen-Berichtsbogen mindestens ein Jahr aufbewahren und sie dem Kreisdiener jeweils bei dessen Besuchen zur Verfügung halten."

A propos "Kreisdiener". Auch die kommen in dieser Broschüre mit vor. Und zwar mit der Wortwendung, dass es ein

Zitat:

"Vorrecht (sei), den Kreisdiener (und seine Frau, wenn er verheiratet ist) während seines Besuches zu beherbergen. Wenn ihn niemand aufnehmen kann, wird er selbst für seine Unterkunft sorgen. Der Kreisdiener und seine Frau werden für irgendwelche getroffenen Vorkehrungen Wertschätzung bekunden und den Brüdern, die sie beherbergen, geistig und, so wie es ihnen möglich ist, auch anderswie eine Hilfe zu sein suchen."

Auch das ist dann ja wohl eine beschönigende Umschreibung. In etwas drastischere Worte übersetzt.
Diese Schnorrerkaste wird es schätzen, wenn sie die geeignete Opfer findet. Und da es in Zeugenkreisen (derzeit noch) auch durchaus beachtliche Mittelstandsphänome gibt, sind die dann bevorzugtes Objekt für solche "Vorrechte".
Und haben sich dann die Erwartungen der Schnorrerkaste auch erfüllt, sind sie nicht selten dann die "Guten". Ihr Weg in der WTG-Hierarchie nach oben wird von der Schnorrerkaste nach Kräften unterstützt.
Weiter weis jene Broschüre noch zu vermelden:

Zitat:

"Jede Versammlung sollte die vernünftige Hoffnung hegen, die Zahl ihrer Verkündiger, die im Felde die gute Botschaft predigen,
jährliche um 10 % zu erhöhen."

Wobei auch diese Aussage bestätigt. Die Gier der WTG-Hierarchie kennt keine Grenzen!

Weiter liest man:

Zitat:

"Im Juli erscheint im 'Wachtturm' jeweils eine Mitteilung über "Eure voraussichtlichen Beiträge", worauf dann viele der Gesellschaft brieflich mitteilen, was sie ihr im Laufe des kommenden Jahres für das Königreichsdienstwerk einzusenden hoffen."

Das dürfte dann ja wohl eine besonders subtile Art des Geldeintreibens sein.
Die WTG muss sich ja vorerst mit dem Umstand abfinden, keine reguläre Kirchensteuern, eingetrieben durch staatliche Steuerbehörden zu erheben. Primär eher aus Imagegründen. Sollte sich letztere Sachlage noch relevant verändern, braucht man über eine entsprechende "Anpassung" diesen Umstand betreffend, dann wohl auch nicht mehr überrascht zu sein.

Nun mag man der Kirchensteuer noch "zugute" halten, die ist ja weitgehend aus dem aktuellen Bewusstsein der Zahler verdrängt. Allenfalls kommt sie beim "brüten" über die Jahressteuererklärung wieder ins Bewusstsein.

Wer sich dazu betören lässt, der WTG solch einen zitierten "Spendenbrief" zu schreiben. Auf was für einem psychologischen Level der sich wohl befindet?!
Da nimmt ja wohl die theoretische "Freiwilligkeit", in der Praxis verdächtige Zwangsmerkmale an.

Man vergleiche in diesem Lichte auch das Fallbeispiel "Strassenfeger"

http://forum.mysnip.de/read.php?27094,80131,80131#msg-80131

Oder auch das Fallbeispiel
Geschichten aus dem "Wienerwald"

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Gerd B.
Datum: 23. September 2010 07:13

Zitat:

Drahbeck
Oder auch das Fallbeispiel
Geschichten aus dem "Wienerwald"

Die Sache um Peter Go... und seine Frau Trude, bekam ich bei deren Ausstieg live mit. Der Wienerwald ist zwar etwa 35 km nördlicher, aber das tolle Haus mit Indoorpool, in der Garage ein dicker Mercedes - das war für die einfachen "Verkündiger" vor etwa 40 Jahren meist Indiz dafür, dass solche Besitzer ihr Vermögen nur auf unredliche Weise erlangen können.

Peter war Verkäufer von Fleischwaren, besonders die Würste waren Verkaufsschlager. Man muss also nicht intellektuell überbegabt sein, um zu reichlichem Verdienst zu gelangen.

Eines wurde dem Ehepaar Go... damals klar, die ungerechtfertigte Entfernung aus der ZJ-"Hürde", hatte nichts mit einer angeblichen Mitwirkung des "heiligen Geistes" zu tun...

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 25. Oktober 2010 01:20

Zitat:

"Bringt eine Tabelle im Königreichssaal an, um die Versammlung über die gesteckten Quoten und die Anzahl der aufgenommenen Abonnements auf dem laufenden zu halten. Legt bei den Diensttreffpunkten besonderen Nachdruck darauf, daß jeder Verkündiger seine persönliche Abonnementsquote erreicht. Die Studienleiter werden die Brüder, die im ersten Teil des Monats kein Abonnement aufnehmen konnten, ermuntern und ihnen praktische Hilfe leisten ..."

Wäre in vorstehendem Zitat aus dem "Königreichsdienst für Deutschland" Ausgabe Oktober 1960, nicht auch die Vokabel enthalten "Königreichssaal", könnte man ohne Zweifel auch sagen.
Halt eine der üblichen Vertreter Vergatterungen. Dem Konzern sind eben die erreichten Ergebnisse nicht gut genug.
Und so muss dieselbe KD-Ausgabe auch einräumen, die von ihr vorgegebenen Quoten von 20 % mehr Umsatz für den Monat April, seien nicht erreicht worden.
Zwar habe die Anfeuerung zu Höchstleistungen in jenem Monat höhere Ergebnisse eingefahren als in den sonstigen Monaten. Aber der Konzern befindet; halt nicht genug.
Und in dieser Konsequenz wird dann mal wieder, eine neue Hochstleistungs-Aufforderungs-Aktion für den Monat Oktober ausgerufen.

Vor lauter "Höchstleistungen" kommen die so Betörten, kaum noch zum Luftholen. Und das fast im buchstäblichem Sinne.

Dann hat die WTG-Hierarchie in dieser KD-Ausgabe noch ein "Hühnchen zu rupfen". Adressat die örtlichen Versammlungsleiter.
Da es in der WTG-Hierarchie Usus ist, dass die Hierarchie alles Korrespondenz für örtliche Versammlungen, nur dem Versammlungsleiter zustellt, nicht aber sonstigen Individualpersonen, bemängelt die Hierarchie.
Einige dieser Versammlungsleiter, würden nicht alle dafür vorgesehenen Briefe der Hierarchie, auch öffentlich vorlesen.

Und die Versammlungsleiter werden nochmals vergattert. Briefe, die sie erhalten und die sie nicht vorlesen sollen, seien auch so gekennzeichnet.
Aber die Briefe die eben diese Kennzeichnung nicht enthalten, sollen und müssen öffentlich vorgelesen werden.
Sollte also solch ein Versammlungsleiter meinen. So wichtig sei das Mitgeteilte nicht und erspart sich aus dem Grunde das öffentliche Vorlesen, dann ist die WTG-Hierarchie damit nicht einverstanden!

Wörtlich heisst es da in dem Rüffel der da verteilt wird:

Zitat:

"Die Gesellschaft hat erfahren, daß einige Briefe an die Versammlung adressiert waren und dort nicht vorgelesen worden sind, wie zum Beispiel Briefe über Spenden der Versammlung."

Dieser Wink mit dem Zaunpfahl dürfte dann wohl deutlich genug sein.
Auch diesbezüglich kennt die WTG-Hierarchie nie ein "genug"!

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Conorr
Datum: 25. Oktober 2010 16:58
Und wie durch Drahbeck schon erwähnt, hier noch meine Übersetzung :
"Bringt eine Tabelle im Königreichssaal an, um die Versammlung über die gesteckten Quoten und die Anzahl der aufgenommenen Abonnements auf dem laufenden zu halten. Legt bei den Diensttreffpunkten besonderen Nachdruck darauf, daß jeder Verkündiger seine persönliche Abonnementsquote erreicht. Die Studienleiter werden die Brüder, die im ersten Teil des Monats kein Abonnement aufnehmen konnten, ermuntern und ihnen praktische Hilfe leisten ..."

Zeitgemäße Darstellung , meine Meinung :

-Bringt eine Umsatz-Zielliste im Konferenzsaal an, um die Vertriebsmitarbeiter über die geplanten Umsatzziele und die neu akquirierten Kunden auf dem Laufenden zu halten.
Legt bei den Vertriebstagungen besonderen Nachdruck darauf, dass jeder Vertriebsmitarbeiter seine persönlichen Umatzziele erreicht.
Die Tagungs- und Verkaufsleiter werden die Mitarbeiter, die im ersten Teil des Monats keine neuen Kunden akquirieren konnten, und ihr Umsatzziel nicht erreichten, in einem
persönlichen Mitarbeiter-Gespräch aufgefordert, die Minus-Quoten im Folgemonat zu generieren. Ferner behalten wir uns in diesen Fällen eine Kürzung der Prämien vor.-
( War 22 Jahre im Vertriebsaussendienst. )
Gruß, Conorr
Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. November 2010 01:51
Davon träumt die WTG-Hierarchie. Und diesen Traum kann man in "Königreichsdienst für Deutschland" Ausgabe November 1960 lesen.
Und zwar folgendes:

Zitat:

"Eine Versammlung in New York hat zum Beispiel Dienstzentren, von denen jedes nur ein Gebiet hat, dass sich auf ein Gebäude mit 14 Stockwerken (jede Etage 10 Familien) beschränkt.
In dieser und anderen Versammlungen werden die Menschen am Dienstagabend, am Sonnabend und am Sonntag ... besucht."

Und man meint sagen zu können:

Zitat:

"Diese Versammlungen überschreiten in den Monaten Dezember und April die Quoten von 10% und 20 %"

des Umsatzes an WTG-Literatur.
Nun kann man ja rätseln, warum das so ist. Dann müsste man beispielsweise auch wissen, wie denn die soziologische Struktur in jenem Wohnblock ist.
Vielleicht Familien, die es nicht nötig haben, unbedingt auf den Cent zu achten.
Um des lieben Friedens willen, wird da halt der WTG-Ramsch abgenommen und in den Papierkorb befördert.

Ob denn solcherlei Umstände wirklich für die WTG-Tätigkeit sprechen, erscheint wohl eher zweifelhaft.

Re: Königreichsdienst 1960
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 17. Dezember 2010 00:09
Um eine anvisierte 10% Verkündiger-Zunahme für den Monat Dezember 1960 zu erreichen, teilt der "Königreichsdienst für Deutschland" desgleichen Monats mit, die Hilfsversammlungsdiener werden

Zitat:

"nach jeder Woche dem Studienleitern eine Liste mit den Namen der Verkündiger aushändigen ... die bis dahin noch nicht berichtet haben."

Und Aufgabe besagter Studienleiter sei es dann, besagte "Säumige" entsprechend de facto, unter Druck zu setzen.
Weiter wird das Termin-Ultimatum des 20. Dezember genannt. Wer bis dahin immer noch nicht den heiß ersehnten Bericht abgegeben hat, darf sich einer Sonderbehandlung "erfreuen". Er wird gezielt bearbeitet.

Die Vokabel "unter Druck setzen" verwendet der KD selbstredend nicht. All seinem Wortgeklingel zum Trotz ist es aber genau das, was da ablaufen soll und auch ablief.
In ihrer besonderen "Sensibilität" welche die WTG von jeher "auszeichnete", wird dann noch der 24. Dezember zum besonderen Zeitschriftentag erklärt. Ergo sollen die WTG-Schafe just an diesem Tage besondere Verkaufsanstrengungen für das WTG-Schrifttum tätigen!
Sinnigerweise weis der KD als anspornendes Beispiel noch zu berichten:

Zitat:

"Ein Bruder, der nur noch geringe körperliche Kräfte besitzt verbringt im Monat an so vielen Tagen wie möglich je 15 Minuten im Felddienst".

Man weis angesichts dessen eigentlich nicht so recht, soll man nun über dieses anspornende Beispiel weinen oder lachen?
Wenn es also so ist, dass der Betreffende nur noch über "geringe körperliche Kräfte" verfügt, mag das ja - günstigenfalls für die WTG gewertet - eine Art "Förderung" seines Selbstwertgefühles darstellen.
Indes könnte man sich in dem Falle durchaus auch andere Formen der Stärkung des Selbstwertgefühles vorstellen.
Nur halt eben nicht in der Ausbeuterorganisation WTG!
Weiter jammert diese KD-Ausgabe:

Zitat:

"Im Jahre 1950 verwandten die Versammlungsverkündiger durchschnittlich 12,9 Stunden im Monat für die Verkündigung ... Bis zum Jahre 1955 ging der Zeiteinsatz auf monatlich 10 Stunden zurück, und im vergangenen Jahr (1959) erreichten wir mit 9,2 Stunden den niedrigsten Stand seit 1945."

Wie die WTG diesbezüglich gegensteuern will, siehe vorstehendes. Weiter wird nach wie vor den "Versammlungsverkündigern" eine Quote von 12 Stunden monatlich vorgegeben. Der faktische Rückgang kann also die WTG noch nicht dazu bewegen, auch mit ihren Forderungen zurückzustecken.
Sinnigerweise weis die WTG nur zu empfehlen:

Zitat:

"In Städten, in denen die Brüder schon jahrelang an dieselben Türen kommen, mag es sich als gut erweisen, innerhalb der Versammlung eine Änderung der Gebietszuteilung vorzunehmen. Neue Häuser und neue Gesichter geben oft einen Ansporn ..."

Auch das vergisst diese KD-Ausgabe nicht mit hinzuzufügen:

Zitat:

"Eltern sollten darauf achten, daß ihre Kinder jede Woche eine bestimmte Zeit für den Felddienst reserviert haben."

 

Koenigreichsdienst 1959

Koenigreichsdienst 1961

 

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