Notizen aus „Unser Königreichsdienst" (1956/57)

51 Jahre ist sie nun alt, die Zeitschrift „Königreichsdienst", oder wie sie heute genannt wird, „Unser Königreichsdienst". Vielleicht wäre es besser gewesen, ihrer schon beim 50jährigem Jubiläum zu gedenken. Es klappt indes nicht immer so, wie es denn optimal wäre. Vielleicht lässt der einjährige Verzug sich ja auch noch im laufe der Zeit allmählich aufholen. Das Überspringen von Ausgaben selbiger, die nicht sonderlich kommentierenswert sind, mag dies mit befördern.
Also, eine permanent monatliche Kommentierung ist keineswegs beabsichtigt. Es wird fallweise zu entscheiden sein.

Bis einschließlich August 1956 nannte sich, wie „Schimpanse" bei Infolink zu formulieren beliebt, das „Kabarettkult Peitsch- und Leistungsblättchen" der WTG, schlicht und einfach „Informator". Davor auch „Instruktor" und "Bulletin"

Eingangs genannte Wortwahl bei Infolink zu entdecken, wird allerdings zunehmend schwieriger, sofern man die dortige Option „Neueste Beiträge" nutzt. In den dortigen Müll- Schrottpostings namens „Wortkette" die alles sinnvolle ersticken, überhaupt noch was brauchbares herauszufiltern, gleicht zunehmend dem Bergbau.

Gewaltige Abraumhalden müssen erst beiseite geschaufelt werden, um an Substanzielles heranzukommen. Eine Zumutung, die nicht jeder auf Dauer mitmacht.

Die dortigen Schreiber dieser „Wortkette" (die es schon auf stolze mehr als 170 Seiten Schrottfüllung bringt) scheinen offenbar das unwiderstehliche Bedürfnis zu haben, ihre unbefriedigenden Kindheits-Erfahrungen auf diese Art zu kompensieren. Manche werden halt nie erwachsen! „Passend" auch der Titel der zweiten dortigen Schrottserie „Kettenspiel für Doofe" welche es ebenfalls schon auf über 130 Seiten Schrottfüllung bringt. Wer halt nichts Sinnvolles zu tun hat, der kann sich selbstredend so die Zeit vertreiben. Die Kleinkindergärten (sprich Vorschulkinder) können wohl auch neidisch werden aufs „Assoziationskettenspiel" mit 539 Seiten Schrott.

Wenn denn meinetwegen solcherlei Angebote in einem separaten Chat oder ähnliches getätigt würden, hätte das ja noch einen begrenzten Sinn. Der Spieltrieb soll ja auch zur menschlichen Natur gehören. Und das keineswegs negativ gemeint. Aber ein Forum/Webseite derart herunterkommen zu lassen, das doch wohl mal mit seriösem Anspruch angetreten, kann eigentlich nur einen freuen: die WTG.

Nun also, ab September 1956 bekam der vormalige „Informator" einen neuen Titel verpasst, als „Königreichs-Dienst". Inhaltlich indes dürfte sich wohl nicht sonderlich viel verändert haben.
„Angebot für September
Die Bücher „Gott bleibt wahrhaftig, „Die Wahrheit wird euch frei machen" und „Die neue Welt" als Sonderangebot in allen Gebieten (Beitrag 4,-- DM). Ist das Buch „Die neue Welt" vergriffen, werden Zweiersätze zu 3,-- DM angeboten"
liest man auf Seite 1.
Meines Wissens wurde zwar „Gott bleibt wahrhaftig" im Versammlungsbuchstudium durchgenommen. Die andern beiden genannten Bücher in Deutschland indes nie.
Nicht ohne Grund fristeten sie ein „Mauerblümchendsein" Zwar 1945 Tonnenweise auch Deutschland verschifft und als Verkaufsgut geeignet, wurde die inhaltliche Aussage mit ihnen weitgehend vermieden. Namentlich „Die neue Welt", war auch in WTG-Terminologie schon vom ersten Tage an in Deutschland (nach 1945) total veraltet. Faselt es doch noch davon, das erhoffte Ende des Weltkrieges, der zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Buches noch im Gange war, werde mit „Religion als Bindemittel" vonstatten gehen. Dies wiederum wäre Anlass für „Harmagedon" ...

Auch die Nord- Südkönig-Auslegung in ihm, „glänzt" durch totales Überolltsein von der Wirklichkeit, die nicht im Entferntesten mit den dort dargelegten Thesen übereinstimmte.

Aber das hat ja bekanntlich die WTG-Religion noch nie tangiert. Denn im trautem Schulterschluss etwa mit einem Konrad Adenauer, gilt ja auch für sie: „Was interessiert uns unser Gewäsch von gestern ...."

In der Rubrik „Eure Dienstverammlungen" liest man unter anderem:

„Eine ausgewählte Gruppe bespricht Stoff aus dem englischen „Jahrbuch".
Hier schon mal eine kleine Unterbrechung. Das letzte deutsche „Jahrbuch" war das für das Jahr 1951. Inzwischen war aber die Verbotswellle des Ostblocks angerollt. Und darunter bildete Ostdeutschland in der Tat die größte Gruppe. Durch weitgehenden Wegfall dieser Beziehergruppe, befand Mister Money Maker (genannt auch N. H. Knorr), nun rechne sich das Jahrbuch als eigene deutsche Ausgabe, wirtschaftlich nicht mehr so recht.

So wie man ja auch heute das früher üppigere Schrifttum zunehmend „einfrieren" lässt. Das Spendenaufkommen dürfte wohl weniger „eingefroren" sein (auch dank EC-Kassen auf den Kongressveranstaltungen). Aber eiskalte Kapitalisten pflegen schon eine knallharte Kosten-Nutzen-Rechnungen anzustellen.

Der Zug einen regulären Kostenbetrag für das WTG-Schrifttum nennen zu dürfen, ist ja einstweilen in diesem Lande „abgefahren". Man ist also genötigt die Druckkosten aus dem Spendenaufkommen abzuzweigen. Da vergeht wohl den WTG-Managern allmählich die Lust, wie weiland schon Mister Money Maker in Sachen deutschsprachiges Jahrbuch.

Weiter zurück zum Zitat aus dem „Königreichsdienst"
„Eine ausgewählte Gruppe bespricht Stoff aus dem englischen „Jahrbuch" über das Thema „Widerstand besiegen." Das „Jahrbuch" 1956 zeigt, daß trotz behördlicher Eingriffe und Verfolgung unsere Brüder in der Dominikanischen Republik eine Zunahme von 30% erzielten."
„Unsere Brüder in Kolumbien eine solche von 28% und jene in Griechenland eine solche von 12%.
In fünf weiteren Ländern, wo das Werk ganz verboten ist, wurde eine Zunahme von 12% erreicht im Vergleich zu einer solchen von 8,5% in allen anderen Ländern."

Bei solchen Meldungen, man sieht es förmlich, bekommen die erschlafften Augenausdrücke der Money Makers in Brooklyn, wieder einen seltsam strahlenden Ausdruck!
Das erklärt dann ja so einiges. Sei es in Malawi, im Ostblock oder anderswo!

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müssen wir predigen. ...
müssen die Wahrheit verkündigen ...
müssen wachsam und unermüdlich tätig sein,
Wir müssen vorandrängen ...
"Die verbleibende Zeit ist verkürzt."...
Die wahrheitssuchenden Menschen müssen gefunden werden.
Damit uns das gelingt, müssen wir gewandte Prediger sein.
Wir müssen unsere Erkenntnis erweitern ...
müssen wir jedoch eifrig tätig sein. ...
Du mußt auf dem laufenden bleiben.
Du mußt bei den Versammlungen aufmerksam zuhören ... müssen uns auch vor den feinen Schlingen in acht nehmen ...
Vielleicht ist die Schlinge, die dich zu Fall bringen könnte, die Vergnügungssucht oder der Materialismus. Vielleicht verleiten dich Überstunden-Entschädigungen dazu, den Dienst oder die Zusammenkünfte zu versäumen.

Nahezu penetrant diese Vokabel „müssen" schon auf der 1 Seite des „Königreichsdienstes" für den Oktober 1956.

Rubrik „Eure Dienstversammlungen"
Familienszene (20 Min.)

Der Vater eröffnet die Diskussion, indem er seine Angehörigen an die Bezirksversammlungs-Ansprache „Leben hängt nicht von deinem Besitz ab" und an andere Ausführungen den Pionierdienst betreffend erinnert. Da die ganze Familie in der Wahrheit ist, hat der Vater eine Möglichkeit ausgedacht, wie jemand von ihnen Pionierdienst leisten könnte. Die Familie bekundet lebhaftes Interesse, und er fährt fort mit der Erklärung, er könne die Last für die Bedürfnisse der Familie aufzukommen, allein tragen. Der Sohn könnte seine Stelle aufgeben und eine andere suchen, wo er nur halbtags zu arbeiten braucht; was er dabei verdiene, werde für seine persönlichen Bedürfnisse reichen. Die übrige Zeit könnte er dem Pionierdienst widmen, und der Vater würde für Unterkunft und Verpflegung sorgen. Die Mutter kann Pionierdienst leisten, während die beiden Mädchen in der Schule sind. Die Tochter, die die Mittelschule besucht, erklärt sich bereit, im Haushalt mitzuarbeiten, und die Tochter, die in die Volksschule geht, sagt, sie wolle ihr Zimmer selber in Ordnung halten. Auf diese Weise können zwei den Pionierdienst aufnehmen.

Und die Lemminge (das steht zwar nicht im „Königreichsdienst") werden dazu noch Beifall geklatscht haben.

Bei der Lektüre dieses „Aufpeitschblättchen" „Kabarettblättchen" würde ich eher als ungeeignet ansehen, kann einem mehr als schlecht werden!

Klagesang:
Lag es daran, daß einige nicht über ihren Dienst wachten, daß die Mehrung während des Dienstjahres 1956 auf etwa 7% zurückgegangen ist? Während des Jahres 1954 betrug die Zunahme 11%, im Jahre 1955 9%. Was ist im Jahre 1956 geschehen?

Neue-Welt-Nachrichten
... Ankauf eines Gebäudes in Westberlin für ein neues Bethelheim.
Nicht in dieser Kurznotiz enthalten die Folgewirkungen.
Dumme suchen (und finden), welche großzügige Umbauarbeiten für Null over ausführen.
1961 macht Ostdeutschland seinen „Laden dicht". Folgewirkung, die Anleitung der Ostdeutschen Zeugen Jehovas findet perspektivisch nicht mehr von Westberlin, sondern von Wiesbaden (später Selters) statt. Damit ergibt sich auch, der ursprüngliche Verwendungszweck wurde obsolet. Noch heute indes ist die Wachtturmgesellschaft, laut Grundbucheintrag und auch laut Beschriftung am Grundstück, Eigentümer dieser Immobilie. Offenbar wurde sie zur Führung eines privat betriebenen (nicht von der WTG, sondern wirtschaftlich unabhängig von ihr) Seniorenheimes nunmehr genutzt. Gemäss den üblichen Gepflogenheiten ist ein monatlicher Mitzins dafür fällig, welcher in den WTG-Kassen versickert.

Die politische Entwicklung ging, namentlich nach 1989 weiter. Erneut stellte sich für die WTG die Frage nach einer Büro-Immobilie in nunmehr Gesamt-Berlin. Eine Aktivierung der Immobilie Bayernallee wurde dabei aber offenbar nicht in den näheren Betrachtungsradius gezogen. Noch von der letzten DDR-Regierung (Modrow) bekam die WTG im „heimlichen Diplomatenviertel Ostberlins" (Berlin-Karlhorst) eine Immobilie vermittelt. Sollten dort Umbauarbeiten angefallen sein. Siehe das „Strickmuster" vorstehend.

Das Klima jener Gegend behagte wohl den WTG-Apparatschicks nicht so recht. Unmittelbar Nachbarschaft zum Beispiel zu einem von der Russisch-Orthodoxen Kirche dort genutzten Grundstück. Ergo fiel die Entscheidung für einen Neubau (Grünauerstr.). Dumme, die den für Null over ausführten, hat man ja bekanntlich genug!

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„Denke daran, daß wir im Dezember auf eine Zunahme von zehn Prozent hinarbeiten. Beginne schon im November, auf dieses Ziel hinzuwirken."

„Unser Auftrag, zu predigen, gilt für alle vierundzwanzig Stunden des Tages, und zwar an jedem Tag, so lange wir leben."

Und
„Unseren Nächsten innerhalb der Neuen-Welt-Gesellschaft beizustehen, ist ebenfalls unsere Pflicht."

Und wie soll diese „Hilfe" aussehen? Auch darüber lässt der „Königreichsdienst" vom November 1956, aus dem diese Sätze entnommen sind, keinen Zweifel, wenn er weiter belehrt:
„Unser Leitwort im November sei daher:
„Jeder helfe einem anderen".

Und nun kommt's. Was versteht die WTG unter „Hilfe"?. Diese an vorrangiger Stelle. Alles andere ordnet sich dem unter ferner liefen, unter:
„Helft einander, nicht nur tüchtigere, sondern auch regelmäßige Verkündiger zu werden, die sich Woche für Woche an allen Arten des Predigtdienstes beteiligen."

Wer denn solche „Hilfe" in sich aufgenommen, darf dann das Leben eines Roboters führen. Wie die WTG sich den vorstellt, weis sie auch zu sagen:
„Die Zeit, die wir für den Weg zur Arbeit und zurück benötigen, ist unsere Zeit, ebenso die Mittagsstunden. Benutzt diese Augenblicke, um mit euren Arbeitskameraden und Mitreisenden zu sprechen. Unterhaltet euch unterwegs mit den Reisegefährten. Sprecht beim Fassen von Treibstoff mit dem Tankwart. Gebt bei euren Einkäufen dem Kolonialwarenhändler Zeugnis, wenn es auch nur ein kurzes sein mag."

Angesichts solcher Instruktionen muten die widerlichsten Drückerkolonnen geradezu noch paradiesisch an, im Vergleich gesehen. In beiden Fällen aber halten sich die „Macher" „dezent" im Hintergrund!

Eine Drückerkolonnen-Instruktion, ebenfalls aus dieser „Königreichsdienst"-Ausgabe zitiert:
„Gruppe im Gebiet für Zeitschriftentätigkeit. Der Gruppenführer prüft nach, ob alle genügend und die rechten Zeitschriften bei sich haben, ob sie Gebiet für mindestens zwei Stunden Arbeit und auch Haus-zu-Haus-Notizzttel haben, weil Name und Adresse aller Abnehmer von Schriften notiert werden sollen. ...
Zwei Wochen später. Die Gruppe kehrt zurück. Der Gruppenführer gibt den Verkündigern Anweisung, zuerst die versprochenen Zeitschriften abzuliefern und dann wieder von Tür zu Tür zu arbeiten. ..."

Noch ein Novum.
Als Verlagsort für den deutschen „Königreichsdienst" wird zu der Zeit Wiesbaden angegeben. Offenbar gab es noch andere deutschsprachige Ausgaben selbigen. Als Belegexemplar für November 1956 vorliegend, auch eine deutschsprachige Ausgabe mit der Verlagsort-Angabe Paris. Der Hauptartikel beider Ausgaben stimmen im wesentlichen überein. Unterschiede sind in den kleineren Beiträgen zu registrieren. So etwa in der Rubrik „September-Felddienstbericht".

Die Wiesbadener Ausgabe nennt in ihm:
„Quote für Westdeutschland 1957: 52.113 Verkündiger". Nun ist der Begriff „Quote" offenbar mit Zielsetzung gleichzusetzen, was auch daran ablesbar ist, dass die Zahl der „Versammlungs-Verkündiger" mit 47.302 beziffert wird. Die verschiedenen Formen von „Pionieren" werden zudem gesondert ausgewiesen. Unter Zusammenrechnung mit den Pionieren kommt man dann auf ein Total von 48.284.

Auch die Ausgabe Paris enthält eine ähnliche Statistik. Dort wird die „Verkündiger-Quote für 1957" beziffert:
Frankreich: 9.754
Saarland: 772

Nun gehörte das Saarland zu dem Zeitpunkt wohl noch nicht wieder zu Deutschland. Zu beachten ist wohl auch die relativ starke deutschsprachige Zeugen Jehovas-Population in Elsaß (nach 1918 politisch zu Frankreich gehörend), welche hierbei wohl mit eine Rolle spielt. Der eigentliche französischsprachige Teil der Zeugen Jehovas, basierte zudem in nicht geringem Umfange auch noch auf polnischen Bergarbeitern in Frankreich.

Noch eine Randnotiz. Schon in der DDR-Ausgabe der Gebrüder Pape des Buches „Ich war Zeuge Jehovas" wurde eine weitere Passage aus dieser „Königreichsdienst"-Ausgabe zitiert:

„Raffiniert sind ihre Anweisungen, Andersdenkende zu überlisten um sie zu gewinnen. Auf Seite vier des "Königreichsdienst". vom November 1956 empfehlen die Zeugenführer folgendes Vorgehen:

«Hauptsache ist, das Interesse zu wecken. Veranlasse die Person, sich zu äußern. Wie kann man sie zum Zuhören veranlassen? Mittels eines der nachstehenden Themen: Wir sind gekommen um über die religiöse Einheit zu sprechen. Die ganze kommunistische Welt vereint sich gegen die Religion. Aber die Religion ist in ihrem Lager nicht eins … Oder: Wir sind hier, weil es für uns als Bewohner der gleichen Gemeinde gut ist, etwas über die Religion anderer zu erfahren. Gewiss fördert dies das gegenseitige Verständnis … Oder: Wir haben festgestellt, dass Menschen, die sich für Religion interessieren, auch am Frieden interessiert sind. Wir sind gekommen um mit Ihnen darüber zu sprechen.»

Wollen die Zeugenführer unter der Regie von Brooklyn wirklich nur über Religion und Frieden sprechen? Ja, aber nur über ihre Religion und ihren Frieden! Das gegenseitige Verständnis fördern wollen sie? Sie wollen den Andersgläubigen zermürben und mit ihren listigen Argumenten den Halt an seinem Glauben zerstören! Das ist die wahre Brooklyner Absicht! Sind sie wirklich daran interessiert, die Religion angesichts des Kommunismus zu einigen? Das sind nur ihre religiös-politischen Winkelzüge, um eventuelle Furcht vor dem Kommunismus auszunutzen ..."

Notierenswert erscheint mir auch der Umstand, dass keine wissenschaftliche Bibliothek über nennenswerte Bestände dieses Blattes verfügt. Die WTG stellt sich auf den Standunkt. Das sei ein internes Blatt und somit von der Ablieferungspflicht ausgenommen. Ob zu Recht oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt.
Jedenfalls fanden eine mikroskopisch kaum wahrnehmbare Zahl von „Königreichsdiensten" auch ihren Weg in die Deutsche Bücherei Leipzig (gemäß ihrer nie voll erreichten Zielsetzung, ein „Gesamtarchiv deutschen Schrifttums" sein zu wollen. Vom Jahrgang 1956 hat die DB Leipzig aber nur die Ausgaben vom November und Dezember 1956 (ZA 41401).

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„Begebt euch auf die Suche nach 4.000 fehlenden Schafen" , sagt der „Königreichsdienst" (Dezember 1956) schon auf Seite 1 in einer nicht zu übersehenden Balkenüberschrift.

Warum ausgerechnet 4.000? Nun weil das WTG-Managment befindet, ihre Organisation müsse im laufenden Jahr um 10 % zunehmen.

Tja da können wohl die Veranstalter sonstiger Ketten- oder Pyramidenspiele, wohl noch einiges von der WTG lernen. Haben sie denn teilweise auch, „Akzenta" beispielsweise, Geschäftsmodell „Schenkkreis". Fällige Auszahlungen nur von den Geldern der Neubetörten befindet ein, einen Vermittler selbigen verurteilendes Gerichtsurteil.

http://openpr.de/news/164082/Landgericht-Karlsruhe-Akzenta-Anleger-erhaelt-Schadensersatz.html

Zurückkehrend zur WTG. Um sieben Prozent Zunahme hätte man zwar im letzten Jahr erreicht. Aber wie man weis: „Je mehr er hat, je mehr er will", was denn auch für die WTG gilt.

Auf der Suche nach „stillen Reserven" reflektiert der „Königreichsdienst" weiter:

„Wie steht es mit jenen, die in den letzten zwei Jahren getauft wurden? Sind alle von ihnen emsige Prediger in eurer Versammlung? In den Jahren 1955 und 1956 wurden insgesamt 10.311 Personen getauft. Wie groß war die Verkündiger-Zunahme in dieser Zeit? Es wäre zu erwarten, daß etwa 10.000 Verkündiger mehr zu verzeichnen gewesen wären. War dies der Fall?
Nein, es waren nur 6453. Was geschah mit den anderen 4000?"

Und weiter weis der KD dazu zu kommentieren:
„Die Sache wird noch kritischer, wenn wir folgendes in Betracht ziehen: von den zusätzlichen 6.453 Verkündigern entfallen nur 2899 auf das Dienstjahr 1956. Doch im Jahre 1956 wurden 3648 getauft. Es fehlen also nahezu 800. ...
Aus den Dienstberichten geht jedenfalls hervor, daß 4000 Getaufte oder Ungetaufte fehlen."

Die Statistik-Besessene WTG weis noch mehr zu berichten. So auch dies (dergleichen KD-Ausgabe entnommen).
„Ungefähr 88 % aller Verkündiger haben sich Gott hingegeben" (Ergo gäbe es 12 % noch ungetaufte Verkündiger). Kinder und Jugendliche werden ja in dieser KD-Ausgabe auch ausdrücklich wieder einmal dazu animiert, Ferienpionierdienst zu machen. Die dürften dann das Gros dieser 12% darstellen.
Weiter geht es mit der Klage:

„Aber nur 69% sind regelmäßige Verkündiger".

Um dem „Abhilfe" zu schaffen hat der KD auch gleich einen Vorschlag bereit. Er befindet, der „Zeitschriftendienst" wäre besonders geeignet, die Sache „anzukurbeln". „Passend" zum Monat dieser KD-Ausgabe präzisiert man das gleich:
„Bietet sich am Festttag der Christenheit, an Weihnachten (an). Jede Versammlung wird diesen Tag zu einem besonderen Zeitschriftentag machen."

Das rekapituliere man sich nochmals. Damals wurden ja noch offizielle Verkaufspreise für die WTG-Literatur genannt. Da wurden also die Zeugen Jehovas auch ausdrücklich zu Weihnachten, auf Verkaufstour geschickt! Eine bemerkenswerte Unsensibilität. Die aber stört die WTG nicht. Das Geschäft geht halt über alles!

Das man extensiv Geschäftsorientiert ist, macht auch eine weitere Notiz in dieser KD-Ausgabe deutlich. Sie berichtet, dass ab dieser Ausgabe, der Dienstbericht revidiert werde. Und worin bestand diese Änderung? Nun, eine neue Spalte sei hinzugekommen „die die durchschnittliche Zeitschriftenangabe der Versammlungsverkündiger und Pionier zeigt."

Da wird wohl WalMart sein vermeintliches Copyright-Recht wieder zurückgeben müssen. Die WTG hat da offenbar ältere Rechte!
Man vergleiche dazu
Parsimony. 18372

Parsimony. 13749

Parsimony. 18369

„Die neue Druckerei (in Brooklyn) ist bereit, noch mehr Zeitschriften herzustellen."

Na, wenn das mal kein Argument ist!

Und damit auch jeder weis, was man ihm erwartet wird, lautet die weitere Belehrung:
„Die Zeitschriftenquote beträgt im Monat 9 Zeitschriften für Versammlungsverkündiger, 90 für allgemeine und Ferienpioniere und 110 für Sonderpioniere."

Zu den Statistk-Weisheiten in dieser Ausgabe gehört auch die:
„Nur 68% der Verkündiger besuchten (1956) die theokratische Predigtdienstschule, 71% die Dienstversammlung, 80% das Versammlungsbuchstudium und 774% das „Wachtturm"-Studium."

Eine lange Liste vermeintlicher „Hilfe tut not"-Gebiete präsentiert diese KD-Ausgabe auch noch


http://www.manfred-gebhard.de/KD1256.JPG

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„Der Wachtturm erscheint nun in 46 Sprachen und hat eine Auflage von 2.850.000; das bedeutet, daß die Auflage in den letzten zwölf Monaten um mehr als eine halbe Million gestiegen ist" , weis der „Königreichsdienst" in der Ausgabe vom Januar 1957 zu vermelden.

Bei einem wertfreiem Bericht lässt man es selbstredend nicht bewenden. Man hängt prompt die Suggestivfrage mit an:
„Wieviel habt ihr in eurem Gebiet zu dieser Zunahme beigetragen? Wie viele neue Leser hast du gefunden?"

Was das in der Praxis bedeutet, weis man zur Genüge: Treppenterrierdasein für die WTG-Lemminge.

Wo steht es eigentlich geschrieben, dass solche Direktvermarktung unabdingbar ist? Man sehe sich doch mal einen gewöhnlichen Zeitkiosk an. Eine unüberschaubare Menge von Angeboten pflegt er zu präsentieren. Nun soll es Leute geben, die das eine oder andere dieser Angebote für sich interessant finden. Die es nicht nur mal sporadisch lesen, sondern ein Abonnement selbigem vorziehen. Das alles ist doch kein Problem. Wer ein Abonnement aufgibt, bekommt doch mit der Post (fallweise auch andere Vertriebsdienste), das gewünschte ins Haus. Eine Zwangsläufigkeit, der Art wie sie die WTG betreibt, besteht keineswegs.

Aber das ist wohl auch klar. Würde der vorbeschriebene reguläre Vertriebsweg beschritten, würden wohl kaum solch berauschende Zahlen, wie vorgenannt zustande kommen. Das weis auch die WTG schon seit Russell's Tagen.

Von Russell ist ja schon als plastische Schilderung für die Einführung des Direktmarketings der Bericht überliefert:
„Wir versuchten sodann alle möglichen Wege, dass Buch bekannt zu machen, wie z. B. dasselbe in christlichen Blättern anzuzeigen. Wir fanden aber, dass sobald man merkte, dass es Tages-Anbruch sei, die Annonce fallen gelassen und uns das Geld zurückgesandt wurde, dass wir zum voraus bezahlt hatten. Dann versuchten wir es mit anderen Blättern mit Angabe einer anderen Adresse als Allegheny, und wieder mit gleichem Resultat.

Dann versuchten wir durch das größte christliche Büchergeschäft der Welt die Bücher zu verbreiten. Wir dachten, dass durch diese Firma die Bücher in allen Buchhandlungen des Landes untergebracht würden, wo sie gesehen und von den Leuten gekauft werden. Wir schlossen mit Revell & Co einen Kontrakt ab und sandten ihnen aufs erste 100 Exemplare des ersten Bandes.

Bald darauf wurden uns die Bände genau so wieder zurück gesandt, ohne das auch ein einziger Band fehlte. Und dies war der Grund: Herr Revell hatte einige ausgelegt, zusammen mit anderen Büchern über die Wiederkunft Christi. Es kommt Major Whittle, Evangelist der Firma Whittle & Co, um sich die Bücher auf dem Ladentisch anzusehen, und da sieht er - Tages-Anbruch.
'Revell, sieh hier, was haben Sie denn da?' 'Nun, das ist Tages-Anbruch. Ich bin nicht beschränkt. Es kommen Leute herein, die es haben wollen, und warum das Buch nicht gerade so gut daliegen haben, wie das Ihrige?'

Darauf antwortete Major Whittle: 'Sieh hier, Revell, wenn Tages-Anbruch auf ihrem Büchertisch liegen bleibt, dann werden alle meine Bücher und diejenigen meiner Freunde, davon herunterkommen.' Das hieß Moodys Bücher usw.
'Oho', sagte Revell, 'wenn Sie so zu sprechen anfangen, dann müssen sie (Tages-Anbruch-Bände) natürlich herunter.' Und herunter kamen sie, zurück nach Allegheny."

Dennoch, dass muss man schon sagen. Es handelt sich bei der WTG-Praxis eigentlich um eine Art unzulässiger Wettbewerbsverzerrung. Und was den Einwand anbelangt. Es würde kein Vertrieb erfolgen, so ist er für die Post gegenstandslos. Die vertreibt alles, unabhängig von der inhaltlichen Tendenz.

In „Nachtwächterstaaten" ist die WTG-Praxis leider möglich. „Nachtwächterstaaten" interessiert es auch nicht, dass die WTG aufgrund ihres Eigenvertriebsmonopol in der Praxis sagt. Den und den beliefern wir nicht. Über eine neutrale Institution, wie die Post, hingegen wäre solche Praxis nicht zulässig.
Das ist eben das eigentlich tragische an der ganzen Sache!

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„Alle brauchen das Königreich! „Der Wachtturm" verkündigt es. Verbreitest du ihn?" tönt „Fox tönende Wochenschau" namens „Königreichsdienst" der Zeugen Jehovas für Februar 1957 schon auf Seite 1 in der Balkenüberschrift.
„Alle" brauchen das imaginäre „Königreich"? Das kann man etwas mehr präzisieren.
Vor allem eine Kaste braucht es. Die hauptberufliche Funktionarsschicht der WTG. Das ist doch ihr „Verkaufsangebot". Ohne dem wären sie doch ein „Nichts", Vielleicht sogar noch weniger als das.

Man sehe sich doch mal die näher an, die in der ZJ-Organisation „Karriere" gemacht haben; begrenzt auf die örtlichen Versammlungen. Weniger auf die überörtliche Führungsspitze. Sicher, man kann nicht verallgemeinern. „Solche" und „Jene" gibt es auch andernorts. Aber sollte man solche suchen, die im weltlichen Leben eben nicht zu bestehen vermögen. Jedenfalls gemäß den weltlichen Maßstäben. Die aber dennoch vermeintlicherweise etwas „darstellen". Sollte man solche tatsächlich suchen. Man wird sie mit Sicherheit bei den WTG-Karrieristen vorfinden können.
Und so liest man denn in jenem KD-Artikel weiter:
„In dem viermonatigen Wachtturm-Feldzug des Jahres 1955 hat jeder durchschnittlich 0,47 Abonnements erlangt. Im Jahre 1956 waren es 0,39. Und welches Ziel streben sie dieses Jahr an? Jeder Verkündiger möchte zwei Abonnements erlangen."

Solcherlei Sätze erinnern denn penetrant, an die morgendliche „Vergatterung" etwa des US-Kettenunternehmens „WalMart", wer denn der derzeit beste Verkäufer sei. Und ums verkaufen, geht es auch hierbei. Man komme nicht mit dem Argument, das WTG-Schrifttum sei ja preislich in den unteren Kategorien angesiedelt.

Warum ist das so. Weil es den WTG-Managern in diesem und anderen Nachtwächter-Staaten gelungen ist, Steuerlasten zu vermeiden, die andere sehr wohl tragen müssen. Weil ihre Druckereiarbeiter für'n „Appel und ne'm Ei" arbeiten. Weil für die Vertriebsschiene keine nennenswerten Kosten anfallen (allenfalls der LKW-Transport zu den Versammlungen). Dann noch die künstlich hoch gezüchteten Auflagenhöhen.

Spätestens seit „Aldi" und „Lidl" (deren Inhaber allesamt buchstäbliche Millionäre sind) weis man, „Kleinvieh kann auch Mist machen", namentlich wenn es gelingt das zu größeren Stückzahlen auszubauen. Insofern muss man das WTG Finanzgebaren in Gesamtheit bewerten. Und in Gesamtheit erweist es sich sehr wohl als florierendes Geschäft.

WalMart (namens WTG) verkündet in dieser KD-Ausgabe weiter:
„Unser Ziel im Dezember 52.113 Verkündiger - 51.728 waren tätig".
Ergo habe man die anvisierte 10% Zunahme nur knapp verfehlt.

WalMart (alias WTG) weis weiter zu berichten. Andere Filialen wären da erfolgreicher gewesen. Da bekommen also die deutschen Zeugen Jehovas, die in den USA „unter die Nase gerieben", dieweil selbige eine Zunahme von 11,6% zur gleichen Zeit erreicht hätten. Die Konzernspitze (egal ob WalMart oder WTG) nutzt dass alles, um noch astronomischere Vorgaben zu machen. Im kommenden April sollen es dann gar 20% werden. Mal sehen, was aus der Antreiberei dann tatsächlich wird.

„Wir sollten nicht mehr zulassen, daß wir monatlich weniger als 10 Stunden im Dienste Jehovas tätig sind", fordern die WTG-Antreiber weiter. Im fordern, waren sie ja schon immer „groß"!

Unter Hinweis auf das englischsprachige Jahrbuch werden dann da solche „ermunternde" Erfahrungen gebracht, wie die. In den USA sei die Zahl der Pioniere wieder gestiegen.
A ja, wie machen die denn das? Auch das weis der KD zu berichten „Halbtagsarbeit" sei der große „Renner" dabei. Und da müsse man halt 70 bis 80 Bewerbungen in Kauf nehmen, um solch eine Halbtagsstelle zum finanziellen vegetieren (von „Leben" kann man da wohl kaum reden), zu ergattern.

A ja. Beispiele der Art soll es ja auch in Deutschland geben. Rolf Nobel etwa, schilderte in seinem Buch solch einen Fall.
Taxifahrer an zwei Werktagen. Miniwohnung.

„Heute ist Hans Demuth (Name geändert) in der Sekte Aufseher und Pionier. Als Pionier hat er sich der Wachtturm-Gesellschaft gegenüber verpflichtet, neunzig Stunden im Monat in den Predigtdienst zu gehen. Seine Frau verkündigt ebenfalls als Pionier. Zweimal in der Woche fährt er Taxi, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Die Ansprüche der beiden sind gering.
Sie fahren einen 2-CV-Kleinstwagen und leben in einer 26 Quadratmeter winzigen Wohnung.

Na wenn das mal kein Angebot ist - für WTG-indoktrinierte relative „Vollidioten"!

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„Es gibt keine bessere Möglichkeit sich der Interessen Jehovas anzunehmen, als Menschen zu zu veranlassen den Wachtturm zu abonnieren"
liest man in der „Königreichsdienst"-Ausgabe vom März 1957

„Große Zunahme im April erwartet.
Sonderzeitschriften und die 20% Quote"
wird weiter getitelt.

„Wir werden mit Sonderzeitschriften arbeiten. Die Artikel die sie enthalten richten sich in erster Linie an die Öffentlichkeit ...
Die April-Sonderquote für Versammlungsverkündiger beträgt 27 Zeitschriften, für Pioniere 180 und Sonderpioniere 270."

Und als „anspornende Erfahrung" werden die Leser des KD auch belehrt:
„Einem Verkündiger, der sich die Namen aller voraussichtlichen Abonnenten notiert hatte, gelang es, im Jahre 1955 83 Abonnenten zu erlangen, und im Jahre 1956 waren es sogar 145."

Angesichts solcher Mitteilungen, können da die Chefs anderer Drückerkolonnen, wohl nur vor Neid erblassen!

Und was für Themen behandelten diese „sich in erster Linie an die Öffentlichkeit" wendenden Sonderausgaben? Die des „Wachtturms" vom 15. April 1957 unter anderem durch markige Überschriften gekennzeichnet, wie: „Streiflichter aus dem Roten Paradies". Oder auch „An die Kommunisten eingereichte" Schaufensterrede (Sorry „Schaufensterrede" steht da nicht. Man redet von einer „Petition". Lässt man das Wortgeklingel beiseite, entpuppt sich diese „Petition" dennoch als billige Schaufensterrede).

„Passend" auch der Beitrag just in dieser „Sonderausgabe mit dem Titel „Der Gebrauch theokratischer Kriegslist".

Auch des Beifalles aller Berufs-Antikommunisten sicher, der Artikel in der gleichfalls als Sonderausgabe firmierenden „Erwachet!"-Ausgabe vom 22. 4. 1957 „Ungarn revoltiert gegen seine Zwingherren".

Da werden wohl die Redakteure etwa des „Spiegels" zur gleichen Zeit, ins Grübeln gekommen sein, über diese da für sie unerwartet auftauchende Konkurrenz.

Die WTG mischte damit also aktiv in der Tagespolitik mit, ist dazu schlicht und einfach festzustellen.

Rubrik: Eure Dienstversammlungen
„Einige Brüder treffen sich nach dem Felddienst. Einer war sehr erfolgreich gewesen, er hatte die Predigt ... oft halten und viele Schriften abgeben können.
Ein anderer Bruder, der nicht so erfolgreich gewesen ist, tröstet sich mit dem Gedanken, er habe es anscheinend nur mit Böcken zu tun gehabt. ...
Bruder Vorbereitet stellt fest, daß Bruder Unvorbereitet nicht im Geringsten auf die .... Tätigkeit vorbereitet war."

Und wie geht nun diese Vertreterschulung weiter? Unter anderem mit der Empfehlung:
„Er beschließt (für sein Verkaufsvotum. Letztere Vokabel steht zwar nicht im KD. Ist aber in der Substanz gemeint) jemand von seiner Familie zu rufen oder sie vor einem Spiegel zu üben."

Na, wenn da mal nicht der Erfolg vorprogrammiert ist. Von einem Herrn Hitler weis man ja auch. Der übte seine Sprechtechniken in der Frühzeit auch „vor dem Spiegel", liess sich dabei sogar bildlich ablichten. Er hat offenbar auch andernorts diesbezügliche Nachfolger!
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„Welch wunderbare Gelegenheit bietet sich uns im April ... Können wir im April, nämlich mit den Sonderausgaben der Zeitschriften 'Der Wachtturm' vom 15. April und 'Erwachet!' vom 22. April (verbreiten). ...
Der Sonder-Wachtturm legt aber nicht nur diese wunderbare Hoffnung dar, sondern lenkt auch die Aufmerksamkeit auf trügerische Hoffnungen, wie sie z. B. das kommunistische „Paradies" verspricht,
liest man wieder einmal in der „Königreichsdienst"-Ausgabe für April 1957.

Nun werden sicherlich politisch orientierte Menschen, namentlich westlicher Provinienz jenen Satz vom „trügerischen kommunistischen Paradies" mit unterschreiben können.
Nur wirkt es etwas merkwürdig, wenn ausgerechnet Paradiesverkäufer zum erheben des Zeigefingers sich berufen fühlen.

Darüber kann man ja noch (vielleicht) hinwegsehen. Aber wie war das eigentlich? Waren die Zeugen Jehovas zu der Zeit, im Ostblock nicht alles andere als „gut" gelitten? Genau so war es doch. Und dann solche Sätze. Die entsprachen doch nur einem. Dem zusätzlichen Öl ins Feuer gießen. Scheinheilig beklagt man sich an anderer Stelle, das der Ostdeutsche Staat, beispielsweise bei Amnestien die Zeugen Jehovas „außen vor" lies. Wenn dem so ist, dann ist es auch der WTG-Politik des Jahres 1957 (vorstehend beschrieben), in wesentlichem Umfange mit zuzuschreiben.

Bezüglich des Gedächtnismahles im April 1957 liest man in dieser KD-Ausgabe:

„Zuerst wird das 'Wachtturm-Studium' stattfinden und dann, nach 18 Uhr, die Gedächtnisfeier."

Das vergegenwärtige man sich mal im Detail. Sogenannte Interessierte werden ja bekanntermaßen zu diesem Termin mit eingeladen. Die bekommen dann wohl gleich einen „rechten Vorgeschmack", angesichts dieser Marathonsitzung (WT-Studium und Gedächtnismahl in einem Stück). Von den mitgeschleiften Kindern, und ihrer Verdonnerung zum Stillsitzen, erst gar nicht zu reden!

In dieser KD-Ausgabe, auch die Ankündigung fünftägiger Bezirksversammlungen in Deutschland.

Ein Berichterstatter (außenstehender Art) der sich dieselbe auch antat, berichtete in der „Münchener katholischen Kirchenzeitung" (4. 8. 1957) darüber. Da findet man dann auch solche Sätze wie die:

„ Man hat die Zeugen Jehovas während der fünf Tage ihrer Großversammlung auf der Theresienwiese in vielen Situationen als unerschütterlich geduldiges Volk beobachten können. Am meisten habe ich diese Eigenschaft bewundert, wenn ich in ihrer Mitte in dem riesenhaften Versammlungszelt und sich die Stunden der „Botschaften" „Verkündigungen" und Unterweisungen in krankmachender Langeweile dahinschleppten. Ich habe da nie in meinem Umkreis die geringste Regung des Unwillens feststellen können.
So habe ich einmal einer Versammlung von 17.000 Menschen fünf Stunden zugebracht, die durch banale Eintönigkeit des gebotenen, durch Abwesenheit alles Geistigen auch zur physischen Tortur wurde und habe niemand während dieser Zeit seinem Platz verlassen sehen.

Der Versammlung war zu Beginn gesagt worden, dass es einer „Neuen Welt-Gesellschaft unwürdig sei, wegzulaufen, während ein Bruder einen Vortrag hält. Nun hatte solche Spitzenleistung der Disziplin etwas Beängstigendes. Bei diesen Massen schien die Vernunft gelähmt vom Banner eines mächtigen Wahns. Auf die Betätigung von Vernunft und Kritik haben diese Menschen ja schon Verzicht geleistet als sie sich der Sekte ausgeliefert haben."
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„Motto für Mai:
Wendet theokratische Kriegslist an ..."
liest man auf Seite 1 des „Königreichsdienstes" für Mai 1957 in einem eingerahmten Kasten.
Das dürfte dann ja wieder einmal, eine eindeutige Aussage sein.
Und getreu dem Motto: Wiederholung und nochmals Wiederholung ist dazu eine 10-Minütige Ansprache in der Dienstversammlung, unter Zugrundelegung des WT vom 15. 4. 1956 vorgesehen.

„Neue-Welt-Nachrichten"
„Die Druckerei in Brooklyn druckte bis jetzt 4.849.965 Exemplare der Sonderausgabe des „Wachtturms" vom 15. April. Gegenwärtig sind die Pressen Tag und Nacht in Betrieb, um die Sonderausgabe der Zeitschrift „Erwachet!" Vom 22. April zu drucken - 4.300.000 sind bald gedruckt."

Genannte Ausgaben sind ja im besonderen Maße, wie schon früher verlautbart, für die Öffentlichkeit bestimmt. Wie man weiter weiß, pflegt „auch Kleinvieh Mist zu machen".
Oder anders formuliert um einen früheren Slogan der Rutherford-Ära aufzunehmen.
Wieder einmal ein hervorragendes Instrumentarium zur „Beraubung der Ägypter!"

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Rubrik „Eure Dienstversammlungen" im „"Königreichsdienst" für Juni 1957:

„Ein Verkündiger nähert sich einer Frau, die auf den Bus wartet: „Darf ich Sie mit der neuesten Ausgabe dieser religiösen Zeitschriften bekannt machen? Sie werden diesen Artikel [erwähnt den Titel des Artikels] sehr interessant finden. Sie können beide Zeitschriften für 40 Pfennig erhalten." Der Vorsitzende gibt zwischen jeder Szene einen kurzen Kommentar.

2. Szene. Ein Verkündiger nähert sich einer Frau, die sich die Schaufenster ansieht. „Guten Tag, mein Name ist ... Ich möchte nicht versäumen, Ihnen die neuesten Ausgaben der Zeitschriften 'Der Wachtturm' und 'Erwachet!' anzubieten. Sie werden diesen Artikel (erwähnt den Titel) bestimmt höchst interessant finden. Der Beitrag für beide Zeitschriften ist nur 40 Pfennig."

3. Szene. Ein Verkündiger nähert sich einem parkenden Auto. „Guten Tag, darf ich Ihnen die Zeitschrift 'Erwachet!' anbieten? Ich dachte, daß Sie Ihre Wartezeit vielleicht dazu benutzen möchten, diesen Artikel hier zu lesen. Sie können diese Zeitschrift und ihre Begleitzeitschrift für einen Betrag von 40 Pfennig erhalten."

4. Szene. Ein Verkündiger nähert sich einem Herrn, der am Bürgersteigrand steht. „Guten Tag. Bestimmt haben Sie die Zeitschriften 'Der Wachtturm' und 'Erwachet!' auch schon hier und da gesehen. Sie enthalten zwei interessante Artikel, die Sie bestimmt mit Genuß lesen werden. Sie können beide Zeitschriften für nur 40 Pfennig erhalten."

Fehlt bei diesen einstudierten Verkaufsgesprächen eigentlich nur noch ein weiteres:
Verkündiger postiert sich in einer Einrichtung, welche auch über öffentliche Toilettenanlagen verfügt (beispielsweise) neben die Toilettenfrau und bietet gleichfalls die Zeitschriften für den genannten Preis an, da beim ausführen des „Geschäftes" vielleicht etwas Zeit zum Lesen vorhanden sei!

Man kommt wohl nicht ganz um den Eindruck herum, angesichts der penetrant heruntergeleierten Preisangabe, bei diesen „Angeboten", dass es da wohl auch ums Geschäft geht, um die „Beraubung der Ägypter".

Neulich im Wald
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Nur zwei Drittel der Verkündiger dieses Landes würden sich am „Nachbesuchsdienst" beteiligen, und nur 75% der „Verkündiger" seien auch getauft, berichtet der „Königreichsdienst" für Juli 1957. In letzterer Zahl spiegelt sich dann ja auch der „Verkündigerdienst" von Kindern und Jugendlichen wieder, welche in dieser KD-Ausgabe auch mit „anfeuerndern" „Erfahrungsberichten" herausgestellt werden.
So wird etwa berichtet:

„Auf den Niederländischen Antillen hat ein 12jähriger Verkündiger im April 42 Stunden gearbeitet und über 250 Zeitschriften abgegeben."

So also stellt sich die WTG die Zukunft ihrer Jugend vor. Von Kindheit an, zu ihren Sklaven gedrillt!
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„Doch mit dem August kommen die heißen Sommertage und damit auch die Gedanken an Urlaub, Strand und Picknick-Ausflüge. Man ist geneigt, die Hände im Felddienst erschlaffen zu lassen, etwas auszuspannen und es ein wenig gemütlich - ja manchmal etwas zu gemütlich - zu nehmen", sorgen sich die WTG-Antreiber in der „Königreichsdienst"-Ausgabe für August 1957.

Und damit auch der letzte Begriffstutzige mitbekommt, wohin es denn zu gehen habe, tönt der KD weiter:

„Solltet ihr im August verreisen, dann denkt daran, vorher noch euren Felddienstbericht abzugeben. Über die weitere Tätigkeit in diesem Monat könnt ihr nach eurer Rückkehr Bericht erstatten, oder, wenn ihr nicht rechtzeitig genug zurückkehrt, um ihn persönlich abgeben zu können, solltet ihr ihn der Heimatversammlung mit der Post zustellen."

Die WTG-Manager kennen also keine Gnade, keine Rücksichtnahmen!

Einem Grundsatz-Artikel der besonderen Art, begegnet man in der August 1957-Ausgabe des KD gleichfalls. Unter der Überschrift „Das Problem der Literaturbeiträge" lassen die Theoretiker (und Praktiker) der „Beraubung der Ägypter" wissen:


„Wenn Verkündiger die Literatur verschenken, so entsteht dadurch ein Problem. Der Wohnungsinhaber wird erwarten, daß er von dem nächsten Verkündiger die Literatur ebenfalls umsonst erhält.
Es ist durchaus angebracht, daß interessierten Personen gestattet wird, zu den Herstellungskosten, etwas beizutragen. ...

Aber wie steht es mit solchen Personen, die mehr als den angeregten Beitrag geben wollen? Kreisdiener haben festgestellt, daß einige Verkündiger, dies ohne zögern annehmen. Würde es nicht besser sein, wenn diese Verkündiger dem Wohnungsinhaber erklären würden, daß die Spenden, um die wir bitten, lediglich dazu dienen, die Kosten der Literatur zu decken? Es ist natürlich das Vorrecht des Wohnungsinhabers, mehr zu spenden, wenn er darauf besteht, aber dann würde der Verkündiger gut tun, ein gebundenes Buch oder ein Abonnement auf die Zeitschriften "Der Wachtturm" und "Erwachet!" anzubieten.

Wenn der Wohnungsinhaber keine zusätzliche Literatur zu erhalten wünscht, dann wäre es angebracht, zu erklären, daß das Geld in unserem biblischen Erziehungswerk verwandt werden wird."


Was besagt diese geschraubte Formulierung? Vor allem eines. Die WTG-Kassen mögen ja nicht zu kurz kommen. Selbst wenn die von den „Verkündigern" bereits bezahlte Literatur, die sich da in ihren Schränken stapelt (denn ein Zeuge Jehovas der regelmäßig zu der Zeit nur ein oder zwei Exemplare der WTG-Literatur bezogen hätte, würde eher „schief angesehen" werden.) Und man würde es auch nicht beim „schief ansehen" belassen. Bei „passenden" (und auch unpassenden) Gelegenheiten, würde man ihm dann schon „verklickern". Das sei nicht das Verhalten, das die WTG wünscht.

Selbst wenn da also einer - auf eigene Kosten - WTG-Literatur verschenkt, ist selbst das der WTG nicht recht!

Und ausdrücklich findet sich dann noch in diesem KD-Artikel ein Hinweis auf den WTG-Grundsatz der „Beraubung der Ägypter" wenn man denn tönt:

„Im alten Ägypten wurden die Israeliten angewiesen, kurz vor ihrem Auszug goldene und siberne Geräte von den Ägyptern zu fordern."

„Luxemburg hatte eine Zunahme von 43% und erreichte im Mai 230 Verkündiger - eine neue Höchstzahl", jubelt der KD in der Rubrik „Neue-Welt-Nachrichten" gleichfalls in dieser Ausgabe. Nun ja, mag man dazu nur sagen. 1938 gab es dort nur 22 und 1948 dann 47 Verkündiger.
Ging das Wachstumstempo dort im gleichen Umfang fort? 1982 überstieg man - erstmals - die 1.000-Marke. 1999 war man dann bei 1869 Verkündigern angelangt, was einem Verhältnis von 1 zu 260 zur übrigen dortigen Bevölkerung entsprach.
Und die Zahl für das Jahr 2007 dann 1863. Dies ist dann ein Verhältnis von 1 zu 297.

Damit soll nicht verkannt werden, was die Verhältniszahl offenbart, dass die in Luxemburg eine der besseren in der WTG-Statistik ist. Aber gewisse Stagnationserscheinungen, sind auch dort nicht zu übersehen. Im Jahre 1996 hatte man dort schon mal ein Verhältnis von 1 zu 259 erreicht

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Michael H. Kater etwa, formulierte mal (und Aussagen dieser Art passen Leuten wie etwa Detlef G. nicht ins eigene Konzept):
„Der tiefere Grund für die Todfeindschaft zwischen Nationalsozialismus und Bibelforschertum lag in der strukturellen Ähnlichkeit der beiden Ideologien. Wie die Weltanschauung des Nationalsozialismus, so war auch die Doktrin der Zeugen Jehovas nicht demokratisch, sondern autoritär geprägt. Beide Systeme waren totalitär insofern, als sie Volksgenossen wie Glaubensbrüder streng in die jeweilige Herrschaftshierarchie eingliederten und sie in jeder Situation aufforderten, sich für die Zwecke des Systems von ihrer Eigenpersönlichkeit zu lösen. Während Nationalsozialisten sich zum "Führerstaat" bekannten, beriefen Ernste Bibelforscher sich auf die "Theokratie", in der nicht der Führer, sondern Jehova Gott diktatorisch regiere. Da beide Richtungen also den Anspruch auf Ausschließlichkeit vertraten, mußte es unweigerlich zum Konflikt kommen."


Ein neueres Veranschaulichungsbeispiel für den von der WTG geforderten und durchgesetzten Totalitarismus, liefert auch die „Königreichsdienst"-Ausgabe für September 1957. Verpackt in eine sogenannte Demonstration, in der Rubrik „Eure Dienstversammlung", sucht man da denjenigen, die beginnen die Sache etwas nüchterner zu sehen, auf hinterhältige Art und Weise, ein „schlechtes Gewissen" einzureden. Aber bilde sich jeder seine eigene Meinung dazu. Folgenden Demonstrationstext, gibt die WTG-Antreiber-Organisation da zum „besten":

25 lange Minuten, sind übrigens laut WTG-Planung, eigens für diesen Programmpunkt vorgesehen:


1. SZENE (7 Min.) Die Szene spielt sich in der Wohnung eines jungen Ehepaares ab, das den Pionierdienst aufgegeben und sich in weltliche Beschäftigungen verstrickt hat. Der Mann sitzt im Wohnzimmer und hört voll Mitleid seiner Frau zu, die sich beklagt, daß die Arbeit im Büro und im Haus einfach zuviel für sie sei. Der Mann gibt zu, daß es anstrengend sei, aber die Rechnungen müßten bezahlt werden. Er sagt, es sei ihm eine bessere Stelle angeboten worden, aber es wurde bedeuten, daß er an mehreren Abenden in der Woche Überstunden, machen müßte. Ihr Gesicht leuchtet auf, denn sie sieht darin eine Möglichkeit, die Schulden zu bezahlen und sich außerdem noch einiges anzuschaffen. Sie ermuntert ihn, das Angebot anzunehmen, und erklärt sich bereit, ihm bei der Abendarbeit zu helfen.

Plötzlich fällt ihr ein, daß sie ja in die Dienstversammlunö gehen sollten. Es ist schon spät — 19.15 Uhr. Sie fragt ihren Mann, ob er nicht eine Studierendenansprache halten müsse. Er sagt, er habe so viel zu tun gehabt, daß er den Unterweiser gebeten habe, sie einem anderen Bruder zuzuteilen. Beide beschließen, zu Hause zu bleiben. Der Mann erzählt der Frau, daß der Versammlungsdiener bei ihnen gern ein Buchstudium eingerichtet und ihn als Studienleiter vorgeschlagen hätte. Er fragt sie, was sie dazu denke. Sie jammert über daß Gebundensein und erinnert ihn daran, daß er dann in allen Dienstzweigen vorangehen müßte. Sie glaubt nicht, daß er das nebst seiner beruflichen Arbeit schaffen würde. Er gibt zu, daß et eine schwere Belastung wäre. Seine Frau tröstet ihn mit dem Gedanken, daß sie regelmäßige Verkündiger seien und in der Woche einen Durchschnitt von drei Stunden erreicht haben. Das Gewissen des Mannes ist damit beruhigt, und er setzt sich gemütlich vor den Fernseh-Empfänger.

2. SZENE (13 Min.) Während er sich an der Fernseh-Sendung ergötzt, klopft jemand an die Tür. Ein junges Ehepaar, (das durch ihn und seine Frau in die Wahrheit kam) und dessen Junge treten ein. Sie sagen ihre Dienstversammlung sei auf einen anderen Abend verlegt worden und so hätten sie nun einige Nachbesuche gemacht. Da hätten sie bei ihnen Licht gesehen und beschlossen, sie kurz aufzusuchen. Sie hätten einige interessante Neuigkeiten zu erzählen, aber sie fragten sich, wieso sie denn zu Hause seien. Die beiden suchen eine Erklärung zu geben, sind .aber offensichtlich verlegen. Ihre Besucher erzählen ihnen von ihrer Absicht, in den Pionierdienst einzutreten, und daß sie nur noch zwei oder drei Tage in der Woche arbeiten und die übrige Zeit dem Dienst widmen wollten. Sie berichten voll Freude, daß sie nun bei sich zu Hause ein Versammlungsbuchstudium hätten, daß der Mann Buchstudienleiter geworden sei und daß seine Gruppe gute Fortschritte mache. Die Frau sagt sie hätte so viele Interessierte, daß halt keine andere Möglichkeit sehe, sie alle zu betreuen, als den Pionierdienst aufzunehmen. Beide sprechen begeistert vom Kongreß 1958. Die beiden anderen sagen, sie brächten das Geld nicht auf. Der Mann meint, seine Frau könne wohl gehen, aber sie finde, es wäre selbstsüchtig, wenn sie allein ginge. Die Besucher machen sie auf den Artikel im „Königreichsdienst" aufmerksam, in dem alle angespornt werden, dabei zu sein. Es sei immerhin besser, daß wenigstens ein Glied der Familie geht, als niemand. Sie erzählen, daß sie einen neuen Wagen und einen neuen Fernsehempfänger kaufen wollten, daß sie aber, als der Kongreß angekündigt worden sei, beschlossen hätten, darauf zu verzichten und statt dessen zum Kongreß hinfahren, und sie seien froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Sie erwähnen den reichen jungen Obersten, der versagte, weil er zögerte, seine Reichtümer aufzugeben. Sie möchten nicht, daß es ihnen auch so ergeht. Sie sprechen von der Freude, die sie beim Anbieten des „Wachtturms" im Dienst von Haus zu Haus haben, und über die vorzüglichen Artikel darin. Die beiden anderen hatten noch keine Zeit gehabt, sie zu lesen. Die Besucher sprechen begeistert über die Predigtdienstschule und sagen, wie froh sie seien, die Wahrheit zu kennen.

3. SZENE (5 Min.) Nachdem ihre Freunde gegangen sind, sehen sich der Mann und die Frau ernst an. Sie sind sich nun bewußt, wie sehr sie zurückgekommen sind. Sie wollen etwas dagegen tun. Sie nehmen sich vor, etwas, das sie nicht unbedingt brauchen, zu, verkaufen, um die Rechnungen zu bezahlen. Der Mann beschließt, die neue Stelle abzulehnen. Statt dessen will er seine Wohnung als Dienstzentrum zur Verfügung stellen und ist entschlossen, sein Bestes zu tun, falls er als Studienleiter eingesetzt wird. Dadurch hat sich ihr Gewissen schon etwas beruhigt. Sie sprechen davon, den Pionierdienst wieder aufzunehmen. Die Szene endet damit, daß der Bruder seine Dankbarkeit dafür ausdrückt, daß Jehova ihn aufgerüttelt hat.


Was die in diesem Text mit erwähnte „Anspornung" zum Besuch des 1958er Kongreßes in New York, auch durch „Delegierte" aus anderen Ländern, anbelangt, sei dann noch als Kontrast dazu zitiert, was Josy Doyon in ihrem Buch „Hirten ohne Erbarmen" dazu berichtet:

Wie man begeistert nach New York fährt
Inzwischen nahte sich der vierte Sommer, den ich als eugin Jehovas erlebte. Und damit der grosse Weltkongress des Jahres 1958 in New York. Diesmal sollten die Zeugen der ganzen Welt sich dort zu einem einmaligen Kongress versammeln. Schon Monate vorher wurde in allen Versammlungen dieses Ereignis besprochen und alle wurden ermuntert, wenn irgend möglich an diesem Kongress teilzunehmen.

Hans und ich dachten natürlich nicht im Traume daran. Wir lebten bescheiden, denn Hans verdiente einen kleinen Lohn. Dieser reichte kaum aus, um uns ordentlich zu ernähren, und wir hatten beständig Mühe, das Lokalgeld und die Literatur zu bezahlen. Allerdings hatte ich eben von meinem verstorbenen Grossvater zweitausend Franken geerbt, davon wollten wir einige notwendige Anschaffungen für den Haushalt machen.

Je näher nun der Kongress rückte, desto intensiver wurden die Versammlungen durch Briefe der Gesellschaft bearbeitet, so viele Delegierte wie möglich nach New York zu entsenden. In unserer Versammlung hatten sich bereits einige zur Reise entschlossen und wurden dementsprechend den anderen als Beispiel vorgestellt.

Zwei dieser angehenden Delegierten müssten nun mit Hans und mir eine Demonstration vorbereiten, welche die Unentschlossenen und solche, die zu wenig Wertschätzung hatten, anspornen sollten, sich doch noch für die Fahrt zu entscheiden.

Hans und ich müssten ein Ehepaar spielen, das sich eben vorgenommen hatte, einen Kühlschrank und einen Fernsehapparat zu kaufen. Nun kamen die beiden anderen zu Besuch und erzählten uns voll Begeisterung, dass sie zum Weltkongress nach New York reisen würden, und wie wunderbar das sei. Wir beide müssten darauf allerlei Einwände vorbringen: dass wir an sich bestimmt auch gerne gehen würden, aber im Moment sei ein Kühlschrank unbedingt wichtig und einen Fernsehapparat hätten wir uns schon lange gewünscht.

Die Szene passte zwar nicht auf uns, denn wir besassen nicht einmal ein Radio. Kochen musste ich auf einem kleinen Rechaud, und auf einen Kühlschrank wagten wir nicht einmal zu hoffen. Doch einen richtigen Kochherd wollten wir uns kaufen und noch manches andere, das nötig gewesen wäre.

In dieser Demonstration mussten uns nun die beiden davon überzeugen, dass es überhaupt momentan nichts geben könne, was nur annähernd so wichtig sei, wie dieser einmalige Kongress. Es sei ja gut möglich, dass es der letzte sei vor Harmagedon.

Als die Demonstration gut eingeübt war, fragten uns die beiden im Ernst, ob wir nicht auch nach New York fahren könnten. Wir konnten nicht sagen, wir besässen kein Geld, denn da waren die zweitausend Franken. Und das Flugbillet für eine Person kostete im Kollektivpreis bis New York und zurück 1140 Franken.

Ich wurde unruhig und mein Gewissen bockte wieder einmal wie eine widerspenstige Ziege: «Wo ist deine Wertschätzung, altes Mädchen? Seit wann hockst du auf dem Geld, wenn es um die Interessen des Königreichs geht?»

Ich schluckte, schrieb meine höchst irdischen Wünsche ins Kamin und sagte: «Du könntest eigentlich gehen, Hans, für einen würde das Geld gerade reichen.»
«Wunderbar», riefen die Schwestern begeistert, «seht ihr, es geht, wenn man wahre Wertschätzung hat!»

Aber Hans schüttelte den Kopf und murrte:
«Kommt gar nicht in Frage, Helga, das Geld ist von deinem Grossvater und gehört dir, ich gehe damit nicht nach New York.»
«Das Geld gehört nicht mir, sondern uns! Es steht ja geschrieben: die zwei werden ein Fleisch sein, oder? Du kannst also getrost losfliegen.»

Hans liess nicht so schnell locker: «Dann solltest wenigstens du gehen und nicht ich.»
«Ich kann doch unsem Dani nicht allein zurücklassen, ich stille ihn doch noch immer.»
«Das Baby könntest du aber ganz gut mitnehmen», schalteten sich die beiden wieder ein, «du hast ja in Nürnberg gesehen, wie viele Mütter ihre Kleinkinder bei sich hatten. Einige brachten sie sogar dort zur Welt.»

«Ich wage so etwas einfach nicht», wehrte ich mich, «die wahnsinnige Hitze im Hochsommer und dann erst noch die lange Flugreise. Der Kleine ist schliesslich erst vier Monate alt!»

Ich dachte an Nürnberg, an die brütende Hitze und die schwitzenden Mütter mit ihren gequälten Gesichtern, die krampfhaft versuchten, ihre Kleinkinder vor den sengenden Sonnenstrahlen zu schützen. Erst seit ich selbst für ein Kind zu sorgen hatte, begann ich am eigenen Leib zu spüren, wie sehr die «wunderbaren Vorkehrungen» der Gesellschaft, der Versammlungsbesuch, der Predigtdienst, die Kongresse einem zum Alpdruck werden konnten.

Mutter hatte mich einmal während der Schwangerschaft gefragt: «Wie machst du es denn mit den Versammlungen, wenn das Kind da ist? Willst du dann noch immer gehen?»
«Aber selbstverständlich», sagte ich stolz, «bei den Zeugen ist es nicht so wie in der Kirche. Bei uns nehmen alle Mütter ihre Babys schon bald nach der Geburt mit zu den Zusammenkünften.»

Sie hatte den Kopf geschüttelt und es ihrer Freundin erzählt. Diese hatte ebenfalls den Kopf geschüttelt und gemeint, so etwas sei verantwortungslos. Sie war nämlich in der Säuglingspflege geschult. Aber ich liess mich nicht beirren und dachte, die Brüder hätten bestimmt recht, wenn sie uns dazu aufforderten, die Kinder mitzunehmen. Sie argumentierten nämlich, auch die Israeliten hätten das tun müssen bei den damaligen grossen Zusammenkünften, die ein Schattenbild unserer Kongresse seien.

Leider hatte ich damals keine Ahnung, dass eine Bibelstelle von Hanna berichtet, welche nicht mehr mitging nach Jerusalem, weil sie ein Kind erwartete und welche auch nachher nicht ging, solange sie dieses stillte.
Dann war mein Kind gekommen und damit das Verantwortungsbewusstsein für das hilflose, winzige Wesen. Vorbei war es mit meiner Begeisterung, es überall mitzuschleifen. In die Versammlungen musste ich aber gehen wegen meines Dienstamtes. Also teilte ich krampfhaft den ganzen Tag so ein, dass das Kind am Abend, wenn ich mit Hans die Wohnung verliess, ganz fest schlief. Wir hatten einen ziemlich weiten Weg zu Fuss bis zum Lokal und oft regnete es, wie hätten wir das Kind da schon mitnehmen können? Aber während der ganzen Versammlungszeit nagte eine heillose Angst an mir, dem Kind könnte etwas geschehen. Und immer wieder gab es Geschwister, die fragten, warum ich denn das Kind allein lasse, statt es mitzunehmen. Zudem war das Lokal damals dumpf und klein, meist überfüllt und voll schlechter Luft. Hätte ich da das Neugeborene jeder Ansteckungsgefahr und dem Lärm bis spät in die Nacht preisgeben sollen?

Lieber ertrug ich die ständige Angst, die lästigen, vorwurfsvollen Fragen der Geschwister und die verächtlichen Blicke der Nachbarn, welche herumtuschelten, ich vernachlässige mein Kind, weil ich ständig den Versammlungen nachrenne. Meine Nerven wurden dünn und gespannt in den ersten Monaten nach der Geburt.
Doch war ich nicht fähig, mein Dienstamt von mir zu schütteln, der ganzen Wachtturmgesellschaft zu trotzen und daheim zu bleiben bei meinem Kind. Ich fürchtete mich vor Harmagedon, das dann auch das Leben dieses über alles geliebten Wesens ausgelöscht hätte.

Als elendes Nervenbündel gebärdete ich mich vielmehr vor der Aussenwelt, als sei ich das glücklichste Geschöpf des Erdbodens, nur um der «Wahrheit» willen. -

Hans gab dem Drängen von allen Seiten nach, und wir beschlossen, er solle sich in der Versammlung gleich anmelden. Bald begann er sich denn auch auf die einmalige Reise mit dem Flugzeug zu freuen und wir sprachen nicht mehr von dem Geld, sondern zahlten es sogleich an die Wachtturmgesellschaft ein. Noch heute besitzen wir das Postbüchlein, wo als erste Einzahlung die Fr. 1140.- prangen.

Eine Weile vor dem Kongress besuchte auch noch der Kreisdiener mit seiner Frau unsere Versammlung. Offenbar hatte er die Pflicht, nach weiteren Delegierten Ausschau zu halten. Er sollte «liebende Vorkehrungen treffen», um noch weitere Schäflein durch praktische Vorschläge an den Weltkongress zu lotsen. Wie immer war er mit seiner Frau auch bei uns zum Essen eingeladen.

Sofort drehte sich unser Gespräch um den bevorstehenden Kongress. Dass solche Gespräche vom Kreisdiener nie zufällig angeschnitten wurden, entging meiner Aufmerksamkeit.

«Ich habe gehört, dass Hans zu dem Kongress nach New York fliegen wird», hob er an. «Das freut mich, denn es zeigt, dass ihr wirkliche Wertschätzung habt und die grosse Bedeutung solcher Kongresse erkennt!»

Wir freuten uns über dieses Lob, aber nicht lange. Sogleich fragte die Frau des Kreisdieners mich:
«Und du, Helga, könntest du nicht auch mitkommen mit dem Kind? Es wäre doch wunderbar, wenn ihr zusammen gehen könntet!»

«Das ist wirklich unmöglich», sagte ich mit dem besten Gewissen der Welt, denn nun sassen wir für lange Zeit wieder auf dem trockenen, und ich war richtig froh darüber. Es schien mir viel besser, kein Geld zu haben, als ein schlechtes Gewissen.

Mary hatte sich aber noch nicht zu Tisch gesetzt. Bei meinen Worten zog sie einen unserer prachtvollen, antiken Plüschstühle vom Tisch zurück, legte ihre schmalen, weissen Hände auf das leuchtende Rot des Möbelstücks und deutete lächelnd auf die restlichen Stühle:
«Ihr könntet doch diese Stühle verkaufen, dafür bekämt ihr eine Menge Geld. Das würde jedenfalls bestimmt ausreichen, damit auch du nach New York reisen könntest. Andere Geschwister verkaufen ihre Häuser, um dabei sein zu dürfen. Es ist doch ein wunderbares Vorrecht, am reichlich gedeckten Tisch Jehovas teilhaben zu dürfen, der in New York uns bereitet wird. Welch eine Fülle von geistiger Speise werden wir da in uns aufnehmen können!»

Sie blieb hinter dem Prachtsstück von Stuhl stehen und sah mich herausfordernd an. Auch des Kreisdieners Augen ruhten auf mir und Hans stand schweigend am Fenster, ohne sich zu rühren.

In mir stieg eine Welle von Zorn hoch. Es war ja schön und gut, Häuser und Möbel vor lauter Wertschätzung zu verkaufen, aber dass man sich dazu überreden lassen musste, fand ich unverschämt. Womit hätten wir eigentlich neue Stühle kaufen sollen?

Ausserdem ... Ich blickte Mary fest in die Augen und sagte eisig: «Diese prächtigen Stühle hier hat mir meine Adoptivmutter zur Hochzeit geschenkt. Hinter denen steht eine lange Familiengeschichte und sie sind Mutter sehr teuer. Und obwohl sie mir alles geschenkt hat, würde ich es niemals als mein Eigentum betrachten, sondern nur als entliehen. Mutter kann alles jederzeit zurücknehmen, ich hüte es nur für sie, weil ich überzeugt bin, kein Recht auf solch kostbare Geschenke zu haben. Ich bin nicht ihr eigenes Kind, und ich muss ihr immer wieder weh tun, weil ich weder ihre Kirche noch ihren Glauben schätzen kann. Deshalb will ich ihre Güte nicht ausnützen. Diese schönen, antiken Möbel stehen nur in unserer Wohnung, weil ich Mutter weh getan hätte, wenn ich sie zurückgewiesen hätte. Vielleicht kommt aber noch der Tag, an dem es sie reut, mich adoptiert zu haben. Dann soll sie jedes Stück zurück bekommen, das sie mir einmal gegeben hat.»

Damit setzte ich mich zu Tisch und weder Mary noch ihr Mann wagten es, uns weiter zu bearbeiten.
Später bat ich Mutter, schriftlich festzulegen, dass die antiken Möbel ihr Familiengut seien, welches sie mir nur geliehen habe. Sie wollte dieser Bitte nicht entsprechen, konnte sie doch nicht ahnen, dass ich richtig Angst hatte, man würde mich eines Tages so lange bearbeiten, bis ich nachgeben müsste.

Ich wusste ja nachgerade genau, was für eine zwingende Gewalt die Gesellschaft über uns auszuüben verstand. Und zu alledem hätte ich, wie Hunderttausende von Mitzeugen, noch gute Miene machen müssen....

So flog also Hans zum Kongress nach New York. Ich konnte nur hoffen, dass Harmagedon wenigstens nicht in dieser Zeit den Anfang nehme. Es lief nämlich das Gerücht unter den Zeugen, es könne ganz gut sein, dass Harmagedon einmal während eines Weltkongresses anbreche. Dann wären die Zeugen alle schön beisammen und würden von Jehova wunderbar geschützt. Fraglich sei natürlich, ob er auch die Zeugen schütze, die nicht genug Wertschätzung aufgebracht hätten, an den Kongress zu gehen. So wurde die kluge Propaganda des Wachtturms mit weniger klugen, aber wirksamen Flüsterreden von den Zeugen selbst ergänzt.

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„WalMart" verkündet in seinem morgendlichen Meeeting. Ach ja, da muss dann wohl schon eine kleine Korrektur vorgenommen werden. Aber wirklich nur eine kleine. Denn es handelt sich in der Tat nicht um „WalMart", sondern um die WTG (was wiederum in der Praxis kein übergroßer Unterschied ist, denn ums verkaufen (möglichst erfolgreich verkaufen) geht es ja beiden gleichenmaßen.

Im „WalMart"-WTG-Meeting, nachlesbar im „Königreichsdienst" für Oktober 1957, kann man wieder einmal lesen:


„Die heutige Weltlage erfordert von allen Zeugen Jehovas größere Wachsamkeit als je zuvor. Weshalb? Weil der Materialismus immer mehr überhandnimmt [Einfügung. Böse Zungen meinen dazu: Nicht zuletzt bei den WTG-Funktionären der gehobeneren Nomenklatura, die in der Betteltechnologie inzwischen eine besondere Kunstfertigkeit erreicht haben.

Weiter im KD-Text] die Dämonenherrschaft sich immer mehr über die Erde ausbreitet

[Einfügung. Das wäre dann wohl so ein Fall geeignet für die Detail-Defintion. Unfraglich dürften Ex-ZJ-Kreise da zu einer anderen Definition gelangen, als die im WTG-Gefängnis befindlichen.

Weiter im KD-Text] und die Schlacht von Harmagedon eilends herannaht [Einfügung: Der Satz durfte natürlich nicht fehlen gehört es doch zum allmorgendlichen „WTG-Rosenkranzgebet" oder fallweise auch der tibetanischen WTG-Gebetsmühle].

Was wäre ein Konzern wie „WTG-WalMart", wenn in solchem Meeting nicht zugleich eine Anfeuerung zu neuen Höchstleistungen mit eingebaut wäre?! Man braucht darauf nicht zu warten. Auch selbige wird prompt mitgeliefert. Und so liest man denn als Verkaufsempfehlung:

„Im vorigen Erwachet!-Feldzug wurden alle Erwartungen übertroffen. Die Sonderpioniere erlangten durchschnittlich 4 Abonnements, die allgemeinen Pioniere 3,1, die Ferienpioniere 1,7 und die Versammlungsverkündiger 0,2.
In diesem Jahr beträgt die Quote ein Abonnement für jeden Versammlungsverkündiger, fünf Abonnements für allgemeine und Ferienpionierer und acht für Sonderpioniere."


Angesichts solcher Anfeuerung, fehlt dann blos noch der Schlusssatz: „Nun aber, frisch ans Werk!"

Der Fairnes halber muss man dann wohl noch einräumen: Kleinvieh soll auch Mist machen. Ohne Frage. Aber solche Abonnements sind doch eben nur dem Bereich „Kleinvieh" zuzuordnen. Die „großen Geschäfte" pflegen sich auf anderen Sektoren abzuspielen. Zum Beispiel dem Sektor Immobilien. Es wäre wahrlich wunderlich, hätte die WTG das nicht auch schon mitbekommen. Und in der Tat, man braucht sich nicht zu „wundern". Ein Beispiel dafür kann man auch dieser KD-Ausgabe entnehmen. Da liest man zwar in dürren (gleichwohl inhaltsschweren) Worten den Satz:

„Brüder, die von Beruf Maler sind und Freude daran haben, etwa zwei Monate an unserem Neubau mitzuarbeiten, werden gebeten, sich umgehend zu melden."

Das bezog sich dann auf die Immobilien in Wiesbaden. Welche die WTG inzwischen schon wieder in klingende Münze umgesetzt haben dürfte.

Man beachte auch die Details. Von zwei Monaten ist da die Rede. Nun, im Baugewerbe, erst recht nicht in den Sommermonaten, pflegt kein regulärer Betrieb, einen zweimonatigen Urlaub zu gewähren. Wer denn diesem WTG-Angebot folgt, ist praktisch genötigt, erst mal sein bestehendes Arbeitsverhältnis zu beenden. Und anschliessend dann die zwei Monate für Null over bei der WTG absolvieren zu können.

Das sind die eigentlichen Geschäfte, welche die WTG, je länger je mehr, betreibt. Dagegen fällt die Abonnements-Werbung in der Tat in die Rubrik „Kleinkram".
Je nach wirtschaftlicher Konjunkturlage, mag da mancher solches zweimonatiges aussetzen auf eigene Kosten, ja noch verkraften. Wehe aber, die Konjunkturlage ist ungünstig. Dann kann sich nämlich noch eine Anschlussphase namens Arbeitslosigkeit daran hängen. Wen das allerdings zu allerletzt interessiert, das ist in der Tat die WTG.

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Im letzten Jahre haben „nur ein Drittel der Königreichsverkündiger Bibelstudien durchgeführt," beklagt sich der „Königreichsdienst" für November 1957.
Und weiter im KD-Text:

„Wir haben uns deshalb ein Sonderziel gesteckt - wir möchten erreichen, daß mehr Königreichsverkündiger Bibelstudien durchführen. ... Bis zum 31. Dezember sollten es mindestens zwei Drittel der Verkündiger sein."

Zu der hochstaplerischen Wortwahl „Bibelstudien" wäre schon mal festzustellen: Weniger als das! Es handelt sich allenfalls um ein „Studium" von WTG-Büchern im indoktrinierendem Sinne. Niemals aber um ein „Bibelstudium" im eigentlichen Sinne.

Noch was offenbart diese Klage. Die „Akzeptanz" - genauer - die Nichtakzeptanz, der WTG-Verkündigung in breiten Bevölkerungsschichten. Daran ändert auch der antreiberische Forderungskatalog, diese „Studien" mögen doch bitte schon verdoppelt werden, nicht das geringste.

In der Rubrik „Eure Dienstversammlungen" liest man als „aktuelles" Verkaufsangebot:

„Wir empfehlen daß dabei zuerst die Broschüren 'Christen im Feuerofen' bis 'Ist die Religion der Weltkrise gewachsen?' verwandt werden. Reicht der davon vorhandene Vorrat nicht mehr aus sollten die Sätze durch die nächstfolgenden Broschüren ergänzt werden."

Man rekapituliere also nochmals. Das wurde Ende 1957 empfohlen! Genannte Broschüren kamen jedoch schon kurz nach 1945 heraus (bzw. letztere im Jahre 1951). Offenbar wurden da (wie üblich) Unmengen gedruckt, die man nun unbedingt noch los werden will. Gegen klingende Münze - versteht sich.
„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan ..."

Jerry Bergman etwa,unter Berufung auif William Cetnar, berichtete einmal:
„Als ich Charlie kennenlernte, hatte er schon über 30 Jahre gearbeitet. Nun war er alt und schon etwas verkalkt, aber immer noch sehr tüchtig. Präsident Knorr zitierte ihn häufig als Beispiel dafür, wieviel man schaffen könne. Er war der beste Buchbinder auf der vierten Etage gewesen.

Wie allen anderen Bethelmitarbeitern war es ihm nicht gestattet zu heiraten, falls er im Bethel bleiben wollte. Knorr hatte dieses Prinzip häufig betont, und Charlie war damit ganz und gar nicht einverstanden. Doch im Jahr 1952 heiratete Präsident Knorr eine der Schwestern im Bethel, Audrey Mock, und brach damit die Regel. Einige Jahre nach der Heirat ging Charlie zu Präsident Knorr und sagte ihm, er habe seine eigene Regel gebrochen und solle deshalb zurücktreten. Und dann sagte er noch: ,Du predigst mehr über Liebe als alle anderen (...) und zeigst sie doch selbst am wenigsten.'

Zur Strafe wurde Charlie von seinem Platz im Eßsaal verwiesen und mußte hinten in einer Ecke Platz nehmen. Zur Begründung hieß es, er habe unanständige Sprache gebraucht (...). Er weigerte sich, den neuen Sitzplatz zu akzeptieren, und kehrte einfach an seinen alten Platz zurück. Man machte ihm das Leben im Bethel so schwer, daß er seine paar Habseligkeiten packte und das Haus verließ. Das Bethel war sein ganzer Lebensinhalt gewesen. Sogar seinen Urlaub hatte er dort verbracht. Er wußte nicht, wo er hingehen sollte. (...) Später lernte ich ihn kennen. Er wohnte gerade in einem schrecklichen Obdachlosenasyl für 50 Cent die Nacht. Als sein Geld alle war, bettelte er Bethelmitarbeiter und andere Zeugen an, damit er etwas Geld für Essen bekam. Ich habe ihm was gegeben (...), (aber) man sagte den Bethelmitarbeitern, sie sollten Charlie kein Geld geben, und an die umliegenden Versammlungen wurde ein Brief verschickt, in dem dasselbe stand. Damit wollte man ihn zur Rückkehr zwingen. Auf einer Parkbank ist er dann gestorben. Das ist der Lohn, den ein Mensch für vier Jahrzehnte treuen Dienst in ,Gottes Organisation' bekommt, weil er auf eine ganz offensichtliche Unstimmigkeit hingewiesen hatte. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie wenig Liebe in der Weltzentrale wirklich herrschte."

Ein anderes Beispiel des Manchesterkapitalismus der WTG:

http://forum.sektenausstieg.net/index.php?topic=14480.msg326408#msg326408

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Der „Königreichsdienst" für Dezember 1957 tönt:
(„Fox tönende Wochenschau" ist es wohl nicht. Die hatte wohl etwas mehr Niveau als der „Königreichsdienst"). Wie auch immer letzterer tönt:

„Wieviel Zeit verbleibt noch für das Verkündigungswerk? Die „anderen Schafe" müssen eingesammelt werden, bevor Harmagedon hereinbricht. Jehova fragte nicht: „Wie lange" ... Wer ist heute bereit, sich im Interesses des ... Werkes ... etwas mehr zu verausgaben als sonst? Wer ist heute willens, etwas von seiner Zeit zu opfern, um ins Feld zu ziehen. ... Wer ist heute bereit, sich seine persönlichen Wünsche zu versagen und auf Vergnügen, Luxus und Freunde zu verzichten, um dem Ruf ins Feld zu folgen."

Die in diesem Zitat mit enthaltene Vokabel „verausgaben ...." ist in der Tat „das" Schlüsselwort der gesamten WTG-Religion. Alles in ihr ist nur auf dieses eine Ziel ausgerichtet. Die Betörten mögen sich für die WTG-Religion „verausgaben..." In jeder Beziehung, seelisch, zeitlich und keineswegs an „letzter" Stelle, auch materiell. Da gibt es eine Karikatur. Selbige könnte auch der WTG-Religion auf den Leib geschrieben sein:


Zitat im dazugehörigem Text
"Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir, Bertrand,
die Zeiten der Kommanditgesellschaft werden vergehn,
aber die Maulaffen werden nicht ausgehen.
Trachten wir nach dem, was ewig ist!
Wie wär's, gründen wir eine Religion, he?" —
"Teufel, Teufel! Eine Religion ist nicht leicht zu gründen" —
"Du bist immer dumm, Bertrand!
Man ernennt sich zum Papst,
man mietet eine Bude,
man leiht sich Stühle aus
und man predigt:
über den Tod Napoleons,
die Entdeckung Amerikas,
über Molière,
über irgend etwas!
Schon hat man eine neue Religion.
Das ist alles nicht so schwer, als man glaubt!"

Notizen aus "Unser Königreichsdienst" (1958)

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