Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Freimaurer

1) Anfällig für Verschwörungstheorien

2) Die Substanz der These

3) Soziologischer Unterschied

4) Der "Beweis" heißt: Ich glaube

5) Was sind sie denn nun?

6) Wo ist das freimaurerische "Copyright" für Symbole?

7) Warren G. Harding

8) Ein Windei

9) "Das Goldene Zeitalter" zeitgenössisch zum Thema Freimaurer

9) "Das Goldene Zeitalter" (1924) zeitgenössisch zum Thema Freimaurer

10) "Das Goldene Zeitalter" (1933) zeitgenössisch zum Thema Freimaurer

11) Ignorantentum

 

1) Anfällig für Verschwörungstheorien

Von Zeit zu Zeit kommt immer wieder mal das Thema hoch: Frühe Bibelforscherbewegung und ihr Verhältnis zur Freimaurerei. Sieht man sich jene näher an, die diese Thesen in besonderem Maße ventilieren, beispielsweise der Robin de Ruiter (alias Apollo Janssen) oder auch der Erich Brüning komme ich nicht umhin das Urteil auszusprechen, dass sie in besonderem Maße für Verschwörungstheorien anfällig sind.

Gibt es auf der Welt keine Verschwörungen? mag man kritisch zurückfragen. Doch, es gibt sie sehr wohl. Entdeckte und weniger entdeckte. Nichts soll da beschönigt werden. Der wunde Punkt ist aber der, dass sie zugleich als Theorieansatz missbraucht werden.

Anders formuliert. Sie suggerieren einfache Antworten, auf weit kompliziertere Vorgänge.

Einfache Antworten auf kompliziertere Vorgänge stellen auch die immer wieder in gewissen christlichen Kreisen zu registrierenden Endzeit-Naherwartungen dar. Die Verschwörungstheorien sind im Prinzip ähnlich gelagert. Nur dass sie dabei nicht unbedingt (manchmal aber auch) gewisse Bibelstellen bemühen. Sie stellen sozusagen eine mehr säkularisiertere Form dar. Zugeschnitten besonders auf jene Klientel, für die um einen anderen Vergleich zu bemühen; die Tageszeitung "New York Times" (bekannt für ihr relativ hohes Niveau, aber auch für ihre "Bleiwüsten" [fast keine Bilder]) zu anspruchsvoll ist. Dieselbe Klientel aber sehr wohl sich von der "Bild-Zeitung" (mit ihren vielen Bildern und wenig Text) weit besser angesprochen fühlt.

Es tut mir leid. Ich muss dass so hart aussprechen. Die Gläubigen der Verschwörungstheorien sind in meinen Augen - im übertragenem Sinne - auf das "Niveau" der "Bild-Zeitung" "geeicht".

2) Die Substanz der These

Zur Ursprungsfrage zurückkehrend. Was ist "dran" an den nicht verstummen wollenden Thesen. Bibelforscher und Freimaurer "seien ein Abwasch?"

Dran ist dass in der Anfangszeit, als die Kirchen sich schon den Bibelforschern verweigerten, die Freimaurer dergestalt helfend waren, dass sie den Bibelforschern Versammlungsstätten, gegen klingende Münze, zur Verfügung stellten.

Dran ist, dass noch heute Freimaurer allerlei "Esoteriker" begünstigen. In Berlin beispielsweise werden ziemlich oft "Esoterikmessen", wie man aus öffentlichen Plakatanschlägen entnehmen kann, in Räumen der Freimaurer (Logenhaus) veranstaltet.

Dran ist, dass Freimaurer und Bibelforscher prononcierte Gegner der römisch-katholischen Kirche waren. Also auch auf dieser Ebene eine gewisse Geschäftsgrundlage bestand.

Dran ist auch, dass Russell einmal den Freimaurern bei einem dortigen Auftritt ziemlich viel Honig ums Maul schmierte. Letzteres erklärt sich aber meines Erachtens aus dem Vorhergesagten. Und in gleicher Weise schmierte Russell auch den Juden (bei seinem Auftritt im New Yorker Hippodrom) ebenfalls kräftig Honig ums Maul. Letztere wussten dass dann allerdings (von ein paar Ausnahmen abgesehen) nicht so recht zu würdigen. Es sei noch die Anmerkung gestattet, dass ich mich insbesondere im 7. Kapitel der "Geschichte der Zeugen Jehovas" schon näher mit diesen Fragen befasst habe. Dort auch der Unterabschnitt "Katholische Kirche kontra Freimaurerei" und anderes mehr.

3) Soziologischer Unterschied

Einen w e s e n t l i c h e n Unterschied aber gilt es noch zu benennen. Und der ist soziologischer Art. Freimaurer und Bibelforscher sprachen und sprechen eine durchaus unterschiedliche Klientel an. Noch heute ist es so, dass nicht "jeder" Freimaurer werden kann. Hingegen Zeuge Jehovas kann (in der Regel) jeder werden, so er deren Auflagen nachkommt.
Die Freimaurer hingegen sieben ihre potentiellen Mitgliedskandidaten. Ungeschriebenes, genauer sogar geschriebenes Gesetz bei ihnen ist, dass der Kandidat es im weltlichen Leben zu etwas gebracht haben muss. Wer objektiv ist, der wird zugegeben dass bei den Zeugen Jehovas der ersten Generation (ich rede nicht von deren Kindern), dass in der ersten Generation die weltlich Gescheiterten, nicht gerade unterrepräsentiert sind. Solche hätten bei den Freimaurern nicht einmal den Schatten einer Chance.

Im ehemaligen Ostdeutschland konnte man dies nach 1989 auch ganz gut beobachten. Auch die Freimaurer waren dort staatlicherseits, analog zu den Zeugen Jehovas nicht geduldet. Sie fingen nach 1989 auch mehr oder weniger bei Null an. Über Chiffre-Zeitungsanoncen suchten sie sich ihre neue Klientel und durch gezielte Ansprachen potentieller Kandidaten.
Am Rande mit vermerkt, gleichfalls nicht uninteressant. Der Hauptamtliche Stasimitarbeiter und Diplom-Historiker Dieter Pape in der ehemaligen DDR, wurde auch einer ihrer Kandidaten und in der Folge auch Mitglied. Über den Namen Pape jetzt weiteres auszuführen, ist sicherlich überflüssig. Nur soviel, Pape ist als prononcierter Zeugen Jehovas-Gegner bekannt. Die "Freimaurerriecher" sind mir bis heute die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, weshalb denn ein Zeugengegner von den Freimauern angeworben wurde, wo doch angeblich Freimaurer/Bibelforscher ein Abwasch wären.

4) Der "Beweis" heißt: Ich glaube

Sie verstummt trotzdem nicht diese These

Was mich beim "aufkochen" der These Russell als Freimaurer immer wieder stört, ist der Verschwörungstheoretische Ansatz dabei. Und die historische Unwissenheit, wie gerade auch die Freimaurer als Buhman benutzt wurden. Zuerst von der katholischen Kirche, nachfolgend von den sogenannt "völkischen" Gruppen nach 1918 und ihrem legitimen Erben den Nazis. Folgerichtig hatte der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (Himmler) auch eine eigenes auf die Freimaurer bezügliches Referat gegründet. Adolf Eichmann unseligen Angedenkens, verdiente sich dort seine ersten Sporen.

Diese These will einfach nicht verstummen, obwohl keiner ihrer Verbreiter je bis heute authentische Beweise vorgelegt hat. Ihr "Beweis" heißt: Ich glaube … Dann noch das Faktum dass die frühen Bibelforscher Räumlichkeiten der Freimaurer nutzten. Warum wohl? Weil die Kirchen sich ihnen auch diesbezüglich versagten.

Koalitionen sind auch heute noch gang und gäbe. Historische Splittergruppen der Bibelforscher, die es auch in den siebziger Jahren noch beispielsweise auch in der DDR gab, nutzten dort unter anderem Räumlichkeiten zu Versammlungszwecken, die den Mormonen und den Siebenten-Tags-Adventisten gehörten (teilweise auch solche von "Großkirchen"). Haben sie damit nun ihre Identität verloren und sind ein Teil der vorgenannten geworden? Das kann doch wohl bloß jemand behaupten, der in bezug auf historischer Bildung es nicht über das "Niveau" der berühmt-berüchtigten "Lieschen Müller" vom Lande gebracht hat.

Die Gebrüder Emil und Otto Sadlack veröffentlichten Ende der 1920er Jahre ihre damals bedeutendste Oppositionsschrift gegen die WTG mit dem Titel "Die Verwüstungen des Heiligtums". Nachdem der braune Spuk angebrochen, die Zeugen Jehovas verboten, glaubten auch die Sadlacks "Morgenluft" zu wittern. In einem Schreiben an das faschistische Reichsinnenministerium, wo sie sich und ihr Buch empfahlen, legten sie auch eine holländische Nazipostille mit bei, und sagten kommentierend. Da steht doch drin, dass die Zeugen Jehovas von den Bnai Brith (auch den Freimaurern zugeordnet) gesponsert wurden. Die fragliche hollandische Nazipostille ist zusammen mit dem zitierten Schreiben in den Akten des Bundesarchivs überliefert. Und was beweist es? Nichts, null komma nichts. Die holländischen Nazis zitierten bloß als Kurzmeldung dass was sie von ihren deutschen Gesinnungsgenossen gerüchteweise vernommen haben. Ein Gerüchteverbreiter zitiert den anderen Gerüchteverbreiter, und keiner legt authentische Beweise auf den Tisch; eben weil es diese Beweise in wissenschaftlich akzeptabler Form überhaupt nicht gibt.

5) Was sind sie denn nun?

Noch eine kurze Skizzierung wie sich aus meiner Sicht die Freimaurerei darstellt.

Kurz formuliert. Die "Highsociety" von vorgestern.

Zitat:

"1789 explodierte die von Männern wie Diderot und Voltaire gelegte Bombe in der Französischen Revolution. Man hat eine Unzahl von Büchern und Flugschriften verfaßt, um den Zusammenhang zwischen Revolution und Freimaurern zu beweisen und zu widerlegen" (Mackenzie, Geheimgesellschaften S. 170).

Mit besonders betroffen von der Französischen Revolution war auch der Katholizismus. Er sah sich empfindlich bedroht, indem einige seiner Protagonisten in den Revolutionswirren auch auf der Guillotine landeten. Radikalinskis auf Revolutionsseite gingen noch weiter und wollten beispielsweise den "christlichen Kalender" abschaffen (die Woche von sieben Tagen durch Dekaden von zehn Tagen ersetzen). Die Kirche aber sagte, Gott habe in sieben Tagen die Welt erschaffen; also muss es bei der Sieben-Tage-Woche bleiben.

Seit jenem Zeitpunkt besteht ein abgrundtiefer Hass zwischen Katholizismus und Freimaurerei. Der Verlust des Vatikanstaates wird auch den bösen Freimaurern aus katholischer Sicht angelastet.

Genanntes Buch von Mackenzie quantifiziert die Freimaurer auf 750 000 in England vier Millionen in den USA und eine Million in der übrigen Welt. Diese Zahl macht deutlich, auch besonders die USA sind eine "Freimaurer-Hochburg". Dort wiederum das generelle Charakteristikum. Nur wohlhabende Kreise sind in ihr versammelt. (Proleten etwa wie sie Rutherford noch sammelte findet man in diesem erlauchten Kreis nicht). Auch die Nazipropganda schoss sich auf dem Umstand ein, dass unter den "oberen Zehntausend" in den USA relativ viele Freimaurer antreffbar sind. Etwa in dem Buch aus Himmlers Giftküche von Erich Ehlers mit dem Titel "Freimaurer arbeiten für Roosevelt"

Eine Nazipropagandaschrift aus dem Jahre 1934 (Richard Hannuschka "Hinter der Maske der Freimaurerei"), brachte die diesbezüglich bestehenden Ressentiments hetzerisch dergestalt auf den Punkt (S. 8):

"Opium fürs Volk sei die (christliche) Religion, und Moral das überflüssigste von allen Dingen, so lehrte der Jude und seine gekauften Kreaturen. International wie der Jude und das internationale Kapital mußte auch die Arbeiterbewegung sein, damit der Jude sie restlos beherrschen konnte. Wollte der Jude die Arbeiterschaft durch den Marxismus beherrschen, so tat er dies andererseits bei den gebildeten Ständen durch die geheimnisvollen Logen."

Bedauerlicherweise hat man zu registrieren, dass bei gewissen Vertretern der Urenkelgeneration der Nazis, vorgenannte Thesen nach wie vor fröhlichen Urstand feiern, obwohl sie sachlich nicht haltbar sind.

Der katholische Journalist Ulrich Rausch (in Personenunion auch Verfasser von Büchern bezüglich der Zeugen Jehovas) versuchte sich auch einmal mit dem Thema Freimaurerei auseinanderzusetzen. Obwohl Rausch Katholik, machte er sich die einschlägigen Verschwörungstheorien, für die seinesgleichen besonders anfällig sind, nicht zu eigen. Dies rechne ich ihm als Pluspunkt an.

In einem  längeren Zitat aus dem Buch von Ulrich Rausch "Die verborgene Welt der Geheimbünde" (S. 20) schreibt er:

"Die Freimaurer betonen immer wieder, daß sie keine Religion wären. Jeder kann seinen eigenen Glauben behalten. In den Alten Pflichten von 1723 heißt es ausdrücklich, daß die Freimaurerei keine Religion sein will. Allerdings wird für die Mitgliedschaft ein Grundkonsens vorausgesetzt. Es wird von dem 'Großen Baumeister' und seiner 'Schöpfung' gesprochen, der Eid wird auf die aufgeschlagene Bibel geleistet, biblische Texte haben eine besondere Bedeutung. Dies alles sind Begriffe, die Ausdruck einer Weltanschauung sind. Es wird immer darauf hingewiesen, daß dies alles nur symbolischen Charakter habe, beziehungsweise, daß dies der Minimalkonsens wäre, der zwischen allen Menschen möglich sei. … Erfüllen die Freimaurer nicht die Kriterien einer Religion oder zumindest einer Weltanschauung? Vielleicht kann man sagen, daß es ein konfessionsloser Glaube ist, der so formal ist, daß es in der Hand jedes einzelnen liegt, womit er die offenen Stellen ausfüllt. Er kann es mit katholischen, protestantischen oder sonstigen religiösen Elementen ausschmücken, er kann es aber auch bleiben lassen. Welche Bedeutung haben die Rituale? Die Rituale der verschiedenen Grade haben den ganzheitlichen Anspruch, durch die der Mensch ergriffen werden soll. Damit haben die Rituale einen Quasi sakramentalen Charakter."

Ein französischer Webseitenbetreiber, Leblank stellt das ganze beispielsweise in den "Okkultismusrahmen" Leblank ist nicht unumstritten. Sylvie Freymond etwa bescheinigt ihm die "Qualitäten" eines Sektierers.

Dann wird darauf verwiesen, dass das Grab des Bibelforschergründers Russell auch mit einer Pyramide bestückt sei.

Pyramide hin Pyramide her. Die war doch ein endzeitlich orientiertes Steckenpferd von Russell. Warum sollte sie daher nicht in der Grabanlage eingebaut sein? Die Grabanlage dürften doch wohl noch diejenigen in Auftrag gegeben haben, die Russell zeit Lebens als ihren Abgott verehrten, etwa A. H. Macmillan.

Rutherford hat sich doch erst nach harten Machtkämpfen durchgesetzt. Und solange die noch nicht endgültig für ihn entschieden waren, gehörte auch er, jedenfalls in den ersten Tagen nach Russells Tod, zu denjenigen die das Hohelied des Russell sangen. Der König ist tot - es lebe der neue König, das kam doch erst später.

Es ist meines Erachtens nicht hinnehmbar, bedingt durch dem Umstand, dass da gewisse Detailthesen nicht beantwortbar sind, naiv jene Leute wie Leblank als Autorität hinzustellen. Sicher offeriert er einige interessante Farbfotos. Fotos sind aber nicht das Entscheidende. Sondern welche Thesen verbindet er damit. Das Herumreiten auf offene Fragen und der Hinweis auf Leute wie Leblank, die da glauben "Antworten" auf diese Fragen zu haben, die in Wahrheit keine sind. Das alles ist mir alles andere als sympathisch, zumal gerade die lange verschwörungstheoretische Kette die mit dem Namen Freimaurer Verbindung hat, dabei keineswegs in akzeptabler Weise aufgearbeitet wird.

Dann sind wir nämlich ganz schnell wieder an dem Punkt angelangt, den es schon in den zwanziger Jahren gab, wo vollmundig (Bomsdorff-Bergen) verkündet wurde; die Bibelforscher seien doch bloß eine von den Freimaurern und Juden bezahlte und benutzte Marionette.

Dem widerspreche ich. Und ich widerspreche auch der Webseite von Kids eV. Die mit zu den Kolporteuren dessen gehört.

6) Wo ist das freimaurerische "Copyright" für Symbole?

So, da soll Russell angeblich Symbole von den Freimauern verwandt haben. Eine seriöse Publikation indes die ein "Copyright" der Freimaurer dafür belegt, nennt indes auch keiner. Höchstwahrscheinlich weil es das auch gar nicht gibt. Die Symbolfrage ist eher ein typisches Zeichen dafür, dass es um die Detailkenntnisse der "Freimaurerriecher" nicht zum besten bestellt ist. Das Wesen der Freimaurerei entscheidet sich nicht an "Symbolen".

Symbole hin, Symbole her. Der soziologische Hintergrund der Bibelforscher passt  einfach nicht zur Freimaurerei. Schon im an erster Stelle zu nennenden Text der Russellschen "Schriftstudien" gibt es keine Anlehnungen an die Kultzeremonien der Freimaurer. Die "Schriftstudien" sind "trocken" rational im vermeintlich "biblischem" Sinne konzipiert.

Kultkirchen wie etwa die Katholische, stehen noch heute relativ fassungslos dem Faktum gegenüber, dass alles Kultische, das andernorts einen hohen Stellenwert hat, bei den Zeugen nicht gegeben ist. Neben der soziologischen Komponente trieft aber gerade auch die Freimaurerei nur so von kultischen Elementen (allerdings anderer Art, als etwa im Katholizismus). Die freimauererischen Neuaufnahmezeremonien etwa, mit Totenkopf auf dem Altar, und dass der Novize da halb entkleidet "anzutanzen" hat, dubiose Sprüche zu reflektieren hat, dass alles sind Elemente die es so bei den Zeugen Jehovas nicht gibt.

Zu dem mit angeführten Punkt, dass Russell einer wohlhabenden Familie entstammte, ist zu sagen:Das ist zutreffend. Daraus ableitend gilt es auch zu akzeptieren, dass seine Familie durchaus mit zu jener "Schicht" gehörte, die für die Freimaurer interessant waren. Ergo auch Mitglied werden konnte.

Nach wie vor bleibt jedoch der Umstand bestehen, dass seine "Schriftstudien", das Grunddokument der Bibelforscher, inhaltlich keinesfalls auf der Freimaurerlinie lagen, so wie sie etwa Ulrich Rausch definiert. Mit Sakramenten (kirchlich) und Ritualen (weltlich formuliert) hatten weder die Bibelforscher, noch die jetzigen Zeugen Jehovas viel "am Hut".

Zudem, schon in den Auseinandersetzungen um Russells Ehetrennung war es evident (offenbar auf anraten Rutherford's), dass Russell, theoretisch, dem Buchstaben des Gesetzes nach, nunmehr "bettelarm" sein wollte, indem sein bisheriges Privatvermögen nunmehr offiziell der WTG-Society gehörte. Hier schon wäre er für die Freimaurer nicht mehr akzeptabel. Bettler kann dieser Verein nicht gebrauchen. Man macht untereinander Geschäfte und dazu gehört auch, dass die Geschäftspartner voll wirtschaftlich handlungsfähig sind.

Russell wurde in Zusammenhang mit seinen ehelichen Schwierigkeiten gerichtlich verurteilt, an seine Frau eine hohe Entschädigungssumme zu zahlen. Da half ihm auch nicht seine "gesetzliche Lüge", er sei doch jetzt mittellos. Rutherford stellt in seiner Verteidigungsschrift von 1915 , "A Great Battle ..." die Sache so dar, als wenn nun ach wie großzügig, "Freunde" von Russell, für ihn den gerichtlich verordeneten Geldbetrag seiner Frau ausbezahlt haben, während er sich auf irgendeiner Auslandstour befand.

Jemand, der sein gerichtlich verpasste Zahlungsverpflichtung, nur durch irgendwelche nebulösen "Freunde" begleichen kann, gehört auch nicht mehr zu denjenigen, auf die Freimaurer, die Könige, Präsidenten, Dichter, Philosophen zu ihren Mitgliedern zählten, besonderen "Wert" legten.

Was die Verwendung von "Symbolen" anbelangt zu denen man die Zustimmung der Freimaurer benötigte. Auch so eine Behauptung. Die müssten dann ja wohl so eine Art Copyright oder ähnliches dafür haben. Oder einen Markennamen im Handelsregister erwirkt haben. Und dessen unberechtigte Verwendung dann gegebenenfalls auch gerichtlich untersagen können. Ob sich ein so gestalteter Nachweis bringen lässt, erscheint mir immer noch nicht bewiesen. Den Namen Coco Cola oder Microsoft (als Beispiel), darf ich als gewöhnlich Sterblicher nicht in meine Webseite einbauen. Die sind namensrechtlich geschützt. Das ein "Horusfalke" oder wie immer man jenes Emblem auf den Umschlägen der Schriftstudienbände bezeichnen will, auch namenrechtlich geschützt sein soll, wäre mir in dieser Form dann neu.  Dann hätte wohl z. B. auch die Tagesanbruch-Bibelstudien-Vereinigung (aus der Russellbewegung abgesplittert) wohl auch ein desbezügliches Copyright-Nutzungsrecht. Denn sie verlegt ja immer noch die Schriftstudienbände, die man bei der WTG nicht mehr bekommen kann. Oder es ist eben kein markenrechtlich geschütztes Emblem. Dann kann es auch "Hinz und Kunz" verwenden, wann immer er möchte und nicht nur Freimaurer und ihre "Lizenznehmer".

Was die Pyramide anbelangt. Rutherford zitiert in "A Great Battle" einen ergänzenden Text dazu. Danach nennt auch Russell jene, von denen er die Inspiration dazu bekam. Auch da gibt es kein Copyright. Wenn A. Seiß das Pyramidenthema ebenfalls mit aufkochte, wie bei James Penton ("Endzeit ohne Ende") nachlesbar, ist das doch deutlich. Jeder der sich durch das Pyramidenthema angesprochen fühlte, konnte sich dazu beliebig äußern. Selbstredend auch Freimaurer. Warum nicht? Damit ist aber noch lange keine gegenseitige Abhängigkeit erwiesen.

Die fragliche Stelle bei Rutherford A Great Battle lautet:

Herr William M. Wright aus Pittsburgh, der davon hörte, dass Pastor Russell ein Kapitel für eines seiner Bücher verfasste, das von der Cheopspyramide in Ägypten handeln sollte, besorgte sich eine Abschrift des Manuskriptes und schickte es Prof. C. Piazzi Smyth, F. R. S. E., F. R. A. S., ehemals Königlicher Astronom von Schottland, zu. Prof. Smyths Antwort wird hier wiedergegeben. Sie ist selbsterklärend:

Clova, Ripon, England, 21. Dezember 1890

Herrn Wm. M. Wright

SEHR GEEHRTER HERR,

ich habe doch länger dafür gebraucht, als ich es mir wünschen konnte, das Manuskript unseres Freundes, C. T. Russell aus Allegheny, Pa., durchzusehen, aber jetzt habe ich eine recht genaue Untersuchung, Wort für Wort abgeschlossen. Und das war das Mindeste, was ich tun konnte, wenn Sie so freundlich sind und sich die Mühe machten es mit solcher Sorgfalt zwischen Brettern in einem eingeschriebenen Paket zuzusenden, jede Seite flach und geschrieben mit der Maschine statt mit der Hand.

Zuerst konnte ich nur Zettel der besagten Schreibmaschine finden, aber als ich durch die Seiten vorankam, kamen die Kraft, die Besonderheiten und die Originalität des Verfassers durch; und es gab nicht wenige Passagen, wo ich hätte froh sein sollen, sie mir zum Zwecke des Zitierens mit Namensangabe für mein nächstes Pyramidenbuch abzuschreiben. Aber natürlich tat ich nichts dergleichen, und ich werde mit völliger Geduld und in den dankbarsten Empfindungen warten bis der Verfasser der Tagesanbruchsreihe dies zu seiner eigenen Zeit veröffentlichen wird.

So merke ich hier nur an, dass er in vielem sowohl gut als auch neu ist, was er über die Chronologie in verschiedenen Teilen der Pyramide sagt; über die Große Galerie, die das Leben des Herrn darstellt; über den Parallelismus zwischen der Königskammer und ihrem Granit gegenüber der Stiftshütte und ihrem Gold; und generell über die Bestätigungen oder engen Übereinstimmungen zwischen der Bibel und der Cheopspyramide, die gut kommentiert sind.

In der Zwischenzeit scheint es, dass ich wegen ihrer freundlichen Gabe vor langer Zeit, den beiden ersten Bänden der Tagesanbruchsreihe, in Ihrer Schuld stehe. Damals kam ich nicht weiter als bis zur ersten Hälfte des ersten Bandes, weil ich fand, dass das Thema nicht so ganz neu war, wie ich erwartet hatte. Aber nachdem ich, so hoffe ich jedenfalls, viel von einem gründlichen Lesen dieses von Ihnen zugesandten Pyramidenkapitels des dritten Bandes profitiert habe, muss ich mir aufs Neue die ersten beiden Bände vornehmen.

Das Paket wird zwischen den Brettern als Einschreiben wieder zurückgehen.

Ich verbleibe mit vielem Dank hochachtungsvoll

C. PIAZZI SMYTH.

Piazzi Smyth war es, der mit als erster das Pyramidenthema ins Rollen brachte. Wie man sieht begegneten sich beide Herrschaften mit gegenseitiger Hochachtung.

Piazzi Smyths Buch "Our Inheritance in the Gerat Pyramid" erschien in London im Jahre 1874. Ein Exemplar davon befindet sich auch in der Berliner Staatsbibliothek.

Russells "Schriftstudien" Band 3; mit dem darin behandeltem Pyramidenthema. Wann erschienen dieser Band erstmals? Auf jeden Fall nach Piazzi Smyth. Der Wachtturm erschien ab 1879. Band 1 der Schriftstudien kam 1886 heraus. Band 3 entsprechend später.

Ich möchte nur das eine noch sagen. Ich habe durchaus nichts dagegen, ließe sich ein entsprechender Freimaurer-Nachweis erbringen. Ich kenne aber gut, vielleicht "zu gut" den verschwörungstheoretischen Hintergrund, der gerade beim Thema Freimaurerei besteht. Ich werde daher diesbezügliche Thesen weiterhin kritisch prüfen. Und höchst wahrscheinlich weit kritischer als etliche andere. Dies nicht darum, um unbedingt recht behalten zu wollen; aber sehr wohl aus dem Grunde, weil die Verschwörungstheorien in ihrer Glaubensersatzfunktion, nach wie vor meinen schärfsten Widerspruch finden.

Leider gehören etliche der diesbezüglich anfälligen, nicht zu den Nutzern wissenschaftlicher Bibliotheken. Sollte es dennoch solche geben, würde ich denen mal beispielsweise die nachfolgenden Bücher zur Lektüre (gegebenenfalls auch über die Fernleihe beschaffen) anempfehlen.

Bittner, Wolfgang "Angriffe gegen die deutsche Freimaurerei 1970 - 1995", Bayreuth 1996

Haack, Friedrich-Wilhelm "Freimaurer", München 1984

Neuberger, Helmut "Freimaurerei und Nationalsozialismus", Hamburg 1980

Rogalla v. Bieberstein, Johannes "Die These von der Verschwörung 1776-1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung", Bern-Frankfurt/M. 1976

Und vielleicht, nicht "empfehlend" aber vielleicht doch darauf hinweisend:

Adler, Manfred "Die antichristliche Revolution der Freimaurerei", Jestetten 1975

7) Warren G. Harding

Warren G. Harding, von 1921 bis 1923 Präsident der USA gehörte auch dem erlauchten Club der Freimaurer an. Übrigens "die" Freimaurer gibt es nicht. Das ist ein weitgehend pluraler Haufen, wo es auch mal "Hüh und Hot" langgeht. So etwas wie einen Brooklyner Vatikan Made in WTG gibt es dort erst recht nicht. Da bestimmt jeder "Stammesfürst" (Sorry das ist kein Freimaurerausdruck), da bestimmt jeder regionale Häuptling dieser Vereine, wo es denn lang ginge. Gewisse Grundlinien werden natürlich eingehalten. Die hat meines Erachtens Ulrich Rausch schon treffend beschrieben (Zitat weiter oben).

Woodrow Wilson, Vorgänger im Präsidentenamt, auch in der kritischen Zeit des Ersten Weltkrieges. Da will ich mich jetzt nicht festlegen, war der nun auch Freimaurer oder nicht. Da müsste ich selbst erst recherchieren, wobei dass allerdings nicht eine Frage von besonderer "Wichtigkeit" für mich wäre. Immerhin der Fall Harding ist aktenkundig. Und von wem aktenkundig? Von keinem geringerem als dem deutschen Bibelforscherhäuptling Paul Balzereit. Der hatte unter einem kaum kaschierten Pseudonym die Schrift "Die größte Geheimmacht der Welt" veröffentlicht. Man vergleiche dazu "Geschichte der Zeugen Jehovas" S. 479. Darin feiert er in Zitierung des "Golden Age", dass es zum fraglichem Zeitpunkt noch nicht in Deutsch gab, jenen Warren G. Harding, als großen Held und vermerkt auch ausdrücklich seine Freimaurerzugehörigkeit.

Kein Geringerer als der katholische Zeugen Jehovas-Gegner Jonak v. Freyenwald hat denn auch prompt diesen Fakt aufgespießt und mit in seine Argumentation eingebaut. Das mag ja nun wieder für die Freimaurerthese sprechen. Dennoch ändert dies meines Erachtens trotzdem nichts daran, das die Klientel der Bibelforscher ein Lehrgefüge angenommen hat, dass nicht dem der Freimaurer entspricht.

Da kommen wir wieder zu dem Punkt, dass in den zwanziger Jahren lauthals Antisemiten und Katholiken um die Wette in die Welt hinausposaunten, die Freimaurer würden die Bibelforscher finanzieren. Jonak ist dieser Finanzierungsfrage im besonderem nachgegangen. Er meint einen Freimaurer namens Brown benennen zu können, der da in dem zu einem Gerichtsprozess führenden Freimaurerbrief die These in die Welt setzte "Wir (die USA-Freimaurer oder Teile davon) finanzieren die Bibelforscher, weil sie für uns (die Freimaurer) Pioniere sein sollen zur Unterhöhlung der katholischen Kirche." In meinem eigenem Buch habe ich mich schon mit dem Für und Wider diesbezüglich intensiv auseinandergesetzt, und bitte dort weiteres zu unternehmen.

Der authentische Beweis für diesen Freimaurerbrief blieb indes aus. Angeblich unauffindbar verlegt. Die WTG hat in der Sache gerichtlich geklagt, wenn auch gegen Stellvertreter. Nicht gegen den eigentlichen Urheber der These (Bomsdorff-Bergen). Sie hat auch öffentlich mehrmals hohe Geldbeträge ausgelobt (notariell). Das demjenigen der den Beweis erbringt, dass die Bibelforscher im behaupteter Weise fremdfinanziert würden, dieses ausgelobte Prämie zustände. Einer von der Sorte ich glaube es war Fetz, würde direkt öffentlich aufgefordert von der WTG, sich doch nun endlich seinen Preis zu verdienen oder seinen verleumderischen Mund zu halten. Er tat beides nicht.

Die eben angedeutete Kontroverse aus den zwanziger Jahren ging aus wie das Hornberger Schießen. Viel Rauch und Nebel. Und kein real fassbares Ergebnis. Noch immer kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies auch für neuzeitlichere Verbreiter dieser These zutreffend ist.

8) Ein Windei

Da hat einer ein Ei gelegt. Er glaubt ein Wunderwerk vollbracht zu haben. Bei näherem hinsehen indes entpuppt sich das als "Windei".

Vollmundig behauptet er:

"Die Profanen sollen natürlich nicht erfahren, welche Verbindungen zwischen der Freimaurerei und der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas bestehen. Insoweit kann verwiesen werden auf "Die geheime Macht hinter den Zeugen Jehovas" von Robin de Ruiter ...."

Als besonderen Clou verweist er auf einen Artikel in der Zeugen Jehovas-Zeitschrift "Erwachet!" 1958 Heft 12 S. 20-24. Dieser Artikel soll im besonderen für vorgenannte These herhalten.

Dazu kann man nur sagen: Wenn es nichts mehr auszulegen gibt; dann wird eben etwas untergelegt. Dieser Artikel stellt lediglich eine zusammengeraffte Geschichtsdarstellung zur Freimaurerei aus der Sicht der Zeugen Jehovas dar. Die weitergehende Interpretation er "beweise" angeblich Verbindungen zwischen beiden hält keiner sachlichen Prüfung stand. Dieser Artikel beweist nichts in der Richtung.

Das ficht aber Gläubige auch dieser Art nicht sonderlich an. Glauben hat sich noch nie mit Fakten sonderlich aufgehalten.

Indes mag sich jeder sein eigenes Urteil dazu bilden. Nachstehend sei der fragliche Artikel einmal im vollen Wortlaut dokumentiert:

GESCHICHTE UND WESEN DER FREIMAUREREI

Gestützt auf einen Bericht unseres Korrespondenten in England

Was hatten Friedrich der Große, Voltaire, George Washington und König George Vl. von England gemeinsam? Die Freimaurerei. Und was haben König Gustav VI. von Schweden und Dr. G. Fisher, Erzbischof von Canterbury, gemeinsam? Die Freimaurerei.

Was zog diese Männer zu der Freimaurerei hin? Und warum ist sie die führende Bruderschaft der Welt, deren Mitglieder durch ein Gelübde gebunden sind? Es mag schwer sein, eine dogmatische Antwort auf diese Frage zu geben, doch ein kurzer Überblick über Ursprung und Wesen der Freimaurerei wird sie teilweise beantworten und auch Klarheit schaffen bezüglich der oft gestellten Frage, ob die Freimaurerei dem biblischen Christentum widerspreche.

Es gibt heute auf der ganzen Erde mehr als sechs Millionen Freimaurer. Von diesen leben

über 90 % in Ländern des englischen Sprachgebiets - vier Millionen allein in den Vereinigten Staaten. Die Vereinigungen, in denen das freimaurerische Leben abspielt, heißen Logen. Diese müssen, um anerkannt zu werden, von der Großloge ihres Landes - in den Vereinigten Staaten, ihres Staates - die Erlaubnis zur Arbeit besitzen; ursprünglich besaß nur die Großloge von England die Befugnis, neue Gründungen zu bestätigen. Ferner gibt es weit über eine Million Personen, die behaupten, Freimaurer zu sein, aber Logen angehören, die nicht von einer Großloge anerkannt sind. Zu diesen zählen atheistischen Freimaurer in Frankreich u die Neger-Freimaurer in den Vereinigten Staaten.

Hervorgegangen aus einer Bruderschaft

Die Freimaurerei ist auch die älteste Bruderschaft. Bei der Betrachtung ihrer Geschichte muß man jedoch zwischen der Geschichte der Freimaurerei als Bruderschaft und der legendären Geschichte ihrer Glaubenssätze, Symbole, Rituale und Prinzipien unterscheiden; erstere reicht nur bis zum Jahr 1717 n. Chr., während letztere bis auf die Zeit Nimrods oder über 4000 Jahre weit zurückreicht. Als Bruderschaft ist die Freimaurerei eine Nachahmung gewisser religiöser Ritterorden des Mittelalters und vielleicht noch mehr der Steinmetzzünfte (oder Zünfte der Maurer) des Mittelalters. Die Frage, warum sie sich "Frei"-Maurer nannten, ist einer der vielen Punkte in Verbindung mit der Freimaurerei, über die verschiedene Auffassungen bestehen.

Diese "Freimaurer" bauten Kathedralen, Paläste und Festungen aus Steinen. Die Reformation brachte einen Rückgang im Bau von Kathedralen und ähnlichen Gebäuden und eine Wandlung ihrer Zünfte. Sie erhielten Zuzug aus den gebildeten Ständen und dem Adel; die einen zog die Exklusivität, andere die Grundsätze und wieder andere der geheime Charakter dieser Zünfte an. Mit der Zeit waren diese "theoretischen" Freimaurer zahlreicher als die sogenannten "Werkmaurer". Im Jahre 1717 gaben diese Logen "alle Bemühungen, das Baugewerbe zu beaufsichtigen, auf" und widmeten sich ausschließlich der "Geistesmaurerei". In jenem Jahr gründeten die vier Londoner Bauhütten die Großloge von England. Bis zum Jahre 1721 hatte die Freimaurerei auch auf dem Kontinent Eingang gefunden, und im Jahre 1730 wurde in Amerika die erste Loge gegründet.

Die Freimaurer haben nicht nur den Namen von den Steinmetzzünften des Mittelalters, sondern auch ihre Organisation, ihre Riten usw. gehen zum großen Teil auf diese zurück. So führen bei ihnen, wie dies bei den Steinmetzen (und bei den Tempelherren des Mittelalters der Fall war, drei grundlegende Stufen zum selbständigen Freimaurer oder "Meister-Maurer". Auch viele der "Bestimmungen" oder Regeln, die für Steinmetze galten, wurden beibehalten, darunter die umstrittene Bestimmung über die körperliche Tauglichkeit - die für die Werkmaurer einen Sinn hatte, mit dem Aufkommen der Geistesmaurerei aber überflüssig wurde. Die Werkzeuge der Steinmetzen - Kompaß, Winkelmaß, Zollstock, Kelle, Hammer und Lederschurz - haben bei den Freimaurern symbolische Bedeutung; gewisse Gegenstände, wie das Schwert, erinnern an die Ritterorden des Mittelalters.

Organisation und Grade

Der Grundriß des Tempelraums einer Freimaurerloge soll angeblich demjenigen des salomonischen Tempels nachgebildet sein. Auf seinem Altar liegt das "heilige Gesetzbuch", die Bibel, die Hebräischen Schriften, der Koran oder sogar die Weden, je nachdem, welcher Religion die Mitglieder angehören. Das gebräuchlichste Symbol der Freimaurer ist der Buchstabe "G", der sich auf Gott, die Geometrie und auch auf beides beziehen soll. Die Namen der Logenbeamten - Aufseher, Ziegeldecker usw. stammen von den mittelalterlichen Steinmetzzünften her. Die Logen werden nach demokratischen Grundsätzen verwaltet; sie müssen jedoch, um als echte Logen zu gelten, von der Großloge des Staates oder Landes anerkannt werden.

Die Freimaurerei in jedem der verschiedenen Länder mag mit einem großen Baum verglichen werden, der mehrere Hauptzweige oder "Riten" haben kann, die wiederum ihre eigenen Zweiglein oder Art und Zahl der Grade oder Erkenntnisstufen haben - was man vielleicht mit dem Versetztwerden der Schüler von einer Klasse in die andere vergleichen könnte. In den Vereinigten Staaten gibt es zwei Hauptzweige, den Schottischen Ritus und den York-Ritus. Der Schottische Ritus hat 33 Grade, der York-Ritus, was man als 13 Grade bezeichnen könnte. Die ersten drei Grade haben sie jedoch gemeinsam; Logen, die in diesen Graden arbeiten, hei "Blaue Logen", weil Blau die Farbe der Freimaurerei ist. Wenn der Freimaurer den Meistergrad hat, entscheidet er sich - wenn er es nicht bei den ersten drei Graden bewenden lassen will - für diesen oder jenen Ritus, oder er mag auch bei beiden weitermachen, wenn er das erforderliche Interesse, die Zeit und die Mittel dazu hat. In den "Blauen Logen" lernt der Freimaurer alles, was für die Freimaurerei grundlegend und wichtig ist. Die meisten Mitglieder gehen bis zum dritten Grad. Der erste Grad ist der des Lehrlings, der zweite der des Gesellen und der dritte der des Meisters.

Folgendes ist ein Beispiel eines Aufnahme-Ritus in den ersten Grad, der auch gleichzeitig eine treffliche Illustration des Symbolismus ist, der in der Freimaurerei verwandt wird. In einem Nebenraum der Loge zieht der Ziegeldecker (Türhüter) dem Kandidaten Jacke, Weste, Kragen und Schlips aus und nimmt ihm alles, was aus Metall ist, wie Uhr und Geld, ab. Er knöpft ihm das Hemd auf, so daß seine linke Brust sichtbar wird, rollt ihm den rechten Hemdärmel bis zum Ellbogen hoch, das linke Hosenbein bis zum Knie und zieht ihm den rechten Schuh aus und steckt ihm dafür einen Hausschuh an den Fuß. Dann legt er ihm eine Schlinge um den Hals und verbindet ihm die Augen, all das versinnbildlicht, daß er eine im Dunkel der Ungewißheit umhertappende, arme, wandernde Seele ist, weil er kein Freimaurer ist.

Nachdem der Ziegeldecker das geheime Klopfzeichen gegeben hat, öffnet sich die Tür, und der Neuling steht der "Innenwache" gegenüber, die seine entblößte Brust mit der Spitze ihres Degens berührt. Das versinnbildet eine Prüfung der Willigkeit, sich der Todesgefahr auszusetzen, um die freimaurerische Erkenntnis zu empfangen. Dann wird er von einem anderen Beamten, dem jüngeren Aufseher in die Loge geführt, die als heiliger Boden betrachtet wird und wo ihm der Ehrwürdige Logenmeister das Gelübde abnimmt, durch das er sich unter anderem verpflichtet, keines der maurerischen Geheimnisse preiszugeben. Der Kandidat wiederholt dieses Gelübde Wort für Wort und besiegelt es, indem er das "heilige Gesetzbuch" küßt.

Dann werden dem Neuling Binde und Schlinge abgenommen und Zeichen, Erkennungswort und Griff des ersten Grades beigebracht. Er empfängt seinen Lehrlings-Schurz aus weißem Lammfell, und die verschiedenen maurerischen Symbole werden ihm erklärt. Man legt ihm auseinander, daß die Freimaurerei mit einer Leiter zum Himmel vergleichbar sei - die Leitersprossen seien die sittlichen Verpflichtungen. Durch Charakterbildung und Werke der Nächstenliebe könne er schließlich eins werden mit Gott. "Keine Bewegung kann sich rühmen, eine festere Grundlage zu haben als die Freimaurerei, nämlich die Pflege sittlicher und sozialer Tugenden."

Wenn der Kandidat in den zweiten Grad gefördert wird, erhält er unter anderem Unterricht in der tiefgründigen Weisheit der sieben Geistes- und anderen Wissenschaften der Alten : Grammatik, Logik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Er lernt auch, Salomo, seinen Tempel und dessen Erbauer, Hiram Abif, mit der Freimaurerei in Verbindung zu bringen.

In den ersten beiden Graden soll der Freimaurer lernen, wie man leben soll, im dritten Grad, wie man sterben soll. Bei der Beförderung in den dritten Grad wird symbolisch die Sage von Hiram Abif dargestellt, der den Tod der Preisgabe des Geheimnisses des dritten Grades vorgezogen habe, aber wieder lebendig geworden sein soll, als einer seiner treuen Genossen seine Hand mit dem dem dritten Grad eigenen Griff gefaßt habe.

Ihr religiöser Ursprung

Es gibt Freimaurer, die behaupten, die Freimaurerei sei wohl religiös, aber keine Religion; da sie aber erklären, daß "der Mensch Gott nie näher sei, als wenn geistig nackt vor dem Altar der Freimaurerei knie", muß sie doch eine Religion sein. Der Freimaurer Coil, Mitglied des 32 Grades, nimmt in seinem Buch "A Comprehensvive View of Freemasonry" diesen Standpunkt ein und zeigt, daß "die Freimaurerei in ihrem weitesten und umfassendsten Sinne ein System der Sittlichkeit und sozialen Ethik, eine primitive Religion und eine Philosophie des Lebens" sei. "Sie ist eine Religion ohne Glaubensbekenntnis, da sie keine Sekte ist, sondern in allen Religionen Wahrheit sucht."

Wie bereits angedeutet, bestehen bei den Freimaurern große Meinungsunterschiede, was Glaubenssachen, Sagen usw. anbetrifft. Folgendes diene als Beispiel: Der "heilige und geheimnisvolle Name des wahren und lebendigen Gottes", wie er den Mitgliedern des englischen "Holy Royal Arch Chapter" geoffenbart wird, ist Jah-Bul-On. Doch Dr. Albert Pike, einer der größten Gelehrten des Freimaurertums, sagte darüber: "Weder ein einzelner Mensch noch eine Körperschaft von Menschen können mich dazu bringen, ein Bastardwort, das zum Teil aus dem Namen eines verfluchten und bestialischen Heidengottes, der mehr als zweitausend Jahre lang zur Anrufung des Teufels verwandt wurde, besteht, als ein heiliges Wort anzuerkennen." Was dem einen Freimaurer das Heiligste ist, ist für einen anderen Anathema !

Zu den Punkten, in denen sie übereinstimmen, gehört der Glaube an die Existenz eines wahren Gottes. Dieser Gott kann jedoch die pantheistische Gottheit der Theosophen oder Buddhisten oder der dreieinige Gott der "Christen" sein. Ein weiterer grundlegender Glaubenssatz ist die Unsterblichkeit der Menschenseele, und zwar mag es sich dabei um die Unsterblichkeit handeln, die die Christenheit lehrt, oder um die Seelenwanderung des Buddhismus.

Ein typisches Beispiel dafür, wie die Freimaurerei von der Bibel borgt, sind ihre Riten zur Einweihung des salomonischen Tempels und das Fest des Passahlamms. Dieses Fest, das alljährlich am Abend des Karfreitags gefeiert wird, vereinigt die Gedächtnisfeier an den Tod Jesu mit dem jüdischen Passah. Das Freimaurertum hat auch von der jüdischen Sekte der Essener, dem Talmud und der Kabbala (jüdische Mystik) geborgt.

Weitere Quellen aus denen die Freimaurerei geschöpft hat, besonders was die höheren Grade betrifft, sind die alten heidnischen Religionen. In dem Buch "Morals and Dogma" von Pike, nimmt der Verfasser häufig auf die druidischen, ägyptischen, eleusinischen und die Mithras-Mysterien Bezug und auf die heidnischen Gottheiten Ormazd, Osiris, Isis, Mithras usw. Die "Encyclopedia Britannica" schreibt, daß das, was bisher über den Ursprung der Freimaurerei erforscht worden sei, vermuten lasse, "daß in der heutigen Freimaurerei ein intellektualisiertes Überbleibsel des Kultes des Sterbenden Gottes und der Fruchtbarkeitsriten vor uns haben".

Die Freimaurer geben auch zu, daß sie dem Taoismus und dem Konfuzianismus Dank schulden, und rühmen die griechischen Philosophen und Mathematiker über die Maßen. Sie vertreten auch die Auffassung, daß Buddha "der erste maurerische Gesetzgeber sei, dessen Andenken in der Geschichte für uns aufbewahrt blieb". Bezüglich der Proselytenmacherei hat die Freimaurerei mehr Ähnlichkeit mit dem aristokratischen Brahmaismus als mit irgendeiner anderen Religion, weil der "Brahmaismus vielleicht die einzige Religion ist, die die Proselytenmacherei mißbilligt". Es wird niemand eingeladen, sich den Freimaurern anzuschließen, sondern jeder muß aus eigenem Antrieb kommen.

Was zieht an?

Die obigen Darlegungen helfen ohne Zweifel verstehen, warum das Freimaurertum, im Gegensatz zu dem biblischen Christentum, so viele Weise, Mächtige und Edle "nach dem Fleische" anzieht. (l. Kor. 1:28, NW) Der Mensch empfindet den Drang, etwas Höheres zu verehren, und da die Freimaurerei in religiöser Hinsicht allumfassend ist, kommt sie diesem Drang der Menschen sehr entgegen. Sie behauptet sogar, "ihren Ursprung und Bestand allein dem religiösen Element", das sie enthalte, zu verdanken und daß sich "die Pflege der Freimaurerei durch weise und gute Menschen kaum lohnen würde, wenn dieses religiöse Element nicht darin vorhanden wäre". Man kann sagen, vorwiegend eine Männer-Religion, da sie manches von den Steinmetzen und den Ritterorden des Mittelalters herleitet und das Schwergewicht mehr auf die Mathematik und das Nachsinnen legt als auf Gefühle und blinden Glauben. Kein Wunder, daß viele Freimaurer das Empfinden haben, ihr religiöses Bedürfnis werde durch ihre Loge gestillt!

Ferner werden bestimmt viele Menschen durch das Bestreben der Freimaurerei angezogen, ihre Anhänger auf der Grundlage einer natürlichen Ethik zu dem Ideal edlen Menschentums hinzuführen, weil der Mensch das Bedürfnis hat, über sich selber zu siegen.. Sie setzt sich auch für religiöse und politische Freiheit ein, weshalb sie in katholischen und kommunistischen Ländern verboten ist und die Nazis und Faschisten sie unterdrückt haben. Der Freimaurer hat jedoch den Grundsatz, die Regierung zu unterstützen, die gerade an der Macht ist, und sich von jeder politischen Betätigung als Freimaurer fernzuhalten. In einigen Ländern sind sie jedoch verboten worden, weil sie für politische Reformen gekämpft haben.

Die Freimaurerei befriedigt auch das Bedürfnis des Menschen nach Anerkennung, weil sie Gelegenheit gibt, Mitglied einer geheimen Gesellschaft zu werden, und durch viele hochtönende Titel, angefangen beim "Ehrwürdigen Meister" bis zum "Erhabenen Fürsten des Königlichen Geheimnisses", sowie durch ihre Exklusivität, weil strenge Aufnahmebedingungen erfüllt werden müssen. Die ganze Loge stimmt über die Aufnahme eines Bewerbers ab, und eine Neinstimme - eine schwarze Kugel in der Abstimmungsurne - genügt, um jemandem zu verwehren, ein Freimaurer zu werden. Innerhalb der Freimaurerei gibt es auch eine Reihe sozialer Organisationen und Logen für die Frauen, Söhne und Töchter der Freimaurer. Einige dieser Organisationen unterstützen großzügig wohltätige Einrichtungen.

Ist sie für Christen?

Obwohl bei den Freimaurern bestimmte Grade jenen vorbehalten sind, die sich zum Christentum bekennen, besteht doch ein großer Unterschied zwischen den Lehren der Freimaurer und den Lehren der Bibel. Jesus sagte zum Beispiel: "Ich bin das Licht der Welt", aber die Freimaurer sagen, der Mensch sei so lange eine arme, in Finsternis umhertappende Seele - auch wenn er ein christlicher Diener ist, der sich Gott hingegeben hat -, bis er durch die Freimaurerei erleuchtet werde. Jesus sagte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich", aber die Freimaurer sagen, jede Religion führe zu Gott. Was Glauben und Anbetung betrifft, so schließt die Freimaurerei alles ein, die Bibel schließt alles, außer der einen Religion aus. Jehova Gott fordert "ausschließliche Ergebenheit". Umgekehrt verhält es sich bezüglich Mitglieder oder Nachfolger. "Machet zu Jüngern Menschen aus allen Nationen" und heißt jeden "der es wünscht", willkommen, sagt die Bibel, was der Exklusivität der Freimaurerei direkt entgegengesetzt ist. Denn diese verbietet nicht nur die Proselytenmacherei, sondern gibt der schwarzen Rasse überhaupt keine Gelegenheit, Freimaurer zu werden. Zweieinhalb Milliarden Menschen können niemanden daran hindern, ein Christ zu werden, aber ein einziger Mensch, der einen Groll gegen eine Person hegt, kann die Ursache sein, daß diese nicht in eine Freimaurerloge aufgenommen wird. - Joh. 8:12; 14:6; 2. Mose 20:5; Matth. 28:19; Off. 22:17, NW.

In seinem Werk "Encyclopedia of Freemasonry" (Sachwörterbuch der Freimaurerei) protestiert Mackey nicht nur gegen die "Verchristliehung der Freimaurerei", indem er unter anderem schreibt, daß die Freimaurerei älter sei als das Christentum, sondern führt in seinem Sachwörterbuch "Jesus" oder" Christus" gar nicht auf. Spätere Ausgaben enthalten eine Beschreibung des Lebens Jesu, doch wird es der Bibel überlassen, seine Existenz zu beweisen. Das ist in Übereinstimmung mit der Auffassung der Männer, die das Konstitutionsbuch der Freimaurer aus dem Jahre 1723 geschaffen haben die jeden Hinweis auf das Christentum ausmerzten. Auch Pike erklärt in seinem Buch "Morals and Dogma" : "So wenig wir Maurer dem Moslem sagen, der Glaube an Mohammed sei unwichtig, und dem Hebräer, er irre sich, weil er immer noch auf den Messias warte, so wenig sagen wir dem aufrichtigen Christen, daß Jesus von Nazareth nur ein gewöhnlicher Mensch gewesen sei oder daß das, was über ihn berichtet wird, nur eine wiederbelebte alte Legende sei."

Wie kann daher jemand, der glaubt, die Bibel sei Gottes inspiriertes Wort, ein Freimaurer sein? Ein britischer Geistlicher, der auch einer Freimaurerloge angehört, sagte: "Wenn die wahre Religion so beschränkt wird, daß kein anderer Name unter dem Himmel ist, in welchem wir errettet werden müssen [was die Christlichen Griechischen Schriften ausdrücklich und unzweideutig tun], dann muß ein solcher 'Christ' sein Gewissen bis zum äußersten belasten, wenn er sich in die umfangreicheren und tieferen Geheimnisse der Freimaurerei einführen läßt. Es ist mir ein Rätsel, wie jemand, der Christus als die einzige Offenbarung der Wahrheit betrachtet, ein Freimaurer werden kann, ohne daß dies bei ihm geistige Schizophrenie zur Folge hat."

Es ist so, wie der inspirierte Apostel Paulus sagte, daß "die Dinge, welche die Nationen opfern, sie Dämonen opfern und nicht Gott", "und ich will nicht", fährt er fort, "daß ihr Teilhaber mit den Dämonen werdet. Ihr könnt nicht den Becher Jehovas und den Becher der Dämonen trinken." Wahrlich" der Gegensatz zwischen dem biblischen Christentum und der Freimaurerei könnte in mancher Hinsicht kaum größer sein. - 1. Kor. 10: 20, 21, NW.

Um noch ein weiteres durchaus beachtliches Dokument zu zitieren.

9) "Das Goldene Zeitalter" (1924) zeitgenössisch zum Thema Freimaurer

Die Hochzeit der Hetze gegen die Freimaurer waren ohne Zweifel die zwanziger und dreißiger Jahre. Was es da heute in der Richtung noch gibt, ist mehr oder weniger nur Nachgeplänkel, namentlich aus dem Kreis der geistig etwas "Unterbelichteten". Jedenfalls ist die Freimaurerei für die heutige breitere Öffentlichkeit (abgesehen von ein paar Esoteriker und rechtsnationalistisch Angehauchten) kein Thema mehr.

Das sah in den zwanziger Jahren noch grundlegend anders aus. Der damals etwa auch die Schlagzeilen beherrschende Erich Ludendorff etwa, ist nur eines von vielen Beispielen. Damals kam keine Gruppe die relevant sein wollte darum herum, sich mit dem Freimaurerthema auseinderzusetzen. Dafür sorgte schon die damals akute Dolchstoßlegende. Und in der Tat ist auch zu registrieren. Auch die Bibelforscher haben sich zeitgenössisch mit dieser Frage auseinandergesetzt. Aber eben nicht "nur" sie; gleichwohl auch sie. Eine diesbezügliche zeitgenössische Stellungnahme war unter anderem in ihrer Zeitschrift "Das Goldene Zeitalter" (deutsche Ausgabe) vom 1. 3. 1924 abgedruckt. Sie sei nachstehend auch noch im vollen Wortlaut zitiert. Jeder der sich ein nüchternes Denkvermögen bewahrt hat, wird wohl schwerlich daraus die Verleumdungen der "Freimaurerriecher" entnehmen können. Aber wie wohl schon Einstein mal feststellte. Die menschliche Dummheit soll manchmal grenzenlos sein. Bei denjenigen, auf die das zutrifft, ist dann allerdings "Hopfen in Malz" hoffnungslos verloren. Nachstehend die angekündigte Zitierung:

Freimaurerei, ihr Charakter und Zweck.

(entnommen aus: Das Goldene Zeitalter, 1. 3. 1924)

Wir hatten vor einiger Zeit gelegentlich einer Frage im „Goldenen Zeitalter" darauf aufmerksam gemacht, daß wir über die eigentlichen Freimaurer nichts zu sagen vermöchten, weil uns einschlägige Literatur nicht zur Verfügung stehe, und wir uns auch noch nie mit dem Studium dieser Bewegung befaßt hätten. Es ist uns jetzt aus Kreisen der Freimaurer und Leser des „Goldenen Zeitalters" verschiedenes Material zugesandt worden, und wir hatten Gelegenheit, an Hand dieses Materials diese Bewegung zu prüfen. Wir haben Bücher zugesandt bekommen direkt von Freimaurern, auch geschrieben von Freimaurern, und wir haben Bücher gesandt bekommen von direkten Gegnern der Freimaurer und von neutralen Beurteilern der Freimaurerbewegung. Ein Leser des „G. Z." wunderte sich, daß wir nichts über Freimaurerei zu sagen wüßten, „alle Welt spräche doch davon". Das letztere wußten wir freilich auch, jedoch hat uns auch die Prüfung des uns gesandten Materials nur gezeigt, daß alle Schreiber entweder selbst sehr wenig wissen oder nichts wissen wollen, denn wenn das, was man über Freimaurer in auf dem Markt gekauften Büchern liest alles ist, könnte man sagen: „Viel Geschrei und wenig Wolle".

Nachdem wir alles eingehend untersuchten, kamen wir zu dem Resultat, daß jedenfalls die Vorwürfe, die man der Freimaurerei macht, wenn man behauptet, sie sei spiritistisch orientiert, oder sie sei ein System, das darauf ausgehe, die Menschen zu betrügen, um nur ihren Mitgliedern Vorteile zu verschaffen und viele andere Behauptungen mehr, ohne Zweifel der freien Phantasie derer entspringen, die von der Bewegung gar nichts oder nicht viel kennen und einfach aus dem Umstand, weil alles in und an ihr in der Tat heimlich geschieht, folgern, daß da etwas zu verbergen sei. Da Ausführliches und Erschöpfendes freilich auch eigentlich keine der drei vorgenannten Richtungen mit ihrer Literatur uns sagt und selbst das, was man aus von Freimaurern geschriebenen Büchern liest, sehr unzulänglich ist, möchten wir auch mit nachstehendem nichts Abschließendes gesagt haben, sondern ebenfalls nur Meinungen aussprechen.

Freimaurer sagen, es sei ihr Wunsch und Bestreben, die Welt und die Menschheit zu bessern, um die Menschen zu erziehen, abzulassen von gegenseitigem Bekämpfen und dahin zu kommen, im Menschen nur den Menschen ohne Unterschied und Ansehen des Standes und der Person zu sehen. Gegner der Freimaurer machen ihnen nun allerdings mit Bezug auf dieses den Vorwurf, daß die Freimaurerei selbst da sofort auf entgegengesetzten Bahnen wandle, indem sie sogenannte Rangunterschiede in ihren eigenen Reihen vom Lehrling bis hinauf zum Meister mache. Jedem Denker bleibt ferner bei der ganzen Sache unklar, weshalb die Freimaurerei, wenn nur das Obengesagte ihr einzigstes Bestreben ist, alles so geheimnisvoll anfängt. Wenn man vorurteilslos weiter untersucht, hat man sehr bald das Empfinden, als ob dies nur geschehe, um eben die Macht des Reizes des Geheimnisvollen zu benutzen, die Mitglieder an die Orden zu fesseln. Symbolische Handlungen und Worte, sowie Reden und Zeremonien sollen, wie von Freimaurern behauptet wird, ihr vorgenanntes Bemühen sowie die Feinde dieses Bemühens und die Methode, durch die sie zurückzudrängen sind, illustrieren, und durch gelegentliche Inszenesetzung dieser Zeremonien soll den Freimaurern dies immer wieder aufs neue in Erinnerung gerufen werden. Die Behauptung, daß Freimaurer etwas mit Spiritismus zu tun haben, wie es der Gedanke der in Nr. 2/1924 des „Goldenen Zeitalters" ausgesprochenen Frage war, scheint vom Katholizismus auszugehen; denn die Freimaurer erblicken im Katholizismus einen großen Feind der Menschheit und aller Bemühungen des Menschengeschlechtes, aus Unaufrichtigkeit, Egoismus und Sünde frei zu werden. Ihre Folgerung ist, daß der Katholizismus durch Ohrenbeichte mit darauffolgender Sündenvergebung dazu beitrage, die Menschen überhaupt leichtfertig gegenüber Ungerechtigkeit zu machen, weil ihnen ja stets Absolution nach der Beichte sicher sei und ferner, daß der Katholizismus die Entwicklung freien Denkens unterbindet, konfessionelle Gegensätze hervorruft, im geheimen und öffentlich schürt usw. usw. Der Umstand, daß die römische Priestermacht so böse ist auf die Freimaurerei, ist in unseren Augen eigentlich eine absolute Empfehlung für diese Bewegung, denn es ist eine Tatsache, daß das Unglück der Welt jahrhundertelang aus Rom gekommen ist. Viele denkende Menschen haben dies erkannt und ihr Bemühen ist, die bedrängte Menschheit von diesem Zersetzung und Uneinigkeit hervorrufenden Einfluß frei zu machen, und wenn man die Freimaurer unter diesen Leuten findet, so kann man verstehen, das jedes Mittel in den Augen der römischen Hierarchie recht ist, diese Bewegung zu verdächtigen.

In letzter Stunde wird uns noch eine Schrift zugestellt, betitelt 'Die Freimaurer am Scheidewege'. Deutlich ist in diesem sicher von Rom und seinen Anhängern ausgehenden Schriftchen der Versuch Roms zu sehen, einen Keil unter 'deutschvölkischer Maske der Judenhetze' hineinzutreiben. Nach der allgemein gehaltenen Bemerkung, daß die Freimaurer gegen die Jesuiten kämpfen, kommt der deutlich erkennbare Hauptzweck, die Aufmerksamkeit von der Schuld und Absicht Roms abzulenken, auf Seite 14 klar zum Ausdruck: 'der gefährlichste Feind … ist der Jude', das heißt soviel wie: Laßt ab von Rom! Und damit ihr was zu kämpfen habt, kämpft gegen die Juden. Weiter unten wird dann der von Rom überall angewandte Trick, den Protestanten die Bibel mit Liest und Lüge abzunehmen, deutlich sichtbar, wenn rassehetzend in Zweifel gezogen wird, ob Jesus ein Jude gewesen sei und anderer Unsinn mehr. Kurz und gut: auch diese von den in Rom sitzenden Feinden der Freimaurer bezw. deren Helfer, als 'Spaltkeil' in die Bewegung hineingetriebene Broschüre kann uns zu einer abschließenden Beurteilung nicht dienen. Nur eines vermögen wir zu sagen: Was man ihr in vorher angedeutetem Sinne nachsagt, ist unwahr. Ihre Heimlichkeiten finden zwar auch wir zum mindesten überflüssig, aber im übrigen vermöchten wir absolut nichts Nachteiliges oder Schlechtes über die Freimaurerbewegung zu sagen. Unser Rat für alle Menschen bleibt natürlich, nicht Freimaurerei zu studieren, sondern die Bibel und auch wir selbst wünschen in Zukunft nicht mehr unsere Zeit oder die Spalten des 'G. Z.' Für die Diskussionen über Freimaurerei zu gebrauchen und schließen deshalb hiermit die Debatte mit den Worten: 'Forschet in der Schrift!' - Joh. 5:39. P. Gd.

10) "Das Goldene Zeitalter" (1933) zeitgenössisch zum Thema Freimaurer

Auf drei Druckseiten (so umfänglich wie nie zuvor) ging dann die Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 3. 1933 nochmals auf das Thema Freimaurer ein.

Darin auch die Sätze:

Vom Hause Ludendorff und den Tannenbergbündlern werden der Freimaurerei schauerliche Dinge nachgesagt. Den Weltkrieg sollen sie angezettelt haben, zusammen mit den Juden soll sie die Welt durch eine feste Organisation in der Hand haben und nach immer gründlicher Beherrschung aller Länder streben. All das wird von der Freimaurer bestritten.

Es steht also Behauptung gegen Behauptung, und weil das Haus Ludendorff erwiesenermaßen eine überlebendige Phantasie hat und seine Anhänger bei anderen „Enthüllungen" oft nichts weiter enthüllten als einen starken Mangel an Wahrheitsliebe ... liegt kein Grund vor, gerade diese Seite mehr Glauben zu schenken. ...

Man geht aber wohl kaum fehl in der Meinung, daß das deutsche Logenwesen im allgemeinen nicht über den Charakter von Nützlichkeitsklubs hinausgeht. Auf annähernd gleicher Stufe stehende Kreise von Menschen finden sich dort zusammen, und wenn es sich da in einer Loge zumeist um Geschäftsleute handeln sollte, ist ein solcher Klub ja ein guter Ort, Geschäftsverbindungen anzuknüpfen und sich sonstwie Vorteile für die eigene Existenz zu verschaffen. ...

Aus Kreisen die dem Tannenbergbund nahestehen, ist im letzter Zeit wiederholt behauptet worden, die „Zeugen Jehovas" würden von den Freimaurer unterstützt, und die führenden Männer unter ihnen, vor allem Richter Rutherford und der Leiter des deutschen Büros, wären Freimaurer. Das ist eine Lüge; und um so dreist und frech zu lügen, muß man wirklich sein Gewissen gründlich erstickt haben in dem fanatischen Bestreben, den lieben Mimenschen von Tag zu Tag mit neuen „Enthüllungen" in den Ohren zu liegen.

In diesem Zusammenhang wird dann meist eine üble Verleumdung aus dem Jahre 1924 neu aufgetischt ...

Den Behauptungen dieser Kreise nach ist die Freimaurerei ein Ganzes (was sie in Wirklichkeit nicht ist). Ihren Versammlungen nach zählten auch jene deutschen Logen hierzu, die hauptsächlich unterm Einfluß evangelischer Geistlicher stehen. Wirklich belüstigend, der Gedanke, daß diese Kreise mit daran beteiligt wären, den Zeugen Jehovas Geld zu geben. ...

11) Ignorantentum

In Sachen Freimaurer-These ... welche ja seit den Tagen eines Robin de Ruiter, auch hierzulande allerkräftigsten Ursprung feiert, muss ich einige Leute des Ignorantentums bezichtigen.

Fritz Schlegel, Verfasser zweier Anti-Bibelforscher-Bücher aus den 1920er Jahren, in Personalunion katholischer Konfession.
Bezüglich besagtem Schlegel nehme ich mir die Freiheit, in namentlich als frühen katholischen Gesinnungs-Nazi zu bezeichnen.

Nun mag ja Herr Schlegel formal jener Partei nicht angehört haben. Das aber, ist dann wirklich nur eine Formalie.

Herr Schlegel gab damals auch eine Anti-Bibelforscher-Zeitschrift namens „Abwehr" heraus. Deren Lektüre ist noch heute hervorragend geeignet, um einem „die Haare zu Berge stehen zu lassen", selbst dann wenn diese nur schütter oder gar nicht mehr vorhanden sein sollten.

Aus besagter „Abwehr" vom August 1926 (S. 12f.) sei denn mal nachfolgendes zitiert:


„In meinem Buch ... habe ich (Schlegel) gezeigt, daß die Freimaurerei tatsächlich Satan als ihren Chef und Anführer betrachtet.
Es ist in diesem Zusammenhang interessant, daß die Bibelforscherzeitschrift „Das goldene Zeitalter" vor zwei Jahren den Eintritt in die Freimaurerei empfohlen hat!"

Hier schon muss das Zitat unterbrochen werden. Wie in Nazikreisen ja nicht unüblich, hält man sich nicht mit Belegen auf. Schlegel dito. Er redet also nur nebulös von einer „Goldenen Zeitalter"-Ausgabe vor zwei Jahren (demzufolge wohl 1924???); nennt aber keine konkrete Ausgabe.

Nun bin ich zum Glück nicht auf Herrn Schlegel angewiesen, was das „Goldene Zeitalter" anbelangt. Habe deren Jahrgänge vom ersten bis zum letzten, selbst ausgewertet, und wie ich meine keinesfalls nur oberflächlich. Hätte ich da irgendwo auch nur den leisesten Anhaltspunkt im Sinne der Schlegel'schen Unterstellung gefunden. Er hatte mich garantiert magisch angezogen.
Auch die heutigen Schlegel-Jünger haben ja durchaus noch die Chance, diesen Beweis nachzuliefern. Auf selbigem warte ich allerdings nicht, im klaren Bewusstsein. Diese Schlegel'sche Unterstellung ist nicht beweisbar.
Weiter im Schlegel-Zitat:

„Und nun kommt noch die Tatsache hinzu, daß die Freimaurerei vom Internationalen Judentum geführt wird. So sieht man also, Bibelforscher, Freimaurer und Jude Hand in Hand gehen im Ansturm auf die verhaßte kath. Kirche! Alle drei leugnen die Dreieinigkeit! Alle drei leugnen die unverfälschten katholischen Wahrheiten! Jude und Bibelforscher erwarten beide ein irdisches Paradies! ..."

Nun damit mag denn dieses Zitat sein Ende haben. Das ich zu Schlegel keine gute Meinung habe, brachte ich schon früher deutlich zum Ausdruck
Siehe dazu

Schlegel Startseite


Vom Katholiken zum Nazi

Aber das muss man ja dann auch wohl sagen. Bei der Lektüre irgendeiner „Goldenen Zeitalter"-Ausgabe muss ja wohl dieser Schlegel in seiner bekannten Einäugigkeit, etwas verquer in seine Kehle bekommen haben (was bei ihm ja nicht mehr verwundert), dass ihm zu der Behauptung veranlasste, Bibelforscher würden zum Eintritt in die Freimaurerei aufgefordert.

Nach Durchsicht aller GZ-Ausgaben kann ich eigentlich nur vermuten, es handele sich um die, aus dem Jahre 1924, weiter oben schon erwähnt
Und da müsste es doch eigentlich für die heutigen auch noch vorhandenen Freimaurerriecher Ehrensache sein, darzulegen, wo denn in diesem Artikel zum Eintritt in die Freimaurerei aufgefordert wird.

Den Beweis werden genannte nicht antreten können. Das kann dem Sachkenner schon vordem klar sein.
Und weil das so ist, bezichtige ich die heutigen Freimaurerriecher in aller Form als in Kontinuität zu den Nazis stehend zu sein.

Wer denn sich in solcher Gesellschaft „wohlfühlt" dem ist dann allerdings nicht mehr zu helfen!

Auch das erscheint noch zitierenswert;
In der Ausgabe der „Abwehr" vom August 1928, zitiert Schlegel auch umfänglich aus einer Anti-Freimaurer-Enzyklika des Papstes Leo XIII.

Besagter Herr Papst meinte darin auch den „obersten Grundsatz der Freimaurerei" den zu bekämpfen er Kraft seiner Wassersuppe sich auserwählt sah, wie folgt beschreiben zu sollen (wörtliches Zitat):


„Wie der Name genugsam andeutet, heißt der Hauptgrundsatz der Naturalisten: Die menschliche Natur und die menschliche Vernunft muß in allem oberste Lehrerin und Führerin sein. Von dieser Voraussetzung ausgehend, kümmern sie sich wenig um die Pflichten gegen Gott oder entstellen dieselben durch irrige und schwankende Meinungen. Sie leugnen nämlich jede göttliche Offenbarung; sie erkennen kein Dogma an in der Religion, keine Wahrheit, die der menschliche Verstand nicht begreift, keinen Lehrer, der Kraft seiner Amtsgewalt das Recht hat, Glauben von uns zu fordern. Da aber der katholische Kirche einzig und allein die Aufgabe zuteil wurde, die geoffenbarte Wahrheiten und das Lehramt mit den übrigen zum Heile notwendigen Gnadenmitteln unverkürzt zu besitzen und unversehrt zu beschützen, so richtet sich demnach gegen sie der ganze Zorn und der Ansturm der Feinde."

Und im weiteren Verlauf seiner Ausführungen, meinte besagter Herr Papst in dieser Enzyklika aus seinem Herzen keine Mördergrube machen zu sollen, wenn er denn den Freimaurern weiter vorwirft:

„In der Tat, seit langem ist sie (die Freimaurerei) unermüdlich bestrebt, den Einfluß des kirchlichen Lehramtes und der katholischen Autorität im Staate zu vernichten; aus diesen Grunde verkündigt und verteidigt sie überall den Satz, Kirche und Staat seien vollständig zu trennen."

Und offenbar fiel es der Catholica auch nicht sonderlich schwer, auch die Bibelforscher in dieses Raster hineinzupressen. Die Sozialisten und Kommunisten, so weis Herr Schlegel weiter zu belehren "hätten ja bereits nach dem Urteil dieses großen Papstes die Freimaurerei zur Mutter." Und in solcher Weltsicht kommt es dann wohl auf einen weiteren Buhmann mehr, namens Bibelforscher, auch nicht mehr an.

Diesen Kontext sollte man auch beachten. Wer sich daher zum heutigen Sprachrohr dieses verblichenen Papstes noch macht, der offenbart eine bemerkenswerte Geschichtslosigkeit. Noch schärfer formuliert.
Er offenbart Dummheit hoch zehn!

Entlarvend ist auch die Schlegelsche Aussage in Nr. 9/1929 (S. 148f.) seiner "Abwehr". In ihr unterstellt er wieder einmal, die Freimaurerei sei "die Mutter der Bibelforscher".
Er lässt es bei dieser aber nicht bewiesenen Unterstellung bewenden, sondern steigert sich zu der Aussage:


"Selbst wenn es gelänge, den Bibelforschern ihr Handwerk zu legen (aber keine Bange: so was ist höchstens in der Schweiz möglich, aber nicht in Deutschland, wo Staatsfeinde bevorzugt, vaterlandslose liebende Männer aber verfolgt werden!); so hat die Mutter, die Freimaurerei, noch viele Kinder, die sie unter anderm Namen auf die Menschheit loslassen kann. Ob sie neben den Baptisten, Adventisten, Methodisten, Sabbatisten u. a. noch einige weitere Duzende von Sektierern aufmarschieren läßt, macht ihr nichts aus."


Das sollten denn doch mal die Freimaurerriecher auch kommentieren, die da in ihrer "heiligen" Einfalt, noch heute diese Alt-katholischen Thesen kolportieren.
Im Stile eines Glaubensbekenntnisses. Und Glaubensbekenntnisse halten sich bekanntlich nicht mit Beweisen auf.

Es wurde schon verschiedentlich registriert, dass es besonders die Antisemiten waren, die in der Frühzeit der deutschen Bibelforscher, auf der Kritikerseite „tonangebend" waren. Sie waren die ersten, die zum großen „Hallerli" aufriefen. Kirchliche Kreise schloßen sich ihnen zwar an, sind jedoch als weitgehend in deren Windschatten stehend, zu bewerten.

Antisemitismus in Deutschland gab es mit Sicherheit nicht „erst" ab 1933, sondern eben auch schon davor. Als eine seiner Wurzeln ist beispielsweise die Inflation (die wiederum Folgewirkung des Weltkrieges) anzusprechen. Orientierungslose Kreise waren dabei für vielerlei Verschwörungstheorien anfällig. Die „marktbeherrschende" dabei wiederum der Antisemitismus.

Sieht man sich heutige evangelikale kirchliche Kreise etwas näher an, begegnet man in ihnen nicht selten, der theologischen Israel-Verklärung. Was heute in genannten Kreisen weitgehend verbreitet ist, war in den 1920er Jahren dort eher die Ausnahmeposition. Nachhaltig wirkte eben. Man war zur Kaiser's Zeiten „Staatskirche". Man war zunehmend „Kulturchristentum", weniger aber „Bibelchristentum".

Dieser Konflikt brach dann noch ganz gravierend etwa mit dem Aufkommen der „Deutschen Christen" auf. Sich politisieren zu lassen, der Schritt war und ist für „Kulturchristen" nur ein äußerst geringer. Auch heute noch. Allenfalls ist dabei lediglich die Frage für „was" man sich politisieren lässt. Man denke nur an eine Partei wie die CDU/CSU und man hat ein plastisches Beispiel der Politisierung von „Kulturchristen".

In ihrem Selbstverständnis waren die dem Urchristentum nachjapsenden Bibelforscher, keine „Kulturchristen" sondern wie sie es schon durch ihre Namenswahl zum Ausdruck brachten, Bibelchristen. Ihr Level der relativen „Weltentrücktheit" beinhaltete eben auch die theologische Israel-Verklärung. Auf diesem Felde leisteten sie damals (auch in Deutschland) relative Schrittmacherdienste. Das die diesbezügliche „Stafette" dann später auf andere überging; kann jetzt im Rahmen dieser Betrachtung nicht weiter bewertet werden.


Jedenfalls steht fest. Die zeitgenössischen „Kulturchristen" hatten so gut wie kein Verständnis für die Positionen der Bibelchristen.
In ihrer Sicht entsprach dieser „USA-Import" einem tatsächlichem „Kulturbruch" und entsprechend machten sie auch Front dagegen.

Wie auch bei anderen Kritikerpositionen
(Kritiker ist nicht gleich Kritiker. Auch da gibt es himmelweite Unterschiede). Wie auch bei anderen Kritikerpositionen, nahm die WTG nur relativ selten frontal dazu Stellung. Eine der wenigen Aussagen der zeitgenössischen WTG zu ihren antisemitischen Kritikern, kann man in der Magdeburger Ausgabe des „Goldenen Zeitalters" vom 15. 1. 1924 begegnen (Als Novum zu registrieren. In der Berner GZ-Ausgabe bereits am 1. 2. 1923 gedruckt. In der Frühzeit war es doch die Regel, dass die Magdeburger GZ-Ausgabe die Artikel der Ausgabe Bern, zeitverzögert nachdruckte. Hier aber lag einer der seltenen Ausnahmefälle von dieser Regel vor, zumindest die Frühzeit betreffend). In der Form einer Fragenbeantwortung, wird darauf von WTG-Seite eingegangen. Sonderlich aussagekräftig ist das dort gesagte sicherlich nicht. Das ist unstreitig. Es gilt aber, wie gesagt, auch den Kontext zu beachten, dass von WTG-Seite nur selten (damals und heute), auf Kritikerpositionen direkt eingegangen wird.

Das Problem ist: eben eine typische Weltverschwörungsthese

Für die Nazis wurden „die" Juden zum Weltbuhmann hochstilisiert. Selbst ein Karl Marx blieb nicht davor verschont. Persönlich einen durchaus unreligiösen Lebensstil praktizierend, aber eben auch mal Rabbiner in seiner Familiengeschichte aufweisend.
Ergo betrieben und beitreiben die großen Vereinfacher Sippenhaft.
Ergo wurde auch die eine dezidiert Religionsfeindliche Politik betreibende Sowjetunion, trotz dieses Umstandes als „Judenrepublik" diffamiert.

Nun ist die deutsche Geschichte sicherlich nicht bruchlos verlaufen.
In den 1870er Jahren konnte zwar Bismarck etwa noch Frankreich kriegerisch demütigen. Das hatte für Deutschland noch einen Nebeneffekt der sogenannten Gründerjahre.
Die den Franzosen als Folge ihrer militärischen Niederlage abgetrotzten Kriegstribute, beförderten zeitweise das deutsche Wirtschaftswachstum.
Auf der Gegnerseite beförderte es den Wunsch nach Revanche, zur passenden Zeit.
Sie sollte mit dem ersten Weltkrieg dann eintreten.

Deutsche Propagandathese war. Dieser Krieg könne nur mit einem „Siegfrieden" enden. Er endete aber damit eben nicht.
Wäre nicht inzwischen die Sowjetunion, als politisches Staatengebilde entstanden, die auch anderen Westmächten Angst und Schrecken einjagte, wäre es mit Deutschland garantiert, nach dem Weltkrieg noch weitaus krasser bergab gegangen, als es ging.

Die Deutschland auferlegten Reparationen via Versailler Vertrag, wären gnadenloser praktiziert worden.
Aus Angst vor dem „russischen Gespenst", pfiffen namentlich die USA, Frankreich zurück, das weitaus mehr an Revanche durchsetzen wollte, als es letztendlich konnte.

Aber auch so waren die Folgen des verlorenen Krieges schon schlimm genug. Namentlich auch die Inflation, die breite Bevölkerungsschichten ins Elend trieb.

Und wo es Elend gibt, da schlägt die Stunde der Verschwörungstheoretiker, da schlägt auch die Stunde der Jenseitsverkäufer.

Hauptthese der Nazis, die es verstanden, dieses Elend in politische Münze umzusetzen, war halt eben der Antisemitismus.

Noch andere Kräfte der Weltgeschichte erlebten ihr „Waterloo", wenn auch etwas zeitlich früher. Halb Italien gehörte einstmals dem Kirchenstaat. Selbigem wurde bis zur Neubelebung durch Mussolini dann der politische Garaus gemacht.
Und die Catholica registrierte genau, was für politische Kräfte das waren.
Eben auch namentlich Freimaurer, zu damaligen Zeiten, nicht selten identisch mit der Großbourgeosie.
Und in dieser Gemengelage sparte sie auch nicht an Verfluchungen über sie.

Nach dem Weltkrieg bestand diese These aber weiter, zunehmend sakularisiert. Jetzt war die Motivation der säkularen Kräfte, die sich ihrer annahmen, das suchen und „finden" eines Sündenbockes, dieweil der Weltkrieg eben nicht so geendet hatte, wie die „Siegfrieden-Strategen" sich das mal erträumt hatten.

Einmal auf dem Markt, haben solche Verschwörungstheorien, ein schier unendliches Leben, sie verpuppen sich zwar mal. Aber in der Subtanz sind sie ziemlich identisch.

Und ein besonders aufnahmefähiges Publikum finden sie in der Tat bei den Geschichts-Analphabeten.
Selbige sind zwar nicht Analphabeten im buchstäblichen Sinne,
Die Bibel und auch WTG-Publikationen haben sie denn schon mal gelesen. Vielleicht auch Springer-Presse-Erzeugnisse. Oder ihre Äquivalents, namentlich im Fernsehen, oder auch Verschwörungstheoretische Webseiten usw..

Objektiv betrachtet, sind sie dennoch als Geschichts-Analphabeten zu bezeichnen, auch wenn sie sich denn selbst nicht so sehen.
Und auf ihrem Boden finden halt Verschwörungstheorien einen fruchtbaren Nährboden.
Und das schlimme ist. Es gibt diese Spezies nicht nur in Kreisen mit einer gewissen religiösen Sozialisation.
Es gibt sie auch anderorts wovon beispielsweise die Fangemeinde eines „Jan Helsing", „Jo Conrad", und wie sie denn alle heißen, beredtes Zeugnis ablegt.

MacKenzie.jpg (197567 Byte)

Die unsäglichen Protokolle der Weisen von Zion

Erich Brüning und Occult Theocracy

Paul Bräunlich und Leo Taxil

Sylvie Freymond und die Verschwörungstheoretiker

Robin de Ruiter und Co

Der Fall Fritz Springmeier

Ditlieb Felderer

Weltverschwörungstheorien

Pachtler. Der Götze Humanität. Oder das Positive der Freimaurerei.

Pöhlmann: Freimaurer

Zum Thema.Illuminaten

Dämonenbilder

Geschichte der Zeugen Jehovas

ZurIndexseite