Notizen aus "Informator" 1948

Zur Erinnerung nochmals. Die auf der sogenannten Musterkreisversammlung in Kassel, Ende September 1947 ausgegebene Parole besagte; wenn die WTG weltweit eine Zunahmequote von 10 % anstrebt, so gelte das nicht für Deutschland. Dort lautet die in vorauseilendem Gehorsam erhobene WTG-Forderung, es müsse eine Zunahme von 100% im Jahre 1948 geben.

Per Stichtag Juli 1947, meinte man in Deutschland bereits 20.000 Verkündiger zu haben. Just jene Stichtagszahl diente dann auch als Grundlage, einer angekündigten Schiffsladung von 20.000 Lebensmittel-Carepakte aus den USA, im Wert von 140.000 Dollars, die nun demnächst in Deutschland anlanden sollte.

Gesetzt der Fall die Blütenträume der genannten Zuwachsrate auf etwa 40.000 Zeugen Jehovas in Deutschland, würden tatsächlich so halbwegs in Erfüllung gehen, so bedeutet das, keinesfalls „alle" von den deutschen Zeugen Jehovas, könnten von diesen Care-Paketen partizipieren. Laut im deutschen „Informator" („Watch Tower" Ausgabe Januar 1948; Ausgaben Wiesbaden und „Magdeburg") abgedruckten Felddienstbericht vom Oktober 1947, gäbe es zu diesem Zeitpunkt bereits 22.181 Verkündiger in 1486 Gruppen. Und die sollten sich dann ja wohl weiter extensiv vermehren.

Liest man in den Anweisungen zur Verteilung jener Care-Paket-Sendung (die bis auf weiteres Lebensmittel betreffend ein einmaliger Vorgang blieb) auch den Verteilungsgrundsatz in der genannten „Watch Tower"-Ausgabe vom Januar 1948, Empfänger solle nur sein:

„welcher sich laut Kartei seit Juli 1947 bis jetzt als regelmäßige Verkündiger erwiesen" habe.

Derjenige könne ein Paket aus dieser Sendung erhalten. Und weiter:

„Von dieser Regel kann auch nicht abgewichen werden, wenn es sich zeigt, daß in einer Familie mehrere Verkündiger vorhanden sind und dadurch mehrere Pakete abgegeben werden müssen. Auch die Bedürftigkeit allein ist dann nicht mehr das Ausschlaggebende."

Generell wurde also Bedürftigkeit nicht als Kriterium anerkannt. Im Gegenteil es konnten Fälle eintreten für die dann der Satz galt:

„Wer viel hat, soll noch mehr bekommen"!

Die WTG macht also die regelmäßige Abgabe eines Predigtdienstberichtes zur Vorbedingung. Sie muss zwar auch einräumen, es könne auch „Alte und Kranken und Invaliden" in ihren Reihen geben. Bei denen sortiert sie dann schon mal, sofern diese wirklich wegen widriger Umstände, keinen regelmäßigen Bericht abgegeben haben, könne der Satz von „Gnade vor Recht" gelten. Aber sie behält es sich ausdrücklich vor, selbst zu entscheiden, ob sie denn jene widrigen Umstände auch als solche anerkenne.

Gesetzt der Fall, dies sei so, haben die Betreffenden damit die gesetzten Hürden keineswegs bereits überwunden. Die nächste und weitaus relevantere Hürde, lautet dann, ihnen „sollen die nach Verteilung an die regelmäßigen Verkündiger übrigbleibenden Pakete zuteil werden."

Die bereits genannten Zahlenangaben machen dann wohl deutlich, wie es um die Chancen für jene tatsächlich Bedürftigen bestellt war. Gegen Null tendierend!

Einen zehnten „Wachtturm"-Feldzug in Folge, wieder auf vier Monate terminiert, kündigt die Januar-Ausgabe des „Informator" (auch Ausgabe Bern) dann an.

Diesmal wird dann eine weltweite Quote von 300.000 Neu-Abonnenten eingefordert. Also genug Gründe sich die Hacken für die WTG abzurennen. Nur, das weis auch die WTG, namentlich in Deutschland, mit bestehender Papier-Kontigentierung, sei das leichter gesagt als getan.

Erfreut kann man daher mitteilen, ab der 1. Ausgabe 1948 des WT würde es eine Aufstockung der zur verfügend stehenden Exemplare geben. Dazu sei die Schweizer WTG beauftragt, weitere Exemplare für Deutschland mit zu drucken.

Ausdrücklich wird aber betont, an dem Umstand, dass die deutsche WTG Brooklyn direkt unterstellt sei, ändere das überhaupt nichts. Es gäbe also keinesfalls mehr ein „Zentraleuropäisches Büro" in der Schweiz, wie es das früher mal gab. Die deutschen Zeugen Jehovas werden auch ausdrücklich aufgefordert, keinerlei Korrespondenz mit Außerdeutschen WTG-Büros zu praktizieren. Im Gegenteil besagt die WTG-Anweisung, dennoch in Außerdeutschen WTG-Büros eingehende Schreiben, werden allenfalls - unbeantwortet - an die deutschen WTG-Zentralen weiter geleitet.

Ausdrücklich wird in dieser Ausgabe des „Watch Tower" desweiteren vermerkt:

„Keine Korrespondenz mit einem anderen Zweigbüro, als einem deutschen führen!

In Brooklyn, Bern, London, Stockholm und anderen Büros der Gesellschaft sind Unmengen von Bittbriefen um Lebensmittel oder andere Gegenstände aus Deutschland eingegangen. Das bedeuetet eine Belastung der Brüder mit Arbeit."

Eben weil genannte Büros in der Sache keinerlei Auskünfte erteilen würden, und besagte Schreiben unbeantwortet nach Deutschland weiter leiten würden.

Was die genannte Aufstockung der gedruckten Exemplare anbelangt, so war die keineswegs schon identisch mit einer großzügigen Versorgung im heutigen Sinne. Dafür steht dann auch der Satz, das es auch in der

„Zukunft genau wie bisher weiter an Gruppen noch an Einzelpersonen auf Bestellung, sondern (nur) automatisch nach dem Verkündigerstand zugestellt (werde). Jede Nachbestellung ist zwecklos, da der Felddienstbericht entscheidet, wieviele Exemplare des WT einer Gruppe übersandt werden."

Auch die Angaben bezüglich „Erwachet!" künden nicht gerade von einer „reichlichen" Versorgung:

„Jede Gruppe erhält zum Teil aus Bern direkt, zum Teil aus Wiesbaden oder Magdeburg 2 Exemplare. Diese bleiben Gruppeneigentum."

Immerhin, auch das wurde um jene Zeit praktiziert, die Verleihung des WTG-Schrifttums, daher wähnt man auch in Deutschland einen „Lichtblick am Horizont" wahrzunehmen, wenn es denn auch den Satz gibt:

„Die Menschen haben heutzutage nicht viel zu lesen. Sie sehnen, sich häufig an den langen Abenden nach Abwechslung und Unterhaltung. Das kommt der Verkündigung und unserer Tätigkeit zugute."

Also tönt der deutsche „Informator" (Watch Tower, Ausgabe Wiesbaden, und „Magdeburg") für Februar 1948:

„Mit Spannung werden die Felddienstergebnisse von Monat zu Monat verfolgt. Wie der Sachverständige eine Fiebertabelle einer kritischen Prüfung unterzieht, so stehen die treuen Verkündiger vor der Gruppentabelle und sehen, wie sich die diesjährigen Verkündigerzahlen zu den vorjährigen verhalten."

Um diese fieberhafte Stimmung weiter beizubehalten, hat die WTG sich eine Änderung ausgedacht.

Mit Wirkung vom Beginn des Kalenderjahres 1948, gibt es eine Änderung der Quoten, für ihre Pioniere. Wurde bisher von den allgemeinen Pionieren ein monatlicher Stundensatz von 150 Stunden erwartet, so lautet nun der neue Stundensatz 120 Stunden. Weitere Details erschliessen sich dann im „Kleingedruckten".

Gab es bisher die Option - auf Antrag - bis zu zwei Monate im Jahr den Pionierdienst unterbrechen zu können, gleichwohl als solcher weiter zu gelten, so entfällt mit der genannten Neuregelung diese Option.

Angeboten wird jetzt lediglich, die Einhaltung einer „Jahresquote" von 1400 Stunden, mit der Möglichkeit innerhalb des Jahres variablen Zeiteinsatz zu praktizieren. Aber auch dabei wieder das Hochbürokratische Verfahren. Sollten also Monate mit weniger als 120 Stunden Zeiteinsatz zu verzeichnen sein, möchte die WTG dafür eine schriftliche Begründung auf dem Felddienst-Berichtszettel notiert sehen.

Auch die Quoten ihrer Sonderpioniere werden angepasst. Bei denen bleibt es bei der 175 Stunden Forderung pro Monate, zuzüglich 50 Nachbesuche, aber auch für sie gibt es nun eine Gesamt-Jahresstundenquote von 1800 Stunden, ebenfallls „variabel" zu vorgenannten Konditionen und ebenfalls mit der Einstellung der Option, bis zu zwei Monate den Pionierdienst unterbrechen zu können. Das soll auch für diese Kaste nicht mehr gelten.

Vielfach lautet die weitere WTG-Orientierung, möchten doch ihre Betörten sich nach einer Halbtagsbeschäftigung umsehen. Das reiche dann zum halbwegs vegetierend über die Runden kommend, und gleichzeitigem Ausüben des Pionierdienstes. Das ein so erzieltes reduziertes „Einkommen" dann auch vielfach die Grundlage der Berechnung späterer Rentensprüche darstellt. Wen das am allerwenigsten interessiert, das ist die WTG. Vielleicht gibt es ja in dem Lande, wo der Betörte lebt, eine Grundversorgung an sozialen Leistungen. Gibt es die nicht, hat der Betreffende halt Pech gehabt. So einfach ist die Manchesterkapitalistische Welt der WTG!

„Markige" Worte, kann man desweiteren in den deutschen Ausgaben des „Informators" (Watch Tower) sowohl in der Ausgabe Wiesbaden und „Magdeburg" vom Februar 1948 vernehmen.

Etwa den Satz:

„Nach bewährtem Muster sollen „demokratische" Gerichte, offensichtlich in den Spuren Hitlerscher Sonder- und „Volksgerichte" wandeln, durch schwere Geld- und Gefängnisstrafen einschüchternd auf Jehovas Zeugen wirken."

Von Prozessen in Haltern, Münster und Detmold ist die Rede, ohne das diese nun im Detail beschrieben werden. Es könnte ja bei einer Detailbeschreibung der von der WTG nicht gewünschte Eindruck zurückbleiben, selbst einen Anteil daran zu haben. Da macht es sich natürlich besser, kann man - pauschal - der „Katholischen Aktion" die Schuld in die Schuhe schieben. Immerhin kann man andeutungsweise erfahren, um was es sich dabei handelte, wenn jene „Watch Tower"-Ausgaben auch verlautbaren.

„Mit welchen Mitteln das Recht gebeugt werden muß, um es zur Unterdrückung der Wahrheit über die römische Hierarchie mißbrauchen zu können, beweist die Tatsache, daß ein „demokratisches" Gericht einen Zeugen Jehovas wegen Beschimpfung der katholischen Religion mit einer hohen „Strafe" belegte, weil er gesagt haben soll, der Papst sei der Steigbügelhalter des Faschismus gewesen. Ein anderes Gericht sprach einen anderen Zeugen Jehovas von der Anklage des gleichen „Vergehens" frei, mit der Begründung, daß in dieser Bemerkung eine Beschimpfung der katholischen Religion nicht erblickt werden könne, da sie sich auf politische Maßnahmen des Papstes bezogen habe!"

Damit ist das Thema wie weit könne Meinungsfreiheit letztendlich gehen, angesprochen. Es liegt mir allerdings fern, die katholische Kirche diesbezüglich „verteidigen" zu wollen. Da gibt es wohl nicht viel, was da „verteidigenswert" wäre.

Immerhin wäre auch zu bedenken, dass „der Ton die Musik macht".

Und wenn die WTG weiter verlautbart:

„Offensichtlich lassen sich deutsche Richter bereits wieder (oder immer noch?) mißbrauchen, die Geschäfte des Vatikans zu betreiben", dann ist das wohl auch der Rubrik einer schrillen Tonlage zuzuordnen. Zum Thema kann man auch vergleichen:

Im Zeitspiegel 2 Dort gleich zum Anfang die Bezugnahme auf den Fall Detmold

Der Dezember 1947 war nun inzwischen „Geschichte". Die in jenem Monat traditionellerweise vorhandenen Feiertage, hatten die WTG dazu animiert, ihre Betörtenschar wieder mal zur extensiven „Neukunden-Aquierung" aufzufordern. Immerhin in Deutschland hatte man im Dezember 1947 bereits 24.873 Treppenterrier im WTG-Dienste stehend (10.274 im östlichen und 14.335 im westlichen Bereich). Nun erneut bis zum Dezember 1948 auf eine ähnliche Aktion wartend, die Zeit bis dahin war der WTG wohl zu lang. Ein Blick auf den Jahreskalender 1948 löste dann in den WTG-Führungsetagen das große „Aha-Gefühl" aus, als man feststellte, das Gedächtnismahl 1948 würde auf einen Donnerstag-Abend fallen (25. 3. 1948). Da bietet es sich doch an gleich mal die Weihnachtsaktion zu wiederholen, meinte zumindest die WTG. Daher ihre Aufforderung an die Betörtenschar, doch möglichst den darauffolgenden Freitag und Sonnabend, schon mal als Urlaub (für Berufstätige) einzuplanen. Selbstredend auch für die Nicht-Berufstätigen, so die WTG-Forderung. Und quasi als „Krönung" dann am darauffolgenden Sonntag jenes Wochenende, sei noch ein öffentlicher Vortrag anzusetzen, zu dessen breiteste Einladung dann die Treppentierrier-Schar wieder mal in Aktion gesetzt wurde!

Ein „Bonbon" für die Betörten sollte es dazu auch noch geben. Das las sich dann in den „Informator"-Ausgaben in Deutschland („Watch Tower" März 1948) dann so:

Man würde wahrnehmen, „daß die Welt vor ihrem endgültigen Abschluß steht und diese Gedächtnisfeier nicht mehr sehr oft veranstaltet werden wird."

Dann war in WTG-Sicht wieder mal „alles in Butter." Zwar räumt man als Floskel mit ein, es würde wohl noch weitere jährliche Gedächtnismahlfeiern geben. Aber das träfe dann nur noch für „wenige folgende Jahre" zu. Und wenn die Betörten inzwischen nicht gestorben sind, dann haben sie ja vielleicht sogar im physischen Sinne, nur noch „wenige Jahre" zu erwarten. So erfüllt man halt die eigenen Prophezeiungen allerkräftigst selber!

Bis Ende Februar 1948 seien in der Schweiz 849 neue Abonnements für den „Wachtturm" von den Treppenterriern aquiriert worden, teilt der „Informator" (Ausgabe Bern) in seiner April-1948-Ausgabe mit. Gemäß dem Forderungsanspruch der WTG, keinesfalls eine berauschende Zahl. Das alles lief ja unter dem Motto des zehnten viermonatigen „Wachtturm"-Feldzuges, zwecks Abonnements-Aufschwatzung. Solcherlei Abonnements waren in der Schweiz, wohl auf Grund der gesetzlichen Rahmenbedingungen, befristeter Natur. Meistens mit einer Laufdauer von einem Jahr, und sofern dann keine Erneuerung erfolgte, liefen solche Abonnements automatisch aus.

Die WTG versandte zwar vor Ablauf des Abonnements Ablauf-Mitteilungen, mit Kopie an eine örtliche Zeugen Jehovas-Versammlung, und der Maßgabe, die solle nun alles daransetzen, eine Fortsetzung des Abonnements zu erreichen.

Indes der Clou dabei: Gelangen solcherlei Überredungs-Aktionen erfolgreich, konnte der beauftragte Zeuge Jehovas, jene Abonnements-Fortsetzung, auf seinem Berichtszettel als Neu-Abonnement vermerken. So erreichte man eine zumindest geschönte Zahlenstatistik. Diesen Umstand muss man durchaus mit beachten, wenn man die Schweizer Abonnementszahlen zur Kenntnis nimmt.

Brooklyn hatte Anfang 1948 die Parole ausgegeben, zehn Prozent aller Zeugen Jehovas sollen Pioniere sein. Da für die allgemeinen Pioniere der Grundsatz gilt, auf eigene Kosten, und da die praktische Realisation, vielfach mit der 120-Stunden Forderung, nur um den Preis möglich war, die Betörten im Berufstätigen-Alter, gaben sich mit einem Halbtagsjob und ähnliches zufrieden, mit den damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen, war der „Run" darauf wohl nicht ganz so wie von der WTG erhofft, zumindest in den wirtschaftlich halbwegs normalisierte Verhältnisse aufweisenden Ländern, wie eben auch der Schweiz.

In Deutschland jener Zeit, wo etliche am buchstäblichen Hungertuch nagten, mag vielleicht eine etwas andere Ausgangslage bestanden haben. Jedenfalls überschlagen sich die „Informator"-Ausgaben jener Zeit, förmlich mit diesbezüglichen Nötigungs-Artikeln. So auch wieder in der Berner „Informator"-Ausgabe vom April 1948.

Beispielhaft las man in diesem:

Zweiter Pionierbrief . Von neuem ergeht ein Aufruf! jedem Verkündiger einen persönlichen Brief zu senden, worin er zur Teilnahme am Pionierdienst eingeladen wird."

Nicht damit genug, setzt sich diese Nötigung mit den Sätzen dann fort:

„Damit aber kein wichtiger Gedanke des Briefes übersehen werde, betrachte man ihn auch vor der ganzen Versammlung."

Der WTG-Nötigungsdruck in Sachen Pionierdienst, setzt sich auch in der Mai-1948-Ausgabe des „Informator" (Bern) fort. Diesmal ist sogar ein „dritter persönlicher Pionierbrief" angesagt. Der ist dann aber wieder so „persönlich", dass er zusätzlich vor versammelter Versammlung durchgekaut werden soll, um auf diese Art und Weise den Druck zu erhöhen.

Ein neues Liederbuch ist gleichfalls im Mai 1948 angesagt. Bejubelnd wird angemerkt, nun gäbe es weltweit, bei den Zeugen Jehovas überall die gleichen Lieder. Ein paar ältere Lieder seien mit übernommen worden. Aber mit anderen Nummern, und vor allem auch, anderen Text versehen. Denn das weis auch der „Informator" zu belehren, „nur haben sie einen dem fälligen Licht angepaßten Text und andere Nummern."

Da kann man angesichts des „neuen Lichtes" wohl nur noch ergänzend kommentieren. Hoffentlich ist dann nicht so mancher davon geblendet. Oder wie ein Friedrich Nietzsche sinngemäß kommentieren würde.

Erlöster mußten die Sänger aussehen, sollte er sich von ihnen beeindruckt fühlen!

Drohend erhebt der „Informator" Juni-Ausgabe 1948 (Bern) wieder seinen Finger und belehrt:

„Unsere Quote ist aber noch nicht erreicht (in der Schweiz stehen wir noch weit zurück.) Es gibt noch viele weitere, die Pioniere sein könnten und auch sein sollten."

Weiter seine These, in jeder ZJ-Familie solle ein Glied Pionier sein

Und als Bonbon-Köder gibt es dazu den Satz:

„Gewiß wird der Glanz der Freude, die solche Pioniere haben, auf die ganze Familie zurückstrahlen."

Und seien es auch nur Kinder und Jugendliche, welche sich dazu betören ließen, wenigstens zeitweise den WTG-Frondienst auszuführen. Da man entdeckt hat, die haben aber im Sommer Schulferien geht die WTG-Belehrung an deren Adresse weiter mit dem Satz:

„Wenn sie die Zeit, die sie sonst in der Schule verbringen, im Felddienst stehen nämlich sechs Stunden täglich wahrend fünf Tagen in der Woche, so wird es ihnen möglich sein, die ... Quote 120 Stunden im Monat zu erreichen."

Die USA hätten seit Anfang 1948 rund 1000 neue Pioniere zu vermelden, teilen die „Informator"-Ausgaben für Juli 1948 mit.

Auch Deutschland meldet 540 neue Pioniere. Welcher Schock für die Herrschaften im Schweizer Büro der WTG. Erneut müssen sie mitteilen ("Informator" (Bern) Ausgabe Juli 1948):

Bei uns in der Schweiz haben wir noch nicht die Zunahme (an Pionieren) zu verzeichnen, wie wir sie haben könnten."

Daher teilt die Schweizer WTG mit (und eine ähnliche Meldung habe ich bezüglich Deutschland nicht registriert), man habe im Berner Zweigbüro eine Kartei von Arbeitgebern angelegt, welche Halbtagsbeschäftigungen anbieten würden. Und den potentiellen Pionieren wird angeboten:

Wir sind gerne bereit ihm allfällig vorliegende Adressen von Arbeitsstellen bekanntzugeben."

Ob es denn was half? Halbtagsjobs als solches lösen ja keineswegs das Problem des damit verbundenen halbierten Finanzeinkommen. Aber dieser Aspekt hat ja die WTG noch nie sonderlich interessiert.

Vier beabsichtigte Kreisversammlungen, in der Sowjetzone, seien mittlerweile von der Sowjetischen Militäradministration, nicht genehmigt worden. Damit wird deutlich - anfänglich nach 1945 gab es ja solcherlei Veranstaltungen auch in der Ostzone - es beginnt unübersehbar, ein „anderer Wind zu wehen."

Auch eine für die Zeit „vom 30. Juli bis 1. August in Leipzig geplante Bezirksversammlung wurde von Seiten der SMA abgelehnt. Sie kann daher zu dem festgesetzten Termin nicht stattfinden."

Aber auch das teilt man mit, man mühe sich für letztere eine Ersatzveranstaltung zu organisieren, für die Zeit vom 27. bis 29. August.

Der Ort werde noch bekanntgegeben. Es war dann die „Waldbühne" im Britischen Sektor von Berlin gelegen, also in Westberlin.

Die von langer Hand vorbereitete Währungsreform des Jahres 1948, in den Westzonen Deutschlands (beispielhaft wurden die neuen Geldscheine dafür in den USA gedruckt. Das aber wurde als „Geheime Verschlussache" gehandhabt. Niemand sollte vor der Zeit, davon „Wind mitbekommen").

Dieser Coup leitete dann letztendlich die heiße Phase des kalten Krieges ein.

Zwar war wohl auch den Sowjets klar, ohne eine Währungsreform könne es wohl nicht sinnvoller Weise weitergehen. Allein praktische Schlüsse aus dieser Erkenntnis zogen sie wohl nicht.

Als dann im Sommer 1948 die Westmark tatsächlich eingeführt war, dürfte ihre Reaktion, außer über die Bestürzung der nun vollendeten Tatsachen, eher im Bereich des lavierens bestanden haben.

Jedenfalls waren wohl ab diesem Zeitpunkt die West- und die Ostmacht, endgültig getrennte Leute. Der Osten suchte dann noch mit seiner Berliner Blockade - mit wenig Erfolg - das Rad zurückdrehen zu können.

Auch er war nun zum Handeln gezwungen. Im Gegensatz zum Westen, dann aber ohne längere, genutzte Vorbereitungszeit.

Die Installierung der zwei unterschiedlichen Währungen in Deutschland, hat dann weitaus mehr als alle anderen Aspekte, die tatsächliche Teilung dieses Landes, zementiert.

Auch an der WTG gingen diese Verwerfungen keineswegs „spurlos" vorüber. So beklagt sich die Juli-Ausgabe 1948 des „Informator" (alias „Watch Tower") hier jetzt nach der Ausgabe „Magdeburg" zitiert, man wisse auch noch nicht so recht, welche Folgewirkungen, diese Wirtschaftspolitische Zäsur alles noch so zeitigen könne. Und man wisse auch noch nicht, ob man dabei mit einem halbwegs „blauem Auge" davonkomme, oder ob Schlimmeres einträte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Blockade

Tatsächlich überschnitten sich die Währungsreform und die WTG-Kongressveranstaltungen zeitlich, zieht man deren Vorbereitungszeit mit in die Betrachtung ein. Die Sorge nun der WTG, ob dieser Umstände könnte die in Kassel vom 23. bis 25. Juli 1948 geplante Bezirksversammlung, unter akutem Besuchermangel leiden.

Daher die „Vergatterung" im „Wacht Tower" (Informator) Ausgabe Juli 1948:

„Schaut nicht nach rechts und links! Vertraut auf den Herrn und seine Macht! Verlaßt Eure ursprüngliche Planung der Teilnahme an dieser Feier nicht."

Die September-Ausgabe 1948 des „Watch Tower" (Ausgabe „Magdeburg") berichtet dann umfänglich über den Berliner Waldbühnenkongress des Jahres 1948.

Zwar hätten die Sowjets die dafür ursprünglich ausersehenen Leipziger Messehallen zur Benutzung verweigert, aber „Jehova" in Form seiner sichtbaren Vertreter, als da sind die amerikanische Militärregierung und Co in Deutschland, hätte mit der Berliner „Waldbühne" dann einen opulenten Ersatz geschaffen.

Und noch ein weiteres „Wunder" geschah wohl.

„Die wichtigste Frage war jedoch, wie werden die Tausende aus allen Teilen der Ostzone in das blockierte Berlin gelangen?  Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es, Sonderzüge aus allen Teilen der Ostzone direkt nach Berlin bewilligt zu erhalten."

Das darf dann wohl so gedeutet werden. Die Verweigerung der Leipziger Messehallen, war - einstweilen - noch eine eher regionale Entscheidung. Sie hatte somit noch nicht den Status erreicht, Auswirkungen für die gesamte Ostzone zu haben. Und wenn das mit den Sonderzügen im Jahre 1948 noch geklappt hatte, dann wohl auch deshalb, weil „die linke Hand nicht wusste - was die recht Hand tat". Ein Jahr später standen erneut Sonderzüge für einen WTG-Kongress in der Berliner „Waldbühne" auf der Agenda. Da indes hatten die Russen schon dergestalt gelernt, auch das Instrumentarium Sonderzüge dann „platzen zu lassen."

Was das Element "Sonderzüge" anbelangt, ist eine beiläufige Angabe im "Informator" (Wiesbaden) Ausgabe Juni 1949 erhellend. Danach würde bei Bestellung eines Sonderzuges ab 400 Personen aufwärts, Ersparnisse bis zu 50 % der Kosten möglich sein. Das galt wohl für Westdeutschland. Indes ist es vorstellbar, auch für Ostdeutschland gab es ähnliche Rabbat-Regelungen.

„Fast 14.000 Teilnehmer am ersten und über 16.000 am dritten Tag" soll es am 1948er Waldbühnenkongreß gegeben haben. Und beim abschließenden öffentlichen Vortrag, sei mit 25.000 Besuchern, dann gar die vorgesehene Besucherkapazität von 22.000 überschritten gewesen.

Genüsslich konnte WTG-Fürst Frost bei diesem Anlass auch eine vorläufige Bilanz darüber ziehen, was denn so aus seiner Forderung nach Verdopplung des Mitgliederbestandes, innerhalb eines Jahres wurde.

„Wurden auch nicht volle 100% erreicht, so doch annähernd 70%! Aus 20811 wurden in den vergangenen 11 Monaten ... Tätigkeit 33741! Dies ist die Zahl der Verkündiger des Monats Juli 1948"

Damit hatte Herr Frost bei seinem Chef, dem Mister Knorr, erst mal einen „Stein im Brett". Denn wenn Mister Knorr etwas zu würdigen wusste, dann waren das vor allem Zahlen und nochmals Zahlen.

Damit konnte Herr Frost sich dann auch bequem auf seinem Fürstensessel ausruhen, und brauchte - einstweilen - potentielle Konkurrenten nicht zu fürchten.

Wie diese Rekordverdächtigen Zahlen, dann aber Mitte der fünfziger Jahre einzubrechen begannen, da gestaltete sich die Sachlage wohl etwas anders. Da befand nämlich der Mister Knorr, die Zeiten des leutseligeren Herrn Frost sollten nun in Etappen beendet werden. Einstweilen versprach er sich von dem Hardliner K. Franke, das der wohl etwas mehr aus Rutherford-Knorr'schem Holze geschnitzt war. Nun sollte also erst mal Herr Franke zeigen, ob er denn mehr „könne" als der dem Mister Knorr zu „lahm" gewordene Herr Frost!

Unter Berufung auf die USA-Ausgabe des „Informator" teilt die „Magdeburger" Ausgabe selbigen in der Oktober-Ausgabe 1948 mit, in den USA werde „ein vollständiger spanischer Kreis gebildet der die spanischsprechenden Gruppen von Jehovas Zeugen in Texas Nachbarschaft umfaßt."

Kreis in dem Kontext, umfasst also mehrere Zeugen Jehovas-Versammlungen, also nicht nur „eine".

Weiter geht diese Meldung mit der Auch-Angabe, ebenfalls in den USA werde „ein neuer Bezirk geschaffen, der aus 12 Kreisen besteht, in denen es nur farbige (schwarze) Geschwister gibt."

Mag man im Falle der Spanischsprechenden Versammlungen, auf den Sprachunterschied hinweisen, so trifft das im Falle der Versammlungen „schwarzer Geschwister" nicht zu. Damit passte sich die WTG lediglich dem zeitgenössischen USA-Rassismus an, und setzte ihn in ihren eigenen Gefilden, widerstandslos mit durch!

Aus Deutschland wird berichtet, in Wiesbaden hätten nunmehr eigene Druckmaschinen ihren Betrieb aufgenommen, und perspektivisch stände damit eine Ausweitung des WTG-Schrifttums für Deutschland bevor!

Wegen Papiermangel sei bisher in WTG-Gefilden, nur einmal monatlich die Abgabe eines „Rapportzettels" üblich gewesen, vermerkt die „Informator"-Ausgabe (Watch Tower, Ausgabe Wiesbaden) im November 1948. Damit sei nun Schluss. Das Argument Papiermangel gelte für die westlichen Zonen Deutschlands so nicht mehr. Daher die neue Parole: Beginnend mit November 1948, habe jeder Zeuge Jehovas einmal wöchentlich einen Berichtszettel abzugeben. Unabhängig davon, welchen tatsächlichen Zeitaufwand, und Literaturumsatz er in jener Woche gehabt habe oder eben nicht.

Das WTG-Kalkül dabei ist offenkundig. So könne sie die Druckschraube weiter anziehen. Denn wenn einer da nur einen leeren Berichtszettel abgeben würde, wäre wohl das mindeste was er sich dabei einhandeln würde, die „scheelen Blicke" seiner „theokratischen Vorgesetzten".

Aber zu ihrem Bedauern muss die November-Ausgabe 1949 der „Magdeburger" Variante des „Informator" auch ausführen:

„In der Ostzone muß es aus technischen Gründen vorläufig noch bei dem bisherigen monatlichen Rapport verbleiben. Es werden jedoch Vorbereitungen getroffen, auch hier baldigst die neue Art der Felddienst-Berichterstattung anzuwenden."

Also auch für den Ostbereich, war das weitere Anziehen der WTG-Daumenschrauben, durchaus mit in der Planung!

Die „vollständige Vernichtung der greulichen Weltherrschaft Satans, (sei) in bedenkliche Nähe gerückt" weis der „Informator" (Bern) für Dezember 1948, wieder mal mitzuteilen.

Damit die Treppenterrier dazu die rechte Motivation bekommen, geht es weiter mit der These:

„Sie (müssen) die Königreichsbotschaft predigen und Gottes Rache wider unsere gottlose Generation verkündigen."

Solcherart von Rache-Verkündigung, haben dann einzelne der „Treppenterrier" dann wohl ziemlich wörtlich verstanden. Kamen widrige Umstände, wie etwa in Ostdeutschland dann noch hinzu, war das hochexplosive Gemisch ohne Frage, zusammengebraut.

Aber es war ja von der Schweizer Ausgabe des „Informators" die Rede. Und dort mag das ganze vielleicht etwas gemächlicher abgelaufen sein. Etwa so, wie diese „Informator"-Ausgabe auch belehrt:

„Die Feiertage geben eine glänzende Gelegenheit ... Auch die Arbeit mit den Zeitschriften auf den Straßen wird passend sein, denn Tausende von Menschen werden sich auf den Straßen befinden, da sie ihre Einkäufe für die Feiertage besorgen."

In der Schweiz hatte die WTG allerdings dergestalt ein Handicap, als die Nennung offizieller Verkaufspreise bei Hausierer-Gesprächen nicht zulässig ist. Es blieb dem Geschick - oder auch Nicht-Geschick - des einzelnen ZJ überlassen, seine „Kunden" dann zu bewegen, auch für das offerierte Schrifttum, tatsächlich etwas zu bezahlen.

Lautete die WTG-Parole andernorts, das Buch „Gott bleibt wahrhaftig" möge vorzugsweise abgesetzt werden, so zog man es in der Schweiz doch eher vor, eine der 32seitigen WTG-Broschüren, als „Einstands-Angebot" zu offerieren. Das aus dem Grunde, weil notfalls dem „Kunden", das WTG-Schrifttum auch kostenlos überlassen werden sollte (musste). Da war dann das finanzielle Risiko geringer, als wenn man das von Anfang an, mit einem Buchangebot praktiziert hätte.

Aber auch das Broschürenangebot sollte möglichst mit einem „Haken" gekoppelt sein, den der zu „angelnde Fisch" nicht vorzeitig mitbekommen sollte. Dazu formuliert die WTG in ihrer „ausgewählten Wortwahl"

Laßt es eine zwanglose Besprechung sein! Stellet eine Frage und verweiset dann auf die Antwort in der Broschüre! Und rasch ist schon ein Broschürenstudium im Gang."

Auch das vergisst man nicht hinzuzufügen:

„Es wird gut sein, einige weitere Exemplare der betreffenden Publikation mitzunehmen, für den Fall, daß noch andere Zuhörer da sind."

Da aber die Parole von Brooklyn im Weltmaßstab zu damaliger Zeit eigentlich lautete, vorrangig WTG-Bücher abzusetzen, geht es weiter mit der Ausführung:

„Da wir aber in erster Linie den Vorsatz gefaßt haben, Studien im Buche 'Gott bleibt wahrhaftig' zu beginnen müssen wir auf der Wacht sein, Gelegenheiten zu ergreifen, wodurch wir von der Broschüre auf ein Buchstudium übergehen können.

Vielleicht kann ein Punkt der gerade besprochen wird, durch Stoff im Buche 'Gott bleibt wahrhaftig' unterstützt und so dieses Buch eingeführt und der Weg zu einem fortgesetzten Studium erschlossen werden."

1948er Rückblick

Informator 1947

Informator 1949

Volle Fahrt voraus - auf das nächste Felsenriff

Ein auch-Alptraum der WTG etwas näher beschrieben

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