Notizen aus "Informator" 1956

Für die ersten vier Monate des Jahres 1956, ruft die WTG wieder mal einen „Wachtturm-Feldzug" aus, laut „Informator" für Januar 1956. Die Nummer 18 selbigen, seitdem diese Treppenterrier-Innovation, in den USA im Jahre 1939 erstmals das Licht der Welt erblickte.

1939 hätte man so in den USA 134.211 Abonnements aquiriert, 16 Jahre später dortselbst sollen es 353.492 gewesen sein. Es ist für die Herrschaften des vorauseilenden Gehorsams, im Wiesbadener WTG-Büro selbstverständlich, ihrem USA-Vorbild sklavisch zu folgen. Auch dann wenn äußere Rahmenbedingungen nicht unbedingt dafür sprechen. Das verdeutlichen dann wohl auch die Zahlen für Deutschland. Im Januar 1954 erreichte man dort 8.259 Neu-Abonnements. Im Monat Februar waren es deren dann nur noch 5.620.

Einen Buhmann diesbezüglich hat die WTG erneut ziemlich rasch entdeckt. Das kalte Winterwetter. Ihre Doktrin besagt zwar, die Erfolgskurve könne immer nur steil nach oben weisen. Indes wie die Zahlen vom Februar 1954 zeigen, ist das durchaus nicht immer der Fall.

Was tun sprach Zeus, ist offenbar auch das Motto der WTG in dieser Situation. Ihr „Patentrezept" dazu ist wieder mal eine Demonstration. Ein „Bruder Eifrig" und ein Bruder „ich versuchs" unterhalten sich dabei über ihre Erfahrungen. Etwas später gesellt sich ihnen noch eine „Schwester Eifrig" mit hinzu. Besagter „Bruder Eifrig" berichtet jublierend, er sei beim Treppenterrierdienst vom Wohnungsinhaber in dessen Wohnung eingeladen worden, dieweil es dem Wohnungsinhaber bei den Wintertemperaturen, an der Wohnungstür auch etwas zu ungemütlich geworden war. Und just in dieser Gemengelage habe er dann dem Wohnungsinhaber ein WT-Abonnement aufschwatzen können. Bei diesem Bericht indes, wurde der andere „Bruder ich versuchs" ganz kleinlaut. Schließlich äußert er auf Befragen: „Die meisten Leute scheinen lieber eine Minute oder so mit mir vor der Türe frieren zu wollen, bevor sie sie wieder schließen."  Nichts da also mit einer Einladung in die Wohnung.

Nun besagt die WTG Regie bei dieser Demonstration, dem „Bruder ich versuchs" werden dann ein paar Tipps gegeben. Etwa auch der, zielbewußt gleich mit den ersten Worten mitzuteilen, man möchte doch gerne zum Eintritt in die Wohnung aufgefordert werden. Etwa solle er dann als einleitende Sätze verlautbaren:

Ich gehöre einer Gesellschaft von Predigern an, die die Leute gerne besuchen, um mit ihnen in ihrer Wohnung zu sprechen. Darf ich vielleicht einen Augenblick eintreten?" Dann wäre erst mal eine „Kunstpause" angesagt, um dem Wohnungsinhaber zum „Ja Sagen" eine Chance zu geben. Die weitere Belehrung besagt dann, es komme auch auf ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl an, wie lange man denn jene Kunstpause gewährt, bevor der einstudierte WTG-Text dann weiter herunter gerattert wird.

Da dieses nachdrückliche Betonen, man wolle gerne in die Wohnung eingeladen werden, einer Gratwanderung gleichkommt, wo aufzupassen ist, wo die inszenierte WTG-Absicht, die rote Linie der zu penetranten Aufdringlichkeit überschreitet, endet diese Story damit, dass man dem etwas weniger erfolgreichen „Ich versuchs", dann seine genaue Verhaltensweise vorab, per „Sandkastenspiel" einstudieren lässt. Das liest sich in jener „Informator"-Ausgabe dann so:

Ich versuch's" dankt für die Ratschläge und fragt, ob „Eifrig" ihm zuhören wolle, wenn er einige Einleitungen bei Schwester „Eifrig" als Wohnungsinhaberin ausprobiere, um zum Eintreten eingeladen zu werden."  Wie man sieht, der Job als WTG-Treppenterrier, ist alles andere denn als „Zuckerschlecken".

Vorab teilt die „Informator" Februar Ausgabe 1956 mit, die in WTG-Sicht erfolgreiche Aktion mittels der Broschüre „Christenheit und Christentum - Was ist das Licht der Welt", solle nunmehr wiederholt werden. Dazu werde die reguläre „Wachtturm"-Ausgabe vom 1. 4. 1956 als sogenannte „Sonderausgabe" gestaltet. In der Zeit vor dem 21. 3. 1956 solle diese Ausgabe dann zur Verfügung stehen. Damit hat es aber keineswegs schon sein bewenden. Die WTG fordert dazu, die örtlichen ZJ-Versammlungen haben bis spätestens 20. 2. 1956 ihre Zusatzbestellungen dazu bei der WTG aufzugeben. Selbstverständlich erfolgt diese Sonderbestellung als Zusatz zu eurer regulären Zeitschriften-Bestellung." Als Animierungsbeispiel wird auf die ZJ-Versammlung Alsdorf (in der Nähe von Aachen) verwiesen. Geschichtlich geprägt, wohl eher eine katholische Gegend. Gleichwohl wie auch andere geschichtlich-katholische Gegenden, für die WTG besonders erfolgsträchtige Wilderungsgebiete. Jedenfalls weitaus erfolgreicher als jene Gegenden, wo es geschichtlich geprägt, mehr liberalere Formen des Christentums gibt. Da hat die WTG eher einen schweren Stand. Nicht so in den traditionellen katholischen Brett vorm Kopf Gegenden. Wer denn beispielhaft einem „heiligen Rock zu Trier" seine Reverenz erweist. Der ist dann wohl auch bereit eine Aberglaubensform durch eine andere auszutauschen, wenn die daran interessierten Religionsverkäufer es nur geschickt genug verstehen, ihr „Neuangebot" zu verkaufen. Und um dieses „geschickt genug" müht sich in der Tat die WTG. Bezüglich ihres Musterbeispieles Alsdorf führt die WTG dann noch aus:

Zum Beispiel berichtete uns die Versammlung Alsdorf, daß im vergangenen April 110 Verkündiger 1080 Zeitschriften verbreitet haben. Der Versammlungsdiener wird also für die Versamlungsverkündiger mindestens 1080 Extra-Exemplare es Wachtturms vom 1. April 1956 bestellen dazu noch die von den Pionieren zusätzlich gewünschte Zahl."  Das tückische an der ganzen Sache ist dann wohl auch. Die bereits genannte „Christentums"-Broschüre war nicht zwangsläufig termingebunden. Eine datierte Sonderausgabe des WT ist es aber. Insoweit eine zusätzlicher WTG-Hebel, ihre Treppenterrier zu zwingen, innerhalb kürzester Zeit, besonders extreme Verkaufsanstrengungen zu unternehmen!

Zur Vorab-Beschreibung jener WT-Sonderausgabe teilt die WTG noch mit, er werde auch „einen Artikel über den Kommunismus (ein Tatsachenbericht) sowie anderen Stoff" enthalten.  Nun weis man ebenfalls traditioneller Weise. Das Verhältnis Zeugen Jehovas - kommunistische Regime, ist wahrlich kein „Liebesgeprägtes". Wenn die WTG also in der Folge dazu entsprechende Publizistik betreibt, und dazu vorsätzlich das Instrumentarium einer in höherer Auflage erscheinenden Sonderausgabe nutzt, so hat man diesen Umstand mit Sicherheit auch in den östlichen Gefilden registriert. Die östliche Reaktion darauf dürfte ähnlich beschaffen gewesen sein, wie weiland die Reaktion des Naziregimes auf die ZJ-Flugblattaktionen. Mit einem Wort. Es werden zusätzlich „schlafende Hunde geweckt". In beiden Fällen bestand die Schlußfolgerung jener „Hunde" nun darin, ihren Repressionsapparat in Sachen Zeugen Jehovas, noch konzentrierter auszubauen. Keine Wirkung ohne Ursache!

Das Thema jener WT-Sonderausgabe wird dann in der März Ausgabe 1956 des „Informator" fortgesetzt. Mindestens zehn Millionen Exemplare, so tönt der WTG-Präsident Knorr in ihr, wolle man davon abgesetzt sehen. Und die Individualquoten für diese etwa sechs Wochen andauernde Aktion, werden in dieser Ausgabe auch noch genannt. Mindestens 20 Exemplare pro Nase, seien abzusetzen.

Da kommt dann auf die örtlichen Honoratioren auch wieder was zu. Ihre Aufgabe ist es wieder mal, die Druckschraube massiv anzuziehen, um auch den allerletzten in den Treppenterrierdienst zu zwingen. Ein gewisses mulmiges Gefühl stellt sich dabei wohl auch bei besagten Honoratioren ein. Ihre eingeschliffene Technologie, zweimal monatlich, „schwarze Listen" mit den Namen jener anzufertigen, welche bis zu den jeweiligen Terminen keine Berichte über den Treppenterrierdienst abgeliefert haben, wird diesbezüglich fortgesetzt.

Die Belehrung an die Honoratioren seitens der WTG lautet dann, deren geforderte Vorbildfunktion, im sklavischen Erfüllen der WTG-Forderungen, habe selbstredend gewährleistet zu sein. Aber man orientiert auch darauf, dass die Basis jener die da internen Druck ausüben, möglichst breiter ausgestaltet wird. So dass die Last des Druck ausübens nicht nur auf einigen wenigen Schultern ruhen möge. So gibt es beispielsweise die sinnige „Empfehlung":

Er (der Aufseher) spricht mit einer Schwester, die die Aufsicht haben wird bei einem Treffpunkt während der Woche, und bittet sie, eine Verkündigerin aufzusuchen und in den Dienst mitzunehmen, die am Sonntag nicht ausziehen kann, weil ihr Mann dagegen ist."  Das ist dann ein typisches Beispiel der „Ehe zu dritt", wo sich die WTG anmaßt, in Familien mit hinein zu regieren. Einerseits respektiert jener Mann ja, dass seine Frau zu den ZJ-Versammlungen hinrennt, was durchaus nicht als selbstverständlich zu bezeichnen ist. Diese Toleranz wird jedoch WTG-seitig zugleich rücksichtslos für ihre egoistischen Interessen mißbraucht.

Siehe auch Eheprobleme

Die zahlenverliebte WTG kredenzt in der April Ausgabe 1956 des „Informator", wieder mal einige davon. Laut von der WTG-Organisation geführten „Verkündiger-Dienstkarten" habe man etwa 52.000 davon zu der Zeit in ihren Karteien. Da laut WTG-Forderung aber jener April eine Zeit neuer Höchstzahlen sein solle, rechnet man vor, die WTG-seitig vorgesehene Quote für jenen Monat, betrage aber 53.348. Also weitaus mehr als man bis zu diesem Zeitpunkt an ZJ-Kartei-Mitgliedern habe. Da das berüchtigte „positive Denken" (auch wenn die Rahmenbedingungen keineswegs „positiv" sind) mit zu den WTG-Glaubenssätzen gehört, wenn nicht gar „der" Glaubenssatz ist, schielt die WTG dann desweiteren, auf die zu diesem Zeitpunkt etwa 17.000 durchgeführten „Heimbibelstudien". Die ziemlich unverblümte WTG-Belehrung auch dabei, die Druckschraube noch ein paar Windungen anzuziehen. Laut WTG-Instruktionen sollen zwar das „Studium" von zwei WTG-Büchern, bei den „Neuinteressierten" der WTG-Standard sein. Wenn selbige nach der Indoktrination der zwei WTG-Bücher aber immer noch keine Anstalten machen, sich in das Heer der Treppenterrier mit einzuordnen, dann haben jene Unbotmäßigen zu gewärtigen, dass sie nunmehr mit ultimativen Forderungen der WTG, in verstärkt bedrängendem Maße konfrontiert werden. So hofft man also die genannte Zahlendiskrepanz lösen zu können.

Die nächsten von der WTG genannten Zahlen betreffen den Literaturabsatz.  Im Januar 1956 habe man 7.379 neue Abonnements aquirieren können. Indes im Februar seien es deren nur noch 5.183.  Große Hoffnungen setzt die WTG nunmehr auf die „Sonderausgaben"-Aktion mit dem WT vom 1. 4. 1956. Die „soll es dann bringen", dass die Wiesbadener Herrschaften per Zahlenmeldung, erneut ihre hündische Unterwürfigkeit nach Brooklyn melden können.

Da in WTG-Gefilden nichts dem Zufall überlassen bleibt, besagt dann die weitere WTG-Anweisung, in besagtem Monat April, sollen anstatt der sonst üblichen zwei monatlichen „schwarzen Listen" nunmehr gar deren drei an der Zahl, angefertigt werden. Wer bis zum 8. April, 15. April oder 22. April keinen Bericht abgegeben habe, obwohl er bereits in den 52.000 Karteikarten mit erfaßt sei, dem gelte dann das besondere Augenmerk. Der ist dann für die „Sonderbehandlung" vorgemerkt. Sie werden „Straßenbauend in den Osten geführt" zwecks dortiger Vernichtung, formulierte mal ein Heinrich Himmler zu seiner Zeit. Und ob dabei „die Weiber vor Entkräftung umfallen, interessiere ihn nicht. Ihn interessiere nur, ob der Panzergraben für Deutschland, so fertig werde." Das mit der „Vernichtung" ist zwar nicht passend in dem Vergleich.

Wobei prinzipiell einzuräumen ist: Vergleiche werden immer hinken; nie vollkommen wiederholt reproduziert sein. Es geht hier im besonderen um die Gesinnung, die dem gewählten Vergleich zu Grunde liegt. Und die Gesinnung der WTG-Apparatschicks ist verdächtig ähnlich wie die eines Heinrich Himmlers!  So brutal wie ein Himmler reden sie in ihrer Wortwahl sicherlich nicht. Sie bevorzugen da eher die in „Watte verpackte harte Faust".

http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Reden

Bilder ohne Worte. Von „privaten" Zeugen Jehovas ins Netz gestellt (also nicht von der offiziellen WTG).

www.jw-archive.org/

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Die sollen dann wohl im Sinne ihrer Multiplikatoren als „Werbebilder" verstanden werden.

Kontrastierende dazu auch noch ein Zitat aus dem "Wachtturm" vom  1. 12. 1990

Zu den Zahlenangaben, welche die Mai 1956 Ausgabe des „Informator" parat hat, gehört auch die:

Im April 1955 hätte man (in Westdeutschand) 50.237 auf die ihnen aufgenötigte Tour „von Haus zu Haus" gejagt. Im Mai 1955 waren es deren nur noch 46.934 und im Juni 1955 46.153. Nun beklagt die WTG jene Höchstzahl vom April 1955 zeige, dass danach noch ein etwa 12 % Treppenterrier Rückgang zu verzeichnen sei. Und das bei einer Organisation, zu deren Dogmen es auch gehört, es könne nur ständig ansteigende Zahlen geben.

Indes im Weltmaßstab gäbe es durchaus noch solche ständige steigenden Zahlen. So rechnet man vor, der Zeitschriftenumsatz habe (weltweit) um „5.838.180 Zeitschriften in vier Monaten gegenüber derselben Zeit des Vorjahres" zugenommen. In der Konsequenz habe die WTG sich in Brooklyn ein neues zusätzliches 12stöckiges Druckerei-Gebäude zugelegt, dessen Rohbau, wie diese „Informator"-Ausgabe auch mitteilt, nunmehr so gut wie abgeschlossen sei. Wenn also auch dort, die zusätzliche Produktion anläuft, dann kann man sich unschwer vorstellen, wie die Druckschraube bei den Treppenterriern, zum vermehrten Verkauf des WTG-bedruckten Papiers, noch weiter angezogen wird!

Auf eine „soziologische Frage" muss jener „Informator"-Ausgabe vom Mai 1956 auch halb gezwungen, noch eingehen. Traditionellerweise ist der weibliche Anteil in der WTG-Organisation der größere, im Vergleich zum männlichen. Das zwingt auch die WTG zu Kompromissen, die von ihrer Theorie her, so eigentlich nicht vorgesehen sind. Das liest sich dann beispielhaft so:

Wo zur Besetzung der Dienstämter des Versammlungskomitees nicht genug Brüder da sind, können auch Schwestern als Hilfsversammlungsdiener oder Bibelstudiendiener ernannt werden. Wo überhaupt keine geeigneten Brüder zur Verfügung stehen und keine Brüder als Diener eingesetzt sind, darf eine Schwester als Versammlungsdiener eingesetzt werden. Sobald jedoch Bruder die nötige Fähigkeit für Dienstposten" ist für sie das „kalt abservieren" angesagt, und das auch trotz aller ihrer Verdienste, die sich besagte Schwester, vordem für die WTG erworben hat. „Die Mohrin hat ihren Zweck erfüllt - Die Mohrin kann nunmehr gehen".

Eine etwas diffizile Frage hat die WTG dabei auch noch entdeckt. Das Thema Gemeinschaftsentzüge, welches jeweils ein örtliches „Komitee" zu entscheiden habe. Da zieht man sich dann auf die Linie zurück, das Komitee das dafür zuständig sei, müsse keineswegs mit jenem identisch sein, welches ansonsten die Geschäfte der örtlichen Versammlung managt. Fallweise können auch Honoratioren aus anderen Versammlungen dafür herangezogen werden, oder gar der zuständige Kreisaufseher. Jedenfalls besagt die WTG-Doktrin, ihre „Mohrinnen" haben prinzipiell als „unqualifiziert" für solche diffizilen Angelegenheiten zu gelten. Und das auch dann, wenn sich nachweisen läßt, dass so manche der in Betracht kommenden „Mohrinnen" über ein weitaus größeres Fingerspitzengefühl verfügen mag, als die eigentlichen örtlichen WTG-Honoratioren, deren „Qualifikation" vor allem in der besonders dicken Stärke ihres WTG-Brettes vor dem Kopf besteht, dass sie da so vor sich her zu tragen belieben!

Bilanzierend stellt die Juni Ausgabe 1956 des „Informator" fest, auch im Vorjahr (1955) wurde die WTG-Druckschraube im Monat April besonders straff angezogen, zwecks Treppenterrierdienst. Ein ähnliches „Spiel" dann im April 1956. Diese beiden Monate vergleichend, registriert die WTG als Zuwachszahl. Im April 1955 waren 50.237 Treppenterrier aktiv, und im April 1956 dann 50.530. Eigentlich hatte sich die WTG eine höhere Steigerungsquote erhofft. Ihre den Treppenterriern vorgegebene Quote von 53.438 blieb wieder mal im Bereich des Unerreichten. Dafür tröstet man sich, der Zeitschriftenumsatz aber habe geboomt. Über 600.000 Einzelexemplare mehr als zur Vergleichszeit des Vorjahres, habe man dem unbedarftem Publikum aufschwatzen können. Stolz wird das noch in Prozentzahlen umgerechnet. Das seien 94,8 % mehr als zur Vergleichszeit des Vorjahres. Den Löwenanteil dabei trug unfraglich die sogenannte Sonderausgabe vom 1. 4. 1956. Die Hohlheit dieser künstlich aufgeputschten Zahlen kommt dann eher in einer anderen Detailangabe zum Vorschein.

Im 18. jährlichen Wachtturm-Feldzug erlangten wir 26.670 neue Abonnements, dieses Jahr jedoch nur 23.670. Wir erzielten also 2.941 neue Abonnements weniger." Und dies trotz der Aufputschaktion mit der WT-Sonderausgabe!  Angesichts dieser Sachlage dann erneut die WTG-Forderung zwecks Totalverausgabung an ihre Treppenterrier:  Nehmt etwas zu essen mit, damit ihr zwischen dem Dienst von Haus zu Haus am Vormittag und dem Nachbesuchs- und Heimbibelstudiendienst oder weiteren Dienst von Haus zu Haus mit dem Angebot am Nachmittag nicht nach Hause zurückzukehren braucht."  So also stellen sich die Technokraten in den WTG-Gefilden das vor.

Trotz all ihrer Aufputschaktionen, müssen sie jedoch eher ungewollt auch dieses noch zugeben:  Während der letzten sechs Monate nahmen im Durchschnitt 81% aller Verkündiger am Predigtwerk von Haus zu Haus teil."  81 % aber keine 100 % wie es nach den „Mondflugplänen" der WTG sein sollte.

Und obwohl wir die einen Gebiete als „zugeteilt" und die anderen als „nicht zugeteilt" bezeichnen, sind sie uns unter der Leitung der Gesellschaft in Wirklichkeit doch alle zugeteilt, damit wir überall predigen" tönt die „Informator" Ausgabe für Juli 1956. Eingebettet ist das alles wieder in eine „Ferngebiet"-Aktion für den Zeitraum Juli - August. Ein neuerer PR-Artikel notierte etwa, einer der im WTG-Auftrag tätigen Kartographen, habe das Einzugsgebiet seiner örtlichen ZJ-Versammlung in Parzellen aufgegliedert, welches Karteigebiet dann den örtlichen Treppenterriern zur systematischen Bearbeitung zugeteilt wird, auf das es für niemandem ein Entrinnen vor den WTG-Ambitionen geben möge.

„Jede Veränderung in der Bebauung des Einzugsbereiches wird erfasst, Straßennamen und Anzahl der Familien werden festgestellt. Das Einzugsgebiet der Gemeinde wird parzelliert, so dass es in jedem „Gebiet" ca. 80 Familien gibt. ... Derzeit ist der Einzugsbereich der Gemeinde Marl-Hüls in 138 Gebiete aufgeteilt und 96 Bibellehrer sind darin regelmäßig tätig."

www.lokalkompass.de/marl/leute/gemeinde-bedankt-sich-und-wuerdigt-die-taetigkeit-von-richard-strobel-d367075.html

Nun sind solcherlei Aktionen, Staaten welche bürgerliche Freiheiten gewähren relativ „schnurzpiepe". „Da kräht (meistens) kein Hahn danach." Indes auch in Staaten mit bürgerlichen Freiheiten, soll es das manchmal geben; etwa militärische Sperrgebiete und ähnliches. Besonders extensiv ist jenes System von Sperrgebieten dann in jenen Ländern ausgebaut, die nicht sonderlich viel - bis nichts - von bürgerlichen Freiheiten halten. Auch da nimmt die WTG Dampfwalzenpolitik wenig Rücksichten. Man sah es beispielhaft zur Verbotszeit in Ostdeutschland. Prompt mutierte dort die Karthographie der Zeugen Jehovas zum Status der aktiven Spionage. Im Selbstverständnis der betörten Treppenterrier mag sie das nicht sein; im Verständnis indes des Bürokratenapparates in Ländern ohne bürgerliche Freiheiten, sieht das anders aus. Sehr viel anders!

Nun also auch die „Ferngebiete" welche noch nicht zum Einzugsgebiet bereits etablierter ZJ-Versammlungen gehören. Dazu notiert die Juli-Ausgabe 1956 des „Informator", als Folge ihrer Anfeuerungsversuche in Sachen Ferngebiete:

Die Gesellschaft freut sich, mitteilen zu können, daß über 400 Versammlungen sich um ein nichtzugeteiltes Gebiet beworben haben. Versammlungen oder Pioniere, die noch keine Zuteilung angefordert haben, sollten dies rasch tun. Folgende Gebiete stehen immer noch zur Verfügung."

Und in der darauf folgenden Auflistung werden genannt:  „Emsland, Kr. Aschendorf-Hümmling; Niedersachsen, Hannover-Lüneburg; um Kassel-Fulda herum; im Hunsrück und Eifel, nördlich und südlich der Mosel; Reg.-Bezirk Aachen, in den Kreisen Düren und Schleiden; Bayern: Ober-, Mittel-und Unterfranken, Niederbayern, Bayrischer Wald; Hohenzollern und Schwaben."

Ziel von der WTG formuliert, sei es dabei auch, in jenen Gegenden, den Bewohnern noch besonders die älteren WTG-Bücher, ĄDie neue Welt", ĄDie Wahrheit wird euch frei machen" und ĄGott bleibt wahrhaftig" aufzuschwatzen. Eine eher subjektive Impression eines, der an einer solchen Ferngebiet-Tour teilnahm, hat dann noch der Weltreisende All geliefert.

Zu den von der „Informator" Ausgabe für August 1956 wieder mal mit vermittelten Standard Vertretertricks gehört auch der:  „Analysiert die Einwände der Leute. Achtet darauf, welche Wirkung eure Antworten haben. Paßt euch an jeder Tür der entstehenden Situation an. Sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, um den Einwänden, die in eurem Gebiet erhoben werden, zu begegnen, und probiert sie in eurem Gebiet aus."

Und damit auch nichts dem Zufall überlassen sein mag, geht es dann gleich weiter mit der Instruktion in der Form eines „Sandkastenspieles":  „Unter der Leitung eines reifen Bruders können verschiedene Szenen ausgearbeitet werden, um zu zeigen, wie die in eurem Gebiet gewöhnlich erhobenen Einwände durch Anpassungsfähigkeit überwunden werden können."

Die August Ausgabe 1956 war dann die letzte die unter dem Serientitel „Informator" erschienen ist. Mit Beginn des in der WTG-Terminologie nächsten „Dienstjahres", also ab September 1956, wurde diese Serientitel dann in „Königreichsdienst" abgeändert. In Gesamtbewertung ist feststellbar, der Serientitel „Informator" war ohnehin unpassend. Sein Hauptinhalt waren keinewegs „Informationen" sondern Schulungsinstruktionen für den Treppenterrierdienst. Die im neuen Serientitel mit enthaltene Detailvokabel „Dienst" ist insoweit als „sachgerechter" zu bezeichnen.

1956er Rückblick

Volle Fahrt voraus - auf das nächste Felsenriff

Koenigreichsdienst

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