Im Goldenen Zeitalter gelesen - Eine Zeitreise (1930)

Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Januar 2015 00:29
Handeln mit Religion

Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 1. 1930, fühlt sich bemüßigt, ihrer Leserschaft einen „Handeln wir mit Religion?" überschriebenen Artikel vorzustellen.

„Alles tun, um Geld zu bekommen", muß ihr Motto sein; denn es gilt entweder Geld zu bekommen, oder sie können sich eine neue Stelle suchen. Und natürlich gelingt es den meisten von ihnen, Geld zu bekommen. ...

Indes kann man sich des Eindruckes nicht erwehren. Formal wird da ja die religiöse Konkurrenz gegeißelt. Bei näherem Lichte besehen, könnte sich auch die WTG das gesagte, selbst „hinter dem eigen Spiegel klemmen."

Der Artikel führte aus:
„Handeln wir mit Religion?"
(Ein Streiflicht auf die kirchlichen Verhältnisse Amerikas. - Übersetzt aus der amerik. Zeitung „Boston Transcript".)
Das durchschnittliche Kirchenmitglied betrachtet heute Religion im allgemeinen und Christentum im besonderen als einen Modeluxus, und nicht als eine Notwendigkeit. Es gehört keine besondere Klugheit und kein Geschäftssinn dazu, in einem Kaufmannsladen zu stehen und ein Brot oder eine Tüte Salz zu verkaufen. Der Kunde ist davon überzeugt, daß er diese Dinge braucht, darum kommt er in den Laden und kauft sie, ohne daß ihm zugeredet werden braucht. Viel schwieriger ist es, mit Religion zu handeln und dieselbe Durchschnittsperson davon zu überzeugen, daß sie das braucht, was die Kirche zu bieten hat, und daß sie darum die Kirche unterstützen sollte.

Eben wegen der Neigung der Laienschaft, die Religion als Luxus zu betrachten und dem Materiellen gegenüber dem Geistigen übermäßig viel Platz einzuräumen, haben die Autoritäten, die in Amerika an der Spitze der Kirchenräte, Synoden usw. stehen, ein Programm zur Erweiterung oder Hebung des Kircheneinflusses aufgestellt. Wir haben darum fast in jeder kirchlichen Richtung die sogenannte „Vorwärtsbewegung", den „staatenweiten Feldzug" und ähnliche andere Dinge. Die Pläne zu diesen Bewegungen sind in den Köpfen hervorragender Männer der Laienschaft entstanden, die in der Geschäftswelt große finanzielle Erfolge erreicht haben, und die nun unweigerlich an den Spitzen der Synoden, Kirchenräte usw. zu finden sind. In den Köpfen dieser Handelsmagnaten ist der Gedanke entstanden, daß die Methoden, die sich im Handel erfolgreich erwiesen haben, auf die Kirchen übertragen werden müssen. Vom finanziellen Standpunkt aus mag das ein gesunder Gedanke sein, aber vom geistlichen Standpunkt aus ist das etwas andres.

Nun sind die Herren Geistlichen immer die Günstlinge oder auch Mietlinge der „ganz Großen", die an der Spitze der Dinge stehen, gewesen. Es geziemt sich so, gleichviel, ob sie zu den „großen oder kleinen Propheten" gehören, denn daran hängt der Brotbeutel. So kam es denn, daß diese Pläne von den Bischöfen, Vorsitzenden oder Präsidenten der Synoden ohne viel Widerstreben angenommen wurden. Die Folge war, daß Organisationen geschaffen, Programms aufgestellt, Abteilungen eingerichtet und neue Ämter geschaffen und Ernennungen gemacht wurden, diese zu besetzen.

Durch ein seltsames Spiel des Zufalls oder auch der Absichten fand man es ratsam, diese Einrichtung einer Oberorganisation und die dazu notwendigen Ernennungen nicht auf der Grundlage der Qualifikation oder Tauglichkeit zu machen, sondern es so einzurichten, daß ein System politischer Drahtzieherei und Intrige entstand. Der Mann mit den meisten Stimmen bekam die leichteste Stellung mit dem größten Gehalt. Infolgedessen wurden nur solche Männer zu den neuen Ämtern ernannt, die Einfluß bei denen besitzen, die an der Spitze stehen, und die darum natürlich in den Apparat hineinpassen.

Nun ist dieser Apparat aufgestellt worden; und nun laßt uns sehen, wie er funktioniert. Der Mann des Kapitals, der an der Spitze steht, beruft eine Versammlung der Organisation, und dort überzeugt er die Brüder, die das Haupt der verschiedenen Kirchen, Synoden, Versammlungen usw. sind, daß das, was die Kirche braucht, in der Tat nicht „mehr Geist", sondern „Geld" ist. Die Brüder vom geistlichen Rock stimmen ihm zu (sie haben ihm zuzustimmen; denn, man vergesse nicht, der Brotbeutel hängt daran) und versprechen, nach Hause zu gehen und den „kleinen Propheten" Bescheid zu sagen. So erklärt denn ein jeder, daß er eine großartige geistige Auferbauung gehabt hätte, und die Versammlung stimmt den Gesang an:
„Der einz'ge Grund der Kirche", und „Preist Gott, von dem all Segen fließt".
Der wahre und tatsächliche „Grund" ihrer Kirchen, von dem ihr „Segen" kommt, ist natürlich der gute alte e pluribus unum (das eine durch vieles).

Gut, die „großen" Propheten gehen also nach Hause, und binnen kurzem haben die „kleinen" Propheten das Glück, einen Brief von dem Sekretär oder Schatzmeister zu bekommen, der ihnen sagt, daß der Geist der Kirche einen recht tiefen Stand hat, und daß das Christentum auf den Hund kommen wird, wenn nicht eine Schranke von guten ehrlichen Geldstücken gezogen wird, die die Flut der Sittenlosigkeit und des Unglaubens aufhält, die die Welt zu überschwemmen droht.

Dann gehen die „kleinen" Propheten prompt an die Arbeit; sie verwandeln sich in Kollektensammler und „verzehnten die Krausemünze, den Anis und den Kümmel", während die wichtigeren Dinge der Führung des Geistes vergessen werden. Die Methoden, die diese hochwürdigen Herren anwenden, um ihre Zwecke zu erreichen, sind manchmal sehr lächerlich, und wollte man sie einklassifizieren; so geht es von der bescheidenen Bettelei bis zum gewaltsamen Taschendiebstahl, ja bis zur milderen Form von Erpressung.

„Alles tun, um Geld zu bekommen", muß ihr Motto sein; denn es gilt entweder Geld zu bekommen, oder sie können sich eine neue Stelle suchen. Und natürlich gelingt es den meisten von ihnen, Geld zu bekommen.

Die Versammlungen oder Gemeinden werden nun natürlich dahin gebracht, sich solche Geistliche als ihre Führer zu erwählen, die Spezialisten in der Kunst müheloser Ausbeutung sind. Das bedeutet also, daß der Prediger der alten Zeit, der eine gute Rednergabe mit pastoraler Seelsorge für seine Gemeinde verband, untauglich wurde. Die heutige Kirche hat auf ihrem Wege nach Zion keine Verwendung mehr für die Droh-Lehre der Hölle, für Engel, Errettung, Taufe und Abendmahl. Was heute verlangt wird, ist jemand, der über Tüchtigkeit, Organisations- und Geschäftsmethoden und Sterne am Finanzhimmel zu reden versteht, und zwar mit gutem Witz, so daß er alle bei guter Laune zu erhalten und die Börsen zu öffnen versteht.

Die Kirchenmitglieder wollen betrogen sein, und derjenige Kanzelredner, der das beste Betäubungsmittel zusammengebraut und die Sache in der mühelosesten, geschäftskundigsten Weise tut, bekommt die leichteste Stelle mit dem Gehalt, das fünf Zahlen aufzuweisen hat. Dafür sorgt die Organisation.

Die Über-Organisation und der Handel ersticken langsam aber sicher die Religion. Wenn es auch die an der Spitze Stehenden nicht zugeben wollen, so ist es doch so, daß heute nicht mehr der junge Geistliche, der mit Begeisterung die Kanzel besteigt und von seiner Aufgabe erfüllt ist, Buße und Erlösung durch das Blut Christi zu predigen, ein gutes Vorwärtskommen hat, sondern die angenehmen Pfarrstellen mit den fetten Gehältern fallen jenen zu, die willige Werkzeuge in den Händen gewissenloser Spekulanten und Geizhälse sind, die den Kragen hinten zugeknöpft haben. Solche werden als glänzende Sterne am Kirchenhimmel gepriesen, während der andere entweder gezwungen wird, selbst mit dem Strome zu schwimmen, oder eine kleine magere Pfarre erhält, wo seine altmodischen Ideen von Religion nichts weiter schaden.

Die Folge dieser Zustände ist ein falscher Standpunkt in zwiefacher Hinsicht. Erstens hat das Durchschnittskirchenmitglied absolut nicht das Gefühl, daß es das braucht, was die Kirchen zu bieten haben, und der Geistliche selbst kommt in die Lage, wie etwa ein Blinder, der mit Stecknadeln hausieren geht. Die mitleidige Hausfrau, die ihm seine Stecknadeln abkauft, bezahlt ihm dafür das Doppelte, nicht weil ihr die Nadeln so viel wert sind, sondern weil ihre der Mann leid tut.

Zweitens sind diese Geistlichen entweder Dummköpfe, die selbst den Stand der Dinge nicht erkennen können, oder sie sind im absichtlichen Einverständnis mit den Plänen, ihren Gemeinden etwas anzudrehen, was absolut keinen Wert für diese hat und das sie nicht brauchen. Die meisten der Kirchenmitglieder kaufen, was ihnen die Geistlichen anbieten.

Ist das nicht ein Handeln mit Religion? Es ist nichts andres. Was die Geistlichkeit in Wahrheit tut, ist, den Menschen eine konzentrierte Form von Handel anzubieten (Kommerzialismus), die hier und da mit ein wenig Religion bestrichen ist, gerade nur soviel, daß man die Täuschung nicht merkt. Ich habe gefunden, daß es den meisten Kirchen heute nicht schwer fallen würde, sich selbst zu unterhalten und dabei noch eine Summe für Missionszwecke zurückzulegen. Aber der Zwang der großen Organisation bringt sie in Schwierigkeiten, die Unterstützung der Wucherer seitens der religiösen Körperschaften. Da sind hochelegant eingerichtete Büros, hochbesoldete Nabobs, unnötige Kontoristen und Stenotypisten, Drucker- und Portokosten, Reisespesen, Festessen und Versammlungen mit den „großen Propheten", bei denen die Geistlichen nichts weiter zu tun haben, als den weltlichen Patronen den Hof zu machen, sich den Magen zu verderben und die Gicht zu holen."

Italien und sein Meisterpolitiker
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Januar 2015 07:48
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" brachte bereits in ihrer Ausgabe vom 15. 11. 1929, einen „Italien und sein Meisterpolitiker" überschriebenen Artikel.
Das seitens der Bibelforscher das Mussolini-Regime, auch und besonders auch im Hinblick auf die katholische Kirche, kritisch bewertet, und das ganze in das Endzeitkorsett eingespannt werden würde, war vorauszusehen. Druckte die Magdeburger Ausgabe diesen Artikel in einem Stück ab, so ist bei der Berner Ausgabe zu registrieren. Er wurde in Fortsetzungen aufgeteilt. Beginnend mit der Berner Ausgabe des GZ vom 15. 1. 1930.
Nachstehend seien seine wesentlichen Aussagen vorgestellt:
„Italien und sein Meisterpolitiker
Italien ist kein großes, aber ungemein dicht bevölkertes und - nächst der Schweiz - das gebirgigste Land Europas. Zwei Drittel des Landes umfassen die Alpen und die Apenninen, und ein Fünftel ist wegen seiner natürlichen Beschaffenheit gänzlich unbebaubar. Doch was alles in Europa wächst, wächst auch irgendwo in Italien; und über diesem Lande wölbt sich ein immer blauer Himmel !
Man kann in geographischer, rassischer und politischer Beziehung Italien in drei Teile teilen. Zwischen dem Ligurischen Meer und dem Golf von Venedig liegt der Teil Italiens, den man das italienische Festland nennen konnte. Er ist durch die Alpenkette vom übrigen Europa getrennt, und es ist die Kornkammer sowie das Zentrum Italiens, der Sitz seiner vornehmsten Bevölkerung -
Zwischen dem Tyrrhenischen und dem Adriatischen Meer liegt die Halbinsel Italien. In diesem Teile liegen Rom und Neapel. Das übrige Italien besteht aus Inseln, von denen Sizilien und Sardinien die bedeutsamsten sind.
Als sich einst das Menschengeschlecht über die Erde auszubreiten begann, wurde Italien das natürliche und politische Zentrum der Welt. Auch als sich die Menschen mehr nach Norden und Westen hinzogen, blieb Italien immer noch ein Land, das eine wichtige Rolle in allem menschlichen Fortschritt spielte, und so ist es noch heutigen Tages. Kein anderes Land hat soviel historische Erinnerungen aufzuweisen wie dieses. Es ist außerordentlich reich an landschaftlichen Schönheiten und es ist das Ziel der Sehnsucht aller Reiselustigen.
Seit dem Ende des alten römischen Reiches haben sich die Bemühungen der politischen Gruppen, mit dem Vatikan als Mittelpunkt, hauptsächlich um eine Zersplitterung und Veruneinigung Italiens gedreht; und diese Politik hat einen überraschenden Erfolg gehabt. Die untereinander veruneinigten Kleinstaaten vermochten den unberechtigten Forderungen und Ansprüchen der "Hegemonie der ganzen Erde" (wie auch des Himmels) keinen Widerstand entgegenzusetzen. Seit Hunderten von Jahren hat das italienische Volk, der ewigen Bürgerkriege und Streitigkeiten zwischen den Kleinstaaten müde, friedlichen Künsten gehuldigt und hat das Kämpfen gekauften Söldnertruppen überlassen. Diese Truppen dienten dem am meisten Bietenden und kämpften manchmal abwechselnd für und gegen eine Stadt.
Vor der französischen Revolution bestand Italien aus neun kleinen Staaten, die bis zum Jahre 1860 mit kurzer Unterbrechung in Streitigkeiten miteinander waren.

Dann besiegte der italienische Patriot Garibaldi das Land, indem er das ganze Volk unter seinem Banner vereinigte und schließlich im Jahre 1870 auch Rom einnahm.
Das italienische Volk redet zwar nur eine Sprache, aber doch sind die Norditaliener und die Süditaliener so grundverschieden voneinander, daß die in den Vereinigten Staaten lebenden Nord- und Süditaliener wie zu zwei verschiedenen Völkern gehörend betrachtet werden.

Zu den verschiedensten Zeiten sind in Italien Phönizier, Griechen, Araber, Spanier, Gallier, Germanen und Slaven eingedrungen; und diese alle haben einen Eindruck hinterlassen, so daß man in Italien, besonders im Norden, die verschiedensten Charaktere und Typen findet.

Die Italiener sind sehr musikalisch und musikliebend, und unter den großen Musikern befinden sich viele italienische Namen, wie Verdi, Rossini, Bellini, Palestrina, Tetrazzini, Stradivari, Paganini, Puccini und Caruso. Der Klang eines solchen Namens genügt, um das hübsche dunkle Gesicht eines Italieners aufleuchten zu lassen. Es hat Fälle gegeben, wo der aufrührerische italienische Pöbel bei seinem Werke der Zerstörung sofort beruhigt wurde und still nach Hause ging, wenn er durch die Klänge einer einzigen Geige gerührt wurde.

Die Bevölkerung Italiens beträgt jetzt 40.000.000. Jeder Italiener, der sein Heimatland verläßt, hat den festen Vorsatz, wieder dahin zurückzukehren, aber die wenigsten kehren zurück.
Das Italien von heute ist ein ganz andres als das frühere, und es sind in der Tat viele wirklich gute Dinge, die das Land dem Meisterpolitiker und Tyrannen Mussolini zu danken hat. Noch vor zehn Jahren nannte man Italien das "Land der Sonne, der Flöhe, der Kunst und des Gestanks, der Verdorbenheit und der Armut, des Schmutzes und der Unsittlichkeit". Neapel wurde als der "Mittelpunkt des Schmutzes und der Armut im schlimmsten Sinne" beschrieben. Der Gestank in allen Straßen war unbeschreiblich, und überall herrschte Chaos und Unordnung.

Das ist alles anders geworden. Heute sind die italienischen Städte sauber, und der Verkehr ist durchaus geregelt. Das ganze Land macht den Eindruck sich hebenden Wohlstandes. Fünfzigtausend Arbeiter sind jetzt mit dem Bau von Landstraßen beschäftigt, so daß bald nach allen Ecken des Landes ein reger Autoverkehr möglich werden wird.
Die Stadt Rom ist in den letzten Jahren um das Doppelte gewachsen, mehr als alle andren Städte der Welt. Der italienische Kurs ist auf der Basis der Goldwährung stabilisiert worden. Schuldscheine von Millionen Dollarwerten sind verbrannt worden; und zwischen Italien und England, Jugoslavien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Spanien, Ungarn, Rumänien, Albanien und Chile sind allerlei Verträge geschlossen worden. Eben jetzt ist ein großes Unternehmen in die Wege geleitet, in Italien selbst alles anzubauen, was zur Ernährung des Volkes notwendig ist. Dazu werden ungeheure Landstrecken urbar gemacht und eine halbe Million Arbeiter beschäftigt. Es wird eine neue Art Weizen angebaut, die drei Wochen eher reift als gewöhnlicher Weizen, so daß die Ernte nicht dem Einfluß des heißen italienischen Sommers ausgesetzt ist.

Binnen fünf Jahren ist das Land von einem dichten Netz elektrischer Straßenbahnlinien durchzogen und sind an verschiedenen Stellen große Wasserreservoire gebaut worden. In der Kunstseidenindustrie sind 65.000 Leute beschäftigt. Kurzum, das Land hat sich in jeder Weise gehoben.
Und der, dem dies zu danken ist, ist Mussolini, der Sohn eines Schmiedes und einer Dorfschullehrerin. Er ist 46 Jahre alt, ein Mann mit großen, dunklen, leuchtenden Augen und einer hohen gewölbten Stirn, der - als er noch ein Schulknabe war - als ein Ausbund von Ungezogenheit galt, der nur Unfug im Kopf hatte.

In seiner Jugend war er zuerst Matrose, dann Steinmetzgehilfe, dann Lehrer und Schriftsteller. Nachdem er infolge seines schlechten Rufes von einer Freimaurerloge ausgeschlossen wurde, wurde er Sozialist; doch als Herausgeber des "Avanti" brach er mit den sozialistischen Überlieferungen und verband sich im Jahre 1915 mit d'Annunzio in einer glühenden Forderung des Krieges.
Schon lange vor dem Kriege waren viele "Fascios" zu einem oder dem andren Zweck organisiert worden. Ein "Fascio" ist lediglich ein Klub, der zur Erreichung eines bestimmten Zweckes gegründet wurde. Mussolini organisierte im Jahre 1915 einen solchen Klub, der es sich zur Aufgabe machte, Italien zur Teilnahme am Kriege auf Seiten der Alliierten zu zwingen. Diese Idee breitete sich über ganz Italien aus. Der rechte Moment war gekommen.

Nach dem Kriege war Italien durch eine ungeheure Schuldenlast überbürdet. Der Sozialismus war außerordentlich stark so daß man fürchtete, das Land würde zum Bolschewismus übergehen. Im Frühjahr 1919 reorganisierte Mussolini den Mailänder "Fascio", um den zurückgekehrten Soldaten angemessene Beschäftigung und Kontrolle des Landes zu sichern. Wiederum verbreitete sich die Idee. Es war wiederum der rechte Augenblick.

Im Herbst des Jahres 1920 beglückwünschte Mussolini in seiner Zeitung "Popolo d'Italia" noch die Arbeiter Italiens zu ihrem Eisenbahner-Generalstreik vom vorhergehenden Frühjahr und ihren Erfolgen in der Metallindustrie, bis er zu der Überzeugung kam, daß sie die sich entwickelte Situation nicht beherrschen konnten. Da sich die Regierung selbst in geschwächtem Zustand befand, beschloß Mussolini, sich selbst zum Herrn über Italien zu machen; und von allen Teilen des Landes aus wurde der Anmarsch nach Rom in Szene gesetzt.

Wir teilen nicht die oft geäußerte Ansicht, daß sich Mussolini bei seiner kürzlichen Vereinbarung mit dem Papst Ratti übergab. Jeder von ihnen würde irgendein Verbrechen zu begehen bereit sein, um zu erreichen, was er will; und was beide wollen, ist Macht. Aber Mussolini hat eine unheimliche Fähigkeit, stets zu wissen, wann er loszuschlagen hat, und die Fähigkeit, dem, der ihm nicht zu Willen ist, den Todesstoß zu versetzen. Er wählte gerade die rechte Zeit zur Regelung der sogenannten römischen Frage; und er tat es wieder so, daß seine eigene Macht dadurch vermehrt und nicht verringert wurde. Außerdem ist er ein junger Mann mit einem grenzenlosen Ehrgeiz, während der Papst nicht weit vom Grabe steht.

Wenn wir den Zeitungen glauben dürfen, ist Mussolini ein regelmäßiger Besucher der Gräfin Maria Pranzetti, einer großen Hellseherin, einer Spiritistin. Wenn das wahr ist, wird er also in direkter Weise vom Teufel beraten, wie er die größte Gewalt über die Menschheit bekommen kann.

Aber auch dem ungekrönten anderen Regenten Italiens, dem im priesterlichen Gewände, stehen ähnliche Hilfskräfte zur Verfügung, und es fragt sich nur, welcher Mann oder welches System den Zwecken des Teufels am besten dienen wird. Mussolini scheint noch mehr in seiner Gunst zu stehen als der andere, aber wir wissen es nicht. Warten wir es ab.

Da die Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" diesen Artikel gesplittet hatte, dann noch jener Teil, den das Schweizer GZ in der Ausgabe vom 1. 2. 1930 abdruckte:
„Wer sich der neuen Verwaltung widersetzte, wurde mit größter Rücksichtslosigkeit behandelt. Dass Wort „Rizinus-Feldzug" klingt allen denen, die einen Sinn für Humor haben, sehr komisch. Aber tatsächlich wurden jeder Mann und jede Frau, die es sich herausnehmen wollten, bei ihrer verfassungstreuen Gesinnung zu verharren, durch Androhung von Strafen, die darin bestand, dass sie einen halben Liter Rizinusöl trinken mussten, dazu gezwungen, sich für die faschistische Regierung zu erklären. Wenn diese Strafe vollzogen wurde, standen die Faschisten dabei, bis ihr Opfer sich totelend fühlte, in seinen Exkrementen lag. Dann verließen sie es, sich vor Lachen schütteln um sich zu dem nächsten zu begeben.

Eine natürliche Folge der neuen Herrschaft war die Erdrosselung der Freimaurer und Sozialisten. Nicht eine Stimme konnte sich dagegen erheben. Der edle Matteotti wurde in einer Autodroschke umgebracht, weil erklärte, im Parlament eine Verteidigungsrede für die allgemein Rechte des Volkes halten zu wollen. Sein furchtbar verstümmelter Leichnam wurde einige Wochen später in einer Schlucht gefunden. Mussolini ist mehrmals beschuldigt worden, Morde befohlen zu haben. Die Verbrechen, die in Florenz begangen wurden, waren tatsächlich das Werk von Teufeln in Menschengestalt. Es wurde nichts unterlassen, was nur ungezügelte Gewalt zur Vernichtung des Lebens und der Freiheit des Redens und Handels tun konnte. So wurde auch dem Freimaurertum in Italien ein völliges Ende gemacht.

Der Faschismus leugnet nicht und kann auch nicht leugnen, dass er eine Gewaltherrschaft ist, die vor keinem Mord zurückschreckt wenn es gilt seine Zwecke zu erreichen. Die Tscheka oder der Geheimbund, dessen Aufgabe es ist, Führer der Opposition beseite zu schaffen, wurde im Jahre 1924 in Mussolinis Privatwohnung gegründet, wie Signor Finzi, der frühere Untersekretär des Auswärtigen Amtes berichtet. Mussolinis ist während der ganzen Zeit das Bestehens der Mordherrschaft der Präsident der Tscheka geblieben. Nach den Berichten Finzis hatten die Mörder Matteotis und anderer von vornherein die Zustimmung und Billigung und Autorisation Mussolinis „um des Staates willen"!
Das ist mehr als Nietzsche, und selbst der frühere deutsche Kaiser ist durch diesen Despotismus weit übertroffen.

Wenn ein junger Mann heute in Italien in die Welt hinaus will, muss er erst die polizeiliche Genehmigung einholen, ehe er seinem Geburtsort verlassen darf. Kann es eine vollendete Sklaverei gegeben? Hunderte Professoren und andere gebildete Leute sind bei Nacht ihrer Bewegungsfreiheit beschnitten, werden überwacht usw. Ein solches Land ist eine regelrechte Holle. Überall stößt man auf Schwarzhemden. Auf der Eisenbahn werden sowohl die Reisenden als auch das Bahnpersonal von Schwarzhemden kontrolliert. Schwarzhemden hindern Italienern daran, das Land zu verlassen, und Ausländer die als „gegen den Faschismus eingestellt" verdächtig sind, hindern sie das Land zu betreten. Schwarzhemden sind es, welche auf den Schiffen die Seeleute bewachen, wie auch alles, was nach Italien herein und aus dem Lande heraus will.

Wo immer zwei Italiener mit einem Dritten zusammentreffen, können sie darauf gefasst sein, das der dritte ein Spion ist. Die Polizei wird regelmäßig von ihren Spitzeln darüber unterrichtet, was diese in den Häusern, wo sie arbeiten, sehen und hören. Jeder Arbeiter hat sich den Faschisten zuzugesellen oder er verliert seine Arbeit, da ein staatlicher Befehl die Arbeitgeber zwingt, ihre Arbeiter nur durch das faschistische Büro zu beziehen. Wenn irgendein Italiener im Auslande gegen den Faschismus spricht oder schreibt, wird sein und seiner Familie Besitztum, wenn er solches in Italien hat, von den Faschisten beschlagnahmt. In Italien wohnende Ausländer haben Briefe an ihre Angehörigen über die Grenze geschmuggelt, worin sie diese dringend baten, doch Faschisten zu werden, um sie vor dem Verderben zu bewahren. Welch eine furchtbare Lage!

So ist Italien zu einem Lande geworden, wo jedermann hinter seinen nächsten herspioniert. Wenn jemand als Feind des Faschismus bekannt wird, wird er arretiert. Ohne Untersuchung, ja ohne dass er gefragt würde, kommt er ins das Gefängnis, wo er bleibt, bis er abtransportiert wird. Dann wird er mit Fauststößen und Knüffen zur nächsten Bahnstation getrieben und fort geht es. Da gibt es keinen Einspruch. Oft wird es nicht einmal gestattet, dass die unglücklichen von ihren Familien Abstand Abschied nehmen. Diese Opfer werden auf einer kleinen vulkanischen Insel um Sizilien herum untergebracht. Diese kleinen Insel sind kahl, ohne Vegetation, ohne frisches Wasser, und wilden Stürmen ausgesetzt. Sie sind vielleicht die schrecklichsten Orte, die es auf Erden gibt. Nach den letzten Berichten werden gegen 2000 Menschen auf dieser Insel festgehalten. Die Schwarzhemden haben das Recht, nach Einbruch der Dunkelheit jeden x-beliebigen Menschen auf der Straße anzuhalten und seine Papiere zu verlangen. Eine Weigerung wird als Widersetzlichkeit gegen die Polizei bestraft
Andererseits wurde der fünfzehnjährige Junge, der versuchte auf den Diktator zu schießen, sofort erstochen und seine Leiche bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet. Eine solche Gewalttat wird als gesetzmäßig angesehen.

In Tirol hat Mussolinis Gewaltherrschaft die Deutschen aller Rechte beraubt. Sie dürfen ihre Kinder nicht einmal im eigenen Haus deutsch lehren. Als kürzlich ein Deutscher gestorben und es ruchbar wurde, dass die Leichenrede in deutscher Sprache gehalten worden war, zerstörten die Faschisten unverzüglich den Blumenschmuck des Grabes.
Die Schwarzhemden müssen Eifer für die Sache zeigen, sonst kommen sie selbst in Schwierigkeiten. Im letzten Jahr sind der faschistischen Organisation, die 6.814.703 Mitglieder zählt, 80.000 junge Leute hinzugefügt worden, aber 30.000 wurden wegen zu wenig Eifer wieder ausgeschlossen.

Der Ehrgeiz Mussolinis kennt keine Grenzen
Die Wahl ist zu einem reinen Unsinn geworden. In den meisten Fällen werden überhaupt nur mit „Ja" vermerkte Zettel herausgegeben, und wenn man auf einen solchen Zettel ein „Nein" schreibt, gilt es trotzdem als „Ja". So kam es, dass bei den letzten Wahlen die Faschisten 8.663.412 Stimmen gegen 135.761 hatten. Der große Rat des Faschismus bekam also die oberste nationale wie staatliche Gewalt.

Mussolini weiß, dass ihm die zujubelnden Millionen keine Spur von eigenen Denken haben, und er hält sie durch die seit undenkenklicher Zeit geübte Methode im Zügel. Obwohl sie alle darunter leiden, ist es doch so leicht ihren Enthusiasmus für den Militarismus entfachen. Es herrscht Militärzwang für alle Männer zwischen 20 und 39 Jahren. Der Dienst, den sie in Friedenszeiten zu tun haben, dauert bis zu 34 Monaten. Als Mussolini kürzlich 70.000 Veteranen fragte, ob sie im Falle des Krieges bereit sein würden, mitzukämpfen, brüllten sie „ja". Mussolini glaubt wohl, einmal der Herrscher der ganzen Welt werden zu können, und er streckt seine Hände weit über die Landesgrenzen.

Die Grundlage für seine Träume ist die Tatsache, dass es jetzt 9.118.593 Italiener gibt, die in anderen Ländern wohnen, der größte Teil davon in Amerika, wo denn auch die faschistischen Agenten fleißig tätig sind. Alle Italiener werden aufgefordert, Faschisten zu werden, da sonst ihre Angehörigen in Italien darunter zu leiden haben. Leider leistet die amerikanische Hochfinanz dieser Bewegung Vorschub, da sie ihr hochwillkommen und ihre Pläne, das Volk in Unterdrückung zu halten, äußerst günstig ist.

Weniger Glück hatten die Faschisten bei den Engländern, von denen sie tüchtige Prügel bekamen, als sie ihrer Rizinuskur beginnen wollten. Da Mussolini folgert, dass die Macht des Faschismus um so größer ist, je mehr Italiener es in der Welt gibt, hat er eine Art Wettbewerb in Szene gesetzt, nach welchen recht viele Kinder geboren werden.
Zu diesem Zweck galt es zuerst die italienischen Frauen für seinen Plan zu gewinnen. Die Frauen haben es unter der Faschistenherrschaft sehr gut. Sie bekommen dieselbe Bezahlung wie die Männer und werden mit einem Betrage versichert, der ihnen im Falle der Mutterschaft ausgezahlt wird. Die jungen Frauen, die in Betrieben beschäftigt sind, bekommen zur Zeit ihrer Entbindung zwei Monate Ferien. Auch werden die jungen Frauen aufgefordert, der Schützengilde beizutreten, und auf diese Weise wird Liebe und Begeisterung für den Krieg in ihnen großgezogen. So ist es Mussolini auf verschiedenerlei Weise gelungen, sich eine große Beliebtheit bei den Frauen zu erringen. Er macht es dem päpstlichen System nach, das auch dadurch erfolgreich ist, daß es die Männer durch die Frauen beherrschen läßt.

Den dritten und letzten Teil dieser Serie, schloß die Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" in ihrer Ausgabe vom 1. 3. 1930 mit den nachfolgenden Ausführungen ab.
"In mehreren Städten hat man die verheirateten Leute in zehn Klassen eingeteilt, deren erste die "Ehren-Kategorie" genannt wird. Dazu gehören die Ehepaare, die sieben Kinder und mehr haben. Sie haben Vergünstigungen bei der Einkommensteuer und der Straßenbahnen, Freiplätze in den Kinos und allgemeine soziale Vorteile. Wenn ein Zwillingspaar geboren wird, wird den Eltern ein Ständchen gebracht, während kinderlose Ehepaare überall bedrückt und gebrandmarkt werden. Die faschistische Presse hat verlangt, daß kinderlose Frauen auf ein Jahr auf die Gefangeneninseln verbannt werden sollten, damit sie dort in der Langeweile lernen sollten, sich nach Kindern zu sehnen.

Als die Frage erhoben wurde, warum denn das ohnehin übervölkerte Land noch mehr bevölkert werden sollte, wurde geantwortet, daß Italien Krieg führen würde, um von anderen solche Teile der Erde nehmen zu können, die es zur Ernährung seiner Bevölkerung braucht.

Mussolini ist nur aus politischen Gründen Katholik, und aus nichts anderem. Dieser Mann verehrt nur sich selbst, und alle Ehre, die er irgendeinem anderen zuteil werden läßt, gibt er nur aus diplomatischen Gründen. Es gibt Millionen Italiener, die des festen Glaubens sind, daß der Papst die Macht besitzt, sie in die Hölle zu verdammen. Solange das Volk dieses Glaubens ist, dient das System den Zwecken Mussolinis.

Er kann den Papst gut gebrauchen; darum wirft er ihm gelegentlich einen Bissen hin, um ihn sich gefügig zu machen. So rühmt sich der Faschismus, all die Kruzifixe an den Wänden der Schulhäuser und Gerichtsgebäude wiederaufgerichtet zu haben; und nun ist noch ein kleiner Teil Landes, das etwa 100 Acker umfaßt, sowie 37 500 000 Dollar in bar und 50 000 000 in Aktien dem Papste zum Geschenk gemacht worden. Das wäre niemals möglich gewesen, wenn nicht die amerikanischen Großkapitalisten dem Faschismus dieses Geld gestiftet hätten.

Niemand weiß oder kann wissen, wer von den beiden Machthaber Italiens der alleinige Sieger bleiben wird. Aber gewiß ist, daß die Wolle zwischen Mussolini und dem Papst fliegen wird, und auch die Schlauesten Politiker des Vatikans werden es nicht verhindern können, daß Mussolini seine stolzen Träume zur Ausführung bringt.

Gegenwärtig streiten sie sich darüber, wer die Jugend Italiens erziehen soll und damit die Herrschaft über die Zukunft des Landes gewinnt. Mussolini hat die Jugend in der Hand, und es ist sehr zweifelhaft, daß er herausgibt, was er besitzt.

Die Zahl der Analphabetico ist in den letzten 50 Jahren von 69 auf 27 Prozent gesunken, und die Univcrsitäten und höheren Schulen haben sich gemehrt; aber der Faschismus kontrolliert alle Schulbücher, die der Jugend in die Hand gegeben werden. In den Schulen, besonders in Mailand, werden den Kindern mussolinische Gebote gelehrt, von denen das eine beißt:
"Ich bin Italien, deine Mutter, deine Königin. Du sollst keine Mutter, keine Königin, keine Göttin haben neben mir. Du sollst die Regierung und den Faschismus ehren."
Ein anderes Gebot heißt:
"Wisse, daß die Faschisten, und besonders die Militaristen, niemals an ewigen Frieden glauben dürfen. Mussolini hat immer recht Das Leben des Duce (des Herzogs, Mussolinis) sollte dir das teuerste von allem sein" usw.
Denkende Menschen fragen nun:
"Wie lange sollen solche Zustände herrschen?" Gott weiß wie lange, aber er offenbart seine Geheimnisse nicht jedermann. Leute, die in Italien gewesen sind, berichten, daß die Schofföre, die Arbeiter, die Wachtposten, die Fremdenführer ohne Ausnahme, wenn sie allein und unbeobachtet sind, über die unerträgliche Tyrannei des gegenwärtigen Regimes klagen, trotzdem sie selbst schwarze Hemden tragen. Andererseits ist die wohlhabende und besitzende Klasse für den Faschismus.

Ein aufmerksam beobachtender Zeitungsschreiber erklärt den aufgeregten Zustand, in dem sie sich befinden, eher für Hysterie als für eine gesunde Begeisterung. Er gewann den Eindruck eines drohenden Unheils. Die Tatsache, daß die Schwarzhemden gezwungen werden, Berichte über alles abzugeben, was sie in den Häusern und bei der Arbeit gehört haben, wie auch die Unterdrückung des Freimaurertums und der Pressefreiheit sind Zeichen von Furcht.

Mussolini denkt, das Volk sei der Freiheit müde, aber es gibt viele, die ihm hierin nicht recht geben, und die führenden Staatsmänner Italiens, die in Paris oder sonstwo in Verbannung sind, und ihre Freunde, tun, was sie können, ihren Landsleuten die Augen darüber zu öffnen, was ihnen angetan worden ist. Es sollen wöchentlich zwanzigtausend Zeitungen nach Italien eingeschmuggelt werden, es soll ja sogar in Italien selbst in Kellern und auf Heuböden Druckerpressen geben, die Zeitungen drucken, von denen die Regierung sicher nichts weiß.
Aber was könnten sie unter den obwaltenden Umständen tun? ..."

Aus gegebenem Anlass
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 10. Januar 2015 07:52
Exkurs:
Aus gegebenem Anlass, der Hinweis auf ein lesenswertes Buch von Hamed Abdel-Samad über den „Islamischen Faschismus".
Die Stichproben-Zitate wurden der Google-Buchsuche entnommen:

https://books.google.de/books?id=WFVvAgAAQBAJ&pg=PT10&dq=islamische+Faschismus&hl=de&sa=X&ei=uMOwVN7OL4nYPdaVgKgO&ved=0CCAQ6AEwAA#v=onepage&q=islamische%20Faschismus&f=false


https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=giEzDxoFYTk

Wieder mal was von „Dr. Eisenbart"
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. Januar 2015 23:51
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise

Dr. Eisenbart, der bekanntlich machen konnte, das Blinde wieder geh'n und Lahme wieder seh'n.
Besagter „Dr. Eisenbart" (oder welchen bürgerlichen Namen er auch sonst immer trug). Besagter „Dr. Eisenbart", hatte wieder mal das Bedürfnis, der Welt eine seiner revolutionären „Entdeckungen" mitzuteilen.
Auf der Suche nach einer geeigneten Plattform dafür, musste er nicht lange suchen. Er wusste es bereits aus früheren Erfahrungen.
Für solcherlei „Geheimtipps" ist das „Goldene Zeitalter" die geeignete Tribüne. Ja dort nimmt man noch, seine „Erkenntnisse" mit dem Ausdruck der allerhöchsten Hochachtung entgegen.

Die Krebskrankheit, sicherlich eine der Geißeln der Menschheit. Und getreu seinem Grundsatz-Motto
"Fort mit aller Chemotherapie. Fort und nochmals fort", wusste er seiner andächtig lauschenden Leserschaft, auch dazu erstaunliches, und zugleich doch auch erstaunlich einfaches, mitzuteilen.
Na, wenn dass mal nicht „der" Lichtblick ist.

Nun muss ich wohl einräumen, kein Mediziner zu sein. Ich maße mir da auch keinerlei „Patentrezepte" an. Das tun ja schon andere zur Genüge.
Das diesmalige Patentrezept des „Dr. Eisenbart" in der in Rede stehenden Sache, sei denn auch meinerseits nicht weiter kommentiert.
Bilde sich jeder seine eigene Meinung dazu.
Im „Goldenen Zeitalter" (Schweizer Ausgabe vom 15. 1. 1929; Ausgabe Magdeburg vom 1. 2. 1930), war auch nachfolgend erstaunliches zu lesen:

„Krebs, seine Ursache und seine Verhinderung
Folgendes ist ein Auszug aus einem kleinen Buche von Dr. med. Melville Keith, das in Southport in England erschien. Es wurde im Jahre 1907 herausgegeben und unterstützt die Ansichten, die wir oft in diesen Spalten vertreten haben, daß alle körperlichen Leiden des Menschen ihren Ursprung in den Gedärmen nehmen.
"Wenn der Körper zuviel von irgend einem Stoffe bekommt, so daß die dem Körper innewohnende Kraft es nicht durch die dazu bestimmten Kanäle entfernen kann, dann werden diese Stoffe von den Blutkörperchen aufgenommen und an irgend einer Stelle gelagert, wo diese Stoffe dann zusammengeballt liegen bleiben. Merke wohl, alte, tote, abgenutzte, verbrauchte Masse oder Kot lagert sich oder staut sich an irgend einer Stelle des Körpers an und bildet dort einen Klumpen. Es ist niemals und unter keinen Umständen ein "Gewächs", sondern eine Ablagerung.

Wenn ein Stall gereinigt und all der Schmutz und Mist auf den Hof geworfen wird, so ist dies auch kein Gewächs, sondern eine Anhäufung verbrauchter Stoffe, die das Tier aus seinem Körper ausgeschieden hat, und die entfernt werden müssen.
Wenn eine solche Anhäufung in unserem Körper groß genug geworden ist, um unangenehm zu werden, wenn diese toten Stoffe hart geworden sind, werden die umliegenden Gewebe kraft oder leblos. Sie sind mit toter Materie angefüllt, nehmen kein frisches Blut auf und sterben ab. Wenn wir nun tote Gewebe oder leblose Materie in unserem Körper haben, so haben wir den chemischen Vorgang, der hier, stattfindet. Die durch die Anhäufung oder den Klumpen schlechter, verbrauchter Stoffe beeinträchtigten Gewebe sterben ab, verwesen, und wir haben dann, was wir ein "fressendes Gewächs" nennen, in Wahrheit aber eine Anhäufung toter, verwesender Stoffe. Wenn dann die Adern und Nerven ringsum angefüllt sind (denn die Blutkörperchen haben sie mit dieser alten oder toten Materie angefüllt) bekommen diese abgefüllten, steif gewordenen Aderchen und Nerven (die aus dem hauptsächlichen Klumpen herausragen) das Aussehen von "Wurzeln" oder von den Fühlern eines "Krebses". Das ist der Grund, warum man diesen Klumpen Krebs nennt.

Es ist den Ärzten heute möglich einen solchen Klumpen herauszuschneiden, gleichviel wo er sein mag, und das Leben des Patienten kann dadurch verlängert werden. Aber früher oder später wird derselbe Zustand, der zuerst durch die Anhäufung entstanden war, wieder eintreten und die Verwesung dieser toten und giftigen Masse und ihrer Absonderungen in den Körper wird schließlich den Tod zur Folge haben.
Die Tatsachen sind also, daß diese Krebsbildungen nicht von Bakterien herrühren sondern von Unrat, von Ungehorsam gegen die Gesetze der Natur, indem durch falsche Ernährung dem Körper fremde oder tote Stoffe zugeführt wurden. Wie der Krebs nicht von Keimen oder Bakterien herrührt, so ist er auch kein Gewächs, sondern ein mit toter Materie angefüllter verwesender Klumpen. Dieser wird nun herausgeschnitten anstatt daß die schlechten Stoffe zur Ausscheidung gebracht werden."
Derselbe Arzt äußert sich über Blinddarmentzündung;

"Die Ursache für fast alle Fälle von Blinddarmentzündung rührt von der Tatsache her, daß der aufwärts-führende Grimmdarm so mit Kot angefüllt ist, daß die verbrauchten Stoffe keinen Raum mehr darin finden und sich darum einen Ausweg in dem horizontal laufenden Grimmdarm suchen. Wenn sich in diesen Därmen oder auch im Mastdarm eine große Menge trockener Stoffe angesammelt haben, so daß aus dieser oder einer anderen Ursache eine Stuhlverstopfung eingetreten ist, lassen diese angefüllten Därme ganz geringfügige Mengen Kot oder das dünnste desselben durch die Damwände entweichen. Wenn diese winzigen Teilchen schlechter Stoffe in die Bauchhöhle eindringen, entstehen dort Schmerzen und Unbehagen, und oft ist es nur das, was dann als Blinddarmentzündung erklärt wird."

Weiteres von Dr. Eisenbart
Mysnip.128884.
Mit - oder ohne Organisation?
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 17. Februar 2015 04:08
Im Goldenen Zeitalter gelesen - Eine Zeitreise
So, so. Wenn die eigene Praxis nicht mit dem übereinstimmt, was man da - theoretisch - selbst einmal verkündete, mag man nur als Kommentar zu jener Leserfrage und ihrer Beantwortung in der Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 2. 1930 sagen.
Aber bilde sich jeder sein eigenes Urteil dazu.
Angefragt wurde:

„Ist es möglich, daß man ein christliches, Gott wohlgefälliges Leben führen kann, ohne doch irgend einer der gegenwärtigen Kirchen anzugehören?"

Und als Antwort darauf wurde (damals) zu Protokoll gegeben:
Antwort: Aber ganz bestimmt! Man kann sehr wohl ein Christ sein, ohne einer der vielen Kirchen oder Sekten anzugehören. Die wahre Kirche wurde zu Pfingsten von Jesus gegründet Er selbst ist das Haupt dieser Kirche und die Namen der Glieder derselben stehen im Himmel angeschrieben, in dem Buche des Lebens des Lammes. Es ist uns gesagt, daß nur der Herr die Seinen kennt.
500 Jahre nachdem Christus seine wahre Kirche gründete, trat die katholische Kirche ins Dasein. Tausend Jahre später wurde die lutherische Kirche organisiert, und wieder einige Jahre später die Kirche von England. Dann folgten die baptistische Kirche, die Presbyterianische, die Methodistenkirche und andere, bis es nun schließlich 160 verschiedene Denominationen oder Sekten gibt, von denen doch keine die wahre Kirche ist. Unter dem Worte Kirche versieht man heute entweder ein Gebäude oder eine Gemeinschaft von Leuten, die einem bestimmten Glaubensbekenntnis anhängen. Die Bibel bezieht jedoch das Wort Kirche auf die kleine Schar dercr, die sich in irgend einem Hause zum Studium des Wortes Gottes versammeln. So schrieb zum Beispiel Paulus in Römer 16 :3-5: "Grüßet Priska und Aquilla, meine Mitarbeiter in Christo Jesu... und die Versammlung (die Kirche) in ihrem Hause".
Es liegt kein Gedanke an ein Glaubensbekenntnis, ein Sektierertum oder ein mächtiges Religionssystem in den Worten des Apostels, Das griechische Wort für Kirche heißt ecclcsia und bedeutet "Auscrwählte". Es bezieht sich nur auf die, die aus der Welt herausgerufen wurden, die den Ruf gehört und sich von der Welt abgesondert haben, von ihrer Politik, ihren Schandtaten und ihrer Heuchelei.
Wenn man zu einer dieser Denomination gehören müßte, um ein Christ sein zu können, hätten weder Jesus noch die Apostel in irgend einem Sinne Christen sein können, da sie ja schon aus dem Grunde, weil diese Denominationen damals noch nicht bestanden, keiner derselben angehören konnten."

In dergleichen Ausgabe des Schweizer „Goldenen Zeitalters" vom 1. 2. 1930, gab es dann noch eine Definition des Begriffes „Religion".
Das GZ führte dazu aus:
„Herkunft des Wortes Religion
Das Wort Religion stammt von dem lateinischen Worte „religio" und bedeutet in der vorchristlichen Zeit in erster Linie Entsetzen, Unruhe, Furcht, ängstliche Gewissenssorge, bange Erwartung, kurz ungefähr das, was man heute unter Aberglaube versteht, so definiert W. Werde wohl Fauler in seinem Buche: „Das soziale Leben in Rom zur Zeit Cicero." -
In zweiter Linie, so fährt dieser Gelehrte fort, verstand man unter dem Wort „religio" die Mittel, diese diese beim Volke vorhandene Seelenangst zu beschwichtigen und den Zorn der Götter zu besänftigen. Diese Mittel aber wurden vom Staate in Form verschiedener Arten der Götteranbetung und Zeremonien festgesetzt, und „religio" ist somit ein staatlich festgelegter Gotteskult, wie wir ihn auch heute noch bei den christlichen Nationen finden.
Das Wort „religio" findet sich in diesen Doppelsinne in der letzten Hälfte der römischen Republik. Demnach ist also der Ursprung des heute soviel gebrauchten und missbrauchten Wortes Religion römisch-heidnisch und bedeutet nichts weiter als Staatsmittel zur Beruhigung ängstlicher und abergläubischer Gemüter oder wie man heute oft in den freisinnigen Zeitungen mit Recht lesen muss: „Morphium fürs Volk." Unter diesen falschen heidnischen Begriff wurde leider im Laufe der Zeit die christliche Lehre oder Evangelium Jesu Christi in den verschiedenen Staaten und Nationen der Erde eingeführt, während aber Jesus Christus mit solch einem Staats-"religio" nicht zu tun hatte, sondern seiner Umgebung deutlich zu verstehen gaben, dass „sein Reich nicht von dieser Welt wäre", also nicht staatlich sei.
Erst nach dem Tode der Apostel und der ersten wahren Nachfolger Jesu ist die Lehre Christi oder das Evangelium als Staats"religio" eingeführt worden und zwar durch unheilige Verbindung einiger ehrgeiziger, ruhm- und machtsüchtiger Vorsteher christlicher Gemeinden mit weltlichen politischen Elementen des römischen am Untergehen dem begriffenen Staates. So kam das römisch-katholische Papsttum zustande und aus ihm, gingen dann allmählich alle katholischen und evangelischen Tochtersysteme unserer Tage hervor. Die herrliche Lehre Jesu vom Königreich Gottes auf Erden, ist dardurch völlig entstellt worden und dem geistigen Verständnis der Menschen verloren gegangen. Es gibt heute vorwiegend nur eine „religio" - eine offizielle Staats und Formenreligion, aber kein wahres Christentum mehr.
Das Wort „religio" oder Religion ist in der ganzen Heiligen Schrift nicht zu finden. Es stammt also offenbar vom Heidentum und somit vom Teufel, der es an Stelle des Wortes Gottes gesetzt. Denn „der Glaube ist es der die Welt überwindet" und nicht die Religion. Wahre Glaube wirkt nicht durch äußere Zeremonien sondern durch Liebe!"

Zeitgenössische Sowjetunion
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 20. März 2015 00:06
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Im „Goldenen Zeitalter" (Schweizer Ausgabe) vom 1. 3. 1930, konnte man die nachfolgende Kurznotiz lesen (mehr als eine Kurznotiz war das Thema dem GZ offenbar nicht wert).
„Rußland schließt sämtliche Kirchen-Einrichtungen von Geistlichen.
In Sowjetrußland soll, wie das „Berliner Tageblatt" zu berichten weiß, bis 1935 die Schließung aller Gotteshäuser durchgeführt werden. Allein in den Monaten November und Dezember des vergangenen Jahres wurden nach amtlichen Angaben geschlossen: 540 orthodoxe und 11 protestantische Kirchen, 63 Synagogen und 18 Museen. Sie wurden in Kinos, Museen, Klubs, Speicher und Anderes umgewandelt. Im Jahre 1929 wurden rund 1200 Kirchen der verschiedenen christlichen Konfessionen, sowie 646 Synagogen geschlossen. Zugleich mit der Schließung der Kirchen habe sich der Kampf gegen die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen außerordentlich verschärft. Zahlreiche Geistliche wurden in der letzten Zeit erschossen, ohne daß man ihnen vorher den Prozeß gemacht habe. Nach offiziellen Mitteilungen seien in den Monaten November und Dezember allein 19 Geistliche hingerichtet worden. Nach einer Mitteilung des von der Regierung protegierten Bundes der Gottlosen sollen bis zum Jahre 1935 sämtliche Gotteshäuser in ganz Sowjetrußland geschlossen werden."

Zu dieser Meldung muss man dann wohl noch hinzufügen. Meldungen dieser Art, lösten zeitgenössisch, andernorts (keineswegs „nur" in kirchlich orientierten Kreisen) wahre Entrüstungsstürme gegen das sowjetische Regime aus.
Das GZ hingegen meint das ganze mit einer Kurznotiz abtun zu können.
Das selbigen dieses Thema nur eine Kurznotiz wert war, wurde selbstredend auch in kirchlichen Kreisen aufmerksam registriert.
Wenn sich die damaligen Bibelforscher (zu Recht) darüber beschwerten, von ihren kirchlichen Gegnern immer wieder in die kommunistische Ecke gestellt zu werden, dann müssen sie sich auch sagen lassen. Durch ihr eigenes agieren begünstigten sie das.
Klammheimlich stand bei den WTG-Hörigen die Illusion Pate, die „falsche" Religion würde vernichtet, und sie würden dabei „übrig" bleiben.
Man wagte es zwar auf WTG-Seite - in diesem Fall - nicht so deutlich auszusprechen. Aber glauben tat man es durchaus. Die Sowjetunion sei halt in dieser Angelegenheit „Gottes ausführendes Werkzeug".
Man wird sagen müssen. Solcherlei Geisteshaltung, welche politische Mächte und ihr agieren als „Gottes Werkzeug" interpretiert, ist keineswegs nur auf die WTG-Religion beschränkt. Man begegnet ihr - in Vergangenheit und Gegenwart - (etwa im Bereich der sogenannten Evangelikalen) ein mas.
Ein besonders übles Beispiel lässt sich auch im Umfeld der Bibelforscher namhaft machen.
Der gläubige Russell-Jünger Friedrich Bösenberg, separierte sich zwar von der WTG, machte quasi seinen eigenen „Laden" auf, in Gestalt der Zeitschrift „Botschafter für den Haushalt des Glaubens".
Gleichwohl blieb er auch nach seiner Separation, den Russell'schen Grundgedanken treu. Und wie auch die Bibelforscher, verklärte er Israel zu Weimarer Republik-Zeiten.
Er hatte aber keinerlei Skrupel, als der Naziideologe Alfred Rosenberg, Ende der 1930er Jahre auch publizistisch Thesen ventilierte. Etwa der Art.
Alle Juden sollten nach Madagaskar deportiert werden (wenn die Westmächte dabei mitspielen würden. Was sie nicht taten). Und dieweil diese Pläne so nicht aufgingen, fanden sie ihre Fortsetzung in den Krematoriumsöfen von Auschwitz.
Besagter Bösenberg hatte in seiner unheiligen Einfalt (womit er was die Einfalt anbelangt wahrlich nicht allein steht), besagte - der Presse entnommene Madagaskarpläne ausdrücklich aufgegriffen; und das agieren des Hitlerregimes dabei als „Werkzeug Gottes" verklärt. Im Sinne der „Fischer-Jäger"-These. Wobei die Nazi-Gewaltpolitik den Juden gegenüber, den ominösen „Jägern" entspräche, da die Juden in nicht genügender Anzahl, „freiwillig" in das ihnen „zugedachte" Land ausgewandert wären. Weil dies „freiwillig" nicht so geschehen sei, müsse es jetzt gewaltsam geschehen, damit „Gottes Plan" erfüllt werde. Besagter „Gott" ist sich nicht zu schade, für seinen „Plan" sich dann auch der anrüchigen Nazipolitik zu bedienen.
Übrigens beliebte ein religiöser Narr namens Emil Meyer, aus dem Bereich der „Pfingstkirchen" zu Nazizeiten, in das gleiche Horn mit zu blasen.
Siehe auch:
Mysnip.131905
Übrigens war bei einer USA-Politikerin, die da gerne Vizepräsidentin der USA geworden wäre, eine ähnliche Tendenz (eben in der Zeit nach 1945) feststellbar.
Dazu nochmals ein thematisches Zitat:
Zitat
„Selbst bei der unterlegenen Vizepräsidentschafts-Kandidatin in den USA, Sarah Palin, gab es eine ähnliche Tendenz,

Siehe
sueddeutsche.de/politik/537/309473/text/

Das sie denn Pro Israel eingestellt ist bestreitet ja niemand. Der Knackpunkt liegt eben in dem Dunstkreis in dem sie sich bewegt.

Nochmals das Detailzitat

„ , dass die terroristischen Angriffe auf Israel "Gottes Urteil" für Juden war, die nicht den christlichen Glauben annehmen wollen ..."

Da ist in der Neuzeit also nicht mehr vom Holocaust (direkt oder indirekt) die Rede, Den Platz nehmen jetzt also „terroristischen Angriffe auf Israel" wahr, die in der Lesart jener Pfingstlerischen Gruppen, der die Palin zuortbar ist, „Werkzeuge Gottes" darstellen.
Greift nun die Tagespresse solche Ausrutscher auf, ist es schon nachvollziehbar, in ihrer Position, dass ihr dann etwas unheimlich wird, und formale Dementis erfolgen.

Über die "Glaubwürdigkeit" solcher Dementis kann man allerdings durchaus anderer Meinung als besagte Palin sein.

Den Zeugen Jehovas wird man nicht nachweisen können, dass auch sie denn die Nazi Madagaskarpläne aufgegriffen hätten. Das ist richtig. Das ist aber nur deshalb richtig, dieweil ihre Lehraufsätze des „Wachtturms" in den USA konzipiert werden. Während Bösenberg sich auch durch die Nazipresse „inspirieren" lies. Und die Presse der USA verbreitete zu der Zeit solcherlei Thesen nicht.
Es ist also lediglich die „Gunst der Umstände" die sie vor solcherlei skizzierten Entgleisungen bewahrte. Religiöse Antisemiten waren auch sie, zu der Zeit, gleichermaßen.
Womit sich der Kreis wieder schließt.

Zurückkehrend zur zeitgenössischen Sowjetunion.
Estland (auch eine wechselvolle Geschichte habend), war zu der Zeit, von der Sowjetunion unabhängig. Offenbar gab es auch dort Antiklerikale Strömungen, die prompt auch vom GZ mit aufgegriffen wurden.
Man vergleiche dazu etwa den Bildtext, den die Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" in ihrer Ausgabe vom 15. 2. 1930 einem entsprechendem Pressephoto beifügte.

Bankenkrach

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 21. Februar 2015 00:11
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Über den „Bankenkrach" berichtet die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1930 (Schweizer Ausgabe 1. 3. 1930). Und wie gehabt, mündet auch dieser Bericht wieder in die bekannten Harmagedon-Theorien aus.
Man liest:
„Der Montag Morgen" vom 2. Dezember 1929, Nr. 48, bringt eine außerordentlich interessante Statistik, die uns hinter die Kulissen des Lebens der gegenwärtigen Weltwirtschaft führt. Die letzten Monate standen so allgemein im Zeichen der Börsenkatastrophen, deren Auswirkungen dann festzustellen sind, wenn es gelingt, die entsprechenden Reaktionen im Geschäftsleben festzustellen. Diese Reaktionen aber sind das Barometer für die wahren Vorgänge. Es dürfte allgemein interessieren, daß in Deutschland diese Katastrophe ihren Anfang nahm mit dem Beginn des Oktobers und dem Krach der „Frankfurter Allgemeinen". Im Oktober sind dann allein 31 Privatbanken in Deutschland zusammengebrochen. Die Bilanz des November ist auch fast 30 Bankhäuser und ähnliche Institute. Die Säulchen der Organisation Satans wanken und fallen schon; nicht lange und die Säulen folgen.

Andererseits ist nicht zu ermessen, welche enorme Rückwirkungen diese Bankbankrotts nach sich ziehen. Wieviel Geschäftsleute verlieren mit dem Zusammenbruch der Bank nicht ihr Betriebskapital, sind nicht mehr in der Lage, Zahlungen zu leisten, Rechnungen für bezogene Waren zu regulieren, Gehälter auszuzahlen usw., und werden so in den Strudel hineingezogen. Wir erinnern uns an den Zusammenbruch der Beamtenbank, wobei Tausende von Familien vollkommen aller Barmittel entblößt wurden.

Diese Katastrophe ist noch nicht abgeschlossen. Ein Blick in die Zeitungen zeigt uns täglich, welche Krise das Wirtschaftsleben nicht nur in Deutschland, sondern auch in den andren Ländern über sich ergehen lassen muß. Wie viele Läden sind geschlossen, wie viele Läden sind zu vermieten, wie viele Geschäfte verkleinern sich, wie viele werden bankrott, stellen die Zahlungen ein, kommen unter Geschäftsaufsicht, befinden sich in Liquidation usw. Noch niemals haben die Konkursgerichte eine derartige Hochkonjunktur zu verzeichnen gehabt, wie jetzt. Noch niemals wurden Gerichtsvollzieher in einem solchen Maße herangezogen, und noch niemals haben die berufsmäßigen Konkursverwalter mit so großer Überlastung zu kämpfen gehabt wie gegenwärtig.

Andrerseits schließen sich die gewaltigsten Bankinstitute zusammen, wie jetzt die „Deutsche Bank und Diskonto-Gesellschaft", bilden Trusts, die wie ein Schwamm alles andere in die allgemeine Verwicklung hineingezerrt werden. Damit aber werden diese Riesen tonangebend und fähig, die Gelddiktatur zu erheben nicht nur im eigenen Tätigkeitsfeld des Bankwesens, sondern auch dadurch, daß riesige Aktiengesellschaften, Fabriken usw. aufgekauft bezw. von den Banken abhängig und damit den Banken untertan und zu Ausführern des Willens derselben werden.

Diese Entwicklung war vor einigen Jahren undenkbar, hat sich allmählich und unsichtbar vorbereitet, und wird heute noch von den wenigsten erkannt. Wenn aber die Entwicklung in dem Maße, wie im letzten Jahre, vorwärtsgeht, dann dürften bereits nach wenigen Monaten grundlegende Veränderungen in der ganzen Struktur unseres Wirtschaftslebens und unsrer eigenen persönlichen Verhältnisse eingetreten sein. Veränderungen aber, die für keinen wünschenswert sind, sondern alle zu Sklaven einiger Menschen machen."

Und dazu kommentiert das GZ dann seinerseits redaktionell:
„Wir wissen, daß diese Entwicklung unweigerlich zu dem großen Harmagedon führen muß, und ebenso wissen wir, daß das Königreich Gottes der einzige Ausweg aus dieser Kalamität ist, durch welche die ganze Erde wie in einem Wirbel erfaßt wurde."

Wehrdienstproblematik

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. Februar 2015 07:13
Im Goldenen Zeitalter gelesen - Eine Zeitreise
Kirchenorganisationen, welche verbürgerlicht sind; die über eine Funktionärskaste verfügen, die im Fall der Fälle etwas zu verlieren hat (und das im sehr buchstäblichen Sinne), pflegen sich in „Ausnahmesituationen", wie es ohne Frage Kriege sind, kaum sonderlich mit „Ruhm" zu bekleckern. Das kann man sogar in solchen Ländern beobachten, wie etwa der Schweiz, welcher der Kelch der aktiven Kriegs-Involvation in den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts, weitgehend erspart blieb.

Gleichwohl betrieb auch die Schweiz, eine Politik die kaum als pazifistisch bezeichnet werden kann. Regelmäßige Einberufungen zum Militär, waren auch da gang und gäbe.

Und siehe da, sieht man sich die dem Bibelforscher-Umfeld zuzuordnende Zeitschrift „Die Aussicht" näher an, die bekanntermaßen in den ersten Jahren in der Schweiz herausgegeben wurde, wird man dort verschiedentlich redaktionelle Notizen vorfinden, worin der Redakteur selbiger mitteilt, er werde wieder (zeitlich befristet) zum Militär einberufen. Und diesem Umstand zufolge, müsse für diese Zeit seine Redakteursarbeit weitgehend brachliegen.
Das lässt sich nicht nur „einmal" sondern mehremale nachweisen.

Diese Bibelforscherkreise in der Schweiz, hatten also keinerlei Skrupel, den an ihnen herangetragenen militärischen Nötigungen, Folge zu leisten.

Das im ersten Weltkrieg die Bibelforscher, solange Russell noch lebte, auch in Deutschland Militärdienst absolvierten, ist zur Genüge bekannt und dokumentiert.

Erst Rutherford setzte da in der Tat andere Akzente. Es ist aber auch bekannt, dass selbiger anfänglich keineswegs unumstritten in der WTG-Organisation war, und sich erst in harten Machkämpfen durchzusetzen vermochte.
Nachdem seine Position konsolidiert war, kamen die Wehrdienstgegnerischen Aspekte zum Tragen. Eine Verschärfung, neben der Endzeitorientierung, brachte dann auch die von Rutherford 1929 eingeführte Verschärfung der Obrigkeislehre mit sich. Wer da vollmundig tönt, weltliche Regierungen seinen keine Obrigkeiten gemäß Römer 13, dem fällt es aus dieser Oppositionshaltung heraus, um ein vielfaches leichter, das dann auch auf das Thema Wehrdienstproblematik mit zu übertragen.

Sehen muss man auch.
Nicht nur die Bibelforscher damaliger Prägung, hatten nunmehr nach dem Weltkrieg, vom Krieg „die Schnauze voll".
Auch etwa die Freidenker (letztere atheistisch orientiert), thematisierten in ihrer Kirchenkritik besonders auch das Verhalten der Kirchen zum und im Krieg.
Insofern befanden sich sowohl Bibelforscher als auch Freidenker, zu damaliger Zeit, in diesem Punkte auf gleicher „Wellenlänge".
Wie es dann alsbald mit dem Krieg wieder ernst wurde (sprich zweiter Weltkrieg), zeigte sich erneut, dass sowohl Freidenkern als auch sonstigen marginalen pazifistischen Kreisen, das „Hemd näher als der Rock war".
Zum Konflikt in der Wehrdienstfrage ließen sie es jedenfalls nicht kommen.

Insofern waren die Zeugen Jehovas zur Zeit des zweiten Weltkrieges, zwar nicht in Gesamtheit, aber doch in beachtlicher Größenordnung, eine Ausnahme von der Regel.
Auch da gilt es die „begünstigenden" Rahmenbedingungen klar zu sehen.
Durch das Verbot im Hitlerregime waren sie ohnehin schon „gehetztes Wild", das nicht mehr viel zu verlieren hatte (gleichfalls im sehr buchstäblichen Sinne).
Desweiteren wirkte besonders ihre Endzeitorientierung als „die" Stimulanz. Solcherlei illusorische Stimulanz hatten andere Kreise in der Tat nicht.

Die Schweizer Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 2. 1930, bringt relativ umfänglich, Kriegsdienstgegnerische Voten zu Gehör.
Es ist aber dazu auch klar zu sagen. Unter den zeitgenössischen Rahmenbedingungen, hätte diese Wehrdienstkritik ebenso von atheistisch-freidenkerischen Kreisen stammen können.
Auch die waren denn alles andere als „gut" auf die etablierten Kirchen zu sprechen, und versäumten kaum eine Gelegenheit, dies ähnlich zu artikulieren.

Im nachfolgenden (kommentarlos) die Ausführungen der genannten GZ-Ausgabe:
„Katholische Stimmen gegen den Krieg.
Bis zur Stunde wurden Bibelforscher als "staatsgefährlich" und als "volksverhetzende Eigenbrödler" verrufen, wo immer sie es mit christlicher Entschiedenheit unternommen haben, ihre Stimme gegen den Krieg zu erheben. Während heute noch die gesamte offizielle katholische Presse auf dem Standpunkte des "gerechten Krieges" steht, erregt das Auftreten einiger Kapazitäten der Rom-Kirche gegen Mißbrauch der Religion für den "Internationalen Handel mit Menschenblut" gewaltiges Aufsehen.

Unter dem eingangs genannten Titel erschien bei der "Internationale der Kriegsdienstgegner" eine Aufsehen erregende Schrift, welche mit den versteinerten und durch die kirchliche Tradition gefälschten Ansichten über einen "gerechten Krieg" gründlich aufräumt.
Herr Prof. Dr. Johann Ude aus Graz erklärt darin die Kriegsdienst-Verweigerung als "heilige Gewissenspflicht" und führt an, wie nach bisheriger Entscheidung selbst des Thomas von Aquin zum mindesten auf der einen Seite zweier kriegführender Parteien alle Christen als Kriegsdienstverweigerer hätten auftreten müssen, was jedoch nie der Fall war. Und warum nicht? Herr Prof. Ude sagt wörtlich:

"Denn jede der kriegführenden Parteien gibt natürlich vor, daß sie einen durchaus gerechten Krieg führe. Jede der kriegführenden Parteien schiebt erfahrungsgemäß die Schuld am Kriege auf die Gegenpartei. Demgegenüber erkläre ich ganz offen und mit vollster Überzeugung, selbst auf die Gefahr hin, daß man über mich herfallen werde:
Unter den Kulturstaaten gibt es heute überhaupt keinen gerechten Krieg mehr. Also haben die Angehörigen der einzelnen Kulturnationen nicht nur das Recht, sondern die heilige Pflicht, von vorn herein jeden Kriegsdienst zu verweigern. Diese Wahrheit müssen und können besonders wir katholische Priester über die ganze Welt hin von den Kanzeln der Kirche im Namen Christi den Gehirnen einhämmern.

Prof. Ude bezeugt mit Recht, daß die Kriegsverwicklungen immer zufolge unchristlichen und ungerechten Vorgehens der Nationen entstehen und daher von einem "gerechten" Kriege niemals mehr die Rede sein könne.
Prof. Ude erkennt aus dem Verhalten der herrschenden Kulturstaaten den "Abfall von den Forderungen der Nächstenliebe und Gerechtigkeit", als dessen Folge u.a. Zeugnis geben: der unsoziale Luxus, der Bodenwucher mit dem damit verbundenen Wohnungselend, die Parteipolitik und die Lügen der Diplomatie, die religiöse Heuchelei und die staatsbürgerliche Unaufrichtigkeit, dazu die Millionen und Millionen geschädigter, verkrüppelter oder ruinierter Existenzen innerhalb der Kulturstaaten.

Herr Prof Ude ruft aus:

"O ihr armen, ihr betrogenen, ihr mißbrauchten Völker!... Es gibt heute keinen gerechten Krieg mehr - so rufe ich in alle Welt hinaus... Kriegsdienstverweigerung ist heute internationale heilige Pflicht!"

Diese Verkündigung von allen katholischen Kanzeln wird solange ein frommer Wunsch bleiben, als der Papst in Rom selbst seine eigenen Söldner-Truppe bewaffnet und für zuverläßigen Waffendienst vereidigt.

Aus einer bedeutsamen Rede des kathol. Universitätsprofessors Dr. Franz Keller aus Freiburg i. Br. wird in genannter Schrift u. a. folgendes unzweideutiges und bewundernswertes Zeugnis zitiert:

"Wenn trotz der offiziellen internationalen Kriegsächtung die Kriegsrüstungen noch eine solche gewaltige Rolle im modernen Völkerleben spielen, so liegt die Ursache daran nicht bloß bei den wenigen 15-20% Drahtziehern, die den Krieg machen, sondern auch in der überkommenen Geisteshaltung, den gewohnten Denkschablonen und den ungeprüft als bare Münze hingenommenen hohlen. Schlagworten.
Die durch die Gewohnheit eingebürgerten, ja geheiligten Denkschablonen sind das gefährlichste, unheilvollste Kriegswerkzeug. Durch dieses Giftgas werden nicht nur die Gehirne der Volksmassen betäubt und gelähmt, sondern auch die Vertreter der Wissenschaft und Religion, die zur Führung des Volkes berufen sind, erstarren zu blindem Kadavergehorsam gegen die Kriegsmacher.
Dieses Giftgas der geistestötenden Denkschablonen ist leider im Laufe der Zeit auch eingedrungen in das Heiligtum der christlichen Wortverkündigung und in die wissenschaftliche Darlegung der Sittenlehren unseres Meisters. Einige Beispiele mögen dies beweisen:

Betrachten wir einmal die Begriffsschablone, die Phrase "allgemeine Wehrpflicht". Als Kriegsmittel von der französischen Revolution erfunden, hat sich dieses Schlagwort im Laufe des letzten Jahrhunderts nicht nur das selbständige freie Denken der europäischen Nationen, sondern auch ihre Gesetzbücher dienstbar gemacht. Die Autorität und ihr Rückhalt, der Name Gottes, wurde benutzt zur Knechtung der Gewissen, zur Fälschung des politischen Urteils, zur Fälschung aller sittlichen Maßstäbe. Die Kirche, die wenigstens für das geistliche Amt eigene Wertung und daher Nichtunterwerfung unter die allgemeine Kriegsdienstpflicht forderte, wurde entweder nicht gehört, oder aber es wurden mit ihr Kompromisse geschlossen, die schlimmer als direkte Feindschaft sind. Die kirchlichen Organe wurden in diesem Falle zwar nicht zum Kriegsdienst gezwungen, dagegen benutzt, zum Kriegsdienst mit religiöser Hilfe und Aufmunterung das Volk anzuspornen und bereit zu machen. Man beschränkte sich nicht etwa darauf, den armen Opfern des Militarismus die religiöse Hilfe zuteil werden zu lassen, sondern sie zu gefügigen Automaten und zu begeisterten Werkzeugen der Kriegsfurie zu machen. Religion und Kirche wurden ganz in den Dienst gestellt und als Kriegsmittel ersten Ranges ausgebaut. Man hat es verstanden, das christliche Gewissen einzuschläfern, daß es diese Vergewaltigung nicht merkte, mit Hilfe von gewissen Opiaten in Gestalt von Abzeichen und Auszeichnungen einerseits und Achtung als vaterlandslose Gesellen, Drückeberger usw. andererseits. Mit aller Arglosigkeit übernahm die katholische Öffentlichkeit diese einseitigen militaristischen Maßstäbe und suchte gehorsamst, ihnen zu entsprechen. Der Thron dt. Militarismus wurde neben dem Altar aufgerichtet, ja vielfach sogar auf dem Altar.
In der wissenschaftlichen Theorie der Ethik und Moral geschah etwas Ähnliches. Man rechtfertigte gehorsamst die allgemeine Kriegsdienstpflicht als Gewissenspflicht, indem man die Ablichtung zum Töten auf Befehl als notwendig für die Selbsterhaltung und Selbständigkeit der Volksgemeinschaft hinstellte, als Notwehrrecht!

Damit komme ich zum traurigsten Kapitel der Ethik und Moraltheologie, zur Lehre vom gerechten Krieg als Notwehrrecht des Staates. In diesem Kapitel feiert die Vergasung der Gehirne durch den Militarismus die höchsten Triumphe.
Wie gräßlich hat aber die Wissenschaft im Dienste eines allmächtigen Militarismus das Notwehrrecht genotzüchtigt, um den Kautschukbegriff des gerechten Krieges auf jeden Fall herauszudestillieren!"

Herr Prof. Keller stellt mit Nachdruck das Verbrechen der Moral unserer Zeit fest, die noch heute von einem gerechten Kriege rede, "den es schon deshalb heute nicht gibt, weil der moderne Krieg tatsächlich vor allem in erster Linie gegen das feindliche Volksganze geht, nicht mehr bloß gegen das feindliche Heer! Also auch gegen Frauen und Kinder, Greise, Kranke, Verwundete. Alle werden ausgeräuchert! Alle vergast und vergiftet!

"Die katholische Kirche steht gegenwärtig vor einer gewaltigen Entscheidung. Sie muß unserer Zeit ihre göttliche Sendung dadurch beweisen (zu spät, sie hat Jahrhunderte ihre Geschichte mit Blut geschrieben), daß sie das arme, geknechtete, ausgesogene Volk in Schutz nimmt gegenüber einer Staatsvergottung, die Menschenopfer ohne Zahl verlangt, die die Masse des Volkes in den Rachen des Kriegsdienstes hineinzwingt und hineinlockt. Die Kirche muß beweisen, daß es ihr Ernst ist mit dem Fax vobiscum, mit dem ihre Friedensboten die Welt begrüßen. Schon viele sagen pessimistisch diesem Gruße gegenüber:
"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!"
Es zweifelt gar Hr. Prof. Keller selbst am guten Willen der Rom-Kirche. Und nicht mit Unrecht! Denn noch verhimmeln gewisse "Seelsorger" den Krieg in freventlicher Weise, was z. Zt. insbesondere Remarque's Buch "Im Westen nichts Neues" zeigt, das gar Viele um der dann geschilderten rauhen Wirklichkeit willen nicht zu ertragen vermögen.

Dem interessierten Leserkreise des "Goldenen Zeitalters" sei an dieser Stelle ein kleiner Auszug dieses aktuellen Buches wiedergegeben, der für sich selber spricht:

"Die Wiesen sind flach, der Wald ist zu weit und gefährlich, es gibt keine andere Deckung als den Friedhof und die Gräberhügel. Wir stolpern im Dunkel hinein, wie hingespuckt klebt jeder gleich hinter einem Hügel. Keinen Moment zu früh. Das Dunkel wird wahnsinnig, es wogt und tobt Schwärzere Dunkelheiten als die Nacht rasen mit Riesenbuckeln auf uns los, über uns hinweg, das Feuer der Explosionen fieberflackert den Friedhof. Nirgendwo ist ein Ausweg. Ich wage im Aufblitzen der Granaten einen Blick auf die Wiesen. Sie sind ein aufgewühltes Meer, die Stichflammen der Geschosse springen wie Fontänen heraus. Der Wald verschwindet, er wird zerstampft, zerfetzt, zerrissen. Wir müssen auf dem Friedhof bleiben. Vor uns birst die Erde. Es regnet Schollen. Da knallt es gegen meinen Schädel, daß mir das Bewußtsein verschwimmt. Ich habe den blitzartigen Gedanken: Nicht ohnmächtig werden, versinke im schwarzen Brei und komme sofort wieder hoch. Ein Splitter ist gegen meinen Helm gehauen, er kam soweit her, daß er nicht durchschlug. Ich wische mir den Dreck aus den Augen, Vor mir ist ein Loch aufgerissen. Granaten treffen nicht so leicht in denselben Trichter, deshalb will ich hinein. Mit einem Satz schnelle ich mich lang vor, flach wie ein Fisch über den Boden - da pfeift es wieder, rasch krieche ich zusammen, greife nach Deckung, fühle links etwas, presse mich daneben, es gibt nach, ich stöhne, die Erde zerreißt, der Luftdruck donnert in meinen Ohren, ich krieche unter das Nachgebende, decke es über mich, es ist Holz, Tuch, Deckung, Deckung, armselige Deckung vor herabschlagenden Splittern.

Ich öffne die Augen: - meine Finger halten einen Ärmel umklammert, einen Arm Ein Verwundeter? Ich sehne ihm zu - keine Antwort - ein Toter. Meine Hand faßt weiter - da weiß ich wieder, daß wir auf dem Friedhof liegen...
Die Einschläge haben aufgehört Der Friedhof ist ein Trümmerfeld. Särge, und Leichen liegen verstreut Sie sind noch einmal getötet worden; aber jeder von ihnen, der zerfetzt wurde, hat einen von uns gerettet.

Wir sehen Menschenleben, denen der Schädel fehlt; wir sehen Soldaten laufen, denen beide Füße weggefetzt sind, sie stolpern auf den zersplitterten, splitternden Stümpfen bis zum nächsten Loch; ein Gefreiter kriecht zwei Kilometer weit auf den Händen und schleppt die zerschmetterten Knie hinter sich her; ein anderer geht zur Verbandstelle und über seine festhaltenden Hände quellen die Därme; wie sehen Leute ohne Mund, ohne Unterkiefer, ohne Gesicht; wir finden jemand, der mit den Zähnen zwei Stunden die Schlagader seines Armes klemmt, um nicht zu verbluten. Man kann oft nicht begreifen, daß über den zerrissenen Leibern noch Menschengesichter sind, in denen das Leben seinen Fortgang nimmt. Zwei werden so zerschmettert, daß man meint, man könne sie mit dem Löffel von der Grabenwand abkratzen und im Kochgeschirr beerdigen. Einem ändern wird der .Unterleib mit den Beinen abgerissen. Er lehnt tot auf der Brust im Graben, sein Gesicht ist zitronengelb, zwischen dem Vollbart glimmt noch die Zigarette. Sie glimmt, bis sie auf den Lippen verzischt.
Wir sind mager und ausgehungert. - Uns zerschrinnt die Ruhr die Darme. Man sollte den Leuten zu Hause diese grauen, gelben, elenden, ergebenen Gesichter hier zeigen, diese verkrümmten Gestalten, denen die Kolik das Blut aus dem Leibe quetscht
Was wir wissen ist vorlaufig nur, daß wir auf eine sonderbare und schwermütige Weise verroht sind, obschon wir nicht einmal oft mehr traurig werden.
Wir sind verlassen wie Kinder und erfahren wie alte Leute, wir sind roh, traurig und oberflächlich - ich glaube wir sind verloren. Genau wie wir zu Tieren werden, wenn wir nach vorn gehen, weil es das einzige ist, was uns durchbringt, so werden wir zu oberflächlichen Witzbolden und Schlafmützen, wenn wir in Ruhe sind. Wir können gar nicht anders, es ist förmlich ein Zwang. Wir wollen leben um jeden Preis, da können wir uns nicht mit Gefühlen belasten, die für den Frieden dekorativ sein mögen, hier aber falsch sind.

"Wer nicht schweinigelt, ist kein Soldat"
"Ich bin jung, ich bin zwanzig Jahre alt; aber ich kenne vom Leben nichts anderes als die Verzweiflung, den Tod, die Angst und die Verkettung sinnloser Oberflächlichkeit mit einem Abgrund des Leidens. Ich sehe, daß Völker gegeneinander getrieben werden und sich schweigend, unwissend, töricht, gehorsam, unschuldig töten Ich sehe, daß die klügsten Gehirne der Welt Waffen und Worte erfinden, um alles noch raffinierter und länger dauern zu machen. ... Jahre hindurch war unsere Beschäftigung Töten -- es war unser erster Beruf im Dasein. Unser Wissen vom Leben beschränkt sich auf den Tod." u. s. w. -

Und da gibt es heute noch "Seelsorger", Vertreter des großen Friedefürsten, die es verdrießt, daß so nüchtern und ungeschminkt über das moderne Menschenschlachten gesprochen wird. Was soll man denken, wenn - wie unlängst im katholischen "Vaterland", Luzern. sich ein kath. Geistlicher für den Krieg gegen Remarque's Buch in die Schanze wirft, der als "Seelsorger" selbst an der Front gewesen sein will.

Man höre und staune: dieser "Seelsorger" vermißt vor allem im Buche Remarque's jene "ergreifenden Naturschilderungen", denen man in den Briefen gefallener Studenten "auf Schritt und Tritt" begegne. Remarque habe "alles Schöne" des Krieges weggelassen. Derart ist der "Seelsorger" um die Erhaltung des Massenmorden beseelt, daß er versucht, weiszumachen, "insbesondere die jüngeren Jahrgänge seien sittenrein aus dem Kriege heimgekehrt."
Ja es seien sogar verschiedene seiner persönlichen Bekannten in der harten Schule des Krieges "gebildet und gestählt" worden und befinden sich heute als tüchtige Männer in angesehenen Stellungen.

Die geschätzten Leser werden leicht selber zu beurteilen vermögen, wes Geistes Kind diese Art "Seelsorger" sind, da man bekanntlich nicht zugleich Gott und dem Mammon dienen kann.

Nachsatz: Dem durch sein unerschrockenes Auftreten bekanntgewordenen Hr. Prof. Ude wurden inzwischen laut neuesten Pressemeldungen von den Diocesanbischöfen Österreichs die Prediger-Erlaubnis entzogen. Auch wurde demselben durch bischöflichen Befehl jedes Auftreten in öffentlichen Versammlungen ganz Österreichs verboten. So macht die Rom-Kirche die ihr gefährlich werdenden aufrichtigen Zeugen mundtot ."

Ernst Altorfer
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 12. März 2015 04:32
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Eine Pressenotiz erschien dem „Goldenen Zeitalter" Schweizer Ausgabe vom 1. 3. 1930 auch weitergebenswert. Sie sei nachfolgend vorgestellt:
„Die "Neue Zürcher Zeitung" vom 24. November, 4. Bl. 1929 machte ihre Leserschaft bekannt mit einer auch weitere Kreise interessierenden Dissertationsarbeit von Herrn Dr. jur. Ernst Altorfer, betitelt: "Die Dienstverweigerung nach schweizerisch. Militärstrafrecht", Zürich 1929. Dr. Altorfer kommt in seiner Dissertation auf Grund des Militärstrafrechtes zu dem Schlüsse, es sei die Strafe der Einstellung im Aktivbürgerrecht abzulehnen, sofern nicht "gemeine Beweggründe" zur Dienstverweigerung geführt haben, welchen Standpunkt übrigens schon General Wille, entgegen der Praxis der Militärgerichte, vertreten habe. Die "N. Z. Z." nennt die gründliche und scharfsinnige Untersuchung Dr. Altorfers einen überaus wertvollen Beitrag zur Militärrechts-Literatur."

Nun, dass solcherlei Meldungen das Interesse der Bibelforscher finden würden, kann man ja durchaus nachvollziehen. Das Ausgeführte sei denn auch nicht weiter kommentiert. Es sei lediglich noch ergänzt, mit ein paar Zitaten, die sich bei der eigenen Einsichtnahme dieses Buches ergaben (wiederum kommentarlos zitiert):

S. 11:  Wer diese Arbeit zur Hand nimmt, um, wie der Titel den ins Militärstrafrecht nicht Eingeweihten vermuten lässt, eine Abhandlung über die Dienstverweigerung aus Gewissensgründen zu finden, wird sie enttäuscht weglegen. Ausser statistischen Angaben und einer kurzen, objektiven Darstellung der Motive dieser Dienstverweigerer am Schlusse der Arbeit, wird er nichts darüber finden.
S.19:  Die Wehrpflicht ist eine allgemeine Untertanenspflicht. Sie beruht auf der allgemeinen Gehorsamspflicht der Untertanen gegenüber dem Staate.

S. 20:  Wehrpflicht und Glaubens- und Gewissensfreiheit
Dieses Verhältnis ist dadurch charakterisiert, dass die individuellen Freiheitsrechte ihre Schranke finden am öffentlichen Interesse.

S.28:  Die Behandlung von Stellungspflichtigen, die nicht mit der Waffe Dienst tun sollen.
Der diensttauglich befundene Wehrpflichtige hat keinen Rechtsanspruch darauf, nach Belieben in eine bestimmte Truppengattung eingeteilt zu werden. Die Zuteilung erfolgt grundsätzlich nach Bedürfnis und Eignung. Um aber Konflikte zwischen Dienstpflicht und Gewissen zu vermeiden, kommen die Militärbehörden Dienstpflichtigen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, mit der Waffe Dienst zu tun, in weitgehendem Masse entgegen, indem sie sie auf Wunsch bei einer nichtkombattanten Waffengattung (Sanität, Verpflegung) einteilen.

S.32:   Die Dienstpflicht dauert normalerweise bis zum Schluss des Kalenderjahres, in dem das 48. Altersjahr vollendet wird. Offiziere bleiben bis zum 52. Altersjahre dienstpflichtig.
S.76:  Die große Mehrzahl der ausländischen MStGB unterscheidet die Dienstverweigerung nicht von der Desertion.
S.181:  Von allen Fällen, in denen sich die Militärgerichte mit Nichteingerückten zu befassen hatten, hat ihnen die Behandlung der aus dem Auslande nicht in den Äktivdienst eingerückten Dienstpflichtigen und die der Dienstverweigerer aus Gewissensgründen am meisten Schwierigkeiten bereitet.
S.199: Die Dienstverweigerung ist auch nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, eine Erscheinung dieses Jahrhunderts. Es hat zu allen Zeiten Glaubensgemeinschaften und einzelne Bürger gegeben, die den Waffendienst aus Gewissensrücksichten abgelehnt haben. Dagegen hat die Dienstverweigerung unstreitbar unter dem überwältigenden Einfluss des Weltkrieges eine höhere Bedeutung erlangt. Die Fälle haben besonders gegen Ende des Krieges stark zugenommen, und auch heute noch ist das Delikt häufiger, als dies vor dem Kriege der Fall war.
Die Zahl der Dienstverweigerer aus Gewissensgründen wird gewöhnlich gewaltig überschätzt.

S. 200:: Das Jahr 1917 brachte das Anschwellen der Dienstverweigerung
aus Gewissensgründen auf die Höchstzahl von 37 Fällen.

S. 201:   Die Praxis der verschiedenen Gerichte ist in diesem Punkte ganz ungleioh. So hat z. B. das DG 5a alle Dienstverweigerer, die der Sekte der ernsten Bibelforscher angehörten, konsequent psychiatrisch untersuchen lassen. In allen diesen Fällen musste auf Unzurechnungsfähigkeit erkannt werden. Die andern Gerichte haben des zum grössten Teile unterlassen und die Angeklagten, obwohl die Fälle durchaus gleichliegend waren, verurteilt. Was sich bei dieser Gruppe von Dienstverweigerern besondere deutlich zeigt, gilt auch für die andern Arten. Immer wenn der Untersuchungsrichter eine psychiatrische Begutachtung anordnete, wurde auf Unzurechnungsfähigkeit oder auf verminderte Zurechnungsfähigkeit erkannt; in keinem Falle konnte vollständige Zurechnungsfähigkeit festgestellt werden.
S.205:  Vor dem Kriege waren es hauptsächlich die Sabbathisten, die die Militärgerichte beschäftigten. In den Jahren 1915-1919 verweigerten zahlreiche Antonianer den Dienst, während seit 1922 die Angehörigen der Sekte Leib Christi und der ernsten Bibelforscher daß Hauptkontigent der Dienstverweigerer stellen.
S.210:   In den ersten Kriegsjahren standen mehrere Antonianer vor Gericht, in die Zelt vor dem Kriege, in vereinzelten Fällen jedoch bis zum Jahre 1924 fallen die Dienstverweigerungen der Sabbathisten, während es seit 1922 die Sekte "Leib Christi" und die ernsten Bibelforscher sind, die die Mehrzahl der Dienstverweigerer stellen.

Die Sekte der Antonianer ist besonders deshalb interessant, weil sie, im Gegensatz zu den andern, eine typisch schweizerische, nur im Kt. Bern vorkommende ist. Ihr Gründer, Antoni Unternährer, ein 1759 geborener Bauernknecht begann um 1800 in der Gegend von Thun als Prophet aufzutreten und galt unter seinen Anhängern als zweiter Christus, Er verfasste zahlreiche Schriftchen, die ganz aus Bibelstellen zusammengesetzt sind, jedoch so, dass sich ein ganz anderer Sinn und die sonderbarsten Lehren ergeben. Die Sekte hat heute noch Anhänger im Kt. Bern, meistens Bauern. Sie haben keine Prediger, sondern begnügen sich mit Zusammenkünften auf Bauernhöfen, bei denen aus den Schriften Unternährers vorgelesen wird.
Näheres bei Hadorn, Geschichte des Pietismus in der Schweiz, Konstanz 1901, S.245-250.

Diese beiden aus den USA stammenden Sekten, deren Lehren ganz ähnlich sind, entfalten in unserem Lande seit 1922, die ernsten Bibelforscher in der Deutsch-, die Sekte "Corps de Christi" in der Westschweiz, eine intensive Propaganda durch Broschüren, ja sogar durch Filiale, die ihnen eine ansehnliche Anhängerschaft eingebracht hat. Ihre Lehren bestehen aus einer Vereinigung von Buchstabenglauben mit kühnster Umdeutung der Bibel, sind aber derart wirklichkeitsfremd, dass sich diese Sekten wohl bald selbst ad absurdum führen werden.
Näheres über die ernsten Bibelforscher bei Köhler, „Was sagen wir zu den ernsten Bibelforschern", Zürich 1925.

S. 211:  Allen diesen Dienstverweigerern ist gemeinsam, dass es es sich um stille, grüblerische, kindliche Menschen handelt, die einer Sektiererfamilie oder, und das ist der häufigere Fall, sie sind infolge von Schicksalsschlägen in einer depressiven Stimmung einer Sekte in die Hände gefallen. Die Lehre der Sekte gibt ihnen wieder einen gewissen Halt und eine bestimmte Lebensrichtung. Da sie in der Regel keine kritisch veranlagten Persönlichkeiten sind, unterliegen sie der starken Kollektivsuggestion, die eine solche Sekte auf ihre Mitglieder ausübt, in kurzer Zeit. Sie spinnen sich immer mehr in die Lehre der Sekte ein und passen ihr Leben, wie das für alle Angehörigen von Sekten charakteristisch ist, immer mehr der Bibel an, indem sie sich dabei an den Buchstaben, anstatt an den Inhalt halten. Bei der ausgesprochenen Tendenz zum Buchstabenglauben ist dies nicht zu verwundern, dass, obwohl die Lehren aller dieser Sekten die Dienstverweigerung nicht fordern, zahlreiche Angehörige trotzdem dazu gelangen.

Vor Gericht begründen sie ihre Auffassung mit einem Schwall von zusammengewürfelten Bibelzitaten und auf Einwendungen antworten sie ebenfalls mit mehr oder weniger passenden Bibelstellen.
In einem Falle begründete ein ernster Bibelforscher seinen Standpunkt mit einem Brief an das Gericht, der aus 126 Bibelstellen zusammengesetzt war; eigener Text fand sich ausser den immer wiederkehrenden Worten "Denn es steht geschrieben" keiner in diesem Schreiben.

S.212:  Die Betreffenden haben sich so in das System ihrer Sekte eingearbeitet, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, die Dinge anders wahrzunehmen, als sie durch ihre Bibelforscherbrille sehen. Ihre Gedankengänge sind im Gebiet der religiösen Ansichten derart von effektiven Momenten beherrscht, dass sie verstandesmäßig nicht mehr korrigierbar sind, da ihnen die Möglichkeit, Gegenvorstellungen zu bilden, vollständig fehlt.
Es trifft also auf 11 verurteilte 10 als unzurechnungsfähig erklärte ernste Bibelforscher!

Evangelische Gemeindeblatt Dresden-Kleinschachwitz

geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 19. März 2015 03:52
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" brachte in ihrer Ausgabe vom 1. 3. 1930 auch den Bericht über eine justiziable Auseinandersetzung mit der Evang. Kirche.
Angesichts des Umstandes, dass einige Unterbelichtete, namentlich aus dem Verschwörungstheoretischem Umfeld, noch heute ihre Glaubenssätze herunterleiern, über „jüdische Freimaurer"; erscheint mir, da dieser Aspekt in diesem Bericht mit gestreift wurde, dies durchaus bemerkenswert. Wie auch immer man die sonstigen Ausführungen dieses GZ-Berichtes bewerten mag.
Der Bericht führte aus:
„Ein Kirchenblatt, nämlich das Gemeindeblatt von Dresden-Kleinschachwitz (verantwortlicher Redakteur Pfarrer Gerlach in Heidenau) veröffentlichte in Nummer 3 des Jahrganges 1929 des Blattes einen Artikel über die Internationale Bibelforscher Vereinigung. Der Artikel strotzte von Unwahrheiten und verleumderischen Entstellungen der Wahrheit, und zwar in einer so ausgiebigen Form, dass wir gegen dieses Kirchenblatt das Pressverfahren gerichtlich zur Durchführung brachten.
Es ist an sich bedauerlich, dass überhaupt ein Blatt das angeblich zum inneren Aufbau von Christen dienen soll, sich als Gefäß von Verleumdungen und Unwahrheiten darstellt.

In der Verhandlung vom 28. September 1929 beim Amtsgericht Pirna, wurde der Herr Geistliche bezw. sein Gemeindeblatt verurteilt, den Abdruck der Berichtigung vorzunehmen. Der Herr Pfarrer wurde außerdem zu 25,- Mark Geldstrafe, hilfsweise zu 2 Tagen Haft und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Interessant dürfte noch sein, dass bei dieser Gelegenheit die schon tausendmal wiederlegte und absolut als Lüge zu bezeichnende Mär von der Verbindung der Bibelforscher mit jüdischen Freimaurern vom Pfarrer Gerlach in seinem Artikel neu aufgewärmt wurde, das Gericht ihn aber verurteilte, die Sache zu berichtigen, weil er nicht in der Lage war, auch nur ein Atom eines Beweises für seine Behauptung zu erbringen.
Infolgedessen hat das Gemeindeblatt - scheinbar unter furchtbaren Qualen - in der Nummer 11, Jahrgang 1929 die Sache berichtigt.

Der Herausgeber konnte es hierbei nicht übers Herz bringen, es mit dieser Berichtigung allein erledigt sein zu lassen. Er versucht in einem Nachsatz, die jeden Protestanten ebenfalls in die größte Verlegenheit bringen muss bezüglich des dadurch geoffenbarten Geistes seines Pastors, seinen Empfindungen Luft zu machen.

Aus Ärger darüber, dass ihn das Verleumden der noch lebenden so schlecht bekommen ist, fängt das „christlich" (!) Evangelische Gemeindeblatt Dresden-Kleinzschachwitz usw. an, die Toten zu beschimpfen, indem es am Schluss des Berichtigung, den von mehr als 10 Jahren verstorbenen Pastor Russell angreift. Das nennt sich Gemeindeblatt für die „Evangelische Kirche"!"
Eine Eselsbrücke
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. März 2015 00:19
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Da hatte einer offenbar die Rechnung ohne Rutherford gemacht. Das die Abschaffung des Weihnachtsfestes in Bibelforscherkreisen, so manchem dort hart ankam, kann man ja noch nachvollziehen.
Offenbar meinte einer der Ihrigen doch noch Rat dabei zu haben. Sein „Patentrezept", einfach die für Weihnachten, fallweise vorgesehenen Geschenke, auf den Geburtstag verlagern.

Pech nur für ihn, dass Rutherford es auch noch angebracht fand, im Zuge seiner Politik, die eigene Anhängerschaft in den „Staub zu drücken". Und selbigen zu „verklickern". Ihr seid „Nichts". Eure Bestimmung ist die eines Sklaven für die „Wachtturmgesellschaft".
Und im Rahmen dieser Versklavungspolitik, kann man der Auch-Abschaffung von Geburtstagsfeiern, eine gewisse Zwangsläufigkeit nicht absprechen.

Um 1930 hingegen war dieser maximale Höhepunkt noch nicht erreicht. Da fand es ein Leser des GZ noch für angebracht, sich und anderen eine „Eselsbrücke" angesichts des Wegfalles des Weihnachtsfestes zu bauen.
Und in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 3. 1930 (Ausgabe Bern erst am 1. 6. 1930) konnte man diesen trügerischen Behelf noch bewundern. Der diesbezügliche Artikel war überschrieben:
"'Weihnachten' das ganze Jahr über"
In ihm wurde ausgeführt:
Das "Goldene Zeitalter" zeigte in so klarer logischer Weise die Wahrheit in Bezug auf die Gepflogenheit der Feier des Weihnachtsfestes, die tatsächlich von Jahr zu Jahr eine immer größere Last und Heuchelei wird. Und nun möchte ich folgenden Vorschlag machen:

Möchte sich doch ein jeder vornehmen, an seinem eigenen Geburtstag seine Bekanntschaft zu beschenken, so weit es seine Verhältnisse gestatten.
In allen Menschen liegt ein instinktives Verlangen, ein Segen für ihre Mitmenschen zu sein, aber die Verhältnisse, der Mangel an Erkenntnis oder an Mitteln sind den meisten Menschen hinderlich gewesen, diese Freude zu haben. Jetzt aber ist der unsichtbare König der Erde gegenwärtig, sein Königreich wird aufgerichtet, und die Welt muß Zeuge einer Menge einschneidender Veränderungen werden.

Unter unserem jetzigen System gibt es einmal im Jahre, zu Weihnachten eine allgemeine Gelegenheit des Schenkens und Beschenktwerdens. Und welch ein Mißbrauch ist damit getrieben worden! Wenn mein Vorschlag zur Ausführung käme, hätte man das ganze Jahr über Geschenke zu erwarten und brauchte an nichts anderes zu denken als an den eigenen Geburtstag. Man brauchte keine Liste mehr über die Geburtstage seiner Freunde und Verwandten zu führen, um ihnen zur rechten Zeit eine Postkarte schicken oder ein Geschenk geben zu können.

Wenn man dann seinen eigenen Geburtstag feiert, so würde es eine wahre Freude sein, seine Dankbarkeit dafür, daß wieder ein weiteres Jahr des Lebens vorübergegangen ist, dadurch auszudrücken, daß man nach seinen besten Kräften anderen Freude bereitet, je nachdem sie es bedürfen und wir es vermögen.
Stellen wir uns einmal vor, wir würden das ganze Jahr über hier und da unvermutet und unerwartet ein Geschenk bekommen, bald ein Geldstück, das uns eine kleine Hilfe ist, dann wieder ein gutes Buch, das uns über die Absichten unseres großen Gottes unterrichtet, dann wieder würde uns jemand zu einer Fahrt in seinem Auto einladen oder zu einem Landaufenthalt. Ein anderer wieder würde uns durch ein paar stärkende, ermutigende Zeilen erfreuen, und so wurde es das ganze Jahr über gehen.

Manche Geschenke würden uns vielleicht im Augenblick keine besondere Freude sein, bis dann einmal eine Stunde kommt, wo wir sie wirklich brauchen. Dabei hat ein jeder ein ganzes Jahr lang Zeit sich zu überlegen, womit er an seinem Geburtstage anderen Freude bereiten könnte. Es brauchen ja keine mit Geldkosten verknüpften Geschenke zu sein. Ich weiß vielleicht in meiner Nachbarschaft eine arme Witwe, die alt und leidend ist. Ich schreibe ihr an meinem Geburtstag ein paar liebe Zeilen und teile ihr mit, daß ich es übernehmen werde, den ganzen Winter lang den Fußweg vor ihrem Hause schneefrei zu halten und bei Glätte mit Sand zu bestreuen. Kommen dann die kalten Wintertage, wird ihr mein Geschenk eine wirkliche Erleichterung sein.

Wenn ich reich wäre, würde ich gern Geld und Banknoten ausstreuen, so muß ich mich damit begnügen, meinem armen alten Nachbarn, der nicht mehr gut sehen kann, das Geschenk zu machen, daß ich ihm das ganze Jahr über jede Woche ein paar Stunden vorlese, was, wenn ich die rechte Lektüre, die die Erkenntnis über die Absichten Gottes vermittelt, wähle, wertvoller ist als Gold und Silber.

Möchte sich doch jeder liebe Leser selbst überlegen, womit er an seinem Geburtstage anderen eine Freude bereiten kann. Dieser Tag wird dann sicher ein weit schönerer und segensreicherer werden, als er uns bisher gewesen ist.

Ordnung, weise Verwendung unserer Güter und Hilfsbereitschaft gefallen dem Herrn wohl, und diese Einrichtung scheint mir zur Ausübung dieser Dinge geradezu ideal zu sein. Wollen wir nicht in dem immer heller werdenden Lichte mit dem alten Brauch der Weihnachtsfeier brechen und diesen neuen Gedanken aufgreifen, der uns viel selbstloses und fürsorgliches Schenken ermöglicht ? Wollen wir ? ? ?"
Die Sache mit dem Geburtstagsfeiern
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 24. März 2015 16:00
Was ist ergänzend zu dem Thema noch festzustellen, wenn belegt ist, das bis mindestens 1930 das Geburtstagsfeiern auch bei Jehovas Zeugen üblich war?
Dann stellt sich die Frage (bezogen auf die Deutschsprachige WTG-Literatur) wo in ihr findet man die ERSTE Abweichung vom Brauchttum des Geburtstagsfeiern?
Da kann man sicherlich auf das WTG-Buch „Vergewissert euch über alle Dinge" hinweisen. Dessen erste Auflage erschien in Englisch 1953 (Deutsch 1957) und enthält einen Abschnitt über Feiertage, indem es dann einen Unterabschnitt „Geburtstage" gibt, der die gängige WTG-Argumentation in Sachen Ablehnung des Geburtstagsfeiern darstellt.
Indes auch das ist feststellbar. Seit Oktober 1944 konnte der Deutschsprachige „Wachtturm" in der Schweiz wieder erscheinen. Bis einschließlich der Jahrgänge bis Mitte der 1950er Jahre, gibt es in ihnen keine Ausgabe, die in der Substanz das ausführt, was im genannten „Vergewissert"-Buch enthalten ist (gegenteilige Auffassungen bedürfen des Nachweises). Es sind auch andere Fälle bekannt, das der Deutschsprachige „Wachtturm" durchaus nicht alles offerierte, was im englischen „Wachtower" angeboten wurde. Da mögen namentlich die widrigen Umstände der Kriegs- und Nachkriegszeit der entscheidende Grund sein. Wenn das auch einzuräumen ist, bleibt dennoch der Eindruck zurück, soweit es das WTG-Sprachrohr „Wachtower" bzw. „Wachtturm" anbelangt, nur in einer bisher nicht nachgewiesenen „Wachtower"-Ausgabe (nicht aber in einer „Wachtturm"-Ausgabe) wurde dann wohl jene Lehrveränderung erstmals kredenzt.
Siehe zum Thema auch:
http://forum.sektenausstieg.net/showthread.php?16708-Geburtstag
Exkurs:
Den Hinweis auf das Hislop-Buch „Von Babylon nach Rom" als wesentlicher Inspirator der WTG nachgehend", das Hislop-Buch war auch mal im Internet vorhanden gewesen, sei auch auf die darauf bezugnehmenden Kommentare bezüglich der Deutschsprachigen Ausgabe verwiesen:
Parsimony.11719
Parsimony.6579
Werbeaktion
geschrieben von:  Drahbeck
Datum: 11. April 2015 00:08
Im „Goldenen Zeitalter" gelesen - Eine Zeitreise
Zwei Kurzmeldungen aus der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 1. 4. 1930.
Die eine kündet von einer Werbeaktion, welche die WTG sicherlich gern sah. Im Impressum der Schweizer Ausgabe des GZ, gab es zur gleichen Zeit auch die Angabe. Es sei auch an Zeitungskiosken erhältlich. In der deutschen Ausgabe indes, habe ich eine ähnliche Angabe nicht registriert.

Immerhin druckt das Magdeburger GZ hocherfreut ab:
"Das G. Z. im Zimmer des Arztes.
Sehr geehrte Frau und Herr H.!
Das Goldene Zeitalter, im Wartezimmer ausgelegt, hat sich viele Freunde erworben, und ich bin Ihnen dankbar, daß sich meine Patienten durch diese geistigen Anregungen während des Wartens unterhalten können.
Frau H. N. bittet mich, Ihr die Zeitschrift zugänglich zu machen. Ich übermittle Ihnen den Wunsch mit der besten Empfehlung und grüßend hochachtungsvoll
Dr. med dent. F. O. R."

Auch die zweite Kurzmeldung der gleichen Ausgabe, darf man wohl im weiteren Sinne auch den Werbeevents zuordnen. Man liest:
„Beerdigungen
Wir hörten von verschiedenen Seiten, daß Freunde des Goldenen Zeitalters beim Tode Angehöriger, die aus der Kirche ausgetreten waren und weder kirchlichen Dienst empfangen noch ihn gewünscht hatten, niemand finden konnten, der bereit gewesen wäre, die Beisetzung zu leiten, und am Grabe einige Worte zu sprechen. Deshalb wiederholen wir hiermit unsren früheren Hinweis darauf, daß die Internationale Bibelforscher-Vereinigung in jedem Falle, wo es gewünscht wird und die Möglichkeit dazu vorliegt, diesen Dienst gern und völlig unentgeltlich versieht. Man wende sich zu diesem Zweck entweder an die G. Z.-Belieferer, oder besser noch direkt an die nächste Bibelforschergruppe."

Man vergleiche dazu auch
Parsimony.22958

Re: Werbeaktion
geschrieben von:  sebe
Datum: 11. April 2015 09:07
Unter DDR-Verbotszeiten waren Beerdigungsansprachen eine Möglichkeit um die "Heilslehren"der WTG auch an Nichtzeugen zu bringen. Ganz ungefährlich waren solche Veranstaltungen nicht, da sich viele Zeugen durch Mundpropaganda
dort trafen und die Spitzel des Staates Personenkenntnis gewannen.

1930

GZ Zeitreise 29

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